Aus dem Risale-i Nur Gesamtwerk
Strahlen
Kommentare zum Qur'an
von
Bediüzzaman Said Nursi
Said Nursi (1877-1960)
...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte.
...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken.
...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde.
...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.
Titel der Originalausgabe:
Şuâlar
Übersetzt von:
Davut Korkmaz
Piccoloministraße 607
51067 Köln
http://www.lichtstr.de
Mitarbeiter:
R. Wagner, U. Grünberg
(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt
Regeln für die Schreibweise und Aussprache für die in diesem Buch verwendeten Fremdwörter:
Dhentspricht der engl. Aussprache in "there"
Ghentspricht dem deutschen "r"
Khentspricht dem "ch" in "Acht"
Shdeutsches "sch"
Thentspricht der engl. Aussprache in "thing"
Djentspricht der Aussprache des "dsch"
Tjentspricht der Aussprache des "tsch"
Qhauchloses "k"
Rwird grundsätzlich gerollt
Swird scharf ausgesprochen wie "ß"
Hwird grundsätzlich ausgesprochen
Vwird "w" ausgesprochen
Ywie in deutsch "Ja"
Zwie deutsches "s" am Silbenanfang
Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen.
Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah,Mehrzahl: Ayat)wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.
Zweiter Strahl
Die letzte Frucht (= Abhandlung) aus dem Gefängnis in Eskishehir
Zweiter Strahl des Einunddreißigsten Blitzes
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen."}
Dieser Strahl wurde vor sechzehn Jahren geschrieben (1935), zu einer Zeit, als ich nach der Entlassung meiner Freunde allein im Gefängnis zu Eskischehir zurückgeblieben war. Ich hatte (diesen Strahl) mit meiner eigenen nur sehr unzureichenden Handschrift zu einer sehr aufreibenden und höchst unerfreulichen Zeit in großer Eile geschrieben, weshalb denn auch manches ziemlich ungereimt erscheint. Als ich ihn nun kürzlich korrigiert habe, sah ich, dass er dennoch äußerst wertvoll, voller Kraft und von großer Bedeutung ist.
Said Nursi
(Dieser Strahl bildet den Siebenten Punkt, im Anhang zu den sechs Punkten, die bereits im Dreißigsten Blitz behandelt worden waren, und handelt von
اَللّٰهُ اَحَدٌ
{"dem Einen Gott"},jenem größten Seiner Namen (Ism-i A'dham).)
Anmerkung
Diese Abhandlung ist meiner Meinung nach auf Grund der bedeutungsvollen und sehr subtilen Geheimnisse des Glaubens, die sie enthält, entwickelt und zur Darstellung bringt, von großer Wichtigkeit. Wer diese Abhandlung liest und versteht, wird - so Gott will - seinen Glauben bewahren. Leider hatte ich hier keine Gelegenheit, mich mit irgendwem zu treffen, um ihn darum zu bitten, sie noch einmal sauber abzuschreiben. Willst du den Wert dieser Abhandlung verstehen, so lies vor allem erst einmal die Zweite und die Dritte Frucht und das Nachwort mit der Problemstellung auf den letzten beiden Seiten an ihrem Ende aufmerksam durch. Danach erst studiere sorgfältig den ganzen (Text).
Siebenter Punkt
Anhang zu den sechs Punkten, welche die Sechs Gewaltigen Namen erläutern. (Dieser Punkt) handelt von
اَللّٰهُ اَحَدٌ
{"dem Einen Gott".}
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَبِهِ نَسْتَعِينُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen... und von Ihm kommt unsere Hilfe."}
Von jener geradezu einzigartigen Aussage der Ayah فَاعْلَمْ اَنَّهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"... und wisse, dass es keine Gottheit gibt, außer Gott" (Sure 47, 19)} und zugleich auch durch die allgemein bekannte Eidesformel
des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, in meinem Inneren angerührt, verspürte ich jene feinsinnige Anspielung auf drei wunderschöne, süße, subtile Früchte göttlicher Einheit (tauhid),drei Dinge, die sie erforderlich machen und drei Dinge, die zu ihrem Beweis dienen.
So war denn die Eidesformel, die Gottes höchst ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, zu schwören am häufigsten gebrauchte, war der Ferman, den er stets wieder verwendete
وَالَّذِى نَفْسُ مُحَمَّدٍ بِيَدِهِ
{"Bei dem, in dessen Hand die Seele (nefs) Mohammeds ruht."}
Und diese Eidesformel zeigt, dass selbst der höchste Wipfel des Weltenbaumes und seine entferntesten Zweige und seine feinsten Verästelungen aus der Macht (qudret)und dem Willen (irade)jenes Einen und Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)Wesens heraus existieren. Denn wenn die Seele selbst noch des erlesensten und außergewöhnlichsten Geschöpfes, die (Seele) Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, sich nicht selbst besitzt und nicht frei ist in ihren Handlungen, vielmehr in ihren Bewegungen an einen anderen Willen (ihtiyar)gebunden ist, so kann es sicherlich keine Funktion, keinen Umstand, keinen Sachverhalt geben, weder teilweise noch insgesamt, der außerhalb des alles umspannenden Willens (ihtiyar)und Seiner alles umfassenden Macht (iqtidar)läge.
Was in der Tat mit dieser bedeutungsvollen Eidesformel Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zum Ausdruck gebracht wird, ist die Herrschaft (Rububiyet)jener allgewaltigen und alles umfassenden Einheit (tauhid).Da nun aber bereits hundert, ja vielleicht tausend klare Beweise dieser Göttlichen Einheit (tauhid)in der Risale-i Nur als der Lampe für das Licht des Qur'an (Siradju-n'Nur)erklärt worden sind, wollen wir hier nur noch auf die Einzelheiten und Beweise für diese erhabene Wahrheit hinweisen. In diesem Zweiten Strahl, und zwar in den ersten
drei kurzen Kapiteln, wollen wir nun diese höchst bedeutende Glaubenswahrheit kurz zusammenfassend erklären, als drei subtile, süße, kostbare, leuchtende, zum Wohle aller bestimmte Früchte unter zahllosen anderen Früchten und dabei auf jene Einsichten und Erfahrungen anspielen, die mein Herz zu diesen Früchten hingezogen haben.
Im Zweiten Kapitel sollen dann drei universale Motive und Themen zur Sprache kommen, welche diese heilige Wahrheit notwendig werden lassen, da sie die Kraft von dreitausend solcher Themen haben.
Im Dritten Kapitel sollen dann drei Merkmale der Wahrheit von der Göttlichen Einheit (tauhid)Erwähnung finden, welche die Kraft von dreihundert solcher Merkmale, Andeutungen und Beweise in sich tragen.
Die Erste Frucht des Ersten Kapitels
In der Göttlichen Einheit (tauhid)und Allgegenwart (vahdet)werden die Göttliche Schönheit (djemal)und die Vollkommenheit des Herrn (kemal)offenbar. Gäbe es diese Göttliche Allgegenwart (vahdet)nicht, bliebe dieser urewige Schatz verborgen. Und es ist in der Tat dieser Spiegel Göttlicher Allgegenwart (vahdet),der es bewirkt, dass die Göttlichen Namen, mit Hilfe dieser Göttlichen Allgegenwart (vahdet)schließlich in den einzelnen (Früchten) am Ende des Baumes der Schöpfung wie in einem Brennpunkt in ihrer grenzenlosen Göttlichen Schönheit und Vollkommenheit, in der unendlichen Vollkommenheit ihres Herrn, Seiner Lieblichkeit, Seinen unzählbaren Wohltaten, in den kostbaren Gaben des Allbarmherzigen (baha-i Rahmani)und in der so unendlich vollkommenen Schönheit des Unvergleichlichen (kemal-i djemal-i Samedani)in Erscheinung treten.
Wenn also z.B. in einem einzelnen besonderen Akt der Hilfeleistung an einem Säugling, der sich nicht selbst helfen (iktidarsiz ve ihtiyarsiz)und versorgen kann, von einer Stelle aus, wo man es eigentlich gar nicht erwartet, nämlich mitten zwischen Blut und Ausscheidungen, reine, saubere, weiße Milch herangetragen wird, so wird, vom Standpunkt der Betrachtung der Bestätigung Göttlicher Einheit (tauhid)aus betrachtet, sogleich durch die wunderbare, zärtliche Versorgung aller Menschenkinder und der Jungen aller Tiere und der sie versorgenden Mütter die unsterbliche Schönheit und Barmherzigkeit des Allerbarmers (rahmet-i Rahman djemal-i Layedhel)in all Seiner Herrlichkeit sichtbar. Wenn man diese Dinge nicht mit den Augen Göttlicher Einheit (tauhid)betrachtet, so bleibt diese Schönheit verborgen und diese besondere Art der Versorgung wird den Ursachen zugeschrieben, dem Zufall oder der Natur, wodurch sie ihren Wert ganz und gar verliert und sogar in ihrem Wesen verfälscht wird.
Betrachtet man z.B. die Heilung von einer fürchterlichen Krankheit vom Standpunkt einer Bestätigung Göttlicher Einheit (tauhid)aus, so wird bei all den Kranken das Geschenk der Genesung in diesem riesigen Sanatorium, das man die Erde nennt, durch die Heilmittel, die Medizin aus dieser großen und weiten Apotheke, die man die Welt nennt, im individuellen wie universellen, nämlich die Schönheit des Allbarmherzigen in Seiner Vollkommenheit (Rahiem-i Mutlaq djemal-i shefqat)und die Taten Seiner Barmherzigkeit (rahimiyet)in einer alles umfassenden, strahlenden Weise sichtbar. Betrachtet man hingegen (diese Heilung) nicht vom Standpunkt der Bestätigung Göttlicher Einheit (tauhid)aus, so wird man dieses besondere Geschenk der Heilung, wie es doch nur (aus der Hand dessen kommen kann,) der (um all diese Dinge) weiß, sie wahrnimmt, sich ihrer bewusst ist, den Eigenschaften einer leblosen Medizin, blinden Kräften oder einer unbewussten Natur zugeschrieben, wodurch Ihr (eigentliches) Wesen völlig verändert wird und die (in ihr verborgene) Weisheit, ihr (wahrer) Wert werden verloren gehen.
Ich möchte hierbei einen Punkt näher erläutern, der mir im Zusammenhang mit einem Segensgebet (salavat)in den Sinn gekommen ist. Es ist dies wie folgt: Am Ende der Rezitationen (tesbihat)nach den täglichen Gebeten (namaz)wird bei den Schafis sehr häufig dieses allgemein bekannte Segensgebet (salavat)angefügt:
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ بَعَدَدِ كُلِّ دَآءٍ وَدَوَآءٍ وَبَارِكْ وَسَلِّمْ عَلَيْهِ وَعَلَيْهِمْ كَثِيرًا كَثِيرًا
{"Oh Gott, segne unseren Herrn Mohammed, die Familie Mohammeds entsprechend der Anzahl aller Krankheiten und ihrer Heilmittel. Segne ihn und sie alle und schenke ihnen die Überfülle Deines Friedens und Deines Segens!"}
Dies ist wichtig, denn entsprechend der Weisheit der Erschaffung des Menschen und dem Geheimnis seiner Vielseitigkeit sucht er jederzeit und in jedem Augenblick Zuflucht bei seinem Schöpfer, dankt (shukur)Ihm, lobt und preist (= hamd)Ihn. Auch die Krankheit gleicht einem Peitschenschlag, der den Menschen in aller Schärfe und Deutlichkeit zur Schwelle Gottes hintreibt. Die süßesten Gaben, die den Menschen dazu antreiben, mit ganzem Eifer zu danken, (Gott) zu loben und Ihn zu preisen sind vor allem seine Genesung, seine Heilmittel und sein Wohlergehen. Daher ist dieses Segensgebet ganz besonders angesehen und von solch großer Bedeutung. Manchmal, wenn ich بِعَدَدِ كُلِّ دَآءٍ وَدَوَآءٍ {"nach der Anzahl der Krankheiten und ihrer Heilmittel"} rezitiere, scheint mir die Erde einem Sanatorium zu gleichen und ich spüre die ganz offensichtliche Gegenwart des wahren Heilers (Shafi-i Haqiqi),der die Heilmittel für alle leiblichen wie geistigen Krankheiten schenkt, der uns in all unseren Nöten entgegen kommt, Seine allumfassende Güte (shefqat)und Seine heilige, sich weit und breit erstreckende Barmherzigkeit (rahimiyet).
Wenn man also z.B. das Geschenk (ihsan)der Rechtleitung und des Glaubens, das einem Menschen gegeben wird, der die so fürchterlichen innerlichen Qualen auf seinem Irrweg erfährt, vom Standpunkt der Bestätigung Göttlicher Einheit (tauhid)her betrachtet und die urewige Schönheit des Freigiebigen und Allgütigen (Kerim ve Muhsin),die diesen kleinen, sterblichen (fani),schwachen Menschen offensichtlich durch diese außerordentliche Gabe mit einmal zu einem Diener (abd),ja zum Gesprächspartner seines Geliebten macht, dem Schöpfer und Herrscher über das gesamte Universum zuschreibt, so wird Er ihn in seinem Glauben, und mit ihm alle Gläubigen ihrer jeweiligen Stufe entsprechend, mit ewiger Glückseligkeit in einer weiten, breiten, prächtigen, ewigen Welt beschenken und sie ihm zu ewigem Eigentum geben. Ein einziger Strahl dieser urewigen Schönheit ist von der Art, dass er alle Gläubigen zu Seinen Freunden werden lässt, sodass einige von ihnen in aller Aufrichtigkeit von Seiner Liebe (ashk)gefangen genommen werden. Wenn aber (der Mensch das Geschenk des Glaubens) nicht vom Standpunkt der Einheit Gottes (tauhid)aus betrachtet, so wird er seine ganz persönliche Überzeugung entweder, anmaßend und von sich selbst überzeugt wie die Mu'tesiliten, sich selbst zuschreiben oder aber auf die Ursachen zurückführen. Dann aber wird dieses funkelnde Juwel des Allbarmherzigen (Rahman),dessen wahrer Wert und Preis das Paradies ist, zu einer Glasscherbe reduziert werden und somit als Spiegel für den Strahl Seiner Heiligen Schönheit (djemal)verloren gehen.
So möge man denn nun auf Grund dieser drei Beispiele erkennen, wie, vom Standpunkt der Einheit Gottes (tauhid)betrachtet, tausende Arten und hunderttausende verschiedener Erscheinungsformen Göttlicher Schönheit (djemal-i Ilahi)und der Vollkommenheit des Herrn (kemal-i Rabbani)in den einzelnen Arten des Seins in konzentrierter Form am äußeren Rande jeglicher Vielfalt in all ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen sichtbar werden, erkannt und
verstanden werden und in ihrer Wahrhaftigkeit festgestellt werden können.
So ist es denn, weil diese Schönheit Gottes und Seine Vollkommenheit (djemal-i ve kemal-i Ilahi)durch die Bestätigung Göttlicher Einheit (tauhid)im Herzen sichtbar und in der Seele (ruh)spürbar werden, dass alle Heiligen, Mystiker und Gottesfreunde ihre süßeste Freude und zarteste innere Versorgung in der ständigen Erinnerung (dhikr)und Wiederholung des لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."} jener Formel der Einheit (kelime-i tauhid)gefunden haben. Weil nun aber darüber hinaus die ganze, gewaltige Größe Gottes (azamet-i kibriya),die Majestät des Hochgelobten (djelal-i Subhani)und das Königreich des vollkommenen Herrn in Seiner Unvergleichlichkeit (saltanat-i mutlaqa-i Rububiyet-i Samedaniye)in diesem Wort der Einheit verwirklicht werden, erließ Gottes ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, den folgenden Ferman
اَفْضَلُ مَا قُلْتُ اَنَا وَالنَّبِيُّونَ مِنْ قَبْلِى لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ
das heißt: "Die größte Tugend und das kostbarste Wort, das ich und die Propheten, die vor mir gekommen sind, (der Welt) gebracht haben, ist das Wort لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Obwohl nun eine Frucht, eine Blume, ein ganz kleines Geschenk, eine Wohltätigkeit wie ein Lichtlein, nur einem kleinen Spiegel gleicht, so steht es doch im Geheimnis der göttlichen Einheit (tauhid)plötzlich mit allen seinesgleichen Schulter an Schulter, verwandelt sich so in einen großen Spiegel und zeigt uns einen Aspekt der Schönheit
Gottes (djemal)entsprechend seiner jeweiligen Art. In seiner vergänglichen, doch nur flüchtigen Anmut verweist es auf eine ewige, bleibende Schönheit. So wie Maulana Djelalu-d'Din Rumi einmal sagte
اٰنْ خَيَالاٰتِى كِه دَامِ اَوْلِيَاسْت ٭ عَكْسِ مَهْرُويَانِ بُوسْتَانِ خُدَاسْت
{"Die Vorstellungskraft, welche für die Heiligen einer Saite gleicht, ist für sie auch ein Spiegelbild der mondengleichen Schönheit des Gartens Gottes."}
Sie wird zum Spiegel Göttlicher Schönheit. Gäbe es nicht dieses Geheimnis Göttlicher Einheit (tauhid),so würde jede einzelne Frucht für sich allein bleiben. Sie würde weder diese Heilige Schönheit (djemal)noch ihre erhabene Vollkommenheit (kemal)zeigen. Sogar dieser besondere Funke in ihr würde verlöschen und zu Grunde gehen. Er würde sich in sein Gegenteil verkehren und von einem Diamanten zu einer bloßen Glasscherbe werden.
Ebenso tritt durch das Geheimnis Göttlicher Einheit (tauhid)in allen lebenden Wesen, welche die Früchte am Baum der Schöpfung sind, Gott in Seiner Persönlichkeit, der Herr als der Alleine (ahadiyet-i Rabbani),der Allerbarmer (Rahman)mit Seinen Sieben Attributen (sifat)in Seiner inneren Gestalt, in der Konzentration Seiner Namen, in der Offenbarung Seiner bestimmenden persönlichen Attribute in Erscheinung als der, den wir mit den Worten ansprechen:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und bei Dir allein suchen wir unsere Zuflucht." (Sure 1, 5)}
Wäre dies nicht so, so würde Seine Persönlichkeit, Seine Alleinheit (ahadiyet)und das Antlitz Seiner Göttlichkeit und die Offenbarung Seiner persönlichen Attribute sich so weit wie das ganze Universum ausdehnen, ausbreiten und auf diese Weise verborgen bleiben. Sie könnte nur noch mit den Augen solcher Herzen erblickt werden, die wahrhaft groß und weit (genug sind, um alles zu umfassen).
Denn Seine gewaltige Größe (azamet ve kibriya)würde Ihn wie ein Schleier umhüllen, sodass nicht jedes Herzens Auge Ihn erblicken könnte.
So wird denn durch diese einzelnen Lebewesen ganz klar und deutlich verständlich, dass der große Meister (Sani')(dessen Kunstwerke sie sind) sie sieht und sie kennt, sie hört und sie nach Seinen Wünschen gestaltet. Erst hinter dieser Geschöpflichkeit aller lebenden Wesen werden die bestimmenden innerlichen Attribute und Eigenschaften dessen, dem die Macht und der Wille zu Eigen ist, der alles hört und weiß und erkennt, im Glauben offenbar.
Und besonders hinter dem Geschaffensein des Menschen als einem lebenden Wesen lassen sich im Glauben und im Geheimnis der Göttlichen Einheit (tauhid)ganz klar und deutlich die bestimmenden Attribute Seiner Persönlichkeit und die Prägungen Seiner Heiligkeit erkennen und bezeugen. Denn Beispiele für Eigenschaften wie Wissen, Macht, Leben, Gehör und Gesicht (sem' ve basar),wie sie die Merkmale der Alleinheit (ahadiyet)Seiner Persönlichkeit sind, finden sich zugleich auch im Menschen wieder und weisen durch diese Beispiele auf sie hin. Denn der, welcher z.B. die Augen gibt, sieht sowohl das Auge als zugleich auch das, was dieses Auge sieht, worin denn auch dessen feinsinnige Bedeutung liegt. Der Optiker, der dir eine Brille für deine Augen anpasst, sieht zunächst einmal, dass die Brille für deine Augen geeignet ist. Erst dann macht er sie für dich zurecht. Auch der, welcher dir die Ohren gibt, hört sicherlich zugleich auch, was deine Ohren hören, bevor Er sie macht und dir gibt. Nun magst du (die Schönheit, die dein Auge erblickt - A.d.Ü.) mit den übrigen Eigenschaften (und Fähigkeiten Gottes) vergleichen!
Darüber hinaus trägt der Mensch auch die Erscheinungen und Ornamentierungen der Namen Gottes in sich. Durch sie bezeugt er den heiligen Sinn (dieser Namen). Des Weiteren dient der Mensch in seiner Schwäche, Unfähigkeit, Armseligkeit und Unwissenheit gewissermaßen
als Kontrast, (vor dem als Hintergrund) er die Macht (qudret),das Wissen (ilm),den Willen (irade)und dergleichen Attribute Gottes bezeugt, der sich seiner in seiner Schwäche und Armseligkeit erbarmt und ihm zu Hilfe eilt.
Da also nun im Geheimnis Göttlicher Allgegenwart (vahdet)tausend und ein Name an den äußersten Enden konzentriert sind und die einzelnen von ihnen in der Sphäre ihrer Vielfalt als jene winzig kleinen Briefe, die man Lebewesen nennt, am weitesten voneinander entfernt und zerstreut sind und dort klar und eindeutig erkannt und entziffert werden können, vervielfältigt der allweise Schöpfer (Sani-i Hakiem)die Kopien dieser Lebewesen in einer großen Vielzahl. Insbesondere die verschiedenen Arten von Kleinstlebewesen macht Er außerordentlich zahlreich, vervielfältigt sie in den verschiedensten Variationen und verbreitet sie überall.
Was mich zu der Wahrheit dieser Ersten Frucht führte und leitete, war ein Gefühl und eine Erfahrung. Es war dies wie folgt:
Zu einer bestimmten Zeit war ich durch übergroßes Mitleid und überströmende Liebe (shefqat)und ein Gefühl des Bedauerns gegenüber allen Lebewesen, besonders aber gegenüber denjenigen, die über ein Bewusstsein verfügen, unter ihnen besonders den Menschen, unter ihnen besonders den unterdrückten und unter diesen besonders denen, die von einem Unglück betroffen waren und durch ihre Lebensumstände in meinem Herzen von tiefem Mitleid und einer großen Liebe (shefqat)angerührt. Und so fragte ich mich denn in meinem Herzen: "Weder hören diese starren Gesetze, welche die Welt beherrschen, das Wehgeschrei dieser Ohnmächtigen, Schwachen, Unglückseligen, noch hören ihn die tauben Elemente und Ereignisse, wenn sie über ihn kommen und sich seiner bemächtigen. Gibt es denn da niemanden, der sich ihrer in ihrem armseligen Zustand erbarmt und in ihrer außergewöhnlichen Lage eingreift?" So klagte meine Seele (ruh)aus tiefsten Abgründen. "Haben denn diese
so hübschen Sklaven (memluk),diese so kostbaren Güter, diese so sehnsüchtig verlangenden, von Dankbarkeit erfüllten Freunde keinen Herrn, keinen Besitzer, keinen wahren Freund, der sich um ihre Angelegenheiten kümmert, der sie begleitet und beschützt?" So schrie mein Herz aus all seiner Kraft auf.
So war es denn die befriedigende, beruhigende und völlig ausreichende Antwort auf das Wehgeschrei meiner Seele (ruh)und die Klage meines Herzens: Durch das Geheimnis der Einheit Gottes (sirr-i tauhid)empfing ich aus der Hand des Glorreichen Herrn (Dhat-i Dhu l-Djelal),der der Barmherzige und Allerbarmer (Rahman ve Rahiem)ist und über dem Gesetz steht, die Ihm eigenen Gnadengaben (ihsan)und Seine besondere Hilfe für Seine liebenswerten Untertanen, die unter dem Druck der Gesetze und dem Übergriff der Ereignisse weinen und klagen, und trifft für alle Dinge in der Macht Seiner Ihm eigenen Herrschaft Seine besondere Vorsorge, lenkt selbst alle Dinge und hört selbst auf die Klagen aller Dinge. Er ist ihr wahrer Herr, Eigentümer und Beschützer. Dies bekam ich im Geheimnis des Qur'an und im Lichte des Glaubens zu wissen. Da fühlte ich an Stelle dieser grenzenlosen Verzweiflung eine unendliche Freude. Und da nun alle Lebewesen im Besitz dieses Glorreichen Besitzers (Malik-i Dhu l-Djelal)und Sein Eigentum sind, gewannen sie in meinen Augen eine tausendmal höhere Bedeutung und einen viel höheren Wert.
Denn so wie jeder stolz ist auf die Ehre seines Meisters und dessen guten Ruf und auf die Stellung (maqam),die eine Person einnimmt, der er sich verbunden fühlt und dadurch selbst an Würde gewinnt, und wie eine Ameise aus der Kraft (Gottes) den Pharao besiegte und aus der Ehre ihrer Zugehörigkeit (zu Gott) so stolz (iftikhar)sein kann wie tausend Pharaonen, die gottvergessen leben und denken, sie seien völlig frei und ungebunden Herr ihrer selbst und sich stolz ihrer Ahnen und des ganzen Ägyptischen Königreiches rühmen, wo doch ihr Stolz am Tore des Grabes erlischt. So verwandelte auch eine Mücke Nimrods
Stolz auf dessen Sterbebett in Qual und Scham und bewies dadurch die Würde (sheref),die aus ihrer Zugehörigkeit (zu Gott) erwächst und machte so Nimrods Stolz zunichte. So wird denn mit der Ayah اِنَّ الشِّرْكَ لَظُلْمٌ عَظِيمٌ {"Fürwahr, im Beigesellen von Partnern liegt ein gewaltiges Verbrechen." (Sure 31, 13)} ausgedrückt und mitgeteilt, dass im Beigesellen von Partnern ein ganz großes Verbrechen liegt. Diese Beigesellung wäre ein großes Unrecht, denn dadurch werden die Rechte, die Ehre (sheref)und die Würde aller Kreaturen mit Füßen getreten. Die Hölle allein vermag es zu tilgen.
Die Zweite Frucht der Göttlichen Einheit (tauhid)
So wie die Erste Frucht jenen Heiligen Herrn (Dhat-i Aqdes)in Betracht zieht, welcher der Schöpfer des Universums ist, so betrachtet nun die Zweite Frucht dieses Universum, sein Wesen und seine wahre Natur. Es ist in der Tat im Geheimnis dieser göttlichen Allgegenwart (vahdet),dass die Vollkommenheit des Universums verwirklicht wird, die Erhabenheit der Funktionen allen Seins verstanden werden, der Zweck der Erschaffung aller Geschöpfe klar ersichtlich wird, der Wert aller Kunstwerke erkannt wird, der Plan Gottes mit der Welt Gestalt gewinnt, die Weisheit hinter der Erschaffung aller lebenden wie Bewusstsein tragenden Wesen und ihr Geheimnis, wenn sie aus dem Nichtsein ins Dasein treten, offenbar wird, das lächelnde, wunderschöne Antlitz der Weisheit und Barmherzigkeit hinter den wütenden (qahhar)und sauren Gesichtern der vernichtenden Stürme Furcht erregender Umwandlungen erscheint und so viele Formen des Seins wie auch ihre
Funktionen, die mit ihrem Untergang und Zerfall vergehen, wahrgenommen werden, wobei dann ihr wahres Sein und Wesen, die Seele (ruh)allen Seins und ihr Lobpreis (tesbihat)an ihrer Stelle in der bezeugten Welt treten, bevor sie entschwinden.
Und fernerhin geschieht es einzig und allein im Geheimnis dieser Göttlichen Einheit (tauhid),wenn wir nun wissen, dass das Universum vom einen Ende bis zum anderen als ein Ganzes ein Buch des Einzigartigen (kitab-i Samedani)von außerordentlicher Bedeutung ist, und dass alles Sein von Grund auf bis zum Throne (Gottes) eine höchst wunderbare Sammlung von Briefen des Hochgelobten (mektubat-i Subhani)ist und dass alle Arten von Geschöpfen eine ganz prachtvolle und wohlgeordnete Armee ihres Herrn sind, und dass all die vielen Völkerstämme lebender Wesen, angefangen von den Mikroben und den Ameisen bis hin zum Adler und selbst die Planeten intelligente Beamte des Ewigen Königs (Sultan-i Edhel)sind. Und da sie alle ein Spiegel ihres Herrn sind und in dieser Eigenschaft mit Ihm in Verbindung stehen, übersteigt ihr Wert insgesamt den Wert des Einzelnen um das Tausendfache und beantworten so die sonst unlösbaren Fragen über unzugängliche Bedeutungen, wie: "Woher kommt diese ganze Flut des Seins, die Karawane von Geschöpfen und wohin zieht sie? Warum sind sie gekommen und was machen sie eigentlich?" Andernfalls aber würde diese ganze oben erwähnte erhabene Vollkommenheit des Universums verlöschen und diese hohen und heiligen Wahrheiten würden sich in ihr Gegenteil verkehren.
So ist es denn, weil dieses Verbrechen einer Beigesellung und des Unglaubens eine Aggression gegen die Vollkommenheit des ganzen Universums, seine erhabenen Gesetze und heiligen Wahrheiten hervorrufen, dass das Universum von Zorn auf die Ungläubigen und alle Götzenanbeter erfüllt wird. Himmel und Erde werden zornig. Die Elemente vereinigen sich, um sie zu vernichten. Sie überwältigen und vertilgen solche Götzendiener, wie das
Volk Noahs, mit dem der Friede sei, die Völker von Ad und Thamud und die des Pharao und ertränken sie. Im Geheimnis der Ayah تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ {"Beinahe birst sie vor Wut." (Sure 67, 8)} tobt und schäumt die Hölle so sehr vor Wut über die Ungläubigen und die Götzendiener, dass sie in ihrem Zorn beinahe platzt. Abgötterei ist in der Tat eine große Beleidigung des Universums und ein fürchterliches Verbrechen. In der Leugnung der heiligen Pflichten des Kosmos und der Weisheit der Schöpfung verletzten sie deren Ehre (sheref).Um dies besser darstellen zu können, wollen wir hier unter Tausenden von Beispielen nur eines anführen.
So geschieht es z.B. im Geheimnis der göttlichen Allgegenwart (vahdet),dass der Kosmos einem riesigen, leibhaftigen Engel gleicht, der seinen Meister mit Hunderttausenden von Köpfen lobpreist, entsprechend der Anzahl der Arten allen Seins, und mit Hunderttausenden von Mündern entsprechend der Anzahl von Klassen dieser Arten, und mit Hunderttausenden von Zungen in jedem Mund, entsprechend der Anzahl der Organe und Organsysteme, der Zellen und der Moleküle dieser Arten und ihrer Unterarten, eine wunderbare Versammlung erhabener Geschöpfe, die in der Heiligung und Anbetung Gottes ihren Dienst tun, gleich dem Engel Israfil. Darüber hinaus ist der Kosmos im Geheimnis der Göttlichen Einheit (tauhid)auch ein Acker, auf dem die Ernte dieser Welt für die Wohnstätten in jener Welt heranreift, eine Fabrik, in der zahlreiche Güter produziert werden, was den Bemühungen der Menschen auf der Ebene für die Wohnungen der Glückseligkeit gleicht. Auch ist er eine Kamera, die mit hunderttausend Linsen zugleich pausenlos Bilder von dieser Welt aufnimmt, um dann später den Zuschauern in der Ewigkeit und besonders im Paradies gezeigt zu werden. Gott einen Partner beizugesellen heißt, diesen wahrhaft
wunderbaren, unbedingt gehorsamen, lebendigen, leibhaftigen Engel in ein lebloses, seelenloses (ruh),vergängliches, aufgabenloses, der Vernichtung anheim gegebenes, bedeutungsloses, drunter und drüber gehenden Zufällen ausgeliefertes, allen Stürmen der Umwälzungen und des beständigen Wechsels unterworfenes in der Finsternis des Nichtseins umhergeworfenes, elendigliches Sammelsurium zu verwandeln und so aus dieser einzigartigen, perfekt organisierten, Wohltaten spendenden Fabrik das Spielzeug eines unbewussten Zufalls zu machen, der nichts produziert, der keinen Sinn und Zweck, weder eine Funktion noch ein Ergebnis erkennen lässt, ein Trauerhaus für alle mit einem Bewusstsein begabten, ein Schlachthaus für alles, was da lebt und ein Tal der Tränen zu machen.
So ist denn in Übereinstimmung mit der Ayah اِنَّ الشِّرْكَ لَظُلْمٌ عَظِيمٌ {"In der Tat, Götzendienst ist ein schweres Verbrechen." (Sure 31, 13)} der Götzendienst, obwohl er nur ein einzelnes Verbrechen ist, die Quelle so vieler und so großer Verbrechen, dass er eine unendliche Strafe in der Hölle verdient. Wie dem auch sei... da nun diese Zweite Frucht ausführlich in der "Leuchte des Lichtes" erklärt und wiederholt bewiesen worden ist, haben wir hier diese lange Geschichte kurz gefasst.
Was mich zu dieser Zweiten Frucht geführt und geleitet hat, war ein recht merkwürdiges Gefühl und eine ganz einzigartige Wahrnehmung. Es war dies wie folgt:
Als ich einmal im Frühling meine Beobachtungen anstellte, sah ich, wie alles Sein, besonders die lebenden Geschöpfe, vor allem aber diese ganz kleinen Lebewesen, Karawane um Karawane kamen und gingen, sich nur kurz zeigten und gleich danach wieder zu Grunde gingen. Es war dies ein fürchterliches Geschehen inmitten
der Tafeln von Tod und Zerfall, und es machte mich ganz traurig. Ich fühlte darüber ein so heftiges Mitleid, dass es mich geradezu zum Weinen brachte. Je häufiger ich den Tod dieser niedlichen kleinen Lebewesen beobachten konnte, desto mehr zog sich mein Herz zusammen. "Oh, was für ein Verlust! Ach, welch ein Verlust!" so rief ich "Oh" und "Ach" und fühlte dabei dieses "Ach" und "Weh" in meiner tiefsten Seele (ruh).Wenn das Leben stets zu einem solchen Ende führt, so erschien es mir ein noch schlimmeres Leiden zu sein als der Tod.
Auch die lebenden Wesen in der Tier- und Pflanzenwelt, so schön und liebenswert und welch kostbare Kunstwerke sie auch sein mochten, öffnen ihre Augen für nur einen einzigen Moment, um diese Ausstellung zu betrachten, die der Kosmos ist, gehen in einem einzigen Augenblick zu Grunde und vergehen wieder. Je mehr ich diese Verhältnisse beobachtete, desto mehr zerriss es mir das Herz. Mein Herz wollte weinen, und es klagte und es fragte: "Warum kommen sie denn eigentlich und gehen dann wieder von dannen ohne sich aufzuhalten?" Diese furchtbaren Fragen stellte mein Herz nach dem Räderwerk der Zeit. Diese offensichtlich nutzlosen, sinnlosen, zwecklosen kleinen Kunstwerke, die so schnell wieder zerstört, vor meinen Augen in Fetzen gerissen werden, obwohl sie doch gerade erst erschaffen worden sind, ernährt und aufgezogen mit so viel Sorgfalt, Aufmerksamkeit, Fürsorge, Aufwand und künstlerischem Geschick, in einer so kostbaren Art und Weise, sie werden nun nur noch wie Lumpen in Fetzen zerrissen und in die Finsternis des Nicht-mehr-Seins hineingeworfen. Je mehr ich dies sah, desto mehr wurden alle meine Sinne, Empfindungen und inneren Wahrnehmungen, gefangen genommen von der Vollkommenheit, hingerissen von der Schönheit und verliebt (ashik)in alle die kostbaren Dinge schrien nun auf und klagten: "Warum erbarmt sich denn ihrer niemand? Ist dies denn nicht jammerschade? Woher kommen denn diese Schwindel erregenden Umwälzungen,
der Tod, die Zerstörung, der Verfall und die Vergänglichkeit, die gegen diese armseligen Geschöpfe zum Angriff vorgehen?"
Während ich noch damit beschäftigt war, derart fürchterliche Einwände gegen göttliches Vorherwissen zum Ausdruck zu bringen, über das, was das Leben äußerlich bestimmt, all die schmerzlichen Ereignisse und Vorkommnisse, da kamen mir plötzlich das Licht des Qur'an, das Geheimnis des Glaubens, die Güte des Allbarmherzigen (lutf-u Rahman)gemeinsam mit der Einheit Gottes (tauhid)zu Hilfe. Sie hoben die Finsternis auf, verwandelten all mein Weh und Ach in Freude, meine Tränen in Glückseligkeit und mein Mitleid in Ausrufe eines: "Gepriesen sei Gott! Wie Wunderbares hat Gott doch gewollt (masha-a'llah! baraka'llah!)"und ließen mich ausrufen:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نُورِ الْاِيمَانِ
{"Gott sei gelobt und gepriesen für das Licht des Glaubens (el-hamdu lil'ahi 'ala nuri-l'iman)!"}
Denn im Geheimnis der Göttlichen Allgegenwart (vahdet)sah ich Folgendes: Alle Geschöpfe, besonders alle mit Bewusstsein begabten Wesen bringen im Geheimnis der Göttlichen Einheit (tauhid)ganz große Ergebnisse hervor und sind ein Segen (fayda)für alle Welt.
Zusammenfassung:
Jedes Lebewesen, z.B. diese Blume hier in ihrem Schmuck, oder jenes Insekt dort, das Süßigkeiten sammelt, ist bedeutungsvolle, göttliche, in Reime gefasste Kasside, die von zahllosen, Bewusstsein tragenden Wesen mit Vergnügen studiert wird. Sie sind so kostbare Wunderwerke göttlicher Macht (qudret)und verkündigen Seine Weisheit, indem sie die Kunstwerke ihres Meisters in geradezu fesselnder Weise vor unendlich vielen bewundernden Betrachtern zur Schau stellen. Zudem ist es ein großartiges Ergebnis ihrer Erschaffung, sich den Blicken ihres Ruhmreichen Schöpfers (Fatir-i Dhu l-Djelal),der die Schönheit (djemal)Seines Schöpfungswerkes bezeugen und die Pracht der Erscheinung Seiner Namen in diesen kleinen Spiegeln auch selbst betrachten möchte, zu zeigen und vor Seinem Blick zu erscheinen.
Eine weitere erhabene Auswirkung ihrer Schöpfung wurde bereits im Vierundzwanzigsten Brief beschrieben und besteht darin, in fünffacher Weise der Manifestation Seiner Herrschaft und der Offenbarung Seiner göttlichen Vollkommenheit zu dienen, was diese unendlich vielen Tätigkeiten im Universum notwendig macht.
So sah ich denn, dass, soweit es sich dabei um beseelte (ruh)Wesen handelt, sie außer ihren Verdiensten (die sie erworben) und den Ergebnissen (die sie erreicht haben), wie bereits oben (beschrieben wurde), nachdem sie an ihrem Platz in dieser bezeugten Welt ihre Seele (ruh),unendlich viele Erinnerungen und andere wohlverwahrte Tafeln, ihre frühere Gestalt und ihre Identität zurückgelassen und zugleich in ihren Samen- und Eizellen die Gesetze ihres Seins und einer Art Zukunft und in der Welt des Unsichtbaren (alem-i ghayb),dem Bereich der Göttlichen Namen (daire-i esma),alle Vollkommenheiten und alle Schönheiten, die sie einmal widerspiegelt hatten, ihr offensichtlicher Tod die Bedeutung einer glücklichen Entlassung von ihren Verpflichtungen hatte, sie ganz einfach hinter den Vorhang des Zerfalls getreten waren, der sie nun vor unseren irdischen Augen verbirgt, sodass ich nun ausrief: "Oh, Lobpreis und Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"
Diese durchaus ursprünglichen, mächtigen (quvvet),fehlerlosen, so überaus glänzenden (Gestalten) voll Schönheit (djemal)und Lieblichkeit, wie wir sie auf all den verschiedenen Ebenen des Kosmos und allen Stufen des Seins mit unseren Augen erblicken können und wie sie schon überall ihre Wurzeln geschlagen haben, zeigen in der Tat mit vollkommener Sicherheit, dass die früheren so hässlichen, rüden, so abschreckenden, elenden Verhältnisse, wie sie der Götzendienst erfordert, ganz unmöglich und völlig illusorisch sind. Denn eine solche abscheuliche Hässlichkeit kann unmöglich hinter dem Schleier einer so ursprünglichen Schönheit (djemal)verborgen bleiben. Könnte man sie hinter ihm finden, diese wahrhaftige Schönheit würde unwahr, grundlos, flüchtig und illusorisch sein.
Das aber heißt, dass Abgötterei keine Wahrheit in sich enthält, ihr Weg ist versperrt, bleibt im Morast stecken. Ihre Position ist unmöglich und unvorstellbar. Diese Wahrheit des Glaubens, wie sie oben dargestellt wurde, beruht nur auf Emotionen. Dies wurde in vielen Abschnitten (Risala)der "Leuchte des Lichts (Siradju-n'-Nur)"im Einzelnen erklärt und mit sicheren Beweisen belegt. Wir begnügen uns deshalb hier mit einem kurzen Hinweis.
Dritte Frucht
Betrifft die mit Bewusstsein begabten Wesen, besonders aber den Menschen.
Der Mensch kann im Geheimnis der göttlichen Allgegenwart (vahdet)in der Tat unter allen Geschöpfen Herr der großen Vollkommenheit (kemal sahib),die kostbarste Frucht des Kosmos, das vollkommenste und am meisten umsorgte Geschöpf, das glücklichste und zufriedenste unter allen lebenden Wesen, Freund und Ansprechpartner des Schöpfers aller Welten (Khaliq-i Alemin)werden. Und tatsächlich ist alle menschliche Vollkommenheit, sind alle die erhabenen Ziele des Menschen an die Einheit Gottes (tauhid)gebunden und finden im Geheimnis Seiner Allgegenwart (vahdet)ihre Verwirklichung (vudjud).Denn gäbe es diese göttliche Allgegenwart (vahdet)nicht, so wäre der Mensch auf der untersten Stufe allen Seins das unglücklichste aller Geschöpfe, das bedauernswerteste aller Tiere, das traurigste unter allen mit Bewusstsein begabten Wesen, überhäuft von Kummer und Qual. Denn während der Mensch einerseits doch so unendlich schwach ist, so unendlich viele Feinde hat, so unendlich arm und so unendlich bedürftig ist, so verfügt er doch andererseits über so große Fähigkeiten und so viele Sinne, dass er hunderttausend verschiedene Schmerzen empfinden kann
und hunderttausende Arten von Genüssen zu verkosten wünscht. Dabei hat er solche Ziele und Wünsche, dass einer, der nicht das ganze Universum zugleich zu regieren vermag, all diese Wünsche nicht befriedigen kann. So lebt zum Beispiel im Menschen ein außerordentlich starkes Verlangen nach Beständigkeit (beqa).Diesem Verlangen des Menschen vermag nur ein solcher Herr zu entsprechen, der über den ganzen Kosmos wie über einen Palast verfügen kann. Wer die Türe zu dem einen Raum zu schließen und die Türe zu einer anderen Wohnstätte zu öffnen vermag, der kann genauso leicht das Tor zu dieser Welt schließen und das Tor zum Jenseits öffnen. Auch hat der Mensch Tausende von guten Wünschen und schlechten Begierden, die sich gleich dem Wunsch nach Beständigkeit über die ganze Welt erstrecken und bis in die Ewigkeit hinein ausdehnen, dass nur der alleinige Herr (dhat-i ahad),welcher im Geheimnis der göttlichen Allgegenwart (vahdet)den ganzen Kosmos in Seinen Händen hält, in der Beantwortung aller Wünsche des Menschen diese beiden schrecklichen Wunden von Schwäche und Armseligkeit genesen kann.
Mehr noch, hat doch der Mensch Wünsche nach Ruhe und Frieden seines Herzens, die so feinsinnig, so versteckt, so individuell verschieden sind, und Erwartungen im Zusammenhang mit der Beständigkeit seines Geistes (ruh)und der Quelle seines Glücks, so groß, umfangreich und universell, dass nur ein solcher Herr sie zu gewähren vermag, der selbst noch die subtilsten, unsichtbaren Schleier seines Herzens sieht, darüber nicht gleichgültig bleiben kann. Des Weiteren hört Er auch noch die geheimsten, unhörbaren, verborgenen Stimmen und lässt sie nicht ohne Antwort. Und Er muss zudem die Macht (muqtedir)haben, Himmel und Erde wie zwei gehorsame Soldaten seinem Befehl zu unterwerfen, um sie umfassende Arbeiten verrichten zu lassen.
Und ferner gewinnen alle Glieder des Menschen, seine Organe und seine Sinne im Geheimnis der göttlichen Allgegenwart (vahdet)
einen sehr hohen Wert, während sie durch Abgötterei und Unglauben auf eine sehr tiefe Stufe herabsinken. So ist z.B. das kostbarste Gerät, über das der Mensch (bewusst) verfügt, sein Verstand. (Verfügt er über ihn) im Geheimnis der göttlichen Einheit (tauhid),so wird er ihm sowohl zu einer heiligen Schatzgrube Gottes als auch zum Schlüssel zu den Tausenden von Schatztruhen des Universums, kostbar wie ein Diamant. Sinkt er aber auf die (Stufe) der Abgötterei und des Unglaubens herab, so wird er zu einem Werkzeug von Unheil (bela)und Verderben und damit zu einer Ursache des Schreckens, das im Kopf des Menschen alle Trauer und allen Schmerz vergangener Zeiten und all die schrecklichen Ängste vor der zukünftigen Zeit zusammenhäuft.
So ist also z.B. des Menschen feinsinnigstes (latif)und lieblichstes Kennzeichen die Liebe (shefqat).Eilte ihr das Geheimnis göttlicher Einheit (tauhid)nicht zu Hilfe, so wird sie zu einem fürchterlichen Folterinstrument, einem Brandstapel, einem (Gefühl hilfloser) Hilfsbereitschaft, einer Qual, die den Menschen bis auf die unterste Stufe seines Elends hinunterzieht. Eine Mutter, die in ihrer Gottvergessenheit (glaubt), sie habe ihr einziges (ach so) hübsches Kindlein für ewig verloren, fühlt diese brennende Qual zu Gänze.
So ist z.B. die Liebe (muhabbet)das süßeste und angenehmste Vergnügen des Menschen und seine teuerste Empfindung. Kommt ihm dabei die göttliche Einheit (tauhid)zu Hilfe, so lässt sie dieses kleine Menschlein bis zur Länge und Breite des Weltalls heranwachsen und macht es zum zärtlich geliebten König aller Geschöpfe. Sinkt er aber (auf die Stufe) der Abgötterei und des Unglaubens herab, so ereilt ihn - ich nehme meine Zuflucht zu Gott - ein solches Unheil, dass er von seinen zahllosen geliebten (Angehörigen) auf ewig getrennt bleibt, weil sie ständig dem Verfall und dem Verderben ausgesetzt sind, und das Herz dieses Menschen wird in jedem Augenblick in Stücke gerissen. Doch seine Vergnügungen lassen ihn
Gott vergessen, betäuben äußerlich seine Sinne vorübergehend, sodass er dies nicht mehr verspürt.
Wenn du also nun anhand dieser drei Beispiele einerseits und den vielen hundert Fähigkeiten des Menschen und seinen Sinnesorganen andererseits Analogien bildest, so magst du den Grad verstehen, bis zu dem die Einheit Gottes (tauhid)und Seine Allgegenwart (vahdet)für ihn eine Quelle der Vollkommenheit sind. Da auch diese Dritte Frucht in vielleicht zwanzig Abhandlungen (Risala)der "Leuchte des Lichtes" (Siradju-n'Nur)bereits sehr gut und bis ins Einzelne erklärt und bewiesen worden ist, will ich mich hier mit dem kurzen Hinweis begnügen:
Was mich zu dieser Frucht hinführte, war folgende Empfindung:
Einmal befand ich mich auf dem Gipfel eines hohen Berges. Infolge eines geistigen Erwachens, stark genug, (den Schleier) meiner Gottvergessenheit zu zerreißen, erschien mir mein Grab in seiner vollen Bedeutung und der Tod in seiner ganzen Nacktheit, Untergang (fena)und Zerfall, (dargestellt) auf Bildtafeln, die mich zum Weinen brachten. Meine Natur (fitrat),wie die Natur eines jeden (Menschen), erhob sich in ihrer Liebe zur Beständigkeit (ashk-i beqa)auf einmal gegen den Verfall und lehnte sich gegen ihn auf. Auch die Liebe (muhabbet)und Hochachtung, wie sie in meiner Natur liegen, lehnt sich gegen die Auslöschung all jener auf, die Vollkommenheit erlangt haben, der Propheten, Heiligen und Gottesfreunde (enbiya ve auliya ve asfiya),die weltbekannt geworden sind und zu denen ich eine große Liebe (muhabbet)und Zuneigung empfinde. Ich kochte (geradezu vor Wut) über das Grab. Ich sah mich in den sechs Richtungen um und suchte nach Hilfe, fand aber weder Trost noch Beistand. Denn, sah ich in die Vergangenheit, erblickte ich ein großes Gräberfeld; (sah ich) in die Zukunft: Dunkelheit; über mir: Schrecken; zu meiner Rechten und Linken: traurige und schmerzliche Zustände, unter mir zahllose schädliche Dinge, die mich angreifen.
Auf einmal eilte mir das Geheimnis der göttlichen Einheit (tauhid)zu Hilfe, zog den Schleier zur Seite, der das Gesicht der Wirklichkeit verhüllte. "Schau!" sagte es.
Zunächst einmal blickte ich in das Gesicht des Todes, vor dem ich mich sehr fürchtete. Da sah ich, dass er für die Leute des Glaubens eine Entlassung von ihren Pflichten ist. Die Todesstunde entspricht der Überreichung der Entlassungspapiere. Sie ist eine Art Ortswechsel, der Beginn und das Tor zu einem beständigen Leben (hayat-i baqi).Es war wie eine Entlassung aus dem Gefängnis, wie ein Flug in die Gärten des Paradieses. Es war die Gelegenheit, in die Gegenwart des Allbarmherzigen (hudhur-u Rahman)zu treten, um seinen Lohn für geleistete Dienste in Empfang zu nehmen. Ich verstand, (dass der Tod) mit Sicherheit eine Einladung an den Ort der Glückseligkeit (bedeutet) und begann den Tod, dieses Dahinscheiden zu lieben.
Sodann betrachtete ich den Verfall und das Vergehen (fena)und ich erkannte sie als eine erfreuliche Erneuerung, gleich Bildern auf einer Leinwand und Blasen über Sonnen beschienenem, fließendem Wasser. Sie kommen aus der Welt des Unsichtbaren, um die außerordentlichen Erscheinungen aller schönen Namen zu erneuern, gleich einem Ausflug, einer Exkursion in die von uns bezeugte Welt, wobei denn einige Pflichten übernommen werden müssen. Sie sind eine durchaus weise und sinnvolle Erscheinung der Schönheit des Herrn (Djemal-i Rububiyet).Sie erfüllen die Aufgabe von Spiegeln für die ewige Schönheit allen Seins. Dies habe ich mit Sicherheit (yaqin)erfahren.
Dann schaute ich mich in den sechs Richtungen um und sah, dass sie im Geheimnis der göttlichen Einheit (tauhid)so von Licht erfüllt waren, dass ich meine Augen in ihm baden konnte. Ich erkannte, dass die Vergangenheit kein Massengrab war, sondern in die Zukunft transformiert worden war. Sie war zu tausenden leuchtender Versammlungsorte und einer Vereinigung von Freunden
geworden, zu tausenden lichterfüllter Landschaften. Entsprechend diesen beiden oben beschriebenen Themen bemerkte ich das wahre Gesicht von noch tausenden anderer Themen und erkannte, dass sie außer Freude und Dankbarkeit keinen anderen Eindruck vermitteln, dass von ihnen nur diese eine Wirkung ausgeht.
So habe ich denn nun meine Gefühle und Emotionen hinsichtlich dieser Dritten Frucht mit Beweisen, individuellen wie universellen, in vielleicht vierzig Abhandlungen der "Leuchte des Lichts" (Siradju-n'Nur)dargelegt. Sie sind besonders in den dreizehn "Hoffnungen" des Sechsundzwanzigsten Blitzes, der ein "Seelenführer für die Alten" genannt wird, so eindeutig klar und schön erläutert worden, dass es keiner weiteren Erläuterung mehr bedarf. Daher habe ich diese so lange Darstellung an dieser Stelle so kurz gefasst.
Zweites Kapitel
Es gibt zahllose Beweise, die die Einheit Gottes (tauhid),Seine Gegenwart zu jeder Zeit und an jedem Ort (vahdaniyet ve vahdet)auf eine absolut sichere Weise erfordern und notwendig machen, was eine Teilhaberschaft weder akzeptiert noch erlaubt. Da aber bereits hunderte, ja vielleicht tausende von ihnen in der Risale-i Nur ausführlich bewiesen worden sind, wollen wir hier nur drei dieser Erfordernisse kurz anführen.
Erstens:
Entsprechend dem Zeugnis solch weisheitsvoller Handlungen, wie wir sie mit unseren Augen sehen können, der Leitung, wie wir sie im Weltall wahrnehmen können, wurden seine Kunstwerke durch die alles umfassenden Eigenschaften (sifat)und Namen und das unbegrenzte Wissen (ilm)eines Allweisen Herrschers (Hâkim-i Hakiem),des Großen Vollkommenen (Kebir-i Kamil)und Seine Allmacht (qudret)geschaffen und ins Dasein gerufen (idjad).
Es wird aus diesen Kunstwerken in der Tat mit einer überirdischen Klarheit deutlich, klar verständlich, ja geradezu sichtbar, dass ihr Meister (Sani')über eine Herrschafts- (rububiyet)und Befehlsgewalt (amiriyet)im Grade völliger Souveränität (hakimiyet),eine Macht und Größe (kibriya ve azamet)im Grade vollständiger Gewalt (djeberutiyet)und eine Vollkommenheit (kemal)und einen Reichtum (istighna)im Grade einer so erhabenen Göttlichkeit (uluhiyet-i mutlaq)verfügt und Sein Wirkungsbereich (faaliyet),Sein Königreich (saltanati),keiner einzigen Bedingung unterworfen ist und sich keine Beschränkung darin findet. Was aber diese Souveränität, die Größe und Vollkommenheit, den Reichtum, die Absolutheit, die Allumfassendheit, Unbegrenztheit und Grenzenlosigkeit betrifft, so erfordern sie eine derartige Allgegenwart (vahdet)und sind einer Beigesellung entgegengesetzt.
Was aber das Zeugnis Seiner Souveränität und Befehlsgewalt (hakimiyet ve amiriyet)für Seine Allgegenwart (vahdet)betrifft, so wurde sie in der Risale-i Nur bereits an vielen Stellen mit absoluter Sicherheit bewiesen. Ein kurz zusammengefasster Abriss daraus ist folgender:
Kennzeichen und Erfordernis der Souveränität (hakimiyet)ist es, allein und unabhängig zu sein und jede Einmischung eines anderen zurückzuweisen. Ja selbst Menschen, die auf Grund ihrer Schwäche von Natur (fitrat)aus auf Hilfe angewiesen sind und nur über einen Schatten von Souveränität verfügen, weisen fremde Einmischung zurück und bewahren ihre Unabhängigkeit. Es ist dies der Grund dafür, dass es nicht zwei Kaiser in einem Reich, nicht zwei Könige in einem Land, nicht zwei Präsidenten in einer Provinz, zwei Bürgermeister in einer Stadt, zwei Schulzen in einem Dorf geben kann. Gäbe es zwei von ihnen, führte das zu einem Chaos, eine Rebellion bräche aus, und Gesetz und Ordnung würden zusammenbrechen. Da nun einmal der bloße Schatten einer Herrschaft (hakimiyet)in schwachen Menschen, die doch der Hilfe bedürfen, einen solchen Widerstand gegen eine Teilhaberschaft und jegliche Einmischung anderer hervorruft, so wird sicherlich auch die Herrschaft (hakimiyet)Gottes, welche frei ist von irgendeiner Schwäche des Allmächtigen in Seiner Vollkommenheit (Qadir-i Mutlaq)und in Seiner Souveränität zum Ausdruck kommt, in gar keiner Weise irgendeine Teilhaberschaft und jegliche Einmischung anderer akzeptieren. Er wird sie vielmehr mit allem Nachdruck zurückweisen und solche, die von ihrer irrigen Vorstellung einer Teilhaberschaft überzeugt sind, mit ganzer Härte von Seiner Schwelle zurückweisen. Die so nachdrücklichen, heftigen Erklärungen des Weisen Qur'an gegen die Leute der Abgötterei erwachsen also aus dieser oben erwähnten Wahrheit.
Was jedoch das Zeugnis der Größe (kibriya),der Allmacht (azamet)und Majestät (Gottes = djelal)für dessen Allgegenwart (vahdet)betrifft, so wurde dies bereits in der Risale-i Nur
mit glänzenden Beweisen dargestellt. Wir weisen daher hier nur mit einer sehr kurz zusammengefassten Erklärung darauf hin.
So hat z.B. das Licht der Sonne in seiner gewaltigen Ausdehnung (azamet)und in der Größe (kibriya)seiner Strahlen in keiner Weise ein Bedürfnis an irgendwelchen anderen schwachen Lichtern, die sich in ihrer Nähe befinden und durch keine Wand von ihr getrennt sind und ihre Mitwirkung anbieten wollen. In gleicher Weise hat auch die Allmacht (azamet)und Größe (kibriya),die Kraft Gottes (qudret)nicht das Bedürfnis an irgendeiner anderen Macht (quvvet),an irgendeiner Kraft (qudret).Sie vermag nichts ins Dasein zu rufen und keinen wahren Beitrag dazu zu liefern. Dies gilt besonders auch für lebende und mit Bewusstsein begabte Wesen, welche Quellgrund und Mittelpunkt aller Absichten des Herrn im Universum sind und bei denen es nicht möglich ist, sie einem anderen zuzuschreiben. Es ist zudem auch auf gar keine Weise möglich, dass die Früchte, Ergebnisse und Umstände bei der Erschaffung des Menschen und aller lebenden Wesen, die das Ziel zahlloser Arten von Wohltaten und das Objekt sind, wo sie in Erscheinung treten, der Hand eines anderen zugeschrieben werden sollten. Es wäre z.B. ein Angriff auf die Allmacht und Größe (azamet)der Herrschaft Gottes (Rububiyet),die Erhabenheit Seiner Göttlichkeit (uluhiyetin kibriya)und die Würde des Einen absolut Anbetungswürdigen (mabudiyet-i mutlaq),wollte irgendein lebendes Wesen irgendeinem anderen als Gott dem Gerechten dankbar sein für irgendeine kleinere Unterstützung, für seine Versorgung oder für seine Rechtleitung und ihn dafür noch besonders loben und preisen. Es wäre eine Beleidigung der Majestät Gottes (djelal).
Was nun jene Vollkommenheit (kemal)betrifft, die auf das Geheimnis der Göttlichen Allgegenwart (vahdet)verweist, so wurde auch dies bereits mit allen glänzenden Beweisen in der Risale-i Nur dargelegt. Eine, wenn auch nur äußerst kurze, Zusammenfassung ist folgende:
Selbstverständlich macht die Erschaffung des Himmels und der Erde eine absolute Macht (qudret)in großer Vollkommenheit (kemal)notwendig. Ja, auch die wunderbaren Funktionswege der Organe und Organsysteme aller Lebewesen erfordern die Macht (qudret)einer solch absoluten Vollkommenheit (kemal).Was aber die Vollkommenheit einer solch absoluten Macht (qudret)betrifft, die frei ist von jeglicher Ohnmacht, Schwäche und Begrenztheit, so verlangt sie mit Sicherheit nach der Göttlichen Allgegenwart (vahdet).Denn dieser Vollkommenheit (kemal)einen solchen Mangel zuschreiben und so den Unbegrenzten eingrenzen, das Unendliche endlich machen und die größte Macht (qudret)in ohnmächtige Schwäche verwandeln zu können, hieße, eine grenzenlose Macht durch etwas Begrenztes in Schranken zu verweisen, wo sie doch über alle Begrenzungen hinaus herrscht. Dies aber ist in einer fünffachen Unvorstellbarkeit nicht vorstellbar.
Was nun aber das Zeugnis des Grenzenlosen, alles Umfassenden, Unendlichen für die Allgegenwart Gottes (vahdet)betrifft, so wurde auch dies bereits in den Abhandlungen der Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur)beschrieben. Eine kurze inhaltliche Zusammenfassung davon ist wie folgt:
Da alles Geschehen im Universum bewirkt, dass die Werke (Gottes) sich überall in reicher Fülle ausbreiten, so zeigt dies, dass sie umfassend, unbegrenzt, unbeschränkt und absolut sind; und da nun Teilhaberschaft und Abgötterei allem, was umfassend und unbeschränkt ist, eine Grenze setzt, begrenzt, was unbegrenzt ist und so die Wahrheit von der Vollkommenheit und das wahre Wesen von dem, was alles umfasst, verdirbt, kann eine Beigesellung in ihren Werken mit Sicherheit unmöglich vollkommen und allumfassend sein. Dies wäre unmöglich. Die Natur des Unbegrenzten ist in der Tat einer Beigesellung entgegengesetzt. Denn unbegrenzt zu sein, bedeutet selbst bei endlichen, materiell begrenzten und beschränkten Dingen, dass sie sich nach
allen Seiten hin ausdehnen, überall verbreiten und alles durchdringen.
So können sich z.B. Licht und Luft, Strahlungen und Hitze, ja sogar das Wasser, wenn es nicht eingedämmt wird, überall hin ausbreiten. Da dieser Aspekt des Unbegrenzten bewirkt, dass materielle, begrenzte Dinge sich ausdehnen und verbreiten, auch wenn es sich dabei nur um einzelne Dinge handelt, würde eine wahre und universelle Unbegrenztheit sicherlich (göttlichen) Eigenschaften, weil sie (in ihrer Art) zugleich unendlich und unstofflich, grenzenlos und frei von irgendwelchen Mängeln sind, in keiner Hinsicht Teilhaberschaft und Abgötterei (zulassen). Eine solche Möglichkeit gibt es nicht.
Zusammenfassung:
Sowohl die Souveränität (hakimiyet)und Größe (kibriya),die Vollkommenheit (kemal)und Umfassendheit, die Unbegrenztheit, Unbeschränktheit und Unendlichkeit tausender Geschehnisse, wie wir sie im Kosmos beobachten können, als auch hunderte göttlicher Namen, deren Erscheinungen wir beobachten können, sind ein äußerst mächtiger Beweis göttlicher Einheit (tauhid)und Allgegenwart (vahdet).
Eine überlegene Macht (quvvet)möchte desgleichen in Tätigkeit treten (faaliyet)und (sein Betätigungsfeld) ausdehnen und vertreibt deswegen alle anderen Kräfte (quvvet).In gleicher Weise wird aus allen Werken göttlicher Herrschaft (rububiyet),aus allen Erscheinungen seiner erhabenen Namen ersichtlich, dass ihre Werke von so außerordentlicher Macht (quvvet)sind, dass, wäre es nicht um einer alles umfassenden Weisheit (hikmet)und absoluten Gerechtigkeit (adalet-i mutlaq)willen, die sie davor zurückhalten würden, jedes von ihnen alles Sein überwältigen könnte. Ja, wäre es denn z.B. möglich, dass jene Macht (quvvet),die alle Pappelbäume auf Erden erschaffen hat und sie verwaltet, daneben auch all jene einzelnen (Bäume), die zwischen ihnen wachsen, wie die Walnussbäume, die Apfelbäume und die Aprikosenbäume und noch andere ähnliche Bäume, die unter den Pappeln
wachsen, nicht unter ihrer Kontrolle halten könnte, sodass sie ihr von fremden Mächten entrissen würden? Man spürt in der Tat bei allem, was erschaffen wurde, ja sogar bei jedem einzelnen Geschöpf eine lenkende Kraft (quvvet),eine leitende Macht (qudret),die das ganze Universum gleichsam zu unterwandern vermag, bemerkt die Art und Weise, wie sie alle Dinge beherrscht und alles Sein unter ihre Herrschaft (hukmu)bringt. Eine solche Macht (quvvet)würde sicherlich eine Partnerschaft in keiner Weise akzeptieren, eine Beigesellung nicht dulden.
Und so wie denn ferner für den Besitzer eines Obstbaumes die Früchte an dessen Zweigen und für deren Kultivierung die Samen dieser Früchte in deren Herzen von größter Wichtigkeit sind, da sie ja deren Herzstück bilden, so wird denn auch ihr Eigentümer, wenn er klug genug ist, diese Früchte an den Zweigen nicht für die Dauer fremden Eigentümern überlassen und sich so sein Besitzrecht für nichts verderben lassen. Genauso würde Er es nicht in irgendeiner Weise erlauben, dass die Elemente, welche die Äste am Weltenbaum darstellen, die Pflanzen und Tiere, welche das Ende (in der Kette) der Elemente bilden und die Blüten und Blätter an ihm sind, und die Menschen, welche die Früchte über allen Blüten und Blättern sind, ihren Dienst, ihre Anbetung und ihre Dankbarkeit, die doch die Früchte, ja die bedeutendsten (unter allen) Früchten, ihre Samen und das Ziel der ganzen Schöpfung sind, jene (das Programm des ganzen Schöpfungsbaumes in sich) enthaltenden Kerne dieser Früchte, ihr Gedächtnisvermögen, das man als das sie unterstützende Herz bezeichnen könnte, von fremden Mächten geraubt und das Königtum Seines Reiches durch einen solchen Raub zerstört und mit dieser Zerstörung (Seine Würde, in der Sie Ihm) dienen und Ihn anbeten, verdorben und verloren ginge.
Er würde ferner, da ja das Ziel göttlicher Herrschaft (maqasid-i rubibiyet)sich in den Einzelexemplaren an den Außenenden der Sphäre aller Zusammenhänge und aller Vielfalt konzentriert,
und das sogar in den Zuständen dieser Einzelexemplare und in ihren Umständen, und da sie die Quelle allen Dankes sind und der Anbetung, die sich ausbreitet und auf das Eine, wahre Objekt ihrer Anbetung ausgerichtet ist, mit Sicherheit keinem anderen überlassen und somit Seine Weisheit wertlos werden lassen. Könnte Seine Weisheit wertlos werden, würde somit auch Seine Gottheit (uluhiyet)zunichte werden. Denn das wichtigste Ziel Seiner Herrschaft (Rabbaniye)in der Erschaffung allen Seins besteht darin, sich selbst allen mit Bewusstsein begabten Wesen zu erkennen zu geben, um von ihnen geliebt zu werden, damit sie Ihn loben und preisen und Ihm ihre Dankbarkeit erweisen.
Es ist auf Grund dieses subtilen Geheimnisses, wonach der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, um darzustellen, dass Gnadenerweise und allgemeine wie auch besondere Handlungen am äußersten Rande der Vielheit, wie Versorgung (rizq)und Heilung (shifa),die Anlass sind zu Dank und Dankerweisung, Verehrung, Liebe (muhabbet),Lobpreis, Dienst und Anbetung unmittelbar das Werk, Geschenk (ihsan),Gnadenerweis, Gabe und die Tat des Schöpfers der Welt und Königs allen Seins sind, immer wieder Versorgung (rizq),Leitung (hidayah)und Heilung (shifa)dem Einen Notwendig-Seienden (Vadjibu-l'Vudjud)zuschreibt und dabei erklärt, dass ihre Gewährung nur "Ihm zukommt und Ihm vorbehalten"
{(*): Zum Beispiel: اِنَّ اللهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُوالْقُوَّةِ الْمَتِينُ ("Gott ist fürwahr der Versorger, Herr einer beständigen Macht.") (Sure 51, 58)}
bleibt und dabei jegliche Einmischung anderer streng zurückweist.
Wer das Geschenk des Glaubens verleiht, das einen Menschen den Ort der Glückseligkeit erlangen lässt, kann mit Sicherheit und in jedem Fall nur das Gnadengeschenk des Einen Herrn in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal)sein,
der diesen Ort der Seligkeit erschaffen und den Glauben als den Schlüssel dazu gemacht hat. Kein anderer könnte dieses größte Fenster, das sich zu dem wahren Objekt der Anbetung hin öffnet, wieder verschließen, indem er ein gleich großes Geschenk anbietet. Niemand anderer könnte diesen bedeutendsten Zugang versperren oder (den Schlüssel dazu) stehlen.
Zusammenfassung:
Ganz außerordentliche Ereignisse und die Früchte an den Enden des Baumes der Schöpfung weisen in zweierlei Hinsicht auf die Einheit (tauhid)und Allgegenwart (vahdet)Gottes hin und bezeugen sie.
Erstens:
Die Ziele Göttlicher Herrschaft (Rububiyet)über das Universum werden in ihnen gesammelt und ihr Zweck konzentriert sich in ihnen. Und die Erscheinung und Offenbarung der meisten Schönen Namen, ihre Ergebnisse und der Zweck der Erschaffung allen Seins und deren Vorzüge sind in ihnen zusammengefasst und jede von ihnen spricht aus diesem Zentrum heraus: "Ich bin das Eigentum, die Tat, das Werk dessen, der den ganzen Kosmos erschaffen hat."
Zweite Hinsicht:
Da die Herzen all dieser Früchte, wie auch das Gedächtnis des Menschen, das in einer Hadith die Stütze des Herzens (thahr-i qalb)genannt wird, ein genaues Inhaltsverzeichnis der meisten Arten, eine kleine Darstellung ihrer Gattungen, gleichsam ein Kern vom Weltenbaum und winzig kleine Spiegel der meisten Göttlichen Namen sind, und da zudem die Herzen und das Gedächtnis aller einander ähneln und den gleichen Stempel tragen und weit und breit über (den Spiegel) des Universums ausgebreitet sind, sind sie sicherlich auch auf den ausgerichtet, der den ganzen Kosmos in Seiner Macht hält und über ihn verfügt und sagen: "Wir sind einzig Sein Werk und das Werk Seiner Kunst."
Zusammenfassung:
Gleich wie eine Frucht, hinsichtlich ihres Wertes auf den Eigentümer des ganzen Baumes
hin ausgerichtet ist, und was ihren Kern betrifft, dieser auf alle Teile, Unterteile und die Natur des ganzen Baumes hin ausgerichtet ist, und was das Siegel auf ihrem Antlitz betrifft, der auf allen von ihnen der gleiche ist, und alle Früchte dieses Baumes bezeugen: "Wir sind alle eins und aus der Hand des Einen hervorgegangen, sind Eigentum des selben Herrn. Und der, welcher einen von uns gemacht hat, hat sicherlich auch alle von uns gemacht." So ist es auch in gleicher Weise, was die Lebewesen am Ende des Bereiches ihrer Vielfalt und das Siegel auf dem Antlitz der Lebewesen und besonders des Menschen, das Inhaltsverzeichnis in seinem Herzen, den Sinn seines Wesens betrifft, und dass er (selbst eine solche) Frucht ist, dass sie direkt auf jenen Herrn ausgerichtet ist, der den ganzen Kosmos in Seiner Macht (rububiyet)hält und über ihn verfügt und sie bezeugt Seine Allgegenwart (vahdet).
Das zweite Erfordernis der Göttlichen Gegenwart (vahdaniyet):
In der Allgegenwart Gottes (vahdet)findet sich eine Leichtigkeit und Einfachheit bis zum Grade einer reinen Notwendigkeit (vudjub);Beigesellung jedoch führt zu Schwierigkeiten und Komplikationen bis zum Grade der Unmöglichkeit. Was die Tatsache betrifft, die bereits in vielen jener Abhandlungen, die Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, als "Leuchte des Lichtes" (Siradjun'Nur)bezeichnet hat, besonders aber im "Zwanzigsten Brief" ausführlich und im "Vierten Punkt" des "Dreißigsten Blitzes" nur ganz kurz, doch auf eine sehr überzeugende und glänzende Art mit besonders kräftigen Beweisen dargestellt und erläutert wurde: Schreibt man alle Dinge einem einzigen Herrn (Dhat)zu, so wird die Erschaffung, Lenkung und Leitung des ganzen Kosmos so leicht wie die eines einzelnen Baumes und die Schaffung und Gestaltung eines Baumes so einfach wie die einer einzelnen Frucht, und die Gestaltung, das Arrangement für einen Frühling so simpel wie die einer einzelnen Blume, die Administration
und Aufzucht ganzer Arten mit unzähligen einzelnen Exemplaren so sehr ohne alle Probleme wie die eines solchen Einzelexemplars.
Wollte man stattdessen auf dem Wege der Beigesellung alle Dinge den Ursachen und der Natur zuschreiben, so wäre die Schaffung eines einzigen Individuums so schwierig wie die einer ganzen Art, die der Arten gleich; der eines einzigen Kernes, die eines Baumes vielleicht der von hundert Bäumen; und einen Baum zu erschaffen, ihn wachsen und gedeihen zu lassen, ihm Leben zu schenken, ihn zu verwalten, ihn zu versorgen und sich um ihn kümmern so kompliziert wie um den gesamten Kosmos, ja vielleicht sogar noch mühsamer.
Da nun aber die wirkliche Sachlage in der "Leuchte des Lichtes" (Siradju-n'Nur)bereits so weit klargestellt wurde, und da wir nun bezeugen können, was wir mit eigenen Augen gesehen haben, gibt es in sehr hohem Grade eine Überfülle zugleich mit einem hohen Grad von Kunstschätzen und Kunstwerken, die zugleich wundersame Maschinen sind mit vielen wunderbaren Bauteilen und Unterteilen, all die Lebewesen, die durch eine geradezu vollkommene Großzügigkeit ins Dasein treten, unendlich leicht und mit einer so wunderbaren Schnelligkeit, als entzündete man ein Streichholz, zeigt notwendigerweise und ganz offensichtlich, dass diese Überfülle und Leichtigkeit von den Werken jenes einen Herrn (Dhat)ausgeht, der ein Einziger und Allgegenwärtiger (= vahdet)ist. Wäre dies nicht so, dann gäbe es sie auch nicht zu einem so geringen Preis, in solcher Fülle, mit solcher Schnelligkeit und Leichtigkeit und mit einem solchen Wert, dass man eine Frucht im Werte von heute fünf Para noch nicht einmal für fünfhundert Lira erhalten könnte, ja sie vielleicht so selten wären, dass man kaum noch eine von ihnen finden könnte. Und die Erschaffung allen Seins und aller lebenden Wesen, gleich wundersamen Maschinen, die heute so einfach und leicht ist wie das Aufziehen einer Uhr oder die Bedienung eines elektrischen Schalters, würde mühsam,
schwierig bis zur Unmöglichkeit; und ein Teil der Tiere, die an einem Tag, in einer Stunde, einer Minute (komplett) mit all ihren Organen und (genau unter den passenden) Lebensumständen und Bedingungen ins Dasein treten, würde nun erst nach einem Jahr, einem Jahrhundert oder vielleicht gar nicht mehr (zur Welt) kommen.
Es wurde bereits an hundert Stellen in der "Leuchte des Lichtes" (Siradju-n'Nur)mit Sicherheit bewiesen, dass es selbst noch den verstocktesten Leugner zum Stillschweigen bringen muss, dass, schreibt man alle Dinge dem Einen und Allgegenwärtigen Herrn (Dhat-i Vahid-i Ahad)zu, so (geschieht) alles leicht und schnell und zum gleichen niedrigen Preis wie ein einzelnes Ding. Wollte man hingegen auch den Ursachen und der Natur ihren Anteil abgeben, so würde die Erschaffung eines einzelnen Dinges so kompliziert, langsam, unbedeutend und kostspielig wie die (der Gesamtheit) aller Dinge. Möchtest du aber die Beweise für diese Wahrheit sehen, so sieh einmal im 20. und 33. Brief; im 22. und 32. Wort; über die Natur im 23. Blitz und im 30. Blitz über den Gewaltigen Namen (Ism-i A'dham)nach und lies nach über den Vierten und über den Sechsten Punkt des 30. Blitzes über den Namen "Der Alleinige (Ferd)"und den Namen "Der Unwandelbare (Qayyum)"und du wirst sehen, dass dies dort mit der gleichen Sicherheit bewiesen wurde, wie zwei mal zwei vier ist. Wir wollen hier nur eines unter hunderten dieser Beweise als Hinweis anführen. Es ist dies wie folgt:
Die Dinge entstehen (idjad)entweder aus dem Nichts heraus, oder aber aus schon vorhandenen Dingen durch Zusammensetzung von Atomen und Molekülen. Schreibt man sie einem einzigen Wesen zu, so muss dieses Wesen in jedem Fall über ein Wissen (ilm)verfügen, das all diese Dinge umfasst und eine Macht (qudret),die alle diese Dinge beherrscht. Und auf diese Weise ist es für Sein Wissen (ilm)ebenso leicht und einfach, den Dingen eine
äußere Gestalt zu verleihen, deren Formen bereits in Seinem Wissen vorhanden sind, bzw. bereits als Idee existieren und sie so aus ihrem offensichtlichen Nicht-vorhanden-sein herauszuführen, wie man ein Streichholz entzündet, oder wie man eine Flüssigkeit über eine unsichtbare Schrift streicht, um sie sichtbar zu machen, oder wie man das Negativ eines Fotos auf Positivpapier überträgt. Durch Seinen Befehl: كُنْ فَيَكُونُ {"Sei! und es ist." (Sure 36, 82)} bringt der Meister (Sani')seine Kunstwerke, deren Plan, Programm, Form und Gestalt in Seinem Wissen (ilm)bereits vorhanden sind, aus dem Zustand ihres offensichtlichen Nicht-vorhanden-seins heraus in ihr äußerlich (sichtbares) Dasein.
Geschieht dies nach der Art einer Komposition (einer Zusammenstellung) oder wie in der bildenden Kunst und nicht als eine Schöpfung aus dem Nichts und dem Nichtsein, sondern als eine Versammlung aus den Elementen der Umgebung, so gleicht dies den Mitgliedern eines Regimentes, die sich auf den Schall einer Posaune hin wieder sammeln, nachdem sie ein wenig geruht hatten, Soldaten, die sich wohlgeordnet und diszipliniert wieder zusammenfinden, um diese Übung zu erleichtern, und ihre Stellungen wieder einnehmen, gleich der Macht (quvvet),dem Gesetz, dem Auge ihres Kommandeurs. In genau der gleichen Weise werden auch die Atome und Moleküle unter dem Oberbefehl des Königs des Alls (Sultan-i Kainat)mobilisiert, zusammen mit allem Sein, mit dem sie in Verbindung stehen, so als seien sie die helfenden Kräfte (quvvet),das Gesetz und die Beamten dieses Königs, nach Maßgabe Seines Wissens (ilm)und Wollens (qadr)und den Gesetzen Seiner alles umfassenden Macht. Um ein lebendes Wesen zu Stande zu bringen, nehmen sie eine bestimmte Form und Gestalt an, welche ihrer immateriellen Form
entspricht, gestaltet aus göttlichem Wissen (ilm)und Wollen (qadr)und verharren sodann in ihr.
Schreibt man stattdessen die Dinge anderen Dingen, wie verschiedenen Händen, Ursachen und der Natur zu, so könnte doch, wie jeder verständige Mensch zugeben muss, niemals eine Ursache auf welche Weise auch immer irgendetwas aus dem Nichtsein, aus dem Nichts, erschaffen. Denn da die Ursachen über kein alles umfassendes Wissen (ilm)und keine alles beherrschende Macht (qudret)verfügen, könnte ein Nichtsein nicht als ein nur äußerliches und offensichtliches Nichtsein bestehen. Es müsste vielmehr ein totales Nichts sein. Wäre es aber ein absolutes Nichts, könnte es in gar keiner Weise die Quelle des Daseins bilden. Wäre dies aber so, so müsste es in jedem Fall eine Symphonie komponieren (eine Zusammenstellung erbringen). Doch den Körper einer Fliege oder einer Blume nach dem entsprechenden Muster aufzubauen und zusammenzustellen könnte nur mit Tausenden von Schwierigkeiten erfolgen, nachdem es zuvor aus dem Antlitz der Erde den Staub gesammelt, durch ein entsprechend feines Sieb passiert und so die entsprechenden Atome und Moleküle gewonnen hat. Aber auch nachdem sie zusammengekommen wären, wären nun materielle, naturgemäße Formen, entsprechend der Anzahl aller Organe notwendig, damit sie nicht wieder auseinander fallen, sondern in bester Ordnung ihre Form bewahren, da ja keine immateriellen Gussformen, wie das entsprechende Wissen, vorhanden sind, damit die Atome und Moleküle, nachdem sie zusammengekommen sind, nun auch einen lebendigen Körper formen können.
So ist es denn im Grade einer Notwendigkeit, eines Erfordernisses, leicht, alle Dinge einem einzigen Wesen zuzuschreiben, während es im Grade einer Unmöglichkeit schwierig, ja geradezu ausgeschlossen ist, sie den verschiedenen Ursachen zuzuschreiben. In gleicher Weise werden alle Dinge, schreibt man sie dem einen Einzigen
und Allgegenwärtigen Herrn (Dhat-i Vahid-i Ahad)zu, auch wenn ihr Preis nur äußerst gering ist, doch zugleich äußerst wertvoll, sind ein außergewöhnliches Kunstwerk, voll tiefer Bedeutung und außerordentlich kraftvoll, während sie, schreibt man sie im Zuge der Beigesellung den verschiedenen Ursachen und der Natur zu, obwohl sie doch unendlich teuer sind, völlig bedeutungslos, kunstlos, inhaltslos und vollkommen kraftlos werden.
Denn so wie ein Mann, der zum Militärdienst eingezogen nun seinem Oberkommandierenden unterstellt ist und sich auf ihn stützen kann, insoweit notwendig und das gesamte Heer in seinem Rücken, von ihm die moralische Unterstützung (quvve-i manevi)erhält und nun die Macht (quvvet)des Kommandanten und seines gesamten Heeres als unterstützende Kraft (quvvet)erhält und so über ein Waffenarsenal verfügt, dass ihn tausendmal stärker sein lässt, als es seiner persönliche Macht (quvvet)entspricht und der seine so wichtigen Ressourcen und das ganze Waffen- und Munitionslager - weil es ja das Heer für ihn befördert - nicht selbst zu transportieren braucht, und weil er so die Möglichkeit erhält, geradezu Übermenschliches zu leisten, kann er nun, obwohl er nur ein einzelner Soldat ist, einen feindlichen Marschall gefangen nehmen, eine Stadt räumen lassen oder eine Burg erobern. Und seine Taten werden wunderbar und von großem Wert sein.
Verlässt er jedoch seine Armee und bleibt er für sich allein, verliert plötzlich seine ungewöhnliche moralische Stärke (quvve-i manevi),seine so besondere Gewalt (qudret),seine wundersame Macht und kann nun als ein ganz gewöhnlicher Niemand entsprechend seinen persönlichen Fähigkeiten (iktidar)nur noch kleine, wertlose, unbedeutende Dinge tun. Und seine Werke werden dementsprechend kleiner.
In gleicher Weise gilt: Da nun einmal auf dem Wege der Einheit Gottes (tauhid)ein jedes Ding mit dem Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu-l'Djelal)verbunden ist
und sich auf Ihn stützen kann und so eine Ameise den Pharao, eine Mücke den Nimrod und eine Mikrobe einen Tyrannen besiegen kann, so kann auch ein Samenkorn, klein wie ein Fingernagel einen Baum so groß wie ein Berg auf seinen Schultern tragen und die Quelle für all seine Werkzeuge und Geräte und seine Werkbank sein. Und so können auch alle Atome und Moleküle in ihrer Verbundenheit und durch die Hilfe, die sie erfahren, unendlich viele Aufgaben übernehmen und helfen Hunderttausend verschiedene Arten und Formen von Körpern zu bilden. Die Werke, an denen sich diese winzigen Beamten, diese kleinen Soldaten beteiligen, sind vollkommen perfekt, kunstvoll und kostbar. Denn der, welcher alle diese Werke verrichtet, ist der Allmächtige in Seiner Majestät (Qadir-i Dhu-l'Djelal).Er hat sie in ihre Hände gelegt, sie selbst sind nur der Schleier (über Seinen Händen). Schreibt man sie stattdessen auf dem Wege der Beigesellung den Ursachen zu, so werden die Werke einer Ameise so unbedeutend wie die Ameise selbst und die Kunst der Atome so wertlos wie diese Atome selbst. Und so wie ein jedes Ding dadurch seinen eigentlichen Wert verloren hat, so wird es auch seinen materiellen Wert verlieren, sodass niemand mehr für diese ganze riesige Welt auch nur mehr fünf Para geben wollte.
Da dies aber nun, wie wir sehen und mit eigenen Augen erkennen können, eine Tatsache (haqiqat)ist und da nun einmal jedes Ding in unendlichem Grade kostbar, kunstvoll, bedeutungsvoll und machtvoll ist, gibt es sicherlich keinen anderen Weg als den Weg der Einheit Gottes (tauhid)und kann es ihn auch gar nicht geben. Wenn es ihn gäbe, müsste man alle Dinge austauschen, die Welt bis zum Nichtsein entleeren und sie dann wieder neu mit äußerlichen Dingen füllen, damit sich ihnen ein Weg zur Abgötterei öffne.
So hast du denn nun aus hunderten von Beweisen nur einen einzigen kurz zusammengefasst gehört, so wie die Einheit Gottes (tauhid)in der Risale-i Nur erklärt wird, die
nach den Worten von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, die Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur)und Leuchte der Leuchten (Siradju-s'Surdj)ist. Die anderen magst du nun damit vergleichen.
Das dritte Erfordernis der Göttlichen Einheit (tauhid):
Da in Übereinstimmung mit der Erschaffung aller Dinge und besonders der belebten unter ihnen, ein Samenkorn, entsprechend seiner außergewöhnlich künstlerischen Gestaltung eine Art Konzentrat einer Frucht, die Frucht das eines Baumes, der Baum das seiner Gattung und die Gattung das des gesamten Kosmos ist, gewissermaßen als ein verkleinertes Abbild, eine Zusammenfassung in Form eines Inhaltsverzeichnisses, eine Art Übersichtskarte, ein Sammelpunkt, jener Tropfen, der mit einer Masse reagiert, ist derjenige, der eines von ihnen zu erschaffen vermag, in jedem Fall auch derjenige, der den ganzen Kosmos zu erschaffen vermag. Wer einen Kürbiskern machen kann, der kann ohne Zweifel auch einen Kürbis machen. Es kann kein anderer sein, und dass (es ein anderer sein) könnte, ist ausgeschlossen, ist völlig unmöglich.
Wenn wir unser Blut betrachten, so sehen wir in der Tat, dass jede seiner Zellen (in ihrem Kreislauf) so viele Aufgaben in schönster Ordnung wahrnimmt, dass sie alle den Sternen nicht nachstehen. (So können wir uns vorstellen, mit welch) einem Grad an Bewusstsein ein jedes der roten und weißen Blutkörperchen daran mitwirkt, den Körper zu beschützen und ihn zu ernähren und wie sie darin noch vollkommener sind als ein ganzes Versorgungsamt oder die Schutzpolizei. Und jede einzelne Zelle unseres Körpers offenbart (bei ihrer Versorgung durch die einzelnen Blutkörperchen) einen solchen Grad an Wohlordnung bei den Arbeiten, bei Einkommen (Aufnahmen) und Ausgaben (Ausscheidungen), dass ihre Verwaltungsarbeit dabei noch vollkommener ist (und sie sich um unseren Körper besser kümmern und ihn versorgen),
als wir selbst uns um unseren Körper (kümmern und ihn versorgen) oder ein Schloss verwalten könnten. Und jedes Tier und jede Pflanze trägt auf ihrem Antlitz ein Siegel und eine (kleine) Maschine in ihrer Brust, dass nur der, welcher alle diese Tiere und Pflanzen erschaffen hat, auch diese Siegel auf ihr Antlitz (geprägt) und diese (kleinen) Maschinen in ihre Brust (eingepflanzt) haben kann. Und jede einzelne Tierart hat sich in einem solchen Grade wohlgeordnet über das Antlitz der Erde ausgebreitet und sich in solch einem (ökologischen) Gleichgewicht unter die anderen Tierarten gemischt, dass einer, der nicht alle Arten zugleich erschaffen, lenken, verwalten und (ihre Jungen) aufziehen und nicht jenes so reich verzierte, künstlerisch (gestaltete), lebendige Tuch, gewebt aus den Fäden, welche die vierhunderttausend Tier- und Pflanzenarten miteinander bilden, erschaffen und über das Antlitz der Erde breiten kann, der kann auch nicht eine einzige ihrer Arten erschaffen, sie nicht lenken und leiten. Vergleicht man aber dies mit all den anderen Dingen, so versteht man auch, dass der gesamte Kosmos, hinsichtlich seiner Erschaffung und Hervorbringung (khalq ve idjad)ein Ganzes ist, das keine Spaltung erträgt und dessen Teilung hinsichtlich seiner Verwaltung und Versorgung und seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet)unmöglich ist.
Dieses "Dritte Erfordernis" wurde bereits in vielen Abhandlungen der Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur),besonders aber im Ersten Kapitel des Zweiunddreißigsten Wortes mit solch zuverlässigen und glänzenden Beweisen erklärt und bewiesen, dass dieser Beweis göttlicher Allgegenwart (vahdet)gleich den Strahlen der Sonne in jedem Ding gegenwärtig und das Zeugnis Seiner Einheit (tauhid)in ihnen reflektiert wird. Mit dieser Erklärung wollen wir uns hier begnügen und so eine lange Geschichte kurz fassen.
Drittes Kapitel
In diesem Kapitel werden drei allgemeine Merkmale der Göttlichen Einheit (tauhid) kurz und bündig erklärt.
Beweise, Merkmale und Zeugnisse, welche die Wahrheit (tahaqquq)der Existenz (Gottes und Seine) Allgegenwart (vahdet)aufzeigen, sind ohne Maß und Zahl. Da bereits Tausende dieser Beweise in der "Leuchte des Lichtes" (Siradju-n'Nur)ausführlich erklärt worden sind, haben wir uns in diesem Dritten Kapitel damit begnügt nur drei universelle Beweise kurz darzustellen.
Das Erste Zeichen und der Beweis ist die Schlussfolgerung:
وَحْدَهُ
{"Er ist eins."}
Gottes Allgegenwart (vahdet)findet sich in einem jeden Ding. Was diese Allgegenwart (vahdet)betrifft, so ist Einheit (vahid)ein Beweis dafür und weist darauf hin. In der Tat muss ein Werk, das diese Einheit (vahid)aufweist, ganz offensichtlich aus der Einheit seines Meisters hervorgegangen sein. Eins geht sicherlich aus dem Einen hervor. Wenn sich diese Einheit in einem jeden Ding wiederfindet, so zeigt dies sicherlich, dass es das Werk eines einzigen Meisters ist. Das Universum gleicht in der Tat einer Rosenknospe, gehüllt in tausend Schleier. Oder vielleicht ist es gleich einem einzigen riesengroßen Menschen, bekleidet in die Male der Göttlichen Allgegenwart (vahdet)nach der Anzahl der göttlichen Namen und Seiner Werke. Oder vielleicht ist es gleich dem Tuba-Baum der Schöpfung, an dessen Zweigen diese Male göttlicher Allgegenwart hängen, entsprechend der Anzahl der Arten alles Geschaffenen.
Es ist in der Tat die Verwaltung des Universums eins, der es lenkt und leitet eins, Sein Königreich eins, das Siegel eins und eins, eins, eins und bis zu tausendundeinem Mal ein einziger Einheiten... Und ferner sind auch die Namen und Werke, welche den gesamten Kosmos lenken und leiten, eins und jeder von ihnen umfasst das ganze Universum. Das heißt also: die Weisheit, die in ihm wirkt, ist eins, Gottes Gnade (inayat)ist eins, Seine Leitung ist eins, Seine Versorgung ist eins, Sein Erbarmen, das den Bedürftigen zu Hilfe eilt, ist eins, und der Regen als der Mundschenk Seiner göttlichen Barmherzigkeit ist eins, u.dgl. mehr: eins und eins, eins, eins und bis zu tausendundeinem Mal ein einziger Einheiten... Und ferner ist auch die Sonne als der Ofen der Welt (in der wir leben) eins, der Mond als ihre Leuchte eins, das Feuer als unser Koch ist eins, die Berge als unsere Vorratshäuser, unsere Schatzkammern, unsere Masten und unsere Wasserträger sind eins, (die Wolken), die wie Schwämme unsere Gärten bewässern sind eins, u.dgl. mehr: eins und eins, eins, eins und bis zu tausendundeinem Mal ein einziger Einheiten...
So sind denn alle diese Einheiten und Gegenwärtigkeiten in dieser Welt ganz offensichtlich Zeugnisse und Beweise, die auf den Einen und Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)hindeuten und Ihn so klar wie die Sonne beweisen. Ferner sind die Elemente des Universums, aber auch all die Arten (Pflanzen und Tiere), die miteinander das Antlitz der Erde bedecken und sie, untereinander vermischt, bevölkern, wenn sie sich miteinander verbinden, vereinigen, ja einander beistehen, mit Sicherheit ein klares Zeichen dafür, dass ihr König (malik),Herr (sahib)und Meister (sani')ein Einziger ist.
Das Zweite Zeichen und der Beweis ist die Schlussfolgerung aus dem Satz:
لاَ شَرِيكَ لَهُ
{"Er hat keinen Mitgesellen".}
Im ganzen Universum findet sich von den Atomen bis zu den Sternen in allen Dingen eine fehlerlose vollkommene Ordnung, ein Gewebe von makelloser Schönheit und eine Waage der Gerechtigkeit, die niemandem Unrecht tut. Es kann eine solch vollkommene Ordnung, eine so ausgewogene Gerechtigkeit nur in der göttlichen Allgegenwart (vahdet)geben. Wenn sich aber verschiedene Hände in eine Arbeit einmischen, so entsteht nur Verwirrung.
So komm denn nun und sieh die Majestät (hashmet)hinter dieser Ordnung: sie hat das Universum zu einem Schloss von so großer Vollkommenheit gemacht, dass jeder Stein in ihr so kunstvoll ist wie ein ganzes Schloss und zu einer prachtvollen Stadt, in der alle Import- und Exportgüter, all die vielen kostbaren Artikel und Produkte zu ihrer Versorgung zu ihrer Zeit und in vollkommener Ordnung wie verborgen hinter einem Vorhang von unvorhergesehenen Orten her eintreffen und sie so zu einem wundersamen Buch von einer solchen Bedeutung verwandelt, dass ein jeder seiner Buchstaben die Bedeutung von hundert Zeilen ausdrückt, und jede Zeile die Bedeutung von hundert Seiten, und jede Seite die Bedeutung von hundert Kapiteln, und jedes Kapitel die Bedeutung von hundert Büchern. Mehr noch beziehen sich alle diese Kapitel, Seiten, Zeilen, Worte und Buchstaben aufeinander und weisen aufeinander hin.
Und nun komm und betrachte diese wunderbare, so perfekt ausgerichtete Gerechtigkeit innerhalb dieser einzigartigen Ordnung, worin dieses riesige Universum einer blitzsauberen Stadt, oder vielmehr einem hübschen Palast gleich, in dem sehr viel Wert auf Sauberkeit gelegt wird, oder vielmehr einer Huri gleich, die sich in siebzig Prachtgewänder eingehüllt hat, eines über dem anderen, oder vielmehr einer Rosenknospe gleich, die mit siebzig feinsten, verzierten Hüllen umwickelt ist, rein und lauter ist.
Und nun komm und betrachte diese vollkommene Gerechtigkeit der Waage innerhalb dieser Ordnung und
Reinlichkeit, wo winzig kleine und hauchzarte Geschöpfe, Mikroorganismen, die erst in tausendfacher Vergrößerung sichtbar werden, wo Sterne und Sonnen, die tausend Mal größer sind als unsere Erde, auf dieser Waage, auf ihren Waagschalen entsprechend Maß und Größe gewogen werden und alle notwendigen Dinge fehlerfrei erhalten. Und diese winzig kleinen Geschöpfe und die riesengroßen Himmelskörper stehen gemeinsam Schulter an Schulter vor dieser Waage der Gerechtigkeit. Dabei gibt es im Grunde genommen unter den großen solche, dass, würden sie auch nur für den Bruchteil einer Sekunde ihr Gleichgewicht verlieren, sie die ganze Welt aus dem Gleichgewicht bringen und so den Anbruch des Weltuntergangs bewirken könnten.
So komm denn nun und betrachte diese überaus wundervolle, so anziehende Schönheit innerhalb aller Ordnung, Sauberkeit und Ausgewogenheit. Sie hat diesem weiten Universum ein glänzendes Festbankett (bayram),eine Ausstellung von erlesensten Schmuckstücken und die Gestalt eines Frühlings gegeben, voll von Blüten, die sich gerade eben erst geöffnet haben. Sie hat auch diesen weit ausgebreiteten Frühling zu einem Topf voll schönster Blumen und einem Rosenstrauß gemacht. Ja, sie gibt jedem Frühling die Form einer prachtvollen Blume, die sich Frühling um Frühling mit Hunderttausenden von Verzierungen über das Antlitz der Erde hin öffnet. Und so hat sie im Frühling eine jede Blüte mit den allerverschiedensten Verzierungen geschmückt. Durch diese prachtvollen Erscheinungen der schönen Namen, welche die äußerste Schönheit in vollendetem Grade verkörpern offenbart in der Tat jede einzelne Art im All, ja sogar jedes einzelne Exemplar entsprechend ihren Fähigkeiten eine solche Schönheit, dass Imam Ghasali, der (Huddjatu-l'Islam),dazu sagt:
لَيْسَ فِى الْاِمْكَانِ اَبْدَعُ مِمَّا كَانَ
Das heißt: "Im Bereich der Möglichkeiten (imkan)kann es nichts Besseres und nichts Schöneres geben, als diesen Inbegriff allen Daseins (mukauvenat)."So ist denn diese allumfassende, so anziehende Schönheit, diese allgemeine wunderbare Reinheit, dieses alles beherrschende, umgreifende und überaus empfindliche Gleichgewicht, diese überall wahrnehmbare und in jeder Hinsicht phantastische Harmonie und Ordnung ein solcher Beweis und Kennzeichen der göttlichen Einheit (tauhid)und Allgegenwart (vahdet),dass sie ein noch leuchtenderes und klareres Licht sind als die Strahlen, die am helllichten Mittag die Sonne zeigen.
Es folgt nun eine sehr kurze aber kräftige Antwort auf eine sehr wichtige Frage zu diesem Kapitel. Sie besteht aus zwei Teilen.
Erster Teil der Frage:
In diesem Kapitel sagst du, dass Schönheit (hüsün),Vollkommenheit (djemal),Güte (güzellik)und Gerechtigkeit (adalet)das All umschließen. Was aber sagst du nun zu all den vielen hässlichen und fürchterlichen Dingen (die in der Welt geschehen), den Katastrophen, die sich vor unseren Augen (ereignen) und dem Tod?
Antwort:
Auch all die hässlichen Dinge, wenn sie hinwiederum schöne Dinge im Gefolge haben oder doch auf sie hinweisen, sind letztendlich schön (zu nennen). Dementgegen ist das nicht Vorhandensein von Hässlichkeit oder deren Unsichtbarkeit, welche so viele schöne Dinge verbirgt und nicht gestattet, dass man sie sieht, keine einfache, sondern eine vielfache Hässlichkeit. Wenn z.B. eine Hässlichkeit, welche wir als Maßeinheit annehmen wollen, gar nicht vorhanden ist, so wäre die Schönheit nur von einer Art und ihre vielfältigen Abstufungen blieben verborgen. Denn es geschieht erst durch das Dazwischentreten der Hässlichkeit, dass die verschiedenen Abstufungen der Schönheit sich entfalten können. So wie die
verschiedenen Abstufungen von Hitze durch die Existenz der Kälte und die verschiedenen Abstufungen bei der Beleuchtung durch das Vorhandensein von Dunkelheit offensichtlich werden, so wird auch alles Gute und alles Schöne, werden alle Wohltaten und alle Gnadengaben erst durch das Vorhandensein kleinerer Einsprengsel von Bosheit, Kummer und Harm, Unglücke und Hässlichkeiten offensichtlich. Das aber heißt, dass die Erschaffung der Hässlichkeit gar nicht hässlich ist, sondern schön ist, weil sie in ihrem Ergebnis doch mehrheitlich schön ist. Ein fauler Kerl, der Regen als schädlich erachtet, kann die guten Ergebnisse, die er im Namen der göttlichen Barmherzigkeit bewirkt, nicht abstreiten. Er kann nicht die göttliche Barmherzigkeit (rahmet)in Mühsal (zahmet)umwandeln.
Was nun den Untergang, Zerfall und Tod betrifft, so wurde bereits im "Vierundzwanzigsten Brief" anhand von starken und zuverlässigen Beweisen dargestellt, dass sie ganz allgemein der göttlichen Barmherzigkeit, Seiner alles umfassenden Schönheit und alles umgreifenden Güte nicht entgegengesetzt sind; sie werden vielmehr erst durch sie notwendig gemacht. Selbst noch der Teufel (Sheytan)ist, als Ursache allen Kampfes und allen Wettstreits die Antriebsfeder zu jeglicher menschlichen Entwicklung und darum gut; und so ist eine jegliche Schöpfung in ihrer Art und in dieser Hinsicht auch schön. Es ist auch gut für die Ungläubigen, wenn sie in der Hölle ihre Strafe erhalten, da sie ja durch ihren Unglauben die Rechte aller lebenden Wesen verletzt und sie in ihrer Ehre (sheref)gekränkt haben. Diese beiden Punkte sind in anderen Abhandlungen bereits ausführlich erklärt worden, weshalb wir uns hier mit diesem kurzen Hinweis begnügen können.
Der zweite Teil der Frage:
{(*): Die Antwort auf diese Zweite Frage ist sehr wichtig. Sie beseitigt viele falsche Vorstellungen.}
Nun gut! Insoweit können wir also der Antwort über den
Teufel und die Ungläubigen von einem ganz allgemeinen Gesichtspunkt aus betrachtet zustimmen. Doch wie kommt es dann, dass der Vollkommen Schöne (Djemil-i Mutlaq),der Allbarmherzige (Rahim-i Mutlaq)und Vollkommene Wohltätige (hayr-i mutlaq),der Herr eines grenzenlosen Reichtums (Dhat-i Ghaniy-i 'ale-l'itlaq)einzelnen armseligen Individuen so übel mitspielt, ihnen solche Bosheiten und hässlichen Dinge zufügt?
Antwort:
Was auch immer es an Gutem und Schönem und an allen Gnadengaben gibt: sie kommen unmittelbar aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit (rahmet)des Schönen (Djemil)und Allerbarmers (Rahim-i Mutlaq),sind ein Gnadengeschenk (ihsanat)aus Seiner Privatschatulle. Was aber das Übel und alle Bosheiten betrifft, so handelt es sich hier um vereinzelte kleine Ergebnisse unter so vielen anderen Ergebnissen allgemeiner, universeller Gesetze, welche Gottes Gewohnheiten (adetullah)im Königreich Seiner Herrschaft (Saltanat-i Rububiyet)genannt werden und Seinen universellen Willen (irade)darstellen. Da sie aber nur gering sind, die Durchführung dieser Gesetze sie aber erfordern, so erschafft Er auch diese bösen kleinen Konsequenzen, um diese Gesetze zu bewahren und zu erhalten, welche ja eine Quelle allgemeiner Wohltaten sind. Jedoch angesichts solcher kleinerer, leidvoller Konsequenzen einiger, die ins Unglück gestürzt sind, antwortet Er auf den Hilferuf dieser Einzelnen, von Unheil und Mühsal heimgesuchten mit der ganz besonderen Hilfe Seiner Barmherzigkeit (Rahman)und der dem Herrn (Rabb)eigenen persönlichen Güte (ihsanat).Und um zu zeigen, dass Er nach Seinem Willen handelt und dass alle Aspekte aller Dinge an Seinen Willen gebunden sind, und dass auch die universellen Gesetze stets Objekt Seines Willens (irade)und Wollens (ihtiyar)sind, und dass der Erbarmungsvolle Versorger (Rabb-i Rahim)diesen Einzelnen, die unter dem Druck der Gesetze aufschreien, Seine Beachtung schenkt und mit Seinen Gunsterweisen (ihsan)auf ihre Hilfeschreie antwortet, indem
Er von diesen universellen Prinzipien (adetullah)und allgemein gültigen Gesetzen und deren kleineren üblen Folgen eine Ausnahme macht, ihnen ein unbegrenztes Feld für die unbegrenzte Erscheinung Seiner Namen öffnet und so (bewirkt), dass Er für Seine besonderen Gunsterweise (ihsanat)auch in einer besonderen Weise geliebt wird, öffnet Er ihnen (auf diese Weise auch) die Tore zu einzelnen ganz besonderen Erscheinungen.
Dieses Zweite Zeichen der Einheit Gottes (tauhid)wurde schon vielleicht an hundert verschiedenen Stellen in der "Leuchte des Lichtes" (Siradju-n'Nur)beleuchtet, und so begnügen wir uns denn hier mit einem kurzen Hinweis darauf.
Das Dritte Zeichen und der Beweis sind die zahllosen Siegel Seiner göttlichen Einheit (tauhid),auf die mit dem Satz:
لَهُ الْمُلْكُ وَلَهُ الْحَمْدُ
{"Sein ist das Reich und Ihm gebührt der Dank".}
hingewiesen wird. Gleich wie der Widerschein der Sonne in einem Spiegel die Sonne zeigt, so zeigt sich in der Tat auch im Antlitz aller Dinge, seien sie nun individuell oder universell, angefangen von den Atomen bis hin zu den Planeten ein Siegel, das einem Spiegel gleich auf jene Sonne von Ewigkeit zu Ewigkeit hinweist und von Seiner Allgegenwart (vahdet)Zeugnis ablegt. Da aber bereits eine große Zahl dieser unzähligen Siegel in der "Leuchte des Lichtes" (Siradju-n'Nur)ausführlich beschrieben worden sind, können wir uns hier damit begnügen, drei von ihnen in einem kurzen Hinweis zu betrachten. Es ist dies wie folgt:
So wie dem Antlitz des Universums als Ganzes ein (großes und) breites Siegel der göttlichen Allgegenwart (vahdet)aufgeprägt ist, das aus gegenseitiger Hilfeleistung, die die einzelnen Arten einander erweisen, ihrer Solidarität, ihrer Ähnlichkeit und ihrer wechselseitigen Durchdringung besteht, so ist auch das Siegel der göttlichen
Einheit (tauhid)dem Antlitz der Erde aufgeprägt, indem das Heer des Hochgelobten (Subhaniye)mit seinen vierhunderttausend Pflanzen- und Tierarten ihre jeweilige unterschiedliche Versorgung, Waffen, Uniformen, Instruktionen, sowie ihre Entlassung - und alles in schönster Ordnung, ohne jede Verwechslung und zur genau richtigen Zeit - zugestellt erhalten. Und so ist denn auch dem Antlitz des Menschen dieses Siegel göttlicher Alleinheit (vahdaniyet)aufgeprägt, indem sich auf jedem einzelnen Gesicht Unterscheidungsmerkmale finden, die sie (von den gemeinsamen Merkmalen) aller anderen Gesichter unterscheiden. So ist denn dem Antlitz eines jeden einzelnen Seiner Kunstwerke, den individuellen wie den universellen, dieses Siegel der göttlichen Einheit (tauhid)aufgeprägt. Und am Kopfstück eines jeden geschaffenen Dinges, sei es groß oder klein, seien es ihrer viele oder wenige, lässt sich dieser Stempel Seiner göttlichen Allgegenwart (vahdaniyet)bezeugen. Vor allem aber die Siegel der lebendigen Geschöpfe sind ganz besonders prächtig. Ja jedes einzelne Lebewesen ist für sich selbst, und zwar jedes einzelne ein Siegel der göttlichen Einheit (tauhid),jedes einzelne ein Stempel Seiner Allgegenwart (Vahdet),jedes einzelne ein Mal Seiner Alleinzigkeit (ahadiyet),jedes einzelne eine Signatur Seiner Einzigartigkeit (Samediyet).
Jede einzelne Blüte, jede einzelne Frucht, jedes einzelne Blatt, jede einzelne Pflanze, jedes einzelne Tier ist in der Tat eine solche Signatur Seiner Alleinzigkeit (ahadiyet),ein solches Mal Seiner Einzigartigkeit (Samediyet),das jeden einzelnen Baum in einen Brief Seines Herrn (Rabb),jede einzelne Art von Geschöpfen in ein Buch des Allbarmherzigen (Rahman)und jeden einzelnen Garten in einen Ferman des Hochgelobten (Subhan)verwandelt, indem der Baum Seine Unterschrift unter diesen Brief setzt, entsprechend der Anzahl seiner Blüten, Seine Signatur entsprechend der Zahl seiner Früchte und Seine Male entsprechend der Anzahl seiner Blätter. Um aber ihren
Schreiber aufzuzeigen und bekannt zu machen, wurden diese Siegel entsprechend der Zahl der einzelnen Exemplare dem Buch aufgeprägt, das diese verschiedenen Arten und Gattungen sind. Um ihren Sultan bekannt zu machen und vorzustellen, wurden diese Stempel diesem Garten aufgeprägt, entsprechend der Anzahl seiner Pflanzen, Bäume und Tiere. Ja, es gibt auf einem jeden Baum zum Beginn und am Ende (seiner Entwicklung), auf seiner äußeren (Erscheinung) und seinem inneren (Leben) entsprechend der Namen
هُوَ الْأَوَّلُ وَالْاٰخِرُ وَالظَّاهِرُ وَالْبَاطِنُ
{"Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene." (Sure 57, 3)}
insgesamt sogar vier Stempel, auf welche diese Namen hinweisen.
Sein Name als "der Erste (Auwal)"weist darauf hin, dass ein Same der ursprüngliche Kern
{(*): Seit alter Zeit gibt es ein Sprichwort, das in der Sprache des Volkes, im Volksmund, sagt: "aus dem Kern herausgewachsen (= verwurzelt)", was man auch als eine Anspielung auf den Autor dieser Abhandlung, einen versteckten Hinweis auf die heimische Tradition, verstehen kann. Denn aus der Fülle des Qur'an entdeckte der Diener der Risale-i Nur zwei Leitern empor und hinauf zur Erkenntnis (marifet) der Einheit Gottes (tauhid) in Saat und Blüte. Er entdeckte die Wasser des Lebens genau an dem Ort, wo die Naturalisten ertrunken sind. Er gelangte zur Wahrheit und zum Licht der Erkenntnis Gottes vom Samen (= von der Wurzel) her. Es geschieht also aus diesem Grund, dass diese beiden Dinge so häufig in der Risale-i Nur wiederholt werden.}
eines jeden Frucht tragenden Baumes ist, ein kleines Kästchen, welches das Programm, das Inhaltsverzeichnis, den Plan dieses Baumes enthält... Er ist eine Werkbank, die alle die Anlagen enthält und alles, was notwendig ist, um (einen Baum) herzustellen, ihn zu formen, eine Maschine,
die mit Beginn (seines Wachstums) diese winzigen Mengen regelt, die er (während seines Wachstums) aufnehmen und jene kleinsten Einheiten, die er wieder abgeben wird.
Sein Name als "der Letzte (Akhir)"weist darauf hin, dass (das Produkt) eines jeden Baumes, sein Ergebnis, seine Frucht die Beschreibungen, die Konstruktionsanleitungen sind, mit deren Hilfe er im Herzen einer solchen Frucht seine Gestalt und seine Eigenschaften hervorbringt. Es sind Erklärungen, mit deren Hilfe er seine Funktionen zu erkennen gibt, seine Produkte, seine Vorzüge, seine charakteristischen Eigenschaften, eine Zusammenfassung, durch die er mit den Kernen, die sich im Herzen einer Frucht finden, seinesgleichen bekannt gibt, uns über seine Herkunft und seine Nachkommen unterweist.
Sein Name "der Äußere (Dhahir)"weist darauf hin, dass Form und Gestalt, mit der die Bäume bekleidet sind, sorgfältig geschneiderte und reich verzierte Kleider und Mäntel sind, die ganz genau entsprechend den Ästen und Zweigen der Bäume und all ihrer Teile und Unterteile zurechtgeschnitten, maßgeschneidert und verziert wurden. Sie sind so sehr ausgewogen, angepasst und ausdrucksvoll, dass sie die Bäume in ein Buch, einen Brief, ja ein Gedicht (kasside)verwandeln.
Sein Name "der Innere (Batin)"weist darauf hin, dass diese Werkbänke im Innern des Baumes die Fabriken sind, welche all die Teile und Unterteile der Bäume mit der ausgefeiltesten Sorgfalt und Ausgewogenheit formen, gestalten und verwalten. Sie bringen auch alle diese so unterschiedlichen Dinge, welche zur Versorgung all dieser Teile erforderlich sind, in schönster Vollkommenheit und Ordnung herbei, teilen und verteilen sie unter ihnen so blitzschnell, dass der Verstand staunend dabei still steht. Und diese wunderbaren Fabriken funktionieren mit der Leichtigkeit, mit der man eine Uhr aufzieht und in der gleichen Harmonie und Einheit, mit der man eine Armee kommandiert.
Zusammenfassung:
Zu Beginn (auwal)eines jeden Baumes steht so ein kleines Kästchen und ein Programm... und an seinem Ende (akhir)finden sich diese Konstruktionsanleitungen und Musterbogen... äußerlich (dhahir)sehen wir diese künstlerisch gestalteten und verzierten Gewänder... in seinem Inneren (batin)steckt solch eine Fabrik, eine Werkbank, dass diese vier Aspekte aufeinander abgestimmt und als ein Ganzes ein gewaltiges Siegel formen. In der Tat wird in ihm dieser gewaltige Name (Ism-i A'dham)sichtbar, denn ganz offensichtlich kann kein anderer als der Eine und Allgegenwärtige Meister (Sani-i Vahid-i Ahad),der den Kosmos lenkt und leitet, solche Werke vollbringen. Und so wie dieser Baum, so trägt auch ein jedes Lebewesen bei seinem Beginn (wenn es keimt und wächst), an seinem Ende (wenn es blüht und Frucht bringt), äußerlich wie innerlich dieses Siegel der göttlichen Einheit (tauhid),jedes einzelne einen Stempel Seiner Allgegenwart (Vahdet),jedes einzelne eine Signatur Seiner Einzigartigkeit (ahadiyet),jedes einzelne ein Mal Seiner Macht und Größe (= Vahdaniyet).
Wenn wir also nun diese drei Bäume in den obigen Beispielen miteinander vergleichen, dann ist auch der Frühling ein solcher mit Blüten übergossener Baum. Die Samen, Samenkörner und Wurzeln - der Hand des Herbstes anvertraut - tragen das Siegel Seines Namens "der Erste (Auwal)"...Die Früchte, das Korn und das Gemüse, ausgegossen in den Schoß des Sommers, füllen seine Schürze und tragen den Stempel Seines Namens "der Letzte (Akhir)"...Die Brokatstoffe wie auch die naturbelassenen Kleider mit ihren hunderttausend Verzierungen, die der Frühling - einer Huri gleich - eine über der anderen trägt, tragen das Zeichen Seines Namens "der Äußere (Dhahir)"...während die im Inneren der Erde arbeitenden Fabriken des Einzigartigen (Samad),die brodelnden Kessel des Allbarmherzigen (Rahman)und die Küchen, welche die Speisen des Herrn (Rabb)kochen, das Mal Seines Namens "der Innere (Batin)"tragen.
Ja sogar jede einzelne Gattung - z.B. die des Menschengeschlechtes - ist auch ein solcher Baum: gerade so wie seine Wurzeln und seine Samen der Vergangenheit, seine Früchte und was sie hervorbringen (werden) aber der Zukunft angehören, so tragen auch die so wohlgeordneten Gesetze für das Leben der menschlichen Gattung und den Fortbestand seiner Art das Siegel der göttlichen Einheit (tauhid),geregelt durch die Grundsätze persönlichen wie gemeinschaftlichen Lebens. Sein Zustand in gegenwärtiger Zeit ist der einer Menschheit, die inmitten eines nur äußerlichen Wirrwarrs einen verborgenen, (sauber und) korrekt geschnittenen Stempel göttlicher Allgegenwart (vahdet)trägt und unter ihren so verwirrenden menschlichen Zuständen das Mal einer göttlichen Einzigartigkeit (Vahdaniyet),geregelt durch die Grundsätze göttlicher Allwissenheit in Vergangenheit und Zukunft, was wir als den vorbestimmten Lebenslauf kennen.
Schlusswort
Ein kurzer Hinweis mit einem Wort für jeden der übrigen Pfeiler des Glaubens innerhalb des Geheimnisses der göttlichen Einheit (tauhid).
Oh du gottvergessener Mensch! Komm nun, denke nach, betrachte einmal die in den drei Kapiteln dieser Abhandlung besprochenen "drei Früchte, drei Erfordernisse und die drei Beweise" und sage dann, ob es denn überhaupt möglich wäre, da doch der Allmächtige (Qadir),
Allweise (Hakiem),Allbarmherzige (Rahiem)und Allwissende (Aliem)Meister (Sani'),der das Weltall lenkt und leitet und da Er selbst noch das winzigste Heilmittel und den geringsten Dank in Betracht zieht, selbst das unbedeutendste Kunstwerk wie den Flügel einer Mücke nicht anderen überlässt oder in Auftrag gibt und ihn nicht achtlos übergeht, und da Er noch dem einfachsten Samenkorn Aufgaben und Weisheit (hikmet)riesengroß wie ein Baum zuteilt, und da Er Sein Erbarmen (rahmaniyet),Seine Barmherzigkeit (rahimiyet)und Weisheit (Hakiem)durch jedes einzelne Kunstwerk erahnen lässt und sich selbst auf jede nur mögliche Weise und Seine Liebe mit jedem Gnadengeschenk zu erkennen gibt, ja wäre es also nun denkbar, dass Er der allen Werten mohammedanischer Wahrheit, die den Geist des Kosmos erfüllen, dem Lobpreis Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und dem islamischen Licht gegenüber, gleichgültig bleiben sollte?
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, welches (Gottes) Kunstwerke übergoldet und Seine Schöpfung mit Freude erfüllt, den ganzen Kosmos erleuchtet, Himmel und Erde in Wallung versetzt, der die halbe Erde und ein Fünftel der Menschheit seit mehr als vierzehn Jahrhunderten ununterbrochen unter seiner geistigen wie materiellen Herrschaft (saltanat)hält und der diese ruhmreiche
Herrschaft im Namen und Auftrag des Schöpfers des Universums fortsetzt, ja wäre es denn überhaupt möglich, dass sein Prophetentum nicht eine der wichtigsten Aufgaben, Lichter und Spiegel seines Meisters und die anderen Propheten, die der gleichen Wahrheit wie Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gedient haben, nicht gleichfalls des Meisters Botschafter, Freunde und Beamte wären? Gott bewahre! und nach der Anzahl der Wunder des Propheten so viele Male: keineswegs!
Und wäre es denn ferner überhaupt möglich, dass der Weise und Allbarmherzige Schöpfer (Haliq-i Hakiem-i Rahim),
der Hunderte verschiedener Weisheiten gleich Früchten an den Ästen und Zweigen als den kleinsten Dingen befestigt und durch Seine einzigartige Weisheit (Hikmet)und Sein allumfassendes Erbarmen (rahmaniyet)bewirkt, dass Seine Herrschaft (Rububiyet)bekannt ist und geliebt wird, all Seine Weisheit und Barmherzigkeit, ja selbst noch Seine Herrschaft und Seine Vollkommenheit (Kemalat)verleugnen und verleugnen lassen sollte, indem Er die Auferstehung nicht zustande brächte, welche Seiner Allmacht (qudret)doch so leicht wäre wie ein Frühling? Sollte Er etwa nicht ein Haus der Glückseligkeit eröffnen, eine für ewig beständige Wohnstatt, und stattdessen alle seine geliebten Geschöpfe für ewig zum Tode verurteilen? Gott bewahre! Hunderttausend Mal keineswegs! Gottes Schönheit in ihrer Vollkommenheit (Djemal-i Mutlaq)ist von einer solch absoluten Hässlichkeit hunderttausende Male frei, rein und heilig.
Eine ziemlich lange Anmerkung:
Eine Problemstellung in Bezug auf die Wiederversammlung: Im Qur'an zeigen die oftmals wiederholten Erlasse (ferman):اِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً {"Es wird aber sein wie ein einziger Schrei." (Sure 36, 29)} oder auch:
وَمَآ أَمْرُ السَّاعَةِ إِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ {"Die Angelegenheit der 'Stunde' wird nur ein Augenblick sein." (Sure 16, 77)} dass die gewaltige Wiederversammlung in einem zeitlosen Augenblick zu Stande kommen wird. Doch unser begrenzter Verstand verlangt nach einem augenfälligen Beispiel, um diese so über alle Grenzen wunderbare und beispiellose Angelegenheit mit innerer Sicherheit annehmen zu können.
Die Lösung:
Bei der Wiederversammlung werden die Seelen zu ihren Körpern zurückkehren. Sodann findet die Wiederbelebung dieser Körper statt. Dann werden die Körper wiedererbaut werden. Daraus ergeben sich folgende drei Problemstellungen.
Erste Problemstellung:
Ein Beispiel für die Rückkehr der Seelen zu ihren Körpern: Die einzelnen Soldaten eines wohldisziplinierten Heeres, die sich zu einer Ruhepause nach allen Seiten hin zerstreut haben, werden durch einen lauten Posaunenstoß wieder versammelt. Ja, so wie die "Sur", die Posaune des Erzengels Israfil, sicherlich nicht weniger mächtig erschallt als die Posaune des Heeres, so werden sicherlich auch die Seelen, welche sich noch in den Ewigkeiten und der Welt der Atome befanden, als die Frage an sie erging: اَلَسْتُ بِرَبِّكُمْ {"Bin ich nicht euer Herr?"} und sie قَالُوا بَلٰى {"Sie sagten: ja."} zur Antwort gaben, tausendmal folgsamer, gehorsamer, disziplinierter sein als die einzelnen Soldaten dieses Heeres. Außerdem wurde schon im "Dreißigsten Wort" durch
unwiderlegbare Zeugnisse bewiesen, dass nicht nur die Seelen, sondern sogar alle Zellen einem Heer des Hochgelobten (Subhan)und seinen gehorsamen Soldaten vergleichbar sind.
Zweite Problemstellung:
Ein Beispiel für die Wiederbelebung der Körper: So, wie in einer sehr großen Stadt in einer festlichen Nacht von einem einzigen Kraftwerk aus hunderttausend elektrische Lampen in einem einzigen Augenblick mit Licht und Leben erfüllt werden könnten, so wäre es auch möglich, von einem einzigen Kraftwerk aus über das Antlitz des ganzen Erdenrundes hinweg hundert Millionen Lampen aufleuchten zu lassen. Wenn also eine Schöpfung Gottes des Gerechten wie z.B. die Elektrizität als ein Diener und ein Leuchter in Seinem Gasthaus durch die Ausbildung, die er von seinem Schöpfer empfangen hat und im Gehorsam Ihm gegenüber eine solche Fähigkeit erzeigen kann, dann kann sicherlich auch die Gewaltige Wiederversammlung in einem einzigen Augenblick stattfinden im Rahmen der regulären Gesetze der göttlichen Weisheit, welche Tausende Seiner erleuchteten Diener darstellen, wie z.B. die Elektrizität.
Dritte Problemstellung:
Ein Beispiel für die plötzliche Wiedererbauung der Körper: Zur Frühlingszeit werden innerhalb weniger Tage alle Blätter sämtlicher Bäume, die doch tausendmal zahlreicher sind als das ganze Menschengeschlecht, plötzlich und in vollkommener Weise und genau so wie im vergangenen Frühling wieder aufgebaut. Auch alle Blüten, Blätter und Früchte sämtlicher Bäume werden wie im vergangenen Frühling und zur Erntezeit im vergangenen Herbst blitzschnell wieder zu Stande gebracht. Auch die zahllosen Samenkörnchen, Kerne und Wurzeln werden zu Beginn des Frühlings plötzlich alle zusammen auferweckt, entfaltet und wiederbelebt. Auch die Skelette all der Bäume, die den aufrecht stehenden Gebeinen der Verstorbenen gleichen, offenbaren plötzlich den Befehl zur بَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ {"ba'thu ba'da-l'maut" - "Auferstehung nach dem Tod"}
und entfalten sich wieder. Auch unzählige kleine Tierchen verschiedenster Art werden in überaus kunstvoller Weise wieder ins Leben berufen.
Auch besonders die Fliegen in ihren verschiedenen Stämmen, die uns doch beständig an Abdest und Reinheit erinnern, wenn sie immer wieder ihr Gesicht, ihre Augen, ihre Flügel putzen, werden wieder auferweckt. Ihre Zahl in ihren Stämmen ist in jedem Jahr noch zahlreicher als die Zahl der Kinder Adams, von Adams Zeiten an gerechnet. In jedem Frühling werden sie zusammen mit anderen Arten in ein paar Tagen auferbaut, wiederbelebt und wiederversammelt. Sicherlich gibt es für die Wiedererbauung der menschlichen Leiber am Jüngsten Tage nicht nur ein solches Beispiel, sondern Tausende von Beispielen.
Tatsächlich ist unsere diesseitige Welt ein Haus der Weisheit, die jenseitige aber das Haus der Macht. Darum erfordern die vielen Namen (Gottes), wie "Hakim"(Allweiser), "Murattib"(Ordner, Setzer), "Mudabbir"(Ordner, Leiter), "Murabbi"(Versorger, Lehrer), dass sich die Dinge in dieser Welt stufenweise und mit der Zeit entfalten. So wurde dies ein Erfordernis der Weisheit des Herrn. Aber da nun einmal Macht und Barmherzigkeit (qudret ve rahmet)im Jenseits stärker in Erscheinung treten als Weisheit, werden die Dinge auf einmal erbaut, ohne eine Materie, Zeitraum, Zeitpunkt oder Zeitablauf zu benötigen. Als Hinweis darauf, dass die Dinge, die hier einen Tag oder ein Jahr benötigen, im Jenseits plötzlich, in einem Augenblick erbaut werden, ergeht im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, der Erlass (ferman):
وَمَآ أَمْرُ السَّاعَةِ إِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ أَقْرَبُ
{"Es ist aber die Angelegenheit der 'Stunde' nur ein Augenblick oder noch weniger." (Sure 16, 77)}
Wer mit der Sicherheit des kommenden Frühlings an die künftige Auferstehung glauben möchte, der siehe einmal
im Zehnten und im Neunundzwanzigsten Wort nach und lese es aufmerksam! Glaubst du dann immer noch nicht mit der Sicherheit des kommenden Frühlings, dann magst du mich tadeln, wenn du das Gegenteil beweisen kannst!
Vierte Problemstellung:
Der Untergang der Welt und der Anbruch des Jüngsten Tages: Würde einmal ein Planet oder ein Komet auf Befehl seines Herrn mit der Erdkugel, die unsere Herberge ist, zusammenstoßen, so könnte diese unsere Herberge zerstört werden. Ebenso könnte ein Schloss, das in zehn Jahren erbaut wurde, in einer einzigen Minute wieder zerstört werden.
* * *
Die obige Zusammenfassung der vier Problemstellungen über die Auferstehung möge für jetzt genügen! Und so kehren wir denn nun wieder zu unserem Hauptthema zurück.
Und wäre es denn ferner überhaupt möglich, dass der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, der so beredte Interpret aller echten und erhabenen Wahrheiten, das wunderbare Sprachrohr des Schöpfers des Alls mit all seinen Vollkommenheiten und bezaubernde Sammelband all seiner Ziele und Zwecke, nicht das Wort Seines Schöpfers ist? Gott bewahre! nach der Anzahl der Ayat keineswegs!
Und wäre es denn ferner überhaupt möglich, dass der Allweise Künstler (Sani-i Hakiem)alle Seine Lebewesen und mit einem Bewusstsein begabten Kunstwerke dazu veranlassen sollte, miteinander zu kommunizieren und in Tausenden verschiedener Zungen miteinander zu reden und Er ihre Stimmen und ihre Worte kennte und sie hörte und ihnen in Seinen Werken und in Seinen Gnadenerweisen Antwort gäbe, jedoch dabei nicht spräche und nicht sprechen könnte? Ja wäre so etwas denn wahrscheinlich? Gäbe es vielleicht eine solche Möglichkeit?...
Da Er aber ganz offensichtlich spricht und da seine verständigsten Gesprächspartner (muhatab)vor allem die
Menschen sind, mit denen Er am besten kommunizieren kann, sind sicherlich vor allem der Qur'an und alle bekannten Heiligen Bücher Sein Wort.
Und wäre es denn ferner überhaupt möglich, dass der Allweise Künstler (Sani-i Hakiem),
der dieses riesige Universum erschaffen hat, um selbst in ihm erkannt, geliebt, gelobt und gepriesen zu werden, der alle Lebewesen mit Seinen vielfältigen Gnadengaben glücklich und zufrieden macht und ihre Freude und Dankbarkeit zu einer bedeutenden Quelle Seiner Herrschaft (Rububiyet)gemacht hat, nachdem Er diesen riesigen Kosmos mit all seinen Säulen, Elementen, Arten zu willigen Dienern, zu einem Aufenthaltsort, einer Ausstellung, einem Festmahl gemacht hat, und es gewollt hat, dass sich die vielen tausend verschiedenen Arten lebender Wesen vermehren sollen, und von den Blättern der Bäume, die kein Obst hervorbringen, wie die Pappel und die Ulme jedes einzelne Blatt zugleich zu einer Wiege, zum Schoß und zur Vorratskammer gemacht hat für jene Lebewesen, die in der Luft Gottes Gedenken (dhikr),nämlich ganze Regimenter von Fliegen, nun die reich verzierten Himmel und die leuchtenden Sterne ohne einen Besitzer, ohne Geist, ohne Leben und ohne Bewohner leer, einsam und nutzlos, d.h. ohne Engel und Geister gelassen haben sollte? Gott bewahre! nach der Zahl dieser Engel und Geister: keineswegs!
Und wäre es denn ferner überhaupt möglich, dass der Allweise Meister, Lenker und Leiter (Sani-i Hakim-i Mudebbir),
der mit dem Stift Seines göttlichen Vorherwissens (qalem-i qader)in die Samen und Früchte noch der unbedeutendsten Pflanzen und kleinsten Bäume ihren Ursprung, ihr Ziel und ihren Lebenslauf in schönster Ordnung einträgt und der in ebenso vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit die Ursprünge und Ergebnisse des großen und weiten Frühlings aufzeichnet, so als handle es sich nur um einen Baum und der noch dem letzten unbedeutenden Ding gegenüber nicht gleichgültig bleibt, nicht die Taten und Handlungen der Menschen eintragen sollte, die eine
so große Bedeutung haben, wo der Mensch doch das Ergebnis des Universums ist, Gottes Stellvertreter auf Erden, Administrator aller Arten von Geschöpfen und ihr Befehlshaber, sie nicht in Sein Vorherwissen (qader)mit einschließen oder ihnen gegenüber gleichgültig bleiben könnte? Gott bewahre! nach der Anzahl der Taten des Menschen, die alle auf der Waage abgewogen werden: keineswegs!
Kurzum:
Der gesamte Kosmos mit all seinen Tatsachen und Gegebenheiten ruft es aus:
اٰمَنْتُ بِاللّٰهِ وَمَلٰٓئِكَتِهِ وَكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ وَبِالْيَوْمِ الْاٰخِرِ وَبِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَشَرِّهِ مِنَ اللّٰهِ تَعَالٰى وَالْبَعْثُ بَعْدَ الْمَوْتِ حَقٌّ اَشْهَدُ اَنْ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَاَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ صَلَّ اللّٰهُ عَلَيْهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِ وَاِخْوَانِهِ وَسَلِّمْ اٰمِينَ
{"Ich glaube an Gott, Seine Engel, Seine Bücher, Seine Propheten, an den Letzten Tag, an ein Vorherwissen alles Guten und Bösen, wie es von Gott, dem Allerhöchsten, kommt, und dass die Auferstehung nach dem Tode wahr ist. Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott. Ich bezeuge, dass Mohammed Gottes Gesandter ist. Möge Gottes Segen und Sein Friede auf ihm ruhen, auf Seiner Familie, auf seinen Gefährten und auf allen Brüdern. Amen."}
* * *
Vorwort zu einem Gebet (munadjat) im Gedenken an die Einheit Gottes (tauhid)
In seinem Unvergleichlichen Gedicht (Qassidatu-l'Djeldjelutiye)nennt Imam Ali, möge Gott Seine Zufriedenheit über ihm ausströmen lassen und sein Antlitz mit Ehre übergießen (radiyallahu anh ve kerremallahu vedjehu),die Risale-i Nur auf wunderbare Weise eine Leuchte des Lichts (Siradju-n'Nur)und Leuchte der Leuchten (Siradju-s'Surdj).Da er ihr aber diese beiden zusätzlichen Namen gibt und der Name "Leuchte des Lichts" (Siradju-n'Nur)in der vorliegenden Abhandlung mehrfach erwähnt wurde, haben wir einige seiner bedeutendsten Gebete (munadjat)entliehen, erweitern sie um eine weitere Stufe und bringen sie nun, indem wir seine erhabene Ausdrucksweise gebrauchen, mit unseren eigenen Worten an der Schwelle des Einen und Allgegenwärtigen (Vahid-i Ahad)dar.
Gebet
اَللّٰهُمَّ إِنَّهُ لَيْسَ فِى السَّمٰوَاتِ دَوَرَاتٌ وَنُجُومٌ وَمُحَرَّكَاتٌ سَيَّارَاتٌ وَلاَ فِى الْجَوِّ سَحَابَاتٌ وَبُرُوقٌ مُسَبِّحَاتٌ وَرَعَدَاتٌ وَلاَ فِى الْاَرْضِ غَمَرَاتٌ وَحَيَوَانَاتٌ وَعَجَآئِبُ مَصْنُوعَاتٍ ٭ وَلاَفِى الْبِحَارِ قَطَرَاتٌ وَسَمَكَاتٌ وَغَرَآئِبُ مَخْلُوقَاتٍ ٭ وَلاَ فِى الْجِبَالِ حَجَرَاتٌ وَنَبَاتَاتٌ وَمُدَخَّرَاتُ مَعْدَنِيَّاتٍ ٭ وَلاَ فِى الْاَشْجَارِ وَرَقَاتٌ وَزَهَرَاتٌ مُزَيَّنَاتٌ وَثَمَرَاتٌ ٭ وَلاَ فِى الْاَجْسَامِ حَرَكَاتٌ وَ اٰلاَتٌ وَمُنَظَّمَاتُ جِهَازَاتٍ ٭ وَلاَ فِى الْقُلُوبِ خَطَرَاتٌ وَاِلْهَامَاتٌ وَمُنَوَّرَاتُ إِعْتِقَادَاتٍ اِلاَّ وَهِىَ كُلُّهَا عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِكَ شَاهِدَاتٌ وَعَلٰى وَحْدَانِيَّتِكَ دَآلاَّتٌ وَفِى مُلْكِكَ مُسَخَّرَاتٌ فَبِالْقُدْرَةِ الَّتِى سَخَّرْتَ بِهَا الْاَرَضِينَ وَالسَّمٰوَاتِ سَخِّرْ لِى نَفْسِى وَسَخِّرْلِى مَطْلُوبِى وَسَخِّرْ لِرَسَآئِلِ النُّورِ وَلِخِدْمَةِ الْقُرْاٰنِ وَالْاِيمَانِ
قُلُوبَ عِبَادِكَ وَقُلُوبَ الْمَخْلُوقَاتِ الرُّوحَانِيَّاتِ مِنَ الْعُلْوِيَّاتِ وَالسُّفْلِيَاتِ يَا سَمِيعُ يَا قَرِيبُ يَا مُجِيبَ الدَّعَوَاتِ اٰمِينَ وَالْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Oh Gott, es gibt im Himmel keine Kreisbahn, keine Sterne, keine Bewegung unter den Planeten,
Am Himmel nicht Blitz noch Donner, der Dich nicht lobt und preist, Auf Erden keinen Staub, keine Blätter und keine Tiere oder andere einzigartige Geschöpfe,
Keinen Tropfen im Meer, noch Fische oder andere seltsame Geschöpfe, Auf den Bergen keinen Stein und keine Pflanze, und keine Erze oder Mineralien in ihnen,
An den Bäumen keine Blätter, noch Schmuck seiner Blüten noch Früchte, Kein Ding, das sich bewegt, keine Werkzeuge, perfekt funktionierende Geräte oder Maschinen,
In den Herzen der Menschen keinen Gedanken, keine Eingebung noch erleuchtete Inspiration,
Die nicht Zeugnis ablegt für die Notwendigkeit Deines Daseins, Die nicht ein Beweis wäre für Deine Allgegenwart,
Die nicht der Herrschaft Deines Reiches unterworfen wäre.
Bei der Macht, mit der Du Dir die Himmel und die Erde unterworfen hast,
unterwirf mir auch meine eigene Seele,
unterwirf mir meine Wünsche und
unterwirf der Risale-i Nur und dem Dienst am Qur'an und dem Glauben die Herzen Deiner Diener und die Herzen aller geistigen Wesen, der hohen und erhabenen wie auch der niederen!
Oh Du Allhörender! Oh Du uns nahe Stehender! Oh Du, der Du unsere Gebete erhörst!
Aller Lobpreis und Dank (sei Gott) dem Herrn der Welten!"
"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Du bist der Allwissende und der Allweise." (Sure 2, 32)}
Dritter Strahl
Vorwort
So wie dieses Achte "Zeugnis für den Glauben" die Notwendigkeit der Existenz Gottes (vudjub-u vudjud)und Seine allgegenwärtige Einheit (vahdaniyet)beweist, so beweist es auch unwiderlegbar, dass Seine Herrschaft (rububiyet)alles umfasst und Seine Macht gewaltig groß (qudretinin azamet)ist. Des Weiteren beweist es, dass Seine Souveränität (hakimiyet)und Seine Barmherzigkeit (rahmet)alles erfasst und dass Seine Weisheit (hikmet)und Sein Wissen (ilm)den Kosmos mit all seinen Bestandteilen umfasst.
Kurzum: Dieses Achte "Zeugnis für den Glauben" enthält in jedem Abschnitt acht Hauptanliegen. In jedem der acht Abschnitte werden diese acht Hauptanliegen mit den entsprechenden Zeugnissen bewiesen. Daher ist dieses Achte "Zeugnis für den Glauben" von besonderer Bedeutung.
Said Nursi
Bittgebet
Diese Abhandlung beweist mit Nachdruck, mit Autorität und mit Sicherheit, zugleich aber auch mit einer bewunderungswürdigen Bestimmtheit die bedeutendsten Fundamente des Glaubens, wie die Notwendigkeit des Seins (vudjub-u vudjud), die Einheit (ahadiyet) und Allgegenwart (vahdet) Gottes, den Glanz Seines Reiches (Rubibiyet), Seine gewaltige Macht (azamet-i qudret), die Länge und Breite Seines Erbarmens (rahmet), Seine allumfassende Herrschaft (hakimiyet), Sein profundes Wissen (ilm) und Seine universelle Weisheit (hikmet). Die Hinweise auf die Auferstehung und besonders die starken Hinweise am Ende (dieser Abhandlung) sind besonders machtvoll.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ إِنَّ فِى خَلْقِ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ وَاخْتِلاَفِ الَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَالْفُلْكِ الَّتِى تَجْرِى فِى الْبَحْرِ بِمَا يَنْفَعُ النَّاسَ وَمَآ أَنْزَلَ اللّٰهُ مِنْ السَّمَآءِ مِنْ مَآءٍ فَأَحْيَا بِهِ الْاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَبَثَّ فِيهَا مِنْ كُلِّ دَآبَّةٍ وَتَصْرِيفِ الرِّيَاحِ وَالسَّحَابِ الْمُسَخَّرِ بَيْنَ السَّمَآءِ وَالْاَرْضِ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Fürwahr, in der Erschaffung der Himmel und der Erde, in der Aufeinanderfolge von Tag und Nacht, in den Schiffen, die zum Nutzen der Menschen auf dem Meer fahren, darin, dass Gott Wasser vom Himmel sandte und mit ihm die Erde wieder belebte, nachdem sie gestorben war, dass Er sich alle die Tiere auf ihr ausbreiten ließ, im Wechsel der Winde, im Dienste der Wolken zwischen Himmel und Erde sind Zeichen für ein nachdenkendes Volk." (Sure 2, 164)}
Oh Gott (Ilahi),oh mein Herr (Rabb)!
Mit dem Auge des Glaubens, belehrt durch den Qur'an und in seinem Lichte unterrichtet
durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und durch die Manifestation Deines Namens "der Allweise (Hakiem)"sehe ich: Es gibt im Himmel überhaupt keinen Umlauf und keine Bewegung, die durch ihre Wohlordnung Deine Existenz (maudjudiyet)nicht aufzeigt und beweist. Und es gibt überhaupt keine Himmelskörper, die nicht für Deine Herrschaft und Deine Allgegenwart (rububiyet ve vahdet)Zeugnis ablegen und auf sie hinweisen, indem sie lautlos und ohne Lärm ihren Dienst versehen und sich frei ohne Stützpfeiler halten. Und es gibt auch keinen Stern, der durch seine wohlausgewogene Erschaffung, seine wohlgeordneten Verhältnisse, sein funkelndes Lächeln und durch das Siegel seiner Ähnlichkeit mit allen anderen Sternen nicht auf die Majestät Deiner Gottheit und Deine Allgegenwart (hashmet-i uluhiyet ve vahdaniyet)hinweist und sie bezeugt. Und unter den zwölf Planeten gibt es keinen, der durch seine weisheitsvolle Bewegung, seine gehorsame Unterwerfung, seinen wohlgeordneten Dienst und seine zugehörigen Monde nicht für die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)Zeugnis ablegt und nicht auf das Königreich Deiner Gottheit (saltanat-i uluhiyet)hindeutet.
So wie alles, was in den Himmeln wohnt, Zeugnis ablegt, genauso legen alle gemeinsam in ihrer Gesamtheit - Oh Schöpfer, der Du die Erde und die Himmel erschaffst! - ein dermaßen klares Zeugnis für die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)und - Oh, der Du die Atome in ihrem wohlgeordneten Gefüge lenkst und leitest und diese Planeten mit ihren wohlausgewogenen Monden kreisen lässt und Deinen Befehlen unterwirfst! - ein dermaßen starkes Zeugnis für Deine Allgegenwart und Deine Einheit (= vahdet)im Grade der Offensichtlichkeit ab, dass so viele leuchtende Zeugnisse und funkelnde Beweise, wie es Sterne am Himmel gibt, dieses Zeugnis bestätigen. Diese klaren, sauberen und schönen Himmel, die mit ihren überaus großen und überaus schnellbeweglichen Himmelskörpern die Form und Gestalt eines Heeres und einer königlichen Flotte, geschmückt mit elektrischen Lampen annehmen,
zeigen ganz offensichtlich die Majestät Deiner Herrschaft (rububiyet)und die gewaltige Größe (azamet)Deiner alles erschaffenden (idjad)Macht (qudret),weisen auf Deine Autorität, die den grenzenlosen Kosmos unterwirft, und auf Deine unendliche Barmherzigkeit (rahmet),die alle Lebewesen in ihren Schoß aufnimmt, hin und bezeugt, dass Dein Wissen (ilm),das alle Angelegenheiten der Geschöpfe im Himmel erfasst, im Griff hält und ordnet, alles umspannt, und dass Deine Weisheit (hikmet)alles umschließt. Dieses Zeugnis und dieser Hinweis ist dermaßen sichtbar, als wären die Sterne Bekenntnisworte der Himmel und ihre lichtvollen Beweise, die einen Körper angenommen haben. Was die Sterne in der Arena, im Meer und im All des Himmels betrifft, so sind sie wie dienstbereite Soldaten, wohlgeordnete Schiffe, wunderbare Flugzeuge und einzigartige Lampen, die die Pracht Deiner göttlichen Königsherrschaft (saltanat-i uluhiyet)demonstrieren. Die Auswirkungen der Sonne, die ein Stern ist und diesem Heer einem Soldaten gleich angehört, auf die Planeten und auf unsere Erde machen uns deutlich und lassen uns ahnen, dass die Sterne, die die Gefährten der Sonne sind, nicht ohne Aufgaben sind und ein Teil von ihnen mit jenseitigen Welten in Beziehung steht, ja sie vielmehr Sonnen der beständigen Welten sind.
Oh der Du notwendigerweise da sein musst (Vadjib-ul Vudjud)!Oh der Du der Eine, der Allgegenwärtige (Vahid-i Ahad)bist!
Diese wunderbaren Sterne, diese einzigartigen Sonnen und Monde werden in Deinem Reich, in Deinen Himmeln, mit Deinem Befehl (emr),mit Deiner Macht (quvvet)und Deiner Kraft (qudret),mit Deiner Lenkung und Leitung (idare ve tedbir)in Dienst gestellt, wohlgeordnet und beauftragt. Alle diese Himmelskörper preisen den einen und einzigen Schöpfer, der sie erschaffen hat, kreisen lässt und lenkt, machen Seine Größe bekannt und rufen in der ihr eigenen Weise (lisan-i hal):"Gepriesen sei Allah (Subhanallah),Allah ist groß (Allahu Ekber)!"All ihre Lobpreisungen (tesbih)biete auch ich Dir dar und nenne Dich hochheilig (taqdis).
Oh majestätischer Allmächtiger (Qadir-i Dhu l-Djelal),der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung (shiddet-i zuhur)verborgen bist! Oh Du absolut Mächtiger (Qadir-i Mutlaq),der Du auf Grund Deiner gewaltigen Größe (azamet-i kibriya)unsichtbar bist!
Belehrt durch Deinen Weisen Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, habe ich erkannt: Wie Himmel und Sterne Deine Existenz (maudjudiyet)und Allgegenwart (vahdet)bezeugen, so bezeugt auch die Atmosphäre mit ihren Wolken, Blitzen, Donnern, Winden und Regen die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)und Deine Allgegenwart (vahdet).
In der Tat ist es Deine Barmherzigkeit (rahmet)und Deine Weisheit (hikmet),die eine Wolke ohne Leben und Bewusstsein mit dem Regen, der das Wasser des Lebens ist, den notleidenden Lebewesen zu Hilfe schickt. Der Zufall, der selbst nur ein Ausdruck des Chaos ist, kann hier nicht seine Hand im Spiel haben. Der Blitz, der die stärkste Form der elektrischen Energie darstellt, und durch den Hinweis seiner Leuchtkraft die Menschen dazu anspornt, sie in ihrem praktischen Leben anzuwenden, präsentiert Deine Macht in der Atmosphäre aufs Schönste. Der Donner, der die Ankunft des Regens ankündigt, die weite Atmosphäre zum Sprechen bringt und mit dem Hall seiner Rezitation den ganzen Himmel erfüllt, lobpreist Dich mit lauter Stimme und bezeugt Deine Herrschaft (rububiyet).Die Winde, die die lebenswichtigsten Mittel für die Versorgung der Lebewesen bringen, am einfachsten zu Nutzen sind, die Atemluft spenden, die Seelen erquicken und mit noch anderen ähnlichen Aufgaben betraut sind, weisen auf die Tätigkeiten hin, denen Deine Macht zu Grunde liegt, und bezeugen Deine Existenz, indem sie die Atmosphäre einer Weisheit zufolge in eine "Tafel der Manifestation von Zerstörung und Aufbau (Lauh-i Mahv ve Isbat)"verwandeln, das heißt, in eine Art "Schiefertafel", auf der die Winde mit Deiner Macht zeichnen, etwas zum Ausdruck bringen und wieder abwischen. Der Regen, der mit Deinem Segen von den Wolken gemolken zu den Lebewesen herab gesandt wird, legt mit den Worten seiner wohlausgewogenen und wohlgeordneten Tropfen Zeugnis für Deine grenzenlose Barmherzigkeit (rahmet)und für Deine unendliche Liebe (shefqat)ab.
Oh der Du die Verfügungsgewalt über alles besitzt und ununterbrochen erschaffst (Mutasarrif-i Fa'al)!Oh der Du der Erhabene bist in Deiner Fülle (Feyyaz-i Muteal)!
So wie die Wolke, der Blitz, Donner, Wind und Regen, ein jeder die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)bezeugen, so weisen sie in ihrer Gesamtheit, in der sie eine Einheit bilden, zusammen sind, harmonisch ineinander laufen und sich gegenseitig in der Diensterfüllung beistehen, obwohl sie von ihrer Art und Weise her voneinander weit entfernt und von ihrem Wesen her einander entgegengesetzt sind, auf Deine Allgegenwart (vahdet)und Deine Einheit mit Nachdruck hin. Des Weiteren bezeugen sie, dass Deine Herrschaft (rububiyet)in ihrer Größe (hashmet)den riesigen Himmel in einen einzigartigen Versammlungsort verwandelt und an manchen Tagen mehrmals füllt und leert, und dass Deine gewaltige Macht (qudretinin azamet)über diese weite Atmosphäre gleich einer Schiefertafel, auf der geschrieben und korrigiert wird, und gleich einem Schwamm, der ausgedrückt wird und dadurch den Erdengarten bewässert, verfügt und alles umfasst. Genauso zeigen sie, dass Deine Barmherzigkeit (rahmet)und Deine Souveränität (hakimiyet)in ihrer unendlichen Weite die ganze Erde, alles Geschaffene unter dem Himmelszelt versorgt, sie lenkt und leitet und allen Dingen zu Hilfe eilt. Die Luft in der Atmosphäre wird für so zweckmäßige Aufgaben gebraucht, und Wolke und Regen werden mit so großem Nutzen eingesetzt, dass dieser Gebrauch, dieser Einsatz ohne ein alles umfassendes Wissen (ilim)und ohne eine alles erfassende Weisheit (hikmet)nicht möglich ist.
Oh der Du mit Deinem freien Willen handelst (Fa'al-u li ma Yurid)!
Deine Macht, die durch die Ereignisse in der Atmosphäre jederzeit eine Nachbildung der Wiederversammlung und der Wiederauferstehung vorführt, in einer Stunde den Sommer in den Winter und den Winter in den Sommer verwandelt, eine Welt hervorbringt und eine Welt in das Verborgene schickt und noch andere vergleichbare Tätigkeiten vollbringt, weist darauf hin, dass sie diese Welt in das Jenseits verwandeln und im Jenseits ewig bleibende Tätigkeiten darbieten wird.
Oh Majestätischer Allmächtiger (Qadir-i Dhu l-Djelal)!
Die Luft, die Wolke und der Regen, der Blitz und der Donner, sie alle und die ganze Atmosphäre stehen in Deinem Reich, unter Deinem Kommando und Deiner Führung, versehen ihren Dienst in Deiner Kraft und Macht (quvvet ve qudret)und sind mit verschiedenen Aufgaben betraut. Diese Geschöpfe des Himmels, die in ihrem Wesen voneinander weit entfernt sind, loben ihren Kommandeur und Herrscher (hâkim)und preisen Deine Barmherzigkeit (rahmet),indem sie Deinen Befehlen und Kommandos rasch und ohne Säumen nachkommen.
Oh Du majestätischer Schöpfer (Khaliq-i Dhu l-Djelal)der Erde und der Himmel!
Belehrt durch Deinen Weisen Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten bekenne und erkenne ich: So wie die Himmel mit ihren Sternen und die Atmosphäre mit allem, was ihr zugehört, die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud),Deine Einheit und Deine Allgegenwart (vahdet)bezeugen, genauso legt die Erde mit all ihren Geschöpfen und zyklischen Veränderungen für Deine Existenz und für Deine Allgegenwart so viele Zeugnisse ab, wie viele verschiedene Formen des Seins es auf ihr gibt. In der Tat gibt es auf der Erde keine einzige Veränderung und keinen Wechsel wie das jährliche Wachstum der Baumrinde und die Häutung der Tiere - sei es nun im Kleinen oder Großen - die mit ihrer Wohlordnung nicht auf Deine Existenz und Deine Allgegenwart hinweisen sollte.
Zudem gibt es auch kein Tier, das nicht seiner Schwäche und Bedürftigkeit entsprechend barmherzig versorgt und mit lebenswichtigen Organen in Weisheit ausgestattet wird und Deine Existenz und Einheit nicht bezeugt.
Zudem gibt es überhaupt keine Pflanze und kein Tier, die nicht in jedem Frühling vor unseren Augen erschaffen werden und Dich nicht durch die einzigartige Kunst in ihnen, durch die feinsinnige Verzierung auf ihnen, durch ihre Hervorhebung mit ihren eigentümlichen Merkmalen und durch ihr Wohlgeordnetsein und Wohlausgewogensein bekannt geben.
Die fehlerlos, perfekt, verziert und mit Unterscheidungsmerkmalen erschaffenen und die Erdoberfläche füllenden, Tiere und Pflanzen genannten, Wunder Deiner Macht sind ein solches Zeugnis für die Existenz (vudjud)und die allgegenwärtige Einheit (vahdet)und Weisheit (hikmet)und unendliche Macht ihres weisen Schöpfers (Sani-i Hakiem),dass es glänzender und stärker ist als das Zeugnis des Lichts für die Sonne. Die Pflanzen und Tiere, die die Erdoberfläche füllen und einzigartige und wunderbare Kunstwerke Deiner Macht sind, aus einer begrenzten Anzahl von großen und winzig kleinen Eiern, Spermien, Samenkörnern und Kernen, die aus denselben Bestandteilen bestehen und einander ähnlich aussehen, mit Unterscheidungsmerkmalen perfekt, geschmückt und fehlerlos erschaffen werden, legen ein dermaßen starkes und glänzendes Zeugnis für die Existenz, die allgegenwärtige Einheit, Weisheit und unendliche Macht ihres Schöpfers ab, das noch glänzender und stärker ist als das Zeugnis des Lichts für die Sonne.
Zudem gibt es überhaupt kein Element wie Licht, Luft, Feuer, Wasser und Erde, das nicht Deine Existenz und Einheit bezeugen sollte, indem es, wie mit Bewusstsein begabt, perfekten Aufgaben nachgeht, obwohl es über kein Bewusstsein verfügt; überaus wohlgeordnete und verschiedene Früchte und Ernten aus der unsichtbaren Schatzkammer herbeiholt, obwohl es gleichförmig ist, alles um sich herum einnimmt und sich überall bis in den letzten Winkel hinein ausbreitet.
Oh Du Schöpfer, der Du allmächtig bist (Fatir-i Qadir)!Oh Du Eröffner, der Du alles weißt (Fettah-i Allam)!Oh Du Lenker und Leiter, der Du erschaffst (Fa'al-i Khallaq)!
Wie die Erde mit all ihren Bewohnern bezeugt, dass ihr Schöpfer der Notwendig-Seiende ist, so bezeugt sie Deine Allgegenwart und Deine Einheit (vahdet ve ahadiyet)- oh Du allgegenwärtiger Einer (Vahid-i Ahad)!Oh Du Barmherziger und Erbarmer (Hannan-i Mennan)!Oh Du Spender und Versorger (Vehhab-i Rezzaq)!- ganz offensichtlich durch die Einheit und Gemeinsamkeit der Gesichter ihrer Bewohner, dadurch, dass sie bunt gemischt einander Hilfe leisten und dass die Namen und Tätigkeiten, die ihre
Versorgung betreffen, ein und dieselben sind, so viele Male, wie es Formen des Daseins gibt.
Und so, wie die Erde, die einem Heerlager, einem Ausstellungsort, einem Ausbildungsplatz gleicht, und auf der vierhunderttausend verschiedene Völker von Pflanzen und Tieren ihre voneinander unterschiedlichen Ausrüstungen wohlgeordnet erhalten, die Majestät Deiner Herrschaft (rububiyetinin hashmet)und Deine Macht, die alles erfasst, zeigt, genauso zeigt auch die gütige (rahim)und freigiebige (kerim),unterschiedliche Versorgung all der zahllosen Lebewesen zur rechten Zeit am richtigen Ort, aus einfacher, trockener Erde und der Gehorsam all dieser zahllosen Lebewesen in vollkommener Bereitschaft gegenüber den Befehlen des Herrn, dass Deine Barmherzigkeit (rahmet)alles umfasst und Deine Herrschaft (hakimiyet)über allem steht.
Des Weiteren bezeugen die Lenkung und Leitung der Scharen der Geschöpfe, die sich auf der Erde ständig erneuern und in Tod und Leben der Reihe nach ablösen, und die Versorgung und die Verwaltung der Tiere und der Pflanzen, dass sie nur mit Deinem Wissen (ilim),das alles umfasst, und mit Deiner unbegrenzten Weisheit (hikmet),die in allen Dingen herrscht, möglich sind. Eine dermaßen große Bedeutung, die dem Menschen, der für eine kurze Zeit auf der Erde zahllose Aufgaben versieht, und der über alles Dasein auf Erden verfügt, und der mit Begabungen und geistigen Fähigkeiten ausgestattet ist, als würde er eine endlose Zeit leben, (eine solche Bedeutung, die dem Menschen) auf dem Übungsgelände dieser Welt, diesem zeitweiligen Heerlager der Erde, diesem vorübergehenden Ausstellungsort beigemessen wird, (eine solche Bedeutung und) dermaßen große Ausgaben, dermaßen unendliche Erscheinungen der Herrschaft (rububiyet),dermaßen grenzenlos viele Ansprachen Gottes des Gepriesenen (Subhan)(an den Menschen durch die Natur) und so viele Gaben Gottes ohne Ende, passen mit Sicherheit keinesfalls in diese so kurze Spanne voll Leid, ein Leben voller Sorgen und voller Veränderungen und diese Welt voller Katastrophen
und voller Vergänglichkeit. Vielmehr können sie nur für ein anderes und unendliches Leben und für einen ewig bestehenden Ort der Glückseligkeit sein. Daher weisen sie auf die Gottesgaben hin, die wir im Jenseits, in der ewig bestehenden Welt vorfinden werden, ja bezeugen dies.
Oh Du Schöpfer aller Dinge (Khaliq-i Kulli Shey)!
Alle Geschöpfe dieser Erde werden in Deinem Reich, in Deiner Welt, durch Deine Macht und Kraft (haul u quvvet),durch Dein Vermögen (qudret)und Deinen Willen (irade),durch Dein Wissen (ilm)und Deine Weisheit (hikmet)gelenkt und geleitet und sind Dir gehorsam.
Die Herrschaft (rububiyet),deren Aktivitäten auf dem Antlitz der Erde beobachtet werden, präsentiert einen dermaßen großen Umfang und Machtbereich, deren Verwaltung, Maßnahmen und Versorgung dermaßen vollkommen und dennoch dermaßen sensibel ist, deren Durchführungen überall in einer vollkommenen Einheit, Zusammenhalt und Gemeinsamkeit erscheint, was uns mitteilt, dass sie eine Verfügungsgewalt, eine Herrschaft ist, die eine Ganzheit bildet und überhaupt keine Unterteilung duldet. Des Weiteren heiligt die Erde mit all ihren Bewohnern den Schöpfer und gedenkt Seiner mit zahllosen Zungen noch klarer als sich mit Worten sagen lässt. Unausgesprochen (lisan-i hal)durch ihre unendlich vielen Geschenke dankt (hamd)sie dem majestätischen Versorger (Rezzaq-i Dhu l-Djelal),lobt und preist Ihn.
Oh Du, der Du hinter der gewaltigen Macht Deiner Erscheinung (shiddet-i zuhur)verborgen bleibst! Oh Du, der Du Dich mit Deiner gewaltigen Größe (azamet-i kibriya)verhüllst! Oh Du allheiliger Herr (Dhat-i Aqdes)!
Mit allem Gedenken und allen Lobpreisungen der Erde heilige ich Dich über allen Fehlern und Schwächen und allem, was sie Dir Beigesellen, und lobpreise Dich und danke Dir mit all ihren Lobpreisungen und Danksagungen (hamd ve shukr).
Oh Du Herr über Land und Meere (Rabb-ul Berri ve l-Bahr)!
Belehrt durch den Qur'an und unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, habe ich erkannt:
So wie die Himmel, das Weltall und die Erde für Deine Existenz und Deine Einheit Zeugnis ablegen, genauso legen Meere, Ströme, Quellen und Flüsse für die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)und für Deine Einheit und Deine Allgegenwart (vahdet)im Grade der Offensichtlichkeit Zeugnis ab.
In den Meeren, welche die Staunen erregenden Verdunstungsbecken unserer Erde sind, gibt es in der Tat überhaupt kein Wesen, noch nicht einmal einen Tropfen Wasser, der nicht durch seine Existenz, seine Wohlordnung, durch seine Nützlichkeit und durch seine Beschaffenheit Seinen Schöpfer bekannt machen sollte. Unter den einzigartigen Geschöpfen, die in gewöhnlichem Sand und in gewöhnlichem Wasser bestens versorgt werden und unter den Meerestieren, die überaus wohlgeordnet erschaffen sind, besonders unter den Fischen, von denen einer mit einer Million Eiern die Meere belebt, gibt es kein einziges, das nicht durch seine Erschaffung, seine Aufgabe, seine Führung, seine Verwaltung und seine Versorgung (terbiye)ein Zeichen für seinen Schöpfer setzt und nicht Zeugnis für seinen Versorger (Rezzaq)ablegt.
Des Weiteren gibt es unter den wertvollen, besonderen, schön verzierten Schätzen im Meer keinen einzigen, der Dich nicht durch seine Erschaffung (idjad),den Zauber seiner Natur und seine nützlichen Eigenschaften erkennt und zu erkennen gibt. So, wie jedes Einzelne Dich bezeugt, so bezeugen sie auch in ihrer Gesamtheit Deine Einheit und Allgegenwart (vahdet),in ihrer Gemeinsamkeit bei aller Vermischung, durch das einheitliche Siegel ihrer Erschaffung (khillqat),in der Leichtigkeit ihrer Erschaffung und der Vielheit ihrer Anzahl. Genauso weisen diese Meere, die die Erdoberfläche mit ihren Kontinenten umspannen, frei schwebend und um die Sonne kreisend, ohne (ihr Wasser) zu vergießen oder zu verschleudern, ohne das Land zu überschwemmen, (die Meere) in denen aus gewöhnlichem Sand und Wasser verschiedene Lebewesen und Bodenschätze in schönster Ordnung erschaffen werden, ihre
Versorgung und ihre sonstigen Bedürfnisse umfassend und reibungslos gesteuert und befriedigt werden, und auf denen keine der sonst zahllosen Kadaver zu sehen sind, auf Deine Existenz und die Notwendigkeit Deiner Gegenwart entsprechend der Vielzahl alles dessen, was in ihnen ist, hin und bezeugen es. So, wie sie Deine majestätischen Herrschaft (saltanat-i rububiyetinin hashmet)und majestätische Größe Deiner Macht (qudretinin azamet),die alles umfasst, in aller Deutlichkeit zeigen, genauso zeigen sie die grenzenlose Weite Deiner Barmherzigkeit (rahmet)und Deiner Souveränität (hakimiyet),die alles - angefangen von den riesengroßen Sternen, die über den (Weiten und Höhen) der Himmel ihre Bahnen ziehen, bis hin zu den winzig kleinen Fischen, die in den (Weiten und) Tiefen der Meere ihre Nahrung finden - erreicht und umfasst, und weisen durch ihre Wohlordnung, ihren vielfachen Nutzen, ihr Gleichgewicht, ihre Weisheit und ihre Ausgewogenheit auf Dein alles umspannendes Wissen (ilm)und Deine alles umfassende Weisheit (hikmet)hin. Seine Barmherzigkeit, die in diesem Gasthaus der Erde für die Reisenden derartige Wasserbecken bereit stellt, und die diese den Menschen für ihre Reisen und Fahrten, für ihre Schiffe, ihren Gewinn zur Verfügung stellt, zeigt, dass derjenige, der seinen Gästen, die auf ihrem Weg in dieser Herberge eine Nacht rasten, so viele Gastgeschenke aus dem Meer bietet, mit Sicherheit am ewig bestehenden Sitz Seines Königreiches (saltanat-i ebediye)ewige Meere Seiner Barmherzigkeit (rahmet)besitzt, sodass eine solche (Herberge) nur eine kleine, vergängliche Nachbildung davon ist. So zeigen die Meere, welche samt ihren Staunen erregenden Bewohnern die Kontinente in solch wunderbarer Weise umspannen und die Geschöpfe in den Meeren, die so wohl verwaltet und versorgt werden, ganz offensichtlich, dass sie nur durch Deine Macht (quvvet),Deine Stärke (qudret),Deinen Willen (irade)und Deine Weisungen (tedbir),in Deinem Reich (mulk)Deinen Befehlen (emr)folgen. Sie bringen auf ihre eigene Weise (lisan-i hal)den Lobpreis (taqdis)ihres Schöpfers zum Ausdruck und rufen: "Allahu Ekber,Gott ist groß!"
Oh majestätischer Allmächtiger (Qadir-i Dhu l-Djelal),der Du die Berge für das Schiff der Erde als Masten voller Schätze errichtet hast!
{Schätze der Berge:
Sind hier im weitesten nur möglichen Sinne zu verstehen, also nicht nur als Bodenschätze. Die Schätze der Berge sind auch alles, was auf den Bergen wächst und lebt: die Wälder und Felder, die Kräuter und Heilpflanzen, das Vieh und überhaupt alle Tiere. Ja, sogar die reine Luft ist ein Schatz der Berge. (A.d.Ü.)}
Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an verstand ich: So, wie die Meere Dich erkennen und zu erkennen geben, genauso erkennen und verkünden Dich auch die Berge, die dazu dienen, das Land vor der Überflutung der Meere zu schützen, die Luft von den giftigen Gasen zu reinigen und das Wasser zu halten und zu speichern, und die den Lebewesen als Schatzmeister der notwendigen Mineralien dienen.
Es gibt keine von den Arten der Steine auf den Bergen, von den Sorten der Stoffe, die für verschiedene Krankheiten als Heilmittel gebraucht werden, von all den verschiedenen Mineralien, die für die Lebewesen, besonders für die Menschen so notwendig sind, von den Pflanzenarten, die die Berge und die Wüsten mit ihren Blumen und Blüten verzieren und mit ihren Früchten beleben - die durch ihre Zweckmäßigkeit und ihre Wohlgeordnetheit, die keineswegs einem Zufall zugeschrieben werden kann, durch ihre schöne Beschaffenheit, durch ihre Nützlichkeit, besonders der Mineralien wie Salz, und Alaun und Kristallen wie Zitronensäure und Chininsulfat, die zwar ähnlich aussehen, deren Geschmack sich aber stark voneinander unterscheiden, und besonders durch die Pflanzen, die aus gewöhnlicher Erde die verschiedensten Arten von Blüten und Früchten hervorbringen - nicht den Absolut-Allmächtigen (Qadir),Allweisen (Hakiem),Allbarmherzigen (Rahiem)und freigiebigen Meister (Kerim bir Sani')und die Notwendigkeit Seiner Existenz (vudjub-u vudjud)offensichtlich bezeugen. Mit ihrer Gemeinsamkeit, durch ihre gleiche Verwaltung, gleiche Regeln
und durch die Gemeinsamkeit ihrer Quelle, ihrer Wohnstatt, ihrer Erschaffung und ihrer Gestaltung, durch ihre Einheit, ihre Preiswürdigkeit, ihre einfache Art, ihre Vielzahl und durch ihr schnelles Entstehen bezeugen sie die Einheit (ahadiyet)und Allgegenwart (vahdet)ihres Meisters (Sani').
So, wie die Geschöpfe, die auf der Oberfläche und im Innern der Berge - überall auf der Erde - zu finden sind, und jede Spezies von ihnen in gleicher Zeit, auf gleiche Art und Weise, ohne Fehler, überaus perfekt und schnell, ohne irgendwelche Verwechslung - obwohl sie mit verschiedenen anderen Arten vermischt waren - hervorgebracht werden, wobei eine Arbeit die andere nicht behindert, die Majestät Deiner Herrschaft (rububiyetinin hashmet)und die gewaltige Größe Deiner Macht (qudretinin azamet),der nichts zu schwer fällt, zeigen, so zeigen auch die Berge, deren Oberfläche mit wohlgeordneten Bäumen und Pflanzen, und deren Inneres mit Mineralien gefüllt ist, wie sie auf der ganzen Erde die zahllosen Bedürfnisse alles Lebendigen befriedigen, deren verschiedensten Krankheiten, ja sogar ihren unterschiedlichen Sinnen und Empfindungen dienlich sind, und den Bedürftigen zur Verfügung stehen, die unendliche Weite Deiner Barmherzigkeit (rahmet)und den grenzenlosen Umfang Deiner Herrschaft (hakimiyet).Die Mineralien, die im Dunkel der Erde verborgen und vermischt waren, wurden durch den Allwissenden und Allsehenden, ohne Verwechslung, wohlgeordnet, den Bedürfnissen entsprechend bereit gestellt, wodurch man den Umfang Seines auf alles bezogenen Wissens (ilm),und Seine alles umfassende und jedes Ding ordnende Weisheit (hikmet)- durch die Anfertigung der Heilmittel und durch die Speicherung der Bodenschätze - die Schönheit der barmherzigen und freigiebigen Verwaltung Seiner Herrschaft (rububiyet)und die vorsorgliche Feinheit Seiner Güte (inayet)in aller Klarheit erkennt.
Diese riesigen Berge, die für die durchreisenden Gäste in dieser Herberge "Erde" als wohlgeordnete Versorgungslager für ihre Bedürfnisse in der Gegenwart und in der Zukunft, als Gerätelager und perfekte Magazine vieler
Bodenschätze, die für das Leben notwendig sind, dienen, sind Hinweise, vielmehr Beweise, sogar Zeugnisse dafür, dass der Meister (Sani'),der so freigiebig, gastfreundlich und so weise (hakiem)und zärtlich (shefqat),so mächtig (qadier)ist und Seine Herrschaft (rububiyet)mit so viel liebender Sorgfalt ausübt, mit Sicherheit über ewige Schatzkammern mit ewigen Geschenken in einer ewigen Welt für die Gäste verfügt, die Er liebt. Anstelle der Berge hier (auf Erden) versehen dort (im Jenseits) die Sterne dieselbe Aufgabe.
Oh Du, der Du über alles mächtig bist (Qadier-i Kulli Shey)!
Die Berge sind Speicher in Deinem Reich, und was in ihnen ist, steht durch Deine Macht und Stärke (quvvet ve qudret),durch Dein Wissen und Deine Weisheit (ilim ve hikmet)zur Verfügung. Sie loben und preisen (taqdis ve tesbih)den Schöpfer, der sie in dieser Weise beauftragt hat und zur Verfügung hält.
Oh barmherziger Schöpfer (Khaliq-i Rahman)!Oh gütiger Herr (Rabb-i Rahiem)!
Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Qur'an habe ich verstanden: So, wie das All und die Himmel, Erde, Meere und Berge mit dem, woraus sie bestehen und mit ihren Geschöpfen Dich erkennen und zu erkennen geben, so geben alle Bäume und Pflanzen, mit ihren Blättern, Blüten und Früchten Dich im Grade der Offensichtlichkeit zu erkennen und erkennen Dich. So, wie alle Bäume und Pflanzen mit allen ihren Blättern, die sich im Gottesgedenken ekstatisch bewegen, mit allen ihren Blüten, die durch ihre Ausschmückung die Namen ihres Meisters () beschreiben und bekannt geben, mit allen ihren schönen und guten Früchten, die in Seiner barmherzigen Erscheinung lächeln, und deren Wohlordnung wunderbaren künstlerischen Aufbaus, die keineswegs dem Zufall zuzuschreiben ist, deren wohlgeordnete Ausgewogenheit, ihre wohlausgewogene Ausstattung, deren verzierte Ornamente, deren verschiedene, schöne Düfte und deren verschiedene Geschmacksarten für die Notwendigkeit der Existenz (vudjub-u vudjud)des unendlich barmherzigen (Rahiem)und freigiebigen (Keriem)Meisters (Sani')im Grade der Offensichtlichkeit Zeugnis ablegen,
so legen sie alle gemeinsam durch ihre Einheit und Zusammengehörigkeit auf der ganzen Erde, durch die Ähnlichkeit des Siegels ihrer Erschaffung, durch die Verbundenheit in ihrer Lenkung und Leitung, durch die Entsprechung der Umstände und des Ablaufs ihres Wachstums und durch die Entsprechung der auf sie bezogenen Namen des Herrn und durch die Verwaltung der zahllosen Einzelnen dieser hunderttausend Arten gleichzeitig ohne Verwechslung, obwohl sie miteinander vermischt sind, für die Einheit (ahadiyet)und Allgegenwart (vahdet)des Meisters (Sani'),der notwendigerweise da sein muss, ein klares Zeugnis ab.
Wie sie für die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)und für Deine Allgegenwart (vahdet)Zeugnis ablegen, so zeigen zahllose Einzelne in dem Heer der Lebewesen auf der Erde, das aus vierhunderttausend Völkern besteht, welche auf Hunderttausende Arten und Weisen ohne Verwechslung und ohne Fehler ernährt und versorgt werden, die majestätische Größe Deiner allgegenwärtigen Herrschaft (rububiyetinin vahdaniyetteki hashmet)und die gewaltige Größe Deiner Macht (qudretinin azamet),die einen Frühling in der Leichtigkeit einer Blume erschafft (idjad),und ihre Verbundenheit mit allem Sein. Des Weiteren zeigen sie die grenzenlose Weite Deiner Barmherzigkeit (rahmet),die den zahllosen Tieren und Menschen überall auf der riesigen Erde verschiedenste Sorten zahllos vieler Speisen zur Verfügung stellt, und den grenzenlosen Umfang Deiner Herrschaft (hakimiyet),die diese zahllos vielen Arbeiten vollbringt, Gaben verteilt, alle versorgt und alle ernährt, die Ihre Vorhaben bestens durchführt und deren Plänen und Ausführungen alles, sogar die Atome Gehorsam leisten und sich unterwerfen. Diese Bäume und Pflanzen, deren jedes Blatt, jede Blüte, jede Frucht, jede Wurzel, jeder Ast und jeder Zweig mit allem, was sie betrifft und wessen sie bedürfen, zeigen ganz offensichtlich, dass Dein Wissen (ilm)alles umfasst und Deine Weisheit (hikmet)alles umschließt, und weisen mit zahllos vielen Fingern darauf hin - sie loben und preisen die Schönheit Deiner überaus vollkommenen Kunstfertigkeit und die Vollkommenheit Deiner überaus schönen Gaben
mit zahllosen Zungen. Diese so wertvollen Gaben und Geschenke, der außerordentlich hohe Wert der gemachten Aufwendungen und der erwiesenen Gastfreundschaft, durch die Hände der Bäume und Pflanzen in dieser vorübergehenden Herberge, in diesem vergänglichen Gasthaus in wenig Zeit, einer nur kurzen Spanne, weisen darauf hin, ja legen vielmehr Zeugnis dafür ab, dass der barmherzige Herr (Dhat-i Rahiem),der Seinen Gästen hier so sehr Seine Güte erweist, sich nach all Seinen umfangreichen Ausgaben und zahlreichen Geschenken, durch die Er Seine Liebe zeigen und unter Beweis stellen möchte, nicht entgegengesetzt verhalten wird. Das heißt: damit die Geschöpfe nicht sagen könnten: "Er ließ es uns schmecken und machte dann mit uns ein Ende, bevor wir noch zu Ende gegessen hatten." und damit das Königreich Seiner Gottheit (saltanat-i uluhiyet)für sie nicht zusammenbricht, Er Seine grenzenlose Barmherzigkeit (rahmet)nicht verleugnet und nicht verleugnen lässt und damit alle Seine Freunde, die nach Ihm sehnsüchtig verlangen, durch Entsagung nicht zu Feinden werden, denen Er in einem ewigen Land, in einer ewigen Welt einen ewigen Aufenthalt gewährt, weshalb Er aus den ewig bestehenden Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit in Seinen ewigen Paradiesen Frucht tragende Bäume und Blüten tragende Pflanzen, wie sie der Ewigkeit und dem Paradies würdig sind, bereit hält. Die aber, die hier zu sehen sind, sind nur Musterbeispiele, die den Kunden vorgeführt werden.
So, wie die Bäume und andere Pflanzen Dich mit all ihren Blättern, Blüten und Früchten - als ihren Worten - loben, preisen und Dir danken, so lobt dich auch ein jedes (von diesen Worten) besonders. Die unausgesprochenen Lobpreisungen, die durch ihre Taten, besonders durch ihre Früchte, die in einzigartigen Formen, mit sehr unterschiedlichem Fruchtfleisch, mit überaus bewunderungswürdiger Kunstfertigkeit, mit außergewöhnlich wunderbaren Kernen gemacht, und als Speisetafeln in die Hände der Bäume und auf die Häupter der Pflanzen gelegt und
zu Seinen lebendigen Gästen gesandt werden, steigern sich zur Deutlichkeit eines gesprochenen Wortes. Sie alle stehen in Deinem Reich, durch Deine Kraft und Macht (quvvet ve qudret),mit Deinem Willen (irade)und Deinen Gaben (ihsan),durch Deine Barmherzigkeit und Weisheit (rahmet ve hikmet)im Dienst und sind jedem Deiner Befehle gehorsam.
Oh allweiser Meister (Sani-i Hakiem),der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung (shiddet-i zuhur)verborgen bist! Oh Du allbarmherziger Schöpfer (Khaliq-i Rahiem),der Du auf Grund Deiner gewaltigen Größe (kibriya-yi azamet)unsichtbar bist!
Mit den Sprachen und der Anzahl aller Bäume und aller Pflanzen, aller Blätter, Blüten und Früchte heilige (taqdis)ich Dich über jeglichen Fehlern und Schwächen und allem, was sie Dir beigesellen, lobe und preise Dich.
Oh allmächtiger Schöpfer (Fatir-i Qadier)!Oh allweiser Lenker und Leiter (Mudebbir-i Hakiem)!Oh allbarmherziger Erzieher (Murebbi-i Rahiem)!
Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an verstand und bekenne ich: So, wie die Pflanzen und Bäume Dich kennen und Deine heiligen Eigenschaften und Deine schönen Namen bekannt geben, so gibt es keinen unter den Menschen und den Tieren, die zu den beseelten, (fühlenden) Lebewesen gehören, der nicht durch innere und äußere Organe, die überaus wohlgeordnet in seinem Körper wie ein Uhrwerk gehen und angetrieben werden, durch Sinnesorgane und Empfindungen, die in seinem Leib mit einer überaus feinen Ordnung, mit einer hochempfindlichen Ausgewogenheit angelegt sind, und der nicht auf Grund seiner weisheitsgemäßen Ausstattung und der überaus feinen Ausgewogenheit seiner Glieder für die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud)und für die Wahrheit Deiner Eigenschaften (sifatlarinin tahaqquq)Zeugnis ablegt. Denn: bei einem so hochempfindlichen Kunstwerk, das nur das Werk eines Sehenden (basir)sein kann, einer so klarsichtigen Weisheit (hikmet),die ein Bewusstsein (shuur)voraussetzt, und einer so vollkommenen Ausgewogenheit, die gründliche Planung voraussetzt, können sicherlich blinde Kräfte, die unbewusste Natur und ein planloser Zufall nicht ihre Hände im Spiel
gehabt haben. Es kann nicht ihr Werk sein und ist nicht möglich. Und aus sich selbst heraus zu entstehen und diese Formen anzunehmen, ist auch eine hundertfache Unmöglichkeit in einer Unmöglichkeit. Denn, in diesem Fall müsste jedes Atom ein so umfassendes Wissen und eine so umfangreiche Macht wie Gott besitzen, um alles, ja sogar die Entstehung unseres Körpers, selbst alles in der Welt, mit dem es in Kontakt kommt, kennen, erkennen und zu Stande bringen können. Dann könnte man die Entstehung des Körpers auf es zurückführen und sagen, dass er aus sich selbst entstanden sei. Unter den Sachverhalten, wie dem einer einheitlichen Planung in ihrer Gesamtheit, einer einheitlichen Lenkung und Leitung, der Einheit ihrer Arten und Gattungen und der einheitlichen Prägung bei ihrer Erschaffung, die aus der Übereinstimmung der Sinnesorgane in den Gesichtern aller, wie Auge, Ohr und Mund ersichtlich ist, die ein einheitliches Siegel der Weisheit, das sich in jedem einzelnen Gesicht jeder einzelnen Art erkennen lässt, und dem der Gleichheit bei der Versorgung und der Erschaffung und eines gemeinsamen Miteinanderlebens, gibt es keinen, der nicht für Deine Einheit und Allgegenwart (vahdet)ein sicheres Zeugnis ablegt. Es gibt kein einziges (Zeugnis) von ihnen, in dem sich die Erscheinungen aller Namen, die sich auf den ganzen Kosmos beziehen, finden, das für sich allein kein Zeichen für die Einheit (ahadiyet)Deiner Allgegenwart (vahidiyet)setzen könnte.
So, wie die Menschen mit den Tieren, die auf der ganzen Erdoberfläche in hunderttausend Arten verbreitet, wie ein wohlgeordnetes Heer ausgerüstet und Anordnungen unterstellt sind, Gehorsam leisten und in Dienst stehen, vom Kleinsten bis zum Größten von ihnen, unter denen die Befehle der Herrschaft (rububiyet)wohlgeordnet fließen, die majestätische Größe Deiner Herrschaft (rububiyetinin deredje-i hashmet)zeigen, und ihre Erschaffung - die trotz ihrer großen Vielzahl sehr wertvoll, trotz ihres überaus schnellen Zustandekommens vollkommen einwandfrei und trotz ihrer kunstvollen Ausstattung dennoch sehr leicht verläuft - die gewaltige Größe
Deiner Macht (qudretinin deredje-i azamet)beweisen, so beweisen sie ganz deutlich auch den grenzenlosen Umfang Deiner Barmherzigkeit (rahmet),die zu allen, von einer Mikrobe bis zum Nashorn, von der kleinsten Fliege bis zum größten Vogel überall, vom Osten bis zum Westen, vom Norden bis zum Süden, alle ihre Nahrung erreichen lässt, und die unendliche Weite Deiner Herrschaft (hakimiyet),die jeden wie einen dienstbereiten Soldaten seinen natürlichen Aufgaben nachgehen lässt und die Erdoberfläche für das Heer der Neurekrutierten, anstelle der im Herbst Entlassenen, in jedem Frühling zu einem Heerlager macht.
So, wie jedes der Tiere, die als kleine Muster und verkleinerte Beispiele dieses Kosmos mit einem überaus tiefen Wissen (ilim)und mit einer überaus feinsinnigen Weisheit (hikmet),ohne ihre Organe miteinander zu vermischen oder zu verwechseln, in voneinander verschiedenen Formen, ohne eine Verwechslung, ohne einen Mangel, ohne einen Makel gebildet werden, dafür so viele Zeichen wie ihre Zahl setzen, dass Dein Wissen alles umfasst und Deine Weisheit über allem steht, so verweisen sie, indem jedes von ihnen als ein wunderbares Kunststück und als das Werk einer wunderbaren Weisheit kunstvoll und schön gemacht wird, auch auf die überaus vollkommene Schönheit der Kunstfertigkeit Deiner Herrschaft (san'at-i Rabbaniye kemal-i hüsnü)hin, die Du liebst und ausstellen möchtest. Alle, besonders die Jungtiere, die überaus zärtlich und fürsorglich ernährt und deren Launen und Wünsche befriedigt werden, erbringen grenzenlos viele Hinweise für die überaus anmutige Schönheit (djemal)Deiner Güte (inayet).
Oh barmherziger Erbarmer (Rahman-ur Rahiem)!Oh Du Vertrauter, der Sein Versprechen hält (Sadiq-ul Va'd-il Amin)!Oh Herr des Gerichtstages (Malik-i Yevmid'din)!
Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und gelehrt durch Deinen Weisen Qur'an verstand ich: Das erlesenste Ergebnis des Kosmos ist das Leben. Der erlesenste Extrakt des Lebens ist der Geist (ruh).Die erlesensten unter den Geisttragenden, sind diejenigen, die Bewusstsein (shuur)haben. Der
Vielseitigste unter den Bewusstseintragenden ist der Mensch. Der ganze Kosmos steht aber im Dienst des Lebens und arbeitet dafür. Die Lebewesen stehen denjenigen, die Geist besitzen, zu Diensten und helfen ihnen. Die Menschen lieben von ihrem Wesen (fitrat)her den Schöpfer innig und aufrichtig. Auch der Schöpfer liebt sie und versucht ihnen bei jeder Gelegenheit Seine Liebe zu erweisen. Die Begabungen (istidad)des Menschen und seine geistigen Anlagen beziehen sich auf eine andere, ewig bestehende Welt und auf ein ewig dauerndes Leben. Das Herz des Menschen und sein Bewusstsein verlangt mit aller Kraft nach ewigem Bestehen. Seine Zunge bittet den Schöpfer mit zahllosen Gebeten um ewiges Bleiben. Mit Sicherheit und auf gar keinen Fall kann wahr sein und wäre es möglich, diese Menschen, die Ihn sehr lieben und von Ihm geliebt werden, die Liebende (muhib)und Geliebte (mahbub)sind, dem Tod auszuliefern, ohne sie wiederzubeleben, und sie dadurch zu kränken und zu einer ewigen Feindschaft zu veranlassen, wo sie doch für eine ewige Liebe (muhabbet)geschaffen sind. Vielmehr ist er zu dieser Welt gesandt worden, sich hier anzustrengen für ein glückliches Leben in einer anderen ewigen Welt und es zu gewinnen. Die Namen Gottes, die in dem Menschen erscheinen, weisen durch ihre Ausstrahlung in diesem vergänglichen und kurzen Leben darauf hin, dass die Menschen, die ihnen als Spiegel dienen, in der ewig bestehenden Welt deren bleibende Manifestationen erleben werden.
In der Tat wird der treue Freund des Ewigbestehenden für ewig bestehen und der bewusstseinstragende Spiegel des Beständigen muss beständig bleiben.
Dass die Seelen der Tiere für ewig bestehen werden, und dass einige bestimmte Tiere wie der Wiedehopf des Propheten Salomo, mit dem Friede sei, und seine Ameise, die Kamelstute des Propheten Salih, mit dem Friede sei, sowohl mit ihrer Seele als auch mit ihrem Leib in die ewige Welt gehen, und dass jede Tiergattung einen einzigen Leib besitzen wird, den sie ab und zu gebrauchen,
geht aus einer zuverlässigen Überlieferung von dem Propheten hervor, was auch die Weisheit (Gottes = hikmet),Seine Wahrheit (haqiqat),Seine Barmherzigkeit (rahmet)und Seine Herrschaft (rububiyet)erfordern.
Oh Du Allmächtiger, unser unwandelbarer Halt (Qadier-i Qayyum)!
Alle, die da lebendig sind, eine Seele (ruh)haben und über Bewusstsein (shuur)verfügen, sind in Deinem Reich (mulk),nur durch Deine Kraft (quvvet)und Deine Macht (qudret)und allein durch Deinen Willen (irade)und Deine Maßnahmen (tedbir)und durch Deine Barmherzigkeit (rahmet)und Deine Weisheit (hikmet)den Befehlen Deiner Herrschaft (rububiyet)unterworfen und durch naturgegebene (fitri)Dienste verpflichtet. Ein Teil von ihnen steht im Dienst des Menschen, nur durch Deine Barmherzigkeit (rahmet),nicht wegen seiner Kraft (quvvet)und seiner Überlegenheit, sondern wegen seiner angeborenen Schwäche und Ohnmacht (da'if ve adjz).Jede Gattung verrichtet ihr spezielles Gebet (ibadet),indem sie auf ihre eigene Art (lisan-i hal)und mit ihren eigenen Worten (lisan-i qal)den Schöpfer und Angebeteten (Sani' ve Mabud)preist, Ihn über allen Fehlern und über allem, was sie Ihm beigesellen heiligt (taqdis),Ihm für Seine Gaben dankt und Ihn lobt (shukur ve hamd).
Oh, allheiliger Herr (Dhat-i Aqdes),der Du im Glanz Deiner gewaltigen Ausstrahlung (shiddet-i zuhur)verborgen und auf Grund Deiner Größe (azamet-i kibriya)unsichtbar bist!
Mit der Absicht, Dich mit der Lobpreisung (tesbihat)aller Beseelten zu heiligen, rufe ich:
سُبْحَانَكَ يَا مَنْ جَعَلَ مِنَ الْمَآءِ كُلَّ شَىْءٍ حَىٍّ
{"Gepriesen seist Du, Oh Du, der Du jedes Ding durch das Wasser lebendig gemacht hast!"}
Oh Du Herr der Welten (Rabb-el Alemien)!Oh Du Gott der Ersten und der Letzten (Ilahe-l Auwweline Ve-l Akhirien)!Oh Du Herr der Himmel und der Erde (Rabb-es Semavat-i ve-l Aradien)!
Unterrichtet durch den höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, und belehrt durch den Weisen Qur'an habe ich verstanden und bin zur Überzeugung gelangt: So, wie der Himmel, das Weltall, die Erde, Land und Meer, Bäume, Pflanzen und Tiere mit ihrer Gesamtheit, mit ihren Gliedern und mit ihren Zellen Dich kennen, bekannt geben und Deine Existenz und Deine Einheit bezeugen,
beweisen und darauf hinweisen, genauso bezeugen die Lebewesen die ein Auszug des Kosmos sind, die Propheten, die Heiligen (auliya)und die Theologen (asfiya),welche die Erwählten unter den Menschen sind, und ihr Herz und ihr Verstand, die aus ihnen geläutert sind, anhand ihrer Beobachtungen (mushahedat),ihrer geistigen Entdeckungen (keshfiyat),ihrer Inspirationen (ilhamat)und ihrer Erkenntnisse mit einer Sicherheit in der Kraft von Hunderten Folgerungen und Hunderten Übereinstimmungen der konkreten Kenntnisse die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud),Deine Einheit (ahadiyet)und Deine Allgegenwart (vahdaniyet)und geben uns Kunde davon. Die Propheten und die Gottesfreunde (auliya)beweisen diese Kunde durch ihre Wunder (mu'djizat ve keramet),die Theologen durch ihre Gewissheit (yaqien-i burhanlar).
In der Tat gibt es in den Herzen überhaupt garkeine Erinnerung aus dem Verborgenen, die auf einen Herrn hinter dem unsichtbaren Schleier hinweist; garkeine echte Inspiration (ilhamat-i sadiqa),die uns auf einen, der sie eingibt, lenkt; garkeine Gewissheit, die in Form einer wahrhaftigen Gewissheit (haqqa l-yaqien)Deine heiligen Eigenschaften (sifat-i qudsiye)und Deine Schönen Namen enthüllt; garkeinen Propheten und garkeinen Gottesfreund, der mit seinem lichtvollen Herzen die Lichter dessen, der notwendigerweise da sein muss, mit augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien)betrachtet; garkeinen Reinen und garkeinen Getreuen (afiya ve siddiqien),der mit seinem erleuchteten Verstand die Zeichen der Notwendigkeit (vudjub)dessen, der alle Dinge erschafft (Khaliq-i Kulli Shey),und die Zeugnisse Seiner allgegenwärtigen Einheit (vahdet)mit einer wissenschaftlichen Gewissheit (ilme l-yaqien)bestätigt und beweist, welche die Notwendigkeit Deiner Existenz (vudjub-u vudjud),Deine heiligen Eigenschaften (sifat-i qudsiye),Deine Allgegenwart (vahdet),Deine Einheit (ahadiyet)und Deine Schönen Namen nicht bezeugen, sie uns nicht zeigen und nicht auf sie hinweisen. Besonders unter den eindeutigen Wundern des höchst ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, dem Vorbeter, Führer und Erwählten unter allen Propheten, Heiligen, Theologen und Getreuen, und von den Versen über die Einheit Gottes und von den heiligen Fragestellungen über die Glaubensfragen im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder
ist, der die konzentrierte Zusammenfassung all der heiligen Bücher ist, welche die Wahrheit lehren, gibt es keine, die die Notwendigkeit Deiner Existenz, Deine heiligen Eigenschaften, Deine Allgegenwart, Deine Einheit und Deine Namen nicht bezeugen, nicht zeigen und auf sie nicht hinweisen.
So, wie alle diese Hunderttausenden zuverlässigen Berichterstatter auf Grund ihrer Wunder und Zeugnisse Deine Existenz und Deine Einheit bezeugen, genauso machen sie die Größe Deiner Herrschaft (rububiyetinin deredje-i hashmet),die die allumfassenden Angelegenheiten Deines gewaltigen Thrones verwaltet, alle Erinnerungen, Wünsche und Gebete des Herzens, bis zu den Verborgensten und Einfachsten kennt, sie hört und ihnen nachgeht, und die gewaltige Größe Deiner Macht (qudretinin deredje-i azamet),die zahllos verschiedene Dinge vor unseren Augen gleichzeitig erschafft, und auch das größte Ding genauso leicht wie eine Mücke zu Stande bringt, ohne dass eine Tat eine andere Tat, eine Arbeit eine andere Arbeit behindert, übereinstimmend und gemeinsam bekannt, verkünden und beweisen sie.
So, wie sie außerdem den grenzenlosen Umfang Deiner Barmherzigkeit (rahmet),die diesen Kosmos für die beseelten Wesen, besonders für die Menschen zu einem vollkommenen Schloss macht, das Paradies und die ewige Glückseligkeit für Menschen und Dschinnen vorbereitet, selbst das kleinste Lebewesen nicht vergisst und sich bemüht, selbst noch das schwächste Herz zu befriedigen und zu erfreuen, und die unendliche Weite Deiner Herrschaft (hakimiyet),der alle Arten von Schöpfungen, angefangen von einem Atom bis zu den Planeten, ihren Befehlen Gehorsam leisten, die sie unterwirft und in den Dienst stellt, verkünden und anhand ihrer Wunder und Zeugnisse beweisen, genauso bezeugen sie übereinstimmend und gemeinsam, dass Dein Wissen (ilm),das den Kosmos zu einem großen Buch gemacht hat, dessen Abhandlungen ebenso zahlreich sind wie seine Teile, das den Lebenslauf alles dessen, was da ist, in dem "deutlichen Vorbild" (das
Buch der Planungen = imam-i mubin)und in dem "deutlichen Buch" (das Buch der Ergebnisse = kitab-i mubin)von den Büchern der "wohlverwahrten Tafel (Lauh-i Mahfudh)"überträgt, und das Inhaltsverzeichnis aller Bäume und ihre Programme in den Kernen und in den Lebenslauf jedes einzelnen Bewusstseintragenden in seinem Gedächtnis ohne Fehler geordnet einträgt, alles umfasst, und dass Deine Heilige Weisheit (hikmet),die mit allem, was da ist, so viele nutzbringende Funktionen verbindet, sogar einen Baum entsprechend der Zahl seiner Früchte ebenso viele Ergebnisse hervorbringen lässt; die in jedem Lebewesen so viele Ziele verfolgt, wie es Glieder, Organe und Zellen hat, sogar der Zunge des Menschen so viele Aufgaben gegeben und sie mit ebenso vielen Geschmacksempfindungen, gleich kleinen Messinstrumenten, ausgestattet hat wie die Speisen Geschmacksnuancen haben, alles mit einschließt; dass sich die Erscheinungen Deiner majestätischen und anmutigen Namen, deren Beispiele wir in dieser Welt sehen, in der Ewigkeit in einer noch glänzenderen Form fortsetzen, dass Deine Gaben, deren Beispiele wir in dieser vergänglichen Welt betrachten, an dem Ort der Glückseligkeit in einer noch prunkvolleren Form ewig bestehen und weiter existieren; und dass diejenigen, welche sie in dieser Welt gesehen und so sehnsüchtig nach ihnen verlangt hatten, ihnen auch in der Ewigkeit wieder begegnen und sich mit ihnen zusammenfinden werden, dies alles zeigen uns die Propheten und verweisen darauf.
Vor allem verkündet Dein höchst ehrenwerter Gesandter, mit dem Friede und Segen sei, auf Grund hunderter seiner eindeutigen Wunder, mit Deinem Weisen Qur'an, gestützt auf hunderte seiner zuverlässigen Ayat, verkündigen alle Propheten durch ihren lichtsprühenden Geist, alle Gottesfreunde (Heiligen) aus ihrem erleuchteten Herzen und alle Theologen mit ihrem erleuchteten Verstand verkünden auf Grund Deiner in den heiligen Blättern und Büchern so oft wiederholten Versprechungen und Drohungen, vertrauend auf Deine heiligen Namen und Eigenschaften
wie auf Deine Macht (qudret),Barmherzigkeit (rahmet),Güte (inayet),Weisheit (hikmet),Majestät und Schönheit (djelal ve djemal),auf Deine majestätische Würde (izzet-i djelal)und auf das Königreich Deiner Herrschaft (saltanat-i rububiyet),anhand ihrer geistigen Entdeckungen (keshfiyat),ihrer Visionen (mushahedat)und ihrer wissenschaftlich fundierten Sicherheit (ilme l-yaqien),die ewige Glückseligkeit den Menschen und den Dschinnen. Sie tun kund, dass es für die Leute des Irrweges eine Hölle gibt, machen es öffentlich bekannt, bekennen und bezeugen es.
Oh Allweiser, Allmächtiger (Qadier-i Hakiem)!Oh Erbarmer und Barmherziger (Rahman-i Rahiem)!Oh Freigiebiger, der Sein Versprechen hält (Sadiq-ul Va'd-il Keriem)!Oh zorniger Herr voll Würde (Qahhar-i Dhu l-Djelal),Größe und Majestät (izzet ve azamet ve djelal)!
Du bist hunderttausendfach heilig über jedweder Bestätigung der Leute des Irrweges und des Unglaubens, die so viele Deiner Namen und Eigenschaften, so viele Deiner treuen Freunde der Lüge bezichtigen, so viele Deiner Versprechungen bestreiten, die Herrschaft Deines Königreiches (saltanat-i rububiyet)als nicht erforderlich kategorisch ablehnen, die zahllosen Gebete und Anrufungen Deiner zahllosen geschätzten Diener, die Du liebst und die sich dadurch, dass sie Dich anerkennen (tasdiq)und Dir ihren Gehorsam (itaat)leisten, darum bemühen, von Dir geliebt zu werden, zurückweisen, die durch ihren Unglauben, ihre Empörung (isyan)und indem sie Dein Versprechen für eine Lüge halten, Deine majestätische Größe (azamet-i kirbiya)und Würde (izzet-i djelal)und die Ehre Deiner Gottheit (uluhiyet)angreifen und die Liebe Deiner Herrschaft (shefqat-i rububiyet)herabwürdigen, und ihrer Verleugnung der Auferstehung am Jüngsten Tag! Du bist grenzenlos hoch und erhaben! Ich bekenne, dass Deine grenzenlose Gerechtigkeit (adalet),Deine Schönheit (djemal)und Deine Barmherzigkeit (rahmet)heilig ist und frei von einer solch unendlichen Ungerechtigkeit und Hässlichkeit! Die Ayah
سُبْحَانَهُ وَتَعَالٰى عَمَّا يَقُولُونَ عُلُوًّا كَبِيرًا
{"Gelobt sei Er und erhaben über das, was sie sagen, gepriesen ist Er, hocherhaben und groß!" (Sure 17, 43)}
möchte ich nach der Anzahl der Zellen meines Körpers sagen! Alle diese Deine treuen Botschafter und aufrichtigen öffentlichen Ausrufer Deines Königreiches (saltanat)bezeugen mit wahrhaftiger Gewissheit (haqqa l-yaqien),mit augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien)und mit wissenschaftlich fundierter Gewissheit (ilme l-yaqien)die Schätze Deiner Barmherzigkeit (rahmet)im Jenseits, die Fundgruben Deiner Gaben in der ewigen Welt und die wunderschönen Erscheinungen Deiner Schönen Namen, die in der ewigen Glückseligkeit vollständig hervortreten, weisen auf sie hin und geben von ihnen frohe Kunde. Sie bekennen, dass der große Strahl Deines Namens "Al-Haqq,der Wahre", der die Quelle, die Sonne und der Hort aller Wahrheiten ist, die Wahrheit der größten Wiederversammlung am Jüngsten Tag ist, und lehren es Deinen Dienern.
Oh Herr der Propheten und der Getreuen (Rabb-ul Enbiya ve-s Siddiqien)!
Alle diese (Propheten, Gottesfreunde, Theologen, Getreuen...) stehen in Deinem Reich, unter Deinem Befehl (emr),in Deiner Macht (qudret),durch Deinen Willen (irade)und entsprechend Deiner Führung (tedbir),durch Dein Wissen (ilm)und Deine Weisheit (hikmet)im Dienst und versehen ihre Aufgaben. Sie machen die Erdkugel durch ihre Anrufungen Deiner Heiligkeit (taqdis)und Deiner Größe (tekbir),durch ihren Lobpreis (tahmid)und ihr Zeugnis (tehlil) (La ilaha illa'llah)zu einem gewaltig großen Gedenkhaus (dhikr)und die Schöpfung zur großen Moschee.
Oh Herr, der Du über mich und über die Himmel und die Erde verfügst (Ya Rabbi ve ya Rabb-es Semavati Ve-l Aradien)!Oh Schöpfer, der Du mich und alle Dinge geschaffen hast (Ya Khaliqi ve ya Khaliq-i Kulli Shey)!
Um Deiner Macht, die die Himmel mit ihren Sternen, die Erde mit allem, was zu ihr gehört, und alle Geschöpfe mit all ihren Eigenschaften unterwirft, um Deines Willens, Deiner Weisheit, Deiner Herrschaft und Deiner Barmherzigkeit willen, lass mich meine Begierde (nefs)beherrschen! Und lass mich meine Wünsche beherrschen! Für den Dienst an Qur'an und Glaube lass die Risale-i Nur die Herzen der Menschen beherrschen! Gib mir und meinen Mitbrüdern einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende (hüsn-ü khatime).So, wie Du den Propheten Moses,
mit dem Friede sei, das Meer, den Propheten Abraham, mit dem Friede sei, das Feuer, den Propheten David, mit dem Friede sei, den Berg und das Eisen, den Propheten Salomo, mit dem Friede sei, die Menschen und Dschinnen, und den Propheten Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, die Sonne und den Mond hast beherrschen lassen, so lass nun auch die Risale-i Nur unsere Herzen und unseren Verstand beherrschen! Bewahre mich und die Schüler der Risale-i Nur vor dem Übel der Begierde und des Teufels, vor der Qual im Grab und vor dem Höllenfeuer und gib uns die ewige Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses! Amin, amin, amin.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ أَنِ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem, was du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Und der Schluss unseres Gebetes sei: 'Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!'" (Sure 10, 10)}
* * *
Wenn ich mit diesem Unterricht, den ich den Bittgebeten (munadjat)des Propheten aus dem Qur'an und aus dem Djaushanul'Kebir(Anrufung der Namen Gottes) entnommen habe und als ein Gebet durch Nachdenken (ibadet-i tefekkur)vor der Schwelle des barmherzigen Herrn (Rabb-i Rahiem)darbringe, Fehler begangen habe, so bitte ich Seine Barmherzigkeit (rahmet)um Verzeihung (afq),indem ich den Qur'an und das Djaushanu-l'Kebirmir zum Fürsprecher anbiete.
Said Nursi
Vierter Strahl
Dies ist hier der so kostbare Vierte Strahl, der seinem Inhalt nach und in der Folgeordnung seiner Einreihung, von seiner Form her und was seinen Zusammenhang (makam)mit dem Einunddreißigsten Blitz des Einunddreißigsten Briefes betrifft, als der Fünfte Blitz erscheint. Es handelt sich hier um einen besonders wichtigen Punkt in der Ayah: "Unser befriedigender Anteil... (Hasbiye)"(Sure 3, 173)
Anmerkung:
Die Risale-i Nur erscheint im Gegensatz zu anderen Büchern zunächst einmal wie ein verschlossenes (Buch) und öffnet sich dann nur langsam. Besonders aber die "erste Stufe" dieser Abhandlung ist nicht nur eine sehr kostbare Wahrheit, sondern zugleich auch besonders tiefsinnig und subtil. Zudem hat diese "erste Stufe" gefühlsmäßig besonders für mich zu einem wichtigen Beschluss geführt, zu einer lebhaften Diskussion über den Glauben, zu einem stillen und geheimen Zwiegespräch in meinem Herzen, und ihm in seinen verschiedenen, tiefen Leiden Heilung gebracht. Diejenigen, welche mit mir in Harmonie und völliger Übereinstimmung (tevafuq)leben, werden das nachempfinden können. So nicht, werden sie auch keine Freude daran haben...
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
In einer Zeit, in der die Weltleute mich von allen Dingen isoliert hatten, geriet ich auf fünf verschiedene Arten in die Fremde. Infolge meines Alters litt ich damals unter fünf verschiedenen Krankheiten, die mir zum Teil aus meinem Kummer erwuchsen.
In der Gottvergessenheit, die aus einer inneren Unruhe erwuchs, betrachtete ich geradewegs mein Herz und durchsuchte meinen Geist, ohne die tröstenden und helfenden Lichter der Risale-i Nur zu beachten. Ich sah, dass mich eine überaus starke Sorge um meine Existenz, ein mächtiges Interesse an ihren Grundlagen, ein heftiges Verlangen nach ihrem Fortbestand, eine grenzenlose Schwäche und eine unendliche Armseligkeit beherrschten. Dagegen löscht aber eine fürchterliche Vergänglichkeit dieses Fortbestehen aus. Aus dieser Haltung heraus sagte ich mit folgenden zu Herzen gehenden Worten eines Dichters:
Das Herz verlangt, dass der Körper besteht,
Gott der Gerechte jedoch, dass er vergeht.
Von einem unheilbaren Schmerz bin ich betroffen,
Ach! Wofür selbst Loqman (der Arzt) den Rat nicht weiß.
Ich senkte meinen Kopf. Plötzlich kam mir die Ayah حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)} zu Hilfe. "Lies mich mit Aufmerksamkeit!" sagte sie mir. Und so rezitierte ich sie auch eines Tages fünfhundert Mal. Da ich nur einen Teil seiner kostbaren Lichter, welche sich vor mir in Form einer augenscheinlichen Sicherheit (ayne l-yaqien)entfalteten, und zwar neun dieser verschiedenen Stufen und Lichter kurz notiert habe, verweise ich die Leser der Risale-i Nur, was die Einzelheiten betrifft, nun auf die wissenschaftliche Sicherheit (ilme-l'yaqin)und nicht mehr auf die frühere augenscheinliche (ayne-l'yaqin)Sicherheit.
Erste Stufe der leuchtenden (Ayah)vom "befriedigenden Anteil":
Die Sorge um mich und meine eigene Existenz (ashk-i beqa),ist mir nicht um meinetwillen und um meiner eigenen Existenz willen gegeben, vielmehr findet
sich in meinem Wesen (mahiyet)eine - wenn auch nur schattenhafte Erscheinung - des einen Namens des Herrn, dem die Vollkommenheit und die Größe (Dhat-i Dhu l-Kemal ve Dhu l-Djemal)ist, und der absolut vollkommen (kemal-i mutlaq)ist, den man aus keinem anderen Grunde liebt (mahbub)als um Seiner Selbst willen. Die Liebe in meiner Natur (fitrat),die auf das Dasein, die Vollkommenheit (kemal)und das Fortbestehen (beqa)des absolut Vollkommenen (Kamil-i Mutlaq)hin orientiert ist, verlor und verirrte sich in ihrer Gottvergessenheit (ghafla),heftete sich an Schatten und Schemen und verfiel der Sorge um den Fortbestand ihres Spiegelbildes. Da tauchte in mir die Ayah حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ {"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)} auf und lüftete den Schleier. Ich sah, verspürte und nahm mit wahrheitsgemäßer Gewissheit (haqqa-l'yaqin)wahr, dass das Glück und die Freude über mein Fortbestehen (beqa)genauso und sogar in einer noch vollkommeneren Form in meinem Bekenntnis, in meinem Glauben und in meiner festen Überzeugung liegt, dass der Vollkommen-Beständige (Baqi-i Dhu l-Kemal)ewig fortbesteht, und dass Er mein Herr und mein Gott ist. Denn die unsterbliche Wahrheit (haqiqat)wurde durch Sein ewig Fortbestehen (beqa)für mich verwirklicht. Also bewirkt mein Bewusstsein im Glauben, dass "mein Wesen (mahiyet)der Schatten eines Namens Gottes ist, der zugleich beständig und immerwährend ist und niemals stirbt."
So wird denn durch dieses Bewusstsein im Glauben das Sein des absolut Vollkommenen (Kamil-i Mutlaq)und vollkommen Geliebten (mahbub-u mutlaq)erkannt und so diese heftige, naturgemäße (fitri)Liebe (der Seele zu) ihrem Herrn zufrieden gestellt. Durch dieses Bewusstsein im Glauben an das Ewige Sein (beqa)und Bestehen des Allzeit Seienden (Baqi-i Sermedi)wird die Vollkommenheit (kemalat)der Welt und des Menschengeschlechtes erkannt und erfahren
und so befreit sich (die Seele) von den endlosen Qualen, die ihr aus ihrer naturgemäßen (fitri)Liebe zur Vollkommenheit (kemalat)erwächst und empfängt dafür Freude und Seligkeit.
So entsteht denn durch diese In-Dienst-Nahme im Bewusstsein des Glaubens an den Ewig-Seienden (Baqi-i Sermedi)und durch den Glauben an diese Verbindung auch eine Verbindung mit Seinem ganzen Königreich (malikiyet),und auf Grund dieser Verbindung betrachtet (die Seele) mit den Augen des Glaubens dieses Reich ohne Grenzen als wäre es ihr eigenes Königreich und genießt es gewissermaßen innerlich.
So kommt denn durch dieses Bewusstsein im Glauben, die In-Dienst-Nahme, die Beziehung (zu Gott) eine Verbindung, eine Art Verbundenheit mit allem Sein zu Stande. Auf diese Weise wird durch dieses Bewusstsein im Glauben, die In-Dienst-Nahme, die Verbindung und Verbundenheit, also durch diese Beziehung auf einer zweiten Stufe neben dem persönlichen Dasein ein (neues) unbegrenztes Dasein geschaffen, so als handle es sich dabei um das Dasein der eigenen (Seele) und die natürliche Liebe (fitri ashk)zum Dasein wird dadurch zufrieden gestellt.
So kommt denn durch dieses Bewusstsein im Glauben, die In-Dienst-Nahme, die Beziehung (zu Gott) eine Verbindung, eine Art Verbundenheit, ja eine Bruderschaft mit allen Vollendeten (ehl-i kemalat)zu Stande. Auf diese Weise erkennt (die Seele), dass dank des Seins und Fortbestehens des Ewig-Seienden (Baqi-i Sermedi)diese unendliche Schar der Vollendeten nicht verloren gegangen ist und dieses Fortbestehen ihrer zahllosen Freunde, mit denen sie sich in Liebe, Bewunderung und Hochachtung verbunden fühlt, und deren Fortdauer ihrer Vollkommenheit vermittelt ihr eine erhabene (eine himmlische) Freude.
So kommt es denn, dass ich durch dieses Bewusstsein im Glauben, die In-Dienst-Nahme, die Beziehung (zu Gott), die Brüderlichkeit und das Glück meiner Freunde,
für deren Zufriedenheit ich gerne mein eigenes Leben und mein Fortbestehen (beqa)opfern würde, nun auch in mir selbst ein grenzenloses Glücksgefühl wahrnehmen konnte.
Denn ein wahrer Freund ist auch selbst glücklich und zufrieden über das Glück eines geliebten Freundes. Daher fühlte ich denn und nahm durch dieses Bewusstsein im Glauben wahr, dass im Sein und ewigen Fortbestehen des Beständigen in Seiner Vollkommenheit (Baqi-i Dhu l-Kemal)zunächst der ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, aber auch seine Familie und seine Gefährten, die Propheten, die Gottesfreunde und Heiligen (auliya ve asfiya),meine Vorväter, denen ich in Liebe (ahbab)verbunden bin, und alle meine zahllosen Freunde, von einer Verurteilung zu einem ewigen Tode errettet wurden und die Ewige Glückseligkeit erlangt haben. Und so verstand ich denn in Geheimnis dieser Beziehungen, der Verbundenheit, der Brüderlichkeit und der Freundschaft, dass sich ihr Glück in mir widerspiegelte und so auch mich (mit ihnen) glücklich machte.
So kommt es denn, dass ich durch dieses Bewusstsein im Glauben von unendlichem Leid erlöst wurde, das mir aus meinem Mitleid mit meinen Mitmenschen und der Liebe (shefqat)zu meinen Verwandten erwachsen war und eine unendliche geistige Freude empfand. Denn ich fühlte durch dieses Bewusstsein im Glauben, dass vor allem meine Vorfahren, Väter wie Mütter, alle meine Verwandten früherer Generationen, der gegenwärtigen wie der künftigen Generation und auch alle mir seelisch verwandten, für die ich ein natürliches Bedürfnis verspürte, mein Leben und Fortbestehen zu opfern, was ich denn auch mit Stolz getan hätte, durch das Ewige Sein des Wahren Beständigen (Baqi-i Haqiqi)von der Vernichtung, dem Nicht-mehr-Sein, einer Hinrichtung für immerwährende Zeiten und nie endenden Schmerzen befreit und Seine grenzenlose Barmherzigkeit (rahmet)erlangen werden. Ich spürte, dass ein unendliches Erbarmen (rahmet)sie
beschützte und sie anstelle meines nur unbedeutenden und nur wenig wirksamen Mitgefühls (shefqat)überwachte, das doch nur Kummer und Sorgen produzierte. Wie eine Mutter sich darüber freut, wenn ihre Kinder froh und munter und zufrieden sind, so empfand auch ich Freude und Zufriedenheit über die Rettung und die Seelenruhe unter dem Schutz dieser Barmherzigkeit (rahmet)für alle meine Lieben (shefqat)und ich war dafür aus tiefstem (Herzen) dankbar.
So kommt es denn, dass ich durch dieses Bewusstsein im Glauben sah und fühlte, dass die Risale-i Nur, die das Ergebnis meines Lebens ist, der Grund meiner Glückseligkeit und meine natürliche Aufgabe (vazife)davor bewahrt wurde, verloren zu gehen und der Vergessenheit anheim zu fallen, vielmehr in der Verbundenheit mit dem Glauben Frucht brachte und bleiben (baqi)werde. So hatte ich denn die Überzeugung, dass dies so war und empfand darüber eine Freude des Geistes weit hinaus über die Freude an meinem eigenen Fortbestehen. Denn nun glaubte ich, dass die Risale-i Nur durch das Ewige Sein des Allzeit Beständigen in Seiner Vollkommenheit (Baqi-i Dhu-l'Kemal)nicht nur in die Herzen und das Gedächtnis (hafidha)der Menschen eingeschrieben steht, sondern auch von zahllosen Geist und Bewusstsein tragenden Wesen studiert wurde und darüber hinaus auch Gottes Wohlwollen empfing, auch auf den Wohlverwahrten Tafeln und Büchern (lauh-i mahfudh ve elvah-i mahfudha)eingetragen stand, geschmückt mit den Früchten und Verdiensten (sevab),die sie erbrachte. Und ich wusste, dass sie insbesondere durch ihre Verbundenheit mit dem Qur'an und ihre Anerkennung durch den Propheten und Gottes Wohlgefallen, der über ihr sein möge (insha-a'llah)ein einziger Augenblick ihres Daseins (vudjud)wie auch ihres Daseins unter den Augen ihres Herrn weitaus mehr wert war als der Beifall all dieser Weltleute.
Und da ich stets dazu bereit bin, mein Leben und Fortbestehen für die Fortdauer, das weitere Bestehen, die
Ausdruckskraft, aber auch die Anerkennung einer jeden Abhandlung (risalah),welche die Wahrheit und den Glauben bestätigt, zum Opfer zu bringen, so erkannte ich denn, dass mein Glück darin liegt, dass sie ihren Dienst am Qur'an leisten. Auf diese Weise erkannte ich durch meine Verbindung mit dem Glauben (intisab-i imani),dass sie durch die göttliche Beständigkeit (beqa)eine hundertmal größere Anerkennung erhalten als dies durch den Beifall der Massen und das, was sie als schön empfinden würden, der Fall sein könnte. So sagte ich denn aus ganzer Kraft (quvvet)
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
So kommt es denn, dass ich durch dieses Bewusstsein im Glauben wusste, dass der Glaube an das Ewige Sein und Bestehen (beqa)des Immerwährenden in Seiner Majestät (Baqi Dhu-l'Djelalin beqasina ve vudjuduna)ist, der dieses Fortbestehen und immerwährendes Leben (hayat)schenkt, ein Ergebnis des Glaubens ähnlich dem der guten Werke, bleibende Frucht dieses flüchtigen Lebens und ein Fahrzeug, um zu einem ewigen und bleibenden (Leben) zu gelangen. Wie ein Kern seine Schale verlässt, um sich seinerseits wieder in einen Baum zu verwandeln, der seine Frucht bringt, überredete auch ich meine Seele (nefs),diese Schale einer irdischen Beständigkeit (beqa)zu verlassen, um bleibende Früchte zu erbringen. Zusammen mit meiner Seele sagte ich
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
"Und Seine Beständigkeit genügt uns." So kommt es denn, dass ich durch dieses Bewusstsein im Glauben und
in Verbindung mit Seinem Dienst und Seiner Anbetung mit wissenschaftlicher Gewissheit (ilme l-yaqien)erkannte, was mir jener Vorhang aus dem Staub (der Erde) bisher verborgen hatte und nun auf einmal erhellt und die schwere Decke über den (Leibern) - nämlich der (Raum) unter der Erde, in den die Verstorbenen hinabgestiegen waren - gar nicht so dunkel und vom Nichtsein befleckt war. Und mit ganzer Kraft (quvvet)rief ich aus:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
So kommt es denn, dass ich durch dieses Bewusstsein im Glauben in zweierlei Weise auf das Sein des Beständigen in Seiner Vollkommenheit (Baqi-i Dhu-l'Kemal)schaute, während ein Verlangen (ashk)nach Fortbestand in meiner Natur (fitrat)außerordentlich stark war, dabei aber mit vollkommener Gewissheit spürte und mit einer wahrheitsgemäßen Sicherheit (haqqa l-yaqien)wusste, dass ich jemand geworden war, der ganz verblüfft und verwirrt über den Verlust seines Geliebten (mahbub),weil sein Ego (ihm gleichsam einen Spiegel vorhielt und ihm so seinen Geliebten) gleich einem Vorhang verbarg und der nun begann stattdessen den Spiegel zu verehren. Dieser so tiefe und mächtige Wunsch (ashk)nach einem Fortbestehen beherrschte mit Hilfe des Schattens eines der Namen des Absolut Vollkommenen (kemal-i mutlaq),der aus keinem anderen Grund als nur um Seiner Selbst willen geliebt und angebetet wird, und den zu lieben und zu verehren der menschlichen Natur (fitrat)entspricht, mein Wesen (mahiyet).Er hatte diesen Wunsch nach Beständigkeit (beqa)gegeben, und während Seine Vollkommenheit (kemal),die keinen anderen Grund, keine Ursache, keinen weiteren Anlass erfordert, geliebt zu werden, außer Ihm Selbst vollkommen als Gegenstand der Anbetung und Verehrung genügt, wie wir oben bereits erklärt haben, die oben
erwähnten bleibenden Früchte geschenkt. So fühlte ich denn, wie eine jede von ihnen es wert ist, nicht nur für ein einziges Leben und Fortbestehen, nein, wenn es denn möglich wäre, für ein Tausendfaches an irdischem Leben und Bestehen geopfert zu werden. Er hatte diesen natürlichen Wunsch (fitri ashk)in mir nur noch gesteigert. Ja wäre ich nur dazu imstande, ich würde mit jeder einzelnen Zelle meines Seins ausrufen:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Und so habe ich denn das mit dieser Absicht erklärt. So gab mir denn dieses Bewusstsein im Glauben, das nach Beständigkeit strebt und diese göttliche Beständigkeit auch gefunden hat und auf dessen Früchte in den obigen Absätzen, beginnend mit "So kommt es denn, dass ich..." verwiesen habe, eine solche Freude und soviel Vergnügen, dass ich voller Begeisterung (ruh),aus allen meinen Kräften (quvvet)und aus tiefstem Herzen zusammen mit meiner Seele (nefs)ausrief:
حَسْبِي مِنَ الْبَقَآءِ لَذَّةً وَ سَعَادَةً اِيمَانِي وَ شُعُورِى وَ اِذْعَانِى بِاَنَّهُ هُوَ اِلٰهِىَ الْبَاقِى حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Es genügt mir die ewige Freude (lezzet) und die Glückseligkeit (saadet) durch dieses Bewusstsein im Glauben (shuur-u imani) und mein Verständnis (iz'an), dass Er mein ewig-bleibender Gott ist. Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Zweite Stufe der leuchtenden (Ayah)vom "befriedigenden Anteil":
Als mich die Weltleute mit Intrigen und Spitzeln, trotz der unendlichen natürlichen (fitrat)Schwäche in meinem Alter und meiner Verlassenheit, in der Fremde und in meiner Isolation angriffen, sagte ich meinem Herzen: "Ein einzelner, schwacher und kranker Mann mit gebundenen Händen wird von ganzen Armeen angegriffen. Gibt es denn für mich keinen Zufluchtsort?" So sagte ich und wandte mich an die Ayah
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Sie teilte mir mit: Durch deine Glaubenszugehörigkeit als deinem Ausweis gehörst du einem absoluten, allmächtigen König (Qadir-i Mutlaq bir sultan),der auf der Erde in jedem Frühling Heere von Pflanzen und Tieren ausrüstet, die aus vierhunderttausend Völkern bestehen, der jedes Jahr die Uniformen der beiden gewaltigen Heere erneuert, die man die Bäume und die Vögel nennt, sie wieder neu einkleidet, und so wie er die Kleider und Uniformen der Hennen und anderer Vögel, ihren Überwurf und ihren Schleier ändert, so verändert Er auch das Kleid der Berge und den Sari der Wüsten. Vor allem aber gibt Er den Menschen, aber auch dem gewaltig großen Heer der Tiere ihre Werkzeuge in vollkommener Wohlordnung und versorgt sie (mit Nahrung und allem, was notwendig ist). Und alle Speisen von jeglicher Art verpackt Er in jenen Konzentraten, die wir als Kerne und Körner bezeichnen und die hundertmal wunderbarer sind als die Fleischextrakte und all die vielen anderen, überzuckerten Zivilisationsprodukte, die moderne Menschen in letzter Zeit entdeckt (und entwickelt) haben. Diesen Konzentraten, wohlverwahrt in ihren kleinen Kästchen fügt Er dann noch einen bereits vorbereiteten Plan für alles Wachstum und Gedeihen bei. Die Erschaffung dieser Kästchen erfolgt in der Fabrik كَافْ - نُونْ {"Kaf-Nun" (Sure 36, 82)}, und zwar so schnell und leicht und in solcher Fülle, dass der Qur'an sagt: "Es geschieht auf einen bloßen Befehl hin." Und obwohl nun alle diese Extrakte und Konzentrate einander ähneln, ja sogar aus den gleichen Atomen zusammengesetzt sind, und obwohl man mit ihnen noch nicht einmal (die Vorratslager) einer einzigen Stadt füllen
könnte, füllt doch der Allgütige Versorger (Rezzaq-i Kerim)alle Städte der Erde mit außerordentlich vielen wohlschmeckenden Speisen, die Er im Sommer aus ihnen zubereitet.
So kannst du denn nun mit deinem Ausweis über deine In-Dienstnahme im Glauben einen Zufluchtsort (nokta-i istinad)finden und dich so auf eine grenzenlose Kraft und Macht (quvvet ve qudret)stützen. Und auch ich empfing, jedes Mal, wenn ich durch diese Ayah meine Unterweisung erhalten hatte, eine so große geistige Kraft (quvvet-i manevi)und verspürte eine solche Stärke im Glauben (iktidar-i iman),dass ich nicht nur meine gegenwärtigen Feinde sondern sogar die ganze Welt hätte herausfordern können und rief aus meiner ganzen Seele (ruh)
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Und in meiner grenzenlosen Armut und Not suchte ich erneut nach einem Ort der Zuflucht (nokta-i istimdad)und fand ihn wiederum in dieser Ayah. Und so sagte ich zu mir: "Durch deine In-Dienst-Nahme und durch deine Anbetung (memlukiyet ve ubudiyet)gehörst du nun zu deinem Allgütigen König (Malik-i Kerim)und bist zu deiner Versorgung in Seinem Buch eingetragen. Er deckt in jedem Frühling und in jedem Sommer hundertmal aus dem Unsichtbaren, aus dem Nichts, aus unerhofften Quellen und aus trockener Erde den Tisch der Welt, schmückt ihn und trägt immer wieder andere Gerichte auf und ab. Es ist als wäre die Zeit mit all ihren Jahren und die Jahre mit all ihren Tagen wie Schalen voller Früchte der Güte Gottes (ihsan)und Schüsseln, gefüllt mit Speisen der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet)und ein Bankett der Güte des Allbarmherzigen Versorgers (Rezzaq-i Rahim),abgestuft je nach dem Einzelnen oder einer ganzen Gruppe. So bist du denn ein Diener des Vollkommenen Eigentümers aller Reichtümer (Ghaniy-i Mutlaq).Bist du dir bewusst, Sein Diener und
Anbeter zu sein, so wird sich deine leidvolle Armseligkeit in ein lustvolles Verlangen umwandeln. Auch ich habe diese Unterweisung empfangen." Und indem ich zusammen mit meiner Seele (nefs)ausrief: "Ja, in der Tat, so ist es richtig!", sagte ich voll Vertrauen (mutevekkil)
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Dritte Stufe der leuchtenden (Ayah)vom "befriedigenden Anteil":
Nachdem ich unter dem Druck (der Verhältnisse hier) in der Fremde, Krankheiten und Ungerechtigkeiten bemerkt hatte, dass meine Interessen, die mich mit dieser Welt verbunden hatten, abgerissen waren, inspirierte mich der Glaube (mit dem Gedanken), dass ich für eine immerwährende Glückseligkeit in einer ewigen Welt und in einem Land vorbestimmt bin, das auf die Dauer besteht. Da hörte ich denn auf, "Ach!" und "Oh weh!" (zu klagen und zu seufzen), und rief nun statt dessen "Oh, oh!" aus. Doch dieses Ideal, dieses Ziel vor meinem geistigen (Auge), das Ergebnis der Schöpfung, kann einzig und allein durch die grenzenlose Macht (qudret)des Absolut-Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq)Wirklichkeit werden, der alles Ruhen und Bewegen, das Verhalten und alle Tätigkeiten Seiner Geschöpfe in ihren Handlungen und in ihren Äußerungen kennt und sie aufzeichnet und der sich dieses winzig kleine, so absolut schwache Menschlein zu Seinem Freund und Ansprechpartner gemacht hat und ihm eine Stellung (makam)über allen anderen Geschöpfen verleiht, indem Er dem Menschen Seine grenzenlose Güte (inayet)schenkt und ihm eine solche Bedeutung beimisst. Ich dachte darüber nach und wünschte mir eine Erklärung zu diesen beiden Punkten, d.h. die Tätigkeit einer solchen Macht und die tatsächliche Bedeutung dieses äußerlich so unbedeutenden Menschen, damit mein Glaube sich entfalte und mein Herz zufrieden
sein möge. Und wiederum wandte ich mich an diese Ayah. Sie sagte zu mir und befahl: Achte auf das نَا (uns) in dem Wort حَسْبُنَا (unser befriedigender Anteil...) und höre, wer denn da noch mit dir zusammen mit seinen Worten (lisan-i qal)oder durch seine Haltung (lisan-i hal)dieses حَسْبُنَا (unser befriedigender Anteil...), zum Ausdruck bringt! Da bemerkte ich plötzlich, dass auch unendlich viele (große) Vögel und kleine Vögelchen, Fliegen und unzählige (große) Tiere und kleine Tierchen, viele große Bäume (und andere) Pflanzen und kleines Grünzeug genau so wie ich in der jeweils ihnen eigenen Sprache (lisan-i hal)dem Sinne nach
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
rezitieren und jeden dazu veranlassen, sich daran zu erinnern, dass sie einen Verwalter (wakil)haben, der sich für alles Lebensnotwendige verbürgt. Er erschafft hunderttausend verschiedene Sorten von Vögeln. Sie (schlüpfen) aus Eiern, die alle so ähnlich aussehen und auch so ähnlich zusammengesetzt sind; Hunderttausende Gattungen von Tieren aus (Samen)Tropfen, die einander gleichen; Hunderttausende Arten von Bäumen aus Kernen, die einander ähneln, und bringt sie (jedes Jahr) besonders aber im Frühling ohne Fehler, ohne Makel, ohne sie miteinander zu verwechseln, schön verziert, wohlausgewogen, wohlgeordnet, in den unterschiedlichsten Formen und Arten vor unseren Augen hervor, außerordentlich schnell, außerordentlich leicht, in außerordentlichem Umfang, ja in Hülle und Fülle zu Stande. Durch all dies Zusammenspiel, die Ähnlichkeiten, eine bunte Mischung (von Pflanzen und Tieren), eine gewisse Gleichartigkeit in ihrer Erschaffung (und Ausstattung) führt Er
uns Seine Einheit (ahadiyet)und Allgegenwart (vahdet)in der Majestät und Größe Seiner Macht (qudretinin azamet)vor Augen. So verstand ich denn, dass Er uns auf diese Weise mitteilen wollte, dass es nicht möglich war, dass es bei diesem Akt göttlicher Herrschaft (fiil-i rububiyet),bei der Verfügung über die erschaffenden Kräfte (tasarruf-u Khallaqiyet),die so grenzenlos viele Wunder aufweisen, irgendeine Form von Einmischung oder Teilhaberschaft geben könnte.
Sodann wandte ich mich dem اَنَا (ich) zu, das in dem نَا (wir) von حَسْبُنَا (unser befriedigender Anteil) enthalten ist und sah, dass der Schöpfer auch mich unter vielen Tieren aus einem Tropfen (Sperma) gleich meinem Ursprung erschaffen, mich wunderbar gestaltet, mein Ohr geöffnet, mir ein Auge geschenkt, meinem Schädel ein Gehirn eingefügt, in meine Brust ein Herz versenkt und in meinen Mund eine Zunge gelegt hat, Hirn, Herz und Zunge, die Hunderte kleinster Waagschalen und Messinstrumente umfassen, damit ich mit ihnen all die Gaben und Geschenke wägen, messen und erkennen könne, die der Allerbarmer (Rahman)in den Schatzkammern Seiner Barmherzigkeit gespeichert hat. Denn Er hat für (all diese Dinge) Tausende von Geräten geschaffen, sie gestaltet und in sie (ein Programm) eingeschrieben, uns diese Schatzkammer voll zahlloser Erscheinungen Seiner Schönen Namen erschlossen und zu verstehen gegeben und ihnen Anweisungen erteilt, entsprechend der Anzahl Gerüche, Geschmacksempfindungen und Farben, um diese Geräte zu unterstützen.
Auch hatte Er in meinem Körper so viele empfindliche Sinne, Gefühle, aufs Beste ausgewogene Feinheiten des Geistes und innerliche Empfindungen in vollkommener Ordnung angelegt, und dabei alle die vielen, so kunstvollen Zellen, Organe und Organsysteme, wie sie für das menschliche Leben notwendig sind, für meinen Körper in vollkommener Weisheit erschaffen, um es mir zu ermöglichen, all die verschiedenen Arten Seiner Gnadengaben
zu erfahren und zu verstehen und all die zahllosen verschiedenen Erscheinungen Seiner Namen zu kennen und durch meine Sinne, Gefühle und Empfindungen wahrzunehmen.
Indem Er gleich den Körpern aller Gläubigen auch diesen meinen armen Körper, der doch als so unwichtig erscheint, zu einem empfindsamen Kalender, einem Tagebuch des Universums gemacht, zu einem leuchtenden Musterexemplar des Kosmos, einem verkleinerten Abbild unserer Welt, einem deutlich sichtbaren Wunder Seiner Kunstfertigkeit erschaffen hat, gleich einem Kunden, der wie ein Brunnen nach jeder Art Seiner Gnadengaben verlangt, gleich einem Ort, an dem alle Leitungen über die Durchführung der Gesetze Seiner göttlichen Herrschaft (Rububiyet)zusammenfließen, einer Liste, einem Inhaltsverzeichnis gleich einem Gartenmodell mit all Seinen Gaben und den Blumen Seiner Weisheit (Hikmet)und Barmherzigkeit (Rahmet)und zu einem verständnisvollen Partner (muhatab)für die Ansprache (hitabat)des Hochgelobten (Subhan),so hat Er mir auch das Leben in meinem Körper geschenkt, um meinen Daseinsbereich (vudjud)als Sein größtes Geschenk (ni'met)zu erweitern und mit ihm zu wachsen. Denn durch das Leben kann sich das Gnadengeschenk meines Daseins (vudjud)entfalten bis ans Ende der Bezeugten Welt.
Er hat mir auch meine Menschlichkeit verliehen, damit sich das Gnadengeschenk meines Daseins in der physischen wie in den metaphysischen Welten entfalten möge, und so durch die dem Menschen eigenen Sinnesorgane den Weg geöffnet, um von allen weiten Tischen meinen Nutzen zu ziehen.
Auch hat Er mir den Islam (islamiyet)geschenkt. Durch diese Islamiyet hat sich das Gnadengeschenk meines Daseins bis ans Ende der bezeugten wie der unsichtbaren Welt ausgedehnt.
Er hat mir auch einen sicheren und wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiq)verliehen.
Durch diesen Glauben umspannt das Gnadengeschenk meines Daseins die ganze diesseitige Welt (dunya)und das Jenseits (akhira).
Auch hat Er mir die Erkenntnis (ma'rifet)und die Liebe (muhabbet)aus dem Glauben gegeben. Durch diese Erkenntnis (ma'rifet)und die Liebe (muhabbet)hat Er mir mit dem Gnadengeschenk meines Daseins einen Rang verliehen, von dem aus ich meine Hand ausstrecken möge, um durch Lobpreisungen Segnungen auf allen Ebenen zu ernten, von den Ebenen des Möglichen bis zur Welt des Notwendigen und den Ebenen der Namen Gottes.
Er hat mir im Besonderen auch das Wissen aus dem Qur'an gegeben und die Weisheit aus dem Glauben, durch welches Gnadengeschenk Er mir eine Überlegenheit über so viele Geschöpfe gegeben hat.
Auch hat Er mir vielseitige Fähigkeiten gleich den oben erwähnten verliehen, wodurch ich ein vollkommener Spiegel Seiner Einheit (ahadiyet)und Einzigartigkeit (samadiyet)sein und mit einem universellen Gottesdienst Seiner alles umfassenden heiligen Herrschaft (rububiyet)antworten möge.
In Übereinstimmung aller Heiligen Schriften, Bücher und Erlasse, die Er durch Seine Propheten den Menschen offenbart hat und im Einklang mit allen Propheten, Heiligen und Theologen (auliya ve asfiya),kauft Er mein Dasein, mein Leben und meine Seele (nefs),die, wie die Aussage einer Ayah im Qur'an bestätigt, mir als Unterpfand (emanet),als Seine Gabe (hediye)anvertraut worden sind, damit ich sie nicht sinnlos in meinen Händen halte und sie verloren gingen. Er hat ja des öfteren in einer absolut verlässlichen Weise versprochen und versichert, dass Er sie aufbewahren wolle, um sie dann wieder zurückzugeben, und dass Er als Preis die Ewige Glückseligkeit und das Paradies dafür geben wolle. Das habe ich mit wissenschaftlicher Gewissheit (ilme l-yaqien)und in vollkommenem Glauben verstanden.
In dieser Weise wurde ich auch durch die Ayah vom "Befriedigenden Anteil" (Ayet-i Hasbiye)unterrichtet, dass mein Versorger (Rabb),der majestätische und freigiebige Herr (Dhat-i Dhu-l'Djelal-i ve l'Ikram),der in Seinem Namen "der Eröffner (Fattah)"die Formen Hunderter und Tausender Arten von Tieren und Pflanzen aus einigen wenigen Samentropfen und -körnern mit der äußersten Leichtigkeit, Geschwindigkeit und Vollkommenheit entwickelt und, wie bereits oben erwähnt, dem Menschen diese erstaunliche Bedeutung verleiht, ihn zum Mittelpunkt aller bedeutenden Werke Seiner Herrschaft (Rububiyet)macht, auch die Wiederversammlung zu Stande bringen, uns das Paradies erschaffen und die Ewige Glückseligkeit schenken, was genauso leicht und in absolut zuverlässiger Weise durch Ihn geschehen wird, wie Er auch den kommenden Frühling erschafft. Wäre es möglich, würde ich mit den Zungen aller Geschöpfe erklären
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Da dies aber nicht möglich ist, erkläre ich dies als meine Absicht (bin-niyet),meine Vorstellung (bit-tassauvur),als ein Ideal (bil-hayal).Und in diesem Sinne möchte ich es immer und immer wieder und in alle Ewigkeit wiederholen.
Vierte Stufe der leuchtenden (Ayah)vom "befriedigenden Anteil":
In einer Zeit, da mich das Alter, die Fremde, Krankheit, Niederlagen und dergleichen Zustände, die mein ganzes Dasein (vudjud)erschütterten, fast im Schlaf (ghafla)überraschten und ich schmerzlich befürchtete, dass mein ganzes Dasein, dem ich so sehr verbunden und in das ich geradezu verliebt war, ja die gesamte Schöpfung aus dem Dasein in das Nichtsein hinübergleiten werde, wendete ich mich wieder an diese Ayah vom "befriedigenden Anteil" (Ayet-i Hasbiye).
Sie sagte zu mir: "Achte einmal darauf, was ich (die Ayah)
bedeute und schaue einmal durch das Fernglas des Glaubens!" Ich schaute und sah mit dem Auge des Glaubens, dass mein Dasein (vudjud),so winzig klein und unbedeutend es auch sein mag, dennoch Spiegel eines grenzenlosen Seins (vudjud)ist, und ein Mittel, sich über alle Grenzen hin auszudehnen, auf diese Weise noch unendlich viele weitere Daseinsformen (vudjud)hinzuzugewinnen und so diese vielen verschiedenen ewig bestehenden Daseinsformen (vudjud)als eine Frucht hervorzubringen, die sogar noch wertvoller ist als mein (eigenes, privates, kleines) Dasein (vudjud),das dennoch ein Wort der Weisheit (hikmet)ist, das (von Gott) seinen Ausgang nimmt, wodurch ein einziger Augenblick meines Lebens den Wert ewigen Seins (vudjud)besitzt. Dies habe ich mit wissenschaftlicher Gewissheit (ilme-l'yaqin)erkannt. Denn indem ich verstand, dass mein Dasein aus dem Bewusstsein im Glauben eine Spur, ein Kunstwerk ist, eine Erscheinungsweise dessen, der da notwendigerweise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud),und so aus den grenzenlosen Finsternissen meiner Ängste in der Einsamkeit errettet und von den Schmerzen so unendlich vieler Scheidungen und Trennungen befreit wurde, erkannte ich, dass in der vorübergehenden Trennung von der gesamten, so geliebten Schöpfung (Gottes), besonders aber Seinen lebenden (Geschöpfen), zu denen ich nach der Anzahl der Taten und der Namen Gottes brüderliche Beziehungen (rabita)angenommen hatte, ein beständiges Zusammensein mit ihnen liegt.
Es ist ja doch bekannt, dass Männer, die miteinander im gleichen Dorf, der gleichen Stadt, dem gleichen Land leben, zum selben Regiment gehören, oder durch einen ihnen gemeinsamen Kommandeur, einen Lehrer (ustadh)miteinander verbunden (rabita)sind, ein Gefühl brüderlicher Liebe, Freundschaft oder Kameradschaft zueinander empfinden, während diejenigen, die solche Bindungen entbehren müssen, ständig Kummer und Leid in Finsternis erleben. Auch Früchte eines Baumes, hätten
sie ein Bewusstsein, sie würden sich als Geschwister, als Gleichberechtigte, als Kameraden und Beschützer füreinander fühlen. Gäbe es diesen Baum nicht, oder würden (die Früchte vom Baum) abgepflückt, so würde jede von ihnen sich nach der Anzahl der Früchte als getrennt empfinden.
So gewinnt denn auch mein eignes Dasein (vudjud),wie das eines jedes Gläubigen, durch den Glauben (iman)und die Verbundenheit, die aus dem Glauben erwächst, ohne jedes Getrenntsein die Lichter unendlich vieler Daseinsformen (vudjud);und auch wenn es schließlich von dannen geht, (wenn also der Körper vergeht), ist es (= mein Sein) zufrieden, wenn alle anderen hinter ihm zurückbleiben, so als wäre es selbst dageblieben. Darüber hinaus ist das Sein (vudjud)aller lebenden Wesen, besonders aber der geistbeseelten (ruh),wie dies bereits im Vierundzwanzigsten Brief dargelegt und mit vollkommener Sicherheit bewiesen worden ist, gleich einem Wort. Es wird ausgesprochen und niedergeschrieben; danach verschwindet es wieder. Doch anstelle des eigenen Daseins (vudjud)lassen sie viele andere Daseinsformen (vudjud)hinter sich zurück, die sie nun (gewissermaßen) als eine Daseinsform (vudjud)zweiten Grades zählen können, nämlich ihre Bedeutungen, ihre Bilder (die sie hervorrufen = mithal)und Gleichnisse (surah),ihre Resultate (die sie bewirken) und, wenn sie segensreich (mubarak)sind, ihre Belohnungen (sevab)und ihre Wahrheit (haqiqat).Erst dann verschwinden sie hinter dem Vorhang.
In gleicher Weise verbleiben, nachdem ich, gleich allen anderen lebenden Wesen (vudjud),soweit sie beseelt (ruh)sind, meine äußerliche Hülle (vudjud)verlassen habe, meine Seele (ruh),ihre Bedeutung, ihre Wahrheit (haqiqat),ihr Bild (mithal),das Ergebnis ihres irdischen Lebens und dessen jenseitige Früchte als individuelle Merkmale ihres Wesens (mahiyet)erhalten. Und so werden auch ihre Charaktereigenschaften und ihre Bilder (surah)
im Gedächtnis (hafidh),auf der Wohlverwahrten Tafel (lauh-i mahfudh),auf Filmen mit immerwährenden Szenen, in Ausstellungen ewig währenden göttlichen Wissens (ilm),in den Geschichtsbüchern der Werke ihres natürlichen (fitri)Lobpreises (Gottes), {z.B. der Gesang der Vögel (A.d.Ü.)} worin sie sich selbst darstellen und die ihnen Ewigkeit (beqa)verleihen, in den Erscheinungen der Namen Gottes und den natürlichen Antworten auf deren Notwendigkeiten {z.B. Gefühle, die die Namen Gottes auslösen und die natürlichen Reaktionen auf diese Gefühle (A.d.Ü.)} als Spiegelerscheinungen (vudjud)im Umkreis dieser Namen und dergleichen mehr Daseinsformen (vudjud)im übertragenen Sinne, die statt ihrer erhalten bleiben und die noch wertvoller sind als ihr (bisheriges) äußeres Dasein (vudjud)aufbewahrt. Sodann gehen sie (= ihre Körper) dahin. Dies habe ich als wissenschaftliche Gewissheit (ilme-l'yaqin)erfahren.
So kann man denn im Glauben und im Bewusstsein und in der Verbundenheit mit dem Glauben seinen Anspruch auf diese oben erwähnten ewig bestehenden (baqi)Daseinsformen (vudjud)im übertragenen Sinne erheben. Wem dieser Glaube fehlt, der geht - all dieser anderen Daseinsformen beraubt, wenn sein äußerliches Dasein (= sein Körper) in jenen Abgrund des Nichtseins hinabstürzt - zugleich auch selbst mit ihm zu Grunde.
Einmal zur Frühlingszeit wurde ich sehr traurig darüber, dass die Blumen so rasch wieder verwelkten. Ja diese zarten (Pflanzen und ihre Frühlingsblüten) taten mir wirklich leid. Doch die oben erwähnte Glaubenswahrheit zeigt, dass diese Blumen Samenkörner in der Welt der Bedeutungen sind und, wie wir bereits oben erwähnt haben, einen Baum darstellen, der neben ihrem Geist (ruh)alle diese Daseinsformen (vudjud)als seine Früchte trägt, oder, wenn wir das Sein (Vudjud)als Licht (Nur)betrachten, einer Ähre gleichen, die hundertfältige Frucht hervorbringt.
So geht ihre äußerliche Erscheinungsform (vudjud)nicht verloren, sie verbirgt sich nur. Ferner sind sie die reale Erscheinung ihrer Art, die ewig (baqi)besteht und sich beständig erneuert. Die Daseinsformen des vergangenen Frühlings, wie Blätter, Blüten und Früchte sind die gleichen, die auch in diesem Frühling (wieder erscheinen). Ihr Unterschied ist nur ein scheinbarer. Und so verstand ich, dass selbst dieser scheinbare Unterschied nur dazu dient, diesen Worten der Weisheit, diesen Ausdrücken der Barmherzigkeit und Präpositionen der Macht (qudret)sehr viele, ganz verschiedene neue Bedeutungen zu geben. Und statt zu klagen, sagte ich: "Wie wunderbar ist doch, was Gott hier beabsichtigt hat (masha-a'llah)!Gott sei gepriesen (baraka'llah)!"
So verspürte ich denn, wenn auch nur von Ferne, im Bewusstsein des Glaubens, im Glauben verbunden (rabita)und vom Standpunkt dieser Verbundenheit mit dem Meister, der Himmel und Erde gemacht hat, betrachtet und das entsprechende Bewusstsein vorausgesetzt, welch eine Quelle des Stolzes und der Ehre es ist, das Kunstwerk jenes Künstlers zu sein, der die Himmel und die Erde gemacht und sie mit Sternen und mit Blumen und anderen schönen Geschöpfen geschmückt hat und mit einem jeden Seiner Kunstwerke hundert verschiedene Wunder vorführt, und wie kostbar und einzigartig es ist, von einem so unendlich wunderbaren Meister gemacht zu sein. Die (unten stehende) Ayah belehrte mich im Besonderen, wie dieser so unendlich wunderbare Meister in dieses kleine Büchlein des Menschen dieses gewaltige Buch Seiner weiten Himmel und Erden einträgt, ja den Menschen dazu erwählt hat, eine perfekte Zusammenfassung dieses Buches zu sein, und welch große Ehre (sheref),welche Vollendung (kemal)es für den Menschen bedeutet und welch eine Möglichkeit (sich damit für ihn erschließt), zu seinem (eigentlichen) Wert zu gelangen, und dass durch sein Verhältnis zum Glauben, sein Bewusstsein und seine Verbundenheit (mit Gott) er diese
Ehre erlangen könne. Und so sagte ich denn in der Absicht (niyah)und Vorstellung (tassauvur)mit den Stimmen allen Daseins:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Fünfte Stufe der leuchtenden (Ayah)vom "befriedigenden Anteil":
Wieder einmal wurde mein Leben durch besonders schwere Umstände erschüttert. Das lenkte meinen Blick auf mein Leben und seine Spanne; und diese Spanne schwand schnell dahin. Das Jenseits rückte näher und so neigte sich mein Leben unter dem Druck der Verhältnisse seinem Verlöschen zu. Doch ich dachte schmerzlich darüber nach, dass das Leben auf Grund seiner bedeutenden Aufgaben (vazife),seiner großen Vorzüge, seiner Kostbarkeiten und der Nutzanwendungen, wie sie in meiner Abhandlung über den Namen "Hayy"(der Lebendige) erklärt wurden, es verdiente, sehr lange zu währen und nicht so schnell einfach wieder zu verlöschen. Wieder wandte ich mich meinem Lehrmeister (ustadh),der Ayah
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
zu. Sie sagte zu mir: "Betrachte das Leben (mit den Augen) des Lebendigen, des Beständigen (Hayy-i Qayyum),der dir das Leben gab. Da betrachtete ich es und erkannte: Wenn mein Leben, von mir aus betrachtet nur ein Einfaches ist, so ist es in den Augen des Lebendigen, der das Leben schenkt (Hayy ve Muhyi)ein Hundertfaches. Ist es in den Ergebnissen, die ich mir selbst zuschreiben kann, ein Einfaches, so ist es in dem, was meinem Schöpfer zuzuschreiben ist, ein Tausendfaches. In dieser
Hinsicht erfordert es keine lange Zeit, sondern gar keine Zeit. Nur einen Augenblick zu leben, genügt bereits. Diese Wahrheit wurde in der Risale-i Nur bereits an Hand von Beweisen besprochen und soll daher hier nur in vier Fragestellungen kurz erklärt werden.
Erste Fragestellung:
Ich betrachtete das Wesen des Lebens (Hayy),seine Realität (haqiqat)und die Art und Weise, wie es auf den Lebendigen und Beständigen (Hayy-i Qayyum)ausgerichtet ist und erkannte: Mein Leben war seinem Wesen nach ein Schlüsselkasten, um die Schätze der Göttlichen Namen zu öffnen, eine kleine Landkarte, die mich zu (ihren verschiedenen) Erscheinungsweisen hin dirigiert, eine Liste dieser Manifestationen, eine Waage und ein hochempfindliches Messinstrument für die großen Wahrheiten des Kosmos, ein Wort der Weisheit (hikmet),niedergeschrieben, um die bedeutungsvollen und so kostbaren Namen des Lebendigen und Beständigen (Hayy-i Qayyum)zu kennen und bekannt zu geben, zu verstehen und verständlich zu machen. Auf diese Weise gewinnt die Realität des Lebens einen tausendfachen Wert und eine Stunde die Bedeutung einer ganzen Lebensspanne. Hinsichtlich seiner Beziehung zum Herrn der Ewigkeit (Dhat-i Edheliye),der keine Zeit kennt, zählt nicht die Länge noch Kürze (der Zeit).
Zweite Fragestellung:
Ich betrachtete die wahren Rechte des Lebens und sah: Mein Leben ist ein Brief meines Herrn.
{eine Mitteilung Gottes an mich (A.d.Ü.)}
Er lädt alle mit Bewusstsein begabten Geschöpfe, die meine Brüder sind, dazu ein, ihn
{die Botschaft Gottes, die das Leben ist, das Er mir geschenkt hat. (A.d.Ü.)}
zu lesen. Er ist eine Hohe Schule, um seinen Schöpfer kennen zu lernen. Zudem ist er ein Manifest, um die Vollkommenheit (kemalat)meines Schöpfers zu verkünden. Und nachdem ferner das Leben sich selbst wissentlich mit den kostbaren
Geschenken und Auszeichnungen schmückt, die es von dem Schöpfer des Lebens erhalten hat, zeigt es sich in der täglich wiederkehrenden Parade selbstbewusst, dankbewusst, zu Dank verpflichtet und gläubig seinem unvergleichlichen König (in diesem Schmuck). Und ferner versteht, bezeugt und verkündigt es so bezeugend alle die guten Gaben, die die unzähligen Lebewesen von ihrem Schöpfer empfangen haben, zählt sie auf und lobpreist (Gott) für Seine Geschenke in Dankbarkeit. Und ferner werden alle Schönheiten und Vorzüge der Herrschaft (rububiyet)des Lebendigen und allzeit Beständigen (Hayy-i Qayyum)in verbalem (lisan-i qal)wie nonverbalem Ausdruck (lisan-i hal)und im Ausdruck unseres Dienstes und unserer Anbetung (lisan-i ubudiyet)bekannt gemacht. Wie aber dergleichen hohe (und ewige) Rechte des Lebens (hayat)keine lange Zeit beanspruchen und zugleich das Leben tausendfach erhöhen, so sind sie auch hundertmal wertvoller als die Rechte dieses irdischen Lebens. Dies habe ich mit wissenschaftlicher Gewissheit (ilme-l'yaqin)erkannt und gesagt: "Gepriesen sei Gott (Subhanallah)!"Wie wertvoll und lebendig ist doch der Glaube! Wo immer er eintritt, bringt er Leben. Ein Funke (dieses Glaubens) verwandelt dieses flüchtige Dasein in ein ewiges (baqi)Leben und wischt so die Vergänglichkeit auf ihm hinweg.
Dritte Fragestellung:
Ich betrachtete die natürlichen Aufgaben (fitri vazife)meines Lebens und seinen immateriellen Nutzen (manevi faide),der auf den Schöpfer (Khaliq)meines Lebens hin ausgerichtet ist, und erkannte: Mein Leben dient in dreifacher Hinsicht dem Schöpfer meines Lebens als Hintergrund (für Seine Offenbarungen):
Die erste Hinsicht:
Mein Leben dient in seiner Ohnmacht (adjz),Schwäche (da'if),Armut (fakr)und Not als Hintergrund (für die Offenbarung) Seiner Macht (quvvet)und Stärke (qudret),Seines Reichtums (ghina)und Erbarmens (rahmet).Im gleichen Grade wie der Genuss beim Essen dem Grad des Hungers proportional ist, die Abstufungen des Lichtes den Stufen der Finsternis und der Maßstab der Wärmegrade
dem der Kältegrade, so verstand ich denn in der Tat auf gleiche Weise in der grenzenlosen Schwäche (adjz)und Armseligkeit (fakr)meines Lebens die grenzenlose Macht (qudret)und Barmherzigkeit meines Schöpfers, der meine grenzenlose Bedürftigkeit aufhebt und mir meine unendlich vielen Feinde vertreibt. Und ich erkannte, dass die Anfrage (sual),das Gebet (dua),meine Zuflucht, meine Niedrigkeit, mein Dienst und meine Anbetung meine Aufgabe sind und nahm sie auf mich.
Die zweite Hinsicht:
In meinem Leben dienen mein persönliches Wissen und Wollen, mein Hören und Sehen und dergleichen Fähigkeiten als Hintergrund für die universellen und allumfassenden Eigenschaften (sifat)meines Schöpfers und Seine Beweggründe (shu'unat).Anhand der vielen Fähigkeiten, die ich in meinem eigenen Leben und bewusstem Tun erfahren habe, wie Wissen, Hören, Sehen, Sprechen und Wollen, verstand ich in der Tat etwa in dem Grade wie sich meine eigene Größe zu der des Universums verhält, nur in weit größerem Maßstab das allumfassende Wissen (ilim)und Wollen (irade),Hören und Sehen, die Macht (qudret),aber auch das Leben und dergleichen Fähigkeiten und Wesensmerkmale Gottes, Sein Wohlgefallen (muhabbet),Seinen Zorn (ghadab)und Sein Erbarmen (shefqat)und dergleichen Beweggründe Gottes. Dies habe ich im Glauben befestigt und bestätigt und so noch einen weiteren Weg zur Erkenntnis (marifet)gefunden.
Die dritte Hinsicht:
Mein Leben ist der Hintergrund für die Schönheiten und Erscheinungen der göttlichen Namen. Jedes Mal, wenn ich mein Leben und meinen Körper betrachtete, sah ich hundert verschiedene Arten wunderbarer Taten, Kunstwerke und allerlei Verzierungen, und darüber hinaus beobachtete ich, dass ich mit aller Liebe (shefqat)ernährt wurde. Und so verstand ich denn im Lichte des Glaubens, wie außergewöhnlich freundlich und freigiebig, wie so voll Erbarmen, aber auch wie geschickt jener ist, der mich erschaffen hat und der mir das
Leben geschenkt hat, wie wunderbar Seine Macht ist und wie, wenn ich das einmal so sagen darf, effizient, erfinderisch und vorausschauend. Und ferner verstand ich nun auch die (Bedeutung) der natürlichen Aufgaben, die Ziele der Schöpfung und die Ergebnisse, welche das Leben zustande bringt, wie das Lob Gottes, Seine Heiligung, Preis und Dank, Seine Verherrlichung, die Ehrfurcht vor Ihm, die Verkündigung Seiner Größe, die Bestätigung Seiner Einheit (Tauhid)und Einzigartigkeit Seiner Gottheit (tehlil).Und ich verstand mit wissenschaftlicher Gewissheit (ilme-l'yaqin),dass der Sinn des Lebens das wertvollste Geschöpf im Universum zum Ziel hat, das Geheimnis der Unterordnung unter dieses Ziel und welche Weisheit darin liegt, dass jeder eine geradezu leidenschaftliche Sehnsucht nach dem Leben hat und der Glaube das Leben allen Lebens ist.
Vierte Fragestellung:
Um zu sehen, worin die wahre Freude und Glückseligkeit in meinem Leben besteht, betrachtete ich die Ayah
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
und erkannte: Die reinste Freude und das lauterste Glück liegt im Glauben. Das heißt, mein sicherer Glaube, dass ich ein Geschöpf, Kunstwerk und Diener (memluk)des Allbarmherzigen Herrn (Rabb-i Rahim)bin, der mich erschaffen und mir das Leben geschenkt hat, der mich genährt und aufgezogen hat und dem ich allzeit vor Augen bin, dessen ich ständig bedarf, der zugleich mein Herr (Rabb)und mein Gott (Ilah)ist und der von einem solchen Wohlwollen (merhamet)und einer solchen Liebe (shefqat)ist, ist mir eine so vollkommene, bleibende (kafi ve vafi),furchtlose Freude und Glückseligkeit, dass sie sich gar nicht beschreiben lässt. Und so verstand ich denn auf Grund dieser Ayah, wie sehr hier doch das Stoßgebet:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نِعْمَةِ الْاِيمَانِ
{"Lob und Preis sei Gott für die Gnade meines Glaubens."}
am rechten Platz ist.
So zeigen denn diese "Vier Fragestellungen", welche sich auf die Wirklichkeit (haqiqat),die Rechte (huquq)und Pflichten (vazife)und die inneren Freuden (manevi lezzet)des Lebens beziehen, dass, je mehr das Leben auf den Allzeit Lebendigen und Beständigen Herrn (Dhat-i Baqi-i Hayy-i Qayyum)ausgerichtet ist und je mehr der Glaube das Leben und der Geist (ruh)des Lebens wird, desto beständiger (beqa)wird es und desto mehr beständige (baqi)Früchte bringt es hervor. Mehr noch: Es wird dadurch so sehr erhöht, dass es eine Erscheinung der Ewigkeit annimmt. Daher achtete ich nun nicht mehr darauf, ob eine Lebensspanne kurz oder lang sei, zog meine Lehre aus dieser Ayah und sagte in diesem Sinne (niyet),mit dieser Vorstellung (tassauvur),dieser Idee (hayal)im Namen allen Lebens und aller lebenden Wesen:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173)}
Sechste Stufe der leuchtenden (Ayah)vom "befriedigenden Anteil":
Zu einer Zeit, in der mich mein Alter inmitten der Ereignisse der Endzeit an (meinen eigenen Abschied vom Leben), meine persönliche Trennung (von dieser Welt) gemahnt, (Ereignisse, die nun ihrerseits) die Zerstörung der Welt mit einer allgemeinen Trennung (als deren Folge) verkünden, und meine Seele in diesem letzten Abschnitt meines Lebens (ömür)mit außerordentlicher Sensibilität und mit allen Sinnen meines Wesens (fitrat)die Schönheiten zu verehren und alles Gute zu lieben und sich für die Vollkommenheit zu begeistern
begann, sah ich mit ungewöhnlicher Klarheit und großem Schmerz, dass Untergang und Verfall diese schöne Welt ständig zerstören, Tod und Vernichtung diese Schöpfung in all ihrer Schönheit immer wieder zertrennen, sie in fürchterlicher Weise beständig zerspalten, zerreißen und ihre Schönheit vernichten.
Als ich nun nach einem Trost suchte, weil meine Natur in ihrer rein irdischen Liebe sich heftig einer derartige Lage widersetzte, ja geradezu auflehnte, nahm ich abermals Zuflucht zu dieser Ayah. Sie sagte zu mir: "Rezitiere mich (= diese Ayah) und untersuche meine Aussage aufmerksam (= was diese Ayah dir mitteilen will)."
Auch betrat ich das Observatorium jener Ayah in der Sure "en'Nur"(das Licht),
اَللّٰهُ نُورُ السّمَوَاتِ وَ الْاَرْضِ
{"Gott ist das Licht der Himmel und der Erde. Usw..." (Sure 24, 35)}
richtete das Fernglas des Glaubens auf die fernsten Ebenen der Ayah "Befriedigenden Anteil" (Ayet-i Hasbiye),betrachtete durch das Mikroskop des Glaubensbewusstseins seine (letzten, kaum) noch sichtbaren Geheimnisse und erkannte: Wie Spiegel, Glasstückchen und andere glänzende Gegenstände, ja sogar Wasserbläschen die unterschiedlichsten, ja selbst noch verborgenen Schönheiten der Sonnenstrahlen, ihre vielfältige Schönheit in den sieben Farben (des Regenbogens) aufzeigen und in ihren stets sich erneuernden Bewegungen, in ihren unterschiedlichen Möglichkeiten, das Licht zu brechen (und seine verschiedenen Farben wiederzuspiegeln) diese Schönheiten und ihre anmutigen Erscheinungen immer wieder neu darstellen, genauso kommen und gehen diese schönen Kunstwerke, diese süßen Geschöpfe, alles Sein in der (ihm eigenen) Vollkommenheit, ohne sich aufzuhalten, um für die heilige Schönheit des majestätischen Schönen (Djemil-i Dhu l-Djelal),der die Sonne aller Ewigkeiten ist, und für die immerwährenden Schönheiten Seiner grenzenlos schönen
Namen und für die Erneuerungen ihrer Erscheinungen als Spiegel zu dienen. Alle Schönheit, die in ihnen sichtbar wird, ist nicht ihr Eigentum, vielmehr Zeichen einer immerwährenden, heiligen, absoluten und reinen Schönheit, die sich ständig offenbart und sich durch ihre Besonderheiten in ihrer ganzen, blitzenden (und funkelnden) Erscheinung bekannt machen will. Besonders kräftige Beweise dazu wurden in einer Abhandlung der Risale-i Nur eingehend erklärt. Hier wollen wir nun drei dieser Zeugnisse kurz erklären:
Erstes Zeugnis:
Gleich wie die Schönheit eines gut verarbeiteten Werkes auf die Schönheit seiner Verarbeitung, die Schönheit seiner Verarbeitung aber auf das Gütesiegel des Namens dessen, von dem dieses schöne Kunstwerk stammt und auf den seine Schönheit hinweist, das Gütesiegel des Namens der Kunstfertigkeit des Meisters auf die Schönheit der Eigenschaften, die diesem Kunstwerk zugehörig sind, und die Schönheit seiner Eigenschaften auf die Schönheit seiner Fähigkeiten und Talente und die Schönheit seiner Fähigkeiten ganz offensichtlich und auf absolut sichere Weise auf die Schönheit seines Wesens und seiner Wahrheit verweist, so verweist in gleicher Weise auch die Schönheit in allem Sein, die den Kosmos vom Aufgang bis zum Niedergang erfüllt und jedes einzelne Schöpfungswerk in all seiner Schönheit auf die Schönheit aller Werke des Ruhmreichen Künstlers (San'akar-i Dhu l-Djelal),die Feinheit und Schönheit in allem, was er tut, aber ohne Zweifel auf das Gütesiegel, das sich auf alles bezieht, was er verfertigt, d.h. auf die Erlesenheit und Schönheit, für die Sein Name steht, was aber die Schönheit und Eleganz Seiner Namen betrifft, so bezeugen sie mit Sicherheit die Schönheit und Eleganz Seiner heiligen Attribute (qudsi sifat),welche die Quelle jener Namen sind. Was aber die Schönheit und Eleganz Seiner Eigenschaften betrifft, so bezeugen sie mit Sicherheit die Schönheit und Eleganz Seiner Wesensmerkmale (shuunat-i dhatiye),welche der Urgrund all Seiner Eigenschaften sind. Was aber die Schönheit und
Eleganz Seiner Wesensmerkmale (shuunat-i dhatiye)betrifft, so bezeugen sie mit einer ganz offenkundigen, völligen Sicherheit die Schönheit und Eleganz des Wesens, das allen Seinen Tätigkeiten, Namen und Attributen zu Grunde liegt, die geheiligte Vollkommenheit jener Essenz und die geheiligte Schönheit Seiner Wahrheit. Das aber heißt, dass der Meister in Seiner Schönheit (Sani-i Dhu-l'Djemal)eine so grenzenlose Schönheit und Eleganz haben muss, wie es Seines heiligen Wesens (Dhat-i Aqdes)würdig ist, sodass deren Abglanz das ganze Sein vom Aufgang bis zum Niedergang verschönert. Er muss eine so reine und heilige Schönheit haben, dass dessen Erscheinung den Kosmos ganz und gar verschönert und das gesamte Reich der Möglichkeiten mit den Funken dieser Schönheit und Eleganz verziert und erleuchtet.
In der Tat ist es nicht möglich, dass ein Werk ohne jedes Zutun zum Abschluss gebracht werden könnte, ebenso wie auch eine Tätigkeit nicht sein kann, ohne den, der sie tut. Und ebenso wie es keine Namen geben kann, ohne den, welchen sie benennen, so kann es auch keine Bezeichnung (sifat)geben, ohne den, der durch sie bezeichnet wird. Denn da das Vorhandensein eines Kunstwerks und ein jedes Wirken ganz offensichtlich auf das Vorhandensein eines Künstlers verweist, durch dessen Zutun das Werk zu Stande gekommen ist, so bezeugt es auch das Vorhandensein der Eigenschaft und des Namens, demzufolge das Werk, die Arbeit und sein Gütesiegel zu Stande gekommen sind. Die Vollkommenheit und Schönheit des Werkes wiederum verweist auf eine Vollkommenheit und Schönheit, wie sie der Anfertigung (dieses Kunstwerks) entspricht. Dies verweist ebenso mit wissenschaftlicher Sicherheit (ilme l-yaqien)auf eine Vollkommenheit und Schönheit, wie sie dem Wesen (des Herrn = dhat)angemessen ist und der Echtheit (haqiqat)(in seinen Werken) entspricht.
In gleicher Weise ist es auch unmöglich, dass hinter diesen Kunstwerken ständig eine Kraft (faaliyet-i daime),gewissermaßen wie hinter einem Schleier verborgen, wirken könnte, ohne
dass dort jemand am Werk wäre, und die Erscheinungsformen und Verzierungen der Namen, deren Erscheinungen wir auf diesen Kunstwerken mit eigenen Augen sehen können, ohne den sein können, den (diese Namen) bezeichnen. Unmöglich ist es auch, dass Attribute (sifat)wie Macht (qudret)und Wille (irade),die wir in einem solchen Grade wahrnehmen, dass wir sie sogar bezeugen können, ohne ihren Träger (mausuf)sein könnten. Alle Werke (der Schöpfung) im gesamten Kosmos und alles Sein (makhluk)und all die unendlich vielen so kunstvollen Formen des Daseins (vudjud)bezeugen ganz offensichtlich das Dasein dessen, der sie geschaffen hat, die Gegebenheit (vudjud)all Seiner Namen, die Gegebenheit all Seiner Attribute (ausaf),die Gegebenheiten Seiner Beweggründe (z.B. Seine Liebe, unseren Gefühlen vergleichbar) und das Seinsnotwendige Dasein (vudjub-u vudjuduna)der Heiligkeit des Wesens (Dhat-i Aqdes)des Schöpfers (Khaliq)und Künstlers (Sani'),der alles bewirkt und weisen mit völliger Sicherheit darauf hin.
In gleicher Weise bezeugen all die verschiedenen Erscheinungsformen Seiner Vollkommenheit, Schönheit und Anmut, die wir in all Seinen Kunstwerken wahrnehmen können, ganz offensichtlich die unendliche Vollkommenheit und grenzenlose Schönheit Seiner Handlungen, Namen, Attribute und Beweggründe, die (Vollkommenheit) des Herrn (Dhat)und Meisters in Seiner Majestät (Sani-i Dhu-l'Djelal)und weisen mit einer völligen Sicherheit auf sie hin, so wie sie (dieser Erscheinungsformen) würdig und angemessen ist, der Notwendigkeit Seines Seins (vadjibiyet)und Seiner Heiligkeit (qudsiyet)gebührt und über den ganzen Kosmos (ausgebreitet ist).
Zweites Zeugnis:
Besteht aus fünf Punkten.
Erster Punkt:
Alle führenden Kenner der Wahrheit, kommen trotz aller Unterschiede und Verschiedenheiten in ihren Wegen und Methoden (meshreb ve meslek)dennoch einstimmig zu dem Urteil und bekennen auf Grund ihrer meditativen Wahrnehmungen und geistigen Entdeckungen (keshf)übereinstimmend,
dass die Schönheit und Eleganz in allem Sein der Abglanz und Funke einer geheiligten Schönheit und Eleganz und eine hinter einem Schleier (verborgene) Erscheinung des Herrn ist, der da notwendigerweise sein muss (Dhat-i Vadjibu-l'Vudjud).
Zweiter Punkt:
Alles, was einmal erschaffen wurde, erscheint in all seiner Schönheit gleich Karawanen, die unaufhaltsam kommen und gehen, verschwinden (fena)gleich wie in einem Tunnel und gehen zu Grunde. Doch eine erhabene, unwandelbare Schönheit erscheint und bringt sich selbst im Spiegel der Schöpfung zur Darstellung und bringt durch ihr fortwährendes Immer-wieder-in-Erscheinung-treten mit Gewissheit zum Ausdruck, dass ihre Schönheit nicht Eigentum dieser schönen (Schöpfung) und ihre Anmut (Djemal)nicht dem Spiegel zu eigen ist. Vielmehr ist die Schönheit in den Sonnenstrahlen, die wir in den Wassertropfen erblicken, die über die Wellen tanzen, das Licht einer ewigen (sermedi)Schönheit (Djemal).
Dritter Punkt:
Es ist ja ganz klar, dass, sowie das Licht von dem kommt, der das Licht ausstrahlt, das Sein (vudjud)in jedem Fall von dem gegeben wird, der (in sich selbst) der Seiende (maudjud)ist, die Großmut (ihsan)von dem kommt, der reich (ghani)ist, die Freigiebigkeit von dem, der ein Vermögen hat, der Unterricht (talim)von dem, der über das Wissen (ilim)verfügt. So kann auch die Güte nur von dem verliehen werden, der (selbst) die Güte ist, Anmut nur von dem, der (selbst) die Anmut ist, und Schönheit (djemal)nur von dem, der (selbst) die Schönheit ist. Anders kann es nicht sein. Und so geschieht es denn auf Grund dieser Wahrheit (haqiqat),dass wir fest daran glauben (iman),dass alle Schönheit, die sich in dieser Welt zeigt, von dem herrührt, dem diese Schönheit zu Eigen ist und die das Weltall in fortwährendem Wechsel und beständiger Erneuerung in der Sprache allen Seins (maudjudat),dem (diese Schönheit) als Spiegel dient, als jene Schönheit beschreibt und darstellt, die Ihm in Seiner Anmut (djemal)zu Eigen ist.
Vierter Punkt:
So wie der Leib von der Seele (ruh)abhängig ist, durch sie auf seinen Füßen steht und von ihr belebt wird; ein Wort sich nach seiner Bedeutung, es erhellend, richtet; eine Form durch ihren Wahrheitsgehalt an Wert gewinnt... so ist auch diese stoffliche Welt der Materie, die wir bezeugen wie ein Körper, ein Wort (Gottes), gleich einer Form, die abhängig ist von den göttlichen Namen, die hinter dem Schleier der Welt des Unsichtbaren verborgen bleiben, sie jedoch beleben, ihr Halt geben, sie gewissermaßen durchbluten, versorgen und schmücken. Jede physische Schönheit geht von der metaphysischen (manevi)Schönheit ihrer Wahrheit und ihrer Bedeutung (mana)aus. Was aber diese Wahrheit (haqiqat)betrifft, so empfängt sie ihre Fülle durch die Namen Gottes und ist gleichsam deren Abglanz. Und diese Wahrheit wurde mit Sicherheit in der Risale-i Nur bewiesen.
Das aber heißt, dass alle Arten von Schönheit im All und ihre Vielfalt Zeichen sind, Spuren und Erscheinungsformen einer Schönheit, die hinter der Welt des Unsichtbaren (alem-i ghayb)durch Seine Namen sichtbar wird, heilig, makellos und frei von jeglicher Stofflichkeit.
Doch gibt es nichts, was mit dem, der da notwendigerweise Sein muss (Vadjibu-l'Vudjud),dem Herrn in Seiner Heiligkeit (Dhat-i Aqdes)vergleichbar wäre, da Seine Eigenschaften (sifat)in unendlichem Grade erhabener sind als die Eigenschaften (in der Welt der) Möglichkeiten. In gleicher Weise ähnelt auch seine Geheiligte Schönheit (qudsi djemal)in nichts der Schönheit in (der Welt) der Möglichkeiten und alles Geschaffenen und steht in unendlichem Grade über ihr. In der Tat kann eine immerwährende Schönheit, von der das ganze weite Paradies samt all seiner Schönheit und Anmut nur eine (der vielen möglichen) Erscheinungsformen ist und die auch nur eine Stunde zu schauen alle Leute des Paradieses dieses ganze Paradies vergessen ließe, sicherlich nicht endlich sein und kann es auch nichts geben, was ihr ähnlich wäre oder was man mit ihr vergleichen könnte.
Es ist ja bekannt, dass die Schönheit eines jeden Dinges ihm selbst entspricht. Und es gibt tausenderlei verschiedene Arten davon. Und entsprechend ihrer Verschiedenartigkeit unterscheiden sie sich auch in ihrer Schönheit. So ist z.B. die Schönheit, die man mit dem Auge wahrnimmt, nicht gleich der Schönheit, die man mit dem Ohr erlauscht. Gleich wie ein guter Gedanke, an dem sich der Verstand erfreut, nicht das gleiche ist wie der gute (Geschmack) einer Mahlzeit, die man mit der Zunge verkostet, so sind auch die Schönheiten, die man mit seinen inneren und äußeren Sinnen, wie Herz und Verstand (ruh)wahrnimmt und sie zu schätzen weiß, genauso unterschiedlich wie ihre Verschiedenheiten. Gleich wie z.B. die Schönheit des Glaubens, die Schönheit der Wahrheit, die Schönheit des Lichtes, die Anmut einer Blume, die Schönheit (djemal)des Geistes (ruh),die Schönheit in der Ästhetik (suret),wie der Liebe (shefqat)und der Gerechtigkeit (adalet),Barmherzigkeit (merhamet)und Weisheit (hikmet)ganz verschieden voneinander sind und da auch die Güte der schönen Namen des in unendlichem Grade anmutigen Herrn in der Vollkommenheit Seiner Schönheit (Djemil-i Dhu-l'Djelal)alle ganz verschieden voneinander sind, so fällt auch alle Schönheit, der wir in diesem Dasein (maudjudat)begegnen, ganz verschieden voneinander aus.
Wenn du eine der Erscheinungen der Schönheit unter den Namen des Herrn in der Vollkommenheit Seiner Schönheit (Djemil-i Dhu-l'Djelal)im Spiegel Seiner Schöpfung (maudjudat)beobachten willst, so wirf einmal in deiner Vorstellung einen umfassenden Blick auf das Antlitz der Erde und stell dir dabei vor, es sei ein kleiner Garten, dann wirst du sehen, dass Ausdrücke wie Erbarmen (rahmaniyet)und Barmherzigkeit (rahimiyet),Weisheit (hakiemiyet)und Gerechtigkeit (adiliyet)sowohl auf die Namen und Taten (fiil)als auch auf die Attribute (sifat)und Qualitäten Gottes des Gerechten hinweisen.
Und so beobachte denn einmal die Versorgung (erzaq)vor allem des Menschen, aber auch aller Tiere, wie sie stets in schönster Ordnung hinter dem Vorhang der unsichtbaren (Welt) erfolgt und erkenne in ihr die Schönheit (Djemal)göttlicher Barmherzigkeit (rahmaniyet-i Ilahiye)!
Und betrachte auch die wunderbare Versorgung all der Jungtiere und die beiden über ihren Köpfen an den Busen ihrer Mütter befestigten Beutel mit einer Milch, süß und rein wie Kauthar-Wasser und erkenne darin die anziehende Schönheit (Djemal)ihres allbarmherzigen Herrn (Rahimiyet-i Rabbaniye).
Und betrachte auch die unvergleichliche Schönheit (djemal)göttlicher Weisheit (hakiemiyet-i Ilahiye),die die ganze Schöpfung mit all ihren Arten zu einem gewaltigen Buch dieser Weisheit (hikmet)werden lässt und siehe, wie in jedem Buchstaben Hunderte von Worten, in jedem Wort Hunderte von Absätzen, in jedem Absatz Hunderte von Kapiteln und in jedem Kapitel wiederum hunderte kleiner Büchlein enthalten sind.
Und betrachte auch die majestätische Schönheit in jener Gerechtigkeit (adiliyetin hasmetli),die den ganzen Kosmos und alles, was in ihm lebt und webt im Gleichgewicht (misan)hält. Siehe, wie sie die Ausgewogenheit zwischen all den verschiedenen Himmelskörpern, den nahen und den fernen bewahrt, ihnen ihre Harmonie verleiht, die die bedeutendste Basis der Schönheit ist, und alle Dinge (lebende wie tote) dazu hinführt, die jeweils beste Form und Gestalt (vasiyet)anzunehmen, wie sie allen lebenden Wesen ihr Recht zu leben (haqq-i hayat)verleiht, ihnen Recht (ihqaq-i haqq)widerfahren lässt und denen in den Arm fällt, die ihre Rechte überschreiten und sie zur Rechenschaft zieht.
Und betrachte auch, wie die Lebensgeschichte des Menschen in sein Gedächtnis eingespeichert wird, eine Kapazität (quvvet)so winzig klein wie vergleichsweise ein Weizenkorn, oder wie das künftige Leben eines jeden
Baumes, wie überhaupt aller Pflanzen bereits in ihren Samen vorprogrammiert ist! Und achte auch einmal auf die Werkzeuge und Geräte, die notwendig sind für die Erhaltung der lebenden Wesen, z.B. diese kleinen Flügelchen der Biene, der Giftstachel zu ihrer Verteidigung, die kleinen Bajonette stacheliger Pflanzen und Dornsträucher und die harten Schalen der Samenkörner und nimm die subtile (letafet)Schönheit (djemal)wahr, mit der der Herr sie bewahrt und beschützt (hafieziyet ve hâfiziyet-i Rabbaniye)!
Dann achte auch einmal auf die Gäste des Barmherzigen Allerbarmers (Rahman-i Rahim),des Vollkommenen Freigiebigen (Kerim-i Mutlaq),an dem Tisch, der unsere Erde ist, den Wohlgeruch der zahllosen verschiedenen Speisen, die der Erbarmer (Rahman)zubereitet hat, ihre verschiedenen bunten Farben und ihren verschiedenartigen Wohlgeschmack und all die Freude und den Wohlgefallen, der allen lebenden Wesen gleichsam als ihr Werkzeug zu Hilfe eilt, und siehe, welch eine Eleganz (djemal)und was für eine reizende Schönheit der Güte und der Großmut des Herrn (ikram ve kerimiyet-i Rabbaniye)dies ist.
Dann betrachte die so besonders sinnvolle (Gestaltung) der Körper all der Tiere, aber auch der Menschen, die sich durch die Erscheinung der Namen "der Öffnende (Fattah)"und "der Formende (Mussauwir)"aus einem Tropfen Flüssigkeit entfalten, und die so reizenden Gesichter der Blumen im Frühling, die sich aus ihren Samenkernen und Körnern heraus öffnen und siehe, welch eine wunderbare Schönheit (mu'djizatli djemal)des göttlichen Öffnens und Seiner Formgebung (fettahiyet ve mussauwiriyet-i Ilahiye)dies ist!
So hat denn analog (qiyas)zu den oben angeführten Beispielen jeder göttliche Name eine ihm eigene heilige Schönheit, wobei schon eine einzige seiner Erscheinungen die ganze große, weite Welt mit zahllosen Seiner Wesen verschönt. So wie du die Erscheinung der Schönheit seiner Namen schon in einer einzelnen Blume erkennen kannst, doch auch der Frühling einer Blume gleicht und auch das
Paradies einer noch nie zuvor gesehenen Blume gleicht, und wenn du dir nun den Frühling als Ganzes vor Augen holen kannst und das Paradies mit den Augen des Glaubens betrachten kannst, dann komm und sieh, und du wirst die überwältigende Majestät (hashmet)immerwährender Schönheit (Djemal-i Sermedi)verstehen!
Antwortest du angesichts dieser Schönheit mit der Schönheit des Glaubens in Dienst und Anbetung (ubudiyet),so wirst du ein wunderschönes Geschöpf sein. Begegnest du ihr dagegen mit der abgrundtiefen Hässlichkeit der Irreleitung (dalalet)und antwortest ihr mit einer so abscheulichen Haltung wie der der Aufsässigkeit (isyan),so wirst du sowohl zu einem vollkommen hässlichen Geschöpf als auch unter allen schönen und guten Geschöpfen gleichsam abscheulich sein.
Fünfter Punkt:
So wie es einen Meister (Dhat)gibt, der über hunderterlei schöne Künste und Kunstfertigkeiten, über Vollkommenheit (kemal)und Eleganz (djemal)verfügt, und wenn nun - in Übereinstimmung mit dem Grundsatz, dass alle schönen Künste und Kunstfertigkeiten sich darstellen möchten und jedes schöne Kunstwerk nach Anerkennung verlangt, was vollkommen (kemal)ist, sich auch zeigen will und was schön (djemal)ist, nach Ausstellung strebt - also auch dieser Meister, weil Er ja alle Seine Künste und Kunstfertigkeiten, Seine Vollkommenheit und verborgenen Schönheiten darstellen, ausstellen, also zeigen möchte, einen wundervollen Palast gebaut hat, sodass ein jeder, der diesen wunderschönen Palast sieht, sofort an die Künste und Kunstfertigkeiten und die Vollkommenheit dieses Meisters (ustadh)und Schlossherrn denkt, an sie glaubt und so als habe er (die Kunstwerke des Meisters) vor Augen, zu dem Urteil kommt und bestätigt: "Wäre diese Persönlichkeit (dhat)hier nicht ein in jeder Hinsicht guter und geschickter (Meister), so könnte sie auch nicht der sein, der dieses in jeder Hinsicht so wunderschöne Bauwerk nach eigenen Ideen und Vorstellungen geplant und aufgebaut hat. Es
ist jedoch so, als hätte die innere Schönheit und Vollkommenheit (manevi hüsünler ve kemaller)in diesem Palast ihren Ausdruck gefunden."
In ganz genau der gleichen Weise wird einer, der diese Ausstellung von Wundern und Schönheiten dieses prachtvollen Palastes dieser Welt, d.h. also dieses Universums, sieht, und dessen Verstand noch nicht getrübt und dessen Herz noch nicht verdorben ist, sich sicherlich klar machen, dass dieser Palast ein Spiegel ist, der auf diese Weise geschmückt worden ist, um so die Schönheiten (djemal)und die Vollkommenheit (kemal)eines anderen aufzuzeigen. Und es gibt in der Tat nichts, was dem Palast dieser Welt ähnlich wäre, sodass man seine Schönheiten hätte nachahmen und kopieren können. Sicherlich und in jedem Fall verfügt der Baumeister (ustadh)in Seinem Wesen (dhat)und in Seinem Namen über Schönheiten, die Seiner würdig sind und von denen dieser Kosmos abgeleitet und dementsprechend aufgebaut worden ist, und der Ausdruck zu verleihen er (so perfekt abgefasst) wurde wie ein Buch.
Drittes Zeugnis:
Besteht aus drei Punkten.
Erster Punkt:
Dies ist eine Wahrheit, die im Dritten Kapitel des "Zweiunddreißigsten Wortes" mit mächtigen Zeugnissen dargelegt worden ist. Wir verweisen auf die dort ausführlich dargelegte Erklärung zu diesem Wort und wollen sie hier nur mit einem kurzen Hinweis anführen. Es ist dies wie folgt:
In der Betrachtung solcher Kunstwerke, insbesondere aber der Tiere und Pflanzen, bemerken wir (die allgemein gültige Tatsache), dass sie ständig verziert und geschmückt werden, was Wissen (ilm)und Weisheit (hikmet)erkennen lässt und auf eine Absicht (qasd),einen Willen (irade)verweist, und darauf, dass eine sinnvolle, harmonische Gestaltung, die man unmöglich dem Zufall zuschreiben kann, sie beherrscht.
Zudem wird in allen Dingen eine so subtile Kunst, eine so feinsinnige Weisheit (hikmet),werden (Schmuckstücke)
von so erhabener Machart, in einer so liebevollen (shefqat)Zusammenstellung, also in einer Anordnung (vasiyet)sichtbar, die so geschmackvoll ist, dass durch sie Seine Kunst gefallen findet, die Blicke des aufmerksamen (Betrachters) auf sie gelenkt, Seine Zuschauer und alle Seine Geschöpfe zufrieden gestellt werden, wodurch nun ganz klar verständlich wird, dass hinter dem Schleier des Unsichtbaren ein Künstler verborgen ist, der sich den mit Bewusstsein begabten Wesen bekannt machen, sich ihnen vorstellen möchte, dass Er anhand eines jeden Seiner Kunstwerke Seine Fähigkeiten, Seine Vollkommenheit erkennbar machen, sich durch sie als liebenswert erweisen, gelobt und gepriesen werden möchte. Ferner beschenkt (ihsan)Er alle mit Bewusstsein begabten Wesen, damit sie froh und dankbar und Ihm in Freundschaft verbunden sein mögen, mit wohlschmeckenden Gaben (ni'met)jeglicher Art, die ihnen von unerwarteter Seite zuteil werden, sodass es unmöglich wäre, sie dem bloßen Zufall zuzuschreiben.
Und ferner kann man eine nahezu intime, großzügige (kerim)Behandlung (durch Ihn) bemerken, eine Kenntnisnahme, ein freundschaftliches Gespräch, wie es in und durch (Seine Schöpfung) zum Ausdruck gebracht wird (lisan-i hal),eine barmherzige (rahim)Entgegennahme unserer Gebete (dua),was in uns eine tiefe Liebe (shefqat)und das Gefühl einer großen Barmherzigkeit (merhamet)aufkeimen lässt. Das aber heißt, dass die Großzügigkeit (ikram),mit der er seine Gaben (ni'met)verteilt, und die Freude, die wir hinter Seiner Liebe und unserer Inkenntnisnahme bemerken, Dinge, die so klar und offensichtlich wie die Sonne sind, entstehen aus dem Ihm wesensgemäßen Wunsch, uns zu lieben (irade-i shefqat)und Seinem so mächtigen (quvvet)Willen (arzu),barmherzig (merhamet)zu sein. Was aber diesen mächtigen Wunsch einer so absolut autonomen Persönlichkeit (Mustaghni-i Mutlaq),die in gar keiner Weise irgendwelche Bedürfnisse hat, zu lieben und barmherzig (irade-i shefqat ve rahmet)zu sein, betrifft, so zeigt er
mit Sicherheit und in jedem Fall eine überaus vollkommene, beispiellose Anmut (djemal),eine ewige, unvergleichliche Schönheit und bleibende Eleganz, dessen Natur und Wirklichkeit es notwendig machen, sich zu manifestieren und sich selbst in einem Spiegel zu sehen. Um sich selbst darzustellen und in den verschiedenen Spiegeln zu sehen, hat diese Schönheit die Form des Mitleids und der Barmherzigkeit (merhamet ve shefqat)angenommen. Dann hat sie in den Spiegeln bewusstseintragender Wesen den Status von Geschenken angenommen. Dann hat sie eine Form angenommen, die sich selbst bekannt und geliebt machen möchte. Danach hat sie den Kunstwerken den Glanz der Verzierung und Verschönerung geschenkt.
Zweiter Punkt:
Die ureigenste, intensive und mächtige Liebe des Menschengeschlechtes zu Gott (ashk-i Lahuti)und starke Leidenschaft für ihren Herrn (muhabbet-i Rabbaniye),und insbesondere die der gehobenen Klassen und zahlloser Personen, deren Wege so verschieden sind, deutet ganz offensichtlich auf eine unvergleichliche Schönheit (djemal)hin, ja, sie bezeugt sie geradezu. Eine solche Liebe (ashk)schaut in der Tat einzig nach einer solchen Schönheit aus und macht sie notwendig und eine derartige Leidenschaft (muhabbet)macht diese Lieblichkeit erforderlich. Der ganze Lobgesang und Preis, der von der gesamten Schöpfung ausdrücklich oder entsprechend der Art ihrer Gattung (lisan-i hal ve lisan-i qal)dargebracht wird, ist auf diese urewige Schönheit ausgerichtet und führt zu ihr hin. In den Augen der Liebenden, wie in denen eines Shems-i Tebrisi, sind alle Anziehungskraft, alles, was uns gefangen nimmt, die Ekstase, die Zeichnung der Wahrheit im Universum, Zeichen der Anziehungskraft einer Wahrheit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Zugleich ist jene ekstatische Bewegung, die alle Himmelskörper zugleich mit allem Sein in ihren Bann schlägt und sie zwingt, sich den Faltern und den Maulawi Derwischen gleich im Kreis zu drehen, die leidenschaftliche und von ihrer Aufgabe (vazife)erfüllte Antwort auf die majestätische
Erscheinung einer Wahrheit, die sie ganz gefangen nimmt, und ihrer heiligen Schönheit.
Dritter Punkt:
Alle Erforscher der Wahrheit stimmen insgesamt darin überein, dass das Sein (vudjud)rein, gut und licht ist. Nichtsein ist das nackte Böse, die Finsternis. Die Großen unter den Menschen mit Herz und Verstand sind überein gekommen, dass bei einer abschließenden Analyse alles, was schön und gut ist und Freude bereitet, aus dem Sein erwächst und alles, was hässlich und böse ist, was Leid und Verderben bedeutet und selbst noch die Sünde dem Reich des Nichtseins zugeordnet werden muss.
Wenn man nun sagt:
Obwohl doch das Sein die Quelle aller Schönheit ist, finden wir dennoch in diesem Sein (vudjud)auch Unglaube (kufr)und den Egoismus der Seele (enaniyet-i nefs)?
Antwort:
Was den Unglauben betrifft, so ist er als die Verleugnung und Verneinung der Glaubenswahrheiten ein Nichtsein. Was aber die Existenz des Egoismus betrifft, so ist er eine Art Nichtexistenz, das die Form und Farbe eines Seins angenommen hat, das irrigerweise für sich die Herrschaft beansprucht, nicht wissend, dass es nur die Funktion eines Spiegels hat, und das nun für wahr hält, was es sich vorstellt.
Da aber nun einmal das Sein die Quelle ist, aus der alle Schönheit hervorsprudelt, und das Nichtsein die Grube, aus der alle Hässlichkeit empor gefördert wird, so wird sicherlich auch das Sein (vudjud),das in Seiner Notwendigkeit die mächtigste, höchste, und prächtigste unter allen Stufen des Daseins und vom Nichtsein am weitesten entfernt ist, so wird also jenes Wesen von Ewigkeit zu Ewigkeit nach derjenigen Schönheit verlangen, die am mächtigsten, höchsten, und prächtigsten ist und am weitesten davon entfernt, noch mangelhaft zu sein, vielmehr einer solchen Schönheit Ausdruck geben, oder besser noch: selbst diese Schönheit sein. So wie das Licht, das
alles umfasst, notwendigerweise aus der Sonne hervorgeht, so strahlt auch der da notwendigerweise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud)diese immerwährende Schönheit aus und schenkt durch sie Licht.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نِعْمَةِ الْاِيمَانِ ٭ رَبَّنَا لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَأْنَا ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Dank sei Gott für die Gabe des Glaubens." "Unser Herr, strafe uns nicht, wenn wir uns vergessen oder vergangen haben." (Sure 2, 286) "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Eine abschließende Bemerkung:
Ursprünglich sollte über diese lichtvolle Ayah vom "befriedigenden Anteil" (Hasbiye-i Nuriye)in neun Stufen abgehandelt werden. Doch auf Grund gewisser Umstände ist die Besprechung von dreien dieser Stufen ausgegliedert worden.
Und ein mahnender Hinweis:
Da die Risale-i Nur ein Kommentar zum Qur'an ist, der Zeugnisse aus dem Qur'an anführt, enthält sie auch notwendige, weisheitsvolle, ja sogar unentbehrliche und zweckdienliche Wiederholungen, ebenso wie der Qur'an subtile, weisheitsvolle und notwendige Wiederholungen enthält, die keinen Überdruss aufkommen lassen. Ebenso sind, da die Risale-i Nur aus Beweisen für das Bekenntnis zur Einheit Gottes (kelime-i Tauhid)besteht, das ständig eifrig und freudig, ohne einen Überdruss, in aller Munde wiederholt wird, notwendige Wiederholungen kein Fehler, und Überdruss wird dadurch nicht und soll dadurch nicht verursacht werden.
Fünfter Strahl
In den vor dreißig Jahren (1921) gedruckten "Spontanen Überlegungen (Muhakemat-i Bediiye)",von denen ein Teil bereits vor dreizehn Jahren (1908) als Manuskript abgefasst wurde, finden sich als Ergänzung zu diesen Überlegungen (Muhakemat)zwanzig Fragestellungen, darunter auch die "Mauer (Sedd-i Dhu-l'Karneyn)","Gog und Magog (Ye'djudj Me'djudj)"und andere über die Zeichen des Weltendes. Auf Bitten eines guten Freundes wurden sie überarbeitet, woraus dann der "Fünfte Strahl" entstand.
(Fünfter Strahl aus dem Einunddreißigsten Blitz des Einunddreißigsten Briefes)
Anmerkung:
Man sollte die nach der Einleitung folgenden Fragestellungen zuerst lesen, um den Sinn der Einleitung besser verstehen zu können.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen"}
فَقَدْ جَآءَ اَشْرَاطُهَا
{"... wo doch ihre Vorzeichen schon erschienen sind!" (Sure 47,18)}
eine Anmerkung zu dieser Ayah, die geschrieben wurde, um in heutiger Zeit den Glauben des ungebildeten Volkes zu schützen und vor Zweifeln zu bewahren. Ein Teil der Hadithe über die Ereignisse der Endzeit hat ähnlich wie die Allegorien im Qur'an eine tiefgründige Bedeutung, die nicht jeder herauslesen und ausdeuten (tefthir)kann, wie ein Dogma, das an die Interpretation (tefthir)des Textes gebunden ist,
sondern muss statt dessen frei interpretiert werden (wobei man sich in den Sinn der Textstelle vertieft).
وَمَا يَعْلَمُ تَأْوِيلَهُ إِلاَّ اللّٰهُ وَالرَّاسِخُونَ فِى الْعِلْمِ
{"Und keiner kennt ihre Bedeutung außer Gott und denen, die in ihrem Wissen (ilm) fest gegründet sind." (Sure 3, 7)}
Nach dem tieferen Sinn (sirr)dieser Ayah wird ihre Auslegung erst verständlich, nachdem etwas geschehen ist, was nur die erkennen können, die in ihrem Wissen (ilm)fest verwurzelt sind. Sie sagen dann:
اٰمَنَّا بِهِ كُلٌّ مِنْ عِنْدِ رَبِّنَا
{"Wir glauben daran. Alles kommt von dem, was bei unserem Herrn ist." (Sure 3, 7)}
und legen somit die verborgenen Wahrheiten offen.
Dieser "Fünfte Strahl" umfasst eine Einleitung und dreiundzwanzig Fragestellungen. Die Einleitung aber besteht aus fünf Punkten.
Erster Punkt:
Da der Glaube (iman)und die Verantwortlichkeit (teklif)eine Prüfung (imtihan),eine Erfahrung, ein Wettbewerb im Rahmen der Entscheidungsfreiheit (ihtiyar)sind, können solch nachdenkenswerte Themen, Dinge, die verborgen und tiefgründig sind und weiterer Vertiefung, Erforschung und Erfahrung bedürfen, gewiss nicht offensichtlich sein. Sie erfordern nicht notwendiger Weise, dass ein jeder ihnen nolens-volens zustimmen muss, sodass die Abu Bekirs zu den höchsten Höhen aufsteigen und die Abu Djahils in die tiefsten Tiefen stürzen können. Wo es nichts zu wollen (ihtiyar)gibt, bleibt auch nichts zu verantworten (teklif).Es liegt in diesem Geheimnis (sirr),dass Wunder nur manchmal und nur sehr selten geschehen. Zudem sind die Hinweise auf das Weltende und die Zeichen der Stunde, die in diesem Haus der Verantwortung mit bloßem Auge zu erkennen sein sollten, wie ein Teil der Allegorien des Qur'an hermetisch und insofern auslegbar. Wenn dann die
Sonne im Westen aufgeht und sie so deutlich sein werden, dass jeder sie bestätigen muss, wird das Tor zur Vergebung geschlossen sein und dann werden Reue (taubah)und Glaube (iman)nicht mehr angenommen werden. Dann werden die Abu Bekirs und die Abu Djahils in ihrer Bestätigung miteinander eins sein. Sogar die Herabkunft Isas (Jesus)selbst, mit dem der Friede sei, und dass er selbst Isa, mit dem der Friede sei, ist, kann nur im aufmerksam (betrachtenden) Lichte des Glaubens erkannt werden. Nicht jeder kann es erkennen. In gleicher Weise werden auch solche Schreckensgestalten wie der Deddjal oder ein Sufyan sich noch nicht einmal selbst erkennen.
Zweiter Punkt:
Ein Teil jener Gegebenheiten aus der unsichtbaren Welt (umur-u ghaybiye),die dem Propheten bekannt gemacht worden waren, wurde ihm auch im Einzelnen erklärt. Über diesen Teil konnte er nicht verfügen oder einen Einfluss auf ihn ausüben, wie z.B. die Dogmen im Qur'an und der Heiligen Überlieferung (hadith-i qudsi).Und ein anderer Teil wurde ihm kurz zusammengefasst mitgeteilt. Dessen Auslegung und Beschreibung aber blieben seinem Verständnis überlassen, wie z.B. weltliche Dinge und zukünftige Ereignisse, die nicht den Glauben betreffen. Solche Gegebenheiten pflegte der Prophet, mit dem Friede und Segen sei, seiner Beredsamkeit entsprechend, in Form von Beispielen, zu beschreiben und zu erklären, wie es dem Sinn (sirr)und der Weisheit unserer Verantwortlichkeit gemäß ist. Zum Beispiel: Während einer Zusammenkunft (sohbet)hörte man auf einmal einen Donnerschlag aus der Tiefe. Da geruhte er zu sagen (ferman):"Dieser Donnerschlag ist das Getöse, mit dem ein Stein, der seit siebzig Jahren zur Hölle hinab gerollt war, in diesem Augenblick auf dem Boden der Hölle aufgeschlagen ist." Fünf, sechs Minuten nach dieser seltsamen Ankündigung kam jemand und sagte: "Oh Prophet Gottes! Der Heuchler N.N. ist im Alter von siebzig Jahren gestorben und zur Hölle gefahren." Und erklärte somit die Bedeutung dieser Worte (kelam)und zeigte so die hohe Beredsamkeit des Propheten.
Anmerkung:
Kleinere zukünftige Ereignisse, die nicht die Glaubenswahrheiten betreffen, sind in den Augen des Propheten ohne Bedeutung.
Dritter Punkt:
Er besteht aus zwei Punkten
Erstens:
Da im Laufe der Zeit manche Hadithe, die in Form von Allegorien und Gleichnissen überliefert sind, in den Ohren einfacher Leute wörtlich (haqiqat)genommen wurden, geben sie nicht die Tatsachen wieder. Obwohl sie doch die reine Wahrheit (haqiqat)sind, entsprechen sie nicht den Tatsachen. Zum Beispiel:
Entsprechend den Engeln, die den Thron (Gottes) tragen, stellt man sich zwei Engel namens Sevr(Stier) und Hut(Fisch) bildlich vor, wie sie in der Gestalt eines Stieres und eines Fisches {Stier und Fisch sind Tierkreiszeichen! - A.d.Ü.} die Erde tragen.
Zweitens:
Obwohl manche Hadithe vom Standpunkt einer Mehrheit im Islam, der Islamischen Regierung oder vom Blickpunkt des (jeweiligen) Sitzes eines Kalifen aus betrachtet und entsprechend verstanden wurden, glaubte man, dass sie sich an alle Bewohner dieser Welt (ehl-i dunya)richten. Obwohl sie nur für einen bestimmten Kreis gedacht waren, wurde ihnen eine allgemeine und umfassende Bedeutung beigemessen. Zum Beispiel: In einer Überlieferung heißt es: "Es wird eine Zeit kommen, in der es keinen mehr geben wird, der noch "Allah! Allah!" ruft", d.h. alle Tekken (Dhikirhane)werden geschlossen werden und man wird auf Türkisch zum Gebet rufen (edhan ve iqamah).
Vierter Punkt:
Es ist durchaus sinnvoll (hikmet)und zweckmäßig, wenn viele Dinge aus der unsichtbaren Welt (umur-u ghaybiye),wie unsere Lebensspanne (edjel)und der Tod verborgen bleiben. So wird auch das Ende der Welt (qiyamah),als der Welt (dunya)Untergang und Tod, sowie die dem Menschengeschlecht und der Tierwelt bestimmte Lebensspanne und ihr Ableben (vefat)aus vielerlei Gründen nicht bekannt gegeben. Wäre die Todesstunde vorher bekannt, so würde man in der Tat die Hälfte (seines Lebens)
in völliger Gottvergessenheit (ghafla)verbringen und danach die andere Hälfte in völligem Entsetzen jeden Tag und Schritt um Schritt dem Erhängen am Galgen entgegengehen. In gleicher Weise würde das so sinnvolle und zweckmäßige Gleichgewicht von Furcht und Hoffnung (khauf u redja)dadurch zerstört, wenn die Zeit des Weltendes (qiyamah)bekannt wäre, die den Tod und Untergang der Welt (dunya)bedeutet. Die Antike und das Mittelalter würden so durch den Gedanken an das Jenseits (fikr-i ahiret)kaum noch beeinflusst werden. Die Endzeit aber fände sich in völligem Entsetzen wieder. Dem diesseitigen Leben (hayat-i dunyeviye)bliebe weder Freude noch Wert. Zwischen Furcht und Hoffnung (khauf u redja)fände sich im Dienst und in der Anbetung (ubudiyet)als einem Akt des Willens (ihtiyar)weder Sinn (hikmet)noch Zweck. Wäre zudem (das Ende) bekannt, wäre auch ein Teil der Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)offensichtlich und nolens-volens müsste sie jeder bestätigen. Das Geheimnis der Verantwortung (sirr-i teklif)und die Weisheit des Glaubens (hikmet-i iman),die an Wahl und Wille (ihtiyar ve irade)gebunden sind, würden so zunichte werden. So ist es denn um all dieser Vorzüge willen, dass die unsichtbaren Dinge (umur-u ghaybiye)verborgen bleiben. Da also ein jeder jeden Augenblick sowohl seine Endlichkeit (edjel)als auch seine Beständigkeit (beqa)vor sich hat, kann er sowohl für diese Welt (dunya)als auch für jene Welt (ahira)wirken. Ebenso kann er in jedem Zeitalter sowohl an den Anbruch des Weltendes (qiyamet)als auch an den Fortbestand der Welt denken und dabei sowohl in dieser flüchtigen (fani)Welt für ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye)als auch für das Gedeihen dieser Welt wirken, so als würde er niemals sterben.
Wenn nun zudem die Zeit der Katastrophen offensichtlich wäre, würde ein Mensch, der eine solche Katastrophe auf sich zukommen sieht, vielleicht innerlich eine zehnmal größere Katastrophe erleiden als die Katastrophe, die er erwartet hatte. Es aber nicht auf sich zu ziehen - wegen
seiner Erwartung - hält sie die Weisheit (hikmet)und die göttliche Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahi)hinter einem Schleier verborgen. Weil aber die meisten solcher welterschütternden Ereignisse einer solchen Weisheit verborgen gehalten werden, ist auch eine Kunde von solchen verborgenen Dingen verboten.
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Um diesem Prinzip gegenüber nicht ungehorsam und respektlos zu sein, haben diejenigen, die mit Erlaubnis des Herrn (Rabb)von den verborgenen Dingen (umur-u ghaybiye)Kunde gegeben haben, dies nur dort getan, wo es sich nicht um eine Prüfung oder um Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye)handelte und nur zeichenhaft, hinweisend und indirekt darüber berichtet. Ja selbst die frohe Kunde und die Nachrichten, die uns von unserem Propheten über die Thora, die Evangelien (Indjil)und die Psalmen (Zebur)erreicht haben, sind zum Teil verborgen und verschleiert, weshalb die Anhänger solcher Schriften diesen Passagen eine andere Bedeutung beimessen und sie (auf ihre Weise) glauben. Da jedoch die Weisheit von der Verantwortlichkeit es notwendig macht, dass die Fragen, die sich mit den grundsätzlichen Überzeugungen des Glaubens (itiqadat-i imaniye)beschäftigen mit Erklärungen und Wiederholungen verkündet und in klar verständlicher Weise erläutert werden, hat der Ruhmreiche Überbringer des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, über die jenseitigen Dinge (umur-u uhreviye)ausführlich und über die zukünftigen Ereignisse in dieser Welt (dunya)kurz und bündig berichtet.
Fünfter Punkt:
Da nun des weiteren die Wunderdinge, die so typisch sind für das Zeitalter des Antichrists wie auch des Deddjals (= iki Deddjal),wann immer von ihnen die Rede war, im Zusammenhang mit ihnen erwähnt wurden, glaubte man am
Ende, sie gingen von diesen Personen aus, weshalb diese Überlieferungen als allegorisch verstanden wurden, während ihre (wahre) Bedeutung verborgen blieb. Zum Beispiel ihre Reisen mit dem Flugzeug oder mit der Eisenbahn...
Und weiter ist bestens bekannt, dass - wenn der islamische Deddjal sterben wird - der Teufel, der ihm dient, vom istanbuler Stadtteil "Dikili Tash(Obelisk)" aus in die Welt hinaus rufen wird, und jeder seine Stimme hören wird: "Er ist gestorben.", d.h. höchst merkwürdiger Weise und so, dass selbst der Teufel sich darüber wundert, wird diese Nachricht (vom Sendemast) der Rundfunkstation (in Dikilitashin die Welt hinaus) gerufen werden.
Auch blieb, weil ja von den merkwürdigen Umständen und furchterregenden Maßnahmen des Regimes des Deddjals, sowie der Partei, die er gegründet hat, und ihrer Regierung im Zusammenhang mit dieser Person berichtet wurde, dessen (wahre) Bedeutung im Dunkeln. Zum Beispiel wird überliefert: "Er ist so stark und wird fortbestehen, sodass nur Hazret Isa, mit dem der Friede sei, ihn zu töten vermag. Einen anderen Ausweg gibt es nicht." Das heißt, seinen Weg und sein reißendes Regime zu zerstören und ihn zu töten, vermag nur eine himmlische, erhabene Religion (din),wie sie nur unter Christen entstehen kann, die den qur'anischen Wahrheiten folgt und integriert, nämlich jene christliche Religion, die durch Hazret Isa, mit dem der Friede sei, herabkommen und diesen Weg des Unglaubens zugrunde richten und töten wird. Andernfalls könnte seine Person ebenfalls durch Mikroben oder eine (Art) Grippe getötet werden.
Auch wurde ein Teil der Erklärungen und Verlautbarungen einiger Erzähler durch ihre eigenen Auslegungen und Bemühungen, die Irrtümern zugänglich sind, mit den Worten der Hadithe vermengt. Danach hat man dann geglaubt, dass ihre eigenen Worte ein Teil der Hadith seien und so wurde deren Bedeutung verschleiert. Sie scheint nicht mehr mit der Wirklichkeit konform zu gehen und erscheint auf diese Weise nun allegorisch zu sein.
Zudem war in alten Zeiten die geistige Person einer Gemeinschaft oder Gesellschaft noch nicht so entwickelt und die Idee von einer individuellen Persönlichkeit war noch vorherrschend. Deshalb wurden die gewaltigen Eigenschaften und die umfassenden Bewegungen einer Gemeinschaft dem Führer dieser Gemeinschaft zugeschrieben. Um nun solch wunderbarer, universaler Eigenschaften wert zu sein und ihnen entsprechen zu können, und weil es daher notwendig wurde, dass diese Personen einen gewaltig großen Körper, eine riesige Statur, gewaltige Kräfte und Fähigkeiten hatten, hundertmal größer und stärker als ihr tatsächlicher Körper, wurden sie auch dergestalt beschrieben. Das entsprach nun nicht mehr der Wirklichkeit und so wurde die ganze Erzählung allegorisch.
Wenn also nun die Umstände und Eigenschaften der beiden Deddjals zwar weit voneinander abweichen, so wurden sie dennoch in ihren noch unbestimmten Überlieferungen miteinander verwechselt und der eine für den anderen gehalten. Auch die Vorstellungen vom "Großen Mehdi", die mit den Erzählungen nicht übereinstimmen, die auf frühere Mehdis hinweisen, werden so zu einem allegorischen Hadith. Imam-i Ali hingegen, mit dem Gott zufrieden sein möge, erwähnt einzig den islamischen Deddjal(und nicht den Antichrist).
Hier endet die Einführung. Beginnen wir nun mit den Vorzeichen (des Weltendes).
* * *
Von jetzt an werden wir mit dem Beistand des Herrn (taufiq-i Rabbani)unter Hunderten von Beispielen solcher Erzählungen aus dem Verborgenen (hadithat-i gaybiye)dreiundzwanzig Vorzeichen ganz kurz und knapp erklären, die von Atheisten angeführt werden, um die Überzeugungen des einfachen Volkes zu untergraben. Und dabei erbitte ich die Hilfe des allbarmherzigen Herrn (rahmet-i Rabbani),dass diese Vorzeichen keinen Schaden anrichten werden, wie sich das die Atheisten vorgestellt haben, sondern zu einem wichtigen Grund dafür werden, dass der Glaube des einfachen Volkes dadurch gestärkt wird, dass jedes einzelne von ihnen als ein Blitzlicht erscheinen möge, das die Wunder des Propheten sichtbar werden lässt, sodass deren wahre Bedeutung erkannt und aufgezeigt wird. Auch erflehe ich von meinem Herrn und Erbarmer (Rabb-i Rahim)die Vergebung und Verzeihung (afq ve maghfiret)meiner Fehler und Irrtümer.
* * *
Zweites Kapitel (maqam) des Fünften Strahls (Shu'a) über die Vorzeichen
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes de Erbarmers des Allbarmherzigen."}
Erstes Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "Die Hand des Sufyan, der eine bedeutsame Erscheinung am Ende der Zeiten ist, wird ein Loch haben."
Wenn auch Gott (allein den Sinn dessen) kennt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende: Wenn jemand ausschweifend lebt, sich amüsiert und durch seine große Verschwendung sein Vermögen nicht zusammenhalten kann,
es vielmehr in seiner Verschwendung zwischen seinen Fingern zerrinnt, so sagt das Sprichwort von ihm: "Herr N.N. hat ein Loch in der Hand." Das heißt, er ist ein großer Verschwender.
Indem also der Sufyan die Verschwendung (auch noch) fördert, eine heftige Gier und Habsucht (hirs ve tama')weckt, wie die Hadith zu berichten weiß, macht er sich die Menschen dienstbar, indem er sie an dieser Schwachstelle zu packen bekommt. Sie sagt, dass ihr Gefangener wird, wer der Verschwendungssucht unterliegt; denn er stürzt in ihre Falle.
Zweites Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "Am Ende der Zeiten wird eine abscheuliche Person morgens aufstehen und auf ihrer Stirn wird geschrieben stehen: "Dies ist ein Ungläubiger (hadha kafir)."
Wenn auch Gott allein die Antwort kennt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende: Dieser Sufyan wird sich selbst jenen fränkischen (= europäischen) Kopfputz (= die Schirmmütze) aufsetzen, den zu tragen er auch jeden anderen zwingen wird. Nachdem dies jedoch gesetzlich und gezwungenermaßen durchgesetzt worden ist, so möge Gott es auch wollen (insha-a'llah),dass sich auch dieser Kopfputz vor Gott niederwirft (sedjde),damit ein jeder, der ihn - wenn auch widerwillig - trägt, dennoch dadurch nicht zum Ungläubigen (kafir)wird.
Drittes Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "Am Ende der Zeiten werden die despotischen Herrscher, besonders aber der Deddjal, ein falsches Paradies und (erlogene) Höllen haben."
اَلْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ
{"Das Wissen ist bei Gott."}
Eine Erklärung dazu ist folgende: In Kreisen der Regierung wird man einerseits wie andererseits Pläne für Schulen und Gefängnisse schmieden und diese einander entsprechenden Zustände werden als hässliche Nachahmungen (des Paradieses für) die Jungfrauen (huri)und Jungmänner (qhilman)
einerseits und Folterkammern und Gefängnisse (als Nachahmungen der Hölle) andererseits einen Hinweis (dieses dritten Vorzeichens) darstellen.
Viertes Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "In der Endzeit wird es niemanden mehr geben, der noch 'Allah, Allah' sagen wird."
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Eine Auslegung dazu sollte das Folgende sein:
Die Tekken, Dhikirhäuser und Medressen, in denen man "Allah!. Allah!. Allah!..." ruft, werden geschlossen werden und anstelle des Namens Gottes ("Allahu ekber!")wird man mit anderen Worten ("Tanri büyüktür!"),als diesen typischen Kennzeichen des Islam (edhan ve iqamah)zum Gebet rufen. Das aber heißt nicht, dass alle Menschen dem absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)verfallen werden. Denn Gott verleugnen zu wollen ist so weit entfernt von jeglicher Logik wie eine Verleugnung des Kosmos. Eine solche Haltung anzunehmen ist nicht für alle Menschen, ja noch nicht einmal für die meisten von ihnen logisch. Die Ungläubigen leugnen Gott noch nicht einmal, sie machen lediglich einen Fehler, was Seine Attribute (sifat)betrifft.
Eine andere Auslegung ist folgende:
Wenn der Weltuntergang (qiyamet)hereinbrechen wird, werden die Seelen der Gläubigen, um seine Schrecken nicht erleben zu müssen, kurz zuvor herausgezogen. Danach wird der Weltuntergang über den Ungläubigen (kafir)hereinbrechen.
Fünftes Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "Am Ende der Zeit werden einzelne Personen wie (z.B. auch) der Deddjal Göttlichkeit (uluhiyet)für sich in Anspruch nehmen und andere dazu veranlassen, sich vor ihnen niederzuwerfen."
Wenn auch Gott (allein die Antwort) kennt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende: So wie ein Beduinenhauptmann, der seinen König nicht anerkennen will, sich
in sich selbst und anderen Häuptlingen ein kleines Stückchen Königtum (hakimiyet)vorstellt, ebenso stellen sich diejenigen, die gekommen sind, um die Schule (mes'heb)der Naturalisten und Materialisten zu leiten, in sich selbst, ihrer Macht (quvvet)entsprechend, eine Art von Königsherrschaft (rububiyet)vor und lassen ihre Untertanen um dieser Macht (quvvet)willen vor sich selbst und ihren Standbildern in Dienst und Anbetung (ubudiyet)das Haupt beugen und sich vor ihnen verneigen (ruku).
Sechstes Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "Die Versuchung (fitnah)jener letzten Tage wird so schrecklich sein, dass niemand mehr seine Begierden (nefs)kontrollieren (hâkim)kann." Deswegen hat seit 1300 Jahren die ganze Gemeinde (ummah)auf Anweisung des Propheten (bei Gott) Zuflucht vor dieser Versuchung gesucht und nachdem sie (das Gebet der Zuflucht) vor der Folter des Grabes (gebetet hatten, auch das Gebet der Zuflucht)
مِنْ فِتْنَةِ الدَّجَّالِ.. مِنْ فِتْنَةِ اٰخِرِ الزَّمَانِ
{"vor der Versuchung durch den Deddjal und vor der Versuchung der letzten Tage"}
rezitiert.
Wenn auch Gott allein die Antwort kennt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende: Diese Versuchungen (fitnah)werden die Seelen (nefs)in sich hinein ziehen und sie gefangen nehmen. Doch die Menschen begeben sich freiwillig, ja sogar freudig in Versuchung. Zum Beispiel: Wenn Männer und Frauen gemeinsam nackt miteinander ins Bad (hamam)gehen und die Frauen sehr dazu geneigt sind, ihre Schönheit zu zeigen, werfen sie sich freiwillig der Versuchung in die Arme und gehen so auf Abwege. Die Männer aber, welche die Schönheit anbeten, werden von ihrer Leidenschaft (nefs)überwältigt, stürzen von Freude überwältigt ins Feuer und verbrennen. So ziehen denn Lustbarkeiten, wie Tanz und Theater, aber auch Sünden (kebair)und ketzerischen
Neuerungen (bid'a)in der (End-)Zeit die Vergnügungssüchtigen an, sammeln sie um sich wie die Motten (das Licht) und machen sie berauscht. Geschieht dies aber unter dem (inneren) Zwang (djebr-i mutlaq)(des Deddjal), so bleibt der (freie) Wille (ihtiyar)davon ausgeschlossen und so kann es (unter diesen Umständen) keine Sünde (günah)sein.
Siebentes Vorzeichen:
In einer Überlieferung heißt es: "Der Sufyan wird ein großer Gelehrter (alim)sein. Durch seine Gelehrsamkeit (ilm)wird er dem Irrtum (dalalet)verfallen. Und viele Gelehrte (alim)werden von ihm abhängig (tabi')sein."
Wenn auch das Wissen (ilm)allein bei Gott liegt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende:
Obwohl er nicht wie andere Könige seine Herrschaft (saltanat)auf seine Macht und Stärke (quvvet ve qudret),ein Volk, eine Nation, persönlichen Mut und ein eigenes Vermögen stützen kann, wird er dennoch diese Stellung durch seine Klugheit (zeka),seine Philosophie (fen),seine Diplomatie zu erobern wissen, sich die Denkweise (aqil)vieler Gelehrter durch seinen eigenen Gedankenreichtum (aql)unterwerfen und (alle) um ihn herum dazu bringen, seine Erlassschreiber (fetvaci)zu werden. Und er wird viele Gelehrte (muallim)für sich gewinnen, ihnen ein Wegweiser zu einer vom Religionsunterricht gesäuberten Erziehung werden und sich mit ganzer Kraft für deren allgemeine Verbreitung einsetzen.
Achtes Vorzeichen:
Überlieferungen weisen darauf hin, dass der Deddjal unter den Muslimen eine so furchtbare Verwirrung (fitna)hervorrufen wird, dass die ganze Gemeinde (ummah)davor bei Gott ihre Zuflucht suchen wird.
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Eine (mögliche) Auslegung ist folgende: Der Deddjal der islamischen Gemeinschaft hat seine Eigenarten. So erklären einige Erforscher der Wahrheit (ehl-i tahqiq)so wie bereits Imam-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, gesagt hatte: Der Deddjal (der Muslime) ist ein Sufyan. Er
wird unter den Muslimen auftauchen und sein Werk unter ihnen mit Lug und Trug verrichten. Dagegen hat auch der Große Deddjal außerhalb der islamischen Welt seine Eigenarten. Unter ihm werden diejenigen, die der nackten Gewalt und Unterdrückung (djebr ve djeberut-u mutlaq)des Großen Deddjal nicht Gehorsam leisten, zu Märtyrern. Doch die nur widerwillig Gehorsam leisten, werden nicht zu Ungläubigen (kafir),ja sie sind noch nicht einmal Sünder.
Neuntes Vorzeichen:
In den Überlieferungen heißt es, dass die Ereignisse, die dem Sufyan zugeschrieben werden, in Syrien (Sham)und anderen arabischen Ländern stattfinden werden.
Wenn auch das Wissen (ilm)allein bei Gott liegt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende: Da in alten Zeiten die Kalifen in Baghdad (Irak),Damaskus (Sham)und Medina residierten, stellten die damaligen Erzähler diese Ereignisse ihrer eigenen Sichtweise entsprechend so dar, als spielten sie ganz in ihrer Nähe, am "Sitz der islamischen Regierung", so als blieben (die Dinge stets unveränderlich weiter) so und (blieben mit ihren Erzählungen weiter) in Syrien (Haleb ve Sham)und fügten der Hadith ihre eigenen Betrachtungen (müdjmel haberlerini)hinzu.
Zehntes Vorzeichen:
In den Überlieferungen wird von der außerordentlichen Macht (iktidar)der Gestalten in der Endzeit berichtet.
Wenn auch das Wissen (ilm)bei Gott (allein) liegt, so ist eine (mögliche) Auslegung folgende: Es handelt sich hier um eine Anspielung auf diese gewaltige geistige Persönlichkeit, welche durch diese Gestalten repräsentiert wird. In einer Karikatur wurde einmal der japanische Oberkommandierende, der Russland besiegt hatte, mit einem Fuß im Pazifik und dem anderen Fuß in Port Arthur
{eine ehemalige russische Hafenstadt im heutigen China; wurde 1904 von den Japanern erobert. - A.d.Ü.}
dargestellt.
Genauso wird die furchterregende Größe dieser geistigen
Persönlichkeit, in der Darstellung seiner Gestalt, auch durch die Darstellung großer Statuen gezeigt. Was seine außergewöhnlichen, ja ans wunderbare grenzenden Fähigkeiten (iktidar)betrifft, so erscheinen seine Fähigkeiten (iktidar)deshalb als so ungewöhnlich, weil die meisten seiner Werke Zerstörung sind und Begehrlichkeit wachrufen und es nun einmal leicht ist, zu zerstören. Mit einem Streichholz kann man ein Dorf in Brand stecken. Was aber die Begehrlichkeit betrifft, so kann sie leicht zur Hysterie werden, weil die Seele (nefs)auf ihrer Seite ist.
Elftes Vorzeichen:
Eine Überlieferung sagt: "In der Endzeit wird ein Mann vierzig Frauen beaufsichtigen."
Wenn sich auch bei Gott (allein) die Antwort findet, so gibt es doch zwei (mögliche) Auslegungen:
Erstens:
In jener Zeit werden die gesetzlichen Ehen (meshru nikah)zurückgehen. Wer davor flieht, sich an eine einzige Frau zu binden, wird zum Hirten von vierzig unglücklichen Frauen, die allein geblieben sind.
Zweite (mögliche) Auslegung:
Es besteht ein Hinweis, dass unter diesen unruhigen Verhältnissen (fitnah)und in Kriegszeiten, sehr viele Männer ums Leben kommen werden. Zudem werden aufgrund einer Weisheit, die meisten (Kinder), die geboren werden, Mädchen sein.
Zwölftes Vorzeichen:
Eine Überlieferung sagt: "Des Deddjals erster Tag dauert ein Jahr, der zweite Tag einen Monat, der dritte Tag eine Woche und der vierte Tag einen Tag lang."
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Dazu gibt es zwei (mögliche) Auslegungen:
Erstens:
Es gibt einen Hinweis oder ein Zeichen, dass der Große Deddjal in der Arktis oder einer anderen nördlich gelegenen Gegend in Erscheinung treten wird. Denn in der Gegend des Nordpols ist das Polarjahr ein Tag und
eine Nacht. Wer einen Tag lang mit der Eisenbahn durch die dortigen Gegenden fahren könnte, würde dort im Sommer (erleben, dass) die Sonne einen Monat lang nicht unter geht. Würde er dort einen Tag lang mit dem Auto umherreisen, könnte er eine ganze Woche lang die Sonne sehen. Als ich noch in russischer Kriegsgefangenschaft war, befand ich mich (an der Kostroma) ziemlich in der Nähe dieser Gegend. {Das ist die Gegend der weißen Nächte, was nicht heißen soll, dass im Norden die Tage länger werden. Nur die Zeit, die es taghell bleibt, wird länger, da ja die Sonne nachts über den nördlichen Horizont wandert. - A.d.Ü.} Das aber heißt, dass der große Deddjal aus dieser Richtung her angreifen wird. Fürwahr eine wunderbare Voraussage.
Zweite (mögliche) Voraussage:
Sowohl der große Deddjal wie auch der islamische Deddjal (herrschen) über drei Zeit-Epochen der Tyrannei, welche die Bedeutung von drei Tagen haben. "An diesem ersten Tag seiner Regierungszeit wird er Werke von so großem Umfang durchführen, dass 300 Jahre zu ihrer Wiederherstellung nicht genügen. Am zweiten Tag, also in der zweiten Epoche, lässt er in einem Jahr solche Werke vollbringen, dass dreißig Jahre zu ihrer Wiederherstellung nicht genügen. Am dritten Tage wird man die bewerkstelligten Umwandlungen jener Epoche, wie sie in einem Jahr geschehen sind, nicht in zehn Jahren Jahre wiederherstellen können. Der vierte Tag wird eine ganz gewöhnliche Epoche sein, an dem er nichts mehr tun wird. Er wird sich nur noch darum bemühen, seine Stellung zu halten." So berichtet er seiner Gemeinde (ummah)mit einer großen Beredsamkeit.
Dreizehntes Vorzeichen:
Es gibt eine absolut sichere Überlieferung, die sagt: "Isa, mit dem der Friede sei, wird den großen Deddjal töten."
Wenn auch das Wissen (ilm)bei Gott (allein) liegt, so gibt es doch zwei (mögliche) Aspekte:
Der erste (mögliche) Aspekt ist folgender:
Wer diesen furchterregenden Deddjal, der andere durch seine Staunen erregenden Künste (istidradj),wie Magie, Magnetismus und Spiritismus zu fesseln und ihre Selbstüberschätzung dadurch noch zu steigern vermag und sich auf diese Weise an der Macht hält, dennoch zu töten und den Weg (meslek),den er gewiesen hatte, zu wenden vermag, kann nur eine wunderbare Person sein, einer der Wunder wirken kann und allgemein anerkannt ist. Diese Persönlichkeit ist am stärksten betroffen und der Prophet der meisten Menschen. Es ist Hazret Isa, mit dem der Friede sei.
Der zweite Aspekt ist der folgende:
Nachdem Isa selbst, mit dem Friede und Segen sei, mit seinem Schwert den Deddjal getötet hat, werden es nur noch die christlichen Geistlichen sein, welche die gewaltige Gestalt und geistige Persönlichkeit des von ihr gebildeten fürchterlichen Materialismus und der Glaubenslosigkeit (din)töten und seine atheistische Denkweise (fikr-i kufri)in der Ablehnung Gottes vernichten, das Wesen (haqiqat)der christlichen Religion (din-i Isevi)mit dem Wesen (haqiqat)des Islam amalgamieren und in dieser Kraft (den Deddjal)geistig töten und (seine Ideenwelt) wieder auflösen können. Die Überlieferung: "Hazret Isa, mit dem der Friede sei, wird kommen und Hazret Mehdi im Ausdruck und mit seiner Haltung im Gebet (namaz)folgen.", weist sogar auf diese Einigung (ittifak)hin und auf die Gefolgschaft, welche (die Christenheit) der Wahrheit (haqiqat)des Qur'an leisten und dessen Herrschaft (hakimiyet)sie sich beugen wird.
Vierzehntes Vorzeichen:
So wie die Ereignisse um Gog und Magog im Qur'an kurz zusammengefasst erwähnt werden, gibt es darüber auch eine ein wenig ausführlichere Überlieferung. Was aber diese Überlieferung betrifft, so ist sie kein fest umrissener Lehrsatz, wie diese kurzen, prägnanten Lehrstücke im Qur'an, sondern gelten in gewissem Grade als allegorisch. Sie bedürfen einer Auslegung. Gerade weil sich die Meinung des Erzählers mit ihnen vermischt hat, bedürfen sie einer deutlichen Erklärung. In der Tat:
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Dazu gibt es eine (mögliche) Auslegung: Es gibt eine Anspielung und einen Hinweis, dass zentralasiatische Reiterstämme, die der Qur'an in seiner himmlischen Sprache als "Gog und Magog" bezeichnet, in alter Zeit mehrmals ganz Asien in ein Tohu va Bohu verwandelt haben. Und genau so werden sie auch in Zukunft wieder die Welt (dunya)auf den Kopf stellen. Ja einige von ihnen finden sich selbst heute noch unter den kommunistischen Anarchisten. In der Tat entstand der Sozialismus (1830) während der Französischen Revolution (1789) durch die Besamung und Befruchtung des Liberalismus und wurde (als dessen Umkehrschluss) aus ihr geboren. Da aber der Sozialismus einen Teil von dem zerstört hatte, was bis dahin heilig war, verwandelten sich die Ideen, die er (den Menschen) eingeimpft hatte, in Bolschewismus (1903). Und da nun der Bolschewismus viele der heiligen, moralischen, menschlichen Werte korrumpierte und das menschliche Herz verdarb, wird er natürlich auch die Saat, die er ausgestreut hatte, nämlich die Anarchie, wieder ernten, die keine Beschränkungen welcher Art auch immer anerkennt, da sie gar keinen Respekt vor was auch immer hat. Sobald dann dieser Respekt und die Barmherzigkeit (hurmet ve merhamet)das menschliche Herz verlässt, macht ihr Verstand und ihre Klugheit diese Menschen furchtbaren und überaus grausamen Raubtieren gleich, weshalb sie durch politische (Maßnamen) nicht mehr gelenkt werden können. Was aber den Nährboden einer solchen anarchistischen Gedankenwelt betrifft, so wird dieser von den elenden, übervölkerten Nomadenstämmen gebildet werden, die zudem auch noch rückständig sind und nach ihren eigenen Gesetzen leben wollen. Was aber die Menschen betrifft, die diesen Bedingungen angepasst sind, so waren es die Völkerstämme im inneren Asiens, deretwegen
die chinesische Mauer errichtet wurde, die sich in ihrer Länge über vierzig Tagesreisen weit erstreckt und eine der sieben Weltwunder darstellt.
Fünfzehntes Vorzeichen:
Es gibt im Zusammenhang mit Hazret Isa, mit dem der Friede sei, folgende Überlieferung, wie er den Deddjal getötet hat: "Die Gestalt des Deddjal wird so gewaltig groß sein, dass sie selbst noch ein Minarett überragt. Im Verhältnis dazu wird Hazret Isa, mit dem der Friede sei als winzig klein dargestellt."
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Eine Auslegung müsste aber folgende sein:Es ist eine Anspielung und ein Zeichen, dass die geistige Gemeinschaft der Streiter (Mudjahid),die Hazret Isa, mit dem der Friede sei, im Lichte des Glaubens anerkennen und ihm folgen werden, sehr klein und gering an Zahl sein werden, im Vergleich zu den gut ausgebildeten, militärisch geschulten, ausgerüsteten und versorgten Armeen des Deddjals.
Sechzehntes Vorzeichen:
Eine Überlieferung sagt: "An dem Tag, an dem der Deddjal erscheint, wird die ganze Welt es hören; er wird in vierzig Tagen durch die ganze Welt reisen und (dabei)über einen wundersamen Esel verfügen."
Wenn auch Gott allein es weiß, so könnte doch, unter der Voraussetzung, dass diese Überlieferung vollkommen echt (tamamen sahih)ist, ihre Auslegung folgende sein: Diese Überlieferung berichtet wundersamer Weise, dass "zu Zeiten des Deddjal sich die Nachrichtenverbreitung und die Reisemöglichkeiten so weit entwickelt haben werden, dass eine Nachricht (hadithe)sich in einem Tag um die ganze Welt verbreiten wird. Sie wird über Radio ausgerufen werden, im Westen wie im Osten gehört werden und in allen Zeitungen zu lesen sein. Ein Mensch wird in vierzig Tagen
um die Welt reisen, die sieben Kontinente sehen und siebzig Länder besuchen.", und gibt uns so auf wunderbare Weise noch zehn Jahrhunderte vor ihrer Erfindung von Telegrafen und Telefonen, Radio, Eisenbahnen und Flugzeugen Kunde.
So wird man denn von dem Deddjal nicht aufgrund seiner eines Deddjals würdigen Fähigkeiten (haysiyet)hören, sondern weil er ein Herrscher (kral)ist, der die Eigenschaften (sifat)eines Diktators hat. Auch wird er nicht umherziehen, um sich alle Länder zu unterwerfen, sondern um Unruhe und Aufruhr (fitnah)zu stiften und die Menschen von rechten Wege ab zu leiten. Was aber sein Reittier, also diesen Esel betrifft, so wird dies nicht die Eisenbahn sein, dessen eines Ohr, dessen Kopf dem feurigen Schlund der Hölle gleicht, während das andere Ohr zu einem falschen Paradies geschmückt und ausgestattet sein sollte. Er sendet seine Feinde zu seinem feurigen Kopf und seine Freunde zu seinem festlich geschmückten Kopf. (Nein!) Vielmehr wird sein Esel, also sein Reittier dieses fürchterliche Automobil sein, oder ein Flugzeug, oder, oder... (hier muss man schweigen!)
Siebzehntes Vorzeichen:
Eine Überlieferung sagt: "Wenn meine Gemeinde (ummah)auf dem rechten (istiqamet)Weg bleibt, wird sie einen Tag haben." Das heißt:
فِى يَوْمٍ كَانَ مِقْدَارُهُ أَلْفَ سَنَةٍ
{"An einem Tag, dessen Maßstab Tausend Jahren gleicht." (Sure 32, 5)}}
Dem Sinn (sirr)dieser Ayah entsprechend wird sie die Herrschaft und den Glanz von Tausend Jahren haben. Wandeln sie aber nicht auf dem rechten Weg, haben sie nur einen halben Tag. Es bleiben ihnen also nur fünfhundert Jahre ihrer Herrschaft (hakimiyet),wo sie siegreich sein werden.
Doch Gott allein weiß es: Diese Überlieferung gibt uns keine Nachricht über den Jüngsten Tag (qiyamah),sondern erzählt von der siegreichen Herrschaft des Islam und der
Herrschaft (saltanat)der Kalifen, (welche Voraussage) sich als wahr (haqiqat)und ein Wunder aus dem Verborgenen (mu'djize-i ghaybiye)erwiesen hat. Denn weil am Ende des Kalifats der Abbassiden die Politiker ihre Orientierung (istiqamet)verloren hatten, hatte (dieses Kalifat) nur fünfhundert Jahre bestand. Da aber die Gemeinde (ummah)in ihrer Gesamtheit nicht vom rechten Wege (istiqamet)abgewichen ist, eilten ihr die osmanischen Kalifen zu Hilfe und so verlängerte sich die Herrschaft (der Kalifen) bis zu 1300 Jahren. Da aber danach auch die osmanischen Politiker ihre Orientierung (istiqamet)verloren, blieb auch dieses Kalifat nur fünfhundert Jahre bestehen und so bestätigte das Kalifat der Osmanen mit seinem Ende (vefat)die wunderbare Voraussage (ihbar)dieser Hadith. Da aber nun diese Hadith bereits an anderer Stelle behandelt worden ist, können wir uns hier damit begnügen.
Achtzehntes Vorzeichen:
In den Überlieferungen gibt es viele verschiedene Berichte über Hazret Mehdi, mit dem Gott zufrieden sein möge, der ein Zeichen der Endzeit sein und aus dem Hause des Propheten (Al-i Beyt-i Nebevi)entstammen wird. Ja, es gibt sogar einige unter den Wissenschaftlern (ehl-i ilim)und unter den Freunden Gottes (ehl-i velayet),die behaupten, dass er schon lange erschienen sei.
Wenn auch Gott (allein) die Antwort weiß, so könnte doch die Auslegung all der verschiedenen Überlieferungen folgende sein: Der Große Mehdi hat viele Aufgaben. So wie er in der Welt der Politik (siyaset),in der Welt der Religion (diyanet),in der Welt der Herrschaft (saltanat),in der Welt ernsten Strebens (Djihad)auf vielen Gebieten seine Aufgaben hat, so besteht auch eine Notwendigkeit, immer wenn die Zeit gekommen ist, dass eine Art Mehdi kommt, der immer dann, wenn (die Menschen) verzweifelt sind, sie wie in jeder Epoche in seiner geistigen Kraft tröstet und stärkt oder die Möglichkeit, dass ein Mehdi ihnen in der jeweiligen Zeit zu Hilfe kommen kann. Daher ist in jeder Epoche,
ja in jedem Jahrhundert durch die Barmherzigkeit Gottes eine Art Mehdi aus dem Hause des Propheten erschienen, um das Gesetz (Schariah)der Väter zu wahren und seine Tradition (Sunnah)neu zu beleben, wie z.B. der Mehdi der Abbassiden (Baghdad)für die weltlichen Angelegenheiten (siyaset),sowie Ghauth-i Adham, Schah-i Naqshiband, die vier Pole (aqtab-i erbaa)und die Zwölf Imame und andere Persönlichkeiten, welche einen Teil der Aufgaben des Großen Mehdi für die religiösen (diyanet)Angelegenheiten übernommen haben. Da es sich bei den Überlieferungen über den Mehdi um eine Vorausschau Mohammeds handelt, mit dem der Friede sei, und die Überlieferungen (in ihrem Wortlaut) verschieden auslegbar sind, sagt ein Teil der Kenner der Wahrheit (ehl-i haqiqat):"Er ist schon vor langer Zeit erschienen." Wie dem auch sei... Da diese Angelegenheit bereits in der Risale-i Nur behandelt worden ist, überlassen wir ihr (die Diskussion darüber) und sagen hier nur: Es gibt in dieser Welt (dunya)keinen Clan, in dem (die Menschen) einander so sehr unterstützen, keinen Stammesverband, in dem (die Menschen) so aufeinander abgestimmt sind und keine Gesellschaft oder Gemeinschaft (djemaat),die so erleuchtet ist, dass man sie mit der Familie des Propheten (Al-i Beyt),seinem Clan, seinem Stamm, seiner Gesellschaft oder Gemeinschaft (djemaat)vergleichen könnte.
Die Familie des Propheten (Al-i Beyt)hat in der Tat Hunderte heiligmäßiger tapferer Männer hervorgebracht, Tausende geistliche Kommandanten an die Spitze ihrer Gemeinschaft (ummah)gestellt. Sie wachsen und gedeihen aus dem Quellgrund qur'anischer Wahrheiten (haqiqat),dem Licht des Glaubens (iman)und der Würde der Islamiyet und es ist daher vollkommen logisch, dass in der Endzeit durch die Wiederbelebung, die Verkündigung und Anwendung des mohammedanischen Gesetzes (Schariah),der Wahrheit der (qur'anischen) Unterscheidung und der Sunna Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, sie der Welt gegenüber die vollkommene Gerechtigkeit (kemal-i adalet)
und Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)des Großen Mehdi, ihres Oberkommandierenden repräsentieren werden. Das aber ist sowohl eine besondere Notwendigkeit und zwangsläufig ein Erfordernis der Prinzipien des Lebens in der menschlichen Gesellschaft.
Neunzehntes Vorzeichen:
Die Sonne wird im Westen aufgehen und aus dem Boden wird ein Erdtier (dabbetul'ard)hervortreten.
Was aber den Aufgang der Sonne im Westen betrifft, so ist dies ein Zeichen (des Tages) der Auferstehung (alamet-i kiyamet).Weil dies aber dergestalt offensichtlich ist, wird es ein himmlisches Ereignis (hadithe-i semaviye)sein, das das Tor zur Vergebung (tövbe)schließt, die an den Verstand (aql)und den freien Willen (ihtiyar)gebunden ist. Seine Auslegung und Bedeutung ist daher offensichtlich und bedarf keiner weiteren Auslegung. Es genügt daher das folgende:
Wenn auch Gott es am besten weiß, so wird doch der ganz offensichtliche Grund dafür der sein: Sobald der Qur'an, der der Verstand (aql)im Haupt des Erdenrundes ist, aus diesem Kopf entweicht, verliert die Erde ihren Verstand. Sollte dieser Kopf durch Gottes Erlaubnis mit einem anderen Planeten zusammenstoßen, so würde er sich in seiner Bewegung umkehren, seine Bewegung von West nach Ost würde sich durch Gottes Willen (irade-i Rabbani)von Ost nach West umkehren und die Sonne nun im Westen aufzugehen beginnen. Der Qur'an ist in der Tat das feste Band (hablu-'llah-i'l-metin),mit dem Gott die Erde mächtig an die Sonne bindet (Sure 3, 103), und der Boden für den Thron Gottes. Würde seine Schwerkraft von ihm abgeschnitten, ginge dieses Band mit dem Erdenrund zugrunde. (Die Erde) hinge verloren (im All). Ihre Bewegung würde sich umkehren und die Sonne würde in einer unkontrollierten Bewegung im Westen aufgehen. Es gibt da aber noch eine andere mögliche Art der Auslegung: durch eine derartige Kollision würde durch Gottes Weisung (emri Ilahi)der Tag der Auferstehung (kiyamet)hereinbrechen.
Zwanzigstes Vorzeichen:
Das Tier aus der Erde (dabbetul'ard):Es gibt im Qur'an einen besonders prägnanten Hinweis, eine kurze, non verbale Darstellung (lisan-i hal),einen Ausdruck, zu dem ich die Auslegung z.Zt. gleich anderen ähnlichen Beispielen nicht mit völliger Sicherheit angeben kann. Doch soviel möchte ich noch dazu sagen:
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
So wie das Volk des Pharao von "Flöhen und einer Heuschreckenplage" und das Volk des Ebrehe, das die Kaaba zu zerstören suchte, von "Vogelschwärmen (Ebabiel)"(Sure 105, 3) heimgesucht wurde, so wird ein Tier aus der Erde hervorkommen, die Menschen heimsuchen, die infolge einer von den Sufyanen und Deddjallen angestifteten Revolution und die Anarchie unter Gog und Magog wissentlich und wollendlich (gegen Gott) rebellieren und sich (gegen Ihn) auflehnen und dem Verderben (fesad)verfallen sind, in Gottlosigkeit, Glaubenslosigkeit und Undankbarkeit gestürzt sind, und das unterste zuoberst kehren, um sie wieder zur Besinnung zu bringen. Und wenn auch Gott es am besten weiß, wird (es sich dabei nicht um ein einzelnes) Tier, (sondern eine ganze) Tierart handeln. Denn wenn es nur ein einzelnes gewaltig großes Tier wäre, könnte es doch nicht überall hin gelangen. Das heißt, es wird eine wahrhaft fürchterliche Tierart sein. Vielleicht wird dieses Tier, einem Hinweis der Ayah
دَآبَّةُ الْاَرْضِ تَأْكُلُ مِنْسَأَتَهُ
{"...bis ein Tier aus der Erde, das seinen Stock zerfraß..." (Sure 34, 14)}
entsprechend eine Art Holzwürmer (oder Termiten?) sein, die hier als "ein Tier aus der Erde" (dabbetu-l'ard)bezeichnet werden, die die Knochen der Menschen zernagen werden, als ob sie aus Holz wären, und sich in den
Zähnen des Menschen ansiedeln bis hin zu seinen Nägeln. Doch die Gläubigen werden durch den Segen (barakah)des Glaubens (iman)gerettet werden, wenn sie sich von ihren Ausschweifungen und jeglichem Missbrauch abkehren. Mit diesem Hinweis spricht das Tier in dieser Ayah (Sure 27, 82) über den Glauben.
رَبَّنَآ لاَ تُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَأْنَا
{"Oh Herr, ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir vergesslich waren oder einen Fehler begangen haben." (Sure 2, 286)}
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen besitzen wir, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Als Anhang zu den vorausgegangenen zwanzig Vorzeichen (mesele)hier noch drei kleinere Fragestellungen (mesele):
Erste Fragestellung:
Genauso wie in einigen Überlieferungen Hazret-i Isa, mit dem der Friede sie, als der "Messias" bezeichnet wird, so wird auch den beiden Deddjallen der Titel "Messias" verliehen, und in allen Überlieferungen heißt es:
مِنْ فِتْنَةِ الْمَسِيحِ الدَّجَّالِ... مِنْ فِتْنَةِ الْمَسِيحِ الدَّجَّالِ
{"...vor der Verführung des Messiha-d'Deddjal ...vor der Verführung des Messiha-d'Deddjal..."}
Was ist die Weisheit und welches die Auslegung dazu?
Antwort:
Wenn auch Gott allein die Antwort kennt, so ist doch die Weisheit, die darin liegt, folgende: So wie das Christentum (auf Beschluss des Apostelkonzils) einen Teil der schweren Vorschriften des Mosaischen Gesetzes aufgehoben und manche Dinge erlaubt (helal)hat, so wird auch der Große Deddjal durch die Verführung des Teufels und seine Beeinflussung die Geltung der christlichen Gebote aufheben, und indem er den Bund (rabita)zerstört, der das christliche Gemeinschaftsleben bestimmt, wird er für Gog und Magog den Boden zu ihrer Anarchie vorbereiten. In ähnlicher Weise wird auch ein Sufyan, als der Deddjal des Islam, durch die Einflüsterungen der Begierde (nefs)und des Teufels versuchen, einige der ewigen Anordnungen des mohammedanischen Gesetzes aufzuheben und die materiellen und spirituellen (manevi)Bindungen (rabita)des menschlichen Lebens zu zerstören, wonach er die wankelmütigen, betrunkenen, berauschten Seelen (gleich streunenden Hunden) zurücklässt und dabei die lichtvollen Bindungen der Achtung und der Barmherzigkeit (hurmet ve merhamet)löst und indem er ihnen eine Freiheit schenkt, die sie zugleich versklavt, sodass sie in einem Sumpf stinkender Leidenschaften einander verfallen sind und ihnen eine Freiheit gibt,
die (sie nicht selbst gewählt haben, ihnen vielmehr) aufgezwungen wurde und so einer furchtbaren Anarchie den Weg bereitet, wird man die Menschen nicht mehr anders unter Kontrolle halten können als durch eine besonders rigorose Zwangsherrschaft.
Zweite Fragestellung:
In den Überlieferungen ist von den wunderbaren Dingen die Rede, welche die beiden Deddjale vollbringen werden, von ihren so außergewöhnlichen Fähigkeiten (iktidar)und all ihrem äußeren Glanz. Ja es wird sogar darüber berichtet, dass einige unglückselige Menschen ihnen eine Art von Göttlichkeit zuschreiben wird. Was ist der Grund dafür?
Antwort:
اَلْعِلْمُ عِنْدَ اللّٰهِ
{"Wenn auch bei Gott allein das Wissen darüber ist"},
so lässt sich doch über die großen und wunderbaren Dinge, die sie vollbringen werden, folgendes sagen: da es sich bei den meisten Dingen nur um Zerstörung und die Erweckung (tierischer) Lust handelt, können sie leicht derartige wunderbare Dinge vollbringen. So heißt es z.B. in einer Überlieferung: "Ihre Tage werden gleich Jahren sein.", d.h. die Taten, die sie in einem Jahr vollbringen, können nicht in dreihundert Jahren wieder ins Lot gebracht werden. Ihre Fähigkeiten werden in vierfacher Hinsicht als ganz außergewöhnlich angesehen werden. Dafür gibt es folgende Gründe:
Erstens:
Da sie (alle) Taten, die unter der Diktatur in ihrem Riesenreich verrichtet werden, und alle guten und fortschrittlichen Dinge, die nur durch den Mut ihrer Heere und den Einsatz eines mächtigen Volkes zustande kommen konnten, in ihrem Größenwahn (istidradj)ungerechter Weise sich selbst zuschreiben, führt dies dazu, dass man sich vorstellt, dass diese Personen so mächtig wie Tausend Mann sein werden. Statt dessen sollte aber in Wirklichkeit und grundsätzlich alles, was eine Einheit in gemeinsamem Einsatz
an Gutem, an Ehre und Beute gemacht hatte, unter dieser Gemeinschaft verteilt und den Einzelnen gegeben werden. Handelt es sich aber dabei um Bosheit, um Zerstörungen und Verluste, dann sollte man diesen Mangel an entsprechenden Maßnahmen und alle Fehler dem jeweiligen Oberkommandierenden zuschreiben. Zum Beispiel: Erobert ein Bataillon eine Burg, gehört alle Beute und die Ehre seinen Bajonetten. Treten aber infolge falscher Maßnahmen Verluste ein, werden diese dem Kommandanten zugeschrieben.
So werden denn in Wirklichkeit und grundsätzlich und völlig im Gegensatz zu Recht und Wahrheit (haq ve haqiqat)jeder Fortschritt hin zum Guten und alles Positive diesen furchtbaren Anführern, alles Negative und alle Bosheiten ihrem unglückseligen Volk zugeschrieben. So werden diese Personen, die eigentlich die Verachtung aller verdient hätten, aufgrund dieses Größenwahns (istidradj)von Seiten aller Gottvergessenen (ehl-i ghaflet)eine allseitige Liebe erfahren.
Zweitens:
Da jeder der beiden Deddjale sich so extrem despotisch verhalten wird, ihre Ungerechtigkeit so gewaltig und ihre Schreckensherrschaft so außergewöhnlich und so fürchterlich sein wird, werden sie auch als so außergewöhnlich mächtig angesehen. Ja, ihr Despotismus ist in der Tat dermaßen ungewöhnlich, dass sie sich sogar unter dem Deckmantel des Gesetzes in jedermanns Gewissen und alles, was ihnen heilig ist, einmischen, ja selbst (in die Art) ihrer Bekleidung. So denke ich, dass die Liberalen unter den Türken und in der islamischen Welt gegen Ende des vorigen Jahrhunderts diese abscheuliche Zwangsherrschaft bereits als eine Art Vorahnung in sich verspürt, ihre Pfeile auf sie gerichtet und sie angegriffen haben. Doch sie wurden bitter enttäuscht und griffen ein falsches Ziel an der verkehrten Front an. Und es war ein solcher Despotismus und eine solche Unterdrückung, dass man um eines Mannes willen Hundert Dörfer zerstörte und Hunderte von unschuldigen (Menschen) dafür bestrafte, umsiedelte und ins Verderben schickte.
Drittens:
Da beide Deddjale die Unterstützung eines jüdischen Geheimkomitees gewonnen hatten, das eine heftige Begierde nährte, sich an den Christen und den Muslimen zu rächen, sowie den Beistand eines weiteren schrecklichen Komitees unter dem Deckmantel der Befreiung der Frauen, und da es dem islamischen Deddjal sogar gelungen war, das Komitee der Freimaurer zu täuschen und ihre Hilfe zu erhalten, dachte man, dass sie über eine furchtbare Macht (iktidar)verfügten. Auch versteht man aufgrund von Offenbarungen einiger Gottesfreunde, dass der sufyanische Deddjal sich an die Spitze der islamischen Regierung setzen, einen besonders fähigen (muktedir),genialen und sehr regen (faal)Ministerpräsidenten finden wird, der kein Aufsehen wünscht und keinen Wert auf persönlichen Ruhm und Ansehen (shan u sheref)legt, sowie einen Kriegsminister, der besonders dazu fähig (iktidar)ist, tapfer (metin),energisch und resolut, der sich nicht zu bloßer Ruhmsucht (riya)herablässt, und sie in seine Dienste stellen wird. Unter Ausnützung ihrer Bescheidenheit wird er ihre außerordentlich glanzvollen und genialen Werke sich selbst zuschreiben und ebenso die Fortschritte, die sie erreicht haben, auf welche Weise er dann, was sie, getrieben von dem dringenden Bedürfnis bewirkt haben, das aus der Erneuerung des riesigen Heeres, der Umgestaltung der Regierung, dem Umsturz und den Umwälzungen des Weltkrieges entstanden ist, seiner eigenen Person anrechnen und so durch seine Lobredner überall das Gerücht verbreiten, dass er über ganz außerordentliche, ja geradezu wunderbare Kräfte (iktidar)verfüge.
Viertens:
Der Große Deddjal wird über fantastische, ans Spiritistische grenzende Fähigkeiten (hassalar)verfügen. Das Auge des islamischen Deddjal wird auch eine fantastische magnetische Ausstrahlung haben. Es gibt zudem eine Überlieferung, die besagt: "Der Deddjal wird auf einem Auge blind sein." Indem sie ihre Aufmerksamkeit auf dieses Auge lenkt, verweist sie darauf, dass das eine Auge des Großen Deddjal blind und ein Auge des anderen (Deddjal)im Vergleich mit seinem anderen Auge blind sein wird, womit
diese Hadith andeutet, dass sie, weil sie ja völlig ungläubig (kafir-i mutlaq)sein werden, sie auch nur ein Auge haben werden und ihre Sichtweise auf diese Welt (dunya)beschränkt sein wird und weist damit darauf hin, dass sie für die Folgen (ihrer Taten) keinen Blick und für das Jenseits (ahirah)kein Auge haben werden.
Auch ich habe den islamischen Deddjal in einer geistigen Schau (manevi alem)gesehen. So konnte ich mit eigenen Augen sehen, dass nur ein Auge diesen fantastischen Magnetismus ausübte und erkannte, dass er (Gott) ganz und gar verleugnete. So wird er denn mit dieser Dreistigkeit und Frechheit, die aus seiner absoluten Verleugnung (inkar-i mutlaq)erwächst, alles angreifen, was (den Menschen) heilig ist. Weil aber das einfache Volk die tatsächlichen Verhältnisse (haqiqat-i hal)nicht kennt, wird es (seine Macht) für eine staunenswerte Kraft (iktidar)und eine besondere Kühnheit halten.
Da also ein solcher fantastischer (istidradj),ruhmreicher, vom Glück begünstigter, erfolgreicher und listenreicher Kommandant einer (bis dahin) ruhmreichen und heldenhaften Nation in der Zeit ihrer Niederlage erscheint, werden sie ihn mit ihrem Sinn für das Heldenhafte umjubeln, ihm einen Ehrenplatz einräumen und versuchen, seine schlechten Taten zu überdecken ohne seine verborgene, abscheuliche Natur (mahiyet)in Betracht zu ziehen. Doch aus den Überlieferungen wird verständlich, dass das heldenhafte und kampferprobte (mudjahid)Heer und eine gläubige (din)Nation mit dem Leuchten des Glaubens (nur-u iman)und dem Licht des Qur'an in ihrer Seele (ruh)die tatsächliche Lage (haqiqat-i hal)erkennen und versuchen werden, nach den (von ihm angerichteten), so furchtbaren Zerstörungen, nun wieder aufzubauen.
Dritte kleine Fragestellung:
Es handelt sich um drei beispielgebende Vorfälle (hadithe)
Erster Vorfall (hadithe):
Einmal zeigte der Ehrenwerte Prophet, mit dem der Friede und Segen sei, Hazret Omar, mit dem Gott zufrieden sein möge, auf eines unter den jüdischen
Kindern hin und sagte: "Dieses trägt sein Gesicht." Daraufhin entgegnete Hazret Omar, mit dem Gott zufrieden sein möge: "So werde ich es also töten." Doch jener wendete mit folgender Verlautbarung (ferman)ein: "Wäre er der Sufyan und der islamische Deddjal, so könntest du ihn nicht töten und wenn er es nicht wäre, so dürfte er nicht getötet werden, (nur weil er) so ähnlich (surah)aussieht."
Diese Überlieferung weist darauf hin, dass sowohl sein Bild in dieser Zeit auf vielen Dingen zu sehen sein wird, und auch er selbst unter den Juden geboren werden wird. Es ist jedoch eigenartig, dass (gerade) Hazret Omar, mit dem Gott zufrieden sein möge, der sich über dieses Kind mit dem Gesicht (des Deddjal)so sehr ärgerte und ihm so sehr feindselig gesinnt war, dass er es töten wollte, sich (am Ende) als derjenige herausstellte, den der Sufyan so ganz besonders verehrte und bewunderte und über den er so viele Male mit Hochachtung und Lobpreis sprach.
Zweiter Vorfall (Hadithe):
Viele (Leute) erzählen, dass der islamische Deddjal neugierig ist, zu wissen, was die Sure وَالتِّينِ وَالزَّيْتُونِ {"Bei der Feige und der Olive" (Sure 95, 1)} bedeutet und danach fragt. Es ist dabei merkwürdig, dass der Satz اِنَّ الْاِنْسَانَ لَيَطْغٰى {"Fürwahr, der Mensch ist rebellisch." (Sure 96, 6)} aus der Sure اِقْرَاْ بِاسْمِ رَبِّكَ {"Lies! Im Namen deines Herrn" (Sure 96, 1)} entsprechend dem Zahlenwert seiner Buchstaben (djifr)und seiner Bedeutung gleichzeitig auf seine Zeit und seine Person hinweist und dabei zeigt, dass er rebellisch gegen die
Leute des Gebets (salah)vorgehen wird. Das heißt, dass dieser größenwahnsinnige (istidradj)Mensch (sehr wohl) spürt, dass eine (dieser beiden) kurzen Ayat (= suren)ihn selbst betrifft. Er irrt sich jedoch dabei und klopft dabei an der Türe ihrer Nachbarin. {d.h. er verwechselt diese beiden kurzen Ayat miteinander - A.d.Ü.}
Dritter Vorfall:
In einer Überlieferung heißt es: "Der Deddjal wird in Khorassan in Erscheinung treten." لاَيَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Wenn auch niemand das Unsichtbare kennt, außer Gott,"} so ist doch eine mögliche Auslegung die folgende: Das türkische Volk, {d.h. die in der Zeit des Propheten in der Gegend von Khorassan lebenden Seltjuken - A.d.Ü.} welches im Osten das mutigste, mächtigste und zahlreichste war und schließlich das tapferste islamische Heer (z.Zt. der Kreuzfahrer) stellte, sich z.Zt. dieser Überlieferung in Khorassan befand und noch nicht in Anatolien heimisch geworden war. Die Erwähnung ihres Wohnsitzes (Khorassan)in damaliger Zeit weist darauf hin, dass der sufyanische Deddjal unter ihnen erscheinen werde.
Das ist doch merkwürdig, ja wirklich sehr merkwürdig: er versucht hier die türkische Nation, die über siebenhundert Jahre in der Hand des Qur'an als Zeichen ihres Ruhmes das blitzende diamantene Schwert des Islam war, und die nationaltürkische Bewegung (türktjülük)zeitweilig gegen einen Teil der Kennzeichen des Islams zu missbrauchen. Doch er wird dabei keinen Erfolg haben und sich wieder zurückziehen. So versteht man denn aus den Überlieferungen: "Das heldenhafte Heer rettet allzeit die Zügel aus seinen (des Deddjals)Händen."
وَاللّٰهُ اَعْلَمُ بِالصَّوَابِ ٭ لاَيَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّاللّٰهُ
{"Und Gott (allein) kennt die Antwort. Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
Sechster Strahl
Besteht aus nur zwei Punkten
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Der Sechste Strahl besteht aus zwei Antworten auf zwei Fragen, zwei Punkte betreffend, die sich auf die Formeln im Abschnitt "teshahhud"in dem Gebet (namaz)beziehen, das beginnt:
اَلتَّحِيَّاتُ اَلْمُبَارَكَاتُ اَلصَّلَوَاتُ اَلطَّيِّبَاتُ لِلّٰهِ
{"Aller Lobpreis, Verherrlichung, Segen, Gebet und jedes gute Wort gebührt Gott....."}
Indem wir die Erklärungen der übrigen Wahrheiten, wie sie in der obigen Formel (teshahhud)enthalten sind, auf ein andermal verschieben, wollen wir in diesem "Sechsten Strahl" nur zwei unter hundert Punkten kurz und bündig erklären.
Erste Frage:
Die gesegneten Worte dieser Formel (teshahhud)sind ein Dialog zwischen Gott dem Gerechten und Seinem Gesandten in der Nacht seiner Himmelfahrt (mi'radj).Worin liegt also der Sinn ihrer Rezitation während des Gebetes (namaz)?
Antwort:
Das Gebet (namaz)aller Gläubigen ähnelt gewissermaßen ihrer Himmelfahrt (in die göttliche Allgegenwart). Was aber die Worte betrifft, die einer solchen Gegenwart (huzur)würdig sind, so handelt es sich dabei um die Worte, die während der Großen Himmelfahrt Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, gewechselt
wurden, und jedes Mal, wenn sie rezitiert (dhikr)werden, wird diese heilige Begegnung (sohbet)in Erinnerung gerufen. Mit dieser Erinnerung aber, steigen diese gesegneten Worte in ihrer individuellen Bedeutung zu einer universellen Bedeutung auf und ihre geheiligte, umfassende Bedeutung wird (für jeden) vorstellbar (tasauvur),bzw. kann (sich nun jeder) vorstellen. Unter dieser Art Meditation (tasauvur)wird ihr Wert und ihr Licht (Nur)erhöht und breitet sich aus.
So sagte z.B. der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, anstelle des (sonst üblichen) Friedensgrußes (selam)in jener Nacht zu Gott dem Gerechten:
اَلتَّحِيَّاتُ لِلّٰهِ
{"Aller Lobpreis gebührt Gott!"}
Das aber heißt: "Oh mein Herr! Der lebendige Lobpreis (tesbihat-i hayatiye),den Dir alle lebenden Wesen mit ihrem Dasein entgegenbringen, die Gaben, die sie ihrem Meister (Sani')in der Art darbieten, wie sie ihrer Natur entspricht, gebühren Dir allein. So will nun auch ich sie Dir in meiner Vorstellung (tasauvur)und durch meinen Glauben (iman)darbringen." So wie denn in der Tat der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, mit dem Wort اَلتَّحِيَّاتُ {"aller Lobpreis (at-Tahiyat)"} seine Absicht (niya)erklärte, (Gott) all die Anbetung aufzuopfern, die die lebenden Wesen der Art ihrer Erschaffung entsprechend darbringen (ibadat-i fitriye),so bringt er in ähnlicher Weise auch mit dem Wort اَلْمُبَارَكَاتُ {"Segnungen (mubarakat)"}, in dem sich aller Lobpreis Gottes (tahiyat)konzentriert,
die natürlichen Segnungen und alle Fülle, den Dienst und die Anbetung der Geschöpfe, besonders aber der Saaten und Samenkörner und der Eier dar, welche die Fülle aller Segnungen zum Ausdruck bringen und darum segensreich genannt werden, weil sie die Essenz des Lebens und aller lebenden Wesen sind, und die daher ein Anlass sind, auszurufen: "Wie groß sind Gottes Segnungen! (baraka'llah)".Dies sagte er in des Wortes weitester Bedeutung.
Mit dem Wort اَلصَّلَوَاتُ {"Gebete",} welches alle Segnungen (barakat)in sich umfasst, rief er sich all die vielen Arten des Dienstes und der Anbetung, welche die verschiedenen beseelten Wesen (ruh)verrichten, die ja gewissermaßen eine Zusammenfassung aller lebenden Wesen (hayat)darstellen, vor Augen (tasauvur)und brachte sie an der Schwelle (dergah)Gottes in dieser alles umfassenden Bedeutung dar.
Mit dem Wort اَلطَّيِّبَاتُ {"Gutes",} das eine Zusammenfassung aller Gebete (salavat)ist, sprach er gewissermaßen den lichtvollen Dienst und die hohe Anbetung aller vollkommenen Menschen (kamil insan)und der Thronengel (Cherubim) an, die alle beseelten Wesen in sich umfassen und brachte sie dem Einen und einzig Angebeteten (ma'bud)als Ihm allein gebührend dar.
Und so wie ferner in dieser Nacht von Seiten Gottes des Gerechten (Djenab-i Haqq)gesagt wurde:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَآ اَيُّهَا النَّبِىُّ
{"Friede sei mit Dir, oh Prophet!",}
was ein Hinweis und indirekt auch ein Befehl an die vielen hundert Millionen Menschen, von denen in Zukunft jeder Einzelne wenigstens zehn Mal an jedem Tag sagen würde:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَآ اَيُّهَا النَّبِىُّ
{"Friede sei mit Dir, oh Prophet!",}
womit dieses Wort durch den Gruß Gottes ein weithin strahlendes Licht und seine hohe Bedeutung empfängt, so brachte auch der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, indem er diesen Gruß erwiderte, als er sagte:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْنَا وَعَلٰى عِبَادِ اللّٰهِ الصَّالِحِينَ
{"Friede sei über uns und allen aufrichtigen Dienern Gottes."}
zum Ausdruck, dass er seinen Schöpfer bittend und betend darum ersuchte, dass in Zukunft seine gewaltig große Gemeinde und alle Rechtschaffenen (Salih)in seiner Gemeinde zu jenem Islam (d.h. Hingabe) gelangen werden, der diesen göttlichen Frieden (selam)zum Gruß und Inhalt hat, und dass die Gläubigen seiner ganzen Gemeinde einander mit:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ وَعَلَيْكَ السَّلاَمُ
{"Friede sei mit Dir! und auch mit Dir sei der Friede!"}
grüßen werden, was zwischen allen Gläubigen (mu'min)ein allgemeines Merkmal des Islam ist.
Der Erzengel Gabriel (Hasret Djebrail),der auch an dieser (himmlischen) Begegnung (sohbet)seinen Anteil nahm, sagte in dieser Nacht auf göttlichen Befehl (emr-i Ilahi):
اَشْهَدُ اَنْ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَاَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt, außer Gott, und ich bezeuge, dass Mohammed, der Gesandte Gottes ist",}
womit er die frohe Botschaft verkündete, dass die ganze
Gemeinde (umma)auf diese Weise Zeugnis ablegen werde bis zum Jüngsten Tage. Ruft man sich diesen heiligen Grußwechsel in Erinnerung, so gewinnt die Bedeutung dieser Worte an Weite und Glanz.
Es ist dies ein seltsamer Geisteszustand (halet-i ruhiye),der mir geholfen hat, die obige Wahrheit zu entfalten:
Einmal, während ich mich in finsterer Verbannung, in einer finsteren Nacht, in einem nachtschwarzen Zustand der Gottverlassenheit (ghafla)befand, erschien mir dieses gewaltige Universum in seinem gegenwärtigen Zustand (hal)in meiner Vorstellung wie ein lebloser, seelenloser (ruhsuz),toter, leerer, verlassener, scheußlicher Leichnam. Auch die Vergangenheit erschien mir in dieser Vorstellung als ganz und gar tot, leer, ausgestorben und furchterregend. Dieser grenzenlose Raum, diese unbegrenzte Zeit nahm die Form einer finsteren Wüstenei an. Um mich von diesem Zustand zu befreien, nahm ich meine Zuflucht zum Gebet (namaz).Als ich das Teshahhud rezitierte und dabei اَلتَّحِيَّاتُ {"aller Lobpreis (at-Tahiyat)"} aussprach, erstand das Universum von den Toten, wurde plötzlich lebendig und nahm eine lebendige, leuchtende Gestalt an. Es wurde zu einem glänzenden Spiegel des Lebendigen, Unwandelbaren (Hayy-i Qayyum).Ich sah nun, dass (der Kosmos) mit all seinen lebendigen Gliedern beständig den Lobpreis allen Lebens und alle lebendigen Gaben dem Lebendigen, Unwandelbaren Herrn (Dhat-i Hayy-i Qayyum)darbrachte. Dies habe ich mit wissenschaftlicher Gewissheit ('ilme-l'yaqin),ja mit wahrhaftiger Gewissheit (haqqa-l'yaqin)erkannt und erfahren.
Als ich dann sagte:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ يَآ اَيُّهَا النَّبِىُّ
{"Friede sei mit Dir, oh Prophet!"},
wurde dieser (Kosmos) aus der grenzenlosen Leere seiner Zeit heraus unter der Leitung des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, von einer schrecklichen Einöde in einladende Rastplätze umgewandelt.
Zweite Frage:
Der Vergleich am Ende der Teshahhud-Formel:
اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلٰى مُحَمَّدٍ وَعَلٰٓى اٰلِ مُحَمَّدٍ كَمَا صَلَّيْتَ عَلٰٓى اِبْرَاهِيمَ وَعَلٰٓى اٰلِ اِبْرَاهِيمَ
{"Oh Gott! Segne Mohammed und die Familie Mohammeds, so wie Du Abraham und die Familie Abrahams gesegnet hast."}
scheint den Vergleichsregeln zuwider zu laufen, denn Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, war größer als Abraham, mit dem der Friede sei, und hat mehr Barmherzigkeit (rahmet)empfangen. Welches ist also das Geheimnis dahinter? Und was ist die Weisheit (hikmet)hinter diesem Teshahhud-Gebet, dass es stets in dieser Form vorgeschrieben wird? Seit alten Zeiten wird stets das gleiche Gebet (dua)und immer zu den vorgeschriebenen Gebetszeiten (namaz)wiederholt. Dabei würde es doch vollkommen genügen, wenn eine Bitte im Gebet (dua)auch nur ein einziges Mal erhört wurde. Wenn für all diejenigen, für die bereits Millionen Mal Gebete erhört worden sind, und wenn nun auch noch das, wofür gebetet werden soll, bereits von Gott versprochen wurde, immer noch weiter gebetet wird... So hat z.B. Gott der Gerechte versprochen:
عَسٰٓى اَنْ يَبْعَثَكَ رَبُّكَ مَقَامًا مَحْمُودًا
{"Bald wird dir dein Herr den Status von Lobpreis und Ehre (maqam mahmud) verleihen." (Sure 17, 79)}
Doch obwohl Gott der Gerechte dies bereits versprochen hat, wird dennoch nach jedem Aufruf zum Gebet (edhan ve iqama)das alte, überlieferte Gebet gesprochen:
وَابْعَثْهُ مَقَامًا مَحْمُودًا. اَلَّذِى وَعَدْتَهُ
{"Verleihe ihm den Status von Lobpreis und Ehre, so wie Du es versprochen hast."}
Und die ganze Gemeinde betet darum, dass dieses Versprechen in Erfüllung gehen möge. Was aber ist nun der Sinn und Zweck (sirr-i hikmet)dahinter?
Antwort:
Diese Frage enthält drei Möglichkeiten der Betrachtung und drei weitere Fragen.
Erster Aspekt:
Hasret Ibrahim(Abraham), mit dem der Friede sei, ist sicherlich Hasret Mohammed, mit dem der Friede sei, nicht gleichgestellt. Doch seine Familie (d.h. seine Nachkommen) waren Propheten. Die Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei (also seine Nachkommen), waren die Freunde Gottes (auliya);diese Heiligen (auliya)aber können nicht (an den Status) der Propheten heranreichen. Der Beweis dafür, dass das obige Gebet für seine Nachkommen auf glänzende Weise angenommen wurde, ist folgender:
Der Grund dafür, dass die aus den Hunderten von Millionen (seiner Gemeinde) hervorgegangenen Freunde Gottes von nur zwei Persönlichkeiten aus der Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, nämlich von Hasret Ali und Hasret Husseyn, mit denen Gott zufrieden sein möge, abstammen, in der weit überwiegenden Mehrheit geistliche Führer und Leiter (Pir ve Murshid)der wahrhaftigen Schulen (meslek)und Orden (tariqat)waren, ist der, dass sich an ihnen die Aussage der Hadith
عُلَمَاَءُ اُمَّتِى كَاَنْبِيَآءِ بَنِى اِسْرَآئِيلَ
{"Die Gelehrten meiner Gemeinde sind den Propheten der Kinder Israels gleichgestellt."}
bewahrheitet hat. Diejenigen, welche den größten Teil der Gemeinde (umma)auf den Weg der Gerechtigkeit (haqiqat)und der islamischen Wahrheit (haqiqat-i Islamiyet)geführt (irshad)haben, vor allem Djafer-i Sadiq, Ghaus-i Adham, Shah-i Naqshiband, mit denen Gott zufrieden sein möge, waren - jeder einzelne - die Früchte der Annahme dieses Gebetes für die Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei.
Zweiter Aspekt:
Der Grund (hikmet)dafür, dass Segnungen (salavat)dieser Art auf das Gebet (namaz)beschränkt bleiben, ist der, dass sie daran erinnern, dass er auf dem Weg ist, den die Propheten und Gottesfreunde geöffnet haben und auf dem sie in der Großen Karawane mitziehen als diejenigen unter all den berühmten Menschen, die auf dem rechten Weg (siratu-l'mustaqim)zur Erleuchtung (Nur)und Vollendung (Kemal)am weitesten vorangeschritten sind. Er hat sich jener gewaltigen Gemeinde (djemaat)angeschlossen, die ihre Stärke (quvvet)aus ihrer hundertfältigen Übereinstimmung schöpft und sich nicht irren kann und (ihn) auf dem rechten Weg geleitet. Indem er sich daran erinnert, rettet er sich vor teuflischen Zweifeln und den Wahnbildern des Bösen. Der Beweis dafür, dass diese Karawane des Herrn über den Kosmos (die Schar) der Freunde, jener hochgeschätzten Kunstwerke, ist, und dass ihre Gegner Seine Feinde sind, ist der, dass seit Adams Zeiten stets aus dem Unsichtbaren Hilfe für die Karawane gekommen ist, während Gott seine Gegner stets mit Katastrophen heimgesucht hat.
Gerade so wie in der Tat das Volk Noahs, Thamuds, Ads, des Pharao und Nimrods u.dgl. andere Gegner (Gottes) Schläge aus dem Unsichtbaren erleiden mussten, wie sie der Zorn Gottes und Seine Strafe erahnen lassen, haben auch Gottes Streiter wie Noah und Abraham und Moses, mit denen der Friede sei und Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, in einer außergewöhnlichen und einzigartigen Weise Wunder aus dem Unsichtbaren und die Güte Gottes (ihsan)erfahren. Und so wie schon ein einziger Schlag die Wut und ein einziges Gastgeschenk (ikram)die Liebe (muhabbet)zum Ausdruck bringt, so bezeugen und beweisen Tausende von Schlägen, die auf die Gegner hernieder prasseln und Tausende von Gastgeschenken und Hilfspaketen für die Karawane ganz offensichtlich und so klar wie der lichte Tag, dass diese Karawane rechtschaffen handelt und auf dem
rechten Weg (siratu-l'mustaqim)voran schreitet. Die Ayah:
صِرَاطَ الَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ
{"Den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast." (Sure 1, 7)}
verweist auf diese Karawane, während die Ayah
غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ وَلاَ الضَّاَلِّينَ
{"Nicht den Weg derer, denen Du zürnst und nicht den Weg derer, die in die Irre gehen." (Sure 1, 7)}
auf deren Gegner hindeutet. Was diesen Punkt betrifft, den wir hiermit erklärt haben, so ist er noch deutlicher (in der Diskussion) über das Ende der Suratu-l'Fatiha.
Dritter Aspekt:
Das Geheimnis der Weisheit (sirr-i hikmet)dermaßen oft darum zu bitten, dass etwas gegeben werde, was sowieso mit Sicherheit gegeben werden wird, ist folgendes: Das, worum man bittet, z.B. den Status von Lobpreis und Ehre (maqam-i Mahmud)gleicht der Spitze eines Eisberges oder dem Zweig einer gewaltigen Wahrheit, die wiederum Tausende bedeutender Wahrheiten wie der des Maqam-i Mahmud mit einschließt. Er ist eine Frucht des bedeutendsten Ergebnisses der Schöpfung der Welt. Was aber das Gebet (dua)um diese Spitze, den Zweig, die Frucht betrifft, so bedeutet es gewissermaßen, um die Verwirklichung dieser großen und allgemeinen Wahrheit zu bitten, um das Kommen einer beständigen (baqi)Welt, welche der größte Zweig am Baum der Schöpfung ist, um die Wiederversammlung und Auferstehung von den Toten als die Verwirklichung und das größte Ziel der Schöpfung und um die Öffnung des Hauses der Glückseligkeit. Und indem er darum bittet, nimmt er am Gottesdienst (ubudiyet)der Menschheit und allen Gebeten (dua)der Söhne Adams teil, die der bedeutendste Grund für das Dasein (vudjud)des Paradieses und des Hauses der Glückseligkeit sind. Diese zahllosen Gebete (dua)
sind in der Tat nur ein Geringes für ein so unaussprechlich gewaltiges Ziel. Mehr noch ist die Verleihung dieses Status (Maqam-i Mahmud)an Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ein Zeichen für seine Große Fürsprache (shefaat-i kubra)zugunsten seiner ganzen Gemeinde (umma).Schließlich ist er auch zutiefst mit dem Glück seiner ganzen Gemeinde verbunden. Darum ist es auch pure Weisheit (hikmet),wenn er von seiner ganzen Gemeinde (umma)so unendlich viele Segenswünsche (salavat)und Gebete (dualar)um Gottes Barmherzigkeit (rahmet dualari)erbittet.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Siebenter Strahl
Das große Zeichen
Ein wichtiges Wort im Voraus und eine Erklärung über seine Absicht
Es wird nicht ein jeder in der Lage sein, all die Themen, die in dieser höchst bedeutungsvollen Abhandlung erörtert werden sollen, zu verstehen, doch wird er auch nicht ohne seinen Anteil bleiben. Betritt jemand einen großen Garten, so wird er finden, dass seine Hände gar nicht alle Früchte dieses Gartens erreichen können. Doch genügt dir die Menge, die deine Hände zu fassen vermögen. Dieser Garten ist nicht für ihn alleine da. Es bleibt noch immer ein Anteil für solche, die die längeren Arme haben.
Es gibt fünf Gründe, die es schwer machen, dieses Buch zu verstehen:
Erstens:
Ich habe hier meine eigenen Beobachtungen niedergeschrieben, meinem eigenen Verständnis entsprechend und für mich selbst. Ich habe hier nicht dem Verständnis und dem Auffassungsvermögen anderer entsprechend geschrieben, wie in anderen Büchern.
Zweitens:
Weil hier aber nun die wahre Einheit Gottes (Tauhid-i haqiqi)als die Erscheinung des gewaltigen Namens (Ism-i adham)in einem gewaltig großen Umfang beschrieben worden ist, sind die hier behandelten Themen sowohl außerordentlich umfangreich, als auch besonders tiefschürfend und manchmal ungewöhnlich lang, sodass sie nicht jeder gleich auf einmal verstehen kann.
Drittens:
Weil hier aber nun mit jedem Thema eine große und umfangreiche Wahrheit abgehandelt wird, wird sich zuweilen ein Satz über eine Seite oder ein ganzes Blatt erstrecken, um die Wahrheit nicht zu zerstückeln. So erfordert die Führung eines einzelnen Beweises die Beachtung vieler Voraussetzungen.
Viertens:
Weil hier aber nun sich bei den meisten Themen zu jedem einzelnen sehr viele Beweise mit ebenso vielen Argumenten finden lassen und es manchmal zehn und manchmal zwanzig Beweise zu einem einzigen Zeugnis gibt, zieht es sich besonders in die Länge. Ein kurzer Verstand vermag das nicht zu fassen.
Fünftens:
Während ich die Lichter dieser Abhandlung aus der Fülle des Ramadan empfing, befand ich mich in mehrfacher Hinsicht in einem Zustand (hal)der Verwirrung.
So schrieb ich denn (diese Abhandlung) in einer Zeit, da (die Gesundheit) meines Körpers durch verschiedene Krankheiten völlig zerrüttet war, in ziemlicher Eile und ohne sie nachträglich noch zu korrigieren. Überdies fühlte ich, dass ich nicht aus eigenem Willen (irade)und Wollen (ihtiyar)heraus schrieb und so schien es mir auch unpassend, (den Text) meiner eigenen Vorstellung entsprechend zu korrigieren und neu zu arrangieren. Auch das hat dazu beigetragen, ihn in dieser Form ein wenig schwer verständlich werden zu lassen. Zudem haben sich ganze Abschnitte in arabischer Sprache eingeschlichen. Ja, das ganze "Erste Kapitel" wurde vom Anfang bis zum Ende in arabisch abgefasst, ausgesondert und separat herausgegeben.
Allen Mängeln und Schwierigkeiten, die sich aus diesen fünf Gründen ergeben haben, zum Trotz hat diese Abhandlung eine solche Bedeutung, dass Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, in wunderbarer Weise ihre Abfassung voraussah und sie als "Das Große Zeichen" und den "Stab Mosis" bezeichnete. Er betrachtete diesen Teil der Risale-i Nur mit besonderem Interesse und lenkte (unsere) Aufmerksamkeit auf sie hin.
{(*): Die Ereignisse, die inzwischen in Denizli stattgefunden haben, bestätigten die Voraussage von Imam Ali, was das "Große Zeichen" betrifft. Denn die Vervielfältigung dieses Buches im Geheimen war der Grund für unsere Verhaftung, und der Triumph ihrer heiligen und ihrer so machtvollen Wahrheit (haqiqat) war der hauptsächliche Grund zu unserem Freispruch und zu unserer Entlassung. So machte Imam Ali seine wunderbare Voraussage war und bewies damit die Annahme des Gebetes, das er um unseretwillen gesprochen hatte:
وَبِالْاٰيَةُ الْكُبْرٰى اَمِنِّى مِنَ الْفَجَتْ
("Um des Großen Zeichens willen errette uns vor dem Verderben!")}
Die Risalah "Das Große Zeichen" ist eine wahrheitsgemäße Auslegung (haqiqi tefthir)der Ayah "Das Große Zeichen" (Sure 17, 44) und umfasst gleichzeitig den "Siebten Strahl", den Hasret Imam, mit dem Gott zufrieden sein möge, als "Stab Mosis" bezeichnete.
Diese Abhandlung besteht aus einer Einführung und zwei Kapiteln. Die Einführung dazu erklärt vier wichtige Fragestellungen. Das Erste Kapitel ist der arabische Teil der Erklärung der Großen Ayah (Ayet-i Kubra).Das Zweite Kapitel ist die Übersetzung dieser Erklärung, erweitert durch einige Beweise und ausführliche Deutungen.
Die folgende Einführung enthält zwar mehr Erklärungen, als eigentlich notwendig gewesen wäre, doch war es eigentlich gar nicht meine Absicht, dass sie so lang geworden ist. Das aber heißt: es bestand ein Bedürfnis, sie in dieser Länge abzufassen, oder vielmehr: es gibt einige Leute, die diese Länge noch als zu kurz betrachten.
Said Nursi
Einführung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَمَا خَلَقْتُ الْجِنَّ وَ الْاِنْسَ اِلاَّ لِيَعْبُدُونِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Ich habe Dschinnen und Menschen allein dazu erschaffen, dass sie mich anbeten." (Sure 51, 56)}
Das Geheimnis dieser gewaltigen Ayah besteht in der Weisheit, die den Menschen in diese Welt gesandt hat, mit dem Ziel, den Schöpfer des Alls kennen zu lernen, an Ihn zu glauben, Ihn anzubeten und Ihm zu dienen. Und es ist des Menschen naturgegebene Aufgabe (vazife-i fitrat)und seine eingeschriebene Verpflichtung, Gott zu kennen (marifetullah)und an Ihn zu glauben (iman-i billah).Und mit Hingabe (iz'an ve yaqien)all seiner geistigen Kräfte und Fähigkeiten Seine Existenz und Seine Einheit (vahdet)zu bestätigen.
In der Tat haben alle Güter und alle Fähigkeiten für den Menschen, der sich von Natur aus stets nach einem ewigen Leben sehnt und danach, endlos lang weiterzuleben, für diesen armseligen Menschen, dessen grenzenloses Hoffen mit unendlichen Schmerzen verbunden ist, hat alles, ausgenommen die Erkenntnis Gottes (marifetullah)und der Glaube an Ihn (iman-i billah),was sicherlich die Grundnotwendigkeiten eines ewigen Lebens sind und der Schlüssel dazu, nur einen untergeordneten Wert. Ja, meistens hat es überhaupt keinen Wert...
In der Risale-i Nur wurde diese Tatsache bereits mit starken Argumenten bewiesen. Deshalb können wir uns hier darauf beschränken, auf diese Wahrheit in der Risale-i Nur hinzuweisen. Hier wollen wir nur vier Probleme
aufwerfen, in denen zwei Abgründe enthalten sind, die in unserer Zeit die Glaubensgewissheit erschüttern und in Zweifel ziehen.
Zur Rettung vor dem ersten Abgrund führen uns die beiden folgenden Fragestellungen:
Erste Hinsicht:
Wie wir im Dreizehnten Blitz des Einunddreißigsten Briefes bewiesen haben, hat bei allgemeinen (umumi)Problemen eine Leugnung keinen Wert und wohl gar keine Beweiskraft. Zum Beispiel: Wenn zu Beginn des Heiligen Monats Ramadan zwei ungebildete Menschen über den neuen Mond das Zeugnis ablegen, ihn gesehen zu haben, Tausende ehrenwerter und gebildeter Menschen aber dies leugnen und sagen: "Wir haben ihn nicht gesehen", so hat deren Leugnung keinen Wert und keine Kraft. Denn dort, wo es sich darum handelt, etwas zu beweisen, bekräftigt ein Zeugnis das andere; sie stützen einander und führen einen Konsens herbei.
Bei einer Leugnung aber besteht zwischen einem Menschen und tausend Leuten kein Unterschied. Jeder von ihnen spricht für sich selbst und bleibt allein. Denn der, welcher etwas beweist, blickt um sich und urteilt der Natur der Sache (nefs-ul emr)entsprechend. Zum Beispiel: wie oben angeführt, ist da einer, der sagt: "Der Mond steht am Himmel." Sein Kollege deutet auf ihn mit dem Finger. Die beiden tun sich zusammen und bestärken einander.
Wer dagegen etwas leugnen, etwas abstreiten will, der urteilt nicht in Anbetracht der Dinge (nefs-ul emr)und kann es auch gar nicht. Denn es ist ein bekannter Grundsatz, dass ich "eine Verneinung, die sich nicht auf mich selbst beschränkt oder nicht an einen bestimmten Ort gebunden ist, nicht beweisen kann".
Zum Beispiel: Wenn ich beweise, dass es irgendetwas auf der Welt gibt, während ein anderer behauptet, dass es dies nicht gibt, so kann ich dessen Existenz leicht mit einem Indizium beweisen, während der andere, sie zu leugnen, d.h. dessen Nichtvorhandensein zu beweisen,
die ganze Welt danach durchsuchen, durchkämmen muss, sie mir zu zeigen, ja sogar in der Vergangenheit an allen Ecken danach Ausschau halten muss. Erst dann kann er sagen: "So etwas gibt es nicht, hat es niemals gegeben."
Weil aber nun einmal diejenigen, welche etwas leugnen, etwas bestreiten wollen, nicht in Anbetracht der Dinge (nefs-ul emr)urteilen, vielmehr die Dinge so beurteilen, wie sie ihnen in ihrem Gefühl, in ihren Gedanken, in ihren Augen erscheinen, können sie mit Sicherheit nicht einander unterstützen und bestärken. Denn die Schleier, die Ursachen, die sie daran hindern, etwas zu sehen und zu wissen, sind verschieden. Jeder von ihnen kann sagen: "Ich sehe es nicht. Für mich und nach meiner Überzeugung gibt es so etwas nicht." Aber er kann nicht sagen: "So etwas gibt es tatsächlich nicht." Wollte er das sagen - und das gilt ganz besonders, wenn es sich dabei nicht um persönliche, sondern ganz allgemeine, universelle (umum)Dinge handelt, wie zum Beispiel Glaubensfragen - dann wäre dies eine so allgemeine, eine so universelle Lüge, dass sie niemals den Tatsachen entsprechen und niemals als Beweis dienen könnte.
Kurzum:
Das Ergebnis eines Beweises ist stets ein und dasselbe und dient der Bekräftigung. Im Falle einer Leugnung aber erhalten wir dafür nicht nur eines, sondern mehrere Ergebnisse. Weil die Vorbedingungen je nach dem Blickwinkel des einzelnen, der "bei mir und von meinem Standpunkt aus" oder "nach meiner Überzeugung" sagt, in ihrer Verschiedenheit auch zu verschiedenen Ergebnissen führen, können sie auch nicht einander stützen.
Deshalb hat vom Standpunkt dieser Tatsache aus betrachtet die Vielzahl der Ungläubigen und Glaubensleugner und die offensichtliche Mehrheit derer, die sich gegen den Glauben wenden, keinen Wert. Doch was eigentlich nicht den Glauben und die Sicherheit eines Gläubigen erschüttern sollte, so haben ihn in dieser Zeit dennoch die
Philosophen Europas verleugnet und bestritten und so einen Teil ihrer unglücklichen Sympathisanten unter den Gläubigen schwankend werden lassen. Sie haben ihnen ihre Sicherheit genommen und ihre ewige Glückseligkeit zerstört. So betrachten die Menschen den Tod, der an jedem Tag dreißigtausend Seelen hinwegrafft und die Bedeutung eines Dahinscheidens hat, wenn ihre Frist abgelaufen und die Stunde der Entlassung gekommen ist, wie eine Hinrichtung, haben ihn zu einer Verurteilung in Ewigkeit gemacht. Die stets geöffneten Pforten des Grabes vergiften das behagliche Leben des Gottesleugners, erfüllen ihn mit Kummer und Bitternis und gemahnen ihn ständig an das über ihn verhängte Ende. So verstehe denn nun, welch eine große Gnade (nimet)der Glaube ist und das Leben des Lebens!
Zweite Hinsicht:
Wenn unter Wissenschaftlern oder Künstlern ein strittiges Problem auftaucht, gelten die Stimmen derjenigen Leute, nicht welche dieser Wissenschaft fern stehen, mögen sie ansonsten auch noch so große Wissenschaftler oder Künstler sein. Ihr Urteil hat keine Aussagekraft. Es wird im Konsens der Wissenschaftler dieser Fakultät nicht mitgezählt.
Zum Beispiel: Das Urteil eines großen Ingenieurs hat bei der Diagnose und Therapie einer Krankheit weniger Aussagekraft als das eines kleinen Arztes. So können insbesondere die Worte auch des größten Philosophen, wenn er ein Gottesleugner ist und sich viel mit dem Materialismus beschäftigt, wenn er allmählich von den geistigen Dingen (maneviyat)abständig und dem Lichte gegenüber unempfindlich und schwerfällig geworden und ihm der Verstand in die Augen gerutscht ist, bei der Betrachtung der geistigen Dinge (maneviyat)nicht berücksichtigt werden und sind wertlos.
Vergleicht man mit Scheich Geylani(Allah heilige sein Geheimnis), der, während er noch auf Erden weilte, den Gewaltigen Thron erschaute, der in den Heiligen Wissenschaften über eine erstaunliche Genialität verfügte, der
sich neunzig Jahre lang um die Vervollkommnung in den geistigen Wissenschaften bemühte und die Wahrheiten des Glaubens mit einer Sicherheit offen legte, die durch wissenschaftliche Kenntnisse begründet (ilme-l'yaqin),die augenscheinlich bezeugt (ayne-l'yaqin)war, ja, die er selbst erlebt und gelebt hat (haqqa-l'yaqin)und Hunderttausenden anderer Kenner der Wahrheit, die mit ihm in den Fragen der Einheit (Tauhid),der Heiligkeit und des Geistes übereinstimmen, was sind dann dagegen die Worte der Philosophen, die in eine Vielzahl unterschiedlichster Arten von Materie und eine Unzahl kleinster Kleinigkeiten verstrickt sind, in ihnen verloren gehen, darin ersticken? Sind nicht ihre Gegenargumente, die Einwände und Widersprüche, die sie dagegen erheben, so schwach wie das Sirren einer Mücke im Vergleich mit dem Grollen des Donners?
Das Wesen des Unglaubens, der sich den Wahrheiten des Islam entgegenstellt, sich ihnen widersetzt und sie bekämpft, ist eine Zurückweisung, eine Unwissenheit, eine Verleugnung. Mag er auch den Charakter einer Bestätigung, einer Realität vorweisen, so ist er doch seinem Inhalt nach ein Mangel, eine Verneinung. Der Glaube ist dagegen Wissenschaft, Realität, Bestätigung, Schlussfolgerung. Selbst noch die negative Aspektierung eines Problems erfolgt unter dem Titel einer Bestätigung der Wahrheit und versteckt sich dahinter. Wenn sich die Ungläubigen in ihrem Kampf gegen den Glauben unter großen Schwierigkeiten darum bemühen, ihre falschen Überzeugungen in Form einer Annahme, dass etwas nicht sei (kabul-u adem)und eines Beweises dafür, dass etwas nicht sei, zu beweisen und annehmbar zu machen (tasdiq-i adem),dann kann man diesen Unglauben als eine Art irrtümlicher Wissenschaft und als eine falsche Schlussfolgerung ansehen. Wäre dies nicht so und wäre es so leicht, anzunehmen, dass etwas nicht sei, etwas abzustreiten (adem-i kabul)und zu beweisen, dass es nicht sei (adem-i tasdiq),so wäre dies völlige Unwissenheit und Mangel an Schlussfolgerung.
Kurz gesagt, die Überzeugung vom Unglauben (itiqad-i kufr)hat zwei Gesichtspunkte:
Der erste betrifft nicht die islamischen Wahrheiten. Er ist eine ihm eigene irrtümliche Bestätigung, eine fälschliche Überzeugung, eine fehlerhafte Annahme und eine ungerechte Schlussfolgerung. Dieser Gesichtspunkt liegt außerhalb unserer Betrachtung. Er betrifft uns nicht, noch haben wir irgend etwas damit zu tun.
Die zweite Art Unglaube widersetzt sich den Glaubenswahrheiten und bekämpft sie. Deren gibt es wiederum zwei Formen.
In seiner ersten Form leugnet der Unglaube die Existenz der vorhandenen Gegebenheiten (= adem-i kabul).
Er weigert sich lediglich, die vorhandenen Beweise zu ratifizieren (tasdiq).Das aber ist eine Art der Unwissenheit, eine Kritiklosigkeit (hükümsüz)und eine einfache Art. Auch diese Art brauchen wir nicht weiter zu betrachten.
In seiner zweiten Form geht der Unglaube von der Annahme aus, dass etwas nicht vorhanden ist (= kabul-u adem).
Er bestätigt seinen Nihilismus (ademini tasdiq)mit dem Herzen. In dieser Form basiert er auf einer Schlussfolgerung (hüküm),einer Überzeugung (itiqad),einer Stellungnahme (iltizam).Doch in dieser seiner Stellungnahme muss er beweisen, was er bestreitet.
Es zu bestreiten, gibt es wiederum zwei Möglichkeiten:
Erstens:
Er sagt: "In einem bestimmten Bereich oder in einer besonderen Hinsicht gibt es das nicht." Und in dieser Form lässt sich das auch beweisen. Auch diese Möglichkeiten brauchen wir nicht weiter zu untersuchen.
Die zweite Möglichkeit
ist die, die allgemeinen und umfassenden Angelegenheiten, die heiligen Dinge und Gegenstände der Glaubenslehre (iman),die sich auf das Diesseits, den Kosmos und das Jenseits und den Wechsel der Zeiten beziehen, zu leugnen und abzustreiten. Doch diese Art, zu behaupten, dass es etwas nicht gibt, lässt sich, wie wir das in der Ersten Hinsicht klar gemacht haben, in gar keiner Hinsicht beweisen. Dazu müsste man die
Grenzen des Alls überblicken können, Einsicht in das Jenseits haben und ein Auge besitzen, das über die unendlichen Zeiten und Räume hinwegzublicken verstünde, sodass solche Verneinungen bewiesen werden könnten.
Der zweite Weg der Rettung vor dem Abgrund öffnet sich uns in den beiden folgenden Problemstellungen:
Erstens:
Wenn Leute von Verstand in Anbetracht der Unendlichkeit, im Anblick überwältigender Majestät und Größe (azamet ve kibriya),jedoch der Gottvergessenheit, der Sünde und dem Materialismus verfallen, sich in die Enge getrieben fühlen, die Dinge, die über ihren Verstand hinausgehen, nicht mit dem Verstand erfassen können, so weichen sie ihnen in ihrem Gelehrtenstolz aus und streiten sie ab. Tatsächlich werfen sie sich, wenn sie in ihrem begrenzten Verstand, in ihrem eingetrockneten Hirn, in ihrem aus der Art geschlagenen, geistig gestorbenen Herzen keinen Platz mehr finden für die so weiten, so tiefen und so umfassenden Dinge des Glaubens, in den Unglauben, in den Irrtum und gehen darin unter.
Könnten sie ihrem Unglauben aufmerksam ins Gesicht sehen und das Wesen ihres Irrtums betrachten, würden sie erkennen, wie sich, im Gegensatz zu der Logik, Angemessenheit und Notwendigkeit jener gewaltigen Majestät und Größe (= azamet),die sich im Glauben findet, hinter dem Unglauben Hunderte Unvorstellbarkeiten, Unmöglichkeiten und unüberwindbare Schwierigkeiten verbergen.
Die Risale-i Nur hat diese Tatsache mit hunderterlei gegeneinander abgewogenen und ausgewogenen Maßstäben so sicher bewiesen, wie zwei mal zwei vier ist. Zum Beispiel: Ein Mann, der ob der gewaltigen Majestät und Größe (= azamet),Gott den Gerechten, Seine unabdingbar notwendige Existenz (vudjub-u vudjud),Seine Urewigkeit (edheliyet)und Seine allumfassenden Attribute (sifat)nicht anerkennen will, kann von seinem Unglauben nur dann überzeugt sein, wenn er entweder all den unzählig vielen Dingen, die es gibt, ja selbst den zahllos vielen Stäubchen eben diese unabdingbar notwendige
Existenz (vudjub-u vudjud),Ewigkeitscharakter (edheliyet)und göttlichen Attribute (uluhiyet sifatlar)verleiht, oder aber gleich diesen dummen Sophisten, die sowohl ihre eigene Existenz als auch die des Weltalls leugnen und bestreiten, seinen Verstand niederlegt und von ihm zurücktritt.
So retten sich nun alle diese Wahrheiten des Glaubens und des Islam, indem sie ihre sichtbaren Aspekte auf die überwältigende Bedeutung stützen, die ihnen innewohnt, vor dem fürchterlichen Unsinn des Unglaubens, dem entsetzlichen Aberglauben und der grausamen Dummheit und pflanzen sich mit vollkommener Gewissheit (kemal-i izan)und Hingabe (teslimiyet)in ihre reinen Herzen und ihren geraden Geist (mustaqiem aqil).
Tatsächlich zeigen die meisten äußerlichen Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye),wie der Ruf zum Gebet (adhan)und das Gebet selbst (namaz)in ihrer beständigen Wiederholung:
اَللّٰهُ اَكْبَرُ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ
{"Allah-u Ekber 4 x = 'Gott ist groß, bzw. sehr groß, bzw. Die unvergleichliche Größe Allahs sprengt alle unsere Maßstäbe und übersteigt unsere Vorstellungen'"}
deren überwältigende Majestät und Größe (azamet ve kibriya),desgleichen auch die Aussage (ferman)der Heiligen Hadith (Hadith-i Qudsi):
{Die Heilige Hadith (= Hadith-i Qudsi) ist das Wort Gottes, das der Prophet Mohammed (ASM) durch den Engel Grabriel oder unmittelbar durch Eingebung bekam und sinngemäß mit seinen eigenen Worten weitergab. (A.d.Ü.)}
اَلْعَظَمَةُ اِزَارِى وَالْكِبْرِيَآءُ رِدَآئِى
{"Majestät ist mein Schild und Größe mein Mantel."}
so wie auch der 86. Uqde (Knoten) der Munadjat (Bittgebet) "Djaushanu-l'Kebir":
يَا مَنْ لاَ مُلْكَ اِلاَّ مُلْكَهُ ٭ يَامَنْ لاَ يُحْصِى الْعِبَادُ ثَنَاءَهُ
يَا مَنْ لاَ تَصِفُ الْخَلآَئِقُ جَلاَلَهُ ٭ يَا مَنْ لاَ تَنَالُ الْاَوْهَامُ كُنْهَهُ
يَا مَنْ لاَ يُدْرِكُ الْاَبْصَارُ كَمَالَهُ ٭ يَا مَنْ لاَ يَبْلُغُ الْاَفْهَامُ صِفَاتَهُ
يَا مَنْ لاَ يَنَالُ الْاَفْكَارُ كِبْرِيَآءَهُ ٭ يَا مَنْ لاَ يُحْسِنُ الْاِنْسَانُ نُعُوتَهُ
يَا مَنْ لاَ يَرُدُّ الْعِبَادُ قَضَآءَهُ ٭ يَا مَنْ ظَهَرَ فِى كُلِّ شَىْءٍ اٰيَاتُهُ
سُبْحَانَكَ يَا لآَ إِلٰهَ اِلاَّ أَنْتَ الْأَمَانُ الْأَمَانُ نَجِّنَا مِنَ النَّارِ
{"Oh Du, bei dem es Kein Königtum gibt außer Deinem Königtum!"
"Oh Du, dessen Lobpreisungen von Deinen Dienern und Anbetern nicht gezählt werden können!"
"Oh Du, dessen Ruhm Seine Geschöpfe nicht zu beschreiben vermögen!
"Oh Du, dessen Wesen niemandes Vorstellung zu erfassen vermag!"
"Oh Du, dessen Vollkommenheit niemandes Blick zu erschauen vermag!"
"Oh Du, dessen Attribute niemandes Verständnis zugänglich sind!"
"Oh Du, dessen Größe niemandes Gedanken zu erfassen vermag!"
"Oh Du, dessen Wert und Bedeutung kein Mensch zu würdigen vermag!"
"Oh Du, dessen Erlasse keiner Deiner Diener und Anbeter zu umgehen vermag!"
"Oh Du, dessen Wunderzeichen (Ayat) sich in allen Dingen offenbaren."
"Gepriesen seist Du, oh Du, außer dem es keinen Gott gibt! Unser Schutz, unser Hort, bewahre uns vor dem Feuer!"}
Auch dieses so bekannte Bittgebet (munadjat)Mohammeds (ASM) zeigt, dass die überwältigende Majestät und Größe (azamet ve kirbiya)ein notwendiger Schleier ist.
Das große Zeichen
Betrachtung eines Reisenden, der das All nach seinem Schöpfer befragt
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ تُسَبِّحُ لَهُ السَّمٰوَاتُ السَّبْعُ وَالْاَرْضُ وَمَنْ فِيهِنَّ وَإِنْ مِنْ شَىْءٍ إِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ وَلٰكِنْ لاَ تَفْقَهُونَ تَسْبِيحَهُمْ إِنَّهُ كَانَ حَلِيمًا غَفُورًا
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Es lobpreisen Ihn die sieben Himmel und die Erde und was darinnen ist und es gibt kein Ding, das nicht Seinen Lobpreis besingt. Doch ihr versteht ihren Lobpreis nicht. Siehe, Er ist milde (Halim) und Er vergibt (Ghafur)!" (Sure 17, 44)}
(Diese zweite Abhandlung (makam)ist eine Auslegung (teffhir)dieser gewaltigen Ayah und ist zugleich eine Erläuterung der Beweise und Zeugnisse aus der arabisch verfassten ersten Abhandlung, deren Übersetzung und kurze Erklärung.)
Das schöne Antlitz des Himmels
In dieser gewaltigen Ayah werden, wie in vielen Ayat (Qur'anversen), zuerst die Himmel erwähnt, jene glänzendste Seite der Einheit (Tauhid),die jederzeit und von jedermann mit großer Bewunderung betrachtet und mit viel Freude studiert wird. Dementsprechend wollen auch wir gleich zu Anfang mit ihnen beginnen.
Tatsächlich sieht jeder Gast, der in das Königreich, das Gasthaus kommt, das diese Welt ist, wenn er seine Augen öffnet, dass sich ihm als erstes das schöne Antlitz des Himmels zeigt, wie es mit goldener Leuchtschrift gezeichnet
ist und er wird überaus neugierig, den Herrn dieses schönen Gasthauses, den Verfasser dieses großen Buches, den König dieses großartigen Reiches kennen zu lernen, jener Herberge, in der man so ganz besonders freigiebig ist, dieser Ausstellung, in der man so ungewöhnliche Kunstwerke zeigt, jenes Heerlager, wo man solche Pracht entfaltet, dieses Ausflugsortes und Freilichttheaters, das ein solches Erstaunen erregt und eine solche Begeisterung hervorruft und jener bedeutungsvollen Bibliothek, die so viel Weisheit in sich gesammelt hat. (Dieser Himmel sagt zu ihm:) "Schau mich an! Ich werde dir den weisen, den du suchst." So blickt er ihn an und sieht:
Da sind Hunderttausende von Himmelskörpern, einige tausendmal größer als die Erde, einige siebzigmal schneller als eine Kanonenkugel. Sie sind nicht an Masten befestigt und fallen dennoch nicht herunter. Sie durcheilen miteinander den Himmelsraum, über alle Maßen schnell, doch ohne aneinander zu stoßen. Zahllose Lampen brennen beständig, ohne Öl, und erlöschen dennoch nicht. Ihre riesigen Massen werden verwaltet, ohne irgendwelche Unruhe zu verbreiten oder einen Aufstand zu verursachen. Gleich wie die Sonne und der Mond ihre Aufgaben erfüllen, arbeiten diese so großen Gestirne (makhluqat)und erfüllen ihre Aufgaben. Gottes Herrschaft (rububiyet)lenkt alle diese Milliarden von Lichtjahren voneinander entfernten Gestirne zu gleicher Zeit, mit der gleichen Kraftanstrengung (quvvet),in der gleichen Art und Weise. Seine Leitung trägt überall den gleichen Stempel, wirkt überall fehlerfrei und in der gleichen Form. Diese so großen und gefährlichen Kräfte der Natur und im All werden Gesetzen unterworfen, die sie nicht zu überschreiten vermögen. Gleich wie die Trümmer in diesem grenzenlosen Gedränge keine Möglichkeit erhalten, das Angesicht des Himmels zu verunreinigen, so wird es auch von jeglichem Unrat auf das Schönste gesäubert. Alle Gestirne müssen ihre Bewegungen wie ein diszipliniertes Heer im Manöver
durchführen. Während die Erde kreist und sich dreht, wird allen Geschöpfen, gleich wie einem Publikum vor einer Kinoleinwand, dieses majestätische Manöver ihrer tatsächlichen und ihrer scheinbaren Bewegungen im Wechsel der Nächte und im Verlaufe der Jahre in immer neuen Formen dargeboten. In den Taten (faaliyet)dieser göttlichen Herrschaft (rububiyet)können wir eine Wahrheit erblicken, die in Unterordnung, Verwaltung, einem beständigen Kreislauf, Disziplin, Reinerhaltung und der Erfüllung von Aufgaben zum Ausdruck kommt. Diese Tatsache in ihrer allumfassenden gewaltigen Majestät und Größe (= azamet)ist ein offensichtliches Zeugnis dafür, dass es notwendigerweise (vudjub-u vudjud)einen Schöpfer der Himmel geben muss, ein Zeugnis für Seine Einheit (vahdet)und auch dafür, dass Sein Dasein (maudjudiyet)noch offensichtlicher ist, als das Dasein des Himmels. In diesem Sinne wurde auf der Ersten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ السَّمَاوَاتُ بِجَمِيعِ مَا فِيهَا بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ التَّسْخِيرِ وَالتَدْبِيرِ وَالتَّدْوِيرِ وَالتَّنْظِيمِ وَالتَّنْظِيفِ وَالتَّوْظِيفِ الْوَاسِعَةِ الْمُكَمَّلَةِ بِالْمُشَاهَدَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen die Himmel mit allem, was darinnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der umfassenden und vollkommenen Unterordnung, der Verwaltung, des beständigen Kreislaufs, der Disziplin, der Reinerhaltung und der Erfüllung seiner Aufträge, so wie wir es bezeugen."}
Die Sphäre des Himmels
Nach all dem ruft der Weltraum, den man die Sphäre des Himmels nennt und welcher dieser einzigartige Ort der Wiederversammlung ist, dem Reisenden und Gast, der in diese Welt gekommen ist, mit Donnerstimme zu: "Schau mich an! Du kannst durch mich den erkennen und finden, nach dem du so eifrig suchst und der dich hierher gesandt hat." Der Gast betrachtet sein trübes, wolkenverhangenes, doch barmherziges (merhamet)Gesicht und lauscht seiner Furcht erregenden, doch eine gute Botschaft verkündenden Donnerstimme, und er sieht:
Die Wolken, die zwischen Himmel und Erde schweben, bewässern den Garten der Erde mit großer Weisheit und Barmherzigkeit (hakiemane ve rahiemane),bringen den Bewohnern der Erde das Leben spendende Wasser, mildern die Hitze (d.h. die Heftigkeit des lebensspendenden Feuers), und eilen, überall dort Hilfe zu bringen, wo Not ist. Und nachdem sie noch viele andere ähnliche Aufgaben gleich diesen Aufgaben erfüllt haben, versteckt sich plötzlich dieses ganze riesige Gewölk, das den Himmel bedeckt hatte, so wie sich ein wohlgeordnetes Heer den raschen Befehlen folgend bald zeigt und bald wieder verbirgt, zieht alle seine Teile zu einer Ruhepause zurück, und es ist keine Spur mehr von ihm zu sehen. Dann aber versammeln sie sich, sobald sie den Befehl: "Zum Regen auf die Plätze!" erhalten haben, innerhalb einer Stunde, ja, sogar einigen Minuten, bedecken den Himmel und gehen in Bereitschaft, so als ob sie den Befehl eines Kommandanten erwarteten.
Nun betrachtet der Reisende die Winde unter dem Himmel und sieht: Die Luft ist aus der großen Weisheit und Freigiebigkeit (hakiemane ve keriemane)ihres Herrn mit so vielen Aufgaben betraut, dass es ist, als ob jedes einzelne unter diesen Atomen der unbelebten Luft, die doch kein Bewusstsein hat, die Befehle des Königs (sultan)der Welten (kainat)hört und versteht und keinen von ihnen vernachlässigt, sie in der Macht (quvvet)dieses
Kommandanten erfüllt und in bester Ordnung durchführt. Zu ihren Aufgaben gehört es, allen Seelen der Erde die Atemluft zu spenden, so lebensnotwendige Dinge wie Wärme und Energie zu übertragen, die Sonnenstrahlung zu filtern, bei der Bestäubung der Pflanzen mitzuhelfen. Diese und noch viele andere Aufgaben erfüllt die Luft im Dienste der Allgemeinheit, beauftragt aus dem Bewusstsein (shuur)und dem Wissen (alîm)ihres Herrn und Lebensspenders wie von unsichtbarer Hand geleitet.
Danach betrachtet er den Regen und sieht: Er besteht aus Tropfen süßen, klaren, weichen Wassers, das aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit (rahmet)wie aus dem Nichts und aus dem Verborgenen herabgesandt wurde, so viele Geschenke der Erbarmung in sich enthält und so viele Aufgaben hat, als habe die Erbarmung in diesen Tropfen Gestalt angenommen und ströme aus der Schatzkammer des Herrn. In diesem Sinne bezeichnet man den Regen als Barmherzigkeit (rahmet).
Danach betrachtet er den Blitz, lauscht dem Donner und erkennt, dass auch diese beiden mit einzigartigen und staunenswerten Diensten beauftragt sind.
Danach kehrt er seinen Blick nach innen, wendet sich an seinen Verstand und sagt zu sich selbst:
"Diese Wolken, die aussehen wie Baumwollhaufen, ohne Leben und ohne Bewusstsein (shuur),wissen sicherlich nichts von uns. Sie können nicht Mitleid mit uns empfinden, und uns von sich aus zu Hilfe eilen, nicht ohne einen Befehl auf dem Platz erscheinen oder wieder verschwinden. Vielmehr bewegen sie sich dem Befehl eines großmächtigen und allbarmherzigen (qadier ve rahiem)Kommandanten entsprechend, ziehen sich zurück ohne eine Spur zu hinterlassen und erscheinen plötzlich wieder an ihrem Platz, nehmen ihre Arbeit auf. Auf den Befehl (Ferman)und in der Kraft (quvvet)eines besonders rührigen und hocherhabenen (faal ve mute'al),majestätischen (hashmet)Sultans, dessen Wirken überall sichtbar wird, erfüllt und entleert Er von Zeit zu Zeit die Atmosphäre, beschreibt in Weisheit (hikmet)unablässig Seine Tafel, lässt sie zur nächsten Pause wieder
auslöschen; und so wie Er an Seinem schwarzen Brett alle Dinge entfernt und sie zum Beweis wieder anbringt (mahv ve isbat lauh),so gestaltet Er in ihnen das Bild des Weltendes und der Wiederauferstehung. Ein besonders gütiger (lutuf)König, der es liebt, Geschenke auszuteilen (ihsan)und sehr freigiebig (kerem)ist, ein Herrscher (hâkim-i mudebbir),der Sein Amt versteht, ein Regent lässt auf Seinen Befehl hin die Wolken die Winde besteigen, schickt in ihnen die Schatzkammern Seines Regens gleich Bergen auf die Reise und sendet sie, wohin immer sie gebraucht werden. Es ist, als hätten sie Mitleid (mit der ausgetrockneten Erde) und weinten über sie, dass sie über diese Tränen in Blumen lächle. Sie mildern die sengende Hitze der Sonne, sprengen wie mit einem Schwamm die Gärten, waschen und reinigen das Antlitz der Erde."
Da wendet sich dieser Reisende verwundert an seinen eigenen Verstand und sagt:
"Hunderttausende in Weisheit und Erbarmung (hakiemane ve rahiemane)kunstvoll durchgeführter Arbeiten, die auf der Leinwand dieses toten, unbelebten, unbeständigen, stürmischen, unruhevollen Himmels, der kein eigenes Bewusstsein (shuur)hat, dessen Anblick sich ständig verändert, der kein Ziel kennt und keine Absicht verfolgt, Hunderttausende von Geschenken, die in äußerlich sichtbarer Gestalt zu uns kommen, Hunderttausende von Hilfeleistungen beweisen, dass dieser fleißige Wind, dieser unermüdliche Diener, nichts aus sich selbst heraus tut, vielmehr auf Befehl eines allmächtigen (Qadier),allwissenden (Alim)und allweisen (Hakiem),freigiebigen (Keriem)Herrn handelt. Es ist, als verstünde jedes einzelne Atom jede beliebige Arbeit, hörte wie ein Soldat jeden Befehl seines Herrn, als bewegte sich der Befehl seines Herrn durch die Luft fort und befolgte ihn. Sie bringen Luft und Leben für Mensch und Tier. Sie befruchten die Pflanzen und versorgen sie mit allem, was sie zum Leben und Gedeihen benötigen. Sie lenken und leiten die Wolken, lassen Schiffe und Flugzeuge auf ihren Reisen segeln, hin und her durch Luft und Meer. Sie ermöglichen das Hören von Geräuschen und Stimmen.
Elektromagnetische Wellen durcheilen den Raum, verbinden die Menschen mit drahtlosen Telefonen und Telegrafen über den Rundfunk miteinander. Ich habe gesehen, dass die Luft, die aus zwei einfachen Bestandteilen wie Stickstoff und Sauerstoff zusammengesetzt ist, diese Atome, die einander zu gleichen scheinen, außer zu diesen und anderen allgemeinen Aufgaben, von der Hand der Weisheit (hikmet)in vollkommener Ordnung in den Kunstwerken des Herrn, die auf der Erde in Hunderttausenden von Arten sich finden, beschäftigt werden.
Mit anderen Worten:
وَتَصْرِيفِ الرِّيَاحِ وَ السَّحَابِ الْمُسَخَّرِ بَيْنَ السَّمَآءِ وَ الْاَرْضِ
{"Im Wechsel der Winde und Wolken, die Ihm zwischen Himmel und Erde dienen müssen." (Sure 2, 159)}
Aus dieser Ayah wird unserem Reisenden klar, und er zieht daraus die Schlussfolgerung, dass der, welcher über die Winde verfügt und sie ohne Ende zu Seinen königlichen Diensten einsetzt, sich die Wolken unterwirft und ihnen zahllose Arbeiten Seiner Erbarmung (Rahmani)gebietet, der die Luft solcher Art ins Dasein gerufen hat, derjenige sein muss, dessen Dasein sich mit Notwendigkeit ergibt (Vadjibu-I'Vudjud),der Macht hat über alle Dinge (Qadier-i Kulli Shey)und um alle Dinge weiß (Alim-i Kulli Shey),der Herr in Seiner Majestät und in Seiner Freigiebigkeit (Rabb-i Dhu l-Djelali Ve-l Ikram).
Danach betrachtet er den Regen und sieht:
Die Menge seiner Wohltaten (menfaat)entspricht der Zahl seiner Tropfen, die Manifestationen der Erbarmungen (Gottes, rahmani)ihrer Menge, und die Weisheit (hikmet),die in ihnen zum Ausdruck kommt, ihrer Unendlichkeit. Auch werden diese schönen, feinen, gesegneten Regentröpfchen in einer so wundervollen Ordnung erschaffen. Selbst der Hagel, der im Sommer vom Himmel fällt, zeigt noch Ausgewogenheit und Ordnung. Wenn heftige Stürme im Brausen ihrer Winde alle Dinge umherwirbeln und gegeneinander stoßen, so stören sie
doch die Ausgewogenheit und Ordnung der Dinge nicht; Regentropfen treffen aufeinander, vereinigen sich und bilden doch nicht eine schädliche Masse miteinander. In ähnlicher Weise wird das Wasser, das aus zwei so einfachen Bestandteilen wie Sauerstoff und Wasserstoff zusammengesetzt ist, die ohne Leben noch Bewusstsein sind, für höchst weisheitsvolle (hakiemane)Tätigkeiten, ja, sogar in den Lebewesen eingesetzt, zu Hunderttausenden voneinander verschiedenen Dienstleistungen und künstlerischen Tätigkeiten, die Weisheit und Bewusstsein (hikmet ve shuur)erfordern, angestellt. Das heißt, der Regen, der selbst eine Verkörperung der Barmherzigkeit (rahmet)ist, kann nur in der verborgenen Schatzkammer des Erbarmers (Rahman-i Rahiem)gemacht werden, der ihn in der Überfülle Seiner Erbarmungen (rahmet)herabsendet als einen substanziellen Kommentar zu der Ayah:
وَ هُوَ الَّذِى يُنَزِّلُ الْغَيْثَ مِنْ بَعْدِ مَا قَنَطُوا وَ يَنْشُرُ رَحْمَتَهُ
{"Er ist es, der Hilfe (= Regen) herabsendet, nachdem sie schon verzweifelt hatten, und Sein Erbarmen ausbreitet." (Sure 42, 27).}
Danach lauscht er dem Donner, betrachtet den Blitz und sieht:
Diese beiden bemerkenswerten Ereignisse in der Atmosphäre kommentieren in ganz und gar substanzieller Weise die Ayah: وَ يُسَبِّحُ الرَّعْدُ بِحَمْدِهِ {"Und es lobpreist Ihn der Donner in Dankbarkeit (hamd)" (Sure 13, 14)} und يَكَادُ سَنَا بَرْقِهِ يَذْهَبُ بِالْأَبْصَارِ {"Der Glanz Seines Blitzes blendet die Augen" (Sure 24, 43).}
Sie künden das, Kommen des Regens und bringen frohe Kunde den Bedürftigen.
In der Tat treffen Ereignisse voll Weisheit (hikmet)und Einzigartigkeit gleich dem wundersamen Donnerschlag, der plötzlich aus dem Nichts kommt, den Himmel zum Sprechen bringt und dem außergewöhnlichen Licht und Feuer, das den dunklen Himmel erfüllt, erleuchtet und den Wolken, die gleich Bergen von Watte und Schläuchen gefüllt mit Hagel, Schnee oder Wasser ähnlich sind, den Kopf des sorglosen Menschen von oben herab wie mit einem Holzhammer:
"Hebe dein Haupt und betrachte die wunderbaren Taten einer mächtigen Persönlichkeit (qudretli bir dhat),die allzeit wirkt und erkannt werden will. So wie du nicht Herr deiner eigenen Entscheidungen bist, so zeigen sich auch diese Ereignisse nicht ohne den Willen ihres Herrn. Jedes von ihnen ist gehalten, seine Aufgabe in großer Weisheit (hikmet)zu verfolgen. So stehen sie im Dienste ihres weisen Herrn, der sie lenkt und leitet (Mudebbir-i Hakiem)."So ermahnen sie die Menschen.
So hört also dieser Reisende erstaunt das hohe und klare Zeugnis einer Wahrheit, die sich aus der Herrschaft über die Wolken und dem Wechsel der Winde, dem Herabströmen des Regens und der Lenkung der Ereignisse im Himmelsraum ergibt und sagt: "Amentu bi'llah(ich glaube an Gott)". Auf der Zweiten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)bringt der folgende Abschnitt die erwähnte Beobachtung dieses Reisenden über den Himmelsraum mit folgenden Worten zum Ausdruck:
{(Hinweis): Ich möchte die vorliegende, dreiunddreißig Stufen umfassende Abhandlung über die Einheit noch ein wenig erläutern. Doch in meiner jetzigen Lage und in meinem augenblicklichen Zustand bin ich leider dazu gezwungen, mich mit einigen ganz kurzen Beweisen und einer nur knappen Auslegung zu begnügen. Da aber in den dreißig, ja vielleicht sogar hundert Abhandlungen der Risale-i Nur diese dreiunddreißig Stufen auf verschiedene Arten bewiesen, ja, in jeder Risala die eine oder andere Stufe dargelegt wurde, können wir die Erklärung insgesamt diesen Risalat überlassen.}
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ الْجَوُّ بِجَمِيعِ مَا فِيهِ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ التَّسْخِيرِ وَ التَّصْرِيفِ وَ التَّنْزِيلِ وَ التَّدْبِيرِ الْوَاسِعَةِ الْمُكَمَّلَةِ بِالْمُشَاهَدَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist die Atmosphäre mit allem, was in ihr enthalten ist, durch das gewaltige und alles umfassende wahre Zeugnis der umfassenden und vollkommenen Unterordnung, des Wechsels der Winde, der Herabkunft des Regens und dem, der sie lenkt und leitet, so wie wir es bezeugen."}
Die Erde wie ein Buch
Nun wendet sich die Erdkugel dem in seine Gedanken versunkenen Gast, der sich nun schon an seine Gedankenreise gewöhnt hat, zu und sagt ihm in ihrer Art: "Was wanderst du zwischen den Himmeln und den Wolken und im Weltraum umher? Ich werde dich zu dem weisen, den du suchst. Wenn du mich bei meinen Aufgaben betrachtest, kannst du in mir lesen wie in einem Buch."
Er betrachtet sie und sieht: Die Erde beschreibt in ihrer zweifachen Bewegung, die der Ursprung der Tage, Jahre und Jahreszeiten ist, einem Mevlevi-Derwisch gleich einen Kreis um den Platz der gewaltigen Wiederversammlung. Sie ist ein majestätisches Schiff im Dienste ihres Herrn, das Hunderttausende Arten all dessen, was da lebt, samt ihrer Nahrung und allem, dessen sie bedürfen, in sich trägt, das Weltenmeer in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung durchfährt und die Sonne auf ihrer Reise umkreist.
Danach beginnt er in diesem Buche zu lesen und jedes Tor (Kapitel) darin öffnet ihm die Seiten zu Tausenden von Ayat, die ihm den Herrn der Erde weisen. Er hat keine Zeit, sie alle zu lesen. So betrachtet er nur diese eine Seite, die davon handelt, wie alles, was da lebt, im Frühling ins Dasein gerufen wird (idjad)und seine Aufgabe erhält. So wird er folgender Dinge Zeuge:
Hunderttausend verschiedene Arten und einzelne Formen entfalten sich in schönster Ordnung aus einem ganz unscheinbaren Gebilde und werden in so barmherziger Weise genährt (rahimane terbiye).Einigen von ihren Samen werden auf ganz wundersame Weise kleine Flügel gegeben. So können sie sich im Fluge verbreiten. Sie werden mit großer Umsicht angeleitet, mit viel Liebe gepflegt (mushfiq)und genährt. Der Allernährer und Allerbarmer (rahimane ve rezzaqane)versorgt sie aus dem Nichts, aus dürrer Erde oder Wurzeln, die einander gleichen, sich kaum voneinander unterscheiden und knochentrocken
zu sein scheinen, mit dem Saft, der sie auf vielfältige Weise mit vielen verschiedenen, reichhaltigen und zuträglichen Nährstoffen speist, zieht sie aus Samenkörnern und Wassertropfen auf. In jedem Frühling werden hunderttausend Dinge zur Ernährung und Versorgung alles Lebendigen aus der verborgenen Schatzkammer in vollkommener Ordnung wie in einen Waggon geladen und zu allem Lebendigen gesandt. Besonders aber die Milchkonserven in den Nahrungsmittelpaketen, die den Jungtieren gesandt werden und die Säcke voll süßer Milch, die so liebevoll (shefqatli)an den Eutern der Muttertiere herabhängen, machen sichtbar, wie viel Liebe (shefqat),Barmherzigkeit (merhamet)und Weisheit (hikmet)darinnen liegt und beweisen, dass dies offensichtlich eine Manifestation der Barmherzigkeit (rahmet)und Güte (ihsan)dessen ist, der nach der Überfülle Seiner Erbarmungen (Rahman-i Rahiem)alles, was da lebt, mit so viel Liebe pflegt und nährt (mushfiqane ve murebbiyane).
Zusammenfassung:
Diese Seite frühlingshaften Lebens zeigt in hunderttausend verschiedenen Arten und Beispielen substanziell in besonders glänzender Weise die Auslegung der Ayah:
فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللّٰهِ كَيْفَ يُحْيِى الْاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ إِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: Wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
In dieser Ayah kommt auch die Bedeutung dieser Seite wundervoll zum Ausdruck. Da verstand er, dass die Erde auf allen ihren Seiten und mit all ihrer Macht (quvvet)und Größe لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm (Allah)!"} sagt.
Nun ist also die Erde ein Buch mit mehr als zwanzig großen Seiten. Auf einer einzigen Seite finden sich zwanzig Aspekte. Als ein kurzes Zeugnis, einem einzigen Aspekt entnommen, und als eine Erklärung der Beobachtungen und Entdeckungen, die der Reisende mit den übrigen Aspekten auf den anderen Seiten gemacht hat und als ein Ausdruck dessen, was er bezeugt hat, wird auf der Dritten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ الْاَرْضُ بِجَمِيعِ مَا فِيهَا وَمَا عَلَيْهَا بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ التَّسْخِيرِ وَ التَّدْبِيرِ وَ التَّرْبِيَةِ وَ الْفَتَّاحِيَّةِ وَ تَوْزِيعِ الْبُذُورِ وَ الْمُحَافَظَةِ وَ الْاِدَارَةِ وَ الْاِعَاشَةِ لِجَمِيعِ ذَوِى الْحَيَاةِ وَالرَّحْمَانِيَّةِ وَالرَّحِيمِيَّةِ الْعَآمَّةِ الشَّامِلَةِ الْمُكَمَّلَةِ بِالْمُشَاهَدَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist die Erde mit allem, was darauf und darinnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Unterordnung, der Verwaltung und Pflege, der Erschließung, der Verteilung der Samen, der Erhaltung, Versorgung und Ernährung aller Lebewesen durch Seine alles umfassende, vollkommene Gnade und Barmherzigkeit, so wie wir sie bezeugen."}
Das Zeugnis der Meere und Ströme
Nun verstärkt sich mit jeder Seite, die er liest, sein Glaube (iman),welcher der Schlüssel zur Glückseligkeit ist. Es wächst seine Erkenntnis (marifet),die der Schlüssel geistiger Entwicklung ist. Bis zu einem gewissen Grade liegt ihm nun die Wahrhaftigkeit des Glaubens an Allah (iman-i billah haqiqat)klarer vor Augen, die der Grundsatz und die Quelle jeglicher Vollkommenheit ist. Der innere Genuss und der Geschmack (den er am Reisen gewonnen hat), spornt seinen Eifer mächtig an. Obwohl er die so völlig sicheren Lektionen des Weltraumes von Himmel und Erde empfangen hat, fragt er dennoch beharrlich: هَلْ مِنْ مَزِيدٍ {"Gibt es da nicht noch mehr?"}
Da hört er die elegische Stimme der Meere, die berauschende Stimme der großen Ströme in ihrer ekstatischen, von Begeisterung erfüllten Dhikr-Feier. In ihrem Tun und Rauschen rufen sie ihm zu: "Sieh auch uns an! Lies auch in uns!" Da betrachtet er sie und erkennt:
Die Meere, in deren Natur es liegt, ein lebendiger, ständig bewegter Organismus zu sein, sich auszubreiten, alles zu überfluten und zu überschwemmen, umspannen die Erde, durchlaufen mit der Erde den Jahreskreis mit einer solchen Geschwindigkeit, dass sie 25.000 mal schneller sind als der Mensch. Trotzdem verbreiten sie sich nicht weiter, überfluten nicht die Erde und überschwemmen nicht das Land ihrer Nachbarn. Das heißt also, dass ein überaus starker und gewaltiger Herr (qudretli ve azametli bir dhat)sie durch Seinen Befehl und in Seiner Macht (emr ve quvvet)still stehen lässt oder in Bewegung versetzt, sie bewacht und bewahrt.
Danach schaut er in das Innere des Meeres und sieht: Es gibt darinnen nicht nur die schönsten und kunstvollsten, wohlgestalteten Schätze, nein, Tausende von Lebewesen werden in ihm genährt und geführt, werden in ihm geboren und finden darin ihren Tod. All dies geschieht in schönster Ordnung. Die Nahrung und Versorgung, die in
so vollkommener Weise aus einfachem Sand und salzigem Wasser erwächst, ist ganz offensichtlich ein Beweis für die Lenkung und Leitung und für die Versorgung durch den Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadier-i Dhu l-Djelal),den Allbarmherzigen in Seiner Vollkommenheit (Rahiem-i Dhu l-Djemal= Schönheit).
Danach betrachtet dieser Gast die Flüsse und sieht: Ihre Wohltaten (menfaat), die sie spenden, ihre Aufgaben, die sie verrichten, ihr Einzugsgebiet und ihre Kapazität sind so voll Weisheit und Erbarmen (rahimane ve hakimane).Sie beweisen ganz offensichtlich, dass alle Ströme, Flüsse, Bäche, Quellen alle die großen Wasserstraßen aus der Schatzkammer der Erbarmungen (rahmet)des Barmherzigen in Seiner Majestät und Freigiebigkeit (Rahman-i Dhu l-Djelali Ve-l Ikram)hervorkommen und ihr entströmen. Ja, das Bewässerungssystem mit seinen Schleusen und Speichern funktioniert in so vorzüglicher Weise, dass die Überlieferung sagt: "Vier Flüsse entströmen dem Paradies." Das heißt also, dass ihre Ursprünge weit jenseits der äußerlichen Welt liegen, dass sie aus dem Geist und aus der Schatzkammer eines Paradieses und nur aus dem Segen (feyz)einer unsichtbaren und unerschöpflichen Quelle fließen.
Zum Beispiel:
Der heilige (mubarek)Nilstrom, der das Sandland Ägypten in ein Paradies verwandelt, fließt, als wäre er ein kleines Meer, aus einem Felsen, der Mondberg genannt wird, unaufhörlich heraus, ohne sich jemals zu erschöpfen. Könnte man seine Wassermassen sechs Monate lang sammeln und einfrieren, es entstünde daraus ein noch weit größerer Berg. Doch der für die Einlagerung eines solchen Eisberges zur Verfügung stehende Platz genügt noch nicht einmal seinem sechsten Teil. Was aber die Erneuerung des Wasservorrates betrifft, so genügt der Regen, der in dieser heißen Gegend nur sehr spärlich fällt und von der durstigen Erde schnell wieder aufgesaugt wird, kaum, ihn stets wieder aufzufüllen. Er ist sicherlich nicht im Stande, das Gleichgewicht im Wasserhaushalt aufrecht zu erhalten. So findet hier die Überlieferung, die besagt, dass der heilige Nil aus einem unsichtbaren
Paradies entströmt, entgegen dem, was sonst auf Erden üblich ist, in einer sehr tiefen und schönen Wahrheit ihren Ausdruck.
So hat er denn nun den tausendsten Teil der ozeangleichen Wahrheit und der Zeugnisse gesehen, die Meere und Ströme in sich enthalten. Und er hat verstanden, dass sie alle zusammen mit einer Kraft (quvvet),die der Größe der Meere entspricht لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} und zur Bestätigung dieses Bekenntnisses so viele Zeugnisse anführen, wie es Bewohner (Makhluqat)in ihnen gibt. In der Absicht, das ganze Zeugnis der Meere und Ströme zum Ausdruck zu bringen, haben wir in der Vierten Stufe des Ersten Kapitels (makam)sinngemäß gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ جَمِيعُ الْبِحَارِ وَ الْاَنْهَارِ بِجَمِيعِ مَا فِيهَا بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ التَّسْخِيرِ وَ الْمُحَافَظَةِ وَ الْاِدِّخَارِ وَ الْاِدَارَةِ الْوَاسِعَةِ الْمُنْتَظَمَةِ بِالْمُشَاهَدَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen die Ströme und Meere mit allem, was darinnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Unterordnung, der Erhaltung, der Speicherung, der umfassenden und wohlgeordneten Bewirtschaftung, so wie wir sie bezeugen."}
Die Berge als Masten
Dann rufen die Berge und Wüsten jenem Wanderer, der sich auf seiner Gedankenreise befindet, zu: "Auch wir sind ein Buch. Komm nun und lies in uns!" Da blickt er sie an und sieht:
Alle die Dienste und die vielen Aufgaben der Berge sind so gewaltig (azametli)und so voller Weisheit (hikmetli),dass es den Verstand in Erstaunen versetzt. Zum Beispiel: Auf Befehl des Herrn traten die Berge aus der Erde hervor, und so aus der Erde hervortretend, beruhigten sie die Aufregungen, den Zorn und die Wut, welche die Umwälzungen im Inneren (der Erde) hervorruft. Im Hervorquellen der Berge und in ihren Kratern atmet die Erde, befreit sich so von gefährlichen Erschütterungen und Beben und stört nicht die Ruhe ihrer Bewohner, während sie ihre Bewegungsaufgabe erfüllt. Das heißt, so wie man Masten auf Schiffen errichtet, um sie vor Erschütterung zu bewahren und das Gleichgewicht aufrecht zu erhalten, so sind auch die Berge auf dem Schiff unserer Erde gleichsam als von Schätzen erfüllte Masten aufgerichtet, so wie viele Ayat des Qur'an, der ein Wunder der Verkündigung ist, es zum Ausdruck (Ferman)bringen, mit den Worten:
وَ الْجِبَالَ اَوْتَادًا ٭ وَ اَلْقَيْنَا فِيهَا رَوَاسِىَ ٭ وَالْجِبَالَ أَرْسٰيهَا
{"Er hat die Berge zu Pflöcken gemacht" (Sure 78, 7) "Wir haben auf der Erde Berge errichtet" (Sure 50, 7) "Er hat die Berge fest begründet." (Sure 79, 32)}
Und noch ein Beispiel: Im Inneren der Berge finden sich lebensnotwendige Quellen jeder Art, Gewässer, Bodenschätze, Mineralien und Heilmittel eingelagert, aufgespeichert und bereitgestellt mit so viel Weisheit (hakiemane)und Umsicht (mudebbirane),mit solcher Freigiebigkeit (kerimane)und Voraussicht, dass er sich sagt, dies beweise ganz offensichtlich die grenzenlose Macht (qudret)des Allmächtigen (Qadier)und die grenzenlose Weisheit (hikmet)
des Allweisen (Hakiem)und die Existenz Seiner Schatzkammern, Vorratshäuser und Seiner Dienerschaft. Und so verstand er es. Dann vergleicht er die Aufgaben der Berge und Wüsten, ihre Weisheiten (hikmet),die so groß wie Berge sind. Mit diesen beiden Juwelen (= Beispielen) gelangt er zu einer Erkenntnis, die so mächtig und so unerschütterlich ist wie die Berge, so groß und so weit wie die Wüsten, wenn sie in ihrer Vorratshaltung das Zeugnis von der Einheit Gottes (Tauhid)ablegen und sprechen: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
Und er sagt: "Ich glaube an Allah."
So ist bereits auf der Fünften Stufe der Ersten Abhandlung, um den Sinn all dessen zum Ausdruck zu bringen, gesagt worden:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِي دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ جَمِيعُ الْجِبَالِ وَالصَّحَارَى بِجَمِيعِ مَا فِيهَا وَمَا عَلَيْهَا بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الْاِدِّخَارِ وَ الْاِدَارَةِ وَنَشْرِ الْبُذُورِ وَ الْمُحَافَظَةِ وَالتَّدْبِيرِ وَ الْاِحْتِيَاطِيَّةِ الرَّبَّانِيَّةِ الْوَاسِعَةِ الْعَامَّةِ الْمُنْتَظَمَةِ الْمُكَمَّلَةِ بِالْمُشَاهَدَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle die Berge und Wüsten mit allem, was auf ihnen und in ihnen ist, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Speicherung, der Bewirtschaftung, der Verbreitung der Samen, der Erhaltung und Verwaltung, der wohlgeordneten, vollkommenen, alles umfassenden Vorsorge des Herrn, so wie wir sie bezeugen."}
Die Welt der Bäume und Pflanzen
So durchfliegt nun der Reisende in seinen Gedanken die Berge und Wüsten und dabei öffnet sich seinen Gedanken das Tor zu den Welten der Bäume und aller übrigen Pflanzen. Sie fordern ihn zum Eintritt auf und rufen ihm zu: "Komm! Sieh Dich auch in unseren Gebieten um! Lies, was auch in uns geschrieben steht!" Da trat er ein und sah, dass sich eine hochherrschaftlich bekleidete Gesellschaft in geradezu königlichem Schmuck gebildet hat, welche die Schehada (La ilahe illallah)rezitiert, der Einheit und der Namen Allahs gedenkt (dhikir)und Dank (shukur)sagt. Da verstand er, dass alle Arten von Bäumen und sonstigen Pflanzen auf ihre Weise (lisan-i hal)gemeinsam لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} sagen. Denn durch alle die Bäume und die übrigen Pflanzen, die Früchte hervorbringen, bezeigen und bezeugen sie in einem immerwährenden Lobpreis und in der wohlgeformten und klaren Ausdrucksweise ihrer Blätter, in der kunstvollen eleganten Sprache ihrer Blüten, mit Früchten, die wohlgesetzten und treffenden Worten gleichen, dass es keinen Gott gibt außer Ihm. Und so erkannte er die folgenden drei umfassenden Wahrheiten.
Erstens:
So wie sich in ganz offensichtlicher Weise eine wohldurchdachte (qasd)Zuwendung (in'am)und Freigiebigkeit (ikram),eine klare und freie (ihtiyar)Güte (ihsan)und Wohlgesonnenheit in ihrer wahren und wirklichen Bedeutung bei jeder einzelnen Pflanze erkennen lässt, so wird sie auch in deren Gesamtheit mit sonnenlichtklarer Deutlichkeit sichtbar.
Zweitens:
Es lässt sich eine wohldurchdachte (qasdi),von so viel Weisheit (hakiemane)erfüllte Trennung und Differenzierung, die in jeder Weise die Möglichkeit irgendeines Zufalls zunichte macht und eine so klare und freie (ihtiyari)Ausschmückung und
Ausgestaltung von solcher Barmherzigkeit (rahimane)bei so unendlich vielen Arten und Einzelexemplaren so klar und offensichtlich erkennen wie der lichte Tag. Und das zeigt, dass dies die Werke und Spuren eines allweisen Meisters (Sani-i Hakiem)sind.
Drittens:
Diese Formen, die auf zahllose Weisen in hunderttausend überaus verschiedenen Arten und Gestalten hervortreten, entfalten sich und erblühen in schönster Ordnung, in Schönheit und Ausgewogenheit aus einigen wenigen, untereinander austauschbaren, einfachen und leblos erscheinenden, einander zum Verwechseln ähnlich aussehenden oder kaum voneinander unterschiedenen Samenkernen und Körnchen zu zweihunderttausend untereinander verschiedenen, wohlgeordneten, völlig unterschiedlichen, ausgewogenen, lebendigen, weisheitsvollen, fehlerfreien, makellosen, auf ihre Art einmaligen Gestalten. Dies ist eine Tatsache, die noch klarer ist als Sonnenlicht. Da erkannte er, dass es entsprechend der Zahl der Blumen im Frühling, und der Früchte und Blätter, die er hervorbringt, ebenso viele Zeugen für diese Wahrheit gibt, und sagte:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلَى نِعْمَةِ الْاِيمَانِ
{"Lobpreis und Dank sei Allah für die Gnade des Glaubens."}
Entsprechend wurde auf der Sechsten Stufe der Ersten Abhandlung (makam),um dieser Wahrheit Ausdruck zu verleihen, Folgendes ausgeführt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اِجْمَاعُ جَمِيعِ أَنْوَاعِ الْاَشْجَارِ وَ النَّبَاتَاتِ الْمُسَبِّحَاتِ النَّاطِقَاتِ بِكَلِمَاتِ أَوْرَاقِهَا الْمَوْزُونَاتِ الْفَصِيحَاتِ وَ أَزْهَارِهَا الْمُزَيَّنَاتِ الْجَزِيلاَتِ وَ اَثْمَارِهَا الْمُنْتَظَمَاتِ الْبَلِيغَاتِ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ اَلْاِنْعَامِ وَ الْاِكْرَامِ وَالْاِحْسَانِ بِقَصْدٍ وَرَحْمَةٍ. وَحَقِيقَةِ التَّمْيِيزِ وَ التَّزْيِينِ وَ التَّصْوِيرِ بِاِرَادَةٍ وَ حِكْمَةٍ مَعَ قَطْعِيَّةِ دَلاَلَةِ حَقِيقَةِ فَتْحِ جَمِيعِ صُوَرِهَا الْمَوْزُونَاتِ الْمُزَيَّنَاتِ الْمُتَبَايِنَةِ الْمُتَنَوِّعَةِ غَيْرِ الْمَحْدُودَةِ مِنْ نُوَتَاتٍ وَ حَبَّاتٍ مُتَمَاثِلَةٍ مُتَشَابِهَةٍ مَحْصُورَةٍ مَعْدُودَةٍ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Arten von Bäumen und sonstigen Pflanzen in ihrer Einheit, die Ihn in der Sprache ihrer wohlproportionierten und ihnen eindeutig zugeordneten Blätter, im Schmuck ihrer harmonisch gestalteten Blüten, ihrer wohlgestalteten, prägnanten Früchte lobpreisen, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Geschenke, der Freigiebigkeit und Güte, mit dem Erbarmen und durch die Wahrheit der Unterscheidung, der bewussten Ausschmückung, mit dem Willen zur Gestaltung in Weisheit mit dem zuverlässigen Beweis der Wahrheit der Entfaltung aller ihrer wohlgestalteten, verzierten, voneinander unterschiedenen, zahllosen Formen von begrenzten, abgezählten Samenkernen und Körnern, die einander ähneln und entsprechen."}
Rezitation der Tiere
Nun holt sich unser Weltreisender aus dem Garten des Frühlings einen Rosenstrauß voll Erkenntnis und Glauben (marifet ve iman),so groß wie der Frühling selbst. Auf seiner Gedankenwanderung öffnet sich seinem Denken, während mit seinem Interesse und mit seinen Fortschritten auch Lust und Neigung wachsen, in dem Wissen um die Wahrheit und seinem Verständnis in der bereitwilligen Annahme des einmal als richtig Erkannten, das Tor zur Welt der Tiere des Himmels und der Erde. Mit Hunderttausenden unterschiedlichster Stimmen und in den verschiedensten Zungen wird er nun hereingerufen. "Tritt ein!", rufen sie ihm zu. Und er tritt ein und sieht:
Alle Tiere des Himmels und der Erde in allen ihren Klassen, Gruppen und Familien sprechen gemeinsam je nach ihrer Art und Ausdrucksweise (lisan-i qal ve lisan-i hal): لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} und verwandeln so das Antlitz der Erde in ein Haus des Gottesgedenkens (dhikr)und eine Gesellschaft, welche die Schehada (tehlil)rezitiert. Und so erkennt er, dass jedes einzelne von ihnen in seiner Eigenschaft eine Kasside des Herrn, ein Wort der Lobpreisung (kelime-i Subhani),einen bedeutungsträchtigen Buchstaben des Allbarmherzigen (harf-i Rahmani),des Meisters (Sani')verkörpert, Ihm in dieser Art Lob sagend und Ihm dankend (hamd u sena).Es ist, als seien alle diese Empfindungen, Fähigkeiten, Instrumente, Werkzeuge und Geräte all der Tiere des Himmels und der Erde gleich wohlgesetzten Versen nach Reim und Metrik, gleich wohlgeordneten und vollendeten Worten. So ihrem Schöpfer und Ernährer (Khallaq ve Rezzaq)dankend (shukur)und Seine Gegenwart (Vahdaniyet)bezeugend, sind sie ein absolut sicherer Beweis der nachstehenden drei gewaltigen und allumfassenden Wahrheiten, von denen unser Reisender Zeugnis gibt:
Erstens:
Die Weisheit (hakiemane),die sich bei ihrer Schöpfung aus dem Nichts (= idjad)offenbart, die Kenntnis und der Sachverstand (ihtiyar ve alimane),der sich bei ihrer Erschaffung und Gestaltung (khalq ve insha)zeigt, die Kunstfertigkeit (san'at),die darin deutlich wird, wie sie ins Dasein treten (ibda'),können unmöglich einem planlosen Zufall, einer blinden Macht und den unbewussten Kräften der Natur zugeschrieben werden. Die Tatsache, dass ihnen die Seele (ruh)eingehaucht und das Leben gegeben wurde, und dass sich in ihnen zwanzigfach Wollen (irade),Wissen (ilim)und Weisheit (hikmet)manifestiert, ist ein ozeangleiches Zeugnis, dass in so vielfacher Weise bestätigt wird, wie es beseelte Wesen gibt. Sie bezeugt den Herrn des Lebens, der Unwandelbarkeit (Dhat-i Hayy-u Qayyum),die unbedingte Notwendigkeit Seiner Existenz (vudjub-u vudjud),Seine sieben Eigenschaften (sifat-i seb'a:Leben, Wissen, Hören, Sehen, Wollen, die Macht und das Wort) und die Einheit (Vahdet).
Zweitens:
In zahllosen Kunstwerken, die sich in ihrem Aussehen voneinander unterscheiden, sowie entsprechend ihrer künstlerischen Gestaltung (zinet),entsprechend dem ökologischen Gleichgewicht (miqdar mizan)ihrer Population und entsprechend der Stimmigkeit (intidham)in ihrer Erscheinung, die nun voneinander getrennt und kunstvoll verziert werden, denen nun eine Form gegeben, wird diese so gewaltige Wahrheit sichtbar, dass alle diese umfassenden Vorgänge, die in jeder Hinsicht Tausende von Wundern und Weisheiten sichtbar machen, keinen anderen zum Herrn haben können, als den, der aller Dinge mächtig ist (Qadier-i Kulli Shey),und der um alle Dinge weiß (Alim-i Kulli Shey).Eine andere Möglichkeit gibt es nicht und ist auch gar nicht vorstellbar.
Drittens:
Aus lauter kleinen und großen Eiern, die alle dieselbe Form haben, die alle gleich oder ähnlich aussehen, bzw. sich nur wenig voneinander unterscheiden, begrenzt und beschränkt in ihrer Zahl, sowie aus Wassertropfen, die man Spermien nennt, entstehen diese Hunderttausende unterschiedlichster Arten verschiedenster Tiere, und jedes einzelne seinem Wesen nach ein Wunder der Weisheit, überaus wohlgeformt und gestaltet in
makelloser Ausgewogenheit, entfalten sich und sind so - jedes einzelne von ihnen - als eine glänzende Tatsache Zeugnis und Urkunde entsprechend der Anzahl der Tiere und beleuchten dergestalt diese Wahrheit.
Also sprechen diese Arten von Tieren in Übereinstimmung (ittifaq)mit den drei Wahrheiten: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
Dafür legen sie Zeugnis ab. Und es ist, als ob die Erde wie ein einziger großer Mensch ihrer Größe entsprechend لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."} sagte, sodass es die Bewohner des Himmels hören. Dies hat unser Reisender erkannt und alle Lehren daraus gezogen.
Auf der Siebenten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)haben wir Folgendes gesagt, um dieser Tatsache (haqiqat)Ausdruck zu verleihen:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ إِتِّفَاقُ جَمِيعِ أَنَوَاعِ الْحَيَوَانَاتِ وَ الطُّيُورِ الْحَامِدَاتِ الشَّاهِدَاتِ بِكَلِمَاتِ حَوَاسِّهَا وَ قُوَاهَا وَحِسِّيَاتِهَا وَ لَطَآئِفِهَا الْمَوْزُونَاتِ الْمُنْتَظَمَاتِ الْفَصِيحَاتِ وَ بِكَلِمَاتِ اَجْهِزَتِهَا وَ جَوَارِحِهَا وَ اَعْضَآئِهَا وَ اٰلاَتِهَا الْمُكَمَّلَةِ الْبَلِيغَاتِ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الْاِيجَادِ وَالصُّنْعِ وَالْاِبْدَاعِ بِالْاِرَادَةِ وَحَقِيقَةِ التَّمْيِيزِ وَالتَّزْيِينِ بِالْقَصْدِ. وَحَقِيقَةِ التَّقْدِيرِ وَالتَّصْوِيرِ بِالْحِكْمَةِ مَعَ قَطْعِيَّةِ دَلاَلَةِ حَقِيقَةِ فَتْحِ جَمِيعِ صُوَرِهَا الْمُنْتَظَمَةِ الْمُتَخَالِفَةِ الْمُتَنَوِّعَةِ غَيْرِ الْمَحْصُورَةِ مِنْ بَيْضَاتٍ وَ قَطَرَاتٍ مُتَمَاثِلَةٍ مُتَشَابِهَةٍ مَحْصُورَةٍ مَحْدُودَةٍ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Arten von Vögeln und sonstigen Tieren in ihrer Einheit, die Ihn lobpreisend bezeugen in der Sprache ihrer wohlausgewogenen, wohlgeordneten, eindeutigen Anlagen und Fähigkeiten, ihres inneren und äußeren Wahrnehmungsvermögens, in der beredsamen Sprache ihrer Körper mit ihren Organsystemen und sonstigen Kostbarkeiten, ihren Besonderheiten und vollkommenen Werkzeugen, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis der Schöpfung, Formung und Gestaltung, durch Seinen Willen und durch die Wahrheit der Unterscheidung, der bewussten Ausschmückung, durch die Wahrheit der Vorausplanung, der Gestaltung in Weisheit mit dem zuverlässigen Beweis der Wahrheit der Entfaltung aller ihrer wohlgestalteten, voneinander unterschiedenen, zahllosen Formen von begrenzten und verschlossenen Eiern und Spermien, die einander ähneln und entsprechen."}
Die aufrechten Botschafter
Nun wollte unser Gedankenreisender auf der endlosen Sprossenleiter der Gotteserkenntnis (marifet-i Ilahiye),der zahllosen Freuden und der Lichter weiter voranschreiten, in den Kosmos der Menschen und die Welt des Menschlichen eintreten. Da luden ihn zuerst diejenigen ein, welche Propheten genannt werden. Er trat ein, betrachtete zuerst die Wohnstätten vergangener Zeiten und erkannte:
Alle Propheten, welche unter den Menschen höchste Erleuchtung (nurani)und größte Vollkommenheit erlangt haben, sprechen gemeinsam: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
Sie wiederholen unablässig Seinen Namen (dhikr).Sie rufen in der Kraft (quvvet)zahlloser, glänzend bestätigter Wunder zur Einheit Gottes (Tauhid)und geben den Menschen, die sie zum Glauben an Gott (iman-i billah)eingeladen haben, Unterricht, um sie von der Stufe der Tiere zum Rang der Engel empor zu führen. Dies sehend, kniet auch er in dieser lichtvollen Medresse nieder, um am Unterricht teilzunehmen. Und er erkannte:
Da der Schöpfer des Alls durch die Hand jedes Einzelnen von den großen unter den berühmtesten Lehrern der Menschheit Wunder wirkte, um ihre Auserwählung zu bestätigen, fanden sie auch durch die Botschaft jedes einzelnen unter ihnen Bestätigung bei einer gewaltig großen Menschenmenge, die ihre Gemeinde bildete und zum Glauben gelangte. So konnte er nun rückschließend feststellen, was für eine mächtige und absolut sichere Wahrheit dieser Tatsache zu Grunde liegt, die von Hunderttausenden ernsthafter und geradliniger Persönlichkeiten gemeinsam und übereinstimmend beurteilt und bestätigt wird. Zudem verstand er nun, was für einen Fehler, welch
ein Verbrechen die Leute des Irrwegs (ehl-i dalalet)begehen und welch grenzenlose Strafe sie verdienen, wenn sie diese mächtige Wahrheit leugnen, die doch durch zahllose Wunder von so vielen aufrechten Botschaftern ratifiziert (tasdiq)und bewiesen wurde. Und andererseits erkannte er nun, welche Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit (haq ve haqiqat)auf Seiten derer ist, welche die Propheten bestätigen und den Glauben angenommen haben. So wurde ihm eine noch höhere Stufe eines heiligen (qudsi)und makellosen Glaubens offenbar.
Es sind in der Tat nicht nur die zahllosen Wunder, welche eine aktive Bestätigung von Gott dem Gerechten für Seine Propheten sind, die so sehr vielen himmlischen Schläge, welche die Gegner treffen und die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)aufzeigen, die Vollendung ihrer Persönlichkeit, die beweist, dass sie gerecht sind, die Wahrhaftigkeit ihrer Lehren, die Stärke ihres Glaubens, die bezeugt, dass sie geradlinig sind, indem sie ihrem Wege folgten, was ein Zeugnis ist dafür, dass ihre Wege geradlinig sind und wahr. Es ist zudem auch der Konsens dieser durchaus ernstzunehmenden Botschafter, ihre Übereinstimmung in allen konkreten Fragen, in ihren Aussagen, in ihrer Beweisführung, ihre wechselseitige Unterstützung und gegenseitige Bestätigung. Dies alles ist gleich einer Urkunde und eine solche Kraft liegt darin, dass keine Macht der Welt dem zu widerstehen vermag und keine Zweifel und keine Unentschlossenheit danach mehr zurückbleibt.
Er verstand nun auch, dass der Glaube an alle Propheten, inbegriffen in den Glaubensgrundsätzen, eine weitere Bestätigung, und diese Bestätigung eine große Quelle der Kraft ist. Aus ihrem Unterricht empfing er viel Segen für seinen Glauben (feyz-i iman).Den oben erwähnten Lektionen des Reisenden entsprechend wurde auf der Achten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)Folgendes zum Ausdruck gebracht:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ إِجْمَاعُ جَمِيعِ الْاَنْبِيَآءِ بِقُوَّةِ مُعْجِزَاتِهِمِ الْبَاهِرَةِ الْمُصَدِّقَةِ الْمُصَدَّقَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Propheten in ihrer Gemeinsamkeit durch die Kraft ihrer offensichtlichen Wunder, die sowohl bestätigen, als auch bestätigt sind."}
Die Schule der Nachfolger der Propheten
Nun wurde unser reisender Schüler, nachdem er aus der Kraft des Glaubens eine hohe Begeisterung gewonnen hatte, auf dem Wege von der Versammlung der Propheten von den Kennern der Wahrheit (muhaqqiqin),die durch sichere und starke Zeugnisse der Gelehrten ('ulema)mit wissenschaftlicher Genauigkeit ('ilme-l'yaqin)die Lehre (dava)bewiesen, der Geläuterten (Asfiya)und der Getreuen (Siddiqin),die den Ozean der Lehre in sich enthalten und die Exegeten des Qur'an (mudjtehid)sind, in ihre Schule eingeladen. Dorthin ging er nun und sah:
Tausende überragender Geister und Hunderttausende von Forschern und Exegeten mit ihren eingehenden Untersuchungen, die keine Haaresbreite für einen Zweifel offen lassen, beweisen die Notwendigkeit der Existenz Gottes (vudjub-u vudjud)und Seiner Einheit (vahdet),und befassen sich zugleich mit der Lösung aller konkreten Angelegenheiten des Glaubens. Es ist in der Tat bei aller Unterschiedlichkeit in ihrer Begabung und Berufung gerade die ihnen allen gemeinsame Übereinstimmung in den Grundsätzen und in der Ausübung des Glaubens (usul ve erkan-i iman),es sind die starken und zuverlässigen Zeugnisse, auf die sie sich stützen, welche in ihrer Beweiskraft so stark sind, dass man sich ihnen nur dann entgegenstellen könnte, wenn es möglich wäre, ihrer Gesamtheit eine geistige Kapazität und Intelligenz entgegenzusetzen und entgegen der Gesamtheit ihrer Beweisführung einen Gegenbeweis zu erbringen. Weil dies aber so ist, können die Gegner des Glaubens (munkirler)nur in ihrer Unbelehrbarkeit (djehalet)und Torheit (edjheliyet)und in ihrer Widersetzlichkeit (inkar),in ihrer Hartnäckigkeit (inad)bei nicht zu beweisenden abstrakten Fragen dadurch noch das Gegenteil erreichen, dass sie ihre Augen vor (solchen Beweisen) verschließen. Doch wer seine Augen verschließt, verwandelt den Tag dadurch nur für sich selbst in Nacht.
Unser Reisender erkannte, dass die Lichter über dieser großartigen und weiten Schule, welche von diesen ehrenwerten
und ozeangleichen Lehrern (Ustadh)ausstrahlen, schon seit mehr als tausend Jahren den halben Erdkreis erleuchten. Und er traf dort eine so starke geistige Kraft an, dass alle Bestreiter der Wahrheit, hätten sie sich dort versammelt, keinen unter ihnen hätten beirren oder erschüttern können. So wurde auf der Neunten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)zu der Lektion, die der Reisende in dieser Schule erhalten hatte, folgender kurzer Hinweis gegeben:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اِتِّفَاقُ جَمِيعِ الْأَصْفِيَآءِ بِقُوَّةِ بَرَاهِينِهِمِ الزَّاهِرَةِ الْمُحَقَّقَةِ الْمُتَّفِقَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Geläuterten (Asfiya) in ihrer Einheit und Übereinstimmung durch die Kraft ihrer offensichtlichen, wahren, miteinander übereinstimmenden Zeugnisse."}
Im Hause des Gottesgedenkens
Nun wird unser Gedankenreisender, nachdem sich sein Glaube noch mehr gestärkt und entfaltet hat, vom Grade wissenschaftlicher Überzeugung (ilme l-yaqien)zur Stufe augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqien)fortgeschritten ist und er sich sehr danach sehnt, die Lichter und die Freuden zu schauen, auf dem Wege aus der Medresse von Hunderttausenden, ja Millionen heiligmäßiger Lehrer (Murshid),die in dem einen so überaus segensreichen und erleuchteten großen Derwischkloster, das so weit ist wie die Wüste, hervorgegangen aus der Vereinigung zahlloser Konvente großer und kleiner Derwischklöster, die sich in der Herberge, in dem Hause des Gottesgedenkens (dhikr)und der Rechtleitung, in dem großen Garten (djadde-i kubra)Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) und unter dem Schatten der Himmelfahrt Ahmeds (Friede und Segen sei mit ihm) um die Wahrheit bemühen, zur Wahrheit gelangt sind, ja, sie mit augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqien)erkannt haben, ins Kloster (dergah)eingeladen. Dort tritt er nun ein und sieht:
Diese Lehrer (murshid)machen als Entdecker und Wundertäter (ehl-i keshf u keramet),gestützt auf das, was sie erkannt (keshfiyat)und bezeugt (mushahede)haben, und auf ihre Wunder (keramet),vor aller Welt die notwendige Existenz (vudjub-u vudjud)und Einheit des Herrn (vahdet-i Rabbani)bekannt und sprechen alle miteinander gemeinsam: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ {"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
So wie man die Sonne durch das Licht ihrer sieben Farben erkennt, so erkannte auch unser Reisender durch die siebzig Farben, ja sogar durch so viele Farben, wie es Namen Gottes gibt, mit augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqien),wie offensichtlich und klar die urewige Sonne der göttlichen Wahrheit ist, deren verschiedenste lichtvolle Farben, Orden von Rechtgläubigen unterschiedlichster Couleur, differenzierte
echte Berufungen (meslek),voneinander abgegrenzte Schulen der Wahrheit (haqli meshreb)durch überragende Geistesgrößen von heiligmäßigem Ruf, durch erleuchtete Kenner (nurani arifler)der Wahrheit in allgemeiner Übereinstimmung unterstrichen werden. So wurde ihm die Übereinstimmung der Propheten untereinander, der Gelehrten (asfiya)und der Heiligen (auliya)mit ihnen und die gemeinsame Übereinstimmung all dieser drei mit weit größerer Schärfe klar, als das Licht des Tages auf das Vorhandensein der Sonne hinzuweisen vermag.
Als ein kurzer Hinweis auf den Segen (feyz),den dieser Gast in dem Kloster (tekke)empfing, wurde in der Zehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)wie folgt gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ إِجْمَاعُ الْاَوْلِيَآءِ بِكَشْفِيَاتِهِمْ وَكَرَامَاتِهِمِ الظَّاهِرَةِ الْمُحَقَّقَةِ الْمُصَدَّقَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle Gottesfreunde (auliya) in ihrer Einheit und Übereinstimmung durch ihre offensichtlichen, wahrhaftigen und bestätigten Entdeckungen und Wunder (keramat)."}
Die Begegnung mit Engeln
Jetzt erhob unser Weltreisender, in dem Wissen, dass die höchste, bedeutendste Stufe menschlicher Vollendung, ja vielleicht Ursprung und Quelle aller menschlichen Vollkommenheit die Gottesliebe (muhabbetullah)ist, die aus dem Glauben an Allah (iman-i billah)und der Gotteserkenntnis (marifetullah)erwächst, sein Haupt zum Himmel und wünschte sich mit aller Macht und Fähigkeit (quvvetiyle ve letaif),dass sich die Kraft seines Glaubens und die Entfaltung seiner Erkenntnis (marifet)noch stärker entwickeln möge, und sagte zu seinem Verstand:
"Es ist nun einmal das Leben das Kostbarste, was es in der Welt gibt. Alles, was da ist im All, ist in den Dienst des Lebens gestellt. Unter allem, was da lebt aber hat der Geist (ruh)den höchsten Wert. Unter allen beseelten Wesen aber sind am kostbarsten die mit Bewusstsein (shuur)begabten. Um dieses ihres Wertes willen und um alles Lebendige unablässig zu mehren, füllt sich und leert sich das Erdenrund von Generation zu Generation und von Jahr zu Jahr. Es ist ohne allen Zweifel sicher, dass der Himmel ein Aufenthaltsort ist für Bewohner, die Leben, Geist und Bewusstsein besitzen, wie denn auch von alters her übereinstimmende Ereignisse tradiert und überliefert werden, dass sich in Gegenwart Mohammeds (Friede und Segen sei mit ihm) Engel gleich dem Erzengel Gabriel (Friede sei mit ihm) verkörperten, auch seinen Gefährten sichtbar wurden und mit ihnen redeten. Würde dies geschehen, könnte auch ich mit den Bewohnern des Himmels plaudern und wüsste um ihre Gedanken. Denn ihnen kommt die bedeutendste Aussage über den Schöpfer des Alls zu." Während er noch darüber nachdachte, hörte er plötzlich eine Stimme vom Himmel, die zu ihm sprach:
"Du hast also nun den Wunsch geäußert, uns zu begegnen und dich an unserem Unterricht zu beteiligen. So wisse denn, dass wir die Dinge des Glaubens als erste angenommen haben, welche durch unsere Vermittlung
zu allen Propheten gelangt sind, vor allem aber der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, und vor allem zu Hasret-i Mohammed (Friede und Segen sei mit ihm).
So haben denn alle guten Geister (ervah-i tayyib),welche Gestalt angenommen, sich den Menschen gezeigt haben und zu den unsrigen gehörten, einstimmig und ohne jede Ausnahme Zeugnis abgelegt, dass es mit Notwendigkeit einen Schöpfer (vudjub-u vudjud)des Alls geben muss, Seine Einheit (Vahdet)und Seine heiligen Attribute (sifat-i qudsiye)bekannt, einander in Übereinstimmung und gegenseitiger Entsprechung davon Kunde gebracht. Diese unbegrenzte Entsprechung und Übereinstimmung (tevafuq)sei dir ein sonnengleicher Führer." Da erglänzte das Licht seines Glaubens und er stieg von der Erde zum Himmel auf.
So wurde auf der Elften Stufe der Ersten Abhandlung als ein kurzer Hinweis auf die Lektion, die unser Reisender von den Engeln empfangen hatte, Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اِتِّفَاقُ الْمَلٰٓئِكَةِ الْمُتَمَثِّلِينَ لِأَنْظَارِ النَّاسِ وَالْمُتَكَلِّمِينَ مَعَ خَوَاصِّ الْبَشَرِ بِاِخْبَارَاتِهِمِ الْمُتَطَابِقَةِ الْمُتَوَافِقَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen die Engel in ihrer Einheit und Übereinstimmung, die sich vor den Augen der Menschen manifestiert und mit auserwählten Menschen gesprochen und ihnen übereinstimmende, einander entsprechende Botschaften gebracht haben."}
Die Denker und die Leute des Herzens
Nun hatte unser Gast, brennend vor Sehnsucht und Begeisterung, nachdem er in der Welt des Zeugnisses, der Verkörperung und der Materie, von verschiedenen Gruppen ausgesprochen wie unausgesprochen (lisan-i hal)Unterricht erhalten hatte, noch den Wunsch, durch die Welt des Verborgenen und die Zwischenwelt (berzah)zu reisen, sie zu studieren und die Wahrheit eingehend zu untersuchen. Da öffnete sich ihm das Tor eines friedfertigen und lichtvollen (selim ve nurani)Herzens und eines geradlinigen und erleuchteten Geistes (mustaqiem ve munevver aqil),der Kern menschlichen Wesens, wie er sich unter jeder Gruppe Menschen findet, und die Frucht des Alls ist, sodass der Mensch trotz seiner Kleinheit innerlich die ganze Welt umfasst. Er sah:
Sie bilden die Zwischenwelt des Menschen (insani berzah)in der Mitte zwischen der unsichtbaren und der bezeugten Welt (alem-i ghayb ve alem-i shehadet).Er sah die Stelle, wo diese beiden Welten einander berühren und sich miteinander austauschen, wie es dem Menschen entspricht, und sprach zu seinem Herzen und zu seinem Verstand:
"Kommt, der Weg zur Wahrheit durch das Tor, das ihr seid, ist noch kürzer. Wir sollten nicht wie auf den bisherigen Wegen über das Medium der Sprache unseren Unterricht erhalten, vielmehr im Glauben ihre besonderen Eigenschaften und Farben studieren und daraus unseren Nutzen ziehen." So begann er mit dem Studium...
Und er erkannte:
Mögen sie auch in ihren Charakteren (istidad)sehr voneinander abweichen (mukhtelif)und ihre Wege (medhheb)weit voneinander entfernt, ja einander entgegengesetzt (mukhalif)sein, so stimmen sie dennoch in der Geradlinigkeit (istiqamet)und leuchtenden Klarheit ihres Denkens, in der Standfestigkeit und ruhigen Zuversicht ihrer Überzeugung und Gewissheit im Glauben und in der Lehre von der Einheit (Tauhid)miteinander überein. Das heißt also, dass sie sich auf eine Wahrheit stützten und
sich ihr verbunden wussten, dass ihre Wurzeln tief in die Wahrheit eingedrungen waren und nicht wieder ausgerissen werden können. So bildet denn ihre Einheit in den Grundsätzen des Glaubens in dem, der Da-Sein (vudjub)muss und in Seiner Einheit (tauhid)eine leuchtende Kette, die nie zerbrochen werden kann, und ist zugleich ein erleuchtetes Fenster, das sich auf die Wahrheit hin öffnet.
Nun also sah er: Mochten auch die Wege, die sie eingeschlagen hatten, noch so weit voneinander entfernt und voneinander verschieden sein, so sind doch ihrer aller Herzen gefestigt und erleuchtet in der Übereinstimmung in den Glaubensgrundsätzen, in der ruhigen Zuversicht, in den Entdeckungen, die ihre Begeisterung erwecken, in den Beobachtungen (keshfiyat)und den Entsprechungen (mushahedat),die sie bezeugen und in der Lehre von der Einheit, (tauhid)die sie alle miteinander vereint. Das heißt also, dass diese leuchtenden Herzen, die auf die Wahrheit ausgerichtet sind, zur Wahrheit gelangt sind, und sie verkörpern und von denen jedes einzelne einem winzigen Thron der Erkenntnis des Herrn, jedes einzelne einem Brennspiegel göttlicher Einzigartigkeit (Samad)gleich, diese Fenster, die sich auf die Wahrheit hin öffnen, alle zusammen einen gewaltigen Spiegel bilden, der dem Meeresspiegel gleich das Licht der Sonne empfängt. Ihre Gemeinsamkeit und Übereinstimmung in der Lehre von der Existenz und Einheit des Notwendig-Seienden (vudjub-u vudjuduna ve vahdet)ist ein vollkommener Wegweiser und ein überragender Lehrer (Murshid),der niemals irrt und niemals in die Irre führt. Denn es ist unter gar keinen Umständen möglich oder auch nur wahrscheinlich, dass eine Vorstellung, abweichend von der Wahrheit, ein unwahrer Gedanke, eine irreale Fähigkeit so dauerhaft und beständig die scharf und weitsichtigen Augen aller, gleichzeitig und insgesamt betrügen oder ihnen etwas vorgaukeln sollte. Da verstand er, dass nur ein krankhafter und verdorbener Intellekt so etwas für möglich halten könnte. Denn selbst diese törichten Philosophen, die das Weltall verleugnen, wären nicht damit zufrieden,
würden so etwas zurückweisen. Nun sagten Herz und Verstand gemeinsam: اٰمَنْتُ بِاللّٰهِ {"Wir glauben an Allah."}
So wurde auf der Dreizehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)über die Erkenntnis aus dem Glauben (marifet-i imaniye)in einem kurzen Hinweis auf den Nutzen, den unser Reisender von den geradlinig denkenden Intelligenzen (mustaqiem aqil)und den erleuchteten Herzen (munevver qalb)empfangen hatte, Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اِجْمَاعُ الْعُقُولِ الْمُسْتَقِيمَةِ الْمُنَوَّرَةِ بِاِعْتِقَادَاتِهَا الْمُتَوَافِقَةِ وَبِقَنَاعَاتِهَا وَيَقِينَاتِهَا الْمُتَطَابِقَةِ مَعَ تَخَالُفِ الْاِسْتِعْدَادَاتِ وَالْمَذَاهِبِ وَكَذَا دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اِتِّفَاقُ الْقُلُوبِ السَّلِيمَةِ النُّورَانِيَّةِ بِكَشْفِيَاتِهَا الْمُتَطَابِقَةِ وَبِمُشَاهَدَاتِهَا الْمُتَوَافِقَةِ مَعَ تَبَايُنِ الْمَسَالِكِ وَالْمَشَارِبِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle aufrechten Intelligenzen in ihrer Gemeinsamkeit, erleuchtet von ihrem übereinstimmenden Glauben und der einander entsprechenden Gewissheit, trotz aller Verschiedenheit in ihren Begabungen und aller Unterschiedlichkeit ihrer Wege. Genau so beweist auch die Einheit und Übereinstimmung der rechtgeleiteten Herzen, erleuchtet von ihren übereinstimmenden geistigen Entdeckungen und einander entsprechenden Visionen, trotz aller Verschiedenheit in ihren Wegen und ihrer Temperamente die Notwendigkeit Seiner Existenz."}
Offenbarung und Inspiration
Nun fragte unser Reisender auf seiner Fahrt durch Herz und Verstand: "Was wird wohl die Welt des Verborgenen (alem-i ghayb)sagen?", und klopfte in diesem Gedanken voll Ungeduld an die Pforte zur verborgenen Welt. Denn es gibt nun einmal in dieser Welt der Verkörperung und der Materie ein Wesen, eine Persönlichkeit (dhat),die offensichtlich klarer als durch Worte und Reden sich in Taten gleich unendlich vielen überaus schönen, kunstvoll gestalteten Arbeiten zu erkennen gibt, ob unendlich vieler wohltuender, schön gestalteter Gnadenerweise geliebt zu werden wünscht, und Seine verborgene Vollkommenheit in unendlich vielen wunderbaren und geistvollen Werken verständlich machen möchte. Er drückt sich bestimmt in jedem Fall, wie Er das durch Seine Taten und in Seinem So-Sein tut, auch in Wort und Rede aus, gibt sich darin zu erkennen und bewirkt, dass Er durch sie geliebt wird. Deshalb sagt er nun in Anbetracht der verborgenen Welt (alem-i ghayb):"Wir müssen Ihn auf Grund Seiner Manifestationen (tethahur)erkennen." So trat er denn mit seinem Herzen in sie ein, schaute sie mit den Augen seines Verstandes und erkannte:
Die Tatsache der Offenbarung (vahiy)herrscht in der unsichtbaren Welt (alem-i ghayb),und manifestiert sich in ihr mit großer Macht (quvvet).Weit mehr als das Zeugnis des Alls und der Geschöpfe erwächst aus der Welt des Unsichtbaren durch die Wahrheit der Offenbarung und der Inspiration (vahiy ve ilham)das Zeugnis der Existenz (shehadet-i vudjud)und Einheit (Tauhid)Gottes. Das Zeugnis für sich, Seine Existenz (vudjud)und Seine Einheit (Vahdet)bleibt nicht allein abhängig vom Zeugnis Seiner Werke. Er macht sich verständlich durch das urewige Wort (kelam-i edhel),das Seiner würdig ist. Und das Wort, das von Ihm ausgeht, ist gleichfalls grenzenlos, ist allgegenwärtig und allschauend in Seinem Wissen (ilim)und in Seiner Macht (qudret).Wie der Geist (mana)Seiner Worte uns Ihn erkennen lässt, so lässt uns Seine Mitteilungsfähigkeit (tekellum)auch Seine Attribute (sifat)erkennen.
In der Tat ist es nach der Überlieferung von hunderttausend Propheten und in der Übereinstimmung ihrer Berichte, was ihre Erwählung zu Empfängern und Verkündern der göttlichen Botschaft betrifft, durch die Beweise und Wunder der heiligen Bücher und himmlischen Schriften, welche die überwältigende Mehrheit des Menschengeschlechtes bestätigt und als Richtschnur angenommen hat, ihnen folgt und welche die Früchte der Offenbarung und selbst bezeugte Offenbarung sind, ganz klar und offensichtlich geworden, dass die Offenbarung (Gottes) wahrhaftig eine feststehende Tatsache ist. Dies erkannte er und verstand, dass die Tatsache der Offenbarung in fünf heiligen Wahrheiten zum Ausdruck kommt und in ihnen ihr Gutes findet.
Erstens:
اَلتَّنَزُّلاَتِ الْاِلٰهِيَّةِ اِلٰى عُقُولِ الْبَشَرِ
{"Die göttliche Herabkunft (entspricht) dem menschlichen Intellekt."}
So zu sprechen, wie der menschliche Intellekt (aqil)es zu verstehen mag, ist Herabkunft göttlicher Demut (tenezzul-u Ilahiye).Er hat in der Tat allen Seinen beseelten Geschöpfen die Fähigkeit zu sprechen verliehen und versteht ihre Sprache. Sich selbst an ihren Konferenzen mit einer eigenen Rede zu beteiligen, ist gewiss ein Erfordernis Seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet).
Zweitens:
Derjenige, welcher um Seiner Selbstoffenbarung willen das All mit einem grenzenlos hohen Aufwand von Grund auf wunderbar erschaffen hat, dass es Seine Vollkommenheit mit Tausenden von Zungen verkünde, wird sich selbst gewiss auch mit eigenen Worten zum Ausdruck bringen.
Drittens:
So wie Er die Bittgebete (munadjat)und die Dankgebete (shukur)derjenigen unter Seinen Geschöpfen, die Er als erste erwählt hat, welche Seiner am meisten bedürfen, welche so hoch empfindlich sind und mit solcher Sehnsucht nach
Ihm verlangen, nämlich der wahren Menschen, mit tatkräftiger (fiil)Hilfe beantwortet, so ist es auch Kennzeichen Seiner Schöpfermacht (khaliqiyet),ihnen auch mit Worten Sein Entgegenkommen zu erweisen.
Viertens:
Die Gabe des Wortes (mukaleme sifat)ist eine Erscheinung von leuchtender Klarheit, absolut notwendig zur Erkenntnis (ilim)und für das Leben. In einer Persönlichkeit (dhat),die umfassendes Wissen (ilim)besitzt und ewiges Leben in sich trägt, wird sie sich bestimmt auch in einer umfassenden und ewigen (sermedi)Form vorfinden.
Fünftens:
Eine Persönlichkeit (dhat),die Seinen Geschöpfen in ihrem Bedürfnis zu lieben und geliebt zu werden, in ihrer Angst und Sorge, in ihrem Suchen nach Halt und Stütze (nokta-i istinad),in ihrem Verlangen, ihren Herrn und König (sahib ve malik)zu finden, den Hunger und die Sehnsucht, die Armut und die Bedürftigkeit (fakr ve adjz),die Sorge um die Zukunft, die Liebe und Verehrung eingegeben hat, muss ihnen sicherlich auch als ein Erfordernis Seiner Göttlichkeit, von Seiner Existenz dadurch Mitteilung machen, dass Er sie anspricht.
Also verstand er denn, dass die Herabkunft göttlicher Demut (tenezzul-u Ilahi),die Selbstoffenbarung Gottes (taaruf-u Rabbani),das Entgegenkommen des Allbarmherzigen (Rahman),das Wort des Hochgelobten (mukaleme-i Subhani)und die Mitteilung des Einzigartigen (Samad),Wahrheiten, die alle zusammen in den himmlischen Offenbarungen enthalten sind, in ihrer Gesamtheit einen Beweis für die Existenz dessen, der Da-Sein muss (Vadjib-ul'Vudjudun vudjud)und Seine Einheit (vahdet)darstellen, wie dieser Beweis gleichsam als eine Urkunde noch stärker (quvvetli)ist als am Tage die Sonnenstrahlen ein Zeugnis für die Sonne.
Nun lässt er seine Blicke unter den Eingebungen (ilham)
umherschweifen und erkennt: Echte Eingebungen (sadiq ilhaml)gleichen im Grunde einer Art von Offenbarung (vahiy),doch gibt es immerhin zwei Unterschiede zwischen ihnen:
Erster Unterschied:
Eine Offenbarung ist eine erhabene Eingebung, meistens durch die Vermittlung eines Engels, während die meisten Eingebungen ohne einen Mittler geschehen.
So hat z.B. ein König bekanntlich zwei Möglichkeiten zu reden und Befehle zu erteilen:
Erstens:
Wenn es ihm ganz allgemein um die Majestät seines Königreichs (hashmet-i saltanat)geht und um seine Souveränität (hakimiyet),so schickt er einen Botschafter zu einem Gouverneur. Um den Glanz seiner Herrschaft (hakimiyet)und die Bedeutung seines Auftrags zu betonen, bespricht er sich zunächst mit seinem Gesandten, bevor er seinen Erlass (ferman)veröffentlicht.
Zweitens:
Geschieht aber etwas nicht unter dem Zeichen des Sultans, nicht öffentlich im Namen des Königs, vielmehr in seinem eigenen Namen, in einer privaten Angelegenheit oder unbedeutenden Sache, dann äußert er sich privat durch einen persönlichen Boten, durch einen untergeordneten Diener oder über sein Privattelefon.
In ähnlicher Weise mag auch der urewige König unter Seinem Namen als dem Herrn aller Welten und mit dem Titel des Schöpfers des Alls Sein Wort in Form einer Offenbarung (vahiy)oder in Form einer an alle gerichteten Eingebung (shümullü ilham),die den Dienst einer Offenbarung (vahiy hizmeti)versieht, oder in persönlicher Form an jeden einzelnen richten, weil Er der Herr (Rabb)und Schöpfer jedes einzelnen Lebewesens ist, doch hinter einem Schleier verborgen und dessen Auffassungsgabe entsprechend.
Zweiter Unterschied:
Eine Offenbarung ist schattenlos und rein, bestimmt für die Auserwählten. Eine Eingebung aber ist überschattet, unklar in ihren Farben und richtet sich an jedermann. Es gibt Eingebungen, die den Engeln zuteil werden, Eingebungen an Menschen, Eingebungen für Tiere (Instinkte!). So gibt es die allerverschiedensten und höchst unterschiedlichen Arten von Eingebungen, zahlreich wie die Tropfen des Meeres. Sie sind Quelle und Grund der Verbreitung der Worte des Herrn.
لَوْ كَانَ الْبَحْرُ مِدَادًا لِكَلِمَاتِ رَبِّى لَنَفِدَ الْبَحْرُ قَبْلَ أَنْ تَنْفَدَ كَلِمَاتُ رَبِّى
{"Wäre das Meer Tinte, um die Worte meines Herrn zu schreiben, das Meer wäre ausgeschöpft, noch bevor sich die Worte meines Herrn erschöpften." (Sure 18, 109)}
Da verstand er, dass dies einen Aspekt der Ausdeutung (tefthir)dieser Ayah darstellt.
Nun sah er sich unter Wesen (mahiyet),
Weisheit (hikmet)und Zeugnis (shehadet)für die Offenbarung um und erkannte: Wesen, Weisheit und Frucht (der Offenbarung) besteht aus vier Lichtern.
Erstens:
So wie die Gottesliebe (Teveddud-u Ilahi)bedeutet, dass Er in Seinen Taten Seine Geschöpfe dazu veranlasst, Ihn zu lieben, desgleichen ist es auch ein Erfordernis der göttlichen Freundschaft (Vedudiyet)und Seiner Barmherzigkeit (rahmaniyet),sie auch durch Sein Wort (qaulen),Seine Gegenwart (huzur)und das vertraute Gespräch mit Ihm (sohbet)zu Seiner Liebe zu bewegen.
Zweitens:
So wie Er die Gebete (dualar)Seiner Diener und Anbeter mit Seinen Taten beantwortet, so ist es auch ein Kennzeichen Seiner Barmherzigkeit (rahimiyet),ihnen auch mit Worten hinter einem Schleier zu entgegnen.
Drittens:
Den Geschöpfen, die von schwerem Unglück betroffen, in bedrückende Umstände geraten, um Hilfe rufen, schreien, flehen, nicht nur tatkräftig zu helfen, sondern ihnen auch mit inspirierenden (ilhami)Worten, wie in einer Art von Gespräch, Stütze zu geben, ist ein Erfordernis Seiner Göttlichen Herrschaft (rububiyet).
Viertens:
Nun verstand er: So wie Er Seinen mit Bewusstsein begabten Geschöpfen (dhi-shuur)in all ihrer Unfähigkeit (adjz),in all ihrer Schwäche (da'if),in all ihrer Armut (fakir),in all ihrer Bedürftigkeit, die doch ihres Königs (malik),ihres Hirten, ihres Führers (mudebbir),ihres Beschützers (hafiz)so sehr bedürfen und sich so sehr nach Ihm sehnen, in der Tat Sein Dasein, Seine Gegenwart, Seinen Schutz verspüren lässt, so projiziert Er auch einige Seiner echten Eingebungen (sadiq ilham),die als eine Art Spruch des Herrn (mukaleme-i Rabbaniye)gezählt werden, gleichsam wie auf eine Leinwand, um ihnen entsprechend ihrer Fähigkeit über das Telefon ihres Herzens auch durch Sein Wort Sein persönliches Dasein und Seine Gegenwart verspüren zu lassen. Dies ist ein zwangsläufiges und notwendiges Erfordernis göttlicher Liebe (shefqat-i Uluhiyet)und der
Barmherzigkeit des Herrn (rahmet-i rububiyet).
Danach schaute er das an, wofür die göttlichen Eingebungen (ilham)
Zeugnis (shehadet)sind und erkannte: Setzen wir einmal den unmöglichen Fall voraus, die Sonne besäße Leben und Bewusstsein und die sieben Farben ihres Lichtes wären ihre sieben Fähigkeiten. Unter diesem Gesichtspunkt wären die Strahlungen und Wirkungen ihres Lichtes eine Art ihrer Kommunikation. In diesem Fall fände sich ihr Bild und Reflex in allen glänzenden Gegenständen. Sie könnte mit jedem Spiegel, mit jedem reflektierenden Gegenstand, mit jedem Glassplitter, mit jedem Bläschen und Tröpfchen, ja, mit jedem einzelnen glänzenden Stäubchen seiner Fähigkeit entsprechend kommunizieren und seinem Bedürfnis entsprechend entgegnen. Keine ihrer Handlungen stört eine andere ihrer Handlungen. Keines ihrer Gespräche würde ein anderes ihrer Gespräche behindern. So wie man dies alles mit bloßem Auge wahrnehmen könnte, so wäre offensichtlich in gleicher Weise auch zu verstehen, dass der König in Seiner Majestät von Ewigkeit zu Ewigkeit (edhel ve ebedin Dhu l-Djelal Sultan),der glorreiche Schöpfer allen Seins in Seiner Vollkommenheit (Dhu l-Djemal Khaliq-i Dhi-Shan),die immerwährende Sonne (Shems-i Sermedi),wie mit Seinem Wort (mukaleme),so auch in gleicher Weise mit Seinem Wissen (ilim)und Seiner Macht (qudret),über allen Dingen steht, sie alle umfasst und sich entsprechend der Fähigkeit jeden Dinges manifestiert. Keine Bitte (sual)tritt einer anderen Bitte, keine Angelegenheit einer anderen Sache, keine Anrede (khitab)einer anderen Ansprache (khitab)in den Weg und stört sie nicht. Nun verstand er mit einer an augenscheinliche Sicherheit (ayne l-yaqien)grenzenden wissenschaftlichen Genauigkeit (ilme l-yaqien),dass alle diese Auswirkungen, alle diese Arten der Kommunikation und der Eingebung, einzeln für sich betrachtet wie insgesamt und im Einklang miteinander, ein Beweis und ein Zeugnis für die Gegenwart (huzur),die notwendige Existenz (vudjub-u vudjud),Einheit und Allgegenwart (Vahdet ve Ahadiyet)dieser urewigen Sonne sind.
Als einen kurzen Hinweis auf die Lektion in Erkenntnis (ders-i marifet),die dieser interessierte Gast aus der verborgenen Welt (alem-i ghayb)
empfangen hatte, wurde auf der Vierzehnten und Fünfzehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ إِجْمَاعُ جَمِيعِ الْوَحْيَاتِ الْحَقَّةِ الْمُتَضَمِّنَةِ لِلتَّنَزُّلاَتِ الْإِلٰهِيَّةِ وَلِلْمُكَالَمَاتِ السُّبْحَانِيَّةِ وَلِلتَّعَرُّفَاتِ الرَبَّانِيَّةِ وَلِلْمُقَابَلاَتِ الرَّحْمَانِيَّةِ عِنْدَ مُنَاجَاةِ عِبَادِهِ وَلِْلاِشْعَارَاتِ الصَّمَدَانِيَّةِ لِوُجُودِهِ لِمَخْلُوقَاتِهِ وَكَذَا دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ إِتِّفَاقُ الْاِلْهَامَاتِ الصَّادِقَةِ الْمُتَضَمِّنَةِ لِلتَّوَدُّدَاتِ الْاِلٰهِيَّةِ وَلِلْاِجَابَاتِ الرَّحْمَانِيَّةِ لِدَعَوَاتِ مَخْلُوقَاتِهِ وَلِْلاِمْدَادَاتِ الرَّبَّانِيَّةِ لِاِسْتِغَاثَاتِ عِبَادِهِ وَلِْلاِحْسَاسَاتِ السُّبْحَانِيَّةِ لِوُجُودِهِ لِمَصْنُوعَاتِهِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, der Einzige (Ahad) und Allgegenwärtige (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweisen alle echten Offenbarungen in ihrer Übereinstimmung, welche die göttliche Herabkunft, die Ansprache des Gepriesenen, die Verlautbarungen des Herrn, die Entgegnung des Erbarmers im Bittgebet Seines Dieners, die einzigartigen Kennzeichen Seiner Existenz für Seine Geschöpfe darstellt und so beweisen auch die echten Eingebungen in ihrer Gemeinsamkeit und Übereinstimmung die Notwendigkeit Seiner Existenz, welche die göttliche Freundschaft (Vedud) beinhaltet, sowie die Erfordernisse Seiner Barmherzigkeit gegenüber den Gebeten Seiner Diener, welche die Hilfe durch Seine Herrschaft auf die Hilferufe Seiner Diener und all Seiner Geschöpfe ist, und die ruhmreiche Vermittlung Seiner Existenz gegenüber Seinen Geschöpfen."}
Eine Reise in die "Glückliche Zeit"
Dann sagte der Reisende zu seinem Verstand: "Da suche ich also hinter allem Sein in diesem Kosmos meinen Herrn, Dem ich angehöre (maliki)und Der mein Schöpfer ist. Sicherlich muss ich zuerst, um Mohammed (mit dem Friede und Segen sei) zu besuchen und ihn nach Dem zu fragen, Den ich suche, in die 'Glückliche Zeit' (asr-i sa'adet)eingehen." So nahm er seinen Verstand und ging dahin. Mohammed-i Arabi (mit dem Friede und Segen sei), der der berühmteste unter allem Sein und - wie auch seine Feinde es bestätigen - der vollkommenste, der größte Befehlshaber und der bekannteste Herrscher, der mächtigste in der Rede, der brillanteste von Verstand, erleuchtete vierzehn Jahrhunderte durch sein Leben, durch seine Lehre und durch sein(es Herrn) Buch (Qur'an).Und er sah, dass diese Zeit durch diese Persönlichkeit tatsächlich eine "Glückliche Zeit" für die Menschheit war, denn durch das Licht, das er brachte, machte er in kurzer Zeit aus einem Volk von primitiven Wilden eine Nation von Gelehrten, die die Welt beherrschte.
Dann sagte er weiter zu seinem Verstand: "Zuerst müssen wir in gewissem Grade den Wert dieser außerordentlichen Persönlichkeit, den Wahrheitsgehalt seiner Worte und die Zuverlässigkeit seiner Aussagen kennen lernen. Dann müssen wir ihn nach unserem Schöpfer fragen", und begann mit seiner Untersuchung. Von den zahllosen schlüssigen Beweisen, die er fand, wollen wir hier nur neun von den allgemein gültigen einzeln kurz aufzeigen.
Erstens:
In dieser Persönlichkeit finden sich - wie selbst seine Feinde bestätigen - alle schönen und guten Charakterzüge und Eigenschaften. Entsprechend der eindeutigen Aussage der Ayat وَنْشَقَّ الْقَمَرُ {"Der Mond hat sich gespalten." (Sure 54, 1)}
und
وَمَا رَمَيْتَ إِذْ رَمَيْتَ وَلٰكِنَّ اللهَ رَمٰى
{"Nicht du warst es, der geworfen hat, als du geworfen hast, sondern Allah hat geworfen" (Sure 8, 17)}
wurde der Mond mit einem Fingerzeig gespalten und mit ein wenig Staub in seiner Hand, das er dem Heer seiner Feinde, dem der Staub in die Augen drang, entgegenwarf, jagte er das ganze Heer in die Flucht. Als sein eigenes Heer ohne Wasser war, tränkte er es ausreichend mit dem Wasser, das wie Kauthar(der Strom des Paradieses) seinen fünf Fingern entströmte. Durch seine Hand geschahen Hunderte dergleichen von Wundern, die zum Teil im Qur'an erwähnt werden (nass-i kat'i),zum Teil dennoch unbestreitbar sind (tevatur).Da ein Teil von ihnen - und zwar mehr als dreihundert - dies in einer außerordentlichen, die Wunder (des Qur'an) aufzeigenden Risala, die "Neunzehnter Brief über die Wunder Ahmeds (mit dem Friede und Segen sei)" genannt wird, mit zuverlässigen Quellenhinweisen belegt, lässt unser Reisender es damit bewenden und sagt: "Eine Persönlichkeit, die so viele gute und vollkommene Charakterzüge (akhalq-i hasene ve kemalat),und so viele offensichtliche Wunder gewirkt hat, spricht sicherlich nichts als die reine Wahrheit. Es ist unmöglich, dass er sich auf die Ebene der Charakterlosen (akhlaqsiz)herabbegeben und lügen, täuschen, fälschen könnte."
Zweitens:
In seiner Hand befindet sich ein Erlass des Besitzers (sahib)des Universums. Diesen Erlass erkennen in jedem Jahrhundert dreihundert Millionen Menschen an. Dieser Erlass ist der hocherhabene Qur'an, welcher in siebenfacher Hinsicht ein Wunder (hariqa)ist. In einer berühmte Risala, in der im "Fünfundzwanzigsten Wort" der Qur'an als ein Wunder bezeichnet wird, und in der Risale-i Nur wie die Sonne ist, wurde ausführlich und mit nicht zu widerlegenden Beweisen dargelegt, dass dieser Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder (mu'djize)ist und als das Wort des Schöpfers des Universums gilt. So lässt
es denn unser Reisender damit bewenden und sagt: "Eine Persönlichkeit, die der lautere Überbringer und Ausrufer eines solchen wahren und wahrhaftigen (haq ve haqiqat)Erlasses ist, kann nicht lügen, und keine Lüge kann an ihm gefunden werden, die ein Verstoß gegen den Erlass und ein Verrat an dem Erlassgeber wäre."
Drittens:
Diese Persönlichkeit (mit dem Friede und Segen sei) brachte das islamische Gesetz (Sharia),den Islam, den anbetenden Dienst (ubudiyet),die Fürbitte (dua),den Ruf (zum Glauben = da'wa)und den Glauben (Iman)in einer solchen Weise, wie es bis dahin noch nie da gewesen, noch jemals wieder sein wird.
Niemals wurde je etwas vollkommeneres gefunden, noch könnte es je gefunden werden. Denn diese Schariah, die, von einer Persönlichkeit erlassen, welche selbst des Lesens und Schreibens unkundig war, seit vierzehn Jahrhunderten ihre Menschen und heute ein Fünftel der Menschheit mit zahllosen Gesetzen in Gerechtigkeit (adil),
Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)und Genauigkeit leitet, lässt keinen Vergleich zu.
Überdies ist der Islam, der durch Worte, Taten und die Wesensart (ahval)
eines Analphabeten geprägt und in jedem Jahrhundert Zuflucht und Leitung für dreihundert Millionen Menschen wurde, Weisung und Leitung in ihrem Denken, Reinigung und Erleuchtung für ihre Herzen, Erziehung und Läuterung für ihre Seelen, der Angelpunkt für die Entfaltung und der Grundstoff für die Entwicklung ihrer Seelen, auch in dieser Hinsicht ohne Beispiel und wird es bleiben...
Zudem findet er sich in seinem Glauben (din)
bei allen Arten jeglicher Anbetung (ibadet)in vorderster Reihe... und er findet sich in seiner frommen Zurückhaltung (taqwa)über allen anderen... und in seiner Gottesfurcht (Allah'tan korkmas)...und obwohl immer und überall in Kampf und Streit verwickelt, war er dennoch in seinem Dienst und in seiner Anbetung (ubudiyet)bis ins innerste Geheimnis hinein sorgfältig und genau... wie er niemanden nachahmte, so begann er in gleicher Vollkommenheit und verknüpfte in gleicher Vollkommenheit den Anfang und das Ende... sicherlich wird gleich ihm einer nicht geschaut
und kann nicht geschaut werden.
Des Weiteren zeigt er in seinem Djauschanu-l'Kebir, welcher nur eines ist unter Tausenden von seinen Gebeten und Fürbitten (dua ve munadjat),
dass er seinen Herrn in einem solchen Grade mit einer derartigen Erkenntnis seines Herrn (marifet-i Rabbani)zu beschreiben vermag, dass seit jener Zeit alle Männer von Gotteserkenntnis und Heiligkeit (ehl-i marifet ve ehl-i velayet)zusammengenommen ihn nicht auf der Stufenleiter der Erkenntnis noch in dem hohen Grade seiner Darstellungskunst (taussif)zu erreichen vermochten; also hat er auch im Gebet (dua)nicht seinesgleichen. Ein Mensch, der auch nur einen Abschnitt betrachtet aus dem Anfang der Risale-i Munadjat(= Abhandlung in Form einer Fürbitte), in dem ein Abschnitt von neunundneunzig Abschnitten des Djauschanu-l'Kebirkurz in seiner Bedeutung erklärt wird, wird sagen: Auch der Djauschanist ohne Beispiel.
Des Weiteren zeigte er in seiner prophetischen Verkündung (tebligh-i risalet)
und in seiner Art, wie er den Menschen zur Wahrheit rief (dawet),einen solchen Grad von Unerschütterlichkeit (metanet),Ausdauer und Tapferkeit, dass er, trotzdem die großen Staaten, die großen Religionen, ja, sogar sein Volk, Stamm, Onkel ihm furchtbar feindselig gesinnt waren, nicht im mindesten eine Spur von Unschlüssigkeit, Unruhe oder Furcht. Er trat allein gegen die ganze Welt auf den Plan, trotzte ihr, bot ihr die Stirn... machte den Islam zur Krone der Welt. Das alles beweist, dass er auch mit seiner Verkündigung und seinem Aufruf (tebligh ve da'wa)ohne Beispiel ist und bleibt.
In seinem Glauben (iman)
war eine so außerordentliche Kraft, eine so ungewöhnliche Gewissheit, eine so wunderbare Weite (inkishaf)und eine so erhabene, die Welt erleuchtende Überzeugung, dass keine der Ansichten und Bekenntnisse, die damals die Welt beherrschten, keine Weisheit der Philosophen und keine Lehre der geistigen Führer, trotz Feindschaften, Widerständen und Ablehnungen ihn in seiner Gewissheit, seiner Überzeugung, seinem Vertrauen, seiner Ruhe erschüttern und zu einem Zweifel, einer Unschlüssigkeit, einer Schwäche, einer Unruhe (vesvese)veranlassen konnten...
Ja, mehr noch: Seine Sahabis (Bundesgenossen), alle Heiligen (ehl-i velayet),die in den Geisteswissenschaften und auf der Stufenleiter des Glaubens vorangeschritten sind, haben alle Zeit von seiner Stufe des Glaubens herab ihren Segen empfangen, ihn stets im höchsten Range gefunden. All dies zeigt klar, dass auch sein Glaube (iman)ohne Beispiel ist.
Und so verstand unser Reisender also, dass ein Mann, der solch eine beispiellose Schariah (islamisches Gesetz), einen so unvergleichlichen Islam, einen so außergewöhnlichen anbetenden Dienst (ubudiyet),ein so überragendes Gebet (dua),einen solchen Ruf (da'wa)an alle Welt zu richten, einen so wunderbaren Glauben (iman)vorzuweisen vermag, sicherlich keineswegs eine Lüge aussprechen oder einen Betrug begehen kann. Auch sein Verstand bestätigte dies.
Viertens:
So wie die Übereinstimmung (idjma')der Propheten als ein voll überzeugender Beweis für die Existenz und die Einheit Gottes (vudjud ve vahdaniyet-i Ilahiye)gilt, so auch als ein besonders sicheres Zeugnis für die Aufrichtigkeit und das Prophetentum dieser Persönlichkeit. Denn die Geschichte bestätigt, dass all das, was an heiligen Eigenschaften (qudsi sifatlar),Wundern (mu'djize),Heilstaten (vazife)und an Aufrichtigkeit der Gesandten den Eckstein der Propheten bildet, mit denen der Friede sei, bei dieser Persönlichkeit unübertroffen waren. Das heißt, so wie die Thora, die Evangelien, der Psalter und die Schriften der übrigen Propheten mit ihrem Wort das Kommen dieser Persönlichkeit vorhergesagt und den Menschen hierüber eine frohe Botschaft gebracht haben, was wir im "Neunzehnten Brief" in mehr als zwanzig recht offensichtlichen Ausschnitten dieser frohe Botschaft verkündenden Zeichen aus den Heiligen Schriften recht schön dargelegt und bewiesen haben, so bestätigen sie (die Propheten) auch in ihren Heilstaten (vazife),nämlich mit ihrem Prophetentum und durch ihre Wunder, dass diese Persönlichkeit in ihrer Berufung und ihren Heilstaten den ersten Platz einnimmt und höchst vollkommen ist; und sie unterstreichen seinen Ruf (da'wa).So verstand denn unser Reisender,
dass sie (die Propheten), so wie sie in der Übereinstimmung (idjma')ihrer Aussagen einen Beweis liefern für die Einheit (Gottes; Vahdaniyet),so auch mit ihrer Übereinstimmung in ihren Heilstaten die Aufrichtigkeit dieser Persönlichkeit bezeugen.
Fünftens:
Und so wie Tausende von Heiligen durch die Grundsätze, die Lehren und die Nachfolge dieser Persönlichkeit zur Wahrheit (haqqa),Wirklichkeit (haqiqat)und Vollkommenheit (kemalat)gelangten, Gnadengaben (keramet),geistige Klarsicht (keshfiyat)und innere Schau (mushaheda)erlangten und gleich einem Beweis der Einheit (Gottes; Vahdaniyet)wurden, so bezeugen sie auch alle durch ihre Übereinstimmung die Aufrichtigkeit (sadiqiyet)und das Prophetentum dieser Persönlichkeit, die ihr Lehrer (ustad)ist. Ihr Zeugnis, das sie im Lichte der Heiligkeit (nur-u velayet)über einen Teil der Berichte geben, welche ihnen (der Prophet) aus der Welt des Unsichtbaren (alem-i ghayb)überbracht hatte, ihre Überzeugung und Bestätigung alles dessen im Lichte des Glaubens, und zwar in der Form tatsächlichen Wissens (ilme l-yaqien),tatsächlicher Wahrnehmung (ayne l-yaqien)und tatsächlicher Wahrheit (haqqa l-yaqien),legt sonnenklar den Grad der Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)und Aufrichtigkeit (sadiqiyet)dieser Persönlichkeit offen, die ihr Lehrer ist.
Sechstens:
Und so wie Millionen von Forschern (Asfiya-i mudaqqikin),Gelehrten (Siddiqin-i muhaqqiqin)und Philosophen (Dahi-i hukema-i mu'minin)durch die Heilige Wahrheit (haqaiq-i qudsiye),die er - obwohl selbst Analphabet - brachte, durch die Hohe Wissenschaft (ulum-u a'Iiye),die er begründete, durch seine Unterweisungen und Belehrungen in der Erkenntnis Gottes (marifet-i Ilahiye),die ihm in seiner geistigen Schau (keshfet)zuteil wurde, auf der Leiter der Wissenschaft zur höchsten Stufe emporstiegen, die Einheit (Gottes; Vahdaniyet),welche das Fundament seiner Sendung darstellt, mit einstimmig unumstößlichen Beweisen belegen und bestätigen, so ist auch ihr übereinstimmendes Zeugnis für die Wahrhaftigkeit dieses gewaltigen Lehrers und großen Meisters, für die Wahrhaftigkeit seiner Worte ein Beweis seines Prophetentums und seiner
Aufrichtigkeit, klar wie der lichte Tag. So ist auch die Risale-i Nur mit all ihren 130 Teilen ein einziges Zeugnis seiner Aufrichtigkeit.
Siebentens:
Die gewaltig große Gruppe jener, welche man die Familienangehörigen und die Bundesgenossen (des Propheten, mit dem Friede und Segen sei,) nennt und die nach den Propheten alle Menschheit dank ihrer Einsicht (feraset),ihres Verständnisses und ihrer Vollkommenheit überragt an Ruhm, Ruf, Ehre, Frömmigkeit (dindar)und wacher Aufmerksamkeit, beobachtete, prüfte und untersuchte sein gesamtes Verhalten - privat und in der Öffentlichkeit - seine Haltung und seine Denkweise mit höchstem Interesse, mit großer Aufmerksamkeit und tiefem Ernst, mit dem Ergebnis, dass sie übereinstimmend zu der festen Überzeugung gelangten und bestätigten, dass er die aufrichtigste (sadiq),erhabenste, rechtschaffenste (haqli)und wahrhaftigste (haqiqatli)Persönlichkeit in dieser Welt ist. So verstand denn unser Reisender, dass ihre Bestätigung und ihr unerschütterlicher und fester (quvvetli)Glaube auf Grund ihrer allen gemeinsamen Übereinstimmung ein Beweis ist, gleich wie der Tag ein Beweis ist für das Sonnenlicht.
Achtens:
Wie dieser Kosmos ein Beweis ist für den Baumeister, Schreiber und Dekorateur, der ihn schuf (idjad),lenkt und leitet und über ihn verfügt wie über ein Schloss, das Er geplant, oder ein Buch, das Er verfasst, oder ein Museum, das Er entworfen hat, oder über ein Theater, über das Er Regie führt, so ist er zugleich auch ein Beweis für das Bedürfnis, ja für die Notwendigkeit eines Schlossverwalters, eines Buchverlegers, eines Museumsleiters, eines Forschers, eines Gelehrten, eines zuverlässigen Lehrers, der das Wissen über die Absichten Gottes bei der Erschaffung der Welt hat und es vermitteln soll, der die Weisheit des Herrn über allem Wechsel lehren soll, der darüber belehren soll, welchem Zweck alle diese weisungsgemäßen Bewegungen dienen, der Wesen und Bedeutung allen Seins und die in ihnen verborgene Vollkommenheit aufzeigen soll, der den Sinn des
großen Buches erklären soll. So verstand denn unser Reisender, dass (der Kosmos) in Anbetracht all dessen die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit bezeugt, und auch, dass er der höchste und aufrichtigste Beamte des Schöpfers dieses Kosmos ist, der seine Aufgaben in höherem Maße als alle anderen erfüllt.
Neuntens:
Es ist da hinter dem Vorhang Einer, der Seine eigene Geschicklichkeit und Kunstfertigkeit in ihrer Vollkommenheit darstellen will durch Seine Werke voll Schönheit und Weisheit, um sich selbst mit ihnen bekannt zu machen. In all dem, was Er geschaffen, mit Schmuck und Ornamenten verziert hat, möchte Er sich vorstellen und geliebt werden. Für alle Seine zahllosen, kostbaren, wohlschmeckenden Gottesgaben (nimet)erwartet Er von uns Lobpreis und Dank (teshekkur ve hamd).Er schützt, versorgt und ernährt alle Seine Geschöpfe mit Zärtlichkeit (shefqat),deckt ihnen den Tisch, bereitet ihnen ein Festmahl, welches jede Art von Geschmack - selbst den feinsten und auch die verwöhnteste Nase zu befriedigen vermag, damit sie Ihm mit Lob und Preis und Dank ihre Anbetung darbringen sollen. Er zeigt Seine Göttlichkeit, wenn Er in majestätischer Pracht schaltet und waltet, lenkt und leitet, schafft und verändert, z.B. den Wandel der Zeiten und den Wechsel von Tag und Nacht hervorbringt. Ob Seiner Hoheit sollen wir Ihm Glaube (iman),Hingabe (teslim),Demut und Gehorsam entgegenbringen. Er möchte alle Zeit das Gute und die Guten beschützen, das Böse und die Bösen vernichten und mit Schlägen von oben die Tyrannen und die Lügner zu Grunde richten und so Seine Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit (haqqaniyet ve adalet)erweisen. An der Seite dessen, der da verborgen ist, steht sicher und gewiss das Geschöpf Seines höchsten Wohlgefallens, Sein über alles rechtschaffener Diener und Verehrer, der den oben erwähnten Zielen vollauf gerecht wird, der den verborgenen Sinn und die verschlossene Wahrheit hinter der Erschaffung des Alls zu enträtseln und zu enthüllen vermag... der immer im Namen seines Schöpfers handelt... von Ihm Hilfe erbittet... und Erfolg erwartet...
von Ihm Hilfe empfängt und dem von Ihm der Erfolg gegeben wird. Das ist jene Persönlichkeit, die Mohammed-i Qureyshi, mit dem Friede und Segen sei, genannt wird.
Da sagte (unser Reisender) zu seinem Verstand: "Da also nun diese oben erwähnten neun Tatsachen die Aufrichtigkeit (sidq)dieser Persönlichkeit bestätigen, gereicht dieser Mann den Söhnen Adams zum Ruhm und aller Welt zur Ehre. Er verdient völlig zu Recht, der Würdenträger der Welt (Fakhr-i Alem)und der Stolz der Söhne Adams (Sheref-i Beni-Adam)genannt zu werden. Die Ausdehnung des königlichen Einflussbereiches des Geistes der Verkündigung des Wunders, das der Qur'an ist, über die halbe Erde, ein Erlass des Allbarmherzigen (Rahman),den er in der Hand hält, seine eigene Vollkommenheit und seine ihm angeborenen überragenden Eigenschaften bezeigen, dass er in dieser Welt die bedeutendste Persönlichkeit ist. Das bedeutendste Wort über unseren Schöpfer ist sein."
Nun also komm und sieh: Das, was allen seinen Absichten zu Grunde liegt und Ziel seines ganzen Lebens war, beruht auf der Kraft von Hunderten allgemein bekannter, unleugbarer Wunder dieser außerordentlichen Persönlichkeit sowie tausender Tatsachen von fundamentaler Bedeutung in seinem Glauben, nämlich: Ein Zeuge zu sein und das lebendige Beweisstück für jenes Sein, welches zwangsläufig allem Sein zu Grunde liegt (Vadjib-ul Vudjudun vudjuduna),die Einheit (vahdet),Attribute (sifat)und Namen Gottes, und dieses Sein hinter allem Sein zu beweisen, zu erklären und zu verkündigen. Das heißt also, dass diese Persönlichkeit, welche Habibu'llah(der Geliebte Gottes) genannt wird, die geistige Sonne des Alls und das strahlendste Zeugnis für unseren Schöpfer ist.
Es gibt drei bedeutende Personengruppen, deren Consensus nicht irrt und die nicht getäuscht werden können. Seine Zeugenschaft bestärken, bestätigen und unterstreichen sie.
Erstens:
"Würde der Schleier des Verborgenen hinweggezogen, meine Sicherheit (yaqien)würde sich nicht erhöhen",
sagte Imam Ali(möge er Allahs Wohlgefallen finden). Ghauthu-l'A'dham (Abdul Qadir Geylani,Allah heilige sein Geheimnis!), sah von der Erde aus den Höchsten Thron und die überragende Gestalt des Erzengels Israfil. {Erzengel, der am Jüngsten Tag die Posaune blasen wird.} Ihr Zeugnis und das Zeugnis Tausender Aqtab(Personen, die den Mittelpunkt eines geistigen Zentrums bilden) und gewaltiger Heiliger, begabt mit Scharfsicht und einem Blick, der in das Unsichtbare dringt, im Kreise jener erleuchtenden Gemeinschaft, die als Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, berühmt geworden ist, bilden den ersten Konsens.
Zweitens:
Der Konsens einer weltberühmten Gemeinschaft mit einem festen Glauben, der es ihr ermöglichte, ihr Leben, ihren Besitz, ihre Väter und ihre Stammesgemeinschaft aufzugeben, die Bundesgenossen des Propheten (ashab)genannt, welche sich inmitten eines nicht zivilisierten Volkes ohne sozialen Zusammenhalt, ohne höhere kulturelle oder politische Bildung, ohne jedes Schrifttum in einem dunklen Zeitalter zwischen den Propheten (fetret)befanden und in ganz kurzer Zeit Lehrer, Führer, Diplomaten und gerechte Richter über Völker und Staaten wurden, die in ihrem sozialen und politischen Leben bereits weit vorangeschritten waren, sodass sie von Ost bis West die Bewunderung der ganzen Welt erlangten.
Drittens:
Der Consensus tatsächlichen Wissens ('ilmel'yaqin)der gewaltigen Gemeinschaft (Djema'at)zahlloser Forscher und Gelehrter mit profundem Wissen, die in ihrer Gemeinschaft (in der Umma des Propheten, mit dem Friede und Segen sei,) herangebildet wurden. In jedem Jahrhundert fanden sich Tausende von ihnen, waren in jeder Wissenschaft außerordentlich fortgeschritten und arbeiteten auf verschiedenen Gebieten. Das heißt also, dass das Zeugnis, welches diese Persönlichkeit von der Einheit (Gottes; Vahdaniyet)bringt,
nicht sein eigenes persönliches ist, sondern ein allgemeines, umfassendes und nicht zu erschütterndes. Sollten sich auch alle Teufel dagegen versammeln, sie könnten es nicht im geringsten von der Stelle rücken. So urteilte unser Reisender. Als eine kurze Anmerkung zu der Lektion, die der Gast in dieser Welt und Reisende durch das Leben auf seiner Reise, die er zusammen mit seinem Verstand in die "Glückliche Zeit" unternommen hatte, in der Schule der Erleuchtung empfing, wurde nun auf der Sechzehnten Stufe des Ersten Kapitels Folgendes gesagt:
لآَ اِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلَى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ فَخْرُ عَالَمٍ وَشَرَفُ نَوْعِ بَنِى اٰدَمَ بِعَظَمَةِ سَلْطَنَةِ قُرْاٰنِهِ وَحَشْمَةِ وُسْعَةِ دِينِهِ وَكَثْرَةِ كَمَالاَتِهِ وَعُلْوِيَّةِ اَخْلاَقِهِ حَتّٰى بِتَصْدِيقِ أَعْدَآئِهِ. وَكَذَا شَهِدَ وَبَرْهَنَ بِقُوَّةِ مِئَآتِ الْمُعْجِزَاتِ الظَّاهِرَاتِ الْبَاهِرَاتِ الْمُصَدَّقَةِ الْمُصَدِّقَةِ وَبِقُوَّةِ اٰلاَفِ حَقَآئِقِ دِينِهِ السَّاطِعَةِ الْقَاطِعَةِ بِاِجْمَاعِ اٰلِهِ ذَوِى الْاَنْوَارِ وَبِاِتِّفَاقِ اَصْحَابِهِ ذَوِى الْاَبْصَارِ وَبِتَوَافُقِ مُحَقِّقِى أُمَّتِهِ ذَوِى الْبَرَاهِينِ وَالْبَصَآئِرِ النَّوَّارَةِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, der Einzige (Ahad) und Allgegenwärtige (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist der Stolz der Welt und die Ehre der Söhne Adams durch die Größe des Herrschaftsbereichs (Sultanat) Seines Qur'an, die Majestät der Ausdehnung seiner Religion, durch die Vielzahl seiner vollkommenen Eigenschaften, die Erhabenheit seiner Gesittung, selbst noch in der Bestätigung seiner Feinde, und genauso bezeugt und beweist (der Prophet) durch die Kraft hunderter offensichtlicher, eindeutiger, bestätigter und bestätigender Wunder und in der Kraft Tausender glänzender, zuverlässiger Wahrheiten seines Glaubens, entsprechend dem Konsens aller Erleuchteten seiner Familie, im Einklang mit den kritisch betrachtenden Sahabis, entsprechend den Forschern (muhaqqiq) seiner Gemeinde (umma) und den scharfsichtigen, erleuchteten Beweisträgern."}
Die Herausforderung des Qur'an
Nun wandte sich unser nimmermüder Reisender, der sich noch nie satt zu sehen vermochte, wohl wissend, dass das Ziel des Lebens in dieser Welt und das Leben des Lebens selbst der Glaube (iman)ist, an das eigene Herz und sagte zu ihm:
"Lasst uns das Buch jener Persönlichkeit befragen, die wir suchen und deren Wort (söz)und Spruch (kelam)es genannt wird, das in dieser Welt das berühmteste, hervorragendste und weiseste ist und das in jeder Generation wieder jeden, der sich ihm nicht fügen will, erneut herausfordert, nämlich den Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist. Lasst uns fragen, was es uns sagt! Vor allem aber ist es erst einmal notwendig, zu beweisen, dass es das Buch unseres Schöpfers ist." Und so begann er mit seinem Studium.
Da unser Reisender aber in gegenwärtiger Zeit lebt, betrachtete er zunächst die Risale-i Nur und erkannte, dass ihre hundertdreißig Bände, Wunder und Funke aus dem Geiste des Qur'an, Anmerkungen und Lichter zu den Wunderzeichen der Unterscheidung (Qur'an)und deren grundlegende Auslegung sind. Wenn die Risale-i Nur in einer Zeit wie der heutigen, wo die Menschen so verbohrt sind und so wenig Einsicht (vidjdan)haben, die Wahrheit des Qur'an mit einem derartigen Idealismus verbreiten kann, ohne dass jemand dagegen aufzustehen vermag, so beweist dies, dass der Qur'an ihr Lehrmeister (Ustadh),von dem sie ihre Autorität bezieht, ihre Sonne im Himmel ist und nicht Menschenwort. Ja, in der Risale-i Nur wird unter Hunderten von Zeugnissen schon allein im Fünfundzwanzigsten Wort und am Ende des Neunzehnten Briefes als ein einziges Zeugnis für den Qur'an dergestalt der Beweis erbracht, dass der Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist, dass der, welcher ihn liest, ihn nicht kritisieren noch etwas dagegen einwenden kann, sondern angesichts dieser Beweisführung von Bewunderung
und Hochachtung erfüllt wird und höchstes Lob spendet. So überließ er es der Risale-i Nur, den Qur'an als ein Wunder darzustellen und zu beweisen, dass er das wahre Wort Allahs ist, und achtete nur darauf, in wenigen Stichpunkten kurz auf dessen Größe hinzuweisen.
Erster Punkt:
So wie der Qur'an mit allen Wundern und allen Tatsachen, die ein Beweis seines Wahrheitsgehaltes sind, ein Wunder Mohammeds (mit dem Friede und Segen sei) ist, so ist auch Mohammed (mit dem Friede und Segen sei) mit all seinen Wundern, Beweisen für sein Prophetentum und seiner Vollendung in der Wissenschaft ein unumstößliches Zeugnis dafür, dass der Qur'an ein Wunder ist und dass der Qur'an Allahs Wort ist.
Zweiter Punkt:
Der Qur'an, welcher in so lichtvoller beseligender und wahrheitsgemäßer Weise das gesellschaftliche Leben veredelt und sowohl den Seelen als auch den Herzen, dem Geist, als auch dem Intellekt, im persönlichen Leben, wie auch im gesellschaftlichen Leben, wie auch im politischen Leben eine solche Umwälzung zu Stande gebracht hat und noch immer zu Stande bringt und als eine Richtschnur dient, dessen 6666 Ayat im Verlaufe von vierzehn Jahrhunderten von mehr als hundert Millionen Menschen mit völliger Ehrerbietung rezitiert werden, ihre Seelen (nefs)wäscht und ihre Herzen reinigt, ihrem Geiste Wachstum und Gedeihen schenkt, dem Intellekt Ausrichtung und Licht, dem Leben (ewiges) Leben und Glück, dieser Qur'an ist sicherlich ein Buch ohne seinesgleichen, einzigartig, außerordentlich und wunderbar.
Dritter Punkt:
Der Qur'an hat seit der Epoche seiner Entstehung bis in unsere Zeit eine so überwältigende Schönheit gezeigt, dass die unter der Bezeichnung "mu-'alIaqat-i seb'a"(wörtlich; die sieben Hängenden) an den Wänden der Kaaba mit goldenen Lettern geschriebenen berühmten Kassiden der bekanntesten Dichter von ihm so sehr in den Schatten gestellt wurden, dass die Tochter des Dichters Lebid, als sie die Kasside ihres Vaters in der
Kaaba abnahm, sagte: "Sie haben im Vergleich mit diesen Ayat ihren Wert verloren."
So warf sich ein beduinischer Dichter, nachdem er die Ayah: فَاصْدَعْ بِمَا تُؤْمَرُ {"Verkündige, was dir befohlen wurde!" (Sure 15, 94)} gelesen hatte, zur Erde nieder und antwortete denen, die ihn fragten: "Bist du nun ein Muslim geworden?"
"Nein! Nur vor der unvergleichlichen Schönheit dieser Ayah habe ich mich zu Boden geworfen."
Gleich ihm haben Tausende von Imamen und Sprachforschern wie Abdulqadir-i Djurdjani, Sekkaki und Zemahsheri, Rhetorik-Wissenschaftler von überragendem Geist, insgesamt übereinstimmend das Urteil abgegeben: "Die überwältigende sprachliche Schönheit des Qur'an übersteigt alles menschliche Fassungsvermögen und bleibt unerreichbar."
Seit dieser Zeit reizt der Qur'an ständig stolze und selbstgefälligen Dichter und Schriftsteller zum Widerstand auf und indem er die Stolzen zerbricht, sagt er zu ihnen: "Bringt doch nur eine einzige, ähnliche Sure herbei oder nehmt in dieser und in jener Welt euren Untergang und eure Schande hin!" Obwohl aber doch der Qur'an sie dazu eingeladen hatte, gaben die halsstarrigen Dichter jener Zeit ihre Bemühungen auf, den kürzeren Weg einzuschlagen und auch nur eine einzige ähnliche Sure hervorzubringen und wählten statt dessen den langwierigen Kampf, in dem sie Gut und Leben aufs Spiel setzten, was beweist, dass es unmöglich ist, den kurzen Weg zu beschreiten.
So haben Freunde des Qur'an in ihrer Begeisterung versucht, den Qur'an nachzuahmen, und auch seine Feinde kamen dazu, etwas zu schaffen, was dem Qur'an vergleichbar gewesen wäre, und ihn zu kritisieren. Millionen arabischer Bücher sind mit dem Fortschritt des Gedankenaustausches
auf den Markt gelangt. Keines davon konnte dem Qur'an gleichen. Ja, würde selbst ein ungebildeter Mensch sie hören, sagte er gewiss: "Dieser Qur'an ist ihnen nicht gleich. Ja, er steht noch nicht einmal auf gleicher Stufe mit ihnen. Er muss entweder unter ihnen oder aber über ihnen allen stehen". Dass er unter ihnen stünde, kann in dieser Welt niemand, kein Ungläubiger, ja noch nicht einmal ein dummer Mensch behaupten. Das heißt also, das die Stufe seiner sprachlichen Schönheit weit über ihnen allen liegt. Einmal hatte jemand die Ayah سَبَّحَ لِلّٰهِ مَا فِى السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ {"Es preist Allah, was in den Himmeln und auf Erden ist." (Sure 57, 1)} gelesen und gesagt: "Ich kann an dieser Ayah nichts von der sprachlichen Schönheit finden, die als so bewundernswert in ihr gesehen wird." Da sagte man ihm:
"Geh doch auch du wie jener Reisende hinab in die damalige Zeit und lausche!" Da stellte er sich selbst vor, in der Zeit vor dem Qur'an dort zu sein und sah:
Alle Wesen der damaligen Welt befanden sich in einem heillosen, dunklen, erstarrten, kaum noch bewussten Zustand, ziellos in einem grenzenlos leeren, unendlich öden Raum, in einer unbeständigen, vergänglichen Welt. Plötzlich hörte er die Stimme des Qur'an diese Ayah verkünden, und erkannte, dass diese Ayah über der Welt und dem Antlitz der Erde einen Schleier hob, sie erleuchtend, allen mit Bewusstsein begabten Seelen in den Bankreihen der Jahrhunderte mit dieser urewigen Ansprache, diesem zeitlosen Erlass (ferman),Unterricht erteilend, und so verstand er, dass das All einer großen Moschee gleich, von Himmel und Erde angeführt mit all seinen Geschöpfen in ein lebendiges Gedenken Gottes (dhikr)und in Seinen Lobpreis versunken, seine Pflicht glücklich, begeistert und zufrieden erfüllt. Dies bezeugte er. Da genoss er die vollendete Schönheit dieser Ayah, verglich sie
mit noch anderen Ayat und verstand, dass die Hälfte der Erde und ein Fünftel der Menschheit vom Raunen der Suren angerührt, von ihrer vollendeten Schönheit erfüllt wurde. Hierin liegt eine Weisheit unter Tausenden von Weisheiten, grundlegend für den Fortbestand des Königreiches in all Seiner Majestät und vollkommenen Würde, ununterbrochen seit vierzehn Jahrhunderten.
Vierter Punkt:
Der Qur'an weist eine solche wahrhaftige Süßigkeit auf, dass die Rezitation des Qur'an niemals Überdruss hervorruft, obwohl doch häufige Wiederholungen auch der süßesten Dinge überdrüssig werden lassen, sodass sich seine Süßigkeit bei der Wiederholung nur noch vermehrt, soweit das Herz des Menschen noch unverdorben und sein Geschmack noch unverfälscht geblieben sind. Dies ist schon seit langem so gewiss für jedermann, dass es bereits zum Sprichwort geworden ist.
Dabei erweist sich noch immer seine ursprüngliche Jugendlichkeit und Frische, sodass er trotz seines Alters von vierzehn Jahrhunderten und obwohl er doch jedermann leicht zugänglich ist, seine Frische so bewahrt hat, als wäre er gerade erst offenbart worden. Jedes Jahrhundert hat in ihm eine solche Jugendlichkeit erblickt, als habe er es unmittelbar angesprochen. Und obwohl jeder Zweig der Wissenschaft sich stets an ihm orientierte, ihnen stets eine Vielzahl von Exemplaren zur Verfügung stand und alle ihm in ihrer Ausdrucksweise nacheiferten, vermochte er dennoch seinen ursprünglichen, unverfälschten Stil und seine originäre Ausdrucksweise bis in unsere Tage zu bewahren.
Fünfter Punkt:
So wie der Qur'an mit dem einen Flügel in der Vergangenheit, mit dem anderen in der Zukunft, den die alten Propheten auf Grund der Tatsache ihrer Übereinstimmung, die seine Wurzel und der eine seiner Flügel ist, bestätigen und bestärken, sie gleichfalls in dieser Übereinstimmung bestätigt, so beweisen auch Männer wie die Freunde (auliya)und Gelehrten (asfiya)Gottes, dass sie die Frucht des Lebens an dem vollkommenen,
segensreichen und segenspendenden Baum sind, der die Quelle der Wahrheit ist; und auch alle echten Orden der Freundschaft (mit Gott), alle wahrhaftigen Wissenschaften des Islam, die sich unter dem Schutz des zweiten Flügels gesammelt haben und leben, legen Zeugnis dafür ab, dass der Qur'an als die Wahrheit selbst, als ein Kompendium der Wahrheit, und als ein Gesamtwerk ein Wunder ohnegleichen ist.
Sechster Punkt:
Der Qur'an spendet Erleuchtung nach sechs Seiten; sie alle bezeigen seine Richtigkeit und Wahrhaftigkeit. So, wie an seiner Unterseite die Pfeiler von Zeugnis und Beweis, an seiner Oberfläche das funkensprühende Siegel seiner Wunderhaftigkeit, an seiner nach vorne zielenden Seite die Geschenke der Glückseligkeit in beiden Welten, an seiner Rückseite der Stützpunkt der Offenbarung der himmlischen Wahrheiten, an seiner Rechten die Bestätigung durch die Beweise unendlich vieler geradliniger Intelligenzen, an seiner Linken die ernsthaften, vertrauensvollen, innerlich hingezogenen und ergebungsvoll hingegebenen Herzen und reinen Gewissen beweisen, dass der Qur'an eine über alle Maßen wunderbare, feste, unangreifbare Burg des Himmels auf Erden ist, und so, wie auch der Lenker der Welt auf sechs verschiedenen Ebenen dafür unterschrieben hat, dass er (der Qur'an) die Wahrheit und Aufrichtigkeit selbst ist und nicht Menschenwort, noch ein Irrtum, und sich den Grundsatz Seines Handelns zur Gewohnheit gemacht hat, dafür Sorge zu tragen, dass in der Welt jederzeit zunächst die Schönheit sichtbar wird und das, was gut und richtig ist, Betrug und Verleumdung aber auszurotten, und dem Qur'an die höchstgeschätzte und erhabene Ehrenstellung in der Regierung der Welt und einen Grad des Erfolges gegeben, ihn bestätigt und für ihn unterschrieben hat, so vermochte man auch bei ihm, der die Quelle des Islam ist und der Dolmetscher des Qur'an , der, welcher sich stärker als jeder andere auf ihn stützte, ihn verehrte, der, welcher sich zur Zeit seiner Herabkunft in einer
Art Schlafzustand befand, sodass andere Worte (des Propheten den Qur'an) nicht erreichen und ihm keineswegs gleich sein konnten, der obwohl selbst des Lesens und Schreibens unkundig, aus dem Qur'an die vergangenen und die künftigen Ereignisse in der Welt in Wahrheit aus dem Verborgenen mit unbeirrter innerer Sicherheit verkündete, selbst unter den Blicken höchst aufmerksamer Augen, keine Spur von Betrug oder Falschheit zu entdecken. Er, der als sein Dolmetscher mit ganzer Kraft an alle Bestimmungen des Qur'an glaubte, sie bestätigte und sich durch nichts darin erschüttern ließ, unterschrieb auch dafür, dass der Qur'an vom Himmel herabgekommen und wahrhaftig das gesegnete Wort seines eigenen allbarmherzigen Schöpfers (Khaliq-i Rahiem)ist.
Zudem gilt die gläubig hingerissene Verbundenheit eines Fünftels, ja, sogar eines Großteils der Menschheit, mit diesem offen vor unseren Augen liegenden Qur'an, die Sehnsucht und Begeisterung, mit der sie ihm ihr Ohr leihen, das Zeugnis der vielen Hinweise, Ereignisse und Entdeckungen, dass sich auch Dschinnen, Engel und Geister zur Zeit der Lesung voll Verehrung für die Wahrheit, den Faltern gleich, um ihn versammeln, als eine Urkunde dafür, dass der Qur'an weltweit angenommen wurde und eine hohe Stufe einnimmt.
Zudem ist die Tatsache, dass in allen Schichten des Menschengeschlechtes, von dem primitivsten und ungebildetsten angefangen bis zu den klügsten und intelligentesten, jeder einzelne zur Gänze seinen Nutzen aus den Lektionen des Qur'an gezogen hat, selbst noch seine tiefsten Geheimnisse verstehen kann und jede Art von Erforschern der Wahrheit, gleich Hunderten von Wissenschaftlern und islamischen Gelehrten, Religionswissenschaftler und Theologen, aus dem Qur'an die Antwort auf alle ihre Fragen entsprechend ihrem Wissensgebiet gefunden haben, gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an die Quelle der Gerechtigkeit und eine Fundgrube der Wahrheit ist.
Außerdem haben selbst unter den fortgeschrittensten Sprachwissenschaftlern diejenigen arabischen Dichter, die den Islam nicht angenommen haben, mochten sie nun noch so sehr das Bedürfnis haben, Widerstand zu leisten, bis heute nicht einmal die unvergleichliche sprachliche Schönheit des Qur'an , die doch nur ein einziges Wunder unter den sieben Aspekten seiner Wunderhaftigkeit ist, nicht eine einzige Sure, nachzuahmen vermocht. Auch heute noch versuchen sie mit ihrem Widerstand an Ansehen zu gewinnen, doch konnte von allen berühmten Dichtern und überragenden Wissenschaftlern keiner auch nur einen einzigen Aspekt seiner Wunderhaftigkeit widerlegen. Alle wurden sie schwach und verstummten. Auch dies gleicht einer Urkunde dafür, dass der Qur'an über alle Menschenkraft hinaus ein Wunder ist.
In der Tat, bei einem Wort zu fragen: "Von wem stammt es, und an wen richtet es sich und in welchem Zusammenhang wurde es ausgesprochen?", bestimmt seinen allgemeinen Wert, die individuelle Hochschätzung und den sprachlichen Rang. Auch von diesem Standpunkt betrachtet gibt es nichts, was man mit dem Qur'an vergleichen oder was ihn erreichen könnte. Denn der Qur'an ist die Anrede und Ansprache des Herrn und Schöpfers aller Welten, ein Wort, in dem sich nicht das geringste Zeichen entdecken ließe, das auf eine Nachahmung oder Vortäuschung schließen lässt. Aus ihm erwuchs durch den starken universalen Glauben seines Sprechers, welcher zugleich auch der Sprecher für die ganze Menschheit, ja, sogar der Abgeordnete der gesamten Schöpfung, unter allen Menschen der gerühmteste und mit den höchsten Ehren ausgezeichnete ist, der riesige Baum des Islam. In seiner Herabkunft erhob er seinen Besitzer bis zur Stufe (makam)von Kab-i Kauseyn und ließ ihn zum Gesprächspartner des Einzigartigen (Samad)werden. Er erklärt und erläutert alle Fragen, die sich auf das Glück in beiden Welten, die Auswirkungen der Erschaffung des Alls, die in ihnen (verborgene) Absicht des Herrn beziehen,
den hohen und weiten Glauben seines Sprechers, der alle Wahrheiten des Islam in sich enthält. Er zeigt alle Seiten des gewaltigen Kosmos, einer Landkarte, einer Uhr oder einem Haus gleich, belehrt über den Meister, der ihn gemacht hat, ihn lenkt und leitet, stellt Ihn anhand Seiner Taten vor. So ist es ohne allen Zweifel unmöglich, dem Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, ein Gleiches an die Seite zu stellen und den Grad seiner Wunderhaftigkeit zu erreichen.
Zudem zeigen und beweisen all die Forscher von hohem Geist, Tausende von Wissenschaftlern und Gelehrten, die den Qur'an kommentiert haben - manche von ihnen haben dreißig, vierzig, ja sogar siebzig Bände geschrieben und jeder seinen eigenen Kommentar! - durch die Veröffentlichung ihrer Urkunden und Zeugnisse die grenzenlosen Vorzüge und Besonderheiten und die außergewöhnlichen Werte des Qur'an, seine Geheimnisse, seinen erhabenen Sinn und die vielen Beispiele jeder Art verborgener Dinge. Insbesondere beweist jede einzelne der hundertdreißig Abhandlungen der Risale-i Nur mit absolut sicheren Zeugnissen die Vorzüge und Besonderheiten des Qur'an. Desgleichen wird auch in der Abhandlung über die Wunderhaftigkeit des Qur'an, im Zweiten Kapitel (makam)des Zwanzigsten Wortes, wo von Eisenbahnen und Flugzeugen und vielen anderen "Wundern" (hariqa)der modernen Zivilisation und Technik, auf die sich Hinweise im Qur'an finden, die Rede ist, und in den "Erster Strahl" genannten Hinweisen des Qur'an, wo auf die Ayat verwiesen wird, die sowohl auf die Risale-i Nur einerseits als auch auf die Elektrizität andererseits hingewiesen wird, also in den "Acht Hinweise" genannten kleinen Abhandlungen, die zeigen, wie wohlgeordnet, geheimnis- und bedeutungsvoll die "Buchstaben" (harf)des Qur'an sind, in einer kleinen Abhandlung, die anhand der letzten Ayah der Sure "Feth"in fünffacher Hinsicht den auf die unsichtbare Welt bezogenen Aspekt der Wunderhaftigkeit beweist, in jedem kleinsten Teil der
Risale-i Nur eine Ansicht der Wahrheit und des Lichtes klargelegt. Das alles ist wie eine Urkunde für die Unvergleichlichkeit, Wunderhaftigkeit (mudjise)und Außerordentlichkeit (hariqa)des Qur'an. In dieser bezeugten Welt ist er die Sprache der unsichtbaren Welt und das Wort dessen, der um alles Verborgene weiß (Allam-ul Ghuyub).
Auf Grund dieser oben erwähnten, in sechs Punkten, sechs Aspekten und sechs Stufen aufgezeigten Vorzüge und Besonderheiten, hat der Qur'an in seinem lichtvollen Königreich, in seinem gewaltigen, Heiligen Sultanat das Antlitz der Jahrhunderte erleuchtet und erhellt auch das Antlitz der Erde schon seit tausenddreihundert Jahren. Es besteht weiter in vollkommener Würde fort. Ja, in diesem Königreich ist jeder Buchstabe des Qur'an hundert verdienstvollen guten Werken (sevab ve hasane)gleich, bringt zehnfache, beständige Frucht. Auch in manchen Ayat und Suren bringt jeder Buchstabe hundert oder tausend oder noch mehr Früchte hervor und in Heiligen Zeiten vervielfältigen sich das Licht, die Verdienste und die Werte um das Zehnfache. Da erkannte unser Reisender, welche geheiligten Privilegien man erwerben kann, und sprach zu seinem Herzen:
"Nun also legt der Qur'an, der in jeder Hinsicht ein Wunder ist, durch die Gemeinsamkeit seiner Suren und den Einklang seiner Ayat, durch die Entsprechungen seiner Geheimnisse und Lichter, durch die Übereinstimmung seiner Früchte und Werke und mit Zeugnissen, die einen sicheren Beweis liefern, ein solches Zeugnis dafür ab, dass notwendigerweise ein absolutes Sein da sein muss (Vadjib-ul'Vudjudun vudjuduna),(ein Zeugnis) für Seine Einheit (vahdet),Seine Attribute (sifat)und Namen (Charaktereigenschaften), dass die unendliche Zahl der Zeugnisse aller Männer des Glaubens als ein Zeugnis angesehen werden kann, das aus dem Zeugnis des Qur'an herausgewachsen ist."
So wurde denn auf der Siebzehnten Stufe der Ersten Abhandlung als ein kurzer Hinweis auf die Lektion über die Einheit (tauhid)und den Glauben, die unser Reisender erhalten
hatte, das Folgende gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ اَلْقُرْاٰنُ الْمُعْجِزُ الْبَيَانِ اَلْمَقْبُولُ الْمَرْغُوبُ لأَجْنَاسِ الْمَلَكِ وَالْاِنْسِ وَالْجَانِّ اَلْمَقْرُوءُ كُلُّ اٰيَاتِهِ فِى كُلِّ دَقِيقَةٍ بِكَمَالِ الْاِحْتِرَامِ بِأَلْسِنَةِ مِئَاتِ الْمَلاَيِينَ مِنْ نَوْعِ الْاِنْسَانِ اَلدَّآئِمُ سَلْطَنَتُهُ الْقُدْسِيَّةُ عَلٰٓى اَقْطَارِ الْاَرْضِ وَالْاَكْوَانِ وَعَلٰى وُجُوهِ الْاَعْصَارِ وَالزَّمَانِ وَالْجَارِي حَاكِمِيَّتُهُ اَلْمَعْنَوِيَّةُ النُّورَانِيَّةُ عَلٰى نِصْفِ الْاَرْضِ وَخُمْسِ الْبَشَرِ فِى اَرْبَعَةَ عَشَرَ عَصْرًا بِكَمَالِ الْاِحْتِشَامِ وَ كَذَا شَهِدَ وَ بَرْهَنَ بِاِجْمَاعِ سُوَرِهِ الْقُدْسِيَّةِ السَّمَاوِيَّةِ وَ بِاِتِّفَاقِ اٰيَاتِهِ النُّورَانِيَّةِ الْإِلٰهِيَّةِ وَ بِتَوَافُقِ أَسْرَارِهِ وَ أَنْوَارِهِ وَ بِتَطَابُقِ حَقَآئِقِهِ وَثَمَرَاتِهِ وَ اٰثَارِهِ بِالْمُشَاهَدَةِ وَالْعَيَانِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, der Einzige (Ahad) und Allgegenwärtige (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, der allgemein anerkannt und hochgeschätzt ist bei den verschiedensten Engeln, Menschen und Dschinnen, dessen Verse in jeder Minute in vollkommener Ehrfurcht von Hunderten Millionen von Zungen des Menschengeschlechts gelesen werden, dessen geheiligter Herrschaftsbereich sich bis an die Enden der Welt, ja des Kosmos und in alle Aspekte der Zeiten und der Äonen erstreckt, dessen lichtvolle, geistige Herrschaft seit vierzehn Jahrhunderten in vollkommenem Glanz über der halben Erde und für ein Fünftel der Menschheit seine Gültigkeit besitzt. Genauso bezeugt und beweist (der Qur'an die Existenz Gottes) in der Gemeinsamkeit seiner himmlischen, heiligen Suren, in der Übereinstimmung seiner göttlichen, erleuchteten Verse, im Einklang mit seinen tiefen Erkenntnissen (esrar) und seinem Licht, in der Entsprechung seiner Wahrheiten, Wirkungen und Werke, so wie wir es bezeugen und erkennen."}
Das große Zeugnis des Kosmos
Da sagte nun unser Reisender und Wanderer durch das Leben, der wusste, dass der Glaube, als das wertvollste Startkapital des Menschen, einen armen Menschen ein Feld, ein Haus nicht nur zeitweilig und vorübergehend, sondern auf Dauer einen ganzen, gewaltigen Kosmos gewinnen lässt, ein immerwährendes Reich, groß wie die Welt, und einen vergänglichen Menschen mit allem versorgt, was er an Gütern für ein ewiges Leben benötigt, den Ärmsten, der auf den Galgen wartet, vor der ewigen Verdammnis rettet und ihm für ewig die Schatzkammer der Glückseligkeit öffnet, zu seiner Seele:
"Auf nun! Wollen wir noch zu einer weiteren Stufe der zahllosen Stufen des Glaubens gelangen, uns beim Weltall als Ganzes erkundigen und hören, was es sagt! Wir wollen uns die Lektionen, die wir von untergeordneten und übergeordneten Beamten erhalten haben, ergänzen und klar machen." Er nahm das Fernrohr, das er aus dem Qur'an erhalten hatte, mit seiner weiten und breiten Optik, sah hindurch und erkannte:
"Dieser Kosmos ist so sinnvoll und wohlgeordnet, dass es scheint, als hätte das Buch des Hochgelobten (kitab-i Subhan)Gestalt angenommen, redete zu uns und des Herrn Qur'an wäre leibhaftig unter uns erschienen. Ja, einem kunstvoll gestalteten Schloss des Einzigartigen (Samad)und einer wohlgeordneten Stadt des Allbarmherzigen (Rahman)gleicht das All. So wie all die Suren und Ayat, die Worte und Buchstaben, die Kapitel, Abschnitte, Seiten und Zeilen, die alle insgesamt so sinnvoll getilgt und wieder bestätigt, mit so viel Weisheit umgewandelt und verändert werden, auch offensichtlich alle insgesamt ein Ausdruck dessen sind, der um alle Dinge weiß (Alim-i Kulli Shey)und aller Dinge mächtig (Qadier-i Kulli Shey)ist, eines göttlichen Grafikers und eines Dekorateurs, der in Seiner Majestät alles und jedes kennt und durchschaut, der alle Zusammenhänge kennt und beachtet, ein Abbild der Existenz und des Daseins eines göttlichen Schreibers
in Seiner Vollkommenheit, so machen auch alle Arten und Bestandteile, alle die Teilchen und Bruchstücke, das gesamte lebende und tote Inventar der Welt, was sie hervorbringt und was sie zurücklässt, all die zweckmäßigen Veränderungen und sinnvollen Erneuerungen, die Existenz und die Einheit eines erhabenen Meisters und Künstlers ohne Beispiel sichtbar, der sich mit unendlicher Macht und grenzenloser Weisheit um alle Dinge kümmert. Zwei umfassende große Wahrheiten, so gewaltig wie das All, bestätigen dieses große Zeugnis des Kosmos.
Erste Wahrheit:
Die Weisen des Islam und die Wissenschaftler der Grundlagen des Glaubens und des Wortes (Theologie), Gelehrte von überragendem Geist, haben erkannt und auf Grund zahlloser Zeugnisse bewiesen, dass es eine Wahrheit vom Sein gibt, das uns als ein abgeleitetes (huduth)oder als ein veränderliches (imkan)Sein entgegentreten kann, (also der Erschaffung und Gestaltung bedarf). Sie sagten darüber:
"Auf Grund der Veränderung und des Wandels, dem nun einmal die Welt und alles in ihr unterworfen, ist sie mit Sicherheit vergänglich. Ihr Dasein ist abgeleitet und nicht ewig (qadiem).
Weil aber ihr Dasein ein abgeleitetes ist, muss es mit Sicherheit einen Meister (Sani')geben, der sie ins Dasein gerufen hat. Weil man aber in keinem Ding eine essenzielle Ursache finden kann, die es ins Dasein ruft oder es vernichtet, befinden sich alle Dinge in einem Gleichgewicht. Sie sind mit Sicherheit weder notwendig (vadjib)noch ewig (edheli)..."
Und da es außerdem unmöglich und unvorstellbar ist, dass sie einander wie aus einer Zentrifuge oder durch eine Kettenreaktion hervorgebracht hätten, was durch eine unumstößliche Beweisführung belegt wurde, ist mit Sicherheit die Existenz eines Notwendig-Seienden (Vadjibu-I'Vudjud)erforderlich, der nicht Seinesgleichen kennt und dem ähnlich zu sein unmöglich ist, während alle anderen Dinge möglich (mümkün)und jegliches Dasein geschaffen (makhluq)ist.
Tatsächlich durchdringt die Tatsache von der Abhängigkeit allen Seins (huduth)das All. Man kann das größtenteils mit Augen erkennen; alles übrige erkennt der Verstand. Denn vor unseren Augen stirbt im Herbst jeden Jahres eine solche Welt. Und mit dieser Welt gehen Hunderttausende Arten von Pflanzen und winzig kleinen Tieren - und jede Art besteht aus unendlich vielen Einzelwesen - deren jedes einzelne wieder eine Welt für sich ist, zu Grunde. Aber dieser Abschied vollzieht sich so wohlgeordnet, dass sie im Herbst erst die Samenkerne und Körner und die Eier, in denen der Grund zu ihrer Wiederentstehung und Verbreitung gelegt ist - ein Wunder des Allmächtigen und Allwissenden (qudret ve ilm)- an ihrer Stelle zurücklassen, ihr Arbeitsheft und die Programme der Arbeiten, die sie durchgeführt haben, aushändigen und alles unter den Schutz und der Weisheit des göttlichen Behüters und Bewahrers (Hafiz-i Dhu l-Djelal)anvertrauen, bevor sie dahinscheiden.
Im Frühling dann erwachen diese kahlen Bäume, diese saft- und kraftlosen Wurzeln, und auch manche Tiere kehren ins Leben wieder zurück und stellen so Hunderttausende von Beispielen und Mustern, ja, Beweisen der Wiederversammlung dar. Und an die Stelle von einigen (unter ihnen) werden andere nach ihrem Muster gesetzt, gleichartige, die ihnen ähnlich sehen, ins Leben gerufen. So veröffentlichen sie die Blätter der Lebewesen des vergangenen Frühlings gleich einer Anzeige, zusammen mit deren Werken und Aufgaben und geben ein Beispiel für die Ayah:
وَاِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ
{"Wenn die Blätter ausgebreitet werden..." (Sure 81, 10)}
So stirbt denn eine ganze große Welt, wenn man sie insgesamt betrachtet, in jedem Herbst, und eine neue Welt tritt jeden Frühling ins Dasein. Und dieses Aus-dem-Dasein-Scheiden und Wieder-darin-Eintreten verläuft in einer solchen Ordnung, und innerhalb dieses Scheidens und Wieder-Eintretens ereignet sich das Scheiden und
Wieder-Eintreten so vieler Arten mit einer solchen Ordnung und Ausgewogenheit, dass die Welt einer Herberge gleicht, in der die Welt des Lebendigen als Gast erscheint. Eine wandernde Schöpfung, reisende Welten treten in sie ein, verrichten darin ihre Aufgabe und gehen wieder.
So gibt es denn in dieser Welt einen Herrn, welcher Welten des Lebens, dienstbereite Universen in vollendetem Wissen und vollkommener Weisheit, ausgeglichen und ausgewogen, geordnet und geregelt ins Dasein gerufen (idjad)und aufgebaut, ihnen ein Ziel gesetzt und einen göttlichen Zweck verliehen, ihnen in Seinem Erbarmen (Rahmani)einen Auftrag erteilt, sie in Seiner Allmacht (qadierane)und Barmherzigkeit (rahiemane)zu Nutz und Frommen in Dienst genommen hat. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in all Ihrer Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelalin vudjub-u vudjud),Seine unendliche Allmacht und grenzenlose Weisheit sind dem Verstand ganz offensichtlich sonnenklar erkennbar. Damit wollen wir dieses Kapitel abschließen und überlassen der Risale-i Nur und den Büchern der Erforscher der Wahrheit (muhaqqiq)vom Wort (Theologen) die Frage um das erschaffene Sein (huduth)...
Was nun aber den Aspekt der Veränderlichkeit allen Seins (= imkan)
betrifft, {imkan = Möglichkeit, d.h. der Stoff aus dem die Welt besteht, gleicht einer amorphen Matrix, die der Gestaltung durch ihren Schöpfer bedarf. (A.d.Ü.)} so beherrscht und erfüllt sie das All. Denn wir sehen, dass alle Dinge in ihrer Universalität oder Individualität, seien sie klein oder groß, vom Thron (Gottes) bis hinunter zur Erde, von den Atomen angefangen bis zu den Planeten mit einer besonderen Eigenart, einer bestimmten Gestalt, einer vorzüglichen Ausstattung, mit spezifischen Eigenschaften, mit zweckdienlichen Attributen und nutzbringenden Werkzeugen in die Welt gesandt werden. Um aber dieser spezifischen Matrix (mahsus dhat),{mahsus dhat = alles Geschaffene ist privat, d.h. trägt das charakteristische Merkmal, den besonderen Stempel seines Schöpfers. (A.d.Ü.)} dieser Materia prima (mahiyet)
innerhalb ihrer unendlich vielen Möglichkeiten (imkan)den charakteristischen Stempel zu geben und weiter, ihr entsprechend der möglichen (imkan)und wahrscheinlichen Formen eine kunstvolle, spezifische, passende, festgesetzte Form anzuziehen, und weiter, einem Individuum entsprechend der Menge der Artgenossen, die innerhalb so vieler Möglichkeiten (imkan)hin- und hergeworfen sind, einem solchen Subjekt die nur ihm gebührende besondere Eigenart zuzuerkennen, und weiter, für ein Kunstwerk, das unbestimmt und formlos ist, entsprechend der möglichen (imkan)und wahrscheinlichen Arten und Stufen seiner Eigenschaften seine eigenen, passenden und nützlichen Eigenschaften anzufertigen, und weiter, ein Geschöpf, das ratlos, verwirrt und ziellos ist inmitten so vieler möglicher und wahrscheinlicher Arten und Wege mit so weisheitsvollen Eigenschaften und segensreichen Anlagen auszustatten und auszurüsten, bilden mit Sicherheit entsprechend ihren universellen oder individuellen Möglichkeiten und entsprechend den oben erwähnten unterschiedlichen Wesensmerkmalen, Charakteren, Formen und Gestalten, Eigenschaften und Verhältnissen der Materie (imkan),Hinweise, Zeichen und Zeugnisse für die Seins-Notwendigkeit des notwendig Seienden (Vadjibu-I'Vudjudun vudjub-u vudjudu),der alle Dinge ins Dasein ruft, sie auserwählt, über sie bestimmt und verfügt, dessen Macht grenzenlos und dessen Weisheit unendlich ist, vor dem kein Ding sich verbergen und nichts sich verstecken kann, für den auch die größte Aufgabe, so leicht wie die kleinste ist und für den es ebenso einfach ist, einen Frühling zu gestalten wie einen Baum und einen Baum gleich wie ein Samenkorn - diese Zeugnisse, die aus der Veränderlichkeit allen Seins (imkan)erwachsen, bilden den einen Flügel dieses großen Zeugnisses des Alls.
Das Zeugnis des Alls mit seinen zwei Flügeln oder den beiden Tatsachen ("imkan"und "huduth"als einem und "teavun"als anderem Flügel) wurde in den einzelnen Abhandlungen
der Risale-i Nur und besonders im Zweiundzwanzigsten und Zweiunddreißigsten Wort (Sözler),sowie im Zwanzigsten und Dreiunddreißigsten Brief (Mektubat)vollkommen klargestellt und bewiesen. Wir begnügen uns deshalb damit, hier kurz darauf hinzuweisen, und können deshalb dieses so lange Lehrstück kurz fassen.
Den zweiten Flügel des großen und allumfassenden Zeugnisses, welchen das All in seiner Gesamtheit erbringt, beweist die folgende zweite Wahrheit:
Alles Erschaffene arbeitet trotz aller Veränderungen und Umwandlungsprozesse ständig daran, seine Stabilität nach innen und seine Wirkung nach außen aufrecht zu erhalten und - insoweit es sich dabei um Lebewesen handelt - sein Leben fortzusetzen und seine Aufgaben zu erfüllen, was die Tatsache einer gegenseitigen Hilfeleistung (= teavun)aufzeigt, wie sie ganz und gar außerhalb der eigenen Kraft liegt.
Zum Beispiel:
Die Elemente der Natur eilen, um den Lebewesen zu helfen, besonders aber die Wolken, um den Pflanzen beizustehen. Die Pflanzen sind eine Hilfe für die Tiere, und die Tiere für die Menschen. Die Jungtiere werden mit Milch ernährt, die ihnen wie Kauthar aus den Eutern (der Muttertiere) entgegenströmt. Allem Leben wird seine Versorgung seinen zahlreichen Notwendigkeiten, deren Befriedigung ganz außerhalb seiner Möglichkeiten liegt, entsprechend gegeben. Ja, sogar die kleinsten Bestandteile der Nahrung eilen, um den Zellen des Körpers Entsatz zu bieten. In dieser Weise zeigen noch sehr viele andere Beispiele für die Tatsache gegenseitiger Hilfeleistung (haqiqat-i teavun)in der Unterwerfung unter den Herrn und im Dienste des Allbarmherzigen (Rahman)die allumfassende und erbarmende Königsherrschaft (rahimane rububiyet)des Herrn der Welten (Rabb-ul Alemin),der das gesamte All wie ein Schloss verwaltet.
In der Tat bezeigen diese toten Hilfstruppen, ohne Liebe (shefqatsiz)und ohne Bewusstsein, einander eine so liebevolle (shefqat)und klarbewusste Haltung, dass sie ganz bestimmt in der Kraft (quvvet),durch die Barmherzigkeit und auf den Befehl eines
überaus barmherzigen und weisen Herrn und Königs (Rahiem ve Hakiem bir Rabb-i Dhu l-Djelal)in Bewegung versetzt worden sind.
Dieser Grundsatz von einer allgemeinen und gegenseitigen Hilfeleistung (teavun),wie er im gesamten Kosmos, von den Sternen angefangen bis hin zu den Zellen, Organen und Organsystemen des Körpers gilt, und in Vollkommenheit und Ordnung in ihm zum Ausdruck kommt, dieses allgemeine Gleichgewicht und die umfassende Sicherheit, jene Schönheit, welche der Pinsel malt, angefangen bei dem goldenen Antlitz des Himmels, dem Antlitz der Erde in ihrem schönsten Kleid bis hin zu den künstlerisch gestalteten Gesichtern der Blumen, diese Ordnung, die überall herrscht, von der Milchstraße angefangen über das Sonnensystem bis zu Obst und Gemüse, Mais und Granatapfel, dieser Auftrag, mit dem alle Dinge in Dienst gestellt sind, von der Sonne und dem Mond angefangen über die Kräfte und Elemente der Natur, über die Wolken bis hin zu der Biene, zeigt: Die Zeugnisse all dieser bedeutenden Tatsachen bilden den zweiten Flügel des Zeugnisses des Alls und stellen ihrer Bedeutung entsprechend den Beweis dafür dar.
Nun haben wir aber in der Risale-i Nur dieses bedeutende Zeugnis schon bewiesen und erläutert. Wir können uns deshalb hier mit einem kurzen Hinweis begnügen.
Als einen kurzen Hinweis auf den Unterricht im Glauben, den unser Reisender vom Universum empfangen hatte, wurde auf der Achtzehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)als kurzer Hinweis Folgendes ausgeführt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْمُمْتَنِعُ نَظِيرُهُ اَلْمُمْكِنُ كُلُّ مَا سِوَاهُ اَلْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ هذِهِ الْكَآئِنَاتُ الْكِتَابُ الْكَبِيرُ الْمُجَسَّمُ وَالْقُرْاٰنُ الْجِسْمَانِىُّ الْمُعَظَّمُ وَ الْقَصْرُ الْمُزَيَّنُ الْمُنَظَّمُ وَ الْبَلَدُ الْمُحْتَشَمُ الْمُنْتَظَمُ بِاِجْمَاعِ سُوَرِهِ وَاٰيَاتِهِ وَكَلِمَاتِهِ وَحُرُوفِهِ وَاَبْوَابِهِ وَفُصُولِهِ وَ صُحُفِهِ وَ سُطُورِهِ وَ اِتِّفَاقِ اَرْكَانِهِ وَ اَنْوَاعِهِ وَ اَجْزَآئِهِ وَ جُزْئِيَّاتِهِ وَ سَكَنَتِهِ وَ مُشْتَمِلاَتِهِ وَ وَارِدَاتِهِ وَ مَصَارِفِهِ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الْحُدُوثِ وَ التَّغَيُّرِ وَ الْاِمْكَانِ بِاِجْمَاعِ جَمِيعِ عُلَمَآءِ عِلْمِ الْكَلاَمِ وَ بِشَهَادَةِ حَقِيقَةِ تَبْدِيلِ صُورَتِهِ وَ مُشْتَمِلاَتِهِ بِالْحِكْمَةِ وَ الْاِنْتِظَامِ وَتَ جْدِيدِ حُرُوفِهِ وَ كَلِمَاتِهِ بِالنِّظَامِ وَ الْمِيزَانِ وَ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ التَّعَاوُنِ وَ التَّجَاوُبِ وَ التَّسَانُدِ وَ التَّدَاخُلِ وَ الْمُوَازَنَةِ وَ الْمُحَافَظَةِ فِى مَوْجُودَاتِهِ بِالْمُشَاهَدَةِ وَالْعَيَانِ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss. Unmöglich kann (neben Ihm) noch ein Gleiches sein, wo doch (neben anderen) alles möglich sein kann, und nur Er allein nicht (neben anderen) sein kann, dem Einzigen (Ahad) und Allgegenwärtigen (Vahid). Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist dieses Weltall, das große, Gestalt gewordene Buch, die gewaltige Verkörperung des Qur'an, in der Gemeinsamkeit seiner Suren, seiner Verse, seiner Wörter, seiner Buchstaben, seiner Abschnitte, seiner Kapitel, seiner Seiten, seiner Zeilen, das harmonisch verzierte Schloss, in der Übereinstimmung seiner Grundpfeiler, das wohlgeordnet großartige Land, in der Übereinstimmung seiner Arten und Bestandteile, Teilchen und Bruchstücke, seinem gesamten lebenden und toten Inventar und allem, was es hervorbringt und was es zurücklässt, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis des Daseins (huduth), seiner Umwandlungen, seiner in ihm enthaltenen Möglichkeiten, in Übereinstimmung aller gelehrten Theologen (ulema-i ilm-i kelam), durch das Zeugnis der Wahrheit vom Wechsel von Form und Inhalt, in aller Weisheit und Wohlordnung, durch die Erneuerung ihrer Buchstaben und Worte, durch die Ordnung und Ausgewogenheit, durch das gewaltige und alles umfassende, wahre Zeugnis hilfreicher Aktionen, Reaktionen, Unterstützungen, Interferenzen, des Ausgleichs und der Instandhaltung in allem Sein, wie wir bezeugen und erkennen."}
In der Gegenwart Gottes
Nun wandte sich unser Reisender, der voll Wissensdurst und Sehnsucht in die Welt gekommen ist, um den Schöpfer der Welt zu suchen, nachdem er achtzehn Stufen emporgestiegen und auf der Himmelsleiter des Glaubens (mi'radj-i imani),die bis zum Thron der Wahrheit hinaufreicht, in dem Wissen um das Göttliche Er (ghaib)die Stufe (makam)der Gegenwart des Göttlichen Du (muhatab){El-Muhatab = das Du, der Gesprächspartner, die zweite Person (A.d.Ü.)} erlangt hatte, an seine eigene Seele (ruh)und sprach zu ihr:
Wenn man zu Beginn der Ehrwürdigen Suratu-l'Fatiha(der Sure der Eröffnung) bei dem Wort اِيَّاكَ {"iyaka: Dich allein!"} angekommen, lobend und preisend in die Gegenwart dessen gelangt ist, von dem hier die Rede ist, {El-Ghaib = Er, der Unsichtbare, der Abwesende, die dritte Person (A.d.Ü.)} und Er in diesem (iyaka)nun gegenwärtig geworden ist, dann muss man auch, die gesuchte dritte Person (ghaib)aufgebend, unmittelbar den Gesuchten selbst nach dem Gesuchten fragen, so wie man auch die Sonne, die alle Dinge zeigt, nach der Sonne fragen muss. In der Tat zeigt sie, die alle Dinge zeigt, sich selbst klarer als alle Dinge. So wie wir die Sonne in ihren Strahlen sehen und erkennen können, so müssen wir auch danach streben, unseren Schöpfer in Seinen Schönen Namen (esma-i husna)und Heiligen Attributen (sifat-i qudsiye)zu erkennen, so weit wir es vermögen.
Von den unendlich vielen Wegen, welche zu diesem Ziel führen, wollen wir hier nur zwei Wege, von den unendlich vielen Stufen nur zwei Stufen, aus einer Fülle von
Tatsachen und an Stelle vieler langer Ausführungen in dieser Risala nur zwei Tatsachen kurz und bündig erklären:
Erste Wahrheit:
Wie wir ganz offensichtlich mit eigenen Augen sehen können, wird in allem, was da geschaffen wurde im Himmel und auf Erden, überall und jeder Zeit, wohlgeordnet und Furcht einflößend das Tun (faaliyet)einer Wahrheit sichtbar, die das All durchdringt und erfüllt, die alles lenkt und leitet, verändert und erneuert. Innerhalb dieser Tatsache, einer Tätigkeit (faaliyet),die in jeder Hinsicht von Weisheit erfüllt, ist die Tatsache der Erscheinung der Herrschaft (Gottes = rububiyet)sichtbar zu verspüren. Und innerhalb dieser Tatsache der Erscheinung der Herrschaft (Gottes = rububiyet),die in jeder Hinsicht Ihr Erbarmen ausbreitet, ist die Tatsache der Offenbarung Gottes (uluhiyet)unabdingbar zu erkennen.
So kann man denn ständig die Auswirkungen der Tätigkeit des Allmächtigen und Allwissenden (Fa'il-i Qadier ve Alimin ef'al)hinter Seinem weisheitsvollen und hoheitsvollen Tun (hakiemane ve hâkimane faaliyet)gleichsam wie hinter einem Vorhang erahnen, so als beobachtete man Ihn direkt bei Seiner Arbeit. Und hinter diesem hochherrschaftlichen Tun und Walten des Herrn (murebbiyane ve mudebbirane ef'al-i Rabbaniye),hinter diesem Vorhang, erfährt man ganz offensichtlich die Namen Gottes, wie sie sich in allen Dingen offenbaren, als könne man sie direkt wahrnehmen. Und hinter der Erscheinung der Schönen Namen (Esma-i Husna)in Hoheit (Djelal)und Schönheit (Djemal),hinter diesem Vorhang vermag man die Existenz und Gegebenheit der sieben heiligen Attribute (Gottes = sifat-i seb'a qudsiye)mit wissenschaftlicher (ilme l-yaqien),ja, augenscheinlicher Klarheit (ayne l-yaqien),ja bis zum Grade einer wahrhaftigen Gewissheit (haqqa l-yaqien)zu begreifen. Und in diesen Seinen sieben Heiligen Attributen, in Übereinstimmung mit dem Zeugnis der ganzen Schöpfung gibt sich Er, der in der Gestalt eines unendlich Lebendigen, eines Allmächtigen, eines Allwissenden, eines Allhörenden und Allsehenden, eines, der mit freier Rede und Entscheidung (Murid)begabt ist, offensichtlich und mit Notwendigkeit und mit wissenschaftlicher Sicherheit (ilme l-yaqien)als der, welcher notwendigerweise da
sein muss (Vadjibu-I'Vudjud)und Träger der obengenannten Eigenschaften ist, welcher Ein-Einziger (Vahid-i Ahad)ist, welcher als der völlig unabhängige Einzelvollbringer (Fa'il-i Ferd-i Samad)bezeichnet wird, dem Auge des Glaubens im Herzen mit Sicherheit und gleichsam sichtbar zu erkennen, und zwar in einer Weise, die noch glänzender ist als es ganz offensichtlich die Existenz der Sonne ist. Denn zu einem schönem und inhaltsreichem Buch, einem gutgebautem Haus, bedarf es offensichtlich der Tätigkeit (fiil)des Schreibens und Erbauens. Schön zu schreiben und gut zu bauen aber ist eine Tätigkeit (fiil),die offensichtlich nach einer Person verlangt, die man als Schreiber oder Baumeister bezeichnet. Der Titel "Schreiber" oder "Baumeister" verlangt aber offensichtlich nach einer Schreibkunst oder Baukunst. Diese Kunst oder Eigenschaft aber verlangt offensichtlich und in jedem Fall nach einer Person, welche diese Kunst ausübt, nach ihr benannt wird und Träger der genannten Eigenschaften sein muss. Denn so wie es keine Tätigkeit geben kann ohne einen, der sie verrichtet und keinen Namen ohne den, der ihn trägt, so kann es auch keine Eigenschaft geben ohne den, der sie besitzt und keine Kunst ohne einen Künstler.
Gleich wie nun dieser Kosmos mit allen seinen Geschöpfen auf diesen Tatsachen und Grundsätzen errichtet wurde, vergleichbar einer unendlichen Zahl inhaltsreicher Bücher und Briefe, geschrieben mit dem Stift (göttlicher) Bestimmung (qaderin qalem),unendlich vielen Gebäuden und Schlössern, mit der (göttlichen) Maurerkelle (qudretin tschekidjiyle)erbaut, deren jedes einzelne aus tausend Aspekten und sie alle zusammen in unendlich vielen Aspekten durch die grenzenlosen Taten des Herrn und Erbarmers (Rahman),in dem unendlichen Aufleuchten von Tausend und einem Namen Gottes, der der Keim Seines Wirkens ist und in der grenzenlosen Offenbarung der sieben Eigenschaften des Hochgelobten (sifat-i Subhaniye),welche die Quelle dieser Schönen Namen sind, unendlich viele Hinweise und grenzenlos viele Zeugnisse für die Notwendigkeit von Sein (vudjub-u vudjud)und Einheit (Vahdet)des Herrn
der Herrlichkeit (Dhat-i Dhu l-Djelal)von Ewigkeit (edhel)zu Ewigkeit (ebed)ablegen, welcher Ursprung und Träger dieser allumfassenden, heiligen Eigenschaften ist, so legen auch alle diese inneren und äußeren Schönheiten, Werte und Vollkommenheiten, jede für sich und alle gemeinsam Zeugnis ab für die heilige Schönheit (Djemal)und Vollkommenheit (Kemal)der Taten des Herrn (ef'al-i Rabbaniye),der Namen Gottes (esma-i Ilahiye),der Attribute des Einzigartigen (sifat-i Samedaniye)und des Wirkens des Hochgelobten (shuunat-i Subhaniye)so wie es ihrer würdig ist und ihnen entspricht, und bezeugen so offensichtlich die Schönheit und Vollkommenheit einer Hochheiligen Persönlichkeit (Dhat-i Aqdes).
So zeigt sich denn die Wahrheit von der Herrschaft (Gottes = rububiyet haqiqat)in der Tatsache Seines Wirkens (faaliyet haqiqat)und gibt sich selbst durch das Wissen und die Weisheit, mit der Er erschafft und hervorbringt (khalq ve idjad),formt und wieder neu gestaltet (sun' ve ibda'),durch das Gleichmaß und die Ausgewogenheit, mit der Er plant und schafft (taqdir ve tasvir),anordnet und kalkuliert, mit der Absicht und Entschiedenheit (qasd ve irade),in der Er verändert und verwandelt, vernichtet und vervollkommnet, durch die Liebe und das Erbarmen (shefqat ve rahmet),mit der Er ernährt und beschenkt (it'am ve in'am),Freigiebigkeit und Güte (ikram ve ihsan)erweist, in all Seinem Schalten und Walten (shuunat)zu erkennen.
Die Tatsache der Offenbarung Gottes (uluhiyet),die in der Tatsache der Erscheinung der Herrschaft (Gottes = tezahur-u rububiyet)ganz offensichtlich zu spüren und zu finden ist, gibt sich selbst voll Huld und Erbarmen in den Manifestationen Seiner Schönen Namen und in dem Aufleuchten Seiner sieben inhärenten Eigenschaften - "Leben, Wissen, Wollen, Entscheiden, Sehen, Hören, Reden" (Gottes wesensgemäße Eigenschaften, deren Quelle und Träger Er ist) zu erkennen und zu verstehen.
So wie sich in dem Attribut (Gottes) als "Das Wort" durch Offenbarungen und Inspirationen (vahiy ve ilham)der Herr der Heiligkeit (Dhat-i Aqdes)zu erkennen gibt, ebenso wird in der Tat auch, wie ein Wort, das Gestalt angenommen hat, in dem Attribut (Gottes) als "Macht" durch Seine kunstvollen Werke dieser Herr der Heiligkeit (Dhat-i Aqdes)bekannt, zeigt (Seine Macht) sich
gleich dem leibhaftigen Wesen (des Buches) der Unterscheidung (Furqan)von einem Weltenende zum anderen, kennzeichnet den Allmächtigen in Seiner Majestät (Qadier-i Dhu l-Djelal),und lässt uns von Ihm wissen.
So lässt auch das Attribut (Gottes) als "der Allwissende" durch eine Vielzahl weisheitsvoller, wohlgestalteter und ausgewogener Kunstwerke und eine große Anzahl Geschöpfe, die durch eine (göttliche) Wissenschaft (ilim)gelenkt, geleitet, kunstvoll gestaltet und voneinander unterschieden werden, diesen einzigartigen Herrn der Heiligkeit (Dhat-i Aqdes)als ihren Ursprung und Träger (mausuf)erkennen.
Was "Leben (Hayat)"als Wesensmerkmal (Gottes = sifat)betrifft, so weist es, wie alle Werke die Macht (Gottes) erkennen lassen, all die Formen und Gestalten in ihrer Ordnung und Weisheit, in ihrer Ausgewogenheit und ihrem Schmuck die Existenz (göttlicher) Allwissenheit sichtbar werden lassen, wie alle Beweise auch die übrigen Eigenschaften (Gottes) erkennen lassen und den Beweisen für "das Leben" (als Wesensmerkmal Gottes), auf "das Leben" als Wirklichkeit (tahaqquq)hin, so auch das Leben selbst, wenn es alles, was da lebt und Spiegelbild (göttlichen Lebens) ist, zum Beweis als Zeugen vorführt, um den Herrn des Lebens und der Beständigkeit (Dhat-i Hayy-u Qayyum)zu erkennen.
Es verwandelt das All, um dieses jederzeit immer wieder neu und immer wieder anders hervorzubringen und auszuschmücken, in einen riesigen Spiegel, der sich ständig verändert, erneuert und selbst wieder aus unzähligen Spiegeln zusammengesetzt ist. Entsprechend den oben angeführten Beispielen lassen auch die Attribute "Sehen und Hören, Wollen und Reden", jedes einzelne für sich, dem Kosmos gleich, den Herrn der Heiligkeit (Dhat-i Aqdes)erkennen und verstehen.
Und so wie diese Eigenschaften die Existenz des Herrn in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal)beweisen, so beweisen sie auch die Existenz und die Wahrheit des Lebens (als Attribut Gottes)
und auch, dass dieser Herr frisch und lebendig ist. Denn "Kenntnis" ist ein Zeichen des Lebens. "Hören" ist eine biologische Funktion. "Sehen" ist eine Eigenschaft von Lebewesen. "Wollen" ist ein Ausdruck des Lebens. Willenskraft findet sich nur bei Lebewesen. Sprache ist ein Kennzeichen vernunftbegabter Wesen.
So geht denn aus dem obengesagten hervor, dass es für das Attribut "Leben" sieben Beweise gibt, jeder einzelne Beweis, bewiesen durch den ganzen Kosmos, Zeugnisse, die seine eigene Existenz erkennen lassen und auch die Existenz seines Trägers (maussuf),sodass es zum Ursprung und Grund aller Attribute, zur Quelle und zum Angelpunkt des Großen Namens (ism-i A'dham)wird. Doch da die Risale-i Nur diese erste Wahrheit bereits mit starken Zeugnissen bewiesen und in gewissem Grade erläutert hat, können wir uns hier mit dem schon erwähnten Tropfen aus diesem Meere begnügen.
Zweite Wahrheit:
Die göttliche Ansprache (tekellum-u Ilahi),die aus Seinem Attribut "Das Wort" hervorgeht:
لَوْ كَانَ الْبَحْرُ مِدَادًا لِكَلِمَاتِ رَبِّى
{"Würde das Meer zur Tinte werden für die Worte meines Herrn." (Sure 18, 109)}
Dem Geheimnis dieser Ayah entsprechend kennt das göttliche Wort keine Grenzen. Der Hinweis, welcher am klarsten das Dasein einer Person erkennen lässt, ist sein Sprechen.
{konushma: Die Fähigkeit, Kontakt aufzunehmen, sich auszudrücken und mitzuteilen. (A.d.Ü.)}
Das heißt also, dass diese Tatsache unbegrenztermaßen Zeugnis für die Existenz und Einheit (maudjudiyet ve vahdet)des urewigen Wortes (Mutekellim-i Edhel)ist. Nun wurde aber mit zwei starken Zeugnissen für diese Tatsache bereits auf der Vierzehnten und Fünfzehnten Stufe der Risala über Eingebungen und Offenbarungen und weiter ein ausführliches Zeugnis,
auf das auf der Zehnten Stufe hingewiesen wird und die Heiligen Bücher und offenbarten Schriften betrifft und in noch vielen anderen umfangreichen und glänzenden Zeugnissen auf der Siebzehnten Stufe über den Qur'an als ein Wunder in seiner Aussage diese Tatsache bereits erklärt. Das Zeugnis diesen Stufen überlassend erschien unserem Reisenden Licht und Geheimnis der gewaltigen Ayah
شَهِدَ اللّٰهُ أَنَّهُ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ وَ الْمَلٰئِكَةُ وَ أُولُوا الْعِلْمِ قَآئِمًا بِالْقِسْطِ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ
{"Allah bezeugt, dass es keinen Gott gibt außer Ihm; ebenso Seine Engel, die Gelehrten, die in der Gerechtigkeit fest stehen. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen." (Sure 3, 18)}
als ausreichend und genügend, und so vermochte er nicht weiter vorzudringen. Dementsprechend wurde auf der Neunzehnten Stufe der Ersten Abhandlung (makam)als ein Hinweis auf die kurz zusammengefasste Bedeutung dessen, was unser Reisender auf dieser Heiligen Stufe (makam)als Lektion gelernt hatte, Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ لَهُ الْاَسْمَآءُ الْحُسْنٰى وَ لَهُ الصِّفَاتُ الْعُلْيَا وَ لَهُ الْمَثَلُ الْاَعْلٰى اَلَّذِى دَلَّ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ فِى وَحْدَتِهِ الذَّاتُ الْوَاجِبُ الْوُجُودِ بِاِجْمَاعِ جَمِيعِ صِفَاتِهِ الْقُدْسِيَّةِ الْمُحِيطَةِ وَجَمِيعِ اَسْمَآئِهِ الْحُسْنٰى اَلْمُتَجَلِّيَةِ وَبِاِتِّفَاقِ جَمِيعِ شُؤُونَاتِهِ وَاَفْعَالِهِ الْمُتَصَرِّفَةِ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ حَقِيقَةِ تَبَارُزِ الْاُلُوهِيَّةِ فِى تَظَاهُرِ الرُّبُوبِيَّةِ فِى دَوَامِ الْفَعَّالِيَّةِ الْمُسْتَوْلِيَةِ بِفِعْلِ الْاِيجَادِ وَ الْخَلْقِ وَ الصُّنْعِ وَ الْاِبْدَاعِ بِاِرَادَةٍ وَ قُدْرَةٍ وَ بِفِعْلِ التَّقْدِيرِ وَ التَّصْوِيرِ وَ التَّدْبِيرِ وَ التَّدْوِيرِ بِاِخْتِيَارٍ وَ حِكْمَةٍ وَ بِفِعْلِ التَّصْرِيفِ وَ التَّنْظِيمِ وَ الْمُحَافَظَةِ وَ الْاِدَارَةِ وَ الْاِعَاشَةِ بِقَصْدٍ وَ رَحْمَةٍ وَ بِكَمَالِ الْاِنْتِظَامِ وَ الْمُوَازَنَةِ. وَ بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ إِحَاطَةِ حَقِيقَةِ اَسْرَارِ شَهِدَ اللّٰهُ اَنَّهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ وَ الْمَلٰٓئِكَةُ وَ اُولُوا الْعِلْمِ قَآئِمًا بِالْقِسْطِ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ
{"Es gibt keinen Gott (ilah) außer Gott (Allah), der da notwendigerweise sein muss, dem Einzigen (Ahad) und Allgegenwärtigen (Vahid). Ihm gehören alle schönen Namen, alle hohen Eigenschaften und Ihn umschreiben wir mit den erhabensten Vergleichen. Die Notwendigkeit Seiner Existenz in Seiner Allgegenwart beweist die Persönlichkeit (dhat = Wesen) dessen, der da notwendigerweise sein muss, in der Übereinstimmung mit allen Seinen umfassenden heiligen Eigenschaften, mit der Manifestation aller Seiner schönen Namen und im Einklang aller Seiner Werke und Taten, die Er vollbracht hat, durch das gewaltige, wahrhaftige Zeugnis, in dem sich Seine Göttlichkeit offenbart, in der Erscheinung Seiner Herrschaft, in der Fortdauer Seiner Aktivitäten, die alles beherrschen, im Akt der Hervorbringung, Erschaffung, Formung und Gestaltung durch Seine Führung, Seinen Willen, Seine Macht, zu lenken, zu bestimmen und zu gestalten, in der Freiheit Seiner Entscheidung, Seiner Weisheit, im Akt Seiner Entfaltung und Bewahrung, Ordnung, Erhaltung und Gestaltung, der Versorgung, zielgerichtet und voll Erbarmen, in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit, mit dem großartigen, alles umfassenden, wahrhaftigen Zeugnis Seines innersten Geheimnisses (esrar) - Gott bezeugt, dass es keine Gottheit (ilah) gibt außer Ihm, und so auch Seine Engel, die Leute des Wissens. Er hält die Gerechtigkeit aufrecht. Es gibt keine Gottheit (ilah) außer Ihm, dem Allmächtigen, dem Allweisen."}
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Anmerkung
So wie jede einzelne Tatsache in der oben angeführten zweiten Abhandlung (makam), das Erste Kapitel (bab= Tor) betreffend auf neun Stufen Zeugnis ablegt und in ihrer Gegenwart, durch ihre bloße Anwesenheit, die Notwendigkeit der Existenz (Gottes = vudjub-u vudjud)beweist, so beweist sie auch durch ihre Allgemeingültigkeit Seine Einheit (Ahadiyet)und Allgegenwart (Vahdet).Weil sie aber vor allem ganz klar Zeugnis gibt für die Existenz (Vudjud),wurde sie auch den Beweisen für die Notwendigkeit Seiner Existenz (vudjub-u vudjud)beigezählt.
Was nun die zweite Abhandlung (makam),die sich auf das Zweite Kapitel (bab)bezieht, betrifft, so wird sie, weil sie vor allem ganz klar die Einheit (vahdet)und damit gleichzeitig auch Seine Existenz (Vudjud)ganz klar bewiesen hat, das Zeugnis der Einheit (Tauhid)genannt. Doch beweist jede der beiden Abhandlungen Einheit (Tauhid)und Existenz (Vudjud).Um den Unterschied herauszustellen, haben wir im ersten Kapitel (bab)stets
بِشَهَادَةِ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ
{"...durch das Zeugnis der gewaltigen und umfassenden Wahrheit."}
wiederholt, während wir im Zweiten Kapitel (bab)
بِمُشَاهَدَةِ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ
{"...durch das Zeugnis, welches die Wahrheit mit so gewaltiger Macht und allgemeiner Gültigkeit ablegt."}
gesagt haben, um ein ganz klar erkennbares Zeugnis für die Einheit (vahdet)zu setzen. In dem Zweiten Kapitel (bab),das wir nun anfügen wollen, beabsichtigte ich, die Stufen in gleicher Weise zu erklären wie im Ersten Kapitel (bab).Doch gewisse Umstände zwangen mich dazu, hier nur kurz zusammenzufassen. Eine Erläuterung, wie sie recht und billig wäre, überlasse ich daher der Risale-i Nur.
* * *
Zweites Kapitel (bab)
Das Zeugnis für die Einheit (Tauhid) betreffend
Unser Reisender war um des Glaubens (iman)willen in die Welt gesandt worden, hatte in Gedanken den gesamten Kosmos bereist und jedes Ding nach seinem Schöpfer befragt, an jedem Ort nach seinem Herrn gesucht und Gott auf der Stufe gesicherter Wahrheit (haqqa-l'yakin)gefunden, als einen, den es unabdingbar geben muss (vadjibu-l'vudjud).Nun sprach er zu seinem Verstand: "Komm! Machen wir uns noch einmal gemeinsam auf die Reise, um die Zeugnisse für die Einheit (vahdet)unseres Schöpfers, den es ja notwendigerweise geben muss, zu betrachten."
Da machten sie sich zusammen auf die Reise... an ihrem ersten Aufenthaltsort erblickten sie die vier heiligen Wahrheiten, welche den gesamten Kosmos beherrschen und ganz offensichtlich nach der Einheit (Gottes = vahdet)verlangen und sie erfordern.
Die erste Wahrheit:
Das Absolute in Seiner Gottheit (Uluhiyet-i mutlaq).
Es ist in der Tat jede einzelne Gruppe innerhalb des Menschengeschlechtes mit irgendeiner, ihr wie ganz selbstverständlich eingegebenen (fitri)Art der Anbetung (ibadet)beschäftigt. Bei den übrigen Lebewesen, ja sogar in der unbelebten Natur findet sich noch immer irgendein Dienst in der Art einer Anbetung. Alle materiellen und ideellen (manevi)Gnadengaben und Wohltaten (nimet ve ihsan)von Seiten des Angebeteten regen zu Dank und Verehrung an und dienen als ein Fahrzeug zu Dienst und Dank. Alle Eingebungen (ilham)und Offenbarungen (vahy),so wie sie aus der unsichtbaren Welt herausgesickert
sind und aus der Welt des Geistes (manevi)heraus sichtbar geworden sind, verkünden die Anbetung des einen Gottes. Sie alle beweisen ganz klar und offensichtlich die Wahrheit und Hoheit einer absoluten Gottheit (uluhiyet-i mutlaq).In Anbetracht dieser Tatsache einer absoluten Gottheit, ist (der Gedanke an) eine Teilhaberschaft (ishtirak)unannehmbar. Denn diejenigen, welche der Gottheit um ihrer Anbetungswürdigkeit willen mit Dank und Verehrung entgegenkommen, das sind die mit Bewusstsein begabten Früchte von den höchsten Zweigen am Baume des Kosmos. Könnten andere diese mit Bewusstsein begabten Wesen dazu bringen, ihr Antlitz von der Zufriedenheit und Dankbarkeit abzuwenden und den wahrhaft Angebeteten zu vergessen, weil Er ja unsichtbar ist und in der Tat leicht vergessen werden kann, so wäre das dem Wesen und den geheiligten Absichten der Gottheit dermaßen entgegengesetzt, dass es in gar keiner Hinsicht erlaubt werden kann. Wenn der Qur'an so häufig und mit solcher Heftigkeit jede Partnerschaft (neben Gott) zurückweist und die Götzendiener (mushrik)mit Höllenstrafen bedroht, so geschieht das in dieser Hinsicht.
Die zweite Wahrheit:
Das Absolute in Seiner Herrschaft (Rububiyet-i mutlaq).
Es ist in der Tat diese universale Verfügungsmacht im ganzen All, wie sie besonders in allem, was da lebt und speziell in ihrer Versorgung (terbiye)und Entwicklung in überall stets gleicher, nie ganz voraussehbarer Weise für alle gemeinsam und jedes einzelne inmitten all der anderen von unsichtbarer Hand mit so viel Weisheit (hakiemane)und Erbarmen (rahiemane)dargeboten wird, welche mit Sicherheit als (Gottes) absolute Herrschaft (Rububiyet-i mutlaq)hervortritt und aufstrahlt. Und sie ist ein sicheres Zeugnis für diese Tatsache.
Gibt es aber eine solche absolute Herrschaft (Gottes = Rububiyet-i mutlaq),so kann sie Partnerschaft und Götzendienst mit Sicherheit nicht akzeptieren. Denn so, wie es der Wunsch dieser (göttlichen) Herrschaft ist, ihre Schönheit (Djemal)zu offenbaren, ihre Vollkommenheit (Kemal)zu verkünden,
ihre kostbaren Kunstwerke auszustellen und ihre verborgenen Fähigkeiten zu zeigen, so konzentrieren sich Ziel und Zweck in den kleinsten Dingen und Lebewesen, vereinigen sich in ihnen. Wollte sich auch nur ein winziges Stäubchen, auch nur das kleinste Lebewesen in ihnen zum Partner aufspielen, so würde es diesen Zweck hintertreiben. Es würde die Erreichung dieses Zieles vereiteln. Und das Antlitz aller mit Bewusstsein begabten Wesen von diesen gottgewollten Zielen und Zwecken abzukehren und den Ursachen zuzuwenden, wäre Haltung und Wesen dieser (göttlichen) Herrschaft so ganz und gar konträr und entgegengesetzt, dass eine solche absolute Herrschaft (Rububiyet-i mutlaq)eine Partnerschaft in gar keinem Falle neben sich dulden könnte.
Eine Vielzahl von Lobeshymnen (tesbihat)und Heiligpreisungen (taqdis)im Qur'an verweist (irshad)mit Versen (ayat),Worten (Kelimat),ja sogar Buchstaben insgesamt beständig auf die Einheit (Tauhid)hin, woraus dieses große Geheimnis erwächst (= das Geheimnis der Rububiyet).
Dritte Wahrheit:
Vollkommenheit (Kemalat).
In der Tat zeigt all die erhabene Weisheit im Kosmos, seine wunderbare Schönheit, seine gerechten Gesetze und seine weisheitsvollen Zielsetzungen, dass Vollkommenheit (kemalat)in ihm ganz offensichtlich eine gegebene Tatsache ist. Besonders aber ist das Zeugnis für die Vollkommenheit seines Schöpfers, der das All aus dem Nichts hervorgebracht hat (= idjad)und es in jeder Hinsicht auf eine so schöne und wunderbare Art und Weise lenkt und leitet und für die Vollkommenheit des Menschen, welcher das mit Bewusstsein begabte Spiegelbild dieses Schöpfers ist, ganz offensichtlich.
So gibt es denn die Wahrheit von der Vollkommenheit (kemalat).Und so gibt es denn die Gewissheit der Vollkommenheit des Schöpfers, der das All in Vollkommenheit hervorgebracht (idjad)hat. Und so gibt es auch die Wahrheit von der Vollkommenheit des Menschen, der die bedeutendste Frucht
des Alls, Kalif {Der Mensch ist ein Beamter Gottes auf Erden und soll sich nach Seinen Gesetzen verhalten und er ist unmittelbar Ihm gegenüber verantwortlich. (A.d.Ü.)} auf Erden, das wichtigste Kunstwerk und der vielgeliebte seines Schöpfers ist; und dies ist eine Tatsache... In der Tat wäre eine Teilhaberschaft (Shirk),welche diese mit unseren eigenen Augen sichtbare Vollkommenheit und Weisheit (kemalli ve hikmetli)im All auflösen (fena),vernichten und wirkungslos machen und den Kosmos in einen Spielball des Zufalls, einen Spielplatz der Natur, ein Schlachthaus für alles Lebendige, ein fürchterliches Trauerhaus für jedes bewusste Sein verwandeln und den Menschen, den wir anhand seiner Werke als vollkommen erkennen können, zu dem armseligsten, verlorensten und niedrigsten Tier herabwürdigen müsste und das Zeugnis allen Seins, welches doch ein Spiegel der Vollkommenheit seines Schöpfers ist, das dieses für die Vollkommenheit seines Schöpfers ablegt, dessen geheiligte Vollkommenheit keine Grenze kennt, verschleiern und verdecken und das Ergebnis Seines schöpferischen Tuns (khallaqiyet)zunichte machen würde, eine solche Teilhaberschaft wäre in der Tat unmöglich. Und die Wahrheit kann in ihr nicht sein.
Teilhaberschaft (Shirk)ist jeder Vollkommenheit Gottes, des Menschen und überhaupt allen Seins entgegengesetzt und zerstört diese Vollkommenheit. Das haben wir bereits im zweiten Strahl der ersten Kapitel (makam),der Risala über die drei Früchte der Einheit (Tauhid)mit starken und sicheren Zeugnissen bewiesen und erklärt. Wir möchten den Leser darauf verweisen und haben uns deshalb kurz gefasst.
Vierte Wahrheit:
Souveränität (Hakimiyet).
In der Tat sieht jeder, der das All mit ganzer und ungeteilter Aufmerksamkeit betrachtet, das dieses All einem außerordentlich glanzvollen Königreich gleicht, in dem eine ungewöhnliche Tätigkeit (faaliyet)herrscht, ja einer Stadt, die mit außerordentlicher Weisheit (hikmet)verwaltet wird und deren
Regierung (hâkimiyet)außerordentlich stark (quvvetli)ist. Er findet, dass alle Dinge jeder Art gehorsam mit ihrer besonderen Aufgabe beschäftigt sind.
وَ لِلّٰهِ جُنُودُ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ
{"Allahs sind die Heere der Himmel und der Erde." (Sure 48, 4)}
Dem in dieser Ayah aufgestellten Gleichnis entsprechend vermag man sich ein martialisches Bild vorzustellen, wo die Heerscharen des Herrn (djunud-u Rabbaniye),angefangen von den Kompanien der Atome über die Bataillone der Pflanzen und die Regimenter der Tiere bis hin zu den Armeen der Sterne, die winzig kleinen Beamten und die ganz großen Soldaten, unter den souveränen (hâkimane)Gesetzen der Natur, den obrigkeitlichen Befehlen, den königlichen Erlassen, offensichtlich die Existenz einer vollkommenen Souveränität (hâkimiyet-i mutlaq)und einer allumfassenden Herrschaft (amiriyet-i kulliye)beweisen.
Da es aber nun einmal diese Wahrheit von der absoluten Souveränität (Gottes = hâkimiyet-i mutlaq)gibt, kann es gewiss eine Wahrheit von einer Teilhaberschaft (Shirk)nicht geben. Denn
لَوْ كَانَ فِيهِمَآ اٰلِهَةٌ إِلاَّ اللّٰهُ لَفَسَدَتَا
{"Gäbe es in ihnen beiden (= Himmel und Erde) noch eine andere Gottheit außer Allah, so wären beide verdorben." (Sure 21, 22)}
Auf Grund der unumstößlichen Wahrheit dieser Ayah würden mehrere verschiedene Hände, die sich despotisch in eine Arbeit einmischen, alles durcheinander mischen. Gäbe es in einem Reich zwei Könige, ja sogar in einer Stadt zwei Bürgermeister, so würde das die Ordnung stören. Die Verwaltung würde zum Tohuwabohu. Doch finden wir vom Flügel einer Mücke bis zu den Leuchten am Himmel und von den Zellen des Körpers bis hin zu den Sternbildern eine solche Ordnung, dass darinnen auch nicht für ein Stäubchen Teilhaberschaft mehr Platz bleibt. Außerdem bezeichnet "Souveränität (hâkimiyet)"eine Stufe der Ehre (makam-i izzet).Einen Gegenspieler (raqib)anzuerkennen, würde
den Ehrenrang einer solchen Souveränität verderben. In der Tat zeigt der Mensch, der ja in seiner Schwäche doch so vieler Helfer bedarf, wenn er um seiner winzigen, äußerlichen und doch nur vorübergehenden Souveränität willen despotisch seinen Bruder und seine Kinder tötet, dass Souveränität keinen Nebenbuhler duldet. Wenn so ein armseliger Mensch um einer so geringfügigen Souveränität willen so etwas tut, dann kann der vollkommene und allmächtige (Qadier-i Mutlaq haqiqi)König (malik)des gesamten Alls unmöglich die Heiligkeit Seiner Souveränität, welche Quelle all Seiner wahrhaftigen Herrschaft (rububiyet)und der Angelpunkt Seiner Gottheit (uluhiyet)ist, mit einem anderen teilen, könnte unter gar keinen Umständen einen Teilhaber neben sich dulden.
Diese Tatsache wurde bereits im Zweiten Kapitel (makam)des Zweiten Strahls und auch noch an einigen anderen Stellen der Risale-i Nur mit starken Zeugnissen bewiesen. Wir können es deshalb dabei belassen.
So betrachtete also unser Reisender diese vier Wahrheiten und erkannte die Einheit Gottes (vahdaniyet-i Ilahiye)im Grade eines Augenzeugen. Sein Glaube leuchtete. So sagte er mit ganzer Kraft:
لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ
{"Es gibt keinen Gott außer Allah. Einzig ist Er und ohne einen Partner."}
Als einen kurzen Hinweis auf die Lektion, die er an diesem Ort empfangen hatte, wurde im Zweiten Kapitel (bab)der Ersten Abhandlung (makam)Folgendes gesagt:
لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وَحْدَانِيَّتِهِ وَوُجُوبِ وُجُودِهِ مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ حَقِيقَةِ تَبَارُزِ الْاُلُوهِيَّةِ الْمُطْلَقَةِ وَكَذَا مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ تَظَاهُرِ الرُّبُوبِيَّةِ الْمُطْلَقَةِ الْمُقْتَضِيَّةِ لِلْوَحْدَةِ. وَكَذَا مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الْكَمَالاَتِ النَّاشِئَةِ مِنَ الْوَحْدَةِ وَكَذَا مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الْحَاكِمِيَّةِ الْمُطْلَقَةِ الْمَانِعَةِ وَالْمُنَافِيَةِ لِلشَّرِكَةِ
Die wahre Einheit
(Fünf umfassende Wahrheiten im All)
Nun sprach unser ruheloser Gast zu seinem Herzen: Menschen des Glaubens, besonders aber Ordensleute (= Sufis) wiederholen ständig:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ
{"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}
So erinnern sie ständig an die Einheit Gottes (Tauhid)und verkünden sie und zeigen damit, dass die Einheit Gottes (Tauhid)viele verschiedene Stufen hat. Überdies ist "Einheit" (Tauhid)die bedeutendste, angenehmste und erhabenste heilige Aufgabe, eine naturgegebene Verpflichtung, ist Dienst am Glauben. Weil dies aber so ist, darum komm! Wir wollen, um noch eine weitere Stufe zu finden, die Türe zu noch einer anderen Wohnstatt in diesem Lehrgebäude öffnen. Denn die wahre Einheit (haqiqi Tauhid),die wir suchen, ist nicht nur eine Erkenntnis, die aus innerer Schau (tasavvur)erwächst. Sie ist vielmehr eine Bestätigung, die in der Sprache der Logik (ilm-i mantik)den Gegenwert zur inneren Schau (tasavvur)darstellt, noch weit bedeutender ist als eine Erkenntnis, die aus innerer Schau erwächst und Konsequenz eines Zeugnisses ist und die wissenschaftlich (ilim)genannt wird.
Denn wahre Einheit (tauhid-i haqiqi)bedeutet eine Schlussfolgerung (hukum),eine Bestätigung (tasdiq),Verständnis (iz'an)und Annahme (kabul),dass man in jedem Ding seinen Herrn finden kann. Und in jedem Ding sieht man einen Weg, der zu dem Schöpfer führt. Und kein Ding vermag Seiner Gegenwart im Wege zu stehen. Anderenfalls wäre es, um Seinen Herrn zu finden, immer wieder erforderlich, den Schleier dieser Welt zu zerreißen, ihn zu öffnen. Wenn das nun so ist: "Auf dann und
vorwärts!" sagte unser Reisender und klopfte an die Pforte der überwältigenden Allmacht und Größe Seiner Majestät (kibriya ve azamet).Er trat ein in die Wohnstatt der Werke (ef'al)und Taten und die Welt allen geschaffenen und ungeschaffenen Seins (idjad ve ibda')und sah: Es gibt im All fünf umfassende Wahrheiten, die überall ihre Gültigkeit haben. Sie legen ein offensichtliches Zeugnis für die Einheit Gottes (tauhid)ab.
Erste Wahrheit:
Die Wahrheit von der überwältigenden Allmacht und Größe Seiner Majestät (kibriya ve azamet).
Diese Wahrheit wurde bereits im Zweiten Kapitel (makam)des Zweiten Strahls und an verschiedenen Stellen der Risale-i Nur bewiesen und erklärt. Wir können hier deshalb sagen: Er, der die Millionen von Lichtjahren voneinander entfernten Sterne zu gleicher Zeit und in gleicher Weise erschuf, sie lenkt und leitet, der diese unendlich vielen Einzelexemplare einer Blume im Osten und Westen, im Süden und Norden der Erde zu gleicher Zeit und mit der gleichen Gestalt hervorgerufen (idjad)und gebildet hat und der zudem gleich wie
هُوَ الَّذِى خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضَ فِى سِتَّةِ اَيَّامٍ
{"Er, der die Himmel und die Erde in sechs Tagen geschaffen hat." (Sure 57, 4)}
auch durch ein vergangenes und unseren Augen, die hier in der Gegenwart verweilen, unsichtbares und sehr bemerkenswertes Ereignis einen Beweis gegeben hat, Er, der auch in fünf, sechs Wochen in einem ähnlich bemerkenswerten Gleichnis zur Frühlingszeit, wie um uns mehr als hunderttausend Beispiele zu zeigen, mehr als zweihunderttausend Pflanzenarten und Tiergattungen hervorbringt, ihren Bestand in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit verwaltet, ohne jegliche Verwirrung, ohne irgendeinen Fehler oder Irrtum, gemeinsam, untereinander verteilt, sie versorgt und ernährt und verschönt, ohne sie zu verwechseln, der zudem die Ayah:
يُولِجُ الَّيْلَ فِى النَّهَارِ وُ يُولِجُ النَّهَارَ فِى الَّيْلِ
{"Er bringt die Nacht aus dem Tage hervor und Er bringt den Tag aus der Nacht hervor." (Sure 3, 27)}
offen legt, die Erde sich drehen lässt, die Seiten des Tages und der Nacht gestaltet und sie umblättert, sie mit den täglichen Ereignissen füllt und ihre Beschriftung täglich wieder ändert. Er, der Herr, kennt auch die geheimsten und leisesten Regungen der Herzen und lenkt sie nach Seinem Willen (irade).Da aber nun alle diese einzelnen Handlungen insgesamt einer einzigen Handlung entspringen, muss notwendigerweise auch der Handelnde ein Einziger, einzelner Allmächtiger (vahid ve qadier)sein, ein Handelnder voll Majestät (fa'il-i Dhu l-Djelal),und Seine überwältigende Größe und Allmacht (kibriya ve azamet)ist von der Art, dass daneben nichts und nirgendwo und unter gar keinen Umständen auch nur der Schatten einer Möglichkeit zu irgendeiner Art von Teilhaberschaft (Shirk)Platz finden kann, vielmehr Shirk dadurch mit der Wurzel ausgerottet wird.
Da es aber nun einmal eine solche überwältigende Größe und Allmacht (kibriya ve azamet-i qudret)gibt und da nun einmal diese Größe (kibriya)unendlich vollkommen und allumfassend ist, ist es auch in gar keinem Fall möglich, dass sie Platz ließe für eine Teilhaberschaft und es ihr erlaubte, diese Macht (qudret)schwach (adjz)und hilfsbedürftig werden zu lassen, dieser Größe (kibriya)einen Fehler zuzufügen, dieser Vollkommenheit einen Mangel anzuheften, dem Unbegrenzten eine Grenze und dem Unendlichen ein Ende zu setzen. Keine Intelligenz vermag dies anzunehmen, ohne ihre eigene Natur zu zerstören. Da also Gott einen Partner beizugesellen, einen Schatten auf Seine Größe wirft, Seine Ehre verletzt, Seine Majestät beleidigt und Seiner Allmacht Abbruch tut, ist dies ein solches Verbrechen, dass es niemals vergeben werden kann (kabil-i afw).Darum findet sich in dem hochehrwürdigen Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, mit ausdrücklicher
Bestimmtheit der Erlass:
إِنَّ اللهَ لاَ يَغْفِرُ أَنْ يُشْرَكَ بِهِ وَيَغْفِرُ مَادُونَ ذٰلِكَ
{"Fürwahr: Allah verzeiht ihnen nicht, was sie Ihm beigesellen; doch verzeiht Er, was sie außerdem tun." (Sure 4, 48)}
Zweite Wahrheit:
Die Taten des Herrn (Ef'al-i Rabbaniye),wie sie in absoluter, allumfassender und grenzenloser Form in Erscheinung treten und überall im Kosmos sichtbar werden.
Ihre Steuerung und die Bedingungen, denen sie unterworfen sind, ist reine Weisheit und ein Ausdruck Seines Willens (irade).Und sie sind abhängig von der Fähigkeit dessen, an dem sie sichtbar werden. Und ein blinder Zufall, die unverständige Natur, rohe Gewalt, starre Gesetze, ungelenke, allüberall waltende Elemente können diese so ausgewogenen Taten (des Herrn), voll Weisheit, Umsicht (basierane),Leben, Ordnung und Beständigkeit nicht bewirken. Sie dienen vielmehr dem, der in Seiner Majestät der Handelnde (Fa'il-i Dhu l-Djelal)ist, auf Seinen Befehl (emir),in der Kraft (quvvet)und Macht (qudret)seines Willens (irade)als der sichtbare Schild, hinter dem sich Seine unsichtbare Macht (qudret)verbirgt. Dafür drei Beispiele unter zahllosen Beispielen:
Wir wollen hier aus den unendlich vielen Sinngebungen drei Bedeutungen von drei aufeinander folgenden Ayat herausgreifen, die sich auf einer Seite der Sure "die Bienen" (Suratu-n'Nahl)finden und auf drei Handlungen hinweisen und wollen diese erklären:
Erstens:
وَ أَوْحٰى رَبُّكَ اِلَى النَّحْلِ أَنِ اتَّخِذِى مِنَ الْجِبَالِ بُيُوتًا
{"Und es hat dein Herr der Biene eingegeben, Wohnstätten zu suchen in den Bergen usw." (Sure 16, 68)}
In der Tat ist die Biene von Natur (fitrat)aus und ihrer Aufgabe nach solch ein Wunder, dass eine ganze Sure nach ihr benannt wurde. Denn für dieses kleine Köpfchen dieser so winzig kleinen Honigmaschine ein ihrer wichtigen Aufgaben vollkommen entsprechendes Programm zu entwerfen,
in ihrem winzig kleinen Magen die wohlschmeckendste aller Speisen vorzubereiten und ausreifen zu lassen, ihr ein kleines Bajonett einzupflanzen, durch dessen Gifte die Lebewesen verletzt, ja getötet werden können, ohne dass durch diese Gifte die eigenen Organe, der eigene Körper, dabei zu Schaden kommt. Eine so außerordentliche Aufmerksamkeit und Sachkenntnis (ilim),eine so ungewöhnliche Weisheit und Zielstrebigkeit (irade),eine solche Ordnung und Ausgewogenheit kann unmöglich Kräfte ohne Bewusstsein, ohne Ordnung und Ausgewogenheit wie die Kräfte der Natur oder die Gesetze des Zufalls an der Mitwirkung beteiligen.
So beweist denn diese in dreifacher Hinsicht wunderbare Kunstfertigkeit Gottes, die Taten des Herrn, die sich an zahllosen Bienen auf dem ganzen Erdenrund mit gleicher Weisheit, gleicher Aufmerksamkeit, gleicher Ausgewogenheit, zu gleicher Zeit und auf gleiche Weise zeigen und wirksam werden, ganz offensichtlich die Einheit Gottes (vahdet).
Zweite Ayah:
وَ إِنَّ لَكُمْ فِى الْاَنْعَامِ لَعِبْرَةً نُسْقِيكُمْ مِمَّا فِى بُطُونِهِ مِنْ بَيْنِ فَرْثٍ وَدَمٍ لَبَنًا خَالِصًا سَآئِغًا لِلشَّارِبِينَ
{"Siehe: am Vieh habt ihr wahrlich eine Lehre. Wir tränken Euch mit dem, was in ihren Leibern ist, mitten zwischen Mist und Blut, mit lauterer Milch, die so wohl schmeckt dem, der sie trinkt." (Sure 16, 66)}
Dies ist eine Ayah, die eine Fülle von Belehrungen in sich enthält. In der Tat erfordert, was vor allem Kühe und Kamele, Ziegen und Schafe betrifft, in den Eutern der Muttertiere - einer Milchfabrik gleich - zwischen Blut und Mist, ohne dass sie damit in Berührung käme und so dadurch verunreinigt würde, ganz und gar im Gegenteil dazu eine reine, lautere, saubere, nahrhafte, wohlschmeckende weiße Milch zu erzeugen und in die Herzen dieser Tiere eine selbstlose Liebe (shefqat)für ihre Jungtiere hineinzulegen,
die noch angenehmer, lieblicher, süßer und wertvoller ist als Milch, sicherlich einen solchen Grad von Barmherzigkeit (rahmet),Weisheit (hikmet),Kenntnis (ilim),Macht (qudret),Entscheidungskraft (ihtiyar)und Aufmerksamkeit, dass dies in gar keiner Hinsicht das Werk eines blinden Zufalls, entfesselter Elemente oder finsterer Mächte sein kann.
So beweist denn diese so überaus wunderbare und weisheitsvolle Kunst des Herrn, die Taten Gottes (fiili Ilahi),die auf dem ganzen Erdenrund in den Herzen unendlich vieler Muttertiere von hunderttausend verschiedenen Tierarten, sowie in deren Eutern zu gleicher Zeit, in gleicher Weise, mit gleicher Weisheit, mit gleicher Aufmerksamkeit in Erscheinung tritt, all ihr Tun, Machen und Wirken ganz offensichtlich die Einheit Gottes (vahdet).
Dritte Ayah:
وَ مِنْ ثَمَرَاتِ النَّخِيلِ وَ الْأَعْنَابِ تَتَّخِذُونَ مِنْهُ سَكَرًا وَرِزْقًا حَسَنًا إِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَةً لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ
{"Ja auch von den Früchten der Palme und des Rebstocks bereitet ihr ein starkes Getränk und eure Nahrung. Fürwahr: darin liegt ein Zeichen für ein verständiges Volk!" (Sure 16, 67)}
Diese Ayah lenkt unsere Aufmerksamkeit auf Datteln und Trauben und sagt: "Für diejenigen, die Verstand besitzen, findet sich in diesen beiden Früchten ein großes Zeichen (Ayah)für die Einheit (Tauhid),ein Beweisstück und ein Beleg." In der Tat sind diese beiden Früchte sowohl Unterhalt als auch Nahrung, sowohl ein Hauptgericht als auch eine Nachspeise. Zugleich bereitet man aus ihnen auch eine köstliche Mahlzeit. Diese Palmen und Rebstöcke, die in wasserlosem Sande oder trockener Erde gedeihen, sind in hohem Grade ein Wunder der Macht (mu'djize-i qudret)und ein Wunder (hariqa)der Weisheit. Sie gleichen so sehr einer Helva produzierenden Süßwarenfabrik oder einer Maschine, die honiggleichen Saft herstellt, einem Kunstwerk von einer feinempfundenen Ausgeglichenheit,
vollkommener Ordnung, Weisheit und Sorgfalt, dass jeder Mensch, der auch nur einen Funken Verstand besitzt: "Wer diese Dinge so gemacht hat, kann sicherlich nur der sein, der auch das Weltall erschaffen hat" sagen muss.
Denn jede nur fingerdicke Weinrebe hier vor unseren Augen trägt z.B. zwanzig Trauben. Und jede Traube besteht wieder aus Hunderten winziger Schläuche, die mit zuckersüßem Saft gefüllt sind. Jeder von ihnen ist mit einer hauchdünnen, schönen, feinen, bunten Hülle umkleidet. In sein weiches, empfindliches Innere sind diese hartschaligen, nussartigen Kerne gelegt, die Inhalt, Programm und Lebensgeschichte eines ganzen Pflanzendaseins sind. Wer aus dem Inneren dieser Beeren ein honigartiges Getränk gemacht hat, das der Helva des Paradieses gleicht und süß schmeckt wie Kauthar(paradiesisches Wasser), wer auf dem ganzen Erdenrund unzählige Beispiele gleicher Aufmerksamkeit und gleicher Weisheit, die gleichen Wunderwerke, zu gleicher Zeit und in gleicher Art erschaffen hat, der zeigt uns in ganz offensichtlicher Weise: der diese Arbeit getan hat, ist auch der Schöpfer des ganzen Alls. Und diese Tat (fiil),die unendliche Macht (qudret)und grenzenlose Weisheit (hikmet)erfordert, kann allein nur Sein Werk (fiil)sein.
In der Tat können an dieser so empfindsamen Ausgewogenheit, mit diesem Werk von solcher Kunstfertigkeit, mit dieser so weisheitsvollen Ordnung, Kräfte, Naturgewalten und Kausalitäten nicht beteiligt sein, die blind, ziellos und ohne Ordnung sind, die weder Bewusstsein noch Ausrichtung haben, aggressiv und turbulent sind. Sie können hier ihre Hand nicht mit im Spiel haben. Sie sind nur die Objekte und Empfänger und nur einem Schild gleich für die Weisungen ihres Herrn (emr-i Rabbani)in Dienst gestellt.
Diese drei Ayat weisen also auf drei Tatsachen hin, deren drei Sinngebungen gleich zahllosen Erscheinungen und Wirkungen der zahllosen Taten des Herrn (ef'al-i Rabbani)übereinstimmend für die Einheit und Allgegenwart (vahid-i ahad)des Herrn in Seiner Majestät (Dhat-i Dhu l-Djelal vahdet)Zeugnis ablegen.
Dritte Wahrheit:
Wie alle Dinge ins Dasein treten (= idjad),besonders die Pflanzen und Tiere, wie sie trotz absoluter Geschwindigkeit in einer absoluten Vielzahl und völligen Ordnung, trotz absoluter Leichtigkeit als so außerordentlich schöne Kunstwerke mit einer solchen Meisterschaft, Zuverlässigkeit und Ordnung, trotz absoluter Fülle und totaler Verbreitung als so außerordentlich wertvoll und erlesen erscheinen.
In der Tat ist eine so außerordentliche Geschwindigkeit, eine so ungewöhnliche Kunstfertigkeit und Meisterschaft, Ordnung und Aufmerksamkeit, Leichtigkeit und Mühelosigkeit trotz einer so außerordentlichen Vielzahl und allseitigen Verbreitung ein solcher Wert und eine solche Erlesenheit, wo keines das andere stört und nichts von einem anderen gestört wird oder das andere beeinträchtigt, das alles zu schaffen ist einzig und allein nur dem möglich, welcher der Einzige (vahid)und der Mächtige (qudret)ist und dessen Macht (qudret)niemals eine Sache schwer fällt.
Ja, für diese Macht ist es einfach, leicht und mühelos - von den Gestirnen angefangen bis hinunter zu den Atomen, vom Größten bis zum Kleinsten, von einer ganzen Gattung mit zahllosen Einzelexemplaren bis hin zu einem solchen Einzelexemplar, von einem großen allumfassenden Ganzen bis hin zu einem winzig kleinen Stück davon - die ganze große Erde zu erschaffen und mit Leben zu erfüllen bis hin zu einem einzelnen Baum; einen Baum wachsen zu lassen - groß wie ein Berg, oder ein Samenkorn von der Größe einer Nadel zu machen, all diese Dinge vor unseren Augen zu schaffen.
So ist es also dieses bedeutende Geheimnis der Dritten Stufe der Einheit (Tauhid),der Dritten Wahrheit, das Wort von der Einheit (Tauhid = La ilaha illa'llah),das nämlich die größte Ganzheit dem kleinsten Teilchen gleicht, zwischen der größtmöglichen Anzahl und der kleinsten noch möglichen sich kein Unterschied findet, das also diese ihre Staunen erregende Weisheit, dieses gewaltige Tor zu ihrem Geheimnis, diese ihre unzugängliche Feste außerhalb
der Reichweite unseres Verstandes, diese bedeutendste Grundwahrheit des Islam, diese tiefste Quelle des Glaubens, dieses größte Fundament der Einheit (Tauhid)erklärt, gemeistert, entschleiert und bewiesen wird, welches das Tor ist zu dem Geheimnis des Qur'an. Und so wird die verborgenste, dem Verstande unzugänglichste, rätselvolle Wahrheit von der Erschaffung des Alls erkennbar, welche zu verstehen das Vorstellungsvermögen der Philosophen nicht in der Lage ist.
Dem barmherzigen Schöpfer (Khaliq-i Rahiem)sei hunderttausend Mal Dank und Preis (shukur ve hamd)so viele Male wie es Buchstaben gibt in der Risale-i Nur, das durch sie sich das Tor zu diesem Staunen erregenden Geheimnis aufgetan, die geheimnisvolle Feste sich geöffnet hat und diese Wahrheit nun gemeistert, entschleiert und bewiesen werden konnte. Besonders aber im "Zwanzigsten Brief", fast schon am Ende, wo die Aussage
وَ هُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Doch Er ist aller Dinge mächtig."}
behandelt wird, im "Neunundzwanzigsten Wort", die Wiederversammlung behandelt wird, wo es heißt, "der Handelnde ist dazu im Stande (Fa'il muqtedir)"und sowie im arabischen Text des "Neunundzwanzigsten Blitz", wo die verschiedenen Stufen von "AIlahu ekber" behandelt und die Macht Gottes (qudret-i Ilahiye)bewiesen wird, wird dies mit eben derselben Sicherheit bewiesen wie zwei mal zwei vier ist. Obwohl wir nun in unseren Erklärungen es dabei bewenden lassen können möchte ich doch noch kurz die Grundlagen und Beweise, die dieses Geheimnis offen legen, in dreizehn Stufen gleich dreizehn Geheimnissen auflisten und auf sie hinweisen. Das erste und das zweite Geheimnis habe ich bereits beschrieben. Doch leider haben mich die äußeren und innerlichen Umstände als zwei starke Hindernisse bis heute an der Fortsetzung gehindert.
Das erste Geheimnis:
Wenn irgendetwas wesentlich ist, kann dessen Gegenteil am Wesen dieses Dinges keinen Anteil haben. Denn dies käme einer "Vereinigung der beiden Gegensätze" gleich, was aber unmöglich ist. So ist also auf Grund dieses Geheimnisses und weil die Macht Gottes (qudret-i Ilahiye)Ihm essenziell ist und eine zwangsläufige Notwendigkeit des Wesens Seiner Allheiligkeit (Dhat-i Aqdes),sicherlich eine Schwäche (adjz)unmöglich, welche das Gegenteil dieser Macht (qudret)wäre, ein Anteil am Wesen des Allmächtigen (Dhat-i Qadier)zu nehmen.
Ja, wenn man nun irgendwo Abstufungen vorfindet, so geschieht dies dadurch, dass in ein Ding dessen Gegenteil eintritt. Zum Beispiel: die Abstufungen des Lichtes - wie stark und schwach - kommen durch eine abgestufte Beteiligung der Finsternis, die Abstufungen der Wärme - mehr oder weniger - durch eine abgestufte Beteiligung der Kälte, die Abstufungen der Macht - größer oder geringer - aber dadurch zu Stande, dass sich ihr ein Widerstand hindernd gegenüberstellt. Gewiss kann man aber in dieser essenziellen Allmacht (qudret-i dhetiye)keine Abstufungen (merteb)vorfinden. Sie bringt alle die Dinge insgesamt gleich einem einzigen Ding hervor (idjad).Und weil sich nun einmal in dieser essenziellen Allmacht (qudret-i dhetiye)keine Abstufungen (merteb)finden lassen, Schwächen (da'if)und Mängel nicht auftreten, können sich ihr auch keine Hindernisse in den Weg stellen, kann Ihr die Erschaffung (idjad)irgendeines Dinges keine Schwierigkeiten bereiten.
Und weil Ihr nun einmal die Erschaffung keines Dinges Schwierigkeiten bereitet, vermag sie auch die gewaltige Wiederversammlung so leicht wie einen einzigen Frühling, einen Frühling so einfach wie einen einzigen Baum, einen Baum so mühelos wie eine einzige Blume hervorzubringen und eine einzige Blume genauso kunstvoll zu gestalten wie einen einzigen Baum so wunderbar zu erschaffen wie einen Frühling und einen einzigen Frühling so vollständig und einzigartig ins Dasein zu rufen. Und Sie erschafft es vor unseren Augen.
Wir haben in der Risale-i Nur mit starken und unwiderleglichen Zeugnissen bewiesen, dass es - gäbe es Gottes Allgegenwart und Einheit (vahdet ve tauhid)nicht - genauso schwierig wäre eine Blume zu erschaffen wie einen Baum, ja vielleicht noch schwieriger, einen Baum zu gestalten genauso kompliziert wie einen Frühling, ja vielleicht noch komplizierter und all seine Schönheit und sein ganzer Kunstwert müssten ganz und gar zerfallen. Und ein Lebewesen, das jetzt in einer Minute gemacht wird, würde dann erst in einem Jahr gemacht werden, ja vielleicht würde es überhaupt nicht gemacht werden.
So ist es denn auf Grund dieses oben erwähnten Geheimnisses, dass diese Früchte, diese Blumen, diese Bäume und diese kleinen Tiere, obwohl sie doch so zahlreich und in Massen in Erscheinung treten, dennoch so kostbar sind und obwohl sie mit einer solchen Schnelligkeit und Leichtigkeit erschaffen werden, dennoch so kunstvoll gestaltet sind, in schönster Ordnung hervortreten und mit ihrer Aufgabe beginnen. Sie vollbringen ihren Lobpreis (tesbihat),vollenden ihn, lassen ihren Samen an ihrer Stelle zurück und gehen von dannen.
Das zweite Geheimnis:
Es entspricht dem Geheimnis des Lichtglanzes, der Durchsichtigkeit und des Reflexionsvermögens sowie dem Geheimnis des Gehorsams, wenn eine einzige Sonne, als eine Erscheinungsform der Macht Gottes (qudret-i dhetiye),ihre leuchtenden Strahlen mit der gleichen Leichtigkeit einem einzigen Spiegel zusendet oder unendlich vielen Spiegeln und glänzenden Gegenständen und Tröpfchen. Es sind die gleichen leuchtenden und wärmenden Strahlen. Es ist die gleiche, weitreichende Aktivität dieser grenzenlosen Macht. Und alles geschieht mit Leichtigkeit. Ob es dabei um viele geht oder um wenige: es gibt dabei keinen Unterschied.
So wie aber nun ein einzelnes Wort, das ausgesprochen wurde, infolge der grenzenlosen Ausdehnung einer grenzenlosen Schöpferkraft (khallaqiyet)mühelos in das Ohr eines einzelnen Menschen eingeht, so geht es auch ebenso
mühelos mit Gottes Hilfe (izn-i Rabbani)in eine Million von Ohrmuscheln ein. Es ist gleich, ob da Tausende von Zuhörern sind oder nur ein einziger Zuhörer. Das macht keinen Unterschied.
Desgleichen schaut das Licht eines einzigen Auges oder ein einziger lichtvoller Geist wie Gabriel infolge der allumfassenden Aktivität des Herrn (faaliyet-i Rabbaniye),die sich als Barmherzigkeit offenbart (tedjelli-i rahmet),mit Leichtigkeit einen einzelnen Ort, begibt sich dorthin und verweilt mit Leichtigkeit an einem einzigen Ort. Ebenso aber findet es sich durch Gottes Allmacht (qudret-i Ilahiye)mit gleicher Leichtigkeit an tausend Orten, schaut sie und begibt sich dorthin. Es gibt keinen Unterschied zwischen wenigem oder vielem. Da aber nun in gleicher Weise die ursprüngliche und urewige Macht (Gottes = qudret-i dhetiye-i edhel)ein vollkommen reines und alldurchdringendes Licht und das Licht der Lichter ist und der wesentliche, wahrhaftige, der Engelwelt zugewandte Aspekt (melekutiyet)aller Dinge glasartig klar und durchsichtig ist und glänzend wie ein Spiegel, und ein jedes Ding, von den Atomen angefangen über die Pflanzen und die Tiere bis hin zu den Sternen, den Sonnen und Monden in einem solchen Maße der Verfügungsgewalt (hukum)dieser (göttlichen) Allmacht (qudret-i dhetiye)unterstellt, unterworfen ist und den Befehlen dieser ewigen Macht (qudret-i edheliye)in äußerstem Grade folgt und gehorcht, ruft sie auch mit Sicherheit unendlich viele Dinge gleich einem einzigen Ding ins Dasein (= idjad)und ist ihnen zur Seite gegenwärtig. Keines Seiner Werke kann einem anderen Seiner Werke hinderlich sein. Mag es ein großes sein oder ein kleines, viel oder wenig, ein Stückchen davon oder ein Ganzes: vor Ihm ist es gleich und keines davon fällt Ihm schwer.
So haben wir denn im Zehnten und im Neunundzwanzigsten Wort gesagt, dass in dem Geheimnis der Wohlgeordnetheit und Ausgewogenheit, in dem Gehorsam gegenüber der Entscheidungsmacht und in der Ausführung der Befehlsgewalt entsprechend ein riesiges Schiff, so groß wie hundert Häuser, vorangetrieben und gesteuert wird, wie der Finger eines Kindes sein Spielzeug lenkt.
Und so wie ein einzelner Soldat durch den Marschbefehl seines Kommandanten in die Schlacht geschickt wird, ebenso wird auch ein ganzes wohlgeordnetes, einsatzbereites Heer durch diesen einen einzigen Befehl in den Kampf geführt.
Und nehmen wir nun einmal an, es befänden sich in den beiden Schalen einer großen und hochempfindlichen Waage zwei Berge miteinander im Gleichgewicht, in den beiden Schalen einer anderen Waage aber zwei Eier, sodass die eine der beiden Schalen durch eine einzige Nuss hinuntergedrückt, die andere aber emporgehoben würde, dann müsste dem Gesetz der Weisheit entsprechend die eine Schale der anderen Waage mitsamt dem Berge gegen den Gipfel des Berges emporgehoben, der andere Berg aber gegen seinen Talgrund hinuntergedrückt werden.
Genauso verhält es sich nun aber mit der unendlichen, lichtvollen, ursprünglichen (dheti),unvergänglichen (sermedi)Macht des Herrn (qudret-i Rabbaniye),die an keinerlei Bedingungen gebunden ist, jedoch verknüpft ist mit einer unendlichen Weisheit und Gottes hochempfindlicher Waage der Gerechtigkeit (adalet-i Ilahiye),welche in ihr enthalten ist und welche aller Regel, Ordnung und Ausgewogenheit Grund, Quelle, Ursprung und Angelpunkt ist und welcher Entscheidungskraft dieser Macht das Ganze und ein jedes Stückchen davon, alles Große und jedes kleine Ding und alle Dinge und alle Sachen unterstellt und ihrer Lenkung unterworfen sind: ganz sicher bewegt sie die Elektronen mit der gleichen Leichtigkeit und lässt sie kreisen, wie sie in dem gleichen Geheimnis auch die Sterne mit Leichtigkeit in Weisheit und Ordnung ihre Bahnen ziehen lässt.
So wie Er im Frühling auf Seinen Befehl mit Leichtigkeit einer Fliege wieder Leben gibt, so schenkt Er auch allen Arten von Fliegen, allen Pflanzen, dem Heer winzig kleiner Tierchen mit dem gleichen Befehl und mit der gleichen Leichtigkeit nach dem Geheimnis Seiner Weisheit und Ordnung in Seiner Macht das Leben, führt sie wieder
dem Felde des Lebens zu.
Und so wie Er einen Baum im Frühling rasch wieder zum Leben erweckt und den Gebeinen wieder Leben einzuflößen vermag, so wird Er auch in Seiner vollkommenen Weisheit, Gerechtigkeit und Allmacht (hikmetli adaleti qudret-i mutlaq)den riesengroßen Leichnam, der unsere Erde ist, im Frühling mit der gleichen Leichtigkeit gleich einem Baum wiederbeleben und so hunderttausend verschiedene Beispiele der Wiederversammlung schaffen. Er belebt mit Seinem Schöpfungsbefehl die Erde wieder und verkündet in Seinem Erlass:
إِنْ كَانَتْ اِلاَّ صَيْحَةً وَاحِدَةً فَاِذَا هُمْ جَمِيعٌ لَدَيْنَا مُحْضَرُونَ
{"Dann wird man nur ein einziges Mal in die Posaune stoßen und schon sind sie alle in Unsere Gegenwart gestellt." (Sure 36, 53)}
Also werden alle Menschen und Dschinnen beim ersten Posaunenstoß auf Unseren Befehl vor Uns erscheinen, vor Unserer Gegenwart erscheinen. Ebenso ist sein Erlass:
وَ مَآ أَمْرُ السَّاعَةِ إِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ اَوْ هُوَ أَقْرَبُ
{"Die Angelegenheit jener Stunde aber wird einem Augenzwinkern gleich sein oder noch weniger." (Sure 16, 77)}
Das heißt, die Auferstehung und Wiederversammlung zu bewirken und durchzuführen gleicht dem Öffnen und Schließen der Augen oder geschieht sogar noch schneller. Ebenso lesen wir in Ayah (Sure 13, 28):
مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَ بَعْثُكُمْ إِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Eure Erschaffung und eure Auferweckung gleicht der einer einzigen Seele."}
Das heißt, oh ihr Menschen! Eure Erschaffung und Wiederbelebung und Wiederversammlung und Wiederherstellung wird so leicht sein wie die Wiederbelebung einer einzigen Seele und der Macht nicht schwer fallen.
Betrachtet man den Sinn, der hinter der Bedeutung dieser drei Ayat verborgen ist, werden auf ein und denselben Befehl hin und mit gleicher Leichtigkeit alle Menschen und Dschinnen, alle Tiere, Geister und Engel auf dem großen Platz der Wiederversammlung zusammengebracht und vor der gewaltigen Waage aufgestellt. Dabei behindert eine Arbeit nicht eine andere Arbeit.
Das dritte und vierte Geheimnis bis hin zum dreizehnten wurde entgegen meiner ursprünglichen Absicht auf eine spätere Zeit verschoben.
Vierte Wahrheit:
Die einzelnen Existenzen verkünden durch ihr Dasein und durch ihr Erscheinungsbild, in ihrer Ökologie, ihrem Miteinander- und Ineinander-Verbundensein, ihrer Ähnlichkeit untereinander und wie sie einer des anderen verkleinertes Abbild oder dessen vergrößerte Version zum Ausdruck bringen, wenn ein Teil von ihnen ein Ganzes bildet oder eine Allgemeinheit, ein anderer, dessen Bestandteil oder Einzelexemplare, wie sie jeder für sich das Siegel der Natur (sikke-i fitrat)tragen in ihrer Ähnlichkeit, einander gleichen in der Kunstfertigkeit, mit der sie geschmückt sind, wenn sie einander helfen und einander in ihren natürlichen Aufgaben (vazife-i fitri)vervollkommnen, ganz offensichtlich in all diesen vielen Aspekten ihrer Einheit (vahdet)die Einheit Gottes (tauhid),beweisen, dass ihr Schöpfer (sani')ein Einziger (vahid)ist und zeigen hinsichtlich der Herrschaft (rububiyet)(Gottes) über das All, dass diese eine Ganzheit und Universalität darstellt, welche jeglicher Spaltung und Aufteilung abhold ist.
Es gibt hier in der Tat ein Beispiel: In jedem Frühling von vierhunderttausend Arten Pflanzen und Tieren die einzelnen Exemplare gemeinsam und untereinander vermischt, im selben Augenblick und auf die gleiche Weise, ohne einen Mangel oder Fehler, in vollkommener Weisheit und in schönster Kunstfertigkeit zu erschaffen, zu versorgen und zu unterhalten, zudem all die Vögel, deren verkleinerte Abbilder die Fliegen sind, bis hin zu deren riesigen Modellen, welche die Adler sind, in zahllosen Einzelexemplaren
zu erschaffen, ihnen die Organe zu geben, die ihnen helfen, zu fliegen und zu leben, durch die Lüfte zu reisen und sie zu beleben, ihren Gesichtern auf wunderbare Weise (mu'djizane)das Münzsiegel Seiner Kunst (sikke-i san'at),ihren Körpern in Seiner Leitung (mudebbirane)das prophetische Siegel Seiner Weisheit (khatem-i hikmet),ihrem Wesen zu ihrer Fürsorge (murebbiyane)das königliche Siegel Seiner Einheit (Ahadiyet)aufzuprägen, auch den Molekülen der Nahrung den Weg zu weisen, den Zellen des Körpers zu Hilfe zu eilen, den Pflanzen zur Hilfe der Tiere, den Tieren zur Hilfe der Menschen und allen Müttern ihren hilflosen Kleinen Unterstützung zu geben, in Barmherzigkeit (rahiemane)zu laufen, auch von der Milchstraße angefangen über unser Sonnensystem bis hin zu den Elementen der Erde, ja die Lider unseres Augapfels, die Kelchblätter der Rosenknospe und die Hüllblätter des Maiskolbens und die Kerne der Melone wie in konzentrischen Kreisen im Großen und Ganzen wie in seinen kleinen Bestandteilen in gleicher Ordnung und künstlerischer Schönheit durch ein und dieselbe Handlung und in vollkommener Weise zu lenken: all dies ist doch in ganz offensichtlicher Weise ein Beweis dafür, dass der, welcher all diese Dinge tut, ein Einziger (vahid)ist.
Alle Dinge tragen Sein Siegel. Doch gleich wie Er nie und nirgends irgendeinen Raum einnimmt, so ist Er dennoch immer und überall gegenwärtig. Und so wie die Sonne sind alle Dinge weit von Ihm entfernt, doch Er ist allen Dingen nahe. Und gleich wie große Dinge wie die Milchstraße und das Sonnensystem Ihm keine Schwierigkeiten bedeuten, so sind auch die Blutkörperchen in den Adern und die Gedanken in den Herzen vor Ihm nicht verborgen, noch Seiner (göttlichen) Leitung und Führung entzogen.
Und gleich wie ein jedes Ding, wie groß und zahlreich es auch sein mag, und auch das kleinste und seltenste Ding für Ihn ein Leichtes ist, so erschafft Er auch eine Fliege nach dem Musterbeispiel eines Adlers, ein Samenkorn, das den Schaltplan eines ganzen großen Baumes
in sich enthält, einen Baum nach Art eines Gartens, einen Garten so kunstvoll wie den Frühling und einen Frühling nach dem Maßstab einer Wiederversammlung mit gleicher Leichtigkeit. Er gibt uns kunstvolle und höchst kostbare Dinge in Seiner Huld und Güte für nur ein Geringes. Der verlangte Preis ist nur ein "Bismillah"und ein "Elhamdulillah".Denn der für diese kostbaren Gnadengaben (nimet)angemessene Preis ist, zu Beginn "Bismillahir'Rahmani-r'Rahim"und am Ende "Elhamdulillah"zu sagen.
Diese Vierte Wahrheit wurde bereits in der Risale-i Nur erläutert und bewiesen. Wir begnügen uns deshalb hier mit einem kurzen Hinweis.
Es folgt daher nun als die Zweite Wohnstatt, die unser Reisender gesehen hat:
Fünfte Wahrheit:
Der gesamte Kosmos und alles was darinnen ist, seine Pfeiler und seine Bestandteile und alles was darinnen lebt, in seiner vollendeten Ordnung, alle seine Bausteine und alle Wesen in ihm, die mit einem Auftrag betraut sind und in diesem weiten Königreich der Grund dafür sind, dass für sie die Gestirne kreisen und dass es für sie ein Amt und eine Verwaltung gibt und die mit dem großen Ganzen in Verbindung stehen, alle die Namen (isimler)und Taten Gottes (fiiller),welche diese königliche Stadt und deren Messegelände regieren, alle untereinander verbunden, einzigartig in sich selbst und eins in ihrem gemeinsamen Wesen, an jedem Ort der gleiche Name und die gleiche Tat, ein jedes Ding oder doch die meisten von ihnen umfassend und umgreifend, alle die Grundelemente und Eigenschaften, die zur Unterhaltung und Belebung dieses Juwels von einem Schloss beitragen, alle untereinander verbunden, einzigartig in sich selbst und eins in ihrem gemeinsamen Wesen, an jedem Ort das gleiche Grundelement und die gleiche Eigenschaft, das ganze Antlitz der Erde - oder doch den größten Teil davon - in ihrer Verbreitung überziehend, dies alles erfordert ganz offensichtlich und mit Notwendigkeit, beweist, bezeugt
und bezeigt, dass der Meister und Lenker (sani' ve mudebbir)dieses Kosmos, der König und Verwalter (sultan ve murabbi)dieses Landes, der Herr (sahib)und Meister dieses Schlosses ein und derselbe ist, eins (vahid)und einzigartig (ahad)in sich und Seiner Schöpfung.
Er kennt weder Abbild noch Ebenbild, weder Helfer noch Vertreter, weder Mitspieler noch Gegenspieler. Er hat keine Schwäche und keinen Fehler. In der Tat ist die Ordnung ein in sich geschlossenes Ganzes (= vahdet);sie erfordert einen einzigen Ordnungsgeber. Sie verträgt keine Partnerschaft, die Ursache für einen Streit sein könnte...
So besteht also, von der ganzen großen Einheit des Kosmos angefangen über die tägliche Umdrehung der Erde und ihren Umlauf im Jahreskreis bis hin zum Menschen in seiner gesamten Erscheinung mit Herz und Verstand und seinem ganzen Sinnensystem, bis hin zu dem Blutkreislauf mit seinen weißen und roten Blutkörperchen, im Allgemeinen wie im besonderen eine Ordnung voller Weisheit und Sorgfalt in jedem Ding. Es gibt mit Sicherheit neben dem Allmächtigen (Qadier-i Mutlaq)und Allweisen in Seiner Vollkommenheit (Hakiem-i Mutlaq)nichts und niemanden, der mit Vorbedacht und Schöpferkraft (qasd ve idjad)seine Hand nach irgendeinem Ding ausstrecken oder sich in irgendeine Angelegenheit mit einmischen könnte. Vielmehr sind alle Dinge nur Befehlsempfänger und Erscheinungsbilder. Sie haben nur passive Funktion.
Zudem kann auch nur der eine Ordnung aufrecht erhalten, sinnvoll und zielstrebig schaffen und seine Angelegenheiten bedachtsam und ordnungsgemäß regeln, welcher es mit Sachkenntnis (ilim)und Weisheit (hikmet)tut, Entscheidungskraft und Durchsetzungsvermögen (irade ve ihtiyar)besitzt.
Diese so unendlich vielfältigen Erscheinungsformen einer Ordnung in der Schöpfung, wie sie sich - von höchster Weisheit erfüllt - vor unseren Augen ausbreitet, beweist in der Tat ganz offensichtlich und in jedem Fall, dass der Schöpfer (khaliq),Lenker und Leiter (mudebbir)dieses Kosmos ein Einziger ist, einer, der Tatkraft (fa'il)und Entscheidungsvermögen (mukhtar)besitzt.
Durch Seine Macht (qudret)treten alle Dinge ins Dasein (vudjud),durch Seinen Willen (irade)nimmt jedes von ihnen seine entsprechende Form (vaziyet-i mahsus)an und durch Seine Entscheidung (ihtiyar)erhält es die ihm gemäße Gestalt (suret-i muntadhama)...
So ist denn nun die Lampe über dieser unseren irdischen Herberge, welche zugleich auch ihre Heizung ist, nur eine, der Leuchter, welcher uns hilft, die Stunden zu zählen, ein Einziger, der Schwamm Seiner Barmherzigkeit ein einziger (d.h. die Wolken überall am Himmel über der Erde spenden alle das gleiche Regenwasser - A.d.Ü.), der feurige Koch (unserer Nahrung am Himmel) ist einer, der lebensspendende Trank ist einer (d.h. das Wasser ist überall auf der Erde das gleiche - A.d.Ü.), die sorgentragenden Felder sind eins (d.h. die Erde, welche uns ihre Frucht gibt, ist überall die gleiche - A.d.Ü.). Eins eins - eins - immer wieder und tausendmal und noch einmal eins...
Mit Sicherheit bezeugen diese einzigartigen Einheiten ganz offensichtlich, dass der Erbauer und Herr (sani' ve sahib)dieses Gasthauses ein Einziger ist. Zudem ist Er auch überaus freigiebig und gastfreundlich und lässt seine hohen und höchsten Beamten die Gäste, die sich auf der Reise befinden, bedienen und für ihr Wohlergehen sorgen.
So sind denn nun diese Namen (isim),welche aller Orten die Welt regieren, die wie Juwelen überall in Erscheinung treten "Weiser (Hakiem),Barmherziger (Rahiem),Gestalter (Musavvir),Verwalter (Mudebbir),Lebendigmacher (Muhyi)und Leiter (Murebbi)",Attribute (she'n)wie "Weisheit (hikmet),Barmherzigkeit (rahmet)und Gnade (inayet)",Taten (fiil)wie "Gestaltung (tasvir),Ablauf (tedvir)und Entwicklung (terbiye)"eines. Allerorten sind die gleichen Namen, die gleichen Taten einander zugeordnet, finden sich auf höchster Stufe und umfassen alles.
Überdies vervollkommnen sie in ihrem Schmuck und in ihrer Schönheit einander so, als ob sich die Namen und Taten untereinander vereinigten; Macht (qudret)zu Weisheit (hikmet)und Barmherzigkeit (rahmet),und Weisheit (hikmet)zu Gnade (inayet)und Leben (hayat)würden.
Zum Beispiel: Sobald der Name "Lebensspender" in einem Ding seine Wirksamkeit zu zeigen beginnt, beginnen im selben Augenblick überall auch viele andere Namen wie "Schöpfer, Gestalter und Versorger" in gleicher Weise ihre Wirksamkeit zu zeigen. Sicherlich, offensichtlich und tatsächlich bezeugt das, dass der mit diesen allumfassenden Namen Bezeichnete und der Vollbringer dieser überall in gleicher Weise sichtbar werdenden umfangreichen Taten (fiil)ein Einziger, Alleiniger (vahid)und Allgegenwärtiger (ahad)ist. Dies ist unser Glaube und dazu geben wir unsere Zustimmung (= amenna ve saddaqna).
Zudem erfüllen aber nun die Elemente, welche die Grund- und Aufbaustoffe aller Kunstwerke sind, die Erde. Und jede einzelne von den Arten, welche die verschiedensten Siegel tragen und so die Einheit (vahdet)der Geschöpfe aufzeigen, ist einzig in ihrer Art und erobert und bedeckt doch die ganze Erde. Sicherlich und ganz offensichtlich beweist dies, das alle diese Elemente und all das, was zu ihnen gehört und alle diese Arten mit allen ihnen zuzurechnenden Einzelstücken Gut und Eigentum eines einzigen Herrn (dhat)sind. Sie sind die Kunstwerke und Diener des Allgegenwärtigen und Allmächtigen (Vahid-i Qadier),gewaltige, aggressive Elemente, die Er als Seine äußerst gehorsamen Diener und Arten, welche über das gesamte Antlitz der Erde verteilt sind und die Er als Seine äußerst disziplinierten Soldaten in die Pflicht nimmt.
Diese Wahrheit haben wir bereits in der Risale-i Nur aufgezeigt und bewiesen und können uns deshalb hier mit einem kurzen Hinweis begnügen.
Unser Reisender empfing aus den obigen fünf Wahrheiten den Segen des Glaubens und in der hohen Freude und mit dem tiefen Sinn der Einheit (Tauhid)fasste er seine Beobachtungen zusammen, legte Zeugnis ab und sprach zu seinem Herzen, indem er seinen Empfindungen Ausdruck gab:
Betrachte im Buche der Schöpfung
eine farbige Seite,
mit dem goldenen Stifte der Macht,
siehe, wie schön sie gemalt ist!
Nicht blieb da noch sein dunkler Fleck für die Scharfsichtigen,
so als habe Gott Seine Wunderzeichen (= Verse) mit Licht darauf geschrieben.
Und nun wisse noch dies:
Die Seiten im Buche der Welt sind ihre unendlichen Maße.
Die Zeilen der Geschehnisse darinnen sind ihre Werke ohne Zahl.
Geschrieben an der Werkbank der wohlbewahrten Tafel der Wahrheit (lauh-i mahfudh-u haqiqat).
Die Verkörperung eines bedeutungsvollen Wortes - in der Welt - ein jedes Geschöpf.
Nun aber höre:
چُو لآٰ اِلٰهَ الاَّ اللّٰهُ بَرَابَرْ مِيذَنَنْدْ هَرْشَىْ دَمَادَمْ جُويَدَنْدْ يَاحَقْ سَرَاسَرْ كُويَدْنَنْدْ يَاحَىُّ
{"Wohlan! 'Es gibt Keinen Gott außer Allah', so verkünden sie mit einer Stimme alle Dinge, rufen beständig 'Oh, Wahrhaftiger, Einer', flehen gemeinsam 'Oh Du Lebendiger!'"}
نَعَمْ وَ فِى كُلِّ شَىْءٍ لَهُ اٰيَةٌ تَدُلُّ عَلٰٓى اَنَّهُ وَاحِدٌ
{"Ja, in allen Dingen ist von Ihm ein Mal und ein Hinweis fürwahr, dass Er ist Ein-Einziger."}
Sein Herz und auch seine Seele bestätigten dies und sprachen: "In der Tat, so ist es (evet, evet)!"
So war denn im Zweiten Kapitel (bab)der Ersten Abhandlung (makam)über die Zweite Wohnstatt als ein kurzer
Hinweis auf die fünf Wahrheiten von der Einheit (Tauhid),die unser Gast in dieser Welt und Tourist im All in der Zweiten Wohnstatt in Augenschein genommen hatte, Folgendes gesagt worden:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وَحْدَتِهِ فِى وُجُوبِ وُجُودِهِ مُشَاهَدَةُ حَقِيقَةِ الْكِبْرِيَآءِ وَ الْعَظَمَةِ فِى الْكَمَالِ وَ الْاِحَاطَةِ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ حَقِيقَةِ ظُهُورِ الْاَفْعَالِ بِالْاِطْلاَقِ وَ عَدَمِ النِّهَايَةِ لاَ تُقَيِّدُهَا اِلاَّ الْاِرَادَةُ وَ الْحِكْمَةُ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ حَقِيقَةِ اِيجَادِ الْمَوْجُودَاتِ بِالْكَثْرَةِ الْمُطْلَقَةِ فِى السُّرْعَةِ الْمُطْلَقَةِ وَخَلْقُ الْمَخْلُوقَاتِ بِالسُّهُولَةِ الْمُطْلَقَةِ فِى الْاِتْقَانِ الْمُطْلَقِ وَ اِبْدَاعُ الْمَصْنُوعَاتِ بِالْمَبْذُولِيَّةِ الْمُطْلَقَةِ فِى غَايَةِ حُسْنِ الصَّنْعَةِ وَ غُلُوِّ الْقِيْمَةِ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ حَقِيقَةِ وُجُودِ الْمَوْجُودَاتِ عَلٰى وَجْهِ الْكُلِّ وَ الْكُلِّيَّةِ وَ الْمَعِيَّةِ وَ الْجَامِعِيَّةِ وَ التَّدَاخُلِ وَ الْمُنَاسَبَةِ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ حَقِيقَةِ الْاِنْتِظَامَاتِ الْعَآمَّةِ الْمُنَافِيَةِ لِلشَّرِكَةِ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ وَحْدَةِ مَدَارَاتِ تَدَابِيرِ الْكَآئِنَاتِ الدَّآلَّةِ عَلٰى وَحْدَةِ صَانِعِهَا بِالْبَدَاهَةِ. وَ كَذَا وَحْدَةُ الْاَسْمَآءِ وَ الْاَفْعَالِ الْمُتَصَرِّفَةِ الْمُحِيطَةِ. وَ كَذَا وَحْدَةُ الْعَنَاصِرِ وَ الْاَنْوَاعِ الْمُنْتَشِرَةِ الْمُسْتَوْلِيَةِ عَلٰى وَجْهِ الْاَرْضِ
In der Medresse von Imam-i Rabbani (RA)
Nun gelangte unser Weltenreisender auf seiner Wanderung durch die verschiedenen Zeitalter an der Schwelle zum zweiten Jahrtausend (mudjeddid-i elf-i sani)zu der Medresse des großen Gelehrten Imam-i Rabbani Ahmed-i Faruqi, trat ein und nahm an dem Unterricht teil, den der Imam gab. Dieser sagte:
"Die bedeutendste Frucht aller Orden (tariqat)ist die Entfaltung (inkishaf)der Glaubenswahrheiten. Der völligen Offenlegung (inkishaf)einer einzigen Glaubensfrage ist vor tausend Wundern (keramet)und geistigen Genüssen der Vorzug zu geben."
Und weiter sagte er:
"In alten Zeiten haben große Persönlichkeiten gesagt: es wird unter den Wortgewaltigen und den großen Gelehrten der Theologie (ilm-i kelam)einer kommen. Der wird alle Wahrheiten des Glaubens und des Islam in allgemein verständlicher Form und mit ganz offensichtlichen Beweisen klarstellen. Ich wünschte, ich wäre dieser Mann und vielleicht bin ich es.
{Die Zeit hat jedoch bewiesen, dass dieser Mann nicht ein einzelner Mann ist, sondern die Risale-i Nur. Vielleicht haben die großen Entdecker im Reiche des Geistes (ehl-i keshf) in ihrer inneren Schau (keshf) die Risale-i Nur in der Gestalt ihres unbedeutenden Sprachrohres und Herausgebers geschaut und deshalb "ein Mann" gesagt.}Glaube (iman)und Einheit (Tauhid)sind Essenz, Hefe, Licht und Leben aller menschlichen Vollkommenheit.
تَفَكُّرُ سَاعَةٍ خَيْرٌ مِنْ عِبَادَةِ سَنَةٍ
{"Eine Stunde Nachdenken ist besser als ein Jahr Anbetung (ibada = zusätzlich zum Pflichtgebet = namaz übernommene, freiwillige Andachten)."}
Getreu diesem Grundsatz wird im Nakschi-Orden das stillschweigende Gedenken Gottes (hafi dhikr)gepflegt. Es ist eine sehr wertvolle Art des Nachsinnens (tefekkur)."So wurde unser Reisender belehrt.
Der Reisende hörte sich das alles an. Dann drehte er sich um und sagte zu seiner Seele: "Das war es also, was dieser hochherzige (kahraman)Imam gesagt hat. Es ist ja doch mehr wert, seine Glaubenskraft (quvvet-i imaniye)um ein Stäubchen zu vermehren als ein Batman (etwa 7,6 kg) an Erkenntnissen und Vorzüglichkeiten (marifet ve kemalat)und noch hundertmal süßer als der Honig innerer Schau (ezvak).
Es haben sich ja doch seit tausend Jahren die Philosophen Europas ihre Einwände und Zweifel gegen den Glauben und gegen den Qur'an zusammengetragen und Wege gefunden, die Gläubigen anzugreifen. Und sie wollen auch die Grundsätze des Glaubens erschüttern, welche Schlüssel, Quelle und Fundament einer Ewigen Glückseligkeit, eines beständigen Lebens und eines immerwährenden Paradieses sind. Darum auch müssen wir vor allen Dingen unseren Glauben stärken, dadurch, dass wir unseren traditionellen Glauben (imani taqlid)auf seinen Wahrheitsgehalt (tahqiq)hin untersuchen und in die Tat umsetzen.
Wenn das so ist, auf dann! Lass uns die neunundzwanzig Stufen des Glaubens, die wir gefunden haben und deren jede so mächtig ist wie ein Berg, auf dreiunddreißig Stufen erhöhen, jener gesegneten Zahl der gesegneten Anrufungen (tesbihat)nach dem Gebet (namaz),um auch noch die Dritte Wohnstatt dieses Lehrhauses zu schauen. Klopfen wir also an die Türe zum Reich aller Lebewesen und ihrer Versorgung durch ihren Herrn! Öffnen wir sie mit dem Schlüssel des 'Bismillahi-r'-Rahmani-r'Rahim!'" sagte er und klopfte ungestüm an die Türe der Dritten Wohnstatt, jenes wunderbaren Ortes der Auferstehung und einer einzigartigen Wiederversammlung. Mit einem
بِسْمِ اللّٰهِ الْفَتَّاحْ {"Im Namen Allahs, der öffnet (el-Fettah)."} öffnete er. Die Dritte Wohnstatt zeigte sich. Er trat ein und erblickte vier gewaltige, allumfassende Wahrheiten, welche diese Wohnstatt erleuchteten und die Einheit (Tauhid),der Sonne gleich aufzeigten.
Erste Wahrheit:
Die Wahrheit von der Eröffnung (Fettahiyet).
D.h. durch die Erscheinung des Namen dessen, der da öffnet (Fettah)wird eine ganz einfache Materie in völlig verschiedene und ganz und gar unterschiedliche, zahllose, wohlgeordnete Formen aufgeschlossen, und zwar sie alle zusammen, allerorten und im gleichen Augenblick und durch die gleiche Tat (fiil).
Denn so wie in der Tat im ganzen Gartenlande des Kosmos unendlich viele verschiedene Erscheinungsformen gleich Blumen durch den Namen "Fettah" ihre für sie geeignete, wohlgeordnete Form und ihre besonderen Merkmale durch die Macht des Schöpfers (qudret-i Fatir),der sie aufgeschlossen, erhalten haben, so haben auch in gleicher, jedoch weit wundersamer Weise vierhunderttausend Arten des Lebendigen im Garten "Erde" - jede für sich - in außerordentlich weiser (hikmetli)und kunstvoller Art (san'atli)ihre eigene, harmonische, schmuckvolle und so ganz besondere Form erhalten.
يَخْلُقُكُمْ فِى بُطُونِ أُمَّهَاتِكُمْ خَلْقًا مِنْ بَعْدِ خَلْقٍ فِى ظُلُمَاتٍ ثَلٰثٍ ذٰلِكُمُ اللّٰهُ رَبُّكُمْ لَهُ الْمُلْكُ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ فَأَنّٰا تُصْرَفُونَ ٭ إِنَّ اللهَ لاَ يَخْفٰى عَلَيْهِ شَىْءٌ فِى الْاَرْضِ وَ لاَ فِى السَّمَآءِ ٭ هُوَ الَّذِى يُصَوِّرُكُمْ فِى الْاَرْحَامِ كَيْفَ يَشَآءُ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ
{"Er hat euch im Bauche eurer Mutter erschaffen, Schöpfung für Schöpfung in dreifacher Finsternis. So ist der Herr, euer Gott. Sein ist das Reich. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Wie dann könnt ihr euch noch abwenden?" (Sure 39, 6) "Wahrlich, Allah ist es, vor dem nichts verborgen bleibt, was auf Erden und was in den Himmeln ist, Er, der euch im Mutterschoß (rahm = hysterix) geformt hat nach Seinem Willen. Es gibt keinen Gott außer Ihm, dem Mächtigen, dem Weisen." (Sure 3, 5-6)}
Wie diese Ayat zeigen, ist es der stärkste Beweis (en quvvetli delil)für die Einheit (Tauhid)und das Wunder (mu'djize)der Macht (qudret),das in höchste Begeisterung versetzt, wie Er die Formen aufschließt. Es ist diese Weisheit und die Wahrheit von der Aufschließung der Formen (feth-i suver),die wir - in verschiedenen Formen - in der Risalet-ün Nur wiederholt und besonders auf der Sechsten und Siebenten Stufe des Ersten Kapitels (bab)der Zweiten Abhandlung (makam)dieser Risale bewiesen und erklärt haben. Deshalb möchten wir dies nun auf sich beruhen lassen und beschränken uns darauf, Folgendes zu sagen:
Botanik und Zoologie weisen auf Grund eingehender Untersuchungen nach, dass die Entfaltung der Arten (feth-i suver)eine so umfangreiche Sachkenntnis und eine derartige Kunstfertigkeit erkennen lässt, dass niemand außer dem allgegenwärtigen Ein-Einzigen (Vahid-i Ahad)vollkommen Allmächtigen (Qadier-i Mutlaq),der alles in allem zu schauen und zu machen weiß, und kein Ding der Urheber einer so vielseitigen und umfassenden Tat sein kann. Denn die Tat einer solchen Entfaltung der Arten (feth-i suver),wie sie sich jederzeit und allerorten vorfindet, verlangt nach einer Weisheit, einer Aufmerksamkeit und nach einer Sachkenntnis (hikmet)in einem so unendlichen Maß innerhalb einer unendlichen Macht (qudret).Eine solch unendliche Macht aber kann sich nur in der Hand einer Persönlichkeit finden, welche den gesamten Kosmos lenkt und leitet.
In der Tat ist z.B. entsprechend dem Erlass (ferman)der berühmten Ayat die Entfaltung so vieler unterschiedlicher menschlicher Formen im Schoß all der vielen Mütter - in einer dreifachen Finsternis - mit einer solchen Ausgewogenheit, Unterschiedlichkeit, Kunstfertigkeit und Ordnung, ohne sich zu irren, etwas falsch zu machen oder zu verwechseln, aus einem einfachen Stoff heraus aufzuschließen
und zu erschaffen und die Tatsache der Entfaltung der Arten (fettahiyet)mit derselben Macht, mit derselben Weisheit, mit derselben Kunstfertigkeit auf dem ganzen Erdenrund, welche das Gesamt aller Menschen, aller Tiere und aller Pflanzen umfasst, der stärkste Beweis für Gottes Allgegenwart (Vahdaniyet).Denn dieses Umfassen (ihata etmek)ist Einheit (Vahdet),lässt keinen Platz für eine Teilhaberschaft. Und die neunzehn Wahrheiten, die im Ersten Kapitel die Existenz Gottes mit Notwendigkeit bezeugen (vudjub-u vudjud),beweisen durch ihre Existenz die Existenz des Schöpfers. Ebenso bezeugen sie durch ihre Allgemeingültigkeit Gottes Allgegenwart (Vahdet).
Die zweite Wahrheit, welche unser Reisender in der Dritten Wohnstatt geschaut hat, ist die Wahrheit von der Barmherzigkeit Gottes (Rahmaniyet).
Wir sehen nämlich mit unseren eigenen Augen, dass es einen gibt, der das Antlitz der Erde mit Tausenden von Geschenken Seiner Barmherzigkeit (rahmet)erfüllt. Er hat sie zu einem Festplatz gemacht. Und Er hat in Seiner Barmherzigkeit (Rahmaniyet)einen Tisch bereitet, der mit Hunderttausenden verschiedenster wohlschmeckender Speisen gedeckt ist. Und Er hat das Innere der Erde zu einem Lagerhaus Seiner Barmherzigkeit (Rahiemiyet)und Weisheit (Hakiemiyet)gemacht, angefüllt mit Tausenden kostbarer Güter. Und Er belädt für uns die Erde im Jahreskreis mit den lebensnotwendigen Gütern für Mensch und Tier wie ein Handelsschiff oder ein Güterzug aus der unsichtbaren Welt, Jahr für Jahr gefüllt mit Hunderttausenden der verschiedensten schönen Dinge. Und Er schickt uns gleich einem Waggon, beladen mit Nahrung und Kleidung, den Frühling, ernährt uns mit großem Erbarmen (rahiemane).Und um von all diesen Geschenken, diesen Gnadengaben (nimet)Gebrauch machen zu können, hat Er uns Hunderte und Tausende von Geschmacksrichtungen, Bedürfnissen, Gefühlen, Empfindungen und Sinneswahrnehmungen gegeben.
Und Er hat uns in der Tat einen Magen gegeben, der - wie wir im "Vierten Strahl" über die Ayet-i Hasbiye (Sure 3, 173) erklärt und bewiesen haben - an unzähligen Speisen
seinen Geschmack findet.
Und Er hat uns das Gnadengeschenk (nimet)eines solchen Lebens verliehen, dass wir durch die Vermittlung unserer Sinne in dieser großen weiten Welt von so unendlich vielen Wohltaten Gebrauch machen können, als wäre sie ein Tisch, der mit Seinen Wohltaten gedeckt ist.
Und Er hat uns den Vorzug unserer Menschlichkeit in der Weise verliehen, dass wir die zahllosen Geschenke sowohl der materiellen als auch der geistigen Welt mit vielen Hilfsmitteln wie Herz und Verstand genießen können.
Und Er hat uns den Islam in einer Weise vermittelt, das wir aus der unsichtbaren Welt wie auch aus der bezeugten Welt einen grenzenlosen Schatz an Licht empfangen.
Und Er hat uns in der Weise zum Glauben geleitet, dass wir - erleuchtet von den grenzenlosen Lichtern und Geschenken der diesseitigen und jenseitigen Welten - unseren Nutzen empfangen können. Ganz so, als wäre der Kosmos ein Schloss, erbaut von der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet)und verziert mit unendlich vielen wertvollen Dingen von hohem Alter und großer Seltenheit. Und die Schlüssel, um alle diese unendlich vielen Kammern und Truhen in diesem Schloss öffnen zu können, sind in die Hand des Menschen gelegt. Und alle die Bedürfnisse und Empfindungen, Nutzen daraus ziehen zu können, sind in die Natur des Menschen gelegt.
So ist denn diese Erbarmung (rahmet),welche Diesseits und Jenseits und alle Dinge umfasst, mit Sicherheit eine Manifestation essenzieller Einheit (Ahadiyet)innerhalb der göttlichen Allgegenwart (Vahidiyet).
Denn so wie das Sonnenlicht ein Beispiel ist für die göttliche Allgegenwart (Vahidiyet),wenn es alle Dinge umfasst, die in den Bereich seiner Strahlung gelangen, so ist auch sowohl die Strahlung der Sonne als auch ihre Wärme, als auch die Siebenfarbigkeit ihres Lichtes, welches alle glänzenden oder auch durchsichtigen Dinge je nach Fähigkeit zurückwerfen, ein Beispiel für die essenzielle
Einheit Gottes (Ahadiyet).Sicherlich kommt darum der, welcher bemerkt, wie umfangreich diese Einstrahlung ist, zu dem Urteil: "Die Sonne unserer Erde ist überall ein und dieselbe." Und der Mensch, der bezeugt, dass das Licht der Sonne und ihre Wärme von jedem glänzenden Gegenstand, ja von jedem Tropfen zurückgeworfen wird, weiß auch um die essenzielle Einheit (ahadiyet)der Sonne, d.h. die reale (bizzat)Gegenwart der Sonne in ihren Eigenschaften und er sagt: "Sie ist jedem Dinge gegenwärtig und in dem Herzensspiegel eines jeden Dinges anwesend."
Genauso gilt: So wie der Barmherzige (Rahman)in dem weltweiten Erbarmen (rahmet)Seiner Vollkommenheit (Rahman-i Dhu l-Djemal)dem Lichte gleich alle Dinge umfasst und so die Gegenwart des Barmherzigen erkennen lässt, neben dem sich keinesfalls ein Partner findet, so schenkt Er auch jenen Lebensfunken, der sich in jedem Ding befindet, besonders aber in allem, was da lebt und speziell im Menschen hinter dem Schleier Seines allumfassenden Erbarmens. Diese Strahlung der meisten Namen des Barmherzigen und die Art der Manifestation Seines Wesens (dhat)findet jedes einzelne und setzt das ganze All miteinander in Beziehung und ist allen Dingen gemeinsam. Die Allgegenwart des Barmherzigen (Rahmanin Vahidiyet)beweist, dass Er allen Dingen innewohnt und in jedem Dinge alles bewirkt.
Und so wie der Barmherzige (Rahman)durch die Allgegenwart Seines allumfassenden Erbarmens (rahmetin Vahidiyet)in der Tat die Majestät Seiner Glorie (djelalin hashmetin)im ganzen Kosmos und über das Antlitz der Erde hin zeigt, so gilt auch: so wie Er durch die Manifestation Seiner Einheit (Ahadiyet)in allem, was da lebt, besonders aber im Menschen alle Arten Seiner Gnadengaben konzentriert, die Werkzeuge und Organe Seiner Geschöpfe durchdringt und ordnet und so den Kosmos im Ganzen für jedes einzelne unter ihnen zu einer Art Haus gestaltet - ohne ihn dabei zu zerteilen - so erweist Er auch jedem einzelnen unter ihnen die Vollendung (Djemal)Seiner ganz persönlichen Liebe (shefqat).
Im Menschen aber gibt Er in besonders reichem Maße alle Arten seiner Güte zu erkennen.
Und so wie sich überdies z.B. eine Melone in jedem ihrer Kerne zusammengefasst wiederfindet, so ist der Herr (dhat),der diesen Kern gemacht hat, sicherlich auch der, welcher die Melone macht und danach mit der Ihm eigenen Ausgewogenheit Seines Wissens und dem Ihm eigenen Gesetz diesen Kern aus ihr herauszieht, aus ihr heraus komprimiert und ihm seine Gestalt gibt. Und kein Ding außer dem einen und einzigen Meister dieser Melone vermag einen solchen Kern zu machen und ihn zu machen ist unmöglich.
Desgleichen gilt: weil die Manifestation der Barmherzigkeit (rahmaniyet)im Kosmos einem Baum oder einem Garten, auf Erden einer Frucht oder einer Melone, im Leben und im Menschen einem Samenkorn gleicht, muss der Schöpfer und Herr auch des kleinsten Bausteins alles Lebendigen sicherlich auch der Schöpfer der gesamten Erde und des Weltalls sein.
Wir fassen zusammen:
So wie Gott, durch die Tatsache, dass Er alle Dinge umfasst (ihat) und aller Dinge Anfang (Fettahiyet)ist und alles Sein aus einfachen Stoffen in schönster Ordnung gestaltet und entfaltet und so offensichtlich Seine Allgegenwart (vahdet)beweist, so zeigt Er auch, durch die Tatsache, dass Er alle Dinge in Seiner Barmherzigkeit (rahmaniyet)umfasst (ihat) und alles, was ins Dasein gelangt und alles Lebendige, was ins irdische Leben eintritt und besonders die Neuankömmlinge mit vollkommener Ordnung umsorgt, ihnen alles Notwendige zukommen lässt und keines von ihnen vergisst und jedes einzelne von ihnen mit gleichem Erbarmen (rahmet)jederzeit und jedenorts zu erreichen vermag, ganz offensichtlich sowohl Seine Allgegenwart (vahdet)als auch Seine Einheit (Ahadiyet)innerhalb Seiner Allgegenwart (vahdet).
Da aber die Risale-i Nur nun einmal eine Offenbarung (madhhar)des göttlichen Namens "der Weise (Hakiem)"und Seines Namens
"der Barmherzige (Rahiem)"ist und auch an vielen Stellen der Risale-i Nur die einzelnen Punkte und Aspekte dieser Tatsache Seiner Barmherzigkeit (haqiqat-i rahmet)aufgezeigt und bewiesen worden sind, wollen wir hier nur mit einem Tropfen auf dieses Meer hinweisen und fassen deshalb diese ganze lange Geschichte kurz zusammen.
Dritte Wahrheit, die unser Reisender in der Dritten Wohnstatt beobachtet hat: die Wahrheit von der Lenkung (Mudebbiriyet)und Leitung (idare).
D.h. die Tatsache, dass diese so Furcht erregenden, schnell dahin eilenden Himmelskörper, diese so zerstörerischen und aggressiven Elemente, diese so bedürftigen und schwachen Geschöpfe der Erde mit vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit gelenkt (idare),füreinander hilfreich gestaltet, im Einklang miteinander geleitet (idare ve tedbir)werden, wodurch diese ganze große Welt in ein vollkommenes Königreich, eine kaiserliche Stadt, ein Juwel von einem Schloss verwandelt wird.
Doch wollen wir hier nun diesen ganzen riesigen Verwaltungsbereich (idare)voll königlicher Majestät und Barmherzigkeit (djebbarane ve rahmanane)verlassen und nur eine Seite, ein einziges Kapitel dieser Verwaltung (idare),wie sie sich im Frühling auf Erden ereignet, an einem Beispiel in kurzer Form darstellen, da wir ja (diese Wahrheit) schon in der Risale-i Nur, wie z.B. in einer so bedeutenden Risala wie dem Zehnten Wort, erklärt und bewiesen haben. Es ist dies wie folgt:
Nehmen wir z.B. einmal an (mesela ve farada):Da ist ein wundersamer Welteroberer. Der stellt aus vierhunderttausend grundverschiedenen Völkerstämmen und Nationen ein Heer auf. Dabei erhalten die Soldaten jeder Nation und jeden Stammes sowohl ihre typische Kleidung als auch eigene Waffen und gesonderte Verpflegung; sie werden unabhängig voneinander eingestellt oder entlassen und versehen getrennt voneinander ihren Dienst. Sie erhalten auch verschiedenes Gerät. Und all dies geschieht, ohne dass dabei jemals ein Fehler unterläuft, eine Panne passiert, ein Irrtum auftritt, zur rechten Zeit, ohne eine Verspätung oder Verwechslung, auf wunderbare Art, in vollkommener Weise.
Sicherlich wird sich hier über die außergewöhnliche Macht dieses wundersamen Kommandanten hinaus keine "Ursache" in diese außerordentlich weitläufige, vielfältige, differenzierte, wohlausgewogene, verschiedenartige und gerechte Verwaltung (adaletli idare)einmischen. Würde sich eine solche Hand danach ausstrecken, würde sie das Gleichgewicht zerstören und nur Verwirrung anrichten.
Desgleichen gilt: Mit unseren eigenen Augen können wir sehen, wie in jedem Frühling eine unsichtbare Hand ein prächtiges Heer aufstellt, das aus vierhunderttausend verschiedenen Arten gebildet (idjad)ist, und es befehligt (idare).In den Herbsttagen, die dem Jüngsten Tag gleich sind, werden dann dreihunderttausend von vierhunderttausend Pflanzen- und Tierarten im Gewande des Zerfalls und im Namen des Todes aus ihren Aufgaben entlassen und in den Urlaub geschickt.
Zur Frühlingszeit, die der Auferstehung und Wiederversammlung gleicht, erstellt (Allah)innerhalb weniger Wochen in vollkommener Ordnung dreihunderttausend Beispiele jener gewaltigen Wiederauferstehung. Ja, sogar jeder einzelne Baum zeigt uns vier kleine Wiederversammlungen, nämlich seine eigene (Wiederbelebung) und (das Neu-Erstehen) seiner Blätter, Blüten und Früchte, genauso wie er dies auch im vorausgegangenen Frühling vor unseren Augen getan hat. In diesem Heere des Hochgelobten (Subhan),das bis zu vierhunderttausend Arten erreichen kann, erhält jede Art, jede Gattung ihre eigene für sie bestimmte ganz besondere Nahrung (mahsus ve munasib rizq),eigene ganz verschiedene Waffen zu ihrer Verteidigung, eine völlig unterschiedliche Kleidung. Sie alle werden unabhängig voneinander eingestellt und wieder entlassen. Er stattet sie alle mit völlig verschiedenen Waffen und Geräten aus. Und all dies geschieht in vollkommener Ordnung, ohne dass dabei ein Fehler unterläuft, eine Panne passiert, ein Irrtum auftritt und ohne dass dabei irgendeine Verwechslung vorkommt oder etwas vergessen wird, zu genau richtiger
Zeit und wie von unsichtbarer Hand. Das alles beweist die Allgegenwart (Vahdaniyet),Einheit (Ahadiyet)und Einzigartigkeit (Ferdiyet),die unbegrenzten Fähigkeiten (iktidar)und das grenzenlose Erbarmen (rahmet)innerhalb einer vollkommenen Herrschaft (kemal-i Rububiyet),Souveränität (hâkimiyet)und Weisheit (hikmet),in welcher der Erlass der göttlichen Einheit (Tauhid)wie mit dem Stift der göttlichen Vorherbestimmung (Qader)auf der Seite eines jeden Frühlings über das Antlitz der Erde schreibt.
Nachdem unser Reisender auch nur eine Seite aus dem Erlass eines einzigen Frühlings gelesen hatte, sprach er zu seiner Seele (nefs):
Wenn jemand auch jetzt, nachdem im Frühling Tausende Male eine Wiederversammlung stattgefunden hat, die noch wunderbarer ist als die große Wiederversammlung, da um zu belohnen und zu bestrafen einer, der so mächtig ist, dass er die Wiederversammlung im Verhältnis zum Frühling noch leichter zu Stande bringen und den Jüngsten Tag heraufführen wird, was Er auch durch alle Seine Propheten Tausende Male gelobt und geschworen hat, dieses Ereignis der Wiederversammlung, auf das Er auch im Qur'an Tausende Male hingewiesen und in Tausenden Ayat eindeutig festgelegt, versprochen und davor gewarnt hat, noch immer alle die vielen Versprechungen des allgewaltig Mächtigen (Qadier-i Djebbar),des Unüberwindlichen in all Seiner Majestät (Qahhar-i Dhu l-Djelal)bestreitet, Seine Macht leugnet und in den Fehler einer Leugnung der Wiederversammlung verfällt, so ist die Höllenstrafe für ihn nur die reine Gerechtigkeit (adalet).
Und auch seine Seele sagte: "Wir glauben (Amenna)."
Vierte Wahrheit, die unser Reisender in der Dritten Wohnstatt beobachtet hat (dies ist die Dreiunddreißigste Stufe):die Wahrheit von der Barmherzigkeit und der Versorgung (Rahiemiyet ve Rezzaqiyet).
Dies bedeutet: Auf der ganzen Welt, in der Erde, in der Luft und im Meer versorgt Er alles, was da lebt, besonders die mit Verstand begabten Lebewesen, besonders die schwachen und hilflosen (adjiz ve da'ifler)und besonders die,
welche noch jung und noch klein sind mit Nahrung und Kleidung für Leib und Seele, die Er aus der nackten Erde oder aus knochentrockenem Holz wachsen lässt und vor allem mit vielen tausend Pfund allerfeinster Nahrung, die Er inmitten zwischen Blut und Urin oder aus einigen Gramm knochenähnlicher Kerne bereitet. Dies ist die Wahrheit, wie uns vor unseren Augen von unsichtbarer Hand zur rechten Zeit und in schönster Ordnung beschert wird, ohne dass Er dabei etwas vergisst oder verwechselt.
إِنَّ اللهَ هُوَ الرَّزَّاقُ ذُو الْقُوَّةِ الْمَتِينُ
{"Fürwahr, Allah ist es, der Versorger ist und ein Herr in zuverlässiger Macht." (Sure 52, 58)}
Diese Ayah bringt mit Sicherheit zum Ausdruck, dass allein Gott der Gerechte unser Ernährer ist und Ihm allein unsere Versorgung zukommt.
وَمَا مِنْ دَآبَّةٍ فِى الْاَرْضِ اِلاَّ عَلَى اللّٰهِ رِزْقُهَا وَيَعْلَمُ مُسْتَقَرَّهَا وَمُسْتَوْدَعَهَا كُلٌّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ
{"Und es gibt nichts was sich bewegt auf Erden, was nicht seine Versorgung hätte bei Allah. Er kennt seinen Aufenthaltsort und seinen Rastplatz. All (dies steht) in einem offenen Buch." (Sure 11,6)}
Auch dieser Ayah entsprechend ist die Versorgung (rizq)aller Menschen und Tiere einem Versprechen des Herrn unterstellt und durch Ihn verbürgt.
وَكَأَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَ تَحْمِلُ رِزْقَهَآ اَللّٰهُ يَرْزُقُهَا وَإِيَّاكُمْ وَهُوَ السَّمِيعُ الْعَلِيمُ
{"Ja, wie viele unter (all) denen, die sich bewegen (auf Erden), tragen nicht (selbst Sorge für) ihren (Lebens)unterhalt? Allah versorgt sie und auch Euch. Und Er ist der Allhörende und Allwissende." (Sure 29, 60)}
Auch diese Ayah beweist und erklärt, dass die Versorgung (rizq)
der Hilflosen (adjiz)und Schwachen (da'if),die unfähig (iktidarsiz)sind, keine Möglichkeit haben, sich selbst zu versorgen, ganz offensichtlich von dort kommt, von wo sie es nicht erwarten, gleichsam aus dem Verborgenen, ja wie aus dem Nichts. So erhalten sie z.B., die Schalentiere in der Tiefe des Meeres, wie aus dem Nichts und Jungtiere, ohne dass sie es wüssten woher. Und alle Tiere erhalten in dem Frühling ihre Nahrung durch eine Bürgschaft der Tat. Auch für diejenigen Menschen, welche die "Ursachen" anbeten, ist Er es, der sie ihnen hinter dem Schleier der Ursachen reicht. Und so wie diese Ayat, zeigen auch noch viele andere Ayat im Qur'an und zahllose Tatsachen in der Natur (shevahid-i kauniye)übereinstimmend, dass alle Lebewesen aus der Barmherzigkeit (rahiemiyet)eines einzigen Ernährers in Seiner Majestät (Rezzaq-i Dhu l-Djelal)ernährt werden.
In der Tat besitzen die Bäume, die sich ihre eigene Art der Versorgung wünschen, weder Verstand (iktidarsiz)noch freien Willen (ihtiyarsiz).Also verharren sie vertrauensvoll (mutevekkilan)an ihren Plätzen und ihre Ernährung (rizq)kommt eilends ihnen zugelaufen. Auch der Unterhalt der hilflosen (adjiz)Jungtiere strömt in Staunen erregender Weise aus den kleinen Zitzen in ihre Mäuler. Sobald aber die Jungtiere ein ganz klein wenig zu Verstand (iktidar)gekommen sind und schon ein Stück weit eigenen Willen (ihtiyar)besitzen, versiegt die Milch. Insbesondere die kleinen Menschenkinder erhalten in der Mutterliebe (shefqat)eine Hilfe. Dies alles beweist ganz offensichtlich, dass erlaubte (helal)Nahrung nicht dem Können (iktidar)und Wollen (ihtiyar)proportional ist, sondern vielmehr entsprechend der Schwäche und Hilflosigkeit (da'if ve adjz)kommt, die (sich auf Gott verlässt und Ihm)vertraut (tevekkul).
Meistens wird die Gier (hirs),welche die Ursache des Mangels (sebeb-i khusran)ist, durch das Wollen (ihtiyar),durch das Können (iktidar)und durch die Klugheit (zekavet)mancher Schriftsteller erregt, welche die Schriftsteller bis zu einer Art von Bettelei führte, während ganz ungebildete Leute (zekavetsiz)in ihrer Unfähigkeit (iktidarsiz)durch ihr völliges Gottvertrauen (tevekkul)zu Reichtum gelangen. Auch das Sprichwort:
كَمْ عَالِمٍ عَالِمٍ أَعْيَتْ مَذَاهِبُهُ وَجَاهِلٍ جَاهِلٍ تَلْقَاهُ مَرْزُوقًا
{"Wie viele Gelehrte haben sich in all ihrem Wissen umsonst bemüht und wie viele Toren haben in all ihrer Unwissenheit ihren Unterhalt bekommen?"}
beweist, dass die rechte Versorgung (rizq-i helal)nicht kraft Könnens (iktidar)und Wollens (ihtiyar)erworben wird. Nein, nicht dadurch findet man sie, sondern nur von Seiten jener Barmherzigkeit (merhamet),die Mühe und Arbeit anzuerkennen weiß. Sie ist ein Geschenk dessen, der sich unserer Hilfsbedürftigkeit erbarmt (shefqat).
Es gibt zwei Arten von Versorgungsgütern (rizq):
Erstens:
Die natürlichen Grundnahrungs- und Lebensmittel (haqiqi ve fitri rizq),für die es vom Herrn eine Bürgschaft gibt. Die Versorgung mit diesen ist dermaßen gut geregelt, dass der Körper mit den in Form von Fett und dergleichen eingelagerten natürlichen Vorräten auch dann, wenn es nichts mehr gibt, noch mehr als zwanzig Tage ohne zu essen weiterleben, seine Existenz aufrechterhalten kann. Wenn also jemand noch vor Ablauf dieser zwanzig, dreißig Tage scheinbar Hungers stirbt, ohne dass die im Körper eingelagerten Vorräte schon verbraucht wären, so ist dies nicht die Folge eines Mangels an Nahrung, vielmehr stirbt er infolge einer Krankheit, die er sich durch Unvorsichtigkeit zugezogen hat, oder aber durch die Aufgabe seiner Gewohnheiten (terk-i adet).
Die zweite Art von Versorgungsgütern:
Durch Gewohnheit, Verschwendung und Missbrauch zur Sucht gewordene Genussmittel und Luxusgüter, die künstlich erzeugt werden und deren Notwendigkeit nur in der Einbildung besteht. Für diese Güter gibt es keine Bürgschaft von dem Herrn. Er gibt sie manchmal in Seiner Güte und manchmal gibt Er sie nicht.
Was diese zweite Art der Versorgungsgüter betrifft, so ist glücklich der, welcher sich in Bescheidenheit (kanaat)und Sparsamkeit (iktisad),der Quelle von Glück und Zufriedenheit, seinen Lebensunterhalt in rechter
Weise (helal)erwirbt und darin eine Art der Anbetung (ibadet)und einen Werkgottesdienst (fiil dua)erblickt, Gottes Güte in Achtung und Dankbarkeit annimmt und so ein glückliches Leben führt. Unglückselig aber der, welcher in Verschwendung und Gier, der Quelle von Unglück, Mangel und Qual, vom rechten (helal)Lebenserwerb abkommt, an jede Türe klopft, sein Leben faul und ungerecht mit Klagen verbringt und seine Zeit totschlägt.
Und so wie der Magen nach Nahrung verlangt, genauso verlangen auch Herz, Geist, Verstand, Auge, Ohr und Zunge usw., alle die Sinne und Organe des Menschen danach, von dem barmherzigen Versorger (Rezzaq-i Rahiem)ihren Unterhalt und erhalten ihn in Dankbarkeit. Jedem einzelnen von ihnen wird seine ganz besondere, nur ihm eigene Form der Nahrung geschenkt (ihsan),wie sie ihm gefällt und ihn befriedigt. Ja, der barmherzige Versorger (Rezzaq-i Rahiem)hat jeden einzelnen dieser hochempfindlichen Rezeptoren wie Auge und Ohr, Herz, Sinn (hayal)und Verstand als Schlüssel zur Schatzkammer Seiner Barmherzigkeit erschaffen, um (dem Menschen) seine Versorgung noch reichlicher schenken zu können. So gleicht z.B. das Auge einem Schlüssel zu den Schatzkammern so kostbarer Juwelen, wie sie sich so schön (hüsün)und vollkommen (djemal)auch auf dem Antlitz der Schöpfung zeigen. Das gleiche gilt auch für all die anderen Schlüssel zur Welt, von denen wir im Glauben Gebrauch machen.
Der allmächtige Weise (Dhat-i Qadier-i Hakiem),der dieses Weltall gemacht hat, hat - so wie Er das Leben als einen kompletten Extrakt aus dem Kosmos erschaffen und all Seine Absichten und die Erscheinungen all Seiner Namen darin konzentriert hat - in gleicher Weise auch in der Welt alles Lebendigen den Lebensunterhalt zum gemeinsamen Mittelpunkt allen Geschehens gemacht und in die Lebewesen das Bedürfnis nach Nahrung und die Freude am Essen hineingelegt und so als das bedeutendste Ziel und die höchste Wahrheit des Alls die immerwährende Dankbarkeit für Seine Liebe und eine beständige Anerkennung und Verehrung
Seiner (göttlichen) Herrschaft (rububiyet)zur Antwort gegeben.
Zum Beispiel: Dieses ganze große Reich des Herrn in all seiner Größe, in allen vier Winden, und besonders die Himmel mit Engeln und Geistern und die unsichtbare Welt mit Seelen zu bevölkern, desgleichen auch diese unsere irdische Welt, besonders aber Luft und Erde, jederzeit überall mit Wesen zu bevölkern und zu beleben, die auf Reize reagieren (ziruh),besonders aber mit Vögeln und Insekten, die Menschen und die Tiere auf Nahrungssuche zu treiben, weil der Nahrungstrieb und die Lust am guten Essen sie in Bewegung versetzt, sie hin und her treibt und sie so vor Faulheit und Müßiggang zu bewahren, dies ist eine Weisheit der Taten des Herrn. Gäbe es nicht so bedeutende Weisheiten wie diese Weisheit, müsste Er auch zu den Tieren - gleich wie zu den Bäumen ihre Nahrung (mit dem Wasser) gelaufen kommt - den ihnen bestimmten Anteil zur Befriedigung ihrer natürlichen (fitri)Bedürfnisse laufen lassen, ohne dass diese sich dabei anstrengen müssten.
Gäbe es, die Schönheit (djemal)des Namens "Erbarmer (Rahiem)"und "Versorger (Rezzaq)"vollständig zu schauen und Seine Allgegenwart (Vahdaniyet)zu bezeugen, ein Auge, welches das ganze Erdenrund in einem einzigen Augenblick zu umfassen und zu betrachten vermöchte, dann könnte es sehen, wie der barmherzige Versorger (Rezzaq-i Rahiem)gegen Ende des Winters, wenn die Nahrung für die (verschiedenen) Tiergattungen knapp zu werden beginnt, als unsichtbare Hilfe und Gnadenerweis des Barmherzigen (ihsan-i Rahman)ganz besonders schmackhafte, besonders viele und ganz unterschiedliche Speisen und Gnadengaben (ni'met)sendet, die einzig aus der Schatzkammer Seiner Barmherzigkeit kommen, sie in die Hände der Pflanzen legt, sie an die Spitzen der Bäume hängt und in den Eutern der Muttertiere bereitet; könnte sehen, welch liebevolle Schönheit sich in Seiner Zärtlichkeit (shefqat)offenbart und welch vollkommene Schönheit (tatli bir djemal)darin zum Ausdruck kommt; würde dann erfahren, das derjenige,
der einen einzigen Apfel macht und ihn dem Menschen als ein Geschenk anbietet, das ihm zur Freude und zur Nahrung dient, nur der sein kann, der Herr (dhat)ist über den Wechsel der Jahreszeiten, der Tag und Nacht einander folgen lässt und die Erde mit den Erzeugnissen der Jahreszeiten einem Handelsschiff gleich zu den Gästen fahren lässt, die auf diesem Globus ihrer Versorgung bedürfen. Denn so wie die Erscheinungsform dieses Apfels geprägt ist von dem Stempel der Natur (fitrat)und dem Siegel der Weisheit (hikmet),versehen ist mit einer Plombe der Einzigartigkeit (samediyet),die Prägung Seines Erbarmens (rahmet)trägt und so auch alle Apfel und die übrigen Früchte und alle Pflanzen und Tiere, so kann der wahre Eigentümer und Meister (haqiqi maliki ve sani')dieses einen Apfels sicherlich und in jedem Fall nur der glorreiche Eigentümer (Malik-i Dhu l-Djelal)und vollkommene Schöpfer (Khaliq-i Dhu l-Djemal)all dessen sein, was auf Erden wächst und lebt, all der Ebenbilder, Artgenossen und Brüder dieses Apfels der ganzen, großen und weiten Erde, die der Garten dieses Apfels ist, des Baumes, welcher der Hersteller (also gleichsam eine Apfelfabrik) ist, der Jahreszeit, die seine Werkbank ist und des Frühlings und Sommers, in dem dieser Apfel herangereift ist, und anders ist dies nicht möglich.
Das heißt also, dass jede Frucht ein solches Siegel der göttlichen Gegenwart (vahdet)ist, dass es von dem Meister der Erde verkündet, die gleich einem Baum ist und von dem Schreiber des kosmischen Buches, das wie ein Garten ist (in dem der Baum wächst, an dem die Frucht reift) und Seine Gegenwart (vahdet)bezeigt. Und sie ist ein Hinweis auf den Erlass (ferman)Seiner göttlichen Gegenwart (vahdaniyet),der so viele Siegel trägt, wie es Früchte gibt.
Da sich aber in der Risalet-ün-Nur der Name des Allerbarmers (Rahiem)und der Name des Allweisen (Hakiem)bereits offenbart hat und die Wahrheit von diesem Erbarmen (rahiemiyet)schon in vielen Blitzen und in vielen Geheimnissen bewiesen wurde, wollen wir es auf Grund meines unerfreulichen Zustandes
mit einem kurzen Hinweis auf diese so große Schatzkammer bewenden lassen.
So sagte denn unser Reisender nun: "Elhamdulillah, Dank sei Gott! Ich habe an jedem Ort nach meinem Schöpfer (khaliq)und Herrn (malik)gesucht und jedes Ding nach Ihm befragt. Nun aber habe ich die dreiunddreißig Wahrheiten gesehen und von ihnen vernommen, welche die Notwendigkeit Seiner Existenz (vudjubu vudjud)und Seine Gegenwart (vahdet)bezeugen. Jede einzelne Wahrheit leuchtet wie die Sonne, lässt nichts mehr im Dunkeln. Sie ist stark wie ein Berg und vermag nicht erschüttert zu werden. Und jede einzelne Tatsache, die sich als wahr herausgestellt hat, bezeugt mit unfehlbarer Klarheit Seine Existenz. Und ihre Allgemeingültigkeit ist ein völlig eindeutiger Beweis für Seine Gegenwart (vahdet).Und auch für die übrigen Glaubensgrundsätze findet sich in ihr ein starker Beweis. Fassen wir also das Gesamte aller übereinstimmenden Wahrheiten zusammen, so schreitet unser Glaube von einer bloßen Nachahmung (imani taqlid)zu einem begründeten und wohlverstandenen, von einem wohlverstandenen zu einem wissenschaftlich ergründeten und erforschten, von einem erforschten und begründeten zu einem augenscheinlich wahrgenommenen und offensichtlichen und von einem offenbaren und augenfälligen zu einem wahrhaftigen, durch Tatsachen bestätigten Glauben voran.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Dank sei Gott, dies ist eine Gnadengabe (fadl) meines Herrn!"}
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى هَدٰينَا لِهٰذَا وَمَا كُنَّا لِنَهْتَدِىَ لَوْلآَ أَنْ هَدٰينَا اللّٰهُ لَقَدْ جَآءَتْ رُسُلُ رَبِّنَا بِالْحَقِّ
{"Lobpreis und Dank sei Allah, der uns bis hierher geführt hat. Und wlr wären nicht bis hierher gelangt, wenn Allah uns nicht geführt hätte. Fürwahr, die Propheten des Herrn sind zu uns gekommen mit der Wahrheit." (Sure 7, 43)}
Entsprechend wurde als ein sehr kurzer Hinweis auf das Licht (envar)des Glaubens, das unser Reisender mit so hohem Interesse gesucht und aus den vier gewaltigen Wahrheiten empfangen hatte, welche er in der Dritten Wohnstatt schauen konnte, im Zweiten Kapitel der Zweiten Abhandlung (makam)Folgendes über die Wahrheiten dieser Dritten Wohnstatt gesagt:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ الْوَاحِدُ الْاَحَدُ الَّذِى دَلَّ عَلٰى وَحْدَتِهِ فِى وُجُوبِ وُجُودِهِ مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الْفَتَّاحِيَّةِ بِفَتْحِ الصُّوَرِ ِلأَرْبَعِ مِاٰئَةِ أَلْفِ نَوْعٍ مِنْ ذَوِى الْحَيَاةِ الْمُكَمَّلَةِ بِلاَ قُصُورٍ بِشَهَادَةِ فَنِّ النَّبَاتِ وَ الْحَيَوَانِ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الرَّحْمَانِيَّةِ الْوَاسِعَةِ الْمُنْتَظَمَةِ بِلاَ نُقْصَانٍ بِالْمُشَاهَدَةِ وَ الْعَيَانِ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ حَقِيقَةِ الْاِدَارَةِ الْمُحِيطَةِ لِجَمِيعِ ذَوِى الْحَيَاةِ وَ الْمُنْتَظَمَةِ بِلاَ خَطَأٍ وَ لاَ نُقْصَانٍ. وَ كَذَا مُشَاهَدَةُ عَظَمَةِ اِحَاطَةِ حَقِيقَةِ الرَّحِيمِيَّةِ وَ الْاِعَاشَةِ الشَّامِلَةِ لِكُلِّ الْمُرْتَزِقِينَ الْمُقَنَّنَةِ فِى كُلِّ وَقْتِ الْحَاجَةِ بِلاَسَهْوٍ وَ لاَ نِسْيَانٍ جَلَّ جَلاَلُ رَزَّاقِهَا الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ الْحَنَّانِ الْمَنَّانِ وَ عَمَّ نَوَالُهُ وَ شَمِلَ اِحْسَانُهُ وَ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
يَارَبِّ! بِحَقِّ بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ يَا اَللّٰهُ يَا رَحْمٰنُ يَا رَحِيمُ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلٰى اٰلِهِ وَ اَصْحَابِهِ اَجْمَعِينَ بِعَدَدِ جَمِيعِ حُرُوفِ رَسَآئِلِ النُّورِ الْمَضْرُوبَةِ تِلْكَ الْحُرُوفُ فِى عَاشِرَاتِ دَقَآئِقِ جَمِيعِ عُمْرِنَا فِى الدُّنْيَا وَالْاٰخِرَةِ مَعَ ضَرْبِ مَجْمُوعِهَا فِى ذَرَّاتِ وُجُودِى فِى مُدَّةِ حَيَاتِى وَ اغْفِرْ لِى وَ لِمَنْ يُعِينُنِى فِى نَشْرِ رَسَآئِلِ النُّورِ وَ كِتَابَتِهَا بِصَدَاقَةٍ بِكُلِّ صَلاَةٍ مِنْهَا وَ لِاٰبَآئِنَا وَ لِسَادَاتِنَا وَ شُيُوخِنَا وَ لِاَخَوَاتِنَا وَ اِخْوَانِنَا وَ لِطَلَبَةِ رِسَالَةِ النُّورِ الصَّادِقِينَ وَ بِالْخَاصَّةِ لِمَنْ يَكْتُبُ وَ يَسْتَنْسِخُ هٰذِهِ الرِّسَالَةَ بِرَحْمَتِكَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ اٰمِينَ ٭ وَ اٰخِرُ دَعْوَاهُمْ أَنِ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
Hinweis
In der Umgebung des Landes, in dem diese Abhandlung entstanden ist, finden sich keine weiteren Abhandlungen aus der Risale-i Nur. Weil diese Abhandlung aber verfasst wurde, ohne dass ich es beabsichtigt hätte, werden darin einige kurze, aber bedeutende Fragestellungen aus anderen Abhandlungen in den "Worten" (Sözler)und "Blitzen" (Lem'alar)noch einmal erwähnt, was äußerlich wie eine Wiederholung erscheint. Jede einzelne von ihnen sollte den hiesigen Schülern einer kleinen Risalet-ün-Nur gleich sein und kam deshalb in dieser Weise zur Niederschrift.
Von diesem Manuskript die erste Abschrift wurde von einem gewissen begnadeten Schreiber abgefasst. Dieser Mann hatte von Entsprechungen (tevafuq)keine Ahnung. In seiner Abschrift haben wir aber eine so feinsinnige und bedeutsame Entsprechung gesehen, dass sie uns wert erscheint, hier erwähnt zu werden. Wir zählten am Zeilenanfang dieser Niederschrift 666 Mal den Buchstaben "Elif".Diese Tatsache (hal)aber entspricht voll und ganz dem Wert (makam) der von Hazret-i Imam-i Ali (RA) so genannten Ayet-ül Kübra,nach der gerade diese Risala benannt wurde und der nach Djifr- und Ebdjed-Rechnung mit genau dieser Zahl 666 übereinstimmt, was zeigt, dass diese Risala auch dieses Namens würdig ist. Daraus haben wir verstanden, dass auch die Zahl der Ayat im Qur'an mit 6666, also einer vierstelligen Zahl, auf die Übereinstimmung mit jener dreistelligen Zahl hinweist, die uns aus dieser Risala wie ein Blitzstrahl entgegenleuchtet.
Said Nursi
Dieser Tage vernahm ich im Lauschen meines Herzens den folgenden Frage- und Antwortwechsel. Daraus möchte ich euch hier eine Zusammenfassung geben:
Da sagte jemand:
"Die allseitigen Vorbereitungen (tahshidat)der Risale-i Nur und ihr umfassender Einsatz aller Kräfte für Glaube (iman)und Einheit (tauhid)werden noch ständig verstärkt. Doch selbst den hartnäckigsten Atheisten zum Schweigen zu bringen, würde schon ein Hundertstel genügen. Warum aber sucht sie dann noch so fieberhaft nach immer neuen Beweisgründen (tahshidat)?"
Man gab ihm zur Antwort:
"Die Risale-i Nur bessert nicht nur kleinere Schäden wieder aus, sie setzt keine Hütte wieder in Stand, sondern wirkt einer umfangreichen Zerstörung an einer weitläufigen Burg entgegen, die den Islam umfasst und deren Steine groß wie die Berge sind. Sie bemüht sich nicht nur darum, das Herz eines einzigen Menschen und sein persönliches Gewissen zu heilen, sondern das Herz des (islamischen) Volkes und das Denken der Allgemeinheit, dem durch die Verderben bringenden Mittel und Geräte, die schon tausend Jahre lang vorbereitet und angesammelt worden sind, so fürchterliche Wunden geschlagen wurden und das Gewissen der Allgemeinheit (= Muslime), das durch den Zusammenbruch der islamischen Grundsätze, Bewegungen und Kennzeichen (Sheair),welche ein Zufluchtsort der (islamischen) Gemeinschaft im Allgemeinen und der einfachen Gläubigen im Besonderen war, allmählich verdorben worden ist, durch das Wunder des Qur'an und seine tiefen Wunden mit den Mitteln und Möglichkeiten des Qur'an und des Glaubens zu heilen. Gegen solche allgemeine fürchterliche Zerstörung, gegen solche Verwundungen und Verletzungen ist es sicherlich notwendig, Zeugnisse von unumstößlicher Wahrhaftigkeit und Beweismittel so stark wie die Berge zu finden, erprobte Heilmittel in der Wirksamkeit
von tausend Gegengiften und zahllose Medikamente. Diese Aufgabe erfüllt die Risale-i Nur, entstanden in unserer Zeit, inspiriert durch ein Wunder, welches Wunder die Verkündigung des Qur'an ist, und die ein Fahrzeug ist des Fortschritts und der Entwicklung auf den Stufen des Glaubens." Dies ist der Sinn eines langen Gesprächsablaufes, den ich zur Gänze mit angehört habe. Er erfüllte mich mit grenzenloser Dankbarkeit. Dies ist jedoch hier nur eine kurze Zusammenfassung.
Said Nursi
Neunter Strahl
Erster Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort",
Ein wichtiger Anhang.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ فَسُبْحَانَ اللّٰهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ ٭ وَ لَهُ الْحَمْدُ فِى السَّمٰوَاتِ وَالْأَرْضِ وَ عَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ ٭ يُخْرِجُ الْحَىَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَىِّ وَ يُحْيِى الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَ كَذٰلِكَ تُخْرَجُونَ ٭ وَ مِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَكُمْ مِنْ تُرَابٍ ثُمَّ اِذَآ أَنْتُمْ بَشَرٌ تَنْتَشِرُونَ ٭ وَ مِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَ لَكُمْ مِنْ أَنْفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِتَسْكُنُوٓا إِلَيْهَا وَ جَعَلَ بَيْنَكُمْ مَوَدَّةً وَ رَحْمَةً إِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ ٭ وَ مِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ وَ اخْتِلاَفُ أَلْسِنَتِكُمْ وَ أَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَاتٍ لِلْعَالِمِينَ ٭ وَ مِنْ اٰيَاتِهِ مَنَامُكُمْ بِالَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَ ابْتِغَآؤُكُمْ مِنْ فَضْلِهِٓ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَسْمَعُونَ ٭ وَ مِنْ اٰيَاتِهِ يُرِيكُمُ الْبَرْقَ خَوْفًا وَ طَمَعًا وَ يُنَزِّلُ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَيُحْيِى بِهِ الْأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ فِى ذٰلِكَ لَاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ ٭ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ اَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَ الْأَرْضُ بِأَمْرِهِ ثُمَّ اِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ الْأَرْضِ اِذَآ أَنْتُمْ تَخْرُجُونَ ٭ وَ لَهُ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَ الْأَرْضِ كُلٌّ لَهُ قَانِتُونَ ٭ وَ هُوَ الَّذِى يَبْدَؤُا الْخَلْقَ ثُمَّ يُعِيدُهُ وَهُوَ أَهْوَنُ عَلَيْهِ ٭ وَ لَهُ الْمَثَلُ الْأَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَ الْأَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Lob, Preis und Dank sei Allah, wenn es für Euch Abendzeit und Morgenzeit geworden ist und Lob Ihm in den Himmeln und auf Erden zur Mittagsstunde und wenn der Tag sich neigt. Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und lässt das Tote entstehen aus dem Lebendigen. Er schenkt der Erde wieder das Leben nach ihrem Tode und so werdet auch Ihr wieder hervorgerufen werden. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch aus dem Staube erschaffen hat. Siehe da wurdet Ihr zu Menschen, die sich ausbreiteten! Und zu Seinen Zeichen (ayat) gehört es, dass Er für Euch Gefährten erschaffen hat aus Euch selbst, dass Ihr ihnen beiwohnet. Und Er hat Liebe und Erbarmen unter Euch gesetzt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die nachdenken. Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit Eurer Zungen (= Sprachen) und (Haut)farben. Wahrlich darin finden sich ja Zeichen für die Wissenden. Und zu Seinen Zeichen gehört Euer Schlaf in der Nacht und am Tage und Euer Trachten nach Seiner Huld (fadl). Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die hören. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch den Blitz zeigt zur Furcht und zur Hoffnung und Wasser herabsendet vom Himmel und damit die Erde vom Tode erweckt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für Leute von Verstand. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu. Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist und alles gehorcht Ihm. Er ist es, der die Schöpfung hervorbringt und sie sodann wieder erneuert, was für Ihn leichter ist. Und bei Ihm ist das höchste Gleichnis in den Himmeln und auf der Erde und Er ist der Mächtige, der Weise." (Sure 30, 17-27)}
In dem nun folgenden "Neunten Strahl" (Shu'a)wird ein besonders wichtiger Punkt dieser großen himmlischen Ayat erklärt, die einen Pol des Glaubens darstellen und eines von den gewaltigen Zeugnissen für die Wiederversammlung erläutern. Es war ein feinsinniges Gnadengeschenk des Herrn, als der Alte Said vor dreißig Jahren sein Werk mit dem Titel "Urteile" (Muhakemat)als Einführung zu seinem Kommentar beendete. Damals schrieb er:
Zweite Abhandlung:
Hier werden zwei Verse über die Wiederversammlung aus dem Qur'an kommentiert und erklärt.
نَخُو بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}
Hier wurde er aber unterbrochen und konnte nicht mehr weiterschreiben. Lobpreis und Dank (shukur ve hamd)sei meinem Barmherzigen Schöpfer (Khaliq-i Rahiem)so viele Male wie es Beweise und Zeichen der Wiederversammlung gibt, dafür dass Er dreißig Jahre später in Seiner Güte (ihsan)den Erfolg gewährt hat. Tatsächlich verlieh Er vor zehn Jahren durch diese eine von den beiden Ayat:
فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللّٰهِ كَيْفَ يُحْيِى الْاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَ هُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht. Für wahr Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}
das Zehnte als dem einen und das Neunundzwanzigste Wort, als einen weiteren glänzenden und sehr starken Beweis und Kommentar zu diesem göttlichen Erlass. Sie haben die Leugner zum Schweigen gebracht. Er hat in dieser Abhandlung (Risale)den Kommentar zu den oben erwähnten großen Versen, die gleich zwei uneinnehmbaren Festungen des Glaubens an die Wiederversammlung sind, neun, zehn Jahre später zum Geschenk gemacht. So besteht also der folgende Neunte Strahl aus "neun erhabenen Stufen", auf die mit den oben erwähnten berühmten Versen hingewiesen wurde und einer bedeutsamen Einführung dazu.
Einführung
Zwei Punkte, mit denen die lebenswichtigen Folgen und sehr viel geistiger Nutzen des Glaubens an die Wiederversammlung zu einem einzigen Ergebnis zusammengefasst, und in denen aufgezeigt wird, in welchem Grade dieser Glaube für das menschliche Leben und besonders für das Gemeinschaftsleben erforderlich, ja, sogar zwingend notwendig ist, und in denen der Glaube an die Wiederversammlung mit einem einzigen universellen bündigen Zeugnis unter vielen Zeugnissen dargestellt, und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht wird, in welchem Grade der Glaube an die Wiederversammlung offensichtlich und ganz ohne allen Zweifel ist.
Erster Punkt:
Für das Dogma (aqida)von der Auferstehung, welches das Grundprinzip des sozialen wie des individuellen Lebens ist und die Grundlage zur Glückseligkeit und zur Vervollkommnung des Menschen, wollen wir hier unter hunderten von Beweisen lediglich vier Beispiele an führen:
Erster Beweis:
Kinder, welche etwa die Hälfte der Menschheit ausmachen, können nur im Gedanken an das Paradies den Tod und die Trennung ertragen, die ihnen Furcht und Schrecken einjagt, sodass sie weinen. Nur so können sie in ihrer Empfindsamkeit und vergleichsweisen Schwäche die geistige Kraft für ihr Dasein aufbringen und bei ihrer so wenig widerstandsfähigen Gemütsverfassung, wo sie doch so leicht zum Weinen neigen, mit der Hoffnung auf das Paradies in Freude leben. Zum Beispiel sagt ein Kind im Gedanken an das Paradies: "Mein kleiner Bruder oder Freund ist gestorben. Nun ist er ein Vogel im Paradies geworden. Dort hat er es nun gut. Er fliegt im Paradies umher und lebt jetzt noch schöner als wir."
Wäre das nicht so, fielen diesen hilflosen, schwachen und ängstlichen Kindern die Toten ins Auge, Große und auch Kleine in ihrem Alter, die immer und überall ringsum sie gestorben sind, vernichteten ganz und gar die Kraft ihres Widerstandes und die Stärke ihrer Seele, brächten nicht nur ihre Augen, nein, Herz, Sinn und Verstand, ihr ganzes Gemüt zum Weinen, zerstörten es gar, und die Kinder würden so verstörten, unglückseligen Tieren gleich.
Zweiter Beweis:
Die Alten aber, welche die andere Hälfte der Menschheit ausmachen, können sich nur mit dem Jenseits über die Nähe ihres Grabes hinwegtrösten. Nur so können sie sich in Anbetracht ihres eigenen Lebens im Besonderen, mit dem sie eng verbunden sind, und das doch so bald erlöschen wird, und das in Anbetracht dieses schönen Lebens allgemein, zu dem sich so bald die Türe schließen wird, noch weiter aufrecht erhalten. In ihrem Geist und Gemüt, das dem der Kinder ähnelt, können sie dem Schmerz und der Hoffnungslosigkeit, die aus dem Tod und Verfall erwächst, nur die Hoffnung auf ein bleibendes Leben entgegensetzen. Sonst würden alle diese sorgenvollen Väter und Mütter, würdig der Liebe (shefqat)und Verehrung, und bedürftig der Ruhe (rahat)für ihre Seelen und des Friedens (istirahat)für ihre Herzen, ein solches Weh des Geistes und eine derartige Verwirrung des Herzens erleiden, dass ihnen die Welt wie ein finsterer Kerker und das Leben einer peinvollen Strafe gleich wäre.
Dritter Beweis:
Die jungen Leute, welche die Ausgangsbasis des menschlichen Gesellschaftslebens bilden, diese Jugendlichen in ihrer doch so heißblütigen Art, im Überschwang (ifrat)ihrer Gefühle und Leidenschaften, können sich nicht anders vor Ausschreitungen, Gewalttätigkeiten und Zerstörung zurückhalten und einen angenehmen Ablauf des gesellschaftlichen Lebens sicherstellen als nur in dem Gedanken an die Hölle. Anderenfalls, wenn die Furcht vor der Hölle nicht wäre, würden diese jungen Menschen in ihrem Rausch nach dem Motto:
اَلْحُكْمُ لِلْغَا لِبِ {"Das Recht ist auf Seiten des Stärkeren"} den Hilflosen, Schwachen und Armen je nach Lust und Laune das Leben zur Hölle machen, und die hohe Menschlichkeit in eine ganz gemeine Bestialität umwandeln.
Vierter Beweis:
Im irdischen Leben des Menschengeschlechtes ist der universale Mittelpunkt, der Lebensnerv, ein Paradies irdischer Glückseligkeit, ein Zufluchtsort und eine Burg das Familienleben, das Zuhause ist für jedermann seine kleine Welt. Was aber in dieses Zuhause und sein Familienleben Leben und Glück hineinbringt, ist nur in inniger, ernster und treuer Verehrung (hurmet),in aufrechtem (haqiqi),liebevollem (shefqatli)und opferbereitem Mitleid (fedakarane merhamet)möglich, und diese wahrhaftige Verehrung (haqiqi hurmet),das herzliche Erbarmen (merhamet)kann nur in dem Gedanken und auf dem Glaubensgrundsatz einer ewigen (daimi)Freundschaft und einer ewigen (sermedi)Partnerschaft und einem immerwährenden (hadsiz)Beieinandersein möglich sein in der Idee, sich für eine grenzenlose Zeit und ein unbegrenztes Leben in väterlicher, kindlicher, brüderlicher und freundschaftlicher Verbundenheit zusammenzufinden. So sagt ein Mensch zum Beispiel:
"Diese meine Frau wird in einer ewigen (ebedi)Welt, einem ewigen (ebedi)Leben meine immerwährende (daimi)Gefährtin (refiqa)sein. Es macht nichts, wenn sie jetzt alt und hässlich geworden ist. Denn ihr ist eine ewige (ebedi)Schönheit zu Eigen, die wiederkehren wird. Und ich bin dazu bereit, für eine solch immerwährende (daimi)Kameradschaft jedes Opfer zu bringen und ihr Barmherzigkeit (merhamet)zu erweisen."
So kann er seiner altgewordenen Frau mit der gleichen Liebe (muhabbet),Zärtlichkeit (shefqat)und Barmherzigkeit (merhamet)begegnen, wie einer Paradiesesjungfrau (huri).Anderenfalls würde eine Kameradschaft, die nach einem kurzen, ein-, zweistündigen, äußerlichen Beisammensein durch einen Abschied und eine Trennung auf ewig wieder gelöst wird, sicherlich nur eine Art von sehr oberflächlicher und nur vorübergehender emotionaler Bindung ohne jede Wurzel sein, worin Erbarmen (merhamet)nur ein Wort (medjazi)und Ehrerbietung (hurmet)nur gekünstelt bleibt. So wie im Tierreich
würden arteigene Interessen und andere dominierende Eigenschaften über Ehrerbietung und Barmherzigkeit siegen und dieses irdische Paradies in eine Hölle verwandeln.
So betrifft also eine unter hundert Folgen des Glaubens an die Wiederversammlung das gesellschaftliche Leben der Menschen. Und diese eine einzige Folge hat aber hunderte von Möglichkeiten, sie zu betrachten und anzuwenden. Vergleicht man diese vier oben erwähnten Beweise mit den anderen (noch möglichen), dann wird es verständlich, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird, und dies mit der Gewissheit der Existenz der Menschheit und ihrer gemeinsamen Bedürfnisse.
Ja, die Existenz eines Bedürfnisses im menschlichen Magen ist sogar ein offensichtlicher Beweis und ein klares Zeugnis für die Existenz der Nahrung. Ja, sie teilt diese Tatsache sogar noch viel deutlicher mit. Das aber beweist: Nimmt man der Menschheit die Schlussfolgerung, die sich aus der Tatsache der Wiederversammlung ergibt, weg, dann fällt dieses so wichtige, erhabene und lebendige Wesen der Menschheit, seine Seele, auf die Stufe eines Kadavers herab, der als Abfall nur noch den Mikroben dient und ungenießbar (murdar,unrein) ist.
Diejenigen, welche sich so intensiv mit der Regierung, den Sitten und den gesellschaftlichen Beziehungen unter den Menschen beschäftigen, die Politiker, Moralisten und Soziologen sollen einmal die Ohren spitzen! Sollen sie doch endlich einmal sagen, wie sie diese Leere ausfüllen, und womit sie diese tiefe Wunde heilen wollen?
Zweiter Punkt:
Für die Tatsache der Wiederversammlung gibt es zahlreiche Beweise. Wir wollen hier nun einen dieser Beweise in sehr kurzer Form darlegen. Er wurde aus Zeugnissen zusammengestellt, die auf noch anderen Fundamenten des Glaubens beruhen. Es ist dies der folgende:
Alle Wunder, die das Gesandtentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, beweisen, und all die Beweise seines Prophetentums und seiner Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)beweisen und bezeugen zusammen, dass sich die Wiederversammlung tatsächlich bewahrheiten wird. Denn alles, was diese Persönlichkeit lehrte, konzentriert sich zunächst auf die Lehre von der Einheit (Vahdaniyet),danach aber auf die Wiederversammlung. In der Tat bezeugen alle seine Wunder und Beweise, die sämtliche Propheten zu ihrer Bestätigung gewirkt haben, und durch die sie als Propheten bestätigt worden sind, eben diese eine Wahrheit. In gleicher Weise führt وَ بِرُسُلِهِ {"und an Seine Propheten."} das Bekenntnis des Glaubens an die Propheten (von Adam bis Mohammed, mit dem Friede und Segen sei), welches وَ كُتُبِهِ {"und an Seine Schriften."} das Bekenntnis des Glaubens an die heiligen Schriften in seiner Klarheit noch steigert, zum Bekenntnis des Glaubens an eben diese eine Wahrheit. Dies ist wie folgt:
Vor allem führen sämtliche Wunder, Beweise und Tatsachen, welche die Wahrheit des Qur'an (als Gottes Wort), der ja offensichtlich selbst ein Wunder ist, belegen, insgesamt zu dem Bekenntnis des Glaubens, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird. Denn fast ein Drittel des Qur'an handelt von der Wiederversammlung, und die meisten kurzen Suren beginnen mit sehr starken Versen über die Wiederversammlung. Er berichtet in tausenden von Versen ausdrücklich oder inbegriffen von eben dieser einen Wahrheit, beweist sie, weist auf sie hin. Zum Beispiel:
اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ ٭ يَآ أَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمْ اِنَّ زَلْزَلَةَ السَّاعَةِ شَىْءٌ عَظِيمٌ ٭ اِذَا زُلْزِلَتِ الْاَرْضُ زِلْزَالَهَا ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ ٭ اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ ٭ عَمَّ يَتَسَآءَلُونَ ٭ هَلْ أَتٰيكَ حَدِيثُ الْغَاشِيَةِ
{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird..." (Sure 81, 1) "Oh Ihr Menschen, fürchtet Euren Herrn. Siehe, das Beben der 'Stunde' ist ein gewaltig Ding." (Sure 22, 1) "Wenn die Erde gewaltig erbebt..." (Sure 99, 1) "Wenn der Himmel sich spaltet..." (Sure 82, 1) "Wenn der Himmel zerreißt..." (Sure 84, 1) "Wonach fragen sie einander..." (Sure 78, 1) "Ist die Kunde von dem gewaltigen Ereignis zu dir gedrungen?" (Sure 88, 1)}
In dieser oder ähnlicher Weise zeigt der Qur'an am Anfang von dreißig, vierzig Suren mit völliger Gewissheit, dass die Tatsache der Wiederversammlung die bedeutendste Tatsache und die notwendigste (vadjib)in der Schöpfung ist. Und auch noch andere Ayat erklären diese Tatsache mit den verschiedensten Beweisen überzeugend.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Glaube an die Wiederversammlung, der doch aus dem Zeugnis und der Lehre des Buches, das doch mit einem einzigen Zeichen eines einzigen Verses im Bereich der verschiedenen naturwissenschaftlichen und philosophischen islamischen Wissenschaften vor unseren Augen wissenschaftliche Tatsachen sonnenklar als Frucht hervorbringt, nicht wahr sein sollte? Wäre das nicht hundertmal unmöglich und irrig, als wollte man die Existenz der Sonne bestreiten und das Weltall als nichtvorhanden erklären? Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich tausende von Aussagen, Versprechungen und Warnungen eines so ehrenwerten und vertrauenswürdigen Königs (djiddi ve izzetli sultan)als Unwahrheit und Lüge herausstellen sollten, obwohl sich doch zuweilen ein Heer auf einen einzigen Wink seines Königs in Marsch setzt, um zu kämpfen? Ja, wäre es denn für einen Menschen, der in seiner Ignoranz diese Wahrheit nicht annehmen will, obwohl doch dieser ruhmreiche, unsichtbare König, für den ein bloßer Wink genügt,
um eine solche Tatsache zu beweisen, der seit dreizehn Jahrhunderten ununterbrochen über zahllose Geister, Intelligenzen, Herzen und Seelen Seines Reiches in Recht und Gerechtigkeit (haq ve haqiqat)herrscht, sie unterweist und lenkt und leitet, die Tatsache der Wiederversammlung mit tausenden von Erklärungen erläutert und bewiesen hat, nicht notwendig, ihn mit der Hölle zu bestrafen, und wäre das nicht für ihn die wahre Gerechtigkeit?
In dieser oder ähnlicher Weise bestätigen, auch alle die himmlischen Bücher und heiligen Schriften, deren jedes in seinem Zeitalter und in seiner Kulturepoche maßgeblich war, jene Wahrheit von der Wiederversammlung, die der Qur'an, welcher für alle Zukunft und für eine jegliche Kulturepoche maßgeblich ist, ausführlich, mit Erläuterungen und Wiederholungen erklärt. Sie alle nehmen diese Wahrheit ihrem Zeitalter und ihrer Kulturepoche entsprechend als unumstößlich an, erklären sie kurz und bündig, behaupten und beweisen sie nachdrücklich, wenn auch die Bilder dabei manchmal etwas undeutlich bleiben. Sie alle unterstreichen und bestätigen diese Lehre des Qur'an wie mit tausenden von Unterschriften.
Hier noch das Ende eines Bittgebet (Risale-i Munadja'at),in dem dieses Thema behandelt wird:
Es wird darin ein Grundpfeiler des "Glaubens an den Jüngsten Tag" im Zusammenhang mit noch anderen Grundpfeilern des Glaubens, besonders dem, welcher das Bekenntnis des Glaubens (shahada)an die Propheten und die heiligen Bücher betrifft, in Form eines Bittgebetes (munadja'at)als ein kurz und bündig zusammengefasster Beleg für die Wiederversammlung angeführt, der sehr stark ist und jeglichen Zweifel auszuräumen vermag. Es ist dies ein Bittgebet, in dem es folgendermaßen heißt:
Oh mein barmherziger Herr (Rabbi Rahiem)!Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten und belehrt durch den weisen Qur'an, habe ich verstanden: Vor allem der Qur'an und Dein hochehrwürdiger Gesandter, aber auch alle heiligen Bücher und Propheten bezeugen und beweisen
übereinstimmend und weisen darauf hin, dass die Manifestationen Deiner glorreichen und anmutigen (Djelal ve Djemal)Namen, deren Abbilder wir hier in dieser Welt allüberall betrachten können, sich noch glanzvoller in der Ewigkeit der Ewigkeiten fortsetzen werden und dass Deine Gnadengaben (ihsan),deren Manifestationen und Abbildungen in Deiner Barmherzigkeit (rahiemane)dieser Welt zum Zeugnis gegeben werden, noch majestätischer an der Stätte der Glückseligkeit für immer und ewig erscheinen werden, und dass diejenigen, die sie in diesem kurzen irdischen Leben voll Freude und Sehnsucht genossen haben, und die ihnen bis in die Ewigkeit hinüber Begleiter waren, ihnen auch dort noch Begleiter sein werden, wo es keine Trennung gibt.
Zudem verkünden auch, allen voran der hochehrwürdige Gesandte und Dein weiser Qur'an, so dann alle die Propheten erleuchteten Geistes, die Heiligen (auliya),welche die Pole (qutub)aller lichtvollen Herzen, die Getreuen (siddiq),welche die Quelle allen lichten und scharfen Denkens sind, gestützt auf Deine tausenden von Verheißungen und Warnungen, die sich in allen himmlischen Büchern und heiligen Schriften so oft wiederholen, und auch im Vertrauen auf Deine heiligen Namen (she'n)und Eigenschaften (sifat):Allmacht (qudret),Barmherzigkeit (rahmet),Gnade (inayet),Weisheit (hikmet),Majestät (Djelal)und Schönheit (Djemal),welche nach einem Jenseits verlangen, im Vertrauen auf die Würde Deiner Majestät (izzet-i djelal)und das Königreich Deiner Herrschaft (saltanat-i rububiyet),auch bauend auf ihre zahllosen (spirituellen) Entdeckungen (keshfiyat)und Erfahrungen (mushahade),welche sie uns übermitteln gleich Abbildern aus dem Jenseits und Tropfsteinen, (welche, von einer himmlischen Nährlösung gespeist, von dem Boden der diesseitigen Welt empor und von ihrer Decke herabwachsen) und im Vertrauen auf ihre Überzeugungen und ihren Glauben, welcher die Sicherheit der Wissenschaft und persönlicher Wahrnehmung (ilme-l'yaqin ve ayne-l'yaqin)besitzt, (verkünden sie mit einer solchen Sicherheit) den Menschen die ewige
Seligkeit. Sie verkünden und erklären, dass für die Leute des Irrweges (dalalet)die Hölle und für die Leute der Rechtleitung (hidayet)das Paradies da ist. Daran glauben sie fest und bezeugen es...
Oh allmächtiger König! (Ey Qadir-i Hakim!)Oh barmherziger Erbarmer! (Ey Rahman-i Rahim!)Oh Freigiebiger und Getreuer in Deinen Versprechungen! (Ey Sadiqul'Va'di-l'Kerim!)Oh gewaltiger und majestätischer Herr der Ehren, dem keiner zu widerstehen vermag!... (Ey Izzet ve A'zamet ve Djelal sahibi Qahhar-i Dhu-l'Djelal).
Gepriesen bist Du hunderttausendmal, grenzenlos rein und so hoch erhaben darüber, dass Du so viele Deiner treuen Freunde zu Lügnern stempeln solltest!... und dass sich so viele Deiner Versprechungen, Attribute (sifat)und Taten (shuunat)als verlogen herausstellen sollten!... und dass Du die absoluten Erfordernisse des Königreiches Deiner Herrschaft (saltanat-i rububiyet)verleugnen und ihnen nicht entsprechen solltest!... und dass Du die zahllosen Bitten und Gebete Deiner zahllosen Diener und Anbeter, die Du angenommen hast und liebst und die Deine Liebe dadurch erstreben, dass sie an Dich glauben (tasdiq)und Dir gehorchen, zurückweisen und nicht erhören solltest!... und dass Du die, welche auf Irrwegen (ehl-i dalalet)gehen, und die Ungläubigen, welche Deine gewaltige Größe (azamet ve kibriya)angreifen, indem sie Dich in Deinem Versprechen der Auferstehung in ihrem Unglauben und ihrer Auflehnung (isyan)zum Lügner stempeln wollen, welche Dich in der Ehre Deiner Majestät (izzet-i djelal)und in der Würde Deiner Göttlichkeit (uluhiyet)und in der Barmherzigkeit Deiner Herrschaft (shefqat-i rububiyet)beleidigen wollen, in ihrer Verleugnung der Wiederversammlung bestätigen solltest!
Über aller grenzenlosen Ungerechtigkeit und über aller grenzenlosen Abscheulichkeit sei über alles geheiligt Deine grenzenlose Gerechtigkeit (adalet),Deine grenzenlose Schönheit (djemal)und Deine unbegrenzte Barmherzigkeit (rahmet)!
Wir glauben mit aller Macht (quvvet),dass die Zeugnisse der Propheten, der Gelehrten (asfiya)und der Heiligen (auliya),
die die hunderttausend getreuen Botschafter und grenzenlos aufrechten Ausrufer Deines Königreiches bilden und die jenseitigen Schatzkammern Deiner Barmherzigkeit, die Tresore Deiner Gnadengaben (ihsan)in der ewigen (baqi)Welt und die Manifestationen Deiner wunderbaren schönen Namen, die sich im Hause der Glückseligkeit vollständig offenbaren, werden mit wahrhaftiger Sicherheit, mit augenscheinlicher Sicherheit, mit wissenschaftlicher Sicherheit (haqqa-l'yaqin, ayne-l'yaqin, ilmel'yaqin)bestätigen, richtig und wahrhaftig sind. Ihre Beschreibungen sind zutreffend und stimmen miteinander überein. Was sie verkündigen ist zutreffend, entspricht den Tatsachen. Sie glauben, dass der größte Strahl Deines Namens, auf den alle Tatsachen hinauslaufen, der ihre Sonne und ihr Beschützer ist, "der Wahre" (Haqq)heißt, und dass er die gewaltige Tatsache der Auferstehung ist, und unterrichten dieser Wahrheit entsprechend in Deinem Auftrag Deine Diener und Anbeter. Sie belehren darüber, was die Wahrheit selbst ist.
Oh Herr! Um der Wahrheit dieses ihres Unterrichtes und der Ehrenhaftigkeit ihrer Belehrungen willen, schenke den Schülern der Risale-i Nur einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende! Gewähre uns, ihrer Fürsprache teilhaftig zu werden! Amen...
So wie aber nun einerseits alle Hinweise und Belege, welche die Wahrhaftigkeit des Qur'an, ja, sogar aller heiligen Schriften, beweisen, andererseits auch alle die Wundertaten und Zeugnisse des Prophetentums des Geliebten Gottes (Habibullah),ja, sogar aller Gesandten bestätigen, so beweisen sie alle auch die große Lehre vom Jenseits als einer Realität. In ähnlicher Weise bestätigen auch die meisten Hinweise und Belege, indem sie das Sein und die Einheit des Notwendig-Seienden (Vadjib-ul Vudjudun vudjuduna ve vahdet)bestätigen, gleichzeitig auch die Eröffnung des Hauses der Glückseligkeit, das die hauptsächliche Quelle und der Angelpunkt göttlicher Herrschaft (rububiyet),Seiner Erhabenheit (uluhiyet)und die Existenz einer beständigen Welt ist. Wie noch in den folgenden Abschnitten
zu erläutern und zu beweisen sein wird, verlangen sowohl das Sein des Notwendig-Seienden als auch alle seine Eigenschaften (sifat),die meisten Seiner Namen und auch Seine Attribute (vasif)wie Herrschaft (Rububiyet),Erhabenheit (Uluhiyet),Barmherzigkeit (Rahmet),Gnade (Inayet),Weisheit (Hikmet)und Gerechtigkeit (Adalet)mit der ihr eigenen Notwendigkeit nach einem Jenseits, fordern mit zwingender Notwendigkeit nach einer beständigen Welt, rufen mit Dringlichkeit nach einer Auferstehung und Wiederversammlung, dort zu belohnen und zu bestrafen.
Da es nun einmal einen Gott (Allah)gibt von Ewigkeit zu Ewigkeit, wird es mit Sicherheit auch ein Jenseits geben, das der unvergängliche Sitz Seines Königreiches in Erhabenheit (saltanat-i uluhiytinin sermedi)ist. Und da es nun einmal in diesem Universum und über allem Lebendigen eine vollkommene Herrschaft (rububiyet-i mutlaq)in außerordentlicher Majestät (hashmet),Weisheit und Liebe (shefqat)gibt und sichtbar ist, wird sich mit Sicherheit auch ein Haus Ewiger Glückseligkeit finden, das die Majestät Seiner Herrschaft vor einem Umsturz, Seine Weisheit vor der Sinnlosigkeit und Seine Liebe (shefqat)vor der Grausamkeit bewahrt, und in das man eintreten wird.
Nun aber weisen zahllose sinnenfällig sichtbare Gnadengaben (nimet)und Geschenke (ihsan),für jeden, dessen Verstand noch nicht erloschen und dessen Herz noch nicht erstorben ist, Huld- (lutuf)und Gnadenerweise (kerem),Bezeigungen der Gunst (inayet)und Barmherzigkeit (rahmet)darauf hin, dass es wie hinter einem unsichtbaren Schleier in der Überfülle Seiner Erbarmungen einen verborgenen Herrn (Dhat-i Rahman-i Rahiem)geben muss. Und es gibt und wird mit Sicherheit auch ein immerwährendes Leben in einer beständigen Welt geben, wo die Gnade vor dem Spott, die Güte vor dem Hohn, die Huld vor der Feindschaft, die Barmherzigkeit vor der Qual, die Gunst und die Güte vor dem Verrat bewahrt bleiben, wo die Güte zur Güte und die Gnade zur Gnade wird.
Überdies ist in jedem Frühling eine Feder des Allmächtigen (qalem-i qudret)damit beschäftigt, vor unseren Augen diese knappe
Seite, welche unsere Erde darstellt, mit hunderttausend Büchern zu beschreiben und eines in das andere fehlerfrei hineinzukomponieren. Und der Besitzer dieser Feder hat hunderttausendmal geschworen und versprochen:
"Ich werde an einem noch größeren Ort ein schönes unsterbliches Buch schreiben. Es wird dies noch leichter sein, als auf diesem begrenzten Platz das Buch des Frühlings, das so verwickelt und ineinander verschrieben ist. Das werde ich euch zu lesen geben." sagt Er und erwähnt dieses Buch in allen Seinen Erlassen. Sicher und gewiss ist das Original dieses Buches schon geschrieben, und auch die Anmerkungen dazu werden noch am Tage der Auferstehung und Wiederversammlung niedergeschrieben werden. Und auch das Berichtsheft mit den Taten und Werken aller wird sich darin aufgezeichnet finden. Nun aber ist die Erde in Anbetracht der Vielzahl alles Geschaffenen und als Wohnstätte, Ursprung, Fabrik, Messegelände und Versammlungsort hunderttausender äußerst verschiedener, ständig wechselnder belebter und beseelter Arten des Lebens das Herz, Zentrum, Mittelpunkt, Frucht und Ursache der Schöpfung des Alls, und hat als solche eine sehr große Bedeutung; sie ist trotz ihrer Kleinheit den unendlich weiten Himmelsräumen gleichgestellt. Deshalb ist in den himmlischen Erlassen immer vom
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ
{"Herrn der Himmel und der Erde"}
die Rede. Nun aber kommt dem Geschlecht der Kinder Adams eine große Bedeutung zu. Sie herrschen allüberall auf der Erde, verfügen über die Mehrzahl alles Geschaffenen, ordnen sich die Mehrzahl aller Geschöpfe unter und sammeln sie um sich, ordnen die Mehrzahl alles Geschaffenen nach eigenen Neigungen, Vorstellungen, Plänen, Bedürfnissen, Grundsätzen auf das schönste, stellen sie aus, schmücken und verzieren sie, und sammeln
sie entsprechend einer Liste ihrer kostbarsten Arten an einzelnen Orten, sodass sie sich nicht nur die Blicke der Menschen und Dschinnen, nein, sogar die aufmerksamen Blicke und das Wohlwollen aller Bewohner der Himmel und des ganzen Universums auf sich ziehen, den bewundernden Blick des Herrn des Alls auf sich lenken, was ihnen einen großen Wert und eine hohe Bedeutung verleiht. Sie zeigen mit ihren Künsten und Wissenschaften, dass sie die Weisheit in der Schöpfung des Alls, deren großen Sinn, ihre wertvolle Frucht und den Kalifen der Erde darstellen. Sie stellen ja die wunderbaren Kunstwerke des Meisters der Welt (Sani-i Alem)auf dem Antlitz der Erde so wunderschön aus und ordnen sie an. Trotz ihrer Auflehnung (isyan)und ihres Unglaubens wurden sie auf der Erde belassen und ihre Strafe wurde ausgesetzt. Um dieses Dienstes willen wurde ihnen eine Frist gewährt und eine Möglichkeit gegeben, erfolgreich zu sein.
Es liegt aber nun einmal in dem, was die Natur der Kinder Adams ausmacht, dass sie in Anbetracht ihrer Beschaffenheit und Veranlagung außerordentlich schwach und hinfällig sind, weshalb ihnen ein ebenso mächtiger (quvvetli),weiser (hikmetli)und liebevoller (shefqatli)Herrscher (mutasarrif)in all ihrer Schwäche und Armseligkeit, ihrer grenzenlosen Bedürftigkeit und Not, dieses gewaltige Erdenrund zu einer Lagerstätte für jede Art Erz, entsprechend den Erfordernissen des Menschengeschlechtes, ein Lagerhaus für jede Art Nahrung, einen Laden verschiedenster Güter, wie sie dem Menschengeschlecht wohlgefallen, bereitgestellt hat, und der sich auf diese Weise um das Menschengeschlecht kümmert, es ernährt und dessen Wünsche befriedigt.
Es gibt nun einmal einen Herrn, der dieser Tatsache entspricht, der den Menschen sowohl liebt als auch von den Menschen geliebt werden möchte, der sowohl ewig besteht, als auch über ewig bestehende Welten verfügt, der sowohl jedes Werk in Gerechtigkeit verrichtet, als auch jedes Ding in Weisheit erschafft. Nun hat aber das Königreich des Urewigen Herrschers in Seiner Majestät (Hâkim-i Edhelin hashmet-i saltanat),
und die Unsterblichkeit Seiner Herrschaft (sermediyet-i hâkimiyet)in diesem kurzen irdischen Leben, in dieser allzu kurzen Spanne menschlichen Daseins, auf dieser zeitlich und räumlich so begrenzten Welt keinen Platz. Und all das, was sich unter den Menschen und ihrer Welt entgegen der Ordnung, Gerechtigkeit, Ausgewogenheit und vollkommenen Schönheit ereignet, diese so große Unterdrückung und Auflehnung, die dem widerspricht, der Verrat, die Verleugnung, der Unglaube gegenüber dem Freund und Wohltäter des Menschen, der ihn so liebevoll versorgt, bleibt im Diesseits unbestraft. Die grausamen Unterdrücker verbringen ihr Leben in Bequemlichkeit, während die Unterdrückten und Armen geschunden werden. Das Wesen vollkommener Gerechtigkeit aber, dessen Spuren wir im ganzen Weltall beobachten können, kann nicht dulden, noch erlauben, dass diese grausamen Unterdrücker und die hoffnungslos Unterdrückten einander im Tode gleichgestellt sein und nicht wiederauferstehen sollten. Dies stünde ganz und gar im Widerspruch dazu.
Gleich wie aber nun der Herr des Alls die Erde im All und das Menschengeschlecht von der Erde auserwählt hat, ihm einen so hohen Rang und ihm eine solche Bedeutung verliehen hat, so hat Er auch die Propheten, die Heiligen und Gelehrten, die mit den Zielen Seiner Herrschaft (maqasid-i rububiyet)übereinstimmen, jene wahren Menschen, die in Glaube und Hingabe Sein Wohlgefallen erstreben, unter den Menschen auserwählt, sie sich zu Freunden und Ansprechpartnern gemacht, sie mit Wundertaten und Erfolgen ausgezeichnet und ihre Feinde mit außernatürlichen Katastrophen geschlagen.
Unter Seinen kostbaren und geliebten Freunden hat Er Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ihnen als Leuchte des Glaubens erwählt, mit dessen Licht Er seit vielen Jahrhunderten eine bedeutende Hälfte des Erdenrundes und ein bedeutendes Fünftel der Menschheit erleuchtet... es scheint, als sei das Universum seinetwillen erschaffen worden, weil dessen Ziele sämtlich in ihm, in
seinem Glauben und im Qur'an ihren Ausdruck finden. Er, der doch würdig und geeignet gewesen wäre, als Lohn Seiner grenzenlosen, so außerordentlich wertvollen Verdienste, die zu erwerben eine Million Jahre erforderlich gewesen wären, erhielt dafür nur jene kurze Lebensspanne von dreiundsechzig Jahren, erfüllt von Mühen und Kämpfen. Ja, wäre es denn in irgendeiner Hinsicht möglich, wahrscheinlich oder vorstellbar, dass diese Persönlichkeit nicht mit all seinen ihm gleichrangigen Freunden und Gefährten wieder auferweckt werden sollte? Ja, sollte er nicht hier und heute im Geiste (ruh)vital und lebendig sein? Ja, sollten sie auf ewig verurteilt und vernichtet sein? Nein, keineswegs - Gott bewahre! - und tausendmal nein!...
Tatsächlich verlangt das ganze All, erfordern die Realitäten dieser Welt seine Auferstehung. Nun aber haben im "Ayetu-l'Kubra"(Das Große Zeichen) genannten "Siebenten Strahl" dreiunddreißig überwältigend einstimmige Beweise, ein jeder einzelne so stark wie ein Berg, ergeben, dass dieses ganze Universum aus einer einzigen Hand hervorgegangen, und das Eigentum eines einzigen Herrschers ist. Sie zeigen, dass die Einheit Gottes und Seine Allgegenwart (Vahdet ve Ahadiyet)die Quelle Seiner göttlichen Vollkommenheit (kemalat-i Ilahiye)ist. Unter dieser zweifachen Einheit wurde das ganze Weltall gleich gehorsamen Soldaten und dienstfertigen Beamten diesem einen Herrn unterstellt. Unter der Betrachtung des Kommens eines solchen Jenseits bleibt Seine Vollkommenheit vor dem Sturz, Seine absolute Gerechtigkeit vor grenzenlos gnadenlosem Spott, Seine universale Weisheit vor Torheit und Ausschweifung, Seine alles umfassende Barmherzigkeit vor lasterhaften Spielen und grausamen Vergnügungen, die Würde Seiner Allmacht (izzet-i qudret)vor würdeloser Schwäche bewahrt, rein erhalten und geheiligt. Sicherlich und gewiss wird der Jüngste Tag, wie wir aus hundert Anmerkungen über den Glauben an Allah (Iman-i billah)und aus den sechs vorangegangenen "madem(überdies,
nun, aber, zudem)"-Abschnitten den Schluss ziehen müssen, in jedem Falle hereinbrechen. Die Wiederauferstehung und Wiederversammlung wird stattfinden. Es wird ein Haus der Bestrafung und der Belohnung eröffnet werden... sodass die obenerwähnte Bedeutung der Erde, ihre zentrale Lage und die Bedeutung der Menschheit und ihr Wert sich bewahrheiten. Dann wird sich die obenerwähnte Gerechtigkeit, Weisheit, Barmherzigkeit und Herrschaft (saltanat)des weisen Schöpfers und Herrn, des Lenkers und Leiters (Khaliqi ve Rabbi olan Mutasarrif-i Hakiem)der Erde und ihrer Menschheit fest verankern und die obenerwähnten wahrhaftigen Freunde und alle, die sich nach Ihm sehnen, vor der ewigen Vernichtung bewahrt bleiben und er der größte und kostbarste unter diesen Freunden, der mit seinem heiligen Dienst das ganze Weltall glücklich und dankbar gemacht hat, seine Belohnung erhalten. So wird die Vollkommenheit des ewigen Königs (Sultan-i Sermedinin kemalat)vor Fehlern und Mängeln, Seine Macht (qudret)vor Ohnmacht (adjz),Seine Weisheit vor Sinnlosigkeit (sefahet)und Seine Gerechtigkeit vor Ungerechtigkeit bewahrt, rein und geheiligt sein.
Kurzum: Da es nun einmal Gott gibt, gibt es mit Sicherheit auch ein Jenseits...
So wie aber nun die obenerwähnten drei Grundpfeiler des Glaubens (erkan-i imaniye:Allah, die Propheten und die heiligen Schriften) mit all den Zeugnissen, die ihnen zum Beweis dienen, zugleich auch Zeugnis und Beweis sind für die Wiederversammlung, so erfordern zugleich auch die anderen beiden Grundpfeiler des Glaubens in einer nachdrücklichen Weise diese Wiederversammlung und bezeugen und beweisen eine bleibende Welt:
وَ بِمَلٰٓئِكَتِهِ وَ بِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَ شَرِّهِ مِنَ اللّٰهِ تَعَالٰى
{"Der Glaube an die Engel und die Macht (qader) des Guten und des Bösen von Allah dem Erhabenen."}
Es ist dies wie folgt: Alle Beweise, die zahllosen Zeugnisse und Dialoge, welche die Existenz der Engel, ihren
Dienst vor Gott und die Anbetung, mit der sie beauftragt sind, bezeugen, bestätigen indirekt auch die Existenz der Welt der reinen Geister (alem-i ervah),die unsichtbare Welt (alem-i ghayb),die beständige Welt (alem-i beqa),die Welt des Jenseits (alem-i akhiret),jenes Haus der Glückseligkeit, das dereinst Dschinnen und Menschen beleben werden, das Dasein von Himmel (djennet)und Hölle. Denn die Engel dürfen diese Welten mit göttlicher Erlaubnis schauen und besuchen, und alle die Engel vor Gottes Thron (melaike-i muqarrebin),die wie der Erzengel Gabriel vertrauten Umgang mit den Menschen pflegten, berichten übereinstimmend über die Existenz der obenerwähnten Welten, und dass sie selbst darinnen verweilen. So wie wir von der Existenz des amerikanischen Kontinents auch dann wissen, wenn wir nicht selbst dort gewesen sind, und zwar aufgrund der Nachrichten derer, die von dort herübergekommen sind, so müssen wir auch aufgrund der Kunde der Engel an die Existenz einer beständigen Welt, eines "Hauses des Jenseits", an Himmel (djennet)und Hölle mit absoluter Sicherheit glauben, denn sie hat die hundertfache Kraft einstimmiger Überlieferung (tevatur).Und deshalb glauben wir daran.
Des Weiteren weisen auch alle die Zeugnisse, welche im "Sechsundzwanzigsten Wort", "Risale-i Qader"(Abhandlung über das göttliche Vorherwissen) genannt, den Glaubensgrundsatz des Glaubens an "Qader"bestätigen, indirekt auch auf die Wiederversammlung, die Offenlegung der persönlichen Auszeichnung (suhuf)und das Abwägen der Taten auf der Großen Waage hin. Denn die Konsequenz (qader)aller Dinge ist vor unseren Augen auf den Tafeln der Ordnung und Ausgewogenheit aufgezeichnet, der Lebenslauf alles Lebendigen ist aufgespeichert in seinem Erinnerungsvermögen, in den Samenkörnern und anderen, einer Tafel vergleichbaren Dingen, die Taten aller geistbegabten Wesen, insbesondere aber der Menschen sind eingetragen und festgehalten auf den Wohlverwahrten Tafeln (elvah-i mahfudha).Mit Sicherheit kann eine so umfangreiche Konsequenz (qader),
eine Weisheit von solcher Folgerichtigkeit (hakiemane),eine so sorgfältige Aufzeichnung, diese schriftliche Aufbewahrung nur dem Zweck einer öffentlichen Verhandlung vor einem obersten Gerichtshof dienen, um eine ewige Belohnung oder Bestrafung auszusprechen. Anderenfalls bliebe diese umfangreiche und bis in die kleinsten Feinheiten hineinreichende Aufzeichnung und Aufbewahrung ganz und gar ohne Sinn und Wert. Sie würde der Weisheit und Wahrhaftigkeit (haqiqat)widersprechen. Ja, mehr noch, würde eine Wiederversammlung nicht stattfinden, würde auch der ganze Sinn eines solchen universalen Buches, geschrieben mit der Feder (qalem)folgerichtiger Bestimmtheit (qader),nichtig werden. Das aber kommt unmöglich in Betracht, wäre unvorstellbar, einer Leugnung des Universums vergleichbar, nicht mehr als ein Fieberwahn...
Zusammenfassung:
Die fünf Glaubensgrundsätze mit all ihren Beweisen zeigen uns die Belege für Tatsache und Ereignis der Auferstehung und Wiederversammlung, für Dasein und Eröffnung einer jenseitigen Wohnstatt und fordern uns dazu auf, dafür Zeugnis abzulegen. Da es nun aber für die Tatsache der Wiederversammlung solche ihrer Wichtigkeit völlig entsprechende, unerschütterliche und starke Stützen und Zeugnisse gibt, befasst sich ungefähr ein Drittel des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, mit der Wiederversammlung und dem Jenseits, macht sie zum Grundstein und baut alles auf diesem fundamentalen Prinzip jeglicher Wahrheit auf...
(damit schließt diese Einführung)
* * *
Elfter Strahl
(Eine Frucht aus dem Gefängnis in Denizli)
Dies ist eine Verteidigungsschrift der Risale-i Nur gegen den Atheismus (zindik)und gegen die absolute Glaubenslosigkeit (kufr-u mutlaq).Denn einzig dies ist es, wofür wir arbeiten.
Diese Abhandlung ist eine Frucht aus dem Gefängnis in Denizli, eine Erinnerung daran und der Ertrag zwischen zwei Freitagen.
Said Nursi
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيم ٭ فَلَبِثَ فِى السِّجْنِ بِضْعَ سِنِينَ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; So blieb er noch einige Jahre im Gefängnis." (Sure 12, 42)}
Nach der Aussage und dem Sinn dieser Ayah ist der ägyptische Josef, mit dem Friede sei, das Oberhaupt der Gefangenen. Und das Gefängnis wird zu einer Art Schule Josefs. Da die Schüler der Risale-i Nur nun zum zweiten Mal in großer Zahl in diese Schule eintreten, ist es mit Sicherheit erforderlich, einen Teil jener kurz zusammengefassten Problemstellungen der Risale-i Nur, die sich auf das Gefängnis beziehen und hier bewiesen werden, in dieser Schule, die für die Aneignung guter Sitten eröffnet wurde, zu lesen und zum Lesen zu geben, um sich die guten Sitten vollständig anzueignen. So wollen wir nun fünf, sechs dieser Zusammenfassungen erklären:
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Erste Problemstellung
Wie bereits im "Vierten Wort" erklärt wurde, schenkt uns unser Schöpfer jeden Tag vierundzwanzig Stunden als Lebenskapital, damit wir die notwendigen Dinge für unser Leben in beiden Welten mit diesem Kapital kaufen können. Für ein sehr kurzes irdisches Leben geben wir dreiundzwanzig Stunden aus. Wenn wir dabei eine Stunde, die für die fünfmaligen Pflichtgebete ausreicht, nicht für unser so langes Leben im Jenseits aufwenden, welch ein der Vernunft zuwiderlaufender (khilaf-i aqil)Fehler ist das. Als Strafe für diesen Fehler müssen wir Bedrängnisse des Herzens und der Seele (ruh)erleiden. Verderben wir wegen dieser Bedrängnisse unsere gute Gesittung, müssen wir unser Leben in Verzweiflung verbringen, eignen wir uns nicht einmal ein gutes Benehmen (terbiye)an, bewegen uns im Gegenteil allem guten Benehmen (terbiye)zuwider, dann kann man vergleichen,
in welchem Grade wir Verlust erleiden müssen. Wenn wir diese eine Stunde für das fünfmalige tägliche Gebet ausgeben, so wird jede Stunde des Aufenthaltes im Gefängnis und dieses Unglück unter bestimmten Umständen zu einem Tag Anbetung und eine vergängliche Stunde zu ewig bleibenden Stunden. Darüber hinaus verschwinden zum Teil Verzweiflung und Bedrängnis des Herzens und der Seele (ruh).Das Gebet gilt als Buße für die Fehler die unsere Freiheitsstrafe verursacht haben, veranlasst Verzeihung (afwet)zu erlangen und ein gutes Benehmen (terbiye)zu erwerben, welches der Sinn des Aufenthaltes im Gefängnis ist. Man soll einmal daran denken, was für eine verdienstvolle Prüfung es ist, eine Lehre und eine angenehme Unterhaltung mit den Kameraden im gleichen Unglück, in der wir unsere Tröstung finden.
In dem "Vierten Wort" wurde ja von einem Mann gesprochen, der um eines tausend Lira Gewinnloses willen, in einem Glücksspiel, an dem noch tausend Leute teilnahmen, fünf, sechs Lira von seinen vierundzwanzig Lira einsetzte und ein Vierundzwanzigstel für ein Los für eine Schatzkammer der ewigen Juwelen nicht anlegte. In Wirklichkeit ist die Möglichkeit zum Gewinnen dieser tausend Lira bei den weltlichen Glücksspielen eins zu tausend, denn es gibt ja noch eintausend Mitbewerber. Bei dem Spiel um die Zukunft des Menschen im Jenseits besteht die Möglichkeit zu gewinnen für die Leute des Glaubens, die zu einem guten Ende gelangt sind (husn-u khatima),999 zu 1000, wie die unzählbar vielen zuverlässigen Berichterstatter von den Gottesfreunden und Reinen, worüber die 124.000 Propheten berichten, auf Grund ihrer geistigen Vision bestätigen. Man kann vergleichen, in welchem Grade es dem richtigen Handeln in der Sache zuwiderläuft, wenn man dem ersten Glücksspiel nachläuft und dabei vor dem zweiten davon.
In dieser Sache werden sich die Gefängnisdirektoren, die Gefangenenwärter und besonders auch die Ordnungshüter
und Sicherheitsbeamten mit dieser Unterweisung der Risale-i Nur zufrieden geben müssen. Denn die Verwaltung und die Führung von tausend Männern, die religiös leben und sich ständig an das Gefängnis, das die Hölle ist, erinnern, ist anhand vieler Erfahrungen viel leichter als die von zehn Männern, die ohne Glauben und ohne Gebet leben, nur an das Gefängnis auf dieser Erde denken, von Gott erlaubtes (helal)und verbotenes (haram)nicht anerkennen und sich zum Teil schon daran gewöhnt haben, Kriminelle zu sein.
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Zweite Problemstellung
Zusammenfassung:
Wie aus der Risale-i Nur in dem "Wegweiser für die Jugend" aufs Schönste erläutert wurde, ist der Tod vollkommen sicher und wahr; denn wie diesem Tag die Nacht und diesem Herbst der Winter folgen wird, so auch wird der Tod über uns kommen. Wie dieses Gefängnis ein vorübergehendes Gasthaus ist, für alle, die da kommen und gehen, genauso ist auch die Erde all denen eine Herberge auf ihrem Weg, die hier für eine Nacht rasten und dann eilig wieder aufbrechen. Mit Sicherheit stellt der Tod, der jede Stadt hundertmal in den Friedhof entleert, an das Leben einen sehr hohen Anspruch. Nun aber hat die Risale-i Nur das Rätsel dieser fürchterlichen Wahrheit aufgedeckt und gelöst. Eine kurze Zusammenfassung dessen ist folgende:
Da der Tod nun einmal nicht getötet werden kann und sich das Tor des Grabes nicht schließen lässt, ist für einen Menschen, wenn es denn einen Ausweg gibt, sich aus der Hand des Vollstreckers der Todesstrafe und aus der Einzelhaft des Grabes zu retten, dieser Ausweg seine größte Sorge und die Frage über allen Fragen. Es gibt in der Tat einen Ausweg und die Risale-i Nur hat im Geheimnis des Qur'an so sicher wie zwei mal zwei vier ist,
diesen Ausweg bewiesen. Eine kurze Zusammenfassung dessen ist folgende:
Der Tod ist entweder eine Hinrichtung für ewige Zeit, ein Galgen, an dem der Mensch nebst all seinen Freunden und Verwandten aufgehängt werden wird, oder er ist ein Ausreisevisum für eine Reise in eine ewig bestehende Welt und im Zeugnis seines Glaubens auch der Zugangsbeweis für das Schloss der ewigen Glückseligkeit.
Was aber das Grab betrifft, ist es entweder eine finstere Einzelhaft und ein bodenlos tiefer Graben, oder ein Tor, das sich von diesem irdischen Kerker öffnet zu einem Gastmahl in den immerwährenden, lichtvollen Gärten. Diese Wahrheit hatte der "Wegweiser für die Jugend" anhand eines Beispiels bewiesen:
Nehmen wir einmal an, es wären hinter der Mauer des Hofes dieses Gefängnisses Galgen für eine Hinrichtung aufgestellt. Daneben befände sich die Agentur einer Lotterie mit besonders hoher Gewinnbeteiligung, und die ganze Welt nähme daran teil. Nun werden aber in jedem Fall wir fünfhundert, die wir hier in diesem Gefängnis sitzen, ohne alle Ausnahme - es gibt keine Möglichkeit, sich davor zu retten - einer nach dem anderen aufgerufen. Entweder "Komm, nimm dein Verdammungslos und steige zum Galgen hinauf!" oder "Hier halte deinen immerwährenden Einzelhaftbefehl und gehe durch diese offene Tür!" oder "Frohe Nachricht! Dein Los ist ein Millionengewinn! Komm und nimm es!" So wird es überall bekanntgegeben. So sehen wir denn mit unserem eigenen Augen, wie sie, einer nach dem anderen, zu diesem Galgen hinaufsteigen. Wir bezeugen, dass ein Teil von ihnen aufgehängt wird. Ein anderer Teil von ihnen macht den Galgen zu einem Trittbrett, um von dort aus in die Los-Agentur hinter der Mauer einzutreten. Wie wir durch zuverlässige Mitteilungen der obersten, unbestechlichen Beamten von dort drüben wissen, so als hätten wir es selbst gesehen, kommen in unser Gefängnis zwei Gruppen. Die eine Gruppe hält in ihren Händen Instrumente,
Getränke, sowie scheinbar überaus köstliche Helva und Baklava (Süßigkeiten). Sie laden uns zu einer Fete ein. In Wirklichkeit aber sind diese Süßigkeiten giftig. Diese Teufel in Menschengestalt haben ihr Gift darunter gemischt. Die zweite Gruppe und die Gemeinschaft (der Gläubigen und der Propheten) hält in ihren Händen Anleitungen zur Erziehung, von Gott erlaubte (helal)Speisen und segensreiche (mubarek)Getränke. Sie beschenkt uns und alle sagen gemeinsam, mit großem Ernst und völlig überzeugend: "Wenn ihr die Geschenke der ersten Gruppe, die für euch nur zur Prüfung angeboten wurden, annehmt und wenn ihr dann esst, so werdet auch ihr genau so wie die anderen vor euch, die ihr mit eigenen Augen gesehen habt, an den Galgen aufgehängt werden. Wenn ihr die Geschenke, die wir im Auftrag des Herrschers dieses Landes gebracht haben, an Stelle der ersteren annehmt und die Gebete und Rezitationen (dua ve evrad),die in der Anleitung zur Erziehung enthalten sind, lest, werdet ihr euch vor dieser Hinrichtung retten. Jeder von euch wird in der Losagentur einen Millionengewinn als Gunsterweis des Königs erhalten. Daran dürft ihr glauben, wie an den lichten Tag und als hättet ihr es mit eigenen Augen gesehen. Wenn ihr von den von Gott verbotenen (haram),zweifelhaften, giftigen Süßigkeiten esst, werdet ihr bis zu eurer Hinrichtung unter den Schmerzen des Giftes zu leiden haben. Diese absolut zuverlässige Nachricht überbringen euch diese königlichen Erlasse und wir alle gemeinsam."
Wie in diesem Beispiel händigt die Los-Agentur den Leuten, die glauben und Gehorsam leisten, - mit der Bedingung, das Leben gut zu beenden (husn-u khatima)- hinter dem Galgen ewiger Hinrichtung, den wir stets vor uns sehen, um der Zukunft des Menschengeschlechtes willen ein Gewinnlos für einen ewigen und unerschöpflichen Schatz aus. Mit einer Wahrscheinlichkeit von hundert zu hundert werden diejenigen, die so wie bisher weiter leben in ihrer Ausschweifung, mit dem, was Gott verboten (haram)hat, ohne rechte Überzeugung (itikadsiz)und in Sünden (fisq)- wenn sie nicht
um Verzeihung (tövbe)bitten - ihre ewige Verdammnis (für diejenigen, die an das Jenseits nicht glauben) oder ständige Einzelhaft in Finsternis und ewiger Qual (für diejenigen, die an das Fortleben des Geistes glauben und dennoch in Ausschweifung weiter leben) mitgeteilt erhalten. Dies berichten mit neunundneunzig prozentiger Sicherheit vor allem 124.000 Propheten, mit denen Friede sei, die als Kennzeichen ihrer Bestätigung zahllose Wunder vorweisen konnten, und mehr als 124 Millionen Gottesfreunde, deren Geheimnis Gott heiligen möge (qaddesallahu esrarehum),welche auf Grund ihrer geistigen Wahrnehmung und Schau (keshf)die Zeichen erkannt haben, welche der Propheten Berichte und deren Wahrheit Abglanz, gleich der Projektion auf einer Leinwand bestätigt haben, und Milliarden Forscher (muhaqqiq),
{(*): Beispiel einer solchen Forschungsarbeit ist die Risale-i Nur. Ihre Abhandlungen, die seit zwanzig Jahren selbst die hartnäckigsten Philosophen und verbohrtesten Atheisten zum Schweigen bringen, sind offen zugänglich. Jeder kann sie lesen und keiner kann sie widerlegen.}
Rechtsgelehrte (mutschtehid)und Theologen (siddiqien),die (über die Jahrhunderte) gekommen und wieder gegangen sind, welche die Berichte dieser beiden Arten berühmter Menschen (der Heiligen und Propheten) verständlich, mit unwiderlegbaren Zeugnissen und kraftvollen Beweisen, der Vernunft und Logik entsprechend mit Gewissheit beweisen, bestätigen und unterschreiben.
Der Zustand eines Mannes, der auf diese drei großartigen Gemeinschaften (der Propheten, Heiligen und Theologen), diese drei großen und erhabenen Gruppen der Kenner der Wahrheit, die heiligen Anführer, Sonnen, Monde und Sterne des Menschengeschlechts, und ihre Botschaft nicht hören und nicht auf dem geraden Weg gehen will, den sie zeigen und der zur Ewigen Glückseligkeit führt, und eine fürchterliche Gefahr, die mit neunundneunzig prozentiger Sicherheit besteht, nicht beachten will, der dagegen auf die Nachricht irgendeines Mannes
von einer möglichen Gefahr den Weg verlässt und einen anderen, sehr langen Weg bevorzugt, ist mit Sicherheit folgender:
Trotz der zuverlässigen Nachrichten der zahllosen Berichterstatter verlässt er den kürzesten und leichtesten der beiden Wege, der hundertprozentig das Paradies und die Ewige Glückseligkeit erreichen lässt, und wählt den holprigsten, langen und mühsamen Weg, der mit neunundneunzig Prozent ins Gefängnis, in die Hölle und zur ewigen Qual führt. Auf die Nachricht irgendeines, vielleicht auch noch verlogenen Mannes hin, verlässt er in dieser Welt den kurzen Weg, auf dem nur ein Prozent Gefahr besteht oder die Möglichkeit einer Gefängnisstrafe von vielleicht nur einem Monat besteht und bevorzugt nur wegen seiner Gefahrlosigkeit einen langen aber nutzlosen Weg. Er misst wie ein Unglückseliger, Betrunkener, Wahnsinniger, den fürchterlichen Drachen, die schon von weitem sichtbar sind und ihn angreifen wollen, keine Bedeutung bei und beschäftigt sich statt dessen mit Fliegen. Er misst nur ihnen Bedeutung bei und verliert in gleichem Maße Herz und Verstand, Seele und alle menschlichen Qualitäten.
Da der wahre Sachverhalt nun einmal so ist, müssen wir Gefangenen, damit unsere Reaktion auf das Unglück unserer Gefangenschaft hier in diesem Gefängnis vollendet sei, die Geschenke dieser segensreichen zweiten Gruppe annehmen. Das heißt, die Befriedigung, welche eine Reaktion von nur einem einzigen Augenblick oder die Befriedigung der Leidenschaften von ein, zwei Minuten oder ein, zwei Stunden hat uns dieses Unglück von zwei, drei oder auch fünfzehn Jahren in diesem Gefängnis eingebracht und uns die Welt zum Kerker gemacht. Wir aber müssen zum Ausgleich für dieses Unglück ein, zwei Stunden im Gefängnis, als entsprechend einem Gottesdienst von ein, zwei Tagen, und unsere Strafe von zwei, drei Jahren - durch die Geschenke der segensreichen Gruppe - als einem Leben von zwanzig, dreißig unvergänglichen
Jahren entsprechend, und unsere Strafe im Gefängnis entsprechend als einer Befreiung von Millionen Jahren Gefängnis in der Hölle ergreifen. Wir müssen unsere Klage über die Vergänglichkeit dieser Welt in das lachende Leben in der Unvergänglichkeit umwandeln, damit unsere Reaktion auf dieses Unglück vollendet sei. So wird sich das Gefängnis als Ort der Erziehung erweisen. Wir müssen versuchen, anständige und zuverlässige Leute zu werden, die für ihr Land und Volk von Nutzen sind. Die Beamten, Direktoren und das gesamte Wachpersonal sollten die Leute, die sie für Mörder, Verbrecher, Banditen, Vagabunden, Sittenstrolche und "Volksschädlinge" halten, als Schüler betrachten, die in einer segensreichen Schule wirken. Und Allah danken - mit Stolz auf euch!
* * *
Dritte Problemstellung
Ein Lehrbeispiel, das bereits im "Wegweiser für die Jugend" dargelegt wurde, hat sich kurz zusammengefasst folgendermaßen zugetragen:
Einmal saß ich an einem nationalen Feiertag am Fenster des Gefängnisses in Eskishehir. Im Hof des Lyzeums gegenüber tanzten ausgelassen große Mädchen. Auf einmal zeigte sich mir ihre Lage fünfzig Jahre später in einer geistigen Schau. Und ich sah gleichsam wie auf einer Leinwand:
Vierzig, fünfzig von diesen fünfzig, sechzig Mädchen, Schülerinnen, sind schon im Grab zu Erde geworden und haben ihre Strafe schon erhalten. Zehn von ihnen sind in ihrem siebzigsten, achtzigsten Lebensjahr hässlich geworden und lenken statt Augen voller Liebe nur Blicke voller Abscheu auf sich, weil sie in ihrer Jugend ihren Anstand nicht gewahrt haben. Das alles habe ich in aller Klarheit beobachtet und ihren bedauernswerten Zustand beweint. Einige meiner Freunde im Gefängnis haben
mein Weinen gehört, sind gekommen und haben mich deswegen gefragt. Ich habe ihnen gesagt: Lasst mich in dieser Situation jetzt allein und geht.
Was ich gesehen hatte ist in der Tat wahr und kein Traum. Wie es nach diesem Sommer und dem Herbst Winter wird, genauso folgt dem Lenz der Jugend und dem Herbst des Alters der Winter des Grabes und des Zwischenreiches (berzah).
Könnte man, so wie man heute Ereignisse der Vergangenheit, von vor fünfzig Jahren, durch eine Filmaufnahme in der Gegenwart vorführen kann, auch die Ereignisse der Zukunft in fünfzig, sechzig Jahren im Film festhalten und ließe dann die Leute des Irrweges und der Ausschweifung so ihren künftigen Zustand sehen, so würden sie das, worüber sie heute lachen, und ihre (von Gott) unerlaubten Lustbarkeiten voll Schmerz und Abscheu beweinen.
Während ich noch im Gefängnis in Eskischehir mit diesem Gesicht beschäftigt war, erstand vor mir ein geistiges Wesen wie der Teufel in Menschengestalt, der sich für Ausschweifungen und Irrwege einsetzte, und sagte:
"Wir wollen all die verschiedenen Freuden und Lustbarkeiten des Lebens auskosten und verkosten lassen. Misch dich da nicht ein!"
Dem entgegnete ich:
Da du dich nun einmal um des Genusses und der Freude willen nicht an den Tod erinnern willst und dich in Irrtum und Ausschweifung stürzt, so sei denn vollkommen sicher, dass infolge deines Irrtums die Vergangenheit ganz und gar abgelaufen, tot und nicht mehr vorhanden ist. Sie ist ein verlassener Friedhof voller Leichen und Moder. Und da du als Mensch mit ihr verbunden bleibst, überwältigen deine Schmerzen, die aus dem Tod deiner unendlich vielen Freunde und ebenso vielen Trennungen von ihnen auf ewig erwachsen, dir wegen deines Irrtums Herz und Verstand, wenn sie denn noch vorhanden und noch nicht abgestorben sind, und zerstören dein bisschen
gegenwärtige, kurzlebige, rauschgebundene Freude.
Genauso ist auch die Zukunft, hinsichtlich deiner Glaubenslosigkeit, wiederum gar nicht vorhanden, finster, tot und eine entsetzliche Einöde. Auch die Hilflosen, die von dort her kommen, ihre Köpfe ins Dasein hinein strecken, nur kurz an der Gegenwart vorbeischauen, um dann mit der Sense des Todes sogleich wieder enthauptet und ins Nichts zurück geworfen zu werden, lassen ständig durch deinen Verstand, der mit ihnen in Verbindung steht, auf deinen Kopf endlose Schmerzen und Sorgen hernieder prasseln.
Wenn du den Irrtum und die Ausschweifung aufgibst und in den Kreis des wahren Glaubens und der rechten Leitung trittst, dann wirst du im Licht des Glaubens sehen, dass diese vergangene Zeit nicht abwesend und kein Friedhof ist, in dem alles vermodert. Vielmehr ist sie anwesend und eine lichtvolle Welt, die sich in die Zukunft verwandelt und einem Wartesaal für die unsterblichen Seelen gleicht, die darauf warten, in der Zukunft in ihr Schloss der Glückseligkeit einzugehen. In Anbetracht dessen bringt sie kein Leid, sondern lässt entsprechend der Stärke des Glaubens eine Art geistige Freude des Paradieses noch auf dieser Erde kosten.
Auch die Zukunft ist keine Einöde und finster, vielmehr erscheint sie mit den Augen des Glaubens betrachtet als Gastmähler des majestätischen, freigiebigen und gütigen Erbarmers, dessen unendliche Barmherzigkeit und Freigebigkeit die Schlösser der ewigen Glückseligkeit erfüllen, der in jedem Jahr Frühling und Sommer zu je einem Tisch macht und mit Gastgeschenken deckt, vorbereitet und Seine Geschenke ausstellt. Dorthin führt (einen jeden) der Strom (der Zeit). Da man dies im Glauben gleichsam wie in einem Film vorgeführt erhält, kann man schon hier seiner eigenen Stufe entsprechend eine Art der Freude an der ewigen Welt verspüren.
Das heißt, wahre Freude ohne Leid gibt es allein im
Glauben und durch den Glauben.
Einen einzigen Vorteil und eine einzige Freude unter Tausenden Vorteilen und Wirkungen, die uns der Glaube auch in dieser Welt bringt, wollen wir mit einem Gleichnis im Zusammenhang zu diesem unserem obenerwähnten Thema erklären, welches bereits als Anmerkung in dem "Wegweiser für die Jugend" beschrieben wurde. Es ist dies folgender:
Während du zum Beispiel dein einziges Kind, das du sehr liebst, im Sterbebett siehst und verzweifelt an seinen schmerzvollen Abschied für ewig denkst, kommt in diesem Augenblick ein Arzt wie Lokman, der Weise und Chidr {Chidr = der Grüne, gemeint ist der Prophet Elias, der im Augenblick höchster Bedrängnis zur Hilfe kommt. (A.d.Ü.)} und gibt ihm ein Elixier wie ein Wundermittel zu Trinken. Dein liebreizendes, schönes Kind öffnet die Augen und wird vom Tod gerettet. Man kann sich vorstellen, welch eine große Freude man darüber empfindet.
Während Millionen Menschen, die du wie dieses Kind liebst und mit denen du dich innig verbunden fühlst, nach deiner Vorstellung im Friedhof deiner Vergangenheit zu vermodern beginnen und ihre Vernichtung schon feststeht, steht in diesem Augenblick die Wahrheit des Glaubens wie Lokman, der Weise, auf, öffnet die Fenster unseres Herzens und sendet über diesen Friedhof, der als ein großer Hinrichtungsplatz vorzustellen wäre, ein Licht. Dadurch werden alle Verstorbenen von den ersten bis zu den letzten vor dir wieder lebendig. Durch ihre Erscheinung bringen sie zum Ausdruck: "Wir sind nicht gestorben und werden auch nicht sterben. Dereinst werden wir uns wiedersehen." Dies macht uns schon in dieser Welt so grenzenlos freudig und froh im Glauben, der beweist: "Die Wahrheit des Glaubens ist ein Kern, aus dem sich - wenn er Gestalt annimmt - ein persönliches Paradies entfaltet, der Tuba-Baum in diesem Kern." Wiederum sagte der Starrsinnige:
"Wir wollen unser Leben in Lustbarkeit und Freude verbringen und in Ausschweifungen und Vergnügungen leben, wie ein Tier lebt, ohne tiefer über die Dinge nachzudenken."
Ihm gab ich zur Antwort:
"Du kannst nicht sein wie ein Tier. Denn für ein Tier gibt es weder Vergangenheit noch Zukunft. Weder die Vergangenheit bereitet ihm Leid und Schmerz, noch bringt ihm die Zukunft Sorgen und Ängste. Es genießt voll und ganz. Es lebt in Ruhe und legt sich nieder. Es dankt seinem Schöpfer. Sogar ein Tier, das zum Schlachten hingelegt wird, spürt es nicht. Nur in dem Augenblick, in dem das Messer schneidet, will es noch etwas empfinden. Aber auch dieses Gefühl vergeht. So wird es vor dem Schmerz bewahrt. Das heißt, eine überaus große Barmherzigkeit und Liebe Gottes liegt darin, das Verborgene nicht mitzuteilen und die Dinge, die auf uns zukommen werden, nicht offen zu legen. Das gilt noch weit mehr für die Arten kleiner und junger Tiere.
Aber, oh Mensch! Da dein Denkvermögen Vergangenheit und Zukunft in gewissem Grade deinem Unterbewusstsein entrückt, bist du der Ruhe, die einem Tier aus der Verschleierung des Verborgenen zukommt, völlig beraubt. Trauer, leidvolle Trennung, die aus der Vergangenheit herrühren, Ängste und Sorgen, die aus der Zukunft herrühren, machen dir dein bisschen Freude zunichte. Mit deiner Fähigkeit, dich zu freuen, liegst du hundertfach unter dem Tier. In Anbetracht dieser Tatsache nimm entweder deinen Verstand, zieh ihn heraus, wirf ihn weg, werde ein Tier und mach dich frei! Oder komm im Glauben zur Vernunft, höre auf den Qur'an und verdiene noch in dieser Welt einen hundertfach reineren Genuß als das Tier." So wies ich seinen Anspruch zurück.
Wiederum sagte mir der Eigensinnige:
"Wir können doch mindestens so leben, wie die Nichtmuslime."
Ich gab ihm zur Antwort:
"Es ist dir auch unmöglich, so zu leben, wie die Nichtmuslime. Denn verleugnen sie auch unseren Propheten,
können sie doch andere Propheten anerkennen. Wissen sie nichts von den Propheten, können sie doch Gott anerkennen. Wissen sie nichts von Gott, werden sich doch einige Charakterzüge bei ihnen finden, die zur Quelle der Vollendung werden. Wenn ein Muslim den Propheten der Endzeit, der der Letzte und Größte unter ihnen ist, dessen Glaube und Ruf an alle gerichtet ist, verleugnet und seine Bindung an ihn zurückweist, kennt überhaupt keinen Propheten mehr und kann deshalb auch Gott nicht kennen. Denn er erkennt alle Propheten, Gott und alle menschliche Vollkommenheit durch ihn an. Sie (die Propheten) können ohne ihn (den Prophet) keinen Platz an seinem Herzen haben. Aus diesem Grunde treten Menschen von allen Religionen von Alters her zum Islam über, und es kann überhaupt kein Muslim ein wahrer Jude oder Parse oder Christ werden, vielmehr wird er zum Atheisten, verdirbt den Charakter, verliert die Haltung zum Schaden für Volk und Land." Das habe ich ihm bewiesen. Dem Eigenwilligen und Starrsinnigen blieb nun nichts und kein Halt mehr und er verschwand. Er fuhr zur Hölle.
Wohlan denn, ihr meine Gefährten im Unterricht in dieser Schule Josefs!
Da dies nun einmal die Wahrheit ist und die Risale-i Nur diese Wahrheit dermaßen sicher und sonnenklar bewiesen hat, dass sie seit zwanzig Jahren die Starrsinnigen auf die Knie zwingt und zum Glauben bringt, müssen auch wir dem Weg des Glaubens und der rechten Leitung folgen, der sowohl für unsere Welt, für unsere Zukunft, für unser jenseitiges Leben, als auch für unser Land und für unser Volk sehr gut, einfach und sicher ist.
In unserer freien Zeit sollen wir anstelle negativer Vorstellungen die Suren, die wir aus dem Qur'an auswendig lernen und von den Kameraden, die sie kennen, ihre Bedeutung erfragen, die versäumten täglichen Gebete nachholen, einander mit unserem guten Verhalten ein Beispiel geben und durch gute Taten dieses Gefängnis in einen segensreichen Garten verwandeln, in dem all unsere
guten Eigenschaften gleich jungen Pflanzen gedeihen.
Wir müssen uns darum bemühen, dass uns der Gefängnisdirektor und seine Mitarbeiter nicht wie Folterknechte und Höllenwächter über Mörder und Totschläger, sondern als rechtlich denkende und handelnde Lehrer und liebevolle Ratgeber behandeln, die in dieser Schule Josefs den Dienst versehen, auf die Erziehung achten und Männer vorbereiten, das Paradies zu verdienen.
* * *
Vierte Problemstellung
Wieder findet sich die Erklärung in dem "Wegweiser für die Jugend":
Einmal kam von der Seite meiner Brüder, die mir dienten, eine Frage:
"In diesen schrecklichen Zeiten des Weltkrieges, der die ganze Welt durcheinander gewirbelt hat und die Zukunft der islamischen Welt betrifft, haben Sie seit fünfzig Tagen (inzwischen sind sieben Jahre vergangen, ohne dass sich seine Haltung geändert hätte!) nie darüber gesprochen und sich nie dafür interessiert, wogegen manche religiöse und gelehrte Menschen Gemeinschaft und Gebet in der Moschee vernachlässigen und eilen, Rundfunk zu hören. Gibt es etwa ein noch größeres Ereignis als dieses? Oder ist es schädlich, sich damit zu beschäftigen?"
Ich gab folgende Antwort:
Das Lebenskapital ist sehr klein. Die notwendigen Aufgaben aber sind sehr groß. Dabei gibt es verschiedene (islamische Aufgaben-)Kreise, wobei jeder Mensch, angefangen von dem Kreis seines Herzens und seines Magens (Ernährung), von dem Kreis seines Körpers und seines Hauses, von dem Kreis seiner Nachbarschaft und seiner Stadt und von dem Kreis der Erde und der Menschheit bis hin zu dem Kreis alles Lebendigen und des ganzen Kosmos von verschiedenen Kreisen umgeben ist, die wie konzentrische Kreise ineinander liegen.
Innerhalb eines jeden Kreises hat jeder Mensch eine gewisse Verpflichtung. In dem kleinsten Kreis hat er jedoch ständig die größte und wichtigste Verpflichtung. Während er in dem größten Kreis nur selten und nur vorübergehend die kleinste Verpflichtung hat. In diesem umgekehrten Verhältnis können nun kleine oder große Aufgaben auf ihn zu kommen. Dabei lässt der große, so verlockend erscheinende Kreis, ihn seine notwendigen und wichtigen Verpflichtungen in dem kleinen Kreis vernachlässigen und sich unnötig und sinnlos mit Ereignissen, die in der Ferne liegen, beschäftigen. Damit zerstört er das Kapital seines Lebens für ein Nichts. Die wertvolle Zeit seines Lebens schlägt er mit wertlosen Dingen tot. Wer einem derartigen Gemetzel auch noch mit Interesse folgt, wird mit seinem Herzen Teilhaber einer Seite. Er betrachtet beifällig diese Grausamkeiten. Er wird Beteiligter an diesen Grausamkeiten.
Nun die Antwort bezüglich des ersten Punktes:
Es gibt tatsächlich ein noch größeres Ereignis als diesen Weltkrieg und einen noch wichtigeren Anspruch als den Anspruch auf Weltherrschaft. Für jeden Menschen und besonders für Muslime gibt es ein solch großes Ereignis und ist ein so großer Anspruch entstanden, dass jedermann, - hätte er soviel Vermögen und eine solche Macht (quvvet)wie Deutschland oder England, und dazu auch noch Verstand - alles dafür ausgeben würde, nur um diesen Anspruch durchzusetzen. Was aber diesen Anspruch betrifft, so stellt er sich, wie die hunderttausend Berühmten (= Propheten) unter den Menschen und zahllose Sterne (= Gottesfreunde) und Lehrer der Menschheit anhand von tausend Versprechungen und Zusicherungen des Eigentümers, der diesen Kosmos lenkt und leitet, übereinstimmend berichten und was ein Teil von ihnen mit eigenen Augen gesehen hat, folgendermaßen dar:
Für jeden gilt der Anspruch, seinem Glauben entsprechend, für immer einen Acker so groß wie die Erde und ein Königreich (mulk)geschmückt mit Gärten und Schlössern,
für ewige Zeiten zu gewinnen oder zu verlieren. Wenn man die Urkunde des Glaubens nicht fest in den Händen hält, wird er ihn verlieren. In diesem Zeitalter verlieren viele durch die Seuche einer materialistischen Gesinnung ihren Anspruch. Es hat sogar ein Mann in seinen geistigen Visionen und inneren Schauungen (ehl-i keshf ve tahqiq)an einem gewissen Ort vierzig Menschen auf ihrem Sterbebett beobachtet, von denen nur einige wenige ihren Anspruch zu verwirklichen vermochten. Die anderen gingen verloren. Könnte man etwa die Lücke eines solchen verlorenen Anspruches ausfüllen, gäbe man einem solchen Menschen die ganze Welt als sein Königreich (sultanati)?
So halten denn wir Schüler der Risale-i Nur es für völlig unvernünftig, den Dienst, der uns diesen Anspruch verwirklichen lässt und einen wunderbaren Anwalt, der einen solchen Anspruch zu neunzig Prozent nicht verloren gehen lassen wird und die Verpflichtungen, die mit der Durchsetzung dieses Anspruchs zusammenhängen, aufzugeben und sich statt dessen mit weitab liegenden sinnlosen Dingen zu beschäftigen, als bliebe man für ewig auf dieser Welt. Hätte also ein jeder von uns auch hundert Mal mehr Klugheit und Verstand, so sind wir dennoch davon überzeugt, dass wir uns notwendigerweise einzig für diese Aufgabe einsetzen müssen.
Oh meine neuen Brüder im Unglück, hier im Gefängnis! Ihr kennt die Risale-i Nur nicht, wie die alten Brüder sie kennen, die mit mir zusammen angekommen sind. Ich kann sie und weitere tausend Schüler als Zeugen bringen und beweisen - wie ich ja schon bewiesen habe - dass es die Risale-i Nur ist, die uns diesen hohen Anspruch zu neunzig Prozent verwirklichen lässt, wie sie in zwanzig Jahren zwanzig tausend Menschen in der Gewissheit wahrhaftigen Glaubens (iman-i tahqiqi)ihren Freispruch, ihre Urkunde und den Beleg für die Verwirklichung ihres Anspruches in die Hände legt. Sie entsteht aus der einzigartigen Bedeutung des weisen Qur'an und ist der beste Anwalt in unserer Zeit.
Obwohl meine Feinde, Atheisten wie Materialisten, in den letzten achtzehn Jahren manche Regierungsbeamten mit überaus hinterlistigen Intrigen gegen mich aufgehetzt haben, um uns zu vernichten, uns dieses Mal wie auch früher schon in Gefängnisse und Kerker geworfen haben, gelang es ihnen dennoch nur zwei, drei Abhandlungen von einhundertunddreißig Teilen und Abhandlungen der Risale-i Nur, dieser stählernen Feste, anzugreifen. Das heißt, wer einen Anwalt benötigt, der braucht nur sie in die Hand zu nehmen.
Außerdem braucht ihr keine Angst zu haben: die Risale-i Nur wird nicht verboten werden! Unter den Abgeordneten und Beamten der Regierung der Republik kursieren die wichtigsten Abhandlungen - mit ein, zwei Ausnahmen völlig frei!
Insha-a'llah(wolle es Gott), werden die Direktoren und Wärter die Lichterabhandlungen an die Gefangenen, wie Brot und Wasser verteilen, um die Gefängnisse zu Genesungsstätten zu machen.
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Fünfte Problemstellung
Wie in dem "Wegweiser für die Jugend" erklärt wurde, wird die Jugendzeit ohne Zweifel vorübergehen. Wie der Sommer Platz macht für Herbst und Winter, und wie sich der Tag in den Abend und die Nacht verwandelt, wird sich auch die Jugendzeit mit der selben Sicherheit in das Alter und den Tod verwandeln. Alle vom Himmel geoffenbarten Erlasse (d.h. die Heiligen Schriften) verkünden, dass ein junger Mensch, der seine vergängliche, vorübergehende Jugendzeit in Sittsamkeit, mit guten Werken (iffetle khayrat)und in Geradlinigkeit (istikamet)verbringt, sich dadurch eine ihm für ewig bleibende Jugend erwirbt.
Wenn er sie in Ausschweifung verbringt, so ist es wie bei einem Verbrechen, das in einer Minute des Jähzorns Millionen Minuten Gefängnisstrafe nach sich zieht. Genauso
ziehen die Gelüste und Genüsse der Jugend im von Gott unerlaubten Rahmen neben der Verantwortung im Jenseits, der Strafe im Grab, dem Bedauern nach ihrem Ende, den Sünden und den weltlichen Strafen mehr Leid als Genuss nach sich, was jeder junge Mensch, der seinen Verstand im Kopf hat, aus Erfahrung bestätigen kann.
Zum Beispiel: In der von Gott verbotenen (haram)Liebe liegt das Leid der Eifersucht, das Leid der Trennung und das Leid, das daraus erwächst, dass die Liebe nicht erwidert wird. Durch viele derartige Störungen wird dieses bisschen Freude einem vergifteten Honig gleich. Wenn du wissen willst, ob junge Leute durch Krankheiten, die aus der falschen Verwendung ihrer Zeit entstehen, in Krankenhäuser, durch Übermut in Gefängnisse und durch die Bedrängnisse, die aus dem Hunger des Herzens und der Leere des Geistes entstehen, in Kneipen hineingeraten, in Bordellen landen und in Friedhöfen enden, gehe in die Krankenhäuser, Gefängnisse, Kneipen und Friedhöfe und frage dort! Mit Sicherheit wirst du von meist jungen Leuten "Oh weh", Weinen und Klagen hören, nach all den Schlägen, die diese jungen Menschen überwiegend durch Missbrauch ihrer Jugendzeit, durch ihren Übermut und als Strafe für ihre von Gott unerlaubten Gelüste bekommen haben.
Wenn die Jugendzeit aber in Geradheit (istikamet)verbracht wird, so bringt sie als ein überaus schönes und angenehmes Geschenk Gottes und als ein süßes und starkes Mittel zum guten Werk als Frucht im Jenseits eine Jugend hervor, die überaus prächtig ist und bleibt, wie dies alle vom Himmel geoffenbarten Bücher und Erlasse, besonders der Qur'an mit dem so klaren Ausdruck seiner Verse berichtet und verkündet. Da die Tatsache nun einmal so ist, und da der Bereich des Erlaubten weit genug gespannt ist, jeglichem menschlichen Wohlbefinden zu entsprechen und da eine Stunde eines Vergnügens im von Gott verbotenen (haram)Bereich manchmal ein Jahr oder
zehn Jahre Gefängnisstrafe nach sich zieht, muss man mit Sicherheit als Dank für das Geschenk (nimet)der Jugend dieses süße Geschenk (nimet)in Sittsamkeit (iffet)und Geradheit (istikamet)bewahren; und das ist sogar unerlässlich.
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Sechste Problemstellung
Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter tausend allgemeingültigen für den Glauben an Allah (iman-i billah)angeführt.
Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."
Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also dieser eure Aufmerksamkeit zu und nicht Lehrern (die nicht von Allah sprechen).
Zum Beispiel: Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die vierhunderttausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät (Hakiem-i Dhu l-Djelal)
in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.
Ein weiteres Beispiel: Eine wundervolle Fabrik, die tausender verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und hochgelehrten Maschinenbauer. Ebenso teilt uns auch diese rollende Produktionsanlage des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer (sahib)
dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von Menschenhand.
Ein weiteres Beispiel: Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Laden, in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten (sefine-i Subhaniye),
das ein Lebensmittellager des Allerbarmers (Rahman)ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von vierundzwanzigtausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit Tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
Ein Heer, in dem sich vierhunderttausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten (Subhan)
aus vierhunderttausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber (kumandan-i a'dham)in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung (tahmid ve tesbih)als unseren Herrn (Rabb)und Herrscher (Hâkim),der die Welt lenkt und befehligt (Mudebbir)in Heiligkeit (Kumandan-i Aqdes)anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.
In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden
Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern.
Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen - tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen (Rahman)und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Erde Ozeane enthält, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft (qudret ve saltanat)Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind. Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König (Sultan)unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos eingerichtet (Sani')hat und es verwaltet (Mudebbir)und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister (Munevvir)Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung (tesbihat ve taqdis)unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.
Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben
sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, "Masha-a'llah, Barek-a'llah!" {Masha-a'llah: Wie wunderbar ist es doch das, was mit Gottes Willen geschehen ist! Barek-a'llah: Segne es Gott! - A.d.Ü.} zu sagen und unsere Verehrung zum Ausdruck zu bringen.
Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen vierhunderttausend Tier- und Pflanzenarten, die vierhunderttausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist. Es macht Ihn durch das Wort "Allah-u Ekber" {Allah-u Ekber: Gott ist groß! - A.d.Ü.} bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit "Subhan-a'llah", {Subhan-a'llah: Gepriesen sei Gott! - A.d.Ü.} lobpreist
Ihn mit "Elhamdu-li'llah" {Elhamdu-li'llah: Lobpreis und Dank sei Gott! - A.d.Ü.} und weckt unsere Begeisterung für Ihn.
So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer (Khaliq-i Dhu l-Djelal)dieses Kosmos in Seinen Namen (esma)erkennen, Ihn durch Seine Attribute (sifat)und in Seiner Vollkommenheit (kemalat)schauen kann.
So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit (Vahdaniyet)ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:
رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ
{"Herr der Himmel und der Erde."}
خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضَ
{"Er schuf die Himmel und die Erde."}
Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein (Allah senden razi olsun)!"
Da habe auch ich zu ihnen gesagt: "Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren
Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln.
Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät (Padishah-i Dhu l-Djelal)voll Glaube und Anbetung (iman ve ubudiyet)verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt (nokta-i istinad)und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen und allbarmherzigen König (Qadier ve Rahiem bir padishah)gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz (iftikhar)sein kann."
Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger. Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen:
"Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung." لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah!"} sagte er und gab freudig seine Seele hin.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
* * *
Siebente Problemstellung
(Sie ist die Frucht eines Freitags im Gefängnis in Denizli)
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ مَآ أَمْرُ السَّاعَةِ إِلاَّ كَلَمْحِ الْبَصَرِ أَوْ هُوَ أَقْرَبُ ٭ مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَ بَعْثُكُمْ إِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ ٭ فَانْظُرْ إِلٰٓى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللّٰهِ كَيْفَ يُحْيِى الْاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ إِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَ هُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen" "Es ist aber die Angelegenheit der 'Stunde' nur ein Augenblick oder noch weniger." (Sure 16, 77) "Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele" (Sure 31, 28) "Siehe die Male der Barmherzigkeit Allahs: wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht! Fürwahr, Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 49)}
Einmal hatten mich die Schüler des Gymnasiums in Kastamonu gebeten: "Lehre uns, unseren Schöpfer zu erkennen!". Ich hatte ihnen daraufhin nach Art der Schulwissenschaften eine Unterweisung erteilt und diese in Form der vorangegangenen Sechsten Problemstellung den Gefangenen, die im Gefängnis von Denizli mit mir Verbindung halten konnten, vorgelesen. Nachdem sie so eine völlige Gewissheit im Glauben gewonnen hatten, verspürten sie eine brennende Sehnsucht nach dem Jenseits und sagten: "Lehre auch uns all das, was uns im Jenseits erwartet, sodass uns die Begierde (nefs)und die Teufel dieser Zeit nicht mehr vom Wege abbringen und so wieder ins Gefängnis bringen können."
Auf den Wunsch der Risale-i Nur Schüler und derer, die im Gefängnis die vorangegangene Sechste Problemstellung gelesen hatten, war es notwendig geworden, einen
weiteren Pfeiler, nämlich den des Glaubens an das Jenseits kurz zu erklären. So habe ich denn kurz und bündig aus der Risale-i Nur heraus gesagt:
In der Sechsten Problemstellung hatten wir bereits die Erde und die Himmel nach dem Schöpfer gefragt. Sie hatten uns ja den Schöpfer durch die Sprache der Wissenschaften sonnenklar zu erkennen gegeben. Ebenso wollen wir erst unseren Herrn, den wir bereits kennen gelernt haben, dann unseren Propheten, dann den Qur'an, und dann andere Propheten und heilige Bücher und dann die Engel und dann den ganzen Kosmos nach dem Jenseits befragen:
Also richten wir an erster Stelle die Frage nach dem Jenseits direkt an Allah. Er geruht durch alle gesandten Propheten und geoffenbarten Erlasse und durch alle Seine Namen und Seine Eigenschaften (sifat)
zu sagen: "Jawohl, es gibt das Jenseits und ich führe euch dorthin." Das "Zehnte Wort" hat bereits anhand von "Zwölf Wahrheiten" glänzend und sicher erklärt und bewiesen, wie ein Teil der Namen Gottes Antwort (auf die Frage) nach dem Jenseits gibt. Wir wollen uns hier mit dieser Erklärung begnügen und nur noch folgenden sehr kurzen Hinweis geben:
Da es nun einmal kein Königreich gibt, in dem diejenigen, die diesem Königreich gehorchen, keinen Lohn und die Aufständischen keine Strafe empfangen, werden auf jeden Fall in einem immerwährenden Königreich (saltanat-i sermediye)
auf der Stufe der absoluten Herrschaft (rububiyet-i mutlaq)diejenigen, die sich mit diesem Königreich durch den Glauben verbinden und durch die Befolgung (itaat)seiner Erlasse unterwerfen (teslim),einen Lohn und diejenigen, welche die Würde dieses Königreichs (izzetli saltanat)mit ihrem Unglauben und mit ihrer Aufsässigkeit (isyan)in Abrede bringen (= inkar),eine Strafe erhalten, wie es dieser Barmherzigkeit und dieser Schönheit (rahmet ve djemal)und wie es dieser Würde und Majestät (izzet ve djelal)gebührt, welche Antwort uns Gott ja mit Seinen Namen "Herr aller Welten (Rabb-ul Alemin)"und "Gerecht handelnder König (Sultan-ud Deyyan)"gibt.
Wir können nun einmal taghell und sonnenklar überall auf Erden eine alles umfassende Barmherzigkeit (rahmet)
und eine alles mit einschließende Liebe (shefqat)und Freigebigkeit (kerem)mit Augen erblicken. Es ist diese Barmherzigkeit, die zum Beispiel alle Frucht tragenden Pflanzen, besonders die Bäume in jedem Frühling schön wie die paradiesischen Jungfrauen bekleidet, sie schmückt, in ihre Hände jede Art von Früchten gibt, sie anbietet und sagt: "Auf, nehmt und esst!" Zudem gibt sie uns aus der Hand der Biene, mit ihrem giftigen Stachel, einen gesunden und wohlschmeckenden Honig zu essen und die feinste Seide zu unserer Bekleidung aus der Hand eines Insektes, das keine Hände hat. Eine Barmherzigkeit und eine Liebe (shefqat),die tausend Zentner Speisen in einer Handvoll winzig kleiner Kerne und Körner für uns aufbewahrt und wie eine Vorratskammer in diesen winzig kleinen Depots speichert, verurteilt auf keinen Fall - und daran kann es keinen Zweifel geben - diese liebenswürdigen gläubigen Menschen, die von ihr aufmerksam versorgt werden und die ihr gegenüber dankbar sind und sie verehren, zu (Tod und) Vernichtung. Vielmehr entlässt sie sie von ihrem Dienst im irdischen Leben, um sie zu einer noch glänzenderen (Erscheinung Seiner) Barmherzigkeit zu führen, wie Gott mit Seinen Namen "Der Barmherzige (Rahiem)"und "der Freigiebige (Keriem)"auf unsere Frage Antwort gibt und sagt:
اَلْجَنَّةُ حَقٌّ
{"(Der Glaube) an das Paradies entspricht der Wahrheit."}
Des Weiteren können wir mit eigenen Augen erkennen: Wir sehen, dass die Hand der Weisheit (hikmet)
über der ganzen Schöpfung und dem Antlitz der Erde wirksam ist und alle Wirksamkeiten im Maßstab einer Gerechtigkeit (adalet)zustande kommen, dass der menschliche Verstand nicht darüber hinaus denken kann.
Zum Beispiel: Betrachten wir einmal unter den vielen Weisheiten, die mit tausenderlei verschiedenen Bestandteilen des menschlichen Körpers verbunden sind, nur das Erinnerungszentrum, das vielleicht so groß sein mag wie eine Nussschale. In diesem winzig kleinen Raum stehen
sein ganzer Lebenslauf und unendlich viele Ereignisse, die in seinem Leben stattgefunden haben, verzeichnet, und dieses Zentrum wurde durch die Weisheit des Urewigen (edheli hikmet)gleich einer Bibliothek gestaltet und im Gehirn des Menschen gleichsam wie in eine Tasche gesteckt, damit (diese Bibliothek) ihm am Tage der Wiederversammlung als ein Zeugnis für das Buch seiner Taten bei seinem Prozess vor dem großen Gericht in die Hand gelegt werden kann.
Und es ist die Gerechtigkeit des Immerwährenden (adalet-i sermediye),die allen Geschöpfen ihre Organe mit einem überaus empfindlichen Maß einsetzt, alles Geschaffene, angefangen von einer Mikrobe bis zu einem Nashorn, von einer Mücke bis zu einem Kondor, von einer Pflanze mit einer Blüte bis zu einem Milliarden, Trilliarden Heer von geöffneten Frühlingsblumen im richtigen Verhältnis, in großer Vielzahl und doch ohne Verschwendung, wohlausgewogen, wohlgeordnet und vollkommen zu einem Kunstwerk macht, jedem Lebewesen ein Lebensrecht mit gerechten Bedingungen gibt, die guten Taten mit guten Ergebnissen und die schlechten Taten mit schlechten Ergebnissen verbindet und mit den Schlägen, die sie seit den Zeiten Adams, mit dem Friede sei, gegen Gott rebellierenden, tyrannischen Völkern versetzt hat, sich Selbst mit großer Macht wieder in Erinnerung ruft. Auf jeden Fall und ohne allen Zweifel können diese Weisheit des Urewigen (hikmet-i edhel)und diese Gerechtigkeit des Immerwährenden (adalet-i sermedi),wie Sonne und Tag nicht ohne einander sein können, ohne Jenseits nicht sein und die entsetzliche Ungerechtigkeit und Sinnlosigkeit keineswegs zulassen, sodass die extrem Ungerechten und die extrem Entrechteten durch den Tod gleichermaßen hinscheiden, wodurch Gott mit Seinen Namen "der Allweise (Hakiem),der Gerechte (Hakem),der Richter (Adl)und der Errichter der Gerechtigkeit (Adil)"auf unsere Fragen eine sichere Antwort gibt.
Des Weiteren werden allen lebendigen Geschöpfen all ihre Bedürfnisse, und all ihre natürlichen Wünsche (fitri matlab),
alles
was ihre Hände nicht erreichen können und was nicht im Rahmen ihrer Fähigkeiten liegt, in der gleichen Zeit, in der sie sich etwas in der Sprache ihrer natürlichen Anlagen und ausgedrückt durch ihre Bedürfnisse gleichsam wie in einem Gebet wünschen, von einer überaus barmherzigen (rahiem),hörenden, liebenden (shefqatli)unsichtbaren Hand gegeben und erfüllt. Von den Bittgebeten der Menschen, besonders aber den Gebeten der Heiligen und Propheten werden sechs, sieben von zehn Gebeten wunderbar erhört. Daraus wird ganz klar verständlich: Es muss hinter dem Schleier (der Schöpfung verborgen) einen geben, der hört und antwortet (Semi-i Mudjib),der das Seufzen jedes Leidenden und das Gebet jedes Bedürftigen hört und beachtet, weil Er ja (ganz offensichtlich) das kleinste Bedürfnis des kleinsten Lebewesens sieht und dessen verborgenstes Seufzen hört, ihm liebevoll (sehfqat)entgegentritt, mit der Tat (fiil)antwortet und es zufrieden stellt.
Es bleibt mit Sicherheit und in gar keinem Fall irgendeine Möglichkeit zu einem Zweifel daran, dass Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der den Menschen, der unter allem Geschaffenen der bedeutendste ist, mit seinen wichtigsten und alles umfassenden Gebeten, wie sie sich auf den ganzen Kosmos, alle Namen und Eigenschaften Gottes beziehen und sich auf den ewigen Aufenthalt im Jenseits hin ausrichten, hinter dem alle Propheten, welche die Sonnen und Sterne, die Anführer des Menschengeschlechtes sind, stehen und zu seinen Gebeten "Amen, Amen" sagen und für den jeder einzelne Gläubige seiner Gemeinde täglich Segenswünsche ausspricht und so an dessen Gebet mit seinem "Amen, Amen" teil hat, ja vielmehr die ganze Schöpfung an seinem Gebet teil nimmt und sagt: "Ja, unser Herr! Gewähre ihm, worum er Dich bittet! Auch wir bitten Dich um das, wofür er zu Dir betet!" allein schon mit diesen seinen Gebeten um das ewige Sein im Jenseits und die ewige Glückseligkeit, unter allen diesen unwiderlegbaren Tatsachen ein ausreichender Grund ist, unter zahllosen Gründen,
das Paradies ins Dasein und das Jenseits in seine Existenz zu berufen, was für die Macht Gottes so leicht ist, wie die Erschaffung eines Frühlings, wodurch Gott mit Seinen Namen "der Erschaffende (Mudjib),der Hörende (Semi')und der Barmherzige (Rahiem)"Antwort gibt auf unsere Fragen.
Des Weiteren ist so offensichtlich wie der Tag uns die Sonne zeigt, hinter dem Schleier dieses allgemeinen Werdens und Vergehens auf dem Antlitz der Erde und im Wechsel der Jahreszeiten, ein verborgener Lenker und Leiter (Mutasarrif)
erkennbar. Die riesige Erde verwaltet Er vollkommen wohlgeordnet und so leicht wie einen Garten, ja sogar wie einen Baum. Den großartigen Frühling bringt Er so leicht und so harmonisch verziert zustande wie eine Blume. Auf der Erde schreibt Er mit der Feder Seiner Macht (qalem-i qudret)wie auf einer Seite alle Pflanzen- und Tierarten, dreihunderttausend Büchern gleich, und zeigt dreihunderttausend Beispiele und Nachbildungen für die Auferstehung und Wiederversammlung am jüngsten Tag. Alle werden ohne jede Verwechslung gleichzeitig geschrieben, sind untereinander ohne ein Durcheinander bunt gemischt, gleichen einander ohne Fehler und werden vollkommen wohlgeordnet und sinnvoll aufgezeichnet. In diesem gewaltigen Ausmaß ist eine unbegrenzte Barmherzigkeit (rahmet)und eine grenzenlose Weisheit (hikmet)am Werk. Der riesige Kosmos steht dem Menschen wie eine Wohnung zur Verfügung, aufs Schönste verziert und ausgestattet. Diesem Menschen als Treuhänder (Kalif) über die Erde wurde das größte Pfand anvertraut, vor dem Berge, Himmel und Erde zurückschreckten, es zu tragen. Er bekam über die anderen Lebewesen eine Stellung, gleich der eines Aufsichtsbeamten, denn Gott, der Gepriesene richtete sich an ihn durch Seine Weisung (hitabat-i Subhaniye),Sein Wort (sohbet)und verlieh ihm so einen hohen Rang (maqam).In allen vom Himmel geoffenbarten Erlassen wurde ihm die ewige Glückseligkeit und der ewige Verbleib im Jenseits versprochen und zugesichert. Auf jeden Fall und ohne allen Zweifel wird Er das Haus der ewigen Glückseligkeit, das
für Seine Macht so leicht wie die Errichtung eines Frühlings ist, für diesen geehrten und gewürdigten (mukerrem ve musherref)Menschen errichten, es eröffnen und den Tag der Wiederversammlung und Wiederauferstehung anbrechen lassen, wodurch unser Schöpfer mit Seinen Namen "der Spender des Lebens (Muhyi)und Schenker des Todes (Mumit),der Lebendige (Hayy),der Unwandelbare (Qayyum),der Allmächtige (Qadier)und der Allwissende (Alim)"auf unsere Fragen antwortet.
In der Tat belebt die Macht Gottes in jedem Frühling wieder alle Bäume und die Wurzeln der Gräser und erschafft (idjad)Musterbeispiele für die Wiederversammlung und Wiederauferstehung von dreihunderttausend Arten Pflanzen und Tieren. Würde man die jeweils tausendjährige Ära der Gemeinden von Mohammed und Moses, mit denen Friede sei, einander gegenüberstellen, so könnte man beobachten, wie Er die tausend Beispiele für die Wiederversammlung und tausend Zeugnisse für den Weltuntergang und die Wiederauferstehung in zweitausend jahreszeitlichen Perioden (bahar){Jeder Herbst (sonbahar) gleicht dem Untergang der Welt, dem Sterben und der darauf folgende Frühling (ilkbahar) seiner Wiederauferstehung.} vorführt. Die leibliche Wiederauferstehung für eine solche Macht als unmöglich anzusehen, ist eine tausendfache Blindheit und Torheit.
Des Weiteren verkündigten die 124.000 Propheten, die die berühmtesten der Menschheit sind, übereinstimmend auf Grund von tausend Zusagen und Versprechen Gottes des Gerechten die ewige Glückseligkeit und den immerwährenden Aufenthalt im Jenseits und bewiesen die Wahrheit dessen durch die Wunder, die sie gewirkt haben. Ebenso setzt die unendlich große Anzahl der Heiligen (ehl-i velayet)
durch ihre innere Wahrnehmung (keshf)und geistige Schau (zevk)ihre Unterschrift unter dieselbe Wahrheit. Mit Sicherheit wird diese Wahrheit klar erkennbar wie die Sonne. Wer dennoch zweifelt, ist ein Tor.
In der Tat bringt ein Gutachten oder die Ansicht über Kunst oder Wissenschaft, abgegeben von ein oder zwei Männern, die in der Kunst oder Wissenschaft Experten sind, die widersprechenden Ansichten von tausend Leuten, die nicht zu diesem Fachbereich gehören, - auch wenn sie in einer anderen Fakultät Gelehrte oder Experten sind - zu Fall. Wenn es sich zum Beispiel darum handelt, am Anfang des Fastenmonats Ramadan das Erscheinen des neuen Mondes zu bestätigen, oder wenn es sich um die Behauptung handelt, dass es auf dieser Welt einen Kokosgarten gibt, in dem etwas heranwächst, was Milch in Dosen gleicht, überwiegen die Aussagen von zwei Leuten, die Beweise erbringen, die Aussagen von Tausenden, die das in Frage oder in Abrede stellen wollen. Denn derjenige, dem die Beweislast obliegt, kann eine Behauptung ganz leicht dadurch beweisen, dass er eine Kokosnuss vorweist, bzw. diesen Garten zeigt.
Derjenige aber, der das bestreitet und diese Behauptung widerlegen wollte, müsste zum Beweis dafür die ganze Erde durchforschen und durchkämmen und zeigen, das dergleichen nirgendwo zu finden ist. Derjenige, der uns über das Paradies und über den Ort der ewigen Glückseligkeit Nachricht bringt, braucht, um das zu beweisen, nur eine Spur, einen Tropfen, den Schattenriss einer Vision dessen, einer Projektion auf der Leinwand vergleichbar, vorzuzeigen. Wer dies aber bestreiten will, muss den ganzen Kosmos und von Urewigkeit an alle Zeiten bis in alle Ewigkeiten durchstreifen und vorweisen, um den Gegenbeweis antreten und die Nicht-Existenz beweisen zu können.
Auf diesem prinzipiellen Grundsatz fußend sind die Erforscher der Wahrheit in dem Theorem übereingekommen, dass eine Gegenbehauptung, bzw. die Behauptung einer Nicht-Existenz, insofern sie sich nicht auf einen bestimmten Ort bezieht, sondern, wie dies bei den Glaubenswahrheiten der Fall ist, den ganzen Kosmos umfasst, nicht bewiesen werden kann, bzw. insofern etwas
als unmöglich oder unlogisch erscheint, nicht bewiesen zu werden braucht.
Also kannst du auf Grund dieser Tatsache verstehen, wie töricht und irrsinnig es ist, wenn ein paar Philosophen, deren Verstand ihnen in die Augen gerutscht ist, die ohne Herz, von den geistigen Dingen abständig und verblendet geworden sind, die Glaubensgrundsätze bestreiten, über die sich 124.000 Fachleute und zuverlässige Berichterstatter, die dafür Beweise erbringen, unendlich viele kompetente Kenner und Erforscher der Wahrheit, die sie bestätigen, einig geworden sind. Verneinende Aussagen tausender Philosophen über solche Glaubensfragen sollten gegen die Aussagen eines einzigen zuverlässigen Berichterstatters überhaupt keinen Zweifel, ja nicht einmal eine Unsicherheit aufkommen lassen.
Des Weiteren nehmen wir sowohl bei uns selbst, als auch in unserer Umgebung mit Augen hell wie der Tag eine weltweite Barmherzigkeit (rahmet)
und alles umfassende Weisheit (hikmet)und eine immerwährende Gnade (inayet-i daime)wahr. Wir sehen die Spuren und Offenbarungen einer furchterregenden königlichen Herrschaft (saltanat-i rububiyet),einer aufmerksamen Hohen Gerichtsbarkeit (adalet-i aliye)und einer hoheitsvollen, majestätischen Vollzugsgewalt (izzetli idjraat-i djelaliye).
Ja es ist diese Weisheit, die einen Baum nach der Anzahl seiner Blüten und Früchte, welche die Krone dieses Baumes hervorbringt, mit Weisheit schmückt, diese Barmherzigkeit, die den Menschen nach der Anzahl seiner Organe, seiner Empfindungen und Kräfte mit so viel Güte und so vielen Gnadengaben ausstattet, und eine zwar hoheitsvolle, doch auch gnädige Gerechtigkeit, welche den aufständischen Völkern der Propheten Noah, Hud, und Salih, mit denen Friede sei, und dem Volk des Ad, des Thamud und des Pharao Schläge versetzt hat und das Recht auch noch des kleinsten Lebewesens schützt, wovon die folgende Ayah in machtvoller Bestimmtheit spricht:
وَمِنْ اٰيَاتِهِ أَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَ الْاَرْضُ بِأَمْرِهِ ثُمَّ إِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ الْاَرْضِ اِذَآ أَنْتُمْ تَخْرُجُونَ
{"Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu." (Sure 30, 25)}
Wie gehorsame Soldaten, die in zwei Kasernen liegen und sich darin aufhalten, beim Stoss der Posaune auf den Befehl ihres Kommandeurs zum Dienst und zu den Waffen eilen, so sind auch die unendlich weiten Himmel und die Erde gleich diesen beiden Kasernen für die gehorsamen Soldaten des urewigen Sultans (Sultan-i Edhel)zwei Kasernen, gehorsam seinem Befehl. Wenn aber der Erzengel Israfil, mit dem Friede sei, durch einen Posaunenstoß die Toten ruft, die in diesen Kasernen (gleich schlafenden Soldaten) liegen, bekleiden sie sich sofort wieder mit ihren Leibern und eilen hervor.
Ein vergleichbares Verhalten zeigt in jedem Frühling mit dem Posaunenstoß des Donner-Engels (das ganze Königreich der Pflanzen) alles, was in der Erde gleich wie in einer Kaserne ruht.
Wenn aber das Königreich Seiner Herrschaft (saltanat-i rububiyet),dessen unendliche Größe (azamet)in dieser Weise verstanden wurde, wenn das Jenseits und die Auferstehung, die jene Barmherzigkeit (rahmet),Weisheit (hikmet),Güte (inayet),Gerechtigkeit (adalet)und das immerwährende Königreich (saltanat-i sermediye)absolut erfordern, wie bereits im Zehnten Wort bewiesen wurde, niemals anbrechen wird, verwandelt sich mit Sicherheit, in jedem Fall und ohne jeden Zweifel diese Barmherzigkeit von unendlicher Schönheit (djemal-i rahmet)in eine unendlich hässliche Unbarmherzigkeit (merhametsiz);diese Weisheit in grenzenloser Vollkommenheit (kemal-i hikmet)in eine grenzenlos unvollkommene Sinnlosigkeit und nutzlose Verschwendung; diese überaus anmutige Güte (inayet)in eine überaus bittere Bosheit; diese überaus wohl ausgewogene und wahre Gerechtigkeit (mizanli ve haqqaniyetli adalet)in überaus grausame Ungerechtigkeit;
und bricht dieses überaus majestätische und mächtige immerwährende Königreich (hashmet-i saltanat)in sich zusammen und wenn der Tag der Wiederauferstehung nicht anbricht, so verschwindet seine majestätische Größe und wird seine vollkommene Herrschaft (kemal-i rububiyet)mit Ohnmacht und Fehlern befleckt, was aber keineswegs möglich ist, keine Vernunft für möglich halten könnte und worin sich gleichzeitig alle hundert Unmöglichkeiten befinden. Dies wäre ein unsinniger Glaube, außerhalb des Bereiches aller Möglichkeiten.
Denn: Was für eine ungerechte Behandlung und Unbarmherzigkeit wäre es, die Menschen, die Er mit so viel Aufmerksamkeit und Feingefühl versorgt und die mit Herz und Verstand so sehnsüchtig nach der ewigen Glückseligkeit und dem immerwährenden Aufenthalt im Jenseits verlangen, für ewige Zeiten hinzurichten, sie mit all ihren Organen, unter denen allein ihr Gehirn sie zu hunderterlei Weisheit und Nutzanwendungen befähigt und mit all den Fähigkeiten, die sie tausendfach zu nutzen wissen, ohne wieder aufzuerstehen, in einem Tod ohne Sinn, Zweck und Nutzen, ja ohne Weisheit, so völlig zu verschwenden, welch ein Widerspruch zu Seiner Weisheit wäre das doch und welch ein Gegensatz zu der Majestät Seines Königreiches (hashmet-i saltanat)und der Vollkommenheit Seiner Herrschaft (kemal-i rububiyet),Seine tausend Drohungen und Versprechungen nicht einzuhalten, was - Gott behüte! - nur Seine Schwäche und Seine Unwissenheit zeigen würde, was ja jeder verstehen kann, der einen Funken Bewusstsein in sich trägt. Denke einmal über Seine Gnade (inayet)und Gerechtigkeit (adalet)in diesem Zusammenhang nach...
So beantwortet unser Schöpfer die Frage, die wir Ihm gestellt hatten, im Gedächtnis Seiner Namen "der Allbarmherzige (Rahman),der Allweise (Hakiem),der Gerechte (Adl),der Freigiebige (Keriem)und der Herrscher (Hâkim)",die ohne Verdacht noch Zweifel und in Wahrheit das Jenseits sonnenklar beweisen.
Des Weiteren sehen wir mit unseren eigenen Augen: Da ist eine alles umfassende, souveräne (azametli)
Logistik (hafiziyet hukm)am
Werk, sodass die Bilder von den Lebewesen und deren Lebenslauf, das Heft, in dem ihre naturgemäßen (fitri)Aufgaben eingetragen werden und ihre Taten, durch die sie wortlos (lisan-i hal)die Namen Gottes rezitieren (tesbihat),auf Tafeln für die Beispiele, in den Kernen und Körnern, in dem Erinnerungsvermögen des Menschen, das ein kleines Beispiel für die Wohlverwahrte Tafel (lauh-i mahfudh)ist, besonders in dem Gedächtnisvermögen im Gehirn des Menschen, welches eine überaus umfangreiche Bibliothek auf kleinstem Raum ist, und noch in verschiedenen anderen sichtbaren und unsichtbaren Spiegeln aufgenommen, bewahrt und gespeichert werden. Wenn dann ihre Jahreszeiten der Reihe nach kommen, zeigen sich diese unsichtbaren Schriften in einer materiellen Form unseren Augen, und so kommt die überaus erstaunliche Wahrheit der Wiederauferstehung, die in der Ayah وَ اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)} bekannt gegeben wird, anhand von Millionen von Nachbildungen, Beweisen und Musterbeispielen in jedem Frühling zum Ausdruck, der eine Blüte der Macht Gottes ist, und der sie in dieser großen Blüte mit ihren Milliarden Zungen dem ganzen Kosmos bekannt macht. Das beweist, was vor allem das Menschengeschlecht betrifft und alle Lebewesen, und alles, was da ist, nicht um in das Vergehen zu fallen, in das Nichts zu stürzen, in der Nichtigkeit verloren zu gehen, und dass vor allem das Menschengeschlecht wie alle Lebewesen nicht geschaffen wurde, um hingerichtet zu werden, vielmehr dass sie erschaffen wurden, um fortzuschreiten in ein ewiges Bestehen, sich zur Beständigkeit hin zu läutern und mit ihren Fähigkeiten in einen immerwährenden Dienst zu treten.
In der Tat beobachten wir in jedem Frühling, dass unendlich viele Pflanzen, die im Herbst gleich wie in einem Weltuntergang gestorben sind, am Wiederauferstehungstag
des Frühlings mit jedem Baum, jeder Wurzel, jedem Samenkern und Korn die Ayah وَ اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)} rezitieren, dessen Bedeutung jede in ihrer eigenen Art, in jeder einzelnen Facette erklärt, so wie sie in den vorausgegangenen Jahren ihre Aufgaben versehen hatte, und so eine souveräne Logistik (azametli hafiziyet)bezeugt. Die vier gewaltigen Wahrheiten in der Ayah هُوَ الْأَوَّلُ وَ الْاٰخِرُ وَ الظَّاهِرُ وَ الْبَاطِنُ {"Er ist der Erste und der Letzte, der Offenbare und der Verborgene." (Sure 57, 3)} zeigen sich in allen Dingen und unterrichten uns über die Tatsache dieser Speicherung in gewaltigem Umfang (hafiziyeti a'dham)und die Wiederauferstehung in der Leichtigkeit und Sicherheit der Erschaffung eines Frühlings. In der Tat umfassen die Erscheinungen dieser vier Namen Gottes alles vom Kleinsten bis zum Größten.
Zum Beispiel: Ein Samenkern, der der Ursprung eines Baumes ist, offenbart den Namen Gottes اَ لْأَوَّلُ {"der Erste",} indem er ein kleines Kästchen darstellt, das das absolut vollkommene Programm dieses Baumes, die Anlagen für seine einwandfreie Erschaffung und alle Bedingungen für seine Entfaltung enthält, beweist so Seine souveräne Logistik (hafiziyetin azamet).Was seine Frucht betrifft, in der sich der Name Gottes وَ الْاٰخِرُ {"der Letzte"} offenbart, so ist sie ein kleines Kästchen, das in seinem Samenkern das Inhaltsverzeichnis aller natürlichen (fitri)Aufgaben
dieses Baumes, eine Liste seiner Funktionen und die Prinzipien seines zweiten Lebens (im Keim) enthält, und bezeugt so den Grad Seiner souveränen (a'dhami)Logistik (hafiziyet).
Was das Äußere dieses Baumes betrifft, in dem sich der Name Gottes وَ الظَّاهِرُ {"der Äußere"} offenbart, so ist es ein dermaßen vortrefflich passendes, kunstvoll ausgestattetes und geschmücktes Hemd, ein Anzug ausgestattet mit den verschiedensten Ornamenten und Schmuckstücken, mit vergoldeten Orden, als wäre es das Kleid einer Paradiesesjungfrau mit siebzig verschiedenen Farben, und zeigt so den Augen mit Seiner Logistik (hafiziyet)die souveräne Macht Gottes (azamet-i qudret),Seine vollkommene Weisheit (kemal-i hikmet)und Seine makellose Barmherzigkeit (djemal-i rahmet).
Was das Kraftwerk in diesem Baum betrifft, in dem sich der Name Gottes وَ الْبَاطِنُ {"der Innere"} offenbart, so ist es eine einwandfreie, aufs beste geordnete, wunderbare Fabrik, eine Werkbank, ein Chemielabor und ein Speisekessel, der wohlausgewogen keinen Ast, keine Frucht und kein Blatt unversorgt lässt, und beweist mit Seiner Logistik (hafiziyet)sonnenklar die vollkommene Macht und Gerechtigkeit (kemal-i qudret ve adalet)Gottes und Seine makellose Barmherzigkeit und Weisheit (djemal-i rahmet ve hikmet).
Genauso ist auch die Erde hinsichtlich ihrer Jahreszeiten gleich einem Baum. Im Herbst, in dem der Name اَلْأَوَّلُ {"der Erste"} in Erscheinung tritt, werden Samenkerne und Körner Seiner Logistik (hafiziyet)anvertraut. Sie sind kleine Sammelhefte der Befehle Gottes, für die Gestaltung der Erde, die das Kleid
des Frühlings anzieht und einem Baum gleicht, der Milliarden Äste und Zweige ansetzt, Früchte trägt und blüht. Sie sind Inhaltsverzeichnisse der Prinzipien, die von der Vorherbestimmung Gottes (qader)aufgestellt wurden, und winzig kleine Dienstbücher und Berichtshefte der Arbeiten des vergangenen Sommers, welche offensichtlich zeigen, dass ein majestätischer, freigiebiger Bewahrer (Hafiz-i Dhu l-Djelali Vel'ikram)(und Herr aller Logistik) mit Macht (qudret),Gerechtigkeit (adalet),Weisheit (hikmet)und Barmherzigkeit (rahmet)am Werk ist.
Was das jährliche Ende dieses Baumes, der die Erde ist, im darauffolgenden Herbst betrifft, so werden alle Aufgaben, die dieser Baum versehen hat, alle natürlichen Lobpreisungen (fitri tesbihat),in (der Offenbare) denen er die Namen Gottes rezitiert hat, und alle Dienstbücher, die an seinem Auferstehungstag im kommenden Frühling geöffnet werden, in winzig kleinen Kästchen gespeichert und der weisen (hikmet)Hand des majestätischen Bewahrers (Hafiz-i Dhu l-Djelal)anvertraut (teslim).Auf diese Weise trägt er mit unendlich vielen Zungen den Namen Gottes وَ الْاٰخِرُ {"Er ist der Letzte"} im Antlitz des Alls vor.
Was das Äußere dieses Baumes betrifft, so blüht er mit dreihunderttausend verschiedenen Arten von Blüten, die dreihunderttausend Beispiele und Zeichen der Wiederauferstehung setzen, bereitet (wenn die Seiten offen gelegt werden) zahllose Tische des Erbarmers (rahmaniyet),des Versorgers (rezzaqiyet),des Barmherzigen (rahiemiyet)und Freigiebigen (kerimiyet)und gibt den Lebewesen Gastmähler. So rezitiert er mit den vielen Zungen seiner Früchte und Blüten, mit seinen Speisen (z.B. Blätter) den Namen Gottes: وَ الظَّاهِرُ {"Er ist der Offenbare"} gedenkt Seiner und zeigt so klar wie der Tag die Wahrheit
von: وَ اِذَا الصُّحُفُ نُشِرَتْ {"Wenn die Seiten offen gelegt werden." (Sure 81, 10)}
Was das Innere dieses großartigen Baumes betrifft, so ist es ein Kessel und eine Werkbank, die grenzenlos und unzählbar viele wohlgeordnete Maschinen und bestens organisierte Fabriken in vollkommener Aufmerksamkeit und Ordnung betreibt, sodass er aus einem Dirhem (etwa drei Gramm) tausend Batman (Zentner) Speisen bereitet und den Hungrigen überreicht. Seine Arbeit ist mit so viel Aufmerksamkeit und Organisation verbunden, dass auch nicht für ein Stäubchen Zufall Platz bleibt. Wie manche Engel, die Gott mit hunderttausend Zungen preisen, macht die Erde durch ihr Inneres den Namen Gottes وَ الْبَاطِنُ {"Er ist der Verborgene."} in hunderttausend verschiedenen Formen bekannt und beweist Ihn.
Sowie die Erde im Jahreslauf als ein Baum erscheint, der innerhalb dieser vier Namen eine Logistik (hafiziyet)offenbart, die als Schlüssel zur Wiederauferstehung im Jenseits gilt, so erscheint sie im Ablauf der Jahrhunderte und des irdischen Lebens wiederum als ein wohlgeordneter Baum, dessen Früchte auf den Markt des Jenseits exportiert werden. An ihm offenbaren sich diese vier Namen in der Weise, dass sie zu einem Spiegel werden und einen Weg ins Jenseits öffnen, den in seiner Breite zu überblicken und zu beschreiben, unser Verstand nicht ausreicht. Nur soviel können wir sagen:
Es sind ja die Zeiger einer Uhr, welche die Sekunden, Minuten, Stunden, Tage und Wochen anzeigen, voneinander abhängig und verweisen aufeinander. Wer die Bewegung des Sekundenzeigers sieht, kann die Bewegung der Spindel (auf der er sitzt) nicht abstreiten. Genauso gleicht diese Erde der Großen Uhr des majestätischen
Schöpfers (Khaliq-i Dhu l-Djelal)der Himmel und der Erde. Doch hier zählt der Sekundenzeiger die Tage, der Minutenzeiger zählt die Jahre, der Stundenzeiger die Jahrhunderte und der Tageszeiger die Epochen, (und die einzelnen Zeiger) sind voneinander abhängig und verweisen aufeinander. Wie aber nach dieser Nacht der Morgen anbricht und nach diesem Winter der Frühling beginnt, so wird mit der selben Sicherheit nach dieser vergänglichen Welt finsterem Winter der für ewig fortbestehende Frühling und ein immerwährender Morgen anbrechen, so wie uns der Schöpfer auf unsere Fragen nach der Wiederauferstehung im Jenseits mit der oben erwähnten Wahrheit mit seinen Namen "der Bewahrer" (Al-Hafidh)und
هُوَ الْأَوَّلُ وَ الْاٰخِرُ وَ الظَّاهِرُ وَ الْبَاطِنُ
{"Er ist der Erste und der Letzte der Offenbare und der Verborgene."}
Antwort gibt.
Des Weiteren erkennen wir mit unseren Augen und begreifen mit unserem Verstand, dass der Mensch die höchste und vielseitigste Frucht dieses kosmischen Baumes ist. In mohammedanischer Wahrheit ist er der Same an seinem Ursprung, das Grosse Zeichen aus dem kosmischen Qur'an und der Thronvers, der den Namen der Göttlichen Souveränität enthüllt. Er ist der ehrenvoll empfangene Gast in diesem kosmischen Schloss und der tüchtigste Beamte, dem ein Handlungsspielraum über allen anderen Bewohnern dieses Schlosses gestattet worden ist. Er ist ein Minister in der kosmischen Stadt des Bezirks Erde, beauftragt mit der Aufsicht über Ertrag, Ausgaben und Bestellung der Samen in Acker und Garten, ausgestattet mit hunderterlei Wissen und tausenderlei Handwerk, und der Beobachter, der nicht nur den meisten Lärm macht, sondern auch die größte Verantwortung trägt. Er ist ein Inspektor des kosmischen Landes in der Provinz Erde, der unter aufmerksamer Aufsicht des Ewigen Königs der Ewigkeiten (Padishah-i Edhel ve Ebed)
dient, und Sein Statthalter,
dessen Bewegungen, alle, ob klein oder groß, aufgenommen werden. Er ist derjenige, der das große ihm anvertraute Gut, das auf sich zu nehmen, Himmel, Erde und Berge sich scheuten, auf die Schulter nahm, und vor dem sich zwei eigenartige Wege öffnen, auf derem einen er das glücklichste, auf dem anderen aber das unglücklichste aller Geschöpfe ist. Er trägt als der Diener aller, die Verantwortung für einen alles umfassenden Gottesdienst, durch den sich der gewaltige Name des Königs (sultaninin ism-i a'dham)des Kosmos offenbart, der eine Spiegelung all Seiner Namen ist, und er ist ein direkter Ansprechpartner, der die Ansprache des Gepriesenen (Subhan)und Seine Worte am besten versteht. Er ist der Bedürftigste unter allen Lebewesen im Kosmos und ein bedauernswertes Lebewesen, das trotz seiner grenzenlosen Armseligkeit und Ohnmacht grenzenlos viele Ziele und Wünsche und grenzenlos viele Feinde hat. Und es gibt viele Dinge, die ihn beeinträchtigen, ja ihm schaden können. Er ist überaus reich, was seine Fähigkeiten betrifft, nicht so jedoch hinsichtlich seiner Freude am Leben, das ihm den tiefsten Schmerz bereitet, denn seine Freude ist mit schrecklichen Schmerzen vermischt. Er verlangt mit größter Sehnsucht nach einer ewigen Bleibe, die er am meisten verdient, ihrer am meisten bedarf und ihrer auch am würdigsten ist. Er erbittet und erfleht die ewige Glückseligkeit mit zahllosen Gebeten. Würden alle Freuden der Welt ihm gegeben, so könnten sie dennoch seinen Wunsch nach einer ewigen Bleibe nicht befriedigen. Seinem Herrn und Gastgeber gegenüber steigert sich seine Liebe, macht Ihn zu seinem Geliebten und in seiner Anbetung wird er selbst zu Seinem Geliebten. Er ist ein einzigartiges Wunderwerk der Macht Gottes des Einzigartigen (mu'djize-i qudret-i Samedaniye).Er ist eine außerordentliche Schöpfung, die den ganzen Kosmos in sich trägt. Alle seine menschlichen Anlagen bezeugen, dass er für die Ewigkeit erschaffen wurde.
Für diese Menschen, die sich mit den oben erwähnten zwanzig umfassenden Wahrheiten dem Namen Gottes
"der Gerechte (ism-i Haq)"verbinden und deren Taten von dem majestätischen Bewahrer (Hafiz-i Dhu l-Djelal),der selbst das kleinste Bedürfnis auch noch des winzigsten Lebewesens kennt, sein Flehen hört, und mit Seinem Eingreifen beantwortet, wahrgenommen werden, deren Handlungen, die sich auf den ganzen Kosmos auswirken, durch die Engel, von dem ehrenwerten Sekretär des Bewahrers, aufgeschrieben werden, und die vor allen anderen Dingen die Aufmerksamkeit des Herrn gefunden haben, für diese Menschen wird ohne Zweifel und in jedem Fall nach der Schlussfolgerung aus den obigen zwanzig Wahrheiten der Tag der Wiederauferstehung und der Wiederversammlung im Jenseits anbrechen.
Unter dem Namen "der Gerechte (ism-i Haq)"wird der Mensch seine Belohnung für die von ihm verrichteten Dienste und die Strafe für seine Fehler erhalten. Er wird für all seine Taten, ob groß, ob klein, die unter dem Namen "der Bewahrer (Hafiz)"aufgenommen worden sind, verhört und zu Rechenschaft gezogen werden. Am Ort des ewigen Bleibens werden sich ihm die Tore zum Gastmahl der ewigen Glückseligkeit und zum Gefängnis der ewigen Verdammnis öffnen. Ein Offizier, der in dieser Welt über viele Völker das Kommando hat, sich in ihre (inneren) Angelegenheiten mischt und sie von Zeit zu Zeit in Unruhe versetzt, wird nicht zu Grabe gehen, sich (so einfach) hinlegen und verstecken können, ohne (wieder) auferweckt und nach all seinen Taten befragt zu werden.
Sollte Er, der selbst das Sirren einer Mücke hört, ihr das Lebensrecht gibt und ihr mit Seinem Eingreifen antwortet, das unbeschränkte Recht des Menschen auf eine Ewige Bleibe nicht achten, seine Gebete, die von den Zungen der obenerwähnten zwanzig Wahrheiten kraftvoll wie der Donner gesprochen werden und von der Erde herauf bis zum Thron Gottes schallen, nicht hören und dieses unbeschränkte Recht verletzen? Sollte die Weisheit, die - wie die Ausgewogenheit eines Mückenflügels bezeugt - noch nicht einmal etwas so groß wie ein Mückenflügel verschwendet,
alle menschlichen Begabungen, mit denen alle diese Wahrheiten verbunden sind, und alle menschlichen Hoffnungen und Wünsche, die sich in die Ewigkeit hin erstrecken, und all die vielen Verbindungen und Gegebenheiten im Kosmos, die diese Begabungen und Wünsche nähren, ganz und gar unbeachtet lassen? Das aber wäre eine solche Ungerechtigkeit und eine so grausame Abscheulichkeit, dass sie als außerhalb jeglicher Möglichkeit von allen Existenzen zurückgewiesen werden müsste, die für die Namen Gottes "der Gerechte (Haq),der Bewahrer (Hafiz),der Weise (Hakiem),der Schöne (Djemil)und der Barmherzige (Rahiem)"Zeugnis ablegen und sagen: "es ist hundertfach unvorstellbar und in tausenderlei Hinsicht unmöglich."
So gibt denn der Schöpfer auf unsere Frage nach dem Jenseits mit Seinen Namen "der Gerechte (Haq),der Bewahrer (Hafiz),der Allweise (Hakiem),der Schöne (Djemil)und der Barmherzige (Rahiem)"Antwort, indem uns diese Namen sagen: "So wie wir wahr und wirklich (haq ve haqiqat)sind und gleich der Wirklichkeit der Existenzen, die uns bezeugen, ist die Wiederauferstehung wahr (haq)und wirklich (muhaqqaq)."
Des Weiteren... ich wollte noch mehr schreiben, weil aber alles schon sonnenklar erklärt worden ist, will ich hier jetzt abbrechen.
Wie jeder von den hundert, ja sogar tausend Namen Gottes des Gerechten, die die Welt betrachten, anhand ihrer Erscheinungen in allem, was da ist, - im Vergleich mit den obenerwähnten Beispielen und Abschnitten - eindeutig ihren Träger zeigen, genauso zeigen und beweisen sie auch die Wiederauferstehung und das Haus des Jenseits mit Gewissheit.
So wie unser Herr, der Schöpfer auf unsere Fragen mit all Seinen Erlassen, all den Büchern, die Er herab gesandt hat, mit den meisten Namen, die Er trägt, uns heilige und sichere Antwort gibt, genauso lässt Er uns, wenn auch auf andere Art und Weise, durch Seine Engel und ihre Zungen Antwort bringen. Sie sagen:
"Seit der Zeit Adams gibt es Hunderte von einstimmigen Überlieferungen (ahadith)dafür, dass es Begegnungen sowohl mit den Geistwesen, als auch mit uns gibt. Es gibt zahllos viele Zeichen und Beweise für unser eigenes als auch der Geistwesen Dasein und Gottesdienst. Während unserer Begegnungen mit euren Anführern (Propheten),sagten wir ihnen übereinstimmend und sagen immer noch, dass wir in den Sälen des Jenseits und noch manch anderen Bereichen umher wandeln. Wir haben keinen Zweifel daran, dass diese ewig bleibenden und vollkommenen Säle, in denen wir uns hier bewegen, und die Schlösser und Wohnstätten, die hinter diesen Sälen eingerichtet und vorbereitet sind, auf sehr bedeutende Gäste warten, die sich an diesen Orten ansiedeln werden. Dies ist die Gewissheit, die wir euch mitteilen."
Und dies ist ihre Antwort, die sie uns bringen.
Des Weiteren müssen wir dieselben Fragen, die wir dem Schöpfer gestellt haben, vor allem an Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei, den der Schöpfer für uns als größten Lehrer, als vollkommensten Lehrmeister und richtigen Wegweiser, der nicht irrt und nicht in die Irre führt, ernannte, und den Er zu uns als letzten Propheten sandte, richten, um von der Stufe einer Gewissheit, begründet durch wissenschaftliche Kenntnisse (ilme l-yaqien),
auf die Stufe der augenscheinlich bezeugten (ayne l-yaqien)und selbst erfahrenen, wahrhaftigen Gewissheit (haqqa l-yaqien)zu gelangen.
Denn: Wie diese Persönlichkeit mit ihren tausend Wundern, dessen jedes ein bestätigendes Zeichen durch den Schöpfer ist, als ein Wunder des Qur'an gilt und beweist, dass der Qur'an wahr und Gottes Wort ist, so ist auch der Qur'an mit seinen vierzig Arten Wundern ein Wunder dieser Persönlichkeit, und beweist, dass sie wahrhaftig und Gesandter Gottes ist. Die Wahrheit der Wiederauferstehung am Jüngsten Tag, die diese beiden, der eine als Sprecher der bezeugten Welt mit seinem ganzen Leben, bestätigt durch alle Propheten und Heiligen, der andere als Sprecher der unsichtbaren Welt, mit seinen tausend
Versen, bestätigt durch alle vom Himmel geoffenbarten Erlasse und durch die Tatsache der Schöpfung, behaupten und beweisen, strahlt so sonnenhell und ist in jedem Fall so sicher wie der helle Tag.
In der Tat kann eine Frage wie die der Wiederauferstehung, welche so eigenartig und überwältigend ist und über jeden Verstand hinausgeht, allein und einzig durch die Unterweisungen dieser beiden wunderbaren Lehrmeister bewältigt und verstanden werden.
Der Grund dafür, dass die Propheten der früheren Zeiten ihren Gemeinden darüber keine ausführlichen Erklärungen wie die des Qur'an gegeben hatten, liegt darin, dass sich die Menschheit in damaliger Zeit noch im Kindheitsstadium befand und auf der Stufe der Nomaden lebte. Und im Unterricht für Anfänger wird noch kaum etwas ausführlich erklärt.
Zusammenfassung:
Da die meisten Namen Gottes des Gerechten nun einmal das Jenseits (und damit die Ewigkeit) voraussetzen und erfordern, so verweisen mit Sicherheit auch alle Zeugnisse, wie sie einerseits diese Namen zu erkennen geben, andererseits auch auf die Bewahrheitung des Jenseits.
Da die Engel nun einmal berichten, dass sie die Bereiche des Jenseits und der ewig bestehenden Welt gesehen haben, gelten mit Sicherheit auch die Beweise, die für die Existenz der Engel, Geister und Geistwesen und für ihren Gottesdienst angeführt werden, für die Existenz des Jenseits.
Da sich Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, nun einmal in seinem ganzen Leben, im Ansatz und den Fundamenten seiner Lehre immer erst auf die Einheit Gottes und dann auf das Jenseits bezogen hat, bezeugen alle Wunder und alle Beweise, die einerseits das Prophetentum und die Wahrhaftigkeit dieser Persönlichkeit aufzeigen, den Anbruch des Jüngsten Tages und die Bewahrheitung des Jenseits.
Da ein Viertel des Qur'an nun einmal von der Wiederauferstehung am Jüngsten Tag und dem Jenseits handelt und, es mit tausend Versen beweisen, und von ihm berichten, bezeugen und zeigen mit Sicherheit alle Zeugnisse und alle Beweise, die die Wahrheit des Qur'an bezeugen und aufzeigen, dabei auch die Existenz des Jenseits, seine Wahrheit und seinen Anbeginn.
Nun betrachte und sieh, wie stark und sicher dieser Glaubenspfeiler ist!
* * *
Achte Problemstellung
Zusammenfassung:
In der Siebenten Problemstellung wollten wir in verschiedenerlei Zusammenhang (maqamat)nach der Wiederauferstehung fragen. Da die Antwort, die der Schöpfer uns mit Seinen Namen gegeben hat, uns eine so unerschütterliche Gewissheit und Überzeugung gegeben hat, dass es unnötig geworden war, noch weitere Fragen zu stellen, hatten wir dort abgebrochen. Hier, in dieser Problemstellung wollen wir ein Hundertstel von dem Gewinn, dem Ertrag des Glaubens an das Jenseits, wie er sowohl das Glück im Jenseits als auch das weltliche Glück sicher stellt, kurz zusammengefasst erklären. Was den Abschnitt über das Glück im Jenseits betrifft so haben die Erklärungen des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, jede weitere Erklärung völlig überflüssig werden lassen. Diesen Abschnitt überlassen wir also dem Qur'an und die Erklärungen dessen, was das weltliche Leben angeht, der Risale-i Nur. Hier wollen wir nur kurz zusammengefasst drei, vier unter hunderten von Erträgen, Ergebnissen erklären, die das persönliche und gesellschaftliche Leben des Menschen betreffen:
Erstens:
Wie der Mensch, im Gegensatz zu anderen Lebewesen, mit seinem Haus verbunden ist, so ist er auch mit der Welt verbunden. So wie er mit seinen Verwandten verbunden ist, so ist er natürlicher Weise auch
mit der Menschheit fest verbunden. So wie er nach dem flüchtigen Dasein in dieser Welt verlangt, so verlangt er auch mit Liebe und Sehnsucht nach dem Sein im Haus der Ewigkeit. So wie er sich darum bemüht, das Bedürfnis seines Magens zu befriedigen, so muss er sich natürlicher Weise auch darum bemühen, ja sich geradezu anstrengen, einen Tisch zu decken, der so groß ist wie die Welt, ja sich sogar noch bis in die Ewigkeit hinein erstreckt, um Nahrung herbeizuschaffen, um Mägen zu füllen (für die Versorgung von) Herz und Verstand, für den Geist und die Menschlichkeit. Er hat solche Wünsche und solche Forderungen, dass nichts außer dem ewigen Glück im Jenseits sie zu befriedigen vermag. Ich fragte sogar einmal (als ich noch klein war), und ich habe schon einmal im "Zehnten Wort" darauf hingewiesen, meine Phantasie:
"Willst du, dass man dir ein Leben von einer Million Jahren und die Welt zum Königreich gäbe und danach ins Nichts und in die Verlorenheit hinunter stürzen? Oder willst du ein ewiges, aber einfaches und mühevolles Dasein?" Da sah ich, dass ich mich (in meiner Vorstellung) nach dem zweiten sehnte, während das erste mir ein "Ach" entlockte und sagte: "Ich wünsche mir die Ewigkeit, und sei es auch in der Hölle."
Da nun einmal die weltlichen Freuden das Vorstellungsvermögen (quvve-i hayal),welches ein Diener des menschlichen Geistes (mahiyet-i insaniye)ist, nicht befriedigen können, ist der Geist des Menschen (mahiyet-i insaniye)in seiner ganzen Vielseitigkeit auf jeden Fall schon von Natur her mit der Ewigkeit verbunden. Für diesen Menschen, der so an seine grenzenlosen Wünsche und Erwartungen gebunden ist, dessen Grundkapital aber aus seiner winzig kleinen Entscheidungsfreiheit (djuz-i ihtiyar)besteht und der grenzenlos arm (fakr-i mutlaq)ist, bringt der Glaube an das Jenseits als ein so mächtiger und reicher Schatz, als Quelle des Glücks und der Freude, als ein Schlüssel, Hilfe zu erbitten, ein Zufluchtsort, ein Halt und ein Trost gegenüber den zahllosen Sorgen in dieser Welt, Frucht und Gewinn (in so reichem Maße), dass ihn zu gewinnen
selbst sein irdisches Leben zu opfern, dennoch billig wäre.
Zweite Frucht und der Nutzen, den sie für das persönliche Leben bringt:
Ein wichtiger Ertrag, was bereits in der "dritten Problemstellung" erläutert wurde und sich in dem "Wegweiser für die Jugend" als Anmerkung findet:
Es ist in der Tat der größte Kummer jedes Menschen, dass er ständig daran denken muss, dass auch er, wie seine Freunde und Verwandten, die bereits ins Grab hinabgestiegen sind, in dieses Haus der Hinrichtungen hinabsteigen muss. Während also dieser arme Mensch, der bereit gewesen wäre, sein Leben zu opfern, wenn er damit auch nur einen einzigen seiner Freunde retten könnte, meinte, seine tausend, ja sogar Millionen oder Milliarden Freunde seien durch ihre Hinrichtung auf ewig von ihm getrennt, einen Schmerz, schlimmer als Höllenqual, je bewusster, je mehr verspürte, dämmerte über ihm der Glaube an das Jenseits, öffnete ihm die Augen, lüftete ihm den Schleier und sagte zu ihm: "Schau!" Da schaute er im Glauben. Und er sah, dass diese seine Freunde, errettet vom ewigen Tode und dem Vermodern, nun glücklich in einer lichtvollen Welt auf ihn warten, verspürte diese geistige Freude, die ihm von der Freude des Paradieses Kunde gibt. Dieses Ergebnis wurde bereits in der Risale-i Nur bewiesen und erklärt, sodass wir uns hier mit dieser kurzen Zusammenfassung begnügen wollen.
Dritter Nutzen für das persönliche Leben:
Der Mensch ist hinsichtlich seiner hohen Eigenschaften, seiner vielseitigen Begabungen (istidad),seiner alles umfassenden Pflicht zu Dienst und Anbetung und seines weiten Existenzbereiches den anderen Lebewesen überlegen und kann über sie verfügen. In Wirklichkeit aber empfängt der Mensch diese Werte wie Hingabe, Liebe, Brüderlichkeit und Menschlichkeit entsprechend dem Maß der gegenwärtigen Zeit, im Vergleich mit der Kürze der Zeit, die eingeklemmt ist mitten zwischen Vergangenheit und Zukunft, einer Zeit, die schon tot und gewesen und der, die noch im Dunkel liegt.
Zum Beispiel: Der Mensch liebt seinen Vater, seinen Bruder, seine Frau, sein Volk und sein Land, die er vorher nicht kannte und nach dem Abschied nie wieder sehen wird und dient ihnen. Vollständige Treue (sadaqat)und Aufrichtigkeit (ikhlas)gelingt ihm nur sehr selten. In diesem Verhältnis verringern sich seine Vollkommenheit und seine Werte. Er wird noch nicht einmal zum höchsten und edelsten unter allen Tieren, nein, auf Grund seiner Fähigkeit, sich Gedanken zu machen, stürzt er kopfüber hinab und würde noch zum untersten und elendesten von ihnen, käme ihm nicht der Glaube an das Jenseits zu Hilfe. Er weitet ihm die Grabesenge seiner Zeit und verwandelt sie so, dass sie die vergangene und die kommende Zeit umfasst. Er zeigt ihm den ganzen Bereich des Seins (der Zeit), der so groß ist wie die Welt (in ihrer Geschichte), ja sich sogar von Ewigkeit zu Ewigkeit erstreckt. Er verehrt und liebt seinen Vater, seine Geschwister und seine Gattin, erbarmt sich ihrer und hilft ihnen in der Vorstellung, dass (sein Vater) auch im Haus der ewigen Glückseligkeit und der Welt der Geister sein Vater, seine Geschwister für ewig seine Geschwister und seine Gattin im Paradies seine schönste Lebenspartnerin bleiben wird. Im Umgang mit seinen Angehörigen in diesem großen und weiten Haus des Lebens und des Daseins gebraucht er die unentbehrlichen Dienste (die er ihnen erweist) und den Respekt (den er ihnen schuldet) nicht als Mittel für die wertlosen Dinge dieser Welt, für seine persönlichen, eigennützigen Vorteile oder zur Befriedigung einer niederen Gesinnung. In aufrichtiger Treue (sadaqat)und ehrlicher Gesinnung (ikhlas)wächst seine Vollkommenheit und sein Wert (als Mensch) beginnt in gleichem Maß - seinem (inneren) Niveau entsprechend - zu steigen. Seine Menschlichkeit vertieft sich. Dieser Mensch, der einen Sperling in seiner Lebensfreude nicht erreichen kann, wird über allen Tieren ein angesehener, glücklicher Gast der ganzen Schöpfung und ein geliebter und geschätzter Diener des Herrn dieser Schöpfung. Dieses Ergebnis wurde auch schon (in
anderen Abhandlungen) der Risale-i Nur bewiesen und erklärt, sodass wir uns hier mit dieser kurzen Zusammenfassung begnügen wollen.
Vierter Nutzen, der das soziale Leben des Menschen betrachtet:
Eine kurze Zusammenfassung dieses Ergebnisses, welches im "Neunten Strahl" der Risale-i Nur erklärt wurde, ist folgende:
Die Kinder, welche ein Viertel der Menschheit darstellen, können nur im Glauben an das Jenseits als Menschen leben und menschliche Qualitäten aufweisen. Anderenfalls werden sie in ihrem Kummer und in ihren Sorgen, versuchen, sich zu vertrösten und zu vergessen, kindisch, faul und ungezogen nur mit ihrem Spielzeug leben. Denn Kinder gleichen Alters, die ständig ringsum sterben, wirken auf den empfindsamen Geist der Kinder und ihr weiches Herz, welches endlos viele Wünsche für ihre Zukunft tragen und in ihrer noch nicht tragfähigen Seele dermaßen, dass das Leben für diese Armen zur Qual und der Verstand zu einem Folterwerkzeug wird. In dieser Lage verspüren sie durch den Unterricht im Glauben an das Jenseits Freude und Erleichterung anstelle von Sorgen, vor denen sie ihre Augen verschließen und sich hinter ihrem Spielzeug verstecken. Ein Kind sagt dann z.B.:
"Dieser mein Bruder oder Freund ist gestorben. Nun ist er ein Vogel im Paradies geworden. Dort hat er es nun besser. Er fliegt nun dort frei umher und hat viel Freude. Meine Mutter ist gestorben, aber sie ist in Gottes Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)eingegangen. Dort werde ich meine liebe Mutter wieder sehen. Sie wird mich im Paradies auf den Schoss nehmen und liebkosen." Auf diese Weise vermag es in seinem wahren Menschsein zu leben.
Die Alten aber, welche ein weiteres Viertel der Menschheit ausmachen, können sich einzig und allein mit dem Glauben an das Jenseits darüber hinweg trösten, dass ihr (irdisches) Leben bald erlöschen wird und sie dann unter der Erde liegen werden und sich die Tür zu dieser schönen und lieblichen Welt schließen wird. Sonst würden alle
diesen barmherzigen und verehrten (merhametli muhterem)Väter und opferbereiten und liebevollen (fedakar shefqatli)Mütter, ein solches Weh des Geistes und eine derartige Verwirrung des Herzens erleiden, dass ihnen die Welt wie ein Kerker der Verzweiflung und das Leben einer peinvollen Strafe gleich wäre. Aber der Glaube an das Jenseits sagt ihnen:
"Macht euch keine Sorgen. Es gibt für euch eine ewige Jugend und sie wird kommen. Eine prachtvolle Welt und ein unendliches Leben warten auf euch. Mit den Kindern und Verwandten, die ihr verloren habt, werdet ihr voll Freude wieder zusammentreffen. Alle eure guten Taten werden aufbewahrt, und ihr werdet die Belohnung dafür erhalten." So gibt der Glaube an das Jenseits eine solche Tröstung und Erleichterung, dass sie nicht verzweifeln, auch wenn sich das Alter hundertfach gleichzeitig über jedem von ihnen herein bräche.
Wenn junge Leute, die ein Drittel der Menschheit ausmachen, im Überschwang ihrer Gefühle, in ihrem Übermut und überwältigt von ihren Leidenschaften ihren Verstand nicht immer im Kopf haben, den Glauben an das Jenseits verlieren und nicht mehr an die Strafe in der Hölle denken, geraten Besitz und Würde der ehrenwerten Menschen, Wohl und Respekt der schwachen und alten im gesellschaftlichen Leben in Gefahr. Manchmal zerstören sie um eines Genusses von einer Minute willen den Frieden eines glücklichen Hauses und verbüßen dafür eine Gefängnisstrafe von vier, fünf Jahren. So werden sie wilden Tieren gleich.
Kommt der Glaube an das Jenseits einem (jungen Menschen) zu Hilfe, so kommt er auch schnell wieder zur Besinnung. "Die Polizeibeamten können mich zwar nicht sehen. Ich kann mich vor ihnen verstecken. Aber die Engel des majestätischen Königs (Padishah-i Dhu l-Djelal),dessen Kerker der Hölle gleicht, sehen mich und notieren sich alle meine Bosheiten. Ich bin nicht mir selbst überlassen, sondern ein Reisender, der seinen Auftrag hat. Zudem werde auch ich einmal so alt und schwach werden (wie die alten Leute)."
So sagt er und beginnt auf einmal den Menschen, die er missachtet hatte und die er überfallen wollte, gegenüber Liebe (shefqat)und Respekt (hurmet)zu verspüren. Da auch diese Bedeutung in der Risale-i Nur bewiesen und erklärt wurde, wollen wir uns hier mit dieser kurzen Zusammenfassung begnügen.
Des Weiteren bilden die Kranken, die Unterdrückten, diejenigen, die wie wir vom Unglück betroffen sind, die Armen und die Gefangenen mit langjährigen Strafen, einen bedeutenden Anteil der Menschheit. Kommt ihnen der Glaube an das Jenseits nicht zu Hilfe, so werden der Tod, der ihnen durch ihre Krankheit ständig mahnend vor Augen steht, der Hochmut und die Bosheit der Gewaltmenschen, deren Händen sie ausgeliefert sind, an denen sie keine Rache nehmen können und vor denen sie die Ehre ihres Hauses nicht retten können, die schmerzvolle Verzweiflung über die großen Katastrophen, in denen sie ihr Hab und Gut und ihre Kinder ohne jeden Sinn verloren haben, und die Ängste und Sorgen, die ihnen aus fünf oder zehn Jahren Gefängnisstrafe für ein, zwei Minuten oder ein, zwei Stunden Lust erwächst, diesen Hilflosen die Welt in einen Kerker und das Leben in Kummer und Leid verwandeln. Wenn dann der Glaube an das Jenseits ihnen zu Hilfe kommt, können sie endlich aufatmen, enden schließlich ihre Bedrängnisse, ihre Verzweiflung, ihre Sorgen, Wut und Rachegelüste im Grade ihres Glaubens, manchmal zum Teil, manchmal sogar vollständig.
Ich kann sogar sagen, dass diese grundlose Inhaftierung und dieses schreckliche Unglück, von dem ich und ein Teil meiner Brüder betroffen waren, auch nicht einen Tag zu ertragen gewesen wäre ohne den Glauben an das Jenseits, und uns, schon tödlich getroffen, dazu geführt hätte, uns dieses Lebens zu entledigen. Obwohl ich die Leiden so vieler meiner Mitbrüder, die ich wie mein eigenes Leben liebe und von deren Unglück ich betroffen bin, mit trage und über die Lichter aus vielen Tausend Exemplaren der Risale-i Nur, die ich wie meinen Augapfel liebe,
(ihren Verlust und) ihr Weinen und (die Beschlagnahmung) all meiner vielen anderen vergoldeten, verzierten, so wertvollen Bücher Schmerz empfinde und obwohl ich früher nicht die geringste Boshaftigkeit und keine Unterdrückung ertragen konnte, bin ich doch unendlich dankbar dafür, dass ich euch schwören und versichern kann, dass ich aus dem Licht und der Kraft, die aus dem Glauben an das Jenseits erwächst, so viel Geduld, so viel Ausdauer, so viel Trost, so viel Standhaftigkeit, sogar Begeisterung zu kämpfen, um eine noch größere Belohnung für eine sinnvolle Ausbildung und nützliche Prüfung zu erhalten, gewonnen habe und ich weiß, dass ich mich, wie ich am Anfang dieser Abhandlung gesagt habe, in einer schönen und guten Schule, die würdig ist, die Schule Josefs genannt zu werden, befinde. Gäbe es nicht diese Krankheiten, die mich zuweilen heimsuchen und wäre da nicht mein eigener Altersstarrsinn, könnte ich mich vollkommen und mit Herzensruhe meinem Lehrstoff widmen. Wie dem auch sein mag... Das sei in diesem Zusammenhang ausnahmsweise erwähnt. Man möge es mir verzeihen!
Des Weiteren ist jedes Menschen kleine Welt, ja sogar sein kleines Paradies zugleich auch sein eigenes Haus. Wenn der Glaube an das Jenseits nicht das Glück dieses Hauses bestimmt, so wird sich jeder Angehörige dieser Familie entsprechend seiner Zärtlichkeit (shefqat),
Liebe (muhabbet),Verbundenheit mit ihr Angst, Kummer und Sorgen machen. So macht er sich sein Paradies zur Hölle. Oder aber er betäubt sich seinen Verstand durch kurzweilige Vergnügungen und Belustigungen, - wie der Vogel Strauss, der den Jäger sieht, doch nicht wegläuft, nicht wegfliegt. Er steckt seinen Kopf in den Sand, um nicht gesehen zu werden. - Er steckt seinen Kopf in die Gottvergessenheit, damit der Tod, der Untergang und die Trennung ihn nicht sehen sollen. In seinem Irrsinn findet er vorübergehend ein Betäubungsmittel als eine Art von Ausweg.
Eine Mutter z.B. zittert immer, wenn sie ihr Kind, für das
sie ihr Leben, zu opfern bereit ist, einer Gefahr ausgesetzt sieht. Die Kinder, die ihren Vater und ihre Geschwister vor einem der gar nicht zu wenigen Unglücke nicht retten können, leben ständig in Angst und Sorgen. Dem entsprechend verliert das Familienleben in diesem von Unruhe geschüttelten, unbeständigen irdischen Leben, das man sich als glücklich vorstellt, in vielerlei Hinsicht seine Harmonie, und alle Beziehungen und die ganze Verwandtschaft dienen in diesem so kurzen Leben auch nicht echter Treue (haqiqi sadaqat),wahrer Aufrichtigkeit (samimi ikhlas),uneigennützigem Dienst und selbstloser Liebe (muhabbet).Die Gesittung vermindert sich dem entsprechend, geht zugrunde.
Wenn der Glaube an das Jenseits in dieses Haus eintritt, wird es auf einmal mit Licht erfüllt. Die Beziehungen, die Zärtlichkeit (shefqat),die innere Nähe, die Liebe (muhabbet)unter den Angehörigen werden nicht mit der Elle einer nur sehr kurze Zeit gemessen, sondern mit der Elle einer Beziehung, die sich im Haus des Jenseits, in der ewigen Glückseligkeit fortsetzen wird. (Alle Angehörigen) respektieren (samimi hurmet)und lieben (shefqat)einander innig. Sie bleiben sich treu (sadaqat)und verzeihen einander. Auf diese Weise vertieft sich ihre gute Gesittung (akhlaq).Das Glück wahrer Menschlichkeit beginnt, sich in diesem Haus zu entwickeln. Diese Erläuterung wurde auch schon (in anderen Abhandlungen) der Risale-i Nur bewiesen und erklärt, sodass wir uns hier mit dieser kurzen Zusammenfassung begnügen wollen.
Des Weiteren ist jede Stadt ein geräumiges Haus für ihre Bewohner. Wenn der Glaube an das Jenseits nicht über die einzelnen Angehörigen dieser großen Familie herrscht, breiten sich Hass, Gewinnsucht, Selbstsucht, Unaufrichtigkeit, Scheinheiligkeit, Bestechung, Lug und Trug und dergleichen Zustände, an Stelle von Aufrichtigkeit, Innigkeit, Tugend und Eifer im Guten, Opferbereitschaft, Zufriedenheit in Gott und Hoffnung auf den Lohn im Jenseits, welche die Grundlagen einer schönen Gesittung sind, aus. Hinter der äußerlichen Ruhe, Ordnung und Menschlichkeit herrschen der Geist der Anarchie und
der Gottverlassenheit und vergiften das Stadtleben. Die Kinder beginnen mit Ungezogenheiten, die Jugend mit Trunksucht, die Starken mit Ungerechtigkeit. Und die alten Leute fangen an zu weinen.
Vergleichen wir weiter, so ist auch das Land gleich einem Haus. Die Heimat gleicht dem Haus einer Familie, die das Volk ist. Wenn der Glaube an das Jenseits in all diesen weiten Häusern herrscht, beginnt sich auf einmal ein inniger Respekt (samimi hurmet)voreinander, wirkliche Liebenswürdigkeit (djiddi merhamet),selbstlose Liebe (muhabbet),Hilfsbereitschaft (muavenet)und Dienstbereitschaft ohne Betrug, gute Umgangsformen, Güte (ihsan)und Freigebigkeit (fadhilet)ohne Falsch (riyasiz),Großmut und Vortrefflichkeit ohne allen Stolz (enaniyetsiz)in diesem Leben zu entwickeln.
Der Glaube sagt den Kindern: "Es gibt das Paradies. Lasst die Ungezogenheiten", und gibt ihnen auch Besonnenheit durch den Unterricht des Qur'an.
Er sagt den Jugendlichen: "Es gibt die Hölle. Lasst die Trunkenheit!" und bringt sie wieder zu Verstand.
Er sagt den Unterdrückern: "Es gibt eine heftige Strafe. Du wirst Ohrfeigen bekommen!" und wendet seinen Kopf zur Gerechtigkeit hin.
Er sagt zu einem alten (Menschen): "Ein immerwährendes Glück, hoch und weit über all dem Glück, welches deinen Händen entglitten ist, und eine frische, ewig bleibende Jugend, warten im Jenseits auf dich. Bemühe dich darum, sie dir zu verdienen!" und verwandelt sein Weinen in Lachen.
So zeigt er in jeder Gruppe, im kleinen wie im großen seine gute Wirkung und erleuchtet sie. Das sollte den Soziologen und Pädagogen, die sich mit dem sozialen Leben der Menschheit beschäftigen, in den Ohren klingen!...
Führt man zu den obigen fünf, sechs Beispielen, die wir für tausenderlei Vorzüge des Glaubens an das Jenseits aufgeführt haben, vergleichsweise noch einige weitere hinzu, so wird ganz klar verständlich, dass die Quelle der Glückseligkeit in beiden Welten und des Lebens in ihnen, sich allein im Glauben finden lässt.
Da sich im "Achtundzwanzigsten Wort" und in anderen Abhandlungen der Risale-i Nur bereits kraftvolle Antworten auf kraftlose Zweifel an der leiblichen Wiederauferstehung finden, wollen wir uns hier mit dem kurzen folgenden Hinweis begnügen und sagen:
Der umfassendste Spiegel der Namen Gottes liegt in der Körperwelt. Die Ideen Gottes (maqasid-i Ilahiye)bei der Erschaffung des Kosmos sind am reichsten und aktivsten in dieser Körperwelt konzentriert. Die Geschenke des Herren finden sich in größter Formen- und Farben-Vielfalt in der Körperwelt. Die vielfältigsten Samen aller Gebete und Danksagungen der Menschen an seinen Schöpfer, wie sie in seinen Bedürfnissen ihren Ausdruck finden, werden wiederum in der Körperwelt ausgesät. Die verschiedensten Kerne der geistigen Welten und der Welten der Geister entwickeln sich wiederum in der Körperwelt.
Da sich hunderte weiterer Wahrheiten in der Körperwelt konzentriert finden, lässt der allweise Schöpfer (Khaliq-i Hakiem)die Körper auf dem Erdenrund sich vermehren, Scharen um Scharen, um durch sie die oben erwähnten Wahrheiten zu offenbaren, bekleidet sie in einer geradezu erschreckenden Geschwindigkeit mit einem Körper. Dann schickt Er sie auf Seine Ausstellung(swelt). Dann entlässt Er sie wieder und schickt andere. Er hält Seine kosmische Fabrik ständig in Betrieb. Er webt die körperlichen Dinge und macht den Erdboden zu einem Pflanzbeet für das Jenseits und das Paradies. Um des Menschen materiellen Magen zu befriedigen, erhört Er sogar um seines Bestehens willen mit vollkommener Aufmerksamkeit das Gebet, das der Magen Ihm in seiner ihm eigenen Art darbringt. Um Seine Antwort in die Praxis umzusetzen, bereitet Er eine unendliche Vielzahl überaus kunstvoller Speisen, hunderttausend verschiedene Arten äußerst wertvoller Gnadengeschenke mit tausend verschiedenen Geschmacksrichtungen vor, was offensichtlich und ohne Zweifel zeigt, dass wir all diese vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen dieser unserer Körperwelt im Paradies, dem Haus
des Jenseits wiederfinden werden. Die wichtigsten Gnadengeschenke der ewigen Glückseligkeit, welche sich alle wünschen und mit denen ein jeder vertraut ist, entsprechen dieser Körperwelt.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der allbarmherzige Allmächtige (Qadier-i Rahiem),der gastfreundliche Allwissende (Alim-i Keriem),der das Gebet dieses ganz gewöhnlichen Magens, welcher in der ihm eigenen Art um seine Erhaltung bittet, erhört, ihn mit unendlich vielen, wunderbaren (materiellen) Speisen zu (Freude, Zufriedenheit und) Dankbarkeit anregt und ihm in der Tat jederzeit, nicht zufällig, sondern mit Bedacht Antwort gibt, die unendlich vielen alles und jeden umfassenden Gebete des Menschengeschlechts, das die bedeutendste Frucht des Kosmos, Treuhänder (Khalif) der Erde, Auserwählter des Schöpfers und Sein Verehrer ist, jenes großen Magens, welcher die Menschheit ist, nicht erhören sollte, sodass ihm die alles umfassenden, erhabenen, sinnenhaften Genüsse, die es sich ständig wünscht, mit denen es vertraut ist, und nach denen es seiner Natur entsprechend verlangt, im Haus des ewigen Bleibens nicht gegeben werden sollte? Sollte dieser (Menschheit) nicht in der Tat durch eine leibhaftige Wiederauferstehung tatkräftig Antwort werden, sodass sie ewig (froh, zufrieden und) dankbar sei? Sollte Er angeblich das Sirren einer Mücke hören, den Donner des Himmels aber nicht hören? Sollte Er auf die Ausrüstung eines einfachen Soldaten in vollkommener Aufmerksamkeit achtgeben, aber das Heer überhaupt nicht beachten, ihm keinen Wert beimessen? Dieses ist hundert Mal unvorstellbar und irrig.
Nach der eindeutigen Erklärung der Ayah
وَ فِيهَا مَا تَشْتَهِيهِ الْأَنْفُسُ وَ تَلَذُّ الْاَعْيُنُ
{"Und darin findet sich alles, was ihre Seelen nur begehren und ihr Herz erfreuen kann." (Sure 43, 71)}
wird der Mensch die leiblichen Genüsse, die ihm am meisten
vertraut sind, und deren Nachbildungen er von der Erde her kennt, in einer dem Paradies entsprechenden Form erleben und genießen. Den Organen, wie der Zunge, den Augen und den Ohren, werden als Belohnung für ihre reine (tief empfundene Freude und) Dankbarkeit und für die ihnen eigenen Dienste in der Anbetung Gottes, die diesen Organen entsprechenden leiblichen Genüsse dargeboten werden. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, erklärt die leiblichen Genüsse des Paradieses so eindeutig, dass es außerhalb der Möglichkeiten liegt, zugunsten einer abweichenden Auslegung nicht die wörtliche Bedeutung anzunehmen.
Frucht und Ergebnis des Glaubens an das Jenseits zeigen also:
So wie der Magen als menschliches Organ eine Tatsache ist und durch seine Bedürfnisse ohne Zweifel Zeugnis für die Existenz der Nahrungsmittel ablegt, genauso und selbst noch mit größerer Sicherheit legt auch die Tatsache, dass es den Menschen gibt und seine Vollkommenheit, seine natürlichen (fitri)Bedürfnisse, seinen Wunsch nach Ewigkeit, seine Gegebenheiten (haqiqat)und seine Begabungen (istidad),welche die obenerwähnten Vorzüge und Auswirkungen des Glaubens an das Jenseits erfordern, Zeugnis für das Jenseits, das Paradies und für die ewig fortbestehenden leiblichen Genüsse und die Bewahrheitung (ihres Bestehens) ab.
Die Tatsache der Vollkommenheit dieses Kosmos und die bedeutungsvollen Wunderzeichen des Seins und alle Gegebenheiten der Menschlichkeit, die mit den obenerwähnten Tatsachen zusammenhängen, beweisen und bezeugen, dass es ein Haus des Jenseits gibt und wirklich besteht, und dass der Tag der Wiederauferstehung anbrechen wird, und dass sich das Paradies und die Hölle öffnen werden. Dies wurde in den Werken der Risale-i Nur, besonders im "Zehnten, Achtundzwanzigsten und Neunundzwanzigsten Wort", im "Neunten Strahl" und in der Abhandlung, die in Form eines Bittgebets verfasst
wurde, mit Zeugnissen klar bewiesen, die keinen Zweifel übrig lassen. Indem wir darauf hinweisen, wollen wir eine lange Geschichte kurz fassen.
Die Erklärungen des Qur'an über die Hölle sind dermaßen klar und offensichtlich, dass keine weiteren Erläuterungen dazu nötig sind. Um ein, zwei schwache Zweifel zu beseitigen, wollen wir zwei, drei Anmerkungen nur kurz zusammengefasst erklären, indem wir die ausführlichen Erklärungen dazu der Risale-i Nur überlassen.
Erste Anmerkung:
Der Gedanke an die Hölle, verbunden mit der Furcht, vertreibt nicht den Genuss an den obenerwähnten Früchten des Glaubens. Denn die unendliche Barmherzigkeit des Herrn (rahmet-i Rabbaniye)sagt zu dem Mann, der sich fürchtet: "Komm zu Mir! Tritt ein durch die Pforte der Vergebung (tövbe)!"So wird die Existenz der Hölle dir keine Angst einjagen, vielmehr wirst du so die Genüsse des Paradieses erst vollkommen wahrnehmen. Du und die unendlich vielen Geschöpfe, deren Rechte geschändet wurden, werden gerächt; wodurch ihr Genugtuung erfahren werdet. Bist du in Irrtümern erstickt und kannst du nicht mehr herauskommen, so ist doch die Existenz der Hölle noch tausendfach besser als ewige Verlorenheit. Und selbst für die Ungläubigen ist sie noch eine Art der Barmherzigkeit."
Denn der Mensch, und selbst ein Rudel oder eine Herde Tiere, freut sich mit seinen Verwandten, mit seinen Kindern und all seinen Lieben über deren Freude und Glück. Und in dieser Hinsicht wird er zufrieden sein.
Daher, oh du Ungläubiger, wirst du in deinem Irrtum ewig verloren sein und ins Nichts stürzen oder aber zur Hölle fahren. Was aber die Vernichtung (als unterste Stufe des Seins und deren negativen Pol) betrifft, welche die unterste Stufe des Bösen ist, so werden alle deine Lieben und alle deine Verwandten, Vorfahren und Nachkommen, durch deren Glück du zufrieden und in gewissem Grade glücklich bist, mit dir zusammen verlorengehen, was tausendfach
mehr als nur die Hölle, deine Seele, dein Herz und selbst das Wesen deines Mensch-seins verbrennt. Denn, gäbe es keine Hölle, gäbe es auch kein Paradies. Alles stürzt durch diesen Unglauben in das Nichts. Gehst du aber in die Hölle, so bleibst du doch noch im Dasein, und alle deine Lieben und deine Verwandten werden entweder ins Paradies gehen und glücklich sein oder sie bleiben doch wenigstens in den Kreisen des Daseins und erfahren so eine Art der Barmherzigkeit (merhamet).
Das heißt also, dass es für dich in jedem Fall notwendig ist, die Existenz der Hölle anzunehmen. Gegen die Hölle zu sein, heißt, für das Nichts zu sein, was aber bedeuten würde, dass das Glück deiner zahllosen Freunde zunichte wird. In der Tat ist die Hölle in all ihren Schrecken und der ganzen Majestät ihrer Existenz das Land des majestätischen Königs (Hâkim-i Dhu l-Djelal),der über den Kreis des Seins als Seinem positiven Pol herrscht, und versieht ihre Aufgabe als Gefängnis und als ein Ausdruck Seiner Weisheit und Gerechtigkeit (hakiemane ve adilane).Neben ihrer Aufgabe als Gefängnis hat sie noch sehr viele andere Aufgaben. Und so gibt es noch sehr viele Weisheiten in der ewigen Welt und Aufgaben, ihr zu dienen. Sie ist die majestätische Wohnstatt sehr vieler Lebewesen wie auch die der Höllenwächter.
Zweite Anmerkung:
Die Existenz der Hölle und ihre heftige Qual steht nicht im Widerspruch zu der grenzenlosen Barmherzigkeit (rahmet),der wahren Gerechtigkeit (adalet)und der wohlausgewogenen Weisheit (hikmet),die keine Unausgewogenheit kennt. Sogar die Barmherzigkeit, die Gerechtigkeit und die Weisheit fordern deren Existenz.
Denn einen Unterdrücker, der das Recht von Tausend Unschuldigen mit Füssen tritt, zu bestrafen oder einen Wolf, der hundert Tiere zerreißt, zu töten, ist im Rahmen der Gerechtigkeit für die Unterdrückten eine tausendfache Barmherzigkeit. Diesem Unterdrücker zu verzeihen (afvet)und diesen Wolf freizulassen, ist eine unpassende Barmherzigkeit gegenüber einem Einzelnen und zugleich gegenüber hunderten Hilfloser eine Unbarmherzigkeit (merhametsiz).
Genauso verletzt der vollständig Ungläubige (d.h. der Atheist im Gegensatz zum Heiden), der in das Höllengefängnis kommt, durch seinen Unglauben sowohl das Recht Gottes auf Seine Namen, wenn er sie nicht anerkennt, als auch das Recht allen Seins, das Zeugnis für diese Namen ablegt, wenn er ihr Zeugnis zurückweist, und auch das Recht der Geschöpfe, wenn er ihre hohen Aufgaben, Gottes Namen zu lobpreisen, bestreitet; und er verletzt in gewisser Weise auch das Recht des Kosmos, wenn er bestreitet, dass die Geschöpfe der Sichtbarwerdung der göttlichen Herrschaft (rububiyet-i Ilahiye),welche das Ziel der Erschaffung des Kosmos und der Grund seiner Existenz und seines Fortbestehens ist, mit ihrem Dienst und ihrer Anbetung entgegenkommen und ihr als Spiegel dienen. Daher ist dies ein so großes Verbrechen und eine so große Ungerechtigkeit, dass sie nicht verziehen werden kann. Er verdient die Androhung der Ayah
إِنَّ اللهَ لاَ يَغْفِرُ أَنْ يُشْرَكَ بِهِ
{"Denn Gott verzeiht es nicht, wenn man Ihm einen Partner beigesellt." (Sure 4, 48)}
Ihn nicht in die Hölle zu werfen, wäre eine grenzenlose Unbarmherzigkeit gegenüber unendlich vielen Klägern, deren Recht mit Füssen getreten würde. Wie diese Ankläger die Existenz der Hölle fordern, so wird sie in jedem Fall auch von der vollkommenen Größe (azamet-i kemal)und der majestätischen Würde Gottes (izzet-i djelal)gefordert. Wenn z.B. ein Mann, der ein Lump ist und ein Rebell, und der seinen Untertanen Gewalt antut, etwa dem ehrwürdigen Herrscher (izzetli hâkim)sagte: "Du kannst mich gar nicht einsperren. Dazu bist du überhaupt nicht in der Lage." und ihn damit in Seiner Ehre (izzet)antastet, so wird der Herrscher in jedem Fall, auch wenn es in jener Stadt kein Gefängnis gibt, für diesen Nichtsnutz ein Gefängnis errichten und ihn da hineinwerfen.
Genauso greift der völlig Ungläubige (kafir-i mutlaq)mit seiner Zurückweisung
die Ehre und Majestät Gottes (izzet-i djelal)heftig an. Mit seiner Verleugnung (inkar)tastet er indirekt auch die Größe Seiner Allmacht (azamet-i qudret)an. Ja er überschreitet seine Grenzen so weit, dass er selbst Gottes vollkommene Herrschaft (kemal-i rububiyet)antastet. Aber auch wenn es hinsichtlich ihrer vielen Aufgaben und dem Sinne ihrer Existenz nicht so viele Gründe für die Hölle gäbe, ist es auf jeden Fall ein Merkmal dieser Würde und Majestät (izzet ve djelal),für solche Ungläubigen eine Hölle zu erschaffen und sie hinein zu werfen.
Des Weiteren gibt auch der Unglaube in seinem Wesen von der Hölle Kunde. Wie das Wesen des Glaubens, das mit seinen Freuden die Gestalt eines persönlichen Paradieses annimmt, wenn es sich verkörpert und von diesem Blickpunkt aus von dem Paradies eine geheime Botschaft bringt, so zieht auch der Unglaube, besonders der absolute Unglaube (kufr-u mutlaq),Heuchelei (nifaq)und Abtrünnigkeit, wie es in der Risale-i Nur bewiesen und worauf auch in den vorausgegangenen Problemstellungen hingewiesen wurde, so finstere und schreckliche Leiden und seelische Qualen nach sich, dass er, sobald er sich verkörpert, jenem abtrünnigen Menschen zu einer persönlichen Hölle wird und auf diese Weise von der großen Hölle geheime Kunde gibt. Diese kleinen Wahrheiten keimen auf dem Acker dieser Welt, der für sie zum Pflanzbeet wird, und bringen im Jenseits ihre Frucht. In dieser Hinsicht weist dieser giftige Kern (des Unglaubens) auf jenen Höllenbaum hin und sagt: "Ich bin sein Ausgangsprodukt. Für den Unglückseligen, der mich im Herzen trägt, keimt ein persönliches Abbild jenes Höllenbaumes und entfaltet sich als meine Frucht."
Da der Unglaube nun einmal die Übertretung unbeschränkter Rechte ist, ist er in jedem Fall auch ein unbeschränktes Verbrechen. Dem entsprechend führt er auch eine unbeschränkte Strafe herbei. Da das Recht unter den Menschen nun einmal eine Gefängnisstrafe von fünfzehn Jahren (ca. acht Millionen Minuten) für ein Verbrechen, das man in einer Minute begehen kann, annimmt
und das für diesen Fall und das allgemeine Rechtsempfinden auch für angemessen hält, wären für einen Akt völligen Unglaubens von einer einzigen Minute, welcher tausend Verbrechen entspricht, auf alle Fälle jenem Gesetzescodex entsprechend etwa acht Milliarden Minuten Strafe zu verbüßen. Derjenige, der ein Jahr seines Lebens in jenem Unglauben verbringt, verdient eine Strafe von etwa zwei Trillionen achthundertachtzig Milliarden (2.000.000.880.000.000.000) Minuten und erfährt das Geheimnis von خَالِدِينَ فِيهَآ أَبَدًا {"Sie werden dort für immer und ewig verbleiben." (Sure 33, 65)}
Wie dem auch sei...
Die wunderbaren Erklärungen des Weisen Qur'an über Himmel (Djennet)und Hölle und die Beweise für die Existenz von Himmel (djennet)und Hölle, welche die Risale-i Nur anführt, die ein Kommentar zum Qur'an ist und aus ihm hervorgegangen ist, lassen keine Notwendigkeit für noch weitere Erklärungen mehr bestehen.
وَ يَتَفَكَّرُونَ فِى خَلْقِ السَّمٰوَاتِ وَالْأَرْضِ رَبَّنَا مَا خَلَقْتَ هٰذَا بَاطِلاً سُبْحَانَكَ فَقِنَا عَذَابَ النَّارِ ٭ رَبَّنَا اصْرِفْ عَنَّا عَذَابَ جَهَنَّمَ اِنَّ عَذَابَهَا كَانَ غَرَامًا ٭ اِنَّهَا سَآءَتْ مُسْتَقَرّاً وَمُقَامًا ٭
{"Sie denken über die Erschaffung von Himmel und Erde nach: Unser Herr, Du hast dies nicht umsonst erschaffen. Gepriesen seist Du! Bewahre uns vor der Strafe des Feuers!" (Sure 3, 191) "Unser Herr! Halte fern von uns die Strafe der Hölle! Wahrlich, ihre Strafe ist der unabwendbare Untergang. Für wahr, welch ein beständiger Aufenthalt!" (Sure 25, 65-66)}
Diese und sehr viele andere Ayat und Gebete aller Propheten und besonders des ehrenwerten Gesandten Gottes, mit dem Friede und Segen sei, und der Kenner der Wahrheit, in denen sie in völliger Gewissheit auf Grund der Offenbarung (vahy)und der geistigen Schau (shuhud)jederzeit beten, wobei sie sagen:
اَجِرْنَامِنَ النَّارِ ٭ نَجِّنَامِنَ النَّارِ ٭ خَلِّصْنَامِنَ النَّارِ
{"Herr schütze uns vor dem Höllenfeuer!"}
zeigen uns, dass das größte Problem der Menschheit in der Rettung vor dem Höllenfeuer besteht.
Eine überaus wichtige, großartige und furchterregende Wahrheit des Kosmos ist die Hölle, die ein Teil dieser Leute der geistigen Schau (ehl-i shuhud),der Entdecker (keshif)und der Forscher (tahqiq)beobachtet hat. Ein Teil von ihnen sieht ihre Spuren und Schatten und erhebt vor deren Schrecklichkeit ein Wehgeschrei, und sagt: "Rette uns vor ihr!"
In der Tat liegt eine sehr große Weisheit darin, dass in diesem Kosmos Gut und Böse, Freude und Leid, Licht und Finsternis, Wärme und Kälte, Schönheit und Hässlichkeit, Rechtleitung und Irrtum, einander entgegen kommen und ineinander über gehen. Denn gäbe es das Böse nicht, kennten wir nicht das Gute. Gäbe es kein Leid, spürten wir die Freude nicht. Licht ohne Finsternis ist ohne Bedeutung. Durch die (Zumischung) von Kälte wird die Hitze abgestuft. Die eine einzige Wahrheit der Schönheit bringt durch Hässlichkeit Tausend Wahrheiten und Tausend verschiedene Stufen der Schönheit ins Dasein. Ohne Hölle bleiben sehr viele Freuden des Paradieses im Verborgenen. Im Verhältnis dazu kann jedes Ding in gewisser Hinsicht in seinem Gegensatz erkannt werden. Und die eine Wahrheit treibt eine Ähre empor und wird zu vielen Wahrheiten.
Da diese ineinander vermischten Existenzformen nun einmal von diesem Haus der Vergänglichkeit zum Haus der Ewigkeit hin fließen, so strömen mit Sicherheit das Gute, die Freude, das Licht, die Schönheit, der Glaube und dergleichen Dinge ins Paradies hinüber und genauso regnen auch die schädlichen Dinge wie das Böse, das Leid, die Finsternis, die Hässlichkeit und der Unglaube in die Hölle hinab. Diese beiden einander ständig durchdringenden Fluten des Kosmos strömen (in ihrem ununterbrochenen Kommen und Vergehen) in diese zwei
Sammelbecken und verbleiben dort. Für weitere Erklärungen verweisen wir auf die Anmerkung am Schluss des "Neunundzwanzigsten Wortes" und begnügen uns hier mit einem kurzen Hinweis.
Oh ihr meine Kameraden im Unterricht dieser Schule Josefs! Der Ausweg, uns ganz leicht vor diesem schrecklichen, ewigen Gefängnis zu retten, ist der, diese unsere irdische Inhaftierung zu nutzen. Wie wir vor vielem, was Sünde ist, bewahrt bleiben, weil unsere Hände unmöglich so weit reichen können, so sollen wir der alten Sünden wegen um Verzeihung (tövbe)bitten und den Pflichtgebeten (fardh)nachgehen. Damit können wir jede Stunde unseres Lebens im Gefängnis so wertvoll machen wie einen Tag Anbetung. Dies ist die beste Gelegenheit, uns vor jenem ewigen Gefängnis zu retten und in dieses lichtvolle Paradies einzutreten. Verpassen wir diese Gelegenheit, so wird unser Jenseits weinen, wie diese unsere Welt jetzt weint und wir werden die Ohrfeige von
خَسِرَ الدُّنْيَا وَ الْاٰخِرَةَ
{"Sie haben diese wie auch jene Welt verloren." (Sure 22, 11)}
dafür bekommen.
* * *
Zu der Zeit, als diese Stelle geschrieben wurde, war das Opferfest gekommen.
اَللّٰهُ اَكْبَرُ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ
{"Gott ist groß! Gott ist groß! Gott ist groß!"}
mit diesem dreifachen "Tekbir" lässt dieses Fest ein Fünftel der Menschheit, dreihundert Millionen Menschen auf einmal rufen, als wollte diese ganze große Erde ihrer Größe entsprechend dieses heilige Wort, dieses اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"} ihre Kameraden im Himmel, die Planeten, hören lassen.
اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"}, das mehr als zwanzigtausend Pilger erst auf dem Arafat und dann am folgenden Festtag gemeinsam rufen, ist eine Art Widerhall von اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"}, welches der Ehrenwerte Gesandte, mit dem Friede und Segen sei, vor 1300 Jahren mit seiner Familie und mit seinen Gefährten zusammen gerufen und befohlen hat, und es ist eine umfassende und allgemeine Anbetung und eine Entgegnung auf die allumfassende Erscheinung der Herrschaft Gottes (rububiyet-i Ilahiye)mit Seinem gewaltigen Namen
رَبُّ الْاَرْضِ وَ رَبُّ الْعَالَمِين
{"Herr der Erde und der Welten."}
So habe ich es mir vorgestellt, es so empfunden und bin schließlich zu dieser Überzeugung gelangt.
Dann habe ich darüber nachgedacht, ob dieses heilige Wort auch mit unserer Problemstellung (das Jenseits) in Verbindung steht. So ist mir plötzlich eingefallen, dass vor allem dieses Wort und viele andere Worte, die zu den islamischen Kennzeichen gehören wie,
سُبْحَانَ اللّٰهِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ ٭ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Gott sei gepriesen! Dank sei Gott! Es gibt keine Gottheit außer Gott!"}
und den Titel "Wohltaten für die Ewigkeiten" tragen, mehr oder weniger an unsere Problemstellung erinnern und auf ihre Wahrhaftigkeit (tahaqquq)hinweisen.
Zum Beispiel: Eine Bedeutung unter anderen, auf die
اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!",} hinweist: "Die Macht (qudret)und das Wissen (ilm)Gottes des Gerechten steht über allen Dingen und ist größer als sie alle. Es gibt nichts, was aus dem Bereich Seines Wissens heraustreten und sich aus der Verfügung durch Seine Macht lösen und ihr entkommen könnte. Er ist noch größer als das größte (Unglück), vor dem wir uns fürchten. Er ist noch größer als das Anbrechen des Jüngsten Tages, als unsere Rettung vor dem Nichtsein und als das Geben der ewigen Glückseligkeit. Er ist noch größer als alle Dinge, die unser Staunen erregen und außerhalb unseres Vorstellungsvermögens liegen", sodass die Wiederauferstehung und die Verbreitung des Menschengeschlechtes am Jüngsten Tag, laut der sicheren Erklärung der Ayah
مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَ بَعْثُكُمْ إِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Eure Erschaffung und eure Auferstehung insgesamt ist nicht anders als die einer einzigen Seele." (Sure 31, 28)}
dieser Macht so leicht wie die Erschaffung einer einzigen Seele fällt. In Anbetracht dieser Bedeutung ist es bereits Allgemeingut geworden, dass jeder bei großen Katastrophen und vor großen Vorhaben "Gott ist groß! Gott ist groß!" sagt und sich dies zu einem Trost, zu einer Kraft (quvvet)und zu einem Halt (nokta-i istinad)macht.
Wie im "Neunten Wort" erwähnt, ist dieses Wort mit seinen beiden Gefährten Kern und Zusammenfassung des Pflichtgebetes, welches eine kurze Zusammenfassung eines jeglichen Dienstes und der Anbetung Gottes ist.
سُبْحَانَ اللّٰهِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ
{"Gott sei gepriesen! Dank sei Gott! Gott ist groß!"}
sind drei gewaltig große Wahrheiten, die in dem Gebet und in dem Gedenken nach dem Gebet liegen und durch die wiederholende Rezitation die Bedeutung des Gebetes stärken. Sie geben eine überzeugende Antwort auf die Fragen des Menschen, die ihm aus dem Erstaunen, der Freude und der Begeisterung über sehr viele hervorragende, einzigartige, schöne und große Dinge erwachsen, die ihm zu einer Quelle des Erstaunens und der Dankbarkeit werden und ihm die Größe (azamet)und Herrlichkeit Gottes (kibriya)offenbaren. In diesem Zusammenhang wurde bereits am Schluss des "Sechzehnten Wortes" Folgendes erläutert:
Wie ein einfacher Soldat, der bei einem Fest zusammen mit einem Feldmarschall vor seinen König tritt, den er zu anderen Zeiten nur auf dem Dienstweg über seinen Offizier kennt, beginnt jeder Mensch Gott den Gerechten auf seiner Pilgerfahrt unter dem Titel
رَبُّ الْاَرْضِ وَ رَبُّ الْعَالَمِين
{"Herr der Erde und Herr der Welten!"}
zu einem gewissem Grade so wie die Heiligen zu kennen. Insoweit sich die Herrlichkeit Gottes (kibriya)stufenweise in seinem Herzen öffnet, antwortet er erneut durch die Wiederholung der Anrufe اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"} auf die brennenden Fragen, die aus seinem Erstaunen erwachsen und immer wieder seinen Geist bestürmen. Das, was am Schluss des "Dreizehnten Blitzes" erläutert wurde, ist wiederum اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!",} das die bedrohlichen Einflüsterungen des Teufels mit der Wurzel ausrottet und eine exakte Antwort gibt. Wie es auch auf unsere Frage nach dem Jenseits eine kurze
aber überzeugende Antwort gibt, so gemahnt uns auch das Wort اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Dank sei Gott!"} an das Jenseits und setzt dieses voraus. Es sagt uns: "Meine Bedeutung kann ohne das Jenseits nicht sein. Denn: Da ich ausdrücke, dass alle Lobpreisungen und Danksagungen (hamd ve shukur),von Ewigkeit (edhel)zu Ewigkeit (ebed),gleich von wem (sie kommen) und an wen (sie gerichtet sind), Ihm allein zukommen, so kann es nur die Ewige Glückseligkeit sein, die das Haupt aller Gnadengaben (nimet)ist, die die Gnadengaben zu wahren Gnadengaben macht, und die alle bewusstseintragenden Wesen vor der grenzenlosen Katastrophe der Verlorenheit rettet. Nur sie kann meiner umfassenden Bedeutung entsprechen."
In der Tat rezitiert jeder Gläubige dem islamischen Gesetz zufolge jeden Tag nach den Pflichtgebeten mindestens hundertfünfzig Mal اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Dank sei Gott! Dank sei Gott!"} was eine von Ewigkeit zu Ewigkeit unbegrenzte und alles umfassende Lobpreisung und Danksagung (hamd u shukur)zum Ausdruck bringt. Doch ist dies nur eine Anzahlung für die ewige Glückseligkeit und das Paradies. Es ist nicht auf die irdischen Gnadengaben, die kurz, vergänglich und mit Leiden vermischt sind, beschränkt, bezieht sich nicht nur auf sie. Es ist die Erlangung der ewigen Gnadengaben, die es in Betracht zieht und denen unser Dank gilt.
Was das heilige Wort سُبْحَانَ اللّٰهِ {"Gepriesen sei Gott!"} betrifft, welches besagt, Gott den Gerechten ohne alle Abgötterei, ohne Fehler, Mängel, Ungerechtigkeiten,
Ohnmacht, Unbarmherzigkeit, Täuschungen, alle Fehler, die Seiner Majestät (djelal),Seiner Schönheit (djemal)und Vollkommenheit (kemal)widersprechen, als rein und heilig zu bekennen, so gemahnt es auch an die Ewige Glückseligkeit, an den Ort des Jenseits, der die Basis für die Majestät (djelal),Schönheit (djemal)und Vollkommenheit Gottes (kemal)und Seiner Herrschaft (saltanatinin hashmet)ist, deutet und verweist auf das Paradies hin. Gäbe es jedoch, entgegen dem oben angeführten Beweis, gar keine Ewige Glückseligkeit, so würden sowohl Seine Herrschaft (saltanat),als auch Seine Majestät, Schönheit und Vollkommenheit, Seine Barmherzigkeit (rahmet)mit dem Makel der Unvollkommenheit, der Fehlerhaftigkeit befleckt.
Wie diese drei heiligen Worte gibt es andere segensreiche Worte, wie بِسْمِ اللّٰهِ {"Im Namen Allahs"} und لآَ اِلٰهَ اِلاَّ اللّهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah!"} welche Kern und Grundpfeiler des Glaubens sind. Wie Fleischkonzentrat und Zuckerkonzentrat (Süßstoff), welche in heutiger Zeit entwickelt wurden, sind sie sowohl Glaubensgrundpfeiler, als auch Wahrheiten des Qur'an in konzentrierter Form, und besonders bilden diese drei Worte den einen Kern des Pflichtgebets, während sie gleichzeitig auch Kerne des Qur'an sind und am Anfang einiger Suren glänzend wie Brillanten sichtbar werden.
Darüber hinaus sind sie auch die wahre Quelle, Grundlage und Kern der Wahrheiten der Risale-i Nur, die sich mir meistens während der Rezitationen (tesbihat)nach den Pflichtgebeten in meinem Herzen auftat. In der Art, wie Ahmed sich Gott nähert, (dessen Name zugleich auch) Mohammed (ist), (mit dem Friede und Segen sei), der Gott anbetet, wiederholen mehr als hundert Millionen Gläubige
bei den Rezitationen nach den Pflichtgebeten Formeln des Ordens Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, in einer dermaßen großen Gedenkfeier (dhikr),zeit jeden Gebets gemeinsam in diesem großen Gedenkfeier- (dhikr)kreis, Rosenkränze (tesbih)in den Händen, dreiunddreißig Mal سُبْحَانَ اللّٰهِ {"Gepriesen sei Gott!"} dreiunddreißig Mal اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Dank sei Gott!"} dreiunddreißig Mal اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gott ist groß!"}
Mit Sicherheit habt ihr verstanden, wie wertvoll es ist und wieviel Segen (sevab)es bringt, diese drei heiligen Worte, die, wie oben erklärt, Konzentrate und Kerne sowohl des Qur'an als auch des Glaubens und des Pflichtgebetes sind, in einem so gewaltigen Gedenkfeier- (dhikr)kreis nach den Gebeten je dreiunddreißig Mal zu wiederholen.
Wie "Die erste Problemstellung" am Anfang dieser Abhandlung eine gute Unterweisung über das Gebet ist, wurde auch der Schluss (dieser achten Problemstellung) eine bedeutende Unterweisung über die Rezitation nach den Pflichtgebeten, ohne dass ich es überhaupt geplant, auch nicht beabsichtigt hätte.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰٓى اِنْعَامِهِ ٭ سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Dank sei Gott für Seine Gaben!" "Gepriesen seist Du. Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast, denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
* * *
Neunte Problemstellung
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اٰمَنَ الرَّسُولُ بِمَا اُنْزِلَ إِلَيْهِ مِنْ رَبِّهِ وَ الْمُؤْمِنُونَ كُلٌّ اٰمَنَ بِاللّٰهِ وَ مَلٰٓئِكَتِهِ وَ كُتُبِهِ وَ رُسُلِهِ لاَ نُفَرِّقُ بَيْنَ أَحَدٍ مِنْ رُسُلِهِ
{"Der Prophet glaubt an das, was ihm von seinem Herrn herabgesandt worden ist, und mit ihm die Gläubigen. Alle glauben sie an Gott, Seine Engel, Seine Schriften und Seine Gesandten. 'Wir machen keinen Unterschied zwischen den Propheten.' usw." (Sure 2, 85)}
Die ausführliche und umfangreiche Auslegung dieses umfassenden, hohen und erhabenen Verses fand ihren Grund in der erschreckenden Frage, die in meiner Seele aufstieg, und wurde durch die Lage (hal),die aus der Entdeckung dieser gewaltigen, göttlichen Gnade erwuchs, hervorgerufen. Es kam mir das folgende in den Sinn:
Warum wird, wer einen Teil der Glaubenswahrheiten bestreitet, ein Ungläubiger, und kann, wer ihn nicht annimmt, ein Muslim nicht sein? Wo doch gerade der Glaube an Allah und an das Jenseits gleich der Sonne diese Finsternis beseitigen müsste? Und weswegen wird derjenige, der einen Grundpfeiler oder eine Wahrheit des Glaubens leugnet, ein Abtrünniger, verfällt in den völligen Unglauben (der Agnostiker, im Gegensatz zu dem der Heiden) und tritt, wer ihn nicht annimmt, aus der islamischen Glaubensgemeinschaft aus? Wo es ihn doch gerade vom völligen Unglauben retten müsste, wenn er den Glauben an die übrigen Glaubenspfeiler hat?
Antwort:
Der Glaube ist eine solch einheitliche Wahrheit (vahdani haqiqat),erbaut auf sechs Grundpfeilern, dass er keine Teilung duldet. Seine Zusammenhänge dulden keine Trennung. Und er ist eine derartige Ganzheit, dass keine Spaltung möglich ist. Denn jeder Glaubensgrundpfeiler gilt mit den Zeugnissen, mit denen er sich selbst beweist, als ein Beweis für jeden anderen Glaubensgrundpfeiler. So wird
jeder für jeden zu einem großen und gewaltigen Beweis. Daher kann ein irriger Gedanke (fikr-i batil),der alle Grundpfeiler mit all ihren Beweisen nicht erschüttern kann, auch nicht einen einzigen Grundpfeiler, ja noch nicht einmal eine einzige Wahrheit dessen ungültig machen oder widerlegen. Vielmehr kann jemand in Unglauben und Verstocktheit (kufr-u inad)verfallen, wenn er unter der Behauptung, etwas könne nicht sein (adem-i kabul),seine Augen verschließt. Allmählich verfällt er einem völligen Unglauben und verliert am Ende noch seine Menschlichkeit. Danach fährt sowohl sein Leib als auch seine Seele zur Hölle.
So wollen wir denn mit der Hilfe Gottes des Gerechten hier in diesem Kapitel mit sehr kurzen Hinweisen, so wie wir bereits in der Fruchtabhandlung, dort wo die Wiederauferstehung bewiesen wird, in kurzen Abschnitten erklärt haben, dass die übrigen Glaubenspfeiler ebenfalls die Frage der Wiederauferstehung beweisen, auch hier in diesem Kapitel diese gewaltig große Thematik mit einigen Stichworten in "Sechs Punkten" erklären.
Erster Punkt:
Der Glaube an Allah beweist mit seinen Zeugnissen sowohl weitere Glaubenspfeiler als auch den Glauben an das Jenseits, was die Fruchtabhandlung in ihrer "Siebten Problemstellung" eingehend zeigt.
Ist es überhaupt möglich, oder wäre es vielleicht der Vernunft zugänglich, oder gibt es überhaupt eine Möglichkeit dafür, dass ein Königreich der urewigen und ewig bestehenden Herrschaft (edheli ve baqi saltanat-i rububiyet)und die Souveränität der ewigen und immerwährenden Gottheit (ebedi ve daimi hâkimiyet-i uluhiyet),die diesen grenzenlosen Kosmos wie ein Schloss, wie eine Stadt oder wie ein Land mit allem, was dazu gehört, regiert und in Wohlausgewogenheit und Wohlordnung lenkt und leitet, in Weisheit verändert, die alles von den Atomen bis zu den Planeten, von den Mücken bis zu den Sternen jeweils wie ein wohlgeordnetes Heer zu gleicher Zeit ausstattet und verwaltet (idare),Ihrem Befehl (emir),Ihrem Willen (irade)entsprechend ständig in Ihrem großen und erhabenen Spiel ausbildet und durch Ihren Auftrag in Bewegung setzt, segeln und fließen lässt
und zu Ihrem Dienst, in Ihrer Anbetung zu einer Parade antreten lässt, auf die Reise schickt, nicht im Jenseits einen Ort bereit hielte, als ewig bestehenden Sitz, als beständigen Mittelpunkt und immerwährenden Erscheinungsort dieses ewigen, immerwährenden (sermedi),ewig bestehenden und ständigen Königreiches? Tausendmal nein und auf keinen Fall!
Das heißt, das Königreich der Herrschaft (saltanat-i rububiyet)Gottes des Gerechten und - wie in der "Siebten Problemstellung" bewiesen - die meisten Seiner Namen und die Zeugnisse der Notwendigkeit Seiner Existenz beweisen das Jenseits und erfordern es. Siehe, wisse und glaube daran so fest, als würdest du es sehen, wie stark doch jener Stützpunkt ist, auf dem dieser Pol (qutub)des Glaubens ruht.
Wie schon im "Zehnten Wort" mit kurzen Hinweisen erklärt wurde, kann der Glaube an Allah nicht ohne das Jenseits sein. Des gleichen gilt: Ja wäre es denn überhaupt möglich und könnte es denn der Vernunft überhaupt zugänglich sein, dass Allah, der zu Recht angebetete, der, um Seine Gottheit und Seine Anbetungswürdigkeit (mabudiyet)zu zeigen, diesen Kosmos, gleichsam wie ein Gestalt gewordenes Buch des Einzigartigen (Samad)erschaffen hat, in dem eine jede Seite so viele Bedeutungen hat wie ein ganzes Buch und jede Zeile wie in einer ganzen Seite ausgedrückt werden, und gleichsam wie einen Form gewordenen Qur'an des Gepriesenen (Subhan),in dem jeder Vers (dieses Kosmos), jedes Wort, ja sogar jeder Punkt, jeder Buchstabe je einem Wunder gleich kommt, und als eine Gebetsstätte (Moschee) des Erbarmers (Rahman),die dermaßen prächtig und innen mit zahllosen Versen und bedeutungsvollen Ornamenten verziert ist, und in einer Form, wo sich in jeder Ecke eine Gruppe mit einer Art Dienst und ganz natürlicher Anbetung Gottes (ibadet-i fitri)beschäftigt, die Meister, die die Bedeutungen jenes großen Buches unterweisen und die Kommentatoren, die die Verse jenes Qur'an des Einzigartigen auslegen, nicht als Botschafter senden sollte, und für diejenigen, die in jener großen Moschee
in zahllosen Formen ihre Anbetung darbringen, nicht die Vorbeter (Imame)ernennen sollte und diesen Meistern, diesen Kommentatoren und diesen Imamen keine Weisungen geben sollte? Keineswegs und hunderttausend mal, nein!
Und weiter: wäre es den überhaupt möglich und könnte es überhaupt der Vernunft zugänglich sein, dass der barmherzige Schöpfer, der ehrenvoll aufnimmt und gastfreundlich bewirtet (Sani-i Rahiem ve Keriem),der um die Schönheit in Seiner Barmherzigkeit (djemal-i rahmet),die Güte in Seiner Liebe (husn-u shefqat)und die Vollkommenheit in Seiner Herrschaft (kemal-i rububiyet)den Bewusstsein tragenden zu zeigen und sie zum Dank und Lobpreis zu führen, der diesen Kosmos als ein solches Gastmahl, einen solchen Ausstellungs- und Ausflugsort erschaffen hat, in dem zahllose verschiedene, geschmackvolle Geschenke und einzigartige, zahllose, wunderbare Kunstwerke ausgestellt sind, nicht mit den Bewusstsein tragenden Geschöpfen in diesem Gastmahl spricht und ihnen nicht durch Seine Boten ihre Dankespflicht (vazife-i teshekkuriye)für diese Geschenke (nimet)und ihre Pflicht zum (täglichen) Gebet angesichts Seiner Barmherzigkeit demgegenüber, der es wert ist und verdient, von ihnen geliebt zu werden, mitteilen sollte? Keineswegs und tausendmal nein!
Wie ein Künstler, der sein Kunstwerk liebt und will, dass es Gefallen findet, achtet Er auf tausenderlei verschiedene Geschmacksrichtungen, was Seine Absicht zum Ausdruck bringt, Ihm Anerkennung entgegenzubringen, mit Begeisterung entgegenzukommen. Er schmückt diesen Kosmos sogar mit Seinen einzigartigen Kunstwerken in der Weise aus, dass er durch Seine Kunstwerke sowohl sich selbst bekannt, ja beliebt machen will, als auch in gewisser Weise Seine innere Schönheit (manevi djemal)zeigen will. Wäre es denn überhaupt möglich, dass Er den Menschen, die in gewisser Weise die Herren der Schöpfung sind und jenen Teil der großen unter ihnen, mit denen Er sich unterredet, nicht als Seine Boten senden sollte und Seine schönen Kunstwerke ohne eine Anerkennung, Seine
außerordentlich schönen Namen ohne jede Begeisterung und Sein Wille, sich bekannt zu machen und Seine ganze Liebenswürdigkeit zu zeigen, unbeantwortet bleiben sollte? Keineswegs und tausendmal nein!
Des Weiteren ist Er der Allwissende, der einzig Angesprochene (Mutekellim-i Alim),der auf die Gebete aller Lebewesen, auf ihre natürlichen Bedürfnisse, auf alle ihre Bitten und Wünsche, die sie jeweils in ihrer Art zum Ausdruck bringen, im rechten Augenblick, in einer Weise, die Seine Absicht (qasd),Seine Entscheidung (ihtiyar)und Seinen Willen (irade)zeigt, mit unbegrenzten Gnaden und endlosen Geschenken, mit hilfreichen Taten und Umständen in einer deutlichen Art Antwort gibt. Wäre es überhaupt möglich und könnte es überhaupt der Vernunft zugänglich sein, dass Er, der auch noch dem kleinsten Lebewesen durch hilfreiche Taten und Umstände antwortet, mit Seinen Geschenken, die vollständig seinen Schmerz heilen, auf seine Sorgen hört, seine Bedürfnisse kennt und sie deckt und mit den geistigen Führern der Menschheit, die die erlesensten des ganzen Kosmos, die Treuhänder der Erde und Statthalter über so viele Geschöpfe der Erde sind, nicht sprechen sollte? Ja sogar, wie Er mit jedem Lebewesen durch hilfreiche Taten und Umstände spricht, mit dem Menschen mit Worten nicht sprechen sollte, ihnen Seine Erlasse, Bücher und Schriften nicht herab senden sollte? Keineswegs, absolut nein!
Das heißt also, dass der Glaube an Allah mit Gewissheit und (gestützt auf) zahllose Zeugnisse den Glauben an die Gesandten Gottes und Seine heiligen Bücher beweist.
وَبِكُتُبِهِ وَرُسُلِهِ
{"...und an Seine Schriften und an Seine Propheten"}
Gäbe es denn überhaupt irgendeine Möglichkeit und könnte es überhaupt der Vernunft zugänglich sein, dass Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der demgegenüber, welcher sich durch alle Seine Kunstwerke zu
erkennen gibt, in ihnen geliebt werden möchte und sich für Seine hilfreichen Taten und für alle Möglichkeiten, die Er ihnen bietet, auch ihren Dank wünscht, (Mohammed, der) durch die Wahrheiten des Qur'an, die den Kosmos in Wallung bringen, jenen majestätischen (dhu l-djelal)Meister (san'at)bestens kennt und dafür Sorge trägt, Ihn bekannt zu machen, der Ihn liebt und dafür Sorge trägt, dass Er geliebt wird, der Ihm dankt und dafür Sorge trägt, dass Ihm gedankt wird, und der die Erde von seinen Anrufungen سُبْحَانَ اللّٰهِ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ {"Gepriesen sei Gott! Dank sei Gott! Gott ist groß!"} widerhallen lässt, sodass die Himmel sie hören und Land und Meer in Ekstase versetzt werden, und dem nach dreizehnhundert Jahren ein fünftel der Weltbevölkerung folgt und die Hälfte, was den Einfluss seiner Lehre und seiner Menschlichkeit betrifft, und der somit dem Aufscheinen der Herrschaft (rububiyet)des Schöpfers mit einem weiten und umfassenden Dienst und einer Anbetung entgegnet und der alle Pläne Gottes mit den Suren des Qur'an in den Kosmos und in die Jahrhunderte hinaus ruft, unterweist und bekanntgibt, und der die Würde (sheref),den Wert und den Auftrag des Menschengeschlechtes zeigt, und der durch seine tausend Wunder bestätigt wurde, nicht Sein auserwähltes Geschöpf, Sein vollkommenster Botschafter und Sein größter Gesandter sein sollte? Nein, keineswegs und hunderttausend mal nein! Das heißt, dass die Wahrheit von اَشْهَدُ اَنْ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt, außer Allah."} mit allen ihren Zeugnissen die Wahrheiten von وَ اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ {"Ich bezeuge, dass Mohammed Gottes Gesandter ist."}
beweist.
Gäbe es denn überhaupt irgendeine Möglichkeit, dass der Schöpfer dieses Kosmos, der Seine Geschöpfe sich in hunderttausend Sprachen einander mitteilen lässt, der ihre Mitteilungen hört und versteht, sich selber nicht mitteilen könnte? Gott bewahre!
Könnte es denn überhaupt der Vernunft zugänglich sein, dass Er Seine göttlichen Ziele (maqasid-i Ilahiye)im Kosmos nicht mit einem Erlass mitteilen sollte? Sollte er ein Buch wie den Qur'an, der auf die drei furchtbaren Fragen aller: woher die Geschöpfe kommen, wohin sie gehen und warum sie so Karawane um Karawane hierher kommen, ein wenig verweilen und wieder weiterziehen, eine wahrhaftige Antwort gibt, nicht herab gesandt haben? Gott bewahre!
Könnte es denn überhaupt möglich sein, dass der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, der dreizehn Jahrhunderte erleuchtet, jede Stunde hundert Millionen Mal in vollkommener Ehrfurcht von Mund zu Mund geht, der in die Herzen derer, die den Qur'an auswendig kennen und vortragen (= Hafidh),mit aller Heiligkeit eingeschrieben ist, der den größten Teil der gebildeten Menschen mit seinen Gesetzen regiert, ihre Seele erzieht, ihren Geist läutert, ihr Herz reinigt und ihren Verstand schult und den die Risale-i Nur in vierzig Aspekten und besonders in dem außerordentlichen und einzigartigen "Neunzehnten Brief" als Wunder beweist, (der Qur'an) der sich für vierzig Gruppen und Schichten der Menschen und für jede einzelne Schicht wieder als eine andere Art Wunder zeigt, und Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der mit all seinen tausend Wundern selbst ein Wunder (des Qur'an) ist, der als das wahre Wort Gottes bewiesen wurde, nicht das Wort dessen sein sollte, der von Urewigkeit spricht (Mutekellim-i Edhel),und der Erlass des immerwährenden Schöpfers (Sani-i Sermedi)?Gott bewahre, hunderttausend mal Gott bewahre und keineswegs!... Das heißt also, dass der Glaube an Allah und all seine Zeugnisse beweisen, dass der Qur'an das Wort Gottes ist.
Könnte es denn überhaupt möglich sein, dass der majestätische König (Sultan-i Dhu l-Djelal),der die Erde ständig mit Lebewesen füllt und leert, und diese unsere Welt mit Bewusstsein tragenden Wesen belebt, damit sie Ihn erkennen, Ihn anbeten, Ihn loben und preisen, die Himmel und die Sterne aber öde und unbewohnt lassen sollte? Sollte Er nicht die entsprechenden Bewohner dazu erschaffen, sie nicht in diesen Schlössern im Himmel Wohnung nehmen und das Reich Seiner Herrschaft (saltanat-i rububiyet)in Seinem größten Land ohne Diener, ohne Würdenträger, ohne Beamte, ohne Gesandte, ohne Botschafter, ohne Minister, ohne Zuschauer, ohne Anbeter und ohne Untertanen lassen? Möge uns Gott so viele Male davor bewahren, wie es Engel gibt!...
Könnte es denn überhaupt möglich sein, dass der allweise Herrscher (Hâkim-i Hakiem),der barmherzige Allwissende (Alim-i Rahiem),der diesen Kosmos so in Form eines Buches schreibt, dass Er den ganzen Lebenslauf jedes Baumes in jeden seiner Kerne einträgt, die ganze Lebensaufgabe aller Gräser und aller Blumen in alle ihre Samen einschreibt, die ganze Lebensgeschichte aller Bewusstsein tragenden in ihrem winzigen Erinnerungsvermögen gleich der Größe eines Senfkornes einwandfrei speichert, jede Tat und jedes Ereignis in Seinem Besitz und in den Kreisen Seines Reiches durch verschiedene Photoapparate aufnehmen und aufbewahren lässt, und der den riesigen Himmel (djennet)und die Hölle, die Brücke (Sirat)und die größte Waage (am Tag der Auferstehung) erschafft, damit die Gerechtigkeit (adalet),die Weisheit (hikmet)und die Barmherzigkeit (rahmet),welche die wichtigsten Grundlagen Seiner Herrschaft (rububiyet)sind, in Erscheinung treten und sich bewahrheiten, die Taten der Menschen aber, die die Schöpfung beeinträchtigen, nicht eintragen lassen sollte, ihre Handlungen für Lohn und Strafe nicht aufnehmen lassen sollte und ihre bösen und guten Taten nicht auf die Tafeln der Bestimmung (qaderin lauh)schreiben sollte? Gott bewahre! Möge uns Gott davor so viele Male bewahren, wie es geschriebene Buchstaben auf der wohlverwahrten Tafel (Lauh-i mahfudh)gibt!
Das heißt, dass die "Wahrheit des Glaubens" an Gott und all ihre Zeugnisse ohne Zweifel sowohl den "Glauben an die Engel", als auch die Wahrheit des "Glaubens an die Vorherbestimmung Gottes" beweisen. Wie die Sonne auf den Tag und der Tag auf die Sonne hinweist, so weisen auch die Grundpfeiler des Glaubens aufeinander hin.
Zweiter Punkt:
Bei dem Anliegen aller vom Himmel geoffenbarten Bücher und Schriften, vor allem des Qur'an und aller Propheten, mit denen Friede sei, vor allem des Propheten Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, geht es um fünf, sechs Grundsätze. (Alle Propheten) versuchen ständig diese Grundsätze zu unterweisen und zu bestätigen. Alle Zeugnisse und Beweise, die ihr Prophetentum und ihre Aufrichtigkeit bezeugen, beruhen auf diesen Grundsätzen. Sie geben ihrer Wahrhaftigkeit unterstützende Kraft. Was aber diese Grundsätze betrifft, so sind sie der Glaube an Allah, den einen Gott, der Glaube an das Jenseits, und der Glaube an alle übrigen Grundpfeiler.
Also ist die Trennung der sechs Grundpfeiler des Glaubens voneinander nicht möglich. Jeder von ihnen beweist sie alle, verlangt nach ihnen und setzt sie zugleich voraus. Diese sechs sind ein so vollständiges und so umfassendes Ganzes, dass sie eine Teilung nicht zulassen und ihre Trennung voneinander außerhalb des Möglichen liegt. Wie bei dem paradiesischen Tuba-Baum, dessen Wurzel im Himmel ist, beruht jeder Zweig, jede Frucht, jedes Blatt auf dem umfassenden unerschöpflichen Leben dieses riesigen Baumes. Niemand kann das Leben auch nur eines einzigen seiner Blätter leugnen, ohne das Leben selbst, das so stark und so deutlich sichtbar ist wie die Sonne, zu verleugnen. Tut er es dennoch, so wird der Baum selbst nach der Anzahl seiner Zweige, Früchte und Blätter den Lügner zur Lüge machen und ihn so zum Schweigen bringen. Genauso verhält es sich auch mit dem Glauben und seinen sechs Glaubenspfeilern.
Bei der Abfassung dieses Kapitels beabsichtigte ich die sechs Glaubenspfeiler in "Sechs Punkten", jeden Punkt mit "Sechs Anmerkungen", also mit sechsunddreißig Anmerkungen zu erklären. Und in dieser Weise wollte ich auf die furchtbare Frage am Anfang eine ausführliche Antwort geben. Gewisse Hindernisse aber hielten mich davon ab, da ich meine, dass der "erste Punkt" bereits ein gutes Beispiel bietet, sodass für die, "welche verständig sind", keine weiteren Erklärungen erforderlich sind. Und damit ist nun klar geworden, dass der Muslim, der auch nur eine Glaubenswahrheit leugnet, in den völligen Unglauben verfällt. Denn im Gegensatz zu den nur ansatzweisen Darstellungen anderer Religionen werden im Islam ausführliche Erklärungen gegeben. Die einzelnen Grundpfeiler sind (wie die Glieder einer Kette) untereinander verbunden. Ein Muslim, der Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, nicht (als Prophet) erkennt und bezeugt, erkennt auch Allah (in Seinen Eigenschaften) nicht und weiß nichts vom Jenseits. Der Glaube des Muslims ist so stark und stützt sich auf so zahllose, unerschütterliche Zeugnisse, dass es für seine Leugnung gar keine Entschuldigung mehr gibt. Letztendlich sieht sich der Verstand genötigt, ihn anzunehmen.
Dritter Punkt:
Da rief ich mit einem Mal aus:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ
{"Dank sei Gott!"}
Ich suchte nach einer Gnadengabe (nimet),die dem grenzenlos umfassenden Sinn (von Elhamdu-li'llah)entspricht. Und sogleich erinnerte ich mich an den folgenden Satz:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلَى الْاِيمَانِ بِاللّٰهِ وَ عَلٰى وَحْدَانِيَّتِهِ وَ عَلٰى وُجُوبِ وُجُودِهِ وَ عَلٰى صِفَاتِهِ وَ اَسْمَآئِهِ حَمْدًا بِعَدَدِ تَجَلِّيَاتِ اَسْمَآئِهِ مِنَ الْاَزَلِ اِلَى الْاَبَدِ
{"Dank sei Gott für: den Glauben an Gott, an Seine Allgegenwart, an die Notwendigkeit Seiner Existenz, an Seine Eigenschaften und an Seine Namen, nach der Zahl der Erscheinungen Seiner Namen, vom Anbeginn bis in Ewigkeit."}
Ich betrachtete (diesen Text). Er entsprach vollständig dem Sinn (von Elhamdu-li'llah).Es ist dies wie folgt: .......
* * *
Zehnte Problemstellung
Eine Blume aus Emirdag
Eine besonders überzeugende Antwort auf die Kritik, die sich auf Wiederholungen im Qur'an beziehen.
Meine lieben und getreuen Mitbrüder.
Eigentlich ist diese Abhandlung auf Grund meiner zerrütteten Verhältnisse ein bisschen unklar ausgefallen und gar nicht elegant, doch habe ich trotz meiner mangelhaften Ausdrucksweise mit Sicherheit ein besonders kostbares Wunder (im Qur'an) gefunden. Leider war ich nicht dazu in der Lage, es in die rechten Worte zu kleiden. Doch wie schwach auch meine Ausdrucksweise sein möge, bleiben meine Erwägungen in ihrer Beziehung auf den Qur'an, dennoch sowohl eine Form des Gottesdienstes, als auch die Mutter einer Perle, glanzvoll, heilig und erhabenen. Nicht das zerrissene Kleid möge man darum betrachten, sondern den Diamant in meiner Hand! Übrigens war ich sehr krank, unzureichend versorgt und ungenügend ernährt. In nur ein, zwei Tagen musste ich im Ramadan sehr viele Wahrheiten und verschiedene Zeugnisse mit einem Satz kurz zusammenfassen. Man möge mir also verzeihen!
{(*): Diese Zehnte Problemstellung ist zusätzlich zur "Frucht des Gefängnisaufenthaltes in Denizli" eine lichtvolle kleine Blume aus Emirdag und (ein Geschenk) dieses heiligen Ramadans. Hier wird die Weisheit, die in den Wiederholungen im Qur'an liegt, erklärt und werden zugleich die stinkenden und giftigen Unterstellungen der Leute des Irrweges beseitigt.}
Meine lieben und treuen Brüder!
Ich las im heiligen Monat Ramadan den Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist. Aber auf welche Ayah der dreiunddreißig Ayat, die auf die Risale-i Nur hinweisen, ich auch immer stieß, was im "Ersten Strahl" erklärt wurde, und welche Hinweise ich nun deuten wollte: ich bemerkte jedes Mal, dass sich die Seite, der Abschnitt und der Inhalt im Zusammenhang mit einem dieser Verse gewissermaßen auch auf die Risale-i Nur und ihre Schüler bezieht. Es beziehen sich besonders die Verse in der Sure "Nur"(Licht), in denen das Wort "Nur"(Licht) vorkommt, auf die Risale-i Nur(Botschaft vom Licht), während die Verse, die danach folgen und in denen das Wort "Finsternis (dhulumet)"vorkommt, genau ihre Gegner treffen. Diese Verse messen der Risale-i Nur eine große Bedeutung bei, gewinnen sogar über ihre historische Bedeutung hinaus Allgemeingültigkeit. Dabei hatte ich das Empfinden, dass die Risale-i Nur und ihre Schüler in unserem Jahrhundert wieder ein Beispiel dafür sind. In der Tat ist der Qur'an vor allem auf Grund der allumfassenden Bedeutung (maqam)dessen, der von Ewigkeit her spricht (Mutekellim-i Edhel),dem Herrscher über alles Sein, des Weiteren auf Grund der allumfassenden Bedeutung dessen, der im Namen der Menschheit, ja sogar im Namen der ganzen Schöpfung angesprochen (muhatab)worden ist, des Weiteren auf Grund der allumfassenden Bedeutung der ganzen Menschheit, der Söhne Adams, die in allen Jahrhunderten der Rechtleitung bedürfen, des Weiteren auf Grund der Bedeutung der überaus erhabenen und alles umfassenden Auslegung der Gesetze des Schöpfers des Kosmos und Seiner Herrschaft (rububiyet)der Sprecher (hitab)für die Erhaltung dieser und jener Welt, der Erde und der Himmel und aller Ewigkeiten (edhel ve ebed)und für die Erhaltung aller Geschöpfe. Auf Grund dieser allumfassenden, allumspannenden, erhabenen Bedeutung spricht (hitab)(der Qur'an) in der ganzen Höhe, der Tiefe und der Weite seines Wunders. (Der Qur'an) schließt mit seiner konkreten und allgemein verständlichen
Ausdrucksweise, die dem gewöhnlichen Verständnis der einfachen Volksschichten entgegenkommt, welche die Mehrheit der Angeredeten bilden, in seiner Unterweisung auch die höchsten Schichten mit ein. Und dies nicht um aus einer Erzählung nur eine Lehre zu ziehen, oder nur um anhand eines geschichtlichen Ereignisses ein Beispiel anführen zu wollen, sondern auch um (den Qur'an) gleichsam wieder neu zu offenbaren, wobei er mit einem einzelnen Beispiel in jedem Jahrhundert jede Volksschicht anspricht, um ihr so ein allumfassendes Gesetz zu zeigen. Besonders aber lässt uns (der Qur'an), indem er stets drohend
اَلظَّالِمِينَ ٭ اَلظَّالِمِينَ
{"Die Ungerechten! Die Ungerechten!"}
wiederholt, und dabei all die Katastrophen, die vom Himmel herab die Menschen treffen, und die Unglücksfälle, die hier auf Erden geschehen, als Strafe für die Ungerechtigkeiten der Menschen nachdrücklich erklärt, und die Strafen, die über das Volk des Ad, des Thamud und des Pharao hereingebrochen waren, die beispiellosen Ungerechtigkeiten unseres Jahrhunderts betrachten und tröstet die Gläubigen, die unter diesen Ungerechtigkeiten leiden, durch die Errettung der Gottesgesandten wie Abraham und Moses, mit denen der Friede sei.
Über die ganze vergangene Zeit, Jahrhunderte verstorbener Generationen, welche in den Augen derer, die Gott vergessen haben und in die Irre gegangen sind, in das öde und fürchterliche Land des Nichts und der Gräber, voll Schmerz und Zerstörung hinabgestiegen sind, unterweist in der Tat der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, die Menschen jedes Jahrhunderts und jeder Bildungsschicht und zeigt ihnen in wunderbarer Weise gleichsam wie auf einer Leinwand als jeweils eine lebendige Seite mit Lehrbeispielen, als eine einzigartige Welt, durch und durch beseelt und lebendig, und als ein
Land des Herrn, dem wir verbunden sind, und versetzt sie so manchmal in diese Zeiten zurück und versetzt diese Zeiten manchmal in unsere Gegenwart. In gleich wunderbarer Weise macht der hochehrenwerte Qur'an diesen Kosmos, der in den Augen der Irrenden seelenlos, unverständlich, tot, eine unendliche Öde ist und zwischen Trennung und Untergang hin und her schlingert, zu einem Buch des Einzigartigen (Samad),zu einer Stadt des Erbarmers (Rahman)und zu einem Ausstellungsort der Kunstwerke des Herrn. Er macht diese leblosen Dinge lebendig. Er lässt jedes von ihnen als Seinen Beauftragten sich untereinander austauschen und einander zu Hilfe eilen. So unterrichtet er Menschen, Engel und Dschinnen in der Weisheit, wahrheitsgemäß, einleuchtend und auf unterhaltsame Weise. Zu seinen erhabenen Besonderheiten gehört es, dass jeder seiner Buchstaben zehn, manchmal hundert, manchmal tausend, selbst viele Tausend Segnungen (sevab)bringt. Auch wenn alle Menschen und Dschinnen zusammenkämen, könnten sie nichts zustande bringen, was ihm gleichwertig wäre. Er spricht zu allen Adamssöhnen und der ganzen Welt mit Worten am rechten Ort und zur rechten Zeit. Mit Freude werden sie zu allen Zeiten Millionen, die den ganzen Qur'an auswendig kennen und rezitieren können, ins Herz geschrieben. Viele Wiederholungen im Qur'an lassen keinerlei Überdruss (bei den Menschen) aufkommen, selbst dann nicht, wenn sie ihn stets wieder rezitieren. Auch in den empfindsamen Gehirnen und einfachen Vorstellungen der Kinder findet der Qur'an seinen Platz, trotz vieler Stellen und Sätze, die sie miteinander verwechseln könnten. Er klingt denen, die krank sind oder im Sterben liegen und sich schon von wenigen Worten gestört fühlen, angenehm in den Ohren und wohltuend wie Sem-Sem (Wasser). Aus ihm gehen all diese Besonderheiten hervor und durch ihn gewinnen seine Schüler die Glückseligkeit in beiden Welten (Diesseits und Jenseits). Es liegt in seinem Sinne, auf den volkhaften Bildungsgrad seines Dolmetschen (eines Analphabeten)
Rücksicht zu nehmen, gar keine Gezwungenheit, keine Künstelei und keine Schaustellerei aufkommen zu lassen. In seiner Weisheit öffnen der natürliche Fluss (selaset-i fitriye)und die Klarheit seiner Sprache, seine unmittelbare Herkunft aus dem Himmel und die Herabkunft seines Wortes, die dem grundlegenden Verständnis der einfachen Volksschichten schmeichelt, den Himmel und die Erde, jene klaren und offensichtlichen und eindeutigen Seiten (im Buche der Natur) und unterrichtet die einzigartigen Wundertaten der Macht Gottes, die hinter den Alltäglichkeiten verborgen sind, und lehrt Seine Weisheit in den sinnvollen Zeilen (des Buches der Natur) und zeigt damit die Gnade der Rechtleitung als ein schönes Wunderwerk seiner Macht.
Auch in dem Sinne, dass er mitteilen möchte, dass er ein Buch des Gebets und der Einladung (zum Islam), des Gedenkens (dhikr)und der Einheit (Gottes) ist, weshalb Wiederholungen erforderlich sind; auch dass er mit guten und treffenden Wiederholungen in einem einzigen Satz und einer einzigen Geschichte viele völlig verschiedene Bedeutungen für die vielen völlig verschiedenen von ihm angesprochenen Bevölkerungsschichten verständlich macht; auch in dem Sinne, dass er mitteilen möchte, dass unter seinen barmherzigen Augen auch bei ganz persönlichen und ganz gewöhnlichen Ereignissen selbst noch die persönlichsten und unbedeutendsten Dinge seiner Leitung und seinem Willen unterstehen, genau so wie in der Entstehung des Islam, wie bei der Zusammenstellung der Schariah, auch die kleinsten Erlebnis der Sahabis als wichtig betrachtet wurden; so findet sich (in ihm) ein abgeschlossenes Grundgesetz und darüber hinaus wirken solche kleinen Ereignisse gleich Saatkörnern, die recht bedeutende Früchte hervorbringen, bei der Entstehung des Islam und der Schariah, die allgemein gültig ist; und auch in dieser Hinsicht zeigt er wiederum einen Aspekt seines Wunders.
So entstand denn immer wieder das Bedürfnis und wurde
eine Wiederholung immer wieder notwendig, weil für sehr viele verschiedene Volksschichten innerhalb von zwanzig Jahren immer wieder eine Unterweisung als Antwort auf sehr viele wiederholt gestellte Fragen erfolgte und um eine so unbegrenzte und grenzenlose, allumfassende fürchterliche Umwandlung, die bewirkt, dass das riesige Universum in Stücke zerfällt, am Tage der Wiederauferstehung seine Gestalt verliert und die Welt (gleich einer Ausstellung) aufgehoben und an ihrer Stelle das gewaltige Jenseits aufgerichtet wird und die beweist, dass alles, das Kleine wie das Große, von den Atomen bis zu den Sternen in der Hand und in der Macht des einen Herrn liegt, und den Zorn Gottes und die Wut des Herrn, um des Ergebnisses der Erschaffung des Universums willen zeigt, über die Grausamkeiten des Menschengeschlechts, weshalb auch das ganze Universum, die Erde, die Himmel und alle Elemente in Zorn und Wut geraten, einzuprägen, ist es kein Fehler, manche Sätze zu wiederholen, die in tausendfacher Hinsicht eine gewaltige Wirkung haben, einen Teil der Verse, welche das Ergebnis zahllos vieler Zeugnisse sind, vielmehr ein überaus machtvolles Wunder, eine hohe Kunst flüssiger Redeführung und eine Klarheit, die den Umständen genau entspricht und erforderlich ist.
Zum Beispiel: Der Satz بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ {"Im Namen Allahs, des Erbarmers des Barmherzigen",} ein Vers, der im Qur'an einhundertvierzehn Mal wiederholt wird, wie im "Vierzehnten Blitz" der Risale-i Nur erklärt wird, ist eine solche Wahrheit, dass sie den Thron Gottes mit der Erde verbindet und den Kosmos mit Licht erfüllt und jeder ihrer in jeder Minute bedarf. Hätte man ihn auch Millionen Male wiederholt, bedürfe man ihrer dennoch wieder nicht nur wie das tägliche Brot, vielmehr bedarf man ihrer wie der Luft und sehnt sich nach ihr in
jeder Minute gleich wie nach dem Licht. Und zum Beispiel: In der Sure طٰسٓمٓ {"Ta-Sin-Mim"} wird der Vers إِنَّ رَبَّكَ لَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ {"Und siehe, dein Herr, wahrlich, Er ist der Mächtige, der Barmherzige." (Sure 26, 9)} acht mal wiederholt. In dieser Sure wird erzählt, wie die Gottesgesandten errettet und ihre Völker bestraft werden. Um des Ergebnisses der Erschaffung des Kosmos willen und zugunsten der allgemeinen Herrschaft (rububiyet-i amme)wird dieser Vers, der so stark wie tausend Wahrheiten ist, wiederholt. Auch wenn er tausend Male wiederholt würde, um darüber zu belehren, dass die Würde des Herrn (izzet-i Rabbaniye)die Bestrafung jener grausamen Völker und zugleich auch die Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiye)die Errettung der Propheten erfordert, braucht man ihn und wünscht ihn sich. Es ist eine wunderbare, schöne und erhabene Kunst der Redeführung (beleghat).
Und zum Beispiel: In der Sure "Rahman"wird der Vers
فَبِأَىِّ اٰلآَءِ رَبِّكُمَا تُكَذِّبَانِ
{"Und welche der Wohltaten eures Herrn wollt ihr wohl leugnen?" (Sure 55, 13)}
und in der Sure "Murselat"der Vers
وَيْلٌ يَوْمَئِذٍ لِلْمُكَذِّبِينَ
{"Wehe an jenem Tag denen, die (die Botschaft) für Lüge erklären!" (Sure 77, 15)}
wiederholt. Diese beiden Verse klagen Menschen und Dschinnen vor den Jahrhunderten, vor der Erde und den Himmeln mit lauten Drohungen wegen ihres Unglaubens, ihrer Undankbarkeit und Grausamkeit und ihrer Verletzung
der Rechte aller Geschöpfe an. Darüber gerät der Kosmos in Wut, erzürnen sich Himmel und Erde; der Sinn der Erschaffung der Welt geht zugrunde. Der Erhabenheit des Königreichs Gottes (hashmet-i saltanat-i Ilahiye)begegnen sie mit Verleugnung und Herabwürdigung. Auch wenn diese beiden Verse in einem weltweiten Unterricht tausend Fragen über tausend Wahrheiten tausend Male wiederholt würden, bedarf es doch noch erneut einer Wiederholung. Dies ist ein Wunder der Redekunst (beleghat)in seiner Majestät (djelal),Schönheit (djemal)und Kürze.
Zum Beispiel: Eine Art wahres und vollständiges Bittgebet des Qur'an ist "Djaushanu-l'Kebir", das Gebet des Propheten, mit dem Friede und Segen sei. Es entstand aus dem Qur'an und ist eine Art Zusammenfassung. Dort wird der Satz
سُبْحَانَكَ يَا لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اَنْتَ الْاَمَانُ الْاَمَانُ خَلِّصْنَا اَجِرْنَا نَجِّنَا مِنَ النَّارِ
{"Gepriesen seist Du, oh Du, außer dem es keinen Gott gibt! Unser Schutz, unser Hort, errette, schütze und bewahre uns vor dem Feuer!"}
hundert Mal wiederholt. In seiner Wiederholung liegt die größte Wahrheit des Kosmos, die die Erkenntnis der Einheit Gottes ist; und die wichtigsten von drei gewaltigen Aufgaben aller Geschöpfe gegenüber der Herrschaft (rububiyet)Gottes: Lobpreis, Dank und die Heiligung Gottes; und das furchtbarste Problem des Menschengeschlechtes: die Errettung vor der ewigen Qual; und das natürliche Erfordernis des Menschen sowohl in seinem Dienst vor Gott und Seiner Anbetung als auch in seiner Schwäche. Darum wäre es noch wenig, würde es auch tausend Mal wiederholt.
So beziehen sich die Wiederholungen im Qur'an auf dergleichen Grundsätze. Die Wahrheit von der Einheit Gottes wird zuweilen sogar zwanzig mal auf einer Seite teils direkt teils indirekt zum Ausdruck gebracht, je nachdem wie es der Zusammenhang erfordert, wie es für das Verständnis notwendig ist und wie es der Schönheit der
Verkündigung entspricht. Sie vermitteln nicht Überdruss, sondern Überzeugungskraft und Begeisterung. In der Risale-i Nur wurde schon mit Beweisen erklärt, wie sehr die Wiederholungen im Qur'an am Platz sind, wie angemessen und wie hochgeschätzt sie in der Rhetorik sind.
Geheimnis und Weisheit der Verschiedenheit zwischen den Suren im Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, die in Mekka offenbart wurden, und den Suren, die in Medina offenbart wurden, hinsichtlich ihrer Rhetorik (belaghat)und in Anbetracht dieses Wunders (i'djaz),sowie dem Aspekt der Ausführlichkeit (tafsil),bzw. der Zusammenfassung (idjmal),sind wie folgt: Weil damals in Mekka die Götzendiener und die Ungebildeten vom Stamme Qureysch in erster Linie die Angeredeten bzw. Gegner waren und weil damals hinsichtlich der Rhetorik (belaghat)ein erhabener und gewaltiger Stil (uslub),eine wunderbare, überzeugende, sehr beredte Prägnanz (idjmal),als auch Wiederholungen zur Befestigung notwendig waren, drücken die meisten mekkaner Suren die Glaubensgrundsätze und die Stufen der Einheit (Gottes = tauhid)wiederholt mit einer überaus starken, erhabenen und wunderbaren Prägnanz (idjaz)aus und beweisen Ausgang und Rückkehr, Allah und das Jenseits, nicht nur auf einer Seite, mit einem Vers, mit einem Satz oder mit einem Wort, ja sogar mit nur einem Buchstaben, durch syntaktische Umstellung, Inversion, Determination, Gebrauch des Artikels, durch Ellipsen und Teilhinweise, so nachdrücklich, dass sich die Koryphäen der Wissenschaft, der Dichtkunst und der Redekunst dafür begeisterten. In der Risale-i Nur und besonders im "Fünfundzwanzigsten Wort" mit dem gesamten Anhang, worin das vierzigfache Wunder des Qur'an bewiesen wurde, und in dem arabisch verfassten Kommentarbuch aus der Risale-i Nur "Zeichen der Wunderhaftigkeit" (Isharatu-l'i'djaz),worin bewiesen wurde, wie wunderbar der Qur'an in seiner Ordnung ist, wird anhand von Beispielen gezeigt, dass der dichterische Stil (uslub-u belaghat)in den Suren und in den Versen, die in Mekka offenbart wurden, hocherhaben und ein Wunder an höchster Prägnanz (i'djaz-i idjaz)ist.
Was nun aber die medinensischen Suren und Verse betrifft, waren die dort in erster Linie Angeredeten bzw. Gegner die Leute der Schrift, Juden wie Christen, welche die Existenz Gottes (arab. Allah)bestätigten und für welche die Erfordernisse der Dichtkunst, die Rechtleitung, Umstände und Zusammenhänge notwendig waren, weniger um den Leuten der Schrift die tiefen Wurzeln der Religion und die Grundpfeiler des Glaubens in einfachen Worten klar und ausführlich zu erklären, als vielmehr die Einzelheiten in der Gesetzgebung (Scharia)und den Rechtsbestimmungen und die Ursprünge und Gründe aller Einzelheiten und die allgemeinen Gesetze darzulegen, worin der Grund ihrer Auseinandersetzung bestanden hatte. Bei den medinensischen Suren und Versen, wird meistens in einfachem Stil inmitten ausführlicher Erklärungen und Erläuterungen, in jener beispiellosen Ausdrucksweise, wie sie dem Qur'an zu eigen ist, plötzlich mitten in einem Einzelfall, eine Aussage von hoher Prägnanz, ein Resümee, ein Schlusswort, ein Beweis, ein Satz angeführt, der die Einheit, den Glauben oder das Jenseits betrifft, der einen das Gesetz betreffenden Vorfall verallgemeinert und der durch den Glauben an Allah die Befolgung des Gesetzes zuwege bringt. Dadurch wird der betreffende Zusammenhang in ein höheres und erhabeneres Licht gerückt. Die Risale-i Nur beweist, welch hohe Vortrags- und Redekunst, welche Eleganz und welch tiefe Bedeutung in den Schlussworten und Zusammenfassungen zu finden ist, die von der Einheit und vom Jenseits handeln, wie
إِنَّ اللهَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ ٭ إِنَّ اللهَ بِكُلِّ شَىْءٍ عَلِيمٌ ٭ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ ٭ وَهُوَ الْعَزِيزُ الرَّحِيمُ
{"Gott hat zu allem die Macht." (Sure 2, 20) "Gott weiß über alles Bescheid." (Sure 58, 7) "Er ist der Mächtige und Weise." (Sure 14, 4) "Er ist der Mächtige und Barmherzige." (Sure 30, 5)}
die meistens als Abschluss eines Verses erscheinen. Besonders in dem "Zweiten Licht" der "Zweiten Flamme"
des "Fünfundzwanzigsten Wortes" werden zehn Beispiele für sehr viele tiefe Bedeutungen und Besonderheiten dieser Schlussworte und Zusammenfassungen erklärt, wodurch auch noch den Verblendeten bewiesen wird, dass in derartigen Zusammenfassungen ein großes Wunder erkennbar wird.
In der Tat erhebt der Qur'an den Blick des Angeredeten von den Erklärungen über die Einzelheiten und über die Grundlagen der Gesellschaft plötzlich zu einem hohen und allgemeinen Betrachtungspunkt empor und während sich sein einfacher Stil in einen erhabenen Stil und seine Unterweisung im Gesetz verwandelt in die Unterweisung in der Einheit, erweist sich der Qur'an als ein Gesetzbuch, ein Buch der Urteile und der Weisheit, als ein Buch des Bekenntnisses und des Glaubens, als ein Buch des Gottesgedenkens und des Nachsinnens (dhikr ve fikr)und als ein Buch des Gebetes und der Einladung (zum Islam). In jedem Zusammenhang unterweist der Qur'an über viele Ziele seiner Rechtleitung. Anders als die Schönheit der Ausdrucksweise Mekkaner Verse zeigen sich seine glänzenden und wunderbaren Redewendungen (in den medinensischen Versen).
Manchmal wird in zwei Worten, zum Beispiel in رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Der Herr der Welten" (Sure 7, 54)} und رَبُّكَ {"Dein Herr" (Sure 2, 30)} mit dem Ausdruck رَبُّكَ {"Dein Herr" (Sure 2, 30)} die Einheit im Wesen Gottes (Ahadiyet= die Erkenntnis
der Einheit Gottes in einer individuellen Beziehung zu Ihm) und mit dem رَبُّ الْعَالَمِينَ {"Der Herr der Welten" (Sure 7, 54)} die Einheit in Seinen Eigenschaften (Vahidiyet= die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Beziehung eines Kollektivs zu Ihm) kundgetan. So kommt die Einheit Gottes, die in der Beziehung aller Geschöpfe zu Ihm (= Vahidiyet)erkannt wird, durch die Einheit Gottes, die in der persönlichen Beziehung des Menschen zu Ihm (= Ahadiyet)liegt, zum Ausdruck. Der Qur'an beschreibt in einem seiner Verse sogar die Atome in der Linse hinter der Pupille des Auges und setzt sie dort ein. Und in der gleichen Art setzt er im selben Vers die Sonne als Auge des Himmels ein. Zum Beispiel folgt dem Vers
خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضَ
{"Er ist es, der Himmel und Erde ... geschaffen hat." (Sure 57, 5)}
der Vers
يُولِجُ الَّيْلَ فِى النَّهَارِ وَيُولِجُ النَّهَارَ فِى اللَّيْلِ
{"Er lässt die Nacht dem Tage folgen, und lässt den Tag auf die Nacht folgen." (Sure 57, 6)}
der mit der Aussage
وَ هُوَ عَلِيمٌ بِذَاتِ الصُّدُورِ
{"...und Er weiß, was im Innern der Brust ist." (Sure 57, 6)}
endet. Dies besagt: "Bei aller Majestät der Erschaffung (hashmet-i khilqat)der Erde und der Himmel kennt Er doch die feinsten Regungen des Herzens und wacht über sie." Dieses einfache und persönliche Gespräch (zwischen Gott und Seinem Propheten) auf der Stufe eines reinen und unverbildeten
Verständnisses, unter Berücksichtigung der einfachen Leute, verwandelt sich durch diese Art Aussage in eine alles umfassende, fesselnde, lehrreiche und dennoch erhabene Konversation.
Frage:
Da eine grundlegende Wahrheit von oberflächlichen Betrachtern nicht bemerkt und der Zusammenhang mancher Stellen nicht ersichtlich ist, wie auf Grund eines kleinen, alltäglichen Vorfalls eine so hochgeschraubte Schlussfolgerung über die Einheit (Tauhid)gezogen werden, bzw. zum universellen Grundsatz erklärt werden kann, halten (oberflächliche Betrachter diese Schlussfolgerung) manchmal für einen Fehler. Zum Beispiel: In Mitten der Erzählung, worin der ägyptische Josef, mit dem Friede sei, die Abreise seines Bruders mit einer List verhinderte, um ihn bei sich zu behalten, wird die folgende große Schlussfolgerung:
وَ فَوْقَ كُلِّ ذِى عِلْمٍ عَلِيمٌ
{"Und über jedem, der Wissen besitzt, steht Er, der mehr weiß." (Sure 12,76)}
gezogen. Ein Zusammenhang ist aber bei aller Kunst der Redeführung nicht ersichtlich. Was ist hier das Geheimnis und wo liegt hier die Weisheit?
Antwort:
Da der Qur'an in seinen langen und auch in den mittleren Suren, deren jede als ein Qur'an im Kleinen gilt, auf vielen Seiten und an vielen Stellen (maqam)nicht nur zwei, drei Ziele verfolgt, sondern seinem Wesen nach sowohl ein Buch des Gottesgedenkens, des Glaubens und des Nachsinnens (dhikr ve fikr),als auch ein Buch der Gesetzgebung, der Weisheit und der Rechtleitung ist und noch viele andere, ähnliche Bücher und Unterweisungen umfasst, um so die alles umspannende Herrschaft Gottes (rububiyet-i Ilahiye)und das Aufscheinen Seiner Majestät (hashmet)zum Ausdruck zu bringen, der Qur'an also als eine Art Lesung aus dem großen Buch des Kosmos sicherlich an jeder Stelle (maqam),ja sogar auf jeder Seite vielen Zielen
folgt, und in Anbetracht dessen, dass er verschiedene Stufen der Erkenntnis und der Einheit Gottes und der Wahrheiten des Glaubens unterweist, beginnt der Qur'an an einer anderen Stelle (maqam)zum Beispiel durch eine - zwar äußerlich nicht besonders deutliche - Überleitung eine neue Unterweisung und infolge dieser, wenn auch undeutlichen Überleitung kommen neue, um so klarere Zusammenhänge hinzu. Das aber entspricht ganz und gar dieser Stelle (maqam),und so wird der Grad seiner Ausdruckskraft und -kunst erhöht.
Zweite Frage:
Was ist der Sinn dessen, dass im Qur'an direkt oder indirekt oder durch ein Zeichen auf tausenderlei Weise das Jenseits, die Einheit Gottes, der Lohn und die Strafe für den Menschen bewiesen, ins Blickfeld gerückt und in jeder Sure, auf jeder Seite, ja in jedem Zusammenhang (maqam)darüber unterrichtet wird?
Antwort:
Es ist wiederum keine Verschwendung, wenn der Qur'an diese Dinge im Rahmen des Möglichen und was das Weltgeschehen betrifft, bezüglich der großen Umwälzungen und im Rahmen der Aufgabe, welche die Quelle der Qual oder ewiger Glückseligkeit des Menschen ist, der das große Pfand und den gewaltigen Auftrag auf Erden auf seine Schultern genommen hat, um über die gewaltigsten unter den bedeutendsten, größten und erschütterndsten Probleme zu unterrichten, zahllose Zweifel zu beseitigen, die hartnäckigsten und verbohrtesten Verdrehungen zu zerbrechen, mit dem Ziel, diese schrecklichen kommenden Umwälzungen zu bestätigen und zu bezeugen, dass diese Umwälzungen in ihrem Ausmaß gleich gewaltig sind, wie diese Probleme für den Menschen wichtig und bedeutend sind, nicht nur tausend mal, nein Millionen mal zu betrachten gibt, wenn vielmehr der Qur'an diese Erzählungen Millionen mal lesen und wiederholen lässt. Das verursacht keinen Überdruss, nimmt nicht das Bedürfnis (nach weiteren Wiederholungen) weg.
Zum Beispiel:
اِنَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَ عَمِلُوا الصَّالِحَاتِ لَهُمْ جَنَّاتٌ تَجْرِى مِنْ تَحْتِهَا الْاَنْهَارُ خَـٰلِدِينَ فِيهَآ أَبَدًا
{"Diejenigen, die glauben und gute Werke tun, werden Wir in Gärten eingehen lassen, unter denen Bäche fließen; darin werden sie auf ewig verweilen." (Sure 4, 122)}
Da dieser Vers die Wahrheit der Ewigen Glückseligkeit als frohe Botschaft verkündet, indem er sagt: "Die Wahrheit des Todes, die sich einem armen Menschen in jeder Minute zeigt, rettet sowohl den Menschen selbst als auch seine Welt, als auch alle seine Lieben vor der Hinrichtung auf ewig und lässt ihn ein immerwährendes (ebedi)Königreich (saltanat)gewinnen", wäre es dennoch keine Verschwendung, auch wenn er Milliarden Male wiederholt und ihm soviel Wert wie der ganzen Welt beigemessen würde, und verliert er nichts von seinem Wert. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, unterrichtet über zahllose, wertvolle Fakten solcher Art und versucht, den Menschen vom Anbruch der erschütternden Umwälzungen, die den Kosmos so leicht wie ein Haus umformen und seine ganze Erscheinung zerstören, zu überzeugen und sie ihm zu beweisen. Mit Sicherheit ist es keine Verschwendung, wenn er direkt und indirekt und mit Zeichen Tausende Male die Aufmerksamkeit auf sie lenkt, vielmehr erneuert es jeweils die Gnadenerweise Gottes, die wir so lebensnotwendig brauchen wie Brot, wie alle Lebens- und Heilmittel, wie Luft und Licht.
Zum Beispiel: Was die Weisheit betrifft, dass der Qur'an solche von Zorn erfüllte Verse wie
اِنَّ الْكَافِرِينَ فِى نَارِ جَهَنَّمْ ٭ وَ الظَّالِمِينَ لَهُمْ عَذَابٌ اَلِيمٌ
{"Bestimmt ist für die Ungläubigen die Pein des Feuers." (Sure 8, 14) "Für die, die Unrecht tun, ist eine schmerzhafte Pein bestimmt." (14, 22)}
äußerst heftig und zornig und mit besonderem Nachdruck, immer wieder erwähnt, so ist der Unglaube des
Menschen - wie es schon in der Risale-i Nur unwiderlegbar bewiesen wurde - eine solche Verletzung der Rechte des Kosmos und der meisten Geschöpfe, dass sie die Himmel und die Erde in Zorn und die Elemente in Wut versetzt, sodass die Tyrannen mit sintflutartigen (Katastrophen) geschlagen werden.
اِذَآ اُلْقُوا فِيهَا سَمِعُوا لَهَا شَهِيقًا وَ هِىَ تَفُورُ ٭ تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ
{"Wenn sie (d.h. die Ungläubigen) hinein geworfen werden, hören sie sie (d.h. die Hölle) laut aufheulen, während sie (gleichzeitig) in Wallung gerät und vor Wut beinahe birst." (Sure 67, 7-8)}
Den eindeutigen Aussagen dieser Verse entsprechend gerät die Hölle über die verlogenen Unterdrücker in eine solche Wut, dass sie in ihrer Wut, rasend vor Zorn, in eine solche Raserei gerät, dass sie beinahe platzt. Wenn nun der König des Kosmos (Sultan-i Kainat)wegen eines solchen Verbrechens gegen alle und der grenzenlosen Überschreitungen, nicht etwa wegen der Winzigkeit und Bedeutungslosigkeit eines Menschen, sondern hinsichtlich des Umfangs seiner verbrecherischen Tyrannei und der schrecklichen Überschreitung durch seinen Unglauben in Seinem Erlass überaus zornig und wütend dieses Verbrechen und die Strafe dafür nicht nur tausend Mal, sondern Millionen und Milliarden Male wiederholt hätte, um die Wichtigkeit der Rechte Seiner Untertanen und die grenzenlose Hässlichkeit des Unglaubens und der Tyrannei dieser Lügner und Leugner zu zeigen, ist dies wiederum keine Verschwendung und kein Fehler, weshalb Millionen von Menschen seit tausend Jahren jeden Tag das Bedürfnis haben, diese Verse mit einer tiefen inneren Anteilnahme zu lesen, ohne dass sie dabei ihrer überdrüssig würden.
Da nun jeden Tag, jeder Zeit, in der Tat für einen jeden eine Welt vergeht und sich ihm zugleich das Tor zu einer neuen Welt öffnet, wiederholt man, um jede der vorübergehenden Welten zu erleuchten, aus seiner Bedürftigkeit und Zuversicht heraus tausend Mal den Satz
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah."} und macht so jedes لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah."} für jeden dieser wechselnden Theatervorhänge zu einer Theaterbeleuchtung. Genauso sind die Wiederholungen des Qur'an sehr sinnvoll, damit diese vielen, vorüber gleitenden Vorhänge und die sich ständig erneuernden, vorüber segelnden Welten, nicht im Dunkeln bleiben und damit die Bilder, die sich in dem Spiegel seines Lebens reflektieren, nicht hässlich werden und die Umstände, die seine Gäste waren und für ihn Zeugnis ablegen können, nicht zu seinen Gegnern werden und (damit der Mensch), der den Qur'an liest, die Strafen für die Verbrechen und die nachdrücklichen Drohungen des urewigen Königs (Padishah-i Edhel),den Trotz zu brechen, würdigt, indem er sich bemüht, sich vor der Aufsässigkeit (tughyan)der eigenen Seele zu retten, sodass selbst der Teufel davor zurückschreckt, diese mächtigen, nachdrücklichen, wiederholten Drohungen des Qur'an für unwahr zu halten, was zeigt, dass die Strafe der Hölle die wahre Gerechtigkeit für die Leugner ist, die nicht hören wollen.
Zum Beispiel: Wenn der Qur'an die Geschichte Mosis, mit dem Friede sei, welche viele Weisheiten und Nutzanwendungen (hikmet ve faide)enthält, wie die des Stabes Mosis, und die Geschichten anderer Propheten, mit denen Friede sei, vielmals wiederholt, so will er das Prophetentum aller Gottesgesandten als einen Beweis für die Wahrhaftigkeit des Prophetentums Ahmeds, {Ahmed ist der Beiname von Mohammed (der Gepriesene) und bedeutet wörtlich der Ersehnte, der am meisten Gepriesene. (A.d.Ü.)} mit dem Friede und Segen
sei, anführen. Wer dieses in seiner Gesamtheit nicht zurückzuweisen vermag, kann in Anbetracht dieser Tatsache auch das Prophetentum dieser Persönlichkeit (des Propheten) nicht in Abrede stellen. Da nicht jeder stets den ganzen Qur'an durchlesen will und kann, werden solche Geschichten, genau so wie die bedeutenden Pfeiler des Glaubens wiederholt, um jede lange und mittlere Sure wie einen Qur'an im kleinen zu gestalten, was nicht eine Verschwendung sondern ein Erfordernis der Redekunst ist, und dazu dient, über die Geschichte Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zu unterweisen, welche Begebenheit die größte der Kinder Adams und das gewaltigste Ereignis im Kosmos darstellt.
In der Tat wird die Aussage im Qur'an: لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keinen Gott außer Allah."} mit مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ {"Mohammed ist der Gesandte Gottes"} dadurch in der Waage gehalten, dass (diese Aussage) vier Glaubenspfeiler enthält. Dadurch wird der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, im Qur'an der höchste Rang (maqam)verliehen. Das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist die größte Wahrheit in der Schöpfung und die Persönlichkeit Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, die würdigste unter allen Schöpfungen und seine geistige Persönlichkeit, mit ihrem allumfassenden Einfluss, und sein heiliger Rang (maqam),der als die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bekannt ist, die glänzendste Sonne beider Welten und dieses wunderbaren Ranges (maqam)würdig. Das ist anhand vieler Zeugnisse und Zeichen in der Risale-i Nur mit Sicherheit bewiesen. Ein Beweis unter Tausend ist der folgende:
Nach dem Grundsatz von اَسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ {"Derjenige, der verursacht, ist gleich dem Täter."} werden so viele Segenspunkte (hasanat),wie die guten Taten seiner ganzen Gemeinde in allen Zeiten bringen, auch im Buch der guten Taten Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, gutgeschrieben. Mit dem Licht, das er brachte, erhellte er alle Gegebenheiten im ganzen Kosmos und wurde so nicht nur Dschinnen, Menschen, Engeln, sondern allen lebenden Wesen, ja dem Kosmos, Himmel und Erde ein Anlass zur Dankbarkeit. Die Gebete, welche die Pflanzen in ihren naturgemäßen Eigenschaften darbringen, und die Gebete, welche die Tiere in ihren jeweiligen Bedürfnissen darbringen, werden vor unseren Augen tatsächlich erhört. Dadurch rufen Millionen, sogar Milliarden Aufrichtige seiner Gemeinde, deren Gebete Gott erhört, nicht zurückweist, weil sie ihrer Natur entsprechen, jeden Tag mit Gebeten des Friedens und des Segens Erbarmen (rahmet)über diese Persönlichkeit, mit der Frieden und Segen sei, herab. Sie schenken ihre geistigen Verdienste zuallererst dieser Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei. Jeder von den dreihunderttausend Buchstaben des Qur'an, den die ganze Gemeinde liest, bringt manchmal zehn Segenspunkte (sevab),manchmal hundert und manchmal tausend Segenspunkte (hasanat)und Früchte ein. Allein durch die Rezitation des Qur'an werden zahlreiche Lichter in das Buch seiner Taten eingetragen. Derjenige, der alle verborgenen Dinge kennt, (Allamu-l'ghuyub)hatte schon gewusst und gesehen, dass die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die die geistige Körperschaft seiner Persönlichkeit ist, in der Zukunft einem paradiesischen Tuba-Baum gleich werden wird. Diesem Zusammenhang entsprechend misst Er ihm eine so großartige Bedeutung in Seinem Qur'an bei und erklärt es in Seinem Erlass für die wichtigste
Sache des Menschen, ihm zu folgen und durch die Einhaltung seiner gelobten Sitte (Sunnet-i seniye)ihn zu veranlassen, sein Fürsprecher zu sein. Sogar im Qur'an wird manchmal selbst seine Persönlichkeit als Mensch und seine Haltung als Mensch, welche am Beginn (des Islam) steht, welcher der Kern zu jenem herrlichen Tuba-Baum ist, zum Thema der Betrachtung. Da die Wahrheiten, die im Qur'an wiederholt werden, diese Bedeutung haben, können Menschen von gesundem Verstand und Gemüt bezeugen, dass sich die Wiederholungen im Qur'an als ein überaus starkes und umfassendes spirituelles Wunder erweisen, es sei denn dass sie durch die Pest des Materialismus von der Krankheit im Herzen und im Gewissen befallen sind, was die folgende Aussage belegt:
قَدْ يُنْكِرُ الْمَرْءُ ضَوْءَ الشَّمْسِ مِنْ رَمَدٍ ٭ وَ يُنْكِرُ الْفَمُ طَعْمَ الْمَآءِ مِنْ سَقَمٍ
{"Man bestreitet dennoch die Dinge, die man im Lichte der Sonne mit eigenen Augen sehen könnte, wenn die Augen entzündet sind, und der Mund erkennt nicht, den Geschmack des Wassers, wenn er krank ist."}
* * *
Zwei Anmerkungen zum Schluss dieser Zehnten Problemstellung
Erste Anmerkung:
Zwölf Jahre vor Abfassung dieser Risala hatte ich gehört, dass ein ganz schrecklicher und völlig verbohrter Ungläubiger begonnen habe, mit seiner Übersetzung ein Attentat auf den Qur'an zu unternehmen. Er soll gesagt haben: "Der Qur'an soll übersetzt werden, damit jeder erkennen kann, was er für einen Wert hat." Deshalb hat er einen fürchterlichen Plan geschmiedet, damit jeder seine unnötigen Wiederholungen sehen solle und seine Übersetzung anstelle seines Originaltextes rezitiert werde. Aber die unwiderlegbaren Beweise beseitigten alle Zweifel und stellten fest, dass eine wahre Übersetzung des Qur'an nicht möglich ist und anstelle der arabischen Sprache, die in der Satzbildung perfekt
ist, eine andere Sprache die Besonderheiten des Qur'an und seine feinsinnigen Anmerkungen nicht bewahren kann. Die wunderbaren, umfassenden Aussagen der Worte des Qur'an, deren jedes zehn bis tausend Segenspunkte (sevab)bringt, können nicht durch die gewöhnlichen, doch nur bruchstückhaften Übersetzungen der Menschen ersetzt werden. Sie können nicht an Stelle (des Qur'an) in den Moscheen rezitiert werden. Doch durch die allseitige Verbreitung der Risale-i Nur blieb jene fürchterliche Intrige fruchtlos. Aber die Heuchler, die von jenem Ungläubigen Unterricht bekommen, versuchen dennoch zugunsten des Teufels töricht wie törichte Kinder die Sonne des Qur'an auszupusten. Ich denke, dass mir aus diesem Grund diese Zehnte Problemstellung trotz meiner knappen Zeit, meiner Bedrängnis und inneren Unruhe zu schreiben ermöglicht wurde. Ich habe keine Möglichkeit, mit den Leuten zu sprechen. Deswegen kenne ich die tatsächliche Sachlage nicht.
Zweite Anmerkung:
Nach unserer Entlassung aus dem Gefängnis in Denizli saß ich im obersten Stockwerk des berühmten Stadthotels. In den schönen Gärten vor mir waren viele Pappeln. Es war so als bildeten sie Ketten zu einer Dhikr-Feier. Ihre Zweige und Blätter tanzten vom Winde bewegt anmutig und wie in Ekstase. Das berührte mich in meinem Herzen, da ich durch die Trennung von meinen Mitbrüdern und durch meine Einsamkeit traurig und kummervoll war. In dem Moment kamen mir Herbst und Winter in Erinnerung und es überkam mich eine Wehmut. Ich habe für diese anmutigen Pappeln und Lebewesen, die in vollkommener Freude miteinander tanzten, ein solches Mitleid empfunden, dass sich meine Augen mit Tränen füllten. Sie erinnerten mich an die Vernichtung und ließen mich die Trennung spüren, die unter dem verzierten Schleier der Welt verborgen ist. Da wurde ich unter all der Traurigkeit der ganzen Welt begraben, die aus Tod und Trennung erwächst. Auf einmal eilte mir das Licht, das die Wahrheit Mohammeds brachte, mit
dem Friede und Segen sei, zur Hilfe. Es verwandelte all diese Traurigkeit und den Kummer in Frohsinn. Ich wurde sogar wegen der Hilfe und Tröstung dieses Lichtes, von dessen Fülle ich wie jedermann und jeder Gläubige in jenem Moment und in jenem Zustand ein Millionstel erhielt, der Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, für immer und ewig dankbar. Es ist dies wie folgt:
Jener gottvergessene Blick zeigte mir, dass diese segensreichen Anmutigen ohne Ziel und Auftrag waren. Sie zeigten sich nur für eine Jahreszeit, doch kamen ihre Bewegungen nicht aus Fröhlichkeit, vielmehr zitterten sie vor der Vernichtung und dem Abschied, dann stürzten sie in das Nichts. Die Liebe für die Beständigkeit und die Liebe für das Schöne und Mitleid für die Mitmenschen und für das, was lebendig ist, die wie bei jedem Menschen auch bei mir vorhanden ist, hinterließen in mir einen so tiefen Eindruck, dass sich die Welt auf diese Weise in eine Art von Hölle und der Verstand in ein Werkzeug der Qual verwandelten. Während dessen hob das Licht, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, für die Menschheit als Geschenk brachte, den Schleier auf. Es zeigte mir an Stelle von Hinrichtung, Nichtsein, Nichtigkeit, Nutzlosigkeit, Sinnlosigkeit und Abschied ebenso viele Weisheiten und Bedeutungen, wie es an jeder Pappel Blätter gab, und ließ mich erkennen, dass sie Ergebnisse und Aufgaben haben, die in drei Gruppen geteilt sind, wie schon in der Risale-i Nur bewiesen wurde.
Erste Gruppe:
Sie bezieht sich auf die Namen (esma)des majestätischen Schöpfers (Sani-i dhu l-Djelal).Zum Beispiel: Wenn ein Meister eine wunderbare Maschine baut, sagt jeder zu ihm "Masha-a'llah(so wie es Gott wollte!), Bareka'llah(möge Gott segnen!)" und beglückwünscht ihn. Genauso beglückwünscht auch diese Maschine ihren Meister auf die ihr eigene Art (lisan-i hal),indem sie die durch sie beabsichtigten Ergebnisse vollständig zustande bringt, und beglückwünscht ihn. Jedes Lebewesen und jedes Ding ist eine solche Maschine und gratuliert ihrem Meister mit Lobpreisungen.
Die Weisheiten, die die zweite Gruppe betreffen:
Sie beziehen sich auf die Betrachtung der Lebewesen und derer, die über ein Bewusstsein verfügen. Das wird für sie ein beliebter Lesesaal und jedes ein Buch der Erkenntnis. Sie lassen ihre Bedeutungen im Gedächtnis der Bewusstseintragenden und ihre Bilder im Erinnerungsvermögen und in den Tafeln der Bilderwelt (elvah-i misal)und in den Büchern der unsichtbaren Welt (alem-i ghayb),die zu dem Bereich des Seins gehören. Dann verlassen sie die Welt in der wir Zeugnis ablegen (alem-i shehadet)und ziehen sich in die unsichtbare Welt (alem-i ghayb)zurück. Das heißt, sie verlassen ihren sichtbaren Körper, gewinnen aber viele geistige, unsichtbare und als Wissen existierende Körper. Ja, in Anbetracht der Tatsache, dass es Allah gibt und Sein Wissen alles umfasst, sind das Nichtsein, die Hinrichtung, die Nichtigkeit, die Verlorenheit und das Vergehen in der Welt der Leute des Glaubens im wahren Sinne nicht vorhanden. Die Welt der Ungläubigen aber ist gefüllt mit Nichtigkeit und Nichtsein, mit Trennung und Vergänglichkeit. So unterweist das folgende Sprichwort, wie der Volksmund so oft sagt, diese Wahrheit:
"Für wen es Gott gibt, für den gibt es alles und für wen es Ihn nicht gibt, für den gibt es nichts und alles ist für ihn nichts."
Zusammenfassung:
Wie der Glaube einen Menschen in der Todesstunde vor der ewigen Verlorenheit rettet, so rettet er auch jedem Menschen seine persönliche Welt vor der Verlorenheit und den Finsternissen des Nicht-Seins. Was aber den Unglauben (der Heiden) betrifft, besonders wenn es sich um den absoluten Unglauben (der Atheisten) handelt, verurteilt er sowohl den Menschen, als auch seine persönliche Welt mit dem Tod zur ewigen Verlorenheit und wirft ihn (schon im Diesseits) in die Finsternisse einer inneren Hölle hinein. Er verwandelt seinen Geschmack am Leben in bitteres Gift. Denjenigen, die das irdische Leben dem jenseitigen vorziehen, möge es in den Ohren klingen! Sie mögen kommen und hierfür
entweder einen Ausweg finden oder zum Glauben übertreten. Mögen sie sich vor einem solch furchtbaren Schaden retten!
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}
Euer Bruder, der sehr eueres Gebetes bedarf, und sich nach euch sehnt,
Said Nursi
* * *
Ein Brief, den Husrev bezüglich der "Zehnten Problemstellung" seinem Meister geschrieben hat.
Mein viel geliebter Meister, sehr verehrter Herr!
Gott dem Gerechten sei endloser Dank dafür, dass diese "Blume von Emirdag", die die Trauer über die schon seit zwei Monaten fortbestehende Trennung und den Schmerz darüber, schon so lange ohne Nachricht zu sein, erleichterte, unserem Herzen neues Leben gab, unserem Geist neuen, reinen und angenehmen Atem schenkte, die die Schönheit in den Wiederholungen der majestätischen (djellali)und würdevollen (izzetli),barmherzigen (rahmetli)und liebevollen (shefqatli)Verse des Qur'an aufzeigt, die die Notwendigkeit und die Wichtigkeit der Weisheit, die in den Wiederholungen liegt, erklärte; die ein wunderbares Plädoyer der Risale-i Nurist und die "Zehnte Problemstellung" der Frucht von Denizliheißt. Wir haben sie bekommen jedes Mal, wenn wir an dieser "Blume" riechen, die mit Recht überaus schätzenswert und liebenswert ist, steigert es die Begeisterung in unseren Herzen. Während der neunmonatigen Bedrängnis unseres Gefängnisaufenthaltes zeigten die neun Problemstellungen der "Frucht" uns ihre ganze
Schönheit und waren für uns ein wichtiges Mittel zu unserem Freispruch. In dem Maße wie die Zehnte Problemstellung das Wunderbare in der Brillanz der Ausdrucksweise des Qur'an darstellt, stellt sich zugleich auch ihre eigene Schönheit heraus.
Diese lichtvolle Blume lässt in der Tat, mein geliebter Meister, so wie auch die außerordentliche Anmut und Schönheit einer Rose die Dornen an ihren Zweigen nicht beachten lässt, unsere Leiden von neun Monaten Gefängnis total vergessen. Diese lichtvolle "Blume von Emirdagh", die so schön abgefasst wurde, dass man sich an ihren Lesungen gar nicht satt hören kann, und welche den Geist in Erstaunen versetzt, beinhaltet sehr viele Schönheiten. Besonders zeigt sie ganz und gar den Wert dieser Wiederholungen im Qur'an, wohingegen eine Übersetzung des Qur'an in den Augen der Menschen als ein Verrat gilt, weil dieser dadurch entweiht werden würde. Sie legt die Erhabenheit und den Wert des Qur'an gleich dem Gewinn der ganzen Welt vor allen offen.
In jedem Jahrhundert hält die Gefolgschaft des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, mit einer außerordentlichen Standhaftigkeit an ihm fest und befolgt seine Gebote und Verbote ganz genau, als ob er gerade eben erst geoffenbart worden wäre. Während er die Tyrannen in allen Jahrhunderten wiederholt heftig und furchterregend bedroht, behandelt er die Unterdrückten wiederholt liebevoll (shefqatli)und barmherzig (rahmetli)und zeichnet sie aus. Seine Drohungen beziehen sich besonders auf dieses unser Jahrhundert, dessen Tyrannen beispiellos sind. Das ganze große Weltall lässt sie seit sechs, sieben Jahren ständig weinen und wehklagen, als sei es ihnen zu einem Beispiel einer vom Himmel herab verordneten Hölle geworden. Unter den Unterdrückten in diesem Jahrhundert sind die Schüler der Risale-i Nur in der ersten Reihe. Tatsächlich zeigt der Qur'an anhand der Rettungen der Propheten der vorausgegangenen Gemeinden, dass auch diese Schüler, einzeln als auch insgesamt, Rettung aus sehr
großer (Gefahr)erlangt haben und dass die Atheisten, die ihre Gegner sind, geschlagen wurden und ihre Höllenstrafe erhalten haben. Außerdem wird diese Blume durch ein Schlusswort mit zwei sehr schönen und anmutigen Anmerkungen vollendet. Das hat mich, Ihren armen Schüler, Husrev, mit einer sehr großen Freude erfüllt und zugleich unendlich dankbar gemacht. Wie ich meinem geliebten Meister erkläre, habe ich eine solche Freude über diese schöne Blume, wie ich sie sonst nie in meinem ganzen Leben erfahren habe. Das habe ich auch meinen Mitbrüdern oftmals gesagt. Möge Gott der Gerechte mit Ihnen, unserem geliebten Meister, auf dessen Schultern schwere Lasten geladen wurden, immer und ewig zu Frieden sein! Indem Er Ihre Last erleichtert, möge Er Ihr Gesicht bis in die Ewigkeiten mit einem Lächeln beschenken!
Mein geliebter Meister, wir sind in der Tat stets mit Allah, mit dem Qur'an, mit dem ehrwürdigen Geliebten, mit der Risale-i Nur und mit Ihnen, unserem geliebten Meister, der der öffentliche Ausrufer des Qur'an ist, zufrieden. In keiner Hinsicht bereuen wir unsere enge Verbindung mit Ihnen. Außerdem haben wir im Herzen auch nicht den kleinsten Wunsch, etwas Schlechtes zu tun. Wir verlangen nur nach Allah und nach Seiner Zufriedenheit. Tag für Tag wächst das Verlangen in unserem Herzen mit Seinem Einverständnis Gott dem Gerechten zu begegnen. Wir danken Allah unserem Herrn ohne Grenze und ohne Ende, der obwohl wir es nicht wünschten, bekannt werden ließ, dass es ein Kennzeichen des Islam ist, diejenigen, die uns Schaden zufügten, ohne Ausnahme Gott dem Gerechten zu überlassen und ihnen zu verzeihen und jedem, besonders auch den Tyrannen, die uns ungerecht behandeln, Gutes zu tun. Dies hat in den Herzen der Nur Schüler Wurzeln gefasst.
Ihr sehr mangelhafter Schüler
Husrev
* * *
Elfte Problemstellung
Da bereits hundert Beispiele zahlloser Früchte am heiligen Baum des Glaubens, der großen wie der kleinen, wovon eine Frucht das Paradies, eine andere die ewige Glückseligkeit und wieder eine andere, Gott zu schauen ist, und der Anfang der Elften Problemstellung in der Frucht-Abhandlung und des öfteren in der Risale-i Nur erklärt und mit Zeugnissen bewiesen wurde, überlassen wir die Erklärungen der "Leuchte des Lichts" (Siradju-n'Nur)und wollen hier nicht die Grundpfeiler insgesamt, sondern nur einige persönliche Früchte aus dem eigenen Leben mit einigen Beispielen erläutern.
Eines Tages, als ich in einem Gebet den Satz "Oh Herr! Zu Ehren von Gabriel, Mikail, Israfil und Azrail und um ihrer Fürsprache Willen schütze mich vor den Bosheiten der Dschinnen und Menschen!" rezitiert hatte, verspürte ich ein überaus angenehmes, tröstliches und vertrautes Gefühl bei der Erwähnung des Namens "Azrail", der jeden zittern und erschrecken lässt. Darauf sagte ich Elhamdu-li'llah, alles Lob gebührt Allah. Ich begann Azrail ernsthaft zu lieben. Aus diesem Anlass wollen wir einen sehr kurzen Hinweis auf eine Frucht, die nur die persönliche Seite des Menschen betrifft, unter sehr vielen Früchten des Glaubensartikels, "Glaube an die Engel", geben:
Das Gut, das für einen Menschen das wertvollste ist, und worum er zittert, ist seine Seele (ruh).Ich verspürte ohne einen Zweifel, dass deren Übergabe in eine starke und zuverlässige Hand eine tiefe Freude bereitet, die sie vor dem Verloren gehen, der Vergänglichkeit und der Verlassenheit bewahrt. Dann dachte ich an die Engel, die die Taten des Menschen aufschreiben. Und ich sah, dass es neben dieser Frucht noch viele andere süße Früchte gibt:
Jeder Mensch bemüht sich darum, seinen Worten und Taten einen bleibenden Wert zu verleihen, weshalb er sehr gerne möchte, dass sie in einem Buch oder Gedicht, ja sogar in einem Film bewahrt blieben. Wenn nun insbesondere seine Taten im Paradies bleibende Früchte tragen sollen, steigert sich noch sein Interesse. Ich kann gar nicht beschreiben, wie angenehm es mir war, dass die "Edlen Schreiber" (Kiramen Katibin)auf den Schultern der Menschen sitzen, deren (Taten) auf der ewigen Bühne zeigen und so den Menschen zu ewiger Belohnung verhelfen.
Als dann später die Weltleute mich von allem, was das gesellschaftliche Leben betrifft, isolierten und gleichzeitig von allen meinen Büchern, Freunden und denen, die mir beigestanden, und meinen Arbeiten, die mir Trost gegeben hatten, trennten und mich die Einsamkeit in der Fremde bedrängte und die solcherart entleerte Welt mir über meinem Kopf zusammen stürzte, kam mir der Glaube an die Engel als eine seiner vielen Früchte zu Hilfe, belebte mir meine kosmische wie meine individuelle Welt, erfüllte sie mit Engeln und Geistern (ruhaniler),beschenkte meine Welt mit ihrem Lächeln und zeigte, wie die Welten der Leute des Irrweges in ihrer Einsamkeit, ihrer Leere und ihrer Finsternis weinen.
Als ich mich in meiner Vorstellung an dem Genuss dieser Frucht erfreute, nahm ich unter all den vielen Früchten des Glaubens, als eine weitere Frucht gleich dieser, die des Glaubens an alle Propheten und kostete sie. Plötzlich wurde, als hätte ich mit den Propheten aller vergangenen Zeiten zusammengelebt und könne sie bestätigen, mir jene Zeiten in ein helles Licht getaucht, wodurch mein Glaube sich erweiterte und universell wurde. Das brachte mich dazu, unter die Einladung des Propheten der Endzeit tausend Unterschriften für den Glauben zu setzen, womit ich so die Teufel zum Verstummen brachte.
Plötzlich kam mir eine Frage, auf die sich die treffende Antwort in der Abhandlung über die Weisheit der Zuflucht
(vor dem Bösen) aus dem Band "Lem'alar"(Blitze) findet, in den Sinn:
"Wie kommt es, so fragte ich mich innerlich, dass die Leute des Irrweges die Leute der Rechtleitung, trotzdem diesen Hilfe und Kraft in Form von noch zahllosen anderen, süßen Früchten, Nutzen, guten Werken und dem Beistand des gütigen Erbarmers (Erhamurrahimien)und überaus barmherzige (merhamet)Führung zum Erfolg geboten wird, dennoch so oft besiegen und manchmal zwanzig, ja sogar hundert Leute der Rechtleitung ins Verderben stürzen."
Als ich so nachdachte, kam mir in Erinnerung, dass der Qur'an gegen die zwar schwachen Machenschaften des Teufels dennoch große Anstrengungen unternimmt, und darin den Leuten des Glaubens Engel und die Hilfe Gottes des Gerechten gesandt wird. Da die Weisheit, die darin liegt, in der Risale-i Nur mit unwiderlegbaren Zeugnissen bewiesen wurde, wollen wir hier auf die Antwort zu dieser Frage nur kurz hinweisen:
Tatsächlich müssen z.B., gleich den hundert Mann, die erforderlich sind, ein Schloss zu bauen, es hundert Mann bewachen, ja manchmal den Staat, ja sogar den König um Hilfe bitten, um die Instandhaltung des Schlosses sicher zu stellen, wenn einmal ein Lump, der heimlich Schaden stiften will, versucht ein Feuer anzuzünden. Denn dessen Instandhaltung kann nur unter Aufrechterhaltung aller Bedingungen, Grundsätze und Voraussetzungen gesichert werden. Doch wie seine Vernichtung, seine Zerstörung durch das Fehlen einer einzigen Bedingung verursacht sein kann, durch das Streichholz eines ehrlosen Gesellen, niedergebrannt werden könnte, so können Teufel in der Gestalt von Dschinnen oder in Menschengestalt mit nur wenig Mühe große Zerstörungen und eine furchtbare seelische Feuersbrunst anstiften.
Hefe und Essenz aller Schlechtigkeit, Sünde und Bosheit ist in der Tat die Vernichtung, die Zerstörung. Hinter dem, was nach außen vorgeschoben wird, verbirgt sich
Zerfall und Vernichtung.
Da die Teufel unter den Dschinnen und in Menschengestalt und alle Bösen, die aus diesem Grund mit einer überaus geringen Kraft gegen eine grenzenlose Kraft Widerstand leisten, Leute von Recht und Wahrheit dazu zwingen, jederzeit an der Schwelle Gottes des Gerechten Zuflucht und Schutz zu suchen, unternimmt der Qur'an große Anstrengungen, um sie zu schützen und gibt die neunundneunzig Namen Gottes in ihre Hände und erteilt ihnen sehr strengen Befehl, diesen Feinden standhaft zu widerstehen.
Auf diese Antwort kam ich plötzlich einer großen Wahrheit auf die Spur und der Grund eines gewaltigen und furchtbaren Problems wurde mir sichtbar. Es ist dies wie folgt:
Wie das Paradies die Ernten aller vorhandenen Welten aufnimmt und die Samen, die die Welt hervorbringt, Ähren für die Ewigkeit hervorbringen lässt, so röstet dahingegen die Hölle die Ausbeute einer nichtigen und wertlosen Ernte, um die überaus leidvollen Folgen der zahllosen, fürchterlichen Welten des Nichts und der Nichtigkeit sichtbar zu machen. Jene furchterregende Höllenfabrik säubert unter vielen anderen Aufgaben das Universum der positiven Welten von dem wertlosen Schmutz der Welten des Nichts. Das Tor zu diesem fürchterlichen Problem wollen wir hier nicht öffnen. Insha-a'llah, mit Gottes Hilfe, werden wir das später erklären.
Ein Teil der Früchte des Glaubens an die Engel und ein Beispiel (für eine Begegnung mit) Munkerund Nekirist das folgende:
Ich stieg in meiner Vorstellung, wie das ein jeder mit Sicherheit einmal tun wird, hinab in mein Grab. Während ich so allein und verlassen, in Kälte und Dunkelheit, an diesem engen Ort, in Einzelhaft und völliger Isolation war, entsetzt über meine Einsamkeit und meine Verzweiflung, erschienen mir plötzlich aus einer Gruppe (von Engeln) zwei gesegnete Freunde, Munkerund Nekir
und gesellten sich zu mir. Sie begannen mit mir ein Zwiegespräch. Mein Herz und mein Grab wurden mir licht, weit und warm. Es öffnete sich ein Fenster zur Welt der Geister. Da freute ich mich in meiner jetzigen Lage, so wie ich sie zunächst nur hier in meiner Vorstellung, künftig aber in der Wirklichkeit erleben werde, von ganzem Herzen und dankte dafür.
Ein Schüler, der, während er noch die Medresse besuchte und dort arabische Syntax und Grammatik lernte, plötzlich verstorben war, glaubte, dass er noch immer in der Medresse sei und antwortete demgemäß auf die Frage von Munkerund Nekir: "Man-rabbuka","Wer ist dein Herr?" anhand der Grammatik: "'Man'ist das gefragte Subjekt und 'Rabbuka'ist das erfragte Objekt. Ihr sollt mir eine schwerere Frage stellen. Das ist zu einfach". Damit entlockte er sowohl den Engeln, als auch den anwesenden Geistern, sowie einem dabei anwesenden Heiligen und Gottesfreund, der in die Gräber schauen konnte und dieses Ereignis beobachtete, ein Lachen, als auch der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiye)ein Lächeln. In ähnlicher Weise rettete sich auch der verstorbene Hafidh Ali,der ein Märtyrer und ein Held der Risale-i Nur war und im Gefängnis verstorben ist, während er die "Frucht-Abhandlung" (Meyve Risalesi)in großer Begeisterung schrieb und las. Er gab im Grab den fragenden Engeln mit den Wahrheiten der "Frucht" Antwort, wie er vor Gericht getan hatte. Auch ich und die Schüler der Risale-i Nur werden wie er diese Fragen anhand der glänzenden und mächtigen Beweise der Risale-i Nur künftig in der Wirklichkeit beantworten. Jetzt aber antworten wir nur im Geiste, was die Engel dazu bringen wird, diese Schüler zu bestätigen, sich für sie zu begeistern und sie zu beglückwünschen. Mit Gottes Hilfe, insha-a'llah!
Ein weiteres kleines Beispiel für den Glauben an die Engel als Quelle irdischen Glücks ist das folgende:
Ein unschuldiges Kind, das nach dem Katechismus (ilmihal)Glaubensunterricht erhält, sagt einem anderen Kind, das
neben ihm über den Tod seines kleinen Bruders weint und klagt: "Weine doch nicht! Danke vielmehr! Dein Bruder ist mit den Engeln zusammen in das Paradies gegangen. Er geht dort spazieren, vergnügt sich besser als wir hier, kann wie die Engel fliegen und alle Orte besuchen", und verwandelt so das Weinen des Klagenden in Lächeln und in Freude.
Wie dieses weinende Kind bekam auch ich in diesem Winter der Trauer und meinem eigenen elenden Zustand zwei überaus schmerzvolle Todesnachrichten. Die eine war von meinem verstorbenen Neffen Fuad, der auf einer ausgewählten Schule einen ersten Platz gewonnen hatte und die Wahrheiten der Risale-i Nur verbreitete. Die zweite war von meiner verstorbenen Schwester Alime Hanim, die auf der Pilgerfahrt starb, während sie noch in ihrer Todesstunde die Kaaba umwandelte. Im Lichte des Glaubens sah ich, noch während ich über den Tod meiner beiden Verwandten, gleich dem Tod des selig verstorbenen Abdurrahman, über den ich in der "Abhandlung für die Alten" geschrieben hatte, weinen musste, sah ich vor meinem Geiste und in meinem Herzen, dass dieser unschuldige Fuad und die aufrichtige Hanim sich statt mit Menschen mit Engeln und den Paradiesesjungfrauen (Huri)anfreundeten und vor den Gefahren und Sünden dieser Welt errettet waren. Anstelle meiner fürchterlichen Trauer verspürte ich nun eine große Freude und gratulierte sowohl ihnen, als auch meinem Bruder, dem Vater von Fuad, Abdulmecid, und auch mir selbst und dankte dem Erbarmer, dem Barmherzigen (Erhamurrahimien).(Dies wurde als ein Segensgebet (rahmet dua)für diese beiden Verstorbenen an dieser Stelle geschrieben und eingereiht.)
Alle Gleichnisse und Vergleiche in der Risale-i Nur erklären die Früchte des Glaubens, die die Quelle des Glücks im Diesseits und im Jenseits sind. Diese Früchte, groß und für alle, die auf Erden Glück im Dasein und Freude im Leben bringen, lassen uns verstehen, dass der Glaube jeden Gläubigen ewige Glückseligkeit erlangen
lässt, Früchte, die sich dort gleich Ähren weiter entwickeln werden. Von all diesen vielen Früchten für alle sind fünf am Schluss des "Einunddreißigsten Wortes" als die "Früchte der Himmelfahrt" und als "Fünf Früchte" im "Fünften Zweig" des "Vierundzwanzigsten Wortes" als Beispiele angeführt.
Sowie jeder einzelne Glaubenspfeiler wieder sehr viele verschiedene, ja unendlich viele Früchte trägt, ist aus der Gesamtheit all dieser vielen Früchte eine das riesige Paradies, eine andere die ewige Glückseligkeit und wieder eine andere (und sogar die süßeste von ihnen) Gott zu schauen, wie wir dies bereits am Anfang gesagt hatten. In der Gegenüberstellung am Schluss des "Zweiunddreißigsten Wortes" ist ein Teil der Früchte des Glaubens, als das Glück in beiden Welten, sehr schön erklärt. Ein Beweis dafür, dass sich die wertvollen Früchte des Glaubens an die Vorherbestimmung Gottes (Iman-i bil-qader)noch in dieser Welt finden, gibt es den Spruch der Allgemeingut geworden ist und der sagt:
مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ أَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ
{"Wer an die Vorherbestimmung Gottes glaubt, darf sicher sein vor den Sorgen."}
Am Schluss der Abhandlung über die Vorherbestimmung Gottes (qader)wird eine Frucht (des Glaubens, der für) alle (gedacht ist) mit einem schönen Gleichnis von zwei Männern, die den Garten eines wunderschönen Schlosses betreten, (beschrieben und) erklärt. Ich habe sogar in meinem persönlichen Leben in Tausend Erlebnissen erfahren und erkannt, dass ohne den Glauben an die "Vorherbestimmung" das Glück im diesseitigen Leben zerstört wird. Wann auch immer ich leidvolles Unglück vom Standpunkt des Glaubens an die "Vorherbestimmung" her betrachtete, sah ich, dass das Unglück sehr viel leichter wurde. Und wie diejenigen, die nicht an die "Vorherbestimmung" glauben, leben können, darüber habe ich
immer gestaunt. Auf eine dieser Früchte für alle am Baum des Glaubens an die Engel wird im zweiten Kapitel des Zweiundzwanzigsten Wortes folgendermaßen hingewiesen: Der Todesengel Azrail, mit dem Friede sei, bat Gott den Gerechten: "Wenn ich meinen Auftrag, die Seelen zu nehmen erfülle, werden Deine Diener und Anbeter mich deshalb hassen und anklagen." Als Antwort wurde ihm gesagt: "Vor deinem Auftrag werde ich Unglück und Krankheit zu einem Schleier machen, damit sich die Anklagen meiner Diener gegen diesen richten und nicht zu dir gelangen."
Genauso wie dieser Schleier dient auch der Auftrag des Todesengels Azrail, mit dem Friede sei, als ein Schleier, sodass die ungerechten Anklagen sich nicht gegen Gott den Gerechten richten. Denn die Weisheit (hikmet),die Barmherzigkeit (rahmet),die Schönheit (güzellik)und den Sinn, der sich hinter dem Sterben verbirgt, kann nicht jeder erkennen. So betrachtet er nur rein äußerlich, widerspricht und beginnt anzuklagen.
Damit also dergleichen ungerechte Anklagen sich nicht gegen den richten, der die vollkommene Barmherzigkeit (Rahiem-i Mutlaq)ist, dient der Todesengel Azrail, mit dem Friede sei, als ein Schleier. Gleich diesem, sind die Einflussnahmen aller Engel, sogar aller äußerlichen Ursachen ein Schleier vor der Würde der Herrschaft Gottes (izzet-i rububiyet),damit in all den Angelegenheiten, deren Schönheit (güzellik)nicht sichtbar und deren Weisheit (hikmet)nicht erkennbar ist, die Würde und Heiligkeit der göttlichen Macht und der Bereich Seiner Barmherzigkeit (qudret-i Ilahiyenin izzet ve qudsiyet ve rahmet)bewahrt bleibe, nicht zur Zielscheibe von Einwänden werde und die Beziehung zwischen der Allmacht Gottes (qudret)und den gemeinen, unbedeutenden und erbärmlichen Dingen nicht äußerlicher Betrachtungsweise sichtbar werde. So ist also in der Risale-i Nur durch zahllos viele Zeugnisse bewiesen, dass die Siegel der Einheit (Gottes = tauhid)auf allen Dingen ohne Zweifel zeigen, dass überhaupt keine Ursache einen wahren Einfluss ausüben und nicht die Fähigkeit besitzen kann, irgend etwas zu erschaffen.
Die Erschaffung aus dem Nichts gehört Ihm. Ursachen sind nur der Schleier. Alle Bewusstsein tragenden Wesen, wie z.B. die Engel, haben neben ihrer begrenzten Willensfreiheit (djuz-i ihtiyar)und ihrem beschränkten Verfügungsbereich, worin sie nichts Neues erschaffen, außer einer Art natürlichem Dienst und dem Werk ihrer Anbetung nichts weiter in der Hand.
In der Tat verlangen die Würde Gottes und Seine Größe (izzet ve azamet)danach, dass die Ursachen, mit dem Verstand betrachtet, nur der Hand des Allmächtigen (qudret)als ein Schleier, als Hüter des Tores und der Schwelle dienen. Die Einheit Gottes (Tauhid)und Sein einzigartiges Wesen (Ahadiyet)verlangen aber, dass die Ursachen ihre Hand angesichts des tatsächlichen Einflusses (Gottes) zurück ziehen.
So dienen denn die Engel und die äußeren Umstände, die mit dem Dienst am Guten und am Dasein beauftragt sind, der Wahrung der Macht des Herrn gegenüber den Dingen von ungesehener und unerkannter Schönheit, damit Er nicht als fehlerhaft oder ungerecht erscheine. Denn jeder von ihnen ist ein Werkzeug zur Heiligung und zum Lobpreis Gottes. Genauso werden auch die Teufel unter den Dschinnen und in Menschengestalt und die schädlichen Dinge für die bösen und zerstörerischen Handlungen gebraucht, um die Macht des Gepriesenen (qudret-i Subhaniye)wiederum vor Groll und vor unberechtigtem Widerspruch zu bewahren und davor zu schützen, eine Zielscheibe der Anklagen zu sein und dienen auf diese Weise der Heiligung und dem Lobpreis des Herrn und Seiner Freiheit und Reinheit von allen Fehlern in der Schöpfung. Denn alle Fehler entstehen aus dem Nichtsein, aus Unfähigkeit, aus Zerstörung, aus mangelnder Pflichterfüllung, welche je eine Abwesenheit darstellen, und auf Grund von Handlungen, die durch Unterlassung nichtig geworden sind. Diese teuflischen und bösartigen Schleier dienen dann der Verhüllung jener Fehler, ziehen mit Recht Widerspruch und Anklage auf sich und dienen auf diese Weise der Heiligung Gottes des Gerechten. Da nun aber für eine Handlung,
die an und für sich schlecht, negativ oder destruktiv ist, Kraft oder Fähigkeit (quvvet ve iktidar)erforderlich ist, kann schon bei nur geringem Handlungsbedarf, mit nur geringer Kraft (quvvet),ja schon durch bloße Pflichtvergessenheit ein Totalausfall oder eine große Zerstörung die Folge sein. Dabei werden die Übeltäter für mächtig (muqtedir)gehalten. In Wirklichkeit haben sie überhaupt keinen Einfluss außer auf das Scheitern und überhaupt keine Kraft (quvvet)außer einem Bruchteil an Erwerb. Da aber die Bosheiten aus dem Nichtsein kommen, sind jene Bösewichte wirkliche Täter. Wenn solche zu den Bewusstsein tragenden gehören, ziehen sie mit Recht Strafe auf sich.
Das heißt, bei den Sünden sind jene Schlechten die Täter, aber bei den Wohltaten, guten und aufrichtigen Taten sind, da sie ein Sein haben, jene Guten nicht die eigentlichen Täter und nicht diejenigen, die wirklichen Einfluss ausüben. Sie sind vielmehr nur Annehmer. Sie nehmen die Fülle Gottes an und auch ihre Belohnung ist nur die Güte Gottes, wozu der weise Qur'an verkündet:
مَآ أَصَابَكَ مِنْ حَسَنَةٍ فَمِنَ اللّٰهِ وَ مَآ أَصَابَكَ مِنْ سَيِّئَةٍ فَمِنْ نَفْسِكَ
{"Was dich an Gutem trifft, kommt von Gott und was dich an Schlechtem trifft, kommt von dir (nefs) selbst." (Sure 4, 79)}
Zusammenfassung:
Während die Universen des Seins (und des Glaubens) und die grenzenlosen Welten des Nichtseins (und des Unglaubens) aufeinanderprallen und Früchte wie Himmel (djennet)und Hölle hervorbringen und alle positiven Welten "Elhamdu-li'llah, Elhamdu-li'llah" (Dank sei Gott) und alle negativen Welten "Subhan-a'llah, Subhan-a'llah" (Gepriesen sei Gott) sagen und nach dem in den verschiedenen Räumen gültigen Gesetz des Streites zwischen Engeln und Teufeln, Guten und Bösen bis zu den Inspirationen (ilham)und Illusionen (vesvese)um das Herz kämpfen, erscheint plötzlich diese Frucht des Glaubens an die Engel, meistert die Problematik und füllt den finsteren Kosmos mit Licht und zeigt uns einen Funken von den Lichtern der Ayah
اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ
{"Gott ist das Licht der Himmel und der Erde." (Sure 24, 35)}
und lässt uns kosten, wie süß diese Frucht ist.
Auf eine zweite Frucht für alle weisen das vierundzwanzigste Wort und das neunundzwanzigste Wort, welches das Wunder mit "elif" (Stellung eines arabischen Buchstabens innerhalb eines bestimmten Textes) zeigt, hin und beweisen die Existenz und die Aufgaben (vazife)der Engel in glänzender Weise. In der Tat ist es sicherlich notwendig und unentbehrlich, der Majestät Seiner Herrschaft (hashmet-i rububiyet),die sich in Ihrer Barmherzigkeit (merhamet)überall im Kosmos in allen kleinen und großen Dingen und auf jede Art bekannt gibt und geliebt werden möchte, dieser Majestät (hashmet),dieser Barmherzigkeit (merhamet),diesem Wunsch, sich bekannt zu machen und geliebt zu werden, mit einem weiten, umfassenden und bewussten (ihatli ve shuur)Gottesdienst (ubudiyet)entgegen zu kommen und Seine Heiligkeit in Dankbarkeit zu bekennen. An Stelle der leblosen Dinge und der gewaltigen Säulen (erkan-i kainat)des Kosmos insgesamt können nur die zahllosen Engel diesen Dienst verrichten und überall im Herrschaftsbereich Seines Königreichs (saltanat-i rububiyet),ob auf der Erde, ob auf dem Siebengestirn, unter der Erde und über ihr die souveräne (hakiemane)und majestätische (hashmet)Ausführung (Seiner Befehle) repräsentieren.
Zum Beispiel erscheint die Erschaffung der Erde und ihr naturgemäßer (fitri)Zustand (als Planet), welchen die seelenlosen (ruhsuz)Gesetze der (atheistischen) Wissenschaften (felsefe)als überaus finster und einsam darstellen, durch diese Frucht lichtvoll und vertraut, indem sie (die Frucht) darauf hinweist, dass (die Erde) auf den Schultern zweier Engel namens "Sevr"(Stier) und "Hut"(Fisch) ruht, d.h. unter ihrer Aufsicht steht, und dass eine Wahrheit, ein jenseitiger Stoff namens "Sahret"(Stein), der aus dem Paradies stammt als ein ewig bleibender Grundstein der vergänglichen Erdkugel, d.h. später ein Teil von ihm dem ewigen Paradies übergeben wird, und hier den Engeln "Sevr"
und "Hut"als ihr Stützpunkt dient, worüber es auch Überlieferungen der alten Propheten der Söhne Israels gibt und worüber auch Ibn Abbas berichtet. Leider wurde diese heilige Bedeutung, diese symbolische Darstellung in den Ohren des einfachen Volkes wörtlich verstanden, wodurch sie im Laufe der Zeit zu einer unverständlichen Vorstellung geworden ist. Gleich wie die Engel nun einmal durch die Luft wandern, so auch durch die Erde, den Fels, ja den Mittelpunkt der Erde wandern können, brauchen sie sicherlich weder die Erdkugel noch einen materiellen Stein, Fisch oder Stier, um darauf zu stehen.
Und ferner noch hat die Erdkugel z.B. so viele Häupter, wie es Arten auf der Erde und so viele Zungen, wie es einzelne Sorten in diesen Arten gibt und bringt so viele Lobpreisungen dar, wie diese einzelnen Sorten Glieder, Blätter und Früchte tragen. Sicherlich wird ihr zuständiger Engel, der diesen majestätischen (hashmetli),unbewusst dargebrachten (shuursuz),natürlichen Gottesdienst (ubudiyet-i fitri)mit Kenntnis und Bewusstsein wahrnimmt und vor der Schwelle Gottes repräsentiert, vierzigtausend Häupter haben, mit vierzigtausend Zungen und jede Zunge mit vierzigtausend Lobpreisungen, so wie der treue Botschafter es uns als lautere Wahrheit kundgetan hat. Der Engel Gabriel (Djebrail),mit dem der Friede sei, der in der Beziehung des Herrn zu den Menschen, der das bedeutendste Ergebnis der Erschaffung des Kosmos ist, als Übermittler auftritt - der Engel Israfil und der Todesengel Azrail, mit denen Friede sei, welche die höchst majestätischen und furchterregenden Ausführungen (der Befehle) Gottes in der Welt der Lebewesen, hinsichtlich der Auferweckung und der Belebung und hinsichtlich der Entlassung durch den Tod, die alleine dem Schöpfer gehören, nur repräsentieren und als ihren Gottesdienst wahrnehmen - der Engel Mikail, mit dem Friede sei, der die Güte des Barmherzigen (ihsanat-i Rahmaniye)bei der Versorgung, welche im Rahmen des Lebens die umfassendste, weiteste und erfreulichste Erscheinung der Barmherzigkeit (rahmet)ist, wahrnimmt und die unbewusst dargebrachte
Dankbarkeit bewusst repräsentiert, und dergleichen Engel und ihr so einzigartiges Wesen, ihre Existenz und das ewige Bestehen der Seelen (ruh)sind ein Erfordernis des Königreiches und der Größe der Herrschaft Gottes (saltanat ve hashmet-i rububiyet).Ihre Existenz und die Existenz ihrer speziellen Gruppen besteht ohne Zweifel so sicher wie die Existenz des Königreiches und seiner Größe (saltanat ve hashmet),die im Kosmos sonnenklar sichtbar ist. Weitere Abschnitte, die die Engel betreffen, möge man mit diesen vergleichen.
Der Allmächtige, der Majestät und Schönheit besitzt (Qadier-i Dhu l-Djelali Ve'l-Djemal),der vierhunderttausend Arten Lebewesen und selbst aus einfachsten, ja sogar übel riechenden Stoffen beseelte Wesen in Hülle und Fülle auf dem Erdenrund erschafft und sie all überall mit ihnen belebt und jene Lebewesen dazu bringt, in ihren Sprachen "Masha-a'llah, Barek-a'llah, Subhan-a'llah!"zu sagen und den Geschenken Seiner Barmherzigkeit (ihsanat-i rahmet)gegenüber "Elhamdu-li'llah, Veshukru-li'llah, Allahu Ekber!"auszurufen, erschuf auf jeden Fall, mit Sicherheit und ohne jeden Zweifel die Seelen (ruh)und die Bewohner, die zu dem riesengroßen Himmel dazu gehören, die in ständigem Gebet und Gottesdienst nie einen Aufstand kennen, und hat den Himmel mit ihnen belebt, ihn nicht leer gelassen. Er rief verschiedene Arten von Engeln, mehr als Arten von Tieren, ins Dasein. Einige von ihnen reiten, winzig klein, auf den Regentropfen und auf den Schneeflocken und feiern die Kunstfertigkeit und die Barmherzigkeit Gottes (san'at ve rahmet-i Ilahiye)in ihren eigenen Sprachen. Einige andere besteigen die ziehenden Sterne und bereisen das Weltall, während sie die Größe, Würde und Majestät der Herrschaft Gottes (azamet ve izzet ve hashmet-i rububiyet)in ihrem Gottesdienst verkünden, Gott verherrlichen und Seine Einheit in der Welt bekannt machen.
Alle vom Himmel geoffenbarten Bücher und Religionen seit Adams Zeiten sind sich in der Tat einig, was die Existenz der Engel, ihren Dienst und ihre Anbetung betrifft und es wird auch mit überwiegender Übereinstimmung überliefert, dass Begegnungen und Gespräche zwischen
Menschen und Engeln in allen Jahrhunderten statt fanden, was uns den sicheren Beweis dafür liefert, dass es Engel gibt, so wie es in Amerika Menschen gibt, auch wenn wir sie (von hier aus) nicht sehen können, und mit uns in Beziehung stehen.
Nun, komm jetzt, betrachte und koste im Licht des Glaubens diese zweite Frucht für alle, wie sie den ganzen Kosmos völlig ausfüllt und verschönert und ihn in eine große Moschee, ein riesiges Gebetshaus verwandelt. Während die (Natur)wissenschaft und die Philosophie ihn kalt, ohne Leben, schrecklich und finster darstellen, zeigt der Glaube ihn als einen lebendigen, von Licht und Bewusstsein erfüllten, freundlichen und angenehmen Kosmos und lässt die Leute des Glaubens ihrem Niveau entsprechend noch in dieser Welt einen Abglanz der Freude des ewigen Lebens verkosten.
Ergänzung:
Nach dem Geheimnis der Allgegenwart und der Einheit (vahdet ve ahadiyet)findet sich überall im Kosmos der selbe Name (Gottes), die selbe Macht (qudret),die selbe Weisheit (hikmet)und die selbe Kunstfertigkeit (san'at),wodurch der Schöpfer, der allgegenwärtig (vahdet)ist, über alles verfügt, alles aus dem Nichtsein ins Dasein ruft (= idjad)und es beherrscht (rububiyet),der alles erschafft (khallaqiyet),und Seine Allheiligkeit (qudsiyet)im Großen wie im Kleinen in der Art alles Geschaffenen bekannt gibt. Er erschafft überall Seine Engel und lässt durch sie die Lobpreisungen, die die Geschaffenen unbewusst auf ihre Art (lisan-i hal)darbringen, in der Art ihres Dienstes und Ihrer Anbetung darbringen. Die Engel bewegen sich in keiner Weise dem Befehl Gottes entgegengesetzt. Über den lauteren Gottesdienst hinaus vermögen sie überhaupt nichts ins Dasein zu bringen (idjad),ohne Befehl überhaupt nicht einzugreifen, ja auch ihre Fürsprache (shefaatlar)ist ohne Erlaubnis nicht möglich. So offenbaren sie vollständig das Geheimnis von
بَلْ عِبَادٌ مُكْرَمُونَ ٭ وَ يَفْعَلُونَ مَا يُؤْمَرُونَ
{"...doch (sie sind) nur die ehrenwerten Anbeter." (Sure 21, 26) "...und tun, was ihnen befohlen wurde." (Sure 16, 50)}
* * *
Schlusswort
Ein kurzer Hinweis auf eine überaus wichtige Anmerkung über das Wunder, eine lange Wahrheit, eine Ermahnung, die mir unwillkürlich nach dem Abendgebet ins Herz gegeben wurde, von einem offensichtlichen Wunder (mu'djize)der Sure 113 aus dem Verborgenen aufgezeigt.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ قُلْ اَعُوذُ بِرَبِّ الْفَلَقِ ٭ مِنْ شَرِّ مَا خَلَقَ ٭ وَ مِنْ شَرِّ غَاسِقٍ اِذَا وَقَبَ ٭ وَ مِنْ شَرِّ النَّفَّاثَاتِ فِى الْعُقَدِ ٭ وَ مِنْ شَرِّ حَاسِدٍ اِذَا حَسَدَ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen, sprich!
Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Spaltung (der Dämmerung)
Vor dem Übel alles Geschaffenen (der Menschheit)
Vor dem Übel der Finsternis, wenn sie herein bricht,
Vor dem Übel derer, die auf den Knoten blasen und
Vor dem Übel der Neider, wenn sie beneiden." (Sure 113, 1-5)}
Diese wunderbare, gewaltige (adhiem)Sure, als ein Hinweis gelesen und verstanden, befiehlt unserem Propheten und seiner Gemeinde: "Ihr sollt euch vor dem Bösen und vor den Teufeln unter den Dschinnen und in Menschengestalt schützen, welche im Kosmos im Interesse der negativen Welten (adem alemler)arbeiten!" Wie sie sich auf jedes Jahrhundert bezieht, so bezieht sie sich mit diesem Hinweis auf unser Staunen erregendes Jahrhundert noch nachdrücklicher, ja sogar in einer ganz klaren Form. Sie ruft die Diener des Qur'an auf, Zuflucht zu suchen. Dieses Wunder, welches das Verborgene betrifft, wird anhand von fünf Hinweisen erklärt. Es ist dies wie folgt:
Jeder Vers dieser Sure hat viele Bedeutungen. Es gehört zu den Wundern des Qur'an, wenn er auf der hinweisenden
Ebene in fünf Sätzen viermal das Wort شَرِّ {"Bosheit"} wiederholt und in eindeutigem Zusammenhang sinngemäß in vier Formen auf die vier beispiellosen, fürchterlichen, stürmischen, materiellen und geistigen Bosheiten, Umwandlungen und Auseinandersetzungen dieses Jahrhunderts mit Zeitangabe ihres Beginns den Finger legt und sinngemäß "Haltet euch vor diesen zurück!" befiehlt. Und dies ist mit Sicherheit eine Unterweisung aus dem Verborgenen.
Zum Beispiel stimmt der Satz قُلْ اَعُوذُ بِرَبِّ الْفَلَقِ {"Sprich: Ich nehme meine Zuflucht zum Herrn der Spaltung (der Dämmerung)"} am Anfang (dieser Sure) in seiner Ebdjed-Rechnung mit dem Jahr 1352 oder 1354 (1936-38) überein und weist auf den zweiten Weltkrieg hin, dessen Zustandekommen durch die maßlose Gier und den Neid (hirs ve hased)des Menschengeschlechts im ersten Weltkrieg vorbereitet war. Sein Sinn sagt der mohammedanischen Gemeinde: "Ihr sollt an diesem Krieg nicht teilnehmen, sondern sucht Zuflucht bei eurem Herrn." Mit einem Zeichen macht er ein besonderes Kompliment an die Risale-i Nur Schüler, die im Dienst am Qur'an stehen, und sagt ihnen voraus, dass sie in dem selben Jahr aus dem Gefängnis in Eskischehir freigelassen, vor einem fürchterlichen Übel gerettet werden und dass der Plan zu ihrer Vernichtung scheitern wird. Er gibt ihnen sinngemäß ein Zeichen, als wolle er ihnen befehlen: "Sucht eure Zuflucht!"
Noch ein Beispiel: Der Satz مِنْ شَرِّ مَا خَلَقَ {"Vor dem Übel alles Geschaffenen (der Menschheit)"}
enthält ein Verdopplungszeichen (shedde),das aber nicht mitgerechnet wurde, und ergibt (die Zahl) 1361 (1945). Somit legt er den Finger auf die erbarmungslosen und grausamen Zerstörungen dieses beispiellosen Krieges mit dem Datum nach julianischer und islamischer Zeitrechnung. Dieselbe Zeit stimmt damit, dass die "Nur"-Schüler, die mit all ihrer Kraft im Dienst des Qur'an arbeiten, überein, sich vor einem umfangreichen Zerstörungsplan, vor einem leidvollen und schrecklichen Unglück und aus dem Gefängnis in Denizli zu retten, worauf sich die symbolische Bedeutung (dieses Verses) bezieht. "Ihr sollt euch vor dem Übel des Volkes (khalq,die Volkspartei) schützen.", sagt er mit einem versteckten Wink.
Zum Beispiel: Der Satz اَلنَّفَّاثَاتِ فِى الْعُقَدِ {"Vor dem Übel derer, die auf den Knoten blasen,"} enthält auch Verdopplungszeichen, die nicht mitgerechnet wurden, und ergibt (die Zahl) 1328 (1912). Wenn der Buchstabe "Lam"vor den Verdopplungszeichen mitgerechnet wird 1358 (1942), was mit dem Jahr übereinstimmt, in welchem, den Gedanken der ausländischen Unmenschen entsprechend, die mit ihrer Gier und mit ihrem Neid (hirs ve hased)die Weltkriege geführt hatten, zur Vereitelung der Ergebnisse der Umwandlung zur Hürriyet (parlamentarisch freiheitliche Regierungsform), die zugunsten des Qur'an gewesen wäre, bei uns die Monarchie umgewandelt wurde, in dem die Balkankriege und die Kriege gegen die italienische Besatzungsmacht ausbrachen und in dem mit dem Ausbruch des ersten und zweiten Weltkrieges ihre materiellen und geistigen Bosheiten in der Rundfunk-Sprache der Politiker und der Diplomaten einem giftigen Zauber gleich in jedermanns Kopf hineingeblasen wurden und in dem sie ihre verborgenen Pläne in die Knöpfe und Knoten der Zukunft der Menschen hineinzusuggerieren begannen, wodurch sich jene Bosheiten vorzubereiten
begannen, die die tausendjährige Entwicklung der Zivilisation brutal zerstörten, was genau die Bedeutung von اَلنَّفَّاثَاتِ فِى الْعُقَدِ {"Vor dem Übel derer, die auf den Knoten blasen,"} wiedergibt.
Noch ein Beispiel: Der Satz
وَ مِنْ شَرِّ حَاسِدٍ اِذَا حَسَدَ
{"Vor dem Übel der Neider, wenn sie beneiden."}
macht 1347 (1930), ohne die Verdopplung und die Nunation mitzurechnen. In jenem Jahr ereigneten sich in unserem Land unter dem Zwang der ausländischen Verträge und infolge der Vorherrschaft der Philosophie in diesem religiösen Volk bedeutende Erschütterungen und wichtige Veränderungen und in dem selben Jahr begann in den Ländern unter dem Zusammenprall eines fürchterlichen Neid- und Konkurrenzkampfes (hased ve rekabet)die Vorbereitung des Zweiten Weltkrieges. Diese haargenaue Übereinstimmung und sinngemäße Entsprechung auf der Hinweisebene ist ein Funke des Wunders dieser heiligen Sure aus dem Verborgenen.
Anmerkung:
Jeder Vers kann auf verschiedenen Ebenen gedeutet werden. Und jede dieser Ebenen ist allumfassend. Und in jedem Jahrhundert gibt es einzelne, die von ihnen betroffen sind. In unserer Abhandlung hier geht es um die Ebene der hinweisenden Bedeutungen für dieses Jahrhundert. So gibt es auch für unser Jahrhundert unter allen Bedeutungen ein Beispiel. Aber es hat dadurch eine besondere Bedeutung erlangt, dass es jene Jahreszahl direkt anspricht. Da ich seit vier Jahren weder über den Verlauf dieses Krieges, noch über seine Ergebnisse, noch darüber, ob der Frieden abgeschlossen wurde oder nicht, etwas erfahre und auch nicht danach frage, habe ich nicht weiter an die Tür (dieser Sure) geklopft, in wieweit sie noch Hinweise auf dieses Jahrhundert und
diesen Krieg enthält. Außerdem liegen in diesem Schatz noch viele Geheimnisse, die in den Abhandlungen der Risale-i Nur, besonders in der Abhandlung "Rumusat-i Semaniye"(Acht Hinweise) erklärt und bewiesen wurden. Darum weise ich hier nur auf sie hin und fasse mich daher kurz.
Antwort auf eine Frage, an die man noch denken könnte:
In diesem Funken des Wunders so ziemlich zu Beginn (dieser Sure) bei مِنْ شَرِّ مَا خَلَقَ {"vom Übel alles Geschaffenen"} werden sowohl die Wörter مِنْ {"von"} als auch شَرِّ {"Übel"} mitgerechnet, am Schluss bei وَ مِنْ شَرِّ حَاسِدٍ اِذَا حَسَدَ {"Vor dem Übel der Neider, wenn sie beneiden."} nur das Wort شَرِّ {"Übel"}, aber nicht مِنْ {"und von"}, und bei وَ مِنْ شَرِّ النَّفَّاثَاتِ فِى الْعُقَدِ {"Vor dem Übel derer, die auf den Knoten blasen"}
werden beide (min und sherr) nicht mitgerechnet, um hier durch Symbol und Andeutung auf einen sehr tiefen und feinsinnigen Zusammenhang hinzuweisen. Denn bei den Leuten der Volks(partei) gibt es nicht nur Übles sondern auch Gutes. Außerdem trifft nicht jeden alles, was Übel ist. Als ein Hinweis darauf wird hier مِنْ {"(von) - und / oder"} شَرِّ {"Übel" - (hier ohne den Artikel)} in die Ebdjed-Rechnung mit einbezogen, um die Form einer Möglichkeit zum Ausdruck zu bringen. Ein Neider aber, wenn er beneidet, ist ganz und gar vom Übel, weshalb hier die Möglichkeitsform nicht erforderlich ist. Bei dem Hinweis اَلنَّفَّاثَاتِ فِى الْعُقَدِ {"...diejenigen, die auf den Knoten blasen,"} ist wegen des Übels der Knotenbläser, die um ihres eigenen Vorteils willen das Erdenrund in Brand stecken und aller Werke der Hexenkünstler unter den Diplomaten, die nur der Zerstörung dienen, gleichfalls nur von einem Übel die Rede, weshalb auch hier das Wort شَرِّ {"Übel"} nicht notwendig ist.
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Eine Anmerkung, die auf das Wunder dieser Sure hinweist:
So wie in dieser Sure, auf der Ebene der Bedeutungen, vier von fünf Sätzen auf vier üble, große Umstürze und Stürme dieses unseres Zeitalters verweisen, so verweist
der vier Mal wiederholte Ausdruck مِنْ شَرِّ {"vor dem Übel"} - die Verdopplung (shedde)nicht mitgerechnet - nach der Auslegung ihrer Zahlenkombination (maqam-i djifri)auch auf die Zerstörung unter Dschingis und Hulagu, die furchtbarste in der islamischen Welt, und auch auf das Zeitalter, in dem der abbassidische Staat unterging, und legt den Finger darauf.
In der Tat ergibt شَرِّ {"Übel"} ohne Verdopplung 500. مِنْ {"Von"} ist 90. Viele Ayat beziehen sich auf die Zukunft und weisen sowohl auf unser Jahrhundert als auch auf jene (vergangenen) Jahrhunderte hin, wie auch Imam Ali(das Wohlwollen Allahs möge mit ihm sein!) und Ghauth-ul'Adham(Gott möge sein Geheimnis heiligen!), die über die Zukunft berichten, sowohl auf unser Jahrhundert, als auch auf jene Jahrhunderte hingewiesen und von ihnen Kunde gegeben haben. Die Worte غَاسِقٍ اِذَا وَقَبَ {"Finsternis, wenn sie hereinbricht"} setzen ihre Zeichen nicht in dieses unser Jahrhundert, sondern während غَاسِقٍ {"Finsternis"} 1161 und
اِذَا وَقَبَ {"wenn sie hereinbricht"} 810 ergibt, auf die materiellen und geistigen Zerstörungen jener (anderen) Zeit. Würden beide zusammengerechnet, so ergibt sich das Jahr 1971 nach christlicher Zeitrechnung. Das gibt uns Nachricht von einem Übel in diesem Jahr. Zwanzig Jahre später (1991), wenn die Ernte aus dem jetzigen Samen nicht verbessert wird, werden ihre Schläge in jeden Fall schrecklich sein.
{In beiden Jahren löste das Militär in der Türkei eine Staatskrise aus. 1991 Golfkrieg! (A.d.Ü.)}
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Ein Anhang zur Anmerkung der "Elften Problemstellung"
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ لآَ اِكْرَاهَ فِى ﴿الدّ۪ينِ قَدْ تَبَيَّنَ الرُّشْدُ﴾ مِنَ الْغَىِّ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen" "Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der rechte Wandel unterscheidet sich nun klar vom Irrweg." (Sure 2, 256)}
welches nach dem "Thronvers" (Ayatu-l'Kursi)kommt, macht 1350 (1934).
فَمَنْ يَكْفُرْ بِالطَّاغُوتِ
{"Wer aber den Rebell zurückweist" (Sure 2, 256)}
1929 oder 1928;
وَ يُؤْمِنْ بِاللّٰهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ
{"...und an Gott glaubt und sich ganz festhält" (Sure 2, 256)}
946, welches nach der Djifr-Rechnung des Titels "Risalatu-n'Nur"entspricht,
بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقٰى
{"an dem festen Seil" (Sure 2, 256)}
1347 (1931),
لاَ انْفِصَامَ لَهَا وَاللّٰهُ سَم۪يعٌ عَل۪يمٌ ٭ ﴿اَللّٰهُ﴾ ﴿وَلِىُّ الَّذ۪ينَ اٰمَنُوا﴾
{"..., das nicht reißt. Und Allah ist der Allhörende, der Allwissende" (Sure 2, 256) "Gott ist der Freund der Gläubigen." (Sure 2, 257)}
zusammengerechnet 1012, separat 945, das eine Verdopplungszeichen wird nicht mitgezählt;
يُخْرِجُهُمْ مِنَ ﴿الظُّلُمَاتِ﴾ اِلَى النُّورِ
{"Er führt sie heraus aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}
1372 (1956), ohne Verdopplung,
وَالَّذ۪ينَ كَفَرُٓوا اَوْلِيَٓاؤُهُمُ ﴿الطَّاغُوتُ﴾
{"Die aber leugnen, haben den Rebellen zum Freund." (Sure 2, 257)}
1417 (2001)
يُخْرِجُونَهُمْ مِنَ النُّورِ اِلَى الظُّلُمَاتِ
{"Er führt sie aus dem Licht in die Finsternis", (Sure 2, 257)}
1338 (1922), ohne die Verdopplungszeichen mitzurechnen;
اُولٰٓئِكَ اَصْحَابُ النَّارِ هُمْ فِيهَا خَالِدُونَ
{"Sie sind Gefährten des Feuers. Darin werden sie ewig bleiben." (Sure 2, 257)}
1295 (1879), indem die Verdopplung mitgerechnet wird.
In dieser Ayah kommt zweimal eine Übereinstimmung mit dem Titel Risalatu-n'Nur, als auch mit der Art ihres
Kampfes, mit ihrer Verwirklichung, mit den Zeiten ihrer Abfassung und ihrer Vollendung genau überein. Außerdem stimmt es mit dem Jahr, in dem die Leute des Unglaubens durch den Krieg 1293 (1877) das Licht der islamischen Welt auszulöschen versuchten, und mit dem Jahr 1338 (1922), in dem durch die Ausnutzung der Situation des ersten Weltkrieges schreckliche Verträge abgeschlossen wurden, um die islamische Welt mit Nachdruck aus dem Licht in die Finsternis zu schleudern, genau überein. Es wurde meinem Herzen eingegeben, dass in dieser Ayah Licht und Finsternis einander oftmals gegenübergestellt werden, indem er auf der Hinweisebene Kunde gibt, dass in diesem geistigen Kampf ein Licht, das aus dem Licht des Qur'an kommt, den Leuten des Glaubens (ehl-i iman)als ein Halt (nokta-i istinad)dienen wird. Daher war ich gezwungen dies so zu schreiben. Dann sah ich, dass der Zusammenhang seiner Bedeutungen mit diesem unserem Jahrhundert so auffallend deutlich ist, dass ich überzeugt bin, dass diese Verse, auch wenn sie keine Zeichen der Übereinstimmung enthielten, sich dennoch, so wie sie sich auf jedes Jahrhundert beziehen, auf der Hinweisebene auch mit uns (heutigen Menschen) sprechen.
Erstens:
Am Anfang legt der Satz
لآَ اِكْرَاهَ فِى الدِّينِ قَدْ تَبَيَّنَ الرُّشْدُ
{"Es gibt keinen Zwang im Glauben. Der rechte Wandel unterscheidet sich nun klar." (Sure 2, 256)} Djifr-und Ebdjed-Rechnung entsprechend den Finger auf das Jahr 1350 (1934) und sagt mit seiner hinweisenden Bedeutung:
"In soweit wie in diesem Jahr die Gewissensfreiheit, die auf Grund der Trennung der religiösen Angelegenheiten von den weltlichen den Zwang im Glauben, den religiösen Kampf und den Kampf mit der Waffe um des Glaubens willen, ablehnt, in den verschiedenen Staaten als Grundgesetz und politisches Leitmotiv eingeführt wird und der
Staat in eine säkularistische Republik umgewandelt, wird an Stelle dessen ein geistiger Glaubenskampf mit dem Schwert des wahrhaften Glaubens (iman-i tahqiq)geführt werden. Denn ein Licht, durch das sich so starke Zeugnisse zeigen, die sichtbar und bekannt gemacht werden, das den richtigen Glauben, die rechte Leitung (irshad),das Recht (haq)und die Wahrheit (haqiqat)in den Religionen vor Augen führt, wird aus dem Qur'an erscheinen." So sagt (dieser Satz), mit dem sich ein Funke dieses Wunders zeigt.
Außerdem werden bis zu dem Wort خَالِدُونَ {"ewig bleiben" (Sure 2, 257)} wiederholt Licht und Dunkel, Glaube und (die Finsternis des) Unglaubens in Gleichnissen, die allen Gleichnissen in der Risale-i Nur als Ursprung und Quelle dienen, gegenübergestellt, was ein versteckter Hinweis darauf ist, dass in der Schlacht des geistigen Kampfes in diesem Jahr ein großer Vorkämpfer im Namen des Lichtes die Risale-i Nur ist, die Hunderte von feinsinnigen Wahrheiten enthüllt, die der Glaube umfasst, und die, als ihr diamantenes geistiges Schwert, jedes materielle Schwert unnötig macht.
Unendlichen Dank dafür, dass seit zwanzig Jahren die Risale-i Nur diese Botschaft aus dem Verborgenen und diesen Funken des Wunders in ihren Aktivitäten aufgezeigt hat. Und in diesem großen Geheimnis liegt es beschlossen, dass sich die Risale-i Nur Schüler nicht in die politischen Angelegenheiten und Strömungen dieser Welt und in ihre Materialschlachten einlassen. Sie verleihen derlei Dingen keinen Wert durch ein unwürdiges Verhalten. Ein wahrer Schüler antwortet auf die Angriffe und Beleidigungen seines fürchterlichen Gegners indem er sagt:
"Oh du Unglückseliger! Ich bemühe mich darum, dich vor einer Hinrichtung zu retten, die für ewig ist, und dich von der niedrigsten und leidvollsten Stufe eines vergänglichen
tierischen Zustandes zum Glück eines ewig bleibenden menschlichen Zustandes empor führen wird. Du bemühst dich zwar um meinen Tod und meine Hinrichtung. Deine Freude in dieser Welt ist jedoch sehr gering und nur sehr kurz und deine Strafen und deine Leiden im Jenseits sind sehr zahlreich und sehr lang. Mein Tod ist meine Entlassung. Auf, mach dich davon! Mit dir beschäftige ich mich nicht. Also mach, was du willst!" So sagt er zu ihm und ist nicht einmal wütend über seinen ungerechten Feind. Er bedauert und bemitleidet (shefqat)ihn vielmehr. "Ach würde er sich doch retten", denkt er sich und bemüht sich zugleich auch seine Umgangsformen zu verbessern.
Zweitens:
﴿وَ يُؤْمِنْ بِاللّٰهِ فَقَدِ اسْتَمْسَكَ﴾ ﴿بِالْعُرْوَةِ الْوُثْقٰى﴾
{"...und an Gott glaubt und sich ganz festhält" "an dem festen Seil" (Sure 2, 256)}
Diese beiden heiligen Ausdrücke stehen sinngemäß in einem mächtigen Zusammenhang, wobei der erste in seiner Djifr-und Ebdjed-Rechnung mit dem Namen der "Risalatu-n'Nur"und der zweite ebenfalls in seiner Bedeutung und in seiner Djifr-Rechnung, mit ihrer Bewahrheitung und ihrer Vollendung und ihrer glanzvollen Ausbreitung, ganz genau übereinstimmt, was ein Zeichen dafür ist, dass die Risalatu-n'Nur in diesem Zeitalter, ja in diesen Jahren ein "Urwatu-l'vusqa"(ein starkes Seil) ist. Das heißt, sie ist eine sehr starke, unzerstörbare Kette, ein Seil Gottes (Hablu'llah)."Wer nach ihm seine Hand ausstreckt und sich an ihm festhält, der rettet sich", so berichtet (uns dieser Vers, hier) auf der Ebene der Zeichen.
Drittens:
اَللّٰهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنُوا
{"Gott ist der Freund derer, die gläubig sind." (Sure 2, 257)}
Dieser Satz enthält sowohl in seiner Bedeutung als auch in seiner Djifr-Rechnung einen Hinweis auf die Risalatun'Nur. Es ist dies wie folgt: ...
(An dieser Stelle (maqam)fiel der Vorhang. Mir ist nicht erlaubt, weiter zu schreiben. Dies wurde auf eine andere Zeit verschoben.)
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
Anmerkung:
Der Grund dafür, dass mir das Weiterschreiben des verbliebenen Abschnittes z.Zt. nicht erlaubt ist, liegt darin, dass hier in gewissem Grade weltliche und politische Angelegenheiten berührt wurden, die in Betracht zu ziehen uns ja untersagt ist. In der Tat zieht
إِنَّ الْإِنسَانَ لَيَطْغَىٰ
{"Fürwahr, der Mensch ist ja aufsässig." (Sure 96, 6)}
diesen Teufel, diesen Rebellen wider Gott (Taghut)in Betracht und stellt ihn zur Betrachtung.
Said Nursi
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Ein Teil des Briefes, den Husrev, ein Streiter für die Risale-i Nur auf Grund der Elften Problemstellung der "Frucht-Abhandlung" geschrieben hat.
Unser sehr verehrter, gesegneter und sehr lieber Lehrer und Meister!
Die "Frucht-Abhandlung", welche für Volk und Land sehr große Schönheiten beinhaltet, veranlasst die Schüler mit ihrer "Neunten Problemstellung" in dieser schrecklichen Zeit, inmitten fürchterlicher Rebellen wider Gott, unter größten Feinden, auf erstaunliche Weise dazu, sich
nicht nur zu retten, fördert vielmehr mit ihrer Zehnten und Elften Problemstellung die Schüler des Lichts (Nur)auf dem Weg der Wahrheit und indem sie ihnen vom Grab erzählt, das ihre wahre Wohnstatt ist, wohin sie gehen werden und vor der jeder zittert, die gerade für die Gottvergessenen besonders schrecklich, besonders leidvoll und besonders bitter sein wird, wo sie mit den Engeln, die sie dort sehen, denen sie dort begegnen werden, sprechen werden, die sie begleiten und ihnen diesen Ort liebenswert, ja mehr noch vertraut erscheinen lässt, mildert sie ihre überaus starken Ängste über diese schreckliche erste Wohnstatt (nach dem Tode), sodass sie wieder aufatmen können.
Besonders wird sie in der Hand derer, die gleich mir, das lichtvolle Leben jener Welt nicht sehen können, zu einer elektrischen Lampe, deren Licht bis in eine Entfernung von hunderttausend Jahren reicht. Sie ist außerdem ein Beispiel für einen immerdar duftenden Blumengarten. In der Tat teilen wir unserem lieben Meister mit, dass wir wie ein Schüler, der jeden Tag seine Lektion vor seinem Meister wiederholt, die Fülle, die wir aus den Lichtabhandlungen (Nur)bekommen, jederzeit unserem lieben Meister vortragen. Doch unser lieber Meister hat derzeit seine Unterweisung unterbrochen.
Oh mein lieber Meister! Die Wahrheit der Risale-i Nur, die Schönheit der "Frucht" (Abhandlungen) und die Fülle jener Blumen lässt mich in Dankbarkeit ein wenig für mein Land sprechen und schenkt mir und vielen gleichgestimmten Herzen Leben. Nun haben die Schritte, die um uns herum in Richtung auf die Risale-i Nur hin unternommen wurden, und die Hände, die sich nach ihr ausgestreckt haben, durch die Elfte Blume der "Frucht" (Abhandlung) noch mehr an Festigkeit gewonnen, sich weiter entwickelt und begonnen, aktiv zu werden.
Ihr sehr ergebener Schüler
Husrev
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Ein Brief, als Glückwunsch zum Ramadan im Namen aller Schüler der Risale-i Nur in Isparta geschrieben.
Unser verehrter Meister, Efendi Hasretleri, von dessen gesegneten Augen, um der Sicherheit der islamischen Welt willen im Diesseits und im Jenseits, durch die Fülle des Qur'an, durch die Wahrheit der Risale-i Nur und durch die Begeisterung ihrer getreuen Schüler, statt Tränen, Blut fließt; und der in dieser turbulenten, stürmischen Zeit der Unruhen der Endzeit mehr als Hasret Eyyub(Dulder Job), mit dem der Friede sei, Krankheiten und Leiden ausgesetzt ist; und der sich im Licht des Qur'an mit dem Zeugnis der Risale-i Nur und mit dem seiner Schüler bemüht, die materiellen und geistigen Krankheiten der islamischen Welt wie Lokman Hekim, der Arzt, zu behandeln; und der anhand von 33 Versen aus dem Qur'an und anhand der Prophezeiungen von Imam Ali und von Gauthul' Adham (Scheich Geylani)beweist, dass die Abschnitte von "Nur"(gemeint Risale-i Nur Gesamtwerk) welche in seinen gesegneten Händen liegen, wahr und richtig sind; und der zwar selber krank, alt, schwach und hilfsbedürftig ist, aber mehr als alle anderen für die islamische Welt so sehr Mitleid empfindet, so sehr, dass er sein Leben dafür opfern kann und auch denen, die ihm Schaden antun wollen, durch die Wahrheit des Qur'an, durch die Zeugnisse der Risale-i Nur und die Treue der "Nur"-Schüler mit Wohltaten und mit segensreichen Gebeten entgegenkommt; und der durch das Erscheinen des "großen Zeichens" (Ayatu-l'Kubra)von seinen wichtigsten Werken selbst mit seinen Schülern ins Unglück und ins Gefängnis gekommen ist, und der aber diese Kerker durch die Weisung des Qur'an, durch die Unterweisung der Risale-i Nur und durch die Begeisterung der Schüler in eine Schule des ägyptischen Josefs umwandelte, zu einer Lehranstalt machte und all diejenigen unter uns, die unwissend waren, bevor sie entlassen wurden, den ganzen Qur'an in
dieser Schule vollständig lesen ließ; und der in diesem Unglück durch die Kraft des Qur'an, durch die Tröstung der Risale-i Nur und durch das Ausharren der Mitbrüder, obwohl er alt und schwach ist, alle unsere schwere Verantwortung und Bürde auf sich nimmt; und der durch die Abhandlungen der "Frucht" und der Verteidigungsschrift durch das Wunder des Qur'an, ein Wunder in seiner Verkündigung, durch die starken Zeugnisse der Risale-i Nur und der Wahrhaftigkeit seiner Schüler, mit der Erlaubnis Gottes, die Tore, die über ihnen zugeschlossen waren, öffnen ließ und für uns den Freispruch erlangte und am jenem Tag uns und die islamische Welt vor Freude außer sich brachte; und der bewies, dass die Risale-i Nur Abhandlungen tatsächlich "Licht über Licht" sind und mit Recht verdienen, bis zum Weltuntergang in Freiheit gelesen und vervielfältigt zu werden; und der beweist, dass die islamische Welt, durch die heilige Nahrung des ruhmreichen Qur'an und durch die jenseitigen Speisen, der "Nur"(Licht-Abhandlungen) und durch das Verlangen ihrer Schüler, diese "Nur"-Abhandlungen so sehr braucht, wie das Wasser und die Luft, und dass Tausende, die diese "Nur"-Abhandlungen lesen und schreiben, als Gläubige ins Grab steigen; und der die Schüler, die ihm folgen, nirgendwo in eine Niederlage führt oder in Verlegenheit bringt; und der heute durch die nach dem Himmel gerichteten Unterweisungen des Qur'an und durch die Prinzipien der Risale-i Nur und durch den Scharfsinn seiner Schüler und durch die Zehnte und Elfte Problemstellung und "Blumen" der "Fruchtabhandlung" unsere Herzen, die Tag und Nacht im Feuer der Trennung brennen, wie mit Lebenswasser und Kauthar-Trank des Paradieses mit diesen gesegneten "Problemstellungen" und "Blumen", dieses Feuer in unseren Herzen löscht und sie mit Freude und Frohsinn erquickt; und der den Tod, vor dem sich die ganze Welt am meisten fürchtet, (anhand sicherer Verheißungen und Androhungen des ruhmreichen Qur'an und anhand der sicheren Entdeckungen der Risale-i Nur
und auf Grund der Zeugnisse der verstorbenen Schüler und auf Grund der inneren Wahrnehmungen derer, die in die Gräber zu schauen vermögen) für die Leute des Glaubens vor einer Hinrichtung auf ewig befreit und sie in einen Entlassungsschein umwandelt und beweist, dass er für sie eine angenehme Reise in die Welt des Lichts ist, aber für die Ungläubigen und die Heuchler zu einer Hinrichtung auf ewig wird, und der anhand der absolut zuverlässigen Kunde des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, unter der Bestätigung der Wunder Ahmeds (Mohammeds), mit dem Friede und Segen sei, und dass er in vierzig Hinsichten ein Wunder ist, und durch die Zeugnisse der daraus entstandenen Risale-i Nur, mit denen sie die verbohrtesten Feinde niederzwingt, und durch viele Merkmale, Erfahrungen und Überzeugungen der "Nur"-Schüler beweist, dass jenes fürchterliche, finstere, kalte und enge Grab für die Leute des Glaubens einem Tunnel gleicht, der ins Paradies hinüberführt und das Tor der Tore zum Paradies, für die Ungläubigen, die Heuchler und Gottesleugner aber die Grube zu allen Gruben der Hölle, voller Schlangen und Skorpione; und der die Engel Munker und Nekir mit Namen, die für die Leute der Wahrheit kommen und für diejenigen, die auf dem Weg der wahren Erkenntnis wandeln, zu angenehmen Freunden macht, der die Schüler der Risale-i Nur zur einer Klasse derer, die nach wahrer Wissenschaft verlangen, (talebe-i 'ulum)gehören lässt, und der in einer geistigen Schau bezüglich des Sterbens des gesegneten Helden und Märtyrers Hafis Ali entdeckte, dass die Nur Schüler auf die Fragen von Munker und Nekir mit der Risale-i Nur antworteten und der, welcher um die Barmherzigkeit Gottes betet und inständig darum bittet, dass auch wir, die wir noch am Leben sind, mit der Risale-i Nur antworten mögen; und der den exzellenten (Hasret)Qur'an dermaßen schön und auf wunderbare Weise, wie nie gesehen und nie gehört, beschreibt und beweist, dadurch dass der ruhmreiche Qur'an eine Art Wunder in seiner Bedeutung für jede
der vierzig verschiedenen Menschenschichten zeigt und dass er das Wort des Urewigen ist, das sich auf das ganze Universum bezieht, und dass es durch die Abhandlungen "Wunder des Qur'an" und "Acht Zeichen" (Rumusat-i Semaniye)aus der Risale-i Nur, die Kommentare zum Qur'an sind, und durch die außerordentliche Mühe der heldenhaften Mitbrüder und Schüler, wie des ersten Sekretärs der "Rosenfabrik" der Risale-i Nur seit der glücklichen Zeit des Propheten noch niemandem gelang, den Qur'an in einer so wunderschönen Weise zu schreiben, wozu Husrev, ein heldenhafter Sekretär der Risale-i Nur nur den Befehl "schreib!" bekam und daraufhin den Qur'an in der Form, wie auf der wohlverwahrten Tafel (Lauh-i mahfudh)schrieb, und der bewies, dass der ruhmreiche Qur'an das wahre Wort Gottes und das Größte und das Beste von allen vom Himmel herabgesandten Büchern ist, und dass sich in der ersten Eröffnungssure (Fatiha)Tausende Fatiha-Suren, in der 112 Sure "Wahrhaftigkeit" (ikhlas)Tausende Ikhlas-Suren finden, und dass jeder seiner Buchstaben zehn, hundert, tausend und Tausende Segnungen und Wohltaten bringt; und der anhand dessen, dass sich der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, seit dreizehnhundert Jahren als Wunder erweist und somit die Front seiner Gegner zum Stehen gebracht hat, und anhand der allen Augen sichtbaren Beweisen der (Risale-i)Nur und anhand der diamantenen Stifte der Schüler der (Risale-i)Nur, deren ein Gleiches bis heute nicht gesehen wurde, und der ganzen Welt gegenüber herausfordernd selbst die verbohrtesten und hartnäckigsten zum Schweigen bringt und durch das "Fünfundzwanzigste Wort" und dessen Ergänzung beweist, dass der Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist; und der mit der Abhandlung der Risale-i Nur, die "Wunder Ahmeds" (Mohammeds),mit dem Friede und Segen sei, genannt wird, anhand von seinen Tausenden Wundern aufs schönste beweist, dass der ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, der wirkliche
Prophet Gottes ist, und dass er über allen 124.000 Propheten der bevorzugte (efdal)ist; und der während der ruhmreiche Qur'an dem Kosmos gegenüber bekannt gibt, dass der ehrenwerte Gesandte Gottes, mit dem Friede und Segen sei, "die Barmherzigkeit für die Welten" ist und während die (Risale-i)Nur vom Anfang bis zum Ende anhand von Zeugnissen beweist, dass er "die Barmherzigkeit für die Welten" ist und so klar zeigt, dass selbst die Blinden sehen können, dass die Handlungen dieses Gottesgesandten und seine Haltung zuverlässigstes und schönstes Vorbild ist, dem im Kosmos einzig und allein zu folgen ist, und durch die Zeugnisse, dass in Anatolien und in besonderen Städten Unglücke aufhören, wenn die Risale-i Nur sich verbreitet, und die Unglücke kommen, wenn sie zum Schweigen gebracht wird, und während die "Nur"-Schüler unter sehr schweren Umständen vollkommen standhaft dienen und untereinander zusammenhalten, zu erkennen geben, wie gewinnbringend die Befolgung der "gelobten Tradition" dessen ist, mit dem Friede und Segen sei, und dass jeder, der in dieser Zeit etwas von dieser Tradition befolgt, den Segen von hundert Märtyrern bekommt, und der mit augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien)beweist, dass die Risale-i Nur Anatolien seit zwanzig Jahren von Übel und Unglück bewahrt hat, genauso wie Almosen, die Leid und Unglück vertreiben!
Heute erfreute dieser Freispruch der Risale-i Nur vor allem Sie, unseren lieben Meister, dann uns, Ihre hilflosen und fehlerhaften Schüler, schließlich die ganze islamische Welt, und veranlasste uns ein zweites großes Fest zu feiern. Wir beglückwünschen Sie, unseren gesegneten Meister, in diesem großen, heiligen allgemeinen Freudenfest, und außerdem im heiligen Monat Ramadan und in der Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr)als einem dritten Freudenfest. Wir bitten darum, noch mit vielen weiteren geehrt zu werden. Mögen uns auch unsere Fehler verziehen werden! Mit dem Friedensgruß küssen wir Ihre
Hände und bitten Sie um Ihre Fürbitte, Efendimis Hasretleri.
Die Nur-Schüler aus Isparta und Umgebung
* * *
Was dieser Brief zum Ausdruck bringen will, überschreitet hundertfach jedes Maß. Zwar wäre es eine Undankbarkeit und in Anbetracht der guten Meinung aller Schüler eine Beleidigung, ihn in aller Bescheidenheit abzulehnen, weil jedoch Stolz darin (gurur)läge, Selbstgefälligkeit (enaniyet),Egoismus (benlik),ihn so anzunehmen, wie er ist, ändere ich diesen langen Brief, den der Schreiber der Risale-i Nur im Namen aller geschrieben hatte, an dreizehn Stellen ab und schicke euch eine Kopie davon. Ihr sollt als Bemerkung und Überschrift "Ein Brief der Schüler der Risale-i Nur aus Isparta und Umgebung" schreiben und ihn am Ende der "Problemstellung der Frucht"(-Abhandlung) einreihen, als meine Dankerweisung, und auch um mich vor Stolz und Undankbarkeit zu bewahren.
Als ich diesen Brief mit diesen Abänderungen schreiben ließ, kam eine Taube zweimal vor unser Fenster und wollte hinein. Sie sah den Kopf von Bruder Ceylan und kam nicht herein. Nach ein paar Minuten kam in gleicher Weise eine andere Taube. Wieder sah sie den Schreiber und kam nicht herein. Ich sagte, sie bringen uns bestimmt entweder eine gute Botschaft wie der Sperling oder der Buchfink, die vorher gekommen waren, oder sie kamen, um uns, wegen dieses Briefes und anderer, noch weiterer Briefe, die wir geschrieben hatten, so wie es uns schien, zu der segensreichen Abänderung dieses gesegneten Briefes zu beglückwünschen.
Said Nursi
* * *
Zwölfter Strahl
Aus der Verteidigungsrede vor dem Gerichtshof in Denizli
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Hohes Gericht, meine Herren!
Lassen Sie mich Ihnen mitteilen und ich will ihnen versichern: Außer den Herrschaften hier, die überhaupt keine oder kaum eine Beziehung zur Risale-i Nur haben, gibt es so viele aufrechte Brüder und sind so viele wahrhaftige Freunde mit uns auf dem Wege der Wahrheit (haqiqat),wie Sie sich nur vorstellen können. (Durch das Studium) der Risale-i Nur sind wir mit der Sicherheit, dass zwei mal zwei vier ist, zu der unerschütterlichen Gewissheit gelangt, dass der Tod nach dem Geheimnis des Qur'an die Umwandlung einer Verurteilung zum ewigen Tode in eine Entlassung ist, während für diejenigen, welche unsere Gegner sind und in die Irre gehen, der sichere Tod entweder eine Verurteilung zum ewigen Tode ist (wenn sie keinen festen Glauben an das Jenseits haben), oder eine ewige Dunkelhaft für jeden Einzelnen (wenn er zwar an das Jenseits geglaubt, aber dennoch ein Leben in Ausschweifung und Irreleitung geführt hat). Ja könnte es denn für die Menschen in dieser Welt (dunya)eine größere und bedeutendere Sorge geben, als diese, sodass sie diese als einen Vorwand benutzen könnten? Das frage ich Sie! Da es eine solche nicht gibt und nicht geben kann, (frage ich Sie:) warum belästigen Sie uns dann eigentlich? Im Angesichte einer hochnotpeinlichen Bestrafung erwarten wir in vollkommener innerer Festigkeit, unsere Entlassungspapiere in Empfang zu nehmen, um in eine Welt des Lichtes hinüber zu gehen. Doch wissen wir mit der Sicherheit eines Augenzeugen, dass diejenigen, die uns bezichtigen und uns aufgrund ihrer irrigen Ansichten
verurteilt sehen möchten, so sicher wie wir Sie hier vor uns versammelt sehen in ganz kurzer Zeit zum ewigen Tode und zu Einzelhaft verurteilt werden und diese fürchterliche Strafe erleiden werden; und wir bemitleiden sie im Gefühl unserer Mitmenschlichkeit sehr. Ich bin dazu bereit, diese absolut sichere und sehr bedeutende Tatsache zu beweisen und so auch noch den verbohrtesten zum Schweigen zu bringen. Sollte es mir nicht gelingen, dies diesem ungeschulten, von Vorurteilen belasteten Komitee von Schülern, die keine Ahnung von spirituellen und moralischen Dingen haben, so klar wie das Licht des Tages zu beweisen, sondern nur den größten Gelehrten und Philosophen, müsste ich mit jeder beliebigen Art der Bestrafung zufrieden sein!
Nur um ein Beispiel zu bringen biete ich hier die Abhandlung über die Früchte des Glaubens an, die an zwei Freitagen für die Gefangenen geschrieben worden ist, die Grundlagen und Prinzipien der Risale-i Nur erläutert und zu ihrer Verteidigung dienen kann. Wir arbeiten hier im Geheimen und unter sehr großen Schwierigkeiten, um (diese Abhandlung hier) mit den neuen (lateinischen) Buchstaben zur Niederschrift zu bringen, damit wir sie danach den Abteilungen der Regierung in Ankara vorlegen können. Lesen Sie diese und studieren Sie sie sorgfältig. Sollte Ihr Herz (an Ihr Ego will ich mich nicht wenden) mir nicht recht geben, will ich vor jeder Ihrer Beschuldigungen und gegenüber all Ihren Machenschaften, die Sie mir hier in der Einzelhaft, in der Sie mich jetzt halten, noch zufügen mögen, stumm bleiben.
Kurzum:
Lassen Sie, bitte, die Risale-i Nur entweder ganz und gar zufrieden oder zerbrechen Sie diese mächtige und unzerstörbare Wahrheit (haqiqat),falls Sie dazu im Stande sein sollten! Bis jetzt habe ich nicht an Sie und die Welt (dunya),in der Sie leben, gedacht und werde auch nicht an sie denken. Dennoch haben Sie mich dazu gezwungen. Doch vielleicht hat göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahiye)uns auf diesen Weg geführt, damit wir
Sie auf ihm ermahnen sollten. Was uns dabei betrifft, so haben wir uns den heiligen Grundsatz
مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ أَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ
{"Wer immer an das Göttliche Vorherwissen glaubt, rettet sich aus aller Qual."}
zu unserem Leitsatz genommen und uns dazu entschlossen, alle unsere Anstrengungen mit Geduld auf uns zu nehmen.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Hohes Gericht, meine Herren!
Auf Grund zahlreicher Hinweise bin ich zu der absoluten Überzeugung gelangt, dass wir nicht etwa im Interesse der Regierung angegriffen werden, weil wir die innere Sicherheit dadurch gefährden, dass wir das religiöse Empfinden der Leute missbrauchen, sondern im Interesse des Atheismus, (der diesen Vorwurf) sowohl aufgrund unseres Glaubens, als auch aufgrund unseres Dienstes im Glauben und für die Sicherheit zum Vorwand nimmt. Ein Beweis dafür ist unter vielen anderen der, dass trotzdem 20.000 Leute 20.00 Abschriften verschiedener Teile der Risale-i Nur über 20 Jahre lang gesammelt, gelesen und (in ihrem Herzen) angenommen haben, die öffentliche Ordnung dennoch nicht von den Schülern der Risale-i Nur gestört worden, kein einziger Zwischenfall dieser Art von der Regierung registriert worden und weder vom vorigen noch vom gegenwärtigen Gerichtshof jemals aufgedeckt worden ist. Hätte es dem entgegen eine solche weitverbreitete mächtige Propaganda gegeben, sie hätte sich innerhalb von 20 Tagen
durch entsprechende Ereignisse selbst bemerkbar gemacht. Das aber widerspricht dem Grundsatz über die Gewissensfreiheit, dem Art. Nr. 163 eines Gummigesetzes, das alle mit einschließt, die religiöse Ratschläge erteilen. Es ist eine Lügenmaske, hinter der die Atheisten gewisse Mitglieder der Regierung täuschen, ihre Justitiare in die Irre führen und uns so in jedem Fall zertreten wollen.
Da aber nun einmal die Tatsachen (haqiqat)so liegen, können wir mit voller Überzeugung sagen: Oh Ihr Unglückseligen, die Ihr den Glauben um irdischer Güter (dunya)willen verkauft und so dem absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)verfallen seid! Was immer euch zwischen die Finger gerät und was auch immer ihr damit tut: es sind eure eigenen weltlichen Angelegenheiten. Sie sollen und sie werden euch noch zum Halse heraushängen! Mögen unsere Köpfe einer heiligen Wahrheit zum Opfer gebracht werden, für die bereits Hunderte von Millionen tapferer Häupter geopfert und gefallen sind! Wir erwarten jede Art von Strafe und sind zu unserer Hinrichtung bereit! In unserer Lage (vaziyet)ist es außerhalb unseres Kerkers noch Hundert Mal schlimmer als in ihm zu sein. Da es nun einmal unter einem absoluten Despotismus, der uns beständig unterdrückt, gar keine Freiheit geben kann - weder eine Freiheit der Wissenschaft (ilm),noch Gewissensfreiheit, noch Glaubensfreiheit - gibt es für alle anständigen und ehrenwerten Gläubigen und Anhänger der Freiheit keine Lösung, es sei denn zu sterben oder ins Gefängnis zu gehen. So sagen denn auch wir
اِنَّا لِلّٰهِ وَاِنَّآ اِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Fürwahr Gottes sind wir und wahrlich zu Ihm ist unsere Rückkehr" (Sure 2, 156)}
und halten uns fest an unserem Herrn (Rabb).
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
An den ehrenwerten Präsidenten des Gerichts Herrn Ali Riza Beyefendi
Euer Ehren!
Um meine Rechte verteidigen zu können, habe ich einen Wunsch, eine wichtige Bitte: Ich kenne die neuen (lateinischen) Buchstaben nicht und auch die alte (arabische) Schreibweise kann ich nur recht mangelhaft. Zudem erlaubt man mir nicht, mit anderen (Menschen) zu verkehren, sodass ich jetzt de facto völlig isoliert bin. Selbst die Anklageschrift wurde mir schon nach fünfzehn Minuten wieder aus der Hand genommen. Ferner verfüge ich nicht über die notwendigen Mittel, mir einen Rechtsanwalt nehmen zu können. Selbst eines Teils der Verteidigungsschrift, die ich Ihnen bereits vorgelegt habe, konnte ich nur heimlich und mit großer Mühe dank eines in neuen Buchstaben abgefassten Exemplars habhaft werden. Ich hatte ferner auch ein oder zwei Kopien der "Früchte des Glaubens" abschreiben lassen, eine Art Verteidigungsschrift der Risale-i Nur und eine Zusammenfassung ihres Weges, um sie dem öffentlichen Ankläger überreichen und an die entsprechende Abteilung der Regierung in Ankara senden zu können. Man hat sie mir plötzlich weggenommen und nicht wieder zurückgegeben. Die Justizbeamten in Eskishehir hatten uns (früher einmal schon) eine Schreibmaschine in unserem Gefängnis (leihweise) zur Verfügung gestellt. Damit hatten wir (damals) schon mit den neuen Buchstaben ein oder zwei Exemplare unserer Verteidigungsschrift getippt und auch das Gericht hatte sich (damals ein Exemplar) abgeschrieben. Meine dringende Bitte ist daher die, uns entweder (wieder) eine solche Schreibmaschine zur Verfügung zu stellen, oder aber uns wenigstens zu erlauben, uns selbst eine draußen zu besorgen, damit wir mit diesen
neuen Buchstaben zwei oder drei Exemplare sowohl unserer Verteidigungsschrift als auch eine Abhandlung tippen können, welche ihrerseits wiederum eine Verteidigungsschrift der Risale-i Nur sein wird. Wir werden sie dann sowohl an das Justizministerium senden, als auch an das Kabinett, die Nationalversammlung und den Rat des Staates. Denn es ist ja die Risale-i Nur, welche der eigentliche Grund dafür ist, dass man uns angezeigt hat, und was man uns gegen die Risale-i Nur zur Last gelegt hat, und die Beschwerden die gegen sie eingegangen sind, sind keine armselige, rein persönliche Angelegenheit mehr, sodass man ihr keine weitere Bedeutung beimessen könnte. Im Gegenteil: es ist eine Angelegenheit von allgemeinem Belang, einer ernsten Bedeutung für die Nation, das Land und die Regierung, und wird deshalb in ernsthafter und bedeutender Weise die Aufmerksamkeit der Islamischen Welt auf sich lenken.
Diejenigen, welche die Risale-i Nur aus ihrem Versteck heraus angreifen, sind in der Tat die gleichen, die, um die Zuwendung der Islamischen Welt, die Liebe (muhabbet)und die Brüderlichkeit (ukhuvvet)in ihr, die doch die stärkste Kraft (büyük quvvet)der Leute dieses Landes ist, zu untergraben und einen Widerwillen gegen sie zu erwecken, eine fremdländische (Nation), die heimlich aus ihrem Versteck heraus ihre Hände mit im Spiel hat, um einen absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)heraufzubeschwören und so die Politik als Werkzeug ihres Unglaubens gebraucht. Sie hintergehen die Regierung und verwirren die legalen Gerichte in zweifacher Weise, indem sie sagen: "Die Risale-i Nur und ihre Schüler missbrauchen den Glauben zu politischen Zwecken, und es besteht die Möglichkeit, dass sie die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Gefahr bringen."
Oh ihr Unglückseligen! Die Risale-i Nur steht in gar keiner Verbindung mit der Politik. Aber seitdem sie den absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)zerstört hat, vernichtet sie auch jede Form von Anarchie (d.h. den Aufstand der Massen), der diesem absoluten Unglauben den Nährboden gibt, ebenso
wie jede Form von Despotie, die ihn von oben beschirmt und weist sie zurück. Einer unter Hunderten von Beweisen dafür, dass sie ein Garant der öffentlichen Ordnung und Sicherheit ist, für Freiheit und Gerechtigkeit, ist "Die Frucht-Abhandlung", (eine Abhandlung über die Frucht des Glaubens) die zugleich auch ihre Verteidigungsschrift ist. Sie sollte von einem Komitee hervorragender Gelehrter unter allen Theologen und Soziologen sorgfältig untersucht werden. Wenn diese nicht bestätigen, was ich gesagt habe, will ich mit jeglicher Art, ja selbst noch einer hochnotpeinlichen Bestrafung zufrieden sein!
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Reis Beyefendi
Ehrenwerter Herr Vorsitzender!
Es wurden drei Punkte der Anklage zugrunde gelegt:
Erstens:
Die Vereinigung. Ich rufe alle Schüler der Risale-i Nur und all die übrigen, die mir bisher begegnet sind, und all diejenigen, welche die Risale-i Nur bisher gelesen oder auch abgeschrieben haben, zu Zeugen auf: Sie mögen sie befragen. Ich habe niemals zu irgendwem gesagt: "Wir werden eine Organisation im politischen Sinne oder eine Organisation im Sinne der Naqshis aufrichten." Was ich hingegen immer gesagt habe, ist folgendes: "Wir werden uns immer darum bemühen, unseren Glauben zu retten."
Da neben dieser heiligen Gemeinschaft des Islam, die alle Gläubigen mit einschließt und mehr als dreihundert Millionen Mitglieder zählt, unter uns niemals irgendetwas anderes ein Gesprächsthema war, und da sie im Qur'an als Gefolgschaft Gottes (Hisbu'llah)bezeichnet wird und
da alle Gläubigen selbst bereits eine Bruderschaft sind, finden wir uns um unseres Dienstes am Qur'an willen in unserem Kreis als die Gefolgschaft des Qur'an, die Gefolgschaft Gottes (Hisbu'llah)wieder. Wenn es dies sein sollte, weswegen wir angeklagt worden sind, so gestehen wir dies von ganzem Herzen! Und wir sind stolz (kemal-i iftikhar)darauf! Sollte irgendetwas anderes damit gemeint sein, so haben wir nichts damit zu tun!
Zweitens:
Wie bereits im (ersten) Gerichtsurteil festgestellt und in dem Bericht der Polizei von Kastamonu bestätigt worden war, hatte man einige Bücher, wie die Abhandlung über die islamische Kleidung (Tesettür Risalesi)und die Sechs Listen des Teufels (Hüdjumat-i Sitte)mit einem Anhang dazu und ähnliche Schriften zu einem Teil in zugenagelten Kisten gefunden, zu einem anderen Teil unter Brennholz und Kohle, in einem Zustand, der es in gar keiner Weise gestatten würde, veröffentlicht zu werden. Der Gerichtshof in Eskishehir hatte sie kritisch behandelt und genau untersucht und danach auf eine nur leichte Bestrafung erkannt. So haben wir (die ganze Sache) als eine ausschließlich private (mahrem)Angelegenheit betrachtet. Nun will (das Gericht in Denizli) in einige Sätze eine verkehrte Auslegung hinein lesen, uns wiederum neun Jahre zurückführen und uns abermals die Verantwortung für ein Verbrechen aufhalsen, für das wir aber die Strafe bereits verbüßt hatten.
Drittens:
An einigen Stellen in dem (jetzigen) Gerichtsbeschluss wurden an Stelle realer Vorkommnisse bloße Wahrscheinlichkeiten, wie: "Er könnte die Sicherheit des Staates gefährden, oder wäre möglicherweise dazu im Stande." angeführt. Nun könnte da aber jeder irgendeinen Mord begehen. Doch könnte man ihn denn lediglich auf eine bloße Wahrscheinlichkeit hin schon zur Rechenschaft ziehen?
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Reis Beyefendi
Ehrenwerter Herr Vorsitzender!
Hiermit überreiche ich Ihnen meine Verteidigungsschrift. Ich habe sie in Form einer Petition abgefasst und schicke sie an die Regierungsabteilung in Ankara und ihren Präsidenten, zusammen mit dem Bescheid aus dem Büro des Premierministers, welcher zeigt, dass ihre Bedeutsamkeit anerkannt worden ist. In dieser Verteidigungsschrift mit enthalten sind die bestimmenden Antworten auf die unbegründeten, aggressiven Beschuldigungen, die der Öffentliche Ankläger gegen uns erhoben hat. Es gibt da einige unwahre und unlogische Dinge in dem Bericht des Komitees hiesiger Sachverständiger, welche auf oberflächlichen und bösartigen Berichten von anderswoher basieren. Mein Einspruch dagegen wurde gleichfalls vorgelegt.
Zusammenfassung:
Wie ich Ihnen bereits zuvor dargelegt hatte, habe ich dem Gerichtshof in Eskishehir, als sie mich damals nach Artikel 163 verurteilen wollten, mitgeteilt: von zweihundert Abgeordneten der Regierung der Republik stimmte die gleiche Anzahl, nämlich 163 Abgeordnete damit überein, 150.000 Lira an meine Medresse in Van zu überweisen. Aufgrund dessen hat die Regierung der Republik, die mich damals in Gewahrsam hielt, erklärt, dass dieser Artikel 163, insoweit er meine Person betrifft, nicht anzuwenden sei. Obwohl ich dies dem Gerichtshof bereits mitgeteilt habe, hat das Komitee der Sachverständigen entstellt, was ich gesagt hatte, und schrieb stattdessen: "163 der Abgeordneten haben ein Verfahren gegen Said eröffnet." Es ist aufgrund dieser völlig haltlosen Anschuldigungen dieses ersten Komitees von Sachverständigen, dass der Öffentliche Ankläger uns nun zur Rechenschaft ziehen will. Und dies
geschieht im Gegensatz zu der Tatsache, dass die Risale-i Nur bereits auf Ihre Entscheidung hin den höchsten Gelehrten eines Komitees von Wissenschaftlern vorgelegt worden ist. Nach einer gründlichen Behandlung und eingehenden Untersuchung ihrer Teile hat dieses Komitee die folgende Erklärung über uns abgegeben: "In den Schriften von Said und den Schülern der Risale-i Nur findet sich nichts, was ausdrücklich oder auch nur andeutungsweise darauf schließen ließe, dass sie irgendeine Absicht hätten, den Glauben oder irgendeine religiöse Angelegenheit für ihre eigenen Zwecke zu missbrauchen, die Staatssicherheit zu gefährden, eine politische Partei zu gründen, oder in irgendeiner Weise gegen die Regierung zu konspirieren. Daraus wird verständlich, dass Saids Schüler in ihrem Briefwechsel keineswegs irgendwelche üblen Absichten gegen die Regierung nähren, die Absicht hätten, eine politische Partei zu gründen oder irgendeinen Sufi-Orden aufzurichten."
Ferner hat auch (ein weiteres) Komitee von Sachverständigen einstimmig erklärt, dass "neunzig Prozent von Saids Abhandlungen sowohl aufrichtig als auch uneigennützig sind und in keiner Weise von den Grundsätzen der Wissenschaft, der Kenntnis der Wahrheit und des Glaubens abweichen. Es gibt da deutlich nichts in ihnen, was auf einen Missbrauch der Religion hindeuten, die Gründung einer politischen Partei betreffen würde oder die öffentliche Sicherheit gefährden könnte. Die (vorgefundenen) Briefe, also die Korrespondenz der Schüler untereinander, sowie auch die mit Said Nursi sind von der (oben dargestellten) Art. Mit Ausnahme von fünf oder zehn vertraulich (mahrem)gehaltenen Abhandlungen (risalah),Beschwerdebriefen oder Abhandlungen außerhalb des wissenschaftlichen Rahmens befassen sich alle Abhandlungen mit Versen aus dem Qur'an oder den Wahrheiten der ehrwürdigen Hadithe. Neunzig Prozent der aufgefundenen Abhandlungen bestehen aus Vergleichen, welche ganz klar die Grundsätze des Glaubens an Gott und Seine
Propheten darstellen, ferner das Jenseits, aber auch die Terminologie, Lehrmeinungen, Ethik und Moral, sowie Ermahnungen für Ältere und Jüngere, für die Jugend und zudem einige Ereignisse ausgewählt aus seinen Lebenserfahrungen. Das alles aber enthält nichts, was dem Staat schaden könnte, seiner Regierung, seiner Verwaltung oder gar der öffentlichen Sicherheit."
So hat denn der Öffentliche Ankläger den Bericht dieses hohen Komitees ignoriert und stattdessen außerordentliche Anklagen gegen uns erhoben, die auf dem verworrenen, fehlerhaften ersten Bericht fußen, worüber wir denn nun wirklich sehr betroffen sind. Wir glauben, dass dies in keiner Weise passend ist für einen Gerichtshof, der dafür bekannt ist, recht und billig zu verfahren. Es erinnert dies, insoweit dieser Vergleich nicht unpassend erscheint, an den folgenden Vorfall:
Ein Bektashi-(Derwisch) wurde einmal gefragt: "Warum betest du nicht?" Der aber antwortete: "Es steht im Qur'an:
لاَ تَقْرَبُوا الصَّلٰوةَ
{"Nähert euch nicht dem Gebet!"(Sure 4, 43)}
Als man ihm aber entgegnete, er solle auch den Schluss der Ayah وَ اَنْتُمْ سُكَارٰى {"...wenn ihr trunken seid."} lesen, wandte er dagegen ein: "Ja, ich bin doch kein Hafidh!"{Das heißt: "Ich kann doch nicht den ganzen Qur'an auswendig!" (A.d.Ü.)}
Sie nehmen also einen einzelnen Satz aus der Risale-i Nur heraus, achten nicht weiter darauf, was ihm folgt, ihn in den rechten Zusammenhang stellt und ihn erklärt, sondern verwenden ihn dann in dieser Form gegen uns. Dreißig,
vierzig Beispiele dafür lassen sich, vergleicht man sie mit der Anklageschrift, in der Verteidigungsschrift finden, die ich vorlegen werde. Ich will hier nur einen subtilen Vorfall darlegen, der eines dieser Beispiele beleuchtet:
Der Öffentliche Ankläger des Gerichtshofes in Eskishehir gebraucht fälschlicherweise einen Ausdruck aus der Risale-i Nur, über die Unterweisung (ders)im Glauben, der gleichsam besagt: "Sie verdirbt das Volk." Und wenn er auch diesen Ausdruck später nicht mehr verwendet, so sagte doch einer der Schüler der Risale-i Nur mit Namen Abdurrezzaq ein Jahr nach diesem Urteilsspruch:
"Du Unglückseliger! Die Risale-i Nur hat indirekt die Lobpreisungen von dreiunddreißig Ayat empfangen und ihr Wert für den Glauben wurde danach durch drei wunderbare Voraussagen von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und die machtvollen Verkündigungen aus dem Unsichtbaren von Scheich Geylani (möge Gott seine Geheimnisse heiligen) bestätigt. In den letzten zwanzig Jahren hat sie der Regierung auch nicht den geringsten Schaden zugefügt, und, außer dass sie dabei noch nie jemanden verletzt hat, hat sie doch Tausende Söhne dieses Landes erleuchtet und rechtgeleitet. Dennoch nennst du diese Rechtleitung ein Verderben und eine Irreleitung. Ja, fürchtest du dich denn überhaupt nicht mehr vor Gott!? Möge dir deine Zunge verdorren!"
Obwohl nun der öffentliche Ankläger diese durchaus berechtigten Worte des Schülers gelesen hat, möchte ich doch die von ihm gemachte Aussage: "Said hat in seiner Umgebung großes Unheil angerichtet." der Rechtmäßigkeit und Billigkeit Ihres Urteilsvermögens empfehlen.
In dem Gedanken, in die sozialen Lehren (ders)der Risale-i Nur eingreifen zu können, sagte der Öffentliche Ankläger: "Der Platz für den Glauben ist das Gewissen. Es kann nicht an Gesetze und Vorschriften gebunden werden. Es gab da früher einmal Unruhen, weil er an Gesetze gebunden war." Deswegen sage ich: "Religion besteht
nicht nur aus dem Glauben allein. Seine zweite Hälfte ist das rechtmäßige Handeln. Genügt es etwa schon, wenn die Furcht, eingesperrt oder von einem Geheimagenten beobachtet zu werden, die Menschen daran zu hindern, eine ganze Reihe schwerer Sünden zu begehen, welche die Gesellschaft vergiften, wie Mord (qatl),alle Arten außerehelicher Beziehungen (zina),Diebstahl, Spiel und Trunk? Wenn das so wäre, müsste ständig ein Polizist oder Geheimagent in jedem Haus oder sogar neben jedem einzelnen stehen, damit eine jede Seele in ihrer Begehrlichkeit sich vor derartigem Unrat zurückhielte. Währenddessen die Risale-i Nur einem jeden auf die Dauer aus dem Glauben heraus eine Art geistigen Wächter hinsichtlich seiner guten Werke (amel-i salih noktasinda)gleichsam in den Kopf setzt. Der bewahrt ihn dadurch, dass er ihm (beständig) den höllischen Kerker und den Zorn Gottes (ghadab-i Ilahiye)in Erinnerung ruft, und bewahrt ihn mit Leichtigkeit vor allem Bösen."
Des Weiteren gab der Öffentliche Ankläger infolge der Unterschrift unter einer der Abhandlungen (risalah),die eine schöne und ganz besonders wunderbare Übereinstimmung aufweisen, einen sinnlosen Hinweis, indem er sagte, es sei hier von einem "Mitglied einer Organisation" die Rede. Ja, nennt man denn aufgrund solcher Unterschriften von Kaufleuten und Gastwirten in deren Geschäftsbüchern (solche Leute) etwa Mitglieder einer Organisation?! Es ist aber in Eskishehir schon ein Mal ein derartiger Verdacht aufgetaucht. Als ich dem entgegnete und dabei auf die "Abhandlung über die Wunder Mohammeds" hinwies, waren sie sehr erstaunt. Wären wir eine weltliche Organisation, wären diejenigen, die meinetwegen so viel Leid erfahren hatten, sich in völligem Abscheu vor mir davon gelaufen. Das aber heißt, dass genau so wie ich und wir alle in der Weise mit Imam Ghasali verbunden sind, dass (unser Bund) nicht gebrochen werden kann, weil er um des Jenseits (akhira)willen geschlossen wurde und nicht in Hinsicht auf das Diesseits (dunya).Deshalb auch haben diese frommen, reinen und
unschuldigen, religiös gesinnten Leute einem so armseligen Menschen wie mir um seiner Unterweisung im Glauben willen eine so machtvolle Anhänglichkeit bezeigt. Das aber hat den Anlass zu derartig hohlen und absurden Verdächtigungen gegeben, eine politische Organisation zu sein.
Mein letztes Wort:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser bester Anwalt."}
Der Gefangene in Isolationshaft
Said Nursi
* * *
Der folgende Abschnitt ist von besonderer Bedeutung
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ein bedeutungsvoller Absatz im letzten Wort
Meine Herren! Herr Präsident! Geben Sie einmal Acht! Da eine Verurteilung der Risale-i Nur und ihrer Schüler darauf hinaus laufen würde, die Wahrheit des Qur'an und den Glauben (iman)selbst zu verurteilen, käme dies dem Versuch gleich - in unmittelbarer Folge eines völligen Unglaubens - jene Hochstraße (djadde-i kubra)zu sperren, auf der seit eintausend dreihundert Jahren dreihundert Millionen Muslime fahren und die zur Wahrheit und Glückseligkeit beider Welten führt. Damit aber werden Sie sich deren Abscheu und Protest zuziehen. Denn diejenigen, welche (heute) auf dieser Hochstraße kommen und gehen, unterstützen durch ihre Gebete (dua)und guten Werke (hasanat)diejenigen, die (vor ihnen hier vorüber) gekommen und gegangen sind. (Diese Verurteilung) würde zugleich
auch wie eine Art Weltuntergang auf das Haupt dieses gesegneten Landes herabkommen. Was für eine Antwort wollen Sie denn am Tage des Jüngsten Gerichtes geben, wenn Sie im Angesicht von dreihundert Millionen (Menschen, die Sie) anklagen, gefragt werden: "Sie haben sich nicht um das französische Werk eines Dr. Dozy, mit dem Titel: "Die Geschichte des Islam" gekümmert, das vom Anfang bis zum Ende den Islam angreift, Ihr Land und seinen Glauben, noch um die Arbeit der Atheisten in Ihren Bibliotheken, auch nicht, dass sie dort frei zugänglich sind, noch um die Schüler derartiger Bücher, die sich zu illegalen Vereinigungen zusammengeschlossen haben, noch um die Vereinigungen, die sich Ihrer Politik entgegengestellt haben, die Kommunisten, die Anarchisten und all die anderen revolutionären Vereinigungen, noch um die nationaltürkische Bewegung (Turandji) im negativen Sinne. Warum also sind Sie dann den Lesern eines Werkes der Wahrheit und Gerechtigkeit, wie der Risale-i Nur, einem wahrhaften Kommentar des Qur'an und seinen Schülern lästig gefallen, die doch gar keine Verbindung zur Politik, welcher Art auch immer, haben und die Hohe Straße (djadde-i kubra)des Qur'an und des Glaubens wandeln, einzig und allein um sich und ihre Mitbürger vor einer Hinrichtung für ewig und ihrer Isolationshaft (im Grabe) zu retten? Und warum haben Sie dann die Freundschaft und Bruderschaft dieser aufrichtigen, religiösen Menschen, die sich nur um das Jenseits bekümmern, eine politische Vereinigung genannt? Sie haben sie nun unter einem bizarren Gesetz angeklagt. Und genau das war es, was Sie gewollt haben." Auch wir wollen Sie hier genau das gleiche fragen. Unsere Gegner, die Atheisten und alle Heuchler betrügen Sie, führen das Gericht in die Irre und veranlassen die Regierung dazu, sich in einer Weise mit uns zu beschäftigen, die dem Volk schadet, indem sie einer völligen Unterdrückung das Etikett einer "Republik" aufkleben, eine alles umfassende Apostasie zur Staatsform erheben, eine schrankenlose Freizügigkeit (sefehat-i mutlaq)als "Zivilisation"
deklarieren, die Unterdrückung (djebr)atheistischer Willkür als "Gesetz" bezeichnen. So werden Sie von ihnen in die Irre geführt. Auf diese Weise beschäftigen sie die Regierung, führen uns ins Elend und teilen so zugunsten fremdländischer Mächte Schläge aus gegen die islamische Herrschaft, gegen das Volk und sein Land.
Meine Herren! So wie dies bereits durch die vier schweren Erdbeben in vier aufeinander folgenden Jahren angezeigt worden ist, und zwar ganz genau im Zusammenhang mit vier schweren Verfolgungen von Schülern der Risale-i Nur und ihrer brutalen Behandlung, und die genau zu der Zeit einsetzten, als sich Ihre Angriffe (wieder einmal gegen) diese Schüler richteten und wieder aufhörten, wenn auch die Verfolgungen aufhörten, so sind Sie auch für diese himmlischen wie irdischen Katastrophen verantwortlich, die sich ereignet haben, während wir eingekerkert waren!...
im Gefängnis von Denizli in Einzelhaft und völliger Isolation eingekerkerte Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Ein weiterer Teil meines letzen Wortes
Meine Herren!
Obwohl ich das öffentliche Leben von heute nicht kenne, hatte doch das Komitee der Sachverständigen in Ankara unsere so sicheren und dermaßen bestimmten Antworten auf die Anklageerhebung wegen der Bildung einer politischen Vereinigung, bestätigt, die Sie als einen Vorwand zu unserer Verurteilung so nachdrücklich nach vorne geschoben und über die Sie entschieden haben, als könne man sie von dem Weg ableiten, den der Öffentliche
Ankläger eingeschlagen hatte. Während ich also noch überrascht und erstaunt darüber bin, dass Sie dermaßen auf diesen Punkt bestehen, entsteht nun in meinem Herzen die folgende Vorstellung: da nun einmal Freundschaft, brüderliche Vereinigungen und Versammlungen und aufrechte Verbindungen, soweit sie das Jenseits und die Brüderlichkeit betreffen, jede für sich sowohl der Grundstein sozialen Lebens und ein essentielles Bedürfnis der menschlichen Natur (fitrat-i besher)sind und ein Band (rabita)von großer Kraft, das bedeutendste unter den Menschen, angefangen vom Leben in der Familie, unter den Völkerstämmen, den Nationen, im Islam und in der ganzen Menschheit, ein Stützpunkt (nokta-i istinad)und ein Trost angesichts aller Mühsal, die das spirituelle (manevi)wie das materielle Leben verursacht und die Wurzel allen Schmerzes und aller Betroffenheit ist, die einem jeden einzelnen Menschen in der Welt begegnet und mit der er allein nicht fertig werden kann und die ihn daran hindert, seine Pflichten als Mensch und als Muslim zu erfüllen. Und da es nun einmal Leute gibt, die eine Zusammenkunft von Schülern der Risale-i Nur um der Lehren des Glaubens willen, was an und für sich höchst lobenswert und (ein Akt) der reinen Freundschaft rund um diese Lehren des Glaubens und des Qur'an ist und zur Glückseligkeit in dieser Welt, im Glaubensleben und im jenseitigen Leben führt und (nichts als) Kameradschaft auf dem Weg zur Wahrheit ist und eine (bloße) Zusammenarbeit, eine "politische Vereinigung" nennen, obwohl dies mit "Politik" gar nichts zu tun hat, so sind sie sicherlich und ohne allen Zweifel entweder auf eine ganz schlimme Weise betrogen worden, oder aber sie sind äußerst bösartige Anarchisten, die sowohl barbarische Feinde der Menschheit sind und nach der Art eines Nimrod Feinde des Islam und hegen Feindschaft gegenüber der Gemeinschaft in einer äußerst korrupten und entarteten Form von Anarchie und arbeiten als engstirnige und verbohrte Renegaten gegen dieses Land und sein Volk, die Souveränität des Islam und alle seine geheiligten
Kennzeichen und Merkmale, oder sie sind wahre Teufel von Atheisten, die im Sinne fremdländischer Mächte daran arbeiten, die Lebensader dieser Nation zu zerstören. Sie betrügen die Regierung und bringen zugleich das gesamte Justizwesen in Verwirrung, indem sie unsere geistigen Waffen, die wir bis jetzt gegen den Teufel (in Menschengestalt, seine) Pharaonen und Anarchisten gerichtet haben, nun gegen uns verwenden, um unsere Brüder zugrunde zu richten und unser Land zu zerstören.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
Meine Herren!
Mit Ihrem Einverständnis möchte ich an Sie, und zwar offensichtlich in Ihrer Gegenwart, einige Worte richten, doch in Wirklichkeit an das geheime Komitee des Verderbens, welches im Gedanken an den Untergang viele Formen annimmt und in der Absicht, das Volk im Namen des Unglaubens und des Atheismus und im Interesse fremdländischer Mächte zugrunde zu richten seit dreißig, vierzig Jahren jede Gelegenheit ergriffen hat, den Qur'an und die Glaubenswahrheiten anzugreifen, aber auch an diese entmenschten, hirnlosen Beamten, hinter denen sie sich in dieser Angelegenheit wie hinter einem Vorhang verstecken, und auch an die Propagandisten (ihrer Interessen), die als Muslime verkleidet, diesen Gerichtshof in Verwirrung gebracht haben.
(Der Beschluss, uns bereits am folgenden Tag wieder zu entlassen, bewirkte, dass diese flammende Zusprache zurückgestellt wurde.)
Der in Einzelhaft und völliger Isolation eingekerkerte Gefangene
Said Nursi
* * *
Eine wahrheitsgetreue Antwort auf eine wichtige Frage:
Einige hochrangige Beamte haben mich gefragt: "Warum hast du nicht das Angebot von Mustafa Kemal angenommen, für ein Gehalt von dreihundert Lira anstelle von Scheich Sinusi das oberste Amt eines Predigers in Kurdistan und den östlichen Provinzen anzunehmen? Hättest du es angenommen, so hättest du auch veranlassen können, dass das Leben von hunderttausend Menschen gespart geblieben wäre, die dann während der Revolution ums Leben gekommen sind."
Ich gab ihnen zur Antwort:
"Die Risale-i Nur, die für Hunderttausende unserer Landsleute der Weg war, auf dem sie für Millionen Jahre ein Leben im Jenseits gewinnen konnten, hat diese Aufgabe mehr als tausendmal erfüllt, und das anstelle eines weltlichen Lebens von zwanzig, dreißig Jahren, das ich nicht für diese Leute gewinnen konnte. Hätte ich dieses Angebot angenommen, wäre die Risale-i, die für nichts ein Werkzeug ist und niemandem unterstellt ist und das Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirr-i ikhlas)umfasst, nicht zustande gekommen. Ich habe sogar meinen ehrenwerten Brüdern im Gefängnis gesagt: wenn diejenigen, die mich, nachdem sie eine schallenden Ohrfeige durch die Risale-i Nur, die nach Ankara geschickt worden war, bekommen hatten, dazu verurteilt haben, hingerichtet zu werden, ihren Glauben mit Hilfe der Risale-i Nur retten werden und davor bewahrt werden, auf ewig hingerichtet zu werden, so sollt ihr meine Zeugen sein, dass ich ihnen von ganzem Herzen und ganzer Seele (ruh)vergeben (helal)werde!
Ich habe denjenigen, die mich nach unserem Freispruch in Denizli weiterhin verfolgt, belästigt und überwacht haben, den hochrangigen Beamten, dem Chef und den Inspektoren der Polizei gesagt: Es ist ein nicht zu leugnendes Wunder der Risale-i Nur, dass während einer neun Monate langen Untersuchungshaft bei Tausenden ihrer Schüler, in Hunderten von Abhandlungen und Briefen, während zwanzig Jahren meines Lebens in der Verfolgung
keine Dokumente über irgendwelche Verbindungen mit irgendwelchen Organisationen oder sonstigen Vereinigungen irgendwelcher Art im Inland oder im Ausland gefunden werden konnten. Ja konnte denn eine derartige Situation durch irgendwelche Überlegungen oder das Ergreifen irgendwelcher Maßnahmen zustande gebracht werden? Wenn die privaten Belange eines Menschen über eine Anzahl von Jahren ans Licht gebracht werden, so finden sich darunter sicherlich zwanzig verschiedene Vorkommnisse, mit denen man ihn hätte in Verlegenheit bringen oder für die man ihn hätte zur Verantwortung ziehen können. Da dies aber nun einmal so ist, werdet ihr entweder sagen: "Irgendein besonders brillanter, geradezu unbesiegbarer Genius schmiedet hier seine Pläne." Oder aber ihr müsst zugeben: "Dies ist ein ganz besonders gnadenreicher Schutz Gottes (hifdh-i Ilahi)."Und es wäre sicherlich ein Fehler, einen derartigen Genius bekämpfen zu wollen, und auch ein großer Schaden für Volk und Land. Sich aber einem derartigen Schutz Gottes und der Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)widersetzen zu wollen, käme der Verstocktheit eines Pharao gleich.
Wollten sie aber sagen:
"Wenn wir dich jetzt frei ließen und dich nicht weiter überwachen und unter Kuratel stellen würden, würdest du mit deinen Lehren und mit deinen geheimsinnigen (Machenschaften) im Verborgenen noch die ganze Gesellschaft anstecken."
So antworte ich ihnen:
Alle meine Lehren sind ohne Ausnahme auch durch die Hände der Regierung und des Justizwesens gegangen und man hat nicht ein einziges Vorkommnis entdecken können, für das man auch nur einen Tag Strafe hätte fordern können. Vierzig, fünfzig Tausend Kopien dieser Lehren sind von Hand zu Hand gegangen. Doch obwohl sie aufmerksam und mit großem Interesse untersucht wurden, haben ihre Leser nur davon profitiert und keinem von ihnen wurde dadurch irgendein Schaden zugefügt. Da aber nun weder der vorige noch der jetzige Gerichtshof irgendwelche indizierbare Verstöße
registrieren konnte, ist es nun eine abscheuliche, sinn- und grundlose Ungerechtigkeit von Ihnen, gegen unseren Freispruch in Berufung zu gehen, der doch von dem neuen Gerichtshof einstimmig garantiert worden ist, mir gegenüber und gegen die Risale-i Nur, wie dies ja auch schon von dem früheren Gerichtshof mit Bestimmtheit bewiesen worden ist, der nur Urteile von 6 Monaten für 15 unter 120 meiner Brüder fällen konnte, die damals eingekerkert waren, und das rein willkürlich, aufgrund von 5 oder 10 indizierten Worten in 130 Abhandlungen und zugunsten einer Persönlichkeit, die in den Augen der Welt von besonderer Bedeutung ist. Des Weiteren habe ich keine neuen Lehren und keines meiner Geheimnisse ist verborgen geblieben, sodass sie es mir durch eine Überwachung entlocken könnten.
Nun aber brauche ich sehr meine Freiheit. Nachdem man mich zwanzig Jahre lang einer völlig unnötigen, ungerechten und sinnlosen Überwachung unterworfen hat, ist es nun endlich genug! Meine Geduld ist erschöpft. Es wäre möglich, dass ich jetzt in der Schwäche meines Alters alle die Flüche (beddua)äußern könnte, vor denen ich mich bis jetzt zurückgehalten habe. "Die Seufzer der Unterdrückten steigen auf zu Gottes Thron." ist eine machtvolle Wahrheit.
Später dann sagten diese Despoten, welche in den Augen der Welt so hohe Plätze einnehmen:
"Nicht ein Mal in zwanzig Jahren hast du eine unserer Kopfbedeckungen getragen. Nie hast du entblößten Hauptes vor einem der früheren Gerichtshöfe noch vor dem jetzigen Gerichtshof gestanden. Du hast dich uns stets in deiner alten Kostümierung präsentiert. Stattdessen haben siebzehn Millionen moderne Kleidung angelegt."
Ich aber antwortete ihnen:
Statt mich von der Schariah zu dispensieren und nun unter dem Zwang der Gesetze die Kleidung von nicht siebzehn Millionen, oder auch nur sieben Millionen Menschen zu tragen, sondern die von nur sieben Tausend
in die Europäer vernarrter Trunkenbolde, ziehe ich es vor, in Übereinstimmung mit der Schariah und aus Furcht vor Gott (taqwa)die Kleidung von siebenhundert Millionen (Muslimen)zu tragen. Man sollte nicht von einem Mann wie mir, der sich seit 25 Jahren vom öffentlichen Leben zurückgezogen hat, sagen: "Er ist verstockt (inad)und widersetzt sich (mukhalif)uns." Und selbst wenn es meine Verbohrtheit (inad)wäre, und selbst Mustafa Kemal konnte (den Alten Said in seiner Verbohrtheit) nicht brechen, und zwei Gerichtshöfe konnten sie nicht brechen, und die Verwaltungshöfe dreier Provinzen konnten ihn darin nicht zerstören: wer bist dann du, dass du dich darum bemühst, mir diese Verstocktheit zum Schaden der ganzen Nation und ihrer Regierung auszutreiben?! Selbst sollte er ein politischer Gegner gewesen sein, so hat er doch, wie du es selbst bestätigt hast, in diesen letzten zwanzig Jahren alle Verbindungen zur Welt abgebrochen; und du wirst ihn nicht wieder zum Leben erwecken, nachdem er nun gleichsam seit 20 Jahren (für die Welt) gestorben ist, und sich selbst einen solchen Tort antun, sich wiederum nutzlos ins politische Leben zu verwickeln und weiter gegen euch anzukämpfen. Es gleicht daher eher einer Geisteskrankheit, ihn eines politischen Widerstandes verdächtigen zu wollen. Da es aber einer Geisteskrankheit gleich kommt, mit geistig gestörten ernsthaft reden zu wollen, gebe ich es auf, mit Ihresgleichen noch weiter zu verhandeln. "Was immer Ihr unternehmen wollt," so habe ich gesagt, "ich fühle mich Ihnen gegenüber zu nichts verpflichtet.", was sie sowohl verärgert, als auch letztendlich zum Schweigen gebracht hat. Mein letztes Wort ist:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَ هُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und der beste Anwalt." (Sure 3, 173) "Gott ist mein befriedigender Anteil. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones." (9, 129)}
Was ich in meiner letzten kurzen Verteidigungsrede gesagt habe:
Was uns die Risale-i Nur über die Liebe (shefqat),das Gewissen, Wahrhaftigkeit (haqq)und Wirklichkeit (haqiqat)lehrt, hält uns von der Politik ab. Denn Unschuldige stürzen ins Unglück (bela).Wir aber würden ihnen gegenüber ungerecht sein. Einige Leute wollten dafür eine Erklärung hören. Ich sagte ihnen:
In unserem stürmischen Jahrhundert haben Rassismus und Egoismus, wie er aus der Grausamkeit der Kolonialmächte erwuchs, und die Militärdiktaturen, die aus dem letzten Weltkrieg hervorgegangen sind, und eine Gnadenlosigkeit (merhametsiz)als Folge der Irreleitung zu einer so außergewöhnlichen Ungerechtigkeit und zu einer so außergewöhnlichen Tyrannei geführt, dass, wollten die Leute der Wahrheit ihre Rechte mit physischer Gewalt verteidigen, oder mit einer außergewöhnlichen Ungerechtigkeit, würden viele Unglückliche unter dem Vorwand, Partisanen zu sein, verbrannt werden; und in dieser Lage werden auch sie höchst ungerecht sein und besiegt werden. Denn diejenigen, welche aus den obigen Gefühlen heraus reagieren, werden unter irgendeinem primitiven Vorwand für die Fehler von ein, zwei Leuten zwanzig, dreißig schlagen und sie vernichten. Wenn aber die Leute der Wahrheit auf dem Wege von Recht und Gerechtigkeit nur den schlagen, der schlug, so besiegen sie nur den einen angesichts des Verlustes von dreißig und befinden sich so in der Position des Unterlegenen. Wollten aber die Leute der Wahrheit in Übereinstimmung mit dem ungerechten Gesetz der Vergeltung mit Gleichem gleichfalls zwanzig, dreißig Leute an die Wand stellen für ein oder zwei, die verkehrt gehandelt haben, so begingen sie im Namen der Gerechtigkeit eine fürchterliche Ungerechtigkeit.
So ist denn dies nun die Wahrheit und Weisheit und der Grund dafür, dass wir es auf Weisung des Qur'an stets mit solchem Nachdruck, ja Abscheu vermieden haben, uns um die Politik zu kümmern und in die Regierungsgeschäfte
einzumischen. Denn die Macht (quvvet)der Wahrheit (haqq),über die wir verfügen, ist von der Art, dass wir unser Recht (haqq)ohne jede Einschränkung hätten verteidigen können. Da aber ein jedes Ding unbeständig und vergänglich ist und der Tod nicht stirbt und das Tor des Grabes sich nicht schließt, doch Leid (zahmet)sich in Barmherzigkeit (rahmet)umwandelt, werden wir sicherlich mit Geduld und in Dankbarkeit auf Gott vertrauen und schweigen. Dieses Schweigen aber unter Zwang und Druck zu brechen wäre der Einsicht in die Gerechtigkeit, dem Eifer für das Land und der Hingabe für das Volk ganz und gar konträr und entgegengesetzt.
Zusammenfassung:
Die Mitglieder der Regierung, die Politiker, die Verwaltungsbeamten, die Aufsichtsbeamten, die Polizei und die Organe der Justiz haben nichts, weswegen sie mit uns in Streit geraten sollten. Es könnte höchstens so sein, dass einige versteckte Atheisten in ihrem völligen Unglauben (kufr-u mutlaq),den keine Regierung der Welt verteidigen könnte und der keinem verständigen Kopf irgendeines Menschen willkommen sein dürfte, und in ihrer fanatischen Glaubenslosigkeit, der aus ihrem Materialismus erwächst und eine fürchterliche Seuche für die Menschheit ist, und in ihrer Bosheit eine gewisse Anzahl von Regierungsbeamten betrügen, sie zu Verdächtigungen aufstacheln und sie gegen uns aufhetzen. Wir aber sagen dagegen: selbst wenn sie nicht nur ein paar argwöhnische Leute sondern selbst die ganze Welt in dieser Weise gegen uns aufhetzten, würden wir in der Kraft (quvvet)des Qur'an und mit der Gnade Gottes (Allah'in inayet)nicht fliehen; wir würden unsere Waffen nicht vor dem völligen Unglauben dieser Renegaten und Agnostiker niederlegen!...
Said Nursi
Dreizehnter Strahl
Es sind dies höchst wertvolle, von Licht erfüllte Briefe, die Ustadh Said Nursi seinen Schülern schrieb. Diese aufrichtigen Briefe zeigen den glänzenden Kampf der Risale-i Nur in besonders glänzender Weise.
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Zur vergangenen Nacht der Bestimmung (leylatu-l'-qadr)und den kommenden Festtagen (Bayram Ramadan)gratuliere ich euch aus meinem ganzen Sein (maudjudiyet)heraus und vertraue euch der Einheit (birli)und dem Erbarmen Gottes (rahmet),des Erbarmers, des Allbarmherzigen (Djenab-i Erhamurrahimien)an. In Übereinstimmung mit dem Geheimnis (der Hadith)
مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ أَمِنَ مِنَ الكَدَرِ
{"Wer dem göttlichen Vorherwissen vertraut, bleibt von Sorgen verschont."}
sehe ich zwar nicht, dass ihr eines Trostes bedürftet, möchte euch aber dennoch sagen:
وَ اصْبِرْ لِحُكْمِ رَبِّكَ فَأِنَّكَ بِأَعْيُنِنَا وَ سَبِّحْ بِحَمْدِ رَبِّكَ
{"Erwarte nun in Geduld die Befehle deines Herrn! Denn fürwahr: wir haben dich stets vor unseren Augen! So lobe und preise nun deinen Herrn!" (Sure 52, 48)}
In der Bedeutung, auf die diese Ayah hinweist, habe ich gesehen, dass mir in ihr jegliche Tröstung gegeben wurde. Es ist dies wie folgt:
Während ich noch darüber nachdachte, die Welt zu vergessen und den Ramadan in aller Stille zu verbringen, ereignete
sich plötzlich dieser unvorhergesehene und ganz und gar über alles Erträgliche hinaus schreckliche Zwischenfall. Dennoch bezeuge ich, dass er sowohl für mich, als auch für die Risale-i Nur, als auch für euch und für unseren Ramadan, als auch für unsere Bruderschaft die reine Gnade (inayet)ist. Ich will hier nun nur zwei oder drei der großen Vorteile (faide)schildern, die er für mich selbst hat.
Erstens:
Eine geradezu ekstatische Ernsthaftigkeit und Einsatzbereitschaft, meine Zufluchtnahme und mein Flehen zu Gott ließen mich meine schwere Krankheit überwinden und (machten es mir möglich, mich auch) im Ramadan einzusetzen.
Zweitens:
Mein Wunsch, euch alle in diesem Jahr einmal wiederzusehen und mit euch beisammen zu sein, war besonders heftig. Auch nur einen von euch wiederzusehen und wieder einmal nach Isparta zu gehen, hätte ich jegliche Mühsal auf mich genommen.
Drittens:
Zudem änderten sich plötzlich auf eine ganz außerordentliche Weise alle diese schmerzlichen Zustände sowohl noch in Kastamonu, als auch schon auf dem Wege hierher, als jetzt auch hier (in Denizli). Im Gegensatz zu dem, was ich eigentlich erwartet und befürchtet hatte, wurde eine gnädige Hand sichtbar, was mich ausrufen lässt:
اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ
{"Das Gute liegt in dem, was Gott beschlossen hat."}
Was mich am meisten dazu brachte, mir dessen bewusst zu werden, war, dass Er selbst noch die gottvergessendsten und sogar diejenigen, die in dieser Welt auf den höchsten Rängen sitzen, dazu bringt, die Risale-i Nur mit größter Aufmerksamkeit zu lesen und so noch weitere Bereiche für die Eroberung (der Herzen) öffnet. Ich habe jedermanns Schmerzen und allen Kummer wie mein eigenes Leiden erlitten. Doch seitdem eine jede Plage hundert Verdienste (sevab)einer Stunde Dienst und Anbetung
auf Tausend erhöht, da ja im gesegneten Monat Ramadan eine jede Stunde so viel wie hundert Stunden entspricht, wurden mein Kummer und meine Sorge für Menschen, die so aufrichtig (ikhlas)sind wie ihr und die Lektionen der Risale-i Nur sorgfältig gelernt haben und nun wissen, dass die Welt flüchtig und vergänglich wie ein Marktplatz ist, und die alles um ihres Glaubens willen und für das Jenseits zum Opfer bringen, und die glauben, dass alle diese vorübergehenden Plagen in der Schule Josefs ewige Freude und Gewinn erbringen werden, seitdem wurden sie in Glückwünsche, in Lob und Anerkennung eurer Standhaftigkeit umgewandelt. So erklärte ich denn
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى كُلِّ حَالٍ سِوَى الْكُفْرِ وَ الضَّلاَلِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott für eine jegliche Gegebenheit, es sei denn (für den Zustand) des Unglaubens und des Irrtums."}
Ich bin nun der Meinung, dass es in dieser Hinsicht sowohl für mich selbst als auch für unsere Bruderschaft als auch für uns alle jetzt im Ramadan, wie auch für die Risale-i Nur so viele Vorzüge gibt, dass wir, würde nun der Schleier hinweggezogen, ausrufen würden: "Oh Herr! Dank sei Dir! Dieses göttliche Vorauswissen (qadr)und seine Bewahrheitung (qadha)sind für uns ein Geschenk Deiner Güte (inayet)!"
So tadelt denn nicht diejenigen, die all die Umstände zuwege gebracht haben. Diese so weitreichenden und so furchterregenden Pläne zu diesen unheilvollen Geschehnissen waren schon seit langem (für euch) vorbereitet. Doch innerlich sind wir ganz leicht darüber hinweg gekommen. Möge Gott es wollen, dass dies alles schnell vorüber geht. Nach dem Geheimnis der Ayah
عَسٰى أَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَ هُوَ خَيْرٌ لَكُمْ
{"Vielleicht ist euch etwas zuwider, und es ist doch gut für euch!" (2, 216)}
So seid also nicht betrübt!
Said Nursi
* * *
Meine lieben Brüder!
Ich bin sehr froh, wieder in eurer Nähe zu sein. In meiner Vorstellung unterhalte ich mich zuweilen mit euch und dann fühle ich mich dabei auch getröstet. Wisset, dass wenn es möglich wäre, ich es mir zur Ehre gereichen lassen, all eure Leiden mit Freuden auf mich zu nehmen. Euretwegen liebe ich Isparta und seine Umgebung bis hin zu seiner Erde und seinen Steinen. Ja ich sage sogar und werde das auch öffentlich erklären: sollte die Justizbehörde in Isparta mir irgendeine Strafe auferlegen, während irgendein anderer Bezirk mich freispräche, würde ich dennoch diese (Gegend) hier vorziehen.
Ich bin Isparta in der Tat in dreierlei Hinsicht verbunden. Ich kann es zwar geschichtlich nicht nachweisen, bin aber dennoch davon überzeugt, dass Saids in der Umgebung von Isparit (bei Bitlis) zur Welt gekommene Vorfahren von da hierher gekommen sind. Und die Stadt Isparta hat mir so treue Brüder geschenkt, dass ich glücklich wäre, für jeden von ihnen nicht nur Abdulmedjid und Abdurrahman, sondern auch Said zum Opfer zu bringen.
Ich vermute, dass es z.Zt. auf dem ganzen Erdenrund niemanden gibt, der sich in seinem Herzen, in seinem Geist, seinem Verstand weniger Leid zuzieht als die Schüler der Risale-i Nur. Denn Herz, Geist und Verstand ziehen sich im Lichte eines aufrechten Glaubens (iman-i tahqiq)kein Leid zu. Was körperliche Leiden (zahmet)betrifft, so wissen sie aus den Lehren der Risale-i Nur, dass sie sowohl vergänglich als auch ohne jede Bedeutung, zugleich aber verdienstvoll sind und ein Mittel, durch das sich der Dienst am Glauben in anderen Kanälen weiter fortentwickelt, weshalb sie ihnen mit Dankbarkeit und in Geduld begegnen. Sie beweisen durch ihren Gemütszustand, dass ein aufrechter Glaube (iman-i tahqiq)noch in dieser Welt eine Quelle der Glückseligkeit ist. So sagen sie in der Tat: "Lasst uns sehen, was unser Herr (Maula)tut. Was immer Er tut, ist wohlgetan." Deshalb bemühen sie sich standhaft (metin),diese vergängliche Mühsal (zahmet)in bleibende Labsal (rahmet)umzuwandeln.
Möge Gott der Erbarmer aller Barmherzigen (Djenab-i Erhamurrahimien)die Zahl derer, die ihnen gleichen vermehren und sie zu einer Quelle des Glückes und des Stolzes (sheref)für dieses Land machen und ihnen die ewige Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses schenken! Amen
Said Nursi
* * *
Meine lieben, ehrenwerten Brüder!
In Anbetracht dieses durch den Willen Gottes Wirklichkeit gewordenen Vorfalls (qader-i Ilahi)entsprechend der Gerechtigkeit Seines Vorauswissens (adalet-i qadr)hat ein Teil der neu (hinzugekommenen) Schüler versucht, mit der Risale-i Nur weltliche Geschäfte zu machen, was mit dem Geheimnis der Aufrichtigkeit (sirr-i ikhlas)nicht in Übereinstimmung zu bringen ist, sie aber statt dessen mit selbstsüchtigen Gegnern konfrontierte. Sie hatten von irgendwoher, weit weg von hier den "Fünften Strahl" erhalten, dessen Original ich fünfundzwanzig Jahre zuvor geschrieben hatte und wovon ich in den letzten acht Jahren nur zweimal eine Abschrift erhalten habe, die dann zu gleicher Zeit auch wieder verschwand. Doch erregte eine Anzahl eifersüchtiger Leute, wie z.B. dieser Pseudo-Hodja auf diese Weise den Verdacht der Justizbehörden. Zur gleichen Zeit wurde auch "Das Große Zeichen" ohne meine Zustimmung an Stelle des "Schlüssels zum Glauben" gedruckt, das doch mit den neuen Buchstaben hätte gedruckt werden sollen. Als die ersten Kopien hereinkamen, wurde dies der Regierung gemeldet und die beiden Angelegenheiten gerieten durcheinander. Man warf (uns vor), dass der "Fünfte Strahl" im Gegensatz zum Bürgerlichen Recht gedruckt worden sei, bauschten ein Körnchen (Wahrheit) zu hundert Kuppeln auf und steckten uns demzufolge ungerechterweise in dieses Haus für Asketen. Was jedoch göttliches Voraussehen (qader-i Ilahi)betrifft, so hat es uns zu unserem eigenen Besten hierher gebracht.
Wieder einmal rief es uns in die Schule Josefs, wo wir geheimnisvollerweise weit mehr an Verdiensten erwerben konnten als wir in alter Zeit in den damaligen Häusern der Asketen an Verdiensten hätten erwerben können, um hier eine komplette Lektion in Aufrichtigkeit (ikhlas)zu erhalten und unsere Verhaftung an weltliche Angelegenheiten zu mäßigen, die ja doch in Wirklichkeit wertlos sind.
Angesichts des unbegründeten Argwohns der Weltleute aber sagen wir:
"Der Siebente Strahl (= Das Große Zeichen)" handelt von seinem Anfang bis zu seinem Ende von Glaubensdingen. Man hat Sie also betrogen. (Diese Abhandlung) unterscheidet sich ganz und gar vom "Fünften Strahl", der stets strikt privat (mahrem)gehalten wurde und bei keiner der strengen Untersuchungen in meinem Besitz gefunden worden ist. Er wurde vor zwanzig Jahren abgefasst. Wir waren damals nicht damit einverstanden, dass er gedruckt, ja derzeit noch nicht einmal jemandem gezeigt werde. Er ist eine Nachricht aus dem Verborgenen, die sich jetzt als richtig herausgestellt hat, jedoch gegen niemanden gerichtet ist.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Nochmals gratuliere ich euch zu den Festtagen. Seid nicht traurig, dass wir uns nicht persönlich begegnen können. In Wahrheit sind wir ja allezeit beieinander. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass dieses Zusammensein auf dem gemeinsamen Weg sich in Ewigkeit fortsetzen wird. Ich bin davon überzeugt, dass die ewigen Verdienste, die Tugenden und Freuden des Geistes und des Herzens, die dir im Dienst am Glauben zuteil werden die
gegenwärtigen, zeitlichen, rein vorübergehenden Sorgen in nichts zusammenschmelzen lassen. Es hat bis jetzt noch nie jemanden gegeben, der so wenig unter den Schwierigkeiten gelitten hätte wie die Schüler der Risale-i Nur in ihrem heiligen Dienst. Das Paradies ist in der Tat nicht billig zu haben. Andere vom absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)zu erretten, der das Leben in beiden Welten zerstört, ist in unserer Zeit von allergrößter Wichtigkeit. Wenn auch ein klein wenig Mühe damit verbunden ist, sollte man dem doch mit Begeisterung, Dankbarkeit und Geduld begegnen. Da unser Schöpfer, der uns in Dienst nimmt, allbarmherzig und weise (Rahiem ve Hakiem)ist, sollten wir auf Sein Erbarmen (rahmet)und Seine Weisheit (hikmet)vertrauen und allem mit Freude und Zufriedenheit begegnen.
Einer unserer zu jedem Opfer bereiten Brüder hat die ganze Verantwortung für diese Affäre um "Das Große Zeichen" auf sich genommen. Er hat damit gezeigt, wie sehr er sich eine außerordentliche Ehre in der jenseitigen Welt mit seiner Feder, mit dem "Hisbu-l'Qur'an"und dem "Hisbu-n'Nur"(zwei Gebetsbücher - A.d.Ü.) erworben hat, so dass mir in der tiefen Freude, die ich darüber empfunden habe, die Tränen in die Augen stiegen. Es liegt so viel Weisheit in dem "Großen Zeichen", dem Siebenten Strahl, dass die Aufmerksamkeit auf sich lenkt und den Boden für künftige Siege (futuhat)bereitet, die es auch verdient hat. Seine nur vorübergehende Beschlagnahmung wird das Werk nicht vergeblich sein lassen, auch nicht die Anstrengungen unseres Mitbruders und seiner Frau. Im Gegenteil: Möge es Gottes Wille sein (insha-a'llah),dass sie nun nur noch heller erstrahlt! Dies erwarten wir von der Göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye).
Von eurem Bruder, der durch den Gebrauch der ersten Person Plural in allen seinen Anrufungen (dua),wie
اَجِرْنَا وَ ارْحَمْنَا وَ احْفَظنَا
{"Behüte uns! Erbarme Dich! Beschütze uns!"}
euch alle ohne Ausnahme in ihnen mit einschließt, der sich stets im Grundsatz unserer Geistigen Partnerschaft bemüht, wonach wir alle ein einziger Geist in vielen verschiedenen Körpern sind, und dem all eure Mühsal weit näher geht als euch selbst, und der von eurer Geistigen Körperschaft (shahs-i manevi)Stärke (himmet),Hilfe, Ausdauer, Standhaftigkeit (metanet)und Fürsprache (shefaat)erwartet
Said Nursi
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Zu einer Zeit, als ich infolge der Auswirkungen dieses Ereignisses mich mit großem Ernst und in aller Bestimmtheit dazu entschloss, mich von ganzem Herzen für meine unschuldigen Brüder einzusetzen und nun nach einer Lösung (für dieses Problem) suchte, las ich die "Djeldjelutiye".Da kam mir plötzlich der Gedanke, dass ja dort Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, betet: "Oh Herr, habe Mitleid (aman)mit uns!" Möge Gott es so wollen (insha-a'llah),dass auch ihr im Geheimnis dieser Anrufung (dua)in Frieden entlassen werdet.
In seinen "Qasidat-ul'Djeldjelutiye"berichtet uns Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, in der Tat auf zwei verschiedene Arten über die Risale-i Nur und weist auf "Das Große Zeichen" hin, indem er sagt:
وَ بِالْاٰيَةُ الْكُبْرٰى اَمِنِّى مِنَ الْفَجَتْ
{"Und durch 'Das Große Zeichen' errette mich vor Unheil und Trübsaal!"}
Mit dieser Andeutung weist er darauf hin, dass ein großes Unheil die Schüler der Risale-i Nur aufgrund des "Großen Zeichens" überkommen werde und fleht, dass doch seine Schüler um des "Großen Zeichens" willen aus Unheil und
فَجَتْ {"Trübsaal"} gerettet (aman)werden mögen. So macht er diese Abhandlung (Risalah)und die ihr zugrunde liegende Quelle (= Ayah 17,44) zu ihrem Fürsprecher. So war denn die Drucklegung des "Großen Zeichens" der Vorwand für das Unheil, das daraus folgte und bestätigte in der Tat genau diesen Hinweis aus dem Verborgenen.
Ferner heißt es dort in dieser Kasside auf der gegenüberliegenden Seite, am Ende des Hinweises auf die bedeutendsten Abschnitte der Risale-i Nur und ihrer Anordnung sinngemäß:
وَ تِلْكَ حُرُوفُ النُّورِ فَاجْمَعْ خَوَاصَّهَا ٭ وَ حَقِّقْ مَعَانِيهَا بِهَا الْخَيْرُ تُمِّمَتْ
{"Von den Worten des Lichtes sammle die besonderen und erforsche ihre Bedeutungen. Denn durch sie wird das Gute erfüllt."}
Das heißt also: "Dieses sind die Worte und Buchstaben (huruf)der Risale-i Nur, auf die wir verschiedene Hinweise gegeben haben. Lies die besonderen unter ihnen heraus und erforsche ihre Bedeutungen. Denn alles Glück und alles Gute wird durch sie vervollkommnet." Die Aufforderung: "Erforsche die Bedeutung der Buchstaben (huruf)!"bezieht sich nicht auf die alphabetische Reihenfolge der Buchstaben, die keinen Sinn ergibt, sondern auf die Abhandlungen (risalah),die auf Türkisch "Sözler", d.h. arabisch "kelimat"(= Worte) oder auch "bi-l'huruf"(= buchstäblich, wörtlich) genannt werden.
لاَ يَعْلَمُ الْغَيْبَ اِلاَّ اللّٰهُ
{"Niemand kennt das Verborgene außer Gott."}
رَبَّنَا لاَتُؤَاخِذْنَآ اِنْ نَسِينَآ اَوْ اَخْطَأْنَا
{"Unser Herr! Ziehe uns nicht zur Rechenschaft, wenn wir vergesslich waren oder uns versehen haben!" (Sure 2, 286)}
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Mein lieber getreuer Bruder Re'fet Bey!
Deinen intelligenten Fragen gegenüber kann ich nicht gleichgültig bleiben, denn sie sind die Schlüssel zu jenen bedeutsamen Weisheiten, die in dem Teil der Risale-i Nur enthalten sind, der "Mektubat(Briefe)" genannt wird. Eine kurze Antwort darauf ist die folgende:
Da der Qur'an eine Ansprache (hutbe)aus urewigen Zeiten ist und mit allen Schichten der Menschheit und mit den verschiedensten Gruppen von Menschen des Dienstes und der Anbetung spricht, müssen sich in ihm sicherlich auch die verschiedensten Möglichkeiten der Auslegung und viele Stufen zu einer alles umfassenden Bedeutung finden lassen. Einige Kommentatoren haben nur die allgemein gebräuchliche oder die ganz offensichtliche oder die direkt abgeleitete (vadjib)oder die einer beständigen Tradition (sunnah)entsprechende Bedeutung ausgewählt. So erwähnen sie z.B. im Zusammenhang mit der Ayah وَ مِنَ الَّيْلِ فَسَبِّحْهُ {"...und preise Ihn in der Nacht." (Sure 52, 49)} die zwei Rekat des Tahadjjud-Gebetes (um Mitternacht) als eine bedeutsame Tradition (sunnah)und für die Ayah إِدْبَارَ النَّجُومِ {"...beim Verblassen der Sterne." (Sure 52, 49)} den festen Brauch (sunnah)eines Gebetes am frühen Morgen (sabah fedjr).Doch gibt es noch eine ganze Anzahl weiterer Möglichkeiten der Auslegung, als nur die einer zunächst auf der Hand liegenden Bedeutung. Mein Bruder, unser Gespräch miteinander ist noch nicht abgebrochen!
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Meine lieben getreuen Brüder!
Ich hatte gerade das Mittagsgebet (dhuhr)verrichtet, da geschah es während der Tesbihat-Gebete, dass ich mich wieder daran erinnerte, wie traurig ihr vielleicht alle seid, wenn ihr (an eure Lage hier) und die eurer Familien zuhause denkt. Da stieg in meinem Herzen der Gedanke auf: würden diejenigen, welche in alter Zeit das Leben in der jenseitigen Welt (akhira)dem Leben in dieser Welt (dunya)vorzogen und ihr Leben damit verbrachten, sich in Höhlen und an anderen Stätten der Askese durch Fasten und Gebet vor den Sünden im gesellschaftlichen Leben zu retten und für das Leben im Jenseits vorzubereiten, hier und heute leben: sie wären Schüler der Risale-i Nur. Sicherlich sind diejenigen, die hier unter den heutigen Bedingungen leben müssen, hundertmal bedürftiger, als sie es damals waren und können zehnmal mehr Verdienste (fadhilet)erwerben und können das zehnmal leichter tun.
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Meine lieben, gesegneten Brüder!
Sehr viele Grüße (selam= Friede)... In meiner Heimat pflegten wir früher am Arafat-Tag tausendmal die Sure Ikhlas zu rezitieren. Heute kann ich sie am Tag zuvor fünfhundertmal und an Arafat noch einmal fünfhundertmal rezitieren. Wer es sich zutraut, kann sie natürlich alle auf einmal rezitieren. Ich kann euch zwar nicht sehen und nicht persönlich mit euch konferieren. Doch kann ich die meiste Zeit in meinen Gebeten (dua)mit jedem einzelnen von euch, und manchmal sogar namentlich, Gemeinschaft (sohbet)pflegen.
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Meine lieben getreuen Brüder!
Ich schätze, dass bis heute zwei bedeutende Persönlichkeiten aus der gesegneten Gruppe im Kreis um die
Lichtfabrik (Nur fabrikasi)gerettet worden sind. Dieser Kreis, diese Gruppe hat in der Tat in sechs, sieben Jahren mit einem solchen Erfolg (fatih)gearbeitet, als wären es zwanzig, dreißig Jahre gewesen. So als wäre es eine Erinnerung an ihre prachtvollen Schreibstifte, ist ihr Dienst doch noch nicht zu Ende, sondern bewirkt, dass an ihrer Stelle ihre Verdienste im Buch ihrer guten Taten eingeschrieben stehen. Ja, die "Hisb-i Nuri"hat sogar einen solch machtvollen Sieg (futuhat)bewirkt und ist zu so bedeutenden Plätzen gelangt, dass es ist, als wären die, welche sie veröffentlicht haben, noch stets am Werk. Ich dachte schon, dass auch Hafidh Mustafa, so wie der erste von den beiden, der so hart gearbeitet hat und noch immer fleißig ist, schon draußen wäre. Ich habe nur einmal gehört: "Auch er ist hier." Doch tröste ich mich stets in dem Gedanken, dass es vielleicht ein anderer sein könnte.
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Meine lieben Brüder!
Heute Morgen (sabah),als ich noch die Tesbihat betete, ergriff mich plötzlich Mitleid mit Hafidh Taufiq. Ich erinnerte mich daran, dass dies nun schon das zweite Mal ist, dass er in diese Schwierigkeiten hinein geraten ist. Da kam mir plötzlich der Gedanke: Gratuliere ihm doch! Mit einer völlig überflüssigen Vorsicht (gegenüber dem türk. Nachrichtendienst) wollte er sich ein wenig von seiner bedeutenden Stellung (maqam)und seinem großen Beitrag zur Risale-i Nur zurückziehen. Doch die Macht (azamet)und Heiligkeit (qudsiyet)seines Dienstes betraute ihn mit einem großen Anteil und noch größeren Verdiensten durch seinen Erfolg. Man sollte nicht wegen einiger weniger Unbequemlichkeiten und kleinerer, damit verbundener Mühen (zahmet)vor einer solchen spirituellen Ehre (sheref-i manevi)davonlaufen wollen.
Meine Brüder! Da nun in der Tat alles vorüber geht und, nachdem es vorbei ist und doch nur ein Spaß und Vergnügungen
war, so war es eine Nichtigkeit, die zerrinnt und nur das Verlangen bleibt zurück. Waren es aber Sorgen und Mühen, so bringt es sowohl in dieser als auch in jener Welt, vom Standpunkt eines solch heiligen Dienstes aus betrachtet soviel Nutzen und Frohsinn hervor, dass davor eine jegliche Mühsal (zahmet)zu nichts dahin schmilzt. Mit einer einzigen Ausnahme bin ich unter euch der Älteste. Und so bin ich denn auch derjenige, der die meisten Mühen und Beschwerden über seinem Haupt versammelt. Und dennoch versichere ich euch, dass ich durch die Übung völliger Geduld, in Ausdauer und Dankbarkeit mit meiner Lage zufrieden bin. Dankbarkeit (shukur)im Leiden (musibet)bringt die Verdienste (sevab)im Leiden und einen Gewinn in dieser und in jener Welt.
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Meine lieben Brüder!
Nachdem die Hindernisse beiseite geräumt sind, welche bisher die Abfassung der einzelnen Problemstellungen der Frucht-Risalah verhindert hatten, möge Gott es nun wollen (insha-a'llah),dass wir wieder (mit der Niederschrift) beginnen können. Eine davon war die Kälte, die andere aber die Furcht, welche die Atheisten vor der Macht (der Risalah) hatten. Ich denke über diese Katastrophe vom Standpunkt Göttlichen Vorherwissens (qaderi Ilahi)aus nach. Und so verwandelte sich meine Qual (zahmet)in Barmherzigkeit (rahmet).
Wie bereits in der Abhandlung über die göttliche Vorherbestimmung (Risale-i Qader)erklärt wurde, gibt es in der Tat zwei Ursachen für jedes Ereignis. Die eine ist offensichtlich (thahir):die Leute begründen ihr Urteil mit ihr und handeln häufig ungerecht. Die andere aber ist die Wirklichkeit (haqiqi).Ihr entsprechend urteilt das Göttliche Vorherwissen (qader-i Ilahi).Sein Handeln ist gerecht in den Ereignissen, wo der Mensch unrecht gehandelt hat.
So ist z.B. ein Mann für einen Diebstahl, den er gar nicht begangen hat, ins Gefängnis gesteckt worden. Auch die Macht Gottes (qader)hat ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, jedoch für ein verborgenes Verbrechen, und handelt nun gerecht innerhalb aller menschlichen Ungerechtigkeit.
So gibt es also zwei Gründe dafür, dass wir in diesen fürchterlichen Urteilsspruch hineingeraten sind. Der Grund dafür ist der, dass die echten Diamanten unter den bloßen Glassplittern heraussortiert werden sollten, die wirklich Frommen von denen, die noch unzuverlässig und unentschlossen sind, die Reinen und Aufrichtigen von denen, die noch nicht in der Lage sind, ihren Egoismus, ihre Selbstsucht aufzugeben:
Der erste (Grund)
ist eine mächtige Hilfsbereitschaft, ein aufrichtiger und ganz außerordentlicher Dienst am Glauben, der den Argwohn der Leute von Welt und Politik hervorruft. Die menschliche Ungerechtigkeit bezieht sich darauf.
Der zweite (Grund):
Da nicht jeder sich von sich aus für diesen heiligen Dienst in völliger Aufrichtigkeit (ikhlas)und vollkommener Hilfsbereitschaft als würdig erwiesen hat, hat sich die Macht Gottes (qader)auch darum gekümmert.
Doch nun ist diese Macht Gottes (qader-i Ilahi)innerhalb einer lauteren Gerechtigkeit (adalet)für uns die lautere Barmherzigkeit (merhamet).Denn sie brachte die Brüder zusammen, die einander so sehr vermisst hatten und verwandelte ihre Leiden in Dienst und Anbetung und was sie verloren hatten in eine Gabe (sadaqa).Doch sie ist auch noch in vielerlei andrer Hinsicht die lautere Barmherzigkeit. Denn so wurde von allen Seiten die Aufmerksamkeit auf die Risalah gelenkt, welche die Brüder geschrieben hatten. Sie erlaubt keinen weltlichen Besitz, Kinder und eine Bequemlichkeit, die doch nur zeitlich und flüchtig ist. Eines Tages, wenn sie ins Grab hinabsteigen, werden sie (alle diese Dinge) hinter sich lassen müssen. Anstatt ihr Leben im Jenseits zu zerstören, gewöhnen sie sich nun an Ausdauer und Geduld und werden so zu Vorbildern eines
heldenmütigen (Lebens) für die Gläubigen einer kommenden (Zeit), ja sogar für deren Anführer. Es gibt da aber noch einen Aspekt, der mich doch einiges nachdenken gekostet hat, und das ist der, dass, wenn ein Finger verletzt ist, Auge, Herz und Verstand ihre wichtigsten Aufgaben vernachlässigen und sich also nur noch damit beschäftigen. In ähnlicher Weise hält auch unser Leben, sobald es durch eine besondere Notlage in Bedrängnis geraten ist, Herz und Verstand (ruh)mit seinen Wunden in Bewegung. So brachte mich denn gerade in dem Augenblick, wo ich eigentlich die Welt vergessen sollte, die Vorstellung (hal)von einer Versammlung der Atheisten dahin, unter ihnen Ohrfeigen auszuteilen. Da wurde ich von der Möglichkeit getröstet, dass Gott der Gerechte diesen Zustand (hal)der Gottvergessenheit (ghaflah)als eine Art Gedankenstreit annehmen möge.
Ich empfing die Grüße (selam= Friede) von Ali Gül, dem Bruder von Hafidh Mehmed, der ein bedeutender Lehrer der Risale-i Nur ist. Auch ich sende Tausende Grüße (selam)und Gebete (dua)sowohl ihm als auch allen seinen lebenden wie verstorbenen Landsleuten in Sava.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der Gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Eure Standhaftigkeit und Unerschütterlichkeit (metanet)lässt alle Pläne der Atheisten und Heuchler scheitern.
Meine Brüder, es gibt hier in der Tat nichts zu verbergen. Diese Atheisten vergleichen die Risale-i Nur und ihre Schüler mit den Sufi-Orden und besonders mit dem Naqshibandi-Orden. So schmiedeten sie ihre Pläne, uns zu verderben und zu vernichten, uns in einen Hinterhalt zu locken und letztendlich klein zu kriegen, so wie sie zuvor bereits die Sufis besiegt hatten.
Erstens:
Durch uns in Angst und Schrecken zu versetzen und einzuschüchtern und dabei aufzuzeigen, mit welch schlimmen Dingen der Sufi-Orden seine Zeit verschwendet.
Zweitens:
Um die Fehler ihrer Anführer und ihrer Angehörigen bekannt zu machen.
Drittens:
Indem sie sie durch ein zwar ausschweifendes (sefehat),aber dennoch recht verlockendes (Leben) und das berauschende, aber durchaus wohlschmeckende Gift ihrer materialistischen Philosophie und Zivilisation verderben, ihre Bereitschaft, sich füreinander einzusetzen, untergraben, sie durch Lüge und Verrat gegen ihre Lehrmeister aufbringen und ihre Berufung (meslek)durch die Grundsätze ihrer Wissenschaft und Philosophie in deren Augen herabzuwürdigen. Sie haben uns mit den gleichen Waffen angegriffen, die sie auch gegen die Naqshibandis und andere Sufis verwendet hatten, haben sich aber dabei getäuscht. Denn da die Risale-i Nur von ihrer Basis her eine Berufung (meslek)zu völliger Wahrhaftigkeit (ikhlas)ist, Entsagung (terk-i enaniyet)und ein selbstloses (Leben verlangt und dazu aufruft), Gottes Barmherzigkeit (rahmet)auch noch unter Schwierigkeiten (zahmet)zu entdecken, auch im Leid eine beständige Freude zu empfinden, auf den Schmerz und die Pein hinzuweisen, welche alle vergänglichen Vergnügungen eines ausschweifenden (Lebens) mit sich bringen, wobei der Glaube zugleich auch der Quellgrund zahlloser Freuden ist, und dabei alle die Punkte und Wahrheiten zu lehren, nach der alle westlichen Philosophien vergeblich ihre Hände ausstrecken, so möge Gott es auch wollen (insha-a'llah),dass alle ihre Pläne in Nichts zerrinnen werden. Was aber die Risale-i Nur betrifft, so braucht sie einen Vergleich mit den Sufi-Orden (tariqat)nicht zu scheuen und wird sie alle noch zum Schweigen bringen.
Dazu noch eine feinsinnige Anmerkung (Latife):
Heute Morgen (sabah)rief einer der Polizisten von seinem Wachtposten aus zu mir herüber und so ging ich ans
Fenster. Da sagte er zu mir: "Unsere Türe ist ganz von selbst ins Schloss gefallen, und was immer wir auch tun: sie öffnet sich nicht mehr!" Da antwortete ich ihnen: "Dies soll euch ein Zeichen sein, dass unter den Leuten, die ihr hier bewacht und hinter Schloss und Riegel haltet, solche sind, die genau so unschuldig sind wie ihr selbst. Sie haben mich sogar angeklagt unter dem Vorwand, auch nur einen Augenblick lang mit meinem Bruder gesprochen zu haben, den ich schon zehn Jahre lang nicht mehr gesehen hatte, und mit einer weiteren Ausrede haben sie dann auch noch die zweite Außentür verschlossen. Zur Strafe dafür ist nun auch eure eigene Türe verschlossen."
Said Nursi
* * *
Meine lieben getreuen Brüder!
Es gibt da noch drei weitere Punkte zu dieser Anmerkung (Latife),über die ich euch gestern schrieb:
Erstens:
Da er {verweis auf Mustafa von Kuleönü (Zwölfte Hoffnung im 26. "Blitz"} Repräsentant einer künftigen geistigen Person (shahs-i manevi),nämlich der "Gesegneten Gruppe" ist, hatte sich ihm im Geheimnis und durch den Segen dieser geistigen Person die verriegelte Tür von selbst geöffnet. Als man sich dann zehn Jahre später wegen eines Treffens von einer halben Minute mit eben diesem Repräsentanten der "Gesegneten Gruppe", die sich inzwischen als wahr herausgestellt hatte und zustande gekommen war, über mich erzürnte, wurde auch ich selbst deswegen wütend und sagte wiederum: "Ihre Türe soll verschlossen sein." Am nächsten Morgen - und das war noch nie zuvor passiert - schloss sich die Türe der Wachleute ganz von selbst und ließ sich zwei Stunden lang nicht mehr öffnen.
Zweitens:
Ich sandte dem Öffentlichen Ankläger auf dem Wege über den zuständigen Direktor eine Notiz, worin ich schrieb: "Ich werde hier ganz einsam und allein gefangen gehalten und kann keinem Menschen begegnen. Und selbst wenn ich es könnte, so kenne ich doch niemanden in dieser Stadt. Mit jemandem von der hiesigen Stadtverwaltung usw..." Später fragte dann der Staatsanwalt: "Lebt er dort ganz für sich alleine?" Doch der Direktor sagte: "Nein". Beide widersprachen mir also. Doch als mich noch am gleichen Tage mich ein halbverrückter, halber Verwandter eine halbe Minute lang besuchte, wurde ich in einer Weise behandelt, wie ich es noch nie zuvor in einer Isolationshaft erlebt hatte. So schlugen ihnen denn ihre Einwände ins Gesicht (und damit die Türe zu).
Drittens:
Der Lärm ungezogener junger Leute vor meiner Tür störte mich (besonders in der Zeit) zwischen dem Abend- und dem Nachtgebet; aber nicht sehr. Doch an diesem Tage hatten sie einen Vorwand gefunden, um die Türe zu schließen. So vermehrte sich also noch der Gestank in meiner Kammer und der Lärm dieser ungezogenen jungen Leute in der Nähe meiner Türe störte mich nun nur noch mehr. Da sagte ich wiederum: "Ihre Türe soll verschlossen sein! Warum tun sie das denn nur?!" Am folgenden Morgen (sabah)bereits ereignete sich dann der obige Vorfall.
* * *
Meine Brüder!
Die beiden Problemstellungen, die ihr mit den neuen Buchstaben geschrieben habt, haben eine ungeheure Wirkung ausgelöst. Es wäre sehr gut, wenn nun auch noch die erste, zweite und dritte Problemstellung niedergeschrieben würde. Ich finde es jedoch beunruhigend, dass Husrev und Tahiri dies tun sollten, wo doch ihre Feder besonders für (die Niederschrift) des Qur'an und die qur'anische
Schreibweise geeignet ist und sie doch gerade dafür beauftragt sind. Es wäre daher besser, wenn andere, dafür geeignete Leute, diese Niederschrift übernehmen könnten.
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Meine lieben Brüder!
Ich habe während des letzten Jahres eine gewisse Menge, etwa ein Kilogramm Reis und Nudeln gebraucht. Und ich zweifle nicht daran, dass ein großer Segen in ihnen gelegen hat. Aber nun wollt ihr sie nicht mehr bei mir lassen, sodass ich sie mir kochen könnte. Weil dies aber so ist, gebe ich sie euch sowohl als eine Zuwendung der Güte Gottes als auch ein Geschenk Seines Segens. Mit den Sternchennudeln habe ich sogar einmal ein Wunder dieses Segens erlebt. Ich trockne sie nämlich für gewöhnlich, nachdem ich sie gekocht habe. Da habe ich gesehen und auch andere haben das beobachtet, dass eines von ihnen zehnmal so groß geworden war.
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Meine lieben Brüder!
In der letzten Nacht, als ich meine Anrufungen (evrad)rezitierte, konnten meine Wächter und auch andere Leute mich hören. Da tauchte in meinem Herzen (der Gedanke) auf: "Würde nicht vielleicht eine derartige Vorführung meine Verdienste (sevab)schmälern?" und beunruhigte mich deswegen. Doch da erinnerte ich mich an ein berühmtes Wort von Huddjetu-l'Islam Imam Ghasali,wo er sagt: "Manchmal ist es weit besser, etwas in der Öffentlichkeit zu tun als oftmals im Geheimen." Das heißt: in vielerlei Hinsicht kann es bei weitem verdienstvoller sein, etwas öffentlich zu tun, sodass andere daraus ihren Nutzen ziehen und es nachahmen können oder aus ihrer Gottvergessenheit (ghaflah)
erwachen werden. Es könnte die Kennzeichen des Islam (sheair-i Islamiye)im Angesichte derer aufrichten, die auf ihren Irrwegen (dalalet)oder in ihrem Laster verharren (sefehat muannid)wollen, sodass die Würde des Glaubens (izzet-i diniye)gewahrt bleibt. (Dies gilt) besonders in unserer Zeit, wenn es durch solche geschieht, die ihre Lektion in Aufrichtigkeit (ikhlas)sorgfältig gelernt haben und sich daher kein künstliches Gehabe (riya)dahinter verbirgt. Es kann dann sogar besonders verdienstvoll (sevabli)sein, worüber ich doch getröstet war.
* * *
Vor zwei Tagen, als mich der Untersuchungsrichter vorführen ließ und ich schon darüber nachdachte, wie ich meine Brüder verteidigen sollte, öffnete ich den "Hisbu-l'-Masun" von Imam Ghasali. Und plötzlich sprangen mir die folgenden Ayat ins Auge:
اِنَّ اللهَ يُدَافِعُ عَنِ الَّذِينَ اٰمَنُوا ٭ يَسْعٰى نُورُهُمْ بَيْنَ أَيْدِيهِمْ وَ بِاَيْمَانِهِمْ ٭ اَللّٰهُ حَفِيظٌ عَلَيْهِمْ ٭ طُوبٰى لَهُمْ
{"Fürwahr, Gott verteidigt die, welche glauben." (Sure 22, 38) "Ihr Licht läuft ihnen voraus und (folgt ihnen) zu ihrer Rechten." (Sure 57, 12) "Gott wacht über ihnen." (Sure 42, 6) "Ihnen eine frohe Botschaft!" (Sure 13, 29)}
Da sah ich: In der ersten Ayah, wenn man die Shedde(Verdoppelung) mitzählt, die Medde(Verlängerungszeichen) aber nicht mitrechnet, also auch nicht das "vau"-و in اٰمَنُوا {"...glauben." (amenu)} so ergibt sich nach der Djifr-und Ebdjed-Rechnung 1362, also ganz genau unsere heutige Jahreszahl, was in Zahl (makam)und Bedeutung (mana)genau mit der Zeit übereinstimmt, da wir uns entschlossen hatten, unsere gläubigen Brüder zu verteidigen. "Lobpreis und Dank (Elhamdulillah)"sagte ich da "So ist es also auch nicht notwendig, mich selbst zu verteidigen."
Danach aber fragte ich mich: "Was wird wohl dabei herauskommen?" Ich war also neugierig. Ich sah nun, dass die beiden Sätze
اَللّٰهُ حَفِيظٌ عَلَيْهِمْ ٭ طُوبٰى لَهُمْ
{"Gott wacht über ihnen." (Sure 42, 6) "Ihnen eine frohe Botschaft!" (Sure 13, 29)}
Nach der Djifr-Rechnung und unter der Bedingung, dass das Tenvin(in Hafidhun-حَفِيظٌ = ein Wächter) mitgezählt wird, gleichfalls 1362 ergibt. Zählt man das Medde(in Tuba-طُوبٰى = Nachricht) nicht mit, so ergibt sich zwei, falls doch, dann drei; was ganz genau mit der Zeit übereinstimmt, in der wir den Schutz Gottes (hifdh-i Ilahiye)besonders nötig haben, der heutigen Jahreszahl und der des kommenden Jahres, was uns tröstet mit der Versicherung, dass wir behütet sein werden, trotz all dieser schrecklichen Angriffe, die man im letzten Jahr in weitem Rahmen und im großen Ausmaß gegen uns vorbereitet hat. Aufgrund dieser Ereignisse, wie sie gerade jetzt stattgefunden haben und der stets glänzenderen Siege der Risale-i Nur in führenden Kreisen kann uns der (derzeitige vorübergehende) Rückschlag nicht verzweifeln lassen und sollte es auch nicht. Ich denke auch, dass die Beschlagnahmung des "Großen Zeichens" bei seiner Drucklegung nur eine Bekanntmachung sein kann, die von allen Seiten ihre Aufmerksamkeit auf ihren glanzvollen Status (makam)lenken dürfte.
Gerade habe ich die Ayah gelesen
رَبَّنَآ اَتْمِمْ لَنَا نُورَنَا وَ اغْفِرْلَنَا
{"Oh Herr! Lass Dein Licht vollkommen für uns werden und verzeihe uns!" (Sure 66, 8)}
Unsere Bitte اِغْفِرْلَنَا {"Verzeihe uns!"}
ergibt ganz genau 1362 und stimmt somit wiederum mit unserer heutigen Jahreszahl überein. Das lädt uns dazu ein, vielmals um Verzeihung zu bitten (istighfar davet),damit unser Licht (Nur)vollkommen werde und so die Risale-i Nur nicht unvollendet bleibe.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich bin davon überzeugt, dass diejenigen, die nicht durch die schwere Prüfung in den beiden "Schulen Josefs", die frühere und die jetzige, erschüttert worden sind, ihre Lektionen nicht versäumt haben und es doch nicht aufgegeben haben, weiter ihre Schüler zu sein, obwohl sie sich schon an der heißen Suppe ihren Mund verbrannt haben, und deren moralische Kraft (quvvet-i manevi)trotz aller Widerstände noch ungebrochen geblieben ist, ihren Beifall sowohl bei allen Leuten der Wahrheit (haqiqat)dieser und künftiger Generationen finden, wie ihnen sicherlich auch alle Engel und guten Geister zujubeln werden. Weil aber einige unter euch krank, von empfindsamer Natur oder arm sind, ist die körperliche Anstrengung für sie beträchtlich. Wenn ich jedoch dabei an all die anderen denke, die ihnen Trost spenden, die ihnen in gutem Benehmen (ahlak)und in der Geduld ein hervorragendes Beispiel geben, an die liebenswerten (shefqat)Brüder, die ihnen eine Stütze sind und ihnen voll Güte ihre Aufmerksamkeit schenken, die ihnen bei der Besprechung der einzelnen Lektionen geistreiche Partner (muhatab)sind, die ihnen in allen guten Sitten als ein Spiegel dienen und so alle körperliche Mühsal zu einer Nichtigkeit werden lassen, so fühle ich mich (in all meiner Sorge) um euch, die ich mehr liebe als mein Leben (ruh),wahrhaftig (haqq)getröstet.
Eines Tages werde ich euch Maulana Khalids(1779 - 1827) Gewand übersenden, das 120 Jahre alt ist. Ich werde jeden einzelnen von euch in seinem Namen damit einweihen, segnen und beschenken, so wie er auch mich einst eingeweiht hat. Ich werde es euch übersenden, wann immer ihr dies wünscht.
Als ich hier gerade erst angekommen war, hat mich der Arzt gegen die Pocken geimpft. Daraufhin bekam ich eine Beule und mein Arm schwoll an. Diese Schwellung setzte sich den Arm hinunter fort, Sie lässt mich nicht schlafen und erschwert es mir, die vorgeschriebenen Waschungen (abdest)zu vollziehen. Ich möchte gerne wissen, ob mein Körper die Impfung nicht vertragen kann, oder ob dies eine andere Bedeutung hat. Vor zwanzig Jahren haben sie mich in Ankara geimpft. Diese Impfung arbeitet von Zeit zu Zeit noch immer in mir weiter und stört mich noch heute. Ich denke jetzt darüber nach, dass dies doch eigentlich nicht so sein sollte. Wie geht es euch damit?
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Die Weisheit (hikmet)hinter der Gerechtigkeit (adalet),mit der uns Göttliches Vorherwissen (Qader-i Ilahi)hierher in diese Schule Josefs in Denizli geführt hat, liegt darin, dass sowohl ihre Gefangenen, als auch ihre Leute, ja vielleicht sogar ihre Vollzugs- und Justizbeamten die Risale-i Nur und ihre Schüler nötiger haben als die Leute irgendwo anders. Aus diesem Grund werden wir hier dieser schweren Prüfung unterzogen als einer Aufgabe im Glauben und für das Jenseits. Nur ein oder zwei Gefangene unter zwanzig oder dreißig hatten vorher die Gebete (namaz)so verrichtet, wie es sich gehört (tadil-i erkan).Jetzt haben alle vierzig bis fünfzig ohne Ausnahme damit begonnen, den Nur-Schülern zu folgen und die Gebete (namaz)
in aller Vollkommenheit zu verrichten. Dies ist eine solche Schulung (ders)und Führung (irshad)im Ausdruck ihrer Haltung und ihrer Tat (lisan-i hal ve fiil),dass sie alle Mühsal und alle Anstrengungen (zahmet)daneben in Nichts zerrinnen, ja sie geradezu lieben lässt. Wir erhoffen von der Barmherzigkeit (rahmet)und Güte Gottes (inayet),dass, so wie die Schüler diese Lektion durch ihr Beispiel (ef'al)erteilt haben, sie auch durch den starken und wahrhaftigen Glauben (quvvetli tahqiqi iman)in ihren Herzen zu einer stählernen Festung werden, welche die hier anwesenden Leute des Glaubens von allen Zweifeln und Verdächtigungen durch die Leute des Irrweges befreit.
Die Weltleute, die uns hier davon abhalten wollen, miteinander zu reden und Kontakt miteinander zu halten, können uns nicht schaden. Der beredte Ausdruck unserer Haltung (lisan-i hal)ist weitaus stärker als unser mündlicher Ausdruck (lisan-i qal)und spricht mit einer größeren Wirkung. Da man nun einmal ins Gefängnis geht, um erzogen zu werden, sollten die Wärter, wenn sie das Volk lieben, doch den Gefangenen erlauben, sich mit den Schülern der Risale-i Nur zu treffen, sodass sie in einem Monat, ja vielleicht sogar schon an einem Tag mehr an Erziehung erhalten könnten, als sonst in einem ganzen Jahr und so zu Menschen werden könnten, zu Nutz und Frommen für sich selbst in ihrer eigenen Zukunft und im Jenseits, für ihr Land und sein Volk. Es wäre auch von großem Vorteil, wenn wir hier einen "Wegweiser für die Jugend" hätten. Möge Gott es so wollen (insha-a'llah),dass wir ihn eines Tages bekommen werden.
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Heute erinnerte ich mich wieder an das euch ja bereits bekannte Gespräch zwischen meinem seligen älteren Bruder Molla Abdullah und Hasret-i Ziyaeddin. Danach
aber dachte ich an euch und sagte in meinem Herzen zu mir selbst: "Sollte sich der Vorhang zur unsichtbaren Welt heben und ein jeder dieser wahrhaft gläubigen (samimi dindar)und wirklich ernst zu nehmenden (djiddi)Muslime, die in diesen unruhigen Zeiten eine solche Standhaftigkeit bewiesen haben und inmitten dieser tosenden, flammenden Zustände unerschütterlich geblieben sind, würde sich als ein Freund Gottes (veli)oder gar als ein Pol im geistlichen Leben (qutub)herausstellen, so würde doch ihre Bedeutung und mein Interesse an ihnen in meinen Augen kaum etwas gesteigert werden. Auch sollte es sich herausstellen, dass sie ganz einfache, gewöhnliche Leute gewesen sind, so bliebe ich doch entschlossen, meine Wertschätzung ihnen gegenüber in keiner Weise zu verringern. Denn die Aufgabe, seinen Glauben unter derart extremen Bedingungen zu bewahren, ist größer als was sonst auch immer. In derartigen, von schweren Unruhen und Erschütterungen heimgesuchten Umständen verflüchtigen sich die Tugenden, die man Leuten in gehobener Stellung (makam)zugeschrieben hatte und die gute Meinung anderer über sie, sobald ihr guter Ruf zerstört wurde und (ihre Schüler) in ihrer Liebe (muhabbet)nachlässig werden. Sodann fühlt sich derjenige, der diese Tugenden besitzt, dazu gezwungen, in seinem Auftreten zu Kunstgriffen und leeren Phrasen seine Zuflucht zu nehmen und ein besonders würdevolles Benehmen an den Tag zu legen, um seine Stellung in den Augen (seiner Schüler) zu retten. So sei denn ein unendlicher Dank (dem, der) uns nicht einem derartigen Bedürfnis nach solch kalten Kunstgriffen (überlassen hat)!
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich gratuliere euch mit Geist, Herz und Verstand zu euren "Zehn Nächten (der Offenbarung)"! Wir flehen bei
der Göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye),dass sie unserer Geistigen Körperschaft (shirket-i manevi)einen großen Gewinn bringen mögen. Letzte Nacht habe ich geträumt, ich wäre zu euch gekommen und erwachte erst, als ich mich bereits anschickte, als Imam die Gebete zu leiten. Als ich diesen Traum meiner Erfahrung gemäß ausdeuten wollte, kamen zwei von den opferbereiten Brüdern in Sava und Homa herbei, um ihn in euer aller Namen zu deuten. Darüber war ich so sehr erfreut, als hätte ich euch allesamt gesehen.
Meine Brüder! Sicherlich hat die allgemeine Lage auf die Leute der Regierungspartei und einen Teil der Beamten abschreckend gewirkt und sie dazu bewegt, sich von der Risale-i Nur zurückzuziehen, doch zugleich auch die Aufmerksamkeit aller Anhänger der Oppositionspartei, sowie bei allen religiösen Leuten eine Sehnsucht und ein Interesse bei den zuständigen Beamten geweckt. Macht euch also keine Sorgen: diese Lichter werden noch aufgehen!
{(*): Oh Bruder, beachte einmal das Folgende: Im Gefängnis zu Denizli, (zu einer Zeit), wo alles und jeder einen Grund hatte, gegen Ustadh zu sein, und der Öffentliche Ankläger schon die Todesstrafe gegen ihn beantragte, sagte Ustadh: "Macht euch also keine Sorgen: diese Lichter werden noch aufgehen!" Und jetzt siehst du also, wie dieses Wort sich als wahr herausgestellt hat!
Die Schüler}
Said Nursi
* * *
Entsprechend der Auslegung von Sabri und in Übereinstimmung mit einer Anspielung an die Sure "Ve-l'Asr" ist die Risale-i Nur ein Weg um Anatolien, Isparta und Kastamonu vor Katastrophen zu retten, die vom Himmel und aus der Erde kommen, so wie es die Arche war, die auf dem Berg Djudi zum Stehen kam. Man sollte nicht versuchen (diesen Weg zu versperren), denn anderenfalls sollten
sie wissen, dass die vorausgesagten Katastrophen in Bälde über sie hereinbrechen werden, damit sie wieder zur Besinnung kommen. Ich wiederhole noch einmal, was ich schon kurz vor dieser Katastrophe gesagt hatte, noch ehe bevor diese Briefe abgeschickt worden sind. Den Nachrichten entsprechend, die ich jetzt empfangen habe: Kastamonu und seine Umgebung und die Burg weinen so, als wollten sie die Risale-i Nur betrauern. Die ganze Gegend liegt im Fieber und schüttelt sich in Erdbeben. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie wieder mit der Risale-i Nur vereinigt werden und sie werden lachen und Dank sagen.
Vorgestern hatte ich euch bereits von unseren zwei kostbaren Verdiensten geschrieben. Beim zweiten hatte ich gesagt: "Mit Hunderten von Zungen beten (dua)und lobpreisen (tesbihat)usw. Doch da fehlt etwas! Vielmehr muss es richtig heißen: "Jeder einzelne von uns bringt entsprechend seiner Stufe mit Hunderten von Zungen usw..."
Ferner wurde einmal ein ehrwürdiger alter Mann aus dem Dörfchen Sava, mit dem ich mich ganz besonders verbunden fühle, mit mir zusammengeschlossen, was mir sehr gut gefallen hat, weil ich verstand, dass dies so gekommen ist, weil dieses Dorf so eng mit mir verbunden ist. Ich sende diesem Bruder, meine ganz besonderen Grüße (selam= Friede).
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Meine lieben Brüder!
Die Ayah
وَخَسِرَ هُنَالِكَ الْكَافِرُونَ
{"und so war denn der Schaden auf Seiten der Ungläubigen" (Sure 40, 85)}
verweist auf die Ayah aus der Surah "Ve-l'Asr"
وَ الْعَصْرِ ٭ اِنَّ الْإِنْسَانَ لَفِى خُسْرٍ
{"Beim Verlauf der Zeit! Wahrlich, der Mensch ist verloren!" (Sure 103, 1-2)}
Wobei all die vielen Kriege und Verwüstungen der Ungläubigen mit ihrer sinnlosen (faidesiz)Zerstörung nichts als Verlust (khasarat)einbrachten. Zudem findet sich in der Formel وَ الْعَصْرِ {"Beim Verlauf der Zeit"}, die auf das Jahr 1360 (nach Rumi)anspielt, ein Hinweis auf das Jahr, in dem diejenigen, die dem Unglauben und der Heuchelei verfallen sind, die Risale-i Nur angreifen, jedoch dabei einen Schaden anrichten werden; denn die Risale-i Nur ist der Weg zur Verhinderung von Katastrophen wie Erdbeben und Kriegen. Sie könnte ein geheimer Wink sein, der ein Ende solcher Aktivitäten bedeutet, die eine Katastrophe heraufbeschwören.
Said Nursi
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Meine lieben Brüder!
Ich möchte doch einmal annehmen, dass unsere letzte, aufrichtige Verteidigungsschrift die kurze Abhandlung sein wird, welche eine Frucht unseres Gefängnisaufenthaltes in Denizli ist. Denn mit den Plänen, die in den letzten Jahren, die zunächst aufgrund einiger bloßer Verdächtigungen, dann aber in großem Umfang gegen uns geschmiedet wurden, verhält es sich folgendermaßen: Man hat uns aufgrund einiger völlig haltloser Vorwürfe, wie der Gründung eines Sufi-Ordens oder der Aufrichtung eines Geheimbundes, oder aber ein Werkzeug in den
Händen fremdländischer Mächte zu sein, der Ausnutzung religiöser Gefühle zu politischen Zwecken, einer Wühltätigkeit gegen die Republik oder einer Einmischung in die Angelegenheiten der Regierung und eine Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, angegriffen. Gott dem Gerechten sei endlos Dank, dass ihre Pläne im Sand verlaufen sind. In einem derart weitläufigen Gebiet mit Hunderten von Schülern und Hunderten von Abhandlungen hatte man im Verlaufe von achtzehn Jahren außer den Wahrheiten (haqiqat)des Glaubens, dem Qur'an und einem steten Streben nach einem wahren (tahqiq)Jenseits und der Ewigen Glückseligkeit weiter nichts finden können. Um ihre wahren Absichten besser verheimlichen zu können, begannen sie, nach jedem nur möglichen Vorwand zu suchen. Doch denke ich einmal, dass angesichts dieser furchtsamen und feigen Atheisten und einer Organisation, die selbst schon einige leitende Persönlichkeiten unter der Regierung betrogen hat, um sie gegen uns aufzubringen, (einer Organisation) die sich gegen uns gewandt hat, möglicherweise, um uns anzugreifen, wir genötigt waren, eine Abhandlung über die Frucht des Glaubens (Meyve Risalesi= Fruchtabhandlung) als eine machtvolle Verteidigung gegen sie zu schreiben, die so klar wie die Sonne ist, alle Zweifel zerstreut und so fest und unerschütterlich ist wie ein Berg, um sie wieder zum Schweigen zu bringen.
Said Nursi
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Meine Brüder!
Euer Platz hier ist zwar wirklich sehr eng, doch die weite eurer Herzen erlaubt es nicht, dadurch in Bedrängnis zu geraten, noch dazu, wo ihr ohnehin vergleichsweise mehr Platz habt. Ihr müsst wissen, dass unsere größte Stärke und unser Stützpfeiler (unsere Bereitschaft ist) stets füreinander da zu sein. Gebt mit größter Sorgfalt darauf
Acht, dass ihr euch unter den quälenden und beunruhigenden Umständen, denen ihr unterworfen seid, nicht auch noch gegenseitig Vorwürfe macht, sondern einander verzeiht. Ihr solltet nicht Einwände erheben gegen das, was Gott in Seiner Allmacht über uns bestimmt hat (kismet ve qadr)und euch nicht darüber beklagen. Ihr solltet euch auch nicht voneinander abwenden und nicht dabei sagen: "Wäre dieses oder jenes nicht geschehen, so wäre etwas anderes nicht passiert." Und dann deswegen gekränkt sein! Ich habe nämlich begriffen, dass es gar keinen Ausweg gegeben hat, uns vor ihren Angriffen zu retten. Was auch immer wir getan hätten, sie hätten uns in jedem Fall angegriffen. Doch in der kurzen Zeit, die die Gnade Gottes (inayat)benötigt, um uns zur Hilfe zu eilen, müssen wir in Geduld und Dankbarkeit, in Zufriedenheit mit seinem Geschick (qadha)und in Hingabe (teslim)auf Göttliches Vorherwissen (qadr)antworten und versuchen, mit ein wenig Mühe sehr viele Verdienste (sevab)zu sammeln und noch so viel Gutes zu tun wie möglich.
Wir beten (dua)für das Wohlergehen (selamet)unserer Brüder dort.
Said Nursi
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Meine lieben getreuen Brüder!
Ein recht bedeutender Quell des Trostes angesichts dieser raschen Wechselfälle in diesem irdischen Leben, seinem Verfall und seinen flüchtigen, fruchtlosen Vergnügungen, mit seinen Ohrfeigen von Abschied und Trennung ist die Begegnung mit treuen Freunden. Manchmal reist in der Tat jemand zwanzig Tage weit und gibt unterwegs hundert Lira aus, um einen einzigen Freund auch nur für ein oder zwei Stunden zu sehen. So macht denn heute, in diesen merkwürdigen, freundlosen Zeiten diese
unverhoffte Möglichkeit, vierzig, fünfzig wahren Freunden zu begegnen und ein, zwei Monate mit ihnen beisammen sein und mit ihnen in Gott Gemeinschaft (sohbet)pflegen und einen echten Trost von ihnen empfangen und ihnen auch geben zu dürfen, die damit verbundenen Schwierigkeiten und den finanziellen Verlust geradezu billig und ohne jede weitere Bedeutung... Ich selbst würde alle diese Mühen bereits auf mich genommen haben, um auch nur einen einzigen meiner Freunde wiedersehen zu können, von dem ich doch nun schon seit zehn Jahren getrennt bin. Sich darüber beklagen zu wollen hieße, was Gott bestimmt hat (qader),kritisieren zu wollen, während doch Dankbarkeit, sich ihm (qader)anzuvertrauen (teslim)bedeutet.
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Ich versichere euch, sollte die mir vorbestimmte Stunde (edjel)kommen und ich jetzt sterben, so würde ich ihr in der vollkommenen Ruhe meines Herzens begegnen. Denn ich weiß, dass es unter euch viele starke, standfeste junge Saids gibt, die die neuen Herren (sahib),Erben und Beschützer der Risale-i Nur sein werden, und das weit mehr als dieser armselige, alte, kranke und schwache Said. Ich fühlte mich sehr dankbar und glücklich über all diejenigen, die in Nasifs Notizbuch aufgezeichnet stehen und die Moral auf eine recht wirksame Weise stärken. Ich hatte es doch bereits irgendwie erraten, dass sie so sein würden. Möge Gott, der Gerechte ihnen Erfolg schenken und sie zu einem guten Beispiel für andere machen. Amen
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Meine lieben getreuen Brüder!
Die ihr euch nun einmal für das Jenseits, für das Gute, für die Anbetung (ibadet)und um der Verdienste (sevab)willen, für den Glauben und dem Qur'an an die Risale-i Nur gebunden habt, ist es sicherlich auch notwendig, dafür zu danken, dass ihr hierher gekommen seid, um in Empfang zu nehmen, was Gott für euch vorbereitet hat (kismet)
und die Speise (rizq)eurer Versorgung (muqadder)zu essen und die Verdienste (sevab)der genossenen Speisen zu ernten. Dies wurde von Gott für die Schule Josefs vorher bestimmt, einen Ort der Prüfung, an dem eine jede Stunde unter erschwerten Bedingungen zwanzig Stunden der Anbetung gleich gezählt wird. Da diese zwanzig Stunden aber gleich einem Streben am Dienst im Qur'an und im Glauben sind, so haben sie zugleich auch den Wert von hundert Stunden. Und diese hundert Stunden bestehen in einer Begegnung mit den Brüdern, die sich auf Gottes Wegen einsetzen, von denen ein jeder die Bedeutung von hundert Leuten hat, die untereinander einen Bund als Brüder geschlossen haben, die einander stärken und voneinander Stärke empfangen, die einander trösten und voneinander Tröstung empfangen, die sich in diesem heiligen Dienst als standhaft erweisen durch eine wahre gegenseitige Hilfeleistung, die aus ihren besonderen Vorzügen ihren Nutzen ziehen und sich auf diese Weise als würdig erweisen Schüler der Medresetu-z'Zehra zu sein. Es ist durchaus notwendig, angesichts all dieser Mühsal auch an den oben erwähnten Nutzen zu denken und ihnen in Ausdauer und Geduld zu begegnen.
Said Nursi
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Meine Brüder!
Ich habe aufrichtig gehofft (qalben arzu),dass solche standhaften, stahl- und eisenharten Helden, wie die aus Isparta und Umgebung (Husrevund Hafidh Alinicht unähnlich) nun auch hierher nach Kastamonu gesandt werden würden. Unendlicher Dank (sei Gott) dafür, dass (der Bezirk Kastamonu) meine Hoffnungen (arzu)erfüllt und uns viele opferbereite (Brüder) zu Hilfe geschickt hat! So sende ich denn meine Grüße (selam= Friede) allen zu jedem Opfer bereiten Brüdern, die bei euch, doch in meiner Vorstellung
mir jederzeit gegenwärtig sind, deren Namen ich aber nicht aufschreiben kann und für deren Wohlergehen ich bete.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen, standhaften und glaubensstarken Brüder!
Ich möchte euch etwas über die hiesigen Verhältnisse (hal)bekannt geben, nicht, damit ihr euch deswegen betrüben oder Gegenmaßnahmen ergreifen solltet, sondern um noch mehr von euren gemeinsamen Gebeten (shirket-i maneviye-i dua)Nutzen zu haben und damit ihr ein wenig mehr Selbstdisziplin üben möget, Vorsicht, Ausdauer und Geduld, und damit eure gegenseitige Hilfeleistung euch bewahrt bleibe. All die Leiden und Qualen, die ich hier an einem Tag erdulden muss sind mehr als das, was ich im Gefängnis in Eskishehir in einem Monat zu erdulden hatte. Diese abscheulichen Atheisten haben einen von diesen unerbittlichen Atheisten auf mich angesetzt, damit ich in meiner Wut und wegen dieser ständigen Belästigungen "Jetzt reicht's aber!" ausrufen sollte, was sie dann wiederum zum Vorwand nehmen könnten, als Grund für ihre grausamen Angriffe benutzen, um dahinter ihre Lügen verstecken zu können. Als wunderbares Zeichen der Güte Gottes (ihsan-i Ilahi)bringe ich in Geduld meine Dankbarkeit dar und habe mich entschlossen, auch weiterhin so fortzufahren.
Da wir uns aber nun einmal dem Göttlichen Ratschluss ergeben (qadere teslim)haben, nehmen wir all diese Leiden in Übereinstimmung mit dem Geheimnis (der Hadith)
خَيْرُ الْاُمُورِ اَحْمَزُهَا
{"Die besten Dinge sind die, welche unter ihnen die schwierigsten sind."}
auf uns und wissen doch zugleich, dass sie ein geistiges Geschenk (manevi bir ni'met)sind, um durch sie noch mehr Verdienste (sevab)erwerben zu können. Und da uns nun einmal am Ende allen vergänglichen, stets nur irdischen Unglücks gewöhnlich die Heiterkeit (der Seele) und die Güte (Gottes) erwarten, und da wir die an eine wahrhaftige Gewissheit (haqqa l-yaqien)grenzende sichere Überzeugung haben, dass wir unser Leben einer Wahrheit geweiht haben, noch glänzender als die Sonne, so schön wie das Paradies und lieblich wie die Ewige Glückseligkeit, wissend, dass wir diesen Streit im Geiste (mudjahede-i maneviye)mit Sicherheit um Gottes willen führen, stolz und in Dankbarkeit trotz der unglückseligen Umstände, sollten wir uns wirklich nicht beklagen.
Meine lieben Brüder!
Meine erste und letzte Empfehlung ist die, einander in der gegenseitigen Hilfeleistung zu bewahren, sich vor Selbstsucht (enaniyet),Überheblichkeit (benlik)und Konkurrenzneid (rekabet)zu schützen und sich in Behutsamkeit und Selbstbeherrschung zu üben.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Aus der Anklageschrift des Staatsanwalts wird ersichtlich, dass die Pläne der heimlichen Atheisten, die einige führende Persönlichkeiten in der Regierung hintergangen und sie dazu aufgehetzt haben, gegen uns vorzugehen, im Sande verlaufen sind und sich als erlogen herausgestellt haben. Sie versuchen jetzt ihre Lügen zu verschleiern, indem sie uns beschuldigen, eine politische Partei gründen und ein Revolutionskomitee aufrichten zu wollen. Das Ergebnis davon ist nun, dass man mir nicht mehr erlaubt, noch mit irgendwem Kontakt zu haben, so als ob jeder, der mit uns Kontakt hat, allein deswegen
schon zu uns gehörte. Selbst die hohen Beamten sind äußerst zurückhaltend geworden und versuchen, sich dadurch bei ihren Vorgesetzten beliebt zu machen, dass sie mir Steine in den Weg legen. Besonders am Ende meines Widerspruchs wollte ich noch den weiter unten folgenden Absatz anfügen. Doch kam mir ein Gedanke, der mich daran hinderte. Und das war die folgende Idee:
Wir sind in der Tat eine Gemeinschaft. Und diese Gemeinschaft hat in jedem Jahrhundert dreihundertfünfzig Millionen Mitglieder. Jeden Tag demonstrieren sie fünfmal den Grundsätzen dieser geheiligten Gemeinschaft entsprechend in vollkommener Ehrerbietung ihre Verbundenheit und ihre Dienstbereitschaft. Und entsprechend dem heiligen Programm
اِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ اِخْوَةٌ
{"Fürwahr, die Gläubigen sind Brüder!"}
beeilen sie sich, einander in ihren Gebeten (dua)und mit ihren spirituellen Verdiensten beizustehen.
So sind denn auch wir Mitglieder dieser großen, heiligen Gemeinschaft, und unsere besondere Aufgabe ist es, die Gläubigen auf eine zuverlässige, durchdachte (tahqiq)Weise die qur'anischen Glaubenswahrheiten (haqiqat)zu lehren und so sie und uns selbst vor einer Hinrichtung auf ewig und einer immer währenden Einzelhaft zu bewahren. Wir haben absolut keine Verbindung mit irgendwelchen weltlichen, politischen oder revolutionären Organisationen oder Geheimbünden und erniedrigen uns nicht zu derartigen Dingen.
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Heute, etwa um die Zeit des Morgengebets (fedjr),habe ich tiefstes Mitleid mit euch empfunden. Dann aber erinnerte
ich mich wieder an die Abhandlung für die Kranken (Hastalar Risalesi)und das hat mich getröstet. Dieses Unheil ist in der Tat auch eine Krankheit unserer Gesellschaft. Die meisten Heilmittel des Glaubens in dieser Abhandlung haben auch (gegen dieses Unheil ihre Gültigkeit). Wie ich bereits einer gesegneten Person in Erzurum gesagt habe: aller Schmerz einer dieser Leidenszeit vorangegangenen Stunde ist vergangen. Geblieben sind sowohl die Verdienste (sevab),als auch alles Gute und der Gewinn aus Glaube und Qur'an im Diesseits wie im Jenseits. Das heißt, dieses eine vergängliche Leiden ist in viele immerwährende (daimi)Wohltaten (ni'met)verwandelt worden. Was aber die Zukunft betrifft, so besteht sie noch nicht in der Gegenwart und alles Leid, das sich in dieser Zukunft fortsetzen wird, schmerzt nicht im Augenblick. Sich aber in seiner Einbildung einen aus dem Nichts herbeikommenden Schmerz hinzuzuziehen hieße, der Barmherzigkeit und dem Vorherwissen Gottes (rahmet ve qader-i Ilahi)nicht zu vertrauen.
Zweitens:
Die meisten Menschen hier auf Erden sind heute in ihrem Herzen, in ihrer Seele (ruh)und in ihren Gedanken (fikren)durch physisches und psychisches (maddi ve manevi)Leid gequält. Im Vergleich mit ihnen ist unser Leid noch geradezu milde und dabei sogar noch von Vorteil. Sie sind für Leib und Seele (ruh)geradezu ein Vergnügen, das sowohl aus dem Glauben (iman),als auch aus unserer inneren Sicherheit (selamet)und auch unserer Gesundheit erwächst.
Drittens:
Wären wir nicht durch unsere Kontakte mit diesen misstrauischen Beamten in diesen stürmischen Zeiten hierher gekommen, so hätten sich diese ein bisschen ungünstigen Umstände doch sehr erschwert und wir wären in ein Unheil verstrickt worden, wo wir ihretwegen hätten kriechen und sie umschmeicheln sollen.
Viertens:
Wenn man hier in dieser Schule Josefs, die ein Lehrhaus der Medresetu-z'Zehra ist, ohne jede Arbeit, in einem vielfach kombinierten physischen und psychischen (maddi ve manevi)
Winter auf eine so billige Weise und mit so geringen Unkosten treuen Freunden (haqiqi dostlar)begegnen kann, die noch liebevoller (shefqat)sind als die eigenen Brüder, Glaubensbrüdern, die wie geistige Lehrer (murshid)sind, sie besuchen kann, seinen Nutzen aus ihren persönlichen Vorzügen ziehen kann, die ihr Licht stets weiter reichen und weiter spiegeln und aus ihren guten Werken eine geistige Hilfe erfahren, Freude und Trost, so verändert das alles die Form unseres Unglücks und formt für uns eine Art Leinwand, (auf der uns) die Gnade Gottes (erscheint). Es ist in der Tat eine subtile Erscheinungsform dieser verborgenen Gnade Gottes (inayet),dass hier allen Schülern der Risale-i Nur der Name "Hodja"gegeben wird. Diese respektvolle (hurmet)Erwähnung dieser "Hodjas"und jener "Hodjas"war stets in aller Munde. Und innerhalb dieser feinsinnigen Erscheinungsform gibt es noch einen anderen subtilen Hinweis. Denn gerade so wie dieses Gefängnis sich in eine Medresse verwandelt hat, so sind auch alle Schüler der Risale-i Nur zu Lehrern und Gelehrten geworden. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass Dank dieser Hodjasauch alle anderen Gefängnisse in Lehranstalten umgewandelt werden!
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Meine Brüder!
Wenn solch kurze Briefe, wie dieser, die geschrieben wurden, um euch zu trösten, ab und zu einmal gelesen werden, und auch die Abhandlung über die Frucht des Glaubens (Meyve Risalesi= die Fruchtabhandlung), besonders aber deren letzter Teil gemeinsam studiert wird und alle Themen der Risale-i Nur, an die ihr euch noch erinnern könnt, besprochen werden, so möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass ihr zu der Ehre (sheref)gelangen möget, Schüler der Wissenschaften (talebe-i ulum)zu werden. Große Gelehrte (dhat)wie Imam Shafi, dessen Geheimnisse Gott heiligen möge, haben dem eine überragende Bedeutung beigemessen,
indem sie sagten: "Selbst noch der Schlaf der Schüler der Wissenschaften (talebe-i ulum)wird als Dienst und Anbetung (ibadet)gezählt." Wenn in dieser Zeit, in der es keine Medresse mehr gibt, es an diesem Ort der Qual auch hunderterlei Mühsal gäbe, so sollte man dem doch in Anbetracht einer solch hohen Schülerschaft keine weitere Bedeutung beimessen, sondern vielmehr sagen:
خَيْرُ الْاُمُورِ اَحْمَزُهَا
{"Die besten Dinge sind die, welche unter ihnen die schwierigsten sind."}
Und angesichts all dieser Schwierigkeiten ein heiteres Lächeln zeigen. Was aber all die großen und kleinen Familienmitglieder unserer armen Gefährten und deren Versorgung betrifft, so sind sie doch dem Grundsatz des Qur'an, des Glaubens und der (Risale-i)Nur folgend, der besagt, man solle im Unglück (musibet)auf die schauen, deren Unglück größer ist als das eigene, und im Glück (ni'met)auf den, der weniger bekommen hat, als man selbst, immer noch besser dran als achtzig Prozent aller übrigen Leute. Sie haben gar keinen Grund, sich zu beklagen, sondern nur das Recht und die Pflicht, dafür zu achtzig Prozent Dank zu sagen. Zudem hat die Göttliche Vorsehung (qader-i Ilahi)es bestimmt, dass wir hier unserem Schicksal begegnen und zu uns nehmen (was wir bekommen haben). Die Gerechtigkeit Göttlichen Erbarmens (adalet-i rahmet)hat uns hier zusammengebracht. Unsere Familien wurden ihrem wahren Versorger (Rezzaq-i Haqiqi)anvertraut, unsere Brüder vorübergehend ihrer Aufgabe, sie zu versorgen, entbunden, so wie sie eines Tages von dieser Verpflichtung ganz und gar freigesprochen und entlassen werden... Weil dies aber nun einmal so ist, so sollten wir (vor Gott) unseren ergebensten Dank aussprechen und sagen:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser genügender Anteil und Er ist unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)}
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Zwar kann ich mich nicht persönlich mit euch treffen, doch bin ich sehr glücklich und dankbar, dass ich ganz in eurer Nähe mit euch im selben Gebäude bin. Und so wurden denn auch ohne mein Zutun bereits einige notwendige Vorkehrungen getroffen. So haben z.B. die Atheisten in meine Nachbarzelle einen Gefangenen gesteckt, der ein Lügner ist und zugleich auch ein Spion. Und da es sehr leicht ist, etwas zu verderben, jungen Leuten, wurde mir durch die viele Unruhe, die mir dieser Kerl bereitete und das Verderben, das er unter diesen jungen abenteuerlustigen Leuten säte, klar, dass der Atheismus, entgegen eurer Rechtleitung und (euren Bemühungen), sie zu bessern, dennoch versucht, ihre Moral zu untergraben. Es ist also in dieser (besonderen) Lage auch eine besondere Vorsicht notwendig und soweit wie möglich erforderlich, die alten Gefangenen nicht zu beleidigen und sich selbst auch nicht durch sie beleidigt zu fühlen, jeden Anlass zu Zwietracht zu vermeiden, stets ruhig zu bleiben und sich nicht aus der Fassung bringen zu lassen, die Brüder so weit wie möglich durch Brüderlichkeit und gegenseitige Hilfsbereitschaft und Bescheidenheit zu stärken und seine eigene egoistische Haltung aufzugeben (terk-i enaniyet).Es ist mir sehr zuwider, mich mit weltlichen Angelegenheiten beschäftigen zu müssen. Doch verlasse ich mich in dieser Hinsicht auf eure Fähigkeiten, sodass ich mich nicht um diese Dinge kümmern muss, soweit dies nicht unbedingt erforderlich ist.
Said Nursi
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Meine Brüder!
Entgegen aller Wahrscheinlichkeit fühle ich mich doch dazu gedrängt, euch etwas zu einer Angelegenheit zu erklären, die mir heute Morgen (sabah)eingegeben worden ist. Ich habe mich da gefragt: "Ich möchte doch gerne wissen,
was die atheistischen Philosophen dazu sagen können und wie sie sich selbst verteidigen wollen." Zwanzig Jahre lang haben meine Seele (nefs)und mein Teufel (Sheytan)Untersuchungen darüber angestellt, ob die Wahrheiten, die wir dem Qur'an entnommen haben, irgendeinen Raum für irgendeinen Zweifel oder eine Unsicherheit lassen, oder vielmehr doch klar und deutlich sind wie der Tag und das Sonnenlicht. Sie konnten nirgendwo irgendeinen Fehler entdecken und schwiegen still. Ich denke doch, dass eine Wahrheit, die meine Seele und den Teufel (sheytanim)zum Schweigen bringen kann, die doch so verletzlich und in die ganze Angelegenheit mit hinein verwickelt sind, selbst noch die verbohrtesten unter ihnen zum Schweigen bringen wird. Da wir nun einmal auf dem Weg der Wahrheit arbeiten und uns für sie einsetzen, die so unverrückbar, erhaben und weit, so wichtig und von so unschätzbarem Wert ist, so käme uns doch der Preis (der Wahrheit) noch als gering vor, selbst müssten wir die ganze Welt, uns selbst und das Leben eines geliebten Menschen als Preis für sie zahlen. Wir sollten dennoch mit ganzer Standhaftigkeit auf alle Trübsal und Unbill und all unsere Feinde reagieren. Sie haben uns auch einer ganzen Reihe betrogener wie betrügerischer Scheichs und Hodjas und vermeintlicher Gläubiger konfrontiert. Wir müssen ihnen gegenüber unsere Einheit (vahdet)und unsere gegenseitige Hilfsbereitschaft wahren. Wir dürfen uns nicht mit ihnen herumstreiten und brauchen nicht mit ihnen argumentieren.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Am heutigen Morgen noch vor der Dämmerung enthüllte es sich mir, dass der wahre Grund für diesen weitläufigen und so bedeutsamen Angriff gegen uns nicht der"Fünfte Strahl"ist, sondern die"Hisbu-n'Nuri"(= ein Gebetbuch - A.d.Ü), "Schlüssel zum Glauben(Miftahu-l'I-man)"
und "Das beredte Zeugnis(Huddjetu-l'Baligha)".Ich habe einen Teil der "Hisbu-n'Nuri"sorgfältig gelesen und auch über den "Schlüssel zum Glauben" nachgedacht, und so ist es mir klar geworden, dass die Atheisten den "Fünften Strahl", der ja ein wenig nach Politik riecht, als Vorwand benutzt haben, weil sie ihren Weg des absoluten Unglaubens (kufr-u mutlaq)nicht weiter gegen diese hieb- und stichfesten Worte einsetzen konnten. So haben sie denn die Regierung betrogen und sie gegen uns in Bewegung gesetzt. Und zu gleicher Zeit passierte es mir, dass immer dann, wenn einer unserer schwächeren Brüder es vorübergehend aufgab, um sich vielleicht auf diese Weise weiterer Schwierigkeiten zu entziehen, ich ihm gerne meine Erlaubnis dazu gegeben hätte. Doch da wurde mir plötzlich eingegeben, dass alle diejenigen, die uns zutiefst verbunden waren und dieser Prüfung schon zum zweiten Mal unterzogen worden waren und dadurch so viel zu erleiden hatten, dennoch in ihrem Herzen nicht aufgeben dürfen, was nicht nur schmerzlich sondern auch völlig nutzlos wäre, sondern sich nur rein äußerlich etwas zurückhaltend zeigen sollen, um auf diese Weise (den Geheimdienst) zu täuschen. (Allen Ernstes aufzugeben) hätte sowohl ihnen selbst als auch uns und unserem heiligen Weg geschadet, und sie würden ganz im Gegensatz zu ihren Erwartungen zur Strafe einen Schlag erhalten.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Sicherlich wird jemand, der alle Qualen und alle Mühsal (zahmet)dieses Gefängnisses erleidet, (einem Ort) an dem es im Vergleich zu anderen Orten und Plätzen am härtesten und kältesten ist, aufgrund seiner Inhaftierung je nach dem Grad (seiner Verbundenheit mit der Risale-i Nur) die Neigung haben, sich (aus der ganzen Angelegenheit) herauszuhalten. Da jedoch der wahrhaftige Glaube (iman-i tahqiqi),
den die Risale-i Nur, als die äußerliche Ursache aller Unbill, die sie nun erleiden müssen, sie gewinnen lässt und das "Gute Ende (husnu hatime)",zu dem sie durch diesen wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiqi)gelangen und die guten Werke (amal-i saliha),die sie durch diese geistige Körperschaft (shirket-i manevi)erwerben und die denen von hundert Menschen entsprechen, all das bittere Leiden (zahmet)in süß (schmeckende) Barmherzigkeit (rahmet)verwandeln, ist der Preis dieser beiden Ergebnisse (= das Gute Ende und die guten Werke - A.d.Ü) eine unerschütterliche Treue und Standhaftigkeit. Daher wäre jetzt auch noch Reue zu zeigen und (am Ende alles wieder) aufzugeben ein großer Verlust. Für diejenigen Schüler, die keine Kontakte zur Welt haben, oder doch nur sehr wenig mit ihr verbunden sind, ist diese Inhaftierung besser (als Freiheit) und (das Gefängnis) gewissermaßen ein Ort der Freiheit. Da nun aber für diejenigen, die mit ihr in Verbindung stehen und für deren Unterhalt gesorgt ist, das Geld das sie ausgegeben haben, zu einem vielfachen Almosen wird und die Stunden, die sie (im Gefängnis) verbracht haben, in einen vielfachen Gottesdienst (ibadet)umgewandelt werden, müssen sie dafür dankbar sein, statt sich zu beklagen. Was aber diejenigen betrifft, die arm und schwach sind, so bietet ihr Leben draußen ihnen ja nur Verdienste, die eigentlich ohne Nutzen und ohne Anstrengungen sind, für die sie dann verantwortlich wären, während alle Mühsal hier viele Verdienste und Belohnungen bringt und mit keiner weiteren Verantwortlichkeit verbunden ist. Dabei wird sie auch noch durch den Trost ihrer Kameraden erleichtert. Das aber ist für sie eine Quelle der Dankbarkeit.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Eine fromme Person (ehl-i taqwa)in Kastamonu sagte, indem sie sich darüber beklagte: "Ich bin gestürzt. Ich habe meinen
früheren spirituellen Status (hal)verloren, die Freude (zevk)und das Licht (nur),das mich einmal erfüllt hatte." Ich sagte zu ihm: "Im Gegenteil: du bist schon so weit fortgeschritten, dass du deine (äußerlichen) Freuden und (inneren) Wahrnehmungen, die der Seele (nefs)schmeicheln und dich den Geschmack jenseitiger Früchte schon in dieser Welt (dunya)verkosten ließen, und in dir ein Gefühl der Selbstsucht geweckt hatten, bereits hinter dir gelassen hast und nun in deiner grenzenlosen Bescheidenheit, zugleich mit der Aufgabe deiner Ichverhaftung (terk-i enaniyet)nicht mehr nach flüchtigen (fani)Vergnügungen suchst, wodurch du dich nun vielleicht bereits auf eine höhere Stufe (makam)erhoben hast." Es ist in der Tat ein wichtiges Gnadengeschenk Gottes (ihsan-i Ilahi),wenn Er dem Menschen, der seine Ichverhaftung (enaniyet)noch nicht aufgegeben hat, das Geschenk Seiner Gnade (ihsan)nicht wahrnehmen lässt, damit er nicht stolz (gurur)und überheblich (udjub)werde.
Meine Brüder! Aufgrund dieser Wahrheit schauen solche, die so ähnlich denken wie dieser Mensch, oder aber das Ansehen, das der Rang (makam)in der guten Meinung anderer ihnen gibt, in Betracht ziehen, auf euch. Wenn sie aber die Schüler unter euch im Gewand der Bescheidenheit, der Selbstbeschränkung und Dienstbereitschaft erblicken und sehen, dass sie ganz gewöhnliche, einfache Leute sind, so sagen sie: "Sind dies etwa die Helden der Wahrheit (haqiqat)?Oho! Wer sind denn diese da? Wo sind denn diese Leute, die sich darum bemühen, diesen heiligen Dienst zu verrichten, zu dem selbst die Heiligen in dieser Zeit nicht imstande sind?" Wenn sie Freunde sind, so fühlen sie sich enttäuscht. Sind sie aber Gegner, so finden sie, dass ihr Widerstand (mukhalef)berechtigt (haqli)ist.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Eure Früchte dieses Gefängnisses sind in meinen Augen
so wohlschmeckend, ja geradezu kostbar, wie die Früchte des Paradieses. Sie bestätigen die großen Erwartungen und Überzeugungen, die ich euch gegenüber hatte, ebenso wie die Kraft gegenseitiger Hilfeleistung und Einsatzbereitschaft. So wie drei oder vier Alif- ا , {Buchstabe A, Zahlenwert eins, (A.d.Ü.)} wenn man sie nebeneinander schreibt und auf diese Weise die gesegneten Federn miteinander vereinigt, so erscheint bei aller Schwere dieser (äußerlich) so drückenden (Verhältnisse) ein Wert von drei oder vier Hundert. Der Zustand eures Geistes (halet-i ruhiye),in dem ihr, trotz dieser widrigen Umstände, eure (innere) Einheit (vahdet)bewahrt, beweist meine gestrige Überzeugung. Und wenn auch der folgende Vergleich ein wenig unpassend erscheint, so ist doch nach Sunnitischer Tradition die Stellung der großen Gottesfreunde im Dienst am Islam geringer anzusetzen als die der Sahabis. Darum wird wohl sicherlich auch ein aufrichtiger Bruder, der in heutiger Zeit um seines Dienstes am Glauben willen das Begehren seiner Seele (nefs)hinten an stellt, sich in Demut und Bescheidenheit übt und (die Ideale) der Einheit und gegenseitigen Hilfeleistung zu wahren sucht, einen höheren Platz für sich beanspruchen dürfen als ein Heiliger. Das also war die Schlussfolgerung, zu der ich gelangt bin. Und auch ihr habt diese Folgerung nur immer wieder bestätigt. Möge Gott der Gerechte ewig mit euch zufrieden sein! Amen.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Darum ist diese Abhandlung über die Früchte des Glaubens (Meyve Risalesi)von solcher Bedeutung und so besonders wertvoll. Ich hoffe doch sehr, dass sie eines Tages noch einen großen Erfolg erringen wird! Ihr habt ihren Wert sicherlich recht gut verstanden, denn ihr habt
dieses Lehrhaus nicht verlassen, ohne eure Lehre daraus gezogen zu haben. Was meinen eigenen Anteil (an diesem Elend) betrifft, so kann ich sagen: wären die Früchte all dieses Elends und hätten alle (damit verbundenen) Unkosten zu nichts weiter geführt, als nur zu dieser Abhandlung (Risalah)und zu meiner Verteidigungsrede (Müdafaa Risalesi)und dazu, hier mit euch zusammen sein zu können, so würde dies alle Unkosten in Nichts zusammenschmelzen lassen. Und all dieses Elend, und müsste ich es selbst zehnfach erleiden, wäre (im Vergleich dazu betrachtet) noch billig.
Meinen Erfahrungen entsprechend, und besonders in diesen eng umgrenzten, restriktiven Verhältnissen hier im Gefängnis bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass die Beschäftigung mit der Risale-i Nur, und zwar sowohl sie zu lesen als auch sie niederzuschreiben, alle Unbilden doch sehr erleichtert und schon beinahe ein Gefühl des Frohsinns schenkt. Bin ich nicht mit ihr beschäftigt, vervielfältigen sich alle Probleme und ich beginne, mich über Kleinigkeiten aufzuregen. Wenn ich auch damit gerechnet hatte, dass Husrev, Hafidh Ali und Tahiri aus verschiedenen Gründen am meisten leiden würden, so erlebte ich doch, dass gerade sie und ihre Mitgefangenen es waren, die die meiste Umsicht, Hingabe und Herzensruhe zeigten. "Aber warum ist das denn so?", fragte ich mich. Inzwischen aber wurde mir klar, dass sie nur ihrer wahren Bestimmung (vazife)folgen, da sie sich nicht mit irgendwelchen sinnlosen Dingen beschäftigen und nicht versuchen, sich in die Angelegenheiten (vazife)von Gottes Ratschluss und Vorherwissen (qadha ve qadr)einzumischen, nicht versuchen, sich vorzudrängen, zu kritisieren oder Panik zu verbreiten, sondern sich vielmehr höchst umsichtig verhalten. Sie sind im Angesichte des Unglaubens unerschütterlich geblieben, verharrten in der Ruhe ihres Herzens und haben auf diese Weise das Ansehen der Schüler der Risale-i Nur rein erhalten und somit die geistige Kraft der Risale-i Nur deutlich herausgestellt.
Möge Gott der Gerechte ihre wahre Würde (izzet),ihren Heldenmut (kahraman),ihre Demut und Bescheidenheit unter all ihren Brüdern verbreiten! Amen.
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Meine Brüder!
Eine ganz fürchterliche Ichverhaftung (enaniyet),wie sie aus der Gottvergessenheit (ghaflah)und der Liebe zur Welt entsteht herrscht in unserer Zeit. Deshalb müssen die Leute der Wahrheit (ehl-i haqiqat)ihre Ichverhaftung (enaniyet)und ihre Überheblichkeit, selbst dann, wenn sie noch im Rahmen des Erlaubten sein sollte, aufgeben. Dann werden auch alle aufrechten Schüler der Risale-i Nur den Eisblock ihrer Ichverhaftung (enaniyet)in der Spirituellen Person (shahs-i manevi),im Sammelbecken ihrer Gemeinschaft abschmelzen und so möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie in diesem Sturm unerschütterlich bleiben. Es ist in der Tat eine bestens geübte Methode der Heuchler (munafiq),Leute, von denen ein jeder ein Offizier oder ein Direktor (hakim)sein könnte, unter irgendeiner gemeinsamen Anschuldigung in einer geradezu beängstigenden Umgebung zusammen zu bringen, der sie sich dann zu entziehen versuchen, einander kritisieren, sich gegenseitig bekämpfen und so einander ihre moralischen Kräfte (manevi quvvet)untergraben. Diejenigen, welche auf diese Weise ihre Kraft verloren haben, können dann leicht geschlagen werden. Da aber die Schüler der Risale-i Nur den Weg der Freundschaft (khillet),der Bruderschaft (ukhuvvet)und des Aufgehens in den Brüdern (fena fi-l ikhvan)gewählt haben, so möge Gott es nun wollen (insha-a'llah),dass sie auch diese bestens geübte Methode von diesen Heuchlern noch zu Fall bringen!
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Meine lieben, getreuen Brüder!
In alter Zeit hatte einmal ein Scheich so viele Schüler (Muried),dass die Regierung des Landes politische Verwicklungen
zu befürchten begann und diese Gemeinschaft (djema'at)zerstreuen wollte. Da sagte er den Regierungsbeamten: "Ich habe nur anderthalb Schüler, nicht mehr. Wenn ihr wollt, können wir darüber eine Untersuchung durchführen." So ließ er denn irgendwo ein Zelt aufstellen und davor alle seine vielen Tausend Murieds versammeln und ihnen sagen: "Ich werde euch jetzt einer Prüfung unterziehen. Wer immer von euch mein Schüler ist und meinem Befehl gehorcht, wird in den Himmel (djennet)gehen." Danach rief er einen nach dem anderen zu sich ins Zelt. Er hatte heimlich ein Schaf geschlachtet, so als habe er seinen vornehmsten Schüler getötet und hinüber ins Paradies geschickt. Als die vielen Tausend Umstehenden das Blut sahen, da gehorchten sie ihrem Scheich nicht länger, sondern begannen statt dessen, ihn zu beschuldigen (inkar).Ein einziger Mann sagte: "Man möge mich zum Opfer bringen!" Und er trat an seine Seite. Später kam auch noch eine Frau dazu. Der Rest zerstreute sich. Da sagte der Scheich zu den Männern der Regierung: "Nun habt ihr also selbst gesehen, dass ich nur anderthalb Murieds habe."
Hunderttausendmal Dank sei Gott dem Gerechten, dass die Risale-i Nur in der Prüfung von Eskishehir und vor Gericht nur anderthalb Schüler verloren hat. Im Gegensatz zu diesem Scheich aus alter Zeit wurden ihnen in Isparta und Umgebung durch die Anstrengungen und die Einsatzbereitschaft opferwilliger Männer noch 10.000 hinzugefügt. Möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass auch in dieser Prüfung durch die Mühen und Anstrengungen opferwilliger Männer sowohl aus dem Osten als auch dem Westen nur einige wenige verloren sein werden und zehn an die Stelle eines jeden kommen werden, der geht.
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Vor langer Zeit gab es einmal einen Mann, der war kein Muslim. Es gelang ihm aber doch, Stellvertreter eines Scheichs zu werden und (an seiner Stelle) Schüler anzunehmen. Unter seiner Leitung (irshad)begannen seine
Murieds (auf dem geistigen Weg) voranzuschreiten, bis einer von ihnen in einer inneren Schau (keshf)erkannte, dass ihr Murshid einen tiefen Fall getan hatte. Der aber erkannte dies mit scharfem Blick und sagte zu seinem Muried: "So hast du mich also erkannt." Der aber antwortete ihm: "Da ich nun unter Ihrer Leitung (irshad)bis zu dieser Stufe (makam)gelangt bin, werde ich Euch von jetzt an nur noch mehr in Ehren halten.", flehte für ihn zu Gott dem Gerechten und rettete seinen bedauernswerten Scheich auf diese Weise. Der aber schritt plötzlich wieder mutig aus, überholte alle seine Murieds und blieb so wieder ihr wahrhaftiger Murshid. Das aber heißt, dass manchmal ein Muried der Scheich seines Scheichs sein kann. Doch die wahre Kunst (im Umgang) mit einem Bruder besteht für den, der ihn in einer üblen Lage vorfindet, darin, dass er ihn gerade nicht im Stich lässt, sondern sich darum bemüht, die Situation zu retten und die brüderliche Verbundenheit zu stärken. Das aber ist es, was man von guten Freunden (ehl-i sadaqat)erwarten darf. Weil aber die Heuchler diese Hilfsbereitschaft der Brüder untereinander und die gute Meinung, die sie voneinander haben, zerstören wollen, sagen sie in einer solchen Situation: "Da siehst du es wieder: diese Leute, von denen du einen solchen Dünkel hast, sind ganz gewöhnliche, einfache Leute!" Wie dem aber auch sei: Wir haben bei allem Unglück zwar einen großen Schaden erlitten, doch da es sich hier um eine Angelegenheit handelt, die die ganze Welt des Islam betrifft, so sind wir doch immer noch gut und billig davon gekommen und der Sachverhalt ist von einer ganz außerordentlichen Bedeutung. Denn andere ähnliche Strömungen konnten sich wegen ihrer Religionspolitik oder aus anderen Gründen nicht im Interesse der ganzen islamischen Welt durchsetzen.
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Da der nachstehende etwas sonderbare Schlussakkord am Anfang der gedruckten Ausgabe der "Funken (lemaat)",die noch aus dem Werk des Alten Said stammt und - mit einer kleinen Veränderung - mit meinen gegenwärtigen
Umständen und zudem auch noch genau mit meinem siebzigsten Jahr zusammenfällt, habe ich dieses kurze Gedicht hier mit eingeschlossen. Wenn es euch passend erscheint, könnt ihr es hier am Ende der "Verteidigungsschriften" an Stelle einer Unterschrift mit einfügen, zusammen mit der "Fruchtabhandlung" und der "Kleinen Briefe". Dieser seltsame Schlussakkord besteht aus dreieinhalb Zeilen:
Der Bittsteller
اَلدَّاعِى
Mein geplündertes Grab, in dem neunundsechzig tote Saids mit ihren Sünden und Sorgen aufgehäuft liegen.
Der Siebzigste aber ist zum Grabstein dieses Grabes geworden. Und alle zusammen weinen sie über den Verfall des Islam.
Ich habe die Hoffnung, dass die Himmel der Zukunft und Asiens sich zusammen unter die klare, leuchtende Hand des Islam ergeben werden.
Denn dies verspricht das Gedeihen des Glaubens (iman) und dies verleiht die Sicherheit in der Religion und die Verlässlichkeit für die Menschheit.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Der Grund für die außerordentliche Bedeutung, die ich eurer Bereitschaft zu gegenseitiger Hilfeleistung beimesse, ist nicht nur der, dass dies einen Vorteil für uns und die Risale-i Nur hat, sondern auch für die Masse der Gläubigen (avam-i ehl-i iman),die sich nicht innerhalb der Sphäre eines sicheren, bestätigten Glaubens (tahqiqi iman)zusammenfinden und dringend einen Stützpunkt (nokta-i istinad)benötigen und eine Wahrheit, die
eine Gemeinschaft, die durch keine Zwischenfälle erschüttert wurde, als sicher empfindet. Da sie eine Autorität ist, ein Führer, ein Beweis, der ohne Furcht ist, ohne Angst, ohne Korruption und im Strom aller Irreleitung nicht betrügt. Einer, der eure machtvolle (quvvetli)gegenseitige Hilfeleistung beobachtet, gelangt zu der Überzeugung, dass es da eine Wahrheit gibt, die man für gar nichts opfern darf, die sich nicht beugt vor den Leuten der Irreleitung und die nicht besiegt werden kann. Ihre Moral (quvve-i manevi)und ihr Glaube (iman)werden gestärkt, und sie wird davor bewahrt, den Weltleuten und deren Lastern (sefehat)zu folgen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Hütet euch, ja, hütet euch davor, euch untereinander zu streiten! Die Ohren eurer Spitzel werden ihren Nutzen daraus ziehen. Möge da einer Recht haben, möge er Unrecht haben: wer sich in unserer Lage (hal)streitet, hat Unrecht. Hätte er auch nur für einen Dirhem Recht: wenn er sich darum streitet, kann er uns für Tausend Dirhem Schaden zufügen.
Ich möchte hier gerne noch einmal die Geschichte erzählen, die ich bereits meinen Brüdern im Gefängnis zu Eskishehir, mit ihrer peinlichen Genauigkeit, erzählt habe. Während des Ersten Weltkrieges wurde ich zusammen mit neunzig Offizieren in einem langen Schlafsaal im nördlichen Russland gefangen gehalten. Da sie mich mehr achteten als mir eigentlich zustand, erlaubte ich ihnen bei einigem guten Zureden (nasihat)nicht, irgend eine Unruhe entstehen zu lassen. Doch dann entstanden plötzlich aus einer gewissen innerlichen Unruhe und äußerer Langeweile heraus kleinere Diskussionen, die
schließlich Anlass zu handfesten Streitereien gaben. Ich sagte drei oder vier von ihnen: "Wo immer ihr von solchen Streitgesprächen hört, geht und helft denen, die im Unrecht sind. Das taten sie dann auch. Und so hörten denn am Ende alle diese schädlichen Fechtparteien auf. Da fragte man mich: "Warum hast du zu solch einer ungerechten Maßnahme gegriffen?" Und ich gab ihnen zurAntwort:
"Ein rechtschaffen denkender Mensch (haqli adam)wird immer ehrlich bleiben. Er wird sein Recht im Wert von einem Dirhem einem Frieden aller opfern, der doch hundert Dirhem wert ist. Wenn aber einer sich im Unrecht (haqsiz)befindet, so ist er meistens ein Egoist (enaniyet),der zu keinem Opfer bereit ist, so dass die allgemeine Unruhe nur noch zunimmt."
Meine Brüder!
Lest immer wieder aufmerksam diese Abhandlung (risalah)mit diesen kurzen Briefen, die als eine Quelle des Trostes, der Ausdauer und der Geduld geschrieben wurden. Ich bin unter euch der Schwächste und habe an dieser bedrängnisvollen Lage den größten Anteil. Ich bin, Gott sei Dank, geduldig und fühle mich nicht gekränkt, wenn andere all ihre Schuld auf meinen Schultern abladen. Es beunruhigt mich auch nicht weiter, wenn gewisse Leute auch dort, wo es eigentlich um die gleiche Sache ging, nur sich selbst verteidigt und dort, wo es um die Frage der Vereinigung ging, mir alle Schuld zugeschoben haben. Ich möchte euch, da wir ja Brüder sind, nur darum bitten, mir in dieser Geduld nachzueifern.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Brüder und Gefährten im Gasthaus dieser Welt!
Ich musste heute Nacht daran denken, wie man uns in Handschellen aneinander gefesselt durch Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten zum Gerichtssaal geführt hat und wieder schwollen die Adern des Stolzes (izzet)des Alten Said und ließen eine heftige Wut in ihm aufsteigen. Da wurde ich plötzlich in meinem Herzen ermahnt, dass es nötig wäre, dieser Situation (vaziyet)nicht mit Ärger, sondern mit Stolz (kemal-i iftikhar),Dank (shukur)und Freude zu begegnen, denn in den Augen aller mit Bewusstsein begabten Wesen, einer unendlichen und grenzenlosen Anzahl von Engeln und Geistwesen (ruhaniler),auch unter den Menschen, aller Leute der Wahrheit, aller Menschen von Einsicht (vidjdan),Männern mit einem wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiqi sahibler)erscheinen wir als eine Karawane von Helden auf dem Pfade der Wahrheit und Gerechtigkeit (haq ve haqiqat),des Qur'an und des Glaubens (iman),die dieses Jahrhundert herausfordert. In Anbetracht dieser großen Wertschätzung und Hochachtung, aber auch der Göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)und unserer Annahme durch den Herrn (kabul-u Rabbaniye)können die verächtlichen Blicke einer nur begrenzten Anzahl haltloser, liederlicher, ehrloser Kerle von gar keiner Bedeutung sein. Ja, eines Tages, als ich wegen einer Krankheit einen Wagen benutzte, fühlte ich eine ungeheure Müdigkeit. Als ich aber zusammen mit euch und mit gefesselten Händen einher schritt, spürte ich, wie sich mir die Brust weitete und (fühlte) eine große innerliche Heiterkeit. Das aber heißt, dass dieser Geisteszustand (hal)aus diesem Geheimnis (sirr)erwuchs.
Ich habe es schon mehrfach gesagt und wiederhole es hier nochmals: Noch nie in der Geschichte hat man (Menschen) gesehen, die auf ihrem Weg der Wahrheit so viel Dienst erwiesen haben, die sich dadurch so viele Verdienste (sevab)erworben und dabei doch so wenig Unbilden zu erdulden hatten wie die Schüler der Risale-i Nur. Wie viel Qualen wir dafür auch immer erleiden mögen: Es ist niemals zu teuer erkauft.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt nichts, was ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
All diesen Unbilden zu entfliehen und uns (vor diesen Qualen) zu erretten, war aus zwei Gründen nicht möglich.
Erstens:
Da Gott in Seinem Vorherwissen (qader-i Ilahi)uns hier mit einem Teil der uns vorbestimmten Portion (kismet)ernähren und versorgen wollte, wäre es in jedem Fall notwendig geworden, hierher zu kommen. Es war also in jedem Fall auf diese Weise das Beste.
Zweitens:
Wir haben auch keinen Weg gefunden, uns vor Ränken zu retten, die gegen uns geschmiedet wurden. Ich hatte sie zwar schon im Voraus geahnt, doch gab es da keinen Ausweg. Auch der arme Scheich Abdulhakim selig und Scheich Abdulbaqi selig konnten sich nicht retten. Das aber heißt, dass in diesem Elend es sowohl ungerecht ist, sich noch dazu gegenseitig zu beschuldigen, als auch völlig sinnlos, ja sogar schädlich, auch noch der Risale-i Nur gegenüber eine Art von Groll zu empfinden. Hütet, ja hütet euch, einige Aktivitäten leitender Schüler als die Ursache aller Unbilden zu betrachten und dann ihnen gegenüber einen Groll zu empfinden. Dies hieße, sich von der Risale-i Nur abzuwenden und zu bedauern, die Glaubenswahrheiten gelernt zu haben. Das aber wäre eine innerliche (manevi),eine weit größere Katastrophe (musibet)als eine rein materielle Katastrophe. Ich schwöre euch, dass auch mein Anteil an dieser Katastrophe zwanzig- oder dreißigmal größer ist als der ihrige, weil sie ja in reiner Absicht (niyet-i khalis)gehandelt haben. Doch würde ich auch dann keinen Groll empfinden, wenn diese Katastrophe, die ja nur aus Unachtsamkeit entstanden ist, noch zehnmal größer gewesen wäre. Im Übrigen ist es sinnlos, gegen Dinge anzukämpfen, die bereits vergangen sind, denn man kann sie nicht mehr in den alten Stand zurückversetzen.
Meine Brüder! Angst verdoppelt eine Katastrophe und wird zu einer Wurzel, die eine materielle Katastrophe selbst noch bis ins Herz hinein verpflanzt. Sie verbreitet außerdem den Geruch von einer Art von Widerspruch und Kritik an allem Göttlichen Vorherwissen (qadr)um sich, ja geradezu eine Anklage gegen die göttliche Barmherzigkeit (rahmet).Da in einem jeden Ding auch seine guten Seiten und ein Funke göttlicher Barmherzigkeit (rahmet)zu finden ist, so wirkt göttliches Vorauswissen (qader)zugleich mit Weisheit (hikmet)und Gerechtigkeit (adalet),und darum sollten auch wir nicht jeder kleinen Schwierigkeit, die wir vielleicht erleiden mögen, im Gefolge unserer heiligen Aufgabe, die wir zu erfüllen haben und die in dieser Zeit die ganze Islamische Welt betrifft, gleich eine besondere Bedeutung beimessen.
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(Mein an und für sich völlig unbedeutender allgemeiner Zustand macht es notwendig, euch dies zu schreiben.)
Meine Brüder!
Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass der Böse Blick (nazar)mir schwer zu schaffen macht und mich geradezu krank werden lässt. Das habe ich bei vielen Gelegenheiten erfahren. Ich möchte ja mit all meinen Gedanken und mit ganzer Seele in jeder Lebenslage euer Freund sein. Doch in Übereinstimmung mit dem bekannten Gesetz
اَلنَّظَرُ يُدْخِلُ الْجَمَلَ الْقِدْرَ وَالرَّجُلَ الْقَبْرَ
{"Der Böse Blick treibt das Kamel in den Kochtopf und den Mann ins Grab."}
hat der Böse Blick (nazar)mich getroffen. Denn die mich anschauen, tun dies entweder mit tiefem Hass (shiddetli adavet)oder aber mit Bewunderung. Beide Arten einer solchen Betrachtung finden sich im Blick einiger Leute, die das Geheimnis dieser besonderen Fähigkeit besitzen. Deshalb habe ich den Vorsatz (niyet)gefasst, soweit wie möglich und insoweit ich nicht geradezu dazu gezwungen werde, niemals mit euch zusammen zur Verhandlung zu gehen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt nichts, was ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist."}
Meine lieben Brüder!
Heute früh, während der Morgendämmerung (fedjr),wurde mir plötzlich der folgende Gedanke eingegeben. Ich muss in der Tat das Wunder (keramet)der Risale-i Nur bestätigen, das Husrev in Bezug auf das Erdbeben bis ins einzelne genau geschildert hat und bin im übrigen der gleichen Überzeugung. Denn so wie die vier schweren Angriffe gegen die Risale-i Nur und ihre Schüler und die viermalige Bedrohung durch ein Erdbeben nicht gerade zufällig zusammenfielen, so wurden auch die beiden Zentren für die Verbreitung der Risale-i Nur, Isparta und Kastamonu, im Vergleich zu anderen Orten von dieser Katastrophe verschont. So wie die Suratu-l'Asr bereits andeutet, Glaube (iman)und Gute Werke (amel-i salih)das einzige Mittel der Rettung im Zweiten Weltkrieg, einem der größten Vernichtungsmaschinerien der Menschheit in dieser Endzeit, waren, so kann es auch nicht der reine Zufall sein, dass die Risale-i Nur überall in Anatolien einen wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiq)verbreitet hat, und dass Anatolien sich vor diesen großen Verlusten des Krieges in einer ganz außerordentlichen Weise bewahren konnte. So können auch die perfekte Gleichzeitigkeit (tevafuq)mit der diejenigen, die den Dienst an der Risale-i Nur verhindern wollen, oder in diesem Dienst Fehler begangen haben, dafür zur selben Zeit Schläge bekommen haben, entweder die der Liebe (shefqat)oder die der Wut, nicht ganz und gar nur Zufälle sein, deren es ja Hunderte derartiger Vorfälle gegeben hat. Auch können die Tausende von Vorfällen, wobei fast ohne Ausnahme all diejenigen, die der Risale-i Nur dienen, unmittelbar und zugleich die beste Versorgung erfuhren, Segen, Ruhe und Frieden des Herzens, nicht bloße Zufälle sein.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Im Geheimnis (sirr)der Aussage
اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ
{"Gut ist das, was Gott gewählt hat."}
und
عَسٰى أَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَ هُوَ خَيْرٌ لَكُمْ
{"Es könnte sein, dass du etwas hasst und das ist gut für dich." (Sure 2, 216)}
sind die ausschließlich für innerfamiliäre (mahrem)Kreise bestimmten Teile der Risale-i Nur hinter dem Vorhang ihres "erleuchtenden Geheimnisses (sirran tenevverat)"hervorgetreten, wozu gehört, dass sie in die Hände wildfremder Leute gelangt sind, um die hochmütigsten unter ihnen auf den Kopf zu schlagen und denjenigen, die an der Spitze stehen, ihre Fehler aufzuzeigen. Die aber wollten, dass die ganze Angelegenheit als unbedeutend erscheint, verstanden jedoch auf die eine oder andere Weise, dass sie eine wirklich große Bedeutung hat und lenkten mit Nachdruck ihre Aufmerksamkeit darauf, was der Risale-i Nur geradezu brillante Erfolge bescherte und ihre Feinde dazu veranlasste, sie mit Bewunderung zu lesen. Ja, selbst vor dem Gerichtshof in Eskishehir wurden einerseits viele Verstockte, aber auch viele noch Unschlüssige, aber auch viele Bedürftige von ihr erleuchtet und so wurden sie gerettet, wodurch sich all unsere Unbilden (zahmet)in Barmherzigkeit (rahmet)umwandelte. Möge Gott es wollen, dass sie bei dieser Gelegenheit ihren heiligen Dienst in einem noch größeren Umkreis, in noch vielen Gerichtshöfen und Zentren versehen möge! Wer immer die Art und Ausdrucksweise der Risale-i Nur kennen lernt, kann ihr gegenüber in der Tat nicht gleichgültig bleiben. Sie zwingt nicht nur, gleich anderen Werken, sich mit Herz und Verstand zu unterwerfen, sondern lehrt selbst noch die Seele (nefs)und die Gefühle zu beherrschen.
Eure Entlassung fügt dieser Tatsache (haqiqat)keinen Schaden zu. Mein eigener Freispruch wäre hingegen ein Schaden. Und selbst meine Seele ist dazu bereit, für eine Wahrheit (haqiqat),welche die ganze islamische Welt betrifft, nicht nur ihr irdisches Leben, sondern, falls dies notwendig wäre, auch noch ihr jenseitiges Leben und meine Glückseligkeit für die Leute des Glaubens und die Glückseligkeit, die die Risale-i Nur ihnen vermittelt, zum Opfer zu bringen.
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Es folgt jetzt, unter Auslassung des ersten Teils, ein Abschnitt aus Husrevs Brief über die Ereignisse rund um das Erdbeben:
"Ich fand später in einer anderen Zeitung zur Ergänzung noch die folgende erstaunliche Nachricht: vor dem Erdbeben hatten sich die Hunde und Katzen in Gruppen zu vier oder fünf zusammengefunden, eine Weile stillschweigend, bekümmert und wie benommen einander betrachtend herumgesessen und sich dann wieder zerstreut. Keines dieser Tiere wurde während des Erdbebens, unmittelbar davor oder danach beobachtet. Sie mieden die Städte und verschwanden in den Dörfern. Eine andere merkwürdige Sache, über die dort berichtet wird, ist die, dass diese Tiere durch ihr Verhalten die kommende Katastrophe als eine Folge unseres Ungehorsams ankündigten und dabei sagten: "Wir können so etwas nicht verstehen." Und sich sehr dabei wunderten.
Zu den vielen Hundert Dingen, die Bediüzzaman schon Jahre voraus in der Risale-i Nur angekündigt hatte, gehörte es auch, dass "die Atheisten ihre Hände von der Risale-i Nur lassen und deren Schüler nicht belästigen sollten. Denn falls sie sich an ihr vergreifen und sie belästigen sollten, würde all das Unheil, das bereits in ihrer Nähe auf sie wartet, bewirken, dass sie dies alles noch hundertmal
bereuen werden." Das Erdbeben hat diese Voraussage durch seine Handschrift bestätigt. Danach haben noch vier weitere Katastrophen diese Wahrheit (haqiqat)bekräftigt.
Möge Gott der Gerechte den Glauben in unsere Herzen senken und in die Herzen all derer, welche die Risale-i Nur angreifen und ihnen in Seiner Güte (ihsan)einen Geist in ihren Verstand legen, der die Wahrheit zu erkennen vermag, uns aus diesen Kerkern erretten und sie vor (weiteren) Katastrophen. Amen
Husrev
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Meine lieben getreuen Brüder und Gefährten in diesem Unheil!
Da sich unter euch gesegnete Gelehrte (mubarek alimler),fähige Organisatoren (mudebbirler)und opferbereite Schüler mit reinem Herzen (khalis fedakar shakirdler)finden, bin ich fest davon überzeugt, dass ihr eure Einheit (vahdet)untereinander und eure gegenseitige Hilfsbereitschaft im Angesicht eurer mächtigen, hinterhältigen und zahlreichen Feinde bewahren werdet. Darum bin ich auch bis jetzt noch ruhig geblieben und habe mich auch nicht weiter um euch gekümmert. Jetzt aber ist es notwendig geworden, bestimmte Dinge zu erklären.
Erstens:
(Ich hatte, in der Absicht), eure Entlassung nicht weiter hinauszuzögern, bisher noch nichts unternommen, um irgendetwas nach Ankara zu schicken. Da der Gerichtshof aber jetzt alle mehr oder weniger privaten (mahrem ve ghayr-i mahrem)Abhandlungen und die alten Briefe mit den neuen erst einmal durcheinander gebracht und dann nach Ankara geschickt hat, wurde es nun doch dringend erforderlich und notwendig, meine Verteidigungsschriften an die verschiedenen Abteilungen zu schicken, um die außergewöhnlich kraftvollen Stellungnahmen noch zu unterstützen, welche die verschiedenen privaten Abhandlungen,
besonders aber den "Fünften Strahl" über Sufyan und den (kleinen, bzw.) Islamischen Deddjal und die Abhandlung über die Frucht des Glaubens (Meyve Risalesi)betreffen, welche der Überheblichkeit des Unglaubens, der sich aus den modernen Natur- und Geisteswissenschaften (felsefe-i tabiiyenin)erhebt samt seinen unverschämten Angriffen gegen den Glauben das Haupt zerschmettern wird, damit das Sachverständigenkomitee dort seine Urteilsfindung nicht auf diesen privaten Abhandlungen aufbaut und nicht wieder gegen uns urteilt, so wie es das erste Komitee getan hat.
Der zweite Punkt:
Meine lieben Brüder! Während ich hier bereits die Antwort (in Erwartung) eures so wichtigen Briefes schreibe, ist mir dieser von euch (erwartete) Brief gerade übergeben worden. Gerade erst hatte ich mit dem "Zweiten Punkt" begonnen. Dann habe ich ihn erst einmal liegen lassen. Nun bin ich dabei, ihn zu Ende zu schreiben. Also passt bitte gut auf! Sollte dieser Idee durch eure nutzlosen Advokaten stattgegeben werden, so wäre dies ohne Zweifel der schreckliche Plan derer, die unsere Verurteilung wünschen, sodass das Sachverständigenkomitee in Ankara gleich diesem Komitee hier die noch unveröffentlichten Abhandlungen, besonders aber den "Fünften Strahl" dazu benutzen werden, sie auf die gesamte Risale-i Nur zu beziehen, diese dann zu beschlagnahmen und dabei zu behaupten, dass es sich bei der ganzen Angelegenheit, die im "Fünften Strahl" behandelt wird, genau um das handelt, was alle diese elenden Schüler lernen sollen, die die Risale-i Nur lesen und sie dann alle wegen meines Verbrechens verurteilen. Wenn nun der Gefängnisdirektor und der Öffentliche Ankläger mir Schwierigkeiten machen, in der Absicht, (zu verhindern, dass ich meine Unterlagen) nach Ankara schicke, indem sie mir das Sprechen verbieten und wieder beschlagnahmen, was ich geschrieben habe, so ist das ein mächtiges Zeichen dafür, dass Ankara die Absicht hat, das Urteil gegen uns zu fällen, bevor noch meine unwiderleglichen
Verteidigungsschriften bei ihnen eingetroffen sind.
Der dritte Punkt:
Der Vorsitzende des Gerichtshofes hat an diesem Tag in der Tat gesagt, dass er nun alle Bücher und Dokumente von einiger Bedeutung zusammen mit meiner Verteidigungsschrift nach Ankara senden werde, was natürlich die ganze Angelegenheit noch in die Länge ziehen wird. Sie werden wohl inzwischen eingetroffen sein. Wenn also meine beiden bestens ausgefeilten und erklärten Verteidigungsreden bereits abgeschickt worden sind, werden sie die ganze Angelegenheit sehr schnell geklärt haben. Sie wird also nicht weiter in die Länge gezogen, sondern beschleunigt und so können also die Familienväter rasch entlassen werden. Doch ich selbst und alle diejenigen, die niemanden haben, würden nicht entlassen werden, sondern im Gefängnis bleiben müssen, weil dies ja der beste Ort ist, die Wahrheit des Glaubens gegen die Atheisten und die Abtrünnigen zu verteidigen.
Vierter Punkt:
Sollte die Risale-i Nur nicht frei gegeben werden und meine Verteidigungsrede nicht in Betracht gezogen werden, so wird es euch auch nicht mehr retten, wenn ihr nach außen hin abschwört, weil wir ja aufgrund unseres gemeinsamen (vahdet)Punktes der Anklage aneinander gekettet sind. Es könnte also nur ein Teil der Gefährten, die ohnehin nur eine sehr schwache Verbindung mit uns haben, gerettet werden. (Die Verhandlung) im Gerichtshof zu Eskishehir hat dies in der Tat gezeigt. Denn seit einem Jahr haben sie einen Spion zwischen uns gesetzt, der sich sorgfältig alle enthüllenden (Bemerkungen) unbedachter und leichtgläubiger Schüler notierte, und haben weder Mühe noch Kosten gescheut, um uns zugrunde zu richten und zu bewirken, dass wir Reue empfinden sollen über unseren Weg (meslek).Doch obwohl sie sogar Scheich Abdulhakim gegen uns aufgehetzt hatten, haben sie ihn (doch am Ende) genau so zugrunde gerichtet wie uns selbst, und auch Scheich Abdulbaqi
und Scheich Suleyman, der mir gelegentlich widersprochen hatte. So ist es also gegenüber dem, was sie nach ihrer Überzeugung darüber denken, so wenig wie damals in Eskishehir, noch keine fünf Para wert, wenn ihr nun abschwört und davonlaufen wollt.
Fünfter Punkt:
Wir sind sowohl hier als auch damals in Eskishehir aufgrund unserer Erfahrung zu der absoluten Überzeugung gelangt, dass aufgrund der Tatsache, dass wir aufgrund unseres gemeinsamen (vahdet)Punktes der Anklage unter allen Umständen der Bereitschaft bedürfen, stets füreinander da zu sein. Wutausbrüche, wie sie aus unserer bedrängten Lage entstehen können, Gereiztheit oder die Neigung, einander zu widersprechen, verdoppeln nur noch unsere elende Lage. Leider seid ihr es gewesen, in die ich am meisten vertraut und auf die ich mich am meisten verlassen hatte. Manches Mal, wenn in meinen Gedanken der Sturm los bricht, denke ich an Kamil (= den Vollkommenen) Hodja und Siddiq (= den Getreuen) Hodja in Istanbul und die Leute, die in der Provinz Kastamonu mit einer so außerordentlichen Treue gedient haben, und die Aufregung legt sich wieder. Gebt gut Acht, dass der Geheimdienst, der den völligen Unglauben (kufr-u mutlaq)unterstützt, nicht bei euch einen Fuß in die Tür bekommt. Sie hatten ihren Fuß schon in der Türe meines Nachbarn, was mir Qualen bereitet hat. Beratet euch nun darüber untereinander ohne allen Streit. Ich werde euren Beschluss akzeptieren. Doch wenn ihr euch miteinander beratet, zieht dann auch die Möglichkeit mit in Betracht, dass für den Fall, dass meine Verteidigungsschrift nach Ankara geht und dort untersucht wird, der Gerichtshof hier zu einer Entscheidung über diejenigen kommen könnte, deren Entlassung bereits ansteht, und die Möglichkeit, dass diejenigen, die gegen uns kämpfen und Abdulbaqi, Abdulhakim und Hadji Suleyman in die Verbannung getrieben haben und dafür gesorgt haben, dass Yeshil Shemsi hier bleiben musste, obwohl er doch eigentlich offiziell schon entlassen worden war, Leute nicht
frei lassen werden, die, wie Hafidh Mehmed und Seyyid Shefiq sich mit ihrem unerschütterlichen Glauben weigern, sich vor dem toten Führer und seinem Portrait zu beugen und statt dessen ihren Mangel an Unterstützung für den Atheismus und alle ketzerischen Neuerungen (bid'a)demonstrieren. Ihr solltet auch mit in Betracht ziehen, dass es von größter Wichtigkeit ist, dass die Risale-i Nur aus ihrem Versteck in ihrem Schrank heraus und, wenn sie in einer Zeit, da sie in einer besonders wichtigen, allgemeinen Angelegenheit ganz allein in ihren Zentren zum Streit hervor tritt, die noch zögernden, erstaunten Leute des Glaubens, ihre Schüler hinter sich finden kann, die nicht davon laufen, sondern ihnen zeigen, dass sie sich an eine unerschütterliche und unbesiegbare Wahrheit gebunden wissen. Hütet euch, ja hütet euch dann aber, dass ihr nicht einer auf des anderen Fehler schaut! Habt Hochachtung (hurmet)voreinander! Werdet nicht zornig und kritisiert einander nicht, sondern helft euch gegenseitig.
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Meine lieben Brüder, die ihr mir treu und gehorsam seid!
Seit einigen Tagen habe ich ein Gebet (dua)verändert. Bisher hatte ich zuweilen hundertmal وَ اغْفِرْ لَنَا {"Vergib uns!"} oder وَفِّقْ {"Schenke uns Erfolg!"} und dergleichen mehr gebetet, lasse aber nun in dem Ausdruck
طَلَبَةَ رَسَآئِلِ النُّورِ الصَّادِقِينَ {"treue Schüler der Risale-i Nur"} das Wort اَلصَّادِقِينَ {"treu"} wegfallen, damit diejenigen unserer Brüder, die sich dazu gezwungen fühlen, so zu handeln, als hätten sie eine Dispens (ruhsat)erhalten, oder sich aufgrund ihrer Angst und Verzweiflung infolge der ganzen bedrückenden Verhältnisse nicht an die Regeln (sadaqat)halten, oder dem, was wir darüber hinaus noch freiwillig tun (adhimet),entgegen handeln, indem sie ganz offensichtlich leugnen oder sich von allem zurückhalten, von diesen Gebeten (dualar)nicht ausgeschlossen sein mögen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Mein lieber Bruder Hafidh Ali!
Mach dir keine Sorgen um deine Krankheit! Möge Gott der Gerechte dir Gesundheit schenken, Amen. Denn du erhältst einen großen Gewinn, da ja eine Stunde der Anbetung (ibadet)im Gefängnis dem Dienst und der Anbetung von zwölf Stunden gleich zu setzen ist. Falls du ein Heilmittel brauchst, so habe ich etwas Medizin hier und kann sie dir zuschicken. Es macht ja z.Zt. ohnehin irgendeine leichte Krankheit hier die Runde. Immer an dem Tag, an dem ich dem Gericht vorgeführt wurde, werde ich in jedem Fall krank. Vielleicht hast du mir ja etwas von meinem Unwohlsein abgenommen, um mir zu helfen, gleich denen, die in früheren Zeiten eine wunderbare Opferbereitschaft
gezeigt haben, indem sie füreinander krank geworden und gestorben sind.
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(Ein sehr schöner Beileidsbrief am genau richtigen Ort)
Mein lieber getreuer Mitbruder!
﴿لِكُلِّ مُصِيبَةٍ﴾ إِنَّا لِلّٰهِ وَإِنَّاٰ إِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Wann immer ein Unglück uns trifft: Fürwahr, Gottes sind wir. Und fürwahr, zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156)}
Ich wünsche sowohl mir selbst, als auch euch und (der geistigen Person der) Risale-i Nur viel Stärke und Hafidh Ali, selig, aus Denizli und für den ganzen Friedhof Gottes Segen (tebrik).Dieser unser heldenhafter Mitbruder, der die Wahrheit der Frucht des Glaubens (Meyve Risalesi)mit wissenschaftlicher Sicherheit (ilme-l'yaqin)kannte, hat seinen Körper im Grab zurückgelassen um auf die Stufe (makam)augenscheinlicher und wahrheitsgemäßer Sicherheit ('ayne-l ve haqqa-l'yaqin)emporzusteigen, um wie die Engel in der Welt der Geister unter den Sternen auf die Reise zu gehen. Nachdem er seine Aufgabe vollständig erfüllt hatte, ist er nun entlassen worden und zur Ruhe eingegangen. Möge Gott der allbarmherzigste Erbarmer (Djenab-i Erhamu-r'Rahimin)seine Verdienste (hasanat)nach der Anzahl der Buchstaben der Risale-i Nur, der geschriebenen wie der gelesenen, im Buch seiner Taten eintragen. Amen. Und möge Er nach ihrer Zahl Sein Erbarmen über seinen Geist (ruh)regnen lassen. Amen Und möge Er den Qur'an und die Risale-i Nur ihm zu angenehmen und freundlichen Gefährten im Grabe machen. Amen Und möge Er uns für die Licht-Fabrik (Nur fabrikasi)zehn junge Helden schenken (ihsan),die seinen Platz einnehmen und seine Arbeit fortsetzen werden.
Amen. Amen. Amen. Gedenkt nun seiner im Gebet (dua)gleich mir! Ich erflehe von der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiye),dass Tausend Zungen an stelle seiner Zunge in Dienst treten mögen und er an stelle seines einen Lebens und seiner einen Zunge, die er verloren hat, nun Tausend Leben dafür gewinnen möge.
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Gott dem allbarmherzigsten Erbarmer (Djenab-i Erhamu-r'Rahimin)sei unendlich Dank dafür, dass Er uns in dieser ungewöhnlichen Zeit und an diesem unheimlichen Ort gewährt hat, mit eurer Hilfe zu der so kostbaren Ehre (sheref)und zu dem so bedeutenden Dienst zu gelangen, Schüler der Wissenschaften (des Glaubens = talebe-i ulum)zu sein. Diejenigen, welche (den Status) der Leute in ihren Gräbern, wie den der Märtyrer zu schauen vermögen (= ehl-i keshf-el qubur),haben bereits bei verschiedenen Gelegenheiten bemerkt, dass einige ernsthafte und wirklich begeisterte Schüler der Wissenschaften (des Glaubens) die mitten aus ihrem Studium heraus gestorben waren, sich selbst noch für lebendig hielten und glaubten, noch stets mit ihrem Studium beschäftigt zu sein. Ja, einer derer, die in die Gräber schauen können, beobachtete einmal einen Schüler, der über seinem Studium von Grammatik und Syntax verstorben war, und war nun neugierig, welche Antwort dieser Schüler in seinem Grab Munkar und Nekir geben werde. Da hörte er, wie dieser während seines Studiums der Grammatik verstorbene Schüler, als der Engel ihn fragte: مَنْ رَبُّكَ {"Wer ist dein Herr (Rabb)?"}, antwortete: مَنْ {"Wer"}
ist das Subjekt (mubteda)und رَبُّكَ {"dein Herr"} ist sein Objekt (haber).Er gab ihm also die grammatikalisch korrekte Antwort, der Meinung, er sei noch immer in der Medresse. So weiß ich denn, dass der verstorbene Hafidh Ali, wie in dem obigen Geschehnis, ein Schüler war, der auf dem Gebiet der Wissenschaften (des Glaubens) arbeitete und sich mit der Risale-i Nur beschäftigte, der höchsten aller Wissenschaften, der sich mit den Märtyrern auf genau der selben Stufe befand und auf der gleichen Ebene ihres Lebens. Und in dieser Überzeugung sage ich denn auch in einigen meiner Gebete (dua)für ihn und gleich ihm auch für Mehmed Zühdü und Hafidh Mehmed: "Oh Herr (ya Rabbi)!Schenke ihnen bis zum Tage der Auferstehung mit der Risale-i Nur gleich einem Kleid, der Wahrheit des Glaubens und in den Geheimnissen des Qur'an die vollkommene Freude und Zufriedenheit! Amen."
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich kann den verstorbenen Hafidh Ali nicht mehr vergessen. Sein Leiden erschüttert mich furchtbar. Ich denke, dass in alten Zeiten manchmal solche opferwilligen Menschen selbst an Stelle ihres Freundes gestorben sind und nehme an, dass der Verstobene an meiner Statt gegangen ist. Gäbe es nicht Menschen wie ihr, die seiner Lebensweise folgen und seinen außerordentlichen Dienst versehen, so wäre dies für die Islamiyet ein ganz großer Verlust. Mein Schmerz schwindet, sobald ich an euch,
seine Erben denke, und die Freude kehrt zurück. Es ist zwar erstaunlich, doch nachdem er jetzt mit seinem psychischen (manevi)Leben {d.h. mit all seinen Erfahrungen, die er in diesem Leben gewonnen hat. - A.d.Ü.} ja selbst noch mit seinem physischen (maddi)Leben {d.h. mit all seinen Erinnerungen, die ihn noch mit diesem irdischen Leben verbinden. - A.d.Ü.} in die Zwischenwelt (alem-i berzah)hinübergegangen ist, ist auch in mir die Sehnsucht erwacht, in jene Welt hinüber zu gehen und in meinem Geist (ruh)hat sich ein weiterer Vorhang geöffnet. So wie wir von hier aus Grüße an unsere Brüder in Isparta senden, freundschaftlich (sohbet)miteinander verkehren und Nachrichten miteinander austauschen, so ist nun auch die Zwischenwelt (alem-i berzah),in der Hafidh Ali jetzt weilt, in meinen Augen gleich wie Isparta und Kastamonu geworden. Ich habe sogar davon gehört, dass letzte Nacht jemand von hier nach da gesandt worden ist. Ich war über sein Dahinscheiden sogar noch mehr betrübt: Warum denn nur hatte ich ihm nicht Grüße (selam)an Hafidh Ali mitgegeben? Dann aber wurde mir eingegeben, dass zur Übermittlung von Grüßen gar kein Vermittler nötig ist. Seine starke Verbundenheit (rabita)ist wie ein Telefon. Außerdem kommt er (auch selbst) und nimmt (unsere Grüße selbst in Empfang). Dieser große Märtyrer hat mich dazu veranlasst, Denizli zu lieben. Ich möchte gar nicht mehr von hier weggehen. Er, Mehmed Zühtü und Hafidh Mehmed setzen ihre Aufgabe, die sie im Leben ausgeführt hatten, im Dienst an Glaube (imaniye)und Licht (Nuriye)fort. Sie beobachten ihn ganz aus der Nähe, ja helfen sogar dabei mit. Da sie nun mit ihrer wertvollen Aufgabe im Kreise der großen Gottesfreunde (Evliya-i adhim)ihren Platz eingenommen haben, erwähne ich auch die Namen dieser beiden zusammen mit Hafidh Mehmed in gleicher Reihe (silsile)und neben den Namen der Pole (qutub)und bringe meine Gaben dar.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Eure Aufrichtigkeit (ikhlas),eure Treue (sadaqa)und Beständigkeit (metanet)sind ein ausreichender Grund dafür, dass gerade jetzt einer des anderen Fehler in dieser schweren Bedrängnis nicht ansieht, sondern sie zudeckt. Denn das Band der mächtigen Bruderschaft der Risale-i Nur ist (in sich selbst bereits eine) solche gute Tat (hasanah),dass sie Tausend schlechte Taten darüber verzeihen lässt. Da am Tage der Auferstehung, wenn die guten Taten die schlechten überwiegen, die göttliche Gerechtigkeit (adalet-i Ilahiye)vergeben wird (affet),so solltet auch ihr, da ihr ja seht, wie die guten Taten die schlechten überwiegen, in euren Taten mit Liebe und Verzeihung (muhabbet ve afw)handeln. Denn sonst, wenn ihr wegen einer einzigen schlechten Tat böse werdet und euch aus eurer begrängten Lage heraus dazu aufhetzen lasst, überreizt zu reagieren und in eurem Zorn (neuen)Schaden anzurichten, so ist dies in zweierlei Hinsicht {gegenüber Gott und Seiner Gerechtigkeit einerseits und gegenüber der Brüderlichkeit unter den Schülern andererseits} (wieder ein neues) Verbrechen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass ihr in Frohsinn und im Trost einander helfen werdet und so alle Bedrängnis zu Nichts werden lasst.
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Meine lieben, getreuen, gesegneten Brüder!
Der Grund dafür, dass ich seit Tagen nicht mehr mit euch sprechen konnte, ist eine schwere Krankheit infolge einer Vergiftung, dergleichen ich noch nie zuvor erlebt hatte. Ich werde im Interesse der Risale-i Nur bis ans Ende meiner Tage auf meine Brüder aus dem Kreis des Lichtes (Nur)und der Rosen (= Isparta),die geduldig, fest (metin)und unerschütterlich ausgeharrt haben, und auch auf all die opferwilligen (Brüder) aus Kastamonu ewig und in Dankbarkeit stolz (muteshekkirane iftikhar)sein. Ich habe sie während all der
Bedrängnisse meiner Unterdrücker als einen starken Stützpunkt (quvvetli nokta-i istinad)und vollkommenen Trost empfunden. Sollte ich jetzt sterben, werde ich mit ruhigem Herzen dem Tode entgegen gehen, weil (meine Brüder ja bereits) dort sind. Die Weltleute haben mich aufgrund ihrer völlig unhaltbaren Verdächtigung ins Gefängnis geworfen, ich hätte (einen Plan) gegen sie zu opponieren. Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)hat mich jedoch ins Gefängnis geworfen, weil ich nicht mit ihnen unterhandeln wollte und mich nicht darum bemüht habe, sie in ihrer Gesinnung (hal)zu verbessern. Sollten nur noch einige wenige Freunde mit mir im Gefängnis zurückbleiben, werde ich bei der Regierung in Ankara eine öffentliche Verhandlung beantragen, die das Interesse der ganzen islamischen Welt auf sich lenken wird. Darauf werde ich bestehen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass ich zahlreiche Kopien der "Meyve-Risalesi"(Abhandlung über die Frucht des Glaubens) und meiner Verteidigungsrede in der neuen Schrift anfertigen lassen und den wichtigsten Ämtern zusenden kann!
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Diese Art von Hadith sind von der Art der Allegorien (muteshabih).Sie beziehen sich nicht auf ein einzelnes, ein besonderes (Ereignis) und sind auch nicht überall anwendbar. Unter allen denkbaren Möglichkeiten von religiösen Zersplitterungen, welche die Gemeinde (umma)heimsuchen könnten, wird nur eine einzige Zeit und nur der Hiddjas(= die Gegend rund um Mekka und Medina) und der Irak als Beispiel angeführt. So entstanden z.B. in der Zeit der Abbassiden eine ganze Reihe sektiererischer Strömungen, die der Islamiyet einen Schaden zugefügt haben, wie die Mu'tesiliten, die Rawafiden, die Djebaruya und verdeckte Atheisten und Agnostiker. Zu einer Zeit, in der sich bedeutende
Erschütterungen ereigneten, was die Schariah und die Glaubensgrundsätze (itiqad)betrifft, standen sehr viele islamische Geistesgrößen wie Bukhari, Muslim, Imam-i A'dham, Imam Shafi-i, Imam Malik, Imam Ahmed ibn Hanbal, Imam Ghasali, Ghauthu-l'A'dham und Djunaydul'Baghdadi auf, eilten dem Islam zu Hilfe und schlugen diese Glaubensspaltungen (fitnah)nieder. Von da an setzte sich dieser Siegeszug über 300 Jahre fort. Doch die Sekten der Leute der Irreführung brachten nun verdeckt, d.h. auf politischen Wege die Vernichtung (fitnah)des Hulago-Djingis über das Haupt des Islam. Auf diese Vernichtung (fitnah)weisen sowohl die Hadithe als auch Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, ganz klar und eindeutig und mit Zeitangabe hin. Danach berichten verschiedene Hadithe, sowie eine ganze Reihe von Anspielungen im Qur'an, gleichfalls mit Zeitangabe, über die Zerstörung des (Glaubens) in unserer Zeit, welche die größte Zerstörung (fitnah)ist. Im Vergleich damit verweist eine Hadith, wenn sie ganz allgemein die Stadien erwähnt, welche die Gemeinschaft (umma)durchlaufen wird, manchmal mit Zeitangabe ganz allgemein, nur mit einem Beispiel, auf ein besonderes Ereignis hin. Diese allegorischen und in ihrer Bedeutung nicht immer klar verständlichen Hadithe sind in verschiedenen Teilen der Risale-i Nur ganz klar und deutlich ausgelegt und erklärt worden. Das "Vierundzwanzigste Wort" und der "Fünfte Strahl" erläutern diese Wahrheit an Hand von Grundsätzen.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Es wurde mir eingegeben, dass ich euch die folgende Wahrheit erklären solle, damit ihr euch nicht gegenseitig der Selbstgefälligkeit (enaniyet)und der Treulosigkeit (sadaqatsiz)bezichtigt.
Ich beobachtete einmal, dass einer der großen Gottesfreunde, der seine Ichverhaftung (enaniyet)aufgegeben und dessen Seele ihre Eigenwilligkeit (nefsu-l'emmare)verloren hatte, sich später wieder bitter über seine eigenwillige Seele beklagte, und war darüber sehr erstaunt. Danach aber verstand ich mit Sicherheit, dass die eigenwillige Seele, damit sich der Kampf dieser Seele auf verdienstvolle Weise fortsetzen könne, im Tode all ihre Eigenschaften an die Adern ihres Temperaments und ihrer Gefühle weiter gibt, damit ihr Kampf fortgesetzt werden kann. So beschweren sich denn diese großen Gottesfreunde über diesen zweiten Feind und Erben der Seele. Und weiter sind der innere (manevi)Wert, die Stufe (makam)und die Tugend nicht auf diese Welt (dunya)hin ausgerichtet, sodass sie sich selbst bemerkbar machten. Ja, weil einige derer, welche die höchsten Stufen (erreicht haben), dieses große Gnadengeschenk Gottes (ihsan-i Ilahiye)gar nicht wahrnehmen, betrachten sie sich mehr als andere als gänzlich arm und vollkommen mittellos, was zeigt, dass ihre Visionen (keshif),ihre Wundertaten (keramet),ihre Verzückungen (ezvak)und Erleuchtungen (envar),welche in den Augen der einfachen Leute als die Quelle aller Vollkommenheit betrachtet werden, gar nicht die Quelle und der Prüfstein ihres inneren (manevi)Wertes und der (erreichten) Stufe (makam)sein können. Dies wird durch die Tatsache bestätigt, dass, obwohl doch eine Stunde (im Leben) der Sahabis dem Wert eines Tages (im Leben) anderer Gottesfreunde oder einer ganzen Periode stiller Zurückgezogenheit (tjille)entspricht, und auch wenn nicht alle Sahabis diese Visionen (keshif)und diese wunderbare innere Erleuchtung (erfahren hatten), sie dennoch den gleichen Zustand (hal)erlangten wie die Gottesfreunde.
Wohlan denn, meine Brüder! Gebt Acht, dass eure eigenwillige Seele (nefsu-l'emmare)euch nicht im Vergleich der Seelen miteinander betrügt, indem sie von ihrem Standpunkt aus schlecht denkt (su-i zan)und dann daran zweifelt, dass die Risale-i Nur sie erziehen könne.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Sogar junge Leute, die kaum noch zu bändigen sind, bestätigen, dass die neun Schläge, die sie im Zusammenhang mit den "Fünf Problemstellungen" der "Fruchtabhandlung" und des "Wegweisers für die Jugend" aus der Risale-i Nur empfangen haben, auf die subtile Wunderwirkung der Risale-i Nur zurückzuführen sind.
Erstens:
Feyzi, der mir im Gefängnis zur Hand geht. Zu Beginn sagte ich zu ihm: "Du hast am Unterricht über die "Frucht (des Glaubens)" teilgenommen. Mach mir jetzt also keinen Ärger!" Er machte Ärger. Und er bekam plötzlich einen Schlag (tokat):eine Woche lang waren ihm die Hände gebunden.
Ja, das ist wahr
Feyzi
Zweitens:
Ali Riza, der mir zur Hand geht und die "Fruchtabhandlung" schreibt. Eines Tages war ich gerade dabei, ihn über das zu unterrichten, was er soeben geschrieben hatte. Weil er aber zu faul war, mir das Essen zu kochen, erfand er eine Ausrede, kam nicht und bekam dafür einen Schlag (tokat).Und obwohl sein Topf damals in gutem Zustand war, fiel der ganze Boden mitsamt dem Essen hinunter.
Ja, das ist wahr
Ali Riza
Drittens:
Ziya. Er hatte die Fragestellungen über die Jugend und das Gebet aus der "Fruchtabhandlung" für sich abgeschrieben und mit dem Gebet (namaz)begonnen. Doch dann wurde er faul und hörte wieder auf, zu beten und zu schreiben. Zu dieser Zeit bekam er plötzlich einen Schlag (tokat):entgegen allem, was normal und begründet gewesen wäre, geriet der Korb mit den Kleidern über ihm (im Raum) in Brand. In dem allgemeinen Durcheinander
bemerkte, bis das Feuer ausbrach, niemand eine Veränderung (im Raum), was zeigt, dass dies ein beabsichtigter Schlag der Liebe Gottes (shefqat)war.
Ja, das ist wahr
Ziya
Viertens:
Mahmud. Ich las ihm aus der Fruchtabhandlung die Fragestellungen über die Jugend und das Gebet vor und sagte dann zu ihm: "Hör jetzt auf, (dein Glück) zu verspielen und verrichte das Gebet!" Er war einverstanden. Doch seine Sucht blieb ihm Meister. Er verrichtete nicht das Gebet und verspielte (weiterhin sein Glück). Da bekam er plötzlich einen fürchterlichen Schlag: drei, vier Mal hintereinander übermannte ihn der Spieltrieb und er musste, so arm wie er bereits war, auch noch vierzig Lira bezahlen und dazu noch sein Hemd und seine Hose einlösen. Dennoch ist er nicht zu Verstand gekommen.
Ja, das stimmt
Mahmud
Fünftens:
Ein Junge von vierzehn Jahren mit Namen Suleyman machte stets eine Menge Unsinn und stiftete auf diese Weise auch andere dazu an. Ich sagte zu ihm: "Benimm dich anständig und verrichte das Gebet! Du wirst mit deiner Haltung und durch den Unsinn der Älteren unter euch noch einmal in Gefahr geraten." Er begann erst das Gebet zu verrichten, gab das aber bald wieder auf und begann wieder Unfug anzurichten. Da bekam er plötzlich einen Schlag: Er bekam die Krätze und musste drei Wochen lang im Bett bleiben.
Ja, das ist wahr
Suleyman
Sechstens:
Ömer, der mir anfänglich zur Hand ging, begann, das Gebet zu verrichten und hörte auf, Lieder zu singen. Doch eines Abends drang in der Nähe meiner Tür Gesang an mein Ohr. Das aber störte mich, weil ich gerade mit meinen täglichen Gebeten (vird)beschäftigt war.
Ich wurde zornig, ging hinaus und sah, dass es Ömer war; ganz gegen seine Gewohnheit. Und ganz gegen meine eigene Gewohnheit habe ich ihm eine Ohrfeige (tokat)verpasst. Am anderen Morgen wurde Ömer, ganz entgegen dem, was sonst die Gewohnheit war, in ein anderes Gefängnis geschickt.
Siebentens:
Ein junger Mann von sechzehn Jahren namens Hamza, der eine gute Stimme hatte, sang Lieder, stiftete damit auch andere dazu an und verrichtete so allerlei Unsinn. Ich sagte zu ihm: "Tu das nicht! Du wirst eine Ohrfeige (tokat)bekommen." Plötzlich, zwei Tage später verrenkte er sich die Hand und musste zwei Wochen lang Schmerzen leiden.
Ja, das stimmt
Hamza
Es gibt noch andere Ohrfeigen (tokat)gleich diesen. Doch mein Papier ist zu Ende und (so bin ich denn auch mit diesem) Thema ans Ende gelangt.
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ein Erziehungsminister hat den Schleier vor seinem Gesicht gelüftet und seinen völligen Unglauben (kufr-u mutlaq)in einem anderen Gewand gezeigt. Da er unsere Verteidigungsschrift noch nicht erhalten hatte, muss er seine Erklärung wohl aus einem anderen Grunde geschrieben haben. Ich hatte ursprünglich gar nicht die Absicht, sie an dieses Ministerium zu schicken. Doch nachdem sich unsere Brüder damit einverstanden erklärt hatten, habe ich ihm doch noch eine zugeschickt, denn unsere augenblickliche Lage (hal)hat gezeigt, dass dies doch zweckmäßig und notwendig ist. Denn in jedem Fall würde ein Minister (Wakiel), der sich in einem solchen Grade als verschworener Atheist gezeigt hatte, gegenüber Dokumenten und persönlichen Abhandlungen, die bereits nach Ankara gegangen
waren, nicht gleichgültig bleiben. Plötzlich war er durch eine derartige, unmittelbare, nicht zu widerlegende Verteidigungsschrift wie vor den Kopf gestoßen; was sehr gut war. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass auch in diesem Ministerium ein mächtiger Strom des Interesses für die Risale-i Nur erwachen wird!
Meine Brüder! Da nun einmal ein Teil (der Leute) eine solche innere Gesinnung hegt, wäre es eine Art Selbstmord, sich derartigen (Leuten) auszuliefern. Es hieße, sich seiner Islamiyet zu schämen, ja sogar seinem Glauben abzuschwören. Denn wer seinem Atheismus in einem solchen Grade verschworen ist, kann mit (solchen Leuten) wie wir nur dann zufrieden sein, wenn sie sich unterwerfen, oder doch wenigstens so tun. Sie sagen: "Gib dein Herz und dein Gewissen auf und arbeite nur noch für diese Welt (dunya)!"So gibt es denn in einer solchen Situation keine andere Möglichkeit mehr, als sich auf die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)zu verlassen, ihm standhaft und geduldig zu vertrauen, vier Kästen mit Kopien der Risale-i Nur zu diesem Zentrum zu schicken und darum zu beten, dass sie mit ihrer mächtigen Wahrheit siegreich sein werden. Unsere Erfahrung hat bis heute gezeigt, dass einander aus dem Wege zu gehen, sich aufzuregen und sich loszusagen von der Risale-i Nur, sich (diesen Leuten) zu unterwerfen, ja sogar sich ihnen anzuschließen, nicht von Nutzen ist. Macht euch darüber hinaus keine Sorgen. Das prahlerische Getöse dieses Ministers beweist nur seine Schwäche (da'if)und seine Furcht und verrät, dass er sich nicht dazu gezwungen sieht, anzugreifen, sondern vielmehr, sich zu verteidigen.
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Gleich wie Sami Bey mir erzählt hatte, dass einer unserer Brüder aus Homa, ein Schüler namens Ali, etwa zur
gleichen Zeit gestorben sei wie Hafidh Ali, schrieb mir dies auch Mehmed Ali, einer unser opferbereiten Männer aus Homa. So habe ich also diesen Ali in vielen meiner Gebete (dualar)zu einem Gefährten des großen Märtyrers Ali gemacht.
Kürzlich sah eine Frau, die mit uns in Verbindung steht, dass drei unserer Brüder gestorben sind. Die Erklärung dafür ist die, dass diese beiden Alis und Mustafa, der im Gefängnis der Risale-i Nur hatte folgen wollen und gehängt worden war, an unserer aller Stelle ins Jenseits (akhir)hinüber gegangen und zu unsrer aller Heil geopfert worden sind.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Meine lieben, getreuen, unerschütterlichen Brüder, die Sinn und Wert unseres Vertrauens (in Gott) verstanden haben.
Obwohl ich nun schon seit zwanzig Jahren niemals so neugierig gewesen bin, eine Zeitung zu lesen oder auch nur danach zu fragen, habe ich doch heute zu meinem großen Bedauern und auch nur aufgrund einiger unter unseren schwächeren Brüdern, einen Zeitungsartikel gesehen. Ich konnte aus ihm entnehmen, dass einige machtvolle Kräfte, teils unter einem Deckmantel oder auch ganz offen ihre Rolle spielen. Da auch wir selbst auf dieser Bühne zu sehen sind, wähnt man, dass auch wir selbst mit diesen Kräften in Verbindung stünden. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass die vier Kisten mit machtvollen, nicht zu widerlegenden Abhandlungen, mit Notizen und den so entscheidenden Verteidigungsschriften sowohl für uns, als auch für den Glauben an den Qur'an und den Islam zu positiven Ergebnissen führen wird. Wir haben uns nicht in ihre weltlichen Angelegenheiten
eingemischt und sie konnten auch keine Spur davon entdecken, dass wir etwa die Absicht gehabt haben sollten, uns einzumischen. So war denn Ankara schließlich dazu gezwungen, das gesamte Werk der Risale-i Nur anzufordern, um es genauer untersuchen zu können.
Da dies aber nun einmal die Wahrheit ist und wir bis heute im großen und ganzen die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)im Dienst der Risale-i Nur in unbestreitbarem Maße erfahren haben, und da nun einmal heute die vielen Mächtigen in Politik und Wirtschaft (dunya)ihre Kräfte gegeneinander mobilisieren, und da wir nun einmal aus eigener Kraft nichts anderes tun können, als mit dem Willen Gottes (qadha)zufrieden zu sein, uns in Sein göttliches Vorherwissen (qader)einzufügen und die große und heilige Tröstung aus dem Dienst am Glauben, am Qur'an und der Risale-i Nur (zu empfangen), besteht nun unsere wichtigste Aufgabe vor allem anderen darin, nicht in Bestürzung zu geraten und nicht zu verzweifeln, sondern vielmehr einander moralisch zu unterstützen, sich nicht zu fürchten, sondern allem Unheil im Vertrauen auf Gott entgegen zu sehen. Auch sollte man die Kuppeln, welche diese großspurigen Journalisten, wenn sie aus einem Sandkorn eine Kuppel machen, nur als ein Sandkorn betrachten und ihnen weiter keine Bedeutung beimessen. Das Leben in dieser Welt (dunya)ist, besonders in dieser Zeit und unter diesen Umständen ohne jeden Wert. Was immer uns noch zustoßen möge: wir sollten ihm in Zufriedenheit entgegensehen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Zwei oder drei unserer Brüder haben eine gute Methode
gefunden, wie sie einander trösten können. Sie sagen nämlich:
"Einige unserer neuen Brüder hier im Gefängnis ertragen geduldig ein, zwei oder vielleicht sogar zehn Jahre dieses Unheils aufgrund ein oder zweier Stunden einer unerlaubten Tätigkeit. Ja, einige bringen sogar ihren Dank dar, indem sie sagen, dass sie auf diese Weise vor anderen Sünden bewahrt geblieben sind. Sie sagen dann: 'Warum sollten wir uns über sechs oder sieben Monate einer Segen spendenden Unbill beklagen, wo wir doch zu einer zu höchst erlaubten Tätigkeit angestellt worden sind und durch die Risale-i Nur unserem Glauben dienen?'" Ich gratuliere ihnen (barakallah).Ja, einige Schwierigkeiten für fünf oder zehn Monate zu ertragen, um fünf oder zehn Jahre einen erfreulichen, angenehmen, gesegneten und geheiligten Dienst zu verrichten, eine erhabene Anbetung, eine innere Einkehr mit dem Zweck, sowohl den eigenen Glauben als auch den der anderen zu retten, ist ein Grund zu Stolz (iftikhar)und Dankbarkeit (shukur).In einer Hadith heißt es: "Es ist besser für dich, wenn jemand durch dich zum Glauben gelangt als eine ganze Herde (zum Opfer auserlesener und mit Hennah - A.d.Ü.) rot (gefärbter) Schafe und Ziegen." Du solltest deshalb über all die Leute hier, vor Gericht und in Ankara, deren Glaube durch eure Schriften und durch euren Dienst aus all diesen schrecklichen Zweifeln gerettet worden ist oder noch gerettet werden wird, euren Dank in Geduld und in vollkommener Zufriedenheit darbringen.
Wenn die in Ankara herrschende Volkspartei weiterhin gegen die dorthin gegangenen mächtigen Bücher der Risale-i Nur Widerstand leistet und sich nicht darum bemüht, sie zu beschirmen, in der Absicht, zu einem friedlichen Übereinkommen (musalaha)zu gelangen, so ist der ruhigste Platz für uns das Gefängnis und dies ist für uns ein Zeichen, dass die Atheisten ihre Glaubenslosigkeit mit dem Bolschewismus verbunden haben und die Regierung nun auf sie hören muss, in welchem Falle sich
die (Anhänger) der Risale-i Nur zurückziehen müssten und (ihre Bewegung) zum Stillstand käme und damit würde dann alles materielle und geistige Unheil über uns kommen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ يَامَعْشَرَ الْجِنِّ وَالْاِنْسِ اَلَمْ يَاْتِكُمْ رُسُلٌ مِنْكُمْ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen. Oh ihr hier versammelten Dschinnen und Menschen! Sind nicht aus euren Reihen Botschafter zu euch gekommen?" (Sure 6, 130)}
Obwohl diese Ayah voll Majestät (djelil)bereits erklärt, dass (aus den Reihen) der Dschinnen Propheten gekommen sind, dient doch die folgende Antwort, die Ustadh uns gibt, als Antwort auf eine Frage, die ihm in Hinsicht auf diese schwierige Situation gestellt wurde.
Mein lieber Bruder!
Deine Frage ist tatsächlich von großer Bedeutung. Da es aber die Hauptaufgabe der Risale-i Nur ist, die Menschheit vor Irrwegen und dem absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)zu retten, gibt es in ihr keinen Platz für Dinge dieser Art und bietet sie keinen Raum für eine solche Diskussion. Die großen Lehrer des Islam (Selef-i Salihin)haben (diese Fragen) auch nicht viel diskutiert. Denn solche Dinge, die im Verborgenen, im Unsichtbaren liegen, sind für jeglichen Missbrauch offen. Jeder Scharlatan kann sie als Mittel in seiner Selbstvernarrtheit gebrauchen, so wie
heutzutage Spiritisten ihre Scharlatanerien gebrauchen, um im Namen der "Dschinnen eine Nachricht" zu bekommen. Man sollte solchen Dingen nicht allzu viel Raum für Diskussionen bieten, da sie ein Instrument sein können, um dem Glauben zu schaden. Zudem ist nach dem "Siegel der Propheten (Khatem-ul Enbiya)"kein Gesandter mehr zu den Dschinnen gekommen. Außerdem hat sich die Risale-i Nur immer darum bemüht, die Existenz (vudjud)von Dschinnen und Geistwesen mit unwiderlegbaren Zeugnissen zu beweisen, um die materialistische Denkweise, die in heutiger Zeit zu einer Seuche der Menschheit geworden ist, zurückzuweisen und dergleichen Fragestellungen auf den dritten Platz
{nach den Fragen über Glaube und Unglaube - A.d.Ü.}
verwiesen und deren Auslegung anderen überlassen. Möge Gott es so wollen (insha-a'llah),dass vielleicht (eines Tages) ein Nur-Schüler diese (Ayah aus der) Suratu-r'Rahman auslegt und so diese Frage beantwortet.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
﴿لِكُلِّ مُصِيبَةٍ﴾ إِنَّا لِلّٰهِ وَإِنَّآ إِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"Wann immer ein Unglück sie trifft: Fürwahr, Gottes sind wir und fürwahr, zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156)}
Der Tod von Hafidh Ali, Hafidh Mehmed und Mehmed Zühtü ist nicht nur für uns und für Isparta, sondern tatsächlich auch für das ganze Land und die islamische Welt ein großer Verlust. Doch wie ein Ausdruck göttlicher Gnade (inayet)erschienen bis jetzt immer dann, wenn wir einen Schüler der Risale-i Nur verloren hatten, unmittelbar
darauf zwei oder drei (andere) von gleichem Charakter, weshalb ich die starke Hoffnung habe, dass (eines Tages) ernst zunehmende Schüler auftauchen werden, welche die Aufgaben der (früheren) tapferen (Schüler wieder aufnehmen und wenn auch) in anderer Weise weiterführen werden. So haben denn diese drei gesegneten (mubarek)Verstorbenen in ganz kurzer Zeit im Dienst des Glaubens (vazife-i imani)ein Jahrhundertwerk verrichtet. Möge Gott, der allbarmherzige Erbarmer (Djenab-i Erhamu-r'-Rahimin)ihnen nach der Anzahl der Buchstaben der (Risale-i)Nur, die sie geschrieben, veröffentlicht und gelesen haben, sein Erbarmen (rahmet)erweisen! Amen!
Sprecht den Angehörigen und dem ganzen gesegneten Dorf von Hafidh Mehmed ein herzliches Beileid meinerseits aus. Ich habe ihn zu einem Gefährten von Hafidh Ali und Mehmed Zühtü gemacht und die Namen dieser drei unter den Namen derjenigen meiner Lehrer (ustadh)eingereiht, die zu den geistigen Polen (aqtab)gezählt werden. Und ich habe auch Hafidh Akif zum Gefährten von Asim und Lütfi gemacht.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ
{"Gut ist, was Gott gewählt hat."}
Diesem Geheimnis (sirr)entsprechend ist es auch gut, dass unsere Verhandlung verschoben worden ist. Denn in allen Schulen und Ämtern und dem ganzen Volk ist die Liebe (muhabbet)zu diesem verstorbenen, abscheulichen Menschen eingeimpft worden. Was jedoch diese
Situation (hal)betrifft, so würde sie eine höchst schmerzliche und bittere Auswirkung auf die islamische Welt und ihre Zukunft gehabt haben. Die Risale-i Nur, die jetzt ganz außerhalb unseres eigenen Willens mit unwiderlegbaren Zeugnissen und Beweisen aufzeigt, was ihre wahre Natur (mahiyet)ist, gelangt nun in die Hände derjenigen Personen an der Spitze und derer, die am engsten mit ihr verbunden sind, und derer, die die letzten wären, von ihr abzulassen, wo sie mit einem gründlichen Interesse und mit großer Aufmerksamkeit gelesen wird. Das ist ein solches Ereignis, dass, wollte man selbst Tausende gleich uns ins Gefängnis stecken und sogar hinrichten lassen, dies in Anbetracht des islamischen Glaubens (um den es hier geht) immer noch nur eine Kleinigkeit wäre. Und wenigstens wird dies in gewissem Grade auch noch die verstocktesten unter ihnen vor dem absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)und der Apostasie bewahren, sie in einen zweifelhaften Unglauben (kufr)führen und ihre arroganten und gewagten Angriffe (gegen den Glauben) mäßigen. In unserem letzten Wort vor Gericht haben wir ihnen das folgende ins Gesicht gesagt: "Mögen unsere Köpfe einer heiligen Wahrheit zum Opfer gebracht werden, für die bereits Millionen tapferer Häupter geopfert und gefallen sind!" und ihnen damit unseren Entschluss mitgeteilt, bis zum Ende auszuharren. Wir werden diesen unseren Entschluss nicht wieder zurücknehmen. Ich hoffe, dass es niemanden unter euch gibt, der davor zurückschrecken würde. Da ihr bis jetzt geduldig ausgeharrt habt, könnt ihr nun sagen: "Unser Schicksal (kismet)und unsere Aufgabe (vazife)haben sich noch nicht erfüllt." Und werdet auch weiter in Geduld ausharren. Sie werden sich sicherlich nicht hartnäckig weiter der Risale-i Nur widersetzen, um ihren Weg (meslek)zu verteidigen, der ja, wie bereits in der Fruchtabhandlung mit absolut sicheren Zeugnissen unwiderlegbar bewiesen worden ist, zu einer Hinrichtung auf ewig und einer unendlichen Einzelhaft führt, sondern vielmehr nach (neuen)Wegen suchen, zu einem friedlichen
Übereinkommen (musalaha)oder Waffenstillstand mit uns zu kommen.
اَلصَّبْرُ مِفْتَاحُ الْفَرَجِ وَالسُّرُورِ
{"Geduld ist der Schlüssel zu Freude und Frohsinn."}
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Im "Ersten Strahl" wurde die Ayah
اَوَمَنْ كَانَ مَيْتًا فَاَحْيَيْنَاهُ وَجَعَلْنَا لَهُ نُورًا يَمْشِى بِهِ فِى النَّاسِ
{"Oder kann vielleicht der, welcher tot war und den wir wieder ins Leben gerufen und ihm ein Licht gegeben haben, um unter den Menschen zu wandeln..." (Sure 6, 122)}
erläutert, die sowohl auf die Risale-i Nur als auch durch das Wort مَيْتًا {"tot"} mit drei starken Zeichen auf diese bedauernswerten Schüler der Risale-i Nur wie auch in seiner Verbindung (zu deren Haltung) auf sie hinweist. Nun ist durch dieses Ereignis {nämlich die Verhaftung der Schüler - A.d.Ü.} eines dieser Zeichen vollständig zur Geltung gekommen. Denn diejenigen, welche uns unterdrücken, halten das Leben, die (westliche) Zivilisation und alle Vergnügungen in ihrer Hand und beschuldigen uns, dass wir diesem Lebensstil keine Bedeutung beimessen, wollen uns dafür zur Rechenschaft ziehen, uns wie Schwerverbrecher dafür ins Gefängnis sperren oder sogar hinrichten. Doch dafür können sie keine gesetzliche Handhabe finden.
Wir aber halten den Tod als einen Vorhang vor dem Zugang zum Ewigen Leben in unserer Hand, womit wir sie auf ihre Köpfe schlagen, damit sie zur Besinnung kommen, und arbeiten mit unserer ganzen Kraft, um sie davor zu retten, wahrhaft zur Verantwortung gezogen, in den Kerker geworfen, für ewig hingerichtet und zu immer währender Einzelhaft (verurteilt) zu werden. Aber selbst wenn ich ganz persönlich (nefs)aufgrund dieser leidenschaftlichen (shiddetli)Abhandlungen, die nun nach Ankara gelangt sind, schwer bestraft werden sollte, und diejenigen, welche diese Strafe verhängt haben, würden durch diese Abhandlungen von der Vollstreckung der Todesstrafe bewahrt bleiben, würden doch mein Herz und meine Seele damit zufrieden sein. Das heißt, wir wünschen und wollen, dass sie das Leben in beiden Welten haben sollen. Sie möchten, dass wir sterben sollen und suchen einen Vorwand dafür. Doch da die Wahrheit des Todes sonnenklar und hell wie der Tag mit offenen Augen zu erkennen ist und unter den Menschen für die Leute des Irrweges jeden Tag 30.000 Beerdigungen (stattfinden), worauf die Fermane zu 30.000 Hinrichtungen auf ewig und Erlasse zu 30.000 mal Einzelhaft hinweisen, bleiben (sie im Ewigen Leben hingerichtet) und werden wir im Gegensatz zu ihnen (im Ewigen Leben) nie besiegt. Sie mögen tun, was immer sie wollen. Der Djifr- und der Ebdjed-Rechnung zufolge gab uns die Ayah
اِنَّ حِزْبَ اللّٰهِ هُمُ الْغَالِبُونَ
{"Fürwahr, es sind Gottes Gefährten, die siegen werden." (Sure 5, 56)}
selbst noch in den zwölf Jahren unserer tiefsten und bittersten Niederlage die frohe Kunde von unserem Sieg; und das Datum dafür gleich dazu. Da dies aber nun einmal die Tatsache (haqiqat)ist, werden wir von jetzt an sowohl vor Gericht als auch vor dem Volk sagen:
"Wir bemühen uns darum, vom Tode errettet zu werden, der uns schon vor Augen steht und mit einer Hinrichtung
für ewig auf uns wartet, und von der Einzelhaft in der ewigen Finsternis des Grabes, dass seine Pforten vor uns geöffnet hat und uns mit unwiderstehlicher Sicherheit zu sich ruft. Auch wollen wir euch dabei helfen, vor diesem schrecklichen, unvermeidlichen Übel errettet zu werden. Die in euren Augen größte weltliche wie politische Frage ist in unseren Augen und hinsichtlich der Tatsachen (haqiqat)von nur sehr geringem Wert und für diejenigen, die davon nicht direkt betroffen sind unnütz, unbedeutend und wertlos. Was hingegen die unabdingbaren menschlichen Pflichten (vazife)betrifft, mit denen wir uns beschäftigen, so liegen sie bei jedermann stets im ernsthaften Interesse. Solche, die diese unsere Aufgabe nicht mögen und uns da gerne ein 'Halt!' zurufen möchten, müssten aber zuerst einmal dem Tod ein 'Halt!' entgegenrufen und die Gräber schließen!"
Der zweite und dritte Punkt sind bis jetzt noch zurückgestellt worden.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Es gehört zu den Wundern (keramet)der Risale-i Nur, dass Hasret Ustadh seit zehn Jahren wiederholter maßen gesagt hat: "Oh ihr Atheisten und ihr Apostaten! Mischt euch nicht ein in die Risale-i Nur! Gleich der Risale-i Nur, die wie das Almosengeben ein Mittel ist, um Katastrophen abzuwenden, schwächen auch alle Angriffe gegen sie, so wie alle Versuche, sie in ihren Aktivitäten einzuschränken, sie in ihrer Verteidigung gegen alles Unheil. So bald ihr euch gegen sie wendet, wird alles Übel, das schon an der Schwelle auf der Lauer liegt, wie eine Sturzflut über euch hereinbrechen." In dieser Hinsicht gibt es bereits eine ganze Reihe Unwetter, deren Zeugen wir geworden sind.
Wann immer in den letzten vier Jahren die Risale-i Nur und ihre Schüler angegriffen wurden, folgte dem ein Übel oder Unheil und demonstrierte die Wichtigkeit der Risale-i Nur und dass sie ein Mittel ist, eine Katastrophe abzuwenden. So haben denn unter den Hunderten von Ereignissen, die Ustadh Bediuzzaman vorausgesagt hatte, Katastrophen mit ihren Erdbeben ihre Handschrift für deren Richtigkeit hinterlassen. Viermal folgte ein Unheil dem anderen und zeigte immer wieder, wie die Risale-i Nur ein Mittel ist, sich gegen ein solches Übel zu verteidigen. Möge Gott der Gerechte in Seiner Güte (ihsan)den Glauben (iman)in die Herzen derer hinab senken, die uns und die Risale-i Nur angreifen, damit der Verstand und die Augen, die sie im Kopf haben, die Wahrheit (haqiqat)erkennen. Und möge Er uns vor den Kerkern und sie vor dem Verderben erretten. Amen!
Husrev
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Es ist ein Ausdruck der Gnade unseres Herrn (inayet-i Rabbani),dass Ankara, obwohl doch der Erziehungsminister, der uns noch bevor er überhaupt etwas von unseren Verteidigungsschriften, unseren Dokumenten und unseren Büchern (direkt) gesehen, vielmehr nur wie hinter einem Vorhang (etwas von deren Existenz) geahnt hatte, bereits außer sich vor Wut angegriffen hatte, obwohl also Ankara unsere besonders aggressiven persönlichen Abhandlungen (risalah),wie den "Fünften Strahl" und den Anhang zu den "Sechs Listen des Satans" bereits einer Untersuchung unterzogen hatte, in der Absicht, sie zu kritisieren, und obwohl wir doch aufgrund dieser heftigen,
provokanten, verwegenen Schläge gegen den absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)in unserer Verteidigungsschrift eigentlich hätten erwarten können, man werde nun besonders streng gegen uns vorgehen, sie doch nun im Vergleich zur Schwere des Tatbestandes eine besonders milde, ja beinahe friedfertige Haltung angenommen haben. Die Weisheit (hikmet)hinter dieser Erscheinung der göttlichen Gnade (inayet)ist folgende: Da die Risale-i Nur (eine politische Angelegenheit) geworden ist, die das ganze Land (d.h. also alle Menschen - A.d.Ü.) betrifft, wird sie auch in einem öffentlichen Lehrhaus (d.h. von Richtern und Politikern - A.d.Ü.) in hohen und höchsten Ämtern (makamat)mit Aufmerksamkeit und großem Interesse gelesen. In unserer Zeit ist eine so anspruchsvolle Unterweisung, wie sie in solch alles umfassenden, allgemeinen, offiziellen Kreisen gelesen wird, sicherlich ein Gnadenerweis Gottes (inayet)und ein mächtiger Hinweis darauf, dass der völlige Unglaube (kufr-u mutlaq)gebrochen worden ist.
Meine Brüder! Einmal angenommen, es gäbe für einige schwache Familienväter, die soviel Unheil (erfahren) und einen solchen Schaden erlitten haben, eine Entschuldigung, (das Studium) der Risale-i Nur bis zu einem gewissen Grade aufzugeben, ja sich sogar von uns zurückzuziehen, so sage ich hinsichtlich der Möglichkeit, sie könnten nach ihrer Entlassung noch (ihre Meinung) wieder ändern: es wäre ein ernstzunehmender Verlust für (Menschen), die für Güter von solchem Wert einen derartigen Preis im materiellen wie im geistigen Sinne entrichtet und so viel dabei gelitten haben, auf diese Güter nun wieder zu verzichten. Und würden sie nun plötzlich die Risale-i Nur und ihre Teile und ihre Verbundenheit wieder aufgeben und damit aufhören, uns zu beschützen, uns zu helfen und uns zu bedienen, so wäre das ein sinnloser Verlust sowohl für jeden einzelnen von ihnen als auch für uns selbst. Aus diesem Grunde ist es nicht nur notwendig, vorsichtig zu sein, sondern auch seine Treue, seine Bindungen und seinen Diensteifer nicht zu ändern.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Es ist eine Manifestation der Gnade unseres Herrn (inayet-i Rabbaniye)und ein ganz besonderer Schutz göttlicher Fürsorge (himayet-i hifz-i Ilahiye),dass - so wie ich es gehört habe - das Komitee der Experten in Ankara angesichts der Wahrheit der Risale-i Nur geschlagen worden ist. Und wenn es da auch eine Reihe von Gründen gibt, es zu kritisieren und ihm in mancherlei Hinsicht zu widersprechen, so hat es schließlich doch ganz einfach zur Freigabe (der Risale-i Nur) beigetragen. Dabei hatten uns doch die heftigen Worte in meinen privaten (mahrem)Abhandlungen, der herausfordernde Ton in meinen Verteidigungsschriften, dieser fürchterliche Angriff des Erziehungsministers und die beiden materialistischen Philosophen aus dem Komitee der Sachverständigen, die dem Erziehungsministerium angehören, dazu noch ein großer Gelehrter, der diese neuerlichen Reformen unterstützt, sowie seit einem Jahr eine atheistische Tarnorganisation, die die Volkspartei und das Unterrichtsministerium gegen uns aufgehetzt hat: das alles hatte uns dazu veranlasst, einen vehementen Einspruch aus dem Komitee der Sachverständigen, verbunden mit der Androhung schwerer Strafen zu erwarten. Dann aber kam uns der Schutz und die Gnade des Allbarmherzigen (himayet ve inayet-i Rahmaniye)zu Hilfe, zeigte ihnen das hohe Ansehen (makam)der Risale-i Nur auf und brachte sie dazu, ihre heftige Kritik einzustellen. Als ich jedoch, in dem Gedanken, uns vor einer Verurteilung zu retten und, damit ich nicht wegen dieser Angelegenheit in Eskishehir und dem Vorfall am "31.-März-Feiertag" {Gedenktag eines Aufstands im Osmanischen Reich 1909 - A.d.Ü.} als ehemaliger politischer Krimineller betrachtet werden solle, zeigen wollte, dass wir nur um der Religion und des Glaubens willen tätig sind und dabei keine politischen Ziele verfolgen, sagten sie: "Es ist schon seit langem bekannt, dass Said Nursi gelegentlich den Anspruch erhebt, (weil er doch ein Gelehrter ist) ein Erbe
des Propheten zu sein. Er hat sich die Stellung eines Reformators (mudjeddid)im Dienste des Qur'an und des Glaubens zugeeignet; d.h. er gerät manchmal in eine Art von Verzückung (djezbe)und benimmt sich dann nach Art der Mystiker (medjzub)."Auf diese Weise und mit einem derartigen Ausdruck gottloser Philosophie sagen sie zu solchen, die sich mächtig für den Glauben einsetzen, wer immer dies nun sein mag: "Er erfüllt seine Pflicht (vazife)im Sinne eines Reformators (mudjeddid)."Sie benutzen solche Ausdrücke einer gottlosen Philosophie, um damit einerseits eine weit über ihre Grenzen hinaus gute Meinung einiger Brüder über mich zu kritisieren und schreiben mir dabei andererseits eine Verzückung (djezbe)zu, nur um mich in meiner vehementen Art vor einer politischen Verfolgung und Bestrafung freizustellen, mir in den Augen meiner Gegner und Widersacher in gewissem Grade zu schmeicheln und um damit zu zeigen, welch eine gewaltige Kraft die Anspielungen auf den Qur'an, die Wunder (keramet)von Imam Ali und die Glaubenswahrheiten des Ghauthul'Adham haben und sind sich nach ihrer Vorstellung dabei sicher, dass sie auch bei mir wie bei allen anderen einen gewissen Ehrgeiz (hubb-u djah)gerade in spirituellen Dingen, Egoismus (enaniyet)und eine große Selbstgefälligkeit vorfinden werden, den sie dann brechen müssen. Vom Anfang bis zum Ende liefert die Risale-i Nur hiergegen klar wie die Sonne die Antwort. Und da unser Weg (meslek)die Bruderschaft (ukhuvvet)ist und die Aufgabe des Egoismus (terk-i enaniyet),und da wir niemals selbstgefällig irgendwelche ekstatischen Schreie ausgestoßen haben, weisen das demütige Leben des Neuen Said seit der (Abfassung) der Risale-i Nur, seine Zurückweisung einer übermäßig guten Meinung seiner gesegneten Mitbrüder und wie er sie in seiner Unterweisung ohne jede Rücksichtnahme wiederholt darin zu mäßigen sucht, alles was eine derartige Unterstellung ahnen ließe gänzlich zurück und macht sie zunichte.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich werde euch z.Zt. die einstimmigen Beschlüsse der Experten noch nicht zusenden, damit denen, die uns darüber informiert haben, kein Schaden daraus entstehen soll. Dieses letzte Komitee von Fachleuten hat schließlich alles getan, was es konnte, um uns zu retten und uns vor dem Übel der Leute des Irrweges und der ketzerischen Erneuerungen (ehl-i dalalet ve bid'a)zu bewahren und uns von allen Anschuldigungen, die man gegen uns erhoben hat, frei zu sprechen. Sie erwecken den Eindruck, dass sie die Lektion der Risale-i Nur vollständig erfasst und einstimmig beschlossen haben, dass der größere Teil des Wissens über den Glauben ganz klar und verständlich beschrieben ist, dass Said seine Sichtweise ernsthaft (samimi)und aufrichtig (djiddi)erläutert, und dass die Macht (quvvet)und die Kraft (iktidar)die von ihr ausgeht, sich nicht gegen die Regierung richtet, sondern nur den Bedürftigen die Wahrheit des Qur'an lehrt. Was aber seine als unwissenschaftlich bezeichneten, persönlichen Abhandlungen betrifft, so sagen sie: "Er gerät zuweilen in Ekstase (djezbe)und leidet dann unter den Turbulenzen seines Bewusstsein und Stürmen seines Geistes (ruh)und sollte für ein solches Werk nicht zur Verantwortung gezogen werden." Und machen es auf diese Weise verständlich. Was aber die Ausdrücke "der alte Said" und "der neue Said" betrifft, so sagen sie, dass es sich hier um zweierlei Persönlichkeiten handle, wobei sich bei der zweiten eine außerordentlich Stärke des Glaubens und der Kenntnis der qur'anischen Wahrheiten findet. Mit Rücksicht auf die (westlich gesinnten) Philosophen aber sagt man: "Es gibt da möglicherweise eine Art von Ekstase (djezbe),gleich einer Revolte in seinem Gehirn." Damit wollen sie uns vor der Verantwortung für gewisse heftige Ausdrücke retten und zugleich auch unseren Gegnern schmeicheln, indem sie sagen: "Man muss die Möglichkeit mit in Betracht ziehen, dass hier eine gewisse Erkrankung vorliegt, welche Gehör und Gesicht in Mitleidenschaft zieht und zu Halluzinationen führen kann."
Diese Abhandlungen der Risale-i Nur, meine Verteidigungsschriften und die "Fruchtabhandlung", welche in ihre Hände gelangt sind, haben alle Advokaten in Erstaunen versetzt. Sie übersteigen alle Vernunft und formen so eine vollkommen ausreichende und befriedigende Antwort auf die Einrede einer solchen Möglichkeit. Ich danke vielmals dafür, dass mir durch eine derartige Möglichkeit die Ehre einer Anspielung durch eine entsprechende Hadith (es handle sich hier um einen Irren) gewährt worden ist. Darüber hinaus hat das Komitee der Sachverständigen alle meine Brüder und auch mich selbst freigesprochen. Sie sagten: "Saids wissenschaftliche und sachkundliche Werke sind mit dem Glauben und (seinem Leben für) das Jenseits verbunden. Wir haben in ihnen nichts gefunden, was offensichtlich oder andeutungsweise, sei es in seiner Korrespondenz, noch in seinen Büchern oder Abhandlungen auf irgendeine Art von Konspiration gegen die Regierung hindeuten könnte." Sie haben ihre Entscheidung übereinstimmend mitgeteilt und darunter ihre Unterschriften gesetzt: der Philosoph Nedjati, Yusuf Ziya (ein Gelehrter) und der Philosoph Yusuf.
Es ist eine feinsinnige Übereinstimmung (latif bir tevafuq),dass, während wir unter uns dieses Gefängnis als eine Schule des Josef (Medresse-i Yusufiye)bezeichnen und die Früchte des Glaubens (Meyve Risalesi)als seine Frucht, auch diese anderen beiden Yusuf durch (dieses Gutachten) und in ihrer Haltung (lisan-i hal),wenn auch verschleiert zum Ausdruck brachten: "Auch wir haben an den Lektionen dieser Schule Josefs teilgenommen." Mehr noch (findet sich in ihrem Gutachten) ein feinsinniger Hinweis auf die Möglichkeit einer Verzückung (djezbe)oder Halluzination in Ausdrücken wie: "das dreiunddreißigste Wort und der dreiunddreißigste Brief öffnet dreiunddreißig Fenster", wie er seine Katze die Namen Gottes (tesbih)rezitieren hört, (wenn sie) "Ya Rahiem! Ya Rahiem!"sagt und wenn er "sich selbst als einen Grabstein sieht."
Said Nursi
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Da wir nun einmal aufgrund vielerlei Anzeichen unter der Gnade Gottes (inayet)stehen, und da nun einmal die Risale-i Nur selbst im Angesichte sehr vieler ungerechter Feinde nicht besiegt werden konnte, sondern den Erziehungsminister und die Volkspartei zum Schweigen gebracht hat, und da nun einmal diejenigen, welche unsere Angelegenheit zu einem so großen und weiten Feld gemacht und dabei auch noch maßlos übertrieben und dadurch die Regierung in helle Aufregung versetzt haben, sich nun darum bemühen, ihre Lügen und Verleumdungen bis zu einem gewissen Grade hinter irgendwelchen Ausreden zu verbergen, wird es nun für uns notwendig, uns unsere Ruhe und Geduld in vollkommener Hingabe (kemal-i teslimiyet)zu bewahren, besonders aber, sich nicht enttäuscht zu fühlen, auch nicht zu verzweifeln, wenn einmal das Gegenteil von dem passiert, was wir erhofft hatten, oder uns von vorübergehenden Stürmen erschüttern zu lassen. Die Zerstörung einer Illusion mag bei Weltleuten in der Tat ihre Moral (quvve-i maneviye)untergraben und ihre Begeisterung schwächen, doch für die Schüler der Risale-i Nur, die hinter allen Anstrengungen, Plagen und Bemühungen einen Gunsterweis (inayet)der göttlichen Gnade (rahmet)erblicken, ist eine Zerstörung ihrer Illusionen notwendig, um ihre Bemühungen, ihren Fortschritt und ihre Ernsthaftigkeit zu unterstützen. Vor vierzig Jahren überwiesen mich die Politiker in eine psychiatrische Anstalt (und behaupteten), ich wäre vorübergehend geistesgestört. Ich sagte zu ihnen: "Ich halte das meiste von dem, was ihr für verständig haltet für Unsinn. Auf diese Art von Verstandhaltung möchte ich aber verzichten."
وَكُلُّ النَّاسِ مَجْنُونٌ وَلٰكِنْ عَلٰى قَدَرِ الْهَوٰى اِخْتَلَفَ الْجُنُونُ
{"Alle Menschen sind irre. Doch der Grad ihres Irreseins unterscheidet sich entsprechend ihren jeweiligen Launen."}
So wiederhole ich denn denen gegenüber, die mir in Bezug auf diese persönliche (mahrem)Abhandlung eine gelegentliche Verzückung (djezbe)oder vorübergehende Geistesgestörtheit attestieren, in dem Gedanken, mich und meine Brüder von schweren Vorwürfen zu retten, eben diese Worte und bin dafür in zweifacher Weise dankbar.
Erstens:
In einer zuverlässigen Hadith (hadith-i sahih)wird verlautbart (ferman):"Hat ein Mensch den vollkommenen Glauben (kemal-i iman)erlangt, so halten gewöhnliche Leute seinen erhobenen Geisteszustand für Verrücktheit (medjnun),weil er ihnen über den Verstand geht. Sein vollkommener Glaube (kemal-i iman)und seine feste Überzeugung (tam itikad)sind dafür der Beweis."
Die zweite Hinsicht:
Ich wäre voller Freude und Stolz (kemal-i fakhr u ferah)dazu bereit, dass man mich nicht nur für verrückt erklärt, sondern für meine Brüder in diesem Gefängnis sogar meinen ganzen Verstand und mein Leben dem Wohlbefinden und ihrer Rettung aus der Finsternis zum Opfer zu bringen. Wenn ihr es für passend haltet, könntet ihr sogar ein Dankschreiben an diese drei Personen richten und ihnen mitteilen, dass wir ihnen gestatten würden, an unseren spirituellen Verdiensten teilzuhaben.
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Meine lieben, treuen Brüder und aufrichtigen Freunde im Dienst am Qur'an und im Glauben, unzertrennliche Gefährten auf dem Wege zu Wahrheit und Gerechtigkeit, in das Zwischenreich (berzah)und die jenseitige Welt (akhiret)!
Während die Zeit näher rückt, uns voneinander trennen zu müssen, sind die Grundsätze der "Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Ihlas Risalesi)"aufgrund der aus unserer bedrängten Lage entstandenen Fehler und Spannungen nicht gewahrt worden, weshalb es unbedingt notwendig ist, dass ihr einander ganz und gar vergebt.
Ihr seid als Brüder (im Glauben) einander näher als der opferbereiteste leibliche Bruder. Was aber ein Bruder ist, so verbirgt er die Fehler seines Bruders, vergibt und vergisst sie. Ich schreibe hier eure außergewöhnliche Verschiedenheit und euren Egoismus (enaniyet)nicht eurer eigenwilligen Seele (nefs-i emmare)zu und hätte von Schülern der Risale-i Nur (ein solches Verhalten) nicht erwartet. Ich betrachte es vielmehr als eine Art vorübergehenden Egoismus (enaniyet),wie er sich bei den Gottesfreunden (auliya)findet, die ihre eigenwillige Seele (nefs-i emmare)bereits überwunden haben. So verderbt mir nicht durch eure Hartnäckigkeit (inad)die gute Meinung (husn-u zan),die ich von euch habe, sondern schließt Frieden.
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Meine Brüder!
Aus dem Bericht des Komitees der Sachverständigen geht hervor, dass die Risale-i Nur allen gegnerischen Gruppen gegenüber Sieger bleibt, weil die "Abhandlung wohldurchdachter Gottesbeweise (Hudjjetu'llahi-l'Baligha)",der "Seelenführer für die Alten (Ihtiyar Risalesi)"und die "Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Ihlas Risalesi)immer wieder ihre Aufmerksamkeit auf sie lenken.
Des Weiteren begnügen sie sich in ihrer weitgehend oberflächlichen, im Ton eines fanatisierten Hodjas vorgebrachten Kritik, auf die eine Antwort zu finden recht einfach wäre, und ihrer Aussage, "es läge da ein Widerspruch vor", wobei sie die Zusammenhänge aus den Augen verlieren und überhaupt nicht verstehen, worum es sich in der Sache eigentlich handelt, bei ihrer spontanen Bestätigung, Bewunderung und Bejahung von neunzig Prozent der Abhandlungen, trotz meiner im Anhang zur Abhandlung über die "Listen des Teufels (Hudjumat-i Sitte Zeyli)"heftigen Zurückweisung und Geringschätzung derer, die diese Fetva für die ketzerischen Erneuerungen abgegeben hatten, von der sie lediglich sagten, sie sei in
Ton und Ausdrucksweise sehr gewöhnlich, und meiner Aussage, unschuldige, gläubige Christen, die von den Gottlosen getötet worden sind, würden in der Endzeit eine Art Märtyrer sein, mit dem Hinweis, dies stünde im Gegensatz zu dem heftigen Angriff im "Anhang (zeyl)"gegen das Gebet (namaz)mit entblößtem Haupt und den Aufruf zum Gebet (ezan)auf türkisch. (Das alles aber) führt zu der Überzeugung, dass sie mit Sicherheit gegenüber der Risale-i Nur eine Niederlage erlitten haben.
Said Nursi
Vierzehnter Strahl
Ein kurzer Anhang zu meiner Erklärung
Hiermit erkläre ich vor dem Gerichtshof zu Afyon:
Wie ich in meiner Erklärung, die Ihnen (und damit) vor dem Gesetz und dem Recht dargelegt wurde, bereits gesagt habe, hat der dreimalige Überfall auf mein Haus, Durchsuchung, Festnahme, Vorführung, Verhör und Kerkerhaft die Würde dreier Obergerichtshöfe beleidigt, ihr Ansehen und ihre Autorität verletzt, ja geschmäht.
Denn drei Höfe und drei Komitees von Sachverständigen haben zwei Jahre lang meine Bücher und meine Briefe aus zwanzig Jahren eingehend unter die Lupe genommen. Danach hat man uns beide sowohl freigesprochen, als mir auch meine Bücher und meine Briefe zurückgegeben. Auch nachdem man uns freigesprochen hatte, wurde mir während dreier Jahre einer völligen Isolation unter strengster Überwachung nur gestattet, einmal in der Woche einigen meiner Freunde einen harmlosen Brief zu schreiben. Es war mir, als wären alle meine Verbindungen mit der Welt (dunya)wie abgeschnitten. Denn obwohl man mir meine Freiheit wiedergegeben hatte, konnte ich doch nicht mehr in meine Heimat zurückkehren. Wenn nun die gleiche Frage wieder aufgeworfen wird, so heißt das, die Ehre dieser drei Gerichtshöfe mit Füßen treten, so als wolle man ihre gerechten Entscheidungen vollkommen missachten. Darum richte ich meine Bitte an den ehrenwerten Gerichtshof, die Ehre dieser Gerichte zu wahren, die mir gegenüber gerecht gehandelt haben. Sie sollten sich also etwas anderes ausdenken, weswegen Sie mich beschuldigen könnten, als "die Risale-i Nur", "Organisation einer politischen Partei", "Gründung eines Sufi-Ordens" oder die "Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung". Denn das alles betrifft den gleichen Fall. Ich habe viele Fehler. Darum habe
ich mich nun dazu entschlossen, Ihnen dabei zu helfen, wie Sie mich zur Verantwortung ziehen könnten. Denn ich habe außerhalb meines Gefängnisses bereits mehr gelitten als in ihm. Nun ist meine Ruhestätte entweder im Grab oder im Gefängnis. Ich bin wahrhaftig des Lebens überdrüssig geworden. Genug seien nun zwanzig Jahre, verbunden mit vielerlei Qualen, mit einsamer Kerkerhaft, unter polizeilicher Aufsicht und verschiedenen Demütigungen. Es könnte einmal an Gottes Ehre rühren! Es wird noch einmal peinlich sein für dieses Land. Ich möchte Sie daran gemahnen! Unsere festeste (metin)Zuflucht und unser Schild ist:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser vorzüglicher Sachwalter." (Sure 3, 173) "Gott allein genügt mir. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des Gewaltigen Thrones." (Sure 9, 129)}
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بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ بِهِ نَسْتَعِينُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen" "Und zu Ihm flehen wir um Hilfe"}
Dieses Gesuch, dass ich nach achtzehn Jahren Schweigen gezwungenermaßen dem Gerichtshof vorgelegt hatte, und von dem ich bereits eine Kopie nach Ankara gesandt habe, enthält betreffend der Beschuldigung gegen mich, meine schriftlichen Einwände, die hiermit vorzulegen ich mich veranlasst sehe.
Dies ist eine Zusammenfassung einer kurzen Verteidigungsrede:
Es dürfte bekannt sein, dass dies genau das ist, was ich dem öffentlichen Ankläger und dem Polizei-Inspektor
schon zweimal und bei der dritten Gelegenheit dem Chef der Polizei und sechs oder sieben Inspektoren der Polizei, die dreimal gekommen sind, um mein Haus in Kastamonu zu durchsuchen, gesagt habe. Ich habe dies auch in Beantwortung der Frage des öffentlichen Anklägers in Isparta gesagt, sowie vor dem Gerichtshof in Denizli und in Afyon. Es handelt sich dabei um Folgendes:
Ich habe achtzehn, zwanzig Jahre lang allein gelebt. Ich habe in Kastamonu acht Jahre lang gegenüber der Polizei-Station gelebt und zwei Jahre an anderen Orten unter ständiger Kontrolle und Überwachung, und der Ort, an dem ich lebte, wurde zu verschiedenen Gelegenheiten durchsucht. Doch hat man nicht das kleinste Zeichen oder auch nur den leisesten Hinweis für irgendetwas gefunden, dass mit dieser Welt (dunya)oder der Politik in Verbindung gestanden hätte. Hätte es meinerseits irgendwelche Unregelmäßigkeiten gegeben und die Polizei oder der Staatsanwalt hätten es nicht bemerkt, oder zwar davon gewusst, es aber ignoriert, so wären sie dafür sicherlich in größerem Maße verantwortlich gewesen als ich. Und falls nicht, warum dann, wo doch nirgendwo in der Welt Einsiedler, die sich um ihr Leben im Jenseits (akhir)bekümmern, belästigt werden, belästigen sie mich unnötigerweise in einem Ausmaß, das Volk und Land zum Schaden gereicht?
Wir Schüler der Risale-i Nur machen die Risale-i Nur nicht zu einem Werkzeug (im Dienste) irdischer Interessen oder gar des ganzen Kosmos. Ferner verbietet uns {d.h. den Nur-Schülern (A.d.Ü)} der Qur'an streng (jede Beschäftigung mit) der Politik. Die Aufgabe der Risale-i Nur ist in der Tat der Dienst am Qur'an durch die Wahrheit des Glaubens und durch machtvolle Beweise, welche angesichts eines völligen Unglaubens (kufr-u mutlaq),der das Ewige Leben zerstört und auch das irdische Leben in ein schreckliches Gift verwandelt, auch noch den verbohrtesten atheistischen Philosophen zum
Glauben zu führen.
Deshalb dürfen wir die Risale-i Nur nicht zu einem Werkzeug machen für was (auch immer) es sei.
Erstens:
Um nicht die diamantengleichen Wahrheiten des Qur'an in den Augen der Gottvergessenen (ghaflah)auf den Wert von Glassplittern herabzumindern, indem man sie fälschlicherweise als politische Propaganda deklariert und so diese kostbaren Wahrheiten missachtet.
Zweitens:
Liebe (shefqat),Wahrheit (haqq)und Recht (haqiqat)und das Gewissen (vidjdan)als der Weg (meslek)der Risale-i Nur verbieten uns strengstens, uns mit Politik und den Regierungsangelegenheiten zu beschäftigen. Denn abhängig von zwei oder drei areligiösen Leuten, die dem absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)verfallen sind und dafür Unglück (bela)und Schläge (tokat)verdient haben, gibt es sieben oder acht unschuldige - Kind und Kegel, Kranke und Greise. Wenn Unglück und Schläge (musibet)den einen oder den anderen unter ihnen treffen, so leiden diese Bedauernswerten mit ihnen. Weil also das Ergebnis zweifelhaft ist, ist es uns streng verboten, mit den Mitteln der Politik in das soziale Leben einzugreifen und so die Regierung und die allgemeine Ruhe und Ordnung zu stören.
Drittens:
Fünf Prinzipien sind in dieser eigenartigen Zeit grundsätzlich notwendig, um das soziale Leben dieses Volkes und Landes vor einer Anarchie zu retten: "Respekt (hurmet),Mitleid (merhamet),die Zurückhaltung vor dem, was verboten (haram)ist, Sicherheit (emniyet),die Aufgabe der Gesetzlosigkeit und der Gehorsam (gegenüber dem Gesetz)." Der Beweis dafür, dass, wann immer die Risale-i Nur sich um die sozialen Belange bekümmert, sie diese fünf Grundsätze aufrichtet und sie in einer mächtigen und geheiligten Weise stärkt und den Grundstein der öffentlichen Sicherheit und Ordnung wahrt, ist der, dass die Risale-i Nur in den letzten zwanzig Jahren hunderttausend Leute zu friedlichen Bürgern gemacht hat, nützlichen Gliedern dieses Landes und seines Volkes. Die Provinzen um Isparta und Kastamonu bezeugen dies. Das
aber heißt, dass diejenigen, die wissentlich oder unwissentlich den weit überwiegenden Teil der Risale-i Nur behindern wollen, Land und Volk und die Herrschaft des Islam gering schätzen und damit eine Anarchie begünstigen. Die 130 großen Verdienste und Wohltaten (faide ve hasene)der 130 Abhandlungen (risalah)der Risale-i Nur können nicht aufgrund von zwei oder drei ihrer Abhandlungen zurückgewiesen werden, die den oberflächlichen Blicken der Gottvergessenen zufolge als fehlerhaft angesehen werden. Wer die einen mit den anderen zugleich zurückweist, ist in einem außerordentlichen Grade ungerecht und ein Tyrann.
Was aber die Fehler meiner eigenen unbedeutenden Person betrifft, so muss ich - wenn auch gegen meinen Willen - sagen: ja was für ein Gesetz gibt es denn eigentlich (das es erlaubt) einen Mann, der 22 Jahre allein gelebt hat und in der Einsamkeit und in der Verbannung mit Einzelhaft bestraft worden ist, der in dieser ganzen Zeit nicht ein einziges Mal nach eigenem Wunsch und Willen auf den Markt oder in eine von einer großen Menschenmenge besuchte Moschee gehen konnte, der obwohl er viel unter Verfolgung und unter Schikanen gelitten hat, doch niemals um seiner eigenen Bequemlichkeit willen eine Eingabe bei der Regierung gemacht hat, ganz im Gegensatz zu allen anderen, die mit ihm in der Verbannung lebten, der in zwanzig Jahren nie eine Zeitung gelesen hat, oder dem sie vorgelesen worden wäre und der auch nie auf (eine Zeitung) neugierig gewesen ist, der, wie alle seine engeren Freunde und solche, die ihm begegnen konnten, bezeugen, volle zwei Jahre lang in Kastamonu und sieben Jahre lang an anderen Verbannungsorten nichts von den Unruhen und Kriegen in der Welt wusste, und ob dort Frieden geschlossen wurde oder nicht und wer sonst noch mit in die Kämpfe verwickelt worden war, und der sich auch nicht dafür interessierte und fast drei Jahre lang nicht auf das achtete, was in dem Radio in seiner Nähe gesagt wurde, vielleicht
drei (Gelegenheiten) ausgenommen, einen solchen Mann, der, wie hunderttausend Zeugen bestätigen, die durch die Risale-i Nur ihren Glauben gerettet haben, beweist, dass er mit der Risale-i Nur siegreich einem völligen Unglauben (kufr-u mutlaq)entgegen treten kann, der das ewige Leben zerstört und (selbst noch) das irdische Leben in Leid über Leid und Qual über Qual verwandelt, der durch die Risale-i Nur, die aus dem Qur'an (wie Wasser aus dem Felsen) herausgesickert ist, für hunderttausend Menschen den Tod als eine Hinrichtung auf ewig (und ohne Wiederkehr) in eine Entlassungsurkunde umgewandelt hat, diesen Mann dermaßen zu belästigen und in die Verzweiflung zu treiben und indem man ihn zum Weinen bringt seine Hunderttausenden unschuldigen Brüder (mit ihm) zum Weinen zu bringen? Welch ein Vorteil sollte denn darin liegen? Ist dies nicht eine beispiellose Grausamkeit im Namen der Gerechtigkeit? Eine im Namen des Gesetzes beispiellose Gesetzlosigkeit?
Wenn mir nun bei dieser Hausdurchsuchung einige Beamte widersprochen und zu mir gesagt haben: "Sie und ein oder zwei Ihrer Abhandlungen richten sich gegen unser Regime und unsere Prinzipien!", so ist meineAntwort:
Erstens:
"Eure neuen Prinzipien haben überhaupt kein Recht, in die Häuser (tjilehane)der Schüler spiritueller Unterweisungen (münsevi)einzudringen.
Zweitens:
Etwas abzulehnen ist eine Sache. Etwas nicht von ganzem Herzen anzunehmen ist eine andere Sache. Nicht (entsprechend) zu handeln ist abermals wieder etwas völlig anderes. Regierungsleute schauen auf die Hände. Sie sehen nicht ins Herz. Ausgesprochene Oppositionelle, die sich nicht gegen die Verwaltung (richten) und die öffentliche Ruhe und Ordnung nicht stören, finden sich in jeder Regierung. Ja, auch während der Regierungszeit des Kalifen Omar, mit dem Gott zufrieden sein möge, wurden die Christen nicht weiter belästigt, obwohl sie doch das islamische Gesetz (Scharia)und den
Qur'an ablehnen. Nach den Regeln der Freiheit von Meinung (fikr)und Gewissen dürfen die Schüler der Risale-i Nur, unter der Bedingung, dass sie die Verwaltung nicht antasten, und zwar auch dann, wenn sie euer Regime und eure Prinzipien in ihren Gedanken (ilm)nicht akzeptieren und (in ihren Gedanken) ihnen entgegengesetzt handeln, ja sogar dem Herrn dieses Regimes feindlich gesinnt sind, dennoch gesetzlich nicht belästigt werden. Was nun die Abhandlungen betrifft, so haben wir bereits gesagt, dass diese Abhandlungen privat (mahrem)waren und ihre Veröffentlichung untersagt. Was zum Anlass dieser Affäre geworden ist, war in der Tat, dass jemand in Kastamonu ein- oder zweimal in acht Jahren mir eine Kopie gebracht hat. Ich habe sie noch am selben Tage beiseite gelegt. Jetzt haben Sie sie absichtlich veröffentlicht und so ist sie denn berühmt geworden.
Es ist ja bekannt, dass, für den Fall, dass sich Fehler in einem Brief finden, nur die fehlerhaften Wörter zensiert werden, während die übrigen zugelassen werden. Als Ergebnis einer vier Monate langen Untersuchung durch den Gerichtshof in Eskishehir wurden nur fünfzehn Worte in den hundert Abhandlungen der Risale-i Nur gefunden, die Anlass zu Kritik gegeben haben, und neuerlich nur auf zwei Seiten der insgesamt vierhundert Seiten des "Dhul'Fikar", einer Erklärung der Ayat des Qur'an über das Erbrecht und die Verschleierung der Frau, die vor dreißig Jahren geschrieben wurde und nun nicht mit dem Zivilrecht übereinstimmt, was mit Sicherheit beweist, dass es hier nicht um weltliche Interessen geht, vielmehr ein jeder ihrer bedarf. Dieses vierhundert Seiten lange Dhul'Fikar, dessen ein jeder bedarf, darf nicht beschlagnahmt werden, nur weil zwei seiner Seiten (beanstandet wurden). Diese zwei Seiten sollten herausgenommen und der (restliche) Band uns im Ganzen zurückgegeben werden; und diese Rückgabe ist unser Recht.
Wenn sie denken, Gottlosigkeit sei eine Art von Politik und wenn nun einige unter Ihnen (im Zusammenhang mit)
diesem Vorfall erklären: "Mit diesen Abhandlungen zerstören Sie unsere Zivilisation, unser Wohlbefinden."
So sage ich Ihnen hingegen:
"Eine Nation ohne Glaube ist nicht lebensfähig." Das ist ein allgemeines weltweit (gültiges) Gesetz. Besonders dann, wenn es sich um den absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq)handelt, so hat das schon hier in dieser Welt, wie ich das bereits im Wegweiser für die Jugend aus der Risale-i Nur mit völliger Sicherheit bewiesen habe, eine leidvolle Strafe, schlimmer als die Hölle, zur Folge. Was diese Abhandlung betrifft, so ist sie inzwischen offiziell heraus gekommen. Wenn einmal, was Gott verhüten möge, ein Muslim vom Glauben abfällt, so verfällt er dem absoluten Unglauben (kufr-u mutlaq).Er kann nicht in einem Zustand zweifelnden Unglaubens verharren, der ihn in gewissem Grade noch am Leben erhält. Er kann auch nicht wie einer dieser atheistischen Fremdlinge (aus Europa) sein. Was aber die Freuden dieses Lebens betrifft, so fällt (der Atheist) noch hundert Stufen tiefer als das Tier, das Vergangenheit und Zukunft nicht kennt. Denn aufgrund seiner Irreleitung wird sein Herz durch den Tod aller vergangenen und zukünftigen Lebewesen und deren ewige Trennung ständig überwältigt. Wenn der Glaube in sein Herz einkehrt und er gläubig wird, werden seine zahllosen Freunde (im Jenseits) wieder zum Leben erweckt. "Wir sind nicht gestorben und wir wurden nicht vernichtet.", sagt uns dann ihr Zustand ohne Worte (lisan-i hal).Ihr höllenartiger Zustand wurde in die Freuden des Paradieses umgewandelt. Da dies aber nun einmal die Wahrheit (haqiqat)ist, warne ich Sie: "Kämpft nicht gegen die Risale-i Nur, die sich auf den Qur'an stützt. Sie kann nicht besiegt werden. Es wäre zum Schaden für dieses Land. {(*): Viermal haben fürchterliche Erdbeben, die sich zur Zeit derartiger Angriffe ereignet haben, dieses Urteil bestätigt, dass es "zum Schaden" war.} Sie würde irgendwo anders hingehen und dort ihr Licht leuchten lassen. Hätte ich zudem so viele Köpfe
wie ich Haare auf meinem Kopf habe, und würde man mir jeden Tag einen abschlagen, so würde ich doch nicht mein Haupt, das der Wahrheit des Qur'an (haqiqat-i Qur'ani)geweiht ist, vor dem Atheismus und dem völligen Unglauben (kufr-u mutlaq)beugen und den Dienst am Glauben und der (Risale)-i Nur aufgeben und könnte das auch gar nicht.
Sicherlich wird man über irgendwelche Fehler in den Erklärungen eines (Mannes), der zwanzig Jahre lang allein gelebt hat (münsevi),hinwegsehen. Da er die Risale-i Nur verteidigt, wird man nicht sagen können, er weiche vom Thema ab.
Da nun einmal der Gerichtshof in Eskishehir nachdem er hundert Abhandlungen, die vertraulichen (mahrem)wie die nicht vertraulichen, vier Monate lang untersucht und nichts gefunden hatte, ein, zwei Abhandlungen ausgenommen, die ein oder zwei Themen berührten, wo eine leichte Strafe erforderlich war, was für 15 von 120 Personen eine Strafe von sechs Monaten einbrachte und auch wir diese Strafe auf uns gezogen haben; und da nun aber vor einigen Jahren alle Teile der Risale-i Nur in die Hände der Autoritäten in Isparta gelangt sind, die sie einige Monate lang studiert und dann ihren Eigentümern zurückerstattet haben;
und da nun, nachdem wir diese Strafe verbüßt hatten, während acht Jahren in Kastamonu trotz minutiöser Untersuchungen nichts mehr gefunden werden konnte, was Polizei und Justiz noch länger interessiert hätte;
und da in Kastamonu während der letzten Durchsuchung einige meiner Abhandlungen ans Licht gekommen waren, wo sie eigentlich gar nicht gefunden und gedruckt werden sollten, nämlich schon seit Jahren unter Stößen von Brennholz verborgen, wo sie dann von einem Trupp Polizisten entdeckt worden waren;
und da nun, obwohl der Polizeichef von Kastamonu und die Justizbehörde mir das feste Versprechen gegeben
hatten, mir diese völlig harmlosen Bücher, die ich versteckt hatte, wieder zurückzugeben, dennoch schon am zweiten Tag plötzlich der Haftbefehl aus Isparta kam und ich in Marsch gesetzt wurde, ohne noch dieses Unterpfand wieder erhalten zu haben;
und da nun aber der Gerichtshof in Denizli und in Ankara uns bereits freigesprochen und alle meine Abhandlungen zurückgegeben hat,
erfordert es ihre Stellung sicherlich und zweifelsfrei in der Konsequenz der obigen sechs Tatsachen, dass der Gerichtshof in Afyon und der Staatsanwalt dort dieses mein wirklich sehr bedeutendes Recht in Erwägung ziehen wird, wie dies auch der Gerichtshof in Denizli und der Staatsanwalt dort bereits getan haben.
So hoffe und erwarte ich denn, dass der Staatsanwalt, der die allgemeinen Rechte verteidigt, auch meine eigenen persönlichen Rechte verteidigen wird, die durch mein Verhältnis zur Risale-i Nur den bedeutenden allgemeinen Rechten gleich zu stellen sind.
Der Neue Said hat sich vor 22 Jahren aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen, kennt die gegenwärtigen Gesetze nicht und weiß auch nicht, wie man sich (den neuen Gesetzen entsprechend) verteidigen sollte, erlaubt sich jedoch, dem neuen Gerichtshof seine hundertseitige, unwiderlegbare Verteidigungsschrift, die er (nach seinen eigenen Gedanken) bereits dem Gerichtshof in Eskishehir und in Denizli eingereicht hatte, nun erneut vorzulegen. Er hat bis heute die Strafe für seine (angeblichen) Verfehlungen bereits (in der Untersuchungshaft) verbüßt und lebt seitdem in Kastamonu und in Emirdag in einer Art Einzelhaft unter ständiger Überwachung. Er zieht sich also nun stillschweigend zurück und überlässt es jetzt dem Alten Said, zu reden.
Und der Alte Said sagt:
Seitdem der Neue Said sein Antlitz von der Welt abgewandt hat, spricht er nun nicht mehr mit den Weltleuten, außer, wenn er unausweichlich
dazu gezwungen wird, sich zu verteidigen und hält das auch nicht für notwendig. Zahllose unschuldige Bauern und Kaufleute sind jedoch in dieser Angelegenheit wegen einer oberflächlichen Bekanntschaft mit mir eingesperrt worden und haben daher mein ganz besonderes Mitgefühl wachgerufen, weil sie nun mitten in der (Ernte)-Zeit nicht mehr in der Lage sind, sich den Unterhalt für ihre Angehörigen (in Haus und Hof) zu verdienen. Ich habe aus tiefstem Herzen über sie geweint. Ich schwöre, dass ich, wäre dies nur möglich gewesen, alle ihre Schwierigkeiten auf mich genommen hätte. Denn wenn es hier irgendwo irgendeine Schuld gegeben hätte, so läge sie bei mir. Denn sie sind unschuldig. So sage denn auch ich aufgrund dieser leidvollen Sachlage, und zwar trotzdem der Neue Said jetzt schweigt: Da der arme Neue Said bereits die vielen hundert völlig überflüssigen Fragen des Öffentlichen Anklägers in Isparta, Denizli und Afyon beantwortet hat, habe auch ich das Recht, dem gegenwärtigen Justizminister in der Absicht, meine Rechte zu verteidigen, jene drei Fragen zu stellen, die ich bereits dem Innenminister und besonders Kaya Shükrü vor dreizehn Jahren gestellt hatte:
Erstens:
Welches Gesetz bestimmt, dass 120 Leute, mich selbst mit eingeschlossen, aufgrund eines bloßen Wortgefechts zwischen einem Gendarmerie-Feldwebel und einem (einfachen) Mann aus Egridir, der noch nicht einmal ein Schüler der Risale-i Nur war, aber (die Abschrift) eines völlig bedeutungslosen Briefes bei sich trug, eingesperrt werden sollen? Nach einer vier Monate andauernden Untersuchungshaft, wurde die Unschuld aller, mit Ausnahme von fünfzehn bedauernswerten (Leuten) gerichtlich festgestellt und sie wurden entlassen. Nach welchem Grundsatz geschieht es, dass man hier eine bloße Wahrscheinlichkeit anstelle von Tatsachen anführt? Und aufgrund welchen Grundsatzes der Justiz geschieht es, wenn ein andermal in Denizli 70 arme (Leute) die nach einer neunmonatigen Untersuchungshaft
freigesprochen wurden, (auf diese Weise) für Tausende Lira Schaden erleiden?
Zweitens:
Ein grundlegender Ferman lautet:
وَ لاَ تَزِرُ وَازِرَةٌ وِزْرَ اُخْرٰى
{"Kein Träger einer Bürde kann die Bürde eines anderen tragen." (Sure 6, 164)}
Demnach kann selbst der leibliche Bruder nicht für die Fehler seines Bruders verantwortlich gemacht werden. Aufgrund welcher Rechtsverordnung geschieht es also nun, dass ich wegen einer kurzen Abhandlung, die ursprünglich vor 25 Jahren geschrieben worden und danach ein- oder zweimal in acht Jahren durch meine Hände gegangen war, welche die Gläubigen in einer Reihe wichtiger Punkte von ihren Zweifeln befreit und sie davon abhält, einige Hadithe aufgrund falschverstandener Allegorien (muteshabih)zu bestreiten (inkar),deren Veröffentlichung ich aber verhindert hatte, damit sie nicht falsch ausgelegt werden könne, (mitten im) Ramadan verhaftet werde, weil diese Abhandlung bei jemandem gefunden wurde, den ich nicht kannte und der weit von hier entfernt wohnt, (eine Abhandlung), der man dann auch noch einen falschen Sinn unterlegt hat und die man zusammen mit einem etwas anstößigen Brief in (der Gegend) von Kütahya und Balikesir gefunden hat? Und warum werden jetzt in klirrender Kälte zahlreiche Bauern und Kaufleute verhaftet, weil sie einen alten, ganz allgemein gehaltenen Brief, den ich einmal geschrieben habe, bei sich hatten, oder weil sie mich einmal in ihrem Wagen mitgenommen haben, oder wegen ihrer freundschaftlichen Gesinnung mir gegenüber, oder weil sie eines meiner Bücher gelesen haben? Warum also richtet man sie jetzt zugrunde und richtet so ihnen, dem Volk und dem Land wegen eines völlig unnötigen Verdachtes einen materiellen und immateriellen Schaden von Tausenden Lira an? Was für ein Gesetz verlangt denn das? Welcher Artikel in welchem
Gesetz macht das denn nötig? Wir möchten gerne diese Gesetze kennen lernen, damit wir uns nicht in die verkehrte Richtung bewegen.
Ein Grund für unsere Verhaftung sowohl in Denizli als auch in Afyon war in der Tat der folgende:
Selbst wenn man einmal das Unmögliche annimmt, dass der "Fünfte Strahl" sich auf diese Welt und die Politik bezöge, obwohl er schon vor langer Zeit geschrieben wurde, während ich mich noch am Haus der Weisheit des Islam (Daru-l'Hikmeti-l'Islamiye)befand, und die ursprüngliche Fassung wurde sogar noch früher konzipiert, in dem Gedanken, angesichts derer, die einige Hadithe leugnen, weil sie denken, der "Verstand könne sie nicht annehmen", weil sie nicht wissen, wie man sie auslegen solle, den Glauben der einfachen Leute zu retten, doch selbst wenn er in heutiger Zeit geschrieben worden wäre, so stört er dennoch nicht die öffentliche Sicherheit und Ordnung und stellt sich ihr nicht entgegen, weil er rein persönlich (mahrem)abgefasst und also bei den Durchsuchungen nicht bei uns gefunden wurde. Doch seine Voraussagen für die Zukunft haben sich als wahr herausgestellt und zerstreuen daher alle Zweifel über eine Frage des Glaubens. Er informiert lediglich, benennt aber keine Personen, sondern stellt nur eine akademische Wahrheit in ihrer allgemeinen Form dar. Da aber dies nun einmal der Fall ist, muss man sicherlich sogar die Bedeutung der Hadith als bestimmten Personen unserer Zeit entsprechend sehen. Bevor das Gericht sie bekannt gegeben und veröffentlicht hat, haben wir sie als rein persönlich (mahrem)angesehen, um Streitgespräche darüber zu vermeiden. So kann sie in gar keiner Weise ein Verbrechen im juristischen Sinne darstellen. Wir halten es auch nicht für möglich, dass es in der Welt ein Gesetz geben könne, das sie als ein Verbrechen ansehen könnte. Denn: "etwas zu verwerfen ist das eine, es aus wissenschaftlichen Erwägungen nicht anzuerkennen oder nicht in Übereinstimmung damit zu handeln aber etwas ganz und gar anderes.
Diese Abhandlung akzeptiert aus wissenschaftlichen Gründen nicht ein Regime, von dem man erwartet, dass es erst in naher Zukunft in Erscheinung treten soll."
Zusammenfassung:
Die Risale-i Nur hat seit dreißig Jahren den völligen Unglauben (kufr-u mutlaq),der das ewige Leben zerstört und das irdische Leben in ein furchtbares Gift verwandelt und so alle Freuden zunichte macht, mit der Wurzel ausgerottet. Es ist ihr gelungen, die schrecklichen atheistischen Ideen der Naturwissenschaftler auszulöschen. Sie hat die Grundsätze der Glückseligkeit des Volkes in beiderlei Leben (= Welten) mit wundervollen Argumenten auf glänzende Weise bewiesen und stützt sich auf den Qur'an als die Wahrheit (haqiqat)des göttlichen Thrones. Ich behaupte und ich bin bereit, auch zu beweisen: enthielte sie nicht nur in ein oder zwei Themen dieser kurzen Abhandlung einen, ja selbst tausend Fehler, so müsste man dies aufgrund ihrer tausend großartigen guten Aspekte verzeihen.
Drittens:
Es gilt die Regel, dass in einem Brief mit fünf fehlerhaften Worten unter zwanzig Worten diese fünf Worte zensiert und die restlichen genehmigt werden. Da also der Gerichtshof in Eskishehir während einer viermonatigen Untersuchung nur 15 Worte unter 100.000 finden konnte, die bei oberflächlicher Betrachtung als anstößig angesehen wurden, und da also der Gerichtshof nur die Erklärungen zu zwei Ayat auf 2 von 400 Seiten des "Dhu-l'Fikar" in Frage gestellt hatte, weil sie den derzeitigen Gesetzen widersprechen, obwohl sie schon vor dreißig Jahren geschrieben worden sind und die Sachverständigen (am Gerichtshof) in Denizli und in Ankara nur 15 Fehler beanstandet hatten, und da also die Absicht bestand, den Charakter von Hunderttausenden zu verbessern, hat die Risale-i Nur tausend Dinge hervorgebracht, die für dieses Land und sein Volk weithin verdienstvoll waren, und da nun aber diese (bedauernswerten Leute) kleine Dienste erwiesen, oder, einzelne Abhandlungen abschrieben, die sie in ihrem
Glauben bewahrt hatten: mit welchen Prinzipien der Regierung der Republik wäre es nun zu vereinbaren, bedauernswerte Leute wie die Tjalishkans, die mir in ihrer Güte (shefqat)brüderlich zugetan waren, weil ich schon älter bin und ein Fremdling in Emirdag und die mir um Gotteslohn (riza-yi Ilahi)kleinere Dienste erwiesen haben, mitten aus ihrer Arbeit heraus in dieser Winterkälte in Untersuchungshaft zu nehmen? Und welches ihrer Gesetze gäbe eine Handhabe, so etwas zu erlauben?
Da in Übereinstimmung mit dem Gesetz der Gewissensfreiheit die Grundsätze der Republik die Gottlosen nicht berühren, ist es sicherlich notwendig, ja sogar zwangsläufig, dass diese (Grundsätze) auch religiöse Leute nicht berühren, die - so weit wie möglich - sich nicht um diese Welt (dunya)kümmern, sich mit Weltleuten nicht streiten und sich stattdessen in guter Manier um das Jenseits (akhir),den Glauben (iman)und auch um ihr Vaterland kümmern. Ich weiß, dass die Politiker, die in Asien regieren, woher auch die Propheten kamen, eine Gottesfurcht (taqua)und gute Werke (salahat)nicht verbieten wollen und können, was seit tausend Jahren für diese Nation ein so notwendiges Bedürfnis war, wie Nahrungsmittel und Heilmittel. Denn nach einem Leben von zwanzig Jahren in Einsamkeit (münsevi)ist es ein Gebot der Menschlichkeit, in den Fragen, die mit dem Kopf des Said von vor zwanzig Jahren gestellt wurden, über all jene Fehler hinwegzusehen, die nicht mit der Art und Weise übereinstimmen, wie die obigen Fragen gegenwärtig betrachtet werden.
Ich betrachte es als meine patriotische Pflicht, zum Wohle meines Landes und Volkes und für die öffentliche Sicherheit und Ordnung Folgendes in Erinnerung zu rufen: Leute zu verhaften und sie auf diese Weise gegen sich aufzubringen, nur weil sie in losem Kontakt zu mir und der Risale-i Nur stehen, könnte sehr viele Leute, die fromm sind und die gegenüber ihrem Lande und seiner Sicherheit und Ordnung positiv eingestellt sind, (dazu veranlassen)
sich nun gegen ihre Regierung zu kehren und so einer Anarchie die Wege öffnen. Es gibt in der Tat weit mehr als hunderttausend Leute, die ihren Glauben durch die Risale-i Nur gerettet haben und zu völlig friedlichen und für die Nation brauchbaren (Bürgern) geworden sind. In ihrer Mäßigung und ihrem Nutzen (für die Nation) findet man sie vielleicht in jedem größeren Amt der Regierung der Republik und in einer jeden Gesellschaftsschicht. Es ist also besonders notwendig, (diese Leute) nicht zu verärgern, sondern sie zu schützen.
Ich befürchte ernstlich, dass gewisse staatliche Angestellte, die weder auf unsere Beschwerden Rücksicht nehmen, noch uns erlauben, (während einer Gerichtsverhandlung) auszusagen und unter jedem Vorwand versuchen, uns zu unterdrücken, zum Schaden unseres Landes alle Wege in die Anarchie öffnen.
Wenn es also nun darum geht, was für die Regierung das Beste wäre, so sage ich: Da der Gerichtshof sowohl in Denizli als auch in Ankara den "Fünften Strahl" bereits sorgfältig geprüft hat und ihn nicht angetastet hat, sondern ihn uns wieder zurückgegeben hat, ist es jetzt sicherlich notwendig für die Regierung, dass diese Verfahren nicht noch einmal wieder eröffnet werden, um nicht jeglichem Gerede Tür und Tor zu öffnen. So wie wir diese Abhandlung zunächst einmal verborgen gehalten haben, bevor sie dann in die Hände des Gerichtshofes geriet und veröffentlicht wurde, so sollte sie auch die Verwaltung und der Gerichtshof in Afyon nicht zum Objekt von Frage und Antwort machen. Denn sie ist voll Kraft und nicht zu widerlegen. Sie hat Voraussagen gemacht und diese haben sich als richtig herausgestellt. Zudem ist ihr Ziel nicht die Welt (dunya),sondern bestenfalls ist eine ihrer vielen Bedeutungen diejenige Bedeutung, die am besten auf eine Person zutrifft, die bereits gestorben und von uns gegangen ist. Um dieses Landes, seines Volkes, der öffentlichen Sicherheit und Ordnung willen bin ich in meinem Gewissen gebunden, davor zu warnen, diese Voraussagen
und ihre Bedeutung aufgrund einer geradezu fanatischen Freundschaft für ihn zu veröffentlichen und sie, dadurch dass sie diesen Prozess gegen uns führen, noch weiterhin publizieren.
* * *
An den öffentlichen Ankläger, den Vorsitzenden und die Mitglieder des Gerichtshofes
Hiermit möchte ich Ihnen noch einmal eben dieselben "Neun Grundsätze" vorlegen, die ich bereits bei der Justizbehörde in Denizli eingereicht hatte, um mich zu verteidigen.
Vor zwanzig Jahren habe ich mich vom öffentlichen Leben und besonders von diesem offiziellen, vielfältigen, politischen Leben zurückgezogen. Ich weiß nicht, welche Haltung ich in einer solchen Situation einnehmen sollte und denke auch gar nicht darüber nach. Das darüber Nachdenken verursacht mir ein heftiges Unbehagen. Doch sah ich mich gezwungen, diese nicht besonders ausgefeilte Verteidigungsschrift, diese Petition, welche die Schlussfolgerung und Zusammenfassung meiner Antwort ist, auf die zahlreichen, wiederholten, sinnlosen Fragen eines uneinsichtigen Mitgliedes des Gerichtshofes zu geben. Vielleicht fehlt es ihr an Ordnung und enthält einige unbedeutende und überflüssige Wiederholungen und ein paar ziemlich scharfe Ausdrücke, die dann gegen mich verwandt werden könnten und vielleicht auch ein paar Sätze die gegen eine dieser neuen Verordnungen verstoßen, die mir nicht bekannt sind. Weil es aber dabei um die Wahrheit (haqiqat)geht, sollte man diese Fehler doch um der Wahrheit willen übersehen. Diese Petition, meine Verteidigungsschrift, beruht auf neun Grundsätzen.
Erstens:
Da in Übereinstimmung mit dem von der Republik (garantierten) Recht auf Gewissensfreiheit die Republik sich nicht um kulturelle, freigeistige und freikörperliche Bestrebungen bekümmert, sollte sie sich ebenso wenig um Bestrebungen bekümmern, die dem Glauben (din)und
der Gottesfurcht (taqwa)(verpflichtet) sind. Und da eine Nation nicht ohne Glauben (din)fortbestehen kann und Asien vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet nicht Europa gleicht und ein ungläubiger Muslim keinem anderen glaubenslosen (Menschen) gleicht, und da keine Art von Fortschritt oder Zivilisation den Platz der Religion (diyanet),der Frömmigkeit und besonders nicht den einer Lehrstätte für die Glaubenswahrheiten einnehmen kann, was hierzulande ein natürliches (fitri)Bedürfnis des Volkes ist, das seit tausend Jahren die Welt mit seinem Glauben (diyanet)erleuchtet hat und mit großem Mut standhaft seinen Glauben (din)gegen die Angriffe der ganzen Welt bewahrt hat und gar nicht dazu gebracht werden kann, dieses Bedürfnis zu vergessen, kann sicherlich keine Regierung, die über dieses Volk in diesem Lande herrscht, gegen die Risale-i Nur Stellung nehmen aus Hochachtung vor der Gerechtigkeit (adalet)und dem Gesetz (kanun)und darf dies (mit Rücksicht auf) die öffentliche Sicherheit und Ordnung auch gar nicht erlauben.
Zweiter Grundsatz:
Da etwas zurückzuweisen nun einmal die eine Sache ist, und nicht entsprechend zu handeln etwas ganz und gar anderes ist, und da es nun einmal in jeder Regierung scharfe Gegner gibt, und da es auch unter zoroastrischer Regierung Muslime und unter der islamischen Regierung des Kalifen Omar Juden und Christen gegeben hat, und all diejenigen, welche die Regierung und die öffentliche Sicherheit und Ordnung nicht stören, ihre persönliche Freiheit haben und ihnen diese nicht beschnitten werden darf, und da eine Regierung auf die Finger sieht und nicht in das Herz, und da nun einmal derjenige, der die öffentliche Sicherheit und Ordnung, die Verwaltung stören und sich in die Politik einmischen will, sich zweifelsohne für die Zeitungen und das alltägliche Geschehen interessieren wird, um etwas über die Vorgänge, Situationen und Ereignisse zu erfahren, um keine falschen Schritte zu unternehmen, und da die Risale-i Nur ihre Schüler so sehr einschränkt, dass, wie meine engsten
Freunde wissen, sie bewirkt hat, dass ich es seit zwanzig Jahren aufgegeben habe, die Zeitung zu lesen, danach zu fragen, mich dafür zu interessieren oder über sie nachzudenken, mich auch seit zehn Jahren aus dem öffentlichen Leben in einem solchen Umfang zurückgezogen habe, dass ich, einmal abgesehen vom Untergang des Deutschen Reiches und der Ausbreitung des Bolschewismus, keine Nachrichten mehr über das, was in der Welt geschieht und über die laufenden Ereignisse gehört habe, so können also die Weisheit der Regierung, die Gesetze der Politik und die Grundsätze der Gerechtigkeit mir gewiss und mit aller Sicherheit nichts anhaben und meinen Mitbrüdern ebenso wenig. Und sollten sie das dennoch tun, so geschieht dies aufgrund ihrer Einbildung, ihrem Hass oder wegen ihrer Verbohrtheit (inad).
Dritter Grundsatz:
Ich fühle mich dazu verpflichtet, die folgenden, langatmigen Einzelheiten aufgrund der bedeutungslosen und völlig überflüssigen Einwände des öffentlichen Anklägers anzumerken, die dieser aufgrund eines Missverständnisses gemacht hat, was jedoch nicht das Gesetz betrifft, sondern lediglich seine fanatische Liebe (dostlu)zu einer gewissen bereits verstorbenen Person.
Erstens:
Bevor (diese Abhandlung) in die Hände der Regierung fiel, haben wir den "Fünften Strahl" stets als vertraulich (mahrem)behandelt. Darüber hinaus hat man ihn auch während aller Hausdurchsuchungen nie bei mir gefunden. Und weiter ist dessen Ziel nur, den Glauben des einfachen Volkes vor Zweifeln zu bewahren und davor, allegorisch gemeinte Hadithe zu verwerfen. Er bezieht sich auf den weltlichen Aspekt (nur indirekt) und in dritter und vierter Linie. Doch die Voraussagen, die er macht, sind wahr. Darüber hinaus greift er die Leute der Welt und der Politik nicht an. Er macht nur Voraussagen. Und weiter legt er sich nicht auf eine bestimmte Person fest. Er erklärt nur die Wahrheit einer Hadith in ganz allgemeiner Form. Doch werden diese allgemeinen Wahrheiten einer furchterregenden Persönlichkeit zugeschrieben, die in
diesem Jahrhundert gelebt hat. Sie haben sich deshalb dem widersetzt, in dem Gedanken, dies sei in den letzten Jahren geschrieben worden. In Wirklichkeit gab es diese Abhandlung ursprünglich schon vor (meiner Zeit am) Haus der Islamischen Weisheit (Daru-l'Hikmet).Sie wurde erst einige Zeit später (von mir) redigiert und in die Risale-i Nur eingefügt. Es war dies wie folgt:
Vor vierzig Jahren, ein Jahr vor Ausrufung der "Hürriyet", {d.h. der Konstitutionellen Monarchie am 23.07.1908 (A.d.Ü.)} kam ich nach Istanbul. Damals hatte der japanische Oberkommandierende den islamischen Gelehrten einige Fragen über die Religion (din)gestellt. Diese Fragen wurden dann von den Hodjas in Istanbul mir vorgelegt (Hier wird also ein Kurde von den Gelehrten in Istanbul über den Islam befragt!) Sie haben mir in diesem Zusammenhang noch viele andere Fragen gestellt.
So fragten sie mich z.B. über ein Hadith, worin es heißt: "In der Endzeit wird eine furchterregende Person am Morgen aufstehen und auf seiner Stirn wird geschrieben stehen: "Dieser ist ein Ungläubiger." Ich erklärte ihnen dazu: "Diese merkwürdige Person wird kommen, um an die Spitze der Nation zu treten. Er wird am Morgen aufstehen, sich eine Schirmmütze aufsetzen und auch andere (dazu veranlassen, eine solche Mütze mit Schirm) zu tragen."
Nachdem sie diese Antwort erhalten hatten, fragten sie mich: "Werden dann etwa in jener Zeit nicht alle, die sie aufsetzen, zu Ungläubigen werden?" Ich sagte: "Die Mütze wird auf ihren Kopf gelangen und sagen: "Wirf dich nicht nieder zum Gebet (sedjde)."Doch der Glaube in den Köpfen wird auch die Mütze dazu bringen, sich ebenfalls niederzuwerfen und so möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass sie ein Muslim wird."
Da sagten sie zu mir: "Diese Person wird eine Flüssigkeit trinken. In seiner Hand wird ein Loch sein und an diesem Merkmal wird man erkennen, dass er der Sufyan ist."
Ich gab ihnen zurAntwort:"Man sagt ganz allgemein von einem Verschwender, seine Hand habe ein Loch. Sein Vermögen bleibt nicht in seiner Hand, es zerrinnt (ihm zwischen den Fingern) und ist verloren. So wird denn dieser schreckliche Mensch einer Flüssigkeit mit Namen "Raki" versklavt sein, wodurch er krank werden und einer maßlosen Verschwendung anheimfallen wird. Auch wird er andere dazu bringen, es ihm gleich zu tun."
Danach fragte mich jemand: "Sobald er gestorben ist, wird der Teufel von einem Obelisken herab laut der Welt verkündigen, dass der So-und-so gestorben ist." Damals habe ich gesagt: "Die Nachricht wird telegrafisch verbreitet werden." Doch wenig später hörte ich, dass das Radio erfunden worden war, und da wusste ich dann, dass meine Antwort nicht ganz korrekt gewesen war. Darum sagte ich acht Jahre später an der Daru-l'Hikmet: "Der Teufel wird es die Welt über Radio {also von einem Sendemast herab! (A.d.Ü.)} hören lassen."
Sodann stellten sie mir Fragen über die Mauer des Dhu-l'Qarneyn, über Gog und Magog, den Drachen (Dabbatu-l'Ard),den Großen Betrüger (Deddjal)und die Wiederkunft Christi, mit dem der Friede sei; und ich gab ihnen die Antworten. Sie finden sich übrigens teilweise bereits in den früheren Abhandlungen. Mustafa Kemal hat mich einige Zeit später (= 1922) noch zweimal über den ehemaligen Gouverneur von Van, Tahsin Bey, einen alten Freund von mir, verschlüsselt nach Ankara eingeladen, um mich in Anerkennung der Ausgabe meiner "Sechs Schritte (Hutuvat-i Sitte)"zu belohnen. Ich ging. Da Scheich Sinusi kein Kurdisch konnte, schlug man mir vor, an seiner Stelle das Amt eines General-Predigers (vaiz-i umumi)in den östlichen Provinzen (= Kurdistan)auf der Basis eines Monatsgehaltes von dreihundert Lira {drei Lira waren damals allgemein üblich! (A.d.Ü.)} zu übernehmen.
Gleichzeitig bot man mir auch einen Abgeordnetensessel an und dazu noch (als Ersatz für) meinen ehemaligen
Posten am Daru-l'Hikmetgemeinsam mit meinen früheren Kollegen gefälligkeitshalber (einen ebenbürtigen Posten) im Amt für Religiöse Angelegenheiten. Ferner wurden mir mit Billigung von 163 Abgeordneten unter 200 die 19.000 Lira in Gold, die mir bereits Sultan Reshad für die Medressetu-z'Zehra, meine Universität (daru-l'fenun)im Osten zugesagt hatte, für die ich in Van schon den Grundstein gelegt hatte, auf 150.000 Lira in Banknoten erhöht. Trotzdem aber dies alles bereits bewilligt worden war, habe ich dennoch die Botschaft eines Teils des "Fünften Strahls" in seiner ursprünglichen Fassung dort in diesem Menschen gesehen. So war ich also dazu gezwungen, alle diese so wichtigen Angebote (vazife)abzulehnen. Und da es unmöglich ist, einem solchen Menschen die Stirn zu bieten und ihm zu trotzen, gab ich die Welt (dunya),die Politik und das öffentliche Leben auf und widmete meine ganze Zeit ausschließlich für meinen Weg der Rettung des Glaubens. Doch eine Reihe grausamer und ungerechter Beamter zwang mich, zwei, drei Abhandlungen zu schreiben, die sich mit weltlichen (Dingen) beschäftigen.
Später habe ich dann in Verbindung mit ein paar Fragen, die mir von einigen Leuten über allegorische Hadithe gestellt wurden, welche über die Ereignisse in der Endzeit berichten, diese frühere Abhandlung neu redigiert. Sie erhielt nun den Titel "Fünfter Strahl". Die Risale-i Nur ist nicht in der Reihenfolge ihrer Abhandlungen chronologisch nummeriert. So wurde z.B. der "33. Brief" vor dem "1. Brief" geschrieben. Und die ursprüngliche Fassung des "Fünften Strahls" wie auch einige andere Abhandlungen wurden sogar noch vor der Risale-i Nur selbst geschrieben. Wie dem auch sei... die illegalen, völlig überflüssigen und ebenso falschen Einwände und Befragungen des Öffentlichen Anklägers, Fragen, gestellt aufgrund einer fanatischen Liebe (dostluk)zu Mustafa Kemal, zwangen mich dazu,
eine Erklärung abzugeben, die ein klein wenig außerhalb des Themas liegt. Ich führe hier als Beispiel einige der ganz und gar persönlichen und völlig ungesetzlichen Dinge an, die er im Namen des Gesetzes geäußert hat. Er sagte nämlich:
"Tut es dir nicht von Herzen leid, dass du ihn im "Fünften Strahl" mit Ausdrücken wie 'Raki und Wein hinuntergießen und strömen lassen wie eine Wasserpumpe' {die Ödeme, die sich bei Mustafa Kemal gebildet hatten, wurden abgepumpt! (A.d.Ü.)} beleidigt hast?" Meine Antwort auf diesen seinen ganz und gar sinnlosen und völlig unangebrachten, aus seiner Freundschaft (dostluk)heraus entstandenen Fanatismus wäre: "Den Sieg und die Ehre (sheref)eines heldenmutigen (kahraman)Heeres darf man nicht ihm zuschreiben, vielmehr kann er nur seinen Anteil daran bekommen. So wie es ein Verbrechen wäre und ein fürchterliches Unrecht, gäbe man die ganze Kriegsbeute und allen Besitz und die Versorgungsgüter einer Armee allein ihrem Kommandanten, und er mich tatsächlich beschuldigte, diesen ungerechten und mit so viel Schuld behafteten Menschen nicht zu lieben und ein Verräter zu sein, so beschuldige auch ich ihn, das Heer nicht zu lieben, denn er spricht alle Kriegsbeute an Ruhm und Ehre dem Mann zu, den er liebt und lässt das Heer ohne Ruhm zurück. Die Wahrheit (haqiqat)ist, dass alle Wohltaten und alle guten und schönen Dinge unter der Gemeinschaft, bzw. unter dem Heer verteilt werden sollten, die schlechten Dinge und alles, was falsch und destruktiv ist, aber ihrem Anführer angerechnet werden sollte. Denn alles, was da ist (vudjud),ist abhängig von der Existenz (vudjud)seiner Fundamente und Grundbedingungen, wovon der Kommandant nur eine seiner Bedingungen ist. Ist ein Ding jedoch gar nicht vorhanden, oder scheitert eine Sache, so liegt das daran, dass eine Bedingung nicht erfüllt, eine Basis nicht gegeben war und so gescheitert ist (was hätte zustande kommen sollen). Dieses Unglück
wird dann der Führung, ihrem Präsidenten angelastet. Der überwiegende Teil all jener Dinge, die gut und schön sind, gehört dem Bereich des Seins (vudjud)an. Die leitenden Personen haben an ihnen keine Besitzansprüche. Was schlecht, was böse ist, gehört dem Bereich des Nicht-Seins und der Zerstörung an. Die leitenden Personen tragen dafür die Verantwortung. Da die Wahrheit und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat)aber nun einmal so sind und eine Dorfgemeinschaft zum Narren gehalten wird, wenn sie überlegen gewesen ist, "Hasan Agha" nun dazu beglückwünscht wird, jedoch "Pfui über euch!" gerufen wird, wann immer sie unterlegen war und dies der Wahrheit ganz und gar entgegengesetzt ist, so ist es in genau der gleichen Weise, wenn mich der Öffentliche Ankläger beschuldigt, dies jedoch sein Fehler und der Wahrheit und Gerechtigkeit ganz und gar entgegengesetzt ist, als habe er im Namen des Gerichtshofes geurteilt.
Vergleichbar mit seinem Fehler kamen einmal noch vor dem Ersten Weltkrieg, während ich noch in Van lebte, einige gläubige, gottesfürchtige Männer zu mir und sagten: "Einige Kommandanten handeln gegen den Glauben. Komm und schließe dich uns an. Wir wollen gegen diese Anführer einen Aufstand machen."
Ich aber sagte zu ihnen: "Alle Bosheit und Gottlosigkeit passen zu solchen Kommandanten wie diesen. Das Heer kann nicht dafür verantwortlich gemacht werden. In der ottomanischen Armee gibt es vielleicht hunderttausend Freunde Gottes (auliya).Ich werde mein Schwert nicht gegen sie ziehen und ich werde mich euch nicht anschließen." Da zogen diese Männer von dannen, zogen ihre Schwerter und es folgten jene fruchtlosen Geschehnisse von Bitlis. Kurze Zeit später brach der Weltkrieg aus. Das Heer nahm um des Glaubens willen daran teil. Ein Djihad wurde ausgerufen. So stiegen hunderttausend Märtyrer zur Stufe der Gottesfreunde empor und bestätigten so, was ich bereits zuvor gesagt hatte und siegelten den Ferman ihrer Heiligkeit mit ihrem Blut. Wie dem auch sei... ich
musste hier doch etwas weiter ausholen. Die außergewöhnliche Haltung des öffentlichen Anklägers, der mich und die Risale-i Nur aufgrund seiner persönlich gefärbten, falschen Empfindungen und seiner Parteilichkeit mit so viel Verachtung behandelt hat, hat mich dazu veranlasst, im Namen wahrer Gerechtigkeit (adalet haqiqati),jenem unverwechselbaren Merkmal einer Unbeeinflussbarkeit durch irgendwelche Gefühle oder äußere Merkmale, eine derart lange Erklärung abzugeben.
Vierter Grundsatz:
Nachdem der Gerichtshof in Eskishehir vier Monate lang Hunderte von Kopien von Abhandlungen und Briefen sorgfältig untersucht hatte, konnte er nur 15 von 120 Personen zu 6 Monaten verurteilen und über mich selbst wegen 15 Worten in 2 von 100 Abhandlungen ein Jahr Haftstrafe aussprechen. Sie haben uns von dem Verdacht, einen Sufi-Orden gründen oder eine politische Partei aufrichten zu wollen und auch in der Fragestellung, welche die Schirmmütze (betrifft) freigesprochen. Zudem haben wir auch noch unsere Strafe bekommen. Danach haben sie in Kastamonu bei zahlreichen Hausdurchsuchungen nichts gefunden. Vor einigen Jahren sind in Isparta alle Abhandlungen der Risale-i Nur, sowohl die privaten wie auch alle anderen ohne Ausnahmen in die Hände der Behörden gefallen. Sie alle wurden nach drei Monaten Untersuchung ihren Eigentümern wieder zurückgegeben. Ein paar Jahre später blieben alle diese Teile der Risale-i Nur für zwei Jahre bei den Gerichtshöfen von Denizli und Ankara. Sie wurden alle uns wieder zurückgegeben. Es ist aber nun die Tatsache (haqiqat)diese: Die, welche mich und die Schüler der Risale-i Nur kritisieren und so wie er im Namen des Gesetzes entgegen jedem Gesetz hinterhältig und emotionsgeladen beschuldigen, kritisieren sicherlich noch vor uns auch den Gerichtshof in Eskishehir, die Verwaltung in Kastamonu und deren Polizei, die Justizbehörde in Isparta, den Gerichtshof in Denizli und den Kriminalstrafgerichtshof in Ankara und machen
sie so zu Partnern unseres Verbrechens, gäbe es ein solches. Denn wären wir schuldig gewesen, so hätten das die drei oder vier Behörden trotz langwieriger Untersuchungen nicht in ihrer Nähe bemerkt oder nicht beachtet. Zwei Gerichtshöfe hätten zwei Jahre lang trotz aller eingehenden Untersuchungen von nichts gewusst oder nichts bemerkt. So wären sie denn dadurch mehr noch als wir schuldig geworden. Hätte es jedoch in uns einen Wunsch gegeben, uns in weltliche Angelegenheiten zu mischen, so wäre es nicht bei dem Sirren einer Mücke geblieben. Es hätte einen Schlag wie Kanonendonner gegeben, (oder wie wenn eine Bombe) explodiert.
Wer eine Person, die sich nach den Ereignissen um den "31. März (1909)" vor dem Militärgericht (divan-i harb)selbst in scharfem Ton, provokativ und ganz ungeniert verteidigt und im Parlament (divan-i riyaset)einem wütenden Mustafa Kemal ins Gesicht hinein widerspricht, als einen politischen Intriganten beschuldigt und von ihr sagt, sie schmiede seit achtzehn Jahren ihre Ränke, ohne das irgendjemanden merken zu lassen, tut dies sicherlich in böser Absicht. Wir hoffen, dass gleich dem Öffentlichen Ankläger in Denizli auch der Staatsanwalt in Afyon uns vor der Bosheit und den Anklagen solcher Leute erretten und uns wahre Gerechtigkeit (haqiqat-i adalet)bezeigen wird.
Fünfter Grundsatz:
Ein prinzipieller Grundsatz der Schüler der Risale-i Nur ist, sich so weit wie möglich nicht in die Politik, die Angelegenheiten der Verwaltung oder die Maßnahmen der Regierung einzumischen. Denn für sie ist der aufrichtige (khalis)Dienst am Qur'an völlig ausreichend und mehr wert als alles andere.
Zudem kann sich heute niemand, der angesichts dieser mächtigen Strömungen noch ins politische (Leben) eintritt, weiterhin seine Unabhängigkeit und Aufrichtigkeit (ikhlas)bewahren. Die (politische) Strömung wird seine Bewegungen in jedem Fall auf ihre Rechnung nehmen und ihn für ihre weltlichen Zwecke als Werkzeug gebrauchen.
Sie wird die Heiligkeit seines Dienstes verderben. Zudem müsste er angesichts der fürchterlichen Ungerechtigkeit und der schrecklichen Unterdrückung, die ein Prinzip dieses Jahrhunderts ist, bei einer materiellen Auseinandersetzung aufgrund eines Fehlers (den eine Person begeht) viele Unschuldige seiner Anhänger vernichtend schlagen. Oder er würde selbst besiegt und geschlagen. Außerdem würde es in den Augen derer, die ihren Glauben für ihre weltlichen Interessen aufgegeben haben, oder ihn als ein Mittel gebrauchen, so scheinen, als würden die heiligen Wahrheiten (haqiqat)des Qur'an, {die ein Ziel sind und kein Mittel (A.d.Ü.)} die doch für kein Ding (der Welt) als Mittel gebraucht werden dürfen, als ein Mittel zur politischen Propaganda gebraucht. Und ferner sollte eine jede Volksschicht, Anhänger wie Gegner, Beamte und ganz gewöhnliche Leute ihren Anteil an diesen Wahrheiten haben; und sie bedürfen ihrer auch. Die Schüler der Risale-i Nur müssen sich deshalb von der Politik und allen Auseinandersetzungen (mit Waffen, Hass und Gewalt) vollkommen fernhalten und sich in gar keiner Weise in sie verwickeln lassen, um so ganz und gar unparteiisch bleiben zu können.
Sechster Grundsatz:
In dieser Angelegenheit sollte aufgrund meiner eigenen Fehler oder der einiger Brüder die Risale-i Nur nicht angegriffen werden. Sie ist unmittelbar an den Qur'an gebunden; und der Qur'an ist gebunden an den Gewaltigen Thron. Wer aber hätte die Fähigkeit, seine Hand auszustrecken und diese starken Seile zu lösen? Und ferner findet sich bereits in dreiunddreißig Ayat, in den drei wunderbaren Verheißungen (keramet)von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge und in einigen Aussprüchen des Ghathu-l'Adham (Gott heilige seine Geheimnisse) der Hinweis, dass die Risale-i Nur diesem Lande einen ganz außerordentlichen Dienst erweisen und eine Quelle seines materiellen wie spirituellen
Wohlstands sein wird, und nicht für unsere armseligen, persönlichen Fehler zur Verantwortung gezogen werden kann, nicht werden wird und nicht werden darf. Andernfalls wird diesem Land sowohl ein materieller als auch ein spiritueller Schaden erwachsen, der sich nicht wiedergutmachen ließe.
Um der Risale-i Nur willen werden die Angriffe einiger uns feindlich gesinnter Atheisten und die Pläne ihrer teuflischen Ränkeschmiede zum Scheitern gebracht werden. Denn ihre Schüler können mit anderen {z.B. denen der Sufi-Orden (A.d.Ü.)} nicht verglichen werden. Sie können weder zerstreut noch zur Aufgabe gezwungen werden. Durch die Gnade (inayet)Gottes des Gerechten werden sie nicht besiegt werden. Hätte ihnen nicht der Qur'an verboten, Gewalt anzuwenden, sodass diese Schüler, die ja überall sind und das allgemeine Wohlwollen gewonnen haben, das doch der Lebensstrom des Volkes ist, niemals in solch armselige und nutzlose Ereignisse wie der Zwischenfall mit Scheich Said (1930) und der in Menemen (1935) verwickelt werden können, so würden die Atheisten und die Heuchler, die die Regierung hinters Licht führen, wenn einmal, was Gott verhüten möge, (unsere Schüler) in die Ausweglosigkeit getrieben würden und die Risale-i Nur wäre angegriffen, es noch tausendmal zu bereuen haben.
Zusammenfassung:
Da wir uns nun einmal nicht um die weltlichen Angelegenheiten der Weltleute kümmern, sollten auch sie uns (in unserem Bemühen um) das Jenseits und in unserem Dienst am Glauben nicht stören.
Ich möchte hier im Zusammenhang mit meiner Verteidigung von einer Erinnerung, einer amüsanten Anekdote berichten, die schon etwas länger zurückliegt und am Gerichtshof in Eskishehir nicht weiter erwähnt wurde und auch im offiziellen Prozessbericht oder in meiner Verteidigungsschrift nicht erscheint.
Sie fragten mich nämlich damals: "Wie denkst du über die Republik?" Ich antwortete ihnen: "Wie meine Biographie, die sie in ihren Händen halten, beweist, war ich schon ein frommer und gläubiger Republikaner, ehe bevor einer von ihnen, der Präsident des Gerichtshofes ausgenommen, noch zur Welt gekommen war. Es war dies kurz gesagt Folgendes: Ich lebte damals wie heute zurückgezogen in einer leerstehenden Türbe. Man brachte mir gewöhnlich Suppe und ich fütterte gewöhnlich die Ameisen mit Brotkrumen. Ich tauchte mein Brot in meine Suppe. Sie fragten mich danach und ich sagte ihnen: "Das Volk der Ameisen und das Volk der Bienen sind Republikaner. Ich gebe die Brotkrumen den Ameisen aus Respekt (hurmet)vor ihrer republikanischen Gesinnung."
Dann sagten sie: "Deine Haltung widerspricht den rechtgesinnten Nachfolgern der Sahabis (selef-i salihin)."Daraufhin entgegnete ich ihnen: "Die vier rechtgeleiteten Kalifen waren nicht nur die Kalifen, sondern zugleich auch die Präsidenten ihres Volkes. Abu Bakr der Getreue, mit dem Gott zufrieden sein möge, war gewissermaßen der Präsident eines Volkes von Sahabis und der Zehn Glücklichen (denen das Paradies versprochen wurde). Sie waren keine bloßen Namen und Gestalten ohne Inhalt, sondern gleich Präsidenten, welche die Gerechtigkeit in Wahrhaftigkeit (haqiqat-i adalet)und die Freiheit in Gesetzlichkeit (hürriyet-i sher'iyeyi)repräsentierten."
Wohlan denn, Herr Staatsanwalt und Sie, meine Herren Vorsitzenden!
Sie beschuldigen mich einer Idee, die dem, was ich seit fünfzig Jahren vertrete, entgegengesetzt ist. Wenn Sie mich über eine laizistische Regierung befragen, so verstehe ich darunter, dass man mit laizistisch unparteilich meint, also eine Regierung, die in Übereinstimmung mit dem Grundsatz der Gewissensfreiheit die religiös gesinnten und frommen (Menschen) nicht belästigt, so wenig wie sie auch die areligiösen (dinsiz)und freizügigen (Menschen = sefehat)nicht stört. Ich habe mich aus dem politischen wie aus
dem öffentlichen Leben vor fünfundzwanzig Jahren (1923) zurückgezogen. Was in der Zwischenzeit aus der Regierung dieser Republik geworden ist, weiß ich nicht. Doch wenn sie nun, was Gott verhüten möge, in die fürchterliche Lage geraten ist, aufgrund ihrer Gottlosigkeit Gesetze anzunehmen und zu erlassen, um diejenigen, welche sich um ihren Glauben (din)und das Leben in der zukünftigen Welt (akhira)bemühen, zur Verantwortung zu ziehen, so gemahne ich Sie ohne Furcht und Säumen: Hätte ich selbst tausend Leben, so wäre ich dennoch bereit, sie für meinen Glauben und das jenseitige Leben zu opfern. Tut also nun, was Ihr tun wollt! Doch mein letztes Wort ist:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser genügender Anteil und Er ist unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)}
Wenn Sie mich ungerechterweise zu Tod oder Zuchthaus verurteilen, so erwidere ich Ihnen: Die Risale-i Nur hat mir mit absoluter Sicherheit enthüllt, dass ich nicht hingerichtet sondern entlassen werde. Ich werde in die Welt des Lichtes und der Ewigen Glückseligkeit hinübergehen. Ihr aber, unsere heimlichen Feinde und uns Bösgesinnten, die Ihr uns aufgrund Eurer Irreleitung unterdrückt! Da ich sehe und weiß, dass Ihr zu einer Hinrichtung auf ewig und einsamer Kerkerhaft verurteilt seid, nehme ich so meine vollkommene Rache an euch und bin dazu bereit, meinen Geist (ruh)in vollkommener Ruhe meines Herzens aufzugeben."
Siebenter Grundsatz:
Aufgrund oberflächlicher Untersuchungen, die an anderen Orten durchgeführt worden waren, betrachtete uns der Gerichtshof in Afyon als eine politische Vereinigung. Unsere Antwort darauf ist:
Erstens:
Wie schon von allen, mit denen ich befreundet bin, bezeugt worden ist, habe ich seit neunzehn Jahren
keine Zeitung gelesen, ist mir auch keine vorgelesen worden, noch habe ich danach gefragt; und seit zehn Jahren und fünf Monaten habe ich keine Nachrichten mehr erhalten, außer über den Untergang des Deutschen Reiches und das kommunistische Terrorregime. Ich bin niemals neugierig gewesen. Ein Mensch, der so wenig informiert ist, hätte mit Sicherheit keine politischen Verbindungen und könnte auch gar keine Beziehungen zu politischen Organisationen haben.
Zweitens:
Die 130 Teile der Risale-i Nur liegen offen. So war es denn für den Gerichtshof in Eskishehir klar ersichtlich, dass sie außer den Glaubenswahrheiten keine weltlichen Ziele und Zwecke verfolgen. So gab es denn dagegen auch keine Einwände, mit Ausnahme von ein oder zwei Abhandlungen; und der Gerichtshof in Denizli hatte gar keine. Einer ständigen Überwachung von acht Jahren zum Trotz konnte selbst der riesige Polizeiapparat in Kastamonu außer meinen beiden Dienern und noch zwei weiteren Männern niemanden finden, den sie hätten beschuldigen können, es sei denn unter einem Vorwand, was ein sicherer Beweis dafür ist, dass die Schüler der Risale-i Nur keine politische Vereinigung sind. Wenn das, was in der Anklageschrift mit "Vereinigung" gemeint ist, eine Gemeinschaft (des Lebens für) den Glauben und das Jenseits sein soll, so ist unsere Antwort darauf:
Wollte man die Studenten an einer Universität (darul'funun)und jede Art von Kaufleuten als eine solche Gemeinschaft (djemaat)bezeichnen, so könnte man auch uns den Namen einer solchen Gemeinschaft geben. Wenn sie uns aber den Namen einer solchen Gemeinschaft geben, welche die innere Sicherheit gefährden könnte, indem sie dazu die religiösen Gefühle missbraucht, so sagen wir dementgegen: Die Tatsache, dass über einen Zeitraum von zwanzig Jahren die Schüler der Risale-i Nur an keinem Ort die innere Sicherheit gefährdet oder die Ordnung in der Öffentlichkeit
gestört haben, und dass kein Vorfall dieser Art je der Regierung oder irgendeinem Gerichtshof gemeldet worden ist, zeigt, dass diese Anschuldigung faul ist. Wolle man aber der Stärkung religiöser Gefühle für die Zukunft den Namen einer Gemeinschaft anhängen, welche die innere Ordnung gefährdet, so setzen wir dem Folgendes entgegen:
Zunächst einmal verrichten vor allem das Amt für Religiöse Angelegenheiten (diyanet)und alle Prediger den gleichen Dienst.
Zum zweiten stören die Schüler der Risale-i Nur nicht den Frieden und gefährden nicht die Sicherheit, sondern schützen vielmehr die Nation mit ihrer ganzen Kraft und Überzeugung vor der Anarchie und wahren den Frieden und bewachen die Sicherheit, wofür der Beweis bereits im ersten Grundsatz angeführt worden ist.
Wir sind in der Tat eine Gemeinde (djemaat).Unser Ziel und unser Programm ist es, zunächst einmal uns selbst und dann die ganze Nation vor einer Hinrichtung auf ewig und vor einer immerwährenden Einzelhaft im Kerker des Zwischenreiches (bersah)zu retten, unsere Gefährten vor einer Anarchie und Lumpenherrschaft zu bewahren und auch uns selbst durch die stählernen Wahrheiten der Risale-i Nur gegen den Atheismus zu schützen, durch den beide Leben (im Diesseits wie im Jenseits (A.d.Ü.)) zerstört werden.
Achter Grundsatz:
Sie sagen, dass in ihren Abhandlungen einige provokante Äußerungen auftauchen und beschuldigen uns infolge ihrer mangelhaften und nur oberflächlichen Studien, die an anderen Orten durchgeführt wurden. Dementgegen sagen wir: Da unser Ziel nun einmal der Glaube (iman)und das Jenseits (akhir)sind, ist ein Streit mit den Weltleuten nicht (unser Ziel). Und da diese wenigen, nur in ein, zwei Abhandlungen auftauchenden, zwar provokanten, ansonsten aber völlig unbedeutenden
Bemerkungen nicht mit Absicht gefallen waren, wir vielmehr lediglich auf dem Weg zu unserem Ziel mit ihnen zusammengestoßen waren, geschah dies mit Sicherheit nicht aus einer politisch feindseligen Einstellung heraus. Und da nun einmal Möglichkeiten die eine Sache und Vorkommnisse eine andere Sache sind, und da nun einmal das, weswegen wir angeklagt sind, eine "mögliche" Störung der öffentlichen Ordnung ist und nicht etwa, dass wir sie (tatsächlich) gestört hätten, ist dies eine Anschuldigung ohne Bedeutung, gleich der Beschuldigung, irgendjemand hätte möglicherweise einen anderen töten können. Und da sie nun einmal in einem Zeitabschnitt von zwanzig Jahren, trotz ihrer intensiven Untersuchungen bei Zwanzigtausenden von Leuten und unter Tausenden von Briefen und Kopien und all ihren Nachforschungen in Eskishehir, in Kastamonu, in Isparta und in Denizli nichts hatten finden können, was ein wirkliches Verbrechen hätte sein können, war der Gerichtshof in Eskishehir schließlich dazu gezwungen, uns wegen einer einzigen kurzen Abhandlung für schuldig zu befinden, und zwar aufgrund eines Gummiparagraphen, weil anders sie nichts weiter hätten finden können. Und so konnten sie denn nur fünfzehn Leute unter hundert zu sechs Monaten Haft verurteilen, und zwar in der Art, wie sie alle (Menschen), die Religionsunterricht erteilen, {wegen religiöser "Propaganda" (A.d.Ü.)} hätten bestrafen können. Ich möchte gerne wissen, hätte man zwanzig private Briefe, die einer Ihrer Leute während eines Jahres geschrieben hatte, derart gewissenhaft durchforscht, hätten sie dann nicht gleichfalls zwanzig Sätze eines Verbrechens enthalten, dessen man sich hätte schämen müssen? Doch die Tatsache, dass sie in 20.000 Briefen und kopierten Abhandlungen, (geschrieben von) 20.000 Leuten keine 20 wahrhaft kriminellen Sätze hatten finden können, zeigt, dass das Ziel der Risale-i Nur einzig das jenseitige (Leben) ist. Es
hat zu diesem weltlichen Handel und Wandel keine (Beziehung).
Neunter Grundsatz:
Was die Angelegenheiten betrifft, die der recht und billig denkende Staatsanwalt aufgrund der ungerechten und oberflächlichen Nachforschungen an anderen Orten, so z.B. am Gerichtshof in Afyon, der Anklage beigefügt hat und die auf das verweisen, was wir während des Verhörs erfahren haben, so sind bereits dagegen Einwände erhoben worden, dass wir wegen der gleichen Angelegenheit noch einmal angeklagt worden sind: undatierten Briefen, einer Korrespondenz über zwanzig, fünfzehn und zehn Jahre und der "Fünfte Strahl", zu dem sich ganz genaue Antworten im obigen Dritten Grundsatz und in der zweiten Frage meiner obigen Petition, und vier oder fünf Abhandlungen unter den einhundertunddreißig der Risale-i Nur und einer Anzahl Briefe und Abhandlungen, die von dem Gerichtshof in Eskishehir genau untersucht worden sind und worüber die Gerichtsurteile bereits gefällt worden sind und die dann später unter die Amnestie fielen, wodurch sie auch vom Gerichtshof in Denizli wieder freigegeben wurden. Kann man von jemandem, der während der Ereignisse um den "31. März (1909)" nur durch eine Ansprache vor dem Kriegsministerium acht Bataillone, die nicht auf den Scheichu-l'Islam und die Gelehrten gehört hatten, zur Raison brachte, sagen, wie der Polizeibericht behauptet, dass er in acht Jahren trotz all seiner Bemühungen nur zwanzig oder dreißig Leute habe überzeugen können? Er habe in einer so großen Stadt wie Kastamonu nicht mehr als fünf Leute in die Irre führen können? Denn während noch die ganze Affaire in Denizli sich abspielte, hat man in Kastamonu alle meine Bücher und Papiere, sowohl die privaten (mahrem)als auch andere unter Stapeln von Brennholz hervorgezogen und konnte doch, nachdem man sie drei Monate lang untersucht hatte, in dieser riesigen Stadt außer Feyzi, Emin, Hilmi, Taufiq und Sadiq niemand weiter finden. Weil aber Feyzi und die anderen
mir um Gotteslohn einige persönliche Dienste erwiesen hatten, steckte man sie ins Gefängnis, zusammen mit ihren drei Brüdern und drei oder vier anderen, die sie in Emirdag gefunden hatten und die mir dreieinhalb Jahre gedient hatten. Hätte ich getan, was dieser oberflächliche Bericht behauptete, dann hätte ich nicht nur fünf oder zehn Leute angeblich in die Irre geführt, sondern vielleicht 500 oder 5000 oder sogar 500.000. Ich habe bereits vor dem Gerichtshof in Denizli auf die vielen Irrtümer in dem Polizeibericht hingewiesen und will das hier noch einmal anhand von zwei Beispielen tun.
Sie haben uns der Verfälschung der Religion (tahrifat)beschuldigt, weil ich einer islamischen Sitte, wie sie seit den Tagen des Propheten praktiziert wurde, folgend, aus Hunderten wohlbekannter Ayat, welche die Quelle der Risale-i Nur bilden, einen Auszug aus dem Qur'an (Hisbul'Qur'ani)in Form einer Anthologie (En'am= Blumenlese) zusammengestellt hatte.
Außerdem hatte ich bereits eine Strafe von einem Jahr abgesessen, als man mir, wie bereits in dem Polizeibericht vermeldet wurde, die Abhandlung über "Die Verhüllung der Frau (Tesettur Risalesi)",die ich bis dahin für privat (mahrem)angesehen hatte, unter dem Stapel Brennholz hervorzog, behauptete, sie sei erst in diesem Jahr geschrieben und veröffentlicht worden (und mich erneut deswegen zur Anzeige brachte). Und obwohl nun eine wohlbekannte Persönlichkeit nicht geantwortet und bei allen Gegenargumenten und scharfen Worten, die ich vor der Versammlung der Abgeordneten in Ankara zu ihm gesagt hatte, auch weiterhin geschwiegen hatte, nahm der Öffentliche Ankläger dennoch mit großer Eloquenz meine ganz natürliche und durchaus notwendige, wenn auch sehr allgemein gehaltene, persönliche Kritik in meinen Ausführungen von vor vierzig Jahren, bezüglich der Hadithe, die seine Irrtümer beschreiben, wörtlich, wandte sie auf ihn an und machte sie zu einem Punkt (der Anklage), um uns dafür zur Rechenschaft zu ziehen. (Ja könnte
man denn da nicht vielleicht einen Vergleich ziehen zwischen dem) was dem Ansehen einer Person dient, die bereits verstorben ist und keine Beziehungen mehr zur Regierung hat und den Prinzipien der Gerechtigkeit, die dem Ansehen von Volk und Staat dienen und eine (Art) Manifestation der Herrschaft Gottes des Gerechten sind?
Zudem ist die Freiheit des Gewissens derjenige unter den Grundsätzen der Regierung der Republik, auf den wir uns am meisten gestützt und auf den wir uns in unserer Verteidigung stets berufen haben. Den aber hat man nun zu einem Punkt der Anklage gegen uns gemacht, so als hätten nun (wir selbst) gegen diesen Grundsatz der Gewissensfreiheit verstoßen.
Zudem hatte ich in einer Abhandlung die Fehler und Mängel der Zivilisation kritisiert und es wurden mir in dem Polizeireport ganz unvorstellbare Dinge unterstellt, z.B. dass ich den Gebrauch eines Radios, {(*): Ich hatte gesagt, dass man für die gewaltigen göttlichen Gnadenerweise, wie das Radio, einen ebenso gewaltigen Dank darbringen müsste, wenn es nun den "Qur'an rezitieren kann, sodass alle Menschen auf dem ganzen Erdenrund ihn hören können und die gesamte Atmosphäre zu einem Hafidh des Qur'an wird."} des Flugzeugs und der Eisenbahn ablehne. Deshalb beschuldigten sie mich denn, gegen den heutigen Fortschritt zu sein.
Zieht man also nun diese Beispiele zum Vergleich heran, so möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass auch der Gerichtshof in Afyon gleich dem recht und billig handelnden Staatsanwalt und dem Gerichtshof in Denizli zeigen wird, dass diese Behandlung entgegen der Gerechtigkeit ist und den Verdächtigungen derartiger Polizei-Reporte keine weitere Bedeutung beimessen.
Das merkwürdigste ist aber doch Folgendes: Ich habe da einmal gesagt: Obwohl die Menschheit auf die großen Gnadengaben Gottes des Gerechten, wie dem Flugzeug, der Eisenbahn und dem Radio mit großer Dankbarkeit
hätten entgegnen sollen, erstatteten sie ihm keinen Dank, worauf Er von ihren Flugzeugen Bomben auf ihre Köpfe herabregnete. Auch das Radio ist solch ein großes Gnadengeschenk Gottes; und der Dank dafür könnte darin bestehen, es zu einem "Hafidh-i Qur'an" mit Millionen von Zungen zu machen und so allen Menschen auf dem ganzen Erdenrund zu erlauben, auf ihn zu hören. Ich habe auch gesagt, als ich das "Zwanzigste Wort" erklärt habe, dass der Qur'an für die Zukunft die Wunder der Zivilisation voraussagt. Eine dieser Ayat weist darauf hin, dass die Ungläubigen die Islamische Welt mit der Eisenbahn besiegen werden. Obwohl ich nun die Islamische Welt dazu angespornt habe, doch diese Wunder zu nutzen, haben uns trotzdem einige der Staatsanwälte an früheren Gerichtshöfen beschuldigt, gegen den heutigen Fortschritt, also gegen die Eisenbahn, das Flugzeug und das Radio zu sein.
Und obwohl dies des Weiteren in gar keinem Zusammenhang damit steht, sagte doch jemand über den Namen "Risalatu-n'Nur", welches nur ein anderer Name für "Risale-i Nur" ist, dass sie "eine Botschaft (risalah)aus dem Lichte des Qur'an ist, durch ihn inspiriert. Sie sei ein Botschafter (risalah),der (in der Position) eines Erben (des Propheten) die Aufgabe der Scharia erfüllt." An anderer Stelle der Anklage wurde dem fälschlicherweise ein Sinn unterlegt, der zur Basis weiterer Anklagen wurde, so als hätte ich gesagt: "Die Risale-i Nur ist ein Prophet (Rasul)".
Wir haben also schon an zwanzig Stellen in meiner Verteidigungsschrift mit absoluter Sicherheit bewiesen, dass selbst wenn dies für die ganze Welt wäre, wir dennoch nicht unseren Glauben, den Qur'an oder die Risale-i Nur als ein Mittel verwenden könnten und dürften und wir nicht eine ihrer Wahrheiten gegen die Weltherrschaft eintauschen würden; und genauso sind wir auch in der Tat. Und für diese Behauptung gibt es in zwanzig Jahren tausend Hinweise. So wie jedoch z.Zt. die Verhöre in Afyon
ablaufen und entsprechend der Anklage, die sich aus ihnen und im übrigen aus den Polizeiberichten ergibt, werden wir wegen anderer Dinge zur Rechenschaft gezogen, so als sei es unsere Absicht und wollten wir alle unsere Anstrengungen für unsere weltlichen Intrigen einsetzen und beeilten uns nun zu den hasserfüllten Spielen dieser Welt, und wollten wir unsere Religion als Mittel zu unseren niederen Interessen missbrauchen und so ihre Heiligkeit in den Schmutz ziehen. Da dies aber nun einmal so ist, sage ich und sagen wir alle aus ganzer Kraft
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser genügender Anteil und Er ist unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)}
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei!"}
Eine Ergänzung meines schriftlich eingereichten Widerspruchs zu der Anklage, die der Gerichtshof in Afyon gegen uns erhoben hat.
Ich richte (diese Ergänzung) zu meinem Widerspruch nicht an den Staatsanwalt und den Gerichtshof zu Afyon, sondern an diese boshaften und misstrauischen Beamten, die aufgrund der falschen und mangelhaften Berichte des Öffentlichen Anklägers andernorts, seiner Informanten und Detektive, diese außergewöhnliche Situation hier und während des Verhörs in der Polizeidienststelle gegen uns heraufbeschworen haben.
Erstens:
Wie weit davon entfernt es ist, gerecht zu sein, Schüler der Risale-i Nur, die völlig unschuldig sind und nichts mit Politik zu tun haben, eine politische Organisation zu nennen, was völlig ohne Strunk und Stiel und uns noch nie in den Sinn gekommen ist, und diese unglückseligen, die in den Kreis (der Schüler) der Risale-i Nur eingetreten sind und kein anderes Ziel haben, als Glaube (iman)und Jenseits (akhir)und die Verbreitung (der Abhandlungen) für die Gemeinschaft, Säulen (der Gemeinschaft) mit Führungsaufgaben und einfache Mitglieder, die die Risale-i Nur lesen oder sie andere lehren oder (für andere) kopieren, eines Verbrechens zu beschuldigen und vor Gericht zu stellen, dafür liefert das Folgende einen unumstößlichen Beweis:
Obwohl in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Gedankenfreiheit und der Freiheit von Wissenschaft (Forschung und Lehre) solche, die Werke lesen, die von Dr. Dozy und anderen Atheisten geschrieben wurden und (der Seele) schaden, nicht als Verbrecher betrachtet werden, werden (im Gegensatz dazu) solche, die ein großes
Bedürfnis und ein sehnsüchtiges Verlangen haben, die Wahrheiten (haqiqat)des Qur'an und des Glaubens (iman)zu lernen und die Risale-i Nur zu lesen und zu schreiben, die diese Wahrheiten so klar wie Sonnenlicht lehrt, als Verbrecher betrachtet. Außerdem haben wir unter den hundert Abhandlungen, um zu verhindern, dass ihnen eine falsche Ausdeutung zugeschrieben werden könne, bis sie von den Gerichten der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, zwei oder drei Abhandlungen als privat (mahrem)behandelt, von denen dann einige Sätze als Vorwand dazu dienten, uns beschuldigen zu können. Der Gerichtshof in Eskishehir hat jedoch mit einer Ausnahme alle sorgfältig geprüft, sodann (das Verfahren) abgeschlossen und dabei nur in der Abhandlung über die "Verhüllung der Frau (Tesettür Risalesi)"ein oder zwei Punkte indiziert. Diese Ausnahme wurde sowohl in meiner Petition als auch in meinem Einspruch gegen diese Anschuldigung mit äußerster Bestimmtheit klargestellt. Die Tatsache, dass wir "in unseren Händen ein Licht (Nur)tragen und keine politische Keule" konnten wir vor dem Gerichtshof in Eskishehir in zwanzigfacher Hinsicht unwiderlegbar beweisen. Auch der Gerichtshof in Eskishehir prüfte sämtliche Abhandlungen der Risale-i Nur ohne Ausnahme und obwohl er gegen keine irgendwelche Einwände erhoben hatte, dehnten diese ungerechten Ankläger diese drei oder vier (bereits indizierten) Sätze aus zwei oder drei Anhandlungen auf die ganze Risale-i Nur aus. Und so wie sie (am liebsten) auch die vierhundert Seiten der (Abhandlung) "Dhu-l'Fiqar(Ali's Schwert)" wegen zweier Seiten konfisziert hätten, beschuldigten sie auch alle, die die Risale-i Nur lesen oder abschreiben eines Verbrechens und klagten auch mich selbst des Widerstands gegen die Staatsgewalt an.
Ich stelle mich und alle meine Freunde, die mir nahe stehen und mich besuchen, zu Zeugen vor und schwöre und versichere (unter Eid), dass ich schon seit zehn Jahren außer zwei Präsidenten, einem Abgeordneten und
dem Gouverneur (der Provinz) Kastamonu nicht mehr weiß, wer die Präsidenten des Staates sind, wer seine Minister, seine Kommandeure, Beamten und Abgeordneten. Und ich bin auch gar nicht neugierig, das herauszufinden. Vor ein oder zwei Jahren jedoch haben ein oder zwei Personen Verbindung mit mir aufgenommen und so erfuhr ich dann auch etwas von fünf oder sechs führenden Mitgliedern der Regierung. Ja wäre es denn in irgendeiner Weise möglich, dass jemand die Leute, die er bekämpft, gar nicht kennt und auch gar nicht das Interesse hat, etwas über sie zu wissen und keinen Wert darauf legt, zu erfahren, ob sie ihm Freund oder Feind sind? Aus diesen Umständen wird ersichtlich, dass sie, um mich zu verderben, in jedem Fall irgendwelche bodenlos unbegründeten Vorwände erfinden.
Da aber nun einmal die Sachlage so ist, sage ich nicht dem Gerichtshof hier, sondern jenen Ungerechten: Ich gebe keine fünf Para für eure schwerste Strafe und sie ist für mich ohne jede Bedeutung. Denn ich bin bereits 75 Jahre alt und stehe am Tor des Grabes. Ein oder zwei Jahre eines unschuldigen Lebens in der Verfolgung gegen die Rangstufe eines Märtyrers eintauschen zu dürfen, wäre für mich die höchste Glückseligkeit. Dank Tausender Beweise der Risale-i Nur glaube ich mit absoluter Sicherheit, dass der Tod für uns eine Entlassungsurkunde ist. Selbst was äußerlich betrachtet wie eine Hinrichtung erscheint, ist für uns, wenn auch eine Stunde der Qual, dennoch der Schlüssel zur Ewigen Glückseligkeit (als Ausdruck göttlicher) Barmherzigkeit. Doch Ihr, unsere heimlichen Feinde, die Ihr in eurer Ungerechtigkeit die Justiz zugunsten Eures Atheismus in die Irre führt und die Regierung (dazu treibt) sich grundlos mit uns zu beschäftigen! Wisset es und zittert: Ihr seid zur Hinrichtung auf ewig und zur ewigen Einzelhaft verurteilt. Wir sehen, dass unsere Rache euch in einer vielfachen und umfangreichen Weise auferlegt werden wird. Ja, wir bedauern Euch deswegen. In der Tat verlangt die Wahrheit des Todes,
der diese Stadt hundertmal in den Friedhof füllt, mit Sicherheit stets mehr vom Leben. Einen Weg zu finden, um von dieser Verurteilung zum Tode errettet zu werden, ist für den Menschen über all seine Probleme hinaus sein aus dieser Notlage heraus (geborenes) größtes, wichtigstes, dringendstes Erfordernis und sein absolutes Bedürfnis. Wer aufgrund banaler Vorwände den Schülern der Risale-i Nur, die für sich selbst diesen Weg bereits gefunden haben, und der Risale-i Nur, die diesen Weg durch Tausende Zeugnisse zu finden lehrt, eine Schuld zuzuschieben versucht, wird selbst in den Augen der Wahrheit und Gerechtigkeit (haqiqat ve adalet)in einer Weise schuldig, dass dies selbst noch ein Dummkopf es verstehen kann.
Es gibt drei Gründe, die ungerechte Leute täuschen können und den Verdacht entstehen lassen, als handle es sich hier um eine politische Organisation (djemiyet),auch wenn damit gar kein Zusammenhang besteht.
Erstens:
Die Tatsache, dass meine Schüler schon seit den ersten Tagen wie Brüder innig mit mir verbunden sind, erregt den Verdacht, es handle sich dabei um eine Gemeinschaft (djemiyet).
Zweitens:
Einige Schüler der Risale-i Nur haben wie eine Islamische Gemeinschaft (djemaat-i Islamiye)gehandelt, so wie man sie überall vorfindet und wie sie ja auch vom Gesetz der Republik erlaubt sind und nicht verfolgt werden und wurden deshalb als eine Organisation (djemiyet)angesehen. Doch diese sehr begrenzten drei, vier Schüler hatten nicht die Absicht, irgendeine Vereinigung (djemiyet)zu gründen, sondern nur einander aufrichtig im Glauben zu dienen und sich gegenseitig im Dienst für das Jenseits zu unterstützen.
Drittens:
Weil aber nun diese ungerechten Leute wissen, dass sie sich im Irrtum befinden und in die Welt vernarrt sind und weil sie einige der staatlichen Gesetze und Verordnungen als gerade passend für sich finden, denken
und sagen sie sich: "Höchstwahrscheinlich sind Said und seine Freunde gegen uns und gegen die Gesetze der Regierung, welche uns ein (Leben) nach Bürgerlichem Recht (ermöglichen), (obwohl das eigentlich) verboten (nameshru')ist. Weil dies aber so ist, sind sie eine verbotene (muhalif)politische Partei."
Dagegen sage ich:
Ihr Lumpengesindel! Wäre die Welt ewig und könnte der Mensch auf ewig in ihr verweilen, und die Aufgabe des Menschen wäre einzig in der Politik zu finden, vielleicht könnte man dann in euren Verleumdungen noch irgendeinen Sinn entdecken. Hätte ich mein Werk mit einem Auge auf die Politik unternommen, so würdet ihr nicht zehn Sätze in diesen Abhandlungen finden, sondern tausend politische, streitbare (Äußerungen). Den unmöglichen Fall einmal angenommen, wir würden gleich Euch all unsere Kraft für weltliche (dunya)Zwecke, (irdische) Vergnügungen und politische (Ziele) einsetzen - selbst der Teufel würde nicht versuchen, dazu jemanden zu überreden und niemand würde so etwas annehmen - doch sei's nun einmal drum! - ein derartiger Vorfall konnte selbst in zwanzig Jahren nicht aufgezeigt werden. Die Regierung sieht auf die Hände und nicht in das Herz und in einer jeden Regierung gibt es streitbare Gegner. Ihr könnt sicherlich keinen von uns nach Recht und Gesetz für schuldig erachten.
Mein letztes Wort:
حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Gott ist mein genügender Anteil. Es gibt keine Gottheit außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des Gewaltigen Thrones." (Sure 9,129)}
Said Nursi
* * *
Obwohl ich nach dem Freispruch vor dem Gerichtshof in Denizli drei Jahre lang in Einsamkeit gelebt und mich nicht für Politik interessiert habe, erkläre ich (nachstehend), dass dieser neue Vorfall, der dazu geführt hat, dass wir ins Gefängnis in Afyon (überstellt wurden), in zehn verschiedenen Hinsichten ungesetzlich ist.
Erstens:
Obwohl die Risale-i Nur von drei Gerichtshöfen und drei Expertenkomiteen und sieben Ämtern in Ankara und allen Justizbehörden, die sie zwei Jahre lang zwecks genauerer Untersuchung (beschlagnahmt hatten) alle einstimmig und ohne alle Einwände mit allen ihren Abhandlungen wieder freigegeben worden war, auch Said und seine 75 Gefährten wieder freigesprochen worden waren und keiner von ihnen auch nur zu einem einzigen Tag Kerkerhaft verurteilt worden war, hat man nun dennoch wiederum seine Hand nach diesen Abhandlungen ausgestreckt, als handle es sich dabei um gefährliche Papiere. Inwieweit dies völlig illegal ist, kann jeder verstehen, der auch nur über ein Körnchen Einsicht verfügt.
Zweitens:
Einem Mann, der nach seinem Freispruch dreieinhalb Jahre ganz allein als ein Fremder in Emirdagh gelebt hatte, hinter einer Tür, die von außen verschlossen und von innen verriegelt war, und der unter hundert Besuchern nur einen einzigen in wichtigen Angelegenheiten empfing, ja der selbst das Schreiben nach zwanzig Jahren aufgegeben hatte und nun nicht mehr schrieb, die Riegel aus politischen Gründen von Detektiven zu zerbrechen und ihm dann, nachdem bei der Hausdurchsuchung außer einem arabischen Gebetbuch und einer Tafel mit Glaubenssätzen an der Wand nichts weiter gefunden worden war, auch noch einen solchen Tort anzutun, {ihn nach Afyon zu überstellen (A.d.Ü.)} ist in einem derartigen Maße gegen das Gesetz, dass ein
jeder, der auch nur über ein Körnchen Einsicht verfügt, es begreifen kann.
Drittens:
Bereits vor dem Gerichtshof habe ich gesagt: Könnte es etwa in Übereinstimmung mit irgendeinem Gesetz sein, einem Mann, dem 70 Zeugen bestätigt haben, dass er sechs Jahre lang nichts vom Großen (Zweiten) Krieg gewusst und sich nie dafür interessiert und auch nie danach gefragt hat und der diese Haltung seit zehn Jahren beibehalten hat, der seit 25 Jahren keine Zeitung gelesen oder zugehört hätte (wenn sie vorgelesen wurde) und der seit dreißig Jahren sagt:
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَ السِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht vor dem Teufel und seiner Politik",}
der die Politik mit aller Macht flieht und der in 22 Jahren schrecklicher Torturen sich doch, um nicht die Aufmerksamkeit der Politiker auf sich zu lenken und so mit der Politik in Berührung zu kommen, niemals an die Regierung gewandt hat, ihm (seine Haftbedingungen) zu erleichtern, seine Unterkunft und das Haus seiner Einzelhaft zu durchsuchen, als handle es sich hier um einen fürchterlichen Politiker oder einen politischen Intriganten, und ihm, während er doch schon krank ist, noch weitere unerhörte Leiden zuzufügen? Wer auch nur ein Körnchen von Gewissen empfindet, wird mit ihm in dieser Lage Mitleid empfinden!...
Viertens:
Der Gerichtshof in Eskishehir hat die Risale-i Nur sechs Monate lang genau untersucht, weil wir angeklagt waren, eine (politische) Vereinigung, einen Sufi-Orden gegründet zu haben. Aufgrund dieser Verdächtigung und wegen des persönlichen Hasses des großen Führers gegen uns veranlasste er gewisse Mitglieder der Justizbehörde, gegen uns vorzugehen. Doch das Gericht sprach uns von der Anklage, eine solche Vereinigung oder einen Orden oder die Risale-i Nur betreffend, frei und nur ein kleiner Teil der Risale-i Nur, nämlich die Abhandlung
über "die Verhüllung der Frau (Tesettür Risalesi)"ergab eine Strafe von sechs Monaten für 15 von 100 Schülern, was aber auch nicht in Übereinstimmung mit dem Gesetz geschah, sondern nur aufgrund von Indizien. Da sie aber bereits viereinhalb Monate in Untersuchungshaft verbracht hatten, verbüßten sie danach nur noch anderthalb Monate. Zehn Jahre später sandte der Gerichtshof in Denizli abermals aufgrund einer Reihe von Vorwänden wie Gründung einer solchen Vereinigung oder eines Ordens u. dgl. und nachdem sie Briefe und andere Schriftstücke von zwanzig Jahren sorgfältig untersucht hatten, fünf Kisten Bücher an den Hochgerichtshof in Ankara, obwohl doch diese Bücher und Schriften schon einmal Gegenstand einer zwei Jahre langen, sehr sorgfältigen Untersuchung an den Gerichtshöfen in Ankara und in Denizli gewesen waren, wo bereits der einstimmige Beschluss (ergangen war), Said und seine Gefährten (von der Anklage) dieser Vereinigung oder eines Ordens
{(*): Zweck und Ziel der Lichter (Nur) ist ein wahrhaftiger Glaube (iman-i tahqiq) und die Wahrheit des Qur'an (haqiqat-i Qur'ani). Aus diesem Grund haben drei Gerichtshöfe (den Punkt der Anklage, es handle sich hier um) einen Orden, fallengelassen. Außerdem hat in diesen zwanzig Jahren noch kein Mensch gesagt: "Said hat mich in den Ordensregeln unterrichtet." Zudem kann ein Weg (meslek), dem sich die meisten der Vorväter unseres Volkes seit tausend Jahren verbunden gefühlt haben, kein Grund sein, dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Auch sollten diejenigen, welche den versteckten Heuchlern, die die Wahrheit des Islam (haqiqat-i Islamiye) einen Orden (tariqah) nennen und den Glauben des Volkes angreifen, mit Erfolg entgegentreten, nicht nun ihrerseits als Ordensleute beschuldigt werden. Was aber nun die Gemeinde (djemiyet) betrifft, so handelt es sich hier um eine Verbrüderung um des Himmelreiches (uhrevi) willen im Sinne einer (ganz allgemeinen) Bruderschaft aller Muslime.}
und anderer Vorwände frei zu sprechen und auch die Bücher ihren Eigentümern wieder zurückzugeben. So wird denn ein jeder, der noch nicht ganz seine
Menschlichkeit verloren hat, verstehen, wie ungesetzlich es ist, ihn als einen politischen Agitator oder als Intriganten zu beschuldigen und die Beamten des Gerichtshofes wegen einer Ordensgründung gegen ihn aufzuwiegeln.
Fünftens:
Aufgrund des Mitleids (shefqat),das die Basis meines Weges (meslek)und die der Risale-i Nur und seit dreißig Jahren der Grundsatz meines Lebens ist, kritisiere ich nicht die Verbrecher, welche einem Unschuldigen Schaden zufügen und mir Unrecht tun und verfluche sie schon gar nicht. Sollten mir selbst einige Sünder oder glaubenslose Übeltäter noch im höchsten Zorn Unrecht tun, so hält mich doch mein Mitleid (shefqat)davon ab, sie physisch anzugreifen oder gar zu verfluchen. Denn selbst diese heimtückischen Unmenschen haben gleich ihren Eltern bedauernswerte Alte oder Unschuldige, wie die Kinder, weshalb ich diese heimtückischen Unmenschen niemals angreifen würde, damit nicht vier oder fünf Unschuldige zu Schaden kommen. Und manchmal verzichte (helal)ich sogar auf mein Recht (haqq).Es geschieht aus dem Geheimnis dieses Mitleids (sirr-i shefqat)heraus, dass ich mich absolut niemals in (die Angelegenheiten) der Regierung einmische oder (gar) die öffentliche Ruhe und Ordnung störe, wie ich dies auch allen meinen Gefährten so sehr eingeschärft habe, dass sogar einige der gerecht denkenden Polizeibeamten in den drei Provinzen (Eskishehir, Denizli, Afyon)zugegeben haben: "Diese Nur-Schüler sind ihrer Gesinnung nach auch Polizisten. Sie unterstützen die Verwaltung und sorgen für Ruhe und Ordnung (im Lande)." Für diese Tatsache gibt es Tausende von Zeugen. Sie bestätigen, dass in zwanzig Jahren ihres Lebens die Polizei noch nie einen Zwischenfall mit ihnen aufgezeichnet hat; und Tausende von Schülern bestärken dies nochmals. Welches Gesetz erlaubt es also nun, dass das Haus dieses unglücklichen Mannes durchsucht wird und dass dann diese Unmenschen ihn anklagen und, trotzdem sie nichts in seinem Hause gefunden hatten, ihm wie einem hundertfachen
Verbrecher seine wertvollen Besitztümer, diesen so kostbaren, wunderbaren Qur'an und die Tafel mit den Glaubensinschriften wie gefährliche Blätter wegnehmen? Ja wofür sollte das denn gut sein, Tausende frommer Menschen, die durch ihre gute Gesinnung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung dienen, mit einigen haltlosen Verdächtigungen gegen die Verwaltung und gegen die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufzubringen?
Sechstens:
Unendlicher Dank sei Gott dem Gerechten, dass ein Mann durch den Segen des Qur'an erkannte, wie nutz- und sinnlos der flüchtige Ruhm und die Ehre (shan u sheref)dieser Welt und ihre egoistische Selbstbewunderung (enaniyetli hodfürush)und Ruhmsucht (shöhret)sind. Und seit der Zeit hat dieser Mann mit aller Kraft gegen seine eigenwillige Seele (nefs-i emmare)angekämpft um sie aufzugeben und seine Ich-Verhaftetheit zu brechen, um nicht gekünstelt (riya)und überheblich daher zu kommen. Wer immer dazu imstande war, sich für ihn einzusetzen und ihm zu dienen, oder mit ihm befreundet war, wusste dies mit absoluter Sicherheit und bezeugte es. Dennoch flieht er seit zwanzig Jahren davor, bei den Menschen wohlangesehen zu sein, ihre Zuneigung zu genießen, worüber sich jeder andere doch nur gefreut hätte. Doch im Gegensatz zu einem jeden anderen hat er Lobpreis und, wenn (die Menschen) ihm zujubelten und ihm einen geistlichen Stand (manevi makam)zuschreiben wollten, dies stets zurückgewiesen. Er hat selbst die gute Meinung (husn-u zan)seiner engsten Brüder (und deren Übertreibungen) abgelehnt. So hat er diese aufrichtigen Brüder gekränkt, wenn er ihre Lobeshymnen in den Briefen, die er ihnen als Antwort schrieb, nicht annahm. Er hat sich stets leer von jenen Vorzügen gezeigt, die er dann immer der Risale-i Nur, als dem Kommentar zum Qur'an und demzufolge den Schülern als geistiger Körperschaft der (Risale-i)Nur zuschrieb, während er sich selbst nur als deren niedrigen Diener begriff, was absolut sicher beweist, dass er sich nie darum bemühte, selbst verehrt zu werden, weil er das nicht wollte, ja dies sogar zurückwies.
Ja wurde er denn unter den bestehenden Gesetzen für schuldig befunden, weil seine Freunde an einem weit entfernten Ort ihre gute Meinung (husn-u zan)von ihm übertrieben, ihm Lobeshymnen darbrachten und ihm einen (besonderen) Rang einräumen wollten, und aufgrund dessen, was ein Mann aus der Gegend von Kütahya, den er gar nicht kennt, gesagt haben soll, und aufgrund eines Briefes mit einer gefälschten Unterschrift, der nach Kütahya gesandt worden war, obwohl er doch gar keinen Brief geschrieben hatte, und aufgrund eines provokativen Buches in Balikesir, dessen Autor unbekannt geblieben ist? Ja würde es denn irgendein Gesetz irgendwo in der Welt erlauben, Beamte auszuschicken, um die Riegel zu dem Raum eines armseligen, alten, kranken Fremdlings aufzubrechen, so als habe er ein schweres Verbrechen begangen, und ihnen dies erlauben, einzig, um ein Gebetbuch und eine Tafel mit Segensprüchen vorzufinden? Würde etwa irgendein Gesetz in dieser Welt, irgendeine Politik einen derart aggressiven Einbruch (in die Privatsphäre eines solchen Mannes) erlauben?
Siebentens:
Würde etwa irgendein Gesetz es erlauben, solch einen Unglücklichen, der - und das, obwohl in der Zeit innerhalb des Landes, in der es so viele, inländische wie ausländische, politische Parteien und Strömungen gibt und der Boden bereits dazu reif ist, seinen Vorteil daraus zu ziehen, d.h. zahlreiche Diplomaten und Politiker zu seiner Unterstützung anstelle einer handvoll von Freunden zu gewinnen - zu all seinen Freunden gesagt hat - nur, weil er sich nicht in die Politik einmischen und sich die Reinheit seiner Absicht bewahren wollte, auch nicht die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich lenken und sich nicht mit weltlichen Dingen beschäftigen wollte: "Passt auf, dass ihr nicht von den politischen Strömungen mitgerissen werdet! Lasst euch nicht in die Politik verwickeln! Stört nicht die öffentliche Sicherheit und Ordnung!" - und der, obwohl zwei Strömungen (= Parteien) ihn aufgrund seiner Zurückgezogenheit angegriffen und
ihm viele Ungelegenheiten bereitet haben, die Alten aufgrund ihrer grundlosen Furcht und die Neuen, weil sie sagen: "Er hilft uns nicht!" - sich dennoch nicht in die weltlichen (Angelegenheiten) der Weltleute eingemischt, sondern sich nur mit dem Jenseits beschäftigt und selbst seinem eigenen Bruder in dem Dörfchen Nurs, in seiner Heimat, in 22 Jahren nicht einen einzigen Brief geschrieben, auch noch keine zehn Briefe in zwanzig Jahren an die Freunde in ihren Provinzen geschrieben hat, ja würde denn irgendein Gesetz es erlauben, solch einen Unglücklichen, der sich doch nur mit dem Jenseits beschäftigt, auf eine derartige Weise zu belästigen?
Ja würde es denn irgendein Gesetz erlauben, Kopien der Risale-i Nur, worin drei (verschiedene) Gerichtshöfe nichts verdächtiges gefunden hatten, obwohl unter den (derzeitigen) liberalen Gesetzen die Veröffentlichung der Glaubenslosen und der Kommunisten nicht verhindert wird, obwohl sie doch so sehr schädlich für Volk und Land und seine Moral sind, denn die Risale-i Nur bemüht sich seit zwanzig Jahren, das Land und das öffentliche Leben, seine Moral und seine Sicherheit zu bewahren und kämpft wirkungsvoll, um für dieses Volk die wahre Unterstützung wiederzugewinnen, die Bruderschaft der islamischen Welt und seine Freundschaft zu stärken, Abhandlungen aus der Risale-i Nur, wie den "Dhu-l'Fiqar(Alis Schwert)" und den "Stab Mosis (Asa-yi Musa)",die auf Anweisung des Ministeriums für Innere Angelegenheiten drei Monate vom Amt für Religiöse Angelegenheiten untersucht worden sind, in der Absicht, einen Anlass zur Kritik darin zu finden, und die dann doch ganz und gar anerkannt und in die Bibliothek der Regierung als ein "bedeutendes Werk" aufgenommen wurden, wobei dann der "Stab Mosis" sogar auf das Grab des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, gestellt wurde, als ein Zeichen seiner Akzeptanz, sodass er dort von den Pilgern in Augenschein genommen werden konnte, ja würde irgendein Gesetz, eine Gewissensentscheidung oder ein
Beschluss der Justizbehörden es erlauben, diese Kopien einzusammeln, als ob es sich dabei um gefährliche Schriften handle, und sie an das Gericht einsenden?
Achtens:
22 Jahre später, nach (langer) sinnloser Mühsal im Exil, kehrte (diese Person), obwohl man ihm die völlige Freiheit wieder geschenkt hatte, nicht mehr in sein Geburtsland zurück, wo er Tausende Freunde und Verwandte gehabt hatte, sondern zog es vielmehr vor, in der Fremde zu leben, wo sich niemand um ihn sorgt, sodass er ferner keinen Kontakt mehr mit dieser Welt, dem gesellschaftlichen Leben und der Politik haben würde. So gab er denn auch die so verdienstvolle (Gebets-) Gemeinschaft in der Moschee auf und zog es stattdessen vor, in seinem Zimmer allein zu beten und zu bleiben, weil seine innere Verfassung ihn dazu bewog, sich vor der Verehrung des Volkes zurückzuziehen. Auch wurde in zwanzig Jahren seines Lebens bezeugt und von Tausenden von Türken, wertvollen Persönlichkeiten, bestätigt, dass er einen einzigen frommen und gottesfürchtigen Türken, vielen (religiös) gleichgültigen Kurden vorzieht. Ja, er bewies sogar vor Gericht, dass er einen türkischen Bruder, so einen wie Hafidh Ali, mächtig und stark im Glauben nicht gegen hundert Kurden tauschen würde. Um nicht das Objekt ihres Respekts und ihrer Verehrung zu werden, vermied er es auch, unter die Leute zu gehen, wenn es nicht sein musste, ging deshalb auch nicht zur Moschee. Seit vierzig Jahren hat er sich mit seiner ganzen Kraft und in all seinen Werken für die Brüderlichkeit im Islam und dafür, dass die Muslime einander lieben (muhabbet)sollten, eingesetzt. Da das türkische Volk der Bannerträger des Qur'an ist und das Lob des Qur'an verdient hat, liebt er dieses Volk sehr und verbringt sein Leben unter ihnen. Einen (solchen Mann) zu beschuldigen und, ihn zu verärgern, im Ton einer Amtsperson gegen ihn Propaganda zu machen, damit seine Freunde von ihm abspenstig werden, sagte der frühere Gouverneur: "Er ist ein Kurde und ihr seid Türken. Er ist Shafi'ite und ihr seid Hanefiten."
Um so zu versuchen, jeden abzuschrecken, damit sie sich von ihm abwenden sollten. Und obwohl man ihn in zwanzig Jahren niemals und auch nicht vor Gericht dazu gezwungen hatte, seine Art, sich zu kleiden, zu ändern, auch die Hälfte der Soldaten heute keine Schirmmützen mehr zu tragen brauchen, versuchte man dennoch, eine solche Schirmmütze auf den Kopf dieses Einsiedlers zu setzen. Was für ein Sinn sollte aber darin liegen? Und welches Gesetz könne so etwas erlauben?
Neuntens:
Dies ist sehr wichtig und von großer Kraft!
{(*): Die Tatsache, dass es unter einer islamischen Regierung Christen und Juden gegeben hat, sowie Muslime unter einer christlichen oder parsischen Regierung, zeigt, dass man gegen Oppositionelle, die die Regierung und die öffentliche Sicherheit nicht tatsächlich stören, auch nicht vorgehen kann. Und ferner ist eine bloße Wahrscheinlichkeit noch keine Veranlassung, jemanden zur Verantwortung zu ziehen. Andernfalls müsste man jeden, weil er ja einen anderen töten könnte, aufgrund dieser Wahrscheinlichkeit vor Gericht stellen.}
Weil es aber an die Politik heranreicht, will ich lieber davon schweigen.
Zehntens:
Dies ist auch ein Angriff, den kein Gesetz erlaubt, einer, der völlig sinnlos ist und demzufolge, aufgrund einer bloßen Verdächtigung, aus einem Korn ganze Kuppeln erwachsen, einer, der von keinem Gesetz gedeckt wird. Was diesen betrifft, so will ich auch darüber stillschweigen, um nicht mit der Politik in Konflikt zu geraten, was hinsichtlich unserer Berufung (meslek)für uns nicht in Betracht kommt.
Angesichts einer solchen Behandlung, welche auf zehnfache Weise derart illegal ist, können wir nur noch ausrufen:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser vorzüglicher Sachwalter!" (3, 173)}
Said Nursi
* * *
Es gibt da noch einige Punkte mehr, die ich der Regierung, den Beamten der Justiz und der Polizei in Afyon vorlegen möchte.
Erstens:
Die meisten der Propheten, die im näheren und ferneren Orient erschienen sind und die meisten Philosophen in den näheren und ferneren Ländern Europas sind ein Zeichen urewigen göttlichen Vorherwissens (qader-i edhel)dessen, dass in Asien Religion vorherrschend ist, während Philosophie den zweiten Platz einnimmt. In der Folge dieses Zeichens dürfen diejenigen, welche in Asien die Herrschaft innehaben, diejenigen, die sich für den Glauben einsetzen, nicht behindern, sondern sollten sie vielmehr dazu ermutigen.
Zweitens:
Der allweise Qur'an ist der Verstand (aqil)und die Geisteskraft (quvve-i mutefekkir)im Kopf unserer Erde. Sollte einmal - was Gott verhüten möge - sich dieser Qur'an vom Kopf unserer Erdkugel trennen, so würde die Welt ihren Verstand verlieren und es wäre gar nicht so unverständig, anzunehmen, dass ein anderer Planet mit diesem Kopf, der nun seines Verstandes entleert geblieben ist, zusammenstoßen und so die Ursache des Weltunterganges werden könnte. Ist doch der Qur'an in der Tat gleich einer Kette, die den Thron (Gottes) mit der Erde verbindet, also das Seil Gottes (hablu-llah).Mehr als die Schwerkraft behütet und bewahrt (muhafidh)er die Erde. Desgleichen ist auch die Risale-i Nur als ein wahrhaftiger und mächtiger Kommentar zum hochehrwürdigen Qur'an, ein großes, göttliches Gnadengeschenk (nimet-i Ilahiye)und ein unauslöschliches Wunder (mu'djize)des Qur'an, das in diesem Jahrhundert schon seit zwanzig Jahren seine Wirksamkeit bewiesen hat. Deshalb sollte die Regierung sie darin nicht behindern und nicht versuchen, ihre Schüler von ihr abzuhalten, vielmehr sie schirmen und schützen und dazu anregen, sie zu lesen.
Drittens:
Da aber nun all die Leute des Glaubens, die bereits gekommen sind mit all denen, die in vergangenen (Zeiten) gekommen waren und durch deren Gebete (dua)
um die Vergebung (maghfiret)und durch gute Werke (hasanat)mit ihren Seelen (ruh)verbunden sind, habe ich vor dem Gerichtshof in Denizli gesagt:
Wenn Sie einmal vor dem großem Gerichtshof von Milliarden von Leuten des Glaubens als Ihren Anklägern und all den Nur-Schülern, die der Wahrheit des Qur'an gedient haben und die Ihr zu verurteilen und zu verderben versucht habt, gefragt werden solltet: "Warum habt Ihr denn, obwohl Ihr doch aufgrund Eurer liberalen Gesetze die Veröffentlichungen der Gottlosen, der Kommunisten und ihrer Vereinigungen, die dem Anarchismus als Nährboden gedient haben, mit so viel Toleranz und Nachsicht betrachtet und sie nicht verhindert habt, dennoch die Risale-i Nur und ihre Schüler, die sich doch darum bemüht hatten, Land und Volk vor der Anarchie, der Gottlosigkeit und der Sittenverderbnis zu bewahren und alle seine Bürger vor dem Tod, der zur ewigen Verdammnis führt, sie nun durch Gefängnisstrafen und beständige Unterdrückung ins Verderben zu führen versucht? Welche Antwort wollt ihr ihnen dann geben?" Und auch wir möchten Sie das gleiche fragen. Das habe ich zu ihnen gesagt. Und diese gerecht und billig denkenden Menschen haben uns damals freigesprochen und somit die Gerechtigkeit ihrer Justiz unter Beweis gestellt.
Viertens:
Ich hatte erwartet, dass man zu dem Verhör in Ankara oder in Afyon aufgrund der bedeutenden Angelegenheiten und um des Dienstes an der Risale-i Nur willen eine Konferenz einberufen würde, um Rede und Antwort zu stehen. In der Tat ist ein Hinweis darauf, dass die Risale-i Nur das Fahrzeug und zugleich das stärkste Mittel ist, die alte brüderliche Liebe (muhabbet)und den guten Willen von 350.000.000 Muslimen wiederherzustellen und ihre moralische Unterstützung im Lande zu erlangen, der folgende:
In diesem Jahr hat ein sehr großer Gelehrter die hauptsächlichsten Abschnitte der Risale-i Nur in Urdu und ins Arabische übersetzt und sie nach Indien und nach Arabien
geschickt und dabei geschrieben: "Gleich wie wir uns darum bemühen, dass Einheit (vahdet)und Bruderschaft (uhuvvet)im Islam unsere größte Stütze (nokta-i istinad)sein mögen, so zeigt uns die Risale-i Nur auch, dass das türkische Volk uns stets in Religion und Glaube vorangeht."
Außerdem hatte ich erwartet, dass man spontane Fragen stellen würde, wie etwa die: "In welchem Umfang kann die Risale-i Nur eine Hilfe gegen die Gefahr des Kommunismus sein, die unser Land in Anarchie zu stürzen droht, und wie kann unser gesegnetes Land vor dieser fürchterlichen Sturzflut bewahrt bleiben?" Es hätte dies so geschehen können, hätten da nicht einige armselige Leute durch eine sehr persönlich gemeinte Verleumdung in ihrer Hinterhältigkeit aus einem Körnchen gleich eine ganze Kuppel gemacht und über Dinge von völliger Bedeutungslosigkeit, die doch gewiss gar keine Verbrechen waren, diskutiert, was mir unter solch ernsten Umständen eine solche Übelkeit verursachte, wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben mitgemacht hatte. In der gleichen Angelegenheit, über die wir bereits von drei Gerichten verhört und dann freigesprochen worden waren, wurden wir nun nochmals vernommen und wurden uns in ein, zwei weiteren Angelegenheiten noch zusätzliche, belanglose Fragen gestellt.
Fünftens:
Gegen die Risale-i Nur kann man weder zum Wettkampf antreten, noch sie besiegen. Sie hat seit zwanzig Jahren auch noch die verbohrtesten Philosophen zum Schweigen gebracht. Sie zeigt die Glaubenswahrheiten so klar und deutlich auf wie die Sonne. Diejenigen, die dieses Land regieren, sollten sich ihre Kraft zunutze machen.
Sechstens:
Wenn auch meine Wenigkeit durch die ihr anhaftenden Fehler in Misskredit gebracht und in den Augen der Öffentlichkeit durch falsche Anschuldigungen herabgewürdigt werden kann, so kann dies doch der Risale-i Nur keinen Schaden zufügen; es wird sie vielmehr in gewisser Weise nur noch stärken. Denn anstelle meiner eigenen vergänglichen Zunge kann die Risale-i Nur mit
den unvergänglichen (baqi)Zungen ihrer hunderttausend kopierter Exemplare nicht schweigen; sie wird reden. Und so wie sie bisher mit Tausenden starker Zungen ihrer aufrechten Schüler stets ihren heiligen, umfassenden lichtvollen Dienst (vazife-i Nuriye)verrichtet hat, so möge Gott auch wollen (insha-a'llah),dass sie dies bis zum Tag der Auferstehung auch weiterhin tun wird.
Siebentens:
Wie ich bereits bei früheren Gerichtsverhandlungen dargelegt habe und den Beweisen entsprechend, die wir dabei vorgelegt haben, sind unsere heimlichen Feinde und unsere Gegner von Amts wegen oder auch nicht von Amts wegen, wenn sie die Regierung betrügen, bei einigen ihrer führenden Männer Misstrauen erregen und (dafür sorgen, dass) die Justizbehörden gegen uns tätig werden, entweder in schwerwiegender Weise selbst die Betrogenen, bzw. wiederum von anderen in die Irre geführt worden, oder außergewöhnlich bösartige Betrüger im Dienste ihrer anarchistischen Ideen, oder listenreiche Atheisten, die als Abtrünnige gegen den Islam und die Wahrheiten des Qur'an kämpfen. Indem sie eine absolute Despotie als "Demokratie (Djumhuriyet)"bezeichnen, um uns auf diese Weise angreifen zu können, machen sie ihren vollständigen Abfall vom Glauben zur Regierungsform, hängen ihren zügellosen Ausschweifungen (das Mäntelchen) der "Zivilisation" um, erklären ihre Unterdrückung im Namen atheistischer Willkür als "Gesetz" und führen auf diese Weise sowohl uns selbst ins Verderben, als auch die Regierung in die Irre und halten so die Justizbehörden auf sinnlose Weise in Bewegung. Wir überlassen sie nun dem Zorn des Unbezwingbaren in Seiner Majestät (Qahhar-i Dhu-l'Djelal),sagen, um uns vor ihren bösen (Werken) zu beschirmen
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser vorzüglicher Sachwalter!" (3, 173)}
und nehmen unsere Zuflucht zu dieser Burg.
Achtens:
Letztes Jahr schickten die Russen zahlreiche Leute auf die Wallfahrt (Haddj)und nutzten das für ihre Propaganda, um damit zu zeigen, dass sie mehr Hochachtung (hurmet)vor dem Qur'an haben als andere Völker. So trachteten sie die islamische Welt um des Glaubens wegen gegen das gläubige Volk aufzuwiegeln. Doch waren in jener Zeit die meisten Exemplare der Risale-i Nur bereits in Mekka und Medina, in Damaskus (Sham-i Sherif),auch in Ägypten und in Aleppo verbreitet, wo sie die allgemeine Anerkennung der Gelehrten erlangten und so der Islamischen Welt zeigten, dass sie wie einst das türkische Volk und seine Brüder Glaube und Qur'an unterstützen und so die älteren Brüder anderer islamischer Völker sind und ihr heldenmütiger Anführer im Dienste am Qur'an. Diese Wahrheit demonstrierten die Exemplare der Risale-i Nur in diesen heiligen Zentren. Wenn dieser so wertvolle nationale Dienst der (Risale-i) Nurin dieser Weise durch bloße Schikanen beantwortet wird, wird denn dann nicht die Erde darüber in Wut geraten?
Der neunte Punkt ist eine sehr kurze Zusammenfassung einer Angelegenheit, die bereits bei meiner Verteidigung in Denizli durchleuchtet und geklärt worden ist:
Wenn so ein abscheulicher Kommandant mit seiner geradezu genialen Intelligenz alles, was sein Heer an guten Taten vollbracht hat, seinem eigen Konto gutschreibt, die eigenen Schlechtigkeiten aber seinem Heere zuschiebt, sodass die Anzahl aller guten Taten auf einen Einzelnen reduziert, der dann zu einem Helden erhoben wird, während seine Schlechtigkeiten, wenn sie dem Heere zugeschrieben werden, sich nach der Anzahl der Soldaten steigern, was für eine fürchterliche Ungerechtigkeit ist das dann und wie weit der Wahrheit völlig entgegengesetzt! Dieser Mensch, so sagte ich damals dem öffentlichen Ankläger bei einem der früheren Verhöre, als er mich aufgrund eines Hadith angriff, dass nach meiner Erklärung diesen Mann vor vierzig Jahren getroffen hatte: "Es ist wahr: Ich beleidige ihn durch die Voraussagen,
welche diese Hadithe ihm gemacht haben. Doch ich verteidige gleichzeitig auch die Ehre seines Heeres und bewahre ihn so vor einem schwerwiegenden Irrtum. Was jedoch Sie betrifft, so beleidigen Sie um eines einzigen Freundes willen die Ehre (sheref)eines ganzen Heeres, das der Bannerträger des Qur'an ist und der heldenhafte Befehlshaber der ganzen Welt." Möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass der öffentliche Ankläger diese Angelegenheit nun etwas gerechter betrachtet und von seinem Irrtum befreit wird.
Zehntens:
Es gehört nun einmal zur Verfahrensweise der Justizbehörde, dass - wo die Grundsätze der Justiz und des Rechtes eines jeden, der (an das Recht) appelliert, ohne Unterschied (der Person) gewahrt werden, und es die Aufgabe derer, die sich damit befassen ist, einzig für die Sache der Gerechtigkeit zu arbeiten - selbst Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, in der Zeit seines Kalifates zusammen mit einem Juden vor Gericht erscheinen musste, wo gegen ihn verhandelt wurde. Bei einer anderen Gelegenheit sah ein gerechter Richter, wie ein Henker zornig wurde, als er einem der des Diebstahls überführt war, die Hand abhacken sollte, wie das Gesetz es befiehlt. Er setzte den Henker sofort ab und sagte voll Bedauern: "Alle diejenigen, die bisher in dieser Weise von ihren Gefühlen überwältigt wurden, während sie das Urteil vollstreckten, haben damit ein großes Unrecht begangen. Ja selbst wenn er bei der Vollstreckung des Urteils kein Mitleid mit dem Delinquenten empfindet, so darf er doch auch nicht zornig auf ihn sein. Ist er es dennoch, so ist er gewalttätig und handelt ungerecht. Vollstreckt er die Todesstrafe als Vergeltung in Wut, so wird er dadurch selbst in gewisser Weise zum Mörder." So hat es der gerechte Richter gesagt.
Obwohl das nun diese reine, vorbehaltslose Wahrheit ist, die an einem Gerichtshof vorherrscht und obwohl wir bereits vor drei Gerichten freigesprochen worden sind und diese vielleicht sogar wussten, dass neunzig Prozent
des Volkes für uns Zeugnis ablegen würden, dass die Schüler der Risale-i Nur völlig harmlos, ja sogar nützlich für unser Volk sind, wurden unsere Schüler dennoch heimtückisch und mit einer geradezu kalten Gehässigkeit misshandelt, obwohl sie doch unschuldig waren und sehr des Trostes und einer entsprechend milden Behandlung durch das Gesetz bedurft hätten. Wir aber sind jedem Unglück und jeder Anschuldigung mit Geduld und Nachsicht begegnet, haben geschwiegen, die (ganze Angelegenheit) Gott überlassen und gesagt: "Vielleicht findet sich ja auch in diesen Dingen noch etwas Gutes." Doch befürchtete ich dabei, dass diese unglückseligen (und doch dabei völlig) unschuldigen Leute, die aufgrund (völlig) unbegründeter Verdächtigungen und (einiger) bösartiger Berichte von Informanten auf diese Weise behandelt worden waren, von einer Katastrophe heimgesucht werden würden und sah mich deshalb dazu gezwungen, dies alles aufzuschreiben. Sollte aber in dieser Angelegenheit ein Fehler unterlaufen sein, so liegt das bei mir. Diese unschuldigen Leute haben mir nur geholfen und dabei Gottes Wohlgefallen gesucht, um ihres Glaubens willen und für das jenseitige (Leben). Für sie ist eine derartige Behandlung, wo sie doch ein großes Lob und (alle) Anerkennung verdient hätten, genug um jedermann in Wut zu versetzen.
Des Weiteren, so erstaunlich das sein mag, gibt es auch dieses Mal wieder einige unbestätigte Anspielungen auf eine politische Vereinigung. Dabei haben alle drei Gerichtshöfe diesen Aspekt der Angelegenheit sorgfältig durchforstet und uns dann freigesprochen. Weder die Gerichtshöfe, noch die Polizeibehörden, noch die Komiteen der Fachgelehrten haben irgendein Anzeichen irgendeiner Vereinigung feststellen können, dass zu einer solchen Beschuldigung berechtigen könnte: Die Schüler der Risale-i Nur sind eine religiöse Bruderschaft, gleich Schülern eines Lehrers oder Universitätsstudenten oder Schüler eines Qur'an-Gelehrten, der sie darin unterrichtet, wie man
den Qur'an auswendig lernen soll. Wer sie als eine politische Vereinigung bezeichnet und sie als eine solche beschuldigt, müsste eigentlich alle Händler, alle Prediger, ja alle Schulkinder als politische Vereinigungen ansehen. Ich sehe daher keine Notwendigkeit, die, welche hier aufgrund derartiger haltloser und sinnloser Anschuldigungen eingesperrt sind, zu verteidigen.
Hingegen gibt es überhaupt keinen Grund, der mich davon abhalten könnte, die Risale-i Nur zu verteidigen, und zwar mit den gleichen Argumenten, mit denen ich sie die drei vorausgehenden Male verteidigt habe. Denn sie ist für dieses Land und die Islamische Welt von großer Bedeutung und hat sich als ein Segen und ein Nutzen materieller wie spiritueller Art für diesen Boden und seine Nation bewahrheitet. Es gibt auch kein Gesetz und keine Politik, die mir dies verbietet oder verbieten könnte.
Wir sind in der Tat eine Vereinigung. Doch wir sind eine Vereinigung, die in jedem Jahrhundert ihre 350.000.000 Mitglieder hat. Jeden Tag verkündigen sie durch ihr fünfmaliges Gebet (namaz)in vollkommener Hingabe und Verehrung, ihre Verbundenheit und Dienstbereitschaft.
اِنَّمَا الْمُؤْمِنُونَ اِخْوَةٌ
{"In der Tat sind alle Gläubigen Brüder." (Sure 49, 10)}
Mit diesem heiligen Programm beeilen sie sich mit ihren Gebeten (dua)und mit ihren spirituellen Verdiensten einander zu Hilfe zu eilen. So sind wir denn Mitglieder dieser heiligen, gewaltigen Vereinigung. Und es ist unsere ganz besondere Aufgabe, in kritisch betrachtender Form und auf eine untersuchende Weise den Leuten des Glaubens die Glaubenswahrheiten des Qur'an zu erklären und so zugleich uns und sie vor der ewigen Verdammnis und der immerwährenden Einzelhaft im Zwischenreich (berzah)zu erretten. Wir haben absolut keine Verbindung mit irgendeiner weltlichen oder politischen Verschwörung
oder revolutionären Vereinigung, wie man es uns zu unterstellen versucht. Wir begeben uns nicht auf die Stufe irgendeiner solchen sinn- und bedeutungslosen geheimen Verbindung hinunter. Dies haben in jedem Fall schon vier Gerichtshöfe bis in die kleinsten Feinheiten untersucht und uns am Ende schließlich diesbezüglich freigesprochen.
Said Nursi
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Eine Ergänzung zu meinem Widerspruch und zu meiner Verteidigungsschrift, die ich bereits an sechs Ministerien in Ankara geschickt hatte und hiermit dem Kriminalgerichtshof in Afyon vorlegen möchte.
Hiermit möchte ich dem Kriminalgerichtshof in Afyon Folgendes mitteilen: Nun reicht es aber! Meine Geduld dies alles noch länger zu ertragen, ist erschöpft. Es ist ein grausames und noch nie da gewesenes Unrecht, so wie es die Welt noch nicht gesehen hat, dass man mich nicht nur seit 22 Jahren grundlos schikaniert, indem man mich unter ständiger Beobachtung in der Verbannung hält, in Einzelhaft und völliger Isolation und die Schüler der Risale-i Nur schon dreimal gesetzwidrig eingesperrt hat, was uns infolge von Verdächtigungen, die völlig unbegründet und nur unter Verwendung von irgendwelchen "Möglichkeiten" anstelle von Tatsachen (zustande gekommen waren), einen Verlust von mehreren Hunderttausenden Lira eingebracht hat, und das ungeachtet der Tatsache, dass - von ein oder zwei Angelegenheiten einmal abgesehen - sechs Gerichtshöfe nicht imstande waren, in den hundert verschiedenen Teilen der Risale-i Nur irgendeine Gesetzwidrigkeit festzustellen; weshalb eine zukünftige (Zeit) und ihre kommenden Generationen noch alle diese Gewaltherrscher verfluchen werden, die dafür die Verantwortung tragen, weshalb ich auch meinen Trost in der Überzeugung gefunden habe, dass sie vor dem Letzten Gericht in die tiefsten Tiefen der Hölle verdammt sein werden, und habe so bis heute schweigend ausgeharrt. Anderenfalls hätten wir voll und ganz unsere Rechte verteidigt.
So haben denn in mehr als fünfzehn Jahren sechs Gerichtshöfe die Risale-i Nur und unseren Briefwechsel peinlich genau untersucht und fünf von ihnen haben uns in allen Punkten freigesprochen. Nur der Gerichtshof zu Eskishehir sprach unter Verwendung eines Gummiparagraphen
eine leichte Strafe aus, wobei er unter einem Vorwand in einer einzigen Angelegenheit, nämlich in der kurzen Abhandlung über die Verschleierung der Frau fünf oder zehn Worte beanstandete, weshalb ich dann die folgende Berichtigung zunächst an den Appellationsgerichtshof und schließlich ganz offiziell nach Ankara geschickt habe, und zwar als das einzige Beispiel für eine Ungesetzlichkeit:
Einem Mann, der die Ayah über die Verhüllung der Frau (tesettür ayeti),die seit 1350 Jahren durch diesen heiligen Grundsatz, der 350.000.000 Menschen eine mächtige, ununterbrochene islamische Praxis lehrt und befiehlt, zu damaliger Zeit sowohl aufgrund der Einwände eines gewissen Atheisten gegen diese Ayah des Qur'an, als auch aufgrund der Kritik der (westlichen) Zivilisation an ihr dem Consensus und dem Urteil von 350.000 Qur'ankommentatoren und ihren Urteilen folgend und dem Weg (meslek),dem unsere Vorväter seit 1350 Jahren gefolgt sind, diese Ayah ausgelegt (tefthir)hat, für einen solchen Mann (wird die Gerechtigkeit sicherlich das Urteil) zu der wegen seines Kommentars über ihn verhängten Strafe und nachfolgenden Inhaftierung, wenn es auf der Welt überhaupt eine Gerechtigkeit gibt, auf jeden Fall das Urteil wieder aufheben und diesen so merkwürdigen Fleck auf dem (Antlitz) der Justiz einer solchen islamischen Regierung abwischen. So habe ich in dem Schriftsatz zu dem Widerspruch (den ich eingelegt habe) geschrieben und so dem Staatsanwalt (in Eskishehir) vorgelegt. Der war darüber entsetzt und sagte damals: "Du lieber Himmel (aman)!Dieser Widerspruch ist doch jetzt gar nicht mehr nötig! Von ihrer Haftstrafe ist doch nur wenig, ja wirklich, doch nur noch sehr wenig verblieben! Ihn jetzt noch einzureichen ist doch gar nicht mehr nötig."
So habt ihr denn jetzt sicherlich die merkwürdigen Beispiele in meiner Verteidigung und meinem Widerspruchsverfahren
gleich diesem verstanden, so wie es euch und den Behörden der Regierung in Ankara vorgelegt worden ist. Was ich von dem Gerichtshof in Afyon fordere und erwarte ist Folgendes: Wir erwarten von ihm, dass er im Namen der Gerechtigkeit für vollkommene Freiheit für die Risale-i Nur plädiert, deren Dienst und Segen (bereket)dem Land und seinem Volk von gleichem Nutzen ist, wie ein ganzes Heer. Andernfalls muss ich euch mitteilen, dass mir nun, nachdem meine fünf oder zehn Mitgefangenen weggegangen waren, in meinem Herzen der Gedanke aufgekommen ist, ein Verbrechen zu begehen, dass die größtmögliche Strafe nach sich ziehen wird, sodass ich auf diese Weise gezwungen sein werde, vom Leben Abschied zu nehmen. Es ist dies wie folgt:
Obwohl es doch eigentlich notwendig wäre, dass die Regierung mich zum Wohle des Volkes und zum Besten des Landes voll und ganz in Schutz nehmen und mir helfen sollte, lässt doch die Tatsache, dass sie mich stattdessen unter Druck setzt, vermuten, dass einzelne aus dem kommunistischen Komitee, die sich jetzt dem geheimen atheistischen Komitee angeschlossen haben, das mich schon seit vierzig Jahren bekämpft, nun einige bedeutende öffentliche Ämter erlangt haben und sich jetzt mir widersetzen. Es bereitet mir Sorge, dass es viele Zeichen dafür gibt, dass die Regierung entweder nichts davon weiß oder aber billigt.
Herr Präsident! Wenn Sie mir gestatten, möchte ich Sie zu einer Sache fragen, die mich doch sehr neugierig gemacht hat. Warum, wo ich mich doch überhaupt nicht um die Politik kümmere, haben mich die Politiker dennoch aller meiner bürgerlichen Rechte, meines Rechtes auf Freiheit, ja sogar meines Rechtes auf Leben beraubt? Und warum haben sie sogar meinen so aufmerksamen Brüdern und getreuen Helfern, die doch versucht hatten, mich während meiner dreieinhalbmonatigen Isolationshaft gegen diese Pläne, mich zu ermorden, zu bewahren und mich vor meinen heimlichen Feinden, die schon elfmal
versucht haben, mich zu vergiften, zu beschützen, jeden Kontakt mit mir verboten und mich sogar noch davon abgehalten, meine geliebten (mubarek)und dabei doch völlig harmlosen Bücher zu studieren, mit denen ich als ein alter Mann, einsam, krank und allein in der Verbannung, stets vertraut gewesen bin!?
Ich habe den Herrn Staatsanwalt sehr darum gebeten, mir doch eines meiner Bücher zu überlassen. Doch hat er mir keines gegeben, obwohl er es mir doch eigentlich versprochen hatte. Man hat mich dazu gezwungen, einsam und ohne jede Beschäftigung in einer großen, eiskalten Zelle zu verbleiben und die Beamten und Angestellten, welche sich um mich kümmern sollten, sogar dazu angehalten, statt mit mir freundlich umzugehen und mich zu ermutigen, mich vielmehr auch noch feindselig zu behandeln. Hierzu nur ein kleines Beispiel: Ich habe einmal an den Gefängnisdirektor, den Staatsanwalt und den Gerichtspräsidenten eine Petition geschrieben und sie an einen meiner Brüder geschickt, mit der Bitte, sie in die neuen Buchstaben umzusetzen, weil ich sie nicht beherrsche. Er hat sie geschrieben und sie wurde ihnen gegeben. Daraufhin hat man mir, als hätte ich ein großes Verbrechen begangen, auch noch die Fenster zugenagelt. Da der Rauch mich beinahe erstickte, hatte ich darauf bestanden, wenigstens ein Fenster offen zu lassen. Jetzt haben sie das auch noch zugenagelt. Und zudem verbrachte ich, obwohl doch eine Einzelhaft im allgemeinen nicht länger als 15 Tage dauert, insgesamt drei und einen halben Monat in einer völligen Isolation, und man erlaubte in dieser Zeit meinen Freunden nicht irgendeinen Kontakt mit mir. So hat man vor drei Monaten auch eine vierzig Seiten lange Anklageschrift gegen mich erstellt und mir gezeigt. Ich kann aber diese neuen Buchstaben nicht lesen, ich war krank, und meine eigene Handschrift ist nur sehr mangelhaft. So bat ich nachdrücklich darum: "Bitte, lassen Sie zwei meiner Schüler kommen, die meine Ausdrucksweise kennen. Sie könnten
mir die Anklageschrift vorlesen und meine Gegenargumente niederschreiben". Sie haben das aber nicht erlaubt, sondern stattdessen gesagt: "Ihr Verteidiger soll kommen und das lesen." Doch dann haben sie auch ihn davon abgehalten und haben nur zu einem Mitbruder gesagt: "Schreib das mit den alten Buchstaben ab und gib es ihm!" Doch diese vierzig Seiten abzuschreiben hätte sechs, sieben Tage gedauert. Diese eine Stunde Arbeit, um mir diese Anklageschrift vorzulesen, auf sechs, sieben Tage hinaus zu strecken, in dem Gedanken, dass so niemand mit mir Kontakt aufnehmen werde, ist eine reine Repressalie, die mich vollständig meines Rechtes beraubt, mich verteidigen zu können. In dieser Welt bekommt noch nicht einmal ein hundertfacher Mörder vor seiner Hinrichtung eine solche Behandlung. Ich erleide hier tatsächlich sehr große Qualen, weil ich gar keinen Grund für diese beispiellosen Schikanen kenne. Ich habe aber gehört, dass der Vorsitzende des Gerichtshofes ein rechtschaffener (vidjdanli)und barmherziger (merhametli)Mann sein soll. Ich habe deshalb zum ersten und letzten Mal diese Petition und Beschwerdeschrift geschrieben.
In völliger Isolationshaft, in einem kranken und erbärmlichen Zustand
Said Nursi
Diese Schrift enthält vier grundsätzliche Punkte der Anklage gegen mich:
Erster Punkt:
Man wirft mir vor, stolz und überheblich zu sein und mir einzubilden, ein Erneuerer des Glaubens (Mudjeddid)zu sein.
Ich lehne das mit aller Macht (quvvetim)ab. Des Weiteren bezeugen alle meine Brüder, dass ich die Unterstellung, ein Mehdi zu sein, niemals akzeptiert habe. In der Tat erklärte Said in seiner Verteidigungsrede, als das Komitee der Sachverständigen vor dem Gerichtshof in Denizli behauptete: "Würde Said sich selbst zum Mehdi erklären, würden alle seine Schüler das akzeptieren." Indem er sagte: "Ich bin kein Seyyid(= ein Nachkomme des Propheten). Der Mehdiwird aber ein Seyyid sein." Auf diese Weise wies er (ihre Anschuldigungen) zurück.
Zweiter Punkt:
Er publiziert im Geheimen.
Unsere geheimen Feinde sollen nicht unsere Schriften dadurch verfälschen, dass sie deren falsche Auslegung betreiben. Denn es findet sich nichts in ihnen, was die Politik und die öffentliche Ordnung betrifft. Auch sollten sie den Vervielfältigungsapparat und die alten (arabischen) Buchstaben nicht zum Vorwand nehmen. Sechs Gerichtshöfe und verschiedene Regierungsabteilungen in Ankara wussten sehr wohl, dass die Risale-i Nur
{(*): Diese falsche Auslegung wurde in der Anklageschrift zum Ausdruck gebracht. Denn die Wunder der Risale-i Nur (keramet), die sich zum Teil als Schläge zeigten, dienten als Grund zur Anklage, denn Erdbeben und dergleichen Katastrophen, die sich genau zu der Zeit ereigneten, als die Risale-i Nur angegriffen wurde, wurden (in der Anklageschrift) als solche Schläge der Risale-i Nur dargestellt. Gott bewahre! Und noch einmal: da sei Gott vor! So etwas haben wir nie behauptet oder dergleichen geschrieben. Hingegen haben wir mehrmals, gestützt auf entsprechende Beweise gesagt, dass gleich einem von Gott angenommenen Almosen, auch die Risale-i Nur ein Mittel ist, Katastrophen entgegen zu wirken. Wann immer die Risale-i Nur angegriffen wird, dann verbirgt sich die Risale-i Nur. Dann nutzen die Unglücke diese Gelegenheit und greifen uns an. In der Tat haben dies Tausende von Schülern der Risale-i Nur bestätigt, und was sie beobachtet haben, wurde durch Hunderte von Vorfällen und Ereignissen bekräftigt, welche Ereignisse in gar keiner Weise dem Zufall gutgeschrieben werden können, ebenso wenig wie zahlreiche Hinweise und Übereinstimmungen (tevafuqat) im Qur'an, von denen einige sogar im Gerichtshof angeführt worden sind, woraus ich mir die sichere Überzeugung gebildet habe, dass derartige Zwischenfälle einem göttlichen Gnadengeschenk (ikram) gleichkommen, um anzuzeigen, dass die Risale-i Nur angenommen worden ist und sie somit in gewisser Weise ein Wunder (keramet) der Risale-i Nur auf der Grundlage des Qur'an sind.}
sich mit
dieser Ohrfeige gegen Kemal Mustafa Pascha richtete, haben sich aber nicht (in diese Angelegenheit) eingemischt, sondern uns freigesprochen und uns alle unsere Bücher samt dem Fünften Strahl wieder zurückgegeben. Im Übrigen wurden seine üblen Taten aufgezeigt, um so den Wert seines Heeres zu bewahren. Hier ging es darum, eine einzelne Person nicht zu lieben, nur um sein ganzes Heer zu lieben und zu loben.
Dritter Punkt:
"Er hetzt dazu auf, gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung zu verstoßen." Gegen diesen Vorwurf ist zu bemerken, dass in den vergangenen zwanzig Jahren sechs Gerichtshöfe und die Polizei in zehn Provinzen nicht einen einzigen Zwischenfall bemerkt und darüber berichtet haben, dass hunderttausend Nurdjus und hunderttausend Exemplare einzelner Kapitel der Risale-i Nur die öffentliche Sicherheit und Ordnung gestört und gegen die Sicherheitsvorschriften verstoßen hätten, was die merkwürdige Beschuldigung zurückweist und zunichte macht. Es hätte keinen Sinn, noch einmal auf einige wenige bedeutungslose Dinge in dieser neuen Anklageschrift einzugehen, nachdem bereits drei Gerichtshöfe uns in eben diesen selben Punkten freigesprochen haben, auf die wir ja bereits mehrfach eingegangen sind.
Uns wegen eben dieser Dinge erneut anzuklagen, kommt einer Anklage gegen das Kriminalgericht in Ankara sowie der Gerichtshöfe in Eskischehir und Denizli gleich, die uns in dieser Angelegenheit bereits freigesprochen haben, weshalb ich es diesen überlasse, darauf zu antworten. Doch gibt es da noch zwei, drei weitere Punkte.
Erstens:
Obwohl (das indizierte Buch) zwei Jahre lang in Denizli und vom Kriminalgerichtshof in Ankara in allen Einzelheiten genau untersucht worden war und man uns danach freigesprochen und das Buch wieder zurückgegeben hatte, bezieht nun diese Anklageschrift ein, zwei Dinge im Fünften Strahl auf einen Heerführer, der bereits verstorben und dahingegangen ist, und macht uns dafür haftbar. Wir aber halten dagegen: Kein einziges Gesetz kann uns eine Schuld dafür zusprechen, wenn wir eine allgemeine, berechtigte Kritik gegen eine Person erheben, die verstorben und dahingegangen und somit von allen Regierungsgeschäften abgeschnitten ist.
Des Weiteren hat die Staatsanwaltschaft eine ganz allgemeine, beliebig anwendbare Bedeutung dahingehend manipuliert, dass sie einen Teilaspekt auf einen ganz bestimmten Heerführer angewandt hat. Kein Gesetz kann es als ein Verbrechen ansehen, wenn sich nur der hundertste Teil einer Bedeutung, den man vielleicht in einer Beziehung zu einer bestimmten Person interpretieren könnte, in einer vertraulichen, rein privaten (mahrem)Abhandlung (risalah)vorfindet. Zudem interpretiert doch diese Abhandlung die allegorisch (auszulegenden) Hadithe auf eine staunenswerte Weise. Da diese Erklärungen schon vor dreißig, vierzig Jahren niedergeschrieben worden sind und in meinen Schriften zur Verteidigung und zum Widerspruch ganz präzise beantwortet sind, und außer Ihrem bereits drei anderen Gerichtshöfen und sechs Abteilungen der Regierung in Ankara zweimal in drei Jahren vorgelegt worden sind, ohne dass eine Kritik gegen sie erhoben wurde, kann es doch wohl kein Gesetz als ein Verbrechen ansehen, wenn es sich herausstellt, dass Erklärungen
der wahren Bedeutung von Hadithen genau zu einem mit Fehlern behafteten Individuum passen.
Des Weiteren sind die Verdienste an den Reformen, an denen diese Person ihren Anteil hatte und die Fehler, deren Ursache er war, nicht nur seine eigenen; sie sind auch die des Heeres und der Regierung. Er hatte nur einen Anteil an ihnen. Und wenn es auch sicherlich kein Verbrechen ist, ihn wegen seiner Fehler zu kritisieren, so kann man doch auch nicht sagen, dass (eine Kritik) ein Angriff gegen seine Reformen ist. Und gäbe es da weiter vielleicht eine Möglichkeit, jenen Mann, der den ewigen Ruhm dieser heldenhaften Nation, dessen Quelle in seinem Dienst am Qur'an und in seinem ganzen Streben (Djihad)in dieser Welt gleich einem ganz großen Denkmal wie ein Juwel glänzt, dieses so große und kostbare Andenken an die Schwerter, die Ayasofya (während des Kampfes um Byzanz) in einen Götzentempel und den Meshihat (den Sitz des Scheichu-l'Islam) in ein Lyzeum umgewandelt hat, dass es ein Verbrechen sein sollte, einen solchen Mann nicht zu lieben?
Zweiter Punkt der Schuldzuweisung in dieser Anklage:
Drei Gerichtshöfe haben mich in dieser Angelegenheit bereits freigesprochen; und wie ich schon vierzig Jahre zuvor die Auslegung einer wunderbaren Hadith erläutert habe, bestätigte der Scheichu-l'Islam aller Menschen und Djinnen, Sembili Ali Efendi: "Es darf nicht erlaubt werden, eine solche Schirmmütze aufzusetzen, noch nicht einmal zum Scherz." Der Scheichu-l'Islam und die ganze islamische Ulema(= der Rat der Gelehrten) haben dies für nicht erlaubt angesehen. In einer Zeit, in der das ganze islamische Volk dazu gezwungen war, sie aufzusetzen, befanden sich alle die großen Gelehrten des Islam in Gefahr (denn sie mussten ihren Glauben aufgeben, um nicht in einen Zustand der Rebellion hineinzugeraten). Da es aber bereits in einem Abschnitt des Fünften Strahls, der bereits vierzig Jahre zuvor niedergeschrieben worden war, heißt: "Die Mütze wird auf den Kopf gelangen und sagen:
Beuge (sedjde)dich nicht! Doch der Glaube in den Köpfen wird diese Mützen dazu bringen, sich zu beugen. Und so möge Gott wollen (insha-a'llah)dass sie Muslime werden!" wurde die Masse der Muslime vor einer Rebellion oder einer Revolte bewahrt, als auch davor, ihren Glauben freiwillig aufzugeben. Und obwohl es gar kein Gesetz gibt, dass einem Eremiten derartige Dinge aufzwingen könnte und mich in zwanzig Jahren auch keine der sechs verschiedenen Provinzregierungen dazu zwingen konnte, so etwas aufzusetzen, die Beamten in ihren Büros, die Frauen, die Kinder und die Leute in den Moscheen und die Mehrheit aller Bauern, so etwas auch gar nicht zu tragen brauchen, hat man sie nun auch offiziell von den Köpfen der Soldaten genommen und so sind denn nun in vielen Provinzen Barette und faltbare Mützen nicht mehr verboten. Dennoch ist (die ganze Angelegenheit) jetzt zu einem Grund der Anklage für mich selbst und meine Mitbrüder geworden. Ja könnte es denn durch irgendein Gesetz der Welt, der Zweck eines solchen Verfahrens sein, eine so völlig sinnlose Anklage zu erheben, es handle sich hier um ein Verbrechen?
Dritter Punkt der Schuldzuweisung in dieser Anklage:
Er hetzt in der Provinz Emirdag dazu auf, gegen die öffentliche Ruhe und Ordnung zu verstoßen. Mein Widerspruch dagegen ist folgender:
Da ist zunächst einmal eine ganze Liste von Gründen für ein Widerspruchsverfahren, die nicht von der Hand zu weisen sind und die ich dem Gerichtshof hier bereits vorgelegt habe, sowie mit Wissen und Erlaubnis des Gerichts auch den sechs Abteilungen der Regierung in Ankara. Ich lege sie deshalb jetzt auch genauso als Widerspruch gegen die Anklageschrift vor.
Zweitens:
So wie alle, die mir in Emirdag begegnet sind, bereits bezeugt haben, auch die Leute dort und die Polizei bestätigt haben, habe ich während meines einsamen Lebens mich mit ganzer Kraft dagegen gesträubt,
mich in die Politik in dieser Welt einzumischen. Ich habe es sogar aufgegeben, zu schreiben und mit anderen zu korrespondieren. So habe ich denn außer zwei Abhandlungen, einer über (den Sinn) der Wiederholungen im Qur'an und (einer zweiten) über die Engel, nichts weiter geschrieben. Und ich habe jede Woche für einen bestimmten Ort einen Brief geschrieben, um (die Leute dort) zur Risale-i Nur zu ermuntern. Ja ich habe in der Tat während dreier Jahre nur drei oder vier Briefe an meinen leiblichen Bruder geschrieben, der Mufti ist und zwanzig Jahre lang mein Schüler war. Er hat sich große Sorgen um mich gemacht und mir zu den Festtagen Glückwünsche (tebrik)gesandt. Und obwohl ich zwanzig Jahre lang meinem Bruder in der Heimat niemals geschrieben habe, werde ich nun in der Anklageschrift auch noch beschuldigt, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden, und (der Staatsanwalt) sagt mir redegewandt (djerbeze)nach, indem er den alten Refrain wieder aufwärmt: "er widersetzt sich der Reform". Dem halten wir entgegen:
Die Tatsache, dass in zwanzig Jahren sechs Gerichtshöfe und die Polizeiorgane, die in zehn Provinzen mit der Materie vertraut sind, nicht einen einzigen Zwischenfall registriert haben, was die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung betrifft, und das in Verbindung mit zwanzigtausend, ja vielleicht hunderttausend Leuten, die voll Begeisterung die zwanzigtausend Kopien der Risale-i Nur gelesen haben, zeigt, dass es vielleicht nur eine einzige Möglichkeit unter Tausenden von Möglichkeiten gibt, die man als Tatsache ansehen könnte. Wenn es aber gar kein Anzeichen dafür gibt, dass es eine solche Möglichkeit unter zwei oder drei Möglichkeiten gegeben hätte, so liegt hier auch überhaupt gar kein Verbrechen vor. Und zudem gibt es unter Tausenden von Möglichkeiten nicht nur eine Möglichkeit, dass jeder, den öffentlichen Ankläger mit eingeschlossen, der mich angreift, zahllose Leute umbringen könnte. Sie könnten unter Hinweis auf die Anarchisten und Kommunisten die öffentliche Sicherheit
und Ordnung stören, Ruhe und Ordnung gefährden. Das aber heißt: eine derart merkwürdige und solchermaßen übertriebene Verwendung bloßer Möglichkeiten als tatsächliche Ereignisse anzunehmen ist ein Angriff gegen das Gericht und ein klarer Verstoß gegen das Gesetz.
Überdies gibt es in jeder Regierung eine Opposition. Es ist also kein Verbrechen, wenn auch nur in Gedanken ein Oppositioneller zu sein. Die Regierung schaut auf die Hände, ins Herz schaut sie nicht. Besonders aber machen wir uns Sorge darüber, dass diejenigen, die jemanden, der seinem Volk einen großen Dienst erwiesen hat und seinem Lande von Nutzen war, ohne dass dabei irgendein Schaden entstanden wäre, der sich außerdem nie um das gesellschaftliche Leben gekümmert hat, den man vielmehr dazu gezwungen hat, in völliger Isolierung zu leben, dessen Werke jedoch in den Zentren der islamischen Welt mit einer uneingeschränkten Begeisterung und Anerkennung (taqdir ve tahsin)aufgenommen werden, {Im 81. der 100 Irrtümer hinsichtlich der Werke behauptet der Öffentliche Ankläger in seiner Anklageschrift: "Die Erläuterungen im Fünften Strahl sind falsch."} die also einen solchen Mann auf eine derart merkwürdige Weise und so grundlos verdächtigen, sich für die Sache des Anarchismus, ja sogar für den Kommunismus missbrauchen lassen.
Antwort:
Es heißt da im Fünften Strahl: "Gott weiß, dass dies eine (mögliche) Auslegung ist." Damit ist Folgendes gemeint: "Es ist möglich, dass dies die Auslegung der Hadith sein könnte." Nach den Gesetzen der Logik (mantik)
kann (in dieser Aussage) keine Lüge enthalten sein. Dies könnte nur durch einen Beweis seiner Unmöglichkeit bewiesen werden.
Zweitens:
In den letzten zwanzig, oder eigentlich vierzig Jahren, hat keiner meiner Gegner oder einer derjenigen, die sich darum bemüht haben der Risale-i Nur zu widersprechen, sei es aus wissenschaftlichen Gründen (ilm),
oder aufgrund der (Gesetze) der Logik (mantik)meinen Auslegungen widersprochen, selbst nicht die großen Gelehrten unter meinen Gegnern (ulema)und nicht die Tausenden Wissenschaftler (alim)unter den Nur-Schülern; ja sie haben noch nicht einmal gesagt: "Das sollte man noch genauer unter die Lupe nehmen (fihi nazarun)."So überlasse ich es denn nun Ihrer rechtschaffenen Gesinnung, (zu beurteilen) wieweit die Gesinnung dessen, der noch nicht einmal weiß, wie viele Suren der Qur'an hat, davon entfernt ist, noch rechtschaffenen zu sein, wenn er (eine solche Auslegung) mit einer solchen Zurückweisung entgegennimmt.
Kurzum:
Der Sinn der (indizierten) Auslegung ist der, dass der mögliche oder wahrscheinliche Sinn einer Hadith oder Ayah einer unter vielen anderen Sinngebungen ist.
Aufgrund einiger Hinweise habe ich erkannt, dass unsere verborgenen Feinde, in der Absicht den Wert der Risale-i Nur herabzumindern und unter dem Verdacht, es ginge mir um die Idee des "Mehdi", was wiederum politische Assoziationen wach ruft, und ich würde dafür die Risale-i Nur als Mittel gebrauchen, völlig haltlose Verdächtigungen untersuchen. Vielleicht entstehen alle diese Schikanen gegen meine Person aufgrund dieser Verdächtigungen. Wir aber sagen diesen verborgenen, grausamen Gegnern und denen, die in ihrer Feindseligkeit gegen uns auf sie hören: Gott bewahre! Und noch einmal: da sei Gott vor! 70 Jahre meines Lebens und besonders diese letzten 30 Jahre, die 130 Kapitel der Risale-i Nur und Tausende von Leuten, die mir ihre aufrechte Freundschaft entgegen gebracht haben, bezeugen, dass ich zu keiner Zeit meine Grenzen in dieser Weise überschritten und die Glaubenswahrheiten als ein Mittel gebraucht habe, um Ruhm (makam),
Ruf und Ehre für mich selbst zu gewinnen.
Die Nur-Schüler wissen es und ich habe den Gerichtshöfen in gewisser Weise die Beweise dafür vorgelegt,
dass ich nicht um meinetwillen, für Ruhm (makam),Ruf und Ehre, um einen Platz auf der Stufenleiter im Jenseits und in der geistigen Welt zu gewinnen, sondern um mit meiner ganzen Kraft und Überzeugung den Leuten des Glaubens einen Dienst im Glauben zu erweisen, gewillt bin, nicht nur das Leben in dieser Welt und seine vergänglichen Stufen (fani makamat),sondern, wenn es notwendig sein sollte, auch das jenseitige Leben (ahiret hayati)und seine jenseitigen, ewigen Stufen, wie jeder sie erstrebt, hinzugeben (feda);ja sollte es notwendig sein, so wäre ich selbst noch bereit (kabul)das Paradies (Djennet)zu verlassen und in die Hölle (Djehennem)zu gehen. So wie meine aufrechten Brüder dies wissen und ich es den Gerichten in gewisser Weise auch bewiesen habe, so wird es dieses Volk, unter derartigen Anschuldigungen, in meinem Dienst an der Risale-i Nur und in meinem Glauben nicht aufrichtig zu sein und dabei die Risale-i Nur in ihrem Wert derart herabzuwürdigen, auch noch seiner großen Wahrheiten (haqiqat)berauben.
Wenn also etwa deswegen, weil sie sich diese Welt als ewig vorstellen und dabei denken, dass ein jeder Religion und Glaube (din ve iman)für weltliche Zwecke gebraucht, diese Unglückseligen ihre weltlichen Motive jemandem unterschieben, der alle Leute des Irrweges in dieser Welt herausfordert und dazu bereit ist, sein diesseitiges und, wenn es sein muss, auch sein jenseitiges Leben hinzugeben, und der den Anspruch erhebt, nicht eine einzige Glaubenswahrheit für das Königreich dieser Welt einzutauschen, und der im Sinne seiner Aufrichtigkeit (ikhlas sirri)mit aller Macht vor der Politik flieht und vor all den materiellen und spirituellen Rängen, die irgendwie nach Politik riechen, der seit zwanzig Jahren alle unvergleichlichen Qualen erduldet, und der getreu seiner Berufung (meslek)sich nicht zur Politik herabgelassen hat, der sich um seiner Seele (nefs)willen für weit unterhalb seiner Schüler einschätzt und deshalb stets von ihnen ihren Beistand (himmet)und ihr Gebet (dua)erwartet,
sich selbst aber für wahrhaft erbarmungswürdig und unbedeutend hält, wenn sie also diesem Mann, dem einige seiner aufrichtigen Brüder aufgrund ihrer außerordentlichen Glaubensstärke, die sie aus der Risale-i Nur gewonnen haben, in ihren persönlichen Briefen einige Tugenden der Risale-i Nur zuschreiben, weil er ja ihr Dolmetscher ist, und aufgrund einer Gewohnheit, der absolut keine politischen Hintergedanken zugrunde liegen, einen hohen Rang zuerkennen, so wie Menschen diesen bedauernswerten Mann, den sie aber aufgrund seiner "Sendschreiben" hoch verehren und ihn "mein Herr (Sultan)und mein Wohltäter" nennen, und die tausendmal besser von ihm denken als ihm zusteht und dabei einer altehrwürdigen Sitte folgen, wie sie zwischen Lehrer und Schüler (ustadh ve taleb)üblich ist und die Bedeutung einer Art Dankbarkeit hat, und die ihn dabei über die Maßen preisen und ekstatische Lobeshymnen über ihn schreiben, so wie es üblich war, sie am Ende eines weithin gerühmten Buches zu schreiben, wenn sie also derartige Dinge tun, kann man dies denn dann in irgendeiner Weise als ein Verbrechen betrachten? Es ist dies sicherlich der Wahrheit in gewisser Weise entgegengesetzt, weil es eine Übertreibung ist.
Da er aber nun ein Fremdling ist, der keinen hat und um den sich niemand kümmert, aber sehr viele Feinde hat und viele Gründe, die seine Helfer in die Flucht jagen könnten, und er nun einzig um die innere Kraft seiner Helfer angesichts so vieler Widersacher zu stärken, sie davor zu bewahren, die Flucht zu ergreifen und den Enthusiasmus derer nicht zu zerstören, die ihm solche Lobeshymnen singen, einen Teil ihrer Lobeshymnen (über ihn) in Lobeshymnen über die Risale-i Nur verwandelte, mag man nun, obwohl er sie nicht ganz und gar zurückgewiesen hatte, verstehen, wie weit sich einige Beamte unter den Staatsdienern von der Wahrheit, dem Gesetz und jeglichem rechtschaffenem Denken entfernt haben und wie tief sie doch gesunken sind, wenn sie sich darum bemühen,
den Glaubensdienst eines alten Mannes an der Schwelle des Grabes so hinzustellen, als geschehe dies alles nur um weltlicher Dinge willen. Mein letztes Wort lautet:
﴿لِكُلِّ مُصِيبَةٍ﴾ إِنَّا لِلّٰهِ وَإِنَّآ إِلَيْهِ رَاجِعُونَ
{"In allem Unglück: Fürwahr, Gottes sind wir und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156)}
Said Nursi
Nachtrag
Ich habe gesehen, dass auf der Rückseite des letzten Berichtes bezüglich der Nachforschungen des Untersuchungsrichters Folgendes vermerkt wurde:
"Unter dem Vorwand, dass die Auslegung der drei Ayat sich gegen die moderne Zivilisation richtet, nicht konform geht mit dem derzeitigen Bürgerlichen Recht, wurde vor vier Monaten vom Kabinett der Beschluss gefasst, die Verbreitung des Fünfundzwanzigsten Wortes (mit dem Titel): Der Qur'an als ein Wunder, zu verbieten."
Meine Antwort darauf ist diese: "Der Qur'an als ein Wunder" ist jetzt ein Teil des Dhu-l'Fiqar(= Alis Schwert) und nur auf 2 Seiten des etwa 400 Seiten umfassenden Dhu-l'Fiqar finden sich diese Erläuterungen zu den drei Ayat, die sich, in einer Weise, der man nicht widersprechen kann, gegen eine gewisse Kritik des Qur'an an der modernen Zivilisation richten, und in dreien meiner früheren Abhandlungen enthalten sind. Eine davon handelt über die Verschleierung der Frau (tesettur-u nisvan),die zweite
فَـِلاُمِّهِ السُّدُسُ
{"und die Mutter ein Sechstel" (Sure 4, 11)}
betrifft das Erbrecht und gleich wie die dritte
فَلِلذَّكَرِ مِثْلُ حَظِّ الْاُنْثَيَيْنِ
{"und dem Mann einen Anteil gleich dem zweier Frauen" (Sure 4, 176)}
Ich habe die Weisheit, die in der Bedeutung dieser Verse liegt, vor zwanzig Jahren auf zwei Seiten und auch in meinen übrigen Abhandlungen vor dreißig Jahren in einer Weise erläutert, welche die Philosophen zum Schweigen bringen würde. Es ist deshalb laut Gesetz unser Recht, anstatt den Dhu-l'Fiqar mit seinen 400 Seiten zu
beschlagnahmen, mit der Verdächtigung, er sei jetzt erst geschrieben worden, nur diese beiden Seiten herauszunehmen und uns dann das Buch wieder zurückzugeben. Es ist so, als enthalte ein Rundschreiben ein oder zwei provokante Wörter: man schneidet diese Wörter heraus und danach ist seine Veröffentlichung erlaubt. In dieser Art erbitten wir entsprechend der Gerechtigkeit Ihres Gerichtshofes unser Recht.
Da bisher niemand die Gelegenheit finden konnte, zu mir zu kommen und mir diese vierzig Seiten lange Anklageschrift vorzulesen, die man mir vor einem Monat gegeben hat, hat man sie mir erst heute, am 11. Juni, zum ersten Mal vorgelesen. Ich habe mir das alles angehört und sehe nun, dass der Widerspruch, den ich vor zwei Monaten eingelegt hatte, mit allen Punkten, mit Anhang und Ergänzung zu meinen Einwänden sowohl zu sechs verschiedenen Abteilungen in Ankara als auch zu Ihrer Behörde geschickt worden ist. Dieser Widerspruch (den ich Ihnen eingereicht habe), widerlegt Ihre Anklageschrift von Grund auf und weist sie zurück. Ich sehe daher keine Notwendigkeit, hier alle meine Einwendungen noch einmal aufzulisten. Ich möchte dem öffentlichen Ankläger lediglich zur Erinnerung in zwei, drei Punkten Folgendes sagen:
Der Grund dafür, dass ich der Anklageschrift keine weitere Beachtung geschenkt habe und nicht mehr auf ihre einzelnen Punkte eingegangen bin, war der, dass ich die drei rechtschaffenen Gerichtshöfe, die uns bereits freigesprochen hatten, in ihrer Ehre nicht verletzen und missachten wollte. Denn diese Gerichtshöfe hatten uns bereits freigesprochen, nachdem sie alle Punkte der jetzt vorliegenden Anklageschrift bis ins kleinste Detail genau untersucht hatten. Ihren Freispruch so völlig unbeachtet zu lassen, hieße die Ehre des Gerichtswesens zu verletzen.
Zweiter Punkt:
Der Öffentliche Ankläger stellt uns nun aufgrund seiner grob fahrlässigen Ausdeutungen, wobei er einige Meinungsäußerungen, an die wir dabei gar nicht
gedacht hatten, mit ein oder zwei Punkten unter tausend anderen verbindet, unter Anklage. Diese Punkte finden sich jedoch in dem Gesamtwerk der Risale-i Nur. Die Gelehrten der Al-Ashar Universität in Kairo, die führenden Gelehrten in Damaskus, auch die scharfsinnigsten Gelehrten in Mekka und Medina, in Aleppo und anderswo, ganz besonders aber auch die mit der Untersuchung (beauftragten) Gelehrten im Direktorat für Religiöse Angelegenheiten haben sie alle gesehen und gepriesen, ihr beigestimmt und ihre Unterschrift unter sie gesetzt. So habe ich denn mit Erstaunen und Befremden einige Anklagepunkte gelesen, welche nach Art von Wissenschaftlern, Gelehrten und Kennern der Materie vorgetragen werden. Selbst wenn mir einige Irrtümer unterlaufen wären und wenn nun die Anklage gerechtfertigt wäre, wobei nun Tausende von Gelehrten sie nicht bemerkt hätten, so wäre auch das nur ein akademischer Fehler und keineswegs ein Verbrechen. Zudem haben bereits drei Gerichtshöfe sowohl die Risale-i Nur freigegeben als auch uns selbst freigesprochen. Nur der Gerichtshof in Eskishehir hat aufgrund von fünfzehn Worten im "Vierundzwanzigsten Blitz", was die Verschleierung der Frau betrifft, einige leichte Urteile über mich selbst und über 15 von 100 meiner Kollegen ausgesprochen. Ich habe Widerspruch dagegen eingelegt und geschrieben, dass wenn es überhaupt noch eine Gerechtigkeit auf dem Antlitz der Erde gibt, sie es nicht zulassen könnte, dass ich aufgrund eines solchen Kommentars zu einer Ayah verurteilt werde, der doch nur zusammenfasst, was bereits in 350.000 Kommentaren dargelegt worden ist. Es ist, als wolle der Öffentliche Ankläger von tausend Dächern Wasser sammeln {d.h. er sucht nach einer Ausrede (A.d.Ü.)} und versuche nun, eine Reihe von Sätzen, die ich im Laufe der letzten zwanzig Jahre in meinen Büchern und Briefen geschrieben habe, zusammenzustellen und gegen uns zu verwenden. Auf
diesen Punkten beruht nun unser imaginäres Verbrechen, von dem uns nicht nur drei, sondern bereits fünf oder sechs Gerichtshöfe freigesprochen haben. Daran möchte ich nur den auf Gerechtigkeit bedachten Gerichtshof erinnern, nicht etwa um die Ehre dieser Gerichtshöfe anzugreifen.
Drittens:
Sogar der ausdrückliche Widerspruch und die Kritik an einem Führer, der längst schon gestorben und begraben ist, und dessen Verbindungen zur Regierung aufgehört haben, zu bestehen, und der die Ursache einiger Fehler in den Reformen gewesen ist, kann gesetzlich noch kein Verbrechen sein. Eine solche Kritik gibt es aber gar nicht. Der Öffentliche Ankläger hat meine allgemeinen Bemerkungen ihm gegenüber völlig falsch ausgelegt. Er hat diese vertraulich gehaltenen (mahrem)Ansichten, wie wir sie nicht jedem mitteilen, an die Öffentlichkeit gebracht und die allgemeine Aufmerksamkeit auf sie gelenkt. Wenn es also in dieser Angelegenheit ein Verbrechen gibt, dann ist hier der Öffentliche Ankläger der Schuldige. Denn er wiegelt das Volk auf und lenkt dessen Aufmerksamkeit auf dergleichen Ansichten.
Viertens:
Aufgrund haltloser Verdächtigungen und indem er stets den alten unsinnigen Kehrreim wiederholt und Wasser von tausend Dächern zusammenträgt, untersucht hier der Öffentliche Ankläger Hinweise auf eine illegale Organisation, und das trotzdem drei Gerichtshöfe uns ganz eindeutig freigesprochen haben. Während es aber nun zahlreiche politische Organisationen gibt, die gefährlich sind für das Land und für unser Volk, aber mit Nachsicht und Toleranz behandelt werden, nennt man stattdessen die Kameradschaft unter den Schülern der Risale-i Nur, die nach dem Zeugnis von Tausenden und aufgrund der Tatsache, dass die Gerichtshöfe von sechs Provinzen sich da nicht eingemischt haben, die nur zum Besten von Land und Volk ist, (zum Wohle) seines Glaubens und für die Glückseligkeit in dieser und in der kommenden Welt (wirken) und so gegen jene Strömungen innerhalb
und außerhalb des Landes ankämpfen, die in Korruption verstrickt sind, eine illegale Organisation und klagt sie mit den Worten des Staatsanwalts an, "die Religion zu missbrauchen, das Volk aufzuhetzen, die öffentliche Ordnung zu stören und die Sicherheit zu gefährden." Und das obwohl doch in zwanzig Jahren nicht ein einziger Vorfall dieser Art im Zusammenhang mit der Risale-i Nur und ihren Schülern gemeldet worden ist, was nicht nur die Menschheit, sondern die Erde als Ganzes in Wut versetzen und so eine derartige Anklage zurückweisen wird. Es besteht jedoch keine Notwendigkeit, mich noch weiter darüber auszulassen. Der Widerspruch, den ich verfasst habe und die Ergänzung dazu, die ich bereits lange vor der Erhebung einer Anklage abgefasst habe, sind meine Antworten darauf.
Der Gefangene in der Strafanstalt zu Afyon
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Vor dem Gerichtshof in Afyon und dem Vorsitzenden der Strafgerichtskammer erkläre ich hiermit Folgendes:
Da ich es seit meiner frühesten Jugend nie vertragen konnte, wenn man mir Befehle erteilen wollte, brach ich meine Beziehungen zur Welt ab. Nun ist mir das Leben unter dieser beständigen sinn- und zwecklosen Unterdrückung so sehr zur Last geworden, dass ich nicht mehr länger leben möchte. Außerhalb des Gefängnisses habe ich nicht mehr die Kraft, diese Unterdrückung durch Hunderte von Amtspersonen zu ertragen. Ich habe jetzt genug von dieser Art Leben. Ich fordere Sie daher mit meiner ganzen Kraft dazu auf, mich zu verurteilen. Zu Grabe getragen zu werden liegt nicht in meiner Macht. Für mich ist es notwendig, im Gefängnis zu bleiben. Die Beschuldigungen des Öffentlichen Anklägers sind, wie sie ja wissen, völlig haltlos. Sie können mich auf dieser Grundlage nicht verurteilen. Stattdessen habe ich gegenüber meinen wirklichen Aufgaben große Fehler begangen, für die ich in der Tat innerlich (manen)zur Verantwortung zu ziehen wäre. Sollte es nun angemessen erscheinen, mich darüber zu befragen, so fragen sie mich nur, ich werde Ihnen antworten. Unter meinen großen Fehlern ist in der Tat mein einziges Verbrechen, und war hinsichtlich der tatsächlichen Lage ein unverzeihlicher Fehler, dass ich, weil ich die Welt ja nicht beachtet hatte, die schweren Aufgaben nicht erfüllt habe, zu denen ich mich im Namen dieses Landes, seines Volkes und seines Glaubens verpflichtet gewesen wäre. Dass ich nichts davon gewusst hatte, ist keine Entschuldigung. Zu dieser Überzeugung bin ich inzwischen hier in diesem Gefängnis zu Afyon gelangt.
Die Tatsache, dass drei verschiedene Gerichtshöfe uns in dieser Hinsicht freigesprochen haben, zeigt nun, wie weit sich jene von Recht und Wahrheit entfernt haben, die
den Schülern der Risale-i Nur wegen ihrer aufrichtigen und rein auf das Jenseits gerichteten Verbundenheit mit (den Werken der Risale)-i Nur und dem, der sie erläutert, den Namen einer weltlichen, politischen Vereinigung anhängen wollen und wie sie nun versuchen, aufzuzeigen, dass sie sich damit eines Verbrechens schuldig gemacht hätten.
Dementgegen sagen wir: Fundament und Grundlage einer menschlichen Gesellschaft und besonders der Gemeinschaft aller Muslime sind die aufrichtigen Bande (muhabbet)zwischen den Verwandten und all die lebhaften Beziehungen zwischen den Stämmen und Völkern, und entsprechend dieser islamischen Volkszugehörigkeit die innere, geistige Hilfsbereitschaft und Hingabe gegenüber allen Glaubensbrüdern, die unverbrüchliche Gebundenheit an die Wahrheit und besonders die Wahrheit des Qur'an, die sein ewiges Leben rettet, und an den, der sie verkündet. Es geschieht einzig durch die Verleugnung dieser Verbundenheit, die ein Leben in Gemeinschaft garantiert, in Anerkennung jener "Roten Gefahr", wodurch der fürchterliche Same der Anarchie aus dem Norden zerschmettert wird, der die junge Generation, das junge Volk zugrunde richtet, jedermanns Kinder an sich zieht, Gefolgschaft und nationale Bindung zerstört und den Weg zur vollständigen Korrumpierung jeglicher menschlichen Zivilisation und allen gesellschaftlichen Lebens, wenn die Schüler der Risale-i Nur eine politische Vereinigung genannt und eines entsprechenden Verbrechens beschuldigt werden kann. Denn aus diesem Grunde bekennen sich die Schüler der Risale-i Nur öffentlich zu ihrer heiligen Verbundenheit mit den Wahrheiten des Qur'an, zu den unerschütterlichen Banden mit jener Bruderschaft, die auf das Jenseits ausgerichtet ist. Da sie aber aus freien Stücken dazu bereit sind, um einer solchen Bruderschaft willen jedwede Strafe auf sich zu nehmen, bekennen sie vor Ihrem Rechtschaffenen Gericht die Wahrheit, so wie sie nun einmal ist. So erniedrigen sie sich auch
nicht dazu, stattdessen Lügen, Schmeicheleien oder Ausreden vorzuschieben.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
Eine Ergänzung zum Anhang meines Widerspruchs gegen die Verurteilung, die mir vor dem Gerichtshof zu Afyon überreicht worden ist
Erstens:
Vor dem Gerichtshof erkläre ich Folgendes:
Da die neuerliche Anklage auf den früheren Anklagepunkten der Gerichtshöfe in Denizli und Eskishehir beruht, sowie auf den oberflächlichen Untersuchungen eines bereits voreingenommenen Komitees von Sachverständigen, so versichere ich hiermit Ihrem Gerichtshof, dass ich damit einverstanden bin, eine Strafe von hundert Jahren auf mich zu nehmen, für den Fall, dass ich nicht in der Lage sein sollte, hundert Fehler in dieser Anklageschrift nachzuweisen. Nun, nachdem ich diese meine Versicherung noch einmal überprüft habe, kann ich ihnen jetzt auf Wunsch eine Liste von mehr als hundert Fehlern vorlegen.
Zweitens:
Als während der Verhandlungen vor dem Gerichtshof in Denizli alle unsere Bücher und Unterlagen nach Ankara übersandt worden waren und ich bereits voll Kummer und Verzweiflung war, dass der Gerichtshof ein Urteil gegen uns fällen würde, schrieb ich an meine Kollegen die folgende kurze Mitteilung, die dann am Ende einiger meiner Verteidigungsschriften beigefügt wurde: Falls die Justizbeamten, welche die Risale-i Nur untersuchen, in der Absicht, sie zu kritisieren, auf diese Weise im Glauben gestärkt oder gerettet werden und mich sodann zum Tode verurteilen, so sollt ihr meine Zeugen dafür sein,
dass ich ihnen deswegen nichts nachtragen werde. Denn wir sind hier, um zu dienen. Es ist die Aufgabe der Risale-i Nur, den Glauben zu stärken und zu retten. Uns obliegt der Dienst am Glauben, ohne dabei zwischen Freund und Feind zu unterscheiden oder Partei zu ergreifen.
Hochachtbare Herren des Gerichtshofes! Aufgrund dieser Tatsache haben die unwiderlegbar starken Zeugnisse der Risale-i Nur im Laufe des Prozesses alle Herzen für sich erobert. Was auch immer Sie gegen mich unternehmen mögen: ich werde es Ihnen nicht nachtragen, es Ihnen nicht verübeln. Aus diesem Grunde habe ich auch die Verachtung ertragen, mit der man mich behandelt hat, auch alle Verleumdung, obwohl es mich zutiefst gekränkt hat, die außergewöhnlichen diktatorischen Maßnahmen und alle Repressalien, die ich zu erdulden hatte wie noch niemals zuvor in meinem Leben. Ja, ich habe (diese Leute) noch nicht einmal verflucht. Das Gesamtwerk der Risale-i Nur, das sich in Ihrer Hand befindet, ist meine unanfechtbare Verteidigungsschrift und ein unwiderlegbarer Widerspruch gegen alle Anklagen und Beschuldigungen, die uns zur Last gelegt werden.
Es ist doch erstaunlich, dass dieser kluge Herr, der die Anklagepunkte gegen uns zusammengestellt hat, obwohl doch die Gelehrten in Kairo, in Damaskus, in Aleppo, in der Erleuchteten Stadt Medina und im Ehrwürdigen Mekka, die Gelehrten im Amt für Religiöse Angelegenheiten, die doch stets alles genau unter die Lupe nehmen, das gesamte Werk der Risale-i Nur sorgfältig studiert und es keineswegs kritisiert, es vielmehr sehr gelobt und hochgepriesen haben, durch einen ganz ungewöhnlichen aber ebenso offensichtlichen Fehler, indem er nämlich von den 140 Suren im Qur'an spricht, zu erkennen gibt, mit welch einer Oberflächlichkeit er die ganze Angelegenheit behandelt. Obwohl doch die Risale-i Nur unter diesen schwierigen Bedingungen, während ich selbst in der Verbannung, einsam und allein, arm, krank und dabei noch
heftigen Angriffen ausgesetzt bin, bei Hunderttausenden Leuten der Wahrheit ihre Anerkennung gefunden hat, behauptet doch dieser Herr, der noch nicht einmal weiß, wie viele Suren der Qur'an hat: "Obwohl doch die Risale-i Nur vorgibt, eine Auslegung (tefsir)des Qur'an zu sein und die Hadithe zu erklären, lässt sie doch hinsichtlich dessen, was der Leser aus ihr lernen könnte, keine wissenschaftliche Substanz oder Wert erkennen." Gerade das aber macht verständlich, wie weit seine Kritik vom Gesetz und von allem, was recht und billig wäre, entfernt ist.
Ferner möchte ich mich bei Ihnen darüber beschweren, dass Sie, obwohl Sie uns doch dazu gezwungen hatten, uns zunächst einmal zwei Stunden lang die Anklageschrift anzuhören, die Hunderte von Fehlern enthält und uns in unseren Herzen verletzt hat, mir, auch nachdem ich darauf bestanden hatte, noch nicht einmal zwei Minuten Zeit gegeben haben, meine Antwort von anderthalb Seiten Länge vorzulesen, welche die volle Wahrheit enthält. Im Namen der Gerechtigkeit ersuche ich Sie deshalb, mir zu gestatten, die vollständige Liste meines Widerspruchs vorlesen zu dürfen.
Drittens:
Eine jede Regierung hat ihre Gegner. Doch solange sie die öffentliche Ordnung nicht stören, kann man sie von Gesetzeswegen nicht belangen. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass ich und all diejenigen, die sich gleich mir von der Welt abgewandt haben und nur noch für das Grab arbeiten, es aufgeben sollten, in dem Rahmen, den der Qur'an vorgegeben hat und auf dem Weg, den unsere Vorväter seit 1350 Jahren gegangen sind, in einer Weise, die den Grundsätzen entspricht, wie sie 350.000.000 Gläubige zu allen Zeiten geheiligt haben, für das Ewige Leben zu wirken, und sich stattdessen von unseren heimlichen Feinden um eines vergänglichen und nur sehr kurzen irdischen Lebens willen dazu zwingen lassen, den wilden Gesetzen und Prinzipien eines unmoralischen und zügellosen Lebens, ja, in der Tat einer Art Bolschewismus
als unserem Weg zu folgen? In dieser Welt könnte kein Gesetz und kein Mensch, der auch nur über ein Stäubchen billigen Denkens verfügt, uns dazu zwingen, etwas Derartiges anzunehmen. Diesen unseren Gegnern sagen wir nur: Ihr sollt uns nicht lästig werden, wie ja auch wir euch nicht belästigt haben!
So geschieht es denn aus diesem Grunde, dass wir die willkürlichen Befehle eines Kommandanten, die man als Gesetze bezeichnet und welche die Ayasofya in einen Götzentempel {indem sie die alten Ikonen aus vorislamischer Zeit wieder restauriert haben. (A.d.Ü.)} und das Büro Scheichu-l'Islam in ein Lyzeum verwandelt haben, weder in unseren Ansichten (fikr)noch in unserer Lehre (ilm)unterstützen. Wir richten uns auch in unserem Privatleben nicht nach ihnen. Doch obwohl ich seit zwanzig Jahren aufs Schwerste unterdrückt worden bin und (in diesen Jahren meiner Gefangenschaft jeder nur möglichen Art) Schikanen ausgesetzt war, habe ich mich dennoch nie um die Politik gekümmert, noch die Regierung provoziert, noch die öffentliche Ordnung gestört. Obwohl ich Hunderttausende von Freunden der Risale-i Nur habe, ist doch kein einziger Fall registriert worden, wo die öffentliche Ordnung gestört worden wäre. Nun aber bin ich des Lebens bereits überdrüssig geworden; und das aufgrund äußerster Erniedrigung und der ungerechten Behandlung, die ich in diesem letzten Abschnitt meines Lebens hier in der Verbannung über mich ergehen lassen musste, so wie ich sie noch nie zuvor erlitten habe; sie hat meine Nerven völlig ruiniert. Unter diesen bedrückenden Umständen ekelt es mich selbst schon vor meiner Freilassung. Ich habe deshalb ein Gesuch an Sie geschrieben, worin ich Sie im Gegensatz zu allen anderen nicht um meine Freilassung sondern um meine Bestrafung gebeten habe. Ich bitte Sie nicht um eine leichte, sondern um die schwerste Strafe. Denn um von dieser so unvergleichlichen, außergewöhnlichen,
diktatorischen Behandlung errettet zu werden, gibt es für mich keinen anderen Ausweg, als entweder ins Grab oder ins Gefängnis zu gehen. Was das Grab betrifft - und da es nicht erlaubt ist, sich selbst das Leben zu nehmen, das Ende aber im Verborgenen und daher jetzt nicht in meinen Händen liegt, so bin ich denn mit dem Gefängnis einverstanden, in dem ich seit fünf, sechs Monaten in Einzelhaft gehalten werde. {(*): inzwischen sind daraus siebzehn Monate geworden und dieser Zustand setzt sich noch weiter fort.} Aber dieses Gesuch habe ich auf Bitten meiner unschuldigen Kameraden noch nicht bei Ihnen eingereicht.
Viertens:
Bestätigt durch all das, was ich in diesen letzten dreißig Jahren, jener Periode, die ich nach dem Neuen Said benannt hatte, immer wieder in der Risale-i Nur geschrieben habe und all die Tatsachen, die meine Person betreffen, bezeugt durch alle aufrichtigen Freunde, die mir in ehrlicher Absicht begegnet sind, erkläre ich hiermit Folgendes: Soweit ich dazu in der Lage gewesen bin, habe ich immer versucht, meine eigenwillige Seele (nefsu-l'emmare)davon abzuhalten, in Selbstgefälligkeit, Ruhmsucht, Eitelkeit und Stolz aufzugehen; und vielleicht hundertmal habe ich die Gefühle der Schüler der Risale-i Nur verletzt, die doch mir gegenüber eine so hohe Meinung hegten. Ich bin hier nicht der Besitzer. Ich bin nur der armselige kleine Ausrufer jenes Juwelierladens, der der Qur'an ist, wie das sowohl von meinen engsten Freunden als auch von meinen Brüdern, wie auch durch die Zeichen, die sie gesehen haben, bestätigt worden ist. Es geht hier nicht darum, einen Posten (makam)in dieser Welt zu erobern, Ruhm und Ehre für meine Person zu gewinnen. Sollte mir (wenn wir das hier einmal annehmen wollen) vielleicht einmal ein hoher geistlicher Rang (makam)verliehen werden, so befürchte ich, dass meine Seele vielleicht ihren Anteil an dem Dienst nehmen könnte, den ich verrichte, und so die Aufrichtigkeit und reine
Absicht verdürbe. Darum habe ich mich entschlossen, diesen Rang meinem Dienst zum Opfer darzubringen. Doch onwohl ich in dieser Weise gehandelt habe und ich auch die Dankbarkeit einiger meiner Brüder für den Segen, den sie aus der Risale-i Nur empfangen haben, die ja Ihrem hohen Gericht vorgelegt worden ist, was damals eine politische Angelegenheit von großer Bedeutung war, zurückgewiesen hatte, haben Sie dennoch ihren Respekt (hurmet)mir gegenüber, welcher größer ist als der eines Sohnes gegenüber seinem Vater, zum Gegenstand Ihres Verhörs gemacht. Sie haben sogar einige von ihnen dazu getrieben, das zu verleugnen und uns dazu gebracht, mit Erstaunen zuzuhören. Ja kann man es sich denn als ein Verbrechen vorstellen, wenn jener Armselige gepriesen wird, obwohl er gar nicht damit einverstanden ist und sich auch gar nicht als dessen würdig hält?
Fünftens:
Ich darf Ihnen versichern, dass diejenigen, welche die Schüler der Risale-i Nur, die keiner Vereinigung angehören, auch an gar keiner Organisation oder politischen Strömung interessiert sind, beschuldigen, einer derartigen Vereinigung oder politischen Richtung anzugehören, auf der Basis einer geheimen atheistischen Organisation, die seit vierzig Jahren direkt gegen den Islam und den Glauben arbeitet, bzw. im Namen einer Art Bolschewismus die Anarchie im Lande schürt, wissentlich oder unwissentlich gegen uns kämpfen. Denn bereits drei Gerichtshöfe haben die Risale-i Nur in dieser Hinsicht freigegeben und die Schüler der Risale-i Nur freigesprochen. Nur der Gerichtshof in Eskishehir hat mich zu einem Jahr verurteilt und 15 von 120 meiner Freunde jeweils sechs Monate gegeben, und zwar wegen einer einzigen, kleineren Angelegenheit bei einer kurzen Abhandlung über die Verschleierung der Frau. Vielleicht, weil dort der Satz stand: "Wie ich gehört habe, soll sich am Sitz der Regierung ein Schuhputzer der halbnackten Frau einer bedeutenden Persönlichkeit mitten auf dem Marktplatz gegenüber schamlos benommen
haben, und seine erstaunliche Unverfrorenheit ist wie ein Schlag in die schamlose Fratze all derer, die gegen die Verschleierung der Frauen sind." Das aber heißt, die Risale-i Nur und ihre Schüler noch einmal anklagen zu wollen, hieße, diese drei Gerichtshöfe anzuklagen, zu verurteilen und Schande über sie zu bringen.
Sechstens:
Man kann die Risale-i Nur nicht bekämpfen. Alle islamischen Gelehrten, die sie gelesen haben, bestätigen, dass sie ein wahrheitsgemäßer Kommentar (haqiqatli bir tefsir)zum Qur'an ist, ein mächtiger Beweis für seine Wahrheit, sein geistiges Wunder (mu'djize-i manevi)in diesem Jahrhundert, ein starkes Bollwerk für unser Land und sein Volk gegen die Gefahren, die ihm aus dem Norden drohen. Ich habe daher verstanden, dass es die Pflicht ihres Gerichtshofes ist, seine Schüler nicht abzuschrecken, sondern sie in Anbetracht allgemein gültiger Rechte zu ermutigen. Und genau das erwarten wir auch von Ihnen. Trotzdem aber, dank der Freiheit in der Lehre wird (die Herausgabe) von Büchern und Zeitschriften der Atheisten und einiger gottloser Politiker, die dem Land und seinem Volk schaden und die öffentliche Ordnung stören, nicht behindert. Deshalb ist es sicherlich kein Verbrechen, ein Schüler der Risale-i Nur zu sein, den Glauben unschuldiger, bedürftiger junger Leute zu retten und sie vor der Sittenverderbnis zu bewahren; vielmehr sollte die Regierung und das Ministerium für Erziehung diesen Umstand noch begrüßen und (solche jungen Leute) unterstützen.
Schlusswort:
Möge Gott der Gerechte den Richtern (in der Verwirklichung) einer wahrhaftigen Gerechtigkeit zum Erfolg verhelfen! Amen.
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ نِعْمَ الْمَوْلٰى وَ نِعْمَ النَّصِيرُ ٭ اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil. Welch vorzüglicher Sachverwalter!" (Sure 3, 173) "Der bester Beschützer und der beste Helfer." (Sure 8, 40) "Aller Lobpreis und Dank gebührt dem Herrn der Welten." (Sure 1, 1)}
Said Nursi
* * *
Schlusswort
Hiermit erkläre ich vor dem Gremium der Richter Folgendes:
Aus der Anklageschrift als auch während all der vielen langen Monate in Einzelhaft ist mir klar geworden, dass es in dieser Angelegenheit in erster Linie um meine Person geht und dass es dabei als angemessen gilt, mich in meiner Persönlichkeit in Misskredit zu bringen. Es ist, als sei meine Person eine Gefahr für die Regierung und die öffentliche Ordnung, als hegte ich hinter der Maske meiner Religion weltliche Absichten und würde so einer Art von Politik hinterherlaufen. Dementgegen erkläre ich Ihnen mit absoluter Sicherheit:
Beleidigen Sie nicht aufgrund irgendwelcher Verdächtigungen die Risale-i Nur und ihre Schüler, die in ihrer Hingabe an dieses Land und sein Volk von hohem Wert sind! Denn wenn sie das machen, wäre dies zu einem großen inneren (manevi)Schaden für dieses Land und sein Volk, ja könnte es sogar in Gefahr bringen. Darum sage ich Ihnen auch mit absoluter Sicherheit: Was auch immer auf mich zukommen sollte an Beleidigungen, Verachtung, Verleumdung, Misshandlungen und Gefängnisstrafen: ich habe mich dazu entschieden, es auf dem Wege (meslek),dem ich jetzt folge, anzunehmen, unter der Bedingung, dass die Risale-i Nur und ihre Schüler nicht durch mich zu Schaden kommen. Darin liegt auch der Lohn für mich im Jenseits. Kann ich auf diese Weise mich vor dem Übel meiner eigenwilligen Seele retten, werde ich zwar einerseits weinen, aber doch dabei zufrieden sein. Wären nicht diese armseligen unschuldigen Menschen zusammen mit mir wegen dieser Angelegenheit ins Gefängnis gekommen, so könnte ich jetzt hier vor Gericht laut und heftig reagieren. Auch haben Sie bereits gesehen, dass die Person, welche diese Anklage verfasst hat, als wolle sie von tausend Dächern Wasser sammeln, meinen Schriften, die
ich in den letzten zwanzig, dreißig Jahren verfasst habe, Büchern und Briefen, eine völlig falsche Bedeutung unterlegt hat (und dabei auch noch so tut), als wäre all das erst im letzten Jahr geschrieben und noch nie einem Gerichtshof vorgelegt worden, als habe es noch nie eine Amnestie oder eine Verjährung gegeben, und die auf diese Weise versucht, meine Person in Misskredit zu bringen. Obwohl ich bereits selbst hundertmal gesagt habe, dass meine armselige Person all der Ehren gar nicht wert ist, ist der Grund dafür, dass die Politiker in einem solchen Grade in Panik geraten sind, nachdem sie mich doch bei jeder Gelegenheit diffamiert hatten, ohne dass dies für mich irgendeine Auswirkung in der Öffentlichkeit gehabt hätte, ist der, dass es hier und heute ein überaus starkes Bedürfnis nach Religionsunterricht und einer Stärkung im Glauben gibt, dass die Leute die Wahrheit für nichts zum Opfer bringen würden, sie zu keinem Zweck missbrauchen würden und auch keinen Anteil für sich selbst (nefs)darin suchen würden. Einzig auf diese Weise können sie aus dem Unterricht im Glauben ihren Nutzen ziehen und zu einer absolut sicheren Überzeugung gelangen.
Es gab in der Tat noch zu keiner Zeit in diesem Land ein solch großes Bedürfnis danach wie in heutiger Zeit. Denn die Gefahr kommt mit aller Kraft von außerhalb. Obwohl ich ja zugebe, dass ich nicht der Mann bin, der geeignet wäre, dieser Not zu begegnen, und das auch gesagt habe, nimmt man nun trotzdem an, dass ich dieser Not entgegentreten sollte, nicht etwa, weil ich dazu besonders befähigt wäre, sondern, weil die Not so groß ist, ohne dass viele sie überhaupt wahrnehmen. Ich habe mir das eine lange Zeit mit Erstaunen und Verwunderung angesehen. Doch erst jetzt verstehe ich die Weisheit hinter diesem allgemeinen Interesse, dessen ich doch in keiner Weise würdig bin, meine fürchterlichen Fehler mit inbegriffen. Und diese Weisheit ist folgende:
Die Wahrheit der Risale-i Nur und die geistige Körperschaft ihrer Schüler haben hier und jetzt diese große Not
zu sich selbst herbeigezogen. Sie haben gedacht, dass meine Person der Repräsentant dieser wunderbaren Wahrheiten der Risale-i Nur und ihrer reinen und wahren Verkörperung wäre, obwohl doch mein Dienst bei diesem Werk nur einen Anteil von einem Tausendstel ausmacht und mir deshalb ihre Aufmerksamkeit geschenkt. Zwar ist diese Aufmerksamkeit sowohl von Nachteil für mich als auch eine schwere Bürde. Sie steht mir auch gar nicht zu. Doch um der (Risale)-i Nur und ihrer geistigen Körperschaft willen schweige ich darüber und nehme alle diese Nachteile mit in Kauf. Sogar die göttlichen Eingebungen einiger Gottesfreunde wie Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und Scheich Geylani (Ghaus-i Adham,Gott heilige seine Geheimnisse) haben von der Risale-i Nur, ein Spiegel des geistigen Wunders des Allweisen Qur'an in unserer Zeit und ein verborgener Hinweis auf die geistige Körperschaft ihrer aufrichtigen Schüler Kunde gegeben und dabei auch meine eigene Wenigkeit im Dienste der Wahrheit mit in Betracht gezogen. Dabei denke ich, dass ich mich insofern geirrt habe, als ich an einigen Stellen ihre gütige Aufmerksamkeit auf meine Person bezogen und nicht der Risale-i Nur zugewendet habe. Der Grund für diesen meinen Fehler liegt in meiner Schwäche, mit der ich ganz offensichtlich einen Teil (dieser Aufmerksamkeit), der sich anscheinend auf meine Person bezog, in Anspruch genommen habe, um so Dinge zu verhindern, die vielleicht andere abschrecken könnten, mir bei der Verbreitung zu helfen und so ihr Vertrauen in mein Wort zu gewinnen. Doch möchte ich Sie hierbei darauf aufmerksam machen:
Es gibt gar keinen Grund, meine armselige Person in ihrer Vergänglichkeit (fani)und am Tore des Grabes zu diffamieren und ihr eine solche Aufmerksamkeit zuzuwenden. Denn Sie können die Risale-i Nur nicht bekämpfen. Also bekämpfen Sie sie nicht! Sie können sie nicht besiegen. Wenn Sie sie bekämpfen, werden Sie diesem Land und seinem Volk einen großen Schaden zufügen.
Ihre Schüler aber werden Sie nicht spalten können. Denn Sie werden die Nachkommen der Vorväter, die in diesem Lande, auf dem Wege der Bewahrung der Glaubenswahrheiten des Qur'an vierzig, fünfzig Millionen in den Martertod gegeben hatten, nicht dazu bringen können, nun in unserer Zeit die Bewahrung der Qur'anischen Glaubenswahrheiten und die großen Taten, die in den Augen der islamischen Welt als denen vergangener Zeiten gleich erachtet werden, wieder aufzugeben. Denn diese aufrichtigen Schüler bleiben, auch wenn sie sich nach außen hin zurückziehen, auch weiterhin mit Leib und Leben der Wahrheit verbunden. Sie werden die Risale-i Nur, welche ein Spiegel dieser Wahrheit ist, nicht wieder aufgeben und nicht durch eine derartige Aufgabe ihrem Land und ihrem Volk und der öffentlichen Ordnung einen Schaden zufügen.
Ich schließe mit der Ayah:
فَاِنْ تَوَلَّوْ فَقُلْ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَ هُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Wenn sie sich aber abwenden, so sage zu ihnen: 'Gott ist mein Genügen. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich, und Er ist der Herr des gewaltigen Thrones.'" (Sure 9, 129)}
Eine Petition, gesandt an den Rat der Minister. Eine ganz besonders wichtige Bitte an den Rat der Minister.
Hiermit ersuche ich den Ministerrat, dass jene fünfzehn Seiten mit der Bezeichnung "Fünfter Strahl", die schon vor längerer Zeit geschrieben und später der mehr als dreihundert Seiten umfassenden Sammlung mit der Bezeichnung "Die Leuchte des Lichts (Siradjun Nur)"angefügt wurden und der eigentliche Anlass dazu waren, dass das gesamte Werk durch den Ministerrat beschlagnahmt wurde, von der "Leuchte des Lichts" abgetrennt werden. Denn es hat sich herausgestellt, dass letztgenanntes Werk in vielfacher Hinsicht für jeden, besonders aber für die vom Unglück betroffenen, die Alten und die von Zweifeln im Glauben geplagten, von sehr großem Nutzen ist. Ich bitte darum, dass erstgenannter Teil, der für gefährlich erachtet wird, herausgetrennt und verboten werden kann, hingegen aber für die verbleibenden dreihundert Seiten die Erlaubnis zur Veröffentlichung erteilt wird, sodass die vom Unglück betroffenen, die Alten und die, welche der Glaubenswahrheiten bedürfen, daraus ihren Nutzen ziehen und ihren Trost schöpfen können.
Des Weiteren bitten wir darum und fordern Sie auf, jene Passagen in dem vierhundert Seiten umfassenden Dhu-l'Fikar, die vor dreißig Jahren als eine Antwort an die europäischen Philosophen abgefasst wurden, wobei es sich um einen Kommentar (tefthir)zu den beiden Ayat über das Erbrecht und die Verschleierung der Frau handelt, sowie eine Zeile über das Bankwesen aus den "Zeichen der Wunderhaftigkeit (Isharatu-l'I'djaz)",ein Kommentar zur Ayah
اَحَلَّ اللّٰهُ الْبَيْعَ وَ حَرَّمَ الرِّبَوا
{"Gott hat den Handel erlaubt und den Zins verboten." (Sure 2, 275)},
gleichfalls vor dreißig Jahren verfasst, als ich noch am Daru-l'Hikmet tätig war, und zwar im Zusammenhang mit den sechs Fragen, die der Erzbischof der Anglikanischen Kirche dem Amt des Scheichu-l'Islam vorgelegt hatte, weiterhin unter Verschluss bleiben könnten, während der Dhu-l'Fikar, der in der islamischen Welt hochgepriesen wird und dessen wohltätige Wirkung in der Tat bereits sichtbar wird, und der drei Pfeiler des Glaubens in wunderbarer Art beweist, der aber unter Hinweis auf diese beiden Seiten und eine Zeile beschlagnahmt worden war, weil diese Sammlung ja mit dem derzeitigen bürgerlichen Recht nicht übereinstimmt, uns wieder zurückgegeben wird. Es ist dies unser gutes Recht: so wie man ja auch fünf Worte in einem Brief zensiert, den übrigen Teil aber freigibt, so verlangen auch wir dieses bedeutende, gesetzlich verbriefte Recht. Wir verlangen aber auch für alle, die durch die (Risale)-i Nur, den Qur'an und ihre Liebe zum Glauben unserem Land, seinem Volk und der öffentlichen Ordnung dienen, von der Unterdrückung durch diejenigen befreit zu werden, die immer dann, wenn es um unsere Interessen geht, ein Korn zu einer Kuppel aufbauschen. So habe ich auch keine Abschrift der "Sechs Angriffsmethoden (Hudjumat-i Sitte)"mehr gesehen, die ich vor achtzehn Jahren zu einer Zeit geschrieben hatte, als ich voll Ärger über die schweren Ungerechtigkeiten war, die ich damals zu erdulden hatte. Doch hatte ich damals gesagt, dass dies vertraulich sei und daher keine Erlaubnis zur Veröffentlichung gegeben. Zwar gelangten (einige Abschriften) trotzdem in die Hände von drei oder vier Gerichtshöfen, wurden aber ihren Besitzern wieder zurückgegeben.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Ein Dank an das Sachverständigenkomitee im Amt für Religiöse Angelegenheiten. Ich möchte hier drei Punkte erklären, um Ihnen dabei zu helfen, einige kleinere Kritikpunkte auszuräumen, zu denen die Antwort ja schon längst vorliegt.
Erster Punkt:
Ich möchte mich aus drei Gründen bei den Gelehrten bedanken. Dabei fühle ich mich ihnen gegenüber auch aus persönlichen Gründen zu Dank verpflichtet.
Erstens
dafür, dass Sie, vom "Fünften Strahl" einmal abgesehen, die dreizehn Teile der "Leuchte des Lichtes" mit soviel Wertschätzung zusammengefasst haben.
Zweitens
dafür, dass Sie jeglichen Grund zu einer Anklage wegen Gründung einer religiösen oder weltlichen Vereinigung (tariqat ve djemiyet)oder Gefährdung der Sicherheit und Ordnung zurückgewiesen haben.
Drittens
dafür, dass Sie meine Aussagen vor Gericht unterstützt haben. Denn ich hatte vor Gericht erklärt: Wenn es hier einen Fehler gegeben hat, so liegt dieser Fehler bei mir. Die Schüler der Risale-i Nur sind aufrichtig und unschuldig und arbeiten für die (Risale)-i Nur um ihres Glaubens willen. So hat denn Ihr Expertenkomitee auch die Schüler der Risale-i Nur gerettet. Sie haben die ganze Schuld mir gegeben. So darf denn auch ich zu Ihnen sagen: Möge Gott mit Ihnen zufrieden sein. Sie haben nur den verstorbenen Hasan Feyzi, den verstorbenen Hafidh Ali und noch zwei oder drei andere, die die Arbeitsmethoden dieser beiden gesegneten Märtyrer als ihr Erbe übernommen haben, zu Partnern an meiner Schuld gemacht. Doch sie irren sich in dieser Hinsicht. Denn sie waren mir nicht in ihren Fehlern voraus, sondern in ihrem Dienst am Glauben und mir durch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)als
eine Barmherzigkeit (merhamet)in meiner Schwäche als Helfer gegeben worden und bleiben daher von meinen Fehlern unberührt.
Zweiter Punkt:
Das Komitee der Sachverständigen behauptet, dass bei einigen der im "Fünften Strahl" angeführten (Hadithe)die Überlieferung nur schwach (da'if),andere erst später eingefügt worden (maudu')und ihre Auslegung teilweise falsch sei. Das alles ist in dem gleichen Stil geschrieben, wie die Anklageschrift, die zu Afyon gegen uns gerichtet wurde und die auf fünfzehn Seiten 81 Fehler enthält, wie ich ja bereits auf einer Liste nachgewiesen habe. Die ehrenwerten (Herren vom) Komitee der Sachverständigen mögen sich diese Liste einmal ansehen. Hier nur ein Beispiel dafür:
Der Ankläger behauptet:
Alle Auslegungen sind falsch und die (ihnen zugrunde liegenden) Überlieferungen entweder später erst hinzugefügt (maudu')oder nur schwach (da'if).
Wir hingegen sagen:
Eine Auslegung zu geben, bedeutet, dass der der Hadith unterlegte Sinn beabsichtigt, möglich oder wahrscheinlich sein kann. Nach den Regeln der Logik (mantik)ist es nur möglich, eine Bedeutung auszuschließen, wenn man ihre Unmöglichkeit beweisen kann. Doch gerade so wie seine Bedeutung unseren Augen erkennbar geworden ist und sich als wahr herausgestellt hat, so hat sich auch ganz offensichtlich auf der Hinweisebene den Augen unseres Jahrhunderts ein Aspekt der Universalität dieser Hadith wie ein wundersamer Blitz als Kunde aus dem Unsichtbaren gezeigt und kann deshalb in gar keiner Weise abgestritten oder zurückgewiesen werden. Der Liste entsprechend wurde gleichfalls bewiesen, dass die Behauptung des Staatsanwalts, alle Überlieferungen seien entweder hinzugefügt (maudu')oder schwach (da'if),auf dreifache Weise falsch ist.
Erstens:
Imam Ahmed Ibn Hanbal, der eine Million Hadithe auswendig wusste und Imam Bukhari, der fünfhunderttausend Hadithe auswendig kannte, haben (eine solche Behauptung)
nie gewagt. Doch obwohl sich ihre Widerlegung nicht beweisen lässt, (der Staatsanwalt) auch gar nicht die Bücher aller Hadithe gesehen hat, hat doch der überwiegende Teil der Umma in jedem Jahrhundert erwartet, dass die Bedeutungen der Überlieferungen in Erscheinung treten oder ein einzelner Aspekt von ihnen sichtbar werden möge und so hat sich die Umma (diesen Überlieferungen bis zum Standpunkt) einer allgemeinen Akzeptanz angenähert. Eine Reihe von Aspekten und Beispielen, welche vollkommen richtig sind, sind in Erscheinung getreten und sichtbar geworden. Diese Überlieferungen zur Gänze zu leugnen, ist daher in zehnfacher Hinsicht ein Fehler.
Zweiter Aspekt:
Mit der Bezeichnung "maudu'" soll gesagt sein, dass eine Überlieferung im Gegensatz zu einem Hadith nicht urkundlich überliefert ist. Damit soll nicht gesagt sein, dass sie auch inhaltlich falsch ist. Da nun einmal die Umma und die Kenner der Wahrheit (ehl-i haqiqat)und die, welche ihnen die Wahrheit enthüllt haben (ehl-i keshf),ein Teil der Schüler der Hadithe (ehl-i hadith)und ihre großen Exegeten (ehl-i itschtihad),(auch diese Überlieferungen) anerkannt hat und nun darauf wartet, dass sich ereignen wird, was sie beinhalten, so enthalten diese Überlieferungen mit Sicherheit Wahrheiten, die Sprichwörtern gleich, jedermann etwas angehen.
Der dritte Aspekt:
Gibt es etwa eine Fragestellung oder Überlieferung, ohne dass in den Büchern der verschiedenen Gelehrten, je nach Schule (meshreb)und Charakter (medhheb)Widerspruch laut geworden wäre? Zum Beispiel: eine der Überlieferungen über die Erscheinung einiger Deddjal innerhalb des Islam ist folgende ehrenwerte Hadith, welche die Zerstörungen (fitnah)voraussagt, welche Djengis und Hulagu anrichten werden:
لَنْ تَزَالَ الْخِلاَفَةُ فِى وَلَدِ عَمِّى صِنْوِ اَبِى الْعَبَّاسِ حَتَّى يُسَلِّمُهَا اِلَى الدَّجَّالِ
{"Das Kalifat wird unter den Nachkommen meines Onkels, den Söhnen des Abi-l'Abbas, nicht untergehen, bis es in die Hände des Deddjal fallen wird."}
Das heißt: "Das Kalifat der Abbasiden wird noch lange fortbestehen. Danach wird das Kalifat in die Hände des Deddjal übergehen." Es wird also innerhalb des Islam nach 500 Jahren ein Deddjal kommen; und so wie er das Kalifat zerstören wird, so gibt es auch viele Überlieferungen, die von den Gestalten berichten, die in der Endzeit erscheinen werden. Es gibt jedoch einige Exegeten (ehl-i itschtihad),die verschiedene Schulen (medhheb)oder extreme Ansichten (fikri mufrit)vertreten, welche (diese Überlieferungen) nicht übernommen haben und behaupten, sie seien nur schwach (da'if)oder "maudu'". Wie dem auch sei... der Grund dafür, dass ich hier eine lange Geschichte schließlich kurz gefasst habe, zeigt sich im Zusammenhang mit der Risale-i Nur, als sich nämlich vier schwere Erdbeben gleichzeitig mit den Angriffen auf die (Risale)-i Nur ereignet haben und so den Grimm der Erde deutlich machten, wie ja auch die Erde zweimal heftig gebebt hat während der Stunden, in denen ich meine Antwort hier niedergeschrieben habe. Es war dies folgendermaßen:
Es gab da zwei Erdbeben, die sich gleichzeitig mit dem Leiden ereigneten, das mich aufgrund der Wunden befiel, die mir die Operation als Folge des Berichtes der Experten geschlagen hat, (ein Bericht) den man mir an jenem Abend überreicht hatte, aber auch infolge der erbärmlichen Schwierigkeiten, weil ich ja mit niemandem Kontakt habe und nun selber mit meiner elenden Feder schreiben muss. An jenem Abend empfing ich in der Tat den Bericht vom Amt für Religiöse Angelegenheiten, auf den ich mich doch in den sechs Monaten Isolationshaft mit so vielen Schikanen so sehr verlassen und doch erwartet hatte, dass sie uns zu Hilfe kämen. An diesem Morgen verstand ich denn, dass sie mit ganz kleinen unbedeutenden Dingen nicht mir, sondern dem öffentlichen Ankläger geholfen hatten. Ich bemerkte, dass sie gesagt hatten: "Die letzten vier Erdbeben geschahen als ein Wunder (keramet)der (Risale)-i Nur; hat der Said gesagt." Stattdessen hatte ich auf der Liste der Irrtümer vermerkt: Sie ist gleich einer
(von Gott) angenommenen Almosenspende, mit der man versucht, ein Unglück abzuwenden. Wann immer die (Risale)-i Nur angegriffen wird, eilt auch das Unglück herbei und nutzt gewissermaßen die Gelegenheit. Und manchmal ergrimmt die Erde. So hatte ich auch die Absicht, selbst etwas zu schreiben. Doch da erschütterten zwei heftige Stöße die Erde
{(*): Diese beiden Erdstöße ereigneten sich zu gleicher Zeit am Freitag, den 18.09.1948 in den frühen Morgenstunden. Gezeichnet im Namen der Schüler der Risale-i Nur im Gefängnis zu Afyon:
Halil, Mustafa, Mehmed, Feyzi, Husrev}
und so verzichtete ich darauf, noch etwas dazu zu sagen. Und indem ich (diesen Gedanken) aufgebe, gehe ich hiermit zum dritten Punkt über.
Dritter Punkt:
Oh Ihr Erforscher der Wahrheit! Ihr wahrhaftigen, recht und billig denkenden (Herren) vom Komitee der Sachverständigen! Aufgrund einer alten, unter den Gelehrten traditionsgemäß üblichen Praxis, bei der Herausgabe von schönen neuen Büchern im Anhang, am Ende schöngeistiger Werke, die von anderen verfasst worden sind, eine Empfehlung, eine Laudatio anzufügen, dabei auch ein wenig zu übertreiben, wurde dieser Lobpreis dann auch veröffentlicht, womit dann der Verfasser vollkommen zufrieden war und sich demgegenüber, der seine Laudatio geschrieben hatte, sogar dankbar erwies. So habe denn auch ich es keineswegs abgelehnt, wenn ein Teil der reinen und aufrichtigen Schüler der Risale-i Nur Lobeshymnen in der Art des verstorbenen Hassan Feyzi und des Märtyrers Hafidh Ali verfasst hat, geschrieben mit dem Gedanken, mir einerseits in meiner Hilflosigkeit und Schwäche, so einsam und allein wie ich bin und angesichts so vieler ungerechter Leute, die mich scharf angreifen und mir widersprechen, sowohl eine Hilfe zu sein, als auch andererseits die Bedürftigen zu ermuntern, die Risale-i Nur anzunehmen, weshalb ich denn nur einen Teil dieser Elogen, soweit sie meine Person betreffen, auf
die Risale-i Nur Werke abgelenkt habe, was Sie jedoch leider als eine Art Selbstbeweihräucherung betrachtet haben. Ich kann das mit sorgsamer Aufmerksamkeit, exaktem Wissen, gütiger Hilfeleistung und einem hoch anständigen Entgegenkommen nicht vereinbaren. Und es macht mich sehr traurig.
Die Kollegen, die mit reinem Herzen dergleichen Elogen geschrieben haben, dachten dabei keineswegs an Politik, sondern sagten aufgrund ihrer Berechnungen: "Ein Aspekt im Gesamt der Hinweise und ihrer Bedeutung, der sich als richtig erwiesen hat als auch eine ihrer kleinen Einzelheiten in dieser unserer Zeit ist die Risale-i Nur." Das aber kann man nicht als einen Fehler bezeichnen, denn das Zeit(geschehen) bestätigt es. Möge man (die Begeisterung meiner Kollegen) als völlig exaltiert, ja sogar als einen Fehler betrachten: es bleibt in jedem Fall ein Denkfehler. Dabei darf selbstverständlich jeder seine Meinung niederschreiben. Sie wissen ja, dass es zwölf verschiedene Rechtsschulen (medhheb)gibt: Hanefi, Maliki, Shafi, Hanbeli und an die siebzig hohe Gelehrte im Umkreis der Theologie, der Beweisführung und der Urteilsfindung, wie groß die Verschiedenheiten unter ihnen sind und wie weit in den Büchern, die sie geschrieben haben, ihre Meinungen und Ansichten voneinander abweichen. Jedoch hat es bis heute noch zu keiner Zeit unter den Gelehrten ein so großes Bedürfnis nach Einheit (ittifaq)gegeben und den Wunsch, sich nicht untereinander zu streiten.
* * *
Drei Fragen an die unparteilichen Hodjas im Komitee der Sachverständigen
Erstens:
Wird ein Mann schuldig, der von einem anderen Mann in ehrlicher Absicht gelobt wird? Besonders dann, wenn er das gar nicht wünscht? Könnte man vielleicht dabei denken, er wolle sich damit selbst loben, wenn er derartige Lobeshymnen so weit wie möglich zurückweist, oder aber sie jemand anderem zuwendet, oder wenn er, um einen ehrlichen und aufrichtigen Freund nicht zu verlieren, ihn nicht tadelt, wenn er ihm mit Stillschweigen begegnet, wenn er doch erklärt, das Lob sei hundertfach größer als ihm zusteht?
Zweite Frage:
Verdient etwa ein Schüler der Risale-i Nur, (in einer Zeit), da so schreckliche Angriffe gegen den Glauben an der Tagesordnung sind und inmitten von Glaubensfragen, groß wie Berge, dass man ihn in seiner übertriebenen Liebe zur Wahrheit wegen eines winzig kleinen Denkfehlers, einer irrtümlichen Ansicht in einer solchen Weise schmäht und erniedrigt? Ist es etwa angemessen, einem Schüler, der eine Lobeshymne verfasst hat und nun von Lehrern gleich Ihnen (meine Herren!) erwartet, dass man ihn mit allem Verständnis (shefqat)auf seinen Fehler aufmerksam macht, auf diese Weise aus der Hand der Justiz einen Schlag ins Gesicht zu verpassen?
Dritte Frage:
Ist eine derartige Kritik an der Risale-i Nur, aufgrund von lediglich ein oder zwei Fragestellungen, die in diesen zwanzig Jahren von ihren zahllosen Gegnern niemals erschüttert werden konnte, jedoch den Glauben von Hunderttausenden Bedürftiger gestärkt hat überhaupt noch angemessen? Überdies möchte ich diese überaus kritischen Gelehrten noch an Folgendes erinnern: ich fand oben auf dieser Eloge, die Ahmed Feyzi verfasst hatte, einen Brief von mir. Nun aber kritisieren Sie mich in Ihrem Bericht, so als hätte ich diese Eloge selbst verfasst. Ich habe diesen Brief jedoch verfasst, weil
ich diese Lobeshymnen nicht für meine Person akzeptieren, sondern wollte, dass sie (aus dem Text) herausgenommen werden und habe auch tatsächlich einen entsprechenden Abschnitt markiert. Einen anderen Teil wollte ich noch korrigieren, kam aber nicht mehr dazu, weil ich in Eile war; und so sandte ich ihn an meine Brüder (in einem der Dörfer). Dort aber legte man ihn oben auf die verpönten Elogen und schickte sie weiter an eine gewisse private (hususi)Person, wo sie dann in die Hände der Regierung gerieten. Ja verdient denn eine solche private (mahrem)Eloge, die nichts weiter enthielt als einige ehrliche Gedanken und persönliche Ansichten, und von einem Freund abgesandt worden war, in der Absicht, über ihre Modifizierung zu beraten, einen dermaßen heftigen Protest? Überdies enthielten diese beiden kleinen in rot und schwarz gebundenen Päckchen nichts als eine Anzahl vertraulicher Briefe, als private (Mitteilungen) an einige Freunde geschickt, um ihnen zu gratulieren, sie zu ermutigen oder ihnen eine kleine Freude zu bereiten. (Diese Briefe) wurden aber, wie auch immer, von ein, zwei neugierigen Leuten, damit sie nicht verloren gehen sollten, (nochmals abgeschrieben) und in einem Büchlein zusammengefasst. Dabei aber fielen sie dann während einer Hausdurchsuchung der Polizei in die Hände. Gibt es denn irgendeine Notwendigkeit, aus solchen Briefen derartige Vermutungen abzuleiten und daraufhin ein Kreuzverhör zu veranstalten, um eine politische Angelegenheit daraus zu machen? Ist es nicht so, als sei man gegenüber diesen fürchterlichen Drachen, die den Qur'an angreifen, blind und wolle sie gar nicht sehen und versuche stattdessen, sich gegen eine Mücke zu wehren?
Läuft das alles nicht (am Ende) darauf hinaus, dass man (den Herrn) Saratjoglu, der den Glauben und die mohammedanische Erziehung als Gift bezeichnet, beiseite schiebt und stattdessen über die "Leuchte des Lichtes" disputiert, die doch die qur'anischen Wahrheiten so klar darstellt wie das Sonnenlicht und beweist, dass sie das
vollkommene Gegenmittel für die Wunden der Menschheit ist, dabei behauptet, dass die am Ende des Sammelbandes der (Risale)-i Nur angefügte Risalah nur eine Auslegung von schwachen (da'if)Hadithen sei und nun auch noch dabei Hilfe leistet, diesen Sammelband zu konfiszieren? Wir erwarten von solchen Persönlichkeiten, wie Sie es sind, Balsam für unsere Wunden, Ihre Einsicht und Ihre Hilfeleistung. Wenn Sie daneben noch gleichzeitig einige persönliche Einwände haben, sind wir deswegen keineswegs beleidigt.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Eine Einführung in die nachfolgenden Abschnitte
In der Absicht, ein wenig dabei zu helfen, mit wahren und wahrhaftigen Beweisen, das Urteil des Gerichtshofes zu Afyon zu widerlegen und das Appellationsgericht zu unseren Gunsten umzustimmen und um einige der Irrtümer in der Anklageschrift kurz anzuführen, haben wir die persönlichen Abschnitte (mahrem risaleler),die Sie in der Anklageschrift aufgeführt haben, noch einmal genau dargestellt, um auf die Fehler zu verweisen, die wir denjenigen darlegen möchten, die uns als eines Fehltritts schuldig überführen möchten.
Zum Beispiel: Um mich zu einer besonders harten Strafe verurteilen zu können, haben sie am Ende der Anklageschrift eine Liste all meiner Verbrechen angefügt und geschrieben: "Eine der Angelegenheiten, wo Said Nursi sich dagegen wendet, ist die Aufhebung des Sultanats und des Kalifats." Das aber ist sowohl falsch als auch kurzsichtig. Denn ich habe bereits vor fünfzehn Jahren vor dem Gerichtshof in Eskishehir zu der Frage, was ich denn im "Sechsundzwanzigsten Blitz", einem Seelenführer für alte Leute, geschrieben hätte, geantwortet: "Das Ende, welches das Kalifat in seiner Autonomie (khilafet saltanatinin vefati)genommen hat, hat mich traurig gemacht." Das hat sie zum Schweigen gebracht. Wer auch immer eine bedeutungslos gewordene, inzwischen längst verjährte Angelegenheit, die unter das Gesetz der Amnestie fällt, sodass hier ein Freispruch ergangen ist, noch immer als ein Verbrechen ansieht, macht sich dadurch selbst schuldig.
Zudem verwiesen sie noch auf ein Hadith, das ich in einem der Blitze (angeführt hatte) und das sich auch in den "Wundern Ahmeds (mit dem Friede und Segen sei)"
wieder findet, offensichtlich als Dokument für dieses angebliche Verbrechen (gedacht, wo es heißt):
اِنَّ الْخِلاَفَةَ بَعْدِي ثَلاَثُونَ سَنَةً ثُمَّ تَكُونُ مُلْكًا عَضُوضًا وَ فَسَادًا وَ جَبَرُوتًا
{"Fürwahr, das Kalifat wird nach mir noch dreißig Jahre währen. Danach wird eine habsüchtige Monarchie daraus werden. Das Verderben (wird hereinbrechen) und eine Gewaltherrschaft (errichtet werden)."}
Das heißt, nach den vier rechtgeleiteten Kalifen wird das Verderben hereinbrechen. So habe ich denn in einer meiner früheren Abhandlungen geschrieben, dass diese Hadith drei wunderbare Prophezeiungen enthält. In der Anklageschrift wurde mir das dann als ein Verbrechen zur Last gelegt (und behauptet), Said habe in einer Abhandlung gesagt: "Nach dem Kalifat kommen die Gewalt und das Verderben." Oh Ihr oberflächlichen Leute eines Komitees! Wer auch immer es für ein Verbrechen hält, die wunderbare Vorausschau einer Hadith zu erklären, welche das weitverbreitete materielle wie geistige Verderben in der Menschheit unserer Zeit voraussagt und Ereignisse, welche das absolute Chaos über die Erde bringen werden, macht sich selbst in materieller wie in geistiger Hinsicht eines Verbrechens schuldig.
Sie haben auch geschrieben, dass "eine Person, die Reformen, wie die Schließung der Tekkes(= Klöster der Sufi-Orden), der Einsiedeleien und Medressen(= religiöse Schulen) die Einführung des Laizismus, die Übernahme nationalistischer Prinzipien anstelle des Islams, das Tragen der Schirmmütze, die Aufhebung der Verschleierung für Frauen, die erzwungene Annahme des lateinischen Alphabets anstelle der qur'anischen Schreibweise, der Ruf zum Gebet (edhan ve iqamah)auf türkisch, die Aufhebung des Religionsunterrichts in den Schulen, die Gleichstellung von Mann und Frau im Erbrecht und im Zivilrecht, die Aufhebung des Mehrfrauenrechts (zugunsten der Einehe) als ketzerische Neuerungen (bid'a),als Irreführung (und Merkmale des) Atheismus bezeichnet, sich der Fortschrittsfeindlichkeit schuldig macht.
Oh ihr uneinsichtigen Leute des Komitees! Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, war in jedem Jahrhundert der heilige, himmlische Wegweiser für 350.000.000 Menschen, das Programm zu ihrer Glückseligkeit, die heilige Schatzkammer für das Leben im Diesseits und im Jenseits. Wäre es möglich, seine vielen so eindeutigen Verse, über die Verschleierung der Frau, das Erbrecht, die Mehrehe, das Gedenken Gottes (dhikru-llah),die religiöse Unterweisung, die Verbreitung des Glaubens und die Bewahrung der Kennzeichen der Religion, an denen es nichts zu deuten gibt, abzustreiten und alle die autorisierten Interpreten islamischer Gesetze und alle Scheichu-l'Islam für schuldig zu erklären, und könnten Sie den Fluss der Zeit aufhalten, die zahlreichen Freisprüche der Gerichtshöfe und alles, was längst verjährt ist, für nichtig erklären, und alles, was privat ist, was persönliche Ansicht ist, die Freiheit des Gewissens, die Gedankenfreiheit, die Opposition im Denken und in der Wissenschaft aus dem Lande und seiner Regierung verbannen, dann können Sie mich auch dieser Dinge für schuldig erklären. Andernfalls werden Sie vor dem Gerichtshof der Wahrheit und Wahrhaftigkeit, des Rechts und der Gerechtigkeit ganz fürchterlich schuldig werden!
Said Nursi
* * *
Ein Abschnitt, den der Gerichtshof erstaunlicherweise gegen uns angewandt hat, obwohl er doch eigentlich gegen sie selbst ist.
"Ich halte jedoch der Versammlung des Gerichtshofes entgegen: Die Gerechtigkeit, falls es diese auf Erden gibt, wird sicher einen ungerechten Gerichtsbeschluss, durch den ein Mann verurteilt wurde, weil dieser das Gesetz
Gottes, das in 1350 Jahren und in jedem Jahrhundert mindestens 350.000.000 Menschen in ihrem gesellschaftlichen Leben über alles heilig war und sich unter ihnen als wahr und wirksam erwiesen hat, das von 350.000 Kommentaren zum Qur'an bestätigt und durch deren Übereinstimmung bekräftigt wurde und von welchem unsere Väter seit 1350 Jahren fest überzeugt waren, kommentiert hat, wieder aufheben und diesen Gerichtsbeschluss revidieren."
* * *
Ein Abschnitt, den der Gerichtshof voll Erstaunen und in Anerkennung in seinem Urteil geschrieben hat und der gegen uns gerichtet sein sollte, obwohl er sich doch gegen sie selbst richtet.
Im "Sechsundzwanzigsten Brief" schreibt Said Nursi über sich selbst das Folgende:
So gibt es denn in diesem euren niederen Bruder drei Persönlichkeiten. Sie sind voneinander weit entfernt, ja in der Tat wirklich sehr weit voneinander entfernt.
Die erste Person:
In Anbetracht dessen, dass ich der Verkünder jenes erhabenen Schatzes bin, welcher der Qur'an ist, ist mir vorübergehend eine Persönlichkeit zu eigen, die ganz allein dem Qur'an gehört. Der hoch erhabene Charakter, der von einer solchen Stellung eines Verkünders verlangt wird, ist nicht mein Charakter; ich besitze ihn nicht. Vielmehr ist es ein Charakter, den diese Stellung, diese Aufgabe erfordert. Was immer von dieser Art ihr in mir sehen mögt, gehört nicht mir. So betrachtet mich denn nicht in diesem Zusammenhang. Es gehört zu meinem Stand (makam).
Die zweite Person:
Zur Gebetszeit wird mir durch die Güte (ihsan)Gottes des Gerechten für die Zeit, die ich
mich der Schwelle Gottes zuwende, eine Person gegeben, eine Persönlichkeit, die gewisse Kennzeichen trägt. Diese Persönlichkeit erwächst aus dem, was die Wesenselemente des Dienstes und der Anbetung sind: "seine Fehler kennen, seine Schwäche und Armseligkeit verstehen, in seiner Niedrigkeit an der Schwelle Gottes Zuflucht suchen". Mit Hilfe dieser (zweiten) Person erkenne ich mich selbst mehr als jeder andere als niedrig, schwach, armselig und fehlerhaft. Sollte auch die ganze Welt mich feiern und lobpreisen, sie könnten mich nicht davon überzeugen, dass ich ein guter und vollkommener (Mensch) bin.
Die dritte Person:
Dies ist meine wahre Persönlichkeit, d.h. die Persönlichkeit des Alten abgetakelten Said, also einige Adern aus dem Erbe des Alten Said. Der neigt manchmal zur Heuchelei und Geltungssucht (riya ve hubb-u djah).Und weil ich auch nicht aus vornehmem Hause stamme, so kann man bisweilen niedere Charakterzüge, wie eine Neigung zur Sparsamkeit bis zum Geiz, beobachten.
Ich möchte euch nun nicht ganz vertreiben, wenn ich euch noch alle meine verborgenen Fehler und Schlechtigkeiten beschreibe.
Des Weiteren hat Gott der Gerechte in Seinem Erbarmen (merhamet)Seine Gnade (inayet)über mir in der Weise gezeigt, dass er diese meine Persönlichkeit wie den niedersten einfachen Soldaten in den Dienst an den Geheimnissen des Qur'an gestellt hat wie auf den höchsten Platz (makam),einem Marschall entsprechend.
Hunderttausendmal Dank!...
Die Seele (nefs)ist niederer als alles, die Aufgabe ist höher als alles...
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ هٰذَا مِنْ فَضْلِ رَبِّى
{"Lob und Dank sei Gott! Dies ist von der Güte (fadl) meines Herrn."}
* * *
Dies ist ein Absatz, der den Gerichtshof so sehr in Angst und Schrecken versetzt hat, dass sie in ihrem Urteilsspruch gegen uns daraus zitiert haben. Doch wurden diese furchtbaren Worte vor fünfzehn Jahren niedergeschrieben und später in folgender Weise abgemildert: "Meine Brüder! Um der Unschuldigen und der Alten willen nehmt keine Rache an denen, die mich widerrechtlich töten. Ihre Strafe im Grab und in der Hölle wird ihnen genügen." Diese Anmerkung sollte sie zur Einsicht bringen.
"Da es nach eurer Vorstellung und aufgrund der Art und Weise wie ihr mich behandelt nun einmal zwischen euch und mir ganz allgemein einen Gegensatz gibt, bringt ihr für diese Welt (dunya)Glaube und Jenseits zum Opfer dar. Wir hingegen sind nach eurer Meinung aufgrund dieses Gegensatzes und im Gegensatz zu euch jederzeit dazu bereit, diese Welt für unseren Glauben und das (Leben im) Jenseits aufzuopfern. Zwei oder drei Jahre meines Lebens unter eurem grausamen und demütigenden Regime im Elend zu verbringen, um so die Heiligkeit des Märtyrertums zu gewinnen, ist wie Wasser aus dem Kautharstrome für uns. Doch gestützt auf den strahlenden Glanz und die Hinweise aus dem Weisen Qur'an gebe ich Ihnen mit absoluter Sicherheit die Kunde, die Sie erzittern lassen soll:
Nachdem Sie mich umgebracht haben, werden Sie nicht länger mehr am Leben bleiben. Ihr werdet durch die Hand des Unbesiegbaren (Qahhar)aus eurem vergänglichen (fani)Paradies und der Welt, die ihr geliebt habt, vertrieben werden und rasch in die ewige Finsternis geworfen werden. Nach mir werden eure nimrodgleichen Führer (König Nimrod ließ Abraham ins Feuer werfen - A.d.Ü.) elend zugrunde gehen und neben mir (in das Grab) geschickt werden. Ich jedoch werde sie in Gottes Gegenwart am Kragen packen und indem Gottes Gerechtigkeit
sie in die tiefsten Tiefen hinabschleudert, werde ich so meine Rache nehmen.
Oh ihr Unglückseligen, die ihr euren Glauben und das jenseitige (Leben) um der Welt willen verkauft habt! Wenn euch euer Leben lieb ist, so belästigt mich nicht länger! Wenn ihr mir noch länger lästig fallt, so wisset, dass meine Rache in vielfältiger Weise über euch kommen wird und erzittert! Ich erhoffe von der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye),dass mein Tod mehr als mein Leben dem Glauben dienen wird. Mein Tod wird über euren Häuptern wie eine Bombe explodieren und eure Häupter zerschmettern! So quält mich denn ruhig noch weiter, wenn ihr den Mut dazu habt! Tut ihr irgendetwas (dergleichen), so werdet ihr schon sehen (was dann geschieht)!" So habe ich dies (damals) geschrieben und mit einer Ayah abgeschlossen.
* * *
Das Folgende hat das Gericht gegen mich geschrieben, obwohl es doch eigentlich ein Abschnitt ist, der sie des Extremismus (ifrat) beschuldigt.
In Ankara betrat Mustafa Kemal das Büro des Sprechers der Regierung und schäumte vor Wut: "Wir haben Sie hier zusammengerufen, damit Sie uns Ihre besten Ideen erläutern sollen. Sie aber sind gekommen und haben uns etwas über das Gebet (namaz)geschrieben und Zwietracht (ikhtilaf)unter uns gesät." (Damals) hat Said auch zu ihm gesagt: "Wer das Gebet nicht verrichtet, ist unzuverlässig und treulos und was er sagt, ist unglaubwürdig." Später dann aber brachte Mustafa Kemal doch noch eine Art Entschuldigung hervor, schluckte seinen Ärger hinunter, und obwohl er sich in seinen Gefühlen verletzt und in seinen Grundsätzen missachtet fühlte, streckte doch niemand die Hand nach dem Alten Said aus, ja diese sonst
stets gewaltbereiten Kommandeure fürchteten sich sogar vor ihm. (In den Gerichtsakten) steht vermerkt, dass dies durch die wunderbare Kraft der geistigen Körperschaft der künftigen heldenhaften Schüler der Risale-i Nur geschah und ein glänzendes Wunder (keramet)der Risale-i Nur ist.
* * *
Ein Abschnitt, der gegen uns geschrieben wurde, jedoch den Gerichtshof als den eigentlich Schuldigen erkennen lässt.
Es heißt (in der Gerichtsakte weiter): "Wir unterstützen weder nach unserer Meinung noch entsprechend unserer Bildung (fikren ve ilmen)die willkürlichen, im Namen des Gesetzes erteilten Befehle eines Kommandanten, der die Ayasofya in einen Götzentempel und den Amtssitz des Scheichu-l'Islam in ein Lyzeum umgewandelt hat; und ich für meine Person handle nicht in Übereinstimmung mit ihnen."
In der Petition vom 29.08.1948 heißt es: "In meinem Herzen ist die folgende Idee entstanden: Die Tatsache, dass die Regierung - die mich doch zum Wohle des Landes und seines Volkes beschützen und mir helfen sollte - mich stattdessen unterdrückt, lässt vermuten, dass die geheime atheistische Organisation, die sich mit einem Teil der kommunistischen Organisation zusammengeschlossen hat, bedeutende Positionen in öffentlichen Ämtern erlangt hat und nun gegen mich kämpft. Was aber die Regierung betrifft, so ist sie (über diese Vorgänge) entweder nicht informiert, oder aber sie duldet sie (stillschweigend). Ja könnte es denn ein Verbrechen sein, einen Mann nicht zu lieben, der die Ayasofya, die in dieser Welt eine immerwährende Quelle des Stolzes eines heldenhaften Volkes im Dienste des Qur'an und seines Glaubens
ist, ein Ehrenzeichen gleich einem gewaltig großen Diamanten und ein gewaltig großes Denkmal (der Macht) ihrer Schwerter, in einen Götzentempel und den Amtssitz des Scheichu-l'Islam in ein Lyzeum umgewandelt hat?"
* * *
Die folgenden Gedanken, die der Gerichtshof auf die Anklageschrift gesetzt hat, waren diejenigen, welche Said mit der größten Wahrscheinlichkeit überführt hätten. Er unterlegte jenen Worten, die Said vor dem Gerichtshof in Denizli gegen seine verborgenen Feinde gebraucht hatte eine total irrige Meinung und verdrehte sie in der Weise, dass sie sich gegen die Regierung richteten und gebrauchte sie so als einen Vorwand für seine Verurteilung.
Er nannte einige dieser neuen Gesetze des Staates, der diese Reformen durchgeführt hatte, als willkürlich aufgezwungene, zugunsten des Unglaubens, die Republik als den absoluten Despotismus, die Regierung als den absoluten Abfall vom Glauben und einen (reinen) Kommunismus und die Zivilisation als pure Ausschweifung (sefehat-i mutlaq).
* * *
Ein Gedanke, der im Gerichtshof mit Erstaunen und (zugleich auch) mit Bewunderung in die Anklageschrift aufgenommen wurde.
Die Niederschrift der Risale-i Nur bringt zahlreiche Segnungen sowohl in jener als auch in dieser Welt. Es sind dies:
1.Die Aufnahme eines inneren Kampfes gegen die Leute des Irrweges.
2.Sie hilft Ustadh in der Verbreitung der Wahrheit.
3.Sie dient den Muslimen hinsichtlich ihres Glaubens.
4.(Sie ist) das Studium der Wissenschaften mit der Feder.
5.Ihre Gedanken (teffekur)gleichen Gebeten (ibadet),wobei manchmal eine Stunde einem Jahr der Anbetung gleicht.
6.Man steigt im Glauben (iman)in das Grab.
Sie birgt außerdem auch noch fünf Vorzüge im weltlichen (Leben):
1.Segen für den Unterhalt (rizq).
2.Ruhe und Frohsinn im Herzen.
3.Leichtigkeit beim Erwerb seines Lebensunterhaltes.
4.Erfolg bei der Arbeit.
5.Die Tugend, ein Schüler zu sein, verleiht ihm einen Anteil an den Gebeten aller Schüler der Risale-i Nur. Das wird die Jugend sehr bald begreifen und die Universität in eine Lehrstätte der (Risale)-i Nur umwandeln.
* * *
Es ist sehr erstaunlich, dass man (Ustadh) diese aufrichtige Hingabe (samimi fedakar) als ein Verbrechen angelastet hat.
Einer der beiden Pläne, denen diese Heuchler aus ihrem Versteck heraus folgten, war dieser: meinen guten Ruf zu zerstören, als könnten sie auf diese Weise den Wert der (Risale)-i Nur herabmindern.
Zweitens:
Die Verbreitung der (Risale)-i Nur zu verhindern, indem sie die Schüler der (Risale)-i Nur ängstlich und mutlos werden lassen. Aber habt keine Angst! Wir wollen die Köpfe solch armseliger Menschen wie wir es sind, für jene geheiligte Wahrheit zum Opfer bringen, für die bereits vor uns Millionen von Helden ihren Kopf geopfert haben!
* * *
Es klingt völlig absurd und doch wird behauptet, dass dieses aufrichtige Vorwort von Hassan Feyzi, welches nichts als ein Lobgesang und die reine Wahrheit ist, welches mit den Tatsachen völlig übereinstimmt und niemandem schadet, vielmehr ein Segen für viele ist, der Anlass zu einer Schuldzuweisung ist, und da es am Ende der (Risale)-i Nur angefügt worden war, nun als Grund dafür herhalten muss, dass die ganze Sammlung beschlagnahmt wird.
Der Brief, den Hassan Feyzi geschrieben hat, ist kurz zusammengefasst folgender:
"Oh Risale-i Nur! Es gibt keinen Zweifel, dass du die Zunge der Wahrheit (haqq)bist und die Eingebung (ilham)der Wahrheit (haqq)und mit Seiner Erlaubnis geschrieben wurdest. Ich bin niemandes Eigentum. Ich wurde keinem Buche entnommen. Ich wurde aus keinem Werk entwendet. Ich gehöre dem Herrn (Rabb)und dem Qur'an. Ich bin jenes Wunder (keramet)wirkende Licht, das dem Werk (= dem Qur'an) des Unsterblichen (Gottes) entspringt."
"Du bist das wahrhaftige (haqq)Buch voll des Segens (rahmet)und der Fülle (feyiz).Du schmückst und ehrst einige deiner besonderen, aufrichtigen Schüler mit dem Schmuck deiner Heiligen und lauteren Theologen.
Mehr noch: deine Abhandlungen sind nicht vor Gericht getreten als Verbrecher oder als verdächtige Subjekte, sondern als Lehrer, Instruktoren, Meister und Führer (Murshid).In jeder Gerichtssitzung (divan-i adalet)hast du dich in deiner ganzen furchterregenden Macht, Würde und Größe, deinem Glanz und deiner Pracht gezeigt. Du hast sie mit dem Wasser des Glaubens und des Qur'an gereinigt und geläutert."
"Oh du, Diener der Risale-i Nur und ihr Interpret (ustadh),Knecht Gottes (Allah'in abd)und geistiger Sohn Iman Alis, mit dem Gott zufrieden sein möge, Schüler (muried)von Ghaus-i Adham (= Scheich Geylani),Gott heilige sein Geheimnis! Erhebe mich in die erhabene Gegenwart deiner Erkenntnis!" Siehe, da ist sein Vorrat, seine Versorgung für einen Monat: nur ein Kilogramm, das, in Papier eingewickelt an einem Nagel hängt. In der Nichtigkeit (seines Daseins) ist er bis an die Unerschöpflichkeit des Seins gelangt. Er hält sich vor der Annahme von Zuwendungen und Geschenken zurück. Würde er Almosen (zekat ve sadaqa),Spenden und Opfergaben entgegennehmen, er wäre heute längst schon zum Millionär geworden.
* * *
Sie haben sich nur mit einem der neun Gründe aufgehalten, wie die Risale-i Nur zu ihrem Namen kam. Sie sagten, dass sie im Kreise der ihm vertrauten Schüler niemanden gefunden hätten, der "Nur" hieße. Als Antwort dazu heißt es in einer Fußnote, dass jetzt Nur Benli und Küreli Nuri, der Uhrmacher, im Dienste der (Risale)-i Nur besonders ausgezeichnet sind. Das aber heißt, dass sie keinen Grund für ihre Kritik finden können und sich deshalb gezwungen sehen, in ihren Ausreden zu Nebensächlichkeiten zu greifen.
Der Grund dafür, dass im "Sechsundzwanzigsten Wort" die dreiunddreißig Worte, dreiunddreißig Briefe, einunddreißig Blitze und dreizehn Strahlen als die Risale-i Nur bezeichnet werden, ist der: Mein ganzes Leben lang ist mir allerorten das Wort "Nur(Licht)" begegnet. So heißt z.B. mein Heimatdorf Nurs, der Name meiner verstorbenen Mutter war Nuriye, mein Naqshi-Lehrer (ustadh)war Seyyid Nur Mohammed. Einer meiner Qadiri-Lehrer war Nuruddin, einer meiner Qur'an-Lehrer hieß Nuri und auch unter meinen Schülern haben die, welche mir am engsten vertraut sind, ein "Nur"in ihrem Namen. (Wie merkwürdig ist es hingegen doch, dass es unter den wirklich bedeutenden Schülern der Risale-i Nur keinen mit dem Namen Nur gibt!) {(*): In damaliger Zeit war das noch so. Darüber sind inzwischen zwanzig Jahre vergangen.} Auch unter meinen Büchern sind diejenigen Beispiele, welche am nachhaltigsten erklärt und erläutert werden, die Vergleiche mit dem Licht. Und was die meisten meiner Schwierigkeiten in Bezug auf die göttlichen Wahrheiten gelöst hat, ist der lichtvolle Name "Nur"unter den Schönen Namen. Auch mein ganz besonderes Vorbild (imam)in meiner leidenschaftlichen Begeisterung (shiddet-i shauk)für den Qur'an und meinem ausschließlichen Dienst für ihn ist Othman Dhin-Nureyn, mit dem Gott zufrieden sein möge.
Die Hudjumat-i Sitte (Sechs Angriffe) samt Anhang wurden vor zwanzig Jahren, einerseits aufgrund der heftigen und grausamen Übergriffe geschrieben und sind andererseits sehr vertraulich (mahrem).Zudem hatte der Gerichtsprozess gerade erst stattgefunden. Zudem hatte ich in einem Zustand der Erregung geschrieben. Zudem war damals gerade die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Das alles lässt meinen damaligen Ärger für gerechtfertigt erscheinen. Es so, als sei es gerade erst geschrieben, als ein Verbrechen anzusehen und zu beschlagnahmen, ist weit davon entfernt, gerecht zu sein.
Im Anhang zu den "Sechs Angriffen" heißt es in der Überschrift: Dieser Anhang wurde geschrieben, um den Abscheu und die Verachtung zu vermeiden, die sich andernfalls hier in künftiger Zeit ausbreiten werden. Das heißt, er wurde geschrieben, so dass, wollte da einer sagen: "Pfui über alle diese geistlosen Faulpelze in unserem Zeitalter!", seine Spucke unser Gesicht nicht treffen möge, bzw. um sie von ihm wieder abzuwischen. Mögen die tauben Ohren dieser wilden Leiter eines Europa hinter ihrer humanistisch gesinnten Maske davon widerklingen!... Und möge es diesen maßlosen Tyrannen, welche uns mit diesen gewissenlosen Gewaltmenschen heimgesucht haben, in ihre nichtssehenden Augen gesteckt werden! Es ist dies eine Petition, geschrieben, um damit den Anhängern einer mehr ärgerlichen als bürgerlichen Zivilisation (mimsiz medeniyet)über die Köpfe zu hauen, die es in diesem Jahrhundert mehr als hunderttausendmal nötig gemacht haben, zu rufen: "Es lebe die Hölle!"
In letzter Zeit haben die versteckten Angriffe der Glaubenslosen eine ganz besonders hässliche Form angenommen, wobei sie mit ihren erbärmlichen, ungerechten Angriffen gegen die so unglücklichen Leute des Glaubens (vorgingen und sich sogar) in unseren privaten und keineswegs
offiziellen Ruf zum Gebet, also in dieses unser privates Gebet einmischten, das ich mit noch zwei mir eng verbundenen Brüdern in einem privaten Raum verrichtete, den ich mir selbst dafür hergerichtet hatte. Man sagte also zu mir: "Warum rezitierst du den Ruf zum Gebet in arabischer Sprache und wieso versuchst du das geheim zu halten?" Da war denn doch meine Geduld erschöpft. So richte ich mich denn nicht etwa an diese unzivilisierten, gottlosen (Leute), die einer Antwort gar nicht wert sind, sondern an den pharaonengleichen Vorstand einer Gesellschaft, der mit einer geradezu despotischen Willkür mit dem Schicksal einer ganzen Nation spielt, (mit dem Ruf): "Oh ihr Leute einer ketzerischen Neuerung (bid'a)und der Gottlosigkeit (ilhad)!...Ich erwarte eine Antwort (auf die folgenden) sechs Fragen.
Erstens:
Jede Regierung in der Welt, jedes Volk und jeder Stamm, ja selbst ein Stamm Menschenfleisch essender Kannibalen, ja sogar ein Räuberhauptmann in all seiner Wildheit und Grausamkeit herrscht und regiert auf seine Weise und urteilt nach seinen Prinzipien. Ihr aber, nach welchen Prinzipien führt ihr diese außerordentlichen Angriffe aus? Legt mir die Artikel eures Gesetzes vor! Oder akzeptiert ihr die willkürlichen Einfälle einer Handvoll niederträchtiger Beamter? Denn für ein solches privates Gebet gibt es kein Gesetz und kann es ein solches Gesetz nicht geben!...
* * *
Es ist sehr bedauerlich, dass sie gegen ein, zwei Sätze in den "Sieben Zeichen (Isharat-i seb'a)etwas einzuwenden hatten, (eine Abhandlung), die sowohl alt als auch rein privat (mahrem)ist und zudem durchaus der Wahrheit entspricht, die sie aber beschlagnahmen und deretwegen sie Anklage erheben wollten. Doch die Wahrheit, die sie enthält, ist so kraftvoll, dass sie der ganzen Welt und der Menschheit zum Wohle des gesellschaftlichen Lebens verkündet werden sollte.
In dieser Welt ist der größte Dummkopf der, der Fortschritt und Glück im Leben von solchen glaubenslosen
Anarchisten wie diesen erwartet. Einer dieser Toren, der eine hohe Position besetzt hatte, sagte: "Wir sagten immer nur Allah, Allah und sind dabei rückständig geblieben. Europa aber sagte immerzu: Kanonen und Gewehre, und schreitet dabei stets voran."
Nach dem Grundsatz:
جَوَابُ اْلاَحْمَقِ السُّكُوتُ
{"Die Antwort für einen Toren ist Schweigen."}
ist die Antwort für solche (Leute) das Schweigen. Da sich aber hinter einigen unter diesen Toren auch einige recht kluge, aber bedauernswerte (Menschen) finden, wollen wir sagen: Oh ihr Hilflosen! Diese Welt ist ein Gasthaus. Da es nun einmal den Tod gibt und wir einmal ins Grab hinabsteigen werden, weil das Leben vergeht und dann ein beständiges Leben beginnt, wird es notwendig, wenn Gewehre und Kanonen sprechen, tausendmal "Allah! Allah!"zu rufen.
* * *
Ja, man muss geradezu darüber staunen: Doch im "Sechzehnten Blitz" haben sie tatsächlich einen Satz, der zu unseren Gunsten spricht, so herumgedreht, dass er gegen uns sprechen muss und uns dann gezeigt, dass sie geneigt sind, diese so wertvolle Abhandlung zu beschlagnahmen.
Aus dem "Sechzehnten Blitz: Was aber das Übel des Krieges betrifft, so würde er unserem Dienst am Qur'an einen sehr bedeutsamen Schaden zufügen. Möge der, der alles vermag (Qadir-i Kull-i Shey),in einer Minute den mit Wolken verhangenen Himmel leer fegt und reinigt und uns am Antlitz des Himmels wieder das Licht der Sonne zeigt, nun auch diese finsteren, gnadenlosen Wolken zerstreuen und uns wieder die Sonne der Wahrheit des Gesetzes schauen lassen. Wir erbitten von seiner Barmherzigkeit (rahmet),dass er uns (Seine Wahrheit) nicht teuer verkaufen möge. Und möge er den Köpfen oben an der Spitze (des Staates)
Verstand verleihen und Glaube ihren Herzen; so würde dies genügen. Danach würde die ganze Angelegenheit schon sich selbst regeln.
Da nun einmal das, was du in deinen Händen hältst, Licht ist und von dem Licht kein Schaden ausgehen kann, warum gemahnst du dann deine Freunde zur Vorsicht?
Eine kurzgefasste Antwort auf diese Frage ist folgende: Die meisten unter den Köpfen da oben an der Spitze (des Staates) sind betrunken und können sie nicht lesen. Und selbst dann, wenn sie sie lesen könnten, würden sie sie doch nicht verstehen. Sie würden sie verkehrt auslegen und dann (ihre Veröffentlichung) zu verhindern versuchen. Damit sie aber (ihre Veröffentlichung) nicht verhindern können, sollte man sie ihnen nicht zeigen, bis sie wieder zu Verstand kommen. Darum rate ich meinen Brüdern, vorsichtig zu sein und die Wahrheit nicht in die Hände derer zu legen, die für sie nicht geeignet sind.
* * *
Obwohl die Verschleierung der Frau eine Anweisung (emir)des Qur'an ist und eine sehr kraftvolle Antwort (bezüglich dieser Frage) bereits gegeben und schon vor langer Zeit geschrieben wurde, weshalb wir denn auch schon unsere Strafe verbüßt haben, sehen sie dies dennoch wieder als ein Verbrechen an; desgleichen auch die Abhandlung für die Alten, welche von größtem Wert ist und von Nutzen für jedermann, und der Wegweiser (für die Jugend), die eine eigene Wahrheit enthalten. Das zeigt: sie konnten nichts finden, was Anlass zur Kritik sein könnte.
Nach der Erklärung im "Vierundzwanzigsten Blitz" über die Verhüllung der Frau, eine Verhüllung auf Anweisung (emir)des Qur'an, heißt es dann weiter:
"Wie ich gehört habe, soll in der Hauptstadt des Landes ein ganz einfacher Schuhputzer vor den Augen der Leute die Frau eines weltbekannten großen Mannes am helllichten Tage mitten auf dem Marktplatz ihrer unverhüllten Beine zufolge, belästigt haben. Das versetzt doch jenen, die so unverfroren gegen die Verhüllung der Frau sind, einen Schlag ins Gesicht!"
Im "Sechsundzwanzigsten Blitz", (der Abhandlung) über die Alten, heißt es dann weiter: "Einmal bestieg ich die höchste Stelle der alten Festung von Ankara. Diese Festung erschien mir wie Ereignisse der Geschichte, die sich in Stein verwandelt hatten. Mein Altsein, das Altsein der Festung, das Altsein des ruhmreichen osmanischen Reiches und das Ableben der Herrschaft des Kalifats machten mich sehr traurig. In diesem schmerzlichen Zustand schaute ich die Bäche der vergangenen Zeit hinunter und auf die Berge der zukünftigen Zeit hinauf. Über die Vergangenheit erfasste mich Entsetzen anstelle einer Tröstung. Die Zukunft erschien mir für mich, für meine Altersgenossen und für die künftigen Generationen wie ein großes und finsteres Grab. Ich schaute auf den gegenwärtigen Tag: er kam mir so vor, als würde mein Körper zunächst noch auf der Schlachtbank zappeln, danach aber als eine Leiche in den Sarg gelegt."
* * *
Sie haben in dem, was sie eigentlich sehr zu schätzen wissen müssten, einen Anlass zur Kritik gesehen und ein Verbrechen daraus gemacht.
"Ich habe den größten Teil meines Einkommens, das ich vom "Haus der Weisheit des Islams (Daru-l'Hikmetu-l'Islamiye)"empfangen habe, wieder ausgegeben. Nur einen kleinen Teil davon habe ich mir für die Pilgerfahrt (Haddj)aufgespart. Das wenige Geld war mir durch den
Segen (bereket)aus Sparsamkeit und Genügsamkeit genug. So konnte ich es vermeiden, gedemütigt zu werden. Von diesem gesegneten Geld ist immer noch ein wenig übrig geblieben."
Es steht ausdrücklich vermerkt, dass der "Zweiundzwanzigste Blitz" als privat (mahrem)gekennzeichnet und nur für meine engsten, aufrichtigsten und getreuesten Mitbrüder bestimmt ist. "Erster Hinweis: Warum mischen sich, obwohl du dich doch niemals in die weltlichen Angelegenheiten der Weltleute einmischt, diese bei jeder Gelegenheit in deine jenseitigen Angelegenheiten ein? Wer auf diese Frage eine Antwort geben sollte, ist die Regierung von Isparta, sind die Einwohner dieser Stadt."
* * *
Diejenigen, nach deren Vorstellung diese unschuldige, aufrichtige, von Staunen erfüllte Hoffnung, diese Sehnsucht, ja ein Segenswunsch, der aus jener Liebe (shefqat)geboren wird, die der Glaube erweckt, ein Verbrechen darstellt, machen sich sicherlich selbst eines solchen Verbrechens schuldig.
Said sagt in einem seiner, von ihm unterschriebenen, Briefe: "Was mochte wohl die Weisheit hinter jenen sieben Jahre, zehn Jahre alten unschuldigen Kindern sein, die, wenn ich in einer Kutsche umherfuhr und sie mich erblickten, gelaufen kamen und meine Hände ergriffen? Und dann tauchte plötzlich in mir die Vorstellung auf und ich verstand: "Diese Gruppe kleiner unschuldiger (Kinder) spürt es bereits, dass sie später einmal durch die Risale-i Nur zur Glückseligkeit finden und von den geistigen Gefahren errettet werden wird."
* * *
Der folgende Abschnitt, den man zunächst einmal zu meinen Gunsten ausgelegt hatte, endigt in einem Wunsch, einer Hoffnung. Ihn als ein Verbrechen anzusehen, liegt außerhalb jeden recht und billigen Denkens.
(In der Gerichtsakte steht weiterhin) geschrieben: Eine Anzahl Ayat und Hadithe spielen einhellig auf eine lichtvolle Wahrheit in diesem Jahrhundert an und verweisen auf einen großen Erneuerer (mudjeddid-i ekber),der am Ende der Zeiten (akhirazaman)kommen wird. Die wichtigste der drei Aufgaben dieser künftigen Person und ihrer Gemeinschaft wird es sein, den Glauben zu retten. Darüber hinaus wird es kein Problem sein, wenn sie die beiden anderen Aufgaben, die in einem weiteren Rahmen von Bedeutung sind, wie die Erneuerung der Scharia (das isl. Gesetz - A.d.Ü.) und die Errichtung eines (funktionstüchtigen) Kalifats dabei nicht mit in Betracht ziehen. Dies könnte jedoch die Gegner der Risale-i Nur, und unter ihnen insbesondere die Politiker dazu verleiten, diese zu kritisieren und anzugreifen, aus welchem Grund er Ustadh einen Teil der kurzen Abhandlung eines gewissen Mitbruders später noch in etwas abgemilderter Form nachsenden wird, während er einige andere Sätze ganz herausgeschnitten hat.
Und weiter schreibt Said Nursi in einem von ihm unterzeichneten Brief: Die Tatsache, dass die Ayah
اِنَّا فَتَحْنَا لَكَ فَتْحًا مُبِينًا ٭ وَ يَنْصُرَكَ اللّٰهُ نَصْرًا عَزِيزًا
{"Wir haben dir einen offenkundigen Sieg verliehen." (Sure 48, 1) "Gott hilft dir mit mächtiger Hilfe." (Sure 48, 3)}
über dem Tor des (früheren) Kriegsministeriums, das inzwischen in das Haus der Wissenschaften (Daru-l'Fünun)umgewandelt wurde, in qur'anischer Schrift angebracht, dann mit Marmorplatten überdeckt, schließlich wieder ans Licht gebracht wurden, ist ein Zeichen dafür, dass hier die qur'anische Schrift wieder zugelassen wurde und
so das Ziel, das die Risale-i Nur verfolgt, bereits erreicht worden ist. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass diese Universität einmal eine Medresse der Risale-i Nur sein wird.
* * *
Dies ist Husrevs Fußnote am Ende meines Briefes (mit dem Titel) "Die Tekbirate
{das sind die Rufe der Pilger: "Allahu ekber (Gott ist groß)"! - A.d.Ü.}
der Pilger", eine vollkommene Antwort auf ihre Kritik an meinen Auslegungen.
In einem von Said Nursi unterschriebenen Brief mit der Überschrift "Die Tekbirate der Pilger auf dem (Berg) Arafat" findet sich eine Antwort auf die nachdrückliche Frage eines bedeutenden Teils der Schüler der (Risale)-i Nur nach einem großen Lehrer (Murshid)aus der Familie des Propheten, der am Ende der Zeiten (akhirazaman)kommen soll. Und sie denken, dass du das bist. Was dich betrifft, so hast du ihre Ideen immer zurückgewiesen, bist davor zurückgeschreckt. Das ist ein Widerspruch. Das müssen wir klarstellen."
Um auf diese Frage, die sie mir gestellt haben, eine Antwort zu geben (muss man wissen), dass der Mehdi (nach der Prophezeiung) des Propheten, der die geistige Körperschaft einer heiligen Gemeinschaft repräsentieren wird, drei Aufgaben zu erfüllen hat: den Glauben zu retten, die Kennzeichen des Islam unter dem Kalifat Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, wieder aufzurichten und sich diese Persönlichkeit darum bemühen wird, jene gewaltig große Aufgabe zu erfüllen, viele qur'anische Gebräuche (ahkam-i qur'aniye)und Verordnungen (kanun),entsprechend den Gesetzen (sheriat)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die bis zu einem gewissen Grade unanwendbar geworden sind, zeitgemäß zu reformieren. Da die Schüler der Risale-i
Nur ihre erste Aufgabe vollständig in der Risale-i Nur erblicken und sagen, dass die zweite und dritte Verpflichtung erst an zweiter und dritter Stelle kommen, nehmen sie mit Recht an, dass die geistige Körperschaft der Risale-i Nur eine Art Mehdi sein muss. Da einige von ihnen meinen, ihr armseliger Interpret sei der Repräsentant dieser geistigen Körperschaft, belegen sie ihn auch mit dem entsprechenden Namen. Ja sie behaupten sogar, dass aus den Voraussagen einiger Heiliger bei entsprechender Forschung und Auslegung ersichtlich wird, dass die Risale-i Nur in der Tat jener Wegweiser (hidayet)am Ende der Zeiten ist. So entsteht hier eine Verwirrung bezüglich zweier Punkte. Und die müssen nun geklärt werden.
Erstens:
Die letzten beiden Aufgaben sind - um bei der Wahrheit zu bleiben - in der Tat nicht von gleicher Bedeutung wie die erste. Doch beeinflusst von den Ideen dieses Jahrhunderts betrachtet die Masse der Leute und die Politiker das Kalifat Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und die Vereinigung der islamischen Welt (diese letzteren Aufgaben) als ein tausendmal weiteres Feld. In der Tat erschien und erscheint jedes Jahrhundert eine Art Mehdi und Erneuerer (mudjeddid),der Rechtleitung (hidayet)gibt. Doch seitdem jeder von ihnen gewissermaßen nur noch eine dieser drei Aufgaben erfüllt, wurde der für die Endzeit (zu erwartende) Titel eines Großmehdi nicht mehr verliehen.
Zweitens:
Diese große Persönlichkeit der Endzeit wird aus dem Hause des Propheten (Al-i Beyt)kommen. Ich bin sicherlich im Geiste Sohn von Hasret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, gleich einem geistigen Kind. Von ihm habe ich Unterricht in der Wahrheit (haqiqat)erhalten. Und da die Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, in gewissem Sinne die wahrhaftigen Schüler der (Risale)-i Nur mit einschließen, darf auch ich mich der Al-i Beyt zugehörig fühlen. Doch auf dem Weg der (Risale)-i Nur ist es nicht erlaubt, in irgendeiner Weise egoistisch oder persönlich zu sein, einen Rang (makam)für
seine Person anzustreben oder Ruhm und Ehre zu erlangen. Um die Aufrichtigkeit (ikhlas)im (Dienst an der Risale)-i Nur nicht zu zerstören, ist mir bewusst, dass ich jeden Rang, der mir im Jenseits gegeben würde, ablehnen müsste.
Indem er so in Form einer halben Zustimmung (diese Frage) beantwortet, hat er die Zuschreibung der Mehdi zu sein, nicht klar und eindeutig zurückgewiesen.
{(*): Oh Ihr uneinsichtigen Sachverständigen! Wie könnte denn eine noch eindeutiger ablehnende Antwort (auf diese Frage) gegeben werden?
Im Namen der Nur-Schüler
Husrev}
* * *
Die Ereignisse in diesem Abschnitt entsprechen den Tatsachen, und das in erstaunlicher Weise: Drei Minuten nachdem ich gesagt hatte: Ihr dürft mich nicht kränken, sonst wird die Erde zornig, erbebte sie. Dies sollte mit Erstaunen und Verwunderung begrüßt werden und verlangt eigentlich nach Mitleid (shefqat).Es sollte nicht Objekt einer Kritik werden.
(Das Gericht) zitiert weiter: "Etwa zehn Stunden nachdem ihm aufgrund eines vierstündigen Verhörs unwohl geworden war, zeigte ein Brand, der etwa zu dieser Zeit im Erziehungsministerium ausbrach und einen Schaden von zwei Millionen Lira anrichtete, dass die Risale-i Nur ein Mittel ist, ein Übel zurückzuweisen. Denn wenn die (Risale)-i Nur angegriffen wird, findet das Übel seinen Weg und schlägt zu."
(Das Gericht) zitiert aus dem Brief Nr. 141: "Es ist bewiesen, dass die Feuer im Ministerium für Erziehung in Ankara, in der (dortigen) Garage, in einer Fabrik in Ismir und in einem großen Gebäude in Adana, das bis auf die
Grundmauern abbrannte, nachdem ich viereinhalb Stunden lang verhört worden war, kein Zufall gewesen sein können. Denn es heißt: "Nehmt mir meine Abhandlungen (risalah)nicht weg, sonst werden sowohl ich als auch das Land dafür bezahlen müssen und die Erde wird vor Zorn beben. Drei Minuten nachdem ich dies gesagt hatte, bebte die Erde drei Sekunden lang und das Erziehungsministerium ging in Flammen auf. Verschiedene Erdbeben fielen mit diesen Angriffen auf die Risale-i Nur und ihre Schüler zusammen, was das Gericht viermal bestätigt hat. Zahlreiche Vorfälle haben gezeigt, dass die Risale-i Nur ein Mittel ist, dass (gleich guten Werken) Katastrophen von diesem Land abwenden kann.
Im Brief Nr. 147 heißt es weiter: "Diesmal zeigte der Winter seine ganze Wut, und zwar zur gleichen Zeit, in der wir angegriffen wurden. Das Wetter zeigte seine ganze Strenge mit Stürmen und grausamer Kälte. Als aber die Angriffe nachließen und man den Nur-Schülern eine Erholungspause gönnte, begannen diese strengen Wintertage wie Nauroz (= Frühling) Tage zu lächeln... Und der Brand im Erziehungsministerium war für alle ein gewaltiger Schlag.
* * *
Eine Situation, die es wert ist, dass man sich gratuliert und applaudiert, sollte nicht mit kritischen Blicken betrachtet werden.
Eine der zahlreichen, unsinnigen Fragen, die man mir dieses Mal vor Gericht gestellt hat, lautete: "Wovon lebst du?" Ich sagte: "Vom Segen der Sparsamkeit. Ein Mann, der einmal im Ramadan in Isparta von einem Laib Brot, einem Kilo Yoghurt in einem Sack (aus Leinen) und einem Kilo Reis lebte, erniedrigt sich nicht, sich um seines Lebensunterhalts willen vor der Welt zu demütigen und hat es nicht nötig, Geschenke anzunehmen.
* * *
Was die von Zubeyir dem Gericht vorgetragene Verteidigungsrede betrifft, so brachte sie (das Gremium) dazu, diese glänzende Lobrede mit Anerkennung und Bewunderung entgegenzunehmen. Möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass sie bei so viel Bewunderung mit in die Akten aufgenommen wird!
In einer Broschüre mit der Überschrift: "Unsere jungen Leute möchten in der Wahrheit und Gerechtigkeit unterrichtet werden und wünschen sich Wissen und eine hohe Moral." schrieb Zubeyir Gündüzalp mit seiner Schreibmaschine auf Seite dreizehn: "Die Risale-i Nur ist ein Meisterwerk, das nicht aus dem Willen des Verfassers, sondern durch die Eingebung unseres Schöpfers geschrieben wurde, um die Muslime des zwanzigsten Jahrhunderts und die ganze Menschheit aus der Dunkelheit ihrer finsteren Gedanken zu erretten."
Auf Seite zwölf heißt es dann: Würde man einem Diener der Risale-i Nur sagen: Schreibe anstelle der Risale-i Nur diese Bücher hier ab und ich werde dir alle Reichtümer von (Henry) Ford geben, er würde, ohne auch nur die Spitze seiner Feder zu erheben, die folgende Antwort geben: "Und gäbest du mir auch alle Reichtümer und die Herrschaft (saltanat)über die ganze Welt, ich würde es nicht annehmen."
Und weiter: "In der Weise, wie die geistige Persönlichkeit der Risale-i Nur die sozialen, geistigen (ruh)und religiösen Krankheiten unserer Tage diagnostiziert hat, so bietet sie in unserer Zeit auch die Wahrheiten des Weisen Qur'an in seinem göttlichen Auftrag der ganzen Menschheit an, um die chronisch gewordenen gesellschaftlichen Leiden zu heilen."
Seite fünfzehn: "Und wären wir auch hundertmal an irgendeinen aufrecht denkenden Schreiber gebunden, so sind wir doch einer solch großen Persönlichkeit wie Bediüzzaman,
der uns Wegweiser in dieser und jener Welt ist, eine Dezillion Mal, ja unendlich verbunden.
Seite vierundvierzig: "Bediüzzaman sagt, dass jemand, der diese Abhandlungen ein Jahr lang studiert, ein bedeutender Gelehrter unserer Zeit werden kann. Und das ist in der Tat auch so."
Auf Seite vierundfünfzig heißt es dann: "Man wird es nicht erleben, dass Richter, welche die Risale-i Nur studiert haben, ein ungerechtes Urteil fällen."
* * *
Der nun folgende Teil ist ganz und gar zu meinen Gunsten und die lautere Wahrheit und sollte eigentlich nicht der Anklageschrift beigefügt werden.
Nachdem er einen Teil der Abhandlung von Ahmed Feyzi bereits abgemildert hatte, konnte er jedoch den anderen Teil in der Eile nicht mehr abschwächen und schickte ihn weg. {d.h. es kam ein Besucher, dem er dann die Abhandlung unkorrigiert mitgab. (A.d.Ü.)} Darin heißt es dann: "Wenn jemand Saratjoghlu ignoriert, der doch die Religion und die Erziehung Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, Gift nennt, und stattdessen über die Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur)disputiert, die doch die qur'anischen Wahrheiten (so klar) zeigt wie Sonnenlicht, so wird daraus deutlich, dass er dadurch mithilft, (diese Schrift) zu beschlagnahmen."
In der Verteidigungsschrift, die hier dem Gericht ohne Datum vorliegt, heißt es kurz zusammengefasst, dass er und seine Schüler sich nicht mit Politik beschäftigen, seine als Angriff indizierten Schriften rein privater Natur (mahrem)seien und dass wir Gewissens- und Gedankenfreiheit hätten. Ja selbst wenn man das obige als Kritik einiger Gesetze ansehen wollte, würde das doch noch kein Verbrechen
darstellen. Zudem wurden viele der hier vorliegenden Abhandlungen schon vor langer Zeit {noch vor dem ersten Weltkrieg (A.d.Ü.)} geschrieben. Sie wurden von einem Komitee von Sachverständigen sorgfältig untersucht und für harmlos befunden, was ja auch schon das Gericht in Eskishehir in seinem Urteil konstatiert hatte. Deshalb waren sie ja auch von dem Gerichtshof in Denizli freigesprochen worden, weshalb es nun nicht richtig sei, wenn sie wegen desselben Verbrechens abermals dem Gericht vorgelegt würden. Die Nur-Schüler seien bis heute in keinerlei Aktivitäten verwickelt gewesen, welche die öffentliche Sicherheit und Ordnung gestört hätten. Da zudem im "Fünften Strahl" keine Namen genannt werden und sein Zweck nur rein informativ sei, kann dies auch nicht Gegenstand eines Verbrechens sein. Dies hat (der Angeklagte) zu seiner Verteidigung vorgebracht.
Zu diesen (obigen) Beispielen könnte man noch weitere zum Vergleich herbeiziehen.
Said Nursi
* * *
An das Gremium der Richter des Appellationsgerichts
Während des (zweiten) Gerichtsverfahrens, das (wiederum) in Afyon stattfand, nachdem das Appellationsgericht (das erste in Afyon) gegen uns erlassene ungerechte Urteil aufgehoben hatte, hat man mich wieder nicht zu Wort kommen lassen. Stattdessen mussten wir uns ein drittes Mal eine schwere Anklage gegen uns anhören. Sie haben es auch nicht erlaubt, dass jemand zu mir gekommen wäre, um mir beim Schreiben zu helfen. Trotz meiner mangelhaften Schreibkünste und obwohl ich dabei auch noch krank war, lege ich diese Beschwerde dennoch dem Gerichtshof vor, der uns ja schon zweimal vollkommen gerecht behandelt hat, und zwar als eine Ergänzung zu meinem Gesuch bezüglich des Appellationsverfahrens.
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Eine Petition an den Obersten Gerichtshof am Tage der Wiederversammlung und eine Klage vor der Schwelle Gottes (dergah-i Ilahiye).Auch der heutige Appellationsgerichtshof sollte (sie) hören, ebenso wie die kommenden Generationen und die künftigen erleuchteten Lehrer und Schüler an den Universitäten. Von den Hunderten Schikanen und Katastrophen, die ich in diesen dreiundzwanzig Jahren habe erdulden müssen, stelle ich hier zehn mit meiner Klage dem gerechten Richter an der Schwelle Seiner Majestät und Gerechtigkeit (adil Hâkim-i Dhu l-Djelal'in dergah-i adaletine)vor.
Erstens:
Trotz all meiner Fehler habe ich doch mein Leben dem Glück dieses Volkes und der Rettung seines Glaubens (iman)gewidmet. Um der Wahrheit, d.h. der Wahrheit des Qur'an willen, für die Millionen heldenhafter (Menschen) ihren Kopf geopfert haben, bin auch ich bereit, im Dienst an der Risale-i Nur meine ganze Kraft einzusetzen und dafür meinen Kopf zu opfern. Angesichts all dieser grausamen Quälereien habe ich doch in der Kraft (taufiq)Gottes ausgeharrt. Ich habe mich nicht zurückgezogen.
Ich fasse hier zusammen:
Als ich während meines Aufenthaltes in Afyon und vor Gericht und bei all der grausamen Behandlung dort meinen Kopf hinhalten musste, haben sie mich und die schuldlosen Schüler der Risale-i Nur, die von der Gerechtigkeit (adalet)Trost und Hilfe erwarteten, dreimal, und jedes Mal fast drei Stunden lang, gezwungen, sich diese Böswilligkeiten und Verleumdungen in der Anklageschrift mit anzuhören und mir dabei, obwohl ich sie doch fünf oder zehn Minuten lang eindringlich darum gebeten hatte, uns doch die Erlaubnis zu erteilen, unser Recht zu verteidigen, noch nicht einmal für mehr als ein, zwei Minuten die Erlaubnis dazu erteilt.
Obwohl man mich zwanzig Monate lang in totaler Isolation gehalten hat, erlaubte man nur ein, zwei Freunden, mich für drei, vier Stunden zu besuchen. Zur Niederschrift meiner Verteidigung bekam ich nur bei einem kleinen Teil eine Hilfe. Danach wurde auch das verboten. Auch wurden sie brutal misshandelt und hart bestraft. Der öffentliche Ankläger sammelte dann Wasser von tausend Dächern {d.h. er setzte seine Anklage aus vielen kleinen, völlig nebensächlichen, einzelnen Ereignissen zusammen (A.d.Ü.)} und (kombinierte) Verdrehungen mit Verleumdungen und falschen Anschuldigungen zu einer geradezu böswilligen Anklage, die man uns dann anzuhören zwang, (eine Anklage) von fünfzehn Seiten Länge, auf denen ich einundachtzig Fehler nachgewiesen habe. Man erlaubte mir nicht zu sprechen. Hätte man mir erlaubt,
zu sprechen, so hätte ich gesagt:
Obwohl ihr euch doch, wann immer Juden, Christen oder Parsen und besonders heute die Anarchisten, die Renegaten und die Heuchler unter dem Deckmantel des Bolschewismus, unter dem Vorwand der Freiheit des Gewissens und der Freiheit der Gedanken den (islamischen) Glauben verleugnen, eure Vorväter des Irrtums bezichtigen, unseren Propheten, mit dem Friede und Segen sei, zurückweisen und die qur'anischen Gesetze ablehnen und Ihr euch nicht weiter darum kümmert, und obwohl doch Millionen Muslime, die zu jeder Zeit durch den Qur'an unterwiesen werden, unter der Regierung, im imperialen Machtbereich und unter der Herrschaft (hakimiyet)eines christlichen Fundamentalismus alle diese irrigen Vorstellungen und unislamischen (kufr)Grundsätze der Engländer zurückweisen, kümmern sich deren Gerichtshöfe nicht weiter darum, und obwohl die Gegner, und obwohl die Oppositionellen, die es in jeder Regierung gibt, ihre Ideen in der Öffentlichkeit verbreiten können, ohne dass sich deren Regierungen darum kümmern, und obwohl die 130 Bücher, die ich in vierzig Jahren meines Lebens (geschrieben habe), die rein persönlichen (mahrem)Abhandlungen und Briefe sowohl von der Regierung in Isparta, als auch von dem Gerichtshof in Denizli, sowohl vom Kriminalgerichtshof in Ankara, als auch vom Amt für religiöse Angelegenheiten, als auch vom Appellationsgerichtshof, in deren Händen sich all diese Exemplare der Risale-i Nur, sowohl die rein persönlichen wie auch alle anderen, zwei, drei Jahre lang befunden hatten, zweimal oder vielleicht dreimal eingehend untersucht worden waren, ohne dass sich auch nur bei einem einzigen Gegenstand etwas gezeigt hätte, was eine kleine Bestrafung erfordert hätte, und obwohl ich doch schon dermaßen schwach bin, geschlagen und unterdrückt unter schwierigsten Umständen (lebe), und obwohl doch die gesammelten Bände der Risale-i Nur, die sich in euren Händen befinden, und die sich für zweihunderttausend
aufrichtige und opferbereite Schüler, für das Land, das Volk und der öffentlichen Ordnung zum Wohle als kraftvoller, zuverlässiger und wahrhaftiger Wegweiser (rehber)erwiesen haben, sowie vierhundert Seiten Verteidigungsschriften unsere Unschuld bereits bewiesen haben, (warum also dann und) mit welchem Gesetz, nach welchem Gewissen, zu welch Gutem, für welch ein Verbrechen sprecht ihr dann den härtesten Schuldspruch über uns aus, verurteilt ihr uns zu einer harten Strafe und schwerer, einsamer Kerkerhaft? Mit Sicherheit werdet ihr am Tage der Wiederversammlung vor dem Großen (Welt)Gerichtshof darüber befragt werden.
Zweitens:
Ein Grund, den sie für meine Bestrafung vorgebracht haben, war meine Auslegung jener doch so eindeutigen Ayat im Qur'an über die Verhüllung der Frau, das Erbrecht, Gottesgedenken, {gemeint sind die Sufiorden (A.d.Ü.)} die Mehrehe, (geschrieben), um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die sie im Namen der Zivilisation kritisieren.
Vor fünfzehn Jahren schrieb ich den nachfolgenden Abschnitt an den Gerichtshof in Eskishehir und an den Appellationsgerichtshof, der ebenfalls bei der Urteilsfällung des Gerichtshofes mit inbegriffen war. Ich wiederhole hier diesen Abschnitt noch einmal als eine Klage vor dem Großen Gerichtshof am (Tage) der Wiederversammlung und als eine Warnung an die erleuchteten Lehrer der Zukunft, zusammen mit der "el-Huddjetu-z'Zehra(der glänzende Beweis)", als eine Art Ergänzung zu meiner Petition beim Appellationsgerichtshof, der schon zweimal gerecht gehandelt hat, indem er mich freisprach und meinem Schrei nach Gerechtigkeit Gehör gegeben hat, und bei dem Gremium (von Richtern), die mich gar nicht erst zu Wort kommen ließen, durch deren böswilligen Urteilsspruch, der, wie ich bereits bewiesen habe, achtzig Irrtümer enthält, ich zu zwei Jahren harter Strafe und einsamer Isolationshaft und zwei Jahren Verbannung an einem anderen Ort
verurteilt und schließlich unter Kuratel gestellt wurde. So halte ich denn der Versammlung des Gerichtshofes entgegen: Die Gerechtigkeit, falls es diese auf Erden gibt, wird sicher einen ungerechten Gerichtsbeschluss, durch den ein Mann verurteilt wurde, weil dieser das Gesetz Gottes, das in 1350 Jahren und in jedem Jahrhundert mindestens 350.000.000 Menschen in ihrem gesellschaftlichen Leben über alles heilig war und sich unter ihnen als wahr und wirksam erwiesen hat, das von 350.000 Kommentaren zum Qur'an bestätigt und durch deren Übereinstimmung bekräftigt wurde und von welchem unsere Väter seit 1350 Jahren fest überzeugt waren, kommentiert hat, wieder aufheben und diesen Gerichtsbeschluss revidieren. Mögen es auch die tauben Ohren dieses Jahrhunderts hören! Ja ist es denn nicht eine Verleugnung des Islam und Verachtung von Millionen heldenhaft gläubiger Vorfahren, jemanden zu verurteilen, weil er diese Ayat ausgelegt hat, weil er in Gedanken wie seiner wissenschaftlichen (Überzeugung) nach die fremdländischen Gesetze ablehnt, einen Mann, der vom politischen (Leben) Abstand genommen und sich aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat? Und steht diese Verdächtigung nicht im Gegensatz zu Millionen Qur'ankommentaren?
Drittens:
Ein Grund zu unserer Verhaftung: ein Verstoß gegen die Sicherheitsvorschriften und eine Störung der öffentlichen Ordnung: sie schieben selbst noch eine weit entfernte Möglichkeit nach vorne, eine unter hundert oder tausend (Möglichkeiten) anstelle tatsächlicher Ereignisse, unterlegen vierzig oder fünfzig Worte in einigen persönlichen (mahrem)Abhandlungen und privaten (mahrem)Briefen unter hunderttausend Wörtern und Sätzen der Risale-i Nur mit einer falschen Bedeutung und stellen diese als (tatsächliche) Ereignisse dar; schließlich beschuldigen sie uns dessen und fordern unsere Bestrafung.
Ich aber rufe all diejenigen, welche mein Leben seit dreißig, vierzig Jahren kennen, und die Tausenden mir
nahe stehenden Nur-Schüler zu Zeugen auf, wenn ich jetzt sage:
In einer Zeit, da der Kommandant der britischen Besatzungsmächte in Istanbul zwischen den Muslimen Zwietracht säte, ja sogar den Scheichu-l'Islam und einen Teil der Hodjas in die Irre führte und gegeneinander aufhetzte, das Komitee für Einheit, Fortschritt und Freiheit und die Akkord-Partei dazu brachte, sich gegenseitig zu bekämpfen und so den Griechen den Weg zum Sieg ebnete und der Nationalen Bewegung zum Erfolg verhalf, vereitelte ein Mann diesen fürchterlichen Plan dank der Bemühungen von Eshref Edib, indem er sein Werk, die "Hutuvat-i Sitte (Sechs Schritte)" gegen Briten und Griechen druckte und veröffentlichte. Und er gab auch dann nicht auf, als man ihm mit Hinrichtung drohte. Er floh auch nicht nach Ankara, selbst dann nicht, als ihn die Anführer nach Ankara riefen. Auch als er ein Kriegsgefangener war und der russische Oberkommandierende den Befehl zu seiner Hinrichtung erteilte, maß er dem keine Bedeutung bei. Während der Ereignisse vom 31. März gehorsamten ihm acht Bataillone auf seine Ansprache hin. Vor dem Militärgericht antwortete er den versammelten Generälen auf ihreFrage:"Bist auch du ein Reaktionär (und somit gegen den Fortschritt)? Und willst auch du das islamische Gesetz (Scharia)?"ohne seiner drohenden Hinrichtung auch nur den Wert von fünf Para beizumessen: "Wenn eure Konstitutionen nichts anderes sind, als die Zwangsherrschaft einer einzelnen Partei, so mögen Menschen und Dschinnen dessen Zeuge sein, dass ich so rückständig bin, mein Leben für auch nur einen Artikel der Schariah hinzugeben.", womit er sich das Lob und die Achtung dieser hochrangigen Offiziere erwarb. Und noch während er seine Hinrichtung erwartete, entschieden sie sich für einen Freispruch. Als er danach entlassen wurde, dankte er ihnen keineswegs, sondern ging seiner Wege, indem er rief: "Lang lebe die Hölle für die Tyrannen!" Als während einer Ratssitzung in Ankara, wie wir in
der Urteilsfindung von Afyon nachlesen können, Kemal Mustafa ziemlich wütend zu ihm sagte: "Wir haben dich hierher bestellt, damit du uns deine hohen Gedanken mitteilen mögest. Du aber bist gekommen und hast nur ein paar Dinge über das Gebet (namaz)geschrieben und damit Zwietracht (ikhtilaf)unter uns gesät." Dem entgegnete er: "Das höchste (Gut) nach dem Glauben (iman)ist das Gebet (namaz).Wer das Gebet nicht verrichtet, ist nicht vertrauenswürdig, und wem man nicht vertrauen kann, dessen Urteil muss man zurückweisen." Dies sagte er vor vierzig, fünfzig Abgeordneten. So musste dieser fürchterliche Kommandant sich in gewisser Weise bei ihm entschuldigen und seinen Ärger hinunterschlucken.
Es gibt in den Protokollen der Polizei nicht eine einzige Angelegenheit, wo in den sechs Provinzen, im Zusammenhang (mit diesem Mann) von einer Störung der öffentlichen Ordnung berichtet würde. Auch unter den Hunderten und Tausenden von Schülern ist nicht der kleinste Zwischenfall bezeugt (abgesehen von einem unbedeutenden Zwischenfall, bei dem es um eine rechtmäßige Verteidigung ging und an dem ein Schüler beteiligt war). Im Zusammenhang mit diesen Schülern hat man niemals von irgendeinem Verbrechen gehört. Wo immer man ihn ins Gefängnis eingeliefert hat, hat er den Gefangenen wieder einen Sinn (islah)im Leben geschenkt. Und wie diese dreiundzwanzig Jahre im Leben beweisen, hat die Risale-i Nur, dem Freispruch von drei Gerichtshöfen und den Regierungen dreier Provinzen entsprechend, Hunderttausenden ihrer Schüler, die ihren Wert kennen, bezeugen und in Wort und Tat bestätigen, bei all den vielen Hunderten und Tausenden Exemplaren, die im ganzen Lande verteilt worden sind, nur Gutes gebracht und niemals einen Schaden angerichtet. Wer (von einem solchen Mann, der) in der Fremde einsam und zurückgezogen lebt, alt und arm, und sich selbst am Tore des Grabes sieht, der mit ganzem Einsatz und in voller Überzeugung alle weltlichen Dinge aufgegeben hat, der für seine früheren
Fehler um Vergebung gebetet hat und sich nun um das Ewige Leben (hayat-i baqi)bemüht und Auszeichnungen im irdischen (Leben) keinen Wert mehr beimisst, der aus seinem tiefen Mitleid (shefqat)heraus und damit den unschuldigen (Kindern) und den alten (Leuten) kein Leid geschehen möge, diejenigen, die ihn quälen und misshandeln, nicht verflucht, nun auch noch sagt: "Dieser alte Eigenbrötler bedroht die öffentliche Ordnung und gefährdet die allgemeine Sicherheit, seine Absichten sind weltliche Intrigen und sein Briefwechsel ist um dieser Welt willen und darum ist er schuldig." und ihn (zu einer Haftstrafe) unter solchen derart unerträglichen Umständen verurteilt, dessen eigene Schuld reicht wie der Himmel über der Erde so weit, und wird einmal vor dem Großen (Welt)Gericht Rechenschaft ablegen müssen.
Kann man etwa von einem Mann, der mit seiner Ansprache acht meuternde Regimenter dazu aufrufen konnte, ihren Kommandeuren zu gehorsamen, und der mit einer einzigen Abhandlung Tausende Menschen überredete, ihn zu unterstützen, der den drei oben erwähnten fürchterlichen Kommandanten furchtlos gegenüber trat und sich ihnen nicht beugte, und der vor dem Gerichtshof erklärte: "Und hätte ich auch so viele Köpfe, wie ich Haare auf meinem Kopf habe, und man würde mir jeden Tag einen davon abschlagen, so würde ich mich dennoch dem Atheismus und der Irreführung nicht unterwerfen, das Land, das Volk und den Islam nicht verraten und diesen Kopf, der dem Qur'an geweiht ist, nicht vor den Tyrannen beugen.", und der sich um niemanden in Emirdagh gekümmert hat, außer um fünf oder zehn Brüder im Glauben und um drei oder vier seiner Diener, ja könnte man denn über einen solchen Mann, wie es in der Anklageschrift heißt, sagen: "Dieser Said hat heimlich in Emirdagh konspiriert und das Hirn einiger Leute vergiftet, indem er ihnen die Idee (in den Kopf) gesetzt hat, den Frieden zu stören. Er hat zwanzig Leute um sich herum versammelt. Er hat Briefe geschrieben, die ihn lobpreisen.
Und alles deutet darauf hin, dass er einen Aufstand geplant hat und in eine Untergrund-Politik gegen die Regierung verwickelt war"? Ich berufe mich auf euer Gewissen, damit ihr verstehen sollt, wie weit sich doch diejenigen, die ihn misshandelt, ihn seit zwei Jahren zu einsamer Haft ins Gefängnis geworfen und ihm nicht erlaubt haben, vor Gericht zu reden, mit einer noch nie da gewesenen Erbitterung und mit welchem Hass sie sich von Recht, Ehrlichkeit und Gerechtigkeit entfernt haben.
Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass jemand, dem eine öffentliche Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, die tausendfach größer ist, als ihm zusteht, der durch eine einzige Ansprache Tausende Menschen zum Gehorsam geführt hat, der Tausende Menschen mit einem einzigen Zeitungsartikel dazu gebracht hat, sich der "Ittihad-i Mohammedi" anzuschließen und dessen Ansprache in der Ayasofya-Moschee 50.000 Menschen voll Bewunderung gelauscht haben, dass so ein Mann drei Jahre lang in Emirdagh daran gearbeitet haben sollte, nur um vielleicht fünf oder zehn Menschen für sich zu gewinnen und so das Grab, dem er sich bereits nähert, mit völlig nutzloser Finsternis, statt mit Licht, füllen sollte? Wäre so etwas denn möglich? Sicherlich könnte noch nicht einmal der Teufel jemanden dazu bringen, so etwas anzunehmen.
Viertens wird als ein wichtiger Grund für mein Erscheinen vor Gericht angeführt, dass ich keine Schirmmütze aufgesetzt habe.
Man hat mir aber das Sprechen nicht erlaubt. Ich hätte sonst nämlich denen, die mich so gerne bestrafen möchten, gesagt: "Drei Monate lang war ich in Kastamonu in der Polizeistation und im Kommissariat zu Gast. Niemals hat man mir da gesagt: "Du musst einen Hut aufsetzen." Und obwohl ich vor drei verschiedenen Gerichtshöfen niemals einen Hut aufgesetzt, vor Gericht niemals meinen Turban abgenommen habe, hat man mich doch niemals deswegen belästigt. Doch unter diesem Vorwand hat eine Anzahl glaubensloser Tyrannen
mich dafür ohne Gesetz dreiundzwanzig Jahre lang durch schwere, kaum zu ertragende Plagen gleichsam dafür bestraft. Frauen und Kinder, die meisten Dorfbewohner, die Beamten im Büro und alle, die eine Mütze tragen {z.B. weil es draußen kalt ist (A.d.Ü.)} werden nicht dazu gezwungen, einen Hut zu tragen. Und obwohl man, physisch gesehen, überhaupt keinen Nutzen finden kann, warum man ihn tragen sollte, musste dennoch ein Einsiedler wie ich aufgrund ihrer haltlosen, frei erfundenen Behauptungen mit einer Strafe von dreiundzwanzig Jahren dafür büßen, dass er keinen Hut trägt, was doch alle Gelehrten (mutschtehid)und die Lehrer des Islam (sheichu-l'Islam)für verboten erklärt hatten. Der, welcher sich nun aufgrund einer bedeutungslosen Gewohnheit bezüglich der Bekleidung wiederholt darum bemüht, dass ich erneut bestraft werde und mich aufgrund meiner Kleidung mit solchem Nachdruck, wiederholt und hartnäckig schuldig sehen will und sich dabei mit denjenigen vergleicht, die während des Ramadans am helllichten Tage und in aller Öffentlichkeit Raki trinken und das Gebet nicht verrichten, sie deswegen nicht weiter belästigt und sagt, das sei "persönliche Freiheit", wird sicherlich, nach seiner Verurteilung zu einem Tod auf ewig und immer währender Einzelhaft im Grabe, vor dem Großen (Welt)Gericht nach dieser Untat befragt werden.
Fünftens:
Diejenigen, welche dieses dritte Urteil vernommen haben und den Urteilsspruch gesehen haben, den wir veröffentlicht haben, bestätigen, dass man unter einem Vorwand, der so durchsichtig ist, wie ein Mückenflügel, versucht, Abhandlungen der Risale-i Nur, auf die dreiunddreißig Ayat lobend hinweisen und die von solchen Gottesfreunden wie Imam Ali (möge Gott sein Andenken ehren) und Ghaus-i Adham (Gott heilige sein Geheimnis) gepriesen werden, was von hunderttausend Gläubigen bekräftigt wird, und die in zwanzig Jahren ohne irgendeinen Nachteil eine Stellung von hohem Wert für
Volk und Land erlangt haben, zu beschlagnahmen. Es wurden sogar zwei Seiten über zwei durchaus korrekte Erklärungen zweier Ayat, die vor langer Zeit geschrieben worden sind, und was inzwischen schon längst verjährt ist, erneut zum Vorwand genommen, den gesamten "Dhu'l-Fikar"mit seinen vierhundert Seiten und den "Wundern Mohammeds (Mudjisat-i Ahmediye)",welcher den Glauben hunderttausender Menschen gestärkt und gerettet hat und deshalb außerordentlich verdienstvoll und sehr wertvoll ist, erneut zu beschlagnahmen. Und jetzt, wo man zwei oder drei unter tausend Worten falsch ausgelegt hat, versucht man abermals, diese unendlich nutzvolle Abhandlung zu beschlagnahmen. Wir hingegen sagen:
لِكُلِّ مُصِيبَةٍ إِنَّا لِلّٰهِ وَ إِنَّآ إِلَيْهِ رَاجِعُونَ ٭ حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"In allem Unglück sind wir doch Gottes, und zu Ihm kehren wir zurück." (Sure 2, 156) "Gott ist unser zufriedenstellender Anteil und unser vorzüglicher Anwalt." (Sure 3, 137)}
Sechstens:
Denen, die mich als eines Verbrechens schuldig überführen möchten, weil einige der Schüler der (Risale)-i Nur die wunderbaren Beweise für die Risale-i Nur gesehen haben und ihren Nutzen aus den unwiderlegbaren Lehren über den Glauben gezogen haben, die von augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqien)sind, um mich zu ermuntern, mich zu beglückwünschen, mir zu gratulieren und mir gewissermaßen zu danken, mich über alle Maßen lobpreisen und eine ganz ungewöhnlich gute Meinung von mir haben, möchte ich Folgendes sagen: In einer Zeit, da ich selbst schwach und ohnmächtig war, einsam und allein in der Fremde, einer mir feindseligen Propaganda ausgesetzt, dazu bestimmt, das Volk abzuschrecken, fand ich für mich unter den Heilmitteln im Qur'an, im Glauben und seinen heiligen Wahrheiten die geeignete Medizin gegen meinen Kummer, gelangte so zu der Überzeugung, dass dies auch das geeignete Heilmittel für das Volk und die Söhne dieses Landes ist und
griff um dieser kostbaren Wahrheiten willen zur Feder. Da aber nun meine Handschrift sehr schlecht ist und ich dringend Hilfe brauchte, gab mir die Güte Gottes (inayet-i Ilahiye)wahre, getreue und standhafte Helfer.
Hätte ich ihre wohlmeinende Gesinnung und ihr aufrichtiges Lob ganz und gar zurückgewiesen und so ihre Gefühle durch einen Tadel verletzt, es wäre dies gleich einer Verachtung und Feindseligkeit gegen die Lichter (Nur),die sie aus der Schatztruhe des Qur'an entnommen hatten. So habe ich denn selbst den Gedanken, der diese Helfer mit dem diamantenen Griffel und dem goldenen Herzen in die Flucht geschlagen hätte, stets zurückgewiesen und ihren Lobpreis für einen ganz einfachen Habenichts wie mich der Risale-i Nur als dem wahren Eigentümer und Wunder aus dem Geist des Qur'an (manevi mu'djize-i Qur'aniye)und der geistigen Persönlichkeit ihrer Schüler zugewandt. Doch habe ich öfter ihre Gefühle dadurch verletzt, dass ich ihnen sagte, dass sie mir als meinen Anteil hundertmal mehr zuschreiben, als mir eigentlich zusteht. Könnte aber nun irgendein Gesetz jemandem eine Schuld zuschreiben, weil andere ihn loben und preisen, obwohl er doch davor zurückschreckt und damit überhaupt nicht glücklich ist? Denn genau das ist es, was die Beamten im Namen des Gesetzes tun.
Des Weiteren steht auf Seite 54 des Gerichtsbeschlusses geschrieben, was zwar gegen uns geschrieben sein sollte, wir aber dennoch veröffentlichen möchten, nämlich: "Diese bedeutende Persönlichkeit am Ende der Zeiten wird aus der Familie des Hauses (Al-i Beyt)entstammen. Wir Schüler der (Risale)-iNur können uns nur im übertragenen Sinne zur Familie des Hauses zählen. Ferner gibt es auf dem Wege der (Risale)-iNur {in der Bruderschaft der Schüler (A.d.Ü.)} in gar keiner Weise irgendeinen Egoismus, auch keinen Wunsch, sich zu profilieren oder einen besonderen Rang, Ruhm und Ehre zu erlangen. Selbst wollte man mir einen
(hohen) Rang (makam)in Bezug auf das jenseitige (Leben) anbieten, würde ich mich doch gezwungen sehen, ihn zurückzuweisen, um meine Aufrichtigkeit (ikhlas)gegenüber der (Risale)-i Nur nicht zu gefährden.
Des Weiteren lesen wir auf den Seiten zweiundzwanzig und dreiundzwanzig: "Wenn jemand seine Fehler und Schwächen kennt, um seine Hilflosigkeit und Armseligkeit weiß und demütig an der Schwelle Gottes (dergah-i Ilahiye)Zuflucht sucht, so sehe ich doch mich selbst als noch armseliger, schwächer, fehlerhafter und hilfloser als irgendein anderer. Auch wollten mich alle Leute loben und preisen, so könnten sie mich doch niemals glauben machen, dass ich gut bin, dass ich ein Träger der Vollkommenheit (sahib-i kemal)bin. Damit ihr nicht noch ganz und gar vor mir davon lauft, werde ich euch nicht von den vielen verborgenen Fehlern und Schwächen erzählen, mit der meine dritte, wahren Persönlichkeit {Said: 1. als Lehrer, 2. als Beter, 3. als Mensch} (behaftet ist). In Seiner Güte (inayet)hat Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)diese Person hier wie einen ganz einfachen Soldaten zu den Geheimnissen des Qur'an in Seine Dienste genommen. Ihm sei hunderttausendmal Dank dafür! Das Gefühl (nefs)steht unter allen (Dingen) an letzter, die Pflicht (vazifah)an höchster Stelle." Da dies in der Urteilsbegründung so geschrieben steht, verdienen diejenigen, die mich dennoch für schuldig erklärt haben, etwa weil man mich aufgrund der Lobpreisungen anderer als eine überragende Führerpersönlichkeit (hidayet)bezeichnet, was sich aber in Wirklichkeit auf die Risale-i Nur bezieht, für einen solchen Fehler sicherlich mit Recht eine fürchterliche Strafe.
Siebentens:
Obwohl aber nun der Gerichtshof in Denizli und das Kriminalgericht in Ankara und auch der Appellationshof uns übereinstimmend freigesprochen und alle Abhandlungen der Risale-i Nur (für unbedenklich erklärt) und sie uns und all unsere Briefe zurückgegeben
hatten und dabei hinzugesetzt haben: "Selbst wenn der Appellationshof beschlossen hätte, die Entscheidung (des Gerichtshofs) in Denizli niederzuschlagen, weil dessen Entscheidung falsch gewesen wäre, so hätte hier dennoch ein rechtskräftiges Gerichtsurteil vorgelegen und dieser Fall hätte nie wieder aufgerollt werden dürfen.", hat man mich dennoch wieder nach Emirdagh überstellt, wo ich drei Jahre lang wie ein Einsiedler gelebt habe. Ich habe dort, wenn es nicht gerade notwendig war, nur mit den zwei oder drei Schneiderlehrlingen gesprochen, die mir der Reihe nach geholfen haben, und nur selten einmal für fünf oder zehn Minuten mit einigen frommen Leuten. Ich habe auch keine Briefe geschrieben, es sei denn einmal die Woche, um (die Menschen im Geiste) der Risale-i Nur zu stärken. Auch habe ich in drei Jahren nur drei Briefe an meinen Bruder geschrieben, der ein Mufti ist. Ich habe es aufgegeben, noch weiter Abhandlungen zu schreiben, was ich doch zwanzig, dreißig Jahre lang getan hatte, außer zu zwei Punkten, etwa zwanzig Seiten in Länge, die nützlich sind für die Leute des Qur'an und um des Glaubens willen. Die eine ging über die Weisheit, die in den Wiederholungen im Qur'an liegt, und die andere über die Engel. Andere Abhandlungen habe ich nicht geschrieben.
Eine Erlaubnis habe ich nur für die Abhandlungen erteilt, die der Gerichtshof wieder zurückgegeben hatte, um sie einer längeren Sammlung beizufügen. Nachdem uns der Gerichtshof auch die fünfhundert Kopien des "Großen Zeichens", die noch mit den alten (arabischen) Buchstaben geschrieben worden waren, wieder zurückgegeben hatte, habe ich meinen Brüdern auch die Erlaubnis erteilt, sie zu vervielfältigen, da ja Kopiermaschinen nicht offiziell verboten sind. So konnten sie zum Segen der Islamischen Welt verbreitet werden, und danach habe ich mich damit beschäftigt, sie Korrektur zu lesen. So habe ich mich gewiss in gar keiner Weise mit Politik beschäftigt. Mehr noch: obwohl wir offiziell die Erlaubnis
erhalten hatten, in unsere Heimat zurückzukehren, habe ich mich doch, im Gegensatz zu allen anderen, dazu entschlossen, weiterhin in der Verbannung zu bleiben, um nicht wieder in (Geschäfte mit) der Politik und andere weltliche Angelegenheiten verwickelt zu werden, und bin also nicht wieder zurückgekehrt. Die Behandlung, die ich in den letzten zwanzig Monaten erfahren musste, beweist, dass die Person, die es immer noch versucht, irgendwo eine Schuld in diesem dritten Urteilsspruch zu finden, mit ihren haltlosen Beschuldigungen lügt. Seine Fehlinterpretationen werden von zwei angsterfüllten Ansichten beherrscht, auf die ich hier nicht näher eingehen will. Was ich aber sagen will, ist dies: Das Grab und die Hölle reichen aus und ich überlasse dies dem Letzten Gericht.
Achtens:
Als wir den "Fünften Strahl" zurückerhalten hatten, nachdem er zwei Jahre in Händen der Gerichtshöfe in Denizli und Ankara gewesen war, fügten wir ihn am Ende der umfangreichen Sammlung, genannt "Die Leuchte des Lichts (Siradju-n'Nur)"ein, zusammen mit meiner Verteidigungsschrift, die zu meinem Freispruch vor dem Gerichtshof in Denizli geführt hatte. Zwar hatten wir sie zunächst für vertraulich (mahrem)gehalten, doch nachdem sie von Gerichts wegen an die Öffentlichkeit gelangt und uns dann zurückgegeben worden war, hieß dies, dass sie niemanden gefährden würde. Das Original des "Fünften Strahls" war dreißig, vierzig Jahre zuvor verfasst worden und handelte über bildliche Redewendungen (Hadith),die zwar in der (islamischen) Gemeinde von Alters her weit verbreitet waren, einige Gelehrte (ehl-i hadith)aber zu den als "schwach (da'if)"bezeichneten zählen, wobei jedoch ihre Kritik an der Oberfläche der eigentlichen Bedeutung haften blieb. Sie waren zunächst nur aufgeschrieben worden, um die Gläubigen vor Zweifeln zu bewahren und obwohl ein Teil ihrer außergewöhnlichen Auslegungen einige Zeit später bereits offensichtlich geworden war, hielten wir sie weiterhin für vertraulich, um sie so vor einer irrtümlichen
Auslegung zu bewahren. Danach haben zahlreiche Gerichtshöfe sie peinlich genau untersucht, dabei auch dafür gesorgt, dass sie an die Öffentlichkeit gelangt sind und sie uns danach wieder zurückgegeben. Wir appellieren daher an das Gewissen derer, die uns nach ihrer eigenen Ansicht abermals für schuldig erklären wollen, zu erkennen, wie weit entfernt dies davon ist, ehrlich, aufrichtig und gerecht zu sein und überlassen sie hiermit dem Großen (Welt)Gericht, indem wir sagen
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser zufrieden stellender Anteil und unser vorzüglicher Sachwalter." (Sure 3, 137)}
Neuntens:
Dies ist zwar sehr wichtig, doch mit Rücksicht auf die, welche die Risale-i Nur erst studiert und uns dann verurteilt hatten, habe ich dies nicht aufgeschrieben, um sie nicht noch weiter zu verärgern.
Zehntens:
Auch dies ist machtvoll und bedeutend, doch auch diesmal habe ich es, weil ich sie ja nicht kränken will, vorerst nicht niedergeschrieben.
Der Gefangene in vollständig einsamer Isolationshaft
Said Nursi
* * *
Teil eines Gesuchs, vor fünfzehn Jahren während des Gerichtsverfahrens in Eskishehir geschrieben und dem Rat der Minister zugesandt.
{Vor fünfzehn Jahren wurde in der gleichen Angelegenheit eine Bittschrift an den Ministerrat geschickt. Nun muss ich sie in der gleichen Angelegenheit erneut an dieselbe Regierung senden.}
Oh ihr Leute aller vertraglichen Bindungen und Verpflichtungen!
Ich habe Ungerechtigkeiten erleiden müssen, wie man sie nur selten in dieser Welt findet. Da es nun aber ehrlos (hurmetsiz)wäre, angesichts dieser Ungerechtigkeiten zu schweigen, bin ich gezwungen, eine besonders bedeutende Wahrheit zu enthüllen. Ich sage daher: Weisen Sie mir entweder im Rahmen der (bestehenden) Gesetze mein Verbrechen nach, wenn es denn die Todesstrafe oder hundert Jahre Haft verlangt, oder beweisen Sie, dass ich ganz und gar verrückt bin, oder geben Sie mir, der Risalah und meinen Freunden die völlige Freiheit und begleichen Sie den gesamten Verlust und Schaden zu Lasten derer, die ihn verursacht haben!
In der Tat hat eine jede Regierung ihre Vorschriften und Gesetze. Und diesen Gesetzen entsprechend verhängen sie ihre Strafen. Findet sich aber in den Gesetzen der Regierung der Republik kein Gesetz, das für mich und meine Freunde die Höchststrafe fordert, sollte man uns die völlige Freiheit zurückgeben, und zwar als (ausdrückliche) Würdigung, Anerkennung und Entschädigung. Denn wenn mein ganz offensichtlich bedeutsamer Dienst am Qur'an gegen die Regierung wäre, so könnte man mich nicht so einfach mit einem Jahr Gefängnis und meine Freunde mit jeweils sechs Monaten Haft bestrafen, sondern müsste mich zu 101 Jahr oder zum Tode oder dergleichen und alle Freunde, die mir in ernstem Dienen verbunden sind zu einer Höchststrafe verurteilen. Ist aber unser Dienst nicht gegen die Regierung
gerichtet, so müsste man uns nicht mit Strafen, Haft und Kerker, sondern mit einer entsprechenden Anerkennung und Würdigung entgegnen. Denn der Dienst, dessen 120 Abhandlungen (risalah)Sprachrohr dieses Dienstes sind, dieser Dienst, der die Philosophen aus ganz Europa auf den Plan ruft, (führt letztendlich dazu, alle ihre) Prinzipien über den Haufen zu werfen.
Denn ein solch wirksamer Dienst führt entweder zu ganz schrecklichen Ergebnissen im Land, oder aber er bringt besonders heilsame, erhabene Ergebnisse und Früchte der Wissenschaft hervor, in welchem Falle man mich nicht so einfach gleich einer Augenauswischerei mit nur einem Jahr bestrafen, die Öffentlichkeit hinters Licht führen könnte und so die Lügen und Intrigen der Tyrannen über unsere Rechte verschleiern, als ginge es dabei nur um ein Kinderspiel. Menschen wie ich werden entweder zum Tode verurteilt und besteigen stolz den Galgen, oder aber sie bleiben freie (Menschen) und behalten die (gesellschaftliche) Stellung, die ihnen zusteht.
Ein geschickter Dieb, der die Gelegenheit bekommt, Diamanten im Werte von einigen tausend Lira zu stehlen, (wird sich nicht der Gefahr aussetzen), für einige Glasscherben im Werte von zehn Kurush wegen eines Diebstahls die gleiche Strafe zu erhalten. Es gibt in dieser Welt keinen Dieb, ja vielleicht niemanden, der bewusst so etwas tun würde. Ein Dieb ist schlau genug, nicht etwas so Dummes zu tun.
Meine Herren! Nehmen wir doch einmal an, ich wäre so wie dieser Dieb! Statt wie ein Einsiedler neun Jahre lang in einem kleinen Dorf in einem der Bezirke in der Provinz Isparta zu leben und mich und meine Arbeit (risalah),die den Inhalt meines Lebens (hayat)bildet, in Gefahr zu bringen und die Meinung von fünf oder zehn leichtgläubigen, bedauernswerten (Bauern), die jetzt hier bei mir (im Gefängnis) sind, zu überreden und gegen die Regierung (aufzuwiegeln), wofür wir dann alle zu einer ganz leichten Strafe verurteilt worden sind, hätte ich doch besser wie in
alten Zeiten in Ankara oder in Istanbul eine hohe Stellung als Beamter bekleiden und Tausende Männer von dem Ziel, das ich verfolge, überzeugen können. In diesem Falle wäre ich doch nicht zu einer so elendiglichen Haftstrafe verurteilt worden, sondern hätte mich, meinem Weg (meslek)und meiner Pflicht entsprechend, in Ehren um meine weltlichen (Aufgaben) gekümmert!
Ich sage dies in der Tat nicht aus Stolz oder um mich zu rühmen, sondern aus Scham und weil ich mich dazu gezwungen sehe, auf die Irrtümer derer hinzuweisen, die mich, indem sie mich auf meine alte Überheblichkeit und Selbstgefälligkeit hinweisen, wieder von meinem hohen Ross herunterholen wollen, damit ich, nun zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken, keinen Nutzen mehr aus meiner Stellung ziehen kann. Ihnen möchte ich sagen:
Wenn da jemand, der, wie diejenigen, die meine damalige Verteidigungsrede, gedruckt unter dem Titel: "Das Zeugnis der beiden Schulen des Unglücks" {nämlich Irrenanstalt und Gefängnis (A.d.Ü.)} gelesen haben, bezeugen können, während der Ereignisse um den "31. März (1909)" durch seine Ansprache acht rebellierende Regimenter zum Gehorsam bewegen konnte, der, wie damalige Zeitungen berichten, während des Befreiungskampfes {1920 eroberten die Briten Istanbul. Das Osmanische Reich ging unter. 1923 erklärte Kemal Mustafa Pascha die Türkei zur Republik und machte Ankara zu seiner Hauptstadt. (A.d.Ü.)} in einem Artikel mit dem Titel: "Die sechs Schritte" in Istanbul die Ansichten der Gelehrten (so beeinflusste), dass sie sich gegen die Briten wandten und so der nationalen Widerstandsbewegung einen bedeutenden Dienst erwies, der in der Ayasofya-Moschee mit seiner Ansprache Tausende Menschen in seinen Bann schlug, der von den Abgeordneten in Ankara mit stehendem Applaus begrüßt wurde, dem 163 Abgeordnete mit ihrer Unterschrift 150.000 Lira für seine Medresse und
das Haus der Wissenschaften (daru-l'funun)bewilligten, der im Sitzungssaal einem wütend gewordenen Staatspräsidenten ohne zu zögern Rede und Antwort stand und ihn aufforderte, die vorgeschriebenen Gebete (namaz)zu verrichten, der, als er sich noch im Hause der Weisheit des Islam (Daru-l'Hikmetu-l'Islamiye)befand, von der (Partei) für Einheit (des Volkes) und Fortschritt der Aufgabe (vazifah)für wert befunden wurde, den Philosophen (hukema)in Europa die Weisheit des Islam (hikmet-i Islamiye)in effektiver Weise annehmbar zu machen, dessen "Zeichen des Wunders (Isharatu-l'I'djaz)",das er während des Krieges an der Front geschrieben hatte und das jetzt beschlagnahmt wurde und das Enver Pascha, dem damaligen Oberkommandierenden, als so wertvoll erschien, dass er lief, um es in Ehren, die er sonst keinem erwies, in Empfang zu nehmen und in dem Gedanken an alles Gute und Ehrenwerte (das mit diesem Buch verbunden ist) als ein Andenken an diesen Krieg das Papier für den Druck der Isharatu-l'I'djaz stiftete - dieser Mann, an dessen Einsatzfreude während des Krieges man sich mit Lob und Anerkennung erinnert, würde es nicht wagen, sich derart zu erniedrigen, dass er seine Ehre (izzet)als ein Wissenschaftler und die Heiligkeit seines Dienstes und Tausende seiner ehrenwerten Freunde wie ein einfacher Pferdedieb, ein Taschendieb, wie jemand, der ein Mädchen (ohne Bezahlung) entführt hat, auf eine derart gewöhnliche Weise in Verruf bringt, sodass ihr ihn wie einen, der Ziegen oder Schafe gestohlen hat, behandeln und (so einfach) zu einem Jahr Haft verurteilen könnt...
Er würde einem Leiden unter der willkürlichen Verfolgung durch einen hinterhältigen Spitzel oder Unterdrückung durch einen gewöhnlichen Polizisten und dem Jahr (Kerker), zu dem man ihn nun verurteilt hat, mit anschließend einem weiteren Jahr Kuratel, nachdem man ihn (der doch schon die herrische Haltung des Sultans kaum ertragen konnte) zehn Jahre lang ohne allen Grund überwacht und misshandelt hat, seine Hinrichtung vorziehen.
Wäre ein solcher Mann in weltliche Angelegenheiten verwickelt gewesen und hätte er auch diesen Wunsch gehabt, sich in sie einzumischen, und sein heiliger Dienst es ihm erlaubt hätte, er hätte sich (gewiss) in sie eingemischt in einem Maß, zehnmal größer als die Menemen-Affaire und der Aufstand von Scheich Said. Diesen Kanonendonner, den man über die ganze Welt hin hätte hören können, hätte man nicht mehr so weit dämmen können, ja selbst bis hinab zu dem Summen einer Mücke!
So möchte ich denn in der Tat das aufmerksame Auge der Regierung der Republik (auf Folgendes) lenken: Diese ganze Angelegenheit, die mich in dieses Unglück gestürzt hat, wurde durch die Maßnahmen, die Intrigen und die Propaganda einer Organisation im Hintergrund hervorgerufen, denn der Beweis dafür ist der, dass eine derart umfassende Propaganda, Terror und Verschwörung gegen uns inszeniert worden ist, wie wir sie in dieser Art noch nie zuvor erlebt haben, ist der, dass, obwohl ich doch Hunderttausende Freunde habe, in sechs Monaten noch kein einziger von ihnen imstande gewesen ist, mir einen Brief zu schreiben oder auch nur einen (kurzen) Gruß zu senden, und die Tatsache, dass aufgrund von Informationen durch Verschwörer, die sich darum bemühen, die Regierung in die Irre zu führen, sich überall in allen Provinzen vom Osten bis zum Westen die Durchsuchungen und die Verhöre weiter fortsetzen.
So ist denn der Plan, den sich diese Verschwörer ausgedacht haben, der, einen Zwischenfall zu inszenieren, der für Tausende Männer wie mich die schwersten Strafen nach sich ziehen sollte. Stattdessen ergab sich am Ende eine Strafe, die an einen Vorfall erinnert, bei dem nur der allereinfachste Mann in einen ganz gewöhnlichen Diebstahl (verwickelt) war. Unter 115 Männern erhielten 15 eine Strafe von fünf, sechs Monaten. Ja würde denn in dieser Welt (ein Mann) ohne jeden Verstand, der in seiner Hand ein außerordentlich scharf (geschliffenes) diamantenes Schwert hält, einen
fürchterlichen Löwen oder Drachen ganz leicht in seinen Schwanz pieken, um dessen Aufmerksamkeit auf sich zu lenken? Wäre es seine Absicht, sich (damit) zu verteidigen oder zu kämpfen, würde er doch sein Schwert an einer anderen Stelle einsetzen!
So habt ihr mich denn in eurer Sicht- und Betrachtungsweise für einen solchen Mann angesehen und dementsprechend verurteilt und bestraft. Hätte ich auf diese Weise ohne Sinn und Verstand gehandelt, sollte man nicht deswegen dieses ganze Riesenreich terrorisieren und die öffentliche Meinung mit Propagandamethoden gegen mich aufwiegeln, sondern mich wie einen ganz gewöhnlichen Geisteskranken in eine Irrenanstalt stecken! Wäre ich dagegen ein Mann von der Bedeutung, die ihr mir zumesst, (ein solcher Mann) würde doch sein scharf (geschliffenes) Schwert nicht dazu verwenden, den Löwen zum Sprung auf sich selbst, den Drachen zum Angriff gegen sich selbst zu reizen, sondern doch dazu, sich so weit wie möglich damit zu verteidigen! So wie ich mich seit zehn Jahren dazu entschlossen habe, mich freiwillig in die Einsamkeit zurückzuziehen und alle Strapazen über jedes menschliche Vermögen hinaus zu erdulden, so habe ich mich auch in keiner Weise in die Regierungsgeschäfte eingemischt und werde mich auch niemals einmischen. Denn meine heilige Pflicht verbietet es mir.
Oh ihr Leute aller vertraglichen Bindungen und Verpflichtungen! Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass (bei einem Mann), wie eine Zeitung vor fünfundzwanzig Jahren schreibt, dem es gelingt, dreißigtausend Menschen mit einer seiner Abhandlungen (dazu zu veranlassen), seine Ideen zu übernehmen, der alle Blicke und die ganze Aufmerksamkeit eines riesigen einsatzbereiten Heeres auf sich zu lenken wusste, dem es gelang, dem Erzbischof von Großbritannien, der von ihm (eine Antwort) von sechshundert Worten verlangt hatte, eine Antwort in sechs Worten gab, der anlässlich der Erklärung
der Konstitutionellen Monarchie (bidayet-i hürriyet 1908)wie ein Diplomat die Ansprache hielt, dass sich also in den 120 Abhandlungen (risalah)eines solchen Mannes nur ganze fünfzehn Worte finden, die sich auf diese Welt (dunya)und ihre Politik beziehen? Ja wäre es denn überhaupt noch verständlich, dass ein solcher Mann politische Ziele verfolgen, (rein) weltliche Absichten haben und sich in die Politik einmischen könnte? Wäre es seine Idee gewesen, sich um die Politik und die Regierungsgeschäfte zu bemühen, ein solcher Mann hätte seine Absichten in einer einzigen Abhandlung an hundert Stellen klar gemacht, auf sie hingewiesen, sie spürbar werden lassen. Ja wäre es denn die Absicht eines solchen Mannes gewesen, die Politik (dieses Landes) zu kritisieren, hätte er dann seine Kritik auf ein, zwei Grundsätze über die Verschleierung der Frau und das Erbrecht beschränkt, so wie das seit alten Zeiten der Brauch ist?
In der Tat würde ein Regimegegner, der politische Absichten verfolgt, gegen eine Regierung, die weitreichende Reformen durchgeführt hat, nicht nur ein, zwei Gegenstände, sondern Hunderttausende Gegenstände seiner Kritik gefunden haben. Als handle es sich bei den Reformen der Regierung dieser Republik nur um ein, zwei kleinere Angelegenheiten! Obwohl ich doch in gar keiner Weise die Absicht gehabt hatte, mit diesen ein, zwei Worten, die ich in ein zwei Büchern erwähnt und vor langer Zeit einmal geschrieben hatte, etwas zu kritisieren, wurde (in der Anklageschrift) dennoch behauptet: "Er greift die Regierung und ihre Reformen an." So frage denn auch ich: "Sollte ein solcher Gegenstand wissenschaftlicher (Disputationen), eine Angelegenheit, die noch nicht einmal der Grund für die kleinste Strafe ist, so dargestellt werden, dass er ein ganzes Riesenreich damit beschäftigt und in Aufregung versetzt?
Da man nun also mir und fünf oder zehn meiner Freunde nur diese kleine, unbedeutende Strafe erteilt und das ganze Land durch eine fürchterliche Propaganda gegen
uns eingeschüchtert hat und (alle Leute dazu bringen wollte), uns zu hassen, und Shükrü Kaya, den Innenminister unter einem bedeutenden Aufgebot nach Isparta gerufen hat, um einen Auftrag zu erfüllen, den ein einzelner Soldat hätte erledigen können, nämlich, um mich zu verhaften, und der Ratsvorsitzende mit dem gleichen Auftrag in die westlichen Provinzen abgereist ist, da man mir also während zwei Monaten Kerker verboten hat, mit irgendwem zu sprechen und da also hier, wo ich einsam und allein in der Fremde bin, es niemandem erlaubt war, sich nach mir (hal)zu erkundigen und mir seine Grüße zu schicken, beweist dies, dass dieser Zustand über jedes Maß sinnlos, unverständlich und ungesetzlich ist, vergleichbar mit einem riesengroßen Baum, der eine einzige Frucht in der Größe einer Erbse hervorbringt. Das alles kann doch nicht die Aufgabe einer Regierung sein, die sich peinlich genau an das Gesetz hält und nach dem Gesetz regiert, wie die Regierung dieses Landes (hükümeti djumhuriye),und schon gar nicht die irgendeiner Regierung in dieser Welt (dunya),wenn sie sich doch als Regierung bezeichnet und (das Volk) mit Weisheit (hikmet)regiert.
Ich möchte mein Recht im Rahmen der (bestehenden) Gesetze. Ich klage diejenigen, die im Namen des Gesetzes gesetzlos handeln, ihres Verbrechens an. Die Gesetze der Regierung dieses Volkes (hükümet-i djumhuriye)werden sicherlich die Gesetzlosigkeit solcher Krimineller zurückweisen. Und so hoffe ich denn, dass meine Rechte wiederhergestellt werden.
Said Nursi
* * *
Ein Beispiel für die Echtheit und Aufrichtigkeit (= haqqaniyet) der Risale-i Nur
Eine Anmerkung
Alle, die recht und billig denken und die Risalah,
{(*): Obwohl bereits etliche Jahre (vor Prozesseröffnung) in Eskishehir und Denizli verfasst, weist dieser "Neunzehnte Brief" alle diese Einwände zurück, die man gegen ihn vorgebracht hat, als habe man bereits alle diese drei Gerichtshöfe vor Augen, was ganz klar zeigt, dass uns hier durch einen göttlichen Gnadenerweis (inayet-i Ilahiye) gleichsam die Ehre (ikram) eines Wunders (keramet) zuteil geworden ist.}
die vor neunzehn Jahren herausgegeben wurde, gelesen haben, sind zu der Erkenntnis, zu der sicheren Überzeugung gelangt, dass das Gesamtwerk der Risale-i Nur in all ihren Teilen mit ihren 130 Büchern, von allen politischen und weltlichen (dünyevi)Zielen frei und ledig, vollständig in Geist (ruh)und Wesen (eines Lebens) aus dem Glauben (iman)an eine jenseitige (uhrevi)Welt verfasst wurde. Diese eindeutig gesicherte Tatsache wurde von den Gerichtshöfen in Eskishehir, Isparta, Denizli und Afyon durch langwierige Nachforschungen und minutiöse Untersuchungen bestätigt. Aus diesem Grund möchten wir Ihre Aufmerksamkeit (auf diese Angelegenheit lenken) und ersuchen Sie um ihre Hilfe, damit wir all unsere Bücher zurückerhalten, die nun schon seit mehr als zwanzig Monaten durch den Gerichtshof in Afyon in Beschlag gehalten werden, obwohl doch der Appellationsgerichtshof nicht ein i-Tüpfelchen in ihnen entdecken konnte, das (Anlass zu) einer Anklage hätte geben können, dabei aber für Hunderttausende der Rettung des Glaubens (dienen) und von ihren Lesern, den Gelehrten und der (ganzen) islamischen Welt hochgeschätzt und gepriesen werden.
Der größere Teil der Bücher, die von dem Gerichtshof in Afyon (beschlagnahmt wurden), wurden von den ersten
Gefährten gesammelt, die entlassen worden sind. Sie sagten: "Wir übergeben diese Bücher unserem Lehrer (ustadh),der auch ihr Eigentümer ist. Ihm sollten sie ausgehändigt werden." Sie haben sie also mir überlassen. Besonders aber überließen sie im Gericht den vergoldeten Qur'an, der in seiner Schreibweise diese wundersame Übereinstimmung in den Buchstaben aufweist, der unsinnigerweise unter die vor zwei Jahren beschlagnahmten Bücher geraten war. Vor allen Dingen erwarten wir also die baldige Rückgabe unserer Bücher und unseres Qur'an, die man uns ursprünglich bereits von den Gerichtshöfen in Denizli und in Ankara zurückgegeben worden waren.
Said Nursi
* * *
Sechzehnter Brief
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ اَلَّذِينَ قاَلَ لَهُمُ النَّاسُ اِنَّ النَّاسَ قَدْ جَمَعُوا لَكُمْ فاَخْشَوْهُمْ فَزَادَهُمْ اِيمَانًا وَ قاَلوُا حَسْبُناَ اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen. Man sagte zu ihnen, dass die Menschen sich grade gegen die Menschen gesammelt haben. Fürchtet euch vor ihnen. Doch das bestärkte sie im Glauben und sie sagten: 'Es genügt uns Allah und Er ist unser bester Anwalt (Vekil)'" (Sure 3, 173)}
Dieser Brief verdeutlicht den Sinn der Ayah:فَقُولاَ لَهُ قَوْلاً لَيِّنًا {"Sprich mit sanften Worten zu ihm!" (Sure 20, 44)}und ist deshalb nicht in scharfe Worte gesetzt. Er ist die Antwort auf eine Frage, die in wörtlichem oder übertragenem Sinne von vielen gestellt wurde.
Es ist mir keineswegs angenehm, diese Antwort zu geben und eigentlich wollte ich es gar nicht. Ich hatte mein ganzes Vertrauen (tevekkul)in Gott den Gerechten gesetzt. Weil man mich aber nicht mir selbst und in meiner Welt in Frieden leben lassen, vielmehr mir das Gesicht zur Welt hin drehen wollte, will ich hier nun in "Fünf Punkten" eine Erklärung abgeben; nicht jedoch als der Neue Said, sondern erzwungenermaßen in der Sprache des Alten Said; und das nicht um meinetwillen, sondern um meine Freunde wie auch meine Worte (Sözler)vor den Weltleuten mit ihren Verdächtigungen und Nachstellungen zu retten und den wirklichen Sachverhalt sowohl meinen Freunden als auch den Leuten von Welt und den Leuten von Urteil Klarheit zu verschaffen.
Erster Punkt:
Es wurde gesagt: Warum hast du dich aus der Politik zurückgezogen? Warum zeigst du dich so wenig entgegenkommend?
Antwort:
Vor neun oder zehn {(*): mittlerweile sind es mehr als 30 Jahre.} Jahren hatte sich der Alte Said einmal ein wenig mit Politik befasst. Doch der Dienst, den er dem Glauben und der Wissenschaft mit der Politik hatte erweisen wollen, erwies sich als eine vergebliche Mühe und so musste er einsehen, dass dieser Weg zweifelhaft und schwierig und für ihn ein unnötiger Weg ist, dass er für seine wichtigsten Aufgaben ein Hindernis und ein gefährlicher Weg ist. Das meiste (an der Politik) ist Lüge und es besteht die Möglichkeit, dass man, ohne es zu bemerken, zum Werkzeug in der Hand des (nichtislamischen) Auslands wird. Zudem wird, wer sich mit der Politik beschäftigt, entweder für sie oder gegen sie sein. Wollte ich für sie sein, wäre - da ich kein Beamter oder Abgeordneter bin - die Beschäftigung mit der Politik eine nutz- und zwecklose Sache. Man benötigt mich nicht, sodass ich mich vergeblich mit ihr beschäftige. Wollte ich aber in den Reihen der Opposition Politik machen, müsste ich dies entweder in Gedanken tun, oder aber die Macht dazu haben. Täte ich es in Gedanken, so wäre ich dazu nicht vonnöten. Denn die Problematik ist allgemein bekannt. Jeder kennt sie so gut wie ich. Zweckloses Gerede aber ist zugleich auch sinnlos. Wollte ich aber mit Macht Widerstand leisten und den Lauf der Dinge herausfordern, dann bestünde die Möglichkeit, Tausende von Sünden zu begehen, um eines Zweckes willen, dessen Erreichung unsicher ist. So würden um eines Einzelnen willen viele ins Unglück gestürzt. Weil aber das Gewissen sich weigert, wegen ein, zwei Möglichkeiten unter zehn Möglichkeiten eine Sünde zu begehen und Unschuldige mit in eine Sünde hineinzureißen, hat es der Alte Said aufgegeben, zu rauchen, Zeitungen zu lesen, Politik zu betreiben, oder auch nur bei privaten Zusammenkünften
über derartige weltliche Dinge wie die Politik zu reden. Ein sicheres Zeugnis dafür ist, dass ich seit acht Jahren keine einzige Zeitung mehr gelesen habe oder mir hätte vorlesen lassen. Hätte mich jemals wieder irgendeiner eine Zeitung lesen sehen, oder gehört, wie mir jemand daraus berichtete, so möge er hierher kommen und es sagen. Dagegen hatte der Alte Said vor acht Jahren noch täglich vielleicht acht Zeitungen gelesen. Außerdem wird meine ganze Lebens- und Verhaltensweise seit fünf Jahren mit großer Aufmerksamkeit unter die Lupe genommen... Wer bei mir jemals bemerkt haben sollte, ich hätte etwas anklingen lassen, was nach Politik schmeckt, der möge es sagen! Denn der Gedanke eines Menschen, der so hochempfindlich ist wie ich, der nach dem Motto:
اِنَّمَا الْحِيلَةُ فِى تَرْكِ الْحِيَلِ
{"Der größte Betrug liegt in der Aufgabe des Betruges."}
einsam, furchtlos und alleine lebt, kann nicht acht Jahre lang, ja noch nicht einmal acht Tage verborgen bleiben. Hätte er die Lust verspürt, den Wunsch gehabt, Politik zu treiben, hätte das einen Donnerschlag gleich einem Kanonenschuss ausgelöst, ohne dass es dabei noch irgendwelche Nachforschungen oder Untersuchungen gegeben hätte.
Zweiter Punkt:
Warum hält sich der Neue Said so streng von jeglicher Politik zurück?
Antwort:
Er möchte sich um ein Ewiges Leben, das mehr als eine Milliarde Jahre währt, bemühen und es sich verdienen und es nicht für ein irdisches Leben von ein, zwei Jahren dahingeben, das sinn- und zwecklos mit einer Einmischung (in die Politik) verbunden ist. Deshalb flieht er für den Dienst am Glauben und am Qur'an, der der wichtigste, notwendigste, reinste und wahrhaftigste Dienst ist, so unbeirrbar vor der Politik. Denn er sagt: Ich werde alt. Ich weiß nicht, wie lange ich noch zu leben habe.
Weil dies nun so ist, ist die wichtigste Aufgabe für mich, mich um ein Ewiges Leben zu bemühen. Schlüssel zur Ewigen Glückseligkeit und das allererste Mittel, das Ewige Leben zu verdienen, ist der Glaube. Es ist notwendig, dass ich mich um ihn bemühe. Um mich aber auch den anderen Menschen als Wissenschaftler nützlich zu erweisen, möchte ich meinen Dienst versehen als einer der dem (islamischen) Gesetz verpflichtet ist.
Natürlich könnte ich diesen Dienst auch im gesellschaftlichen und sozialen Leben tun. Jedoch bin ich dazu nicht befähigt und in stürmischer Zeit ist ein unverfälschter Dienst nicht gewährleistet. Deshalb habe ich diesen Gedanken wieder fallen gelassen und gebe nur dem Gedanken an einen Dienst im Glauben, der der wichtigste, notwendigste und reinste Dienst ist, den Vorzug. Mögen diese Glaubenswahrheiten, die ich mir selbst erworben habe und diese geistigen Heilmittel, welche ich selbst ausprobiert habe, auch noch anderen Menschen zugänglich sein! Für sie lasse ich das Tor offen. Vielleicht nimmt Gott der Gerechte diesen Dienst an und macht mir daraus eine Buße für meine Sünden. Es hat niemand, der gesteinigte Satan ausgenommen, das Recht, sei er nun ein Gläubiger oder ein Leugner, einer von den Getreuen oder einer von den Gottlosen, das Recht, gegen einen solchen Dienst etwas zu unternehmen. Doch Glaubenslosigkeit ist eine Sache, die sich nicht mit anderen Sachen vergleichen lässt. In Sachen Ungerechtigkeit, leichter Verfehlungen oder schwerer Sünde findet sich ein wenn auch abscheulich, teuflischer Wohlgeschmack. Doch in der Glaubenslosigkeit findet sich in gar keiner Weise irgendein Wohlgeschmack. Sie ist Schmerz über Schmerz. Sie ist Finsternis über Finsternis. Sie ist Qual über Qual. Einen solch lichtvollen Dienst aufzugeben, wie es der (Dienst) am Glauben und das Bemühen um ein unendliches und ewiges Leben ist, und sich im Alter in nutzlose und gefährliche Spielereien zu stürzen, was das für einen Menschen wie mich, der einsam und zurückgezogen für
seine früheren Sünden Buße tun muss, für ein Unverstand, eine Unvernunft, eine Unklugheit und in welchem Grade ein Wahnsinn ist, das vermag selbst noch ein Wahnsinniger zu verstehen.
Wenn du sagst:
"Warum sollten der Dienst am Glauben und am Qur'an mir die Politik verbieten?" so sage ich: Die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an sind in der Tat jede einzelne wie ein Juwel. Hätte ich mich mit der Politik besudelt, müssten die einfachen Leute, die sich doch so leicht verführen lassen, über diese Juwelen in meiner Hand denken: "Ist das vielleicht politische Propaganda, um Anhänger zu gewinnen?" Sie würden diese Diamanten für gewöhnliche Glassplitter ansehen. Sobald ich also mit der Politik in Berührung käme, wäre das so, als würde ich diesen Juwelen Unrecht tun und ihren Wert herabmindern. Nun also, Ihr Weltleute! Warum lasst Ihr mich nicht zufrieden? Wieso gebt Ihr denn keine Ruhe und lasst mich nicht so, wie ich bin?
Wenn Ihr aber sagt:
"Auch unsere Scheiche müssen sich manchmal mit unseren Angelegenheiten befassen. Und auch du wirst manchmal ein Scheich genannt..."
Ich aber sage Euch:
Meine Herren! Ich bin kein Scheich. Ich bin ein Hodja. Beweis dafür ist, dass ich seit vier Jahren hier bin. Hätte ich auch nur einem einzigen Menschen Ordensunterricht (tariqat)erteilt, hättet ihr das Recht, mich zu verdächtigen. Doch wisst ihr, dass ich jedem, der zu mir gekommen ist, gesagt habe: Glaube ist nötig; Islam ist nötig; für Ordensunterricht ist es nicht die Zeit.
Wenn ihr sagt:
"Man nennt dich Said-i Kürdi (= Kurde).Vielleicht vertrittst du einen rassistischen Standpunkt. Das aber dient nicht unserer Sache."
Ich aber sage:
Meine Herren! Was der Alte Said und was der Neue Said geschrieben haben, liegt offen vor. Ich bezeuge, dass ich bekanntlich, entsprechend dem unbedingten Erlass (ferman):
اَ ْلاِسْلاَمِيَّةُ جَبَّتِ الْعَصَبِيَّةَ الْجَاهِلِيَّةَ
{"Die Religion des Islam (islamiyet) hat die Merkmale vorislamischer Zeit (djahiliyet) ausgelöscht."}
seit alter Zeit Nationalismus und Rassismus, welche eine Art fränkischer (=in Europa endemischer) Krankheit in Europa darstellen, als ein mörderisches Gift angesehen habe. Und Europa hat diese fränkische Krankheit in den Islam hineingeworfen, um ihn zu spalten und zu teilen und denkt nun, dass es ihn so leichter hinunterschlucken könne. Dass ich mich schon seit langem darum bemühe, diese fränkische Krankheit zu heilen, das wissen meine Schüler und alle, die mit mir in Berührung gekommen sind. Wenn die Sache aber nun so ist, was ist dann wohl der Grund dafür, meine Herren, dass sie jedes Ereignis zum Vorwand dafür nehmen, mich zu belästigen? Wenn ein Soldat im Osten einen Fehler begeht und man bestraft dafür einen Soldaten im Westen und bereitet ihm Schwierigkeiten, bloß weil er auch in der Wehrmacht dient... oder aber, wenn ein Kaufmann in Istanbul ein Verbrechen begeht und man misst nun auch einem Händler in Bagdad eine Art von Schuld zu, weil auch er dem Stande der Kaufleute angehört, und wenn Ihr mich wegen eines jeden Vorfalles in dieser Welt belästigt, nach welchem Gesetz geht das dann? Welches Gewissen urteilt hier? Welcher Vorteil wird dadurch gewonnen?
Dritter Punkt:
Freunde, die an meine Ruhe denken und meine Haltung befremdlich finden, mit der ich jedem Übel in schweigender Geduld begegne, stellen sich folgendeFrage:"Wie kannst du diese Umstände und all die Schwierigkeiten, die über dich gekommen sind, ertragen? Denn früher warst du doch so jähzornig und so auf deine Ehre bedacht und konntest noch nicht einmal eine harmlose Kränkung verkraften."
Meine Antwort:
Ich möchte Euch zwei kleine Erlebnisse und Geschichten zu Gehör bringen. Daraus könnt Ihr die Antwort entnehmen.
Erste Geschichte:
Vor zwei Jahren hatte sich ein Direktor in meiner Abwesenheit grundlos in abschätziger Weise und mit beleidigenden Worten gegen mich ausgesprochen. Man teilte mir das später mit. Da stieg die Natur des Alten Said wieder in mir hoch und überwältigte mich fast eine Stunde lang. Danach aber ergriff durch die Barmherzigkeit Gottes des Gerechten eine Wahrheit mein Herz, vertrieb aus ihm jede Missstimmung, löschte meine Ansprüche gegenüber diesem Mann und ich trug ihm nichts mehr nach. Diese Wahrheit aber war die folgende:
Ich sprach zu meiner Seele: Wenn seine Beschimpfungen und die Fehler, die er bloßgestellt hat, mich selbst, meine Person (shahis)und meine Seele (nefs)betreffen, so möge Allahs Wohlgefallen über ihm sein, dafür, dass er die Ungebührlichkeiten meiner Seele ausgesprochen hat. Hat er Recht gesprochen, so wird dies meine Seele zur Zucht führen und mir helfen, mich vor dem Stolz zu bewahren. Hat er aber falsch gesprochen, so ist er mir eine Hilfe, mich vor Heuchelei und trügerischem Ruhm zu bewahren, der die Grundlage aller Heuchelei ist. Ich habe in der Tat noch keinen Frieden mit meiner Seele geschlossen, denn ich habe meine Erziehung noch nicht vollendet. Sagte mir jemand, es säße ein Skorpion an meinem Hals oder auf meiner Brust, oder zeigte er darauf, so sollte man deswegen nicht gekränkt, vielmehr dafür dankbar sein. Beziehen sich jedoch die Beleidigungen dieses Mannes auf mich in meiner Eigenschaft als Diener am Glauben und am Qur'an, so betrifft mich dies nicht. Diesen Mann überlass ich dem Herrn des Qur'an, der mich in Seinen Dienst genommen hat. Er ist der Allmächtige (Aziz)und Allweise (Hakim).Wäre es aber nur, um mich zu beschimpfen, beleidigen, erniedrigen, so träfe mich auch dies nicht. Als ein Verbannter, ein Gefangener, ein Fremdling, dem die Hände gebunden sind, kommt es mir nicht zu, selber meine eigene Ehre wieder herstellen zu wollen.
Es ist dies vielmehr die Aufgabe derer, die mich als Regierungsräte und Ratsherren in diesem Dorf, dieser Stadt, diesem Vilayat als ihren Gast im Auge behalten sollen. Die Beleidigung eines Gefangenen, der sich in der Hand irgendeines Menschen befindet, betrifft dessen Herrn und diesem obliegt die Verteidigung. So sind nun einmal die Tatsachen und so kam auch mein Herz zur Ruhe. Ich sagte: "Ich stelle meine Sache Allah anheim. Denn fürwahr, Allah schaut auf Seine Diener und Verehrer." Also habe ich dieses Ereignis so hingenommen, als wäre es nie geschehen und es wieder vergessen. Leider stellte es sich dann später doch noch heraus, dass der Qur'an ihm nicht verziehen (helal)hatte...
Zweite Geschichte:
In diesem Jahr habe ich von einem Zwischenfall gehört. Nachdem sich dieser Zwischenfall ereignet hatte, hörte ich zwar nur kurz von diesem Geschehnis, wurde jedoch so behandelt, als wäre ich ernsthaft in dieses Geschehnis verwickelt gewesen. Ich tausche schon seit langem keine Nachrichten mehr aus. Wenn ich es dennoch tue, schreibe ich höchst selten einmal an einen Freund über Glaubensdinge. Selbst an meinen Bruder habe ich in vier Jahren nur einen einzigen Brief geschrieben. Ich habe diese Beziehungen sowohl mir selbst untersagt, als auch die Weltleute ihn mir untersagt haben. Nur ein, zwei Freunde konnte ich einmal in der Woche wiedersehen. Was die Gäste im Dorf - ein, zwei im Monat - betrifft, so sprachen sie mit mir ein, zwei Minuten über ein religiöses (akhiret)Thema. Hier in dieser Fremde, wo es für Leute wie mich, einen Fremdling, der allein ist und keine Menschenseele kennt, nicht möglich ist, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten, bin ich von allen Menschen ausgeschlossen und alle Dinge sind mir verboten. Ich habe sogar vor vier Jahren eine halb verfallene Moschee wieder instand setzen lassen. Doch trotzdem man mir in meiner Heimat die Urkunden für meinen Dienst als Prediger und Imam ausgestellt und ausgehändigt und ich dort in dieser Moschee vier Jahre meinen
Dienst als Imam versehen hatte (möge Allah diesen Dienst von mir annehmen), konnte ich in diesem letzten gesegneten Monat Ramadan nicht mehr in diese Moschee gehen. Mein Gebet habe ich manchmal allein verrichtet. So bin ich der fünfundzwanzig Sevab(=Verdienste) und Wohltaten eines in der Gemeinschaft verrichteten Gebetes verlustig geblieben.
So habe ich denn auch diese beiden Ereignisse, von denen ich betroffen wurde, genauso wie vor zwei Jahren das Verhalten, das dieser Beamte mir gegenüber an den Tag legte, geduldig ertragen und ausgeharrt. Und wolle es Gott, dass ich es auch in Zukunft so halten werde. Dabei denke ich und sage ich mir: Wenn dieses Leid, diese Plage, diese Unterdrückung, wie sie mir von Leuten zugefügt werden, meine Seele (nefs)betreffen, die so voller Fehler und Mängel ist, so trage ich nichts nach. Vielleicht wird meine Seele dadurch eine bessere Haltung (hal)annehmen. Und es ist zudem auch noch eine Buße für die Sünden. Ich habe in diesem irdischen Gasthaus sehr viele Vergnügungen genossen. Wenn man mich nun ein ganz klein wenig misshandelt, so bin ich auch wiederum dankbar dafür. Wenn mich die Weltleute unterdrücken, weil ich dem Glauben und dem Qur'an diene, so ist es nicht meine Sache, mich dagegen zu verteidigen. Das überlasse ich dem Allgewaltigen (Djebbar)in Seiner Allmacht (Aziz).Falls die Absicht darin besteht, die mir überwiesene allgemeine Aufmerksamkeit von mir abzulenken, um jenen eitlen Ruhm zu zerbrechen, der unbegründet und Ursache zur Heuchelei ist und die Aufrichtigkeit (ikhlas)zerstört, dann möge das Erbarmen (rahmet)mit ihnen sein. Denn ich denke, dass es für Menschen wie mich schädlich ist, in den Blickpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit zu geraten und in den Augen der Leute ein berühmter Mann zu sein. Leute, die mit mir in Verbindung stehen, wissen, dass ich keine Ehrerbietung für meine Person wünsche, vielmehr sie verabscheue. Ja, ich habe dies sogar einem achtbaren Freund, der mir etwas bedeutet,
vielleicht fünfzigmal verwiesen. Falls sie beabsichtigen, mich zu diffamieren, mich in der öffentlichen Meinung verächtlich zu machen und herabzuwürdigen, um damit die Wahrheiten des Glaubens und des Qur'an, dessen Dolmetscher ich bin, zu treffen, so ist dies vergeblich. Denn die Sterne des Qur'an kann man nicht hinter einem Vorhang verstecken. "Wer seine Augen verschließt, kann nur selbst nichts sehen, andere in Nacht stürzen kann er nicht."
Vierter Punkt:
Antwort auf einige Fragen, die auf irrigen Vorstellungen beruhen.
Erste Frage:
Weltleute fragen mich immer wieder: "Wovon lebst du? Wie findest du dein Auskommen ohne zu arbeiten? Wir wollen in unserem Lande keine Leute, die faul herumsitzen und sich auf anderer Leute Kosten durchbringen!..."
Antwort:
Ich bin sparsam und mein Leben ist gesegnet. Ich nehme von niemandem außer meinem Versorger (Rezzaq)etwas an, keine Gefälligkeiten und nichts, was mich zu Dank verpflichten könnte, und habe mir das auch für die Zukunft vorgenommen. Es braucht in der Tat ein Mann, der von hundert Para, ja sogar von vierzig Para täglich lebt, von anderen keine Gefälligkeiten anzunehmen. Auf diese Frage einzugehen, war überhaupt nicht meine Absicht. Denn eine Erklärung abgeben zu müssen, die in den anderen vielleicht den Eindruck erweckt, stolz und selbstgefällig zu sein, ist mir besonders peinlich. Doch Weltleute haben mich in einer Weise verdächtigt und ausgefragt, dass ich nun sagen muss: Es ist ein Prinzip, das ich in meinem ganzen Leben stets eingehalten habe, schon von meiner Kindheit an, nichts von den Leuten anzunehmen (auch nicht, wenn es Zekatsein sollte), auch mein monatliches Gehalt nicht anzunehmen (nur ein, zwei Jahre wurde ich an der Daru-l'Hikmeti-l'Islamiyeunter dem Druck meiner Freunde dazu gezwungen, es anzunehmen), nicht für mein monatliches Auskommen eine Dankesschuld auf mich zu laden. Meine Landsleute
und auch die mich anderen Orts kennen, wissen das. In diesen fünf Jahren meiner Verbannung haben sich viele Freunde sehr darum bemüht, mir ihre Geschenke aufzudrängen. Ich habe sie nicht angenommen. Wenn sie mich dann fragen: "Wie kannst du dich unter diesen Umständen noch über Wasser halten?" antworte ich ihnen: "Ich lebe durch Gottes Segen (bereket)und Seine Freigebigkeit (ikram)."Obwohl meine Seele eigentlich jegliche Verachtung verdient hätte und dass man ihr alle Treue aufkündige, habe ich dennoch jenen Segen erfahren, welcher in der Versorgung durch Gottes Freigebigkeit besteht und ein Wunder (keramet)des Dienstes am Qur'an ist. Dem Geheimnis (der Ayah): وَ اَمَّا بِنِعْمَةِ رَبِّكَ فَحَدِّثْ {"Doch erzähle von der Gnade deines Herrn!" (Sure 93, 11)} folgend, möchte ich die Gnadengeschenke, die Gott der Gerechte mir erwiesen hat, erwähnen. Möge es eine Art von Danksagung sein, wenn ich hier einige Beispiele erzähle! Doch wenn ich es auch tue, damit es eine Danksagung sein solle, so fürchte ich doch, selbstgefällig und stolz zu erscheinen und so des Segens verlustig zu gehen. Denn wenn einer, sich selber rühmend, einen geheimen Segen ausposaunt, so verursacht er damit dessen Erlöschen. Doch was hilft das, ich muss es dennoch sagen.
Erstens:
Seit sechs Monaten komme ich mit einem Scheffel (35,27 kg) Weizen aus. Es reicht für 36 Brote. Es ist noch etwas davon da, noch nicht alles aufgebraucht. Wie lange es noch reichen wird, weiß ich nicht. {(*): Es reichte noch ein Jahr.}
Zweitens:
In diesem gesegneten Monat Ramadan haben mir nur zwei Häuser Essen gebracht. Und beide haben mich krank gemacht. So habe ich verstanden, dass
es mir verboten ist, Speisen von anderen zu essen. Übrigens berichtete mir Abdullah Tjawush, der Herr des Hauses und das Oberhaupt dieses ganzen gesegneten Hauses, mein getreuer Freund, der sich den ganzen Ramadan über um meine Verpflegung kümmerte, und er bezeugte, dass mir drei Laib Brot und eine Kiye (1283 g) Reis genügten. Dieser Reis ging sogar erst fünfzehn Tage nach dem Ramadan zu Ende.
Drittens:
Auf dem Berg genügte mir und meinen Gästen eine Kiye Butter für drei Monate, obwohl wir doch jeden Tag Butterbrote gegessen haben. Einer meiner gesegneten Gäste hieß Suleyman. Mein Brot und auch sein Brot gingen zu Ende. Es war an einem Mittwoch, als ich zu ihm sagte: "Gehe und bringe Brot!" Es gab aber zwei Stunden weit im Umkreis niemanden, von dem man hätte Brot holen können. Er sagte zu mir: "Ich habe den Wunsch, die Freitagsnacht bei dir auf dem Berge im Gebet zu verbringen." Ich gab ihm zurAntwort:
تَوَكَّلْنَا عَلَى اللّٰهِ
{"'Wir vertrauen auf Gott."}
Bleib also." Danach stiegen wir beide, ohne dass wir dazu eine Veranlassung gehabt hätten, oder es dafür einen Grund gegeben hätte, immer weiter wandernd bis zum Gipfel eines Berges hinauf. Bei uns hatten wir eine Kanne mit etwas Wasser. Auch hatten wir ein bisschen Zucker und etwas Tee bei uns. Ich sagte: "Mein Bruder, mach ein wenig Tee." Während er damit beschäftigt war, den Tee zuzubereiten, saß ich unter einer Zeder, die sich hoch über einem Bach erhob. Traurig dachte ich bei mir: "Wir haben noch etwas schimmeliges Brot. Es reicht heute Abend noch für uns beide. Wie sollen wir das zwei Tage lang machen und wie soll ich das diesem Mann in seiner Herzensreinheit beibringen?" Während ich noch darüber nachdachte, wendete ich meinen Kopf, und es war mir, als drehte sich mir der Kopf wie von selbst, und da
sah ich: In den Zweigen der Zeder über mir lag ein riesengroßer Laib Brot für uns bereit. "Suleyman, eine Überraschung (müjde)!"rief ich, "Gott der Gerechte hat für uns gesorgt." Wir holten das Brot herunter, betrachteten es und sahen, dass Vögel oder andere frei lebende Tiere es nicht angerührt hatten. Seit zwanzig, dreißig Tagen war kein Mensch mehr auf diesen Gipfel gestiegen. Dieses Brot reichte uns beiden für zwei Tage. Während wir davon aßen und es fast schon aufgegessen hatten, kam (ein anderer) Suleyman, der mir schon seit vier Jahren ein wahrer und treuer Freund ist, von unten herauf mit Brot.
Viertens:
Diese Jacke, die ich hier jetzt trage, habe ich vor sieben Jahren gebraucht gekauft. In fünf Jahren habe ich für Oberkleidung, Unterwäsche, Schuhe und Strümpfe viereinhalb Lira ausgegeben. Es genügten mir der Segen Gottes, die Sparsamkeit und Seine Barmherzigkeit.
So gibt es diesen Beispielen entsprechend noch viele dergleichen Dinge und sehr viele Erscheinungsweisen göttlichen Segens. Die Bewohner dieses Dorfes kennen viele von ihnen. Es soll aber niemand meinen, dass ich all dies erzähle, um mich zu rühmen; vielmehr wurde ich dazu gezwungen. Und denken Sie bitte nicht, es habe sich mir eine Quelle aufgetan, weil ich ein so guter Mensch bin. Diese Segnungen sind entweder ein Gnadenerweis für die Lauterkeit der Freunde, welche zu mir kommen, oder ein Gastgeschenk für den Dienst am Qur'an, oder der segensreiche Gewinn der Sparsamkeit. Vielleicht ist es auch die Versorgung der vier Katzen, die bei mir sind und mit ihrem "Ya Rahim, Ya Rahim" ständig der Barmherzigkeit Allahs gedenken (dhikr)und die in Form dieses Segens zu mir kommt, wovon dann auch ich meinen Nutzen habe. Wenn du aufmerksam ihrem melancholischen schnurren zuhörst, kannst du in der Tat verstehen, wie sie "Ya Rahim, Ya Rahim"rezitieren. Die Geschichte mit der Katze bringt mir die Sache mit dem Huhn in Erinnerung. Ich habe nämlich ein Huhn. Es brachte mir während des
Winters, einer Eiermaschine gleich, mit sehr seltenen Unterbrechungen an jedem Tag ein Ei aus der Schatzkammer der göttlichen Barmherzigkeit. Ja, an einem Tag legte es sogar zwei Eier. Ich war erstaunt und fragte meine Freunde: "Gibt es so etwas?" Sie sagten: "Vielleicht ist es ein Gnadenerweis Gottes!" Im Sommer hatte dieses Huhn auch noch ein kleines Kücken ausgebrütet. Dieses begann dann zu Anfang des heiligen Monats Ramadan mit dem Eierlegen und setzte das vierzig Tage so fort. Weder ich, noch die, welche mir dienten, hatten einen Zweifel daran, dass dieser gesegnete Umstand (hal),sowohl seine Kleinheit, als auch der Winter, als auch der Ramadan ein Gastgeschenk (ikram)des Herrn war. Als dann seine Mutter das Eierlegen einstellte, begann es sofort wieder und ließ mich nicht ohne Eier.
Die zweite irrtümliche Frage:
Die Weltleute fragen mich: "Wie können wir uns darauf verlassen, dass du dich in unsere weltlichen Angelegenheiten nicht einmischen wirst? Wenn wir dich freilassen, wirst du dich vielleicht in unsere weltlichen Angelegenheiten einmischen. Woher sollen wir wissen, was du mit deiner Schläue im Schilde führst? Woher sollen wir wissen, ob du mit deiner Schläue nicht vielleicht nur so tust, als habest du die Welt verlassen und ob du Volkseigentum nur öffentlich nicht nimmst, es aber sehr wohl im Geheimen an dich bringst?"
Meine Antwort:
Ich wurde vor zwanzig Jahren vor ein Kriegsgericht gestellt. Und auch schon früher, in der Zeit vor der Hürriyet(= die Zeit der konstitutionellen Monarchie, genannt "Hürriyet"= Freiheit) waren meine innere und äußere Haltung vielen bekannt. Desgleichen zeigt auch meine Verteidigungsrede vor dem Gericht mit dem Titel: "Mein Zeugnis an zwei Schulen des Unglücks" ganz deutlich, dass ich mein Leben in der Weise verbracht habe, dass ich mich nicht dazu erniedrigt habe, irgendwelche Manöver anzuwenden oder einen Hinterhalt anzulegen, ja noch nicht einmal zu einer harmlosen Lobhudelei.
Hätte es eine solche Lobhudelei gegeben, so wäre in diesen fünf Jahren schon eine Anmeldung angedient worden. Mit einer solchen Lobhudelei möchte ein Mann sich beliebt machen. Er nimmt sich nicht zurück. Er hat immer eine Hinterlist, irgendeinen Betrug im Sinn. Ich aber habe mich trotz schwerer Angriffe und Kritiken zu keiner Würdelosigkeit erniedrigt. "Ich vertraue auf Gott", sagte ich und habe den Weltleuten den Rücken gekehrt. Wer zudem das Jenseits kennt und die Realitäten in dieser Welt erkannt hat, wird das nicht bedauern, kehrt nicht wieder in die Welt zurück, strebt nicht nach ihr. Nach fünfzig Jahren opfert ein Mann, der ganz auf sich allein gestellt und an Irdischem nicht interessiert ist, nicht sein Ewiges Leben für ein, zwei Jahre leeres Gerede und politische Kurpfuscherei in dieser Welt... opferte er es aber, wäre das keineswegs besonders intelligent, vielmehr irrsinniger Wahnwitz. Was aber sollte aus der Hand eines solchen wahnwitzigen Irren schon kommen, dass man sich mit ihm beschäftigen sollte?
Was jedoch den Zweifel daran betrifft, ob ich nicht äußerlich zwar die Welt verlassen habe, mich aber doch innerlich noch nach der Welt sehne, so sage ich entsprechend dem Geheimnis:
وَ مَآ اُبَرِّئُ نَفْسِى اِنَّ النَّفْسَ لَاَمَّارَةٌ بِالسُّوٓءِ
{"Ich will mein Herz (nefs) nicht freisprechen von Schuld; denn das menschliche Herz (nefsu l-emmare: das Tier in uns) ist dem Bösen zugeneigt." (Sure 12, 53),}
dass ich mich (nefs)nicht für schuldlos erklären will... denn das Tier in mir (nefs)verlangt ja nach all dem, was doch nicht gut ist. Aber in dieser vergänglichen Welt, in diesem behelfsmäßigen Gasthaus, in meinem vorgerückten Alter, ein ewiges, unvergängliches Leben und die Ewige Glückseligkeit innerhalb einer kurzen Lebensspanne für ein wenig Genuss zu zerstören, ist nicht Art eines Menschen von Verstand. Weil es aber nicht die Art eines
Menschen von Verstand ist, hat sich dieses Tier in mir (nefsu l-emmare),mochte es nun wollen oder nicht, dem Verstand unterworfen.
Dritte irrtümliche Frage:
Die Weltleute fragen mich: Liebst du uns? Sind wir dir genehm? Wenn du uns liebst, warum bist du uns dann böse und kümmerst dich nicht um uns? Wenn wir dir nicht genehm sind, bist du unser Gegner. Gegner aber werden von uns niedergeworfen.
Meine Antwort:
Hätte ich nicht nur euch, sondern auch eure Welt geliebt, so hätte ich mich nicht aus der Welt zurückgezogen. Ihr seid mir nicht genehm und eure Welt gefällt mir auch nicht. Aber da mische ich mich nicht ein. Denn ich habe eine andere Zielsetzung. Mein Herz ist von anderen Dingen erfüllt. An andere Dinge zu denken, bleibt in meinem Herzen kein Platz mehr übrig. Eure Aufgabe ist es, auf die Hand zu achten (d.h. auf das, was tatsächlich geschieht) und nicht das Herz zu beurteilen. Denn eure Angelegenheit ist das Regierungsgeschäft und die allgemeine Sicherheit im Lande. Mischt sich jemand nicht in eure Angelegenheiten ein, welches Recht habt ihr dann noch, zu verlangen, er solle euch auch noch mit dem Herzen lieben?... Ihr mischt euch in Herzensangelegenheiten ein. In der Tat will ich und wünsche ich den Frühling zu dieser Winterzeit. Aber ich kann ihn nicht herbeiführen, ja es noch nicht einmal versuchen. In ähnlicher Weise wünsche ich auch die Erlösung der Welt und bete darum und wünsche Erlösung für alle Menschen in dieser Welt. Aber ich kann sie nicht herbeiführen... Denn das liegt nicht in meiner Hand. Tatsächlich kann ich es noch nicht einmal versuchen... Denn das ist weder meine Aufgabe, noch bin ich dazu überhaupt in der Lage.
Vierte irrtümliche Frage:
Die Weltleute sagen zu mir: Wir haben schon so viel Schwierigkeiten bekommen, dass wir niemandem mehr Vertrauen schenken können. Wie können wir deiner sicher sein, dass du dich nicht in unsere Angelegenheiten einmischen wirst, sobald sich dir nur eine entsprechend günstige Gelegenheit dazu bietet?
Meine Antwort:
Die oben angeführten Punkte sollten euch diese Sicherheit geben. Zudem habe ich mich auch nicht in eure Angelegenheiten eingemischt, als ich noch inmitten meiner Freunde und Verwandten, die mir auf mein Wort folgten, lebte und die Ereignisse aufregend genug dazu waren. Jetzt, wo ich einsam und verlassen und ganz auf mich allein gestellt als ein Fremdling schwach und hilflos in der Verbannung lebe, isoliert von allen Menschen, die sich mit ganzer Kraft nach einer anderen Welt sehnen und von jeder Nachricht abgeschnitten lebe, hier, wo es nur wenige Freunde und Glaubensbrüder gibt, die selten genug und von weit her um des Glaubens und einer besseren Welt willen zu mir kommen und wo einer dem anderen fremd ist und sich die Menschen mit misstrauischen Blicken betrachten, mich in eure gefährlichen weltlichen Angelegenheiten einzumischen, wäre in mehrfacher Hinsicht Wahnsinn...
Fünfter Punkt:
Betrifft fünf kürzere Infragenstellungen:
Erste Infragestellung:
Die Weltleute fragen mich: Warum übernimmst du nicht unsere Art zu leben und uns zu bekleiden, kurz, den Stil unserer Kultur und die Form unserer Zivilisation? Willst du damit zum Ausdruck bringen, dass du gegen uns bist?
Ich halte dem entgegen:
Meine Herren! Mit welchem Recht erwarten Sie von mir, dass ich von Ihnen lernen soll, was Kultur und Zivilisation ist? Haben doch gerade Sie mich von jeglichem Recht auf Zivilisation ausgeschlossen und dazu gezwungen, fünf Jahre rechtlos in einem Dorf zu leben, eine Kontakt- und Nachrichtensperre über mich verhängt. Allen Verbannten haben Sie erlaubt, in den Städten mit ihren Freunden und Verwandten zusammenzukommen. Sie haben ihnen danach die Ausweispapiere ausgehändigt, mich aber ohne Grund isoliert und, von ein, zwei Ausnahmen abgesehen, keinen Verkehr mit meinen Landsleuten zugelassen. Das heißt doch wohl, dass Ihr mich nicht zu Euren Untertanen und Volksgenossen zählt. Wie könnt Ihr da noch von mir erwarten,
dass ich die Gesetze Eurer Zivilisation übernehmen werde? Die Welt habt Ihr mir zu einem Kerker gemacht. Von einem Mann, der im Kerker sitzt, kann man aber derartige Dinge nicht erwarten. Die Türe zur Welt habt Ihr mir verschlossen. Ich aber habe an die Pforten einer anderen Welt (akhiret)angeklopft. Gottes Barmherzigkeit hat mir aufgetan. Wie aber kann man von so einem Mann, der schon an den Pforten jener Welt (akhiret)angeklopft hat, die doch so schwierigen Sitten und Gebräuche dieser Welt erwarten? Erst wenn Ihr mir meine Freiheit wiedergegeben und das Recht gegeben habt, wieder in meine Heimat zurückzukehren, erst dann mögt Ihr wünschen, dass ich Eure Sitten übernehmen solle...
Zweite Infragestellung:
Die Weltleute sagen zu mir: Wir haben ein offizielles Amt, dass dafür zuständig ist, über den Glauben (din)und die Wahrheiten des Islam zu unterrichten. Du aber, in wessen Vollmacht betreibst du denn religiöse Propaganda? Denn da du nun einmal zur Verbannung verurteilt worden bist, hast du auch kein Recht mehr, dich in diese Angelegenheiten einzumischen.
Meine Antwort:
Das Recht und die Wahrheit unterliegen keiner Beschränkung. Wie kann man Glaube (iman)
und Qur'an einer Beschränkung unterwerfen? Ihr könnt eure weltlichen Prinzipien und Gesetze einer Beschränkung unterwerfen. Doch die Glaubenswahrheiten und die Grundsätze des Qur'an können nicht nach Art der öffentlichen Angelegenheiten und gleich einem irdischen Geschäft, das man gegen Entgelt verrichtet, in eine Form gepresst werden. Denn diese Geheimnisse, die eine Gnadengabe Gottes sind, können nur reinen Herzens (niyet)empfangen werden. Diese Segnungen erlangt man nur, wenn man sich aus diesen irdischen Geschäften zurückzieht und nur dadurch, dass man über allen weltlichen (nefs)Genüssen nach Erlösung strebt. Darüber hinaus hat mich sogar Ihre eigene öffentliche Behörde, damals, als ich noch in meiner Heimat lebte, zum Prediger
bestellt und anerkannt. Ich habe damals diese Predigerstelle angenommen, auf mein Gehalt aber verzichtet. Eine entsprechende Urkunde trage ich bei mir. Mit dieser Urkunde kann ich überall als Prediger oder Imam tätig werden. Denn meine Verbannung ist zu Unrecht erfolgt. Überdies sind ja all die Verbannten längst schon heimgekehrt und diese meine Urkunde hat Wert und Gültigkeit immer noch behalten.
Zweitens:
Durch die Glaubenswahrheiten, welche ich niedergeschrieben habe, wollte ich nur unmittelbar meine eigene Seele (nefs)ansprechen. Ich habe nicht jedermann dazu eingeladen. Vielmehr suchen diejenigen, deren Seele (ruh)ihrer bedarf und deren Herzen verwundet sind nach diesen Heilmitteln im Qur'an und finden sie dort. Zu meinem Lebensunterhalt habe ich nur die Risala über die Auferstehung drucken lassen, und zwar noch vor der Einführung der neuen Schrift. Sie wurde auch von diesem ehemaligen Gouverneur (vali),der sich mir gegenüber ungerecht verhalten hat, geprüft. Doch blieb diese Risala unbeanstandet, weil er nichts darin finden konnte, was einer Kritik wert gewesen wäre.
Dritte Infragestellung:
Manche meiner Freunde haben sich ganz offensichtlich von mir distanziert, weil ich bei den Weltleuten in Verdacht geraten bin und weil sie nun ihrerseits bei diesen Weltleuten gut angesehen sein möchten; ja sie kritisieren mich vielleicht. Doch sind diese Weltleute schlau genug, diese äußerliche Zurückhaltung und die kühle Distanziertheit solcher Leute mir gegenüber nicht als ein Zeichen der Treue gegenüber den Weltleuten anzusehen, sie vielmehr als eine Art von Heuchelei, als eine Gewissenlosigkeit zu betrachten und verfolgen solche Freunde daher mit bösen Blicken.
Ich halte dem entgegen:
Oh Ihr meine Freunde im Glauben! Wenn ich dem Qur'an diene, so braucht ihr euch deswegen nicht gleich von mir zurückzuziehen und vor mir davonzulaufen! Denn von mir droht euch inshaa'llah keine Gefahr. Denn selbst angenommen, es würde
sich irgendetwas Schlimmes ereignen, oder mir ein Unrecht zustoßen, so könntet ihr euch doch nicht retten dadurch, dass ihr euch vor mir zurückzöget. Denn in diesem Falle hättet ihr das Unglück und den Schlag, der euch getroffen hat, nur noch umso mehr verdient. Und was ist denn eigentlich passiert, dass ihr so sehr euren Wahnideen verfallen seid?
Vierte Infragestellung:
In dieser Zeit meiner Verbannung sehe ich, dass manche Menschen, die in den Sumpf der Politik hineingeraten sind, sich selbst aber gerne ein wenig herausheben möchten, mich mit Blicken betrachten, als stünde ich auf der gegnerischen Seite, so als ob auch ich so wie sie in den Strom dieser Welt mit hinein verwickelt wäre.
Meine Herren! Der Strom, der mich bewegt, ist der Strom des Glaubens. Und der Strom, der sich mir entgegenstellt, ist der Strom des Unglaubens. Eine andere Strömung ist für mich nicht von Interesse. Männer, die sich zu einer solchen Arbeit für Lohn verdingen, mögen sich vielleicht selbst für entschuldigt halten. Mich aber ohne allen Lohn, in patriotischem Übereifer, aus einer Haltung der Parteilichkeit oder Gegnerschaft heraus anzugreifen und zu schikanieren, ist ein ganz besonders übler Fehler. Denn wie ich bereits weiter oben bewiesen habe, habe ich mich auf die Politik dieser Welt überhaupt nicht eingelassen. Ich habe all meine Zeit und mein ganzes Leben auf die Glaubenswahrheiten und den Qur'an beschränkt und nur ihm allein gewidmet. Und weil dies nun einmal so ist, möge doch derjenige, der mich in dieser Weise schikaniert und sich mir entgegenstellt, denken, dass er im Namen seiner Gottlosigkeit und Glaubenslosigkeit so handelt und damit den Glauben angreift.
Fünfte Infragestellung:
Die Welt ist nun einmal vergänglich. Außerdem ist das Leben nun einmal kurz. Außerdem gibt es nun einmal viele wichtige Aufgaben. Außerdem muss man sich nun einmal das Ewige Leben hier verdienen. Außerdem ist nun einmal diese Welt nicht ohne Besitzer.
Außerdem hat nun einmal diese unsere irdische Herberge einen Lenker und Leiter von großer Weisheit und Freigebigkeit. Außerdem bleibt nun einmal das Gute und das Schlechte nicht ohne seinen Lohn. Außerdem gibt es nun einmal entsprechend dem Geheimnis von
لاَ يُكَلِّفُ اللّٰهُ نَفْسًا اِلاَّ وُسْعَهَا
{"Gott verlangt von keiner Seele (nefs) mehr, als sie zu tragen vermag." (Sure 2, 286)}
keine unerträglichen Belastungen. Außerdem ist nun einmal ein gefahrloser Weg immer einem gefährlichen Weg vorzuziehen. Außerdem reichen nun einmal Freundesbande und Standesverpflichtungen nur bis zum Rand des Grabes...
Der Glücklichste aber ist sicherlich derjenige, der das Jenseits nicht um des Diesseits willen vergisst, der das Jenseits nicht dem Diesseits zum Opfer bringt, der das Ewige Leben nicht um des irdischen Lebens willen zerstört, der sein Leben nicht mit nutzlosen Dingen vertändelt, der sich selbst nur als einen Gast betrachtet und der sich den Weisungen seines Gastherrn entsprechend verhält. Er wird heil und sicher das Tor seines Grabes öffnen und in die Ewige Glückseligkeit eingehen.
{(*): Was ich mit den obigen "außerdem..."-Sätzen zum Ausdruck bringen möchte, ist Folgendes: Ich kümmere mich nicht um all das Unrecht, das man mir zufügt und messe den Schikanen keine Bedeutung bei. Ich sage mir: "Es ist die ganze Aufregung nicht wert." und mische mich nicht in weltliche Angelegenheiten.}
Anhang zum "Sechzehnten Brief"
بِاسْمِهِ ٭ وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, außer dem es fürwahr kein Ding gibt, das Ihn nicht dankend lobpreist."}
Die Weltleute verdächtigen mich, einen armseligen Fremdling, ohne jeden Grund. In ihrer Phantasie meinen sie, ich sei stark wie tausend Mann und halten mich unter vielen Vorbehalten gefangen. Sie haben mir nicht erlaubt, ein, zwei Nächte an einem Ort in der Gegend von Bedre oder auf einem Berg in der Nähe von Barla zu bleiben. Ich habe sie sagen gehört: "Said hat die Macht von 50.000 einfachen Soldaten. Darum können wir ihn nicht frei lassen."
Ich halte dem entgegen: Oh ihr unglückseligen Weltleute! Warum versteht ihr die Dinge dieser Welt noch immer nicht, obwohl ihr euch doch mit all eurer Kraft für eure weltlichen Angelegenheiten einsetzt? Ihr urteilt einem Geisteskranken gleich. Wenn ihr in Bezug auf meine Person irgendwelche Befürchtungen habt, so braucht es doch nicht 50.000 Soldaten, nein, es kann vielleicht schon ein einzelner Soldat fünfzigmal mehr an Arbeit verrichten als ich. Denn er kann vor der Tür zu meiner Kammer Posten beziehen und zu mir sagen: "Hier kommst du nicht mehr raus!"
Wenn ihr euch vor meiner Berufung fürchtet, wenn ihr Angst habt, weil ich der öffentliche Ausrufer des Qur'an bin und die Kraft des Glaubens in mir ist, dann bin ich 50.000 Soldaten nicht gleichzusetzen. Da irrt ihr euch! Angesichts meiner Berufung bin ich so stark wie 50.000.000 von ihnen. Das sollt ihr wissen! Denn in der Kraft des Weisen Qur'an fordere ich mitsamt all euren Gottlosen auch ganz Europa heraus. Denn durch den Glauben (iman),dessen Lichter (envar)ich überall verbreite,
habe ich ihre positiven Wissenschaften, diese feste Burg, welche sie als Natur bezeichnen, zunichte gemacht. Die größten unter den atheistischen Wissenschaftlern habe ich dahin geführt, dass sie (in ihrem Unverständnis) noch unter die Tiere hinabgerutscht sind. Wolltet ihr all eure Atheisten mitsamt dem ganzen Europa zusammenrufen, so könntet ihr mich durch die Führung Allahs, der mir den Erfolg verleiht, doch nicht in auch nur einer einzigen Fragestellung von meiner Berufung abbringen. Sie werden insha-a'llah nicht den Sieg davontragen!...
Weil dies aber nun einmal so ist, mische ich mich nicht in eure weltlichen Angelegenheiten ein. Doch sollt auch ihr euch nicht in meine Angelegenheiten einmischen, welche das Jenseits betreffen. Zudem ist diese eure Einmischung auch vergeblich.
Was Gott bestimmt hat, lässt sich nicht abwenden mit des Armes Kraft.
Was der Herr entzündet hat, lässt sich nicht auslöschen mit des Mundes Blasen.
Über mich nähren die Weltleute in ganz ausnehmender Weise völlig irrige Vorstellungen, als ob sie mich fürchteten. Sie bilden sich ein, ich wäre, was ich gar nicht bin, und selbst wenn ich es wäre, bildete es doch nicht den Gegenstand einer politischen Verfehlung und wäre gar kein Grund zur Anklage, Dinge wie die Würde eines Scheichs, Größe, Vornehmheit, Adel, ein Stammesfürst zu sein, Einfluss und eine persönliche Ausstrahlung zu besitzen, viele Anhänger zu haben, mit seinen Landsleuten Umgang zu pflegen, sich für die Ereignisse in dieser Welt zu interessieren, ja sogar politisch aktiv zu sein und das selbst auf Seiten der Opposition, Dinge, die gar nicht auf mich zutreffen und über die sie dennoch in Aufregung geraten. Ja, während sie schon darüber reden, diejenigen zu amnestieren, die noch im Gefängnis sitzen oder schon
wieder draußen sind und die doch nach ihrer Meinung gar nicht für eine Amnestie in Frage kommen, verbieten sie mir selbst nahezu alles. Ein Mann von schlechtem Ruf und obzwar sein Ruhm schon vergänglich war, hat einmal das folgende schöne unvergängliche Wort geprägt:
Wenngleich auch das Unrecht eine Kanone hätte, eine Kugel hätte, eine Burg hätte,
So besitzt doch die Gerechtigkeit einen unbeugsamen Arm, ein Antlitz, das sich nicht abwendet.
Dementsprechend sage auch ich:
Wenngleich auch sich auf Seiten der Weltleute die Souveränität findet, die Majestät sichtbar wird, die Macht zum Ausdruck kommt,
so besitzt doch durch den Segen des Qur'an sein Diener ein unbeirrbares Wissen und ein Wort, das man nicht zum Verstummen bringen kann, einen untrüglichen Sinn und ein unauslöschliches Licht.
Viele meiner Freunde haben mir ebenso wie der Kommandant, der mich überwachte, immer wieder die Frage vorgelegt: Warum bemühst du dich nicht um einen Ausweis, stellst keinen Antrag (auf Anmeldung)?
Meine Antwort:
Es gibt fünf, sechs Gründe dafür, dass ich einen solchen Antrag nicht stelle und auch gar nicht stellen darf.
Erstens:
Ich habe mich in die weltlichen Angelegenheiten der Weltleute nicht eingemischt, sodass ich nun in ihrer Schuld stünde und bei ihnen vorstellig werden müsste.
Ich bin ein Schuldner der göttlichen Allmacht (Qader)und habe mich gegen sie versündigt, sodass ich nun bei ihr vorstellig werden muss.
Zweitens:
Ich habe mit absoluter Sicherheit geglaubt und erkannt, dass diese Welt eine Herberge ist, die sich schnell verwandelt. Deswegen ist sie keine wahre Heimat. Das ist überall das Gleiche. Da ich aber nun einmal nicht ewig in meiner Heimat (Bitlis)bleiben kann, bringt es auch gar nichts ein, sich vergeblich darum zu bemühen, dorthin zu gelangen. Es ist nun einmal jeder Platz einer Herberge gleich. Ist aber der Herr dieser Herberge in Seiner Barmherzigkeit mir freundlich gesinnt, so ist mir jedermann freundlich gesinnt und jeder Platz ist mir ein freundlicher Ort. Ist Er mir aber nicht freundlich gesinnt, so lastet mir jeder Ort auf der Seele (qalb)und jedermann ist mein Feind.
Drittens:
Ein Anmeldeantrag kann nur im Rahmen des Gesetzes erfolgen. Doch seit sechs Jahren hat man mich stets nur mit Willkür behandelt und außerhalb der Gesetze gestellt. Nach dem Gesetz für die Verbannten wurde ich nicht behandelt. Man hat mich so betrachtet, als sei ich vom bürgerlichen Recht, ja sogar von den Menschenrechten ausgeschlossen. Es ist daher einfach widersinnig, im Namen des Gesetzes bei denen einen Antrag auf Anmeldung einzureichen, die sich selbst gesetzwidrig verhalten.
Viertens:
In diesem Jahr hat der Herr Distriktsdirektor in meinem Namen einen Antrag eingereicht, mit der Bitte, mir für einige Tage in Bedre, einem zur Stadtgemeinde von Barla gehörigen Stadtbezirk, Aufenthalt und Luftveränderung zu gestatten. Man hat mir diese Aufenthaltsgenehmigung nicht erteilt. Wenn aber bereits bei derart unwichtigen Angelegenheiten ein Antrag abgelehnt wird, wie kann ich denn dann bei solchen Leuten noch vorstellig werden? Wollte ich bei ihnen noch einen Antrag einreichen, wäre dies eine fruchtlose Erniedrigung in einer entwürdigenden Lage.
Fünftens:
Gegenüber Leuten, die Unrecht für Recht hinstellen, sein Recht zu fordern und bei ihnen vorstellig zu werden, ist eine Ungerechtigkeit. Es wäre eine Respektlosigkeit gegenüber der Gerechtigkeit. Eine solche Ungerechtigkeit und eine solche Respektlosigkeit gegenüber dem Recht will ich nicht begehen und damit Friede (Selam!= Gruß beim Abschiednehmen).
Sechster Grund:
Die Schwierigkeiten, die Weltleute mir bereiten, haben keine politischen Gründe. Denn diese Leute wissen, dass ich mich nicht in die Politik einmische, dass ich die Politik fliehe. Vielleicht gehen ihre Schikanen bewusst oder unbewusst auf die Rechnung ihres Atheismus, weil ich doch dem Glauben (din)verbunden bin. Wenn dies aber so ist, dann hieße, bei ihnen vorstellig zu werden, sich mit Bedauern vom Glauben (din)abzuwenden und statt seiner dem Atheismus in die Arme zu werfen. Wollte ich aber bei ihnen vorstellig und kniefällig werden, so würde mich dennoch die Allmacht (Qudret)Gottes in ihrer Gerechtigkeit durch ihre eigene Hand bestrafen. Denn sie schikanieren mich ja, weil ich ein im Glauben (diyanet)gebundener Mensch bin. Denn nach (Gottes) Bestimmung (Qader)werde ich gepeinigt, weil mein religiöses Leben (diyanet)und meine Aufrichtigkeit (ikhlas)fehlerhaft sind und ich ab und zu einmal versucht habe, mich bei Weltleuten beliebt zu machen. Wenn dies aber so ist, dann gibt es hier und jetzt keine Rettung vor dieser Pein. Wollte ich aber bei diesen Weltleuten vorstellig werden, so sagte mir Gottes Bestimmung (Qader):"Du Heuchler! Verkoste nun die Strafe dafür, dass du dich zu ihnen hin gewandt hast!" Wenn ich mich aber ihnen nicht zuwende, dann sagen die Weltleute: "Du willst uns nicht kennen. Nun denn, so lass es und plage dich weiter!"
Siebenter Grund:
Es ist bekannt, dass die Aufgabe eines Beamten darin besteht, denjenigen, welche der Gesellschaft Schaden zufügen, keinen Platz einzuräumen und denen, welche ihm dienen, Hilfe zu gewähren.
Dennoch kam jener Beamte, bei dem ich unter Kuratel gestellt wurde, während ich einmal einem alten Mann, der als Gast zu mir gekommen war und schon am Rande des Grabes stand, die Süße des Geheimnisses (latif)darbot, das der Glaube (iman)im لآٰ اِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ {"Es gibt keine Gottheit außer Allah."} in sich enthält, obwohl er lange Zeit nicht mehr bei mir gewesen war, zu mir, so als habe er mich gerade eben auf frischer Tat ertappt und als ob ich ein Verbrechen begangen hätte. Er hat diesen armen alten Mann, der mir aufrichtig (ikhlas)zuhörte, frustriert und leer ausgehen lassen und mich selbst auch noch in Wut gebracht. Dabei gab es hier noch einige andere Leute, denen er gar keine Beachtung schenkte. Als es schließlich so weit kam, dass sie in ihrer Sittenlosigkeit im gesellschaftlichen Leben des Dorfes ihr Gift verstreuten, hat er auch noch begonnen, ihnen seine Sympathie und seine Anerkennung zu bezeigen. Dabei ist doch allgemein bekannt, dass ein Mann, und säße er auch für hundert Verbrechen im Kerker, jederzeit mit den Wache habenden Beamten sprechen kann, seien sie nun Offiziere oder einfache Soldaten. Doch schon seit einem Jahr gehen sowohl der Befehlshaber als auch der wachhabende Beamte von der Nationalregierung, also zwei hohe Persönlichkeiten, jedes Mal an meiner Zelle vorüber, ohne sich auch nur im geringsten um mich zu kümmern oder gar nach mir zu erkundigen. Ich hatte zunächst einmal vermutet, das läge vielleicht daran, dass sie mir feindlich gesinnt sind. Später wurde mir dann klar, dass sie in ihrem Wahn vor mir davonlaufen, als wollte ich sie verschlingen. Eine solche Regierung, die aus derartigen Leuten zusammengesetzt ist und solche Beamten beschäftigt, überhaupt noch eine Regierung nennen zu wollen, sie als Meldebehörde anzuerkennen und dort vorstellig zu werden, widerspricht
dem gesunden Menschenverstand, ist eine fruchtlose Erniedrigung. Der Alte Said hätte mit (dem französischen Dichter) Antere dazu gesagt:
مَآءُ الْحَياَةِ بِذِلَّةٍ كَجَهَنَّمَ ٭ وَ جَهَنَّمُ باِلْعِزِّ فَخْرُ مَنْزِلىِ
{"Wasser des Lebens in Erniedrigung ist wie die Hölle; Hölle in Ehren ist ein Ort, stolz darauf zu sein."}
Es gibt den Alten Said nicht mehr. Der Neue Said aber hält es für sinnlos, mit den Weltleuten Umgang zu pflegen. Möge ihre Welt sie den Kopf kosten! Mögen sie mit mir machen, was sie wollen! Am Tag des Großen Gerichtes wird er mit ihnen vor den Richter kommen, sagt er und schweigt.
Der Verweigerung, meine Anmeldung vornehmen zu lassen, achter Grund:
Entsprechend dem Grundsatz: "Die Folge gesetzloser Liebe ist gnadenloser Hass." wird die Allmacht (Qader)Gottes in ihrer Gerechtigkeit mich durch die ungerechte Hand dieser Weltleute bestrafen, wenn ich ihnen meine Sympathie erweise, obwohl sie derer doch gar nicht würdig sind. So denke ich denn, dass ich diese Strafe verdient habe und schweige. Denn als ich während des Ersten Weltkrieges Kommandeur eines Freiwilligenregimentes war, habe ich mich zwei Jahre lang eingesetzt und gekämpft. Ich habe unter dem Befehl vom Enver Pascha und seinem Obersten Kommandanten wertvolle Schüler und Freunde geopfert. Ich wurde verwundet und gefangen. Nach meiner Entlassung aus der Gefangenschaft habe ich mich durch meine "Sechs Schritte (Hutuvat-i Sitte)"und andere, ähnliche Werke in Gefahr gebracht und zu der Zeit, als die Engländer Istanbul besetzt hielten, die Engländer vor den Kopf gestoßen. So habe ich damals denen, die mich heute schikanieren und grundlos gefangen halten, Hilfe geleistet. So lohnen sie mir heute diese meine Hilfe auf diese ihre Weise. All die Strapazen und Schwierigkeiten unter denen ich in russischer
Gefangenschaft drei Jahre lang gelitten hatte, haben mir hier meine "Freunde" in drei Monaten zugefügt. Denn die Russen haben mir damals, als ich noch Kommandant eines kurdischen Freicorps war und obwohl sie mich als Kosakenmörder und Gefangenenschlächter betrachteten, nicht verboten, Unterricht abzuhalten. So habe ich damals den meisten der neunzig Offiziere, die meine Kriegskameraden waren, Unterricht erteilt. Einmal kam auch der russische Kommandant und hörte mir zu. Weil er kein türkisch verstand, glaubte er, ich gäbe politischen Unterricht. So verbot er mir dies zunächst, erteilte mir aber später doch wieder die Erlaubnis. Auch haben wir noch im selben Winter einen Raum als Moschee hergerichtet. Ich habe dort als Imam gedient. Man hat uns nicht dabei gestört. Man hat Besuche mir nicht untersagt. Eine Nachrichtensperre gab es nicht. Doch meine heutigen "Freunde", obwohl sie doch meine Landsleute und Mitgläubigen sind und Männer, denen im Glauben einen Dienst zu erweisen ich mich bemühe und die doch wissen, dass ich mich nicht für Politik interessiere und um weltliche Angelegenheiten nicht kümmere, haben mich nicht nur drei, nein sechs Jahre lang gefangen gehalten, mich grundlos schikaniert und mir jeden Umgang verboten. Sie haben mir den Unterricht verboten, obwohl meine Papiere in Ordnung sind, ja sogar Privatstunden in meinem eigenen Zimmer untersagt und mich von der Außenwelt abgeschottet. Ja, sie haben mir sogar ungeachtet meiner Urkunden und Diplome meinen Gebetsraum verboten, den ich mir selbst hergerichtet hatte und in dem ich vier Jahre lang Imam gewesen bin. Ja, sie erlaubten mir jetzt noch nicht einmal, den drei Leuten, die meine Glaubensbrüder sind und mit mir eine feste Gemeinschaft bilden, ganz privat Imam zu sein, damit mir der Lohn des Gemeinschaftsdienstes versagt bleibe.
Selbst wenn irgendjemand gegen meinen eigenen Willen etwas Gutes zu mir sagt, wird der Beamte, der mich überwachen soll, blass vor Neid und rot vor Wut und ergreift
gewissenlos Maßnahmen, um meinen Einfluss zu brechen und schikaniert mich in der Absicht, bei seinen Vorgesetzten besser angeschrieben dazustehen.
Bei wem anders soll also nun ein Mann in meiner Lage vorstellig werden, denn bei Gott dem Gerechten? Wenn der Richter selber zugleich auch der Ankläger ist, bei wem denn soll man da noch seine Klage vorbringen? Komm nun und sprich zu mir, was ich in diesem Falle sagen sollte!? Was du auch sagen magst... ich halte dem entgegen: Es gibt unter diesen meinen Freunden viele Heuchler. Ein Heuchler ist schlimmer als ein Ungläubiger. Darum verursachen sie mir Qualen, die mir die Russen nicht zugefügt haben.
Oh ihr Unglückseligen! Was habe ich euch denn getan oder tue ich denn? Ich erweise euch einen Dienst zur Rettung eures Glaubens und für eure Ewige Glückseligkeit! Mein Dienst war also nicht lauter und rein. Weil ich ihn nicht um Allahs willen verrichtet habe, ist nun eine Gegenreaktion eingetreten. Im Gegenzug kränkt ihr mich nun bei jeder Gelegenheit... Sicherlich werden wir uns vor dem Großen Gericht wieder sehen!...
حَسْبُناَ اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ نِعْمَ الْمَوْلٰى وَ نِعْمَ النَّصِيرُ
{"Es genügt uns Allah und Er ist unser bester Anwalt (vakil), unser bester Herr (maula) und unser bester Helfer (nasir)."}
sage ich!
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist Er, der bleibt und besteht."}
Said Nursi
* * *
Meine lieben, treuen Brüder!
Den in das Elend des Kerkers gestürzten und denen, die ihnen von Außen kommend in Güte und Treue Nahrung und Hilfe bringen und denen, die sie bewachen, möchte ich "Drei Punkte" zu ihrem besonderen Trost erklären.
Erster Punkt:
Die im Kerker verbrachten Tage des Lebens können für den, der jeden Tag verdienstvoll zu gestalten vermag, je zu zehn Tagen Anbetung werden, und wer die vergänglichen Stunden umzuwandeln versteht, dem werden sie in ihren Früchten zu bleibenden Stunden für die Seele und er kann sich in diesen fünf oder zehn Jahren Strafe vor Millionen Jahren einer ewigen Kerkerhaft retten. So besteht denn die Bedingung dafür, diesen so großen und so wertvollen Gewinn zu erwerben darin, dass man das Gebet verrichtet, die Sünden bereut, welche die Ursache dieser Gefängnisstrafe waren, und in Geduld Dank sagt. Das Gefängnis ist ja schon ein Hindernis gegenüber so vielen Sünden und lässt eine Gelegenheit dazu nicht entstehen.
Zweiter Punkt:
Das Ende einer Freude ist ein Schmerz, so wie das Ende eines Schmerzes Freude ist. Jeder, der sich vergangener, froher und freudiger Tage erinnert, verspürt im Seufzen seiner Seele einen Schmerz über den Verlust und sagt: "Oh, weh!". Wenn er sich seiner vergangenen unglücklichen, leidvollen Tage erinnert, verspürt er über ihrem Entschwinden eine Freude in seiner Seele, sodass er sagt: "Elhamdulillah, dieses Unglück hat einen Verdienst mit sich gebracht und ist vorübergegangen." Freudig atmet er auf. Das heißt also, dass eine Stunde vorübergehender Schmerzen in der Seele eine geistige Freude hinterlässt und eine frohe Stunde im Gegenteil einen Schmerz zurücklässt.
Da dies nun einmal eine Tatsache ist und da nun einmal die Stunden eines vergangenen Unglücks zusammen mit ihren Schmerzen entschwunden und in Nichts zerronnen sind und die Tage künftigen Unheils ein Nichts und nicht
vorhanden sind und es im Nichts keinen Schmerz gibt und ein Schmerz aus dem Nichtsein nicht kommen kann, so wäre es doch sicherlich ein Irrsinn, wenn zum Beispiel jemand, aus der Möglichkeit heraus in einigen Tagen Hunger und Durst zu leiden, heute schon in dieser Vorstellung fort und fort Brot äße und Wasser tränke, was doch sicherlich ein Irrsinn wäre, in gleicher Weise, wollte er jetzt schon an die Stunden vergangener und kommender Schmerzen, die nicht mehr oder noch nicht da sind, denken und sich ungeduldig zeigen, die Fehler seiner Seele außer Acht lassen, stattdessen aber "Ach und Weh!" seufzen, und Gott deswegen anklagen.
Verausgabt man nicht die Kraft seiner Geduld nach rechts und links, das heißt für Vergangenes und Zukünftiges, bewahrt sie stattdessen für die gegenwärtige Stunde und den heutigen Tag, so genügt das. Das Unbehagen geht von zehn auf eins zurück. Wenn ich mich auch keineswegs darüber beklagen will, so hat mir doch in dieser dritten Schule des ägyptischen Josef, nach einigen Tagen im Unglück meiner körperlichen und geistigen Bedrängnis und Krankheit, besonders der Verzweiflung darüber, dass man mir den Dienst an der Risale-i Nur unmöglich gemacht hat, und der zermürbenden Unruhe in meinem Herzen und in meiner Seele die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)diese obige Wahrheit aufgezeigt. Auch ich bin in der Plage meiner Krankheit und meiner Gefangenschaft zufrieden, denn: "Für den, der so wie ich, hilflos an der Schwelle zum Grabe eine Stunde in Gottvergessenheit vorübergehen lassen könnte, ist es ein großer Gewinn, daraus zehn Stunden der Anbetung zu machen." habe ich gesagt und dafür gedankt.
Dritter Punkt:
Den Gefangenen in Liebe zu helfen und zu dienen, ihnen den notwendigen Lebensunterhalt zukommen zu lassen, die Wunden und Schmerzen ihrer Seele mit dem Balsam der Tröstung zu lindern, ist mit wenig Mühe eine verdienstvolle Handlung und ihnen die Speisen zu reichen, die ihnen von außen gebracht werden,
wird diesen Wächtern und denen, die innerhalb wie außerhalb mit den Wächtern zusammenarbeiten, einem Almosen (sadaqa)gleich, in das Buch ihrer guten Werke eingetragen. Ist insbesondere der Unglückliche noch dazu alt oder krank oder arm oder ein Fremdling, so vermehrt sich noch beträchtlich der Lohn (sevab)solcher wohltätigen, einem Almosen gleichenden Handlungen.
So ist die Bedingung für ein so hohes Verdienst die Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete, damit dieser Dienst um Gottes Willen (lillah)sein solle. Zudem ist es noch eine Bedingung, in Treue (sadaqat),mit Liebe (shefqat)und Freude, ohne einen Dank zu erwarten, zu einer solchen Hilfeleistung zu eilen.
* * *
Eine kurze Anmerkung zu dem "Wegweiser für die Jugend"
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen Gottes, des Hochgelobten."}
Der wahre Trost aus der Risale-i Nur ist für die Gefangenen unbedingt notwendig. Insbesondere brauchen diejenigen, die der Schlag des Schicksals wegen ihres jugendlichen Leichtsinnes getroffen hat, und die nun den Lenz ihres Lebens im Gefängnis verbringen, die "Lichter" so sehr wie das Brot.
Das junge Blut hört in der Tat mehr auf seine Gefühle als auf den Verstand. Doch Wünsche und Gefühle sind blind. Sie sehen die Folgen nicht. Ihre Vorliebe gilt dem Dirhem (3g) voll Lust im Hier und Jetzt, nicht dem Batman (8kg) voll Lust im Dort und Danach. Sie töten voll Lust in einer Minute der Rache und erleiden sodann 80.000 Stunden Gefangenschaft. Und im Rausch einer Stunde zerstören Ausschweifungen dort, wo es um die Ehre geht, mit Tausenden von Tagen im Gefängnis,
mit Kummer und Sorgen und der Angst vor den Feinden das Glück eines Lebens.
Angesichts alles dessen haben unerfahrene junge Leute so vielgestaltige Abgründe vor sich, welche alle Süßigkeit des Lebens in Bitterkeit und Bedauern verwandeln und besonders im Norden gibt es ein großes Land, das über die Jugend und ihre Leidenschaften bestimmt und mit seinen Stürmen unser Zeitalter erschüttert. Denn es sieht die sittenreinen Töchter und ehrenhaften Frauen der Menschen für junge Leute, die blind in ihren Gefühlen die Folgen nicht sehen, als erlaubt an. Ja dadurch, dass es den Männern und Frauen erlaubt ist, nackt zusammen ins Bad zu gehen, fördert es sogar noch diese Unzucht. Zudem betrachtet es das Gut der Reichen für Gauner und arme Leute als erlaubt, sodass alle Menschen vor einer derartigen Katastrophe erzittern.
Also ist es in unserem Jahrhundert für die islamische Jugend allgemein und besonders für die türkische dringend notwendig, dass sie dieser Gefahr, die ihr von beiden Seiten droht, mutig und standhaft mit dem scharfen Schwert der Risale-i Nur, nämlich mit der Risale "Früchte" und "Wegweiser für die Jugend" entgegentritt. Anderenfalls wird diese Jugend in ihrer Unerfahrenheit ihre Zukunft sowohl in dieser Welt und das Glück ihres Lebens, als auch die jenseitige Glückseligkeit und das ewige Leben in Schmerzen und Qualen verwandeln und zu Grunde richten, sich durch Missbrauch und Ausschweifung ins Krankenhaus und durch Gesetzlosigkeit ins Gefängnis bringen. In ihrem Alter wird sie dann mit Seufzen und Wehklagen viel zu bedauern haben. Wenn sie sich jedoch durch die qur'anische Bildung und die lichtvolle Botschaft zu bewahren weiß, wird sie zu einer so starken und mutigen Jugend heranreifen, zu vollkommenen Menschen und glücklichen Muslimen werden, welche Königen gleichen über die Tiere und alles, was da lebt.
Wenn ein junger Mann nur eine einzige von vierundzwanzig Stunden seines Lebens täglich im Gefängnis für
das fünfmalige Gebet aufwendet, und wenn er, da das Gefängnis ihn sehr häufig daran hindert, zu sündigen, auch den Fehler bereut, der ihn in dieses Unglück gestürzt hat, und sich von den übrigen Sünden zurückhält, die ihm Schaden und Leiden bringen, wird er daraus einen großen Nutzen sowohl für sein Leben, als auch für seine Zukunft, als auch für sein Land, als auch für sein Volk, als auch für seine Familie ziehen und sich in diesen zehn, fünfzehn vergänglichen Jahren seines jungen Lebens eine ewige strahlende Jugendzeit verdienen, so wie uns das vor allem der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, und alle die Heiligen Bücher und Offenbarungsschriften zuverlässig berichten und verkündigen.
Dankt er für seine Jugendzeit, dieses schöne Gnadengeschenk (nimet),in Geradlinigkeit (istikamet)und im Gehorsam, wird er durch sie in der Tat wachsen und reifen, sie wird ihm für die Dauer und zur Freude sein. Anderenfalls wird sie ihm sowohl Unglück bringen, als auch in Schmerzen, Leiden und Albträumen, die sie ihm verursacht, vergehen. Sie wird ihm zu einer Ursache, zu einem Haderlumpen werden, der sowohl seinen Verwandten, als auch seinem Volk und Land Schaden bringt.
Einem Gefangenen, der zu Unrecht eingesperrt wurde, vorausgesetzt, er verrichtet seine Gebete, wird jede Stunde zu einem Tag der Anbetung und das Gefängnis gilt ihm als Einkehrhaus, den Höhlen gleich, in die sich in alter Zeit die Einsiedler, denen gleich auch er zu den Frommen gezählt werden darf, zum Gebet zurückzogen.
Jemandem, der arm, alt und krank ist und sich an den Glaubenswahrheiten begeistert und dabei seine Gebete verrichtet und bereut, wird jede Stunde einer zwanzigstündigen Anbetung gleich und das Gefängnis gilt ihm als ein Erholungsheim, und seinen Freunden, die ihn mit Güte (muhabbet)umgeben, als ein Haus, in dem man sich begegnet, ein Haus, in dem man Bildung erwirbt und ein Haus, in dem man Erfahrungen austauscht. Während seines Aufenthaltes im Gefängnis vermag er die Freiheit, frei von aller Verunsicherung
und den Verlockungen der Sünde draußen, weit mehr zu genießen. Im Gefängnis vervollständigt sich seine Bildung. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung wird er dann nicht mehr als ein Mörder, als ein Rächer hinausgehen, sondern als ein Mann, der bereut hat, der erfahren, gebildet und ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft geworden ist.
Im Gefängnis in Denizli haben einige dort zuständige Persönlichkeiten, nachdem sie gesehen hatten, wie Menschen, welche aus den "Lichtern" die Unterweisung in gutem Benehmen auf wunderbare Weise in kurzer Zeit in sich aufgenommen haben, gesagt: "Anstatt sie fünfzehn Jahre zur Züchtigung ins Gefängnis zu werfen, hätte man sie besser fünfzehn Wochen lang in der Risale-i Nur unterweisen sollen. Das hätte sie viel mehr gebessert."
Der Tod stirbt nun einmal nicht und die Todesstunde ist unbekannt. Sie kann jederzeit kommen. Das Grab wird nun einmal nicht verschlossen. Schar um Schar steigt hinab und entschwindet. Der Tod ist nun einmal für die Leute des Glaubens die Umwandlung einer Verurteilung, auf ewig verloren zu sein, in den Bescheid ihrer Entlassung, wie dies nach der Lehre des Qur'an aufgezeigt wird, während er für die Leute des Irrweges und der Ausschweifung in deren Augen nichts als einen Verlust und Verlorenheit auf ewig bedeutet, eine ewige Trennung von Allem, was da war und lebte und ihnen teuer war. Es besteht bestimmt und ganz bestimmt kein Zweifel daran, dass der Glücklichste derjenige ist, der dankt in Geduld und die Zeit seiner Inhaftierung dazu nutzt, Unterricht in den "Lichtern" zu nehmen und sich im vorgegebenen Rahmen der Rechtmäßigkeit darum bemüht, dem Glauben und dem Qur'an zu dienen.
Oh Mensch, der du dem Vergnügen und dem Genuss verhaftet bist! Mir ist in meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr durch Tausende von Erfahrungen, Zeugnisse und Erlebnisse mit augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqien)klar geworden: Wahren Genuss, Freude ohne Schmerz, Lust
ohne Leid und das Glück im Leben findet man nur, wenn man es im Glauben und im Lichte der Glaubenswahrheiten betrachtet; wenn nicht, hat ein irdischer Genuss viele Schmerzen zur Folge. Es ist, als ob man für eine Traube, die man isst, zehn Ohrfeigen erhielte, was einem den Genuss im Leben vergällt.
Oh ihr Armen, die ihr ins Unglück des Kerkers gestürzt worden seid! Da euch nun einmal die Welt weint und euch das Leben bitter geworden ist, müsst ihr euch nun darum bemühen, dass euch nicht auch noch das Jenseits weint, sondern euch ein ewiges Leben lächelt, es euch süß werde, und ihr so aus eurem Kerker einen Nutzen zieht. So wie angesichts des Feindes eine Stunde Wache unter schwierigen Umständen manchmal einem Jahr Anbetung gleich gewertet wird, genauso wird für euch unter diesen schwierigen Bedingungen jede Stunde, die ihr euch um das Gebet bemüht, vielen Stunden gleich und eure Mühen (zahmet)wenden sich in Erbarmen (rahmet).
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich möchte euch nicht mein Beileid aussprechen, sondern euch gratulieren, da uns Göttliches Vorauswissen (qader-i Ilahi)um Seiner Weisheit willen in diese dritte Schule Josefs
{dem Gefängnis entsprechend, in das auch Josef von Ägypten geworfen worden war. (A.d.Ü.)}
geführt und uns hier eine Art Versorgung (rizq)zu essen gegeben hat. Diese unsere Versorgung hat uns hierher zusammengeführt. Und da wir nun einmal das Geheimnis der Ayah
عَسٰى أَنْ تَكْرَهُوا شَيْئًا وَ هُوَ خَيْرٌ لَكُمْ
{"Es könnte doch sein, dass ihr etwas verabscheut, was eigentlich gut für euch ist." (Sure 2, 216)}
durch die Güte Gottes (sirrina inayet-i Ilahiye)mit Sicherheit erfahren haben, und da nun einmal in dieser Schule Josefs unsere neuen Brüder der Tröstungen der (Risale)-i Nur mehr bedürfen und auch die Juristen und Justizbeamten der Grundsätze und der übrigen heiligen Gesetze mehr bedürfen als andere Beamte, und da nun einmal all die vielen Kopien der (Risale)-i Nur eure Aufgaben draußen wahrnehmen und weiterhin (alle Herzen) erobern, und da hier nun einmal jede Stunde, die vorüber (fani)geht, den Stunden einer Ewigen (baqi)Anbetung gleicht, müssen wir dieses Geschehnis - wegen der obigen Gründe - in vollkommener Geduld und mit Fassung, freudig entgegennehmen. Ich wiederhole euch hier noch einmal all diese kurzen Briefe, die ich euch schon einmal zu eurem Trost aus dem Gefängnis zu Denizli geschrieben habe. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass euch auch diese wahrheitsgemäßen Gedanken trösten werden.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Ich bin unendlich dankbar, dass unter den Muftis, Predigern, Imamen und Hodjas wahrhaft große Geister aufgestanden sind, welche die wahren Eigentümer der Risale-i Nur sind. Bisher waren es Jugendliche, Gebildete und Gelehrte, die bereit waren, für die (Risale)-iNur Opfer zu bringen. Tausendmal sei Gott dafür gepriesen (barekallah),dass Edhem und all die Ibrahims und die Ali Osmans den Leuten der Medresse alle Ehre gemacht und ihre Furchtsamkeit in Mut umgewandelt haben.
Zweitens:
Sie sollten sich wegen dieses Vorfalls nicht beunruhigen, der sich aufgrund ihrer aufrichtigen Einsatzfreude und Begeisterung ereignet hat. Denn (dazu, dass sie nun) ins Gefängnis von Denizli
(geworfen wurden, kann man nun) diejenigen, die sich so unbedacht verhalten hatten - in Anbetracht der Konsequenzen - eigentlich nur noch beglückwünschen. Ihre Schwierigkeiten waren nur gering, der geistige Gewinn dagegen sehr groß. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass diese dritte Schule Josefs nicht hinter der zweiten zurückstehen wird.
Drittens:
Da im Grade unserer Mühen und Plagen auch unser Lohn wächst, sollten wir auch für diese rauen Verhältnisse dankbar sein. Wir sollten uns darum bemühen, unsere Aufgaben, die wir im Glauben (iman)haben, als unsere Pflicht (vazifah)aufrichtig (ikhlas)zu erfüllen. Da Erfolg und gute Ergebnisse zum Aufgabenbereich Gottes (vazife-i Ilahiye)gehören, sollten wir uns nicht weiter darum kümmern, sie zu erlangen.
خَيْرُ الْاُمُورِ اَحْمَزُهَا
{"Die besten Dinge sind zugleich auch die schwierigsten."}
So sollten wir sagen und geduldig angesichts aller Schwierigkeiten in diesem Noviziat unseren Dank darbringen. Dabei sollten wir verstehen, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass unsere Bemühungen angenommen worden sind und zugleich auch ein Hinweis darauf, dass wir nun das Abschlusszeugnis (shehadah)für unser heiliges Bemühen (qudsi müdjahede)in Empfang nehmen werden.
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Eine vorzugsweise an den Direktor und das Gremium des Gefängnisses gerichtete, scheinbar belanglose, aber für mich sehr wichtige Petition
Nachdem ich zweiundzwanzig Jahre meines Lebens in völliger Isolation verbracht habe, verträgt mein Körper nun in seinem fünfundsiebzigsten Jahr keine Injektionen mehr. So hat man mich in der Tat vor langer Zeit einmal geimpft, demzufolge (eine Wunde) nun seit zwanzig Jahren forteitert. Es ist geradezu eine chronische Vergiftung daraus geworden. Zwei Ärzte in Emirdagh und auch meine Freunde wissen das. Auch in Denizli hat man mich vor vier Jahren zusammen mit allen Gefangenen geimpft. Obwohl das keinem von ihnen geschadet hat, hat es mich doch für zwanzig Tage krank werden lassen. Göttliche Vorsorge (hifdh-i Ilahi)hat mich davor bewahrt, ins Krankenhaus gehen zu müssen, was für mich gefährlich gewesen wäre. Es ist absolut sicher, dass mein Körper derartige Impfungen nicht verträgt. Meine Entschuldigung diesbezüglich ist durchaus von Gewicht. Da ich zudem in meinem Alter von fünfundsiebzig Jahren ganz besonders schwach bin, vertrage ich nur noch Injektionen für ein zehn Jahre altes Kind. Da ich zudem noch ständig in völliger Isolationshaft lebe, komme ich auch mit niemandem in Kontakt. Zudem hat mir der Gouverneur von Emirdagh erst vor einem Monat zwei Ärzte geschickt, die mich gründlich untersucht haben. Sie haben bei mir keine Spuren einer ansteckenden Krankheit finden können. Auch konnten sie außer (den Folgen einer jahrelangen) Isolationshaft und einer extremen Schwäche (infolge) meines Alters und einer Versteifung meiner Rückenmuskulatur (Lumbago) keine weiteren Krankheiten finden. (Das heißt also), das mein (derzeitiger) Zustand keine weiteren Impfungen mehr notwendig macht.
Außerdem habe ich noch eine weitere große Bitte: Bringt mich nicht ins Krankenhaus! Zwingt mich nicht in
eine Lage, die ich in meinem ganzen Leben, besonders aber in diesen zweiundzwanzig Jahren Isolationshaft niemals ertragen hätte, nämlich unter die Oberaufsicht einer Krankenschwester zu geraten, die ich noch nicht einmal kenne. Ich beginne zwar in letzter Zeit, mir meinen Weg ins Grab als geradezu angenehm vorzustellen, doch noch ziehe ich um der Menschlichkeit willen, die ich hier erfahren habe, mit Rücksicht auf die Verwaltung dieses Gefängnisses und weil doch meine Mitgefangenen des Trostes (durch die (Risale)-i Nur)bedürfen, das Gefängnis dem Grabe vor.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Macht euch keine Sorgen, wenn ich einmal schlecht behandelt werde oder man mich verachtet, denn sie können in der Risale-i Nur keinen Fehler finden. So richtet sich denn ersatzweise ihre Wut gegen meine Wenigkeit und all die vielen Fehler meiner Person. Ich nehme es in Kauf. Ich bin an das gebunden, was ich aus der Risale-i Nur gelernt habe. Und müsste ich selbst noch tausendmal mehr (ertragen), darf ich mich dennoch rühmen, wenn ich auch für das, was der Sicherheit (selamet)der Risale-i Nur (dient, an ihrer Stelle) Leiden, Unglück und Beleidigungen erdulden muss, und bin ich dankbar, dass ihre Ehre (unangetastet bleibt). Ihr solltet mich also in dieser Hinsicht nicht bedauern.
Zweitens:
Diese ausgedehnte, so heftige und gnadenlose Verfolgungs- und Verhaftungswelle hat sich nun im Verhältnis eins zu zwanzig abgeschwächt. Anstelle von Tausenden meiner besten (Schüler) hat man nur einige wenige und anstelle von Hunderttausenden von interessierten (Leuten) nur eine begrenzte Anzahl neuer Gefährten mitgenommen. Das heißt also, dass durch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)die Anzahl der Verhaftungen sehr gering geworden ist.
Drittens:
Durch die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)hat sich der vorige Gouverneur (Vali),der zwei Jahre lang Pläne gegen uns geschmiedet hatte, aus dem Staub gemacht und es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass auch der Minister des Inneren, dem man besonders starke Verdächtigungen gegen uns zugespielt hatte, diese fürchterlichen Angriffe gegen uns sehr, sehr abgeschwächt hat, dank dessen, dass er aus der gleichen Provinz stammt und die Familie, aus der er hervorgegangen, religiös ist. Seid also nicht verzweifelt oder beunruhigt.
Viertens:
Sehr viele Ereignisse und Erfahrungen (zeigen) mit völliger Sicherheit, dass, wenn die Risale-i Nur weint, entweder die Erde zittert oder auch der Himmel weint. Wie wir es oft genug mit eigenen Augen gesehen und teilweise auch vor Gericht bewiesen haben: wenn der Winter zu Beginn gleich dem Sommer auf unvergleichliche Weise lächelte, fiel dies zusammen mit einem Lächeln der Risale-i Nur, wenn sie heimlich mit der Maschine vervielfältigt wurde, und wenn sie weinte, wenn es zu einem Stillstand und überall zu Durchsuchungen und Beschlagnahmungen kam, fiel dies zusammen mit einem plötzlichen fürchterlichen Zorn und der Winter weinte. Ich nehme an, dass dies ein machtvolles Zeichen dafür ist, dass die Risale-i Nur ein großes strahlendes Wunder des Qur'an in unserer Zeit ist und dass die Erde und das All damit verbunden sind.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Heute schoss mir plötzlich der Gedanke durch den Kopf, dass ich diejenigen, die durch Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)und Seine bestimmende Führung (kismet)in diese Schule (medresse)und dadurch in Kontakt mit der (Risale)-i Nurgekommen sind, eigentlich dazu beglückwünschen sollte, statt sie zu bedauern. Denn von den meisten (von denen, die hier unter uns sind) hat
jeder einzelne zwanzig, dreißig, ja vielleicht hundert Jahre (bekommen). (Die übrigen) sind anstelle von tausend unschuldigen Brüdern (hierher gekommen) und haben sie so gewissermaßen vor dieser Mühsal bewahrt. Zudem setzt sich auch durch die (Risale)-i Nur euer Dienst am Glauben fort, sodass jeder einzelne in kurzer Zeit einen großen Dienst verrichtet... Manche von ihnen versehen in zehn Jahren das Werk von hundert Jahren. Zudem befinden sie sich in dieser neuen Schule Josefs wie in einer Art Prüfung und sind, um an diesen allumfassenden und weitreichenden Zielen aktiv Anteil zu nehmen, in diesen mühevollen Kampf eingetreten. Auch treffen sie sich ohne alle Schwierigkeiten mit ihren aufrichtigen, getreuen Brüdern, nach denen sie sich so sehr gesehnt haben und es wird ein angenehmer Unterricht (ders)in gegenseitigem Geben und Nehmen. Da sich zudem in dieser Welt (dunya)die Ruhepausen nicht fortsetzen und ins Nichts führen, sollte man sicher Leute, die mit so wenig Mühe einen so hohen Gewinn erzielen, nur noch dazu beglückwünschen.
Meine Brüder, diese weitläufigen Angriffe sind sicherlich gegen die Verbreitung der Risale-i Nur gerichtet. Man muss jedoch dabei verstehen, dass die Risale-i Nur, je mehr sie angegriffen wird, umso glänzender erstrahlt, sich ihr Unterrichtskreis erweitert und sie so an Bedeutung gewinnt. Sie kann nicht besiegt werden, sondern wird nur durch den Vorhang eines سِرّاً تَنَوَّرَتْ {"Geheimnisvollen Leuchtens"} verhüllt.
Aus diesem Grund haben sie ihre Taktik geändert und greifen die (Risale)-i Nur nicht mehr öffentlich an. Da aber wir unter den (Flügeln der Göttlichen) Gnade (inayet)behütet sind, sollten wir sicherlich in vollkommener Geduld unseren Dank erweisen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Es ist nun notwendig geworden, über meine beiden (besonders) merkwürdigen, bzw. feinfühligen (latif)Zustände (hal)zu sprechen.
Erstens:
Hier in meiner vollständigen Isolation, wo es mir unmöglich gemacht wird, mich frei mit Brüdern gleich euch, die ich euch doch mehr als mein Leben liebe, zu treffen, wurde mir in meinem Herzen eingegeben, dass sich (gerade darin) eine Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye),ein Sinn und Nutzen finden lässt. Denn zahlreiche unserer Mitbrüder haben fünfzig Lira ausgegeben, um mich zu sehen. Sie sind nach Emirdagh gekommen, für fünfzig Minuten, manche für zehn Minuten, manche sind wieder abgereist ohne mich gesehen zu haben. Sie werden sich selbst dazu gebracht haben, dass man sie, und zwar jeden von ihnen unter einem anderen Vorwand, hier in diese Schule Josefs werfen wird. Doch selbst wenn es mir in der wenigen, mir zur Verfügung stehenden Zeit und bei meiner geistigen Verfassung hier in meinem Einsiedlerdasein noch möglich wäre, würde es mir der Dienst an der (Risale)-i Nur nicht erlauben, mich noch länger mit meinen opferbereiten Freunden zu unterhalten (sohbet).
Zweitens:
Einen berühmten Gelehrten haben einmal (andere), die auch während des Krieges in den Kampf (djihad)gezogen waren, an verschiedenen Fronten erblickt und zu ihm gesagt... Er aber antwortete ihnen: "Um mir die Möglichkeit zu geben, Verdienste zu sammeln und den Gläubigen (die Möglichkeit zu geben), aus meinem Unterricht (ders)ihren Nutzen zu ziehen, haben einige Heilige meine Gestalt angenommen, um an meiner Stelle ihr Werk zu verrichten." Auf genau die gleiche Weise hat man sogar offiziell Bericht erstattet, dass man mich in den Moscheen von Denizli erblickt hat und den Direktor und
das Wachpersonal darüber informiert. Und einige fragten ganz alarmiert: "Wer hat ihm denn die Gefängnistore geöffnet?!" Genau das Gleiche ist auch hier geschehen. Doch statt meiner so fehlerhaften und völlig unbedeutenden Person auch nur ein ganz kleines Wunder zuzuschreiben, bewirkt der Band "Das Siegel (der Bestätigung) des Verborgenen", das die Wunder der Risale-i Nur aufzeigt und beweist, hundert-, ja sogar tausendmal mehr, dass (die Leute) Vertrauen in die (Risale)-i Nur gewinnen und setzt seine Unterschrift unter deren Annahme. Besonders die opferbereiten Schüler der Risale-i Nur setzen mit ihrer wahrhaft wunderbaren Gesinnung und mit ihrer Schreibfeder ihre Unterschrift unter deren Annahme.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Macht euch keine Sorgen um mich! Ich bin schon froh und glücklich und zufrieden, wenn wir miteinander in dem gleichen Gebäude sind.
Jetzt ist es unsere Aufgabe: eine Kopie meiner Verteidigungsschrift soll nach Isparta gesandt werden. Soweit möglich sollte man zwanzig Kopien sowohl mit den neuen Buchstaben (abtippen) als auch mit den alten Buchstaben mit der Maschine vervielfältigen. Man sollte sie sogar dem Staatsanwalt dort zeigen. Eine Kopie sollte unserem Verteidiger persönlich überreicht werden, eine weitere Kopie sollte dem Gefängnisdirektor gegeben werden, damit er sie dem Rechtsanwalt (vekil)in diesem Prozess übergebe. Auch sollte sie an die Behörde in Ankara geschickt werden, und zwar mit den neuen Buchstaben wie auch mit den alten Buchstaben, sowie wir das auch schon in Denizli getan haben. Soweit möglich sollte man fünf Kopien für die (noch weiteren) Behörden (falls nötig) bereithalten.
Denn die beschlagnahmten Exemplare (die wir bereits an verschiedene) Behörden, insbesondere an die Untersuchungskommission des Amtes für religiöse Angelegenheiten verschickt hatten, waren noch mit den alten Buchstaben geschrieben. Sagt auch unserem Verteidiger (vekil)Ahmed Bey, er solle doch, wenn er meine Verteidigung mit der Maschine abtippt, ganz besonders darauf achten, dass sie korrekt (geschrieben ist). Denn meine Ausdrucksweise gleicht nicht der anderer (Leute). Denn ein einziger (verkehrter) Buchstabe oder ein (falsch gesetztes) Komma kann bereits den Sachverhalt verändern oder die Bedeutung verfälschen. Zudem solltet ihr die beiden Schreibmaschinen, falls ihr dafür keine Genehmigung erhaltet, wieder zurückbringen. Seid auch nicht (unnötig) aufgeregt oder besorgt und verzweifelt nicht! Mit dem Geheimnis (sirr)der Ayah
اِنَّ مَعَ الْعُسْرِ يُسْرًا
{"Siehe, mit den Schwierigkeiten kommt zugleich auch die Hilfe." (Sure 94, 6)}
Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass uns die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)rasch zu Hilfe eile!
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Die Risale-i Nur trifft sich an meiner Stelle mit euch und erteilt den neuen Brüdern, die sich nach Unterricht sehnen, einen sehr schönen Unterricht. Wir haben durch Erfahrung gelernt, dass mit der Risale-i Nur sich zu beschäftigen, indem man sie entweder liest oder vorliest, oder sie abschreibt, bringt Freude in das Herz, den Geist zur Ruhe, Versorgung (rizq)in Fülle und Gesundheit für den Körper. Nun ist uns (ein Mann) geschenkt worden, der, wie Husrev, zu Opfern für die (Risale)-i Nur bereit ist.
Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass auch diese Schule Josefs ein gesegneter Unterrichtsraum (dershane)als Teil der Medresetu-z'Zehra werden wird. Bis jetzt hatte ich Husrev noch nicht den Weltleuten vorgestellt. Ich hatte ihn vielmehr verborgen gehalten. Doch die Sammlungen, die bisher herausgekommen sind, haben ihn den Politikern deutlich genug zu erkennen gegeben. Und nichts konnte noch verborgen bleiben. Ich habe daher zwei, drei seiner Dienste meinen mir besonders nahe stehenden Brüdern gezeigt. Nun brauchen weder ich noch er das noch länger zu verheimlichen. Falls notwendig wird also nun die ganze Wahrheit ans Licht kommen. Doch jetzt sind hier unter denen, die die Wahrheit hören wollen, zwei fürchterliche, halsstarrige (Kerle) aufgetreten, sowohl atheistisch als auch kommunistisch gesinnt, der eine von ihnen bereits in Emirdagh bekannt geworden, der andere erst hier. Sie versuchen mit besonderer Raffinesse, die Beamten vor uns zu warnen und uns zu verleumden. Deshalb müssen wir jetzt ganz besonders vorsichtig sein, uns nicht aufregen und im Vertrauen auf Gottes Gnade (inayet-i Ilahiye)und Seine Hilfe abwarten.
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Oh meine Mitgefangenen und Brüder im Glauben!
Um euch sowohl vor den Qualen in dieser Welt als auch vor den Qualen in jener zu erretten, ist mir in meinem Herzen eine Ermahnung zuteil geworden, euch die folgende Wahrheit zu erklären:
Beispiel: Es habe jemand eines anderen Bruder oder Verwandten getötet. Diese eine Minute der Befriedigung seiner Rachegelüste durch einen Mord zieht sowohl Millionen von Minuten in Herzensqualen als auch eine Gefängnisstrafe nach sich. Zudem sind die Verwandten des Ermordeten durch Rachegedanken und Vorstellungen,
die ständig um ihre Feinde kreisen, um den Reiz des Daseins gebracht und haben ihre Freude am Leben verloren. So leiden sie einerseits unter Furcht und andererseits quälen sie sich noch in ihrem Zorn. Dagegen gibt es nur ein Mittel und das heißt: Dem Befehl des Qur'an entsprechend und so wie es Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, das Wohl (maslahat)und menschlich wie islamisch richtiges Verhalten empfiehlt und erfordert, Frieden zu schließen und sich zu versöhnen.
Wahrhaftigkeit (haqiqat)und Wohlverhalten (maslahat)bedeuten in der Tat den Frieden. Denn es gibt nur eine Todesstunde (edjel)und die verschiebt sich nicht. Jener Ermordete hätte in jedem Falle nicht länger als bis zum Eintritt seiner Todesstunde verweilen können. Was aber den Mörder betrifft, so ist er zu einem Werkzeug göttlicher Vorausschau (qadha-i Ilahiye)geworden. Wo es keine Versöhnung gibt, leiden beide Seiten ständig unter der Geißel der Blutrache und der Furcht vor ihr. Darum befiehlt der islamische Glaube: "Mehr als drei Tage soll ein Gläubiger einem anderen Gläubigen nicht zürnen."
Besonders aber dann, wenn dieser Mord nicht die Folge einer Feindschaft oder hasserfüllter Rachegedanken war, wenn jemand als ein Werkzeug der Zwietracht dazu aufgehetzt hatte, ist es dringend notwendig, sich rasch wieder zu versöhnen, sonst wird aus dem Unglück eines Einzelnen eine allgemeine Tragödie und setzt sich so fort. Schließt man aber miteinander Frieden und bereut der Mörder seine Tat und betet immer wieder für sein Opfer, dann werden beide Seiten ein hohes Verdienst erwerben und einander wie Brüder werden.
So gewinnt man im Glauben gleich mehrere Brüder anstelle des einen dahingeschiedenen. Dort wo man sich der göttlichen Vorausschau (qader-i Ilahiye)anvertraut, sich in das Geschehene und in den Willen Gottes (qadha)ergibt, seinem Feinde verzeiht, dort wird man, da alle nun einmal die Lektionen aus der Risale-i Nur gehört haben, sicherlich auch jeglichen Groll untereinander aufgeben, was ja das Wohlverhalten (maslahat)des Einzelnen und die Befriedung aller, als auch
die Brüderlichkeit nach der Lehre der "Lichter" erfordert.
Ebenso wie alle Gefangenen im Gefängnis von Denizli, die einander Feinde waren, durch die Unterweisungen der "Lichter" einander Brüder geworden sind und dies auch zu einem Grund für unseren Freispruch geworden ist und dies alle (ja sogar die Gottlosen und die Schurken) dazu gebracht hat, angesichts der Gefangenen "Mashaallah, Barekallah" zu sagen und alle Gefangenen wieder aufatmen durften,
{Die miteinander verfeindeten Gefangenen hatten es bis dahin aus Angst und Misstrauen gegeneinander verhindert, miteinander in den Hof zu gehen. Der hier verwendete türkische Ausdruck bedeutet sowohl "aufatmen" als auch "Luft schöpfen, Pause machen". (A.d.Ü.)}
habe auch ich gesehen: Wegen eines einzigen Menschen mussten hundert Menschen leiden und konnten nicht miteinander zur Pause gehen. Sie wurden unter Druck gesetzt. Ein Gläubiger, der ein Mann ist und ein Gewissen hat, wird nicht wegen kleiner, persönlicher Misshelligkeiten oder Vorteile hundert andere leiden lassen. Hat er einen Fehler begangen, soll er schnell um Vergebung bitten.
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich beglückwünsche (tebrik)euch und mich selbst zu (unserer Arbeit an) der Risale-i Nur mit der kostbaren Nachricht von Husrev, Hifsi und Bartinli Seyyid und bringe euch eine frohe Kunde. Pilger (Haddj)haben dieses Jahr in der Tat berichtet, dass, sowie sich bereits in Mekka große Gelehrte darum bemüht haben, die machtvollen Bände der
(Risale)-i Nur ins Arabische und ins Hindi zu übersetzen und herauszugeben, nun auch in Medina (Munauvverah) so viel Anerkennung gefunden haben, dass sie sie an der "Grabstatt des Glückseligen vom lauteren Garten (Rauda-i Mutahhara'nin Makber-i Saadet-i)"
{der als "Paradies" bezeichnete Platz an dem der Prophet gebetet hat und der, wo er begraben wurde. (A.d.Ü.)}
angehängt haben. Haddji Seyyid hat mit seinen eigenen Augen den Band "Der Stab Mosis" am Grabe des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, gesehen. Das heißt, dass er die Anerkennung des Propheten erlangt hat und bei Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, einen Platz seines Wohlgefallens gefunden hat. Da wir zudem die gute Meinung (niyet)gefasst hatten, die Wallfahrt (Haddj)zu machen, hatten wir denen, die bereits aufgebrochen waren, gesagt (sie sollten die (Risale)-i Nur mitnehmen), sodass nun die Risale-i Nur an unserer Stelle die gesegneten Orte (mubarek makam)besucht hat. Grenzenlos Dank sei (Gott) dafür, dass es einer der so vielen Vorzüge ist (den der Umstand mit sich gebracht hat), dass einsatzfreudige (Männer) der (Risale)-i Nur diese Bände korrigiert und herausgegeben haben, dass sie mich nicht nur von der Pflicht (vazifah)und von der Sorge um die Korrektur befreit haben, sondern, dass diese (bereits korrigierten) Kopien zugleich auch die Quelle noch weiterer werden, die für die von Hand abgeschriebenen gleichsam zu Hunderten von Korrektoren geworden sind. Möge der Herr des Allerbarmens und aller Barmherzigkeit (Djenabi Erhamu-r'Rahimin)für jeden Buchstaben dieser Bände tausend Verdienste (hasana)in das Buch ihrer Verdienste einschreiben. Amin, amin, amin.
* * *
Ein anmutiges (latif)Traumbild (ru'ya),das eine frohe Botschaft verkündet und dessen Ausdeutung sich als wahr erwiesen hat
Ali, der mir zu Diensten ist, kam zu mir und sagte: "Ich habe im Traum gesehen, dass du zusammen mit Husrev die Hand des Propheten, mit dem Friede uns Segen sei, geküsst hast." Da erhielt ich plötzlich einen Brief, in dem, von Husrevs Hand geschrieben, steht, dass die Wallfahrer (Haddji)gesehen haben, wie ein Band "Stab Mosis" am Grabe Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, hochgehalten wurde. Das heißt, dass Husrev durch die Vermittlung seiner Schreibfeder an meiner Statt im Geiste die Hand des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, geküsst hat und so das Wohlwollen des Gesandten erlangt hat.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder und meine Mitgefangenen!
Erstens:
Seid nicht traurig, dass wir uns nicht persönlich begegnen konnten. Begegnen wir uns doch allezeit im Geiste. Welche Abhandlung der (Risale)-i Nur auch immer ihr statt meiner Wenigkeit mit euren Händen in Empfang nehmt und lest oder hört: ihr werdet mich anstelle einer ganz einfachen Person als einen Diener des Qur'an hinter dieser Abhandlung erblicken und mit mir Gemeinschaft (sohbet)pflegen. Denn in meinen Vorstellungen (und Gedanken) ist es so, als sähen wir uns jederzeit während meiner Gebete (dua),während eurer Schreibarbeiten, wann immer ihr euch mir verbunden
fühlt und finden uns in diesem Bereich (des Dienstes an der Risale-i Nur) zusammen.
Zweitens:
Wir sagen dies in der neuen Schule Josefs den neuen Schülern: Wie bereits aus einem Hinweis im Qur'an zu entnehmen ist, und wie sogar das Komitee der Sachverständigen aufgrund machtvoller Beweise zugeben musste, werden "die getreuen Schüler der Risale-i Nur im Glauben (iman)ins Grab gehen. Zudem bekommt jeder Schüler aus der Fülle der geistigen Körperschaft der (Risale)-i Nur seiner geistigen Stufe entsprechend seinen Anteil an den geistigen Verdiensten und Gebeten (dua)aller Brüder. Es ist, als ob ein jeder mit tausend Zungen um Vergebung (istighfar)sucht und seine Anbetung (ibadet)darbringt." Diese beiden Verdienste (iman ve dua)und Ergebnisse (seiner geistigen Stufe entsprechend) vermindern all seine Mühen und Schwierigkeiten in dieser ungewöhnlichen Zeit zu einem Nichts. Und so werden diese beiden kostbaren Verdienste, die doch zu einem so geringen (Preis erworben wurden) ihren getreuen Kunden verliehen.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Die Verteidigungsschriften in Afyon enthalten bedeutsame Wahrheiten, die sich sowohl auf uns selbst, als auch auf die (Risale)-i Nur, das Land und die islamische Welt beziehen.
In jedem Fall ist nötig, dass von (meiner Verteidigungsschrift, geschrieben mit) den neuen Buchstaben fünf oder zehn Abzüge gemacht werden, damit sie der Regierungsbehörde (makam)in Ankara übersandt werden kann.
Ob sie uns dann entlassen oder bestrafen werden, hat weiterhin keine Bedeutung. Unsere Aufgabe jetzt ist es lediglich, sowohl die Regierung, als auch die Gerichte, als auch das Volk von der Wahrheit in der Verteidigungsschrift in Kenntnis zu setzen. Vielleicht liegt darin ja die Weisheit, mit der Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)in diese Schule gesandt hat. (Meine Verteidigungsschrift) sollte deshalb so rasch wie möglich mit der Maschine getippt werden. Auch wollten sie uns noch heute entlassen, müssten wir sie dennoch der Regierungsbehörde übergeben. Lasst euch also nicht davon abhalten und verschiebt es nicht! Es ist endgültig genug! Nachdem wir nun in fünfzehn Jahren dreimal wegen der gleichen Frage unter fürchterlichen Ungerechtigkeiten, vorgeschobenen Beschuldigungen und beispiellosen Schikanen (gelitten) haben, möge diese nunmehr unsere letzte Verteidigungsschrift sein! Nachdem der letzte Gerichtshof uns ganz legal eine Schreibmaschine zur Verfügung gestellt hatte, damit wir uns selbst verteidigen konnten. Und es gibt kein Gesetz, uns hier dieses Recht wieder zu nehmen. Wenn ihr dafür keine offizielle Lösung findet, soll unser Anwalt draußen vor allen anderen Dingen fünf Kopien mit der Maschine schreiben. Er soll aber dabei sehr gut aufpassen, dass darin keine Fehler enthalten sind.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben neu gewonnenen Brüder und seitherigen Mitgefangenen;
Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass ein wichtiger Grund für unsere Einlieferung hier aufgrund der göttlichen Gnade (inayet-i Ilahiye)gerade ihr seid. Es geschieht dies nämlich, um euch durch die Tröstungen der
"Lichter" und die Glaubenswahrheiten in der Bedrängnis durch das Unglück eurer Gefangenschaft und der Nutzlosigkeit eures Lebens, das euch aus den vielen schädlichen Einflüssen in dieser Welt mit ihrem Kummer und den vergeblichen Sorgen erwächst, seiner Sinnlosigkeit und Verlorenheit und vor einem solchen Weinen im Jenseits, wie es dem Weinen hier im Diesseits gleicht, zu retten und euch so eine vollkommene Tröstung zu bringen. Unter den gegebenen Umständen solltet sicherlich auch ihr, wie die Gefangenen in Denizli und die Nur-Schüler, miteinander Brüder werden. Ihr seht ja: Um zu verhindern, dass ein Messer hereingebracht wird, mit dem ihr euch gegenseitig bedrohen könntet, werden alle Dinge, die von außen herein gebracht werden, das Essen, das Brot und die Suppe, untersucht. Die Wächter, die euch in Treue dienen, geben sich große Mühe. So solltet auch ihr, wenn ihr miteinander zur Pause geht, nicht wie Wölfe und wilde Tiere übereinander herfallen.
So sollt ihr denn nun heute, ihr, in deren Adern das Blut derer rollt, die als tapfere Männer geboren wurden, als die neuen Kameraden, mit einer großen, inneren Standhaftigkeit zu euren Oberen sagen:
"Gäbe man in unsere Hände nicht nur ein Messer, nein, selbst ein Gewehr oder einen Revolver und gäbe man uns selbst den Befehl dazu, wir würden unseren armen Kameraden, die wie wir im Unglück sitzen, kein Haar krümmen. Auch hätten wir früher hunderterlei Arten von Hass und Feindschaft gegeneinander getragen, so sind wir doch nun entschlossen, unser Recht ihnen gegenüber zu löschen und uns darum zu bemühen, sie nicht zu kränken, wie es uns der Qur'an, der Glaube, die islamische Brüderlichkeit und unser Wohlverhalten (maslahat)befiehlt und lehrt." So wandelt denn nun dieses Gefängnis zu einer segensreichen Schule um.
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Gerade so wie alle Weltleute, beschäftigt mit Politik, Kunst oder irgendeiner Aufgabe (vazifah)oder Verpflichtung im gesellschaftlichen Leben oder irgendeinem geschäftlichen Unternehmen, sich zu verschiedenen Arten von Kongressen zusammenfinden, um sich miteinander zu besprechen, so haben sich nun auch hier die Schüler der (Risale)-i Nur im Auftrag Göttlicher Vorherbestimmung (qader-i Ilahiye)in der Führung der Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)zu heiligem Dienst im wahrhaftigen Glauben (iman-i tahqiqi),einem Kongress in dieser Schule Josefs zusammengefunden. Möge Gott (insha-a'llah)uns in Seiner Güte (ihsan)zu einem sehr großen und wertvollen Gewinn und bedeutenden Ergebnissen verhelfen! Die Pfeiler der (Risale)-i Nur, die an anderen Orten jeder für sich allein nur ein Elif
{entspricht dem hebräischen Alef oder dem griechischen Alfa, dem ersten Buchstaben. (A.d.Ü.)}
bilden, hier jedoch mit weiteren drei "Elifzusammenkommen, fügen sich, Schulter an Schulter betrachtet, zu einer 1111 zusammen. Möge nun Gott es wollen (insha-a'llah),dass sich der Wert ihrer Zusammenkunft in heiligem Dienst und Verdienst (sevab)zu "tausend" wird.. "elif(eins)" wird zu "elfun(tausend)".
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Der Grund dafür, dass man mir heute meine Fenster zugenagelt hat, ist der, dass ich die Gefangenen in Verbindung mit ihrer Verhandlung nicht grüßen und nicht mit ihnen kommunizieren sollte. Sie haben ganz offensichtlich
etwas anderes zum Vorwand dafür genommen. Aber macht euch deswegen keine Sorgen! Ganz im Gegenteil: Seit sie meine Wenigkeit so wichtig nehmen und sich dafür weniger mit der (Risale)-i Nur und deren Schülern beschäftigen, bin ich ehrlich und allen Ernstes wieder zufrieden! Da sie nun mich verfolgen, quälen und beschuldigen, bedeutet dies, dass sie nicht euch und der (Risale)-i Nur das gleiche antun, was in gewissem Grade ihre Einmischung in die "Risale-i Nur" vermindert. So bin ich denn in Zufriedenheit und Geduld dafür dankbar. So sollt auch ihr euch nicht beunruhigen. Denn ich bin der Meinung, dass es, vom Standpunkt der Sicherheit (selamet)und Dienlichkeit betrachtet, eine Gnade (inayet)und eine Wohltat ist, wenn unsere heimlichen Feinde, die Aufmerksamkeit der Amtleute meiner Person zuwenden. Einige unserer Brüder sollten deswegen nicht ärgerlich werden und scharfzüngig daherreden, sich vielmehr mit Umsicht bewegen und sich nicht unnötig aufregen. Sie sollten auch nicht mit allen und jedem über diese Angelegenheit reden. Denn es gibt Spione, die verkehrt auslegen, was einige noch unerfahrene Brüder und auch solche sagen, die es noch nicht gelernt haben, vorsichtig zu sein. Sie machen eine ganze Kuppel aus einem kleinen Korn und wissen daraus eine Information (zu zaubern). So verträgt denn unsere jetzige Lage keinen Spaß. Macht euch aber trotzdem weiter keine Sorgen! Wir stehen unter (dem Schutz) der Göttlichen Gnade (inayet-i Ilahiye)und sind fest entschlossen, jeglicher Mühsal in vollkommener Geduld (kemal-i sabir),ja selbst mit Dankbarkeit zu begegnen. Da ein Dirhem (3g) Mühsal ein Batman (8kg) Barmherzigkeit (rahmet)als Belohnung (sevab)erbringt, müssen wir dafür nur dankbar sein!
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Aus zwei wichtigen Gründen und aufgrund einer mächtigen Eingebung (ihtar)sah ich mich in meinem Herzen dazu gedrängt, alle Aufgaben (vazifah)der Verteidigung verantwortlichen Schülern (erkan),solchen, die bis jetzt hierher gekommen sind oder noch hierher kommen werden, zu übertragen, besonders aber HRTFS.
{Husrev, Refet, Tahir, Feyzi, Sabri}
Erster Grund:
Ich habe mit Sicherheit erkannt, und zwar sowohl während des Verhörs im Gerichtssaal, als auch durch viele andere Zeichen, dass sie soweit es ihnen möglich ist, versuchen mir Schwierigkeiten zu machen und zu verhindern, dass ich sie geistig besiegen könnte. Dazu haben sie auch offiziell einen Wink bekommen. Sie erlauben mir unter verschiedenen Vorwänden nicht, zu sprechen, als ob ich, wenn ich denn spräche, genügend politische Kühnheit besäße, (meine Ankläger) vor Gericht zum Schweigen zu bringen, als auch dergestalt wissenschaftlichen Scharfsinn zu beweisen, dass ich (alle) Politiker mundtot machen könnte. Dennoch antwortete ich während des Verhörs auf eineFrage:"Ich kann mich nicht daran erinnern." Der Richter daraufhin erstaunt und verwundert: "Wie könnte jemand, der so wie Sie über eine so außerordentliche Intelligenz und ein so einzigartiges Wissen verfügt, etwas vergessen?" Sie dachten sich, ich hätte mir die wunderbare Erhabenheit und wissenschaftlich genaue Wahrhaftigkeit der Risale-i Nur selbst ausgedacht und fürchteten sich daher vor mir. Sie wollen mir nicht das Wort erteilen. Sie glauben auch, dass ein jeder, der mir einmal begegnet ist, plötzlich ein hingabefreudiger Schüler würde. So erlauben sie mir auch nicht, irgendwem zu begegnen. Der Rektor (des Amtes)
für Religiöse Angelegenheiten sagte einmal sogar: "Wer immer ihm begegnet, ist unmittelbar von ihm gefesselt... seine Anziehungskraft ist geradezu gewaltig."
Das heißt also, dass es jetzt für uns das Beste ist, wenn ich nun mein Werk anderen überlasse, um so der Sache besser dienen zu können. Und meine alten wie die neuen Verteidigungsschriften, die ihr ja noch bei euch habt, sollten an meiner Stelle an euren Beratungen teilnehmen. Das genügt.
Zweiter Grund:
Dies sollte einer anderen Zeit überlassen bleiben. Doch sei Folgendes ein kurzer Hinweis auf eine innere Eingebung: Was mich seit fünfundzwanzig Jahren dazu bewegt hat, Politik, Zeitungen und andere derart vergängliche Dinge aufzugeben und mich stets davon abgehalten hat, mich von ihnen in Beschlag nehmen zu lassen, ist, dass derart mächtige Aufgaben für das Jenseits und meine eigene vorherrschende geistige Haltung (halet-i ruhiye)mich ganz und gar davon abgehalten haben, mich bis ins Einzelne mit solchen Fragen zu befassen. Ihr könnt jedoch manchmal mit euren beiden Anwälten gelegentlich einmal auch meine Aufgaben (vazifah)diskutieren.
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Gerade wurde mir dies während des Gebetes (namaz)in meinem Herzen eingegeben: deine Brüder erwarten aufgrund ihrer außerordentlich guten Meinung von dir physische wie psychische Unterweisung (ders),Hilfe und geistlichen Beistand. So wie du bereits deine weltlichen Angelegenheiten einigen (dir besonders) nahe stehenden Schülern anvertraut, auf den Konferenzen den dafür Verantwortlichen (erkan)übertragen hast und dabei völlig richtig gehandelt hast, so hast du auch deine Schüler in
ihrer geistigen Körperschaft angewiesen, anhand der Risale-i Nur deine wissenschaftlichen Arbeiten in ihrer Orientierung am jenseitigen Leben, dem Qur'an und dem Glauben (iman)fortzusetzen. Und die geistige Körperschaft dieser aufrichtigen und wahrhaft echten (Schüler) erfüllt deine Aufgaben (vazifah)noch zusätzlich zu ihren eigenen Aufgaben noch weit vollkommener als du selbst. Ja, sie haben es bis jetzt immer so gemacht. Wenn sich z.B. jemand mit dir trifft und von dir eine kurze Lektion (ders),gleich einem Dirhem, erhält, kann er selbst noch von nur einem Abschnitt (djuz)eine Lektion gleich hundert Dirhem bekommen. Er kann zudem von ihr statt von dir einen guten Rat (nasihah)erhalten und mit ihr Gemeinschaft (sohbet)pflegen. So verrichten zudem die dir besonders nahe stehenden unter deinen Schülern eine solche Aufgabe (vazifah)zu jeder Zeit. So möge denn Gott es wollen (insha-a'llah),dass ihre geistige Körperschaft, die einen sehr hohen Rang (makam)einnimmt und deren Gebet (hoch) geschätzt wird, allzeit als ihr Lehrer (ustadh)und Helfer bei ihnen sei, was meiner Seele (ruh)sowohl Trost und Ruhe gibt, als auch zugleich eine gute Nachricht für mich ist.
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Es hat in diesen beiden letzten Tagen zwei kleinere Explosionen gegeben, ohne dass dafür eine offensichtliche Veranlassung da gewesen wäre, was in dieser merkwürdigen, bedeutungsvollen Weise kein Zufall gewesen sein kann.
Erstens:
Der gusseiserne Ofen in meiner Zelle gab plötzlich ein lautes Geräusch gleich einem Pistolenknall von sich und der untere, dicke, starke Eisenteil platzte wie eine Bombe in zwei Teile auseinander. Der Schneider Hamdi war erschrocken und wir alle waren sehr erstaunt.
Denn obwohl der Ofen im Winter oft von der Steinkohle rotglühend geworden war, hatte er dem doch stets standgehalten.
Zweitens:
Zwei Tage später zersplitterte in der Zelle der beiden Feyzi merkwürdigerweise und ohne jeden Anlass das Glas, das auf dem Wasserkrug gestanden hatte. Dabei fiel mir ein, dass unsere Verteidigungsschriften, die an die sechs Ämter der Regierung gesandt worden waren, dazu geführt haben, dass die fürchterlichen Bomben, die man in Ankara gegen uns vorbereitet hatte, verpufft sind. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie uns keinen Schaden zufügen. Der Ofen, der gegen uns angeheizt und vor Wut rotglühend geworden war, brach entzwei ohne uns zu schaden. Zudem wäre es möglich, dass mein geliebter Ofen, mein einziger und wirklich nützlicher Kamerad, meine Sorgen und mein Flehen gehört und mir die Nachricht überbracht hatte: "Du wirst aus diesem Gefängnis, diesem Kerker hinausgehen. Mich brauchst du dann ja nicht mehr..."
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Heute wurde mir über einer inneren Eingebung euretwegen Angst und Bange. Doch während mich noch Furcht und Kummer wegen meiner Brüder plagten, die sich Sorgen um ihren Lebensunterhalt machen und möglichst schnell wieder entlassen werden wollen, stieg gleichzeitig ein gesegneter Gedanke, eine Wahrheit, eine frohe Kunde in meinem Herzen auf: In nur mehr fünf Tagen werden die so segensreichen und so verdienstvollen drei Monate (shuhuru thelathe),erfüllt von Dienst und Anbetung (ibadet)beginnen. Denn wem zu einer anderen
Zeit für jedes gute Werk ein zehnfacher Lohn (hasanah)winkt, der darf im ehrwürdigen Monat Redjeb (Redjeb-i Sherif)hundertfachen Lohn erwarten, im Großen Monat Shaban (Shaban-i Mu'azzam)dreihundertmal mehr, im gesegneten Monat Ramadan (Ramadan-i Mubarak)tausendfachen, Donnerstag Nacht einen viel Tausendfachen und in der Nacht der Bestimmung (laylatu-l'Qadr)dreißigtausendfachen Lohn empfangen. Um solche derart großen Verdienste für das jenseitige Leben erwerben zu können, ist es sicher sehr verdienstvoll, diese drei Monate zu einem heiligen Markt für den Handel im ewigen (ukhrevi)Sinne zu verbringen, die uns einen hohen Verdienst einbringen werden, einer ganz besondere Ausstellung für die Leute der Wahrheit, des Dienstes und der Anbetung (ibadet),und so mag denn in drei Monaten in dieser Schule Josefs, welche die Verdienste um ein zehnfaches erhöht, was sicher ein guter Tauschhandel ist, für die Leute des Glaubens (iman)ein Leben von achtzig Jahren sicher sein. Wie viel auch immer die Leiden sind, die erduldet werden müssen: es ist die reine Barmherzigkeit.
Was aber den Dienst und die Anbetung (ibadet)betrifft, so gilt gleichermaßen auch für den Dienst an der Risale-i Nur, und zwar nicht in quantitativer, wohl aber in qualitativer Hinsicht (im Gefängnis) ein fünffach höherer Lohn. Denn (die Leute), die in diesem Gasthaus ständig kommen und gehen, dienen der Lehre (ders)der Risale-i Nur zu ihrer Verbreitung. Manchmal kommt das Verdienst durch die Aufrichtigkeit eines Mannes dem von zwanzig Männern gleich. Dabei ist es nicht von Bedeutung, wenn ein solcher Mann dabei einige Mühen und Anstrengungen mit in Kauf nehmen muss, damit sich der Geist der Aufrichtigkeit (sirr-i ikhlas)entsprechend der Risale-i Nur unter den unglücklichen Gefangenen verbreiten möge, die zwar einen Nerv für politisches Heldentum in sich tragen, jedoch ganz besonders des Trostes der Risale-i Nur bedürfen. Was jedoch das Problem (der Beschaffung des notwendigen) Lebensunterhalts betrifft: Da nun einmal
diese drei Monate dem Markt für geistliche (akhiret)Bedürfnisse zugerechnet werden, so habe ich mich, was das betrifft, vollkommen ruhig gefühlt und verstanden, dass es ein großes Geschenk (ni'met)ist, bis zu den Festtagen (Bayram)hier sein zu können, da ja jeder von euch anstelle vieler Schüler, ja einige sogar für tausend andere hierher gebracht wurden, die euch in euren Angelegenheiten draußen beistehen werden.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgepriesenen."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Zum ehrwürdigen Monat Redjeb (Redjeb-i Sherif)und der morgigen Nacht der Erfüllung (Leyle-i Regha'ib)wünsche ich euch mit Herz und Seele nur alles erdenkliche Gute (tebrik).
Zweitens:
Gebt eure Hoffnung nicht auf, beunruhigt euch nicht und macht euch keine Sorgen! Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass euch die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)zu Hilfe eile! Die Bombe, die man in den letzten drei Monaten für uns vorbereitet hatte, verpuffte. Mein Ofen, das Wasserglas der beiden Feyzis und Husrevs zwei Wassergläser haben uns da die richtige Nachricht überbracht. Doch war das nicht schrecklich. Alles ist noch einmal gut abgelaufen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass dieses Feuer noch völlig ausgelöscht wird! Alle ihre Angriffe dienen nur dazu, meine Person in Misskredit zu bringen und bei der Verbreitung der Risale-i Nur Verwirrung zu stiften. Der Schlag, mit dem dieser Mann, der noch gefährlicher ist, als der bekannte Heuchler aus Emirdagh, und wenn auch nur ein Werkzeug in den Händen heimlicher Atheisten zusammen mit diesem
Halbhodja, der diese ketzerischen Neuerungen (bid'a)befürwortet, uns mit aller Macht zu treffen versucht haben, (hat sich in seiner Wucht) eins zu zwanzig vermindert. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie uns nicht ein einziges Mal verwunden noch verletzen, und das, was sie denken, was sie beabsichtigen und ihre Pläne, uns auseinander zu jagen und uns von der Risale-i Nur zu vertreiben, auf Nichts hinauslaufen. Es ist absolut notwendig, dass wir um dieser ehrwürdigen und segensreichen Monate willen und im Vertrauen darauf, dass sie uns einen Überfluss an Verdiensten (sevab)bescheren mögen, in Ausdauer und Geduld (verharren), in Dankbarkeit auf Gott vertrauen und uns dem Grundsatz
مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ
{"Wer an das Göttliche Vorherwissen glaubt, wird frei von jeglichem Kummer"}
unterwerfen. Das ist unsere Aufgabe.
Said Nursi
* * *
An das Ministerpräsidium, Justizministerium, Innenministerium
{(*): Dieses Schreiben wurde mit Erlaubnis von Hasret Ustadh, der damals in Afyon im Gefängnis saß, durch seine Rechtsanwälte abgefasst und an die oben erwähnten Behörden gesandt.
Sungur}
Alle Mitglieder der Regierung, die noch die Bekanntgabe der parlamentarischen Konstitutionen (1908), den ersten Weltkrieg und die Zeit des Waffenstillstandes danach, die Errichtung einer nationalen Regierung und die Ausrufung der Republik gemeinsam miteinander erlebt haben, kennen mich sehr gut. Ich möchte aber trotzdem, mit Eurer
gütigen Erlaubnis, gemeinsam mit Ihnen einen Blick auf mein Leben werfen, so wie man einen Film abspult.
Ich wurde in dem Dörfchen Nurs in der Provinz Bitlis geboren. In meiner Studentenzeit diskutierte ich mit all den Gelehrten, denen ich begegnet bin. Während ich durch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)in den wissenschaftlichen Disputationen alle meine Gegner besiegte, gelangte ich schließlich bis nach Istanbul. In Istanbul schleifte man mich auf Befehl des verstorbenen Sultans Abdulhamid in eine Irrenanstalt (aus der ich noch am selben Tage wieder entlassen wurde - A.d.Ü.). Bei der Errichtung des Parlaments und der neuerlichen Verkündigung seiner Konstitutionen (1908) erregte ich aufgrund meiner Aktivitäten um den 31.3.1323 (= 1909 Aufstand gegen den Sultan, wobei Hasret Ustadh die Soldaten in einer Rede aufforderte, die Waffen niederzulegen) die Aufmerksamkeit der regierenden Partei für Einheit und Fortschritt. Ich machte ihnen den Vorschlag, in Van eine islamische Universität mit Namen "Medressetu-z'Zehra" gleich der "Djami'u-l'Es'her"(in Kairo) zu eröffnen. Ich habe sogar den Grundstein dazu gelegt. Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs sammelte ich meine Studenten um mich und nahm als Oberst eines Freiwilligenbataillons am Kampfe teil. Ich habe im Kaukasus gefochten und bin dort bei Tiflis in Gefangenschaft geraten. Aus der Gefangenschaft geflohen, kehrte ich wieder nach Istanbul zurück. Dort wurde ich zum Mitglied des "Hauses der Islamischen Weisheit (Daru-l'Hikmetu-l'Islamiye)"ernannt. Während des Waffenstillstands leistete ich den Besatzungsmächten (in Wort und Schrift) einen erbitterten Widerstand.
Anlässlich des Sieges der Nationalen Regierung, angesichts der Anerkennung die mir von Seiten der Regierung in Ankara für meine geleisteten Dienste zuteil wurde, wiederholte ich meinen Vorschlag, in Van eine neue Universität zu eröffnen.
Bis dahin war mein Leben meiner inneren Haltung (hal)als der eines Patrioten entsprechend verlaufen. Ich hatte
versucht, der Religion (din)auf politischem Wege einen Dienst zu erweisen. Von da an aber wandte ich der Welt (dunya)vollständig den Rücken und trug, um es mit meinen eigenen Worten zu sagen, den "Alten Said" zu Grabe. Als ein Mensch, der sich nun (in der Gestalt) eines "Neuen Said" ganz und gar einem Leben im Sinne der jenseitigen Welt (akhirah)geweiht hatte, zog ich jetzt meine Hände von der diesseitigen Welt (dunya)zurück. Eine Weile führte ich ein Einsiedlerdasein in völliger Abgeschiedenheit auf dem Berg Yusha bei Istanbul. Später wanderte ich in Richtung Bitlis und Van, wo ich geboren bin und verschloss mich in den dortigen Höhlen. Dort blieb ich in der Freude meines Geistes (ruh)und meines Herzens ganz für mich allein. Dem Grundsatz
اَعُوذُ بِاللّٰهِ مِنَ الشَّيْطَانِ وَ السِّيَاسَةِ
{"Ich nehme meine Zuflucht zu Gott vor dem Teufel und seiner Politik."}
tauchte ich hinab in die Tiefen meiner eigenen Geisteswelt. Ich verbrachte meine Zeit mit dem Studium des Qur'an-i Adhimu-sh'Shan (dessen Ruhm sich mächtig in der Welt verbreitet hat), und begann so mein Leben als der "Neue Said". Doch die Erscheinung Göttlichen Vorherwissens (qader)bewirkte, dass ich mich an verschiedenen Orten (immer wieder im inneren) Exil befand. In dieser Zeit manifestierte sich aus der Fülle des Ehrwürdigen Qur'an, geboren in der Fülle meines Herzens eine Reihe von Abhandlungen, die ich von denen, die bei mir waren, niederschreiben ließ. Ich habe der kompletten Sammlung dieser Abhandlungen den Namen "Risale-i Nur" gegeben. Da diese Abhandlungen in der Tat auf dem Licht (nur)des Qur'an basieren, ist in meinem Bewusstsein dieser Name aufgegangen. Ich bin voll und ganz davon überzeugt (iman),dass diese Abhandlungen durch Göttliche Eingebung (ilham-i Ilahi)entstanden sind und denen, die sie abschreiben "Gesegne es euch Gott!" gesagt. Denn es ist nicht möglich, anderen das Licht (nur)des
Glaubens vorzuenthalten. Diese meine Abhandlungen wurden von einer Anzahl Gläubigen untereinander ausgeliehen und abgeschrieben. Das gab mir die bestimmte Überzeugung, dass sie von Gott dazu geführt wurden, den verletzten Glauben der Muslime zu stärken. Ich spürte, dass so wie kein Gläubiger diese Göttliche Führung hindern kann, ich in gleicher Weise dazu verpflichtet bin, sie auch dazu anzuspornen. Jedenfalls behandeln diese Abhandlungen, deren Zahl z.Zt. 130 beträgt, ausschließlich Themen, die sich mit dem Glauben (iman)und dem Leben im Jenseits (akhirah)befassen und beschäftigen sich mit Absicht nicht mit Politik und dem Leben im Diesseits (dunya).Trotzdem wurden sie zu einem Objekt des Interesses von Leuten, die nur auf ihre Gelegenheit warten. Daraufhin hat man in Eskishehir, in Kastamonu und Denizli Untersuchungen angestellt und mich eingesperrt. Gerichtsverfahren wurden angestrengt. Als Ergebnis kam die Wahrheit ans Licht und Gerechtigkeit wurde wiederhergestellt. Doch diese Opportunisten konnten nie genug davon bekommen. Dieses Mal haben sie mich wieder verhaftet und nach Afyon geschickt. Ich stehe unter Arrest und werde verhört. Sie beschuldigen mich auf folgende Weise:
1.Du hast eine politische Vereinigung gegründet.
2.Du verbreitest Ideen, die denen der Regierung entgegengesetzt sind.
3.Du verfolgst ein politisches Ziel.
Die entsprechende Begründung und die Beweise dafür finden sich in zehn, fünfzehn Sätzen aus zwei, drei dieser Abhandlungen. Ehrenwerter Herr Minister! So wie bereits Napoleon sagte: "Bringt mir einen Satz, den man nicht auslegen könnte und ich werde durch ihn euer Todesurteil fällen." Welchen Satz auch immer der Mensch äußern mag, (es gibt keinen), dem man nicht durch eine entsprechende Auslegung die Form einer Schuld oder einer strafbaren Handlung anhängen könnte. Besonders,
wenn man wie ich, sein fünfundsiebzigstes Lebensjahr erreicht und seine Hände ganz und gar von allem irdischen Leben (dunya)zurückgezogen und nun sein Leben nur noch auf das jenseitige Leben (akhira)hin ausgerichtet hat, werden seine Schriften (von irgendeiner politischen Rücksichtnahme) frei sein. Da er in guter Absicht (niyet)handelt, wird er zudem furchtlos sein. Es wäre schlichtweg unbillig, darin nach strafbaren Handlungen zu suchen, und etwas anderes (als schlichtweg unbillig) kann es nicht sein. Daher findet sich auch in keiner der 130 Abhandlungen (risalah)irgendetwas, das ein Interesse an weltlicher Macht beinhalten könnte. Bei allen (Abhandlungen), wie sie vom Licht des Qur'an ihren Ausgang nehmen, geht es (um die Lehre vom) jenseitigen Leben (akhirah)und dem Glauben (iman).Es gibt überhaupt gar keine politischen oder weltlichen Ziele und Interessen. Was jedenfalls auch immer die Angelegenheit war, die gerade vor Gericht verhandelt wurde: jedes Mal lief es wieder auf das Gleiche hinaus und erfolgte am Ende ein Freispruch. Es ist deshalb eine Schande, die Gerichte völlig unnötigerweise damit zu beschäftigen und unschuldige Gläubige im Namen von Volk und Land von ihren Arbeiten und Geschäften abzuhalten. Hatte noch der "Alte Said" sein ganzes Leben damit verbracht, für das Glück von Land und Volk tätig zu sein, wie könnte dann der "Neue Said", nachdem er sich ganz und gar von der Welt zurückgezogen hatte, nun im Alter von 75 Jahren sich noch mit Politik beschäftigen? Davon seid doch auch ihr vollkommen überzeugt.
Ich habe nur ein einziges Ziel.
Es ist das Folgende:
In dieser Zeit, da ich mich bereits dem Grabe nähere, hören wir in unserer Heimat, die doch ein islamisches Land ist, den Schrei der bolschewistischen Eulen.
{Eulen sind lichtscheue Gesellen der Finsternis! (A.d.Ü.)}
Dieser Schrei zerstört die Fundamente des Glaubens in der islamischen Welt. Er macht das Volk und
besonders die Jugend zu glaubenslosen, fesselt und fasziniert sie. Indem ich mit meiner ganzen Kraft dagegen ankämpfe, rufe ich die Jugend und alle Muslime zum Glauben (iman)auf. Ich kämpfe gegen diese glaubenslosen Massen. Möchte doch Gott es wollen, dass ich mit diesem meinem Kampf in Seine Gegenwart treten werde! Dies ist mein ganzes Bestreben. Was aber diejenigen betrifft, die mich von meinem Tun abbringen wollen, so befürchte ich, dass es Bolschewisten sind. Für mich ist es ein heiliges Ziel, mit den Kräften der Gläubigen Hand in Hand zu arbeiten, mit denen, die den Kampf gegen diese Feinde des Glaubens auf sich genommen haben. Lasst mich in Frieden! Wir werden uns alle gemeinsam für den Glauben des Landes und den Dienst an der Göttlichen Einheit einsetzen und die Jugend, die der Kommunismus vergiftet hat, wieder auf den rechten Weg zu führen.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Das wirksamste Heilmittel gegen diese furchtbaren Plagen und die Hoffnungslosigkeit in dieser Welt, besonders aber für die, welche von einem schweren Schlag getroffen wurden, vor allem auch für die Schüler der Risale-i Nur, ist es, einander zu trösten und aufzuheitern, sich gegenseitig in seiner inneren Haltung zu stärken, einander als wahre, opferwillige Brüder in ihrem Kummer, in ihren Sorgen gleichsam eine heilende Salbe aufzutragen, ja ihnen zärtlich (shefqat)das betrübte Herz zu liebkosen. Diese wahrhaftige, auf ein jenseitiges Leben (ukhrevi)ausgerichtete Bruderschaft unter uns kann den nicht stützen, der sich beleidigt fühlt oder Partei ergreift. Da ich nun
einmal all mein Vertrauen in euch gesetzt habe und mich auf euch verlassen kann, wisst ihr auch, dass ich mich entschlossen habe, nicht nur meine Bequemlichkeit, ja meine Ehre, mein Ansehen und selbst mein Leben (ruh)freiwillig für euch zu opfern... und das habt ihr auch bereits erlebt. Dabei versichere, ja schwöre ich euch, dass die Qualen, die während der letzten acht Tage durch jenen unbedeutenden Vorfall zwischen zwei leitenden Schülern der Risale-i Nur, die einander offensichtlich aus dem Wege gehen und statt einander zu trösten, sich bloß aufregen, in meinem Herzen entstanden sind, mich in Geist (ruh)und Seele und in meinem Herzen weinen und aufschreien ließen: "Oh weh, oh weh! Hilfe! Erbarmen! Oh barmherzigster Allerbarmer, steh uns bei! Beschütze und bewahre uns und errette uns vor all dem Übel der Teufel in der Gestalt von Dschinnen und Menschen! Fülle die Herzen unserer Brüder mit Treue, Redlichkeit (sadaqah),Liebe (muhabbet)und brüderlicher Zuneigung (uhuvvet ve shefqat)!"
Oh meine stahlharten und unbeugsamen Brüder! Helft mir! Unsere Situation ist äußerst sensibel. Ich habe euch so sehr vertraut, dass ich alle meine Aufgaben (vazifah)eurer geistigen Körperschaft überlassen habe. So solltet nun auch ihr mir mit allem Können und Vermögen zu Hilfe eilen. Zwar war dieser Zwischenfall ein ganz kleiner, unbedeutender und nur kurzzeitiger, doch selbst ein Haar oder ein Sandkorn stört, wenn es in das Getriebe unserer Uhr oder in unser Auge gerät. Auch dieser Gesichtspunkt ist von besonderer Bedeutung, da drei physische Explosionen {der Ofen und die Gläser im Zusammenhang mit seiner Verteidigungsschrift (A.d.Ü.)} und drei psychische Beobachtungen {die Herzattacken im Zusammenhang mit dem Streit seiner Schüler} ganz genaue Kunde davon geben.
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Der Ofen, der zerbarst und die beiden Wassergläser von den beiden Feyzi und von Husrev, die in viele kleine Scherben zersplitterten, gaben Kunde vom Kommen einer fürchterlichen Katastrophe. Es ist in der Tat absolut notwendig, uns in gegenseitiger Hilfeleistung zu üben und die Fehler der anderen nicht anzuschauen, was unser mächtigster Stützpfeiler ist, und niemals einem so opferbereiten Mann wie Husrev etwas übel zu nehmen, da er ja schließlich meinen Platz einnimmt und ein besonders bedeutender Repräsentant der geistigen Körperschaft der Risale-i Nur ist. Ich spürte seit einigen Tagen eine fürchterliche innere Unruhe und Verzweiflung und sagte ganz aufgeregt zu mir selbst: "Unsere Feinde haben einen Weg gefunden, wie sie uns besiegen können." Sowohl der Ofen als auch die völlig richtige Beobachtung, die ich in meiner inneren Wahrnehmung gemacht hatte, übermittelten mir die richtige Nachricht: "Seid vorsichtig! Gebt Acht! Seid auf der Hut!" Bringt ganz schnell eure bisher so stahlharte gegenseitige Hilfsbereitschaft wieder in Ordnung. Es wäre bei Gott durchaus möglich, dass uns dieser Vorfall unserem Dienst am Qur'an und am Glauben zu jetziger Zeit einen noch größeren Schaden zufügen wird, als unsere Einlieferung ins Gefängnis.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Die "Nacht der Himmelfahrt (Leyle-i Mi'radj)gleicht einer zweiten Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr).In dieser Nacht so weit möglich zu arbeiten, bringt tausendfachen Gewinn.
Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass auch ihr in Übereinstimmung mit dem Geheimnis einer geistlichen Partnerschaft in dieser kostbaren Nacht, gleich einigen Engeln, die Gott mit Vierzigtausend Zungen lobpreisen, (Gott) mit Vierzigtausend Mündern euren Dienst (ibadet)und eure Anbetung (dua)darbringen werdet, was euch in diesem Haus voll Kummer und Sorgen viele Verdienste (sevab)erbringen wird, und ihr werdet durch eure Anbetung (ibadet)in dieser Nacht euren Dank dafür darbringen, dass der Sturm, der über uns kommen sollte, noch nicht einmal ein Tausendstel Schaden angerichtet hat. Darüber hinaus beglückwünsche ich euch zu eurer großen Umsicht und bringe euch die gute Nachricht, dass die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbani)sich hier in ganz klarer Weise für uns offenbart.
Said Nursi
* * *
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Zur "Nacht der Himmelfahrt (Leyle-i Mi'radj)"gratuliere ich euch aus ganzer Seele (ruh)und mit ganzem Herzen.
Zweitens:
Seit zwanzig Jahren versichern wir stets, dass die Schüler der Risale-i Nur die öffentliche Ordnung so wenig wie möglich stören. Denn es gab da eine große Wahrscheinlichkeit, dass diejenigen, die uns kritisieren, es als ein Zeichen betrachten werden, das vor allem ihren Argwohn (dava)einer Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung bestätigt, und ihn dann zu einem Vorwand nehmen, unsere Versicherung (dava)zu widerlegen, falls sich nicht in außergewöhnlicher Weise dieses Ereignis unserer Inhaftierung in der Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)durch eure Redlichkeit (sadaqah)und Aufrichtigkeit (ikhlas)wie ein Wunder (keramet)eins zu Hundert reduziert hätte.
Doch aus der Kuppel wurde ein Korn. {Der öffentliche Skandal, den sie sich erhofft hatten, blieb aus. (A.d.Ü.)} Andernfalls hätten diejenigen, die so gerne ein Körnchen zu einer Kuppel aufgeblasen hätten, ihren Nutzen daraus gezogen und viele dazu gebracht, ihre Verleumdungen gegen uns zu glauben.
Drittens:
Macht euch meinetwegen keine Sorgen! Da ich ja mit euch im selben Haus bin, schmelzen alle unsere Mühen und Sorgen zu nichts zusammen. Es ist in der Tat unser Zusammensein hier in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Auch für unseren Dienst im Glauben bringt es einen vielseitigen Nutzen. Seit eine Anzahl bedeutsamer Fakten im Anhang zu meiner schriftlichen Verteidigung an sechs Abteilungen der Regierung gesandt worden sind, haben sie dieses Mal dort sogar deren Aufmerksamkeit erregt und (die Beamten) in einer Weise beeinflusst, dass demgegenüber all unsere Mühen und Plagen wie nichts erscheinen.
Viertens:
Befasst euch so viel wie möglich mit der Risale-i Nur. Das vertreibt sowohl euren Kummer und kann zugleich auch als eine der fünf Arten der Anbetung (ibadet)gezählt werden.
Fünftens:
Durch den Unterricht (ders)in der Risale-i Nur hat sich unser Unglück von hundert zu eins reduziert. Andernfalls wären aufgrund der besonders kritischen Umstände hier an diesem Ort und in dieser Zeit, als habe man ein Häufchen Schießpulver entzündet, aus einem einzigen Korn viele Kuppeln emporgewachsen. Ja, ein Teil jener Beamten in Uniform sagte sogar: "Diejenigen, die dem Unterricht (ders)aus der Risale-i Nur gefolgt sind, haben da nicht mitgemacht." Hätten sie alle dem Unterricht gefolgt, wäre überhaupt nichts passiert. Soweit es euch möglich ist, geht jedem Anlass zu irgendeinem Streit aus dem Wege. Fügt den Widrigkeiten des Gefängnislebens hier nicht noch weitere hinzu. Auch die Gefangenen
sollen wie die Schüler der Risale-i Nur einander Brüder und nicht aufeinander böse sein.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen wahrhaft (mukhlis)Brüder!
Die Grundsätze der Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Lem'a-i Ikhlas)und den Geist wahrer Aufrichtigkeit (haqiqi ikhlas)unter uns und unter den anderen mit ganzer Kraft anzuwenden, so weit wir dies überhaupt innerhalb der gegebenen Möglichkeiten können, hat sich bereits bis zu einer Notwendigkeit entwickelt. Ich habe eine zuverlässige Nachricht erhalten, dass man seit drei Monaten hier drei Männer untergebracht hat, welche die (Beziehungen unter den) mir hier besonders nahe stehenden Brüdern (mit Hilfe) der Verschiedenheit ihrer Stimmungen und Gedanken unterkühlen sollen. Sie ziehen also die Gerichtsprozesse grundlos in die Länge, damit die Schüler der Risale-i Nur - deren überdrüssig geworden - unruhig werden und damit die sensibleren und schwächeren unter ihnen Verdacht schöpfen und den Dienst an der Risale-i Nur aufgeben sollen. Seid vorsichtig! Gebt Acht! Lasst es nicht zu, dass die Opferbereitschaft der Brüder (uhuvvet)und ihre herzliche Zuneigung (muhabbet),die ihr euch bis heute bewahrt habt, erschüttert wird! Und sollte es auch nur der Hauch (einer leisen Erschütterung) sein, so kann uns doch daraus ein sehr großer Schaden entstehen. Denn schon hat eine ganz leichte Erschütterung in Denizli uns einige Hodjas entfremdet. Obwohl es unser Dienst an Qur'an und Glaube erfordert, unser Leben (ruh)falls notwendig füreinander zu opfern, sollten wahrhaft opferbereite (Schüler), durch Schwierigkeiten oder sonstige Ursachen gereizt, nicht einander zürnen, sondern in vollkommener Demut, Bescheidenheit und Hingabe für ihre Fehler einstehen und sich darum bemühen,
in ihrer Liebe und Aufrichtigkeit zueinander zu wachsen. Andernfalls wächst aus einem Korn eine ganze Kuppel, woraus dann leicht ein irreparabler Schaden entstehen kann. Ich überlasse nun (alles weitere) eurem Scharfsinn und damit möchte ich hier schließen.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Einer wichtigen inneren Wahrnehmung zufolge gibt es z.Zt. in Verbindung mit der Risale-i Nur ein, zwei Aufgaben (vazifah),die ihr, damit es nicht zu Streitigkeiten und hinterhältigem Gezänk unter diesen hilflosen, armen, vom Unglück betroffenen Gefangenen kommt in dieser dritten "Schule Josefs", mit Hilfe der Unterweisung in der Risale-i Nur, mit ganzer Kraft in Angriff nehmen müsst. Denn es gibt da fürchterliche Unruhestifter, die fest dazu entschlossen sind, zu versuchen, hinter den Kulissen aus den Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten, dem Hass und all der Engstirnigkeit ihren Nutzen zu ziehen. Denn die Mehrheit unserer Mitgefangenen hat nun einmal eine Ader, falls nötig selbst ihr Leben (ruh)heldenhaft für das Land und das Volk und ihre Kameraden einzusetzen. Diese edelmütigen Männer sollten sicherlich für das Heil (selamet)des Volkes und die Ruhe hier im Gefängnis ihre Verbohrtheit, Hass und Feindschaft aufgeben, um sich vor der Verderbnis des Bolschewismus zu retten, der wie unter einem Deckmantel Anarchie einzuimpfen versucht, was überhaupt keinen Nutzen einbringt, deren Schaden aber in diesen stürmischen Zeiten beträchtlich ist. Andernfalls diente dies gerade zu dieser Zeit, als halte man ein Streichholz an ein Pulverfass, sowohl für hundert bedauernswerte Gefangene, für die unschuldigen Schüler der Risale-i Nur, als auch für die Provinz Afyon als ein Anlass zu erheblichen Plagen, Unruhen und vielleicht sogar dazu,
dass ein ausländisches Komitee beunruhigt seinen Finger hebt. Da uns Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahiye)nun einmal zu ihrem Zweck hierher geführt hat und einige von uns zu ihrem Glück und um ihrer inneren Ruhe willen gar nicht mehr von hier weg wollen, und wir um ihretwillen unsere Ruhe opfern und alle Mühsal mit Geduld ertragen, ist es sicherlich ganz besonders notwendig, dass wir um unserer neuen Kameraden, wie z.B. der Gefangenen aus Denizli willen und aus Respekt vor den Monaten Schaban und Ramadan nicht ärgerlich werden, sondern wie Brüder untereinander Frieden schließen. Wir und ich betrachten sie in jedem Fall als Schüler der Risale-i Nur und schließen sie in unsere Gebete mit ein.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ
{"Das Gute liegt in dem, was Gott will."}
In diesem Sinne (sirr)liegt sehr viel Gutes in der Verzögerung unserer Gerichtsverhandlung und auch darin, dass unsere inzwischen entlassenen Brüder zur Gerichtsverhandlung - möge es Gott wollen (insha-a'llah)- wieder hier sein werden.
In der Angelegenheit, um die es sich bei der Risale-i Nur handelt, ist es in der Tat von ganz besonderer Bedeutung für die islamische Welt im allgemeinen und dieses Land im besonderen, dass derartige Versammlungen so von Leben erfüllt sind, dass sie die Aufmerksamkeit aller
auf die Wahrheiten (haqiqat)der Risale-i Nur lenken, denn in ihrer strahlenden Gestalt, jenseits all unserer Hoffnungen, Vorsichtsmaßnahmen und (Bestrebungen) etwas zu verbergen, auch wenn unsere Gegner sie (gering schätzen) und für unbedeutend erklären wollen, unterrichtet die Risale-i Nur in ihren Lektionen Freund und Feind gleichermaßen ganz außerhalb unseres Wollens. Ohne zu zögern enthüllt sie auch noch dem am weitesten entfernten Fremdling ihre geheimsten Gedanken. Da dies nun einmal die Wahrheit (haqiqat)ist, sollten wir unsere kleinlichen Kümmernisse als bittere Medizin, wie etwa Chinin, betrachten, geduldig und dankbar sein und sagen: "Oh Er (Ya Hu)!Auch das wird vorübergehen."
Zweitens:
Dem Direktor dieser Schule Josefs habe ich geschrieben: Während ich noch ein russischer Gefangener war, brach der bolschewistische Sturm zuerst in den Gefängnissen aus, so wie auch die Große Französische Revolution zuerst in den Kerkern unter den Gefangenen ausbrach, welche die Geschichte als Vagabunden bezeichnet hat. Deshalb versuchen wir Schüler der Risale-i Nur sowohl in Denizli und in Eskishehir als auch hier bei uns die Gefangenen so weit wie möglich auf den rechten Weg zu führen. In Eskishehir und in Denizli hatten wir dabei großen Erfolg. Hier werden wir aber noch erfolgreicher sein, denn als Ergebnis des Unterrichts (ders)der Risale-i Nur in dieser sensiblen Zeit und an diesem kritischen Ort milderte sich der Sturm (im Verhältnis) hundert zu eins. {(*): Was diesen Sturm betrifft, so handelte es sich dabei um einen Aufstand im Gefängnis zu Afyon, an dem aber keiner der Schüler der Risale-i Nur teilgenommen hat.} Andernfalls hätten fremde, widrige Strömungen, welche es verstehen, aus einem solchen Konflikt und dergleichen Zwischenfällen ihren Nutzen zu ziehen und solche Gelegenheiten geradezu erwarten, Feuer in das Pulver geworfen und einen Brand entfacht.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten"}
Meine lieben, getreuen, unerschütterlichen Brüder, die in aller Mühsal nicht niedergeschlagen geworden sind und sich nicht von uns zurückgezogen haben!
Während meine Seele (nefs)aufgrund einer physischen wie psychischen Bedrängnis um euch besorgt war, fühlte ich plötzlich in meinem Herzen: hättest du sowohl für dich als auch für nur einen einzigen deiner Brüder hier anstelle aller Sorgen und Kümmernisse vielleicht in anderer Form das Zehnfache erleiden müssen, um ihm so bald und so nahe begegnen zu können, es wäre noch immer für dich billig gewesen. Es scheint ja notwendig zu sein, dass, wie sich in alten Zeiten die Leute der Wahrheit (haqiqat)wenigstens ein-, zweimal im Jahr trafen, sich nun auch die Schüler der Risale-i Nur alle paar Jahre einmal in der Schule Josefs, als der günstigsten Gelegenheit, begegnen. Auch wenn mit dem Weg der Gottesfürchtigen und Asketen, entsprechend und in der Art und Weise, denjenigen Unterricht zu erteilen, die dessen am meisten bedürfen, ja allen und selbst noch ihren Gegnern, sodass nun (auf diese Weise) ihre geistige Körperschaft sprechen kann, tausend Mühen und Plagen verbunden sind, so ist dies nicht von Bedeutung. Wenn einige wenige unserer schwächeren Brüder in früheren Gefängnissen es überdrüssig geworden sind und den Kreis der Risale-i Nur verlassen haben, so war dies ein sehr großer Verlust für sie, jedoch kein Schaden für die Risale-i Nur. An ihrer Stelle betraten robustere, aufrichtigere Schüler den Plan. Da nun einmal die Prüfungen in dieser Welt (dunya)vergänglich sind und rasch vorübergehen und uns dabei ihre Verdienst (sevab),ihre Früchte überlassen, sollten wir auf die Göttliche Gnade (inayet-i Ilahiye)vertrauen und dankbar bleiben in Geduld.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Schickt die letzten beiden Seiten, entweder mit den alten Buchstaben geschrieben oder mit den neuen Buchstaben getippt, durch einen zuverlässigen Mann, den ihr für geeignet haltet, an den Vorsitzenden des Gerichtshofes und schreibt dazu auf einem Extrablatt: "Said dankt Ihnen und lässt Ihnen sagen: Sie haben meine Fenster wieder geöffnet. Doch der Staatsanwalt erlaubt keinem meiner Brüder oder einem Bediensteten, zu mir zu kommen. Und er bittet auch darum, dass Sie ihm diesen einzigartigen, wundersamen Qur'an
{in dem die Übereinstimmungen im Text farbig gekennzeichnet sind. (A.d.Ü.)}
der sich noch bei Gericht befindet, zurückgebt, damit er ihn während dieser gesegneten (mubarek)Monate lesen kann. Er hat drei Abschnitte (djuz)aus diesem wundersamen Qur'an als Musterexemplare an das Amt für Religiöse Angelegenheiten übersandt, damit sie einen Offset-Druck davon machen können. Außerdem ersucht er sie um einen dieser Bände der Risale-i Nur, die sich ebenfalls bei Gericht befinden, damit er sie in seiner vollkommenen Abgeschlossenheit und Einsamkeit und unter den schrecklichen Plagen lesen kann. Sie sollen ihm ein Mittel des Trostes und ein guter Kamerad sein. Diese Bände haben jedenfalls schon drei, vier Gerichtshöfe gesehen, ohne dass dabei etwas beanstandet wurde. In ähnlicher Weise wurden diese großen Bände auch von den führenden Gelehrten im Ehrwürdigen Mekka, im Strahlenden Medina, im Ehrwürdigen Damaskus (Sham-i sherif),in Aleppo (Halep)und von der Universität in Kairo (Djami'u-l'Es'her)hochgeschätzt und gepriesen und keiner von ihnen hat sie kritisiert oder hatte etwas gegen sie einzuwenden."
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Die beiden Feyzi haben auch zwei Kopien der Hisbun'Nuri bei sich. Wenn sie sie nicht brauchen, lasst eine davon mir zukommen, oder Mehmet Feyzi kann mir noch eine Kopie anfertigen. Auch die Abhandlung über den Ramadan (Ramadhan Risalesi)und das bereits im Druck vorliegende "Große Zeichen (Ayetu-l'Kubra)werden hier gebraucht. Bringt die Spannungen unter euch rasch wieder in Ordnung! Seid vorsichtig! Gebt Acht! Schon eine kleine Abweichung im Kreis der Schüler der Risale-i Nur kann einen großen Schaden verursachen. Lasst euch nicht von Stimmungen hinwegtragen, die aus solchen Schwierigkeiten erwachsen. Als mein Ofen platzte, war dies ein Hinweis auf derartige Probleme.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder Husrev, Mehmed Feyzi und Sabri!
Ich habe euch aus meiner vollen Überzeugung vertraut. Ich habe gehofft, im Frieden meines Herzens ins Grab hinabzusteigen und euch das Wohlergehen (selamet)der Risale-i Nur überlassen zu können. Und ich war dessen sicher, dass nichts euch voneinander würde trennen können. Jetzt aber gibt es einen offiziellen Hinweis darauf, dass es einen entsetzlichen Plan gibt, die Beziehungen unter den zuverlässigsten Schülern der Risale-i Nur abkühlen zu lassen. Da ihr aber nun einmal, wie es die Stärke eurer Ergebenheit (sadaqah)und eure intensive Verbundenheit mit der Risale-i Nur erforderlich machen, auch dazu bereit seid, falls notwendig selbst euer Leben füreinander zu opfern, so seid ihr sicherlich auch dazu verpflichtet, eure so kleinlichen, vorübergehenden und völlig bedeutungslosen Gefühlsregungen aufzuopfern, so wie im anderen Falle mit Sicherheit für uns alle in dieser Zeit ein großer Schaden entstünde. Ich zittere (bei dem Gedanken),
dass (einer von euch) den Kreis der Schüler der Risale-i Nur verlassen könnte. Bereits seit drei Tagen befällt mich wieder ein Schauder, wie ich ihn noch nie zuvor erlebt habe. Ich habe jetzt mit Bestimmtheit erkannt, dass selbst eine leichte Gereiztheit unter (Schülern) wie ihr es seid, einem Haar, das ins Auge gerät, vergleichbar, wie eine Bombe wirkt. Ich darf euch sogar mitteilen, dass man sich bei dem vergangenen Sturm sehr darum bemüht hat, uns mit hineinzuziehen. Jetzt aber versuchen sie, euch, wenn auch nur ein ganz klein wenig, voneinander zu entfremden. Wenn ich auch mehr als zehnmal so viel gelitten habe, wie ihr, so bin ich doch mit Rücksicht auf euch entschlossen, nicht auf Fehler auch nur eines von euch zu achten.
{d.h. lasst euch in dieser angespannten Lage nicht dazu verleiten, gereizt auf eure Fehler zu reagieren, so wie auch ich nicht gereizt auf eure Fehler reagieren will. (A.d.Ü.)}
Ich bitte euch also im Namen eures Meisters, der geistigen Persönlichkeit der Risale-i Nur, nicht auf eurem eigenen Weg zu bestehen, sei es nun berechtigt oder auch nicht. Wenn an diesem ungewöhnlichen Ort verborgene Hände heimlich im Versteck in eurem Beisammensein herumrühren, so (geht auseinander und) einer von euch gehe (fort, um) mit Tahiri zusammen in einer Zelle (zu wohnen)!
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Meine lieben getreuen Brüder!
Seid mir bitte nicht böse, wenn ich mich um drei unter euch, die einander böse sind, ganz besonders kümmere! Denn gleich mir sind Husrev und Feyzi ein wenig menschenscheu und fühlen sich (unter Menschen) unbehaglich. Auch sind sie in ihrem Temperament doch ein wenig verschieden voneinander. Was Sabri betrifft, so ist er aufgrund seiner Verwandten und seines Lebensunterhaltes an das gesellschaftliche Leben gebunden und muss
deshalb in seinem Umgang vorsichtig sein. Da also aufgrund dieser Verschiedenheit von Weg (meslek)und Temperament diese drei unter euch in diesem Wirrwarr und der Bedrängnis in eurer (überfüllten) Zelle es auf gar keinem Fall aushalten und geduldig sein können, habe ich mich darüber aufgeregt und mir innerlich Sorgen gemacht. Denn in dieser Zeit genügt schon die kleinste Missstimmung, um einen großen Schaden anzurichten.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder und Kommilitonen in dieser Schule Josefs!
Da die kommende Nacht, die Nacht der Freisprechung (Leyle-i Berat)
{Die Nacht, in der wir das Buch unserer Sünden des vorigen Jahres abgeben, während Gott zugleich unsere Aufgaben für das kommende Jahr in das Buch des Lebens einträgt. (A.d.Ü.)}
einem heiligen Samen und einer Art Programm, der Bestimmung (muqadderat)der Menschheit gleicht, ist sie ebenso heilig wie die Nacht der Vorherbestimmung (Leyle-i Qadr).Und so wie jedes gute Werk (hasanah)in dieser Nacht der Bestimmung für dreißigtausend zählt, so steigert sich auch in der Nacht der Freisprechung (Leyle-i Berat)der Wert (sevab)einer jeden guten Tat (amel-i salihin)und jeden Wortes, das wir im Qur'an (lesen) auf zwanzigtausend. Ist er auch zu anderen Zeiten gleich zehn, so steigt er während dieser drei Heiligen Monate auf das Hundertfache und auf das Tausendfache. Und in diesen bekannten heiligen Nächten steigert er sich erst auf zehntausend, dann zwanzigtausend, dann dreißigtausend. In diesen Nächten kann er (den Wert) einer Anbetung (ibadet)von fünfzig Jahren erreichen. Darum ist es ein großes Verdienst, wenn wir den Qur'an (lesen), um Vergebung (bitten) und die Segenswünsche (salavat über den Propheten) rezitieren.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَآئِمًا سَلَّمَكُمُ اللّٰهُ فِى الدَّارَيْنِ
{"Im Namen des Hochgelobten. Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen für immer und ewig! Möge Gott euch schützen in beiden Welten!"}
Wir gratulieren euch von ganzer Seele (ruh)und ganzem Herzen zu der Nacht der Freisprechung (Leyle-i Berat),in der die Gläubigen den Gegenwert von fünfzig Jahren Anbetung gewinnen können. Wir erhoffen von der Barmherzigkeit Gottes (rahmet-i Ilahiye)mit völliger Sicherheit, dass jeder einzelne von euch im Geheimnis (sirr)geistlicher Partnerschaft und mit dem Segen eines innerlichen Gemeinschaftssinnes, so wie manche Engel, den Lobpreis Gottes (tesbih)mit vierzigtausend Zungen darbringen, so auch jeder aufrichtige und wahrhaftige Schüler der Risale-i Nur, als habe er vierzigtausend Zungen, um Vergebung (istighfar)bittet.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Erstens:
Auf Vorschlag einiger Hodjas, welche die ketzerischen Neuerungen unterstützen, findet sich in der Anklageschrift ein Widerspruch zu einer Fragestellung im "Fünften Strahl", worin sie das Kommen eines Deddjal in einem islamischen Land (Sufyan)und das Kommen noch einiger weiterer Deddjale ablehnen. Eine Antwort darauf findet sich in einer zuverlässigen (sahih)Hadith, die uns ein besonders glänzendes und ganz offensichtliches Wunder des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, zeigt:
لَنْ تَزَالَ الْخِلاَفَةُ فِى وَلَدِ عَمِّى صِنْوِ اَبِى الْعَبَّاسِ حَتّٰى يُسَلِّمُهَا اِلَى الدَّجَّالِ
d.h. "Das Kalifat wird sich in den Söhnen meines Onkels Abbas fortsetzen bis es in die zerstörerischen Hände des Deddjal übergeht." Das aber heißt: Das Kalifat der Abbassiden wird noch lange, nämlich fünfhundert Jahre, fortbestehen. Danach wird ein Dschingis, genannt Hulagu, einer von drei Deddjalen das Königreich des Kalifen (saltanat-i Khilafet)zerstören und im Islamischen Land seine Regentschaft fortsetzen. Womit zum Ausdruck kommt, dass im Islamischen Land nach verschiedenen Hadithen drei Deddjale kommen werden, was ein offensichtlicher Beweis ist. Die Voraussagen (ihbar-i ghaybi),die in den obigen Hadithen gemacht werden, sind in zweierlei (Hinsicht) ein offensichtliches Wunder:
Erstens:
Ein "Kalifat der Abbassiden (750-1258)" wird aufgerichtet werden und fünfhundert Jahre fortbestehen.
Zweitens:
Es wird schließlich durch die Hand dieses grausamsten Deddjal mit Namen Dschingis und Hulagu zerstört werden und untergehen. Ja wäre es denn überhaupt möglich, dass der Sachwalter des Gesetzes (sahibi sheriat),der in den Überlieferungen (hadith)selbst noch über die unbedeutendsten Dinge, soweit sie den Qur'an und die Kennzeichen des Islam betreffen, berichtet hat, über die so ungewöhnlichen Ereignisse hier in unserer Zeit nicht berichtet haben sollte? Und wäre es denn überhaupt möglich, dass es gar keine Hinweise auf die Schüler der Risale-i Nur geben sollte, die inmitten dieser denkwürdigen Ereignisse fest entschlossen dem Qur'an dienen, und das im weitesten Rahmen, unter den seltsamsten Umständen und schwierigsten Bedingungen, wobei die Frucht (als Ergebnis ihres Dienstes) von Freund und Feind bestätigt wird.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَآئِمًا
{"Im Namen des Hochgelobten. Und wahrlich gibt es nichts, was nicht dankend ihn lobpreist." (Sure 17, 44) "Friede sei mit euch, Gottes Erbarmen für immer und ewig!"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich beglückwünsche (tebrik)euch von ganzem Herzen und aus ganzer Seele (ruh)zu diesem ehrwürdigen (sherif)und gesegneten (mubarak)Ramadan. Möge Gott der Gerechte euch allen in dieser Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr)im ehrwürdigen Monat Ramadan einen Gegenwert (hayirli)von tausend Monaten schenken. Amin. Und möge Er ihn von euch wie ein achtzigjähriges, gottgefälliges Leben annehmen. Amin.
Zweitens:
Ich bin der Überzeugung, dass viel Gutes und Vorteilhaftes darin liegt, dass wir bis zu den Festtagen (Bayram)hier bleiben werden. Würden wir jetzt schon entlassen, würden wir nicht nur all des Guten in dieser Schule Josefs entbehren müssen, auch der Ehrwürdige Ramadan, der doch einzig auf das Jenseits (ukhrevi)hin ausgerichtet ist, und unsere innere Haltung würden durch weltliche Aktivitäten Schaden erleiden. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass wir im Geiste (sirr)dieses اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ {"Gutes liegt in dem, was Gott will."} eine verdienstvolle große Freude erfahren mögen. Auch habt ihr vor Gericht bereits verstanden, dass sie, da sie uns ja mit ihren Gesetzen in gar keiner Weise überführen können, stattdessen spitzfindige Diskussionen über irgendwelche Belanglosigkeiten anführen, wie z.B. einige
private Dinge in einem persönlichen Brief, die so wenig mit dem Gesetz zu tun haben wie der Flügel einer Mücke, weil sie nichts gefunden haben, um die wirklich bedeutenden, universellen Dinge in der Risale-i Nur angreifen zu können. Zudem statt des ganzen großen und weiten (Kreises) der Schüler, (ihres Dienstes und der Lehre) der Risale-i Nur lediglich meine eigene Person in Misskredit zu bringen und in ihrer Bedeutung zu schmälern ist für uns ein großer Vorteil, da Göttliches Vorherwissen (Qader-i Ilahi)es nicht zulässt, dass jemand sich in (die Angelegenheiten) der Risale-i Nur und ihrer Schüler einmischt. So beschäftigt man sich also nur mit meiner Person.
Ich sage deshalb euch und allen meinen Freunden: für euer Wohlbefinden (selamet)und für die Risale-i Nur akzeptiere ich aufrichtig, mit Herz und Verstand (ruh),ja sogar mit dem Einverständnis meiner eigenwilligen Seele (nefs-i emmare),mit innerer Freude und Dankbarkeit alle diese Schwierigkeiten, die man meiner Person bereitet. So wie das Paradies nicht kostenlos ist, so ist auch die Hölle nicht nutzlos. Die Welt (dunya)und ihre Plagen sind vergänglich (fani)und alles vergeht rasch, wonach dann auch unsere heimlichen Feinde für alle Unterdrückung, die wir durch sie erlitten haben, vor das Große Gericht gerufen werden und zum Teil schon in dieser Welt ihre Rache zu spüren bekommen werden, weshalb man sie, statt ihnen mit Wut zu begegnen, eher bedauern sollte. Da dies nun einmal die Wahrheit ist, ist es sicherlich auch ein großes Glück, uns ohne jede Furcht, doch mit Vorsicht, vollkommener Geduld und Dankbarkeit dem zu unterwerfen, was Göttlicher Ratschluss und Seine Vorausschau (qadha ve qader-i Ilahi)für uns bestimmt hat und auf Seine Göttliche Gnade (inayet-i Ilahiye)zu vertrauen, die uns beschützt, und uns mit wahrhaft aufrichtiger, tröstender, von Herzen kommender Freundschaft, Liebe (muhabbet)und in vertraulichem Gespräch (sohbet)für unsere Brüder einzusetzen, und zwar mit einer Hingabe,
für die wir in diesem ehrwürdigen Monat Ramadan tausendfältigen Lohn erhalten werden, mit unseren Rezitationen (aurat),unserem Studium (ilm-i ders)wollen wir diesen geringeren Mühseligkeiten, die vorüber gehen, keine Bedeutung beimessen. Die so tröstlichen Lektionen (ders),die uns die Risale-i Nur mit dieser so wichtigen Prüfung erteilt, und wie sie unsere Gegner dazu zwingt, sie zu lesen, ist ein bedeutender Sieg für die Risale-i Nur.
Anmerkung:
Es ist sicherlich schlimm, dass einige unserer Brüder unnötigerweise leugnen, dass sie Schüler der Risale-i Nur sind, und dass sie ihre bedeutende Vergangenheit und ihre früheren Dienste verheimlichen wollen. Doch gerade aufgrund dieser Dienste sollten wir ihnen vergeben und uns nicht über sie ärgern.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen des Hochgelobten. Und es gibt kein Ding, das ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
In zuverlässigen Überlieferungen (Rivayat-i sahiha)wird angeraten: "Forscht nach der Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr)in der zweiten Hälfte, besonders aber in den letzten zehn (Tagen)." Diese kommenden Nächte, die ein mehr als achtzigjähriges Leben der Anbetung (ibadah)zu schenken vermögen, sinnvoll zu verbringen, als wäre es die Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr),wobei diese Wahrscheinlichkeit (dass sie es tatsächlich sein könnte) in den kommenden Nächten sehr hoch ist, ist an diesen verdienstvollen Orten ein großes Glück.
Zweitens:
مَنْ اٰمَنَ بِالْقَدَرِ اَمِنَ مِنَ الْكَدَرِ
{"Wer an Gottes Vorherwissen glaubt, bleibt von Kummer und Gram verschont. In diesem Geist (sirr)"}
خُذُوامِنْ كُلِّ شَىْءٍ اَحْسَنَهُ
{"Betrachtet die schöne Seite aller Dinge."}
اَلَّذِينَ يَسْتَمِعُونَ الْقَوْلَ فَيَتَّبِعُونَ اَحْسَنَهُ اُولٰئِكَ الَّذِينَ هَدٰيهُمُ اللّٰهُ وَاُولٰئِكَ هُمْ اُولُوا الْاَلْبَابِ
{"Die auf das Wort hören und dem folgen, was darin das Beste ist, das sind diejenigen, die Gott geführt hat und sie sind es, die mit Verstand begabt sind." (Sure 39, 18)}
Ganz kurz zusammengefasst sei gesagt: "Die auf die Worte hören, das Schöne in ihnen annehmen und das Schlechte darin übersehen, sind diejenigen, die von Gott die rechte Leitung erfahren (hidayet-i Ilahiye)und Verstand haben." Nun ist es für uns notwendig, von allen Dingen die gute Seite zu sehen, das Schöne in ihnen zu entdecken, den heiteren Aspekt wahrzunehmen, sodass unsinnige, unnötige, schädliche, betrübliche, hässliche, vergängliche Zustände (hal)nicht unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken und unsere Herzen mit sich beschäftigen. Im "Achten Wort" (wird erzählt wie) ein Mann einen Garten betrat, während ein anderer ihn verließ. Der Glückliche von beiden betrachtete die Blumen und alle die schönen Dinge und erfreute sich entspannt an ihnen. Doch der Unglückliche sah nur all den Schmutz und die hässlichen Dinge, obwohl er sie doch nicht zu beseitigen vermochte. Ihm drehte sich der Magen um und, anstatt sich zu erholen, beunruhigte er sich nur und ging schließlich wieder. Nun gleichen die verschiedenen Stufen des menschlichen Gemeinschaftslebens und ganz besonders die Schule Josefs einem Garten. Darin finden sich zugleich
hässliche als auch schöne, sowohl betrübliche als auch erfreuliche Dinge. Der Verständige ist aber der, der sich mit den schönen und erfreulichen Dingen beschäftigt, den betrüblichen Dingen keine Bedeutung beimisst und anstatt sich zu sorgen und zu beklagen, lieber Dank sagt und sich freut.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die kommende Nacht die Nacht der Bestimmung (Leyle-i Qadr)sein wird. Einige Exegeten haben die Leyle-i Qadr auf diese Nacht festgelegt. Doch selbst wenn es nicht so sein sollte, die Gemeinde aber (ummah)diese Nacht als solche betrachtet, so möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie auch tatsächlich als echt angenommen werde.
Zweitens:
Ich mache mir Sorgen, wie es unseren Brüdern in Zelle sechs ergehen mag, wo es z.Zt. sehr unruhig ist. Es gibt da außerhalb des Gefängnisses einen Finger, der besonders in Zelle sechs herumrührt. Unsere Brüder dort müssen Acht geben und vorsichtig sein, damit sie nicht irgendwo mit hineingezogen werden.
Drittens:
Habt ihr das Schreiben an den Rechtsanwalt geschickt, damit der Herr Vorsitzende es lesen kann? Da es sich hier nicht allein um Sabri handelt, sondern die ganze Angelegenheit uns alle betrifft, ist Halil Hilmi auch unser aller Rechtsanwalt. Jedenfalls sehe ich das so. Er sollte daher für uns alle da sein und deshalb unserem ersten Advokat ganz zur Seite stehen.
Viertens:
Ich habe Sabri die Einführung von Tashköprülü Sadik Bey zur Abschrift gegeben. Wenn er sie bereits abgeschrieben hat, sollten ihm nun die korrigierten Blätter zugeschickt werden. Eine neu angefertigte Kopie
sollte mir zugeschickt werden. Außerdem habe ich hier noch eine Kopie von Sadiks kleinem Gedicht. Falls ihr keine habt, schicke ich euch eine.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Wir senden sowohl euch als auch unseren Brüdern im Gefängnis unsere Glückwünsche zu den Festtagen (Bayram).Diejenigen, die euch zu den Festtagen beglückwünschen (will ich so betrachten) als hätte auch ich ihre Glückwünsche von ihnen entgegengenommen. (Es soll so sein), als hätte ich euch alle persönlich zu den Festtagen besucht. Das sollt ihr wissen und es ihnen auch sagen.
Zweitens:
Infolge der Botschaft meines gusseisernen Ofens, der ohne Grund zersprang, haben wir uns auf dieses Zeichen hin mit aller gebotenen Vorsicht und Behutsamkeit (verhalten), wodurch dieser kleine Sturm von hundert zu eins vermindert wurde, vorüber ging und das Pulverfass nicht angezündet wurde. Auch jetzt wiederum unterrichtet uns meine Wasserflasche, die in dieser seltsamen Weise ohne jeden Grund in lauter kleine Stückchen zersprang, dass wir auch dieses Mal mit der größtmöglichen Behutsamkeit und Geduld die Ruhe bewahren und vorsichtig sein müssen. Ich habe eine innere Eingebung empfangen, dass versteckte Heuchler gegen religiös gesinnte Menschen liederliche Menschen, die das Gebet nicht verrichten, und kommunistisch gesinnte Renegaten einsetzen wollen und sogar schon hier bei uns ihre Finger im Spiel haben.
Eine kleine Anmerkung dazu: Gestern fühlte ich in meinem Herzen Freude und Heiterkeit. Dann bemerkte ich auf einmal, dass mein Bruder in Nurs mir acht Monate zuvor einen Krug mit Honig aus Nurs nach Emirdagh geschickt hatte.
Gestern war er hier in Emirdagh angekommen. "Ach", sagte ich, "so bringt ihn mir doch schnell!" Dann wartete ich: nichts kam... meine Freude verkehrte sich in Ärger.
Diesen Krug mit Honig (von meinem Bruder aus Nurs geschickt und deshalb völlig unverdächtig! - A.d.Ü.) mir kostbarer als hundert (andere) Krüge, in die Hände eines Fremden (, dem man nicht vertrauen darf! - A.d.Ü.) zu geben, um ihn auf dem Markt zu verkaufen, war der Anlass dazu und der Krug zerbrach. Von dieser Süßigkeit, einer Gabe aus dem Dörfchen Nurs, in dem ich geboren wurde und das ich seit vierzig Jahren nicht mehr gesehen hatte, habe ich für jeden meiner Brüder ein klein bisschen als eine Kostprobe (abgeteilt und ihnen gleichsam als) eine Süßspeise für den Festtag (bayram)gegeben.
Said Nursi
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Meine lieben, treuen, unerschütterlichen Brüder!
Ich beglückwünsche (tebrik)euch mit Herz (ruh)und Seele, dass ihr unsere Wunde so rasch geheilt habt. Aufgrund dieser Heilung ist mir in dieser Nacht die Brust weit geworden. Tatsächlich dehnt sich die Medressetu-s'Sehra aus und (die Schüler der Risale)-i Nur machen sich nun die echte Wahrhaftigkeit (haqiqi ikhlas),die vollkommene opferbereite Aufgabe jedweder Ichsucht und ebenso vollkommene Bescheidenheit zu eigen und sie verbreitet sich unter ihnen. Sicherlich können diese so kleinliche, doch nur zeitliche Empfindlichkeit, diese Irritation und Gereiztheit jene machtvollen Lehren (ders)und die Bande unserer Bruderschaft nicht zerstören und die Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Ikhlas Lem'asi)gibt hierbei die beste Rechtleitung. Die übelste Strategie, um uns und die (die Schüler der Risale)-i Nur zu treffen und gegen uns zu agitieren, ist nun, (die Beziehungen unter)
den Schülern der (Risale)-i Nur erkalten zu lassen, sodass sie einander überdrüssig werden und sich schließlich aufgrund der Verschiedenheit ihrer Charaktere und Ansichten voneinander trennen. Es war tatsächlich nur eine kleinliche Gereiztheit. Doch wie ein Härchen im Auge ebenso schmerzhaft sein kann, wie ein Stein, der auf den Kopf fällt, gab mir mein Wasserkrug davon Bericht, als sei es ein größeres Ereignis. Dabei kam mir jener Umstand (hal)seitdem schon hundertmal wieder in den Sinn, über den sich der verstorbene Hafidh Ali (dessen Gott sich erbarmen möge) damals kurz vor seinem Tode beklagt hatte, und macht mich noch immer traurig.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich habe die schriftlichen Beschwerden der Schüler dem Direktor gegeben. Ich habe gesagt: "Dies möchten wir zusammen mit dem Schluss meiner schriftlichen Beschwerde an das Amt für religiöse Angelegenheiten und das Kriminalgericht in Ankara senden, das uns bereits freigesprochen und auch unsere Abhandlungen freigegeben hat, und - falls Sie das für angemessen halten - auch die Liste mit den Irrtümern {in der Anklageschrift des Staatsanwalts (A.d.Ü.)} und deren Korrektur, aber nur privat und rein zur Information." Er sagte: "Das ist angemessen." Ihr könnt nun den Rechtsanwalt darum bitten, einige Kopien von den schriftlichen Beschwerden der Studenten und zwei Kopien der Liste (mit den Irrtümern) vorzubereiten.
Schreibt auch an das Amt für religiöse Angelegenheiten: Da ihr in eurem Rapport über Said und seine Freunde, die ihr dieses Mal nach Afyon geschickt habt,
ganz richtig geschrieben habt, dass es eure Pflicht ist, die Schüler der religiösen Studien (ulum-u diniye)zu verteidigen, sind sowohl der gequälte Said als auch seine unschuldigen Freunde eurem Amt sehr dankbar dafür. Jedenfalls hat unsere Angelegenheit etwas mit Religion (din)und Wissenschaft (ilm)zu tun, sodass also das Amt für religiöse Angelegenheiten sich noch vor der Polizei, dem Gericht oder irgendeinem anderen Amt damit beschäftigen sollte. Deshalb haben wir uns sowohl in Denizli als auch in Afyon zuerst an dieses Amt gewandt und unsere Beschwerde an die Gelehrten dort geschickt. Schreibt also einen Paragraph in diesem Sinne!
Said Nursi
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Mein lieber, getreuer Bruder Re'fet Bey!
Aus Achtung vor dem Ehrwürdigen Qur'an (Qur'an-i Adhim-ush'shan)und um eurer Verbundenheit mit diesem Qur'an willen, und um der Ehre eures zwanzigjährigen, durch den Glauben (getragenen), Dienstes an der Risale-i Nur, hört doch schnell damit auf, einander in dieser scheußlichen, offensichtlich so kleinlichen, doch aufgrund der Sensibilität der Lage (vaziyet)so schmerzlichen, ja geradezu katastrophalen Art und Weise den Rücken zuzukehren und euch gekränkt zu fühlen, was doch nur eine große Hilfe für diese versteckten Heuchler ist, die uns vernichten wollen und einer Lunte am Pulverfass gleicht. Halte sie also davon ab! Andernfalls könnten ein Dirhem (3g) einer persönlichen Rechthaberei hundert Batman (800 kg) Unheil über uns und unseren Dienst am Qur'an und am Glauben bringen, wozu die Wahrscheinlichkeit gerade besonders groß ist. Ich schwöre euch: wollte einer unter euch mich aufs schwerste beleidigen und die Würde meiner Person ganz und gar zerbrechen und würde doch dabei den Dienst am Qur'an, am Glauben und an
der Risale-i nicht aufgeben, so würde ich es ihm nicht nachtragen (helal),meinen Frieden mit ihm machen und versuchen, mich nicht gekränkt zu fühlen. Ihr wisst ja, dass unsere Feinde bestrebt sind, auch noch den leisesten Anflug von Fremdheit unter euch auszunutzen. Schließt also rasch Frieden miteinander! Hört auf, so gereizt zu reagieren, was zudem völlig sinnlos und sehr von Nachteil ist. Sonst wird noch ein Teil von euch, wie Shemsi, Shefik und Taufiq scheinbar zu unseren Gegnern überlaufen, was für unseren Dienst am Glauben ein großer Verlust wäre und ihm einen großen Schaden zufügen würde. Bis jetzt hat die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)anstelle eines solchen Verlusts uns viele zugeführt, die mit dem gleichen System {mit den entsprechenden Fähigkeiten. (A.d.Ü.)} arbeiten. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie uns (auch dieses Mal) wieder zu Hilfe kommen.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Dem Direktor haben "Das Große Zeichen" und der "Wegweiser für die Jugend" offensichtlich sehr gut gefallen. Nun möchte er auch noch den "Stab Mosis" und das "Dhu-l'Fikar".Ich habe ihm versprochen: "Ich werde es dir besorgen." Wenn es hier in Afyon (noch Kopien) davon gibt, lasst einen "Stab Mosis", ein "Dhu-l'Fikar"(gebunden, die große Ausgabe), einen Wegweiser und ein "Großes Zeichen" hierher bringen.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Dieser Bericht hatte genau das gleiche Ergebnis wie der in Denizli. Man hat uns in den Punkten, die Anlass zur Klage gegeben hatten, freigesprochen, um jedoch besser dazustehen und zu zeigen, dass sie keine Nurdjus sind, und weil von Seiten der Wahhabiten ihr Nerv (empfindlich getroffen war), haben sie uns in der Art eines Oberlehrers ein wenig angegriffen. Ich nehme einmal an, dass dieser Bericht eingetroffen ist, noch bevor die Anklageschrift abgefasst wurde, denn in dieser Anklageschrift finden sich einige Punkte davon wieder. Falls dem so ist, ist unsere Fehlerliste bereits die komplette Antwort darauf. Wie denkt ihr darüber? Und wie findet ihr meine letzten Reaktion darauf? Ist sie zutreffend? Ich habe sie nämlich in ziemlicher Eile geschrieben, und mein eigener Zustand ist obendrein noch ziemlich erbärmlich.
Zweitens:
Bis jetzt waren sie offensichtlich noch mit Fragen zu unserer Person beschäftigt, unserer politischen oder religiösen Vereinigung (tariqat)und einigen nebensächlichen persönlichen Briefen. Jetzt aber, wo sie die "Leuchte des Lichts (Siradju-n'Nur)"und die "Sechs Listen des Satans (Hudjumat-i Sitte)"konfisziert haben, wendet das Komitee der Sachverständigen seine Aufmerksamkeit auf die Risale-i Nur und richten sich die Intrigen unserer versteckten Gegner in einer Weise gegen sie, die dazu geeignet ist, die Ruhe im Lande zu stören und die man als einen Angriff gegen die Risale-i Nur bezeichnen kann. Zu genau der gleichen Zeit, als das Land in dieser Weise angegriffen wurde, ereigneten sich, wie schon so oft zuvor, zwei schwere Erdbeben, als ich gerade über dieses Thema schrieb. Das bestätigt, was ich bereits gesagt hatte: "Noch etwas dazu zu schreiben, erübrigt sich nun." Deshalb habe ich nichts weiter geschrieben.
Dann hörte ich heute, dass (die Leute) beginnen, sich (vor einem Zweiten Weltkrieg) zu fürchten. So sagte ich denn dem hiesigen Oberaufseher: "Bis jetzt hat, wann immer die Risale-i Nur angegriffen wurde, die Erde gezürnt oder es entstand eine Angst vor Krieg. Wir haben schon viele derartige Ereignisse mitgemacht, sodass keine Möglichkeit mehr besteht, es könne sich hier um einen Zufall handeln, und das wurde auch dem Gericht gezeigt." Das aber heißt, dass meine neuerliche furchtbare, wenn auch mir selbst unerklärliche, Sorge um die Risale-i Nur, die neidvolle Kritik durch das Komitee der Sachverständigen und die Konfiszierung eines wichtigen Bandes der Risale-i Nur, zusammenfiel mit der Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur),welche einem bereits angenommenen Opfer für die Armen (sadaqa)gleicht, (dargebracht um) eine drohende Katastrophe abzuwenden, wenn sie sich wie hinter einem Schleier verbirgt, sodass nun ein Erdbeben oder aber Furcht vor einem Krieg entsteht.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Macht euch keine Sorgen: Wir stehen unter Gottes Schutz (inayet).Hinter allen äußerlichen Schwierigkeiten verbirgt sich Gottes Erbarmen (rahmet).Das Komitee der Sachverständigen war gezwungen, einen Teil (der Risale-i Nur) zu widerlegen. Sicherlich sind sie aber nun in ihren Herzen Nurdjus geworden.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen, unerschrockenen und unerschütterlichen Brüder, die sich niemals von (einem Leben für) das Jenseits trennen und dieser vergänglichen Welt zuwenden würden!
Seid nicht traurig, dass ihr hier noch ein wenig länger bleiben müsst und man unsere Angelegenheit noch etwas in die Länge ziehen will. Nein, im Gegenteil: seid es, gleich mir, zufrieden. Da unsere Lebensuhr nun einmal nicht still steht, sondern abläuft, bekommt (unser Leben) in diesem Haus der Kasteiungen erst durch die Früchte, die es für das Jenseits hervorbringt, seine Beständigkeit. Im Übrigen erweitert sich der Kreis (der Schüler) der Risale-i Nur. So werden z.B. auch die Gelehrten des Sachverständigenkomitees gezwungen, die Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur)sehr genau zu studieren. Wenn wir zudem entlassen würden, könnte das in der einen oder anderen Hinsicht zu Ausfällen in unserem Dienst am Glauben führen. Obwohl ich selbst dabei noch weit mehr Schikanen zu erdulden habe als ihr, möchte ich doch nicht deswegen entlassen werden. Versucht nur, euch so weit wie möglich mit Ausdauer und Geduld in dieser Art zu leben zurechtzufinden und sucht beim Abschreiben und Lesen der Risale-i Nur Trost und Erleichterung zu finden.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten!"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Falls notwendig kann ich euch zwei Kopien der Liste mit den Irrtümern und Korrekturen zusenden,
wie sie am Ende meiner Verteidigungsschrift aufgeführt sind und sich jetzt hier bei mir befinden, bereits geschrieben mit den neuen Buchstaben, damit ihr sie zusammen mit meiner Antwort an das Komitee der Sachverständigen, an das Amt für Religiöse Angelegenheiten und an das Kriminalgericht in Ankara weiterleiten könnt. Auch sollte dem Gerichtshof eine Kopie meiner Antwort an das Komitee der Sachverständigen übergeben werden.
Zweitens:
Es ist gut so, dass man unsere Angelegenheit noch etwas in die Länge zieht. Bis jetzt hat man in dem Gedanken, ihren Wert herabzumindern, zwar äußerlich ein Desinteresse zur Schau getragen, ihr jedoch dabei eine große Bedeutung beigemessen. Doch möge nun Gott es wollen (insha-a'llah),dass sich bei der derzeitigen Lage (die Dinge) für unseren Dienst am Glauben (hizmeti imaniye)und am Qur'an zum Besseren und zum Vorteil wenden.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten!"}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Wäre die Haddj in diesem Jahr freigegeben worden, hätte vielleicht ein Teil von uns diese Wallfahrt unternommen. Doch möge nun Gott es wollen (inshaa'llah),dass diese unsere Absicht (niyet)so angenommen wird, als seien wir tatsächlich gefahren, sodass unser Dienst am Glauben (hizmet-i imaniye)und an der Risale-i Nur ein ebenso großes Verdienst erwerben wird wie die Wallfahrt selbst.
Zweitens:
Da wir bereits wiederholt geäußert haben: "Die Risale-i Nur ist ein machtvoller und wahrhaftiger
Kommentar (tefthir)zum Qur'an", jedoch einige unaufmerksame (Leute) die eigentliche Bedeutung dessen nicht kennen, habe ich nun die Eingebung bekommen, diese Tatsache näher zu erläutern. Und diese Tatsache ist Folgende: Es gibt nämlich zwei Arten Qur'ankommentare.
Die ersteist die altbekannte Art Kommentare, wobei die Redewendungen im Qur'an und die Bedeutung seiner Worte und Sätze festgestellt, erklärt und erläutert werden.
Was aberdie zweiteArt Kommentare betrifft, so stellt sie mit machvollen Argumenten die Glaubenswahrheiten im Qur'an fest, erklärt und erläutert sie. Diese Art ist von sehr großer Bedeutung. Die allgemein bekannte Auslegung fasst manchmal diese Art kurz zusammen. Doch die Risale-i Nur betrachtet diese zweite Art als die unmittelbare Grundlage und ist eine spirituelle (auf der Wahrheit des Qur'an basierende) Auslegung, die auf beispiellose Weise alle halsstarrigen (gottlosen) Philosophen zum Schweigen verurteilt.
Drittens:
Diesen Morgen wollte ich etwas schreiben, konnte aber nicht. Nun aber ist diese Angelegenheit wieder aktuell geworden und Salim Bey, unser Verwalter, hat mir dazu die Erlaubnis erteilt. Morgen sollen also Husrev und Tahiri kommen, um ein Gesuch an den Ministerrat zu richten.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Sind etwa wir und die Risale-i Nur es, die rundum am gefährlichsten sind, sodass alle anderen Schriftsteller frei sind, etwas zu schreiben und alle Schichten (der Bevölkerung) sich ungestört versammeln dürfen? Doch ohne
jeden religiösen Unterricht können Moslems nicht regiert werden, es sei denn mit einer absoluten Zwangsherrschaft oder durch eine unbegrenzte Bestechlichkeit. Denn ebenso wenig kann bis heute ein Moslem ein wahrhaft gläubiger Jude oder Christ werden. Vielmehr verliert er seinen Glauben und wird so voll und ganz verdorben. Desgleichen kann ein Moslem auch kein Bolschewist werden. Er wird vielmehr ein Anarchist und kann nicht anders mehr gelenkt werden als durch eine absolute Zwangsherrschaft. Wir Schüler der Risale-i Nur arbeiten sowohl für die Regierung und bemühen uns zugleich um die öffentliche Sicherheit und Ordnung und das Wohlergehen von Volk und Land. Die aber gegen uns sind, das sind die glaubenslosen Anarchisten und die Feinde des Volkes und des Landes. Wesentlich für die Regierung ist, dass sie uns nicht belästigt, sondern uns ganz in Schutz nimmt und uns beisteht.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Die Entlassung von Re'fet, Ed'hem und Bürhan und der Brüder Tjalishkan, Herausgeber der Risale-i Nur, zeigt, dass ihre Veröffentlichung nicht verboten ist und das Gericht nicht dagegen einschreiten kann. Und weiter ist sie ein Zeichen für ihren Beschluss, dass hier gar keine Organisation vorhanden ist. Und da es ferner, dadurch dass es unsere Angelegenheit noch in die Länge gezogen hat, die Aufmerksamkeit auf die Risale-i Nur gelenkt hat, was, wie eine offizielle Bekanntgabe, einer öffentlichen Einladung, sie weit und breit zu lesen, gleich kommt, hat es
das Verlangen aller Bedürftigen angestachelt, sie zu studieren, was für uns und alle Gläubigen Vorteile erbracht hat, die alle unsere bisherigen Anstrengungen und Verluste hundertfach übersteigt. Möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass dies ein Zeichen dafür sei, dass dieser heilige Unterricht eine geradezu unheimliche Wirkung auf die aggressiven Scharen von Irrlehrern hat, die in dieser Zeit weltweit zu einem furchtbaren und allumfassenden Angriff übergegangen sind.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder Re'fet, Mehmed Feyzi und Sabri!
Auf einen nachdrücklichen Hinweis und eine innerliche Ermahnung hin muss ich euch drei doch dringend darum bitten, um der Risale-i Nur willen, zu Ehren dieses Festes (bayram)und aufgrund unserer alten (freundschaftlichen) Rechte, euch darum zu bemühen, diese neuerliche fürchterliche Wunde zu heilen. Denn unsere versteckten Feinde verfolgen zwei Pläne... der eine ist der, mich durch Verleumdungen zugrunde zu richten und der zweite der, unsere Beziehungen zu einander einfrieren zu lassen. Hauptsächlich dadurch, dass ihr Husrev kritisiert, euch mit ihm streitet und euch von ihm beleidigt fühlt, (wollen sie erreichen, dass wir) uns voneinander trennen sollen. Darum sage ich euch: hätte Husrev auch tausend Fehler, würde ich mich dennoch scheuen, gegen ihn Stellung zu beziehen. Denn sich jetzt gegen ihn zu stellen, heißt, sich unmittelbar der Risale-i Nur entgegen zu stellen, sich gegen mich zu stellen und ist noch dazu wie ein gewaltiger Verrat zugunsten derer, die uns verderben wollen, weshalb mir ein derart seltsames Ding zugestoßen ist,
dass nämlich mein Ofen ohne alle Ursache auseinander sprang. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die letzte Schikane, die man mir zugefügt hat, aus eurem sinnlosen und noch dazu äußerst nachteiligen Mangel an Sinn für Gemeinschaft resultiert. Da hat einer hier, und besonders in Zelle sechs, seine furchtbare Hand im Spiel! Lasst mich an diesem Festtag (bayram)nicht weinen, sondern schließt rasch von ganzem Herzen Frieden.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Eigentlich wollte ich heute, dass wenigstens zwei, drei Brüder entlassen werden. Doch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)hat sie zu ihrem eigenen Besten zurück gehalten. So müssen wir also diesen Zustand (vasiyet)noch weitere zwanzig Tage (ertragen); ja das ist geradezu notwendig. Und notwendig ist auch, dass wir uns an diesen Festtagen zusammenfinden, und zwar sowohl für uns selbst als auch für die Risale-i Nur, für unseren Dienst und für unser physisches und psychisches Wohlergehen, damit wir unseren vollen Anteil an den Gebeten (dua)der Wallfahrer (Hadjji)empfangen mögen und die Risale-i Nur, die beschlagnahmt und nach Ankara geschickt worden ist, gerettet werde und damit auch diejenigen, die mit uns hier in unserer Bedrängnis mitempfinden und daher auch mit uns an der Risale-i Nur festhalten, an Zahl wachsen mögen. Das aber könnte nun der Beweis dafür sein, dass wir nicht unsere Zuflucht zu den Verrätern von Volk, Land und Glaube genommen haben und auch nicht mit ihren großen Fehlern einverstanden sind.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Was nun die maßlose, falsche und unberechtigte Kritik des Komitees der Sachverständigen betrifft, so haben sie - aufgrund eines besonderen Nervs für die Wahhabiten, nicht in der Lage Imam Alis (mit dem Gott zufrieden sein möge) ernsthaftes Interesse und seine Hochschätzung der Risale-i Nur zu ertragen und unter dem Einfluss eines grundlosen Misstrauens, das schon dazu geführt hatte, dass letztes Jahr Semsemwasser einfach weggeschüttet wurde und dieses Jahr auch die Wallfahrt (Haddj)verhindert wurde - ihre Einwände in ihrer von Falsch und Neid erfüllten Art auf den "Fünften Strahl" gerichtet. Unter diesen Umständen, in einer Zeit der Wirren und des Misstrauens, ist das Gefängnis für uns der sicherste (selamet)Ort. Möge es Gott wollen (insha-a'llah),dass die Risale-i Nur sowohl für uns als auch für sie die Freiheit erlangen lässt. Da die Risale-i Nur auf diese Weise, unter diesen harten Bedingungen und angesichts so vieler Gegner nun in einer geradezu einmaligen Weise sich selbst lesen lässt und ihre Schüler auf verschiedene Weise im Gefängnis arbeiten lässt und durch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)nicht erlaubt, zugrunde gerichtet zu werden, müssen wir insoweit dankbar und zufrieden sein anstatt zu klagen. Aus dieser Zufriedenheit erwächst entgegen all diesen furchtbaren Bedrängnissen meine Standhaftigkeit. (Und in dieser Zufriedenheit) mische ich mich in das, was Gottes Aufgabe (vazife-i Ilahiye)ist, nicht ein.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Von diesen beiden Kopien gehört eine mir und eine dem Herrn Direktor. Korrigiert die Kopie des Direktors entsprechend der Kopie, auf der (oben) am Anfang meine eigene Schrift zu sehen ist. Dieses Mal bemerkte ich bei der Lektüre des "Großen Zeichens (Ayatu-l'Kubra)",dass das Ende des Zweiten Kapitels und die geistigen Gespräche am Ende ganz besonders wichtig sind und habe aus ihnen einen großen Nutzen gezogen. Deshalb sollte sie einer von euch (Korrektur) lesen und der andere zuhören, sodass auch ihr euren Nutzen haben werdet. Durch diese Korrekturarbeit bleiben sie nicht ungenutzt liegen, vielmehr sollten sie immer zwei (Brüder) gemeinsam studieren.
Drittens:
Meine Kopie des "Zehnten Wortes", der Band mit den Briefen hier und die anderen (Schriften) sollten nicht verloren gehen oder ungenutzt liegen bleiben. Die Beaufsichtigung habe ich Djeylan überlassen.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Gerade jetzt, wo ich in der "Djeldjelutiye"
{"Die Einzigartige (bedi'u)", eine Kasside von Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge. (A.d.Ü.)}
بِحَقِّ تَبَارَكَ ثُمَّ نُونٍ وَسَآئِلٍ
{"Um der Wahrheit (der Suren) 'Gesegnet sei (Tebaraq aus der Sure 67 = Mulk)', sowie 'Nun (Sure 68)' und 'Sie fragten (Ve-s'Sa'il aus der Sure 70 = Ma'aridj)'."}
den (obigen) Satz aus dem sechsundzwanzigsten Vers lese, der auf (das sechsundzwanzigste Wort), eine Abhandlung über das Göttliche Vorherwissen (Risale-i Qader)hinweisen könnte, tauchte in meinem Herzen die Frage auf: "Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Sure 68 ثُمَّ نُونِ {"'Nun' usw."} und dem Wort (Söz= Abhandlung) "Qadr(Göttliches Vorherwissen)" und erhielt im gleichen Augenblick eine Eingebung. Ich begann also die Sure 68 zu lesen und wurde dabei gleich auf die Ayah
نٓ وَالْقَلَمِ وَمَا يَسْطُرُونَ
{"Nun. Beim Schreibrohr und dem, was man mit ihm schreibt" (Sure 68, 1)}
aufmerksam, die darauf hinweist, dass der Ursprung, die Basis und urewige Quelle, alle Bücher, der immerwährende Meister (ustadh)all dieser Schreibrohre und was sie schreiben, die Feder des Göttlichen Vorherwissens (qaderin qalemi)ist, während der Buchstabe Nun auf das Licht (Nur)und auf das Licht des urewigen Wissens (ilmi ezelinin nuruna)hin deutet. Das aber heißt, dass - gerade so wie وَالذَّارِيَاتِ {"...bei denen, die nach allen Seiten hin ausstreuen." (Sure 51, 1)} an die Abhandlung über die Atome (Zerrat Risalesi)denken lässt, und zwar mit einer starken Beziehung, die geradezu an einen Hinweis denken lässt, so lässt auch der
Buchstabe ن "Nun"an die Abhandlung über das Göttliche Vorherwissen (Risale-i Qader)denken, und zwar wiederum mit einem deutlichen Hinweis.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen, unerschütterlichen Brüder!
Erstens:
Dem Gedanken (sirr)اَلْخَيْرُ فِيمَا اخْتَارَهُ اللّٰهُ {"Gut ist, was Gott gewollt hat."} entsprechend, liegt auch in der Verschleppung unserer Angelegenheit etwas Gutes. Mein Herz wünscht und die Freigabe der Risale-i Nur erfordert es so. Wenn ihr einander tröstet, eure Haltung aus innerer Kraft heraus stärkt, einander in Diskussionen (ilm)und angenehmen Gesprächen (sohbet)schult und dabei die Risale-i Nur abschreibt und weiter studiert, könnt ihr den Punkt dieser vorübergehenden Anstrengung (zahmet)abwischen und in Barmherzigkeit (rahmet)umwandeln
{Die beiden Buchstaben "ز (Z)" und "ر (R)" unterscheiden sich im Arabischen nur durch den Punkt über dem "(R)" voneinander. (A.d.Ü.)}
und so möge denn Gott es wollen (insha-a'llah),dass ihr diese vergänglichen (fani)Stunden erfolgreich in unvergängliche (baqi)Stunden umwandeln werdet (indem ihr sie mit Werten und einem Inhalt füllt, der euch für die Ewigkeit bleibt).
Zweitens:
Nachdem wir hier im Untersuchungsgefängnis die Festtagsglückwünsche ausgetauscht hatten, sandte ich (euch) ein wenig von dem Honig, der mir sehr
viel bedeutet (weil er aus) meinem Heimatdorf Nurs kommt, zusammen mit Semsem(wasser), dass Zubeyir, dieser tapfere Mann aus Konya, mir geschickt hatte. Füllt also nun etwas Wasser in die Flasche und mischt es (mit dem Honig. Gebt noch etwas von dem Semsemwasser dazu). Dann trinkt mit "afiyet (Gottes Segen)".
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Von maßgeblicher Seite wurde eine maßgebliche und bedeutsame Frage gestellt. Man fragte mich daher: "Obwohl ihr doch gar keine Vereinigung seid und bereits drei Gerichtshöfe euch in diesem Punkt freigesprochen haben, hat man euch doch seit zwanzig Jahren beobachtet und unter Kuratel gestellt, während (die Gerichte) in sechs Bezirken sich da nicht weiter eingemischt haben. Trotz alledem besteht zwischen den Nurdjus ein wirklich wunderbarer Zusammenhalt, wie man ihn in sonst keiner Vereinigung, keinem Gremium (oder Untersuchungskomitee) vorfindet. Wir möchten, dass ihr dieses Problem löst."
Ich habe ihnen folgende Antwort gegeben: "Die Nurdjus sind kein Gruppen-Puppen-Spiel, schon gar nicht eine politische, weltliche (dunyevi)oder widerständlerische Vereinigung, errichtet um einem persönlichen oder gemeinschaftlichen Nutzen zu dienen, auch kein Gremium, und sie können es auch gar nicht sein. Jedoch sind sie die Nachkommen, die Söhne und Töchter der alten tapferen Männer, von Millionen, die voll Freude ihr Leben (ruh)für das Land und für den Islam eingesetzt haben und Märtyrer geworden sind. Sie haben diesen Opfermut geerbt, sodass sie nun diesen einzigartigen Zusammenhalt
an den Tag legen und nun vor dem Gerichtshof in Denizli diese armen, elenden Mitbrüder an ihrer Stelle die folgenden Sätze sagen lassen konnten:
"Um der Wahrheit, {D.h. der Wahrheit des Qur'an willen. (A.d.Ü.)} für die Millionen heldenhafter (Menschen) ihren Kopf geopfert haben, sollten auch wir bereit sein, unseren Kopf zu opfern." So haben sie es in ihrem Namen gesagt und damit das Gericht in Staunen und Bewunderung zum Schweigen gebracht. Das aber heißt: Es gibt unter den Nurdjus tapfere Männer, die sich treu und wahrhaftig, nur um des Wohlgefallens Gottes (riza-yi Ilahi)willen in gläubigem Vertrauen für ein jenseitiges (Leben) einsetzen, sodass diese schrecklichen Komiteen der Freimaurer, der Kommunisten, (der Leute) des Verderbens, {einer westlich dekadenten Lebensweise (A.d.Ü.)} der Atheisten und der Tashnak{armenische Widerstandskämpfer (A.d.Ü.)} und ähnlicher, keine Möglichkeit finden konnten, ihnen Widerstand zu leisten, sodass sie sie nun mit Hilfe von Gummiparagraphen Zwietracht und Verderben säen wollen, indem sie den Gouverneur und das Gericht betrügen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie damit nichts erreichen werden, vielmehr den Grund dafür liefern werden, dass sich die Zahl derer, die sich für die Risale-i Nur und den Glauben (iman)hingegeben haben, noch vermehren wird.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Ich will euch von einer Frage und ihrer Antwort berichten, der ich vor vierzig Jahren einmal (begegnet bin) und
die der Frage von gestern gleicht. In jener alten Zeit, als die Schüler des Alten Said so leidenschaftlich mit ihrem Meister (ustadh)verbunden waren, dass sie ihr Leben für ihn hingegeben hätten, war der Alte Said in der Lage, dem Komitat der Armenier rund um Van und Bitlis, also den Kämpfern der Tashnak, die zu einem hohen Einsatz bereit waren, ein "Halt!" zuzurufen und (ihre Aktivitäten) bis zu einem gewissen Grade zum Stillstand zu bringen. Er fand Mausergewehre für seine Schüler, und eine Zeitlang glich die ganze Medresse einer Kaserne, worin sich Gewehre zwischen den Büchern fanden, sodass ein General, der kam und das sah, sagte: "Dies ist keine Medresse. Es ist eine Kaserne." Aufgrund der Ereignisse in Bitlis wurde er misstrauisch und befahl: "Nehmt ihnen die Waffen ab!" So nahmen sie uns die fünfzehn Mausergewehre, die in unsere Hände gelangt waren, wieder ab. Ein, zwei Monate später brach der Große Krieg aus und wir bekamen unsere Gewehre wieder zurück. Wie dem auch sei...
Im Zusammenhang mit diesen Ereignissen fragte man mich damals: "Dieses furchterregende, kampfbereite armenische Komitat hat Angst vor euch. Sobald ihr auf den Berg Erek steigt, ziehen sich diese tapferen Krieger vor euch zurück, verlassen die Gegend und gehen anderswo hin. Was für eine Macht besitzt ihr denn, dass so etwas möglich ist?"
Zur Antwort habe ich ihnen gesagt: "Da die armenischen Freischärler dieses einzigartige Opfer für ein vergängliches irdisches Leben bringen und für einen nur vorübergehenden Nutzen, einen negativen Nationalismus und für ihre Sicherheit und sich uns entgegenstellen, werden die Schüler, die für ein ewiges Leben und die positiven Interessen einer (welt)weiten heiligen islamischen Nation kämpfen und glauben, dass die vorherbestimmte Stunde nicht hinausgeschoben werden kann, sicherlich nicht hinter ihnen zurückstehen. Falls notwendig werden sie sicherlich stolz und ohne zu zögern diese sichere, vorherbestimmte
Stunde und einige, wenige Jahre eines illusionären äußerlichen Lebens für Millionen Jahre eines wahren Lebens, Wohlseins und die Interessen von Milliarden ihrer Brüder im Glauben zum Opfer bringen.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen, glaubensstarken und liebenswerten Brüder!
Seit zwei Tagen habe ich infolge einer schweren Grippe schreckliche Schmerzen sowohl in meinem Kopf als auch in meinem ganzen Körper. Da ich mich unter diesen Umständen mit meinen Freunden treffen möchte und in gewissem Grade trostbedürftig bin und Gemeinschaft brauche, war ich durch eine schreckliche Einsamkeit und diese Isolationshaft besonders eingeengt. Klagen wie die folgende kamen mir in mein Herz: "Warum leiden wir diese Qualen? Was ist der Nutzen für unseren Dienst?"
Da spürte ich heute morgen plötzlich folgende Eingebung in meinem Herzen: Euch dieser schrecklichen Prüfung zu unterziehen und immer wieder bis in die feinsten Feinheiten hinein auf den Prüfstein geschlagen zu werden, um herauszufinden "ist es Gold oder ist es Kupfer?", euch in jeglicher Hinsicht mit äußerster Strenge zu prüfen, eure Seelen (nefs)durch drei, vier Siebe zu sichten, ob sie "etwa eigene Interessen oder Zweifel hegen, oder etwa nicht?" ist außerordentlich wichtig für euren Dienst, der einzig und allein im Namen von Recht und Wahrheit (haqq ve haqiqat)geleistet werden darf, damit Göttliches Vorherwissen (Qader-i Ilahi)und die Gnade des Herrn (inayet-i Rabbaniye)ihn gestatten können.
Denn da wir nun einmal auf diesem Feld der Prüfungen unseren verstockten, ungerechten Gegnern, die nur nach einem Vorwand suchen, auf diese Weise zur Schau gestellt werden, wird nun einem jeden klar, dass (in unserem Dienst) kein Lug und Trug, keine Selbstgefälligkeit, keine Selbstsucht, kein Vorteil in dieser (dunyevi)oder in jener (uhrevi)Welt oder ein persönlicher Gewinn im Spiel ist, sondern einzig und allein aus Aufrichtigkeit, Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat)erwächst. Wäre er gleichsam verschleiert und verborgen geblieben, könnte man ihm die verschiedensten Gründe unterschieben. Die einfachen Gläubigen könnten nicht mehr in ihn vertrauen. Sie könnten dann sagen: "Vielleicht täuschen sie uns nur." Und auch die gebildeten Leute würden ihre Zweifel hegen. Vielleicht würden sie dann sagen, dass (diese Nurdjus diesen Dienst nur leisten), um sich gleich einigen Höhergestellten (maqamat)in ein günstigeres Licht zu setzen und damit Vertrauen zu erwerben, und könnten sich somit nicht mehr auf unseren Dienst verlassen. So fühlen sich denn nach dieser Prüfung selbst die verbohrtesten und argwöhnischsten Leute dazu gezwungen, (in unseren Dienst) zu vertrauen. So möge euch denn nun Gott (insha-a'llah)für eure Mühe tausendfachen Lohn gewähren!
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Während strikte Verbote bewirken sollen, dass sich die Leute überall von mir abwenden, hat ein Zeitungsartikel über einen Zwischenfall in meiner Kriegsgefangenschaft
das öffentliche Interesse wieder angefacht. Gerade gestern wieder sagten drei Beamte, die besonders darauf aus sind, uns und insbesondere meine Person zu beleidigen: "Die Leute laufen zusammen, wenn Said sich am Fenster zeigt und sehen ihn an. Er soll nicht am Fenster stehen, oder wir werden ihn in eine andere Zelle verlegen." So sagte es mir der Oberaufseher. Aber macht euch deswegen keine Sorgen. Ich bin entschlossen, alle Schwierigkeiten zu ertragen. Möge Gott es wollen (inshaa'llah),dass sich unsere Plagen durch den Segen eurer Gebete in Freude verwandeln werden.
Dieses Vorkommnis während meiner Kriegsgefangenschaft ist in der Tat wahr. Da ich aber keine Zeugen zur Verfügung habe, habe ich das auch nicht bis ins Einzelne beschrieben. Ich wusste zunächst nicht, dass bereits ein Erschießungskommando zu meiner Hinrichtung gekommen war. Das habe ich erst später erfahren. Doch dann hat der russische Kommandant etwas auf russisch gesagt, um sich zu entschuldigen, was ich aber nicht verstanden habe. Das heißt, der damals anwesende muslimische Major, der dann später diesen Bericht an die Zeitung weitergab, verstand, dass der Kommandant immer wieder "Verzeihung" gesagt hatte.
Meine Brüder, wenn ich mit der Risale-i Nur beschäftigt bin, vermindert sich meine innere Unruhe. Das aber heißt, dass es unsere Aufgabe ist, uns mit der Risale-i Nur zu beschäftigen und den vergänglichen Dingen keine Bedeutung beizumessen, geduldig zu sein und Dank zu sagen.
Said Nursi
* * *
Ein Staunen erregender Zug in Bediüzzamans Charakter
Der folgende Artikel erschien am 15.10.1948 in der Zeitung "Ehl-i Sünnet(Der Traditionalist)", dessen Besitzer als Rechtsanwalt tätig ist.
Während des Ersten Weltkriegs wurde ich {also der Verfasser dieses Artikels (A.d.Ü.)} in der Gegend von Bitlis verwundet und geriet in Gefangenschaft, und zwar am gleichen Tag, an dem auch Bediüzzaman in Gefangenschaft fiel. Er wurde nach Sibirien geschickt und fand sich dort (an der Kostroma, einem Nebenfluss der Wolga) in dem größten Kriegsgefangenenlager wieder. Ich selbst war in Baku auf der Insel Nangün. Eines Tages besichtigte Nikolaj Nikolajewitsch dieses Lager, um die Gefangenen zu sehen. Doch als er an Bediüzzaman vorüber ging, schenkte dieser ihm keinerlei Beachtung und rührte sich nicht vom Fleck. Das zog die Aufmerksamkeit des Kommandanten auf sich. Der ging unter einem Vorwand ein zweites Mal an ihm vorüber. Und (Bediüzzaman)rührte sich wieder nicht. Beim dritten Mal blieb er schließlich stehen und mit Hilfe eines Dolmetschers entspann sich folgender Dialog:
- "Kennt er mich nicht?"
- "Ich kenne Euch sehr wohl: Ihr seid Nikolaj Nikolajewitsch, der Onkel des Zaren und der Oberkommandierende an der kaukasischen Front."
- "Und warum beleidigt er mich dann?"
- "Verzeiht mir! Ich wollte Euch keineswegs beleidigen. Ich tue nur, was die Heiligkeit (muqaddes)meiner Berufung mir befohlen hat."
- "Was hat die Heiligkeit der Berufung befohlen?"
- "Ich bin ein islamischer Gelehrter. Ich habe einen Glauben (iman)in meinem Herzen. Ein gläubiger Mensch ist besser als ein ungläubiger Mensch. Wäre ich aufgestanden, hätte ich mich vor dem Heiligen als respektlos erwiesen. Darum bin ich nicht aufgestanden."
- "In diesem Fall hat er mich einen Ungläubigen genannt und dadurch mich selbst, das Heer, mein Volk und auch den Zaren beleidigt. Deswegen wird er sich vor dem Kriegsgericht verantworten müssen." Danach wurde auf seinen Befehl hin das Kriegsgericht einberufen. Türkische, deutsche und österreichische Offiziere im Hauptquartier wandten sich persönlich an Bediüzzaman und ersuchten ihn dringend, sich bei dem Oberkommandierenden zu entschuldigen. Die Antwort, die er ihnen gab, war folgende:
- "Ich möchte in das jenseitige Land (akhiret)hinüberziehen und in die Gegenwart des Propheten gelangen. Dazu benötige ich einen Pass. Ich kann mich nicht entgegen meinem Glauben (iman)verhalten."
Dem entgegen wagte niemand mehr noch etwas zu sagen und so warteten alle auf das Ergebnis. Das Verhör ging zu Ende. Man verurteilte ihn wegen Beleidigung des russischen Zaren und des ganzen russischen Heeres zum Tode. Da sagte er zu dem Offizier, der die Soldaten des Erschießungskommandos befehligte, das gekommen war, um das Urteil zu vollstrecken, voller Freude: "Gib mir noch fünfzehn Minuten Zeit, um meine Pflicht (vazifah)zu tun." So vollzog er denn die rituelle Waschung (abdest)und verrichtete die beiden Gebete (reka'ah namaz).Da trat Nikolaj Nikolajewitsch zu ihm, richtete das Wort an ihn und sagte zu ihm:
- "Er möge mir verzeihen! Ich hatte geglaubt, er habe sich so verhalten, weil er mich beleidigen wollte. Darum habe ich ihn auch nach Gesetz so behandelt. Doch nun habe ich verstanden, dass er nur seinem
Glauben (iman)entsprechend so gehandelt hat und getan hat, was der Heilige ihm befohlen hat. Sein Urteil ist aufgehoben! Er ist ob der Aufrichtigkeit seines Glaubens (dini salahat)aller Ehren wert. Ich habe ihn (in diesem Leben, das er nach seinem Glauben führen wollte) aufgestört. Ich möchte ihn deshalb abermals darum bitten, mir zu verzeihen."
Ein Major, einer von seinen Kriegskameraden, beschreibt diesen edlen Charakterzug und seine Glaubenstreue, die ein würdiges Beispiel für alle Muslime ist, so wie er es (mit eigenen Augen gesehen und) bezeugt hat. Nachdem ich (diese Erzählung) gehört hatte, füllten sich meine Augen ungewollt mit Tränen.
Abdurrahim
Obwohl uns Ustadh nicht beauftragt hat, diesen Zeitungsartikel hier anzuführen, haben wir ihn dennoch hier eingefügt, weil er sehr interessant, lehrreich und bewegend ist.
Husrev
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Meine Brüder!
Zum einen habe ich bereits meinen Appetit verloren, und da zum anderen Geschenke mich nur aufregen, sende ich euch von meinem Anteil drei Portionen Butter, einen Korb Trauben, eine Kiste Äpfel, zwei Päckchen Tee und etwas Zucker. Ich wollte euch das zuerst als ein Geschenk geben. Dann habe ich aber nachgefragt (und erfahren, das ihr das alles selbst) habt. So werde ich also (von dem, was diese Dinge) Wert sind, Joghurt, Eier, Brot u.dgl. Dinge mehr kaufen, damit die Medressetu-z'Zehra sich nicht gekränkt fühlt und nicht sagen solle: "Er hat unsere Gaben (verschmäht und) nichts davon gegessen. Verkauft also diese Gaben an die Bedürftigen. Ihr könnt sie auch etwas billiger abgeben. Verkauft sie denen, die
es wirklich nötig haben, sodass die Gaben der Medressetu-z'Zehra und ihrer verschiedenen Zweigstellen in zweierlei Hinsicht gesegnet seien, nämlich als ein Heilmittel sowohl für mich als auch für die Käufer. Husrev soll (den Verkauf) überwachen, und Djeylan und Hifsi sollen (die Dinge) verkaufen.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Was den Artikel betrifft, der über mich in der Zeitung gestanden hat, so habe ich jetzt dazu die folgende Eingebung erhalten: Wenn auch ein mächtiger (djebbar)russischer Kommandant angesichts der Würde deines Glaubens (izzet-i iman)seinen Ärger hinunterschluckte und sich entschuldigte, und wenn auch die offiziellen Organe die so mächtigen, wahrhaftigen Lehren der Risale-i Nur gesehen haben, hundertmal besser als ich selbst sie hätte geben können, aus denen ein Mensch standhaften Glauben schöpfen kann, und dennoch in ihrer Halsstarrigkeit verharren und die Dinge nicht in ihrem Herzen gerecht betrachten wollen, so wird sicherlich nichts anderes als die Strafe der Hölle sie noch reinigen können. Denn die Strafe für ein so gewaltiges Verbrechen könnte nicht in einem so kurzen Leben bezahlt werden. Denn Butter, die ranzig geworden ist, isst man nicht mehr, jedenfalls nicht wie Milch, aus der man Joghurt gemacht hat. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass die Risale-i Nur die meisten von ihnen retten wird, ehe bevor sie ins Verderben gehen.
Zweitens:
Mehmed Feyzi soll an Bedri schreiben und ihm sagen, dass ich all diejenigen, die er in seinem Brief erwähnt, auch in meine Gebete (dua)mit einschließe. Und auch sie sollten für mich beten (dua).
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Ich empfing eine Eingebung, ich solle doch dieses einerseits lehrreiche Verhalten und die andererseits so erstaunliche Behandlung beschreiben, die man meiner Person in meinen beiden Gefangenschaften (im Krieg und in der Haftanstalt) zuteil hat werden lassen. Es war dies folgendermaßen:
Wir lagen in Russland an der Kostroma zusammen mit neunzig gefangenen Offizieren in einer Halle. Von Zeit zu Zeit gab ich diesen Offizieren eine Unterweisung (ders).Eines Tages kam der russische Kommandant, sah das und sagte: "Dieser kurdische Kommandant eines Freiwilligenbataillons hat einmal viele unserer Soldaten im Feld gelassen. Und jetzt gibt er ihnen hier politischen Unterricht. Ich verbiete das. Er darf keinen Unterricht erteilen." Zwei Tage später aber kam er wieder zurück und sagte: "Da euer Unterricht nicht politisch ist, sondern religiös und moralisch, mögt ihr also weitermachen." Und erteilte die Erlaubnis.
Während meiner zweiten Gefangenschaft hier in diesem Gefängnis verbat der (zuständige) Justizvollzugsbeamte einem meiner mir eng vertrauten Brüder, zu mir zu kommen, obwohl er doch seit zwanzig Jahren meine Lesungen gehört hatte und einen besseren Unterricht (ders)erteilt als ich. Man gestattete noch nicht einmal einem Diener, mir in meinen notwendigen Bedürfnissen (wie Wasser oder Essen) behilflich zu sein, damit niemand von mir unterwiesen werden könne. Dabei lässt doch die Risale-i Nur keine Notwendigkeit zu noch weiterem Unterricht (ders)mehr übrig; und es gibt auch gar nichts mehr zu unterrichten, auch kein Geheimnis mehr, das noch verborgen wäre. Wie dem auch sei: die derzeitigen Umstände
sind der Grund, es hier nun mit dieser langen Geschichte kurz zu machen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Schon zwei-, dreimal habe ich völlig unerwartet einen sehr bedeutsamen Geisteszustand (halet-i ruh)durchleben müssen. So war es auch, als es mich vor dreißig Jahren in Istanbul trieb, auf den Berg Yusha zu steigen und das attraktive Gesellschaftsleben im Haus der Weisheit (Daru-l'Hikmet)dort in Istanbul zu verlassen und ich es mir noch nicht einmal erlauben konnte, den (inzwischen verstorbenen) Abdurrahman bei mir zu behalten, der auch in Istanbul war und der erste Schüler der Risale-i Nur und stets zu einem Opfer bereit gewesen war, um mir zu dienen, (wann immer es) notwendig wäre. Und so beginnen sich nun wieder die ersten Anzeichen jener einzigartigen geistigen Wandlung (zu zeigen), welche die Charakterzüge des Neuen Said sichtbar werden ließen. So denke ich denn, dass dies ein Zeichen dafür ist, dass ein dritter Said hervortreten möchte, der nun die Welt ganz und gar verlassen will. Das aber heißt, dass die Risale-i Nur und ihre stets zu Opfern bereiten Schüler meine Aufgabe (vazifah)von meinen Schultern nehmen und selbst wahrnehmen werden. Jedenfalls kann jedes in sich abgeschlossene Kapitel der Risale-i Nur und jeder ihrer unerschütterlichen, aufrichtigen Schüler einen besseren Unterricht (ders)erteilen als ich.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Erstens:
Anhand einiger Zeichen nehme ich an, dass man von den Bänden, die bisher veröffentlicht worden sind, besonders dem Wegweiser für die Jugend die höchste Bedeutung beimisst. So denke ich denn, dass die Hüve Nüktesi (Anmerkung über "Hu")unseren heimlichen atheistischen Feinden das Kreuz gebrochen und den Götzen (Taghut)"Natur", der ihre Stütze und Basis ist, vernichtet hat. Denn obgleich es noch in gewisser Weise möglich war, ihn in der dunklen Erde zu verstecken, so war es doch (nach Erscheinen) der Hüve Nüktesi(eine Abhandlung über die Luft) in gar keiner Weise mehr möglich, diesen Taghutin dieser klaren Luft zu verstecken. Demzufolge und aufgrund ihres hartnäckigen Unglaubens und ihres geradezu verbohrten Abfalls vom Glauben (Apostasie) täuschen sie die Justiz und hetzen sie gegen uns auf. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass die Risale-i Nur die Justizbehörden für uns gewinnen und die Angriffe (der Gottlosen) ins Leere laufen lässt.
Zweitens:
In letzter Zeit sind sowohl die Veröffentlichung in der "Ehl-i Sünnet(einer ägyptischen Zeitung)" als auch in den hiesigen Zeitungen und auch Zubeyirs feurige Verteidigungsrede, die sich alle mit der Risale-i Nur befassen, zu einer guten Bekanntgabe geworden. Schaut doch einmal an meiner Stelle nach den Artikeln über uns, die mir gefallen könnten, und informiert mich über sie.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder Mehmed, Mustafa, Ibrahim und Djeylan!
Erstens:
Gestern habe ich euch in ein hitziges Gespräch (sohbet)vertieft gesehen. Ich war deswegen sehr glücklich und zufrieden. Ich habe euch so mit Freuden zugehört, als wäre ich mitten unter euch gewesen. Plötzlich bemerkte ich, dass es auf beiden Seiten (Leute gab), die euch zuhörten. Das dauerte etwa eine halbe Stunde. Ich war beunruhigt und sagte mir in meinem Herzen: Mag sein, dass unter denen, die da zuhören, ein Spion ist, der aus einem Korn eine ganze Kuppel zu machen und (den Dingen) eine falsche Bedeutung beizumessen weiß. Er schenkt ihnen zwar ein aufmerksames Ohr, doch weil die Brüder nicht vorsichtig genug sind und sich an ihren Gesprächen (sohbet)erfreuen, (die heimlichen Lauscher) nicht beachten und gar nicht aufpassen, schicke ich euch diesen Hinweis. Ich weiß, dass ihr, Gott sei Dank (elhamdulillah),keine gefährlichen Reden geführt habt. Doch unter diesen heiklen Umständen muss man schon vorsichtig sein.
Zweitens:
Aus einem Brief, den Hodja Hassan geschrieben hat, entnehme ich, dass seine gute Meinung (husn-u zan),die er von mir hat, hundertmal größer ist, als mir zusteht, und dass er die Risale-i Nur in der gleichen Weise herausgeben will, wie der verstorbene Hassan Feyzi, dieser tapfere Mann aus Denizli. So möge denn Gott wollen (insha-a'llah),dass uns nun auch in Afyon einige Hassan Feyzi erwachsen, Afyon also nicht hinter Denizli zurückbleibt und unsere Mühsal (zahmet)in Labsal (rahmet)umgewandelt wird.
Said Nursi
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Brüder!
Ich hatte kein Interesse an den Zeitungen. Doch in letzter Zeit haben die sowohl in der "Ehl-i Sünnet(der Traditionalist)" als auch in der "Sebilu-r'Reshad(der Weg der Rechtleitung)" über uns erschienenen Artikel diese heimlichen, uns feindlich gesinnten Atheisten in ihrem Neid geradezu verwirrt. Nun mache ich mir Sorgen, dass diese möglicherweise etwas unternehmen werden, um unsere Freunde (die Journalisten) zum Schweigen zu bringen.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Ein wahrer Trost, der die Bedrängnisse, die mich plagen, zunichte macht.
Erstens:
Unsere Trübsal (zahmet)verwandelt sich in Labsal (rahmet).
Zweitens:
Jener Frohsinn (ferah),der sich in der Gerechtigkeit (adalet)göttlichen Vorherwissens (qadr)findet, und in der Zufriedenheit (ridha),(die sich einstellt, wenn man sich ihr) anvertraut (teslim).
Drittens:
Jene Heiterkeit, die aus der Besonderheit erwächst, dass den Nurdjus Gottes besondere Gnade (inayet-i hassan)zuteil wird.
Viertens:
Jene Freude (die sich einstellt), weil selbst noch der Niedergang nur vorübergehend ist.
Fünftens:
Bedeutende Verdienste (sevab)
Sechstens:
Sich nicht einmischen in das, was Aufgabe (vazifah)Gottes ist.
Siebentens:
Angesichts auch der schwersten Angriffe nur unbedeutende Schwierigkeiten und kleinere Wunden zu erleiden.
Achtens:
Im Vergleich zu den von härteren Schicksalsschlägen (musibet)Betroffenen (haben wir es) um ein vielfaches leichter.
Neuntens:
Nachdem wir in unserem Dienst am Glauben und in der Risale-i Nur schwer geprüft worden waren, ging daraus ein hoher Bekanntheitsgrad (der Risale-i Nur) hervor, woraus unsere Freude erwächst.
Diese neun geistlichen Freuden sind uns eine so milde Salbe, eine so süße Arznei, wie sie sich gar nicht beschreiben lässt; und sie erleichtert unsere schweren Qualen.
Said Nursi
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Meine lieben, getreuen, unbeirrbaren (metin)Brüder!
Auch in zehn Monaten konnten die Heuchler, denen es gelungen war, einen Vollzugsbeamten auf ihre Seite zu ziehen, mit all ihren Intrigen selbst nicht den jüngsten unserer Schüler erschüttern. Ihre Verleumdungen sind ohne Bedeutung. Im Vergleich zu den hundert Lügen, die wir ihm nachgewiesen haben, entdeckte er in unseren Briefen nur einen einzigen Fehler, und der ging auf die falsche Wiedergabe in einer Zeitung zurück, die schrieb, der Gouverneur sei befördert worden. Hier lag also der Fehler bei der Zeitung. Wie dem auch sei: so wie solche Verleumdungen von solchen Leuten auf uns nicht eine von tausend Auswirkungen haben können, so möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass sie im Umkreis der Risale-i Nur keinen Schaden anrichten werden. So wie ich euch bereits gesagt habe, sollt ihr der verleumderischen Schrift des Vollzugsbeamten keine weitere Bedeutung beimessen; sie sollte eure Gedanken nicht in Verwirrung bringen.
Sollte es in meiner Verteidigungsschrift noch einen Punkt geben, den ich noch nicht behandelt habe, so könnt ihr dazu eine kurze Antwort geben. Und sagt auch: "Said sagt: um die drei Gerichtshöfe nicht zu verärgern, die uns bereits freigesprochen und auch die Risale-i Nur Werke wieder freigegeben hatten, oder sie in ihrer Kompetenz in Zweifel zu ziehen, werde ich (der ganzen Angelegenheit) keine weitere Bedeutung beimessen, indem ich zu dieser böswilligen Anklageschrift Stellung nehme. Meine umfangreiche Verteidigungsschrift, besonders aber die zehn Punkte, die auf die Ungesetzlichkeit verweisen, sind eine vollständige und perfekte Antwort."
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Erstens:
Es ist eine Gnade Gottes (inayet),dass ich die (Verlesung all der) Verleumdungen in der Anklageschrift dieses Mannes nicht gehört habe. Ich hätte sonst sehr heftig darauf reagiert. Ich habe also zu dem Präsidenten (des Gerichtshofes) gesagt, dass ich ihn vor Gericht stellen werde, d.h. wegen seiner Ungerechtigkeit vor das Große (Welt)Gericht und wegen seiner Gesetzlosigkeit vor das irdische Gericht. Und der Grund dafür, dass ich zu ihm gesagt habe, dass ich keinen Rechtsvertreter habe, war der, dass unser Advokat uns alle gemeinsam in jedweder Angelegenheit vertritt, dass aber auf die Angriffe, die sich ausschließlich gegen meine eigene Person richten, auch nur ich allein entgegnen kann. Teilt dies bitte Ahmed Hikmet mit.
Zweitens:
Gegen die Beschuldigungen des Staatsanwalts genügen unsere früheren Verteidigungsschriften.
Drittens:
Mustafa Osman und Djeylan schrieben mir, dass sie unter ihnen, so wie sie sie verstanden haben, kein Unwohlsein verursacht haben und auch im Kreise der (Schüler) der Risale-i Nur keine negative Wirkung hervorrufen werden. Ich habe den tapferen Tahiri getroffen. Er ist auch der gleichen Meinung. Ich mache mir Sorgen, wie Husrev, die beiden Feyzi und Sabri (diese Angelegenheit aufgenommen haben).
Viertens:
Ich meine, dass es deshalb, weil heute Unglauben und Irrlehren in Form von Gruppen und Vereinigungen uns angreifen, Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)bewirkt, dass sie uns nun mit einer so massiven Ungerechtigkeit und der Beschuldigung quälen, eine politische Organisation zu sein. Das aber heißt, dass nun eine ganz besonders große Notwendigkeit besteht, dass die Leute des Glaubens ihre Einheit (ittihad)finden. Da wir von dieser Wahrheit (haqiqat)nichts gewusst hatten, haben wir aus der (Hand des) Göttlichen Vorherwissens (qader)diese Ohrfeige der Gerechtigkeit (adalet)empfangen.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
In einer Zeit, da eine despotische Regierung die Menschen von der Wallfahrt abhält, Semsemwasser wegschütten lässt, zulässt, dass man uns schweres Unrecht antut, darüber hinwegsieht, wenn der "Dhu-l'Fikar" und die "Leuchte des Lichtes (Siradju-n'Nur)"beschlagnahmt werden, Beamte befördert, die uns böswilliger und ungesetzlicherweise misshandeln, die Stimme nicht hören, die aus unserem Hause dringt, wenn unser Zustand
zu einem lauten Weinen wird, die unsere Unterdrückung zum Ausdruck bringt, ist der ruhigste Ort das Gefängnis. Nur wenn es nun noch möglich wäre, uns in ein anderes Gefängnis zu verlegen, wäre das unsere vollkommene Sicherheit (selamet).
Zweitens:
Gerade so wie sie auch noch die am entferntesten Stehenden gegen unseren Willen unsere privatesten Schriften (mahrem risaleler)haben lesen lassen, so bestehen sie auch darauf und zwingen uns geradezu dazu, eine Gemeinschaft zu bilden. Wir aber haben nicht das geringste Bedürfnis, eine Vereinigung zu sein oder ein Komitee zu bilden. Denn unter den Nurdjus hat sich die islamische Bruderschaft durch eine Gemeinschaft in der Vereinigung (ittihad)aller Gläubigen durch ihre Aufrichtigkeit (khalisane)und durch ihre Opferbereitschaft (fedakarane)in hohem Grade entfaltet. Denn in jener mächtigen Hingabe, die sie von Millionen ihrer Vorväter geerbt hatten, sind die Schüler der Risale-i Nur an die Wahrheit gebunden, für die ihre Vorväter ihr Leben (ruh)in vollkommener Hingabe (kemal-i ashk)geopfert haben, sodass bis heute kein Bedürfnis zurückgeblieben ist, einen öffentlichen Verein, eine politische Vereinigung oder ein Komitee zu gründen, sei es nun geheim oder für jedermann zugänglich. Das aber heißt, dass jetzt eine solche Notwendigkeit besteht, denn Göttliches Vorherwissen (qader-i Ilahi)hat sie geschaffen, um uns dadurch in Schwierigkeiten zu bringen. Sie tyrannisieren uns mit ihren Beschuldigungen einer imaginären politischen Organisation. Was aber das göttliche Vorherwissen (qadr)betrifft, so hat es uns mit seiner Hand geschlagen und dabei gesagt: "Warum ist denn eure Aufrichtigkeit nicht vollkommen, eure gegenseitige Unterstützung nicht vollkommen? Warum seid ihr denn keine vollkommene Partei Gottes (Hisbullah)?"So wirkt sie Gerechtigkeit.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Ich wusste ja nicht, dass ihr Trost braucht. Stärkt also einander in eurer inneren Kraft. Das ist genug. Die Tafel, die ich mir gegenüber an der Wand hängen habe, ist auch für mich genügend. Es ist ja (leicht) zu verstehen, dass dieser letzte Angriff vollkommen ungerecht und gegen jedes Gesetz und lediglich das (Ergebnis) von Verdächtigungen und (ein Ausdruck) ihrer Schwäche war, (in der Absicht) uns (auf diese Weise) einzuschüchtern. Die Haltung der Leute und der Polizei aber war die einer Art von Protest gegen diesen sinnlosen Angriff.
Zweitens:
Genügt meine Verteidigung auch (als eine Antwort) auf diese neuen Beschuldigungen? Sind denn auch Zubeyir und die Rechtsanwälte tätig? Sind sie vielleicht ängstlich, oder nicht? Sie sollten sich aber überhaupt keine Sorgen machen. Angesichts all der Dinge, deretwegen sie uns beschuldigt haben, müssten sie eigentlich alle anklagen, die an der Bruderschaft aller Gläubigen Anteil haben, ja sogar die Vereinigungen der Imame und die Schüler aller Lehrer (ustadh)und Gelehrten (muallim).Das heißt, dass ihre Gegner bereits eine große Kraft entfaltet haben, sodass man in panischer Furcht anstelle tatsächlicher Vorfälle nunmehr außergewöhnliche Wahrscheinlichkeiten vorgibt.
Drittens:
Nach meiner eigenen Ansicht sollten wir noch bis zum Frühling im Gefängnis bleiben. Es kommt ja doch im Winter alles zum Stillstand. Möge dann Gott wollen (insha-a'llah),dass die göttliche Gnade (inayet-i Ilahiye)uns wieder zu Hilfe kommt.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Ein Brief von Husrev
Unser geliebter Herr und Meister!
Während es die Hauptaufgabe der Gelehrten im Komitee der Sachverständigen gewesen wäre, die Gläubigen und besonders die "Träger des Qur'an" {die den Qur'an lesen, lehren und auslegen (A.d.Ü.)} zu verteidigen und zu beschützen, haben sie mit ihren böswilligen Berichten über uns die Justizbehörden in Afyon dazu gebracht, uns ihre ganze Aufmerksamkeit zuzuwenden und Euch, geliebter Meister acht Monate lang unter schweren Repressalien (gefangen) zu halten. Auch sind sie der Grund dafür, dass wir, Eure Schüler (mit Euch) zusammen im Gefängnis zu Afyon in beständiger Haft (gehalten werden). Sie haben die nicht zu leugnenden wunderbaren Wahrheiten der Risale-i Nur mit neidvollem Blick studiert. Ohne Zweifel war der Schriftwechsel von Euch, unserem geliebten Meister, über diesen Bericht, der die Justizbehörden von Afyon (zu Eurem großen) Bedauern gegen uns aufgestachelt und provoziert hat, und gegen den Ihr (dann ja wieder) Stellung nehmen musstet, ein Zeichen Eurer Liebe (shefqat).Lassen wir einmal beiseite, dass (sie Euch), unseren geliebten Meister (ustadh),der nun schon seit 25 Jahren mit nur einer Handvoll Schülern gegen unsere heimlichen Feinde kämpft, und die Risale-i Nur, die die größten Wahrheiten des Qur'an zum Inhalt hat, nicht verteidigt haben, so werden Eure wenigen Fragen, obwohl es zwar Euer Recht ist, diesen Gelehrten, die in diesen gefährlichen Zeiten gegen uns Front gemacht haben, eine ganze Reihe von Fragen zu stellen, nichts erreichen, außer die Gelehrten zu warnen. Die besondere Gnade (inayet-i hassa),die Gottes Güte (ihsan-i Ilahi)ist, die
aus Quellen empor sprudelt, die wir gerade jetzt, in diesen heiklen Zeiten besonders nötig haben, verwandelt unsere Verzweiflung in Stolz (izzet)und hat sich erneut hier im Gefängnis zu Afyon gezeigt. Die Erde, die nun schon seit acht Monaten nicht mehr gebebt hatte, zürnte heute wieder und hat sich zweimal geschüttelt, so wie Ihr die Beben beschreibt, die sich immer dann ereigneten, wenn Ihr, unser geliebter Meister, und die Risale-i Nur angegriffen wurden. Auch wir sind Zeugen dessen geworden, und das hat unsere Hoffnung gestärkt. (So hatte denn Gott in Seiner Güte) Mitleid mit Eurer offensichtlichen Einsamkeit und Ohnmacht angesichts dieser schrecklichen Attacken Eurer grausamen Feinde, die danach dürsten, sie zugrunde zu richten, eilte Euch zu Hilfe und bestätigte (unterstützt) vom Beben der Erde Eure Sache. Und so brachte ich denn die gute Nachricht eines "unser ist der Sieg", was durch Ihre gesegnete Feder in einer göttlichen wie engelgleichen Macht dargestellt wurde, was uns unserem geliebten Meister gegenüber wahrhaft dankbar gemacht hat.
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der beständige ist Er, der bleibt und besteht."}
Mit all seinen Fehlern und Mängeln stets Euer Schüler
Husrev
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Erstens:
Was heute notwendig ist, das sind Vorsicht, Besonnenheit und gegenseitige Beratung.
Zweitens:
Ich habe eine Eingebung bekommen, dass mir Zubeyir anstelle meines verstorbenen Neffen Abdurrahman gegeben wurde, und Djeylan anstelle meines verstorbenen Neffen Fuad. So habe ich denn meine Arbeit hier ihnen überlassen.
Drittens:
Ich habe eine Nachricht erhalten, dass der Gerichtshof jenen bekannten Brief, der sich am Anfang (des Buches) "Das Gastmahl des Qur'an (Ma'idatul'Qur'an)"findet, das Ahmed Feyzi, der ja sehr fleißig, aber doch ein wenig unvorsichtig ist, zum Vorwand genommen hat, um (zu sagen): "Said hat die Lobeshymnen und dergleichen mehr über sich selbst, bestätigt." Und mir daraus (den Strick) zu meiner Verhaftung gedreht. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass Ahmed Feyzi vor allen Dingen erklärt hat, dass dieser Brief (in seinem Buch von Ustadh) geschrieben wurde, um (einen Teil) derartiger Briefe über sich selbst nicht zu akzeptieren und, den anderen Teil etwas abzumildern, durch den er völlig unnötigerweise ihren Zorn erregt hat. Doch könnte ich auch tausend Fehler bei ihm finden, würde ich mich doch nicht durch ihn gekränkt fühlen. Um der Risale-i Nur keinen Schaden zuzufügen, ist es jedoch notwendig, dass er sich nicht so unvorsichtig und übermütig verhält.
Viertens:
Bruder Ahmed Feyzi, dieser (so besonders) mutige Mann unter (allen) die Feyzi (heißen), sollte sich in der Medresse, die Tahiris Zelle ist, auch so wie Tahiri verhalten. Auch sollte er anstelle der bereits entlassenen (Schüler) diejenigen Schüler (die sie bis zu ihrer Entlassung unterrichtet hatten) dazu ermuntern, ihren Unterricht (fortzusetzen), den Qur'an (zu lesen) und die Risale-i Nur weiterhin abzuschreiben. Die Schreibhefte für die neu (gewonnenen) Schüler, die er mir gestern geschickt hat, haben meinen traurigen Zustand (hal)in Freude verwandelt. Gelobt sei Gott (elhamdulillah),habe ich da gesagt.
* * *
Dieses Mal findet der Angriff in einem weit größeren Rahmen statt. Der Regierungspräsident (Reis-i Hükumet)und sein Kabinett greifen uns aufgrund ihrer furchtbaren
Verdächtigungen nun planmäßig an. Aufgrund einer Nachricht und vieler Hinweise haben die versteckten Heuchler durch fälschliche Berichte und mit ihren Intrigen es so dargestellt, als ob wir mit dem Kalifatskomitee und der geheimen Organisation des Nakshibandi-Ordens eng verbunden seien, ja sogar ihr Bannerträger und dadurch die Regierung in den Alarmzustand versetzt. Als Beweis führen sie aus, dass die umfangreichen Bände der Risale-i Nur in Istanbul gebunden, über die ganze islamische Welt verbreitet werden und dort überall willkommen sind, womit sie die Regierung in Angst (und Schrecken) versetzt und erreicht haben, dass die eifersüchtigen Hodjas(vom Amt für religiöse Angelegenheiten) und die (bereits) misstrauischen Beamten sich gegen uns gekehrt haben. Sie waren der Meinung, dass zahlreiche Dokumente und Hinweise ans Licht kommen würden und dass ich es dann in den Adern des Alten Said nicht mehr länger aushalten könnte und nun das unterste zu oberst kehren würde. Doch sei Gott dem Gerechten unendlicher Dank dafür, dass er diese ganze üble Lage von tausend zu eins herabgemindert hat. Bei all ihren Untersuchungen haben sie nichts entdecken können, was uns mit irgendeiner Vereinigung oder Gesellschaft in Verbindung hätte bringen können. Es gab nichts, was sie hätten finden können. Der Staatsanwalt war daher gezwungen, zu Lügen und Verleumdungen Zuflucht zu nehmen, die Dinge verkehrt auszulegen und Unterstellungen über irgendwelche Kleinigkeiten zu verbreiten, für die man niemanden verantwortlich machen kann.
Da aber die Wahrheit nun einmal (so und nicht anders) ist, blieben wir und die Risale-i Nur zu neunundneunzig Prozent von diesem Übel verschont. Und weil dies so ist, dürfen wir uns nicht beklagen, sondern sollten tausendfach unseren Dank darbringen und von der Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)in Geduld die Vollendung ihrer Manifestation erwarten. Und durch den Unterricht der Risale-i Nur sollten wir denjenigen Trost spenden, die seiner bedürfen
und danach verlangen, die beständig zu dieser Medresse kommen oder von ihr gehen.
Said Nursi
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Mein lieber, getreuer Bruder!
Eine machtvolle Eingebung lehrte mich zu verstehen, dass (die Art und Weise), wie du und Ahmed Feyzi, statt dem Weg (meslek)der Risale-i Nur(zu folgen), nämlich, nicht streitsüchtig zu sein, sich mit den Weltleuten nicht auseinander zu setzen, sich nicht mit Politik zu beschäftigen und euch nur dann kurz und bündig zu verteidigen, wenn es absolut notwendig ist, stattdessen noch darüber hinaus dem Gericht viel zu viele Dinge, noch dazu zu unserem Schaden, in Form eines Streitgesprächs und nach Art eines Politikers vorgetragen habt, (der Sache) der Risale-i Nur großen Schaden zugefügt hat. Sie war sogar der Grund zu unserer Verurteilung und aller Mühsal und Plage (die man mir danach noch zugefügt hat). Ich bin aber deinetwegen nicht beleidigt und Ahmed Feyzi auch nicht böse, nur wäre es notwendig gewesen (mir deine Verteidigungsrede noch vor der Verhandlung erst einmal) zu zeigen. Eure Lage, (in die ihr nun) hineingeraten seid, ist der sichtbar gewordene Hinweis des göttlichen Rates (qadha-i Ilahi).Ihr müsst euch nun so wie ich verhalten, um den entstandenen Schaden zu begrenzen. Es ist daher unbedingt notwendig, dass auch Feyzi sich mit aller Macht (darum bemüht), in (seiner Art) sich zu verteidigen, nicht politisch zu agieren und sich stattdessen, so wie Tahiri, mit der Risale-i Nur und den neuen Schülern zu beschäftigen.
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بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben Brüder!
Wir müssen versuchen, die mehr als vierzig Seiten über mich und die Risale-i Nur, die Liste mit den Fehlern (in der Anklageschrift) und die Korrekturen dazu, samt Anhang und unsere Antwort an die "Posta"(eine Zeitung - A.d.Ü.) sowohl mit den alten als auch mit den neuen Buchstaben zu drucken, und zwar sowohl in Isparta als auch in Istanbul und soweit möglich auch hier. Da das Gericht nun einmal alles, was es gegen uns verwenden zu können glaubt, mit der Maschine vervielfältigt, ist es auch unser gesetzliches Recht, in der gleichen Angelegenheit alles, und auch die neunzig Fehler, zu vervielfältigen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass wir dann später auch meine lange Verteidigungsrede zusammen mit dem Widerspruch unserer Freunde Ahmed Feyzi, Zübeyir, Mustafa Osman, Husrev, Sungur und Djeylan drucken können.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَه
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen Brüder!
Ich empfing die Eingebung, zu schreiben und euch von zwei eigenartigen, subtilen Geschehnissen zu erzählen, die sich innerhalb von zwei Stunden zugetragen haben und äußerlich (betrachtet) nur von geringer, in Wahrheit aber von großer Bedeutung waren.
Erstens:
Ich las gerade zwei zukünftigen Schülern der Risale-i Nur einen Abschnitt, der mir eingegeben wurde, über die "Nacht der Bestimmung (Leylatu-l'Qadr)"vor. Als ich am Schluss sagte: "Durch die Risale-i Nur erreichen die Schüler in zehn Wochen das gleiche Niveau wie die Schüler (die zukünftigen Hodjas) religiöser Lehranstalten (Medresse)in fünf oder zehn Jahren.", stieg in meinem Herzen (der Gedanke) auf: "Gerade so wie der Alte Said im Alter von fünfzehn Jahren durch die Gnade Gottes (inayet-i Ilahiye)während fünfzehn Wochen das gleiche Wissen erwarb, das man in einer Medresse gewöhnlich durch fünfzehn Jahre Studium erlangt, so genügen auch heute noch, wo es keine Medressen mehr gibt, mit Hilfe der Risale-i Nur und durch die Barmherzigkeit des Herrn (rahmet-i Rabbaniye)fünfzehn Wochen, um zu der Erkenntnis der Wahrheit und des Glaubens zu gelangen, so wie dies etwa fünfzehntausend Leute seit fünfzehn Jahren durch eigene Erfahrung bestätigt haben.
Zweitens:
Zu gleicher Zeit stürzte mein ziemlich schweres Fenster nahezu ohne (erkennbaren) Anlass auf meine Teller, Gläser und Speisen. Wir haben gedacht, dass das Fenster und alle meine Flaschen und Gläser zerbrochen und alle Speisen (auf den Tellern) verdorben wären. Doch wie ein Wunder war nichts zerbrochen oder unbrauchbar geworden. Nur das Fleisch, das ich als Geschenk bekommen und gekocht hatte, war herunter gefallen. Doch war es eigentlich für die neuen Schüler der Risale-i Nur bestimmt (kismet)und so blieb mein Prinzip, keine Geschenke anzunehmen, gewahrt und das erste Geschehnis wurde in dieser Einzigartigkeit bestätigt und besiegelt (imza).
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine Brüder!
Ganz und gar gegen jedes Gesetz sind unsere Dokumente, die für den Revisionsprozess bestimmt sind, und die dazu gehörigen Schriftsätze noch nicht zum Gerichtshof geschickt worden. Daher sollten die drei von uns autorisierten Rechtsanwälte einen Weg finden, dass unsere Unterlagen so schnell wie möglich an das Appellationsgericht überwiesen werden. Denn da unsere Inhaftierung unter einem Vorwand elf Monate zu verlängern und mir nicht zu erlauben, (vor Gericht) zu sprechen, mich elf Monate in der Kälte, unter vielen Schikanen, in völliger Isolation zu quälen, eine bösartige, vom Standpunkt der Gerechtigkeit nicht annehmbare Absicht dahinter erahnen lässt, ist es eine prinzipielle Notwendigkeit, dass sowohl unsere Rechtsanwälte als auch ihr selbst alles unternehmt, was in eurer Macht steht, damit unser Prozess in eine andere Stadt verlegt wird.
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen des Hochgelobten."}
Meine lieben, getreuen, aufrichtigen, unerschütterlichen, opferbereiten Brüder!
Erstens:
Der Grund dafür, dass sich von dem (Artikel) über das Geheimnis des اِنَّآ اَعْطَيْنَا {"Wir haben gegeben..." (Sure 108)}
nichts mehr bei mir befindet, ist der, dass es vor langer Zeit zwischen zwei verschiedenen Vorahnungen eine Verwechslung gegeben hat.
Erstens:
Ich sah in einer Art Vorahnung voraus, dass ein schreckliches Ereignis und eine fürchterliche Unterdrückung, und zwar nur in unserem Land, stattfinden werden. Zwölf Jahre später zeigte es sich jedoch, dass dieses gewaltige Geheimnis {mit "Geheimnis" ist an dieser Stelle der Weltkrieg gemeint (A.d.Ü.)} so wie ich es vorausgesagt hatte, sich in großem Rahmen, nämlich über die ganze Erde verbreitete. So hat sich die Meinung, die ich mir gebildet hatte, zwar äußerlich etwas verändert, doch hat sich angesichts der Tatsachen die gleiche Wahrheit als völlig richtig herausgestellt. Deshalb behalte ich diese Abhandlung (mit weiteren brisanten Voraussagen - A.d.Ü.) nicht bei mir und gebe sie auch keinem anderen weiter.
Zweitens:
Vor vierzig Jahren habe ich öfter gesagt: "Wir werden ein Licht sehen." Und so gab ich denn die frohe Kunde, dass ich stets daran denke, dieses Licht werde sich weit und breit im ganzen Lande (zeigen). Dieses Licht war jedoch die Risale-i Nur. {also die Botschaft vom Licht, die sich nun im ganzen Lande verbreitet. (A.d.Ü.)} Der Kreis ihrer Schüler (dehnt sich nun) über ihre Heimat hinaus im ganzen Lande aus, während ich doch gedacht hatte, es ginge hier um einen politischen Bereich; worin ich mich jedoch geirrt hatte.
* * *
Sehr geehrter Herr Direktor!
Ich danke Ihnen sehr dafür, dass Sie am "Tag der Befreiung" vor meiner Zelle die Fahne haben hissen lassen. Während des nationalen Befreiungskampfes wusste man in Ankara sehr genau, dass ich durch Druck und Veröffentlichung meines Werkes "Die sechs Schritte (Hutuvat-i Sitte)"
vielleicht den Dienst einer Militärdivision (im Streit) gegen Briten und Griechen geleistet habe, wofür mich Mustafa Kemal (damals 1920) zweimal nach Ankara einladen und auszeichnen wollte. Er sagte sogar: "Wir benötigen diesen mutigen (kahraman)Hodja (hier bei uns in Ankara)!" Das heißt also: Es steht mir zu, an diesem nationalen Feiertag die Fahne zu hissen.
Said Nursi
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Verteidigungsrede der Schüler der Risale-i Nur
Verteidigungsrede der Schüler der Risale-i Nur während der Verhandlung vor dem Gerichtshof in Afyon, die 1948 eröffnet wurde, wobei gleich zu Anfang propagiert wurde, (die Angeklagten hätten in diesem Verfahren) die Todesstrafe zu erwarten, und das damit endete, dass zum ersten Mal das gesamte Risale-i Nur Werk nun endlich zurückgegeben wurde.
Nachdem bereits drei Gerichtshöfe (die Risale-i Nur) in gleicher Weise für unbedenklich erklärt (und damit gezeigt hatten), wie weit diejenigen von der Wahrheit und Gerechtigkeit abgewichen sind, die die reine und nur auf das Jenseits gerichtete Verbundenheit der Nurdjus mit der Risale-i Nur und ihrem Interpreten eine weltliche, auf politische Ziele ausgerichtete Vereinigung genannt haben und versucht hatten, dies ein Verbrechen zu nennen, sagen wir:
Die Basis allen Lebens in unserer menschlichen Gesellschaft und besonders in der islamischen Nation ist eine ernsthafte Liebe (muhabbet)zwischen den Verwandten und das Interesse an einer Beziehung zwischen Stämmen und Völkern, sowie die Bruderschaft und moralische Hilfestellung für die Brüder im Glauben, wie sie aus der islamischen Nation erwächst, die aufopfernde Sorge für die eigenen Landsleute und das eigene Volk und die Mitglieder der eigenen Nation, eine unerschütterliche Verbundenheit
und Hingabe, und die Unterstützung des Qur'an und seiner Wahrheiten, welche das ewige Leben retten, und all derer, die sie verbreiten. Es ist nur durch die Leugnung dieser Verbundenheit, die das Leben der Gemeinschaft sicherstellt, und dadurch, dass man die Rote Gefahr so einfach hinnimmt, welche den fürchterlichen Samen der Anarchie im Norden erschüttert, die Nation und ihre Jugend vernichtet und dadurch, dass sie jedermanns Kinder zu sich heranzieht, die Familienbande und die nationale Zugehörigkeit verleugnet und den Weg zur völligen Korruption menschlicher Zivilisation und Gesellschaft öffnet, dass die Schüler der Risale-i Nur eine politische Vereinigung und der Sinn ihres Daseins ein Verbrechen genannt werden kann.
Deshalb zögern die Schüler der Risale-i Nur nicht, ihre Verbundenheit mit den Wahrheiten des Qur'an und die starke Zusammengehörigkeit mit ihren Glaubensbrüdern zu bekunden. Sie sind aufgrund dieser Bruderschaft bereit, jede Art von Bestrafung dankbar anzunehmen, die ihnen gegeben würde, und gestehen deshalb den Tatsachen entsprechend die Wahrheit vor Eurem ehrenwerten Gericht. Sie erniedrigen sich dabei nicht dazu, sich selbst mit falschem Spiel, mit Lug und Trug zu verteidigen.
Der Gefangene
Said Nursi
* * *
Husrevs Verteidigungsrede vor dem Hochgerichtshof zu Afyon
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
In seiner Anklageschrift beschuldigt mich der Staatsanwalt auf zweierlei Weise, zum einen ganz allgemein, zum anderen aber persönlich. Unter ganz allgemeiner Anklage steht mein Dienst an der Risale-i Nur und meine Teilnahme an den angeblichen Verbrechen meines Meisters (ustadh).
Unter persönlicher Anklage steht meine Haltung (hal)gegenüber einem Leben persönlicher Zurückgezogenheit, das völlig privat, ohne jede Bedeutung und tatsächlich nicht Gegenstand irgendeines Verbrechens ist, als auch eine Reihe von Umständen meines persönlichen Lebens. Was meinen Dienst an der Risale-i Nur und meine angebliche Teilnahme an den Verbrechen meines Meisters (ustadh)betrifft, die der öffentliche Ankläger mir unterschieben will, so sage ich hiermit:
Ich bekenne aus (tiefstem) Herzen und mit (ganzer) Seele, an dem angeblichen Verbrechen, das meinem Meister (ustadh)unterstellt wird, auf dem Weg (meslek),den er eingeschlagen hat, und in dem heiligen Dienst, durch den er mit Hilfe der Risale-i Nur der Islamischen Welt und besonders dem Land und dem Volk erweist, teilzuhaben. Ich werde Gott dem Gerechten, der mich in meinem Dienst am Glauben erfolgreich hat werden lassen, bis zum Ende meines Lebens dafür dankbar sein.
Ehrenwertes Gericht!
Ein sicherer Beweis für den Erfolg, der sich in meinem Dienst an der Risale-i Nur gezeigt hat, ist folgender:
Obwohl meine Handschrift im Schreiben des Qur'an eigentlich ziemlich mangelhaft wäre, habe ich dennoch auf wunderbare Weise weit über meinen Willen (ihtiyar)und meine Fähigkeiten (iktidar)hinaus drei Exemplare in einzigartiger und vollendet schöner Form abgeschrieben. Eines davon ist jetzt in Ihrem Besitz.
Zweiter Beweis:
Ich habe (meine Aufgabe) ungefähr sechshundert Exemplare von verschiedenen Teilen der Risale-i Nur, die sich seit zwanzig Jahren als ein sehr großer Segen (menfaat)für dieses Land und sein Volk, den Glauben und die guten Sitten herausgestellt hat, abzuschreiben erfolgreich beendet.
Es ist mir sogar in so kurzer Zeit, wie nur einem Monat, gelungen, die Abschrift von vierzehn Exemplaren (risalah)zu vollenden, wie auch meine Freunde wissen. Ich halte
es für überflüssig, auch noch die übrigen Punkte verteidigen zu wollen, die meinen Anteil an dem heiligen Dienst meines Lehrers (betreffen), den mir der Öffentliche Ankläger zur Last legen will. Den Einspruch, den mein Meister geschrieben hat, samt Anhang, bestätige ich mit aller Kraft, so als sei dies mein eigener Einspruch und lege ihn als solchen dem Hohen Gericht vor.
Hohes Gericht!
In den gesegneten (mubarak),heiligen (quddus)und lichtvollen (nur)Werken, welche die Wahrheit (haqiqat)des Glaubens (iman)und des Qur'an enthalten und die z.Zt. dem Gericht vorliegen, leistet mein Meister (ustadh)dem Land und dem Volk einen heiligen Dienst, ohne damit irgendwelche weltlichen Ziele oder irgendwelche politischen Ziele zu verfolgen, was ich und meine Freunde zu schätzen wissen, sowie dies auch die Patrioten der (vor zwanzig Jahren) regierende Partei für Einheit und Fortschritt (Ittihad-Terakki)zu schätzen wussten. Damals hatten sie meinem Lehrer (zur Gründung) der Medresset-uz'Zehra genannten Universität (daru-l'funun)in Van 19.000 Lira in Gold zugesagt. Sie haben in ihrer Hingabe für ihr Volk die Liebe unseres Meisters (ustadh)und die wissenschaftliche Leistung dieses Patrioten voll Bewunderung anerkannt. Danach haben 163 Abgeordnete unter 200 Abgeordneten, in einer Zeit, da Geld von hohem Wert war, diese 150.000 Lira für die Universität meines Lehrers im Osten (des Landes) bewilligt. So versichere ich denn dem Hohen Gericht, dass ich stolz darauf bin, meinem heiligmäßigen und gesegneten Lehrer, der in seinem heiligen Dienst sein ganzes Leben lang das Fundament des Glücks des Landes und seines Volkes sicher zu stellen vor Augen hatte, was der Öffentliche Ankläger aber als ein Verbrechen bezeichnet, dem selbst noch die halsstarrigsten und neidischsten Feinde und diejenigen, welche vor Gericht auf das Eifrigste seine Verurteilung betrieben haben, trotz seiner heftigen und scharfen Worte nichts
entgegenzusetzen hatten, sondern sogar noch zugeben mussten (dass er recht hatte), während zwanzig Jahren in allen seinen wissenschaftlichen Bestrebungen Sekretär gewesen zu sein und so der Risale-i Nur gedient zu haben.
Der Gefangene
Husrev Altunbashak
* * *
Tahiris Verteidigungsrede vor dem Hochgerichtshof zu Afyon
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Der Herr Generalstaatsanwalt zu Afyon hat mir mitgeteilt, dass ich die religiösen Gefühle als Mittel missbraucht haben soll, die Öffentliche Sicherheit zu gefährden und das Volk aufzuwiegeln, weshalb ich mich zusammen mit meinem Meister Bediüzzaman Said Nursi und allen anderen Gefährten schuldig gemacht hätte und vor Gericht gestellt werden müsse.
Die Antworten, die ich sowohl vor dem Amtsgerichtshof in Isparta als auch vor dem Untersuchungsgericht in Afyon auf die mir gestellten Fragen gegeben habe, sind richtig. Der Gerichtshof in Denizli, der uns freigesprochen hat, hat uns alle unsere Bücher wieder zurückgegeben und uns nicht dafür bestraft, dass wir die Abhandlungen (risalah)meines Lehrers Bediüzzaman lesen und kopieren und mit den Brüdern, die seine Schüler sind, Briefe wechseln. Ich habe sogar noch vor sechs Jahren ohne vorher die Zustimmung meines Lehrers (einzuholen) auf eigene Initiative fünfhundert Exemplare von Bediüzzamans Buch "Das Große Zeichen (Yedindji Shu'a)"bei einer Druckerei in Istanbul noch mit den alten (arabischen) Buchstaben drucken lassen, die mir das Gericht in Denizli samt Kiste laut Beschluss vom 20.7.1945 ausgehändigt hatte.
Ich habe sie damals Nurdjus, die sie gerne haben wollten, zum Selbstkostenpreis überlassen.
So habe ich denn vor zwei Jahren, nachdem dieser Beschluss des Hohen Gerichts ergangen und durch höchstrichterliche Anordnung des Appellationsgerichtshofes für rechtskräftig erklärt worden war, in Istanbul eine Vervielfältigungsmaschine und Papier besorgt und nach Isparta gebracht.
Von den drei Bänden, die Ihnen jetzt vorliegen, hat zwei mein Bruder Husrev Altunbashak abgeschrieben. Einen habe ich kopiert. Zuerst haben wir den Band mit dem "Dhu-l'Fikar" gedruckt, der "Das Wunder des Qur'an", sowie die "Wunder Ahmeds" enthält und teilweise verkauft. Von dem Geld, das wir dafür erhalten hatten, habe ich dann auch das Papier (für den Druck) des "Stab Mosis" gekauft und (nach Isparta) gebracht. Dann haben wir den "Stab Mosis" gedruckt und auch verkauft. Danach haben wir Papier für "Die Leuchte des Lichtes (Siradjun'Nur)gekauft (auch dieses Buch) gedruckt. Das hat sich so ein Jahr lang fortgesetzt. Danach wurden uns etwa dreißig Bände auf dem Weg nach Eghridir beschlagnahmt und dem Gerichtshof (dort) in Eghridir übergeben. Kurz darauf wurde das Haus von Husrev Altunbashak auf Veranlassung des Gerichtshofs in Isparta durchsucht, sowohl seine Vervielfältigungsmaschine als auch (alle) Bücher wurden beschlagnahmt und wir (selbst) wurden vor Gericht gestellt. Da es sich dabei aber um religiöse Literatur handelte, was nicht verboten ist, verurteilte man lediglich mich, Husrev Altunbashak und alle anderen zu einem Monat Gefängnis, weil wir die Bücher ohne Genehmigung gedruckt hatten. Wir gingen aber in Revision. Bevor jedoch ein Beschluss des Appellationsgerichts ergangen war, brachte man mich in das Gefängnis nach Afyon.
So bemüht sich denn nun der Generalstaatsanwalt darum, dass das Hohe Gericht mich dafür bestrafen soll, dass ich meinem Glauben und meinen Gefährten selbstlos gedient habe, und besonders wegen der Angelegenheit
bezüglich des Fünften Strahls, worin die Hadithe ausgelegt werden, einer Abhandlung, die uns das Gericht inzwischen wieder zurückgegeben hat, mich und den Verfasser dieser Abhandlung, sowie Husrev Altunbashak und noch weitere 46 Mitbrüder, Studenten, wegen Gefährdung der Öffentlichen Sicherheit, d.h. weil sie diese Abhandlung abgeschrieben und (sie sogar) gelesen hatten.
Als ein geborener Bürger dieses Landes sage ich vor Ihnen in Eurer Ehrenwerten Gegenwart, und weiche dabei keinen Schritt von der Wahrheit ab: Ich bin seit Jahren ein Schüler von Said Nursi, den wir mit großer Verehrung als unseren Meister (ustadh)erkannt haben, und der mit diesen Abhandlungen unsere religiöse Bildung und Gesittung geprägt, erhöht hat, und von dem ich, trotzdem er uns, wenn wir ihn unseren "Reformator (mudjeddid)"genannt haben, zurechtgewiesen hat, kategorisch und absolut sicher bezeugen kann, dass weder er selbst, noch seine Beiträge, noch seine Schüler in irgendeiner Weise versucht haben, die Sicherheit des Staates zu gefährden. Besonders einer der Gründe, weswegen man uns angeklagt hat, ist das Geld, das wir durch den Verkauf unserer Bücher erworben haben. Der Gerichtshof in Isparta war sich darüber völlig im Klaren und konnte nichts dabei finden, weswegen wir schuldig seien und weshalb er uns verurteilen sollte. Denn wir hatten es absolut nicht nötig, uns unseren Lebensunterhalt durch den Verkauf von Büchern zu verdienen, und so verwendeten wir das Geld, das wir aus dem Verkauf erworben hatten, um davon eine Vervielfältigungsmaschine zu kaufen, sowie Papier und Tinte. Es ist also gar kein Grund dazu vorhanden, unseren Dienst, den wir in reiner Gesinnung um Gottes willen verrichtet haben, für ein Verbrechen zu halten. Und ich ersuche darum das Hohe Gericht und appelliere an Ihr Gewissen, uns die Kopien der Risale-i Nur zurückzugeben.
Der Gefangene
Tahiri
Zubeyirs Verteidigungsrede vor dem Hochgerichtshof zu Afyon
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Man hat mich der Geheimbündelei und der Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung angeklagt. Da Sie aber, wie ich weiter unten noch ausführen werde, zu der sicheren Überzeugung gelangen werden, dass ich ein solches Verbrechen nicht begangen habe, weise ich hiermit Ihre Anklage zurück. Ich kann in der Tat mit Stolz geradeheraus sagen, dass ich ein Schüler der Risale-i Nur bin. Ich würde mich im Gegensatz zu den Tugenden stellen, die die Risale-i Nur mich gelehrt hat, wollte ich das leugnen. Und eine solche Missetat wollte ich nie begehen. Wer die Risale-i Nur gelesen hat, kann, was er gelesen hat, nicht verheimlichen. Im Gegenteil, er würde es geradezu stolz und frei heraus sagen. Denn es enthält keinen Satz, ja noch nicht einmal ein Wort, um dessentwillen man hier noch zögern müsste.
Ich habe versucht, die Bedeutung der Risale-i Nur, auf vierzig, fünfzig Seiten zu beschreiben. Doch kann ich sie nicht gebührend loben und preisen. Denn ich besitze nicht die Fähigkeit auch nur einen Teil der Risale-i Nur dergestalt zu würdigen, geschweige denn das gesamte Werk. Denn sie ist der wahrhafte Kommentar des Allweisen Qur'an; der Sonne, die das Universum erleuchtet; und der Geist (aql),der die Menschheit seit mehr als 1300 Jahren lenkt und leitet. So wie ich bereits oben gesagt hatte, habe ich versucht, ihren Wert zu beschreiben. Wäre darin irgendetwas zu finden, woraus man auf eine Art Geheimbündelei schließen könnte, so möge man mich für das Verbrechen bestrafen, gefährliche Schriften verbreiten zu wollen. Jedoch ist sie in der wundervollen Art und Weise, in der sie abgefasst wurde, von gebildeten Persönlichkeiten bestätigt worden, besitzt die Kraft, eine moralisch korrupte Gesellschaft zu reformieren
und ist durchaus in der Lage, den Menschen unserer Zeit den rechten Weg zu weisen, sie vor aller Irreführung zu bewahren und vor der abgrundtiefen Finsternis ihrer Gedanken zu erretten, aus der ihre Sittenlosigkeit, der Materialismus, Naturalismus und die Anbetung ihrer Götzen hervor geht. Mit dem Segen des Allweisen Qur'an hat sie der Menschheit einen Weg zur Ewigen Glückseligkeit und zum Heil (selamet)geöffnet und ihn ganz offensichtlich im strahlenden Glanz seines Lichtes gezeigt. Wenn sich also in der Risale-i Nur keine Themen finden, die im Zusammenhang mit dem Verbrechen stehen dessen man mich beschuldigt, bin ich der Meinung, dass dieses Ehrenwerte Gericht mit mir darin übereinstimmen wird, dass eine Bestrafung meiner Person den Prinzipien der Gerechtigkeit zuwiderlaufen würde.
Man hat während des Verhörs zu mir gesagt: "Du bist doch ein Schüler der Risale-i Nur, nicht wahr?"
Ich selbst halte mich nicht für würdig, der Schüler eines solchen Genius, wie Bediüzzaman zu sein. Sollte er mich jedoch annehmen, werde ich mit Stolz sagen können: "Ja, ich bin ein Schüler der Risale-i Nur."
Mein unvergleichlicher Meister, Ustadh Bediüzzaman Said Nursi, ist unzählige Male von seinen heimlichen Gegnern verleumdet und vor Gericht gestellt und doch jedes Mal wieder freigesprochen worden. Das gesamte Werk der Risale-i Nur ist von einer Kommission, gebildet aus Professoren und islamischen Gelehrten, Zeile für Zeile untersucht worden und sie haben den Bericht darüber abgegeben, dass dieses Werk mit einer außerordentlichen Sachkenntnis abgefasst wurde und ein wahrhaftiger Kommentar zu dem Allweisen Qur'an ist. Wenn dies aber so ist, warum wird sie dann immer wieder dem Gericht vorgelegt? Meine sichere Überzeugung bezüglich dieses Sachverhalts möchte ich folgendermaßen darlegen:
Gerade besonders scharfsinnig (nachdenkende) junge Leute erlangen, indem sie die Risale-i Nur lesen, einen starken Glauben.
Sie werden zu unerschütterlichen, zu jedem Opfer bereiten, gläubigen Patrioten. Wo sich ein unzerstörbarer Glaube findet, kann Unmoral (akhlaqsiz)und Laster (sefehat),eingeimpft durch eine verlogene Ideologie, keinen Zugang finden. Solange die Zahl derer wächst, die einen unerschütterlichen Glauben besitzen, kann sich der Kreis der Freimaurer und Kommunisten keinesfalls ausdehnen. Der Kommunismus, der sich auf eine materialistische Denkweise stützt, hat nichts mit Wahrheit und Gerechtigkeit zu tun. Seine Theorien haben keinen Nährboden. Das haben die Risale-i Nur und der Ehrenwerte Qur'an mit seinen Ayat mit sehr starken Beweisen und Argumenten verstandesmäßig, logisch und lehrmäßig erwiesen. Er erleuchtet diese verdorbenen Gedanken, wenn sie in einen Abgrund der Finsternis gestürzt sind und errettet sie. Er beweist den Materialisten, die nur glauben, was ihre Augen sehen können, die Existenz Gottes mit starken Zeugnissen, die man nicht leugnen und nicht bestreiten kann.
Besonders bei den Schülern und Studenten an den Oberschulen und Universitäten lesen sich diese wundervollen Werke mit ihrem originellen, faszinierenden Stil und ihrer hohen literarischen Kunst wie von selbst.
Es ist aus diesem Grunde, dass die Kommunisten und die Freimaurer wissen, dass die Risale-i Nur ein machtvolles Bollwerk gegen die Verbreitung ihrer giftigen Gedanken bildet. Da aber die Risale-i Nur als ein wahrheitsgetreuer Kommentar zum Qur'an eine mächtige Quelle des Glaubens ist, nehmen sie ihre Zuflucht zu verschiedenen Strategien und zu Verleumdungen, um sie auszuhebeln und zu verhindern, dass sie gelesen wird. Obwohl sie bis heute für all die Lügen, auf die sie sich stützen, keine Anzeichen finden können, setzen sie dennoch ihre Angriffe gegen uns fort. So wird denn verständlich, warum sie versuchen, uns einzuschüchtern, uns der Risale-i Nur zu entfremden und dabei uns ihre eigenen giftigen Publikationen vorsetzen wollen. Auf diese Weise bewirken sie, dass das Volk und seine Jugend ihren Glauben
verliert. Sie führen einen Verfall der Moral und der guten Sitten herbei und wollen so erreichen, dass die Regierung in sich selbst zusammenfällt. Dabei hegen sie den Wunsch, das Land und sein Volk an eine fremde Regierung auszuliefern. So sage ich denn vor diesem Hohen Gerichtshof ohne jede Furcht:
Ihr sollt es recht gut wissen und dabei zittern, wenn wir über all eurem Lärm nicht unsere Schlappen verlieren werden. {Wir werden nicht in unserer Angst alles stehen und liegen lassen und Hals über Kopf davon laufen. (A.d.Ü.)} Denn wir haben in den Werken der Risale-i Nur Recht und Wahrheit erkannt, erfahren und glauben an sie. Die türkische Jugend schläft nicht. Dieses heldenmütige islamische Volk hier in der Türkei wird sich nicht unter das Joch einer fremden Regierung beugen. Diese heldenmütige islamische Jugend steht in der Kraft ihres wahrhaftigen Glaubens und wird ihr Vaterland nicht verkaufen. Ein religiöses, kriegerisches türkisches Volk und eine gläubige, tapfere türkische Jugend fürchten sich nicht. Es ist aus diesem Grunde, dass wir die Werke der Risale-i Nur lesen, die uns auf die höchste Stufe der Menschlichkeit und Charakterstärke emporhebt, die uns versichert, dass wir uns auf allen Gebieten entfalten werden, um deretwillen in unseren jungen Leuten die Liebe (ashk)zu ihrem Glauben, ihrem Land und ihrem Volk entflammt, für die sie uns heranbildet, als wahrhaftige Gläubige all unser Sein und Haben zu opfern bereit zu sein, und die wir darum immer wieder lesen werden. Wie ich bereits weiter oben erklärt hatte, habe ich zwar nur wenig aus der Risale-i Nur gelesen, doch einen sehr großen Nutzen daraus gezogen. Für dieses überaus nützliche Gesamtwerk, das diesem Land, seinem Volk und der ganzen Menschheit überaus großen Nutzen bringen wird, würde ich, wenn ich reich genug dazu wäre, alles ausgeben, um es zu veröffentlichen. Denn für meinen Glauben, mein Land, die Ewige Glückseligkeit und das Heil (selamet)
meines Volkes bin ich bereit, alles zu opfern, was ich bin und habe.
Bei all dem habe ich niemals leichtfertig an die Risale-i Nur geglaubt. Dreiunddreißig Qur'anische Verse, Hasret Ali und Hasret Abdu-l'Qadiru-l'Geylani, mit denen Gott zufrieden sein möge, haben auf verborgene Weise vorausgesagt, dass die Risale-i Nur geschrieben werden würde und die Menschen unserer Zeit rechtleiten (irshad)werde. Alles in allem, haben mich die Bände der Risale-i Nur, die ich gelesen habe, zu der Überzeugung gebracht, dass das Gesamtwerk alle die Bücher umfasst, die die Menschheit Wahrheit und Recht lehren kann und in ihrer Menschlichkeit neu gestalten wird.
Ich fühlte einmal eine große Leere in mir. Da suchte ich nach einem Buch, das ich lesen wollte. Und so begann ich denn die Risale-i Nur zu lesen und konnte sie nicht mehr aus der Hand legen und mich nicht mehr (von diesem Buch) trennen. Ich fühlte, wie die Risale-i Nur in meinem Herzen ein großes Bedürfnis stillte. In ihr fand ich die Beweise, die ich mit meinem Verstand und in meinem Glauben annehmen konnte und die mich in meiner Erkenntnis und in meinem Glauben von allen Zweifeln errettet haben. So habe ich mich denn von allen Bedrängnissen irgendwelcher Einflüsterungen befreit. Aufgrund dieser Wahrheiten wurde mir klar: die Risale-i Nur wurde für uns, die Menschen dieses Zeitalters geschrieben.
Um sich edle Charakterzüge wie Anstand, Moral und gute Sitten aneignen zu können, muss man einen starken Glauben haben. Da aber diese Glaubenswahrheiten in der Risale-i Nur mit starken Beweisen und treffenden Beispielen verständlich gemacht werden, wurde mit dem Lesen auch mein Glaube gestärkt. Auf diese Weise wurde ich davor bewahrt, dem Irrtum zu verfallen und mich vom Glauben abzuwenden, der Wahrheit und Gerechtigkeit ist und die Grundsätze höchster Kultur umfasst und mich vor dem Unglück errettete, eine Beute des roten Ungeheuers zu werden. Es ist aus diesem Grunde: Da die Risale-i Nur
ihre Leser vor so vielen materiellen wie geistigen Unglücken bewahrt und sie zu besseren Wissenschaftlern macht als die Absolventen einer Universität, ihnen die Liebe zum Islam, zu Volk und Heimat einpflanzt, sie den Gehorsam gegenüber Gott, Fleiß und Barmherzigkeit lehrt, wird niemand, der ihre Bedeutung verstanden hat, sich - was immer es kosten mag - jemals wieder von ihr trennen. Diese aufrichtige, reine Hochachtung und Ehrerbietung kann man aus keines Menschen Herz wieder herausreißen.
Die Risale-i Nur wird vom Öffentlichen Ankläger als ein Werk hingestellt, das Schaden anrichtet. Gegen diese Gewissenlosigkeit und Verlogenheit protestiere ich ganz energisch. Man hat mich auch angeklagt, ein Anstifter zu sein. Und das ist in der Tat richtig. Doch die Herzen all derer, die diese erste Unterstellung gehört haben, spüren in sich diesen Schmerz, sie haben geweint und mit den Zähnen geknirscht. Das zwanzigste Jahrhundert ist eine Zeit, in der positives Denken die Vorherrschaft hat. Dinge, die nicht offensichtlich sind und für die es gar keinen Beweis gibt, kann man nicht glauben und wir glauben sie auch nicht. Darum verlangen wir einen Beweis dafür, dass sie einen Schaden anrichten.
Falls es eine der Absichten unserer heimlichen Feinde, die uns hier verleumden, sein sollte, den Gemeinschaftssinn der Leser der Risale-i Nur, die so dem Qur'an dienen und deren Bindung an den Islam in der Weise sichtbar wird, dass sie einander in einer nie zuvor gesehenen Weise umarmen und sie dabei nur das eine Ziel und keine andere Absicht zum Ausdruck bringen, als die, einander Liebe (shefqat)und Respekt entgegenzubringen und füreinander da zu sein, zu brechen (und glauben, dass sie das könnten), so irren sie sich da. Und da sollten sie sich auch nicht vergeblich gegen uns ins Zeug legen. Unter denen, die die Risale-i Nur lesen, bin ich der rückständigste und am wenigsten gebildete. Doch möchte ich folgende Antwort geben:
Mag einer von uns im Osten, einer im Westen, einer im Süden und einer im Norden, einer in dieser und einer in jener Welt sein: wir werden stets bei einander sein. Würde auch die ganze Welt sich gegen uns zusammentun, sie könnte uns nicht von unserem Lehrer Ustadh Said Nursi und von der Risale-i Nur und nicht voneinander trennen.
Denn dem Qur'an dienen wir und werden ihm dienen. Denn da wir an die Echtheit der jenseitigen Welt glauben, kann mit Sicherheit keine Macht diese geistliche Liebe und den Gemeinschaftssinn unter uns (aus unseren Herzen) reißen. Denn alle Muslime werden sich am Ort der Ewigen Glückseligkeit wieder versammeln.
Ich möchte nun mit Eurer Erlaubnis eine wichtige Tatsache schildern, die das Heil (selamet)unseres Volkes und Vaterlandes betrifft: Einer der geheimen Pläne der Kommunisten ist es, das Volk gegen die Regierung aufzuhetzen.
Um Bediüzzaman Said Nursi ins Gefängnis werfen und zeigen zu können, dass seine Werke schädlich sind, haben sie den Regierungsbeamten falsche Berichte über Vorgänge zugespielt, die kein Mensch für möglich halten würde. Das Volk glaubt schon seit Jahren so fest daran, dass Bediüzzaman Said Nursi der Genius dieses Zeitalters und in jeder Hinsicht eine einzigartige Persönlichkeit ist, dass keine Propaganda diese aufrechte Überzeugung jemals zerstören kann und wird.
Gott dem Gerechten sei Lobpreis und Dank, dass er mich begnadet hat aus den Werken eines solchen Meisters (ustadh)meinen Nutzen ziehen zu können... Der Anlass eines solchen Vorzugs sein zu dürfen und Unterricht über den Glauben (iman ve Islamiyet)zu erhalten, dafür bin ich dem Meister (ustadh)von ganzem Herzen und ganzer Seele (ruh)zu Dank verpflichtet. Da ich, wie bereits beschrieben, jahrelang im Unglück verbracht habe und den Kommunisten ein Köder gewesen bin und er
mich davor errettet hat, zu ewiger Einzelhaft verurteilt zu werden, bin ich nun auch dazu bereit, für meinen Meister (ustadh),der doch stets rechtschaffen (mustaqim)gewesen ist, in einem Gefängnis dieser Welt noch Jahre zu verbleiben.
Sollte ich um der Risale-i Nur willen, diesem Kommentar zum Qur'an, der in zwanzig Jahren Millionen Menschen den Glauben (iman ve Islamiyet)gelehrt, in der Tugend unterrichtet und sie vor der Glaubenslosigkeit bewahrt hat, zum Tode verurteilt werden, so bin ich bereit, mit dem Ruf "Allah Allah... Ya Resulallah" dem Galgen entgegenzulaufen.
Sollte ich für die Risale-i Nur erschossen werden, die doch die Jugend davor schützt, von den Kommunisten dazu verführt zu werden, ihren Glauben aufzugeben und auf ewig in ihr Unglück zu rennen, vor einem Verbrechen, für das sie als Vaterlandsverräter erschossen werden würden, so werde ich nicht davor zurückschrecken, den Kugeln die Brust zu bieten. Und sollte ich einmal für meinen Meister Ustadh Bediüzzaman mit Dolchen in Stücke geschnitten werden, so erbitte ich von meinem Herrn, dass das Blut, das herausspritzt, "Risale-i Nur! Risale-i Nur!" schreiben werde.
Ehrenwerte Herren des Hohen Gerichts!
Das Studium der Risale-i Nur ist in der Tat wunderbar, einzigartig und ohne Beispiel. Bei einem jeden Studium setzt man einen materiellen Gewinn und eine entsprechende Laufbahn als Ziel und setzt sein Studium dementsprechend fort. Der Unterrichtsstoff wird meistens gelesen, um materielle Güter zu erwerben und eine angesehene Stellung zu bekleiden und manchmal auch nur weil man dazu gezwungen ist. Diejenigen, welche damit fortfahren, die Werke der Risale-i Nur zu lesen und ohne irgendeine Bürokratie an einer Art Freier Universität zu studieren, verfolgen dabei einzig das Ziel, dem Qur'an und dem Glauben zu dienen und darüber hinaus keine
weltlichen Ziele. Doch obwohl die Lage so ist, wird die Risale-i Nur, die sich ernsthaft und wissenschaftlich mit dem Glauben beschäftigt, mit einer solch grenzenlosen Liebe, Freude und Begeisterung gelesen, dass sich in ihren treuen Lesern ein mächtiger Wunsch festigt, sie wieder und immer wieder zu lesen. Selbst wenn diejenigen, welche die Risale-i Nur abschreiben und lesen, dadurch an den Pforten des Gerichtshofes mit ihrem ganzen Leben in Gefahr geraten, so gestehen sie dennoch, dass sie diese wunderbaren Werke gelesen haben und verkündigen, dass sie sie auch weiterhin lesen werden. Selbst wenn sie bereits wissen, dass man sie zum Tode verurteilen wird, zögern sie dennoch nicht, ihre Standhaftigkeit zu bekunden. So führt denn diese Besonderheit unter den vielen Wundern der Risale-i Nur zu derFrage:"Haben denn diejenigen, welche bereits gestanden haben, etwa ihr Leben auf der Straße gefunden?"
Das aber heißt, dass sich in der Risale-i Nur und bei Bediüzzaman solch eine erhabene Wahrheit findet, und dass sie es auch nicht leugnen, weil sich dort nichts findet, was von Schaden wäre.
(Normalerweise) werden die Studenten unter einer Oberhoheit und einer (dementsprechenden) Disziplin ausgebildet. Was aber Bediüzzaman betrifft, so hat er niemals irgendwen dazu gezwungen, die Risale-i Nur (zu lesen). Hunderttausende seiner Leser haben ihn niemals gesehen und sind doch seine unerschrockenen Schüler geworden, mit jenem Seil an ihn gebunden, das niemals zerreißt und empfangen so aus der Risale-i Nur ihren Unterricht.
So hat man denn noch niemals in irgendeiner Medresse einer nahen oder fernen Zeit eine solch wundervolle Lehrmethode gefunden und ist ihr noch in keiner Universität begegnet.
Der Ehrenwerte Ankläger sagte: "Diese Art, Bediüzzaman seinen Respekt zu erweisen, hat man noch bei keinem
Qur'ankommentator (mufessir)gefunden."
Das ist richtig. Wenn man in Betracht zieht, dass ein solcher Respekt und diese Ehrerbietung der Größe und Vollendung (eines Menschen) entsprechend erwiesen werden und man Dankbarkeit jemandem erweist und sich ihm gegenüber erkenntlich zeigt, je nachdem, inwieweit man durch ihn einen Vorteil erlangt hat, kann man aus den Werken Bediüzzamans einen so gewaltigen Nutzen ziehen, dass die Dankbarkeit und die Verehrung, die man ihm entgegenbringt, ein nie zuvor gesehenes Maß erreicht.
In diesem unseren zwanzigsten Jahrhundert haben sich die Kommunisten und die Freimaurer sehr darum bemüht, den größten islamischen Denker und Schriftsteller nicht bei uns und besonders nicht bei unserer Jugend bekannt werden zu lassen. Doch ein aufgewecktes, türkisch-islamisches Volk und seine Jugend haben diesen Helden des Glaubens, unseren Lehrer (ustadh)erkannt und durften seine große Güte erfahren und an andere weitergeben. Es ist aus diesem Grunde, dass unsere außerordentliche Verbundenheit mit Bediüzzaman und unser Vertrauen in ihn nicht erschüttert werden kann.
Seitdem in der Risale-i Nur die Ayat des Allweisen Qur'an, die in ihrer Eigentümlichkeit dessen größtes Wunder sind, mit großer Kunstfertigkeit und Sachkenntnis ins Türkische übersetzt (tefthir)wurden, ohne dass sie dabei etwa verloren gegangen wären, können alle Menschen, Frau oder Mann, Beamter, Kaufmann, Gelehrter oder Philosoph, und alle Schichten der Bevölkerung sie lesen und verstehen. Jeder betrachtet sie seinem Verständnis entsprechend, zieht seinen Nutzen aus ihnen und fühlt sich mehr und mehr mit ihnen verbunden. Schüler, Studenten, Professoren, Lektoren und Philosophen lesen sie. Auch die Schichten der Gebildeten, die aus ihnen in einem ganz außerordentlichen Maße ihren Nutzen ziehen und die überragende Kunstfertigkeit bestätigen, mit der die Risale-i Nur verfertigt wurde, werden von Staunen erfüllt
und von dem sehnlichen Wunsch ergriffen, das gesamte Werk zu lesen.
Einsichtige Menschen, die Bediüzzaman und die Risale-i Nur erst neu kennen und schätzen gelernt haben, bedauern nun tausendfach, dass sie sie nicht schon früher kennen gelernt haben, und um die verlorene Zeit wieder einzuholen, versuchen sie nun, keine Zeit mehr zu vertrödeln und selbst fünf Minuten Zeit sind ihnen kostbar und so beginnen sie nun Tag und Nacht mit der Risale-i Nur zu arbeiten. Eine derartige Anziehungskraft und ein so lebhaftes Interesse haben wir noch bei keinem Werk der Psychologie, Soziologie oder Philosophie erlebt. Aus denen können nur noch einige Gelehrte ihren Nutzen ziehen. Ein Kind von der Mittelschule, oder eine Frau, die auch lesen kann, vermag aus der Zeit, die sie mit der Lektüre der Werke eines Philosophen verbringt, keinen Nutzen zu ziehen. Jedoch aus der Risale-i Nur kann jeder seiner Bildungsstufe entsprechend seinen Nutzen ziehen. Deshalb wartet nun das ganze Volk auf Eure Entscheidung, Bediüzzaman und die Schüler der Risale-i Nur freizusprechen. Hätte Said Nursi in dieser schweren Zeit der Prüfung seinen Schülern nicht Geduld, Ausdauer und Zurückhaltung ans Herz gelegt, als er während des Ersten Weltkrieges als Kommandant eines Freiwilligenregiments seine Schüler für den Kampf musterte, dann hätten Tausende von Schülern der Risale-i Nur infolge der großen Ehre, in der sie ihn halten, ihre Zelte auf den Höhen rund um Afyon aufgeschlagen und auf die Entscheidung des Kriminalgerichts in Afyon gewartet, ihn freizusprechen.
Das Werk, das Said Nursi und die Schüler der Risale-i Nur verrichten, kann nicht innerhalb des Rahmens der Gesetze betrachtet werden, um einen Beweis dafür zu finden, dass es sich hier um eine Geheimorganisation handle. Und warum kann das nicht bewiesen werden? Ist etwa ein sachverständiger Jurist, der bis zu dem Posten eines Generalstaatsanwalts aufgestiegen ist, nicht dazu in der Lage, dies aufgrund der Gesetzeslage zu beweisen?
Nein, unfähig ist er keineswegs. Es gibt nur keine Organisation, die man als eine geheime Untergrundbewegung bezeichnen könnte. Und genau deswegen kann auch nicht bewiesen werden, dass es sich hier um eine solche Organisation handelt.
Hatte doch der Staatsanwalt zunächst einmal gesagt: "Die Nurdjus sind keine Organisation.", was auch vollkommen im Einklang mit den bestehenden Gesetzen war. Wenn er dann ein wenig später, aus welchen Gründen auch immer, behauptete: "Sie sind eine Organisation.", so besteht hier ein Widerspruch. Und der ist mit Sicherheit nicht rechtskräftig. Und wir sind sicher, dass das Gremium der Richter einsehen wird, dass diese Tatsache ganz offensichtlich ist und dann den Beschluss fassen werden: "Hier handelt es sich nicht um eine Geheimorganisation".
Ehrenwerte Richter! Wenn ein Stückchen vom Herzen vor Kummer und Sorge herausbrechen könnte, müsste ein solches Herz auf die Nachricht, dass ein junger Mensch seinen Glauben verloren hat, in so viele Stücke zerbrechen, wie es Atome hat.
So wird denn der Freispruch, den sie verkünden werden, der Grund dafür sein, dass die Jugend des Islam und die ganze Islamische Welt, auf eine wirksame Weise von dieser entsetzlichen Katastrophe bewahrt bleiben wird. Und dies ist ein weiterer Grund, warum ich mich so unzertrennlich mit Bediüzzaman und seinem Werk verbunden fühle.
Durch Ihren Beschluss, die Risale-i Nur zur öffentlichen Verbreitung freizugeben, wird die türkische Jugend, ja werden alle Muslime vor dem Unglück der Glaubenslosigkeit errettet werden. Denn es wird der Tag kommen, da wird die Risale-i Nur, da sie eine Schatztruhe hoher Wahrheiten ist, und daran besteht weder ein Zweifel noch irgendeine Unsicherheit, in der ganzen Welt bekannt sein. Und damit werdet ihr die Anerkennung der ganzen
Welt erfahren. Aufgrund dieser Eurer Freigabe wird die heutige, werden künftige Generationen Euch ihre Anerkennung und Dankbarkeit entgegenbringen. Sie werden die Risale-i Nur lesen, daraus einen gewaltigen Nutzen ziehen und Euch dafür ihre Dankbarkeit erweisen.
Hütet Euch, davor, zu denken, dass meine Worte zwar aufrichtig gemeint, jedoch geheuchelt wären. Keineswegs und absolut nicht! Denn während Bediüzzaman noch vor Gericht steht, fürchte ich mich vor niemandem und schrecke ich nicht zurück.
So möchte ich denn mit Ihrer Erlaubnis kurz zusammengefasst nur noch Folgendes sagen:
Wenn der Herr Staatsanwalt auch weiterhin damit fortfährt, diese böswilligen Anschuldigen vorzubringen, wenn er also diese völlig falschen Anschuldigungen gegen die Risale-i Nur, die sich sowohl gegen ihren Verfasser als auch gegen ihre Leser richtet, nicht unterlässt, obwohl doch (die Risale-i Nur) eine außerordentlich wirkungsvolle Lösung anbietet, wie man der Gedankenwelt der Freimaurer und der Kommunisten in unserem gesegneten Vaterland Einhalt gebieten wird und kann, und sich, hingerissen von seinen Gefühlen, ihr widersetzt, so wird er dadurch die Kommunisten und die Freimaurer nur noch unterstützen und so noch dazu beitragen, dass der Schaden, den diese Gottlosen anrichten, gegen den sich doch diese Anklagen eigentlich richten, sogar noch zunehmen.
* * *
Ein Teil des Widerspruchs vor dem Appellationsgericht
Durch die Publikationen der atheistischen Organisationen wurde jener Zweifel und die Skepsis gesät, die jenen Glauben zerstört, den die Werke der Risale-i Nur mit ihren Beweisen wiederherzustellen sucht.
So ist denn eines der subtilsten Geheimnisse und die Weisheit, durch welche die Jugend wie elektrisiert an der Risale-i Nur festhält, die folgende:
Mit einem Blick, der die Wahrheit erschaut und realistisch sieht, erkannte Bediüzzaman Said Nursi, der seit Jahren mit beispielloser Selbstentäußerung und Opferbereitschaft, bereits alt und krank und in einem Zustand, in dem er eigentlich besonderer Pflege bedürftig gewesen wäre, jedoch die verschiedenen, über jedes erträgliche Maß hinausgehenden Quälereien der Kommunisten und Freimaurer, seiner versteckten Feinde, und derer, die von ihnen in die Irre geführt worden sind, geduldig ertrug, sehr viele ihrer versteckten, antireligiösen Pläne und verfasste dabei noch seine Werke über den Glauben, sodass diese fürchterlichen, hinterhältigen geheimen Pläne ohne Erfolg blieben.
Doch was für ein bedauernswerter, trauriger und betrüblicher Zustand ist es doch, dass man nun schon seit 25 Jahren versucht, diesen Bannerträger des Islam, diese außergewöhnliche Persönlichkeit in Kerkern und Gefängnissen und durch Einzelhaft zu isolieren. Doch wenn man nun auch aufgrund einer Überempfindlichkeit, die aus einem unbegründeten Misstrauen erwächst, das durch die Verleumdungen der Kommunisten verursacht worden ist, den Verfasser der Risale-i Nur bestraft hat, werden die Werke der Risale-i Nur dennoch weiterhin mit großer Begeisterung und einem ständig wachsendem Interesse gelesen.
Der erste und mächtigste Hinweis darauf ist folgender: Die jungen Leute, die den "Stab Mosis" gelesen haben, also das Werk, das schon mit den neuen Buchstaben abgeschrieben worden ist, werden nun in kurzer Zeit die Qur'anischen Buchstaben lernen, um auch die übrigen, noch mit ihnen geschriebenen Werke lesen zu können. Auf diese Weise überwinden sie auch die hohen Mauern ihrer Unkenntnis der Qur'anischen Schrift, die sie bisher davon abgehalten hatte, eine ganze Reihe von Wissenschaften
zu erlernen, und sie dazu zwingen wollte, die Werke zu lesen, die dazu verfasst wurden, sie von Religion und Glaube (din ve iman)zu entfremden. Wann immer die junge Generation mit dem Qur'an und mit den Wissenschaften, die von ihm durchstrahlt worden sind, ausgestattet und gestärkt worden ist, hat das Volk begonnen, zu wachsen und emporzustreben, da hat auch die Jugend begonnen, brennend vor Begierde nach dem Glauben (iman ve Islamiyet),ihren Geist (ruh)mit der Fülle des Lichtes und allen Segens der Risale-i Nur, dem Kommentar (tefthir)zum Qur'an, zu füllen. So hat sich unsere Jugend einen sicheren, wahrhaftigen Glauben (tahqiqi iman)zu eigen gemacht und wird nun den Kampf gegen den gottlosen Kommunismus antreten und es niemals erlauben, dass ihr Vaterland an die Feinde des Islam verkauft wird. Hätten die Kommunisten eine Möglichkeit, Papier und Tinte verschwinden zu lassen, wären viele junge wie alte Leute gleich mir bereit, sich zu opfern und für die Risale-i Nur, eine Schatztruhe der Wahrheit, wenn es möglich wäre, ihre Haut in Papier und ihr Blut in Tinte zu verwandeln.
Ja doch und wirklich und tausendmal in der Tat!...
In seiner Anklageschrift sagt der Staatsanwalt: "Said Nursi vergiftet an der Universität die Studenten mit seinen Werken." Demgegenüber antworten wir: "Wäre die Risale-i Nur ein Gift, bräuchten wir Tonnen von diesem Gift, Tausende Kilogramm. Wüsste er, wo er es im Überfluss finden könnte, sollte er es uns per Luftfracht zusenden."
Wenn wir, die Schüler der Risale-i Nur, dafür durch ein gewalttätiges Herrschaftssystem für unseren Dienst am Glauben (iman ve Islamiyet)verfolgt werden, so ziehen wir den Tod in irgendeiner Ecke eines Gefängnisses oder am Galgen einem Tod gemütlich daheim im eignen Bett vor. Wir wissen, dass es anstelle eines Lebens in dem, was äußerlich eine Freiheit zu sein scheint, in Wirklichkeit aber absoluter Despotismus in Gefangenschaft für unseren Dienst am Qur'an ist, in diesem Gefängnis, in das
man uns zu Unrecht geworfen hat, als Märtyrer zu sterben, eine große Gnade Gottes ist.
Zübeyir Gündüzalp aus Konya
Häftling im Gefängnis von Afyon
Anmerkung:
Nachdem diese Verteidigungsschrift und dieser Widerspruch vor dem Appellationsgericht an das Appellationsgericht übersandt worden war, befahl das Appellationsgericht telegrafisch Zübeyir aus dem Gefängnis zu entlassen.
* * *
Mustafa Sungurs Verteidigungsrede
An das Hohe Strafgericht in Afyon
Der Öffentliche Ankläger behauptet, dass auch ich der "Gemeinschaft der Nurdjus" angehöre und das Volk gegen die Regierung aufgehetzt hätte, wofür ich nun bestraft werden solle.
Erstens:
Eine Gemeinschaft, die sich: "Gemeinschaft der Nurdjus" nennt, gibt es nicht. Und ich gehöre keiner derartigen Gemeinschaft an. Ich gehöre der geheiligten, himmlischen Gemeinschaft der Muslime (kudsi ve Ilahi Islamiyet)an, der nach 1350 Jahren in diesem Jahrhundert (1948) 350.000.000 Mitglieder angehören, gestiftet von Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der Stolz des Universums, (jener gewaltigen, lichtvollen Gemeinschaft, die) der gesamten Menschheit das Heil (selamet)und Ewige Glückseligkeit verkündigt. Und ich habe mich - Dank sei Gott (Elhamdulillah)- dazu entschlossen, seinem heiligen Befehl (evamir-i qudsiye)aus allen meinen Kräften (quvvet)zu folgen (itaat).Was die Risale-i Nur betrifft, deren Schüler zu sein mir als ein Verbrechen angerechnet wird, so ist sie ein
Wunder des Qur'an, indem sie mich meine Pflichten in Religion und Glaube (din ve iman)lehrt und mit einzigartigen Zeugnissen und glänzenden Beweisen zeigt, dass der Islam die höchste und heiligste (muqaddes)Religion (din)und die einzige Quelle der Glückseligkeit der Menschheit ist und dass der Qur'an ein Erlass des Majestätischen Herrn (Dhat-i Dhu l-Djelal)ist, der der Eigentümer allen Seins ist, allgegenwärtig und allsehend, der Lenker, unter dessen urewiger Regentschaft alles Sein von den Atomen bis zu den Sternen und Sonnen steht; ein Wunderwerk, das mit einem Blick Vergangenheit und Zukunft und alle dazwischen liegenden Ereignisse in Ewigkeit umfasst; und dass der Qur'an in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder, das Buch über allen Büchern ist, der den Menschen die Ewige Glückseligkeit verkündigt, nach der sie sehnsüchtig und in ewiger Dankbarkeit verlangen, die Immerwährende Ansprache der Urewigen Sonne (Shems-i Sermedi);und dass der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, vom Schöpfer des Universums (Khaliq-i Kainat)gesandt worden ist, der in all seinem Tun und Reden unter allen Menschen der vollkommenste (en ekmel),aufrichtigste (en sadiq),edelste ist, der auf der Stufenleiter der Vollendung die höchste Stufe erreicht hat, der durch das Licht des Islam, das er gebracht hat, den Menschen die kostbarste Botschaft und den heiligsten Trost bringt, der über vierzehn Jahrhunderte und heute über ein Fünftel der Menschheit die geistige Herrschaft (saltanat-i maneviye)in Händen hält, in dessen Buch der guten Taten seit 1300 Jahren alle Verdienste seiner Gemeinde (ummah)eingetragen stehen, der der Grund für die Existenz des Weltalls und der Geliebte Gottes (Habibullah)ist; und dass in der Jenseitigen Welt Paradies und Hölle absolut sicher und wahr sind.
Was die Risale-i Nur betrifft, so bezeugen ihre Worte und Sätze, dass sie ein Licht ist von Ewigkeit zu Ewigkeit (ezeli ve ebedi),das vom Licht des Qur'an und dem Licht Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ausgeht. Da sie zum Qur'an dazu gehört und sein ganz besonderer
Kommentar ist, gehört sie aus diesem Grunde zum Himmel und zum Thron. So erteilt denn die Risale-i Nur, die man verdächtigt, das Volk gegen die Regierung aufzuhetzen, mit all ihren Worten (Sözler),mit all ihren Blitzen (Lem'a),mit all ihren Strahlen (Shu'alar),mit all ihren Briefen (Mektublar)Unterricht über die göttlichen Wahrheiten (haqaiq-i Ilahiye),die Pfeiler des Islam und die Geheimnisse des Qur'an. Ist denn etwa diese ehrwürdige, so erhabene Risale-i Nur zu lesen, die Moral (akhlaq),Tugendlehre (fadhilet)und die Wahrheiten des Glaubens (haqaiq-i imaniye)unterrichtet, um des Glaubens willen jene Teile abzuschreiben, welche die Ewige Glückseligkeit schenken, oder ihr zu dienen, so dass die Gläubigen daraus ihren Nutzen ziehen können, etwa schon ein Verbrechen? Heißt das, das Volk gegen die Regierung aufzuhetzen? Den Verfasser solch eines gesegneten, großartigen Werkes zu besuchen, das uns auf den höchsten Gipfel menschlicher Vollkommenheit, die oberste Stufe des Glaubens gleich einem Leuchtturm emporführt, geschmückt mit Tugend (fadhilet)und Moral (akhlaq),und einander Brüder zu sein auf dem Wege des Qur'an und des Glaubens, heißt das etwa, gemeinsam mit den Schülern der Risale-i Nur, die mit ihrer Güte, ihrer Rechtschaffenheit, ihrem unerschütterlichen Glauben, ihrer ganzen Überzeugung in unserer Zeit die Würde des Islam und die Wahrheiten des Qur'an verteidigt und hochgehalten und kein anderes Ziel haben, als Gottes Wohlgefallen zu gewinnen, nennt man das etwa "Bildung einer (politischen) Vereinigung"? Welche saubere und korrekte Überzeugung (vidjdan)könnte etwa eine Bestrafung dafür fordern?
Euer Ehren!
Die Vortrefflichkeit (Haqqaniyet)der Risale-i Nur, die von den höchsten Gelehrten bestätigt wurde, lässt (ihre Leser) die höchste Stufe des Glaubens (iman)und die höchste Liebe (ashk)zum Islam gewinnen und es gibt gar keinen Zweifel daran, dass all ihre Worte (Sözler),Blitze (Lem'a)und Strahlen (Shu'alar)ein leuchtender
Kommentar (tefthir)zum Qur'an sind, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist. Sie alle sind strahlende Sonnen, die die Krankheiten des Geistes und alle Finsternis des Geistes zerstreut. Unser Meister (ustadh),der dazu beauftragt ist, die Risale-i Nur zu verfassen, hat auf dem Wege des Glaubens und des Qur'an jeder Art Schwierigkeiten und Schikanen die Stirn geboten und so die Wahrheiten des Qur'an verbreitet, um sich in unserem Jahrhundert dafür einzusetzen, insbesondere die Kinder dieses gesegneten Volkes vor den fürchterlichen Angriffen der Kommunisten und vor jeder Art von Gottlosigkeit zu retten. Er ist auch mit der heiligen Aufgabe betraut, in dieser Zeit für ein sauberes und unbescholtenes Leben Zeugnis abzulegen. Er erteilt uns keinen Unterricht (Gott bewahre!) in Raub und Unmoral. Er gibt uns vielmehr Unterricht, wie wir unseren Glauben retten können, was unser wichtigstes Anliegen, unsere größte Sorge in dieser Welt ist, in der wir Menschen (leben). Seit fünfundzwanzig, dreißig Jahren bemüht er sich anhand der Risale-i Nur, den Glauben von Hunderttausenden Gläubigen zu retten, besonders dadurch, dass er jene Armen, wie mich, die nichts vom Islam wissen, im Glauben unterweist, was das größte Glück im Leben ist und sein Ziel. So ist er für uns sicherlich und gewiss ein Gnadenerweis Gottes (lutf-u Ilahiye).So sagen wir denn das Folgende all denen, die seinen heiligen Dienst am Glauben und seine Aufgabe gegenüber der Religion leugnen und in irgendeiner Weise aller Wahrheit und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat)ablehnend gegenüberstehen und glauben, dass er dem gesellschaftlichen Leben nur Schaden zufügt:
Wenn Gott anzuhangen und den Vorschriften der Religion zu gehorchen, die Menschheit vor Sittenlosigkeit und Glaubenslosigkeit und dergleichen schrecklichen Übeln zu erretten, sie mit der immerwährenden Freude der Islamiyet glücklich zu machen, ein Verbrechen ist, dann kann man von ihm sagen, dass er der Gesellschaft Schaden zufügt. Wenn aber nicht, so ist es eine Verleumdung und
sicherlich ein unverzeihliches Verbrechen. Das Ziel der Risale-i Nur ist nicht diese Welt (dunya),sondern die immerwährende Glückseligkeit in jener Welt (ahiret),alles Leben in dieser Welt und ihre vollkommene Schönheit jedoch nur eine Art Abglanz der Erscheinung Seiner Vollkommenheit, (Ziel aber) das Paradies (Djennet)mit seiner ganzen Anmut als ein Funke (Lem'a)Seiner Liebe (muhabbet),(ein Ziel, das zugleich auch) die Zufriedenheit des Allzeit-Seienden (Daim-i Baqi)und Allbarmherzigen in Seiner Vollkommenheit (Rahim-i Dhu l-Djemal)ist. Da sie ein solch göttliches (ilahi)und heiliges, hoch erhabenes Ziel hat, erklären wir hiermit, dass die Risale-i Nur tausendmal frei ist von allen vergänglichen Dingen (fanilik),wie niederträchtigerweise, sündhaft und ziellos das Volk gegen die Regierung aufzuhetzen. So nehmen wir denn unsere Zuflucht zu Gott vor dem Übel derer, die unsere Arbeit am Glauben und unsere Unterweisung in religiösem Wissen nicht wollen und sich nun darum bemühen, uns durch diese Art Verleumdungen zu zermalmen.
Euer Ehren!
Dreiunddreißig ehrenwerte Ayat weisen darauf hin und auch Imam Ali und Ghaus-i Adham, mit denen Gott zufrieden sein möge, sowie hunderte Kenner der Wahrheit erklären voll des Lobes, dass die Risale-i Nur wahrhaftig und tatsächlich ein Licht des Qur'an ist und so möge Gott es wollen, dass sie den Glauben (iman)derer, die an ihr festhalten, retten wird. So kann sie denn mit Sicherheit nicht ausgelöscht werden und wird niemals untergehen. Dafür ein Beispiel: Die Angriffe, die seit fünfundzwanzig Jahren lanciert wurden, um sie zu vernichten, haben ganz im Gegenteil bewirkt, dass sie sich nur noch weiter verbreitet und an Glanz gewonnen hat. Denn ihr Eigentümer ist der König in Seiner Majestät (Sultan-i Dhu-l'Djelal),dessen ewiger Macht (qudret)und Willen (emir)jedes Ding von Ewigkeit zu Ewigkeit (ezelden ebede)unterstellt ist. Denn ihre Wahrheiten (haqq)sind die Wahrheiten des Qur'an, die nach Seinem Willen (insha-a'llah)unter dem
Schutz und der Gnade (inayet)des Herrn der Wahrheit (Djenab-i Haqq)für immer glänzen werden.
Euer Ehren!
Falls die Risale-i Nur, die den Glauben (iman ve Islamiyet)mit der größten Liebe und Begeisterung lehrt und ein anderes Ziel nicht kennt und keinen anderen Zweck als das Wohlwollen Gottes und sich in dieser Zeit mit Sicherheit als ein großes Wunder des Qur'an und seinen lichtvollen Kommentar (tefthir)bewahrheitet hat, zu lesen, abzuschreiben und ihre Abhandlungen, welche die Wahrheiten des Glaubens unterweisen an die gläubigen Brüder weiterzugeben ein Verbrechen sein sollte und falls das Band des Glaubens (rabita-i diniye)und die Bruderschaft im Islam (uhuvvet-i Islamiye),ein Glaube, der sich auf die Liebe zu Gott stützt, die geheiligte (muqaddes),himmlische (ilahi),auf das Jenseits (ukhrevi)ausgerichtete Vereinigung auf dem Wege des Qur'an (die Kennzeichen einer politischen) Vereinigung sein sollten, dann ist für mich einer solchen gesegneten Gemeinschaft anzugehören eine große Glückseligkeit. Und das ist eine solche Freude, wie sie jede Art Belobigung oder Auszeichnung übersteigt. Ein Schüler der Risale-i Nur zu sein, was mich eine solche Freude und Glückseligkeit gewinnen lässt, ist für einen armseligen (Menschen) wie mich eine große Gnade, wofür ich Gott, der sie mir geschenkt hat, unendlich dankbar bin. Mein letztes Wort ist:
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ ٭ حَسْبِىَ اللّٰهُ لآَ إِلٰهَ اِلاَّ هُوَ عَلَيْهِ تَوَكَّلْتُ وَهُوَ رَبُّ الْعَرْشِ الْعَظِيمِ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und ein vorzüglicher Sachwalter." (Sure 3, 173) "Gott ist unser befriedigender Anteil. Es gibt keinen Gott außer Ihm. Auf Ihn vertraue ich und Er ist der Herr des Gewaltigen Thrones." (Sure 9, 129)}
Mustafa Sungur
Lehrer
Ein Teil von Mustafa Sungurs Widerspruch vor dem Appellationsgericht
An das Hohe Strafgericht: Die Risale-i Nur gelesen zu haben, sie abgeschrieben und einen Teil davon an einen bedürftigen, gläubigen Bruder weitergegeben zu haben, damit auch er seinen Nutzen daraus ziehen möge, wurde als ein "Aufhetzen des Volkes gegen die Regierung" bezeichnet und mir als ein Verbrechen angelastet. Doch in meiner Verteidigungsschrift habe ich gegen diesen Vorwurf Folgendes eingewandt: Die Risale-i Nur, von der behauptet wird, dass sie das Volk gegen die Regierung aufwiegele, ist ein wahrhaftiger Kommentar (tefthir)zum Qur'an. Sie unterrichtet in all ihren Abhandlungen die Wahrheiten (haqq)des Glaubens und beschenkt alle, die sie lesen und die sie abschreiben mit einer ganz großen Freude. Ihr Ziel ist nicht irgendetwas Vergängliches, nicht der Weg der Vagabunden, der Unruhestifter und der Gesetzlosen, die das Volk gegen die Regierung aufhetzen, sondern vielmehr das Wohlwollen Gottes zu erlangen, welches volle Glückseligkeit und die höchste Stufe der Freude ist. Ich habe für mich im Glauben die höchste Tugend und die süßesten Wohltaten (ni'met)durch das Lesen und Kopieren der Risale-i Nur gewonnen und bin, wenn auch ihr armseligster Diener, doch darauf stolz und zugleich auch ihr glücklichster Schüler. Und obwohl ich gesagt habe, dass Schüler der Risale-i Nur zu sein, eine ganz große Güte (ihsan)Gottes ist und dass ich stets meinem Herrn (Rabb),der einem so armseligen (Menschen) wie mir diese gewaltige Gnade (ni'met)erwiesen hat, dafür dankbar bin, wenn ich ihrer auch gar nicht würdig bin, hat man ohne jede Rücksicht auf die Rechtslage oder offenkundige Beweise meine Verbundenheit mit dem Glauben (iman ve Islamiyet)als ein Verbrechen dargestellt und mich gegen Recht und Wahrheit (haqq ve haqiqat)dafür bestraft.
Ich bin dafür Zeuge: Ich habe in Kastamonu am Gölköy Internat studiert.
Dort haben uns die Lehrer im Atheismus unterrichtet. Sie sagten: Gott bewahre!... der Ehrwürdige Prophet habe den Ehrwürdigen Qur'an geschrieben, die Islamiyet sei nun endlich abgeschafft worden, die Kultur könne sich nun (endlich) entfalten und dass es ein großer Fehler und völlig rückständig sei, noch in unserer Zeit dem Qur'an zu folgen. Ein anderer Lehrer bemerkte sogar eines Tages, dass die Muslime das Gebet verrichten und - weil sie an das Jenseits denken - stets trübseliger Stimmung sind, dass ihr Leben im Schmerz vorüber geht, dass in den Moscheen stets eine Atmosphäre des Todes hänge, in den Kirchen der Christen dagegen begegne man stets einer Freude und einem seelenvollen Leben. Sie genießen mit ihren Instrumenten und anderen Vergnügungen das Leben in Freude. So redeten sie und versuchten das Band des Glaubens (iman ve Islamiyet)zu zerreißen und uns an seiner Stelle die Verleugnung und den Unglauben einzuimpfen.
Wenn dann nach der Lektüre einiger Abhandlungen urplötzlich ein solch armseliger Mensch, dem man derartige giftige Gedanken eingeimpft hatte und dessen Spiritualität man durch solch einen giftigen, Schaden verursachenden Unterricht hatte abtöten wollen, und der durch ihn geradezu fasziniert gewesen war und (Gott bewahre!) schon beinahe selbst diese Ideen geglaubt hätte und sie zu verbreiten begann, in solch einem beispiellosen Licht des Qur'an wie der Risale-i Nur, die aus der Fülle des Qur'an entspringt und mit glänzenden Beweisen und wunderbaren Zeugnissen für die Wahrheiten des Glaubens (iman ve Islamiyet)darlegt, dass die Religion des Islam die niemals untergehende und unauslöschliche geistliche Sonne und ein Mittel ist, durch das die Menschheit zu Glück und zu Sicherheit (selamet)gelangt, alle diese giftigen Gedanken beiseite wirft, den Glauben mit beiden Händen ergreift, und nun eine unendliche Freude und Fröhlichkeit verspürt, dann diese auch seinem liebevollen und heldenmütigen Meister Hasret Ustadh Bediüzzaman,
wie er stets loyal und treu (gegenüber seinen Schülern ist) mitgeteilt hat, jenem Verfasser, durch den er zu all diesen lichtvollen Abhandlungen (Nur risalah)gekommen ist, und so sich aus seiner früheren irrigen (dalalet)Lebensführung in Gottvergessenheit (ghaflah)befreit hat und so zum Glauben und zum Licht gelangte, und wie die Risale-i Nur dadurch, dass sie den wahren Glauben (iman)vermittelt eine Sonne der Rechtleitung (hidayet)und in unserer Zeit ein Mittel zur Glückseligkeit für die gesamte Menschheit ist und dem verehrten Meister, der mit ihrer Abfassung beauftragt ist, begeistert mitgeteilt hat, dass er durch diesen so großen und erhabenen Dienst am Glauben für die Menschheit, besonders aber für die Leute des Glaubens ein Gnadengeschenk Gottes (lutf-u Ilahiye)ist. Wie oben dargestellt, hat er die fürchterlichen, destruktiven Übergriffe gegen den Qur'an und die Islamiyet, die Kinder dieses heldenhaften Volkes des Islam dazu zu drängen, den Atheismus zu übernehmen, zu versuchen, die heiligen, göttlichen Grundsätze des Islam zu zerstören, mit denen Millionen Menschen verbunden sind, und die Ewige Glückseligkeit von Millionen Menschen zu Grunde zu richten, als "Zerstörung und Zermalmung durch die versteckten Komiteen des Sufyan" bezeichnet und über die Irrsinnigen, die ihre gemeine, zerstörerische, grausame Verwüstung bejubeln, mit tausendfachem Abscheu: "Pfui über euch!" gesagt und ruft nun seine alten Schulkameraden, die über ihren Glauben in Zweifel geraten sind, indem er sagt:
"Kommt! Hören wir endlich damit auf, den Launen (heva)und Gelüsten (arzu)unserer Seele (nefs)zu folgen! Lasst stattdessen uns lieber niedersetzen und Unterricht nehmen in den Wahrheiten des Qur'an und lasst uns zu der Medresse des Lichtes (Nur)eilen, die uns den rechten Weg zum Glück in unserer Zeit weist. Wollen wir uns von den gemeinen Lügnern und von ihren Lügen abwenden, die sie uns als wahr vorgestellt haben und denen wir über die Monate und Jahre stets zugejubelt hatten! Binden wir uns stattdessen
lieber mit unserem Herzen an die Lehren (ders)von Bediüzzaman Said Nursi und nehmen wir ihn als unseren Lehrer (ustadh)an. Wenden wir uns von der Finsternis ab und dem Lichte (Nur)zu." Erwächst aus (all dem) und aus der Freude, die er aus dem Glauben (gewonnen hat) und aus der Liebe und der Verbundenheit mit dem Qur'an und der Islamiyet etwa nicht in jedem der Wunsch, das Volk umso mehr zu lieben und den wahren Glauben und niemals endende Glückseligkeit zu erwerben? Ist es etwa ein Verbrechen, sich mit Gott zu verbinden und zu verkünden, dass die Islamiyet die erhabenste (ali) Religion und die Botschaft von Tugend und Glückseligkeit ist?
Wäre es etwa ein Verbrechen, allen aufgrund seiner eigenen Überzeugung bekannt zu geben, dass die Risale-i Nur, ein göttliches Licht aus dem Qur'an, ein Wunder und ein Gnadengeschenk des Herrn, heilig und erhaben ist - in einer Zeit, in der von allen Seiten zerstörerische, vernichtende Angriffe gegen den Qur'an und den Islam beginnen und man durch Verleumdungen über den Ehrenwerten Qur'an und Hasret Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, den überaus hohen und heiligen Wert und die Bedeutung dieser Persönlichkeit zu bestreiten versucht und darüber hinaus die Bücher, die die Glaubenslosigkeit, den Atheismus und die Sittenlosigkeit verbreiten, und dieses Lumpenpack, das gegen Gott rebelliert und den Islam angreift, mit Hochachtung behandelt, während die ketzerischen Erneuerungen (bid'a)und islamisch ungesetzlichen Zustände bejubelt werden - und dabei eindeutig und sicher erklärt und beweist, dass der ehrenwerte Qur'an und der ehrenwerte Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, erhaben, wahrhaftig und heilig sind, dass es einen Gott gibt und die ganze Schöpfung mit allem, was da ist, mit allem, was sie umfasst und was in ihr lebt für die Einheit (vahdaniyet)ihres Schöpfers und die Notwendigkeit Seiner Existenz Zeugnis ablegt, und dass der Mensch durch seinen Verstand (aqil)und seine Auffassungsgabe (fikr)und in seiner
Eigenschaft als Spiegel der Namen Gottes gegenüber allen anderen Geschöpfen wie ein König ist, und dass der Mensch, wenn er sich durch den Glauben und seinen Dienst und seine Anbetung Gott unterwirft und sich vor Irrtum (dalalet),Ausschweifung (sefehat)und den großen Sünden schützt, ein verehrter Gast ist, der über allem Sein würdig des Allerhöchsten ist und in das Paradies und zur ewigen Glückseligkeit gelangt; wenn er aber durch seine Abgötterei (shirk)und auflehnende Haltung (Gott gegenüber = isyan)oder in seiner Gottvergessenheit (ghaflet),seinem Irrtum (dalalet),seinen Schöpfer leugnet, als ein Unglückseliger auf eine noch niedrigere Stufe als die eines Tiers, die der Niedrigsten der Niedrigen hinabstürzt und so die ewige Höllenstrafe und unendliche Qualen verdient; dass aber der Qur'an das Wort des Wahren (Gottes) ist, das für immer unveränderlich ist und dessen Gesetze und Regeln sich nicht ändern können und niemals ändern lassen, und dass die Glückseligkeit der Menschheit in ihrer Wahrhaftigkeit und Beständigkeit einzig und allein durch die Befolgung und Einhaltung der Gesetze des Qur'an möglich ist?
Die Lektüre von Romanen, Novellen und Erzählungen über unerlaubte Vergnügungen oder gegen den Islam und ohne Rücksicht auf die Sicherheit des Volkes geschrieben, die Veröffentlichung von Büchern, die besonders gefährlich oder schädlich sind, diese noch besonders zu loben und zu empfehlen, wird nicht unter die Verbrechen gezählt. Wieso kann aber dann die Risale-i Nur zu lesen und zu kopieren, welche die Sonne der Islamiyet beschreibt, der hundert Millionen Menschen folgen und in ihr die wahre Glückseligkeit finden, welche die Wahrheiten des Glaubens (haqaiq-i imaniye)verkündigt und erläutert, ihre hohen Qualitäten, die man nicht genug loben und preisen kann, zu empfehlen, zu den Verbrechen gezählt werden? Kann also etwa ein Mensch, der Wohlfahrt (selamet)für sein Land und sein Volk wünscht und in seinem Herzen (qalb)auch nur ein Fünkchen Glauben hat, diese (Dinge) zu den Verbrechen zählen?
Ehrenwerte Herren des Appellationsgerichts!
Diese Angelegenheit, welche in Eurer Ehrenwerten Gegenwart dargestellt wurde, betrifft unmittelbar den Glauben (iman)und den Qur'an. Es ist etwas, das sich auf die Ewige Glückseligkeit und das Heil von Millionen von Menschen bezieht. Mit dieser schwerwiegenden Angelegenheit sind vor allem der Ehrenwerte Prophet, mit dem Friede und Segen sei, und alle Gesandten Gottes, mit denen der Friede sei, alle Freunde Gottes und die zahllosen Kenner der Wahrheit (haqiqat)und all unsere Vorväter, die uns im Glauben ins Haus der Ewigkeit (daru-l'beqa)vorausgegangen sind, geistig verbunden. Den Frieden (selam)und all die Liebe, das Gebet (dua)und die Fürsprache von Millionen Kennern der Wahrheit zu erlangen, liegt nun in Ihrer Hand. Die Risale-i Nur, welche die Hohe Wahrheit (ali haqiqat)genannt wird, liegt vor Ihnen. Ist ihr Ziel etwa weltliche, vergängliche, schäbige Ränge (maqam)?Oder ist es, das Wohlwollen Gottes zu erlangen, das die größte Seligkeit, hohe Freude und höchstes Glück ist? Und spornen etwa all diese Abhandlungen (Sözler)die Menschen zur Unmoral an? Oder schmückt sie sie mit der Tugend des Glaubens und leitet sie sie an zu guten Sitten und einer hohen Moral?
Die Risale-i Nur, die aus dem Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, fortströmt als ein geistliches Wunder und ein göttliches Licht (nur-u Ilahi),liegt vor Ihnen. Da aber nun einmal den Glauben (iman)zu gewinnen, um aus dieser Welt in das Haus einer beständig bleibenden Glückseligkeit (dar-i saadet-i baqiye)hinüberzugehen, für die Menschen wichtiger ist, als alles andere, ja ihre wichtigste Angelegenheit überhaupt, und da doch die Risale-i Nur aus der Fülle des Qur'an in den Wahrheiten des Glaubens (haqaiq-i imaniye)unterrichtet (ders),wie von Hunderttausenden, die sie gelesen und wieder abgeschrieben haben und nun ein zuverlässiges Zeugnis dafür ablegen, wie auch so viele Qur'anische Ayat und Hadithe Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, heilige
Erklärungen, und viele Gottesfreunde, wie bereits Imam Ali und Ghaus-i Geylani, mit denen Gott zufrieden sein möge, sie loben und empfehlen, wird die Risale-i Nur in dieser Angelegenheit mit Sicherheit gewinnen. Sicher und gewiss werdet Ihr durch Eure hohe Liebe zu Wahrheit und Gerechtigkeit über jeder Art vergänglicher Sorge die Risale-i Nur in ihrer Hochschätzung der Wahrheit und ihr wahrhaftiges, qur'anisches Wesen und ihren tatsächlichen Wert erkennen, zu schätzen wissen und verstehen lernen. Und Ihr werdet sehen, dass die Schüler der Risale-i Nur um des Wohlgefallens Gottes willen kein anderes Ziel im Auge haben und nur ihm folgen.
Ehrenwerte Herren des Appellationsgerichtes!
Mit seiner hohen Moral (ahlak),seiner Tugendhaftigkeit (fadhilet),seiner außerordentlich großen Liebe (shefqat)und seinem Erbarmen (merhamet)bemüht sich unser geliebter, erhabener Meister, Hasret Ustadh Bediüzzaman, die Menschen vor düsteren Gedanken und einer immer und ewig währenden Einzelhaft zu erretten. Während er den härtesten Qualen und Schikanen die Stirne bot, stieg er zum höchsten Grad der Vollkommenheit in unserer Zeit empor, von Gott dem Gerechten mit dem heiligen Dienst (qudsi vazife)beauftragt, die Qur'anischen Wahrheiten (haqaiq-i Qur'aniye)zu verbreiten. Jedoch völlig entgegen aller Wahrheit und Gerechtigkeit hat man ihn ins Gefängnis geworfen. Krank und bereits hoch betagt und von allen verlassen lebt er dennoch seinem Glauben (entsprechend, und folgt den Geboten) von Dienst und Anbetung (ubudiyet)in höchster (Form), besitzt eine staunenswerte Intelligenz und Gelehrsamkeit (ilm)und hat kein anderes Ziel, als den Glauben (iman)der Menschen zu retten. Das fürchterliche Leiden unseres gesegneten (mubarek)Meisters (ustadh),der bereits 75 Jahre alt ist und alle Menschen wahrhaft liebt, in dieser großen Kälte seines Gefängnisses und sein elendiglicher Zustand wird ihm zur Qual und es zerreißt jedem das Herz und die Leber. Im Vertrauen auf Euren hohen Gerechtigkeitssinn
und Eure wahre Liebe zu den Menschen erwarten wir nun, dass diese Liebe (shefqat)und Barmherzigkeit (merhamet)Gestalt annehmen und der Gerechtigkeit (zum Durchbruch verhelfen wird).
Mustafa Sungur
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Mehmed Feyzis Verteidigungsrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Die Anklageschrift wirft mir vor, dass ich sowohl der Chefsekretär von Ustadh Said Nursi bin, als auch eng mit ihm und der Risale-i Nur verbunden bin, dass ich ihm stets sehr zu Diensten gewesen bin und dass diese Handlungsweise (der Anlass dazu ist), mich nun dafür zur Verantwortung zu ziehen. Was mich betrifft, so nehme ich mit ganzer Kraft diese Anklage auf mich und bin auf sie stolz. Denn meiner Natur (fitrat)nach habe ich ein besonders starkes Verlangen nach der Wissenschaft (ilm).Der Beweis dafür ist folgender: Als während (der großen) Verhaftungswelle (alle Nurdjus aus der ganzen Türkei) in Denizli (zusammengetrieben wurden) und man dabei auch mein Haus durchsuchte, wurde mir offiziell bestätigt, dass man in meinem Appartement 580 Bücher, einige davon in arabischer Sprache, über die verschiedensten wissenschaftlichen Themen vorgefunden hat. Was mich in meinen armseligen Verhältnissen, in meiner Jugend und trotz meiner nur mangelhaften Kenntnis der arabischen Sprache in einer Zeit, da es unter tausend Leuten kaum einen gab, der 580 verschiedene Bände besessen hätte, dazu bewegt hat, so viele Bücher zu sammeln, war mein außerordentliches Verlangen nach Bildung und eine ganz ungewöhnliche Liebe zur Wissenschaft (ashk-i ilm).
Aufgrund dieser meiner ganz natürlichen Fähigkeit suchte ich ständig nach einem wahren Lehrer (ustadh).Unendlicher Dank sei Gott dem Gerechten, dass was ich in der Ferne gesucht hatte, mir ganz in meiner Nähe geschenkt wurde. Ziel des ganzen Lebens meines Lehrers Said Nursi ist in der Tat die Begeisterung für die Wissenschaften (ilm)und das Verlangen (ashk),Kenntnisse über den Islam zu erwerben, wofür auch sein ganzes Leben Zeugnis ablegt.
Sowohl durch meine eigenen Beobachtungen als auch aus der bereits veröffentlichten Biographie (tarihtje-i hayat)meines Lehrers (ustadh)und aus dem, was ich von den älteren Schülern mit Sicherheit erfahren habe, weiß ich, dass meine natürliche Liebe zur Wissenschaft (fitri ashk-i ilmi)sich in meinem Lehrer in einer ganz erstaunlichen Weise wiederfindet und er in dieser Zeit im Gegensatz zu allen Gelehrten (alim)an anderen Schulen (medresse)auf geradezu wunderbare Weise ganz für sich allein wie ein Schüler in einer Medresse auswendig rezitierte und dabei allen widrigen Umständen trotzte. Die Politiker aber, welche kein Interesse daran hatten, die wunderbare Verfassung meines Lehrers (ustadh)zu verstehen, versuchten nun ihn irgendwie mit ihrer Politik in Verbindung zu bringen. Ja, sie warfen ihn sogar deswegen ins Gefängnis. Doch Gott der Gerechte machte seine Liebe zur Wissenschaft (ashk-i ilm)zu einem Schlüssel für die Wahrheiten (haqq)des Qur'an. Und so entstand die Risale-i Nur, die alle Leute der Wissenschaft und alle Philosophen in Erstaunen versetzte. Ich aber, der ich mein ganzes Leben auf der Suche war, fand endlich in meinem Lehrer (ustadh)jenen Mann Gottes (ihsan-i Ilahi),der mir in seiner Natur (fitrat)ähnlich war, über sie jedoch in weit größerem Umfange verfügte, und das in Kastamonu, ganz in meiner Nähe. Bis ans Ende meiner Tage werde ich dafür dankbar sein.
Auch hatte sich mein Lehrer (ustadh),um die Ehre der Wissenschaft (ilm)zu wahren, von jeher geweigert, Dinge
wie Almosen (sadaqa)und Geschenke anzunehmen und das auch seinen Schülern verboten. Er bittet nie um irgendetwas. Ja, er bewahrte sogar während des Krieges unter außergewöhnlichen Bedingungen, im Schützengraben kauernd an vorderster Front und wenn er Deckung suchen musste noch immer seine Würde als ein Gelehrter. {d.h. er verlor nie die Fassung, sondern nutzte jede Gefechtspause, um mit seinen Schülern, die ihm als Freiwillige dienten und deren Kommandant er war, weiter in aller Ruhe an seinem neuesten Buch zu arbeiten.} In gleicher Weise wahrte er nacheinander drei entsetzlichen Kommandanten gegenüber tapfer und, indem er ihrer Wut keine Beachtung schenkte, seine Ehre als ein Gelehrter und brachte sie so zum Schweigen. Deshalb habe ich auch diesen Lehrer (ustadh),seitdem ich wusste, dass er eine Persönlichkeit war, die, um die so hohe Ehre und Würde des Volkes, des Landes und der türkischen Gelehrten zu retten, bereit war, alles zu opfern, als meinen wahrhaftigen Meister (ustadh)angenommen. Hätte ein solcher Lehrer (ustadh),dem Land und dem Volk so aufrecht ergeben, den unmöglichen Fall einmal angenommen, auch hundert Fehler, man sollte sie mit den Augen der Barmherzigkeit betrachten und ihn nicht deswegen anklagen.
Ein Beispiel, das zeigt, dass die wahren Helden dieses Landes in der Zeit der Zweiten Konstitutionellen Monarchie (1908-20) und die Nationalisten und Patrioten der Republik den außerordentlichen Dienst, den dieser Gelehrte (ustadh)der Wissenschaft (ilm)erwies, im Namen des Landes und des Volkes zu würdigen wussten, ist Folgendes:
Für die nach dem Muster der Djami-ul Ezher geplante, Medressetu-z'Zehragenannte (Hochschule) in der Stadt Van im Osten (des Landes) legte die damals regierende Partei für Einheit und Fortschritt den Grundstein und bewilligte 19.000 Lira in Gold. Desgleichen hatte vor vierundzwanzig Jahren (1923) die Republikanische
Volkspartei dem Meister (ustadh)mit 163 Stimmen 150.000 Lira bewilligt, bestimmt für das Haus der Wissenschaften (daru-l'Funun).Da es unserem großen Meister (ustadh)beinahe gelungen wäre, ganz allein eine so große Universität, ähnlich der Djami-ul Ezher zu gründen, was anders doch nur dem gemeinsamen Einsatz von Tausenden Gelehrten (Hodja)gelungen wäre, zeigt, dass Patrioten, Menschen, die ihre Heimat lieben, zusammen mit den Gelehrten (ulema)aller Schulen (medresse)diesen Meister (ustadh)unbedingt und unter allen Umständen schätzen und anerkennen müssten. Was aber uns betrifft, so haben wir uns, da wir einen solchen Meister gefunden haben, entschlossen, jede Art von Mühen und Plagen auf uns zu nehmen. Ich verehre ihn, als einen ganz ungewöhnlich geschulten Wissenschaftler unserer Zeit, der mich infolge seines segensreichen Wirkens als Gelehrter und seiner Wahrhaftigkeit mit seinen 130 heiligen Werken dazu gebracht hat, auf diesem Wege des Glaubens und des Wissens fortzuschreiten, aus meinem ganzen Herzen. Möge Gott es wollen (insha-a'llah),dass diese Ehrerbietung sich in Ewigkeit fortsetzen wird.
Wessen mich nun der Öffentliche Ankläger beschuldigen will, trotzdem er doch bei monatelangen Nachforschungen und Hausdurchsuchungen am Ende nichts dergleichen verifizieren konnte, ist ein "Missbrauch der Religion und der religiösen Gefühle, um die Sicherheit des Staates zu untergraben", weshalb es auch eine derartige "Untergrundorganisation" weder gibt, noch haben wir mit einer solchen Organisation irgendeine Verbindung. Unsere einzige Verbindung ist die mit der Risale-i Nur, welche sich im Rahmen der Gesetze der Regierung dieser Republik (bewegt) und die man bereits peinlich genau daraufhin untersucht hat und die bereits von Seiten der Experten aus Leuten der höchsten Gremien die notwendige Anerkennung gefunden hat, weshalb sie denn auch von einem entsprechend autorisierten Gericht wieder freigegeben worden ist.
Deshalb ist dies auch kein Verrat am Land und am Volk, sondern ein Mühen, dem Land und dem Volk unmittelbar mit einem Wissen (ilm)zu dienen, das ihm nutzt. Wir haben darüber hinaus keine politischen Ziele und auch keine anderen selbstsüchtigen Interessen. Da also nun unsere Unschuld und unsere Aufrichtigkeit in dieser Angelegenheit offen liegen, fordere ich hiermit meinen Freispruch vor dem Hohen Gerichtshof und seiner Gerechtigkeit, damit die Gerechtigkeit offensichtlich werde, sowie dies ja auch bereits von dem Gericht in Denizli (bestätigt worden ist).
Mehmed Feyzi Pamuktju aus Kastamonu
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
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Ahmed Feyzis Verteidigungsrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Ehrenwerte Herren des Gerichtshofs!
Ist es nicht das Recht und die Pflicht eines Gläubigen, einen Religionslehrer (din alimi)aufzusuchen, seine Bücher über die Wahrheiten des Glaubens (din haqiqati)zu lesen und abzuschreiben und seinen Glaubensbrüdern zu Hilfe zu eilen, indem er seinem Glauben (din),dem Qur'an und dem Propheten dient, mit dem Friede und Segen sei? Gibt es etwa einen Paragraphen im Gesetz, der uns diesen Dienst am Glauben verbietet? Wenn wir gewisse Aspekte zeitgenössischer Strömungen des Unglaubens (kufr)und der Unmoral kritisieren, stellt das dann etwa ein Verbrechen dar? Wir sind lediglich eine Gruppe von rein religiös gesinnten Menschen, die überhaupt keine Verbindung mit der Politik noch mit der Verwaltung hat. Gut über andere zu denken und sie für wert zu halten, ist jedes (Menschen) persönliche Meinung.
Wir kennen Bediüzzaman als den größten Religionswissenschaftler (din alimi)unserer Zeit. Wir kennen ihn als einen Mann der Wahrheit (haqiqat adami),der die Glaubenswahrheiten verkündigt und erklärt, ohne dabei jemandem zu Munde zu reden. Wir nennen ihn einen "Mudjahid", weil er es unternimmt, gestützt auf die unerschütterlichen Wahrheiten des Qur'an gegen die Strömungen der Sittenlosigkeit und der Glaubenslosigkeit (iman),die unser Land bedrohen, zu verteidigen und somit dem Glauben (din)dient. In einem Lande, in dem Glaubens- und Gewissensfreiheit herrschen, kann man uns nicht für das zur Verantwortung ziehen, wovon wir in unserem Gewissen überzeugt sind. Deshalb sind wir auch nicht dazu verpflichtet, uns irgendwem gegenüber zu rechtfertigen.
Was die Frage bezüglich der Personen am Ende der Zeiten betrifft, über die uns eine Hadith Kunde gibt: Dieses Thema haben wir uns nicht selbst ausgedacht. Denn (die Hadithe) sind ein ursprünglicher Bestandteil unserer Religion (din).Der Prophet Gottes, mit dem Friede und Segen sei, sagt in einigen Hadithen, dass die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, das Jahr 1500 nicht wesentlich überschreiten werde. Über diese Zeit, welche für die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und das Leben in dieser Welt (dunya)von Wichtigkeit sein werde, berichtet er und nennt er die großen geschichtlichen Ereignisse "die Zeichen des Weltuntergangs (kiyamet)".So lenkte er die aufmerksamen Blicke der islamischen Gemeinschaft (ummah)auf die (damit verbundenen) Katastrophen (sherr).Man sagt, dass diejenigen, die in ihrer Gottvergessenheit (ghafla)und Unwissenheit von solchen Katastrophen heimgesucht werden, einen ewig bleibenden Schaden und Verlust erleiden werden. Dafür gibt es in den religiösen Schriften zahllose Beweise. Wir jedoch glauben an Gott, seinen Propheten und an den Qur'an. Sollten wir also nun aufgrund unserer Überzeugung, dass unser Glaube (iman)echt und der Prophet
wahrhaftig ist, uns etwa nicht darum bemühen, uns vor einem Untergang auf ewig zu retten? Sollten wir etwa nicht sehen, was um uns herum geschieht? Wenn wir also sagen: "Ist diese Zeit voller Gefahren bereits gekommen? Gebt Acht, dass nicht auch wir die Generation derer sind, die in Gefahr geraten ist!", sollten wir dann nicht auch zeigen, wie die bereits vorhandenen religiösen Wahrheiten angewandt werden können? Wenn wir die vor uns liegenden Beweise und Bestätigungen, die uns dahin führen, dass es einen Gott gibt (vudjud-u Ilahiye),die Zeugnisse und wissenschaftlichen Beweise für die Wahrheit nicht erkennen, sondern nur die Glaubenslosigkeit der Europäer als die größte Notwendigkeit der Zivilisation und Quelle der Erkenntnis annehmen, unseren eigenen Glauben aber verleugnen, wer wird uns dann noch vor dem ewigen Verderben erretten? Sollten wir da nicht einmal darüber nachdenken? Würde denn etwa ein Mensch, der so denkt und nichts kennt, was noch über dem Qur'an und seinen Wahrheiten steht, einzig aus Furcht vor vergänglichen Strafen sich auf ewig ins Verderben stürzen? Oder würde er vergänglichen Werten irgendeine Bedeutung beimessen? Würde er etwa seiner Aufgabe (vazifah),Gott, Seinem Propheten und dem Glauben (din)zu dienen, nicht länger mehr nachkommen? Dies sind also die tatsächlichen Faktoren, die uns an Bediüzzaman binden. Ja, gibt es vielleicht irgendeine andere Quelle des Glaubens (din),an der wir die ewigen Bedürfnisse unseres Geistes stillen könnten?
Dagegen empfiehlt uns der Herr Staatsanwalt jene Tausende von arabischen Schriften, die die Bibliotheken füllen, den Geist unserer Zeit aber nicht mehr interpretieren können. Der Herr Staatsanwalt und alle diejenigen, die so denken wie er, sind vielleicht nicht in der Lage, ein solches Kompendium des Wissens (ilm),eine solche Schatzkammer der Freiheit und der höheren Wahrheiten, wie die Risale-i Nur, richtig zu schätzen und zu würdigen, und mögen sie daher kritisieren. Aber das ist eine Angelegenheit
ihrer eigenen Erkenntnis. Doch sollten sie sich bitte nicht in diese oder jene Dinge einmischen oder deren Wert bemessen! Wir lieben die Risale-i Nur. Und wir wissen, dass sie ein wahrheitsgetreues und ungeheucheltes Buch des Glaubens (din)und ein Kommentar (tefthir)zum Qur'an ist. Wertvorstellungen und Werturteile sind eine Frage der Gewissensentscheidung. Und damit sollte sich kein anderer befassen! Wir stimmen in der Tat darin überein, dass der Verfasser der Risale-i Nur stets nur die reine Wahrheit offen gelegt hat (und somit der wahre Kommentator der Endzeit ist. - A.d.Ü.). Wenn er auch für sich selbst nicht darin übereinstimmt, so kann das doch nicht unsere Überzeugung erschüttern. Diese Akzeptanz liegt einzig bei uns; und das nicht aufgrund irgendwelcher Wunder (keramet),sondern weil wir Zeuge seines wundervollen Unterrichts (ders)in der Risale-i Nur und seiner so vollkommenen Klarheit geworden sind, welche die gesamte wissenschaftliche Welt (djihan-i irfan)durch das Wunder seiner Gelehrsamkeit (keramet-i ilmiye)herausfordert. Obwohl doch seine schulische Bildung nicht mehr als drei Monate umfasste, strahlte seine Gelehrsamkeit (feys-i ilm)in einem solchen Ausmaß und das Wunder seiner Bildung (ilm)in den letzten Fragen der Wissenschaft (ilm)war von einer so erhabenen Logik (mantik aliye),dass selbst noch die größten Denker unter den Gelehrten (ali)staunend davor stehen bleiben. Obwohl er das alles in einer Sprache (ausdrücken musste), die er erst in der zweiten Hälfte seines Lebens erlernt hatte, war der Stil seines Ausdrucks so fesselnd, von solch einem Feuer der Begeisterung, strahlte seine Liebe (ashk)so viel Segen (feyz)aus, war seine Begeisterung derart überschwänglich, sein Glaube (iman)glich einem Ozean, einer Schatzkammer der göttlichen Einheit (Tauhid),einem Meer, das von Weisheit übersprudelt. Könntet ihr mir vielleicht einen zweiten Bediüzzaman zeigen?
Haltet ihr es vielleicht für übertrieben, wenn wir den für einen Meister (ustadh)halten, der allem äußeren Prunk
und Pracht kein bisschen zugeneigt und nicht daran interessiert war, der sich auch nicht zu dem kleinsten bisschen Freude und Genuss erniedrigte, der keinem derer auch nur den geringsten Wert beimaß, die anderen zu Munde reden und die Füße vergänglichen Unrats umschmeicheln, der nichts von niemandem erwartet oder erbittet, und nichts annimmt, was ihm angeboten wird, der das beste Beispiel an Reinheit und Sittenstrenge gab und lebte, der geduldig jede Art von Entbehrung ertrug und, indem er ihr die Stirn bot, sich der Wahrheit (haqiqat),den Lichtern des Qur'an und den Erkenntnissen Mohammeds widmete, mit dem Frieden und Segen sei, der aus der Fülle seines Mitleids und in all seiner Liebe (shefqat)über das Leiden des Landes und des Volkes weint, der es, trotz so vieler Beleidigungen, die man ihm zugefügt hat, niemals aufgab, dem Wohlergehen aller zu dienen, die ihn umgaben, der, seines Alters und seiner Einsamkeit nicht achtend, selbstlos, uneigennützig und mit geradezu göttlichem Eifer sich bemüht und darum kämpft, die Menschen vor dem Abgrund der Unwissenheit und dem Strudel der Verleugnung zu retten? In Ergänzung zu den oben beschriebenen Wundern seiner Gelehrsamkeit (kerameti ilmiye)ist er es auch würdig, schon durch sein vollkommenes Vorbild und als einer, der den Weg (mihrab)der Tugend weist, durch seine beispiellose Entsagung und Enthaltsamkeit (istighna),und wenn er sich, in einer Zeit, in der die moralischen Werte zugrunde gehen, als ein Vorbild an Sittlichkeit und Geradlinigkeit erweist, bekannt zu werden, und dass man ihm nachfolgt.
Dies also ist unsere Sichtweise, wie wir Bediüzzaman und seine Werke betrachten. Ja, ist es denn, nur weil wir aufgrund unseres Glaubens (iman)so sehr mit dieser Persönlichkeit verbunden sind, und weil wir uns aufgrund unseres Glaubens (iman)an der heftigen Zurückweisung und Verachtung in den Fragen des Unglaubens (kufr)und der Moral (ahlak)durch den Qur'an und die Verkündigung Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, beteiligen,
dass man uns zu Politikern macht, die sich mit vergänglichem Unrat (beschäftigen)? Wenn nun seit fünfundzwanzig Jahren in unseren Familien ein Teil der Kinder die Wahrheiten (haqiqat)unseres Glaubens (din)nicht mehr lernen kann und dem sicheren Untergang entgegengeht und wir nun, um sie vor dem ewigen Verderben zu retten und ihre reinen Seelen (ruh)in ihrem unschuldigen Gewissen zu formen (islah),ihnen von Gott und seinen Propheten, die Wahrheit und den Qur'an Kunde geben, kann man dann sagen, dass wir sie verdorben hätten?
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
Wir sind keineswegs Politiker. Wir sehen die Politik für politische Laien, wie wir es sind, als ein Handwerk, das mit 1001 verschiedenen Verlusten, Gefahren und Verantwortlichkeiten verbunden ist. Auf die vergänglichen, äußerlichen Dinge legen wir ja keinen Wert. Achten wir doch in dieser Welt (dunya)nur auf die guten Dinge, durch die wir das Wohlgefallen Gottes (riza-yi Ilahiye)erlangen können. Wir weisen daher entschieden die Beschuldigung zurück, der Politik hinterherzulaufen und das Konzept des Staates anzugreifen. Hätte es je eine solche Absicht gegeben, hätte es doch in fünfundzwanzig Jahren wenigstens eine einzige, bedeutungslose Demonstration gegeben. Wir haben in der Tat eine Negativ-Front, eine Flanke, die uns voller Kritik ihr Gesicht der Sittenlosigkeit und des Unglaubens zuwendet. Solches aber entsteht nur aus dem Glauben (iman)und daraus, dass wir uns notwendigerweise an den heftigen Erklärungen und dem schweren Tadel des Qur'an beteiligen, die sich mit den obigen Themen beschäftigen. Wenn euch diese Begründung, diese Art einer ehrlichen und aufrichtigen (ikhlas),lauteren und wahrheitsgemäßen (haqiqat)Erklärung nicht überzeugt hat, könnt ihr uns verurteilen, zu welcher Strafe auch immer euch beliebt. Doch vergesst dabei nicht, dass Hasret Isa, mit dem der Friede sei, und dem sich heute 600.000.000 Nachfolger angeschlossen haben, von den Herrschern seiner Zeit
"unter gemeinen Dieben" zum Tode verurteilt wurde, einzig und allein deshalb, weil sein Herz (qalb)für das Glück der Menschen schlug und er das Unterpfand (emanet)seiner Verkündigung (tebligh)auf sich genommen hatte. So haben wir denn nun frei heraus gesprochen und werden jetzt mit Stolz unsere Verurteilung erwarten. Mit dem Ruf
حَسْبُنَا اللّٰهُ وَ نِعْمَ الْوَكِيلُ
{"Gott ist unser befriedigender Anteil und unser vorzüglicher Sachwalter." (Sure 3, 173)}
öffnen wir an der Schwelle dessen, der über unsere Bedürfnisse entscheidet, unsere Hände.
Ahmed Feyzi Kul aus dem Bezirk Ortaklar
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
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Djeylans Verteidigungsrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Während der Öffentliche Ankläger aus einem Korn eine ganze Kuppel baut, nehme ich es mit Stolz auf mich, wegen meines Dienstes an meinem Meister (ustadh)und der Risale-i Nur als großer Diplomat und als ein Intrigant hingestellt zu werden, wobei man mir einen großen Anteil an dem angeblichen Verbrechen gibt, mit dem man die Risale-i Nur aufgesattelt hat. Dem entgegen sage ich: Da ich die Abhandlungen über Religion (din)und Glaube (imam)gelesen habe und einen solchen Nutzen aus ihnen gezogen habe, dass ich (heute) bereit bin, ohne zu zögern (selbst) mein Leben dafür hinzugeben, bin ich meinem Meister Bediüzzaman eng verbunden. Jedoch ist diese Verbundenheit nicht etwa, wie der Öffentliche Ankläger
gesagt hat, zum Schaden von Land und Nation, (mit dem Zweck) das Volk gegen den Staat aufzuhetzen, (sondern dient vielmehr dazu), auf diesem Weg mich und die meinigen in dieser gefährlichen Zeit, wo der Glaube gerettet werden muss, vor der Hinrichtung auf ewige (Zeit) im Grabe zu retten, vor der kein Mensch allein gerettet werden kann und zugleich auch den Glauben (iman)meiner Mitbrüder (din)zu retten, deren Gesittung ausgerichtet werden muss, damit sie zu nützlichen Gliedern des Volkes und des Landes werden, und ist somit eine Verbundenheit, die niemals reißt und nicht zerrissen werden kann.
Ich bin einer von denen, die ihm nahe stehen. Während etwa vier Jahren habe ich ihm mit Stolz gedient. In dieser ganzen Zeit war ich niemals Zeuge von etwas anderem als einzig seiner Rechtschaffenheit. Aus seinem Munde habe ich nicht ein einziges Mal etwas darüber gehört, dass er der Mehdi oder ein Erneuerer des Glaubens (mudjeddid)wäre. Für seine vollkommene Bescheidenheit zeugen Hunderttausende aufrichtiger Nurdjus, die durch mehr als Hunderttausende Kopien der Risale-i Nur und deren Studium ihren Glauben gerettet haben.
Jener gesegnete Meister (mubarek Ustadh)sieht sich selbst genauso wie wir als einen Schüler der Risale-i Nur und genau das sagt er auch. Dies lässt sich aus all den vielen Briefen, die sich in euren Händen befinden, besonders aber aus der Abhandlung über die Wahrhaftigkeit (Ikhlas Risalesi)mit Leichtigkeit entnehmen. Obwohl er nun in seinen Abhandlungen (risalah)und in seinen Briefen des Öfteren erwähnt: "Ewige (baqi),sonnenklare, diamantengleiche Wahrheiten können nicht auf vergänglichen Personen aufgebaut werden und vergängliche Personen können auf diese kostbaren Wahrheiten (haqiqat)keinen Anspruch erheben.", bleibt das Urteil, diese Person lobe nur sich selbst und behaupte so, der Mehdi oder ein Erneuerer des Glaubens (mudjeddid)zu sein, (ein Anspruch), den kein vernünftig denkender Mensch erheben könnte.
Denn wenn ihr alle seine Abhandlungen (risalah)und Briefe sorgfältig und aufmerksam lest, werdet auch ihr zu der sicheren Überzeugung gelangen, dass dieser ehrenwerte große Gelehrte seiner Zeit (allame-i zaman)ein Religionswissenschaftler (din alimi)ist, wie man ihn seit Jahrhunderten nicht mehr gesehen hat, ein Retter des Glaubens (iman),wie man seinesgleichen nicht mehr begegnen wird, der noch dazu als ein Patriot in einer Zeit, da die roten Flammen des Bolschewismus sich bereit machen, auf die Dächer unserer Häuser überzuspringen, weit mehr Nutzen und Segen (bereket)für Land und Volk zu bringen vermag, als ein ganzes Heer. So bedaure ich denn nur, dass ich nicht schon früher der Schüler eines solchen Werkes und des verehrten Meisters (ustadh)geworden bin, der dieses Werk verfasst hat.
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
In der Absicht, dass die Söhne des Vaterlandes, nachdem ich selbst die zahllosen Verdienste der Risale-i Nur erfahren hatte, nun selbst ihren Nutzen aus ihr ziehen mögen, habe ich mit offizieller Erlaubnis den "Wegweiser für die Jugend (Gentjlik Rehberi)"in Eskishehir drucken lassen, um dem Volk damit einen heiligen Dienst zu erweisen. Während also ein so armseliger (Mensch) wie ich, für seinen Dienst an der Risale-i Nur, die doch ein wahrhaftiger und unwiderlegbarer Kommentar (tefthir)zum Qur'an und dadurch auch (ein Dienst) am Glauben ist, eigentlich Lob und Anerkennung verdient und sehr viel Ermutigung nötig hätte, frage ich Sie hier nun, inwieweit eine derart schwerwiegende Behandlung nicht einen direkten Widerspruch zur Wahrheitsfindung der Justiz (haqiqat-i adalet)darstellt. So fordere ich denn nun von eurem gerechten Gericht, die Risale-i Nur wieder frei zu geben, welche die Nahrung unserer Seele (ruh),der Grund unserer Errettung und der Schlüssel unserer Ewigen Glückseligkeit ist. Falls die Umstände, von denen ich einige oben bereits erwähnt und aufgezählt habe, in euren Augen ein Verbrechen darstellen, erkläre ich mich bereit,
selbst noch die schwerste Strafe, die ihr dafür verhängen werdet, mit völliger Zufriedenheit in meinem Herzen (qalb)anzunehmen.
Djeylan Tjalishkan aus Emirdagh
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
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Mustafa Osmans Verteidigungrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Was jene Fragen bezüglich der Verbrechen betrifft, die man mir unterstellt hat, nämlich die Behauptung, an angeblichen Aktivitäten gegen die Regierung teilgenommen zu haben, deren man Bediüzzaman Said Nursi verdächtigt, und den man zugleich auch beschuldigt eine Geheimorganisation errichtet zu haben und sich unter Missbrauch religiöser Gefühle an Aktivitäten beteiligt zu haben, die geeignet wären, die Sicherheit des Staates zu gefährden, so sage ich:
Erstens:
Wie so viele Schüler der Risale-i Nur habe ich in der Tat begonnen, die Abhandlungen der Risale-i Nur zu sammeln und zu lesen, in der Absicht, so eine religiös-kulturelle Erziehung zu erhalten und Qur'anische Gesittung zu erlernen, was doch Kennzeichen des Volkes ist, würdig eines wahren Türkentums und der Islamiyet und für uns eine historische Ehre und Würde. So wollte ich ein nützliches Glied des Landes und des Volkes werden, mich vor den Einflüssen der fremdländischen Ideologien schützen, mich über meine Religion (din)unterrichten und so meinen Glauben (iman)bewahren.
Doch wie könnte man so etwas als ein Verbrechen betrachten, in einer Zeit, da Laster und Immoralität die Ehre und die Verhaltensweise unserer Vorväter, welche die Geschichte berühmt gemacht hat, mit Füßen treten, das
Leben der Gesellschaft vergiftet und in die Gosse gespült haben, in einem Ausmaß, dass sie selbst noch die unmoralische, alarmierende öffentliche Meinung verabscheuen, sodass in jedem Haus darüber gelästert wird, sodass diese belastende Situation, welche keinen Anlass zur Kritik in Form von Nachrichten über die Sittenpolizei gibt und über viele andere Themen in den Zeitungen und Illustrierten, die das Sprachorgan der öffentlichen Meinung sind, sich rasch verbreiten und so auf ziemlich einfache Weise Allgemeingut werden - die Risale-i Nur in einer solchen Zeit zu lesen, was mich durch seine religiösen, gesellschaftskritischen, ethischen und moralischen Unterweisungen aus dem Pfuhl der Sittenlosigkeit, in den ich gestürzt war, gerettet hat, so wie es alle Muslime rettet, die sie lesen, und sie meinen Landsleuten zu geben, wo sie doch so inständig darum bitten, sobald sie wussten und gehört hatten, dass ich diese Werke lese, sodass es auch ihre Moral wieder aufrichte, und so durch die Risale-i Nur und ihre wirkungsvollen Lehren als ihr Diener und Werkzeug diese Menschen zu retten, die bereits ihre Verankerung verloren hatten und somit eine Gefahr für Volk und Land geworden waren, und sie ihnen zu lesen zu geben, da es ihnen helfen würde, wieder nützlich zu werden für die Menschheit - wie aber könnte man so etwas als ein Verbrechen bezeichnen?
Es ist Bediüzzamans leuchtende, wirkungsvolle Waffe in seinem heiligen, moralischen Kampf, die allen Lobes und aller Anerkennung würdig ist. Durch seine wirkungsvollen Lehren über die Religion ist er ein Mudjahid, der gegen die gefährliche rote Seuche des Kommunismus kämpft, die sich wie die Pest in unserem Lande ausbreitet und die ganze Welt erzittern lässt. Wie kann man es mir nur als ein Verbrechen anrechnen, diese Abhandlungen an die Menschen weitergegeben zu haben, wenn sich doch dadurch in 20 Jahren 20.000 Menschen oder vielleicht sogar mehr zu nützlichen Gliedern des Landes und der Gesellschaft transformiert haben?
Und wie kann man denn in gleicher Weise Anklage erheben gegen ihren ehrenwerten Verfasser? Diese Frage stelle ich an Ihr Gewissen.
Zweitens:
Die Hadith, von der der Öffentliche Ankläger behauptet, sie sei falsch und müsse daher als unwissenschaftlich gewertet werden, ist eine Hadith, die in den Sammlungen der Hadithe als "echt (sahih)"aufgeführt wird. Das ist eine Tatsache, die die entsprechenden Gelehrten (hadith alimleri)bereits in der (Zeit) der Parlamentarischen Monarchie (Meshrutiyet)anerkannt hatten, ebenso wie die Auslegungen und die Antworten Bediüzzamans auf die Fragen, die man ihm in Verbindung mit den Fragen gestellt hatte, die ihm die Japaner übermittelt hatten (sowie den Fragen, die ihm drei Jahre später) die Anglikanische Kirche vorgelegt hatten und die sich nun in den Abhandlungen wiederfinden, die "Der Fünfte Strahl genannt werden. Die damaligen Koryphäen (allame)unter den Istanbuler Gelehrten (alim)hatten diese Fragen an den ehrenwerten Verfasser dieser Abhandlungen weitergegeben und selbst die bedeutendsten unter ihnen hatten nichts gegen seine Antworten einzuwenden, was definitiv bestätigt, dass diese Hadith echt (sahih)ist.
Darüber hinaus sind alle Wahrheiten (haqiqat)und Unterweisungen (ders)in der Risale-i Nur und nicht nur ein Teil von ihnen so machtvoll, dass kein wahrer islamischer Gelehrter etwas gegen sie einwenden könnte, sodass vor allem das Amt für religiöse Angelegenheiten (diyanet)und alle wahren Gelehrten im ganzen Land sie seit der Zeit der Parlamentarischen Monarchie (Meshrutiyet)notwendigerweise akzeptieren und respektieren müssen. Die Einwände von zwei oder drei Leuten, die sich als Gelehrte (alim)bezeichnen, denen es jedoch an jeglichem soliden Wissen mangelt, können diese Wahrheiten (haqiqat)und machtvollen Beweise nicht entkräften. Sie sind einfach zu lächerlich. Ist es etwa Betrug, wenn man ein Dankschreiben an den Verfasser (der Risale-i Nur) schickt, wenn doch jemand an die Wahrheiten des Qur'an
gebunden ist und an den Glauben, den sie beinhaltet, deren geistige und materielle Verdienste klar zu Tage treten und die über das ganze Land von Menschen aller Bevölkerungsschichten voller Begeisterung studiert werden, um ihr ewiges Leben vor dem Untergang zu retten, aus der Tausende Landsleute ihren Nutzen gezogen haben, wofür sie ihrem Verfasser ewig Dank schulden, weil er ihren Glauben gerettet hat? (Ist es denn Betrug), wenn man sich auf die nicht zu leugnenden Wahrheiten stützt, welche von dieser Hadith bestätigt werden, in der man einen Angriff zu erkennen glaubt, wenn man bestimmte Ereignisse und Abläufe betrachtet, die sich in diesem Lande zugetragen haben und auf die sich die Hadith bezieht? Nimmt man einmal an, dass es sich so verhält und stützt sich dabei auf die Aussagen zahlreicher islamischer Gelehrter und betrachtet dabei (die Dinge) als einen Sieg des Qur'an, so führt das dazu, gewisse Irrtümer zu korrigieren, womit man dann auch zufrieden sein kann. Legt man dann diese Betrachtungsweise ganz privat seinem Meister vor, dessen Werk bereits allgemeine Beachtung gefunden hat und hofft dabei doch, dass dieses Land nicht in Anarchie verfallen möge und so der Roten Gefahr in die Arme fiele, weswegen dann die ganze Welt erzittern wird - nennt man dies dann einen Verrat an der Regierung? Oder heißt das etwa, man wolle die Reformen (der Regierung) kritisieren?
Und obwohl doch verschiedene Gerichtshöfe diesen Wissenschaftler, der doch Lob und alle Anerkennung verdiente und der ja, obwohl er doch bereits hochbetagt ist, als ein Einsiedler völlig auf sich allein gestellt lebt, von denselben Verleumdungen bereits einmal freigesprochen haben, hat man ihn dennoch unter den gleichen Verdächtigungen (erneut) verhaftet, ihn in Einzelhaft gehalten und ihn vor Gericht gestellt. (Soll das nun heißen, dass man auch) unseren eigenen Standpunkt einer wissenschaftlichen Betrachtung und unsere Arbeit um die Rettung unseres Glaubens (iman)für ein Verbrechen hält
und das als einen Beweis und ein Zeugnis für das Verbrechen der Gefährdung der Sicherheit des Staates vorbringt? Wessen Gewissens gerechtes Urteil sollte das nun sein? Das frage ich Ihr Gericht und (überlasse die Antwort) Ihrem Gewissen.
Drittens:
Was nun den Vorwurf betrifft, jemand habe "Bilder von Bediüzzaman wie einen heiligen Gegenstand getragen, seine Briefe gesammelt und mit ihm korrespondiert": Nicht nur ein einfaches Bild von einem Lehrer (alim)für alle (Menschen) und einem ehrenwerten Autor zu tragen, der mein inneres (manevi),Ewiges (baqi)Leben (hayat)vor der Verlorenheit gerettet und mir erlaubt hat, das Glück und die Freude meines materiellen Daseins zu genießen, der durch seine Werke den Glauben (iman)Tausender wie mich gerettet hat, sondern ein Bild, das mit Gold und Juwelen geschmückt wäre und ihm Segenswünsche (tebrik)und Briefe zu senden, andere kennen zu lernen, die ihn lieben, ist nicht nur (das Recht) jedes einzelnen Mitglieds der menschlichen Gemeinschaft, sondern auch mein eigenes Recht. Ich glaube nicht dass dieses mein Recht ein Verbrechen darstellt. Darum ist dies mein letztes Wort: Wie die Polizei zweier Provinzen und zahlreicher Städte (Dem Sprichwort: "Wer ist der Weise? Der, dem dies zugestoßen ist!") zufolge bezeugen kann {denn nur in diesen beiden Provinzen hatte die Polizei direkten Kontakt mit den Nurdjus (A.d.Ü.)} haben die Nurdjus, um diesem Lande, dem Volk und der menschlichen Gemeinschaft dienen zu können, sich durch die Risale-i Nur davor retten können, ohne ein Ziel zu sein und waren zugleich auch ein Fahrzeug zur Rettung anderer. Obwohl der patriotische Dienst, den sie jahrelang für ihr Land und seine Regierung geleistet haben, in der Tat größer ist als (der Einsatz) einer Abteilung Tausender Polizisten und aller Würdigung und Anerkennung wert wäre, hat man ihn dennoch falsch ausgelegt. So sind wir denn verhaftet und vor Gericht gestellt worden,
wenn auch völlig willkürlich und auf Betreiben einer ausländischen Macht. All unsere Arbeit und unser Erwerb wurden dabei ganz und gar zugrunde gerichtet. Unsere armen Frauen und Kinder wurden dadurch ins Elend gestürzt und sind weinend zurückgeblieben. Welchen demokratischen Gesetzen entspricht denn das? Mit was für einem gerechten und gewissenhaften Urteil eines beeidigen und zuverlässigen Richters wäre dies zu vereinbaren? Diese Frage möchte ich Ihrem Gericht und Ihrem Gewissen vorlegen. Ich fordere von dem ehrenwerten Gericht, welches Recht spricht im Namen der gerechten türkischen Nation und ihres Hohen Gerichtshofs, dass diese Werke, ihre zahllosen Verdienste und Vorzüge, die so offensichtlich und unbestreitbar sind, wieder freigegeben werden und dass man uns (aus der Haft) entlässt.
Mustafa Osman aus Safranbolu
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
* * *
Hifzi Bayrams Verteidigungrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Man hat mich angeklagt, einige der Werke des islamischen Gelehrten (Islam alimi)Bediüzzaman gelesen zu haben, welche die Wahrheiten (haqaiq)des Qur'an und des Glaubens (iman)lehren und von großem Nutzen für das Land und das Volk sind. Er wird beschuldigt, die religiösen Empfindungen (des Volkes) zu missbrauchen und dadurch versucht zu haben, die Sicherheit des Staates zu gefährden. Auch soll ich einige seiner Abhandlungen (ders)von ihm erhalten und auf deren Wunsch an einige Bekannte weitergegeben haben, mit dem Wunsch, dass dies zu ihrem Besten sein möge und sie ihnen dazu dienen mögen, aus ihnen Unterricht im Glauben (ders-i imaniye)
und eine ethisch-religiöse Erziehung zu gewinnen, die unsere nationalen Kennzeichen sind, und das, nachdem auch ich aus ihnen einen großen Gewinn im Glauben (din ve iman)erfahren hatte und durch sie eine Qur'anische Gesittung (ahlak-i qur'aniye)erwerben konnte. Darüber hinaus hat man mich verdächtigt, private oder auch wissenschaftliche Briefe von einer Anzahl meiner Bekannten empfangen zu haben, weshalb man mich nun für einen Konspiranten des oben Erwähnten hält. Die oben erwähnten Anklagepunkte, aufgrund derer man mich beschuldigt, weise ich wie folgt zurück:
Erstens:
Ich habe die Risale-i Nur, die bereits in einem früheren Gerichtsverfahren untersucht, für unbedenklich erklärt und ihrem Verfasser wieder zurückgegeben worden ist und die von den Gelehrten (ulema)des Landes entsprechend gewürdigt und gepriesen worden ist, nicht mit dieser bösen Absicht gelesen, die mir der Öffentliche Ankläger zu unterstellen versucht. Ich habe jede ihrer Abhandlungen (risalah)vom Anfang bis zum Ende als eine bedeutende Auslegung (tefthir)des Qur'an gelesen, die den Islam in wirkungsvoller Weise lehrt und religiöse Unterweisung so erteilt, dass die Menschen durch sie moralisch bereichert werden, besondere Vorzüge erlangen und das Volk davor bewahrt bleibt, in den Abgrund hinunter zu stürzen. So betrachtet hatte ich jedoch nie daran gedacht, dass diese Abhandlungen (eser),die für Volk und Land, ja sogar für die ganze Menschheit die größte innere Hilfe und nur das Beste beitragen, zu lesen, in der Absicht, meinen Glauben (iman)zu bewahren, meine Religion (din)zu studieren und sie einigen anderen zu übermitteln, ein Verbrechen sein sollte. Denn nirgendwo wurde irgendein Ereignis von der Polizei beobachtet oder berichtet, an dem Nurdjus zum Schaden des Landes, der Nation und der Regierung beteiligt gewesen wären. Außerdem ist es völlig unangebracht, zu sagen: "Man achtet bei der Lektüre und beim Studium auf die Geheimhaltung.", und so den Verdacht zu hegen, es handle sich
hier um eine Geheimorganisation. Denn was die Nurdjus betrifft, so stehen sie mit gar keiner Vereinigung in Verbindung, sei sie nun wissenschaftlich, politisch, geheim oder öffentlich. Ja, diese Anklagen gegen Bediüzzaman zusammen mit vielen anderen sind vor einigen Jahren schon einmal (vorgebracht worden). Man hatte sie vor den Hohen Strafgerichtshof in Denizli zitiert und ihnen den Prozess gemacht. Doch obwohl alle Abhandlungen (risalah)Stück für Stück und von vorne bis hinten eingehend untersucht worden sind, hat man sie am Ende alle zusammen wieder freigegeben. Nachdem also diese Werke und ihr Verfasser freigesprochen sind, weiß ich nun nicht, in welchem Grade dieses Gesamtwerk zu lesen und es (anderen) zu lesen zu geben, als Beweis und Anklagepunkt wegen eines besonders schweren Verbrechens gegen die Sicherheit des Staates und wegen Hochverrats vorzubringen, den Erfordernissen der Gerechtigkeit (idjab-i adalet)entspricht. Ich überlasse also dies Ihrem Gewissen.
Zweitens:
Außerdem hat mir irgendein Unbekannter während meiner Gefangenschaft eine Abhandlung (risalah)zugeschickt, was denn ein weiterer Punkt der Anklage gegen mich wurde. Ich habe diese Abhandlung nicht gesehen. Über eine Mitteilung, worum es sich dabei handelt, verfüge ich auch nicht. Wenn es sich dabei um die Risale-i Nur handelt, übernehme ich dafür die Verantwortung. Also fragen Sie mich (dementsprechend) und ich werde Ihnen antworten. Ich habe lediglich gehört, dass der Herr Staatsanwalt in seiner Anklageschrift das Mehditum erwähnt. Doch mein Meister (ustadh)ist von derartigen Beschuldigungen frei. Gleichwie ich aus seinem Munde noch nie solche Dinge gehört habe, habe ich sie auch in seinen Werken nicht gesehen. Und seinen Schülern hat er bei jeder Gelegenheit untersagt, seiner Person eine solche Ehre (zu erweisen), ihn mit so viel Ehrfurcht (zu behandeln) oder ihm einen derartigen Status (zuzuerkennen). Auch hat er solche, die ihm in ihren Briefen eine
derartige Ehrfurcht entgegenbrachten, dafür getadelt. Wir wissen nur, dass er von jeglicher Sucht nach Rang (hubb-u djah)und Namen frei, vielmehr der bedeutendste Gelehrte (alim)unserer Zeit und ein scharfsinniger Lehrer und Wissenschaftler (ilm-i tahqiq hodjasi)ist.
Der Gefangene
Hifzi Bayram
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Emirdaghli Mustafas Verteidigungrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
(Zu dem Vorwurf) des Öffentlichen Anklägers, an dem vermeintlichen Verbrechen meines Lehrers Bediüzzaman mitbeteiligt zu sein, möchte ich kurz wie folgt Stellung nehmen:
Wegen einer solchen Verbundenheit empfinde ich auch nicht ein Stäubchen Reue. Denn der Dienst, den ich meinem Meister (ustadh)und der Risale-i Nur erwiesen habe, ähnelt nur einem Tropfen gegenüber einem Ozean von Huld und Güte (ihsan).Doch so wie man ohne zu zögern bereit wäre, ein paar kleine Stückchen Glas zu opfern, um in den Besitz eines Schatzes voll kostbarer Diamanten zu gelangen, bin auch ich jederzeit bereit, mein Leben für die Risale-i Nur zu opfern, die doch das Mittel ist, durch das ich mein Ewiges Leben (ebedi hayat)retten kann. Wegen der Risale-i Nur, die sich als ein unendlicher Gewinn in dieser und in jener Welt bewahrheitet hat, aufgrund dieser vergänglichen, unbedeutenden Haftstrafen und Unbequemlichkeiten und damit uns in diesem kurzen, unruhevollen irdischen Leben (hayat-i dunyevi)kein Leid geschehen möge auf einen so großen Gewinn zu verzichten und so der Risale-i Nur und meinem Lehrer (ustadh)gegenüber gleichgültig zu werden, betrachte ich
gegenüber diesem gesegneten Meister (ustadh),diesem großen, geheiligten Gelehrten unserer Zeit (allame-i saman),dem Glauben (iman)und dem Qur'an, die doch sein einziges Ziel sind, als den eigentlichen Hochverrat. Ich möchte von dem, was er erlaubt und was er anordnet, auch nicht einen Fingerbreit abweichen.
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
Warum betrachtet man, wenn (in einer Zeit, da) der Bolschewismus seine giftigen Mikroben über unserer schönen Heimat ausstreuen will, ein bedeutender Religionswissenschaftler dagegen eine mächtige Front aufrichtet und nun meine Wenigkeit sein Schüler wird, dies als übertrieben? Die (derzeitigen) Verhältnisse beweisen jedoch zweifelsfrei, dass die Vordringlichkeit der Risale-i Nur (die Notwendigkeit) irdischen Reichtums bei weitem übersteigt. Damit über eine Million junger Türken, gleich mir, ihren Glauben (iman)retten und verantwortungsbewusste Bürger des Landes werden können, gebt meinen Lehrer (ustadh)und die Risale-i Nur frei! Wir jungen Türken brauchen die Risale-i Nur Tausende Male mehr als einer, der im Kerker eingesperrt ist, die Luft; mehr als einer, der in tiefer Finsternis lebt, das Licht; mehr als einer, der in der Wüste hungrig und ohne Wasser dürstet, Wasser und Nahrung; mehr als einer, der im Meer zu ertrinken droht, ein Rettungsboot braucht. Wenn man also nun uns, die wir aufgrund der oben erwähnten Tatsachen, von denen ich nur einige aufgezählt habe, durch ein unzerreißbares Seil mit Bediüzzaman verbunden sind, über den wir uns eine außerordentlich gute Meinung (husn-u zan)gebildet haben, und der (all unseren) Respekt gewonnen hat, und die wir in bester Absicht seine Schüler geworden sind, in diesem so bedauernswerten (Zustand) hier in diesem Gefängnis zugrunde gehen lassen will, so ist das unvereinbar mit dem Ansehen der Gerechtigkeit (adalet).
Mustafa Adjet aus Emirdagh
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
Halil Tjalishkans Verteidigungrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
In der mir vom Herrn Staatsanwalt überreichten Anklageschrift wird mein Dienst für meinen Herrn und Meister (Üstadim efendime)als ein großes Verbrechen angesehen. Mein Meister erwies unserer Stadt 1944 die Ehre und wohnte dort vier Jahre lang als Gast. Er hatte bereits vor vierzig Jahren alle weltlichen Annehmlichkeiten und Bequemlichkeiten aufgegeben und arbeitet nun nur noch für den Glauben und die Islamiyet und besonders, um durch den Glauben die Ewige Glückseligkeit (saadet-i ebediye)der Muslime für das jenseitige (Leben) zu retten. Durch die Lehren (ders)der Risale-i Nur über den Glauben (iman)und die Moral (ahlak)hat er eine Barriere gegen die gefährliche bolschewistische Ideologie und andere, ähnliche Strömungen aufgebaut, deren materieller wie geistiger Schaden, den sie ganz besonders im Glauben (din)unseres Volkes anrichtet, in unserer Religion (din)gewaltige Zerstörungen verursacht. Ja, stellen denn diese etwa drei Jahre eines Dienstes an der Risale-i Nur und an meinem Lehrer (ustadh),die allen Lobes und aller Anerkennung durch alle Gelehrten der Welt würdig sind, und auf die (ich durchaus) stolz bin, in den Augen des Gesetzes (adalet)ein Verbrechen dar? Und sollte man es gleichfalls als ein Verbrechen ansehen, (wie hier in dieser Anklageschrift) geschrieben steht, wenn ich um dieses Dienstes willen (mein Handwerk als) Schneider aufgegeben habe? Würde, wenn ich für die Risale-i Nur, die doch wirklich ein Kommentar zur Wahrheit und Gerechtigkeit und zum Qur'an ist und für meinen Meister (ustadh)mein Leben opferte, mir das als ein Verbrechen angerechnet werden, ich selbst somit ein Vaterlandsverräter sein? Das frage ich euch!
Hochehrenwerter Präsident des Gerichts!
Ich habe einige Abschnitte aus der Risale-i Nur gelesen und abgeschrieben. Gott dem Gerechten sei unendlicher Dank dafür, dass ich durch die außerordentliche Sehnsucht nach Wissen (ilm),die in meinem Herzen (qalb)lebt, Nutzen aus diesen Abhandlungen (risalah)zu ziehen begann. Und obwohl ich eng mit ihnen verbunden bin, habe ich doch nichts in ihnen gefunden, was (geeignet gewesen wäre), das Volk gegen die Regierung aufzuhetzen, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gefährden oder einen Geheimbund zu gründen, noch habe ich irgendetwas von meinem Lehrer (ustadh)über das Mehditum oder über einen Erneuerer des Glaubens (mudjeddid)oder dergleichen andere Bewegungen gehört. Das einzige Ziel der Risale-i Nur und meines Lehrers (ustadh)und uns Schülern ist es, der Islamiyet und besonders dem türkischen Volk hinsichtlich unseres Glaubens (iman)und der Moral (ahlak)einen heiligen Dienst zu erweisen. Insbesondere aber sollten die Nurdjus nicht wegen ihres Dienstes an der Risale-i Nur (mit Hausdurchsuchungen u. dgl.) belästigt werden. Dies ist unser einziger Sinn und Zweck. Irgendetwas anderes gibt es nicht. Und dieser Dienst (vazifah)ist um des Wohlgefallens Gottes (riza-yi Ilahi)willen. Jedenfalls beuten wir diesen heiligen Dienst nicht um dieser Welt (dunya)oder um irdischer Verdienste willen aus und erniedrigen uns nicht dazu. Deshalb können wir diese gegen die aufrichtigen Nurdjus, die nur in ihren Herzen (qalb)glauben, sich nur mit dem Jenseits (akhir)beschäftigen und keine anderen Ziele und Zwecke verfolgen, gerichteten Beschuldigungen des Öffentlichen Anklägers, eine Geheimorganisation errichten zu wollen, was uns noch nie in den Sinn gekommen ist, nicht länger dulden.
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
Wir meinen, dass Sie Sinn und Ziel und das Wesen der Schüler der Risale-i Nur verstanden haben und nun fest davon überzeugt sind, dass wir mit den Verbrechen, deren uns der Öffentliche Ankläger beschuldigt, nichts zu
tun haben. Wir fordern daher von dem Hohen Gericht und von Ihrem Gewissen, dass uns unsere Bücher zurückgegeben und wir freigesprochen werden.
Halil Tjalishkan aus Emirdagh
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
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Mustafa Güls Verteidigungrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Ich bin kein Mitglied einer Geheimorganisation. Jedenfalls hat mein Meister, der Ehrenwerte Bediüzzaman Said Nursi nie eine derartige Organisation gegründet. Er hat uns stets in den Weisheiten des Qur'an unterrichtet und uns die Beschäftigung mit Politik streng verboten. Ich bin nur ein Student des großen, ehrenwerten Meisters Said Nursi. An ihn und die Risale-i Nur bin ich mit ganzer Seele (ruh)und ganzem Herzen gebunden. Für die Risale-i Nur und meinen Lehrer (ustadh)bin ich zu jeder Art Strafe, die sie mir geben werden, bereit. Durch sein Werk hat er meinen Glauben (iman)und mein ewiges Leben (ahiret)gerettet. Sein Ziel ist es, alle Muslime und alle Landsleute von ihrem Unglauben zu erlösen, damit sie die ewige Glückseligkeit (saadet-i ebediye)erlangen. Es hat sich in allen (bisherigen) Gerichtsverfahren herausgestellt, dass wir keine politischen Ziele verfolgen. Obwohl dies in der Tat (haqiqat)so ist, hat man uns wiederum gegen jedes Recht (haqq)und völlig unangebracht vor Gericht gezerrt. Daraus wird ersichtlich, dass man unsere Verbundenheit untereinander brechen will. Doch unsere Verbundenheit untereinander bezieht sich auf keinerlei weltliche oder politische Ziele. Wir empfinden einzig und allein unserem Ehrenwerten Meister gegenüber großen Respekt, ja geradezu Verehrung. Wer die Risale-i Nur liest, erwirbt dadurch einen außerordentlichen Glauben (iman),die Islamiyet, Moral (ahlak)und Vollendung (kemalat).
Unseren Meister (ustadh)noch mehr zu lieben (muhabbet)ist uns nicht möglich. Mit einem solchen Meister (ustadh)und mit solchen Schülern der Risale-i Nur bin ich in meinem ganzen Sein (maudjudiyet)verbunden. Diese Verbindung könnte nicht mehr gelöst oder zerbrochen werden, auch sollte ich dafür hingerichtet werden. Ich und alle meine Mitbrüder sind unschuldig. Wir fordern daher mit allem Nachdruck, dass die Risale-i Nur wieder freigegeben wird. Auch fordere ich, dass unser erhabener Meister (ustadh)und alle die unschuldigen Nurdjus mit mir zusammen freigelassen werden.
Mustafa Gül aus Isparta
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Küçük Ibrahims Verteidigungrede
An das Hohe Strafgericht zu Afyon
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
Das Verbrechen, dessen wir angeklagt sind, gehört gar nicht hier her, es gehört vielmehr sowohl zum weltlichen (dunya)als auch zum politischen Bereich. Denn ob wir nun Leute sind, die sich mit Politik beschäftigen, oder auch nicht, das haben Sie, meine ehrenwerten Richter längst schon auf den ersten Blick erkannt. Doch selbst wenn sich diese kalte und fremde Unterstellung, (den unmöglichen Fall) einmal angenommen, bestätigt durch Hunderte von Autoritätspersonen, als zu hundert Prozent wahr herausstellen würde und wenn auch mein Verstand hundertmal schärfer wäre, als er (tatsächlich) ist, würde ich dennoch aufgrund dieses innerlichen Eindrucks, den die Risale-i Nur und ihr so ehrenwerter Verfasser in mir hinterlassen hat, mit meinem ganzen Sein (maudjudiyet)vor diesem vergänglichen, flüchtigen, politischen, faszinierenden und erregenden Abenteuer flüchten, und indem ich mich vor der Hölle rette, (mein Leben) im Glauben (iman)
an das Jenseits (ahiret)verbringen. Sowohl unser Respekt vor dem ehrenwerten Verfasser der Risale-i Nur und unsere Verbundenheit mit ihm, als auch das Lesen und Kopieren der Risale-i Nur, der Schriftverkehr und (alle sonstigen) Beziehungen der Nurdjus untereinander sind - wie der Hohe Strafgerichtshof in Denizli und der Appellationsgerichtshof bereits bestätigt haben - unmittelbar auf das Jenseits (uhrevi)hin ausgerichtet; so sehr, dass wir aufgrund der Ideen, die wir der Risale-i Nur entnommen haben, diese strahlenden Werte in gar keiner Weise gegen weltliche (dunyevi),materielle Dinge eintauschen würden. Das wird in uns als unser Glaube fortleben, bis wir sterben.
Ehrenwerte Herren des Gerichts!
Hat man uns erst einmal hier unter dieser fürchterlichen Anklage bei einander gebracht, fühle ich mich nun diesem Land und meinem Gewissen gegenüber verpflichtet, folgende bedeutende Wahrheit (haqiqat)zu erklären: Allein schon in meiner Nachbarschaft hat die Umwandlung, die die Risale-i Nur in den vergangenen mehr als 10 Jahren vor den Augen des ganzen Volkes bewirkt, dass allen voran ich selbst, (aber auch) viele andere den Heimweg gefunden haben. Ihr liederlicher Lebenswandel hat sich in das Glück ihrer Familie umgewandelt. Jetzt beten (dua)ihre Mütter und Väter für diejenigen, die dafür die Ursache waren. Sie sollten einmal in unserer Gegend und im ganzen Land diese Erzählungen (hal)von ihnen und noch von vielen anderen hören! Besonders im Gefängnis von Denizli hatte die Risale-i Nur, sobald sie dort ihren Eingang gefunden hatte, einen solch überwältigend guten Einfluss auf die Gefangenen, dass dort ihr Einfluss immer noch in aller Munde ist. Genauso war es auch, als ich selbst hier im Gefängnis von Afyon ankam: wer auch immer mir begegnete, sprach mit Freude und Dankbarkeit darüber, wie es früher einmal war (hal)und wie er sich nun heute fühlt (hal)und er jetzt für die Nurdjus betet (dua).Diese Tatsache (haqiqat)ist wohlbekannt!
Was mich selbst als Mensch betrifft, so erstaunt es mich, dass unsere Liebe (muhabbet)zur Risale-i Nur, die insbesondere zu unserem Buch, dem Qur'an ein bedeutender Kommentar ist und die mich und meine Gefährten (in unserem) moralischen (ahlak),in unserem sozialen (Verhalten) und (hinsichtlich unserer Haltung zum) Ewigen Leben (uhrevi)dermaßen verwandelt hat, und dass ihrem verehrten Verfasser und seinen Landsleuten,
{gemeint sind seine Schüler (A.d.Ü)}
einen Brief zu schreiben, um sie im Islam zu trösten, ein Politikum sein sollte. So sage ich denn aus diesem meinem Erstaunen heraus: ein solches Verbrechen gibt es gar nicht! Die heimlichen Feinde des Qur'an und demzufolge auch der Risale-i Nur haben höchstenfalls die Justizbeamten und die Polizei uns gegenüber argwöhnisch gemacht und somit einen Grund gefunden, ihre Gefängnisse zu füllen. Mit Sicherheit wird das Hohe Gericht diesen Sachverhalt (haqiqat)erkennen, ihre Hand aufs Herz legen und gerechte Urteile fällen, die viele, ewig frohe und göttliche Botschaften mit sich bringen und die türkisch-islamische Nation, die gespannt an den vier Ecken des Vaterlandes wartet, dahin führen, ihnen dankbar zu sein.
Ibrahim Fakazli aus Inebolu
Gefangener in der Strafanstalt zu Afyon
Fünfzehnter Strahl
Der glänzende Beweis (Elhuddjet-uz'Zehra)
Besteht aus zwei Kapiteln
Diese Lektion (ders)ist eine Abhandlung (risalah),die zwar scheinbar unbedeutend, in Wirklichkeit jedoch von großer Bedeutung und Wirksamkeit und sehr umfangreich ist. Sie ist eine qur'anische Frucht des Glaubens und des Paradieses, die aus der Vereinigung (ittihad)eines Lebens der Kontemplation (benim tefekkur)und eines wahrhaft spirituellen Lebens (tahqiqi hayat-i maneviye)aus der Risale-i Nur in wissenschaftlicher und augenscheinlicher Gewissheit ('ilme-l'yaqin, 'aynel'yaqin)hervorgegangen ist.
Said Nursi
Erstes Kapitel
Besteht aus drei Teilen
Eine prägnante Zusammenfassung (hulasat-ul hulasasi)des Zwanzigsten Briefes und der Erste Teil des Unterrichts (ders),der in der Dritten Schule Josefs erteilt wurde.
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ بِهِ نَسْتَعِينُ
{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Und mit Seiner Hilfe."}
In diesem Gefängnis zu Afyon hier, hat man mich, als einen armseligen (Menschen), der ich 35 Jahre lang
ein Einsiedlerleben geführt habe und insbesondere in der Nacht die Welt (um sich herum) vergisst und der seit 23 Jahren diese Belästigungen durch eine (geradezu) böswillige Überwachung zu erdulden hat und dadurch nun so menschenscheu geworden und so weit sich selbst überlassen ist, dass er es bereits als eine Belästigung empfindet, wenn er auch nur eine einzige Stunde mit jemandem an einem Ort zusammen sein muss, ausgenommen denn, er sei gekommen, um ihm behilflich zu sein oder habe den Wunsch, in der Risale-i Nur unterrichtet zu werden, unter dem Vorwand, ein Bittgesuch beim Appellationsgericht eingereicht zu haben, weil er ja nun schon seit 11 Monaten in vollständiger Isolationshaft gehalten wird, gewaltsam nach Zelle 5 umquartiert und meinen Mitbrüdern verboten, zu mir zu kommen. Ich war schon sehr beunruhigt darüber, in diesem Massenquartier nicht länger mehr überleben zu können, als plötzlich wie ein Zeichen von Wut und Ärger die Kälte in einem solchen Maße zunahm, dass ich, wäre ich an meinem alten Platz geblieben, es dort nicht länger mehr ausgehalten hätte. So verwandelte sich diese Qual (zahmet)für mich in eine Barmherzigkeit (rahmet).
So stieg denn in meinem Herzen, während ich die Gebete (tesbihat)rezitierte, (der folgende Gedanke auf): "In jeder Zelle setzen sich die Nurdjus sowohl um ihrer selbst willen als auch in deinem eigenen Interesse ganz und gar für den Unterricht in der Risale-i Nur ein. Da aber diese fünfte Zelle gewissermaßen isoliert ist, sich dabei aber ständig erneuert und verändert, bedarf sie ganz besonders dieser Unterweisungen (ders)in der Risale-i Nur. Da nun zudem die Jungen und die Alten die Berichte lesen, die über den Angriff der Russen geschrieben werden, die Gott nicht kennen und Ihn in ganz fürchterlicher Weise verleugnen, brauchen sie sicherlich diese Lektionen (ders)über das Dasein (maudjudiyet)und die Allgegenwart Gottes (vahdaniyet)als einen Pfeiler des Glaubens an Gott (iman-i billah)ganz besonders."
Auch ich habe bereits an die prägnante Zusammenfassung des Zwanzigsten Briefes und des heiligen Satzes
لآَ إِلٰهَ اِلاَّ اللّٰهُ وَحْدَهُ لاَ شَرِيكَ لَهُ، لَهُ الْمُلْكُ وَ لَهُ الْحَمْدُ يُحْيِى وَ يُمِيتُ وَ هُوَ حَىٌّ لاَيَمُوتُ بِيَدِهِ الْخَيْرُ وَ هُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ وَ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ
{"Es gibt keine Gottheit außer Gott, den einzigen. Er hat keinen Teilhaber. Ihm ist das Reich und Ihm gebührt der Dank. Er gibt das Leben und den Tod. Er ist der Lebendige. Nicht stirbt Er. Alles Gute liegt in Seiner Hand und Er ist aller Dinge mächtig. Und bei Ihm ist der (uns bestimmte letzte) Aufenthalt."}
gedacht, den ich seit langem zehn Mal nach dem Morgengebet lese. Denn er verweist auf die Erklärung der Bekenntnisformel (tehlil)und der allumfassenden Göttlichen Einheit (tauhid)und mit seinen elf Wörtern, die nach einer Überlieferung den Gewaltigen Namen (ism-i adham)in sich enthalten, bis ins Einzelne überaus glänzend und sonnenklar sowohl auf die elf Beweise der Notwendigkeit des Seins (vudjub-u vudjud)und der Allgegenwart des Herrn (Vahdet-i Rabbaniye)als auch auf die Elf Frohbotschaften.
Und dann tauchte plötzlich in meinem Herzen (der Gedanke auf): "Lehre Nadir Hodja und den jungen Leuten hier diese recht kurze Zusammenfassung!" So sagte ich denn "im Namen Gottes (bismillah)"und begann:
In diesem Ausdruck von der Göttlichen Einheit (kelam-i Tauhid)liegen elf Frohbotschaften und elf Beweise des Glaubens (iman).So werde ich denn jetzt diese Beweise nur ganz kurz andeuten und ihre weitere Erklärung, sowie die frohen Botschaften dem Zwanzigsten Brief und anderen Teilen der Risale-i Nur überlassen. Doch halte ich es für angemessen, dieser Abfassung noch einige Worte und Anmerkungen anzufügen, die ich (den Schülern) bei der Unterweisung dieser Lektion (ders)noch nicht gesagt hatte. Hier also von diesen Elf Worten, die den Ausdruck der Göttlichen Einheit (kelam-i Tauhid)bilden,
Das Erste Wort:
لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Es gibt keine Gottheit außer Gott."}
Was den Beweis dafür betrifft, so findet er sich in der bereits gedruckten Abhandlung (risalah)"Das Große Zeichen (Ayatu-l'Kubra)".Zu diesem beispiellosen Beweis gehört es auch, dass Imam Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, als er von den (verschiedenen) Teilen der Risale-i Nur Kunde gab, sagte:
وَ بِالْاٰيَةِ الْكُبْرٰى اَمِنِّى مِنَ الْفَجَتِ
{"Und durch das Große Zeichen bewahre mich vor dem Unvorhergesehenen!"}
und so dieses "Große Zeichen" zu einem Fürsprecher machte. Und so wie diese Abhandlung durch ihren Sieg sowohl in Ankara als auch vor dem Gerichtshof in Denizli und durch ihre heimliche Herausgabe und wirksame Verbreitung, nachdem sie die Nurdjus zunächst für neun Monate ins Gefängnis gebracht hatte, sowohl der Grund für den Freispruch der Nurdjus wurde, so ist sie auch der ganz eindeutige Beweis für das Wunder (keramet)Imam Alis, mit dem Gott zufrieden sein möge, aus dem Unsichtbaren und auch eine Bestätigung seines Gebetes (dua)für die Nurdjus.
Das Große Zeichen, welches der (siebente) Strahl ist, verweist in der Tat auf dreiunddreißig umfassende Beweise und allgemeine Zeugnisse in der Gesamtheit allen Seins. Indem sie auf die zahllosen Beweise in jedem allgemeinen Zeugnis anspielen, weisen sie darauf hin, dass vor allem die Himmel mit den Worten ihrer Sterne, die Erde mit den Sätzen und Ausdrücken ihrer Tiere und Pflanzen bis hin zur Gesamtheit des Universums mit den Worten alles dessen, was sich in ihm befindet, mit allem Sein und mit der Wahrheit, die man davon ableiten kann,
mit all seinen Möglichkeiten und mit all seinen Veränderungen die Existenz (maudjudiyet)und Allgegenwart (vahdaniyet)dessen, der da notwendigerweise sein muss (Vadjibu-l'Vudjud)so klar und eindeutig beweisen wie die Sonne und so sicher und gewiss wie der Tag. Wer nach einem unerschütterlichen Glauben verlangt und gegen eine anarchische Gottlosigkeit nach einem Schwert sucht, das man nicht zerbrechen kann, der sollte in diesem "Großen Zeichen (Ayatu-l'Kubra)nachschlagen.
Das zweite Wort heißt:
وَحْدَهُ
{"Er ist der Eine."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser: Man erkennt in jedem Aspekt des Kosmos eine Einheit, eine Universalität (vahdet).
Zum Beispiel: Das Universum gleicht einer wundersamen Stadt, einem prächtigen Schloss, der Manifestation eines bedeutungsvollen Buches, der Verkörperung jeder Ayah, ja sogar jedes einzelnen Buchstabens, jedes einzelnen (diakritischen) Punktes des wunderbaren Qur'an. In der Darstellung der Einzigartigkeit seiner Universalität (vahdet)zeigen auch die Lampe dieses Schlosses, seine Laterne, die uns als Kalender dient, ihr flammender Koch, ihr mit Wasser vollgesaugter Schwamm stets, dass sie eins, eins, und abermals eins sind, bis hin zu Tausenden von Einheiten und Unikaten und beweisen so mit absoluter Sicherheit, dass es diesen Besitzer (Sahib),den Herrscher (Hakim),den Schreiber (Katib)und Autor dieses Buches, dieses Schlosses, dieser Stadt, dieser Großen Verkörperung des Qur'an wirklich gibt (maudjud)und dass er ein Einziger (vahid ve bir)ist.
Das dritte Wort heißt:
لاَ شَرِيكَ لَهُ
{"Er hat keinen Teilhaber."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Quelle, Essenz und Ursubstanz (Ustadh)des Großen Zeichens (Ayatu-l'Kubra),dieses Siebten Strahls und der "Das Große Zeichen" genannten Ayah ist die Große Ayah (ayet-i ekber)
قُلْ لَوْ كَانَ مَعَهُ اٰلِهَةٌ كَمَا يَقُولُونَ إِذًا لاَبْتَغَوْا اِلٰى ذِى الْعَرْشِ سَبِيلاً
{"Sage: Wenn es neben ihm noch Götter gäbe, wie sie sagen, würden sie danach trachten, einen Zugang zum Herrn des Thrones zu finden... usw." (Sure 17, 42)}
Das aber heißt: Gäbe es einen Teilhaber und hätte er seine Finger in der Erschaffung (idjad)und Regierung (Rububiyet)der Welt dazwischen gehabt, so würde er den ganzen Kosmos durcheinander gebracht haben. Jedoch vom kleinsten Flügel einer Mücke und der Zelle in der Pupille im Auge bis hin zu den unzähligen Schwingen der Vögel in der Luft, ja bis zum Sonnensystem beweist die vollkommene Ordnung in allen Dingen, den kleinen wie den großen, den einzelnen wie den universellen, zweifelsohne und mit absoluter Sicherheit, dass es in ihr unmöglich und in keinem Fall irgendeinen Teilhaber geben kann. Und sie beweist auch ganz offensichtlich das Dasein (maudjud)und die Allgegenwart (vahdet)dessen, der da notwendigerweise sein muss.
Das vierte Wort heißt:
لَهُ الْمُلْكُ
{"Ihm ist das Reich."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Wir sehen in der Tat mit unseren eigenen Augen, wie sich das Antlitz der Erde in Felder verwandelt und in jedem Frühling Samen von Hunderttausenden Arten von Pflanzen sich miteinander vermischt auf diesen so weit ausgedehnten Feldern aussäen. Ein Verwalter (mutesarrif),der über unendliche Macht und ein grenzenloses Wissen (hadsiz qudret ve ilim)verfügt, erntet ihre unterschiedlichen Erträge (zu verschiedenen Zeiten)
in vollendeter Ordnung, ohne sie miteinander zu vermischen oder zu verwechseln, versorgt gleichsam (verborgen) hinter einem Vorhang die 200.000 verschiedenen Arten von Tieren durch die Hand seiner Barmherzigkeit (rahmet)und Weisheit (hikmet)und entsprechend ihren Bedürfnissen mit Nahrung und Proviant. Und so verfügt Er all diese Akte einer weit ausgedehnten Regierung in seinem Reich, besonders aber auf dem Acker dieser Erde. Die aber diesen weisen Verwalter (Mutessarif-i Hakiem)und barmherzigen König (Malik-i Rahiem)nicht kennen, müssen diese Erde gleich dem, was sie hervor bringt, entsprechend ihren dümmlichen Sophistereien verleugnen.
Das fünfte Wort heißt:
وَ لَهُ الْحَمْدُ
{"und Ihm gebührt der Dank."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Wir können in der Tat mit eigenen Augen sehen und mit unserem Verstand klar erkennen, dass diese Stadt, die der Kosmos ist, unser Aufenthaltsort hier auf Erden, all die Unterkünfte für Mensch und Tier von einem so barmherzigen Versorger (Rezzaq-i Rahim),einem gnädigen und großzügigen Geber (Muhsin-i Kerim)verwaltet (tasarruf),gespeist und unterhalten wird. Um (die Menschen) dazu zu bringen, dass sie Ihm ihren Lobpreis und Dank (hamd ve shukr)darbringen, macht er die Erde zu einem Handelsschiff, {das auf seiner Reise um die Sonne den Raum und die Jahreszeiten durchmisst (A.d.Ü.)} zu einem Zug, der Versorgungsgüter transportiert, und den Frühling zu einem Waggon, der hunderttausend Arten Speisen (transportiert), Pakete mit Dosen, die man Euter nennt, und versorgt so gegen Ende des Winters, wenn die Vorräte erschöpft sind, alles Lebende, das Seiner bedarf. Und so wird denn ein jeder, der auch nur über ein
Karat Verstand verfügt, bestätigen müssen, dass dies das Werk eines barmherzigen Versorgers (Rezzaq-i Rahim)ist. Wer aber dies nicht bestätigen will, sondern darauf verfällt es abstreiten zu wollen, wird sicherlich dazu gezwungen sein, all diese regelmäßig (gelieferten) Wohltaten (ni'met)und diese spezielle Versorgung auf unserer Erde zu bestreiten, die doch der Anlass sind, (Ihm) Lobpreis und Dank (hamd u shukran)darzubringen, wie ein Raubtier, das keinen Verstand hat.
Das sechste Wort heißt:
يُحْيِى
{"Er gibt das Leben."}
Ein ganz kurzer Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Im Zehnten Wort und anderen Teilen der Risale-i Nur wurde in der Tat an Hand von Zeugnissen bewiesen, dass in jedem Frühling eine ganze Armee des Hochgepriesenen (Subhan)auf dem Erdenrund zum Leben erweckt wird, die aus 300.000 Arten und verschiedensten Gattungen unendlich vieler einzelner Tiere und Pflanzen besteht. Ihnen allen wird das Leben und alles Lebensnotwendige in vollkommener Ordnung gegeben. Wer sich nicht davon überzeugen will, dass es der Lebendige und Beständige (Hayy-i Qayyum),der Lebensspender (Muhyi)und Allwissende Schöpfer (Khallaq-i Alim)ist, der all diese so ganz verschiedenen Geschöpfe eines miteinander verschwisterten Biotops so fehlerlos, ohne einen Mangel oder Makel wiederbelebt, ohne sie zu verwechseln, oder sich zu irren, oder eines von ihnen zu vergessen, sie in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit wiedererweckt und ihnen aus Tropfen einer wässrigen Flüssigkeit, die man Sperma nennt, das Leben schenkt, der Hunderttausende einer unendlich großen Zahl einzelner, ganz verschiedener Lebewesen, die sich voneinander in ihrer Gestalt, ihrer Funktionsweise und
den Bedürfnissen ihres Lebensunterhalts (unterscheiden), aus Samenkörnern, die in der Erde (ruhen)und einander ähneln, aus Körnern, die sich nur wenig voneinander unterscheiden, aus den winzig kleinen Eiern der Insekten, aus Vögeln derselben Lüfte, aus einander gleichenden Flüssigkeiten und Eiern, die einander ähneln, oder nur wenig voneinander verschieden sind, ins Leben ruft, der auf Seiner Schreibtafel, die die Erde und der Frühling ist, 100.000 voneinander ganz verschiedene Bücher schreibt, eines im anderen und doch vollkommen und fehlerfrei, der Sein Werk in unendlicher Weisheit (hikmet)und mit grenzenloser Aufmerksamkeit darstellt, über sie verfügt und somit 100.000 Hinweise, ja selbst Beispiele einer gewaltigen Wiederversammlung zeigt, muss ganz bestimmt sowohl sich selbst, als auch alle Lebewesen auf der ganzen Erde, die in einem vergangenen Frühling auf dieser lebendigen Erde und in den Lüften gewesen sind und damit an den Ablauf der Zeit gebunden waren, verleugnen und das dümmste und unglücklichste aller Lebewesen sein.
Das siebente Wort heißt
وَ يُمِيتُ
{"Er gibt den Tod."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Wir sehen in der Tat, dass im Herbst, wenn die 300.000 Arten lebender Wesen im Namen des Todes (vefat)von ihren Aufgaben entbunden werden, eine jede Art und jedes Einzelne von ihnen auf der Seite seiner Taten aufgelistet und die Liste seiner Werke und das Verzeichnis seiner Werke im kommenden Frühling und die Samen, die in gewisserweise ihre Seele (ruh)beherbergen, von der Hand der Weisheit (hikmet)des Bewahrers in all Seiner Majestät (Hafidh-i Dhu l-Djelal)ihren Plätzen anvertraut (emanet)werden. Wer aber den Allweisen Schöpfer (Khallaq-i Hakiem),
den Lebendigen, der nie stirbt (Hayy-i Layemut),der in so winzig kleine Samen, wie die Körnchen des Feigenbaums, von denen jedes kleine Körnchen gleichsam ihre ewige Seele (ruh-u baqi)beherbergt und alle Gesetze des Lebens eines Feigenbaumes in sich trägt, die Geschichte des Lebens eines solchen Baumes, welche genug Stoff enthält, um ein ganzes Buch damit zu füllen, mit der Feder Seines Göttlichen Vorherwissens (qader)schreibt, sodass daraus ein ganzes großes Buch entsteht, (wer also seinen Schöpfer) nicht anerkennen will, ist sicherlich nicht allein ein dummer Mensch und ein unvernünftiges Tier, sondern vielmehr noch unglückseliger als ein armseliger umherschweifender Teufel, der das Feuer der Hölle schürt und zu ewiger, tödlicher (Hoffnungslosigkeit) verdammt ist.
Gerade so wie es in der Tat hundertfach unmöglich, ja selbst sinnlos ist, dass die obigen weltumspannenden, allumfassenden, so zahllosen Wunder und grenzenlos wunderbaren Ereignisse, die auf die Beweise der (obigen) Worte hindeuten, ohne den Einen sein sollten, der sie in seiner Weisheit (hakiem)getan und gewirkt hat, und dessen Wirken diese Wunder zum Inhalt hat, so ist es auch tausendmal unmöglich und im Grunde genommen (völlig ausgeschlossen), sie blinden, hilflosen, bewusstlosen, tauben, toten, wirren, ungeordneten, unaufgeräumten Ursachen und der Wut (der Elemente) zuzuschreiben. Andernfalls müsste ja in jedem Stäubchen eine grenzenlose Macht (qudret)und Weisheit (hikmet)und eine ganz wunderbare, alles umfassende handwerkliche Kunstfertigkeit (san'atkarlik)zu finden sein, die alle Kräuter und Gräser und alle Blumen gestalten kann. Und so wie es in der "Anmerkung über Hu(Er)" in dem "Wegweiser für die Jugend" heißt, müsste ein jedes Atom in der Luft die Fähigkeit besitzen, ein jedes Gespräch zu verstehen und jedes Wort über Radio und durch das Telefon zu kennen und sie den übrigen Atomen zu lehren. Was aber diese verrückte Idee betrifft, so kann noch nicht einmal der Teufel
selbst irgendjemanden dazu bringen, sie anzunehmen. Die Strafe für Unglaube (kufr)und Gottesleugnung (inkar),die so weit entfernt ist von Vernunft und Wahrheit (haqiqat)und allen Geschöpfen gegenüber eine Beleidigung, ja eine Verletzung ist, kann nur die fürchterliche Hölle (djehennem)sein, was nur die reine Gerechtigkeit (adalet)ist. Wegen solcher Gottesleugner (munker)sollte man sicherlich ausrufen: "Es lebe die Hölle!"
Das achte Wort heißt:
وَ هُوَ حَىٌّ لاَ يَمُوتُ
{"Er ist der Lebendige, der nicht stirbt."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Zum Beispiel: So wie der wogende Meeresspiegel und die Wellen eines Stromes, der vorüber fließt, in dem man sehen kann, wie sich in ihm tagsüber all die kleinen Sonnen spiegeln, dann dahinschwinden und die nächsten, ihnen nachfolgenden Wogen gleich den entschwundenen wieder die gleichen kleinen Sonnen widerspiegeln, auf die Sonne oben am Himmel verweisen und sie bezeugen und in ihrem Dahingleiten (seval)und Entschwinden (vefat)die Existenz einer immer währenden und stets beständigen (beqa)Sonne erkennen lassen, so (bevölkern) auch die Geschöpfe die Meere des Alls, wie sie sich alle Zeit verändern, die unendlich weiten Himmel, wie sie sich stets wieder erneuern, (aus ihrem Quellgrund entstehen) aus dem Ackerboden ihrer Zellen und Atome (wachsen) und zugleich mit allem vergänglichen Sein im Schoß der Ereignisse von dem wogenden Strom der Zeit ständig rasch davon gespült werden und zugleich mit all ihren äußerlichen Ursachen entschwinden und so stirbt auch in jedem Jahr, ja an jedem Tag eine Welt und eine neue tritt an ihre Stelle. Von dem Ackerboden ihrer Zellen und Atome werden ständig wandernde Welten und segelnde Kosmen als Ernte eingebracht. Und so wie die Wogen mit
ihren winzig kleinen Sonnen in ihrem Zerfall ständig auf die eine Sonne verweisen, so bezeugen auch die zahllosen Geschöpfe mit dem Entschwinden (vefat)der Ernte und ihrer Entlassung in vollkommener Ordnung und zugleich mit den äußerlichen Ursachen mit einer zweifellosen Gewissheit klar wie der Tag und offensichtlich wie die Sonne die Seinsnotwendigkeit (vudjub-u vudjud)und Allgegenwart (vahdet)des Lebendigen, der nicht stirbt (Hayy-i Layemut),der immerwährenden Sonne (Shems-i Sermedi),des Ewig bestehenden Schöpfers (Khallaq-i Baqi)und Heiligen Lenkers und Leiters (Kumandan-i Aqdes).Jedes einzelne Sein (maudjudat)bezeugt Sein Sein (die Existenz Gottes) für sich selbst und in seiner Gesamtheit tausendmal klarer und offensichtlicher als das Sein des (gesamten) Universums. So habt ihr denn nun sicherlich verstanden, wie dumm und alles vernichtend jemand sein muss, wenn er sich taub stellt gegenüber all diesen lauten Stimmen, die das All erfüllen, ihre mächtigen Zeugnisse nicht hört und ihnen sein Ohr nicht leiht.
Das neunte Wort heißt
بِيَدِهِ الْخَيْرُ
{"Alles Gute liegt in Seiner Hand."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Wir sehen, dass in unserem Universum eine jede Lebensgemeinschaft, jede Altersgruppe, ja sogar jedes einzelne Lebewesen, alle seine Organe und Organsysteme, ja sogar jede einzelne seiner Zellen ein Depot zu seiner Versorgung enthält, einen Vorratsspeicher, ein Depot, einen Acker, in dem sich dies alles vorfindet und eine Scheuer, die (dies alles) bewahrt. Denn genau zur richtigen Zeit kommt den Bedürftigen in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit, in unendlicher Weisheit (hikmet)und mit Göttlicher Hilfe (inayet)eine unsichtbare Hand zu Hilfe und so wird ihnen ohne ihr Wollen (iktidar)
und Dazutun (ihtiyar)alles Lebensnotwendige gegeben. So wie z.B. die Berge alle Minerale und Heilmittel und alle Dinge, welche die Lebewesen und auch der Mensch zum Leben braucht, auf Sein Geheiß und nach Seinen Anweisungen in einer Kammer, einem vollkommenen Speicher bewahrt, so eilt der Weise Versorger (Rezzaq-i Hakiem)allem, was in den Ebenen lebt mit Seinen Lebensmitteln zu Hilfe und macht sie in vollkommener Ausgewogenheit (mizan)und Ordnung (intizam)zu Feldern und Dreschböden und zu einer Küche. {in der die Sonne alles zur Reife bringt (A.d.Ü.)} Ja, so wie selbst jeder Mensch, seine Organe und Organsysteme Schatzkammern und Vorratskammern, ja sogar seine Zellen Speicher sind, so geht es stets immer weiter bis ins Haus des Jenseits (akhir),dessen Kammer die Welt (dunya)ist, Felder und Lagerhallen für das Paradies. So bringen in dieser Welt auch alle schönen, lichtvollen und guten Werke (hasanat)in der Welt des Islam und einer wahren Menschlichkeit ihre Ernte hervor, während die Lager der Hölle (djehennem)eine Ernte alles Bösen und Hässlichen und des Unglaubens (kufr)hervorbringen, jenes Bösen, zu dem alle schmutzigen und abscheulichen Dinge und Gruppen gehören und das aus dem Nichtsein (adem)entsteht, während alles Gute aus der Welt des Seins (vudjud)hervorgeht. Die Hitze der Sterne ist der Ofen der Hölle und die Schatzkammer der Lichter (Nur),ist das Paradies. Das Wort: بِيَدِهِ الْخَيْرُ {"Alles Gute liegt in Seiner Hand.",} gibt uns mit dem Hinweis auf alle diese unendlich vielen Vorratsspeicher ein überaus glänzendes Zeugnis. Dieses Wort und der Satz:
بِيَدِهِ مَقَالِيدُ كُلِّ شَىْءٍ
d.h.: "In Seiner Hand sind die Schlüssel zu allen Dingen.", verweisen in der Tat für jeden, der nicht ganz und gar blind ist, auf das grenzenlos umfangreiche und unendlich wunderbare Zeugnis Seiner Herrschaft (Rububiyet)
und Allgegenwart (vahdet).Betrachte z.B. von diesen unendlich vielen Schatzkammern und Vorratshäusern nur einmal die folgenden: Gerade so wie der Allweise Lenker und Leiter (Mutasarrif-i Hakiem)durch Seinen Befehl: "Wach auf!" wie mit dem Schlüssel Seines Willens (irade),durch den er den Schlüssel zu den Saatkernen und Körnern in Seiner Hand hält, die alle den winzig kleinen Vorratskammern gleichen, welche die Bestandteile und Bestimmungen (muqadderat)zu riesigen Bäumen oder prachtvollen Blumen in sich enthalten, in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung diese winzig kleine Türe zu dem Saatkorn öffnet, so öffnet Er auch mit Seinem Schlüssel des Regens die Schatzkammer der Erde und ohne sich zu irren, öffnet Er alle die Saaten, die kleine Vorratskammern sind, alle Keime der Pflanzen, die Spermien der Tiere und die Eier der Vögel und Insekten, die eine Flüssigkeit enthalten und den Befehl, zu wachsen erhalten haben und sich fehlerlos öffnen. Wenn du nun sehen und wissen möchtest, wie sich gleichzeitig in der Schöpfung mit der Hand Seiner Weisheit (hikmet),Seines Willens (irade),Seiner Barmherzigkeit (rahmet)und Entschlossenheit (meshiet)alle Schätze und Vorratskammern, die materiellen wie die geistigen, die allgemeinen wie die individuellen im All, eine jede mit ihrem besonderen Schlüssel öffnen, so betrachte dein eigenes Herz und Gehirn, deinen Körper mit seinem Magen, betrachte deinen Garten und seine Früchte und den Frühling, der die Blume der Erde ist! Sie werden in vollkommener Ausgewogenheit und Ordnung mit den verschiedensten Schlüsseln von der Werkbank كُنْ فَيَكُونُ {"Kun feyekun" (Sei! Und es ist)} durch die verborgene Hand geöffnet. Diese verborgene Hand zieht aus einer kleinen Schachtel von einem Dirhem (3 g) in vollkommener Ordnung einen Batman (8 kg), oder vielleicht sogar hundert Batman an Speisen und reicht sie den (verschiedenen) Lebewesen zur Speise.
Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass blinde Kräfte, eine taube Natur, ein zielloser Zufall, leblose, unwissende,
machtlose Ursachen in eine solche wohlgeordnete, wohlüberlegte, klarsichtige allumfassende Handlungsweise, eine solche, keinesfalls zufällige weisheitsvolle Kunstfertigkeit (hikmetli bir san'at),eine so ausgewogene, fehlerlose Organisation (mizanli bir tasarrufa)und eine so zwanglose und vollkommen gerechte Herrschaft (adaletli bir Rububiyet)eingreifen könnten? Ja könnte sich denn einer, der nicht alle Dinge mit einem Blick überschauen und beherrschen kann, unter dessen Befehl nicht die Atome, die Planeten und alle Sterne stehen, in eine in jeder Hinsicht so weisheitsvolle (hikmetli),wunderbare (mu'djizeli)und ausgewogene (mizanli)Regierung und Verwaltung (tasarrufa ve idare)einmischen?
So erzürnt sich denn die Hölle und schäumt vor Wut über den, der den Allbarmherzigen Verwalter (Mutasarrif-i Rahiem)und Allweisen Herrscher (Rabb-i Hakiem),in dessen Händen alles Gute liegt und sich die Schlüssel aller Dinge befinden, nicht kennen will und dem Irrtum verfällt, Ihn zu verleugnen, mit Sicherheit, wenn sie sagt: تَكَادُ تَمَيَّزُ مِنَ الْغَيْظِ {"Und vor Wut beinahe platzt." (Sure 67, 8)} und dabei ohne Worte (lisan-i hal)zum Ausdruck bringt: Er zieht sich eine unendliche Qual zu und schließt sich so von der Göttlichen Barmherzigkeit (merhamet)aus.
Das Zehnte Wort heißt:
وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ
{"und Er ist aller Dinge mächtig."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Jeder, der über ein Bewusstsein (dhi-shuur)verfügt, erkennt, sobald er in das Gasthaus dieser Welt (dunya)kommt und seine Augen öffnet, dass eine Macht (qudret),die den gesamten Kosmos im Griff hat und mit dessen Macht (qudret)ein urewiges, unerschütterliches, allumfassendes Wissen (ilim)und eine höchst aufmerksame, niemals unausgeglichene, niemals sinnlos agierende, ewige Weisheit (hikmet)und Güte (inayet)verbunden ist,
so wie sie ein einziges Atom in einem ganzen Heer von Atomen sich wie einen Maulevi-Derwisch in Ekstase drehen lässt und es so in vielerlei Aufgaben (vazifah)seinen Dienst versieht, so auch den Erdball im gleichen Augenblick und nach demselben Gesetz in einem Jahr gleich diesem Derwisch in Ekstase eine Bahn von 24.000 Jahren (Reise zu Fuß) durchreisen lässt. Zur gleichen Zeit und nach dem gleichen Gesetz, durch das (die Macht Gottes) den Tieren und Menschen die Ernte der Jahreszeiten sendet, macht sie auch die Sonne zu einem Weberschiffchen oder zu einer Spindel, um sie als Zentrum in der Mitte des Sonnensystems in vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit das Heer der Planeten (und der Sterne ihre Runden) drehen zu lassen und lässt sie so ihre Arbeit verrichten und ihre Aufgaben (vazifah)erfüllen. Zur gleichen Zeit und nach dem selben Gesetz der Göttlichen Weisheit (hikmet)schreibt dieselbe Göttliche Allmacht (qudret)auf diesem Blatt, das unsere Erde darstellt, Hunderte Arten von hundertmal Tausenden verschiedener Bücher, eines im anderen, ohne eines zu verwechseln oder sich zu irren und führt uns auf diese Weise Tausende Beispiele einer gewaltigen Wiederversammlung vor Augen. Und die gleiche Macht (qudret)verwandelt zur gleichen Zeit ein anderes Blatt, das unsere Atmosphäre darstellt, in eine Schreibtafel. Alle Atome beschäftigt sie wie Bleistiftspitzen oder (diakritische) Punkte in einem Buch zu den Aufgaben (vazifah),für die sie nach ihrem Willen und Befehl (emir ve irade)beauftragt wurden, und versieht alle diese Atome mit einer solchen Fähigkeit, als könnten sie alle Worte und jedes Gespräch verstehen, aufnehmen und weiterverbreiten ohne sich dabei zu irren. Es ist, als stelle sie ein ganz kleines Öhrchen, eine winzig kleine Zunge in ihren Dienst, wie um zu beweisen, dass die Luft als Element dem Willen (emr)und Befehl Gottes (irade-i ilahi)als Thron dient.
Betrachtet man also nun im Vergleich mit diesem kurzen Hinweis, den, der das All in eine wohlverwaltete Stadt,
ein perfektes Wohnhaus, eine Herberge, ein wundersames Buch gleich dem Qur'an verwandelt und alles von dem gesamten Gebilde angefangen bis zum letzten Stäubchen im Griff hat, alle Bevölkerungsgruppen, ihre Lebensumstände und alle Arten von Geschöpfen mit einem Wissen von vollkommener Ausgewogenheit (mizan-i ilim)und Ordnung in Weisheit (nizam-i hikmet)verwaltet und so die Weisheit (hikmet)in Seiner Macht (qudret)und Barmherzigkeit (rahmet)zeigt, in dessen Sein (maudjudiyet)und Allgegenwart (vahdet)Seine vollkommene Herrschaft (rububiyet-i mutlaq)zum Ausdruck kommt, und der sich so klar wie Sonnenschein und Tageslicht zu wissen und zu erkennen gibt, wohingegen (der Mensch) Ihn im Glauben (iman)erkennen soll, Seiner Liebe (zu uns Menschen) mit seiner (Geschöpfes)-Liebe in Dienst und Anbetung (ubudiyet)entgegnen, während Er für Seine Güte (ihsanat)unsere Dankbarkeit und unseren Lobpreis (shukur ve hamd)von uns erwartet. Wer einen solchen Barmherzigen Allerbarmer (Rahman-i Rahiem)nicht anerkennen will und sich nicht darum bemüht, Ihn durch Dienst und Anbetung (ubudiyet)zu lieben, Ihn vielmehr verleugnet und auf diese Weise eine Art Feindschaft gegen Ihn hegt, der verdient mit Sicherheit wie ein Teufel in Menschengestalt, gleich einem kleinen Nimrod oder ein Pharao eine unendliche Strafe.
Das Elfte Wort heißt
وَ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ
{"Und bei Ihm ist der (uns bestimmte letzte) Aufenthalt."}
Das aber heißt: Gerade so wie (die Menschen) dereinst zu Seinem Audienzsaal (daire-i huzur),in die Ewige Welt (alem-i baqi),das Jenseits (akhirah),das Haus der Ewigen Glückseligkeit (dar-i saadet)eingehen werden, so werden auch alle Geschöpfe im Universum (sich Ihm) zuwenden. Alle Ursachen sind wie eine Kette (silsilah),die in Ihm ihren Anfang nimmt und in Seiner Macht (qudret)verankert (istinad)ist. Und (diese Ursachen) dienen Ihm als
ein Schleier über Seiner Verwaltung (tasarrufa).Um die Würde (izzet)und Majestät (hashmet)Seiner geheiligten Allmacht (qudret-i qudsi)zu wahren, sind alle äußerlichen Ursachen nur noch ein Schleier über ihnen. Bei der Erschaffung (idjad)(der Welt) haben sie keinerlei Einfluss. Wäre es nicht durch Seinen Befehl (emr)und Willen (irade),könnte sich kein Ding, ja noch nicht einmal ein Stäubchen bewegen.
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Erstens:
Gleich wie dieses Heilige Wort (qudsi kelime)bestätigt, werden wir, ebenso wie die Wahrheit (haqiqat)von der Wiederversammlung, dem Jenseits (akhirah)und dem Ewigen Leben (Hayat-i Baqiye),die eine so absolute und zweifelsfreie Tatsache (tahaqquq)ist, wie der kommende Frühling, jenen Beweis liefern, der zu einem vollkommenen Glauben führt, wobei wir uns auf das "Zehnte Wort" und den Anhang dazu, das "Neunundzwanzigste Wort", die "Fruchtabhandlung", die "Siebente Problemstellung" und das "Bittgebet (Dritter Strahl)" berufen können, sowie die Abhandlungen in der Risale-i Nur über den Glauben (iman).Sie haben diesen Pfeiler des Glaubens in der Tat (el-Haqq)mit unendlich vielen Zeugnissen auf eine solche Art beweisen können, dass sich das Jenseits so gewiss, wie es das Diesseits (dunya)gibt, als Gewissheit (tahaqquq)herausstellt und dadurch auch noch den hartnäckigsten Leugner (munkir)gezwungen, dies zu bestätigen.
Zweitens:
Ein Drittel des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, ist auf die Wiederversammlung und das Jenseits hin ausgerichtet und baut in all seinen Lehren (dava)darauf auf. Weil dies aber so ist, weisen alle Wunder und Zeugnisse, welche die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)des Qur'an beweisen, zugleich auch auf die Existenz (vudjud)des Jenseits (akhirah)hin. Und so wie alle Wunder (mu'djize)und sämtliche Beweise das Prophetentum und die Wahrhaftigkeit Mohammeds, mit dem der Friede und Segen sei, bezeugen, so sind sie auch in
gleicher Weise ein Zeugnis für die Wiederversammlung und das Jenseits (akhirah).Denn gerade so wie er, mit dem Friede und Segen sei, in seiner Person während seines ganzen Lebens den Schwerpunkt seiner Lehre immer wieder auf dem Jenseits (akhirah)begründete, so lehrten (dava)auch alle 124.000 Propheten, mit denen der Friede sei, ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye)und eine immerwährende Glückseligkeit (saadet-i ebediye),verkündeten den Menschen diese Frohe Botschaft und bewiesen sie mit zahllosen Wundern (mu'djize)und unumstößlichen Beweisen. All ihre Wunder (mu'djize)und Zeugnisse beweisen sicherlich ihr Prophetentum und ihre Wahrhaftigkeit (sadiqiyet)und legen zugleich Zeugnis für das Jenseits (akhirah)und ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye)als Hauptwerk und beständigem Schwerpunkt ihrer Verkündigung (dava)ab. In gleicher Weise bezeugen auch alle Beweise, welche die übrigen Pfeiler des Glaubens (erkan-i imaniye)bestätigen, dass eine Wiederversammlung stattfinden und dass sich das Haus der Glückseligkeit (dar-i saadet)öffnen wird.
Drittens:
Wäre es etwa möglich, dass der, welcher das Universum mit all seinen (kreisenden) Atomen und Planeten, Völkern und Gruppen erschaffen hat, um so Seine Vollkommenheit (kemalat),Seine Allmacht (qudret)und Seine Königsherrschaft (Rububiyet)offenbar (is'har)zu machen, der jedem Einzelnen (Seiner Geschöpfe) in vollkommener Weisheit (kemal-i hikmet)unaufhörlich eine Aufgabe (vazifah),ja selbst viele Aufgaben zuweist, der, um die zahllosen, ewigen Erscheinungsformen Seiner Namen darzustellen, Karawane um Karawane, ja selbst Welten nach sich erneuernden fahrenden Welten (dunya)und (viele) Arten von Geschöpfen (makhluqat)in das Gasthaus dieser Welt (alem)und den Ort der Prüfung für das Leben in dieser Welt (hayat-i dunya)aussendet, damit sie in der Welt der Bilder (alem-i mithal)die jenseitigen Lichtspiele und Abbilder (surah)der Fotos aus der Zwischenwelt (berzah)seien, sie Arbeiten (amel)und Aufgaben (vazifah)
verrichten lässt und nach ihrer Entlassung andere Stämme und Karawanen und noch andere Arten von Welten (dunya)ins Feld schickt, die dahin strömen und ziehen, um an ihrem Platz ihre Aufgaben (vazifah)zu verrichten, um ein Spiegel der Erscheinungsformen Seiner Namen zu seien, (ja wäre es denn überhaupt möglich, dass) es bei diesem Meister in Seiner Majestät (Sani-i Dhu-l'Djelal),dem Schöpfer in all Seiner Schönheit (Khaliq-i Dhu-l'Djemal),bei Gott in Seiner Vollkommenheit (Allah-i Dhu-l'Kemal)nicht für das Menschengeschlecht, das Ihm, seinem Schöpfer (Khaliq)in dieser flüchtigen Welt (fani dunya)um all Seiner Absichten willen mit Bewusstsein und Verstand (akil)entgegentritt und seinen Schöpfer (Khaliq)mit all seinen Kräften (istidad)liebt und (dafür Sorge trägt, dass alle Menschen) einander lieben, Ihn erkennen und (dafür Sorge trägt, dass alle Menschen) einander kennen lernen, das Ihn in endlosen Gebeten (dua)um die Glückseligkeit (saadet)in einem beständigen Jenseits (beqa-i ahiret)anfleht, wenn ihm sein Verstand unendliches Leid verursacht, das von Ihm ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye)ersehnt, das seiner ganzen Natur (fitrat),dem Geist (ruh)und seinen Fähigkeiten (istidad)nach die Freude selbst ist, nicht ein Haus der Entlohnung und des gerechten Ausgleichs, der Wiederversammlung und des Gerichtes offen stehen sollte? Keineswegs! Hunderttausendmal nie und keineswegs!
Da also nun (alle) diese Erläuterungen, Ausführungen und Zeugnisse sich in (den obigen) kurz zusammengefassten Hinweisen und auf glänzende, kraftvolle Weise auch in der Risale-i Nur wiederfinden, können wir uns hier damit begnügen, darauf hinzuweisen und damit diese so lange Abhandlung kurzerhand abzuschließen.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
* * *
Eine kurze Zusammenfassung der Suratu-l'Fatiha
Zweiter Teil der einen und einzigen Lektion, die ich gegeben habe, nachdem man mich in dieser Dritten Schule Josephs vorübergehend, d.h. nur für eine sehr kurze Zeit aus meiner Isolationshaft heraus in eine Gemeinschaftszelle verlegt hatte.
Dies ist kurz zusammengefasst ein Gedächtnisprotokoll der Lektion, die für die Nurdjus im Gefängnis gehalten wurde. Es war dies in etwa folgende:
Während ich die Ehrenwerte Fatiha betete, wurde ich, einen Tropfen aus ihrem Ozean und einen Blitz aus den sieben Farben ihrer Sonne zu erklären, durch die Fatiha in meinem Herzen ermahnt. Wir hatten tatsächlich schon einige recht schöne und wohltuende Anmerkungen aus diesem heiligen Schatz geschrieben, und zwar insbesondere über den Buchstaben ن "nun" in dem Wort نَعْبُدُ "na'budu" während einer vorgestellten Reise über einen Abschnitt aus dem Neunundzwanzigsten Brief, über die "Acht Symbole (Rumuz-u Semaniye)",
{deckungsgleiche Übereinstummungen im Schriftbild, die beim Lesen des Qur'an ins Auge fallen.}
die "Zeichen des Wunders (Isharat-ul I'djaz)"genannte Auslegung (tefthir)des Qur'an und andere Teile der Risale-i Nur. Doch fühlte ich mich in gewisser Weise dazu verpflichtet, von meinen Erwägungen während des Gebetes (namaz)nur die Hinweise auf die Pfeiler und Zeugnisse des Glaubens (iman),so wie sie der Qur'an so wunderbar zusammenfasst, in Form eines ganz kurz zusammengefassten Auszugs und in der Art und Weise des obigen ersten Teils niederzuschreiben. Ich verweise bei dem Wort
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen!"}
auf zwei, drei Abhandlungen (risalah)in der (Risale-i) Nur und beginne mit اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Lobpreis und Dank sei Gott!"}
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ...الخ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen! Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten! Usw."}
Das erste Wort heißt:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott!"}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Das Antlitz der Erde, ja selbst das Universum ist angefüllt mit absichtsvollen (qasdi){Anlage und Funktionsweise eines Euters und die Trennung von Milch und Blut in ihm sind wohlüberlegt und nicht zufällig.} Gnadengaben und Wohltaten (in'am ve ni'met),die in der Tat eine Quelle von Lobpreis und Dank (hamd ve shukur)im All sind, insbesondere für die reine, saubere, nahrhafte Milch, die den hilflosen Jungtieren (aus einer Quelle) gesandt wird, die zwischen Blut und Mist (hervorsprudelt); und genau so sind auch die freiwilligen Gaben (ihsan),Geschenke, die Gastmähler und die in Seiner Barmherzigkeit (merhamet)erwiesenen Ehren (ikram).Der Preis dafür ist das "im Namen Gottes (Bismillah)"am Anfang (des Gastmahls), das "Gott sei Lob und Dank (Elhamdulillah)am Ende (des Gastmahls) und die Empfindung der Großzügigkeit (ni'met)in dem Gastgeschenk (in'am)während des Empfangs und auf diese Weise seinen Herrn (Rabb)zu erkennen. Betrachte nun dich selbst, deinen Magen und deine Sinne! Wie viele Dinge und Geschenke (ni'met)benötigen sie doch!
Sieh, welches Maß an Versorgung (rizq)und wohlschmeckenden Dingen sie erstreben! Vergleiche sodann alle Lebewesen (dhi-hayat)mit dir selbst! Das alles aber zeigt sonnenklar, mit wie viel grenzenlosem Lob und unendlichem Dank (hamd ve shukur)als Entgelt für diese allgemeinen Gnadengaben mit und ohne Worte (hal ve qal)zum Ausdruck gebracht wird, dass es mit großer, ja absoluter Sicherheit einen Allbarmherzigen Geber (Mun'im-i Rahiem)und die unumschränkte Herrschaft (Rububiyet)eines Lobpreis und anbetungswürdigen (Mabud-u Mahmud)Wesens (maudjudiyet)geben muss.
Das zweites Wort heißt:
رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Herr der Welten"}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Wir können in der Tat mit eigenen Augen sehen, dass es im Universum nicht Tausende, nein, Millionen Welten kleiner Universen gibt, die (kleinen Mikrokosmen) meistens in (den großen Makrokosmen). Und obwohl eine jede einzelne von ihnen anders organisiert (idare)ist und verschieden verwaltet (tedbir)wird, werden sie doch so vollkommen versorgt (terbiye),geführt (tedbir)und verwaltet (idare).So wird das gesamte Universum gleich einer einzigen Seite in jedem Augenblick erneuert und ausgetauscht und alle Welten gleich einer einzigen Zeile mit dem Stift der Macht (kalem-i qudret)und der Bestimmung (qader)niedergeschrieben. Innerhalb Seines grenzenlosen Herrschaftsbereiches (Rububiyet)werden mit unendlichem Wissen (ilim)und grenzenloser Weisheit (hikmet)und einer alles umfassenden Barmherzigkeit (rahmet)und Aufmerksamkeit diese Millionen von Welten (alem)und dahinströmenden Universen verwaltet (idare)und stellen so jederzeit und in jedem Augenblick, in ihrer Gesamtheit wie auch jede für sich die zahllosen und grenzenlos
vielen Zeugnisse für den Herrn der Welten (Rabbul Alemin),der da notwendigerweise sein muss (vudjub-u vudjud)und Seine Allgegenwart (vahdet)nach der Anzahl aller Atome und nach der Anzahl der vorhandenen (maudjud)Welten dar, die aus diesen Atomen gebildet sind. Ein Mensch, der die Herrschaft (Rububiyet)dessen, der alles, von den Weiten der Atome, über das Sonnensystem und jene Galaxis, die man die Milchstraße nennt, und von der Zelle eines Körpers über jenen Vorratsspeicher, der unsere Erde ist, bis hin zum Universum in seiner Gesamtheit nach dem gleichen Gesetz (kanun),mit der gleichen (Macht) Seiner Herrschaft (Rububiyet)und der gleichen Weisheit (hikmet)lenkt und leitet (idare ve terbiye),nicht bestätigen, nicht wahrnehmen, nicht wissen und nicht sehen will, der verdient sicherlich eine unendliche Strafe und ist somit der göttlichen Barmherzigkeit (merhamet)nicht mehr würdig.
Das dritte Wort heißt:
اَلرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Er ist der Erbarmer, der Allbarmherzige."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Die Anwesenheit und die Wahrheit (maudjudiyet ve haqiqat)von einem grenzenlosen Erbarmen (rahmet)im Kosmos ist in der Tat ebenso offensichtlich wie die Strahlen der Sonne. Mit der gleichen absoluten Sicherheit, mit der das Licht Zeugnis ablegt für die Sonne, bezeugt auch dieses weithin ausgedehnte Erbarmen (überall auf der Erde) wenn auch (oft wie) hinter einem Vorhang verborgen, das Erbarmen des Allbarmherzigen (Rahman-i Rahiem).Der bedeutendste Teil dieses Erbarmens (rahmet)ist in der Tat die Versorgung (rizq),die dem Allbarmherzigen (Rahman)die Bedeutung eines Versorgers (Rezzaq)verleiht. Was aber die Versorgung betrifft, so deutet sie so klar und offensichtlich auf einen
allbarmherzigen Versorger (Rezzaq-i Rahim)hin, dass ein jeder, der auch nur über ein Karat Verstand verfügt, dies bestätigen muss. Zum Beispiel: Er sendet allem, was da lebt (dhihayat),vor allem aber und ganz besonders den hilflosen, (den Kindern) und Jungtieren überall auf der Erde und in der Luft auf geradezu wunderbare Weise und über alles (eigene) Können und Vermögen (ihtiyar ve iktidar)hinaus (Nahrung) in Form von Kernen, Tropfen einer Flüssigkeit und Körnern aus der Erde, die alle irgendwie einander ähnlich sind, (und bringt sie gleichsam wie) aus dem Nichts hervor. Er lässt sogar die kleinen, noch schwachen Vögel, solange sie noch nicht flügge sind und noch in ihrem Nest in der Krone eines Baumes hocken, ihre Mütter gleich Soldaten, die auf ihren Befehl warten, ausschwärmen (und Futter suchen) und es (rizq)ihnen bringen. Er unterwirft eine hungrige Löwin ihrem Jungen, sodass sie das Fleisch, über das sie verfügen könnte, nicht selber frisst, sondern ihr Junges damit füttert. Und den übrigen Jungtieren und den Babies der Menschen sendet Er, um ihnen damit zu helfen, angenehme, nahrhafte, reine, lautere, weiße Milch, gleich Kauthar-Wasser aus der Quelle ihrer Euter, ohne dass sie dabei von ihrem roten Blut und von (Kuh)-Mist verunreinigt wäre und versorgt sie so auch mit der helfenden Liebe (shefqat)ihrer Mütter. Auch lässt Er zu allen Bäumen, die ihre Art Nahrung (rizq)erheischen, auf eine ganz wunderbare Weise genau diese ihnen entsprechende Nahrung (rizq)eilen und in gleicher Weise versorgt Er in Seiner Güte (ihsan)auch die innerlichen Zentren des Menschen, die gleichfalls eine Art physischer wie psychischer Nahrung (rizq)erheischen, indem Er ihnen auf einem großen und weiten Tisch (sofra)Nahrung (rizq)für Verstand (aql),Herz (qalb)und Seele (ruh)bereitet. Es ist als bestünde das All aus Hunderttausenden ganz unterschiedlicher und völlig voneinander verschiedener Tische (sofra),{gemeint sind einfache Tücher} die wie die Blüten
einer Rose oder Hüllblätter eines Maiskolbens übereinander liegen, sodass sie alle, für einen jeden, der nicht ganz und gar blind ist, mit soviel Zungen, wie es Tische und auf ihnen Speisen und (allerlei) Gaben (ni'met)gibt, und mit ebenso vielen ganz verschiedenen, universellen wie individuellen Sprachen auf den Einen Allbarmherzigen Ernährer (Rahman-i Rezzaq),den Allgütigen Erbarmer (Rahiem-i Kerim)hinweisen.
Wenn man also nun sagen wollte:
"Alle diese Katastrophen, Abscheulichkeiten und all das Böse in dieser Welt stehen im Gegensatz zu der alles umfassenden Barmherzigkeit (rahmet)Gottes und sind ein Schandfleck auf ihr",
so lautet die Antwort darauf:
Diese (in ihren Konsequenzen) dermaßen heikle Frage wurde in den Abhandlungen der Risale-i Nur, wie z.B. in der über das Vorherwissen Gottes (qadr)bereits vollständig beantwortet. Daher wollen wir uns hier mit dem folgenden kurzen Hinweis begnügen:
Alle (vier) Elemente, ein jedes nach seiner Art und alles Sein (maudjud),das universelle wie das individuelle, hat unendlich viele Aufgaben, und (die Erfüllung) einer jeden dieser Aufgaben bringt wiederum zahllose Ergebnisse als seine Früchte hervor. Ihre überwiegende Mehrheit ist heilsam, schön, gut und segensreich. Nur ein geringer Teil von ihnen kennt seine negativen Seiten, seine verkehrten Anschlüsse, verdient eine Strafe oder Züchtigung, (der größere aber) dient vielmehr dazu, viele fruchttragende Ähren hervorzubringen. Ein offensichtlich geringeres Übel ist die Hässlichkeit und wird als Unbarmherzigkeit angesehen. Wird aber ein Element, oder würde alles Sein (maudjud)daran gehindert, seine Aufgabe zu erfüllen, um im Namen der Barmherzigkeit (rahmet)dieses kleinere Übel zu vermeiden, so würde alles Gute und könnten alle übrigen schönen Ergebnisse nicht zustande kommen. Da aber die Abwesenheit des Guten schlecht ist und die Zerstörung der Schönheit Hässlichkeit ist, würde alles Böse,
Hässliche und Erbarmungslose entsprechend der Anzahl solcher Ergebnisse geschehen. Das heißt also, dass hunderterlei Übel und Unbarmherzigkeiten sich fortsetzen würden, damit ein einziges Übel nicht geschieht, was aber der Weisheit (hikmet),dem Sinn (maslahat)und der Barmherzigkeit (merhamet)in der Herrschaft Gottes (Rububiyet)entgegengesetzt wäre. Wenn z.B. Schnee und Frost, Feuer und Regen in ihrer Art hunderterlei Weisheiten (hikmet)und Vorteile mit sich bringen, einige unaufmerksame, unvorsichtige (Leute) aber durch eine Fehlentscheidung sich selbst schädigen, indem sie z.B. ihre Hand ins Feuer halten und dabei sagen, dass sich in der Erschaffung des Feuers keine Barmherzigkeit (rahmet)fände, so würde all das zahl- und grenzenlose Gute des Feuers und all sein zweckdienlicher und barmherziger (merhamet)Nutzen sie Lügen strafen und sie dafür auf den Mund schlagen.
Zudem können selbstsüchtige Gelüste und niedrige, über alle Folgen hinwegsehenden Emotionen nicht als Kriterien, Maßstäbe oder Richtschnur für die Gesetze der Barmherzigkeit (rahmaniyet),der Herrschaft (hakimiyet)und der Regierung (Rububiyet)gelten, die den Kosmos durchströmen. So sieht man also (alle Dinge) entsprechend der Farbe seines Spiegels. (Ein Mensch) mit einem erbarmungslosen, schwarzen Herzen erblickt die Welt in ihrer weinerlichen, hässlichen, finsteren und ungerechten Gestalt. Betrachtet er sie aber mit den Augen des Glaubens, so kann er sie (in der Gestalt) eines riesigen Menschen bezeugen, gekleidet in 70.000 schöne Kleider, eines über dem anderen, genäht in aller Barmherzigkeit (rahmet),allem Guten und aller Weisheit (hikmet),gleich den Huris des Paradieses, die in 70 schöne Gewänder gekleidet sind, die immer lachen und erbarmungsvoll lächeln. (In dieser Welt, die einem riesigen Menschen gleicht) ist die Menschheit wie eine Welt im Kleinen und jeder einzelne Mensch gleich dessen verkleinertem Abbild, der mit Geist (ruh)und Seele ausruft:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ ٭ اَلرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ مَالِكِ يَوْمِ الدِّينِ
{"Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten, der am Tage des Gerichtes herrscht."}
Das vierte Wort heißt:
مَالِكِ يَوْمِ الدِّينِ
{"Er herrscht am Tage des Gerichtes."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Erstens:
Am Ende des ersten Teils dieser Lektion (ders),worin alle Beweise dafür Zeugnis ablegen: وَ اِلَيْهِ الْمَصِيرُ {"Und bei Ihm ist der (uns bestimmte letzte) Aufenthalt."} dass die Wiederversammlung und das Jenseits (akhirah)ganz offensichtlich sind und desgleichen: مَالِكِ يَوْمِ الدِّينِ {"Er herrscht am Tage des Gerichts."} für den Glauben (iman)an die Wiederauferstehung und eine alles umfassende Wahrheit (haqiqat).
Zweitens:
Gleich wie es am Ende des Zehnten Wortes heißt, dass die Ewige Herrschaft (sermedi Rububiyet)des Schöpfers (Sanii),Sein Erbarmen (rahmet),Seine Weisheit (hikmet),Seine ewige und immerwährende Schönheit (edheli-ebedi djemal),Seine Majestät (djelal),Seine Vollkommenheit (kemal)und all die unendlich vielen Eigenschaften (sifatlar)und die Hunderten von Namen mit absoluter Sicherheit ein Jenseits verlangen, so zeugen auch der Qur'an mit seinen Tausenden von Ayat und seinen Beweisen, Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, und seine Hunderte von Wundern (mu'djizat)und Zeugnissen und alle Propheten (enbiya),mit denen der Friede sei, mit ihren himmlischen Büchern und Schriften und durch zahllose Belege für ein Ewiges Leben (hayat-i baqiye)in einer
jenseitigen Wohnstatt (dar-i ahiret),sodass ein Mensch, der nicht daran glaubt sich noch in dieser Welt selbst in eine aus seinem Unglauben (kufr)entstehende innere Hölle (djehennem)stürzt und dort ewige Qualen leidet. Wie dies bereits in dem "Wegweiser für die Jugend" dargestellt wurde, regnen alle vergangenen und kommenden Zeiten, alle Geschöpfe und alle Welten durch ihren Zerfall und die Trennung von ihnen beständig unendlich viele Welten in ihren Geist (ruh)und ihr Herz (qalb)hinab, sodass sie, noch bevor sie zur Hölle hinabfahren, die Qualen der Hölle (djehennem)erleiden.
Drittens:
يَوْمِ الدِّينِ {"Tage des Gerichtes"} spielt mit diesem Hinweis auf dieses große und machtvolle Zeugnis der Wiederversammlung an. Doch in unserer augenblicklichen Lage (maqam)ist plötzlich ein Umstand (hal)eingetreten, welcher der Grund dafür ist, dass wir den (eigentlichen) Beweis auf eine andere Zeit verschieben mussten. Aber vielleicht ist das dann auch gar nicht mehr nötig. Denn es haben schon (verschiedene Abschnitte) der Risale-i Nur an Hand von Hunderten machtvoller Zeugnisse so sicher wie der Tag der Nacht und der Frühling dem Winter folgt bewiesen, dass der Morgen und der Frühling der Auferstehung und Wiederversammlung (heraufdämmern wird).
Das fünfte Wort heißt:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
Bevor wir auf das darin enthaltene Zeugnis (zu sprechen kommen), möchte ich aufgrund der Erläuterung im Neunundzwanzigsten Brief, kurz anführen, was mir auf einer visionären Reise (seyahat-i hayal)in meinem Herzen (qalb)deutlich geworden ist. Es ist dies wie folgt:
Als ich einmal im Qur'an nach den Wundern (mu'djize)
seiner Verkündigung suchte, wie sie in der Risale-i Nur, besonders in den "Zeichen des Wunderbaren (Isharat-ul I'djaz)",dem Buch der Kommentare (tefthir-i Nuriye),und in den "Acht Symbolen (Rumuz-u Semaniye)"erklärt worden sind, fand ich in den letzten Ayat der Sure "Fath" vier, fünf Wunder und Hinweise aus dem Verborgenen, ja in der Ayah
اَلْيَوْمَ نُنَجِّيكَ بِبَدَنِكَ
{"An jenem Tage werden wir dich in deinem Leibe retten." (Sure 10, 92)}
einem geschichtlichen Wunder, sogar in vielen Worten blitzartig aufleuchtende Wunder und wundersame Anmerkungen zu einigen (besonderen) Silben (harf).Und so tauchte denn einmal in meinem Herzen (qalb),während ich im Gebet (namaz)die Suratu-l'Fatiha rezitierte, um mich auf ein Wunder in dem arabischen Buchstaben ن "nun"(deutsch: "n") hinzuweisen, mit dem die Worte نَعْبُدُ, نَسْتَعِينُ {"wir beten an" (na'budu), "wir flehen um Hilfe" (nesta'in)} beginnen, die Frage auf: Warum sagen wir nicht einfach اَعْبُدُ, اَسْتَعِينُ {"ich bete an" ('abudu), "ich flehe um Hilfe" (esta'in)?} Warum also verwenden wir hier dieses ن "nun"der ersten Person Plural und bringen dadurch arabisch "wir" zum Ausdruck? Da ging mir plötzlich durch dieses ن "nun"hindurch das Tor zu einer visionären Reise weit auf. Und so verstand ich auf einmal dieses gewaltige Geheimnis, dieses große Verdienst des gemeinschaftlichen (djemaat)Gebetes (namaz)und ich sah und erkannte als ein Augenzeuge, dass in diesem einen einzigen Buchstaben ein Wunder sichtbar wird. Es ist dies folgendes:
Ich sagte also damals während ich in der Bayezid Moschee zu Istanbul das Gebet (namaz)verrichtete:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
Dann blickte ich auf, und während die Gemeinde (djemaat)in dieser Moschee gleich mir (das gleiche Gebet) sprach, unterstützte sie mein Gesuch (dava)und schloss sich der Bitte (dua) اِهْدِنَا {"führe uns"} ganz und gar an. Und zugleich öffnete sich mir (eine Art) Vorhang und ich sah, wie alle Moscheen in Istanbul einer einzigen großen Bayezid Moschee gleich wurden. Und gleich mir sagten (sie alle):
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
Sie unterschrieben (alle) mein Gesuch, meine Wünsche und Gebete (dua)und sagten "Amen"dazu. Und während sie (alle zusammen) für mich die Gestalt eines Fürsprechers annahmen, ging für mich auch in dieser inneren Schau (hayal)erneut ein Vorhang auf. Und ich sah, wie die ganze islamische Welt die Gestalt einer großen Moschee annahm. Darinnen bildete die Kaaba in Mekka den Mihrab. Alle Muslime nahmen zum Gebet (namaz)Aufstellung, bildeten um den heiligen Mihrab herum einen Kreis und rezitierten (gemeinsam):
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ اِهْدِنَا
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. Führe uns!"}
Und jeder sprach im Namen aller die Gebete (dua)und die Bitte um Hilfe. So beteten sie miteinander,
legten füreinander Zeugnis ab und nahmen einander zu Fürsprechern, während ich bei mir dachte: "Der Weg einer solch gewaltigen Gemeinschaft und was sie erstrebt, kann nicht falsch sein, und ihre Gebete können nicht zurückgewiesen werden. Sie wird die Einflüsterungen (vesvese)des Teufels zurückweisen." So bestätigte ich die augenscheinlich großen Verdienste (menfaat)des Gebetes (namaz)in der Gemeinschaft (djemaat)und wiederum öffnete sich mir ein Vorhang. Und ich sah, dass der ganze Kosmos gleich einer gewaltigen Moschee und darinnen alle Arten lebender Geschöpfe mit den unbelebten Formen Seiner Schöpfung (makhluqat)vereinigt zu einem einzigen gewaltigen Gebet (salat-i kubra),als Gemeinde (djemaat),in der ein jedes in seiner eigenen Art und Sprache oder durch sein ganzes Dasein (lisan-i hal)in wortloser Anbetung (ibadet)sein Gebet (namaz)zum Ausdruck bringt, um, ein jedes für sich, in einer großen und weiten Anbetung (ubudiyet)des Anbetungswürdigen in Seiner Majestät (Mabud-u Dhul'Djelal)und allumfassenden Herrschaft (Rububiyet)ein umfassendes Zeugnis abzulegen und Seine Einheit (tauhid)zu bestätigen, ihren Platz einzunehmen und so den Beweis für das gleiche Ergebnis zu erbringen. Und so öffnete sich mir plötzlich abermals ein neuer Vorhang. Und ich sah, wie dieser große Mensch, der der Kosmos ist, mit seinem ganzen Dasein (lisan-i hal)zum Ausdruck bringt:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
Und mit all den vielen Gliedern (die diesen Menschen bilden) in der Sprache seiner Natur (fitr)mit ihren Fähigkeiten und charakteristischen Merkmalen und mit allen mit Bewusstsein begabten Wesen (maudjudat)mit Worten:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
sagt und so ihren Dienst und ihre Anbetung (ubudiyet)gegenüber dem allbarmherzigen (merhamet)Schöpfer (Khaliq)und Seiner Herrschaft (Rububiyet)erweisen, so bringen auch die Zellen, Organe und alle Sinne meines Körpers, gleich denen in den Körpern meiner Freunde in dieser gewaltigen Gemeinschaft (djemaat),die alle für sich einen winzig kleinen Kosmos bilden, in der Sprache ihres Daseins (lisan-i hal)mit ihrem Gehorsam (itaat)und mit all ihren Bedürfnissen gegenüber der Herrschaft (Rububiyet)ihres Schöpfers (Khaliq)zum Ausdruck:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
und zeigen so, dass sie in Übereinstimmung mit dem göttlichen Befehl und Willen (emir ve irade)handeln und in jedem Augenblick der Gnade (inayet)und des Erbarmens (rahmet)ihres Schöpfers (Khaliq)bedürfen. Und so wie ich voll Staunen das heilige Geheimnis (qudsi sirr)des Gebets (namaz)in der Gemeinschaft (djemaat)und das einzigartige Wunder (mu'djize)des ن "nun"wahrgenommen hatte und durch das Tor des ن "nun"eingetreten war, so verließ ich es nun wieder und sagte Elhamdulillah. Und so wurde es meine Gewohnheit, den Satz:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe."}
stets im Sinne dieser drei Gemeinschaften (djemaat)mit ihren großen und kleinen Gefährten zu rezitieren. Somit haben wir nun diese Einführung beendet und kommen jetzt zu unserem eigentlichen Thema:
اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ
{"Dich allein beten wir an und zu Dir allein flehen wir um Hilfe. Führe uns!"}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Erstens:
Wie wir mit unseren eigenen Augen sehen können, wie im gesamten Universum, besonders aber rund um die Erde im Verlauf einer beständigen (daimi),Ehrfurcht gebietenden Tätigkeit und in der schöpferischen Ordnung (faaliyet ve khallaqiyetin intizam)eine barmherzige (merhametkarane),lenkende und leitende (mudebbirane),absolute Herrschaft (rububiyet-i mutlaqa)jedem einzelnen der zahllosen Lebewesen (dhi-hayat)auf ihre Erwartung hin, ihre in Handlung, Haltung und in Worten geäußerten Bitten und Gebete mit einer vollkommenen Weisheit und Gnade (kemal-i hikmet ve inayet)tatkräftig zu Hilfe eilt und dadurch Seine absolute Gottheit (uluhiyet-i mutlaqa)und Seine universelle Anbetungswürdigkeit (ma'budiyet-i amme)in Erscheinung tritt und als Antwort auf die Gebete (ibadet)der gesamten Schöpfung, besonders aber der lebenden (Natur), und ganz besonders der Völker der Menschheit, die sie Ihm ihrer Natur (fitr)gemäß auf tausendfältige Weise willig darbringen, wie man dies mit gesundem Verstand und dem Auge des Glaubens (iman)beobachten kann und worüber uns auch alle vom Himmel herab geoffenbarten Erlasse (ferman)und die Propheten (enbiya)Nachricht gegeben haben.
Zweitens:
Wie bereits das ن "nun"in نَعْبُدُ {"Wir beten an."} in der obigen Einführung kennzeichnet, ist jede der drei Gemeinschaften (djemaat)und sind alle drei insgesamt, wie sie je nach ihrer Natur (fitr),jedoch auf ganz verschiedene Weise damit beschäftigt sind, willig ihren Dienst und ihre Anbetung (ibadet)darzubringen, ganz offensichtlich und ohne jeden Zweifel in sich selbst eine von Dank erfüllte Reaktion auf Seine Anbetungswürdigkeit (mabudiyet)und ein grenzenloses, zweifelsfreies Zeugnis (shehadet)für die Gegenwart (maudjudiyet)dieses Angebeteten Allheiligen (Mabud-u Muqaddes).Auch das ن "nun"in
نَسْتَعِينُ {"flehen wir um Hilfe."} kennzeichnet den Hilferuf der oben erwähnten drei Gemeinschaften, ausgedrückt in ihrem Tun und in ihrer Haltung, und zwar jeder Gemeinschaft, von der Gesamtheit des Universums angefangen bis hin zur Gemeinschaft der Zellen und Atome eines Körpers, durch den sie ohne allen Zweifel in ihrer Erwartung und ihren Gebeten (dua)Zeugnis für den Einen ablegen, der ihnen voll Liebe (shefqat)zu Hilfe eilt, sie lenkt und leitet, ihre Gebete annimmt und sie erhört. So heißt es z.B. im Dreiundzwanzigsten Wort, dass die Annahme der drei Arten Gebete (dua){Entfaltung, Versorgung, Rettung} der gesamten belebten wie unbelebten Schöpfung (makhluqat)auf der Erde überaus wunderbar und über alle Erwartung ist und so ein absolut sicheres Zeugnis (shehadet)für einen allbarmherzigen und allerhörenden Herrn (Rabb-i Rahiem ve Mudjib)ist. So wie wir also in der Tat mit unseren eigenen Augen sehen können, wie die Gebete (dua)aller Kerne und Körner, mit denen sie in der Sprache ihrer Entwicklungsfähigkeit ihren Schöpfer darum bitten, Bäume und Ähren zu werden, angenommen werden, so legt auch die Annahme der Gebete (dua)aller Tiere, wenn sie in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse (ihtiyadj-i fitri)von dem Einen (in Erfüllung) ihrer Wünsche (matlub)ihre Versorgung (rizq)und all das Lebensnotwendige ersehnen, was ihre Hände nicht erreichen können und außerhalb ihrer Möglichkeiten (iktidar)liegt, vor unseren eigenen Augen ganz offensichtlich Zeugnis (shehadet)für den Freigiebigen Schöpfer (Khaliq-i Kerim)ab, der (ihre Gebete) annimmt und Seiner einzigartigen lebenden wie unbelebten Natur (makhluqat)zur rechten Zeit voll Weisheit (hikmet)zu Hilfe eilt.
Ebenso legt im Vergleich mit den beiden obigen auch die wunderbare Annahme aller Arten mit Worten ausgesprochener (lisan-i qal)
Gebete (dua),besonders der Propheten (enbiya),mit denen der Friede sei, und aller Gottesfreunde (havas)Zeugnis (shehadet)für den Beweis Seiner, (in der Bitte) وَ اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ {"Zu Dir allein flehen wir um Hilfe!"} (zum Ausdruck gebrachten) Allgegenwart (vahdet)ab.
Das sechste Wort heißt:
اِهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ
{"Führe uns den rechten Weg!"}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
So wie unter den von einem Ort zu einem anderen Ort führenden Wegen in der Tat der kürzeste (Weg) der in die rechte Richtung weisende (Weg) und unter den von einem Punkt zu einem von ihm entfernten anderen Punkt gezogenen Linien diejenige die kürzeste ist, die vollkommen gerade verläuft, so ist auch unter den geistlichen, den innerlichen Wegen und Schulen des Herzens (kalbi meslek)der einzig richtige, in die rechte Richtung weisende (Weg), auch der kürzeste und einfachste (Weg). So weisen z.B. alle Überlegungen in der Risale-i Nur und die Gegenüberstellungen der Wege des Unglaubens (kufr)und des Glaubens (iman)mit absoluter Sicherheit darauf hin, dass der Weg des Glaubens und (die Bestätigung) der Göttlichen Einheit (tauhid)ein sehr kurzer, gerader, die rechte Richtung weisender und leichter (Weg) ist, der Weg des Unglaubens und der Verleugnung (kufr ve inkar)dagegen ein sehr langer, schwieriger und gefährlicher (Weg). Das aber heißt, dass in einem auf gerader, weisheitsvoller und in jeder Weise kurzer und leichter Bahn geführten Kosmos sicherlich eine Teilhaberschaft und Unglaube (shirk ve kufr)nicht wahrhaftig bestehen können, der Glaube (iman)und (die Bestätigung) der Göttlichen Einheit (tauhid)im Kosmos
dagegen unentbehrlich und notwendig sind.
Zudem ist der angenehmste, vorteilhafteste, kürzeste und sicherste Weg menschlicher Moral (akhlaq)der die rechte Richtung weisende Pfad (sirat-i mustaqim)und seine Beibehaltung (istikamet).
Wenn also z.B. die Kraft des Verstandes (quvve-i aqliye)nicht der Weisheit (hikmet)des mittleren Weges (hadd-i vasat)folgt und jene einfache Orientierung (istikamet)verliert, die so verdienstvoll ist, so führt das entweder durch Übermaß (ifrat)oder durch Unzulänglichkeit (tefrit)zu einem nur negativen Geschwätz (djerbeze)und bösartiger Torheit und gerät auf ihren langen Wegen in allerlei Gefahren.
Und wenn die Kraft der Wut (quvve-i ghadabiye)nicht einer richtungweisenden Linie (hadd-i istikamet)sich mutig (schedja'at)(für eine gerechte Sache einzusetzen) folgt, so endet sie entweder in maßlosen Übertreibungen (ifrat)und äußerst gefährlichen, von Zorn erfüllten Unterdrückung und zugleich Überheblichkeit (tehevvure ve tedjebbure),oder aber in demütigender Unterlegenheit (tefrit)und schmerzlicher Feigheit und Furchtsamkeit , verliert jegliche Orientierung (istikamet),trägt dafür die Folgen ihrer Verfehlung und erleidet deshalb beständige Gewissensqualen (vidjdani bir adhab).
Und wenn die durchaus menschliche Kraft der Begierde (quvve-i sheheviye)von der sicheren Orientierung (selametli istikamet)abweicht und so die ehelichen Pflichten (iffet)verletzt werden, so führt dies entweder durch Übertreibung (ifrat)zu einer unheilvollen, schamlosen Ausschweifung (fudjur)und zur Unmoral (fuhsh),oder aber zu Potenzschwäche (tefrit)und Gefühlskälte und so verliert (jede sexuelle Empfindung) allen Genuss und jegliche Befriedigung, die in dieser Gabe (ni'met)liegt, was sich (letzten Endes) zur Qual (adhab)einer geistigen Krankheit auswächst.
Wenn man nun aber einen Vergleich anstellt, so ist im persönlichen Leben wie auch im öffentlichen Leben das gesunde Mittelmaß (istikamet)der verdienstvollste, einfachste und kürzeste von allen Wegen. Wer aber den die
rechte Richtung weisenden Pfad (sirat-i mustaqim)verliert, dessen Wege sind unheilvoll, endlos lang und gefährlich.
Das aber heißt اِهْدِنَا الصِّرَاطَ الْمُسْتَقِيمَ {"Führe uns den rechten Weg!"} ist ein außerordentlich weites und umfassendes Gebet (dua),gleich einem Dienst, einer Anbetung (ubudiyet),und ein Hinweis auf das Zeugnis der Göttlichen Einheit (tauhid),und ein Unterricht in Ethik und Weisheit (ahlak ve hikmet).
Das siebente Wort heißt
صِرَاطَ الَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ
{"den Weg derer, denen Du huldvoll bist."}
Der darin enthaltene ganz kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Erstens:
Wer عَلَيْهِمْ {"denen"} sind, wird in der Ayah erklärt:
مِنَ النَّبِيِّينَ وَا لصِّدِّيقِينَ وَ الشُّهَدَآءِ وَ الصَّالِحِينَ
{"von den Propheten, den Getreuen, den Blutzeugen und den Wohltätern" (Sure 4, 69)}
Es handelt sich hier um die vier Klassen des Menschengeschlechts, welche die Gnade der Rechtleitung (istikamet ni'meti)empfangen haben. Als Anführer dieser verschiedenen Gruppen wird mit النَّبِيِّينَ {"Propheten"} auf Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, mit
وَ الصِّدِّيقِينَ {"Getreuen"} auf Abu Baqr-i Siddiq, mit dem Gott zufrieden sein möge, und mit وَ الشُّهَدَآءِ {"Zeugen"} auf Omar, Osman und Ali verwiesen. Eine Kunde aus dem Verborgenen weist darauf hin, dass nach dem Propheten, mit dem Friede und Segen sei, und dem Getreuen, mit dem Gott zufrieden sein möge, Omar, Osman und Ali, mit denen Gott zufrieden sein möge, diese drei, sowohl Blutzeugen als auch Kalifen sein werden, was hier blitzartig ein Wunder beleuchtet.
Zweitens:
Die Wahrheit von der Göttlichen Einheit (haqiqat-i tauhid),welche diese vier höchsten, am besten rechtgeleiteten, getreuen Gruppen des Menschengeschlechtes seit den Zeiten Adams, mit dem der Friede sei, mit aller Kraft (quvvet)gelehrt und anhand ihrer geistigen Entdeckungen (keshfiyat)aller Art und mit zahllosen Beweisen, Wundern (mu'djize, keramet, delil)bekräftigt haben, und welche die Mehrheit aller Menschen bestätigt hat, ist mit absoluter Sicherheit so klar wie die Sonne. Mit ihren Hunderttausenden Beweisen ohne Zahl haben solche hervorragenden Führer der Menschheit ihre Rechtschaffenheit und Wahrhhaftigkeit (haqqaniyet)dargelegt und ihr Konsens und ihre Übereinstimmung in allen Dingen, die eines Beweises (musbet)bedürfen, wie der der Seinsnotwendigen Existenz (vudjub-u vudjud)und Einheit (tauhid)Gottes und Seiner Allgegenwart als Schöpfer (vahdet-i Khaliq),sind dafür ein derartiger Beweis, dass kein Zweifel daran mehr möglich ist. Ja, begehen etwa solche, die eine Wahrheit (haqiqat),welche die geradlinigsten (mustaqim),getreuesten (sadiq)und allgemein anerkannten Lehrer (murshid)und Führer (re'is)zur Vollkommenheit unter diesen vier Gruppen der Menschheit,
welche die vorzüglichste Frucht der Schöpfung des Alls, Gottes Treuhänder (Kalif) auf Erden und durch ihre Begabung die vielseitigsten und erhabensten unter allen Lebewesen ist, und (welche diese vier Gruppen) mit ihrem Konsenz und in ihrer Übereinstimmung geglaubt und verkündigt und das ganze Universum mit der gesamten belebten wie unbelebten Natur (maudjudat)dafür angeführt haben und wovon sie in wissenschaftlicher (ilme l-yaqien),augenscheinlicher (ayne l-yaqien),ja einer, der Wahrheit gemäßen Sicherheit (haqqa l-yaqien)überzeugt waren und sich unerschütterlich zu ihr bekannt haben, nicht anerkennen wollen, ja sie sogar leugnen, nicht ein grenzenloses Verbrechen und verdienen sie dafür nicht eine unendliche Strafe?
Das achte Wort lautet:
غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ وَ لاَ الضَّآلِّينَ
{"nicht derer, denen Du zürnst und nicht derer, die in die Irre gehen."}
Der darin enthaltene kurze Hinweis auf den folgenden Beweis ist dieser:
Die Geschichte der Menschheit und die Heiligen Bücher verkünden in der Tat, gestützt auf allgemeine Überlieferungen (tevatur)und umfassende, absolut zuverlässige Berichte, in Übereinstimmung mit den Informationen und Beobachtungen von Zeitzeugen auf eindeutige und absolut zuverlässige Weise, wie den Propheten, mit denen der Friede sei, und welche die Leute des rechten Weges sind, bei Tausenden von Gelegenheiten auf ihre Bitte hin in wunderbarer Weise Hilfe aus dem Unsichtbaren zuteil wurde und sie genau das erhielten, worum sie gebeten hatten, wie jedoch zu gleicher Zeit bei Hunderten von Gelegenheiten der Zorn über die Gottesleugner kam, die ihre Feinde waren, und das Unglück vom Himmel her über ihre Köpfe herab regnete, was absolut zweifelsfrei zeigt, dass es über dem Universum und dem Menschengeschlecht darinnen einen weisen (Hakiem),gerechten (Adil),freigiebigen (Muhsin),gütigen (Kerim),ehrwürdigen (Aziz),unbesiegbaren (Qahhar)
Herrn (Rabb)und Meister (Mutasarrif)gibt, der so vielen Propheten (nebi),wie Noah, Abraham, Moses, Hud und Salih, mit denen der Friede sei, auf so wunderbare Weise bei so vielen historischen und allgemein bekannten Ereignissen Sieg und Rettung verliehen und über Thamud, Ad und das Volk des Pharao und viele andere Tyrannen und Gottesleugner, als Strafe für ihre Auflehnung (isyan)gegen die Propheten noch in dieser Welt eine fürchterliche Strafe herabkommen ließ.
Seit der Zeit Adams, mit dem der Friede sei, finden sich in der Menschheit in der Tat zwei gewaltig große Strömungen, die aufeinander prallen. Die eine davon besteht darin, dass die Leute des Prophetentums (ehl-i nübüvvet= die Propheten), der Rechtschaffenheit (salahat)und des Glaubens (iman),indem sie dem rechten Weg folgen (istikamet),Gnade die Fülle (ni'met)und Glückseligkeit in beiden Welten (saadet-i dareyn)erlangen und dadurch, dass sie ihre Handlungen in Übereinstimmung mit der wahrhaftigen Schönheit des Universums, seiner Ordnung (intizam)und seiner Vollkommenheit (kemal)maßvoll und ausgewogen durchführen, dabei sowohl das Wohlwollen (lutuf)vom Herrn (sahib)der Welten als auch die Ewige Glückseligkeit beider Welten von Ihm erlangen, als auch durch die Glaubenswahrheiten sogar bis über die Ebenen der Menschen und Engel hinaus fortschreiten und so noch in dieser Welt (dunya)innerlich das Paradies und in jener Welt (akhirah)die Ewige Glückseligkeit (saadet)sowohl selbst erwerben, als auch andere erwerben lassen.
Was den zweiten Strom betrifft, der ja vom mittleren Weg (istikamet)abweicht, so verwandelt er den Verstand (aql)durch seine Übertreibungen (ifrat)und seine Unzulänglichkeiten (tefrit)in ein Gerät der Qual und ein Werkzeug, das die Leiden in sich sammelt. Er stürzt die Menschlichkeit (insaniyet)noch auf eine Stufe niedriger als die armen Tiere hinunter. Da er noch dazu für seine Ungerechtigkeiten hier auf Erden (dunya)eine Strafe göttlichen Zorns und die Ohrfeigen allen Übels empfängt,
sieht er die Welt aufgrund seiner Verirrung und als der Verstand, der an sie gebunden ist, wie ein allgemeines Trauerhaus und ein wirres und abscheuliches Schlachthaus, in dem alle lebenden Wesen kopfüber in das Totenreich stürzen und versetzt somit Geist (ruh)und Gewissen in eine innerliche Hölle (manevi djehennem),selbst nur noch dazu geeignet, im Jenseits (akhirah)eine immerwährende Strafe zu erleiden.
So erteilt denn dieses Ende der Ehrenwerten Sure der Eröffnung (Fatiha-i Sherif)
اَلَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ ٭ غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ وَ لاَ الضَّآلِّينَ
{"denen Du huldvoll bist und nicht derer, denen Du zürnst und die in die Irre gehen"}
eine Lehre (ders)über diese beiden gewaltigen Strömungen. Und in der Risale-i Nur ist diese Ayah zugleich auch die Quelle, das Wesen und der Lehrer (Ustadh)aller Vergleiche. Da aber nun die Abhandlungen in der Risale-i Nur diese Ayah mit Hunderten von Vergleichen erläutern (tefthir),wollen auch wir hier nur kurz auf solche Erklärungen hindeuten und begnügen uns mit diesem Hinweis.
Das neunte Wort heißt:
اٰمِينَ
{"Amin"}
Hier nun ein kurzer Hinweis darauf:
Da nun einmal das ن "nun" in نَعْبُدُ {"wir beten an"} und نَسْتَعِينُ {"wir flehen um Hilfe"} uns diese drei gewaltigen Gemeinschaften (djemaat)vor Augen führt, besonders aber die Gemeinschaft der Gläubigen (muvahhidien)
in jener Moschee, die die islamische Welt ist, und in der sich besonders z.Zt. des Gebetes (namaz)eine Gemeinschaft von Millionen einfindet, uns mitten unter sie führt und uns den Weg öffnet, an ihren Gebeten (dua)teilzunehmen, mit denen sie das, was wir sagen durch das, was sie sagen, bestätigen und wir also, wie durch ihre Fürsprache daran Anteil nehmen, so erfahren durch das Wort "Amen"auch wir und die Gemeinschaft der Gläubigen (djemaat-i muvahhid)und die Bitten der Beter (musallienin dualar)eine Hilfe und eine Unterstützug in unseren Gebeten (dava),wenn wir, begleitet durch ihre Fürsprache (shefa'at)und ihre geschätzte Hilfe mit einem "Amen"unsere Bitten vortragen und sich so unsere bescheidene Anbetung (ubudiyet),unser Gebet (dua)und unsere Bitten (dava)in eine allgemeine, weite und umfassende Anbetung (ubudiyet)verwandelt, sodass sie als eine Entgegennahme der ganzen, großen Herrschaft (Rububiyet)Gottes gilt. Das aber heißt, dass im Geheimnis (sirr)der Bruderschaft des Glaubens (uhuvvet-i imaniye)und ihrer Einheit im Islam (vahdet-i Islamiye)während eines jeden Gebetes (namaz)in dieser (großen) Moschee, die die islamische Welt ist (alem-i Islam mesdjidi),sich Millionen einzelne Beter einfinden, (deren "Amen")nach der "Fatiha"in Anbetracht des einigenden Bandes (rabita-i vahdet)dieser Gemeinschaft (djemaat)und mit Hilfe (einer Art) innerlichen Radiosenders in diesem "Amen"(von allen), eine Universalität und die Kraft von Millionen "Amen"gewinnen könnte.
Anmerkung:
Wenn also ein einfacher Mensch, von dieser heiligen Wahrheit (haqiqat)einem Dattelkern entsprechend seinen Anteil nimmt, so entnimmt ihr hingegen ein geistig (ruh)fortgeschrittener, bis zur Vollkommenheit (kamil)entwickelter (Mensch im Verhältnis dazu) einen Anteil gleich einer Dattelpalme. Wenn jedoch ein (geistlich) noch nicht so weit entwickelter Mensch (während des Gebetes) die "Fatiha"liest, so sollte er sich diese Bedeutungen nicht absichtlich in Erinnerung rufen, um
Seine Gegenwart (hudhur)nicht zu stören. Sobald er zu einer (höheren) Stufe (maqam)fortgeschritten ist, werden sich diese Bedeutungen ihm ohnehin öffnen.
Eine kleine Zusatzfrage:
Wir haben unseren Lehrer nach der Bedeutung des Wortes "absichtlich" gefragt und schreiben hier zugleich auch seine Antwort auf:
Ich denke, dass man sich, während man sitzt (teshehhud)und während man die "Fatiha" betet, nicht absichtlich sondern vielmehr nur indirekt mit der ganzen breiten und hohen Bedeutung (der einzelnen) Worte beschäftigen sollte, um nicht (durch ein derart) ausführliches (Nachdenken) in eine Art Vergessen (ghaflah)der Göttlichen Gegenwart (hudhur)zu verfallen, sondern vielmehr durch einen kurzen und bündigen Gedanken die Unachtsamkeit (ghaflah)vertreiben und somit Bitte und Gebet (ubudiyeti ve munadjat)intensivieren sollte. Dies aber verweist deutlich auf den sehr hohen Wert des Gebetes (namaz),während wir (stehend)die "Fatiha"rezitieren oder uns niedersetzen (teshehhud).Was hier in dieser Anmerkung zum "Zweiten Teil" (der Abhandlung) mit "sich nicht absichtlich beschäftigen" gemeint ist: Sich selbst ausführlich mit derartigen Bedeutungen zu beschäftigen, lässt manchen darüber das ganze Gebet (namaz)vergessen, wodurch sogar die Göttliche Gegenwart (hudhur)geschmälert wird. Doch spüre ich, wenn ich nur auf eine indirekte und summarische Weise (bei dem Text) verweile, einen großen Segen.
Im Namen der Schüler der Risale-i Nur in der Dritten Schule Josephs
Gezeichnet: Djeylan
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten."}
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
* * *
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ بِهِ نَسْتَعِينُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen." "Und bei Ihm flehen wir um Hilfe."}
Dritter Teil
Dritter Teil der einen und einzigen Lektion in dieser Dritten Schule Josephs
Einleitung
Nachdem ich auf einen inneren Befehl der "Fatiha"hin, mit dem Segen des اَشْهَدُ أَنْ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ {"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt, außer Gott."} bereits den (vorausgegangenen) Zweiten Teil geschrieben hatte, sehe ich mich nun durch die Worte des Satzes وَ أَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ {"und ich bezeuge, dass Mohammed der Gesandte Gottes ist.",} die ich während des Sitzens im Gebet (teshehhud)rezitiert hatte, durch einen inneren Befehl (ihtar)und durch das Licht der großen Ayah
هُوَ الَّذِٓى اَرْسَلَ رَسُولَهُ بِالْهُدٰى وَ دِينِ الْحَقِّ لِيُظْهِرَهُ عَلَى الدِّينِ كُلِّهِ وَ كَفٰى بِاللّٰهِ شَهِيدًا ٭ مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ وَالَّذِينَ مَعَهُ أَشِدَّآءُ عَلَى الْكُفَّارِ رُحَمَآءُ بَيْنَهُمْ... الخ
{"Er war es, der euch Seinen Propheten sandte, mit der Rechtleitung und der Religion der Wahrheit, aufgegangen über aller Religion. Und Gott genügt als Zeuge. Mohammed ist der Gesandte Gottes. Die mit ihm sind, sind streng mit den Ungläubigen, milde miteinander...usw."}
am Ende der Sure-i Fath,die fünf Wunder aus dem Verborgenen aufweist, dazu veranlasst, den dritten Teil zu
schreiben, wofür es drei Gründe gibt, die mitzuteilen mir derzeit noch nicht erlaubt ist. Was die Erklärung (isahat)dieses Textes, die ausführlichen Erläuterungen (tafsilat)und die urkundlich erwähnten Zeugnisse dazu betrifft, so verweise ich hier auf die "Wunder Mohammads (Mu'djizat-i Ahmediye)",das Prophetentum Mohammeds betreffend, und die in arabisch (verfasste Abhandlung) "Ein Lichtschimmer (Hizb-i Nuri)"und werde hier nun mit nur drei ganz kurzen Hinweisen eine Quintessenz der "Hizb-i Nuri" geben, (und zwar in Verbindung) mit dem Wort der Göttlichen Einheit (kelime-i tauhid),wie ich es bei der täglichen Wiederholung der Gebete (tesbihat)getreulich immer in meinen Meditationen auf arabisch (tefekkur-u Arabi)gelesen (virdim)und als Zeugnis (shehadet)مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ {"Mohammed ist der Prophet Gottes.} in Art einer Übersetzung im zweiten und dritten Hinweis niedergeschrieben habe.
Erster Hinweis:
Es war Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, der auf das Erscheinen der Göttlichen Herrschaft (tezahur-u rububiyet)dessen, der das All besitzt (kainat sahibi),seine urewige Gottheit (uluhiyet)und seine unendliche Güte (ihsanat)mit einem ebenso umfassenden Dienst und einer ebensolchen Anbetung (ubudiyet)reagierte und auf diese Weise für das All in gleich überwältigenderweise notwendig wurde, wie dies der Notwendigkeit der Sonne entspricht und so als der überragende Meister (ustad-i ekberi)des Menschengeschlechtes, der große Prophet, der Stolz der Welt (Fahr-i Alem)nach dem Hadith qudsi:
لَوْلاَكَ لَوْلاَكَ لَمَا خَلَقْتُ الْاَفْلاَكَ
{"Wenn nicht für Dich, wenn nicht für Dich, ja nicht erschaffen hätte Ich das All!"}
zum Ansprechspartner Gottes (hitab)wurde, indem sowohl durch seine mohammedanische Wahrheit (haqiqat-i Muhammediye),
als auch, weil er der Grund zur Erschaffung der Welt (sebeb-i hilqat-i Alem)wurde, ihr Zweck und ihre vollkommenste Frucht, so auch durch die wahrhaftigen Vollkommenheiten (haqiqi kemalat)des Alls, welche die beständigen (baqi)Spiegel Seiner Ewigen Schönheit in Seiner Majestät (sermedi Djemil-i Dhul'djelal),die Erscheinungen Seiner Eigenschaften (sifat),die Werke Seiner von Weisheit erfüllten, zweckbestimmten Handlungen und seine so bedeutungsvollen Briefe sind und (den Keim) einer ewig bestehende Welt (alem)in sich enthalten und das Haus der Ewigen Glückseligkeit (dar-i saadet),nach dem alle mit Bewusstsein begabten Wesen verlangen, im Jenseits (akhirah)als Frucht in sich tragen und andere vergleichbare Wahrheiten (haqiqat),die alle insgesamt durch die mohammedanischen Wahrheiten (haqiqat-i Muhammediye)und das Prophetentum Ahmeds (Risalet-i Ahmediye),mit dem Friede und Segen sei, in Erfahrung gebracht (tahaqquq)werden, gleichwie das All dies und sein Prophetentum kraftvoll und absolut sicher bestätigt (shehadet),ebenso wie das Prophetentum Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und die mohammedanischen Wahrheiten die starke und absolut zuverlässige frohe Kunde von einem Ewigen Leben (hayat-i baqiyeyi),um durch sie vor allem (die gesamte) islamische Welt, die gesamte Menschheit und alle lebenden Wesen, die immer und jederzeit in Liebe und Begeisterung (ashk ve shauk),mit ihrem ganzen Sein (mahiyet)und mit all ihren Kräften (quvvet),im Ausdruck all ihrer Fähigkeiten (istidadat),mit all ihren Gebeten, in Dienst und Anbetung (dua ve ibadet)bitten und flehen, vor der Hölle (djehennem)und der noch weit bittereren und fürchterlicheren Vernichtung (adem)im Nicht-mehr-sein, der ewigen Verdammnis und dem völligen Erlöschen (fena)zu retten, welche auf diese Weise ihre Unterschrift darunter setzen, dass er allen Anlass dazu gibt, der Stolz des Menschengeschlechtes und das edelste all seiner Geschöpfe zu sein, wobei, nach dem Grundsatz
اَلسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ {"Die Ursache ist dem Verursacher gleichzusetzen."}, zu allen Zeiten, was 300.000.000 Gläubige mit ihren Werken an Gutem und Schönem bewirkt haben, dem Buch der Guten Werke Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, gutgeschrieben wird, was so ist, als ob diese eine Persönlichkeit, Mohammed, mit dem Friede uns Segen sei), den Status (maqam)all der Anbetung und des Segens (ubudiyet ve fuyuzat)von Hunderten von Millionen, ja vielleicht sogar Milliarden (Menschen), die Gott anbeten (als stünde Er leibhaftig vor ihnen = muhsin),erlangt habe und so mit aller Kraft (quvvet)für das Prophetentum dieser Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, Zeugnis (shehadet)ablegen und ihre Unterschrift daruntersetzen.
Zweiter Hinweis:
Ein Hinweis auf mehr als zwanzig Zeugnisse (shehadet),die ich in meinen täglichen Gebeten (virdim)stets wieder kontemplativ (tefekkur)betrachtet habe.
مُحَمَّدٌ رَسُولُ اللّٰهِ صَادِقُ الْوَعْدِ الْأَمِينُ بِشَهَادَةِ ظُهُورِهِ دَفْعَةً مَعَ اُمِّيَّتِهِ بِاَكْمَلِ دِينٍ وَ اِسْلاَمِيَّةٍ وَ شَرِيعَةٍ وَ بِاَقْوٰى اِيمَانٍ وَ اِعْتِقَادٍ وَ عِبَادَةٍ وَ بِاَعْلٰى دَعْوَةٍ وَ مُنَاجَاةٍ وَ دَعَوَاتٍ وَ بِاَعَمِّ تَبْلِيغٍ وَ اَتَمِّ مَتَانَةٍ خَارِقَاتٍ مُثْمِرَاتٍ لاَمِثْلَ لَهَا
{"Mohammed ist der Prophet Gottes, der mit dem Zeugnis seines In-Erscheinung-tretens ohne weitere Vorbereitung stets treu und vertrauenswürdig zu seinem Wort stand, zugleich mit einem vollkommenen Glauben, dem Islam und Seinem Gesetz, der, obwohl er ja eigentlich ungebildet war, doch erfüllt war von einem starken Glauben, voll Überzeugung, bereit zu seinem Dienst und zur Anbetung, (bereit) seinem Ruf zu folgen, zu Bittgebet, zur Belehrung des Volkes, zu letztendlicher Entschlossenheit, gesegnet mit einem wundersamen Erfolg, der nicht Seinesgleichen kennt."}
Eine kurze Erläuterung (des obigen arabischen Textes) lautet in ihrer Übertragung, d.h. als ein Zeugnis für das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei:
Erstens:
Ein Zeugnis für sein Prophetentum, das aus seinen elf Kennzeichen und Charaktereigenschaften (hal)hervorgeht, ist das folgende: Obwohl er in der Tat des Lesens und Schreibens unkundig und in diesem Sinne völlig ungebildet war, hat er doch über vierzehn Jahrhunderte hinweg alle Gelehrten und Philosophen in Staunen versetzt und hat seine Religion unter den bisher offenbarten den ersten Platz erobert. So wie er Seine Religion, so plötzlich, so ohne jede Vorbereitung und ohne jegliche Vorkenntnis ins Leben rufen konnte, eine Fähigkeit (hal),die nicht ihresgleichen kennt, so ist es auch ohne Beispiel, dass die Islamiyet, die aus Seinen Worten, Taten und Fähigkeiten (hal)emporwuchs, zu allen Zeiten Geist (ruh),Seele (nefs)und Verstand (aql)von 300.000.000 Menschen unterrichtet, geschult und zu spirituellem Fortschritt gebracht hat.
Zudem kam er (zu den Menschen mit einem erneuerten) Gesetz (Scharia),was ein Ereignis (halet)ohne Beispiel ist, mit gerechten Anordnungen (kanun),die diese Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, mit einem solchen Glauben (iman)und einer solchen Überzeugung vorgetragen hat, und die ein Fünftel der Menschheit vierzehn Jahrhunderte lang bei gleichzeitigem materiellem und spirituellem Fortschritt regiert haben, sodass alle Leute der Wahrheit (haqiqat)zu allen Zeiten einstimmig bestätigt haben, dass der Segen des Glaubens (iman),den sie von seiner Stufe empfangen haben, stets den höchsten und stärksten Grad erreichte, wobei der Widerspruch seiner zahllosen Gegner in damaliger Zeit ihm noch nicht einmal ein Körnchen Aufregung, Argwohn oder Zweifel verursachen konnte, was zeigt, dass die Kraft seines Glaubens (quvvet-i imaniye)ohne Beispiel, sein hoher, alles umfassender Glaube (iman)geradezu beispiellos war.
Zugleich zeigte er dabei, dass er in seinem Dienst und in seiner Anbetung (ubudiyet ve ibadet),betrachtet man sie zu Beginn und an ihrem Ende, ohne dabei jemanden nachzuahmen, die subtilsten Geheimnisse (sirr)seines Dienstes erkannt und erfüllt hat und selbst noch in den Zeiten der größten Unruhen und Wirren in seinem Dienst, seiner Anbetung (ubudiyet)stets vollkommen geblieben ist, was eine Eigenschaft (hal)zeigt, die so unvergleichlich ist, dass er in seinen Gebeten, seinem Bitten und Flehen, dass er seinem Schöpfer (Khaliq)darbrachte, bis in heutige Zeit, selbst wenn man die Meinungen so vieler sammelt, nicht wieder erreicht werden konnte. Würde man also z.B. in dem Gebetbuch (munadjat) "Djaushanul'Kebir"tausend und einen Namen Gottes zu Hilfe rufen, so wird hier der Schöpfer (Khaliq)auf eine Weise beschrieben und dargestellt, die unvergleichlich ist, weswegen niemand ihn in seiner Erkenntnis Gottes (marifetullah)erreichen kann, sodass es in dieser Eigenschaft keinen Vergleich mit ihm gibt.
Und weiter rief er die Menschen mit einer solchen Entschlossenheit zum Glauben (din)und verkündete sein Prophetentum mit einem solchen Mut, dass, obwohl sein Volk, sein Onkel und alle die großen Staaten der Welt und die Anhänger der alten Religionen ihm alle entgegengesetzt waren, ja geradezu feindlich gegenüber standen, er nicht ein Körnchen Furcht vor ihnen zeigte, ja noch nicht einmal zögerte, sie herauszufordern und sich sogar gegen sie durchzusetzen, was gleichfalls eine seiner beispiellosen Eigenschaften (hal)ist.
So bilden denn hier für seine Aufrichtigkeit (sidqina)und sein Prophetentum die Gesamtheit dieser wunderbaren, beispiellosen acht Eigenschaften (hal)ein sehr mächtiges Zeugnis (shehadet)und zeigen diese Eigenschaften (hal),dass sein Ernst, seine innere Sicherheit, seine vollendete Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit (kemal-i sidqina ve haqqaniyet)in unendlichem Grade aus seiner innersten Überzeugung erwachsen. So erklärt denn die Welt des Islam an jedem Tag, jedes Mal,
wenn sie sich zum Gebet niedersetzt (teshehhud)mit Millionen Zungen:
اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ اَيُّهَا النَّبِىُّ وَ رَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بَرَكَاتُهُ
{"Friede sei mit dir, oh Prophet! Mögen die Barmherzigkeit Gottes und Sein Segen über dir sein.",}
bezeugt so seinen göttlichen Auftrag (memuriyet)und bestätigt die frohe Kunde von der Ewigen Glückseligkeit, die er ihnen gebracht hat. Und so begegnet ihm denn die islamische Welt innerlich und begrüßt ihn: اَلسَّلاَمُ عَلَيْكَ اَيُّهَا النَّبِىُّ {"Friede sei mit dir, oh Prophet!"} voll Dankbarkeit (muteshekkirane)dafür, dass er ihnen einen sicheren Weg in jenes Ewige Leben (hayat-i baqiye)eröffnet hat, nachdem sich die ganze Menschheit mit so tiefer Liebe (ashk)und einem so gewaltigen, ihrer Natur und Veranlagung (fitr ve istidad)entsprechenden Verlangen gesehnt hatte, und heißt ihn im Namen von 350.000.000, ja vielleicht sogar Milliarden (von Gläubigen) willkommen.
Das zweite Zeugnis, das noch viele weitere Zeugnisse umfasst:
وَ بِشَهَادَةِ جَمِيعِ حَقَآئِقِ اَرْكَانِ الْاِيمَانِ عَلٰى تَصْدِيقِهِ
{"und mit dem Zeugnis aller Glaubenswahrheiten, die ihn bestätigen"}
Das aber heißt: Die Wahrheiten, Bestätigungen und Richtlinien (haqiqat ve tahaqquq ve haqqaniyet),welche von den sechs Grundpfeilern des Glaubens (iman)gestützt werden, bezeugen (shehadet)das Prophetentum und die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, mit absoluter Sicherheit. Denn die Art und Weise, wie er als Prophet sein Leben spirituell gestaltete, bildet die Grundsubstanz seiner gesamten Botschaft und
das Wesen seiner Sendung, und durch sie werden diese sechs Pfeiler geformt. Weil dies aber so ist, beweisen alle diese Zeugnisse, welche bestätigen, dass diese Grundpfeiler wahrhaftig (tahaqquk)sind, die Aufrichtigkeit (sadiqiyet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und dass sein Prophetentum wahrheitsgemäß (haqq)ist. Und so wie der Beweis aller übrigen Pfeiler dafür, dass es wirklich und wahrhaftig (tahaqquk)ein Jenseits (akhirah)gibt, in der Fruchtabhandlung (Meyve Risalesi)und im Anhang zum Zehnten Wort erklärt wird, so bilden auch die Beweise eines jeden einzelnen Pfeilers zusammengenommen den Beweis für sein Prophetentum.
Das dritte, allgemeine Zeugnis (shehadet),das noch Tausende weitere Zeugnisse umfasst, (lautet):
وَ بِشَهَادَةِ ذَاتِهِ عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ بِاٰلاَفِ مُعْجِزَاتِهِ وَ كَمَالاَتِهِ وَ عُلُوِّ اَخْلاَقِهِ
{"Durch das Zeugnis dieser Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, durch seine Tausende von Wundern (mu'djizat), seine Vollkommenheiten und durch seine erhabene Moral (akhlaq)"}
Das heißt: Diese Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, war gleich der Sonne durch Tausende von Wundern und Vollkommenheiten, durch seine hohe Moral und edle Gesinnung (ahlaq)ein Beweis seiner selbst und ein besonders mächtiges Zeugnis für sein Prophetentum (risalet)und für seine Wahrhaftigkeit (sadiqiyet).So wie diese einzigartige Abhandlung (risalah)über die Wunder Mohammeds (Mu'djizat-i Ahmediye),mit dem Friede und Segen sei, in der Tat durch mehr als 300 zuverlässige Überlieferungen (naql-i sahih)beweist, hat diese Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, die ausdrücklichen Ayat وَ انْشَقَّ الْقَمَرُ {"als der Mond gespalten wurde" (Sure 54, 1)} und
وَ مَا رَمَيْتَ إِذْ رَمَيْتَ وَ لٰكِنَّ اللّٰهَ رَمٰى {"Und nicht du warst es, der geworfen hat, als geworfen wurde, sondern Gott hat geworfen." (Sure 8, 17)} entsprechend mit einem Finger seiner Hand den Mond in zwei Teile gespalten und entsprechend einer anderen zuverlässigen Überlieferung (naql-i sahih)nach allgemeiner Übereinstimmung aus den fünf Fingern eben dieser Hand Wasser gleich einem Brunnen sprudeln lassen, um seinem durstigen Heere von diesem Wasser zu trinken zu geben, was als ein Zeugnis (shahid)für ihn anerkannt wurde. Dergleichen wunderbare Dinge haben sich noch zwei Mal an anderen Orten ereignet. (Ein andermal) warf er mit dieser seiner Hand etwas Erde dem angreifenden feindlichen Heer entgegen, die dann einem jeden von ihnen in die Augen drang, wodurch die Angreifer in die Flucht geschlagen wurden. (Und wieder einmal) sagten kleine Steine in dieser seiner Hand, gleich Menschen die ihr Gebet (tesbih)rezitieren "Gepriesen sei Gott! (Subhanallah)".Dergleichen Hunderte, nach (Ansicht) der Erforscher der Wahrheit (ehl-i tahqiq)selbst Tausende von Wundern (mu'djizat),die anhand zuverlässiger Überlieferungen (naql-i sahih),und ein Teil von ihnen sogar nach allgemeiner Übereinstimmung, sowie sie in die Geschichte eingegangen sind, haben sich absolut sicher durch seine Hand ereignet. (Darüber hinaus) finden sich gleichermaßen bei ihm, und darin stimmen Freund und Feind gleichermaßen überein, ein guter Charakter und eine edle Gesinnung (ahlaq)in so hohem Grade,
{(*): Selbst ein so machtvoller Vorkämpfer wie Hazret-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, sagte einmal: "Wenn uns im Kampf die Furcht überkam, verbargen wir uns hinter dem Rücken des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, und suchten seinen Schutz." Wie auch sein Mut (shedje'at) gleich allen seinen Tugenden so überragend war, haben selbst seine Feinde bestätigt und die Geschichte (seiner Zeit) hat es berichtet.}
dass alle
Erforscher der Wahrheit (ehl-i tahqiq),die ihm in seiner Gefolgschaft nachgeeifert sind, Vollkommenheit (kemalat)erlangt und die Wahrheit (haqiqat)mit augenscheinlicher Sicherheit (ayne-l'yaqin)erreicht haben, übereinstimmend mit wahrheitsgemäßer Sicherheit (haqqa-l'yaqin)bestätigt haben, dass die Vollkommenheit (kemalat)in Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ihren höchsten Grad erreicht hatte und die aus seinem Glauben (din)heraus in die Welt des Islam einströmenden Segnungen (fuyuzat)und die gewaltigen Wahrheiten (haqiqat)der Islamiyet seine wundersame Vollkommenheit (kemalat)beweisen. Das aber heißt, dass diese Persönlichkeit, mit der Friede und Segen sei, sicherlich in besonders glänzender, alles umfassender Weise Zeugnis (shehadet)für ihr Prophetentum abgelegt hat.
Das vierte Zeugnis (shehadet),das noch sehr viele weitere machtvolle Zeugnisse umfasst, (lautet):
وَ بِشَهَادَةِ الْقُرْاٰنِ بِمَا لاَ يُحَدُّ مِنْ حَقَآئِقِهِ وَ بَرَاهِينِهِ
{"Durch die Zeugnisse des Qur'an, die ohne Zahl sind, seine Wahrheiten und alle seine Beweise"}
Das heißt: Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, bezeugt (shehadet)durch seine zahllosen Wahrheiten (haqiqat)und mit vielen Beweisen sein Prophetentum (risalet)und seine Wahrhaftigkeit (sadiqiyet).Durch (die Gebetsammlung) des Dhu-l'Fikar bestätigt, dass (der Qur'an) in vierzigfacher Hinsicht ein Wunder ist, über vierzehn Jahrhunderte (ein ganzes Zeitalter) erleuchtet hat, ein Fünftel des Menschengeschlechtes unverändert regiert hat, von jener Zeit an bis in unsere heutige alle seine Gegner herausgefordert hat, dass noch niemand es gewagt hat, etwas herbeizubringen, was auch nur einer seiner Suren ebenbürtig sein könnte, oder wie im Großen Zeichen (Ayetul Kubra)bestätigt wird, dessen sechs Aspekte lichtvoll sind und in die kein Zweifel eindringen kann und dessen sechs große Stufen (maqam)sich auf
sechs unerschütterliche Wahrheiten (haqiqat)stützen und für die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)des Qur'an unterzeichnen, wird er zu allen Zeiten von Hunderten von Millionen mit Liebe und Ehrfurcht (shauk ve hurmet)rezitiert und ist in seiner Heiligkeit mit jeder Minute in den Herzen seiner Rezitatoren (Hafidh)eingeschrieben, aus deren Zeugnis (shehadet)das Zeugnis und der Glaube (iman)der gesamten islamischen Welt hindurch sickert. Aus dieser Quelle strömt die gesamte Wissenschaft des Glaubens (ulum-u imaniye),so wie sie auch die alten himmlischen Bücher bestätigt und von allen Büchern und himmlischen Schriften im Geiste ihre Bestätigung erfährt. Der Ruhmreiche Qur'an (Qur'an-i Adhimush'shan)bestätigt und bezeugt mit all seinen Wahrheiten, Zeugnissen (haqiqat ve haqqaniyet)und Beweisen die Aufrichtigkeit (sadqina)und das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei.
Das fünfte, sechste, siebte und achte, allgemeine Zeugnis (shehadet):
وَ بِشَهَادَةِ الْجَوْشَنِ بِقُدْسِيَّةِ اِشَارَاتِهِ وَ رَسَآئِلِ النُّورِ بِقُوَّةِ دَلاَئِلِهَا وَ الْمَاضِى بِتَوَاتُرِ اِرْهَاصَاتِهِ وَ الْاِسْتِقْبَالِ بِتَصْدِيقِ اٰلاَفِ حَادِثَاتِهِ
{"Mit dem Zeugnis der 'Großen Rüstung (Djaushan)' und durch die Heiligkeit seiner Anspielungen, durch die Risale-i Nur und die Kraft ihrer Beweise, bei der Vergangenheit, der Übereinstimmung ihrer Zeichen einer kommenden Zeit und der Bestätigung durch Tausende von Ereignissen."}
Das heißt: Die "Große Rüstung (Djaushan-ul'Kebir)",die sowohl ganz offensichtlich als auch zeichenhaft auf 1001 Göttlichen Namen hin ausgerichtet und gewissermaßen aus dem Qur'an heraus entstanden ist, ist ein ganz wunderbares Gebetbuch, das den Gebetbüchern aller Gottkenner (arif),auch derer, die in der Erkenntnis Gottes (marifetullah)bereits fortgeschritten sind, überlegen ist und vor einem Kampf durch den Erzengel Gabriel mit den Worten: "Zieht eure Rüstung aus und legt statt dessen diese 'Rüstung (Djaushan)'an!" geoffenbart wurde und in welchem Gebetbuch (munadjat)
die Erkenntnisse (haqiqat),die es enthält, und seine absolut zutreffenden (Beschreibungen) der Eigenschaften (tavsif)des Herrn (Rabb)Zeugnis (shehadet)für das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ablegen und für seine Wahrhaftigkeit (haqqaniyet),so bezeugt auch die Risale-i Nur, die gewissermaßen aus dem Qur'an heraus gesickert und gleichsam ein Segen dieser (innerlichen) "Rüstung (Djaushan)"und aus ihr heraus geboren ist, mit ihren 130 Teilen gleich einem einzigen Beweis das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, unterrichtet (ders),dabei aber mit vernünftigen und logischen (aql ve mantik)Beweisen alle Wahrheiten über das Prophetentum (haqiqat)und selbst Dinge, die nach Ansicht der Philosophen weit davon entfernt sind, noch verständlich zu sein, auf einfache und ganz leicht verständliche (maqul)Weise, so als lägen sie (zum Greifen nahe) vor unseren Augen und bezeugt so auf umfassende Art und Weise, das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und seine Wahrhaftigkeit (sadiqiyet).
So war auch die vergangene Zeit ein umfassendes Zeugnis (shahid)für sein Prophetentum, denn sehr viele Geschehnisse, die sich noch vor seinem In-Erscheinungtreten als Prophet (nubuvvet)ereignet hatten und als "irhasat(Vorzeichen)" bezeichnet werden, und Wunder (mu'djizat)der verschiedensten Art, die als übernatürliche Zeichen (harika)seines Kommens als Prophet gezählt werden und nach zuverlässiger allgemeiner Überlieferung von den Geschichtsschreibern und in den Büchern über das Leben des Propheten (siyer)berichtet werden, sind ein sehr sicheres Zeugnis für sein Prophetentum. Ein Teil von ihnen wird in den weiter unten angeführten Zeugnissen beschrieben, von anderen wird im Dhu-l'Fikar und in den Geschichtsbüchern auf zuverlässige Weise berichtet. Zum Beispiel: In der Zeit kurz vor der Geburt des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, regneten Steine aus den Klauen der Ebabil (eine Vogelart) auf die Köpfe
der Soldaten Ebrehes herab, der gekommen war, um die Kaaba zu zerstören. In der Nacht der Geburt stürzten die Götzen in der Kaaba kopfüber herab, der Palast des Perserkönigs Chosro wurde zerstört und das Feuer der parsischen Feueranbeter, das tausend Jahre lang ununterbrochen gebrannt hatte, erlosch. Der Mönch Buheyra und Halime-i Sa'diye berichten zuverlässig, wie Wolken sein Haupt beschatteten. Und noch viele andere ähnliche Überlieferungen (hadith)gaben bereits Kunde von seinem Prophetentum, noch ehe bevor es als solches in Erscheinung trat (nubuvvetinden nubuvvetini).
Auch gibt es über die Zukunft, also die Zeit nach seinem Tode, sehr viele (Voraussagen über) Ereignisse (hadith),über die er berichtet hat und viele Prophezeiungen. Da wären zunächst einmal die Berichte aus dem Verborgenen über sein Haus (Al-i Beyt),seine Gefährten (ashabi)und die Siege des Islam, die in dem Band über die Wunder Mohammeds (Mu'djizat-i Ahmediye)aus dem Dhu-l'Fikarberichtet werden, sowie die wortgetreuen Berichte über achtzig Ereignisse, die zuverlässig überliefert worden sind, wie z.B. die Ermordung (shehid)von Hz. Osman, mit dem Gott zufrieden sein möge, während er den Qur'an las, oder von Hz. Hüsseyin, mit dem Gott zufrieden sein möge, der bei Kerbela fiel, die Eroberung von Damaskus, von Persien und von Konstantinopel, das Reich der Abbassiden (749-1258) in Bagdad und wie es von Dschingis Khan und Hulagu erobert und zerstört worden ist. So gibt es etwa achtzig solcher Berichte aus dem Verborgenen, die zuverlässig überliefert wurden und die in den Geschichtsbüchern und Biographien ausführlich beschrieben wurden (und dann später von Ustadh in seinem "Dhu-l'Fikar")übernommen worden sind. Das aber heißt, dass viele Prophezeiungen sehr vieler kommender Ereignisse und die Zukunft, welche die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)Mohammeds beweisen, mit dem Friede und Segen sei, ebenso auch in kraftvoller und umfangreicher Weise das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede
und Segen sei, und seine Aufrichtigkeit (sadiqiyet)bezeugen (shehadet).
Neuntes, zehntes, elftes und zwölftes Zeugnis, auf das der folgende Text hinweist:
وَ بِشَهَادَةِ الْاٰلِ بِقُوَّةِ يَقِينِيَّاتِهِمْ فِى تَصْدِيقِهِ بِدَرَجَةِ حَقِّ الْيَقِينِ وَ الْاَصْحَابِ بِكَمَالِ اِيمَانِهِمْ فِى تَصْدِيقِهِ بِدَرَجَةِ عَيْنِ الْيَقِينِ وَ الْاَصْفِيَآءِ بِقُوَّةِ تَحْقِيقَاتِهِمْ فِى تَصْدِيقِهِ بِدَرَجَةِ عِلْمِ الْيَقِينِ وَ الْاَقْطَابِ بِتَطَابُقِهِمْ عَلٰى رِسَالَتِهِ بِالْكَشْفِ وَ الْمُشَاهَدَاتِ بِالْيَقِينِ
{"Durch das Zeugnis seiner Familie aus der Kraft ihrer Gewissheit, mit der sie ihn im Grade einer der Wahrheit entsprechenden Sicherheit bestätigen, seiner Gefährten aus der Vollkommenheit ihres Glaubens, mit der sie ihn im Grade augenscheinlicher Sicherheit bestätigen, der Geläuterten (= Theologen) aus der Macht ihrer Erforschungen, mit der sie ihn im Grade wissenschaftlicher Gewissheit bestätigen und der Pole (Qutub) aufgrund ihres Studiums seines Prophetentums und der Gewissheit ihrer geistigen Entdeckungen und Schauungen."}
Das heißt: das neunte unter den umfassenden Zeugnissen für die Aufrichtigkeit (sadiqiyet)und Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ist folgendes:
Neuntens:
عُلَمَآءُ اُمَّتِى كَأَنْبِيَآءِبَنِى اِسْرَآئِيلَ
{"Die Gelehrten meiner Gemeinde sind gleich den Propheten der Söhne Israels."}
Die großen Heiligen (auliya),aus der Familie Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, Ali, Hassan und Husseyn, sowie die zwölf Imame aus der Familie des Hauses (möge Gott mit ihnen allen zufrieden sein!), durch die dieses Geheimnis offengelegt wurde und über die, gleichermaßen wie über die Familie Abrahams, mit dem der Friede sei, (täglich) die Segensgebete gesprochen werden,
sowie Ghaus-i Adham, Ahmed-i Rufai, Ahmed-i Bedewi, Ibrahim-i Dessuki und Abu-l Hassan-i Shazelie (möge Gott ihre Geheimnisse heiligen!) und dergleichen Pole (Qutub)und Imame setzen mit ihrem Zeugnis für das Prophetentum, übereinstimmend, in der Überzeugung ihrer, der Wahrheit entsprechenden Gewissheit (haqqa l-yaqien),durch ihre geistlichen Entdeckungen und Schauungen (keshfiyat ve mushahedat)und anhand ihrer wunderbaren Unterweisungen (irshadat)und Wundertaten (keramet),die sie in ihrer Gemeinde gezeigt haben, ihre Unterschrift unter ihren Glauben an die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)und Aufrichtigkeit (sadiqiyet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei.
Zehntens:
Nach den Propheten (enbiya)sind die Sahabis Menschen, die am meisten verehrt werden und die höchste Stufe einnehmen. Auch wenn sie ungebildete Nomaden waren, haben sie doch in ganz kurzer Zeit im Lichte Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, (die Erde) von Ost nach West gerecht regiert, Weltreiche erobert und sind gegenüber diesen fortschrittlichen, wissenschaftlich und politisch gebildeten und kultivierten Nationen als Lehrer, Diplomaten und gerechte Richter aufgetreten und haben so dieses Zeitalter zu einem glücklichen Zeitalter gemacht. Nachdem sie jeden Aspekt des Verhaltens Mohammeds, mit dem Frieden und Segen sei, genau untersucht und kritisch betrachtet hatten, gaben sie aufgrund all der vielen Wunder, die sie als Augenzeugen miterlebt hatten, ihre alten Feindseligkeiten und die früheren Gebräuche ihrer Vorväter auf, und viele unter ihnen, wie Khalid Ibn-i Velid und Ikrime Ibn-i Ebu Djehil kehrten der Anhängerschaft, der Sippe und dem Stamm ihrer Väter vollständig den Rücken, nahmen die Islamiyet mit ihrem Herzen und mit ganzer Seele (ruh)in großer Opferbereitschaft an und so bildet ihr Glaube (iman)an die Aufrichtigkeit (sidiqiyet)und das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Frieden und Segen sei, im Grade einer augenscheinlichen Gewissheit (ayne l-yaqien)ein unerschütterliches und allumfassendes Zeugnis.
Elftens:
Alle Rechtsgelehrten (mutschtehid),Imame und Wissenschaftler (allam),die man als die Geläuterten und Getreuen (asfiya ve siddiqien)bezeichnet, auch Philosophen, wie Ibn-i Sina und Ibn-i Rushd und dergleichen Tausende Forscher, legen auf verstandesgemäße und logische Weise und ein jeder entsprechend seiner eigenen Fakultät (meslek)ohne Zweifel mit Tausenden von Zeugnissen und gestützt auf absolut zuverlässige Beweise im Grade ihrer wissenschaftlichen Gewissheit (ilme l-yaqien)ein so umfassendes Zeugnis für ihren Glauben an das Prophetentum (risalet)und die Aufrichtigkeit (haqqaniyet)Mohammeds ab, mit dem Frieden und Segen sei, dass niemand, der nicht über die Intelligenz aller von ihnen verfügte, dagegen auftreten kann.
So ist denn eines der zahllosen Zeugnisse in dieser unserer Zeit die Risale-i Nur, der gegenüber sich die Leugner (munkir)als völlig hilflos empfinden, weshalb sie denn auch die Polizeibehörden und den Justizapparat in die Irre zu führen und (die Risale-i Nur) mit Hilfe der Gerichte zum Schweigen zu verurteilen versuchen.
Zwölftens:
Während sie sich selbst noch seelisch fortentwickelten, veranlassten die Forscher und Kenner der Wahrheit (ehl-i tahqiq ve haqiqat),die man die Pole (Qutub)nennt, und von denen ein jeder einen bedeutenden Teil aus der jeweiligen Gemeinde in der islamischen Welt in den Kreis seiner Schüler mit hinüber zog und ihn durch seine außergewöhnliche Führung (irshad)und durch seine Wunder (keramet)dazu veranlasste, sich geistig weiter zu entwickeln, wobei sie sich weniger auf Beweise stützten als vielmehr auf innere Schauungen, wobei sie im Wege ihres geistlichen Fortschritts das Prophetentum (risalet)und die Aufrichtigkeit (sadiqiyet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, auf der höchsten Stufe der Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)entdeckten und schauend erkannten. Ihr übereinstimmendes und stillschweigendes Zeugnis für sein Prophetentum stellt ihre Unterschrift in der Weise dar, dass keiner diese Unterschrift jemals wieder löschen könnte, selbst wenn er den gleichen Grad der
Vollkommenheit erreicht haben sollte, wie ein jeder von ihnen.
Dreizehntes Zeugnis:
Besteht aus vier umfangreichen, umfassenden und gesicherten Beweisen.
وَ بِشَهَادَةِ الْاَزْمِنَةِ الْمَاضِيَةِ بِتَوَاتُرِ بَشَارَاتِ الْكَوَاهِنِ وَ الْهَوَاتِفِ وَ الْعُرَفَآءِ فِى الْاَدْوَارِ السَّالِفِينَ وَ بِمُشَاهَدَةِ بَشَارَاتِ الرُّسُلِ وَ الْاَنْبِيَآءِ وَ بِشَهَادَتِهِمْ وَبَشَارَتِهِمْ عَلَيْهِمُ السَّلاَمُ بِرِسَالَةِ مُحَمَّدٍ عَلَيْهِ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ فِى الْكُتُبِ الْمُقَدَّسَةِ
{"Durch das Zeugnis vergangener Zeiten und die Übereinstimmung der Wahrsager in der Bestimmung des richtigen Zeitpunktes, die Stimmen der unsichtbaren Geister (Havatif), der Gotteskenner (Arif) alter Zeiten, durch das Zeugnis der Propheten und Botschafter Gottes, mit denen der Friede sei, und ihrer Verkündigung in den Heiligen Schriften und durch die frohe Botschaft Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei."}
Wir wollen uns nun hier auf eine kurze Erläuterung des obigen Textes beschränken, denn es gibt bereits im "Dhu-l'Fikar"eine vollständige Erklärung mit Beweisen am Ende (der Abhandlung) über die "Wunder Mohammeds (Mu'djizat-i Ahmediye)".
Das heißt: Es wurde bereits wiederholt und völlig eindeutig darüber berichtet, und auch als eine durchaus zuverlässige Überlieferung, teilweise in allgemeiner Übereinstimmung in die Bücher über die Geschichte (tarih),das Leben des Propheten (siyer)und die Hadithe aufgenommen und bestätigt, dass in alter Zeit von den berühmtesten, namenhaften Persönlichkeiten der Menschheit, vor allem unter den Propheten, Gotteskennern und Wahrsagern, aber auch unter den Stimmen der unsichtbaren Geister (Havatif),das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und seine Ankunft anhand gewisser Vorzeichen (irhasat)übereinstimmend vorausgesagt wurde. Weil aber nun jener Teil, der die kräftigsten und zuverlässigsten unter den Tausenden von Berichten
bereits in den Abhandlungen (risalah)über die "Wunder Mohammeds (Mu'djizat-i Ahmediye)"ausführlich erläutert worden ist, wollen wir hier nur noch kurz darauf hinweisen und erklären, dass sich unter den Hunderten offenbarter Verse (Ayah)der Gesandten Gottes in den Heiligen himmlischen Schriften über das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, in der Thorah, den Psalmen und den Evangelien zwanzig Verse unter denen, die ganz besonders eindeutig sind, im "Neunzehnten Brief" wiederfinden. Obwohl Christen und Juden vieles verfälscht haben, wurden dennoch hundert Verse über das Prophetentum Mohammeds (nubuvvet-i Ahmediyeyi)von Hüseyn-i Djisri in seinem Buch niedergeschrieben. Was aber die Wahrsager betrifft, unter ihnen vor allem Shiqqund Satih,die mit Hilfe von Dschinnen und anderen Geistern (ruhani)Nachrichten aus dem Unsichtbaren durchgaben und heutzutage als Medien bezeichnet werden, so haben sie nach allgemeiner Übereinstimmung klar und eindeutig vorausgesagt, dass ein Prophet kommen und das Reich der Perser {634, also nur zwei Jahre nach dem Tode des Propheten!} stürzen werde. Dabei wurde wiederholt ausgesagt, dass kein Zweifel mehr daran besteht, dass er bald im Hidjas auftreten werde.
Auch Ka'b Ibn-i Lüey, einer der Gottesgelehrten und Vorväter des Propheten und noch viele andere Freunde und Kenner Gottes (auliya ve arif)jener Zeit, wie die Herrscher des Yemen und Abessiniens, unter ihnen Seyf Ibni Zieyezen und Tubba' haben klar und deutlich das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, vorausgesagt und in ihren Liedern besungen. Die wichtigsten und zuverlässigsten unter ihnen finden sich im "Neunzehnten Brief". Einer der Könige (jener Zeit) sagte sogar: "Ich möchte lieber Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, Diener sein, statt (noch länger) dieses Reich hier zu regieren." Ein anderer von ihnen sagte:
"Wenn ich nur noch lange genug leben könnte, ich würde ihn mir als meinen Onkel {Ausdruck des Respekts (A.d.Ü.)} wünschen." D.h. ich möchte gerne, gleich Hazret-i Ali, sein Wesir und ergebenster Diener sein. Doch wie dem auch sei: Die Geschichtsschreiber und Biographen (seiner Zeit) haben alle diese Berichte überliefert und somit ihre Unterschrift unter das starke und umfassende Zeugnis der Gottesgelehrten für das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, und seine Aufrichtigkeit (sadiqiyet)gesetzt.
In ähnlicher Weise haben, gleich wie die Gotteskenner und Wahrsager das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, (vorausgesagt haben), und auch die "Hatif" genannten Geister (ruhani),deren Stimmen man hört, deren Gestalt man aber nicht sieht, in ganz klarer Weise die Sendung Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, verkündigt, haben viele Boten, ja sogar die den Götzen dargebrachten Opfergaben, die Götzen und die Grabsteine von seiner Sendung berichtet und ihre Unterschrift unter sein Prophetentum und seine Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)gesetzt und in der Sprache der Historiker bezeugt.
Das vierzehnte Zeugnis weist mit dem folgenden arabischen Abschnitt auf das starke Zeugnis des Universums hin:
وَ بِشَهَادَةِ الْكآئِنَاتِ بِغَايَاتِهَا وَ بِالْمَقَاصِدِ الْاِلٰهِيَّةِ فِيهَا عَلَى الرِّسَالَةِ الْمُحَمَّدِيَّةِ الْجَامِعَةِ بِسَبَبِ تَوَقُّفِ حُصُولِ غَايَاتِ الْكَآئِنَاتِ وَا لْمَقَاصِدِ الْاِلٰهِيَّةِ مِنْهَا وَ تَقَرُّرُ قِيْمَتِهَا وَ وَظَآئِفِهَا وَ تَبَارُزِ حُسْنِهَا وَ كَمَالِهَا وَ تَحَقُّقِ حِكَمِ حَقَآئِقِهَا عَلَى الرِّسَالَةِ الْاِنْسَانِيَّةِ لاَسِيَّمَا عَلَى الرِّسَالَةِ الْمُحَمَّدِيَّةِ اِذْ هِىَ الْمُظْهِرَةُ وَ الْمَدَارُ الْاَتَمُّ لَهَا وَ لَوْلاَهَا لَصَارَتْ هٰذِهِ الْكَآئِنَاتُ الْمُكَمَّلَةُ وَ الْكِتَابُ الْكَبِيرُ ذُو الْمَعَانِى السَّرْمَدِيَّةِ هَبَآءً مَنْثُورًا مُتَطَايِرَةَ الْمَعَانِى مُتَسَاقِطَةَ الْكَمَالاَتِ وَ هُوَ مُحَالٌ مِنْ وُجُوهٍ وَ جِهَاتٍ
{"Durch das Zeugnis des Alls für das allumfassende Prophetentum Mohammeds durch das, was es beabsichtigt, und das Ziel, das Gott ihm gesetzt hat, durch den Grund für die Abhängigkeit des Entstehens von Ziel und Zweck des Alls, die Gott in ihn hineingelegt hat, durch die Beständigkeit seines Wertes und seiner Aufgaben, im Sichtbarwerden seiner Schönheit und seiner Vollkommenheit, in der Verwirklichung aller Weisheiten seiner Wahrheiten von der Botschaft an die Menschheit, besonders aber der Botschaft Mohammeds, wodurch es zu einem vollkommenen Mittel und Anlass zu seiner Erscheinung wurde. Wäre es nicht um ihretwillen gewesen, dieses vollendete All, dieses Große Buch wäre für nichts gewesen und seine Ewige Botschaft wie Staub verweht, ohne einen Sinn verflogen, seine Vollkommenheit zerfallen, was jedoch in jeder Hinsicht eine unmögliche Vorstellung wäre."}
Im "Großen Zeichen (Ayet-ul Kubra)wird der obige Text folgendermaßen ausgelegt:
Wie dieser Kosmos ein Beweis ist für den Baumeister, Schreiber und Dekorationsmaler, der ihn schuf, lenkt und leitet und über ihn verfügt wie über ein Schloss, das Er geplant, oder ein Buch, das Er verfasst, oder ein Museum, das Er entworfen hat, oder über ein Theater, über das Er Regie führt, so ist er zugleich auch ein Beweis für das Bedürfnis, ja für die Notwendigkeit eines Schlossverwalters, eines Buchverlegers, eines Museumsleiters, eines Forschers, eines Gelehrten, eines zuverlässigen Lehrers, der das Wissen über die Absichten Gottes bei der Erschaffung der Welt hat und vermitteln soll und der unabdingbar da sein muss, um die Weisheit des Herrn über allem Wechsel zu lehren, der darüber belehren soll, welchem Zweck alle diese weisungsgemäßen Bewegungen dienen, der Wesen und Bedeutung allen Seins und die in ihnen verborgene Vollkommenheit aufzeigen soll, und der auf diese furchterregenden Fragen antworten soll: "Woher kommen (alle lebenden Wesen)? Und wohin
gehen sie? Und warum kommen sie hierher? Und warum bleiben sie nicht länger, (sondern) gehen wieder?" und der den Sinn des großen Buches erklären soll. So bezeugt denn (der Kosmos) auf eine machtvolle und allumfassende Art mit Sicherheit die Wahrhaftigkeit (haqqaniyet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, der seine Aufgaben in höherem Maße als alle anderen erfüllt, und auch, dass er der höchste und aufrichtigste Beamte des Schöpfers dieses Kosmos ist, mit den Worten:
اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Ich bezeuge, dass Mohammed der Prophet Gottes ist."}
In dem Licht, das Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, gebracht hat, sind in der Tat das Wesen des Alls, sein Wert, seine Vollendung, sowie Sinn und Zweck, Wert und Auftrag allen Seins in ihm bekannt geworden und haben sich in ihm bewahrheitet. So wurde denn das All von einem Ende zum anderen zu einem bedeutungsvollen Brief Gottes, zur Verkörperung des Qur'an seines Herrn (Rabb)und zu einer prächtigen Ausstellung der Kunstwerke des Hochgelobten (Subhan).Andernfalls stürzt es in seinem Wesen hinab und wird zu einer in der Dunkelheit der Verlorenheit und Bedeutungslosigkeit, des Untergangs und der Vergänglichkeit (fena)umherirrenden Ruine, einem öden Ort der Verwüstung, einem schrecklichen Trauerhaus. Aufgrund dieser Tatsache (haqiqat)erklären denn die Vollkommenheit (kemalat)des Alls, alle Umwandlungen in Weisheit (hikmetli)und die ewig bleibenden Bedeutungen (die es für den Menschen hat) in machtvoller Weise:
نَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Wir bezeugen, dass Mohammed der Prophet Gottes ist."}
Fünfzehntes Zeugnis:
Beinhaltet sehr viele geheiligte Zeugnisse (shehadet)für das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ausgestellt von dem, der das All lenkt und leitet (tasarruf),der von den Atomen bis zu den Sternen alle Umwandlungen, ihre Bewegungen
und ihren Stillstand, ihr Leben und ihren Tod lenkt und leitet, durch den Befehl (emir),durch den Willen (irade),durch die Macht (quvvet)jenes Wesens, das da notwendigerweise sein muss (Vadjib-ul Vudjud),in der Ausübung Seiner Herrschaft (Rububiyet),angesichts der Taten Seiner Barmherzigkeit (ef'al-i Rahmaniyet)und jenes geheiligten Zeugnisses, auf das der nun folgende arabische Text hinweist:
وَ بِشَهَادَةِ صَاحِبِ الْكَٓائِنَاتِ وَ خَلاَّقِهَا وَ مُتَصَرِّفِهَا عَلَى الرِّسَالَةِ الْمُحَمَّدِيَّةِ بِاَفْعَالِ رَحْمَانِيَّتِهِ وَ بِاِجْرَااٰتِ رُبُوبِيَّتِهِ كَفِعْلِ الرَّحْمَانِيَّةِ بِاِنْزَالِ الْقُرْاٰنِ الْمُعْجِزِ الْبَيَانِ عَلَيْهِ وَ بِاِظْهَارِ اَنْوَاعِ الْمُعْجِزَاتِ عَلٰى يَدَيْهِ وَ بِتَوْفِيقِهِ وَ حِمَايَتِهِ فِى كُلِّ حَالاَتِهِ وَ بِاِدَامَةِ دِينِهِ بِكُلِّ حَقَٓائِقِهِ وَ بِاِعْلاَءِ مَقَامِ حُرْمَتِهِ وَشَرَفِهِ وَ اِكْرَامِهِ عَلٰى جَمِيعِ الْمَخْلُوقَاتِ بِالْمُشَاهَدَةِ وَ الْعَيَانِ وَ كَفِعْلِ رُبُوبِيَّتِهِ بِجَعْلِ رِسَالَتِهِ شَمْسًا مَعْنَوِيَّةً لِكَٓائِنَاتِهِ وَ بِجَعْلِ دِينِهِ فِهْرِسْتَةَ كَمَالاَتِ عِبَادِهِ وَ بِجَعْلِ حَقيقَتِهِ مِرْاٰةً جَامِعَةً لِتَجَلِّيَاتِ اُلُوهِيَّتِهِ وَ بِتَوْظِيفِهِ بِوَظَٓائِفَ ضَرُورِيَّةٍ لاَزِمَةٍ لِوُجُودِ الْمَخْلُوقَاتِ فِى هٰذِهِ الْكَٓائِنَاتِ كَلُزُومِ الرَّحْمَةِ وَ الْحِكْمَةِ وَ الْعَدَالَةِ وَ كَضَرُورَةِ لُزُومِ الْغِذَآءِ وَ الْمَآءِ وَ الْهَوَآءِ وَ الضِّيَآءِ
{"Und mit dem Zeugnis des Eigentümers und Schöpfers dieses Universums, der über es verfügt für Mohammed, durch die Taten des Allbarmherzigen, durch die Handlungen Seiner Herrschaftsgewalt, wie jene Tat Seiner Allbarmherzigkeit, in der Er den Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, geoffenbart hat, durch die verschiedenen Arten von Wundern, die Seine Hand gewirkt hat und mit der Er ihm unter welchen Umständen auch immer Erfolg verliehen und ihn behütet hat, durch die Fortdauer des Glaubens an Ihn in all seinen Wahrheiten, indem Er ihn in einen hohen Rang voll Ehre, Ansehen und Würde über allen Seinen Geschöpfen erhoben hat, wie man dies sehen und bezeugen kann, durch das Wirken Seiner Herrschaft, durch die Er Seine Botschaft zur geistigen Sonne des Universums machte, indem Er den Glauben zur Richtschnur für die Vervollkommnung Seiner Diener machte, indem Er Seine Wahrheit zu einem alles umfassenden Spiegel der Erscheinung Seiner Gottheit machte, indem Er ihn mit Aufgaben betraute, wichtig für die Existenz Seiner Geschöpfe in dieser Welt, notwendig wie Sein Erbarmen, Seine Weisheit und Gerechtigkeit und unabdingbar wie Nahrung und Wasser, Luft und Licht."}
Überlassen wir nun die Einzelheiten dieses so zuverlässigen, breit gefächerten, heiligen Zeugnisses der Risale-i Nur und werfen wir nur noch einen kurzen Blick auf eine Zusammenfassung seiner Bedeutung:
Da es ja nun in der Tat in Übereinstimmung mit der Gerechtigkeit (adalet)und Weisheit (hikmet),Seinem Erbarmen (rahmet),Seiner Gnade (inayet)und Seinem Schutz (himayet)liegt, wie wir dies im Universum mit eigenen Augen im geordneten Ablauf aller Dinge verfolgen können, jederzeit allem Guten Schutz zu gewähren und Schläge gegen alles Böse und alle Verlogenheit auszuteilen, wie Seine Herrschaft (Rububiyet)das erfordert und es Seiner Gewohnheit (adet)entspricht, so verlangen auch die Taten Seiner Barmherzigkeit (ef'al-i Rahmaniyet),den Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, in die Hände Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zu legen und ihm an die tausend Wundertaten der verschiedensten Art zu verleihen, ihn in allen Lagen und in den bedrohlichsten Situationen (seines Lebens) in Liebe (shefqatkarane)zu behüten, ja selbst mit Hilfe einer Taube und einer Spinne zu bewahren, ihm bei seinen Aufgaben allen Erfolg zu schenken, ihn in allen Wahrheiten (haqiqat)des Glaubens (din)fortschreiten zu lassen, die Islamiyet über die Erde und das ganze Menschengeschlecht sich ausbreiten zu lassen, ihm einen Ehrenplatz (maqam-i sheref)über allen Geschöpfen (makhluqat)zuzuweisen, einen bleibenden Rang in der allgemeinen Anerkennung über allen Berühmtheiten der Menschheit, ihm - wie Freund und Feind gleichermaßen zugestehen müssen - eine Persönlichkeit zuzuerkennen, die den edelsten Charakter umfasst, ein Fünftel der Menschheit zu seiner Gemeinde (ummah)zu machen, während sie alle für seine Treue (sadiqiyet)und für seine Botschaft (risalet)auf eine überaus zuverlässige Weise Zeugnis (shehadet)ablegen. So sehen wir denn
vom Standpunkt der Taten Seiner Herrschaft (ef'al-i rububiyet)aus betrachtet auch, dass der Statthalter und Protektor (mutasarrif ve mudebbir)dieser Welt, das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zur geistigen Sonne des Alls gemacht hat, und wie in der Risale-i Nur bereits nachgewiesen wurde, mit seiner Hilfe alle Finsternis vertrieben und uns seine lichtvollen Wahrheiten (nurani haqiqat)gezeigt, ja sogar durch seine Botschaft alle lebenden Wesen mit einem Ewigen Leben (hayat-i baqi)erfreut, seinen Glauben (din)zu einem Index der Vollkommenheit (fihriste-i kemalat)und zudem ein stabiles Programm für den Ablauf des Dienstes und der Anbetung (ubudiyet)für alle seine hochgeschätzten Diener und Anbeter (ehl-i ibadet)gemacht, die Wahrheit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die seine geistige Persönlichkeit ist - worauf bereits im Qur'an und im Djaushan hingewiesen wurde - zu einem umfassenden Spiegel der Erscheinung Seiner Gottheit (uluhiyet)- und wie bereits in den obigen Wahrheiten (haqiqat)erwähnt wurde - (angesichts der Tatsache), dass er in vierzehn Jahrhunderten jeden Tag ebenso viel an Guten Werken gewinnt wie seine Gemeinde (ummah)und anhand der Eindrücke, die er im sozialen wie im spirituellen Leben und in der Menschheit hinterlassen hat, ihn zum höchsten Führer des Menschengeschlechtes und zu ihrem Vorbild und Lehrer (Ustadh)gemacht hat, ihn mit großen und heiligen Aufgaben (qudsi vazifeh)der Menschheit zu Hilfe gesandt hat und zugleich den Menschen, entsprechend Seiner Barmherzigkeit (rahmet),Weisheit (hikmet)und Gerechtigkeit (adalet),entsprechend der Nahrung, der Luft, dem Wasser und dem Licht ihnen auch ihr Bedürfnis nach den Wahrheiten (haqiqat)
{(*): In meinem Alter und meiner Gebrechlichkeit verspüre ich nun den Millionsten Teil jener innerlichen Versorgung (erzaq), die mir durch die Person Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zuteil geworden ist. Wäre es mir gegeben, würde ich ihm dafür mit Millionen Zungen meinen Dank aussprechen. Und zwar folgendermaßen:
Ich leide sehr unter der Trennung und dem Verfall. Denn die Welt, die ich liebe, und alle weltlichen Dinge trennen sich von mir, verlassen mich und gehen dahin. Und ich weiß, dass auch ich dahingehen werde. Doch in meinem großen Leid und in der Verzweiflung, die meine Seele verdorren lässt, werde ich nun in einem Augenblick gerettet, wenn ich die Frohe Botschaft durch die Person Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, vernehme und fühle ich mich völlig getröstet. Ja sogar, wenn ich sitzend im Gebet (teshehhud)
اَلسَّلاٰمُ عَلَيْكَ يَا اَيُّهَآ النَّبِىُّ وَ رَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بِرَكَاتُهُ
("Friede sei mit dir, oh Prophet, das Erbarmen Gottes und Sein Segen!")
sage, ist dies sowohl ein Bund (biat), als auch Hingabe und Gehorsam (teslim ve itaat) ihm gegenüber als einem Diener Gottes (memuriyet), als auch Segen (tebrik) für seinen Auftrag (vazifah), als auch eine Art "Dankeschön", als auch meine Entgegnung für seine Botschaft einer Ewigen Glückseligkeit, wofür die Muslime fünfmal täglich ihren Gruß (selam) darbringen.}
und Gesetzen (Scharia)in Seiner Islamiyet bewusst gemacht hat. Ja, sollte denn nun der Besitzer des Universums, der mit zwölf umfassenden, absolut zuverlässigen Beweisen für die Botschaft Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, ein heiliges Zeugnis (qudsi shehadet)ablegt, obgleich Er doch in der Gestaltung eines Mückenflügels oder einer Blume nicht gleichgültig bleiben kann, die Botschaft Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die ja anhand Seiner dermaßen umfangreichen und umfassenden Zeugnisse gewürdigt wird, nicht als eine geistige Sonne des Alls erstrahlen lassen?
Somit beinhaltet denn ein jedes der obigen fünfzehn umfassenden Zeugnisse, in sich sehr viele (einzelne) Zeugnisse, ja das "Dritte Zeugnis" sogar in der Sprache der Wunder tausend Zeugnisse und beweist somit auf eine absolute und kraftvolle Weise die Aussage:
اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Ich bezeuge, dass Mohammed der Prophet Gottes ist.",}
verkündet auf diese Weise seine Wahrheit (tahaqquq),seinen Wert und seine Bedeutung. Und so wie die islamische Welt (alem)diese Botschaft (dava)jeden Tag fünf Mal mit hunderten Millionen Zungen sitzend im Gebet (teshehhud)dem All (kainat)verkündet, so haben auch Milliarden Gläubige (ehl-i iman)ohne zu zögern noch zu zweifeln angenommen und bestätigt, dass die Wahrheit (haqiqat)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, der Urkern des Universums und der Grund zu seiner Erschaffung (hilqat)und seine vollkommenste Frucht ist. Und der Herr des Universums (erhaben sei Sein Ruhm (djelle djelaluhu)!)geruhte, die spirituelle Persönlichkeit Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zum höchsten Ausrufer der Majestät Seines Königreichs (saltanat-i rububiyet),der rechtmäßig die tiefsten Geheimnisse (tilsim)des Alls und das Rätsel der Schöpfung (khilqat)erforscht und entschleiert, zu einem glänzenden Beispiel Seines Wohlwollens und Seiner Barmherzigkeit (rahmet),zu einem redegewandten Sprecher Seiner Liebe und Zuneigung (shefqat ve muhabbet),zum machtvollsten Boten und Verkünder fortwährenden Lebens (hayat)und ewiger Glückseligkeit, zum letzten und größten Seiner Propheten zu machen.
Wer nun noch mit den Wesenszügen (mahiyet)der oben dargestellten Wahrheiten (haqiqat)nicht zufrieden ist oder ihr keinen Wert beimisst, möge jetzt selbst beurteilen und erkennen, welch ein Verlust, was für ein Fehler, welche Torheit, was für ein Verbrechen dies wäre!
So weist denn die Suratu-l'Fatiha während des Gebetes (namaz),auf die wir bereits im Zweiten Teil hingewiesen hatten, mit absolut zuverlässigen Beweisen auf die Verkündigung (dava)der Wahrheit von der Einheit Gottes (haqiqat-i tauhid)hin, unter welche wir sitzend im Gebet (teshehhud)mit der Formel:
اَشْهَدُ اَنْ لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللّٰهُ
{"Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Gott."}
Tausende von Unterschriften setzen können. Desgleichen werden wir auch im Dritten Teil wiederum, sitzend im Gebet (teshehhud),mit der Aussage
وَ اَشْهَدُ اَنَّ مُحَمَّدًا رَسُولُ اللّٰهِ
{"Und ich bezeuge, dass Mohammed der Prophet Gottes ist."},
für die Verkündigung (dava)der Wahrheit des Prophetentums (risalet)machtvolle Zeugen herbeibringen, die ihre zahllosen Unterschriften der Bestätigung darunter setzen werden.
Oh barmherzigster Allerbarmer (ya Erhamerrahimien)!Um des Ruhmes des Ehrenwerten Propheten willen, mit dem Friede und Segen sei, gewähre uns seine Fürsprache und in der Befolgung seiner Sunnah erfolgreich zu sein! Und lass uns am Ort der Glückseligkeit bei seiner Familie und seinen Gefährten seine Nachbarn sein! Amin... amin... amin...
اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَ سَلِّمْ عَلَيْهِ وَ عَلٰٓى اٰلِهِ وَ صَحْبِهِ بِعَدَدِ حُرُوفِ الْقُرْاٰنِ الْمَقْرُوءَةِ وَ الْمَكْتوُبَةِ اٰمِينَ
{"Oh Gott, schenke Friede und Segen ihm, seiner Familie und seinen Gefährten nach der Zahl der Buchstaben des Qur'an, seien sie nun gelesen oder geschrieben!"}
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ
{"Gepriesen seist Du! Kein Wissen haben wir außer dem, das Du uns gelehrt hast! Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}
* * *
Zweites Kapitel des Glänzenden Beweises
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ بِهِ نَسْتَعِينُ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen." "und bei Ihm suchen wir Hilfe!"}
Am Ende der Suratu-l'Fatiha werden die Leute der Rechtleitung (ehli hidayet)und des rechten Weges (istiqamet)mit den Leuten der Irreleitung (ehli dalalet)und der Rebellion (tughyan)verglichen, (ein Vergleich),auf deren Sinn (haqiqat)die Ayah aus der Suratu-n'Nur
اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَالْاَرْضِ مَثَلُ نُورِهِ كَمِشْكٰوةٍ فِيهَا مِصْبَاحٌ اَلْمِصْبَاحُ فِى زُجَاجَةٍ اَلزُّجَاجَةُ كَأَنَّهَا كَوْكَبٌ دُرِّىٌّ يُوقَدُ مِنْ شَجَرَةٍ مُبَارَكَةٍ
{"Allah ist das Licht des Himmels und der Erde. Sein Licht ist mit einer Leuchte zu vergleichen, mit einer Lampe darin. Die Lampe ist in einem Glas. Es scheint wie ein funkelnder Stern. Es brennt von einem gesegneten Baum, ..." usw. (Sure 24, 35)}
die allen Gegenüberstellungen in der Risale-i Nur als Quelle dient, und die darauf folgende Ayah
أَوْ كَظُلُمَاتٍ فِى بَحْرٍ لُجِّىٍّ يَغْشٰيهُ مَوْجٌ مِنْ فَوْقِهِ مَوْجٌ
{"Oder (die Handlungen der Ungläubigen sind) wie Finsternis in einem abgrundigtiefen Meer, das von der Woge bedeckt wird, über der eine (weitere) Woge liegt, ..." usw. (24, 40)}
hinweist. In beiden (Ayat) wird dieser Vergleich
{zwischen den Rechtgeleiteten und den Irregeleiteten}
auf wunderbare Weise zum Ausdruck gebracht.
Der erste (der beiden obigen Ayah), der Lichtvers (ayeti nur)enthält, wie bereits im "Ersten Strahl" bewiesen wurde, zehn Hinweise auf die Risale-i Nur und gibt auf wundersame Weise über diesen Kommentar (tefthir)zum Qur'an Kunde aus dem Verborgenen. Dies war der erste
Grund dafür, dass der Risale-i Nur (Sendschriften des Lichtes) der Name نُورْ "Nur(Licht)" gegeben wurde, wobei in einem Abschnitt des Neunundzwanzigsten Briefes gleichnishaft von einer visionären Reise berichtet wird, die durch das Wort "Nur(Licht)" in diesem bemerkenswerten "Lichtvers" innerlich als eine Art Wunder (mu'djize)erfahren wurde, vergleichbar jenem Wunder, das der Buchstabe ن "nun"in dem Wort نَعْبُدُ "na'budu(wir beten an)" ist, wobei ein Reisender durch die Welt (dunya)in der Abhandlung (risalah)"Das Große Zeichen (Ayet-ul Kubra)"um seinen Schöpfer zu suchen, zu finden und Ihn kennenzulernen, das gesamte Universum und alle Arten und Formen des Seins befragte und seinen Schöpfer (Khaliq)auf dreiunddreißig verschiedenen Wegen durch unumstößliche Beweise mit wissenschaftlicher Genauigkeit (ilme l-yaqien)und augenscheinlicher Gewissheit (ayne l-yaqien)kennen lernte, wobei denn dieser Reisende auch durch die Zeitalter, die Erde und die verschiedenen Schichten der Himmel mit seinem Verstand, seinem Herzen (qalb)und in seiner Vorstellung (hayal)umherreiste ohne müde zu werden, sich dabei niemals satt sehen konnte, alle Länder der Erde erblickte und ihre Städte erkundete, manchmal sein Ross "Verstand (aql)"besteigend sie durch die Weisheit des Qur'an, manchmal in der Weisheit der Philosophie und dabei auch noch die weit entferntesten Ebenen durch das große Fernrohr seiner Vorstellungskraft betrachtend, wobei er die Wahrheit erschaute und erkannte, wie sie in Wirklichkeit ist, und uns sodann teilweise im "Großen Zeichen (Ayet-ul Kubra)"davon Bericht erstattete.
So wollen wir denn nun von all diesen vielen Welten und Seinsebenen anstelle eines Gleichnisses nur ein Beispiel für eine visionäre Reise (seyahat-i hayal)
beschreiben, welche jedoch der gleichen Wahrheit zugehört, und anhand von drei Ebenen ganz kurz zusammengefasst den Vergleich am Ende der Suratu-l'Fatiha erläutern, was aber nur ein Vergleich mit der Kraft des Verstandes sein soll. Weitere
Beobachtungen und Vergleiche überlassen wir hier den Vergleichen der Risale-i Nur.
Das erste Beispiel ist folgendes:
Da sagte jener Reisende, der nur in die Welt gekommen war, um seinen Schöpfer (Khaliq)kennen zu lernen und ihn zu finden, zu seinem Verstand: "Wir haben alle Dinge nach unserem Schöpfer gefragt und von ihnen die schönsten und vollkommensten Antworten erhalten. Da aber nun ein Sprichwort sagt: "Man soll die Sonne selbst nach der Sonne fragen.", müssen wir nun, um unseren Schöpfer (Khaliq)in den Erscheinungen Heiliger Eigenschaften wie "Wissen (ilim)","Wille (irade)"und "Macht (qudret)"und in Seinen von uns bezeugten Werken und den Manifestationen Seiner Namen kennen zu lernen und Ihn zu finden, noch eine weitere Reise unternehmen." So sagt er und betritt die Welt. Und gleich den Irrgläubigen, die eine zweite Strömung bilden, bestieg er nun erst einmal dieses Schiff, das unser Erdball ist. Dabei setzte er sich die Brille jener Naturwissenschaften und Philosophien auf, die der Weisheit (hikmet)des Qur'an nicht folgen. Als er nun die Geographie betrachtete, eine Wissenschaft, die den Qur'an nicht liest, sah er: In einer unendlichen Leere durchwandert (unsere Erde) in einem Jahr einen Raum von 24.000 Jahren Fußmarsch mit einer Geschwindigkeit, siebzigmal schneller als eine Kanonenkugel. Dabei hat sie Hunderttausende Arten armseliger, bedauernswerter Wesen in sich aufgenommen. So verstand er denn, dass (diese Erde), wollte sie auch nur einen Augenblick von ihrer Bahn abweichen, oder würde sie mit einem verirrten Stern zusammenstoßen, auseinanderfallen, in die Unendlichkeit des Alls hinabstürzen und alle diese armseligen Lebewesen in die Nichtigkeit und Verlorenheit ausgießen, entleeren müsste.
غَيْرِ الْمَغْضُوبِ عَلَيْهِمْ وَ لاَ الضَّالِّينَ
{"Nicht derer, denen Du zürnst oder derer, die in die Irre gehen." (Sure 1, 7)}
Da empfand er denn die geistige Katastrophe dieser fürchterlichen Strömung und اَوْكَظُلُمَاتٍ فِى بَحْرٍ لُجِّىٍّ {"oder gleicht den Tiefen der Finsternis in einem abgrundtiefen Meer." (Sure 24, 40)} diese erstickende Finsternis und rief aus: "Oh weh! Was haben wir nur getan! Warum sind wir nur an Bord dieses fürchterlichen Schiffes gegangen? Gibt es vielleicht eine Möglichkeit, um von hier gerettet zu werden?" Dann zerbrach er die Brille einer derart kurzsichtigen (kör)Wissenschaft und wandte sich wiederum dem Strom اَلَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ {"derer, denen Du huldvoll bist." (Sure 1, 7)} zu. Da kam ihm die Weisheit (hikmet)des Qur'an unmittelbar zu Hilfe, überreichte seinem Verstand ein Fernrohr, das die Wahrheit (haqiqat)erkennen lässt, und sagte: "Nun sieh!" Da blickte er hindurch und sah: رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ {"Herr des Himmels und der Erde." (Sure 13, 16)} gleich einer Sonne über dem Sternbild
هُوَ الَّذِى جَعَلَ لَكُمُ الْاَرْضَ ذَلُولاً فَامْشُوا فِى مَنَاكِبِهَا وَ كُلُوا مِنْ رِزْقِهِ
{"Der euch die Erde in euren Dienst gestellt hat. Geht nun auf ihren Schultern umher und esst von dem, was sie euch zu eurer Versorgung (rizq) bereitet hat!" (Sure 67, 15)}
aufgehen. (Diese Ayah lässt uns erfahren, dass der Allmächtige Versorger (Rezzaq))die Erde als ein sicheres und wohlgeordnetes Schiff gestaltet und für alle lebenden Wesen mit Versorgungsgütern (rizq)angefüllt hat und sie mit viel Weisheit (hikmet)und großem Nutzen auf ihrer Reise rund um die Sonne durch das Meer des Weltalls
fahren lässt, um in den verschiedenen Jahreszeiten ihre Versorgung (erzaq)für diejenigen einzufahren, die ihrer bedürfen. Auch hat Er zwei Engel mit den Namen "Sevr(Stier)" und "Hut(Fisch)" zu Kapitänen dieses Schiffes ernannt, die es mit seinen Geschöpfen (makhluqat)und Seinen Gästen zu ihrer Freude (auf die Reise) durch dieses wunderschöne und prächtige Land ihres Herrn (memleket-i Rabbaniye),des Schöpfers in Seiner Majestät (Khaliq-i dhul'Djelal)mitnehmen sollen. So verstand denn unser Reisender und es wurde ihm die Wahrheit (haqiqat)in dem Satz اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ {"Gott ist das Licht Himmels und der Erde."} klar, und lässt ihn so die Erscheinungsweise des Namens seines Schöpfers (Khaliq)erkennen. Da sagte er mit vollem Herzen und ganzer Seele (ruh):اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ {"Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten."} und schloss sich der Gruppe derer اَلَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ {"denen Du Deine Gunst erwiesen hast."}, an.
Das zweite Beispiel für das, was unser Reisender auf seiner Fahrt durch die Welten gesehen hat:
Nun verließ unser Reisender dieses Schiff, das unsere Erdkugel ist und betrat die Welt der Tiere und der Menschen. Er setzte sich wieder die Brille der Naturwissenschaftler auf, die ihren Geist (ruh)nicht aus dem Glauben (din)schöpfen, und sah: Obwohl doch alle diese unendlich vielen lebenden Wesen unendlich viele Bedürfnisse hatten, dazu unendlich viele Schaden bringende Feinde, die sie ständig belästigen und verfolgen, es überdies gnadenlose
Ereignisse gibt, war doch ihr Vermögen, diesen Bedürfnissen gegenüber nur ein tausendstel, ja vielleicht nur ein Hunderttausendstel davon. Ihr eigenes Kapital (iktidar),mit dem sie allen diesen Schaden bringenden Dingen hätten begegnen können, betrug nur den Millionsten Teil. In dieser so abscheulichen und beklagenswerten Lage, jedoch durch sein Mitempfinden mit der leidenden Kreatur und durch seine Liebe (shefqat)zu allen Leidensgenossen in seinem Verstand mit ihnen verbunden, ergriff ihn ein Schmerz über ihren Zustand gleich Höllenstrafen, quälte ihn in einem solchen Grade, machte ihn dermaßen traurig und verzweifelt, dass er es tausendmal bedauerte, in diese durcheinander geratene Welt hineingeraten zu sein, als plötzlich die Weisheit (hikmet)des Qur'an zu seiner Hilfe eilte und ihm das Fernrohr des اَلَّذِينَ اَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ {"derer, denen Du huldvoll bist"} überreichte und sagte: "Schau!" Da schaute er hindurch und sah: اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ {"Gott ist das Licht Himmels und der Erde."}, (erkannte) darin die Erscheinung so vieler göttlicher Namen, wie "der Erbarmer (Rahman),der Barmherzige (Rahiem),der Versorger (Rezzaq),der Schenkende (Mun'im),der Freigiebige (Keriem),der Bewahrende (Hafiedh)",die der Sonne gleich in den Sternzeichen von
مَا مِنْ دَآبَّةٍ اِلاَّ هُوَ اٰخِذٌ بِنَاصِيَتِهَا ٭ وَ كَأَيِّنْ مِنْ دَآبَّةٍ لاَتَحْمِلُ رِزْقَهَا اَللّٰهُ يَرْزُقُهَا وَإِيَّاكُمْ ٭ وَلَقَدْ كَرَّمْناَ بَنِى اٰدَمَ ٭ اِنَّ الْاَبْرَارَ لَفِى نَعِيمٍ
{"Es gibt kein lebendes Wesen, das Er nicht an seiner Stirnlocke hielte." (Sure 11, 56) "...und es gibt kein Tier, das für sich selbst sorgte: Gott sorgt für es und für euch." (Sure 29, 60) "...denn wir waren huldvoll gegenüber den Söhnen Adams" (Sure 17, 70) "...denn die Frommen werden in Wonnen leben" (Sure 82,13)}
aufgingen. Sie erfüllten die Welt der Menschen und Tiere mit Barmherzigkeit (rahmet)und Güte (ihsan)und verwandelten sie vorübergehend in ein Paradies. So verstand er denn, dass dieses sehenswerte, schöne und nachahmenswerte Gasthaus seinen großmütigen Gastherrn in vollkommener Weise bekannt macht und sagte tausendmal:
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Lobpreis und Dank sei Gott, dem Herrn der Welten."}
Das dritte unter Hunderten von Beispielen seiner Beobachtungen während seiner Reise:
Unser Weltreisender, der seinen Schöpfer (Khaliq)in den Widerspiegelungen und Erscheinungen Seiner Namen (ism)und Eigenschaften (sifat)erkennen möchte, sagte zu seinem Verstand (aql)und zu seiner Vorstellungskraft (hayal):"Komm! Lassen wir unseren Körper auf Erden zurück und steigen wir Engeln und Geistern (ruh)gleich zu den Himmeln auf! Wir wollen die Himmelsbewohner nach unserem Herrn befragen." So stiegen denn der Geist (ruh)auf sein Vorstellungsvermögen (hayal)und der Verstand (aql)auf sein Denkvermögen (fikr)und so fuhren sie zum Himmel auf. Sie nahmen sich einen gelehrten Astronomen zu ihrem Wegweiser. So betrachteten sie mit den Augen der Wissenschaft, die den Glauben nicht beachtet, jenen Vertretern einer Strömung مَغْضُوبِ, ضَّالِّينَ {"über die gezürnt wird, die in die Irre führt"} und sahen: tausendmal größer als der Erdball und in ihrer Bewegung hundert Mal schneller als eine Kanonenkugel finden sich Tausende von Himmelskörpern untereinander zerstreut, Feuer speiende Sterne, ohne jedes Bewusstsein und leblos, eilen sie miteinander vermischt, Landstreichern gleich, schnell dahin. Würde einer von ihnen zufällig für einen Augenblick vom Wege abweichen, müsste er in dieser leeren, grenzenlosen, ins Unendliche ausgedehnten Welt (alem)durch seinen Zusammenstoß mit einer anderen, ebenso bewusstlosen Kugel ein Tohuwabohu gleich einem Weltuntergang verursachen.
Da wurde unser Weltreisender, wohin auch immer er blickte, von Angst und Schrecken, von Staunen und Furcht ergriffen und bedauerte tausendmal, zum Himmel aufgestiegen zu sein. Sein Verstand (aql)und sein Vorstellungsvermögen (hayal)wurden ganz und gar zersplittert und sagten: "Es ist unsere Aufgabe, die schönen Wahrheiten (haqiqat)zu schauen und aufzuzeigen. Wir nehmen von unserer Aufgabe Abstand, solche Dinge, die so hässlich sind wie die Hölle und derart qualvolle Bilder zu kennen und ihre Zeugen zu sein und wollen so etwas nicht." Da erhoben sich plötzlich mit der Erscheinung von اَللّٰهُ نُورُ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ {"Gott ist das Licht der Himmel und der Erde."} viele Namen, wie خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَ الْاَرْضِ {"Schöpfer Himmels und der Erde",} مُسَخِّرُ الشَّمْسِ وَ الْقَمَرِ {"Dienstherr der Sonne und des Mondes",} رَبُّ الْعَالَمِينَ {"der Herr der Welten"} jeder von ihnen (erhebt sich) gleich wie sich die Sonne über die Sternbilder solcher Ayat wie
وَ لَقَدْ زَيَّنَّا السَّمَآءَ الدُّنْيَا بِمَصَابِيحَ
{"und wir haben den Himmel über der Erde mit Lampen geschmückt" (Sure 67, 5),}
اَفَلَمْ يَنْظُرُوا اِلَى السَّمَآءِ فَوْقَهُمْ كَيْفَ بَنَيْنَاهَا وَ زَيَّنَّاهَا
{"Schauen sie denn nicht nach dem Himmel über ihnen, wie wir ihn aufgerichtet und ausgeschmückt haben." (Sure 50, 6),}
ثُمَّ اسْتَوٰى اِلَى السَّمَآءِ فَسَوّيهُنَّ سَبْعَ سَمٰوَاتٍ
{"Dann wandte Er sich dem Himmel zu und formte ihn zu sieben Himmeln um." (Sure 2, 29)}
erhebt. Sie füllten alle Himmel mit Licht und mit Engeln und verwandelten sie in eine riesige Moschee, einen Gebetsraum oder ein Heerlager. Nun betrat unser Reisender den Strom اَلَّذِينَ أَنْعَمْتَ عَلَيْهِمْ {"derer, denen Du huldvoll bist"} und war vor den Irrenden und vor اَوْكَظُلُماَتٍ فِى بَحْرٍ لُجِّىٍّ {"wie Finsternis in einem abgrundigtiefen Meer"} errettet. Da erblickte er plötzlich ein prächtiges, wunderschönes und wohlgeordnetes Land und beobachtete, wie dort von allen Seiten der Majestätische Schöpfer (Khaliq-i dhul'Djelal)verkündet wurde. (In der Beobachtung) dieser Situation steigerte sich der Wert des Verstandes (aql)und des Vorstellungsvermögens (hayal)und ihre Aufgaben (vazifah)entwickelten sich tausendfach.
Was nun die vielen hundert Beispiele für die Wanderungen (seyahat)
unseres Weltreisenden betrifft, die wir mit den oben erwähnten drei Beispielen vergleichen können, so überlassen wir all seine weiteren Beobachtungen und seine Erkenntnisse (marifet)des Notwendigerweise Seienden (Vadjib-ul Vudjud)in der Erscheinung Seiner Namen der Risale-i Nur, begnügen uns hier mit diesem ganz kurzen Hinweis, brechen diese so lange Geschichte kurz ab und bemühen uns gleich wie unser Weltreisender, den Weltenschöpfer (Khaliq)durch die Werke, die Erscheinungen und das Zeugnis, das in der Bewahrheitung (tahaqquk)von nur drei bedeutenden Eigenschaften (sifat)
der sieben Eigenschaften (sifat),der heiligen Eigenschaften (qudsi sifat)liegt, die den Schöpfer (Khaliq)bekannt machen, nämlich "Wissen (ilim)","Wille (irade)"und "Macht (qudret)"{dazu noch Leben, Hören, Sehen, Sprechen (A.d.Ü.)} durch einige ganz kurze Hinweise kennen zu lernen. Die weitere Ausführung überlassen wir dann der Risale-i Nur.
Hier nun der arabische Text eines kurz zusammengefassten Streiflichtes (Hizb-i Nurie),
{ein Auszug aus der Risale-i Nur (A.d.Ü.)} den ich, kurz zusammengefasst, stets im Gebet (virdim)wiederholend kontempliere und von dem nun hier drei Stufen von dreiunddreißig Stufen des Rufes "Gott ist groß (Allahu Ekber)"erklärt werden sollen. Diesem arabischen Text folgt dann eine Art Übersetzung mit kurzen Hinweisen, wobei sich die Professoren (ulema)der Schriftkunde (ilm-i kelam)und der Dogmatik (aqide)schon sehr lange mit den Erscheinungen des Wissens (ilim),Wollens (irade)und der Allmacht (qudret)Gottes in der Welt beschäftigt und ihren Glauben (iman)mit augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqin)bestätigt gefunden haben, durch welche Bestätigung sich ihnen mit wissenschaftlicher Sicherheit (ilme l-yaqin)der Weg zu einem vollkommenen Glauben (iman)an die offensichtliche Existenz (maudjudiyet)und Allgegenwart (vahdaniyet)dessen, der da notwendigerweise Sein muss (Vadjib-ul Vudjud)geöffnet hat, wozu der (nachstehende) arabische Text (das Folgende sagt):
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ ٭ وَ قُلِ الْحَمْدُ لِلّٰهِ الَّذِى لَمْ يَتَّخِذْ وَلَدًا وَ لَمْ يَكُنْ لَهُ شَرِيكٌ فِى الْمُلْكِ وَ لَمْ يَكُنْ لَهُ وَلِىٌّ مِنَ الذُّلِّ وَ كَبِّرْهُ تَكْبِيرًا ٭ اَللّٰهُ اَكْبَرُ مِنْ كُلِّ شَىْءٍ قُدْرَةً وَ عِلْمًا إِذْ هُوَ الْعَلِيمُ بِكُلِّ شَىْءٍ بِعِلْمٍ مُحِيطٍ لاَزِمٍ ذَاتِىٍّ
لِلذَّاتِ يَلْزَمُ الْاَشْيَآءَ لاَ يُمْكِنُ اَنْ يَنْفَكَّ عَنْهُ شَىْءٌ بِسِرِّ الْحُضُورِ وَ الشُّهُودِ وَ الْاِحَاطَةِ النُّورَانِيَّةِ وَ بِسِرِّ اِسْتِلْزَامِ الْوُجُودِ لِلْمَعْلُومِيَّةِ وَ اِحَاطَةِ نُورِ الْعِلْمِ بِعَالَمِ الْوُجُودِ ٭ نَعَمْ فَالْاِنْتِظَامَاتُ الْمَوْزُونَةُ وَ الْاِتِّزَانَاتُ الْمَنْظُومَةُ وَ الْحِكَمُ الْقَصْدِيَّةُ الْعَآمَّةُ وَ الْعِنَايَاتُ الْمَخْصُوصَةُ الشَّامِلَةُ وَ الْاَقْضِيَّةُ الْمُنْتَظَمَةُ وَ الْاَقْدَارُ الْمُثْمِرَةُ وَ الْاٰجَالُ الْمُعَيَّنَةُ وَ الْاَرْزَاقُ الْمُقَنَّنَةُ وَ الْاِتْقَانَاتُ الْمُفَنَّنَةُ وَ الْاِهْتِمَامَاتُ الْمُزَيَّنَةُ وَ غَايَةُ كَمَالِ الْاِنْتِظَامِ وَ الْاِنْسِجَامِ وَ الْاِتِّسَاقِ وَ الْاِتْقَانِ وَ الْاِتِّزَانِ وَ الْاِمْتِيَازِ اَلْمُطْلَقَاتِ فِى كَمَالِ السُّهُولَةِ الْمُطْلَقَةِ دَالاَّتٌ عَلٰٓى اِحَاطَةِ عِلْمِ عَلاَّمِ الْغُيُوبِ بِكُلِّ شَىْءٍ ٭ أَلاَ يَعْلَمُ مَنْ خَلَقَ وَ هُوَ اللَّطِيفُ الْخَبِيرُ ٭ فَنِسْبَةُ دَلاَلَةِ حُسْنِ صَنْعَةِ الْاِنْسَانِ عَلٰى شُعُورِ الْاِنْسَانِ اِلىٰ نِسْبَةِ دَلاَلَةِ حُسْنِ خِلْقَةِ الْاِنْسَانِ عَلٰى عِلْمِ خَالِقِ الْاِنْسَانِ كَنِسْبَةِ لُمَيْعَةِ نُجَيْمَةِ الذُّبَيْبَةِ فِى اللَّيْلَةِ الدَّهْمَآءِ اِلىٰ شَعْشَعَةِ الشَّمْسِ فِى رَابِعَةِ النَّهَارِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen." "Sage: Lobpreis und Dank sei Gott, der keinen Sohn gezeugt und keinen Partner hat in Seinem Reiche, noch einen Freund, Ihn im Elend (zu beschützen). So verherrliche Ihn denn in Seiner Größe!" (Sure 17, 111) "Gott ist größer als ein jedes Ding in Seiner Macht und in Seinem Wissen. Denn Er kennt alle Dinge in Seinem allumfassenden Wissen, so wie es Sein Wesen erfordert.
((*)
وَ لِلّٰهِ الْمَثَلُ الْأَعْلٰى : كَلُزُومِ الضَِيَآءِ الْمُحِيطَ لِلشَّمْس
("Und Gottes sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60): wie das alles durchströmende Licht der Sonne immanent (muhit) ist.))
Seinem Wesen entspricht es, im Geheimnis Seiner Göttlichen Allgegenwart, Seiner Zeugenschaft und alles durchdringenden Leuchtkraft, durch das Geheimnis der Notwendigkeit Seines allumfassenden Seins, durch die alles durchdringenden Strahlen Seines Wissens um die Welten des Daseins, dass es keinem Ding möglich ist, irgendetwas vor Ihm zu verbergen. In der Tat verweisen die ausgewogene Ordnung, das ausgewogene Regelmaß, die allgemeine, absichtsvolle Weisheit, die für alle und jeden geltende besondere Güte, die wohl durchdachten Beschlüsse, die an ihren Ergebnissen orientierten Bestimmungen, die durchschnittliche Lebenserwartung, die ausgewogene Ernährung (erzaq), die geschulte Geschicklichkeit, der sorgfältig ausgewählte Schmuck, die vollkommene Ordnung, Harmonie, Ausstattung, Tüchtigkeit und Ausgewogenheit, die perfekte Unterscheidung und vollkommene Leichtigkeit, sie alle deuten auf das allumfassende Wissen des Allwissenden alles Unsichtbaren in allen Dingen." (**)
((**) Diese fünfzehn Beweise werden weiter unten einzeln erläutert.)
"Sollte denn der es nicht wissen, der es erschaffen hat und selbst noch über die tiefsten Geheimnisse wohl unterrichtet ist?" (Sure 67, 14) "So wie die schönen Künste des Menschen auf das Bewusstsein des Menschen hinweisen, so verweist auch die Schönheit in der Erschaffung des Menschen auf die Allwissenheit des Schöpfers des Menschen, was einem Vergleich des schwachen Lichtschimmers eines Glühwürmchens in schwarzer Nacht mit dem strahlenden Glanz der Sonne am helllichten Mittag ähnlich ist."}
Mit dieser sehr kurzen Art Übersetzung verweisen wir auf die göttliche Allwissenheit (ilm-i Ilahiye),diese so bedeutungsvolle Wahrheit des Glaubens (haqiqat-i imaniye)und überlassen (alle weiteren) Ausführungen der Risale-i Nur.
{(*): Der nun folgende Teil (dieser Abhandlung) wurde im Zustand einer fürchterlichen Krankheit infolge einer Vergiftung geschrieben, wie ich sie noch nie zuvor erlebt hatte. Meine Fehler sollten daher mit nachsichtigen Augen betrachtet werden. Husrev möge also die Teile, die er nicht für angemessen hält, abändern, abmildern oder korrigieren.}
So wie sich in der Tat die Göttliche Barmherzigkeit (rahmet)im Wunder der Versorgung (rizq)so sonnenklar zeigt, so beweist sie zugleich auch mit absoluter Sicherheit, gleichsam hinter einem Vorhang verborgen, den Erbarmer, den Allbarmherzigen (Rahman-i Rahiem).Und so zeigen auch die Weisheiten und Früchte der Ordnung und Wohlausgewogenheit das Wissen (ilim),(als eine Eigenschaft), die in gewisser Weise die allererste der sieben heiligen Eigenschaften (sifat)ist und in den qur'anischen Versen an Hunderten von Stellen einen Ehrenplatz (mauki)einnimmt, die Existenz (maudjudiyet)dessen, der um alle Dinge weiß (Alim-i Küll-i Shey).
Vergleicht man in der Tat die harmonisch gestalteten Meisterwerke der Kunst, die auf das Wissen (ilm)des Menschen verweisen, mit seinem Bewusstsein und die Schönheit in der Erschaffung (khilqat)des Menschen, die auf die Allwissenheit (ilm)und Weisheit (hikmet)des Schöpfers (Khaliq)des Menschen hinweisen, so ähnelt dies dem Vergleich des schwachen Lichtschimmers eines Glühwürmchens in der Nacht mit dem strahlenden Glanz der Sonne am helllichten Mittag.
Ehe wir aber nun die Beweise für die Göttliche Allwissenheit (ilm)
weiter erklären, wollen wir kurz jene göttliche Anrede zu Gehör bringen, mit der Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, in der Nacht seiner Himmelfahrt (Mi'radj)beehrt wurde, wobei dann die Elemente des Kosmos auf eine so offensichtliche Art und Weise in der Erscheinung der geheiligten Eigenschaft (qudsi sifat)den, der da Heilig (Dhat-i Aqdes)ist, beweisen und bezeugen, wobei er dann als der Abgeordnete und Bote aller lebenden Wesen (dhi-hayat)und aller Arten und Formen des Daseins (makhluqat)anstelle aller mit Bewusstsein begabten Wesen den Gruß (selam)zu entbieten, plötzlich
اَلتَّحِيَّاتُ اَلْمُبَارَكَاتُ اَلصَّلَوَاتُ اَلطَّيِّبَاتُ لِلّٰهِ
{"Alle Geschenke des Lebens, Segnungen, Bitten und Gebete, Worte und Werke sind für Gott."},
sagte und so seinem Schöpfer (Khaliq)in der Art, in der sie alle durch die Erscheinung der Göttlichen Allwissenheit (sifat-i ilm)ihren Herrn (Rabb)kennen, die Geschenke aller Lebewesen darbringt. Das heißt:
اَلتَّحِيَّاتُ, اَلْمُبَارَكَاتُ, اَلصَّلَوَاتُ, اَلطَّيِّبَاتُ
{"Alle Geschenke des Lebens, Segnungen, Bitten und Gebete, Gutes"}
Mit diesen vier Bezeichnungen (at-Tahiyyat, el-Mubarakat, as-salavat, at-Tayibyat)spielt er auf die Geschenke
des Lebens, die Segnungen, Dienst und Anbetung (ubudiyet)und die Schönheit aller Erkenntnis (marifet)an, welche die vier Arten aller lebenden Wesen dem Kenner alles Verborgenen (Allam-ul Ghuyub)in der Erscheinung allen Wissens (ilm)von Ewigkeit zu Ewigkeit darbringen, aus welchem Grunde die Rezitation dieser geheiligten (qudsi)Anrede während der Himmelfahrt (mukaleme-i mi'radjiye)im weitesten Sinne zum Pflichtteil (fardh bir vazifesi)während des kniend verrichteten Gebetes (teshehhud)für alle Muslime geworden ist. Damit überlassen wir nun die weitere Ausführung zu dieser geheiligten Anrede der (Risale-i Nur)und werden nur eine Bedeutung dieser vier Hinweise ganz kurz erörtern.
Erstens:
اَلتَّحِيَّاتُ لِلّٰهِ
{"Die Geschenke des Lebens sind für Gott."}
Die Bedeutung (dieses Hinweises) ist kurz gesagt folgende:
Wenn ein Ingenieur, der mit seinem profunden Wissen (ilm)und seiner bewunderungswürdigen Intelligenz eine staunenswerte Maschine gebaut hat und nun ein jeder, der diese Maschine erblickt, diesem Meister applaudiert, ihm gratuliert, ihn lobt und preist und ihn mit besonderen Gratifikationen, mit materiellen und ideellen Geschenken, mit Ruhm und Anerkennung (tahiye)beehrt, wenn dann auch diese Maschine auf die von ihrem Meister gewünschte Weise voll und ganz und auf die perfekte Weise seinen Wünschen entspricht und so alle seine wundersamen künstlerischen Feinheiten und seine wissenschaftlichen Fachkenntnisse unter Beweis stellt und so ihrem Meister und Erbauer durch ihr Sein und Wirken durch ihr bloßes Vorhandensein zujubelt, ihn beglückwünscht und ihn auf diese Weise mit Geschenken, mit Ruhm und Anerkennung (tahiye)beehrt, so sind in gleicher Weise auch alle die Arten lebender Wesen in der Welt (kainat),jede einzelne (Art) und jedes einzelne
(Wesen in ihr) auf seine Art eine solche wunderbare und Staunen erregende Maschine, wenn sie ihrem Meister in all Seiner Majestät (Sani'-i Dhul-Djelal),der sich durch die tiefen und feinsinnigen Erscheinungen Seines allumfassenden Wissens (ilm)zu erkennen gibt, das die Beziehung eines jeden Dinges mit jedem anderen Ding kennt und um all die Dinge weiß, die ein jedes Wesen zu seinem Leben braucht und es ihm zur rechten Zeit zukommen lässt, durch ihr Sein und Wirken wortlos zujubelt, gleich den Bewusstsein tragenden Wesen, den Menschen, Dschinnen und Engeln, die ihrem Meister in Zungen und Worten zujubeln und mit Segenswünschen (tebrik)ihre Geschenke (tahiye)überbringen und dabei اَلتَّحِيَّاتُ لِلّٰهِ {"Die Geschenke des Lebens sind für Gott."} sagen. Und sie bieten das Kostbarste ihres Lebens in Dienst und Anbetung (ubudiyet)unmittelbar dem Schöpfer (Khaliq)an, der alle Seine Geschöpfe in jeder Lebenslage kennt. Deshalb hat auch Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, im Namen aller lebenden Wesen auf seiner nächtlichen Himmelfahrt, während seiner Audienz (hudhur)vor dem, der da notwendigerweise sein muss (Vadjib-ul Vudjud)als Gruß (selam)اَلتَّحِيَّاتُ لِلّٰهِ {"Die Geschenke des Lebens sind für Gott."}, gesagt und Gaben (tahiye),Geschenke (hediye)und die Ausdrücke ihrer Ehrerbietung (manevi selamlar)für alle lebenden Wesen dargebracht. So wie eine korrekt und ordentlich arbeitende Maschine mit ihrer Zuverlässigkeit und Ausgewogenheit insgesamt in der Tat ohne Zweifel einen geschickten und talentierten Maschinenbauer zeigt, so zeigt auch jede einzelne dieser unendlich vielen lebenden Maschinen, die die Welt (kainat)erfüllen, tausend und ein Wunder der Allwissenheit (mu'djizat-i ilmi).Was immer nun der Vergleich
des Lichtschimmers eines Glühwürmchens mit einem Sonnenstrahl (besagen mag), so bezeugen doch sicherlich alle Lebewesen in der Erscheinung ihres Wissens (ilm)die Notwendigkeit der Existenz (vudjub-u vudjuduna)und die Anbetungswürdigkeit (mabudiyet)des Baumeisters und ewigen Künstlers (sermedi san'atkar)in aller Klarheit.
Das zweite heilige Wort während der Himmelfahrt (Kelime-i Mi'radjiye)heißt:
اَلْمُبَارَكَاتُ
{"Segnungen"}
Da nun einmal entsprechend einer Hadith das Gebet (namaz)die Himmelfahrt (mi'radj)des Gläubigen ist und den Widerschein der großen (ekber)Himmelfahrt empfängt, und da nun einmal unser Weltreisender in einer jeden Welt (alem)seinen Schöpfer (Khaliq),den allwissenden Kenner alles Verborgenen (Allam-ul Ghuyub)in Seiner Eigenschaft (sifat)als der Allwissende (ilim)gefunden hat, wollen nun auch wir uns darum bemühen, zusammen mit unserem Reisenden in jene große weite Welt all der Dinge, welche die Gesegneten (mubarekler)und die Betrachtenden "Segne es Gott (barakallah)!"ausrufen lässt, (die Welt der) اَلْمُبَارَكَاتُ {"Segnungen"} einzutreten, (die Welt) all der mit Bewusstsein begabten Lebewesen (dhiruh)und ihrer arglosen, gesegneten Jungen und vor allem der Samenkerne und Körner, welche diese kleinen vorprogrammierten Kästchen mit der Bestimmung (muqadderat)allen Lebens (dhi-hayat)sind, um jene gesegnete (mubarekat)Welt zu betrachten und zu studieren, um so unseren Schöpfer (Haliq)in den wundersamen, feinsinnigen Erscheinungsformen der heiligen Eigenschaft Seiner Allwissenheit (qudsi sifat-i ilm)mit der Sicherheit unseres Wissens (ilme-l'yaqien)kennenzulernen.
Wir sehen in der Tat mit unseren eigenen Augen, dass all diese arglosen kleinen Jungtiere und all diese kleinen Schatzkisten und Kästchen im Wissen (ilm)des Allwissenden (Aliem)und Allweisen (Hakiem),sowohl insgesamt als auch jedes einzelne für sich, plötzlich erwachen und sich in Richtung auf das Ziel ihrer Erschaffung (khilqat)hin in Bewegung setzen. So bringen sie all die, welche die Wahrheit ins Auge zu fassen vermögen, dazu: "Tausendmal: Segne es Gott (Barekallah)!Hunderttausendmal: Wie wunderbar ist doch das, was Gott hier gewollt hat (Mashaallah)!",auszurufen.
In der Tat gibt es z.B. für alle Spermien, Eier, Samenkerne und Körner und für jedes einzelne von ihnen eine feinsinnige Ordnung (nizam),die aus einem Wissen (ilm)erwächst, eine perfekte Ausgewogenheit (mizan),die aufgrund der Geschicklichkeit (des Meisters) aus dieser Ordnung erwächst, eine Ordnung (tanzim),die planmäßig (mizan)wieder neu entsteht. Das wiederum geschieht nach einem stets neuen und ausgewogenen Maßstab (tevzin).Das aber geschieht nun entlang bestimmter Unterscheidungsmerkmale, entsprechend ihrer Versorgung (terbiye),wobei ihre Kennzeichen absichtsvoll (qasdi)von allen ähnlich aussehenden unterschieden sind. Das aber (geschieht im Zusammenhang) mit ihrem künstlerisch (gestalteten) und verzierten Schmuck. Das wiederum (geschieht im Zusammenhang) mit den weise (hakiemane)angepassten Geräten zu ihrer Gestaltung. Weil aber dies so ist, (geschieht es), um freigiebig (keriemane)all jene zufriedenzustellen, die ihre Versorgung (riziq)erheischen, nämlich alle Geschöpfe (makhluq)mit Fruchtfleisch und verschiedenen anderen essbaren Teilen. Was aber diese betrifft, (so geschieht es) im vollen Wissen (alim),auf wunderbare Weise, mit den verschiedensten Arten von Schmuck und Verzierungen. Das aber (geschieht) mit allerlei verschiedenen Duftnoten und köstlichem Geschmack. So führen denn all diese gesegneten (Geschöpfe), ein jedes für sich und alle gemeinsam, in dieser vollkommenen Ordnung (kemal-i intizam),
getrennt und verschieden voneinander, in einer Vielzahl, unverzüglich und über unendliche Weiten, frei von jedweden Fehlern und Mängeln die Entfaltung all ihrer Formen, zu jeder Jahreszeit, unter solch wundersamen Umständen ständig in den oben aufgeführten fünfzehn Zungen diese so wunderbaren Fähigkeiten und das ganz außerordentliche Wissen (ilm)ihres Meisters, der das Verborgene kennt (Allam-ul Ghuyub),des Künstlers (Sani'),der da notwendigerweise sein muss (Vadjib-ul Vudjud)vor Augen und tun es sonnenklar kund. So war es denn aufgrund dieses so umfassenden und glänzenden Zeugnisses (shehadet)und der Glückwünsche des göttlichen Künstlers, dass jene Persönlichkeit, Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, als Vertreter der gesamten belebten und unbelebten Schöpfung (makhluqat)in der Nacht seiner Himmelfahrt (Mi'radj)das Wort اَلْمُبَارَكَاتُ {"Segnungen"} anstelle des Friedensgrußes (selam)aussprach.
Das dritte Wort heißt:
اَلصَّلَوَاتُ
{"Bitten und Gebete"}
Dieses heilige Wort (qudsi kelime),wurde sowohl von Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, während seiner allgemeinen Großen Himmelfahrt (Mi'radj-i Ekber)gesprochen, als auch von den hundert Millionen Gläubigen (ehl-i iman)kniend während des Gebetes (teshehhud),das die persönliche Himmelfahrt (Mi'radj)eines jeden Gläubigen (mu'min)ist, jeden Tag wenigstens zehnmal in der Nachfolge des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, an der Schwelle Gottes (dergah-i Ilahiye)dargeboten und somit der Welt (kainat)verkündigt. Da aber nun im "Einunddreißigsten Wort" über die Himmelfahrt (Mi'radj)bereits alle Wahrheiten (haqiqat)auf eine
sehr bestimmte und kraftvolle Weise bewiesen wurden, und zwar selbst gegenüber einem hartnäckigen, ungläubigen Leugner, den wir uns als Ansprechpartner (muhatab)vorstellen wollen, verweisen (isbat)wir hier, was die Einzelheiten und Zeugnisse betreffen, darauf, und wollen nun mit einem ganz kurzen Hinweis (isharet)die eigenartige Welt (alem)der verschiedenen mit Geist (ruh)und Bewusstsein (shu'ur)begabten Wesen betrachten, welche die weiteren Bedeutungen dieses Dritten Wortes der Himmelfahrt (Mi'radj)beleuchten und zudem versuchen, durch die Manifestation des Urewigen Allwissenden (ilm-i edehlin)das vollkommene Erbarmen (kemal-i rahmaniyet)und die Barmherzigkeit (rahiemiyet)unseres Schöpfers (Khaliq),die ganze Weite Seiner Macht (azamet-i qudret)und Seines allumfassenden Willens (shumul-u irade)in Seiner Existenz (maudjudiyet)und Allgegenwart (vahdet)zu verstehen:
Wir sehen in dieser Welt (alem)in der Tat, dass alle beseelten Wesen (dhiruh),wenn schon nicht bewusst (shu'ur)und überlegt (aql),so doch mit ihrem Gefühl und ihrer Natur (fitrat)nach verspüren, das jedes einzelne von ihnen trotz seiner grenzenlosen Schwäche und Ohnmacht (adjz ve da'if)auch noch mit unendlich vielen Feinden und widrigen Umständen zu kämpfen hat und trotz seiner grenzenlosen Armut und Bedürftigkeit (fakr ve ihtiyadj)auch noch unendlich viele Wünsche und Sehnsüchte hat. Da seine Macht und seine Fähigkeit (iktidari ve sermaysi)nicht ausreichen, um auch nur einem tausendstel von ihnen zu begegnen, schreien und weinen sie aus Leibeskräften und flehen innerlich und ihrer Natur (fitrat)entsprechend. Während ein jedes von ihnen mit seiner eigenen Stimme und auf seine Weise mit seinen persönlichen Gebeten (dua),seinem Flehen, seiner Art Gottesdienst (namaz)und seinen Segenswünschen (salavat)an der Schwelle des Allwissenden und Allmächtigen (Aliem-i Qadir)Zuflucht sucht, erkennen wir plötzlich, dass der, welcher jede Stimme all derer, die da weinen und jedes ihrer Bedürfnisse kennt, allen Kummer und
jeden Schmerz versteht, ihr Flehen und die Gebete ihrer Natur (fitrat)hört, der Allwissende (Aliem-i Mutlaq),der Allmächtige und Allweise (Qadir-i Hakiem)ihnen zu Hilfe eilt und all ihre Wünsche erfüllt. Er verwandelt ihr Weinen in Lachen und ihr Wehgeschrei in Dankesbezeigungen. Diese von Weisheit (hakiem),Wissen (aliem)und Erbarmen (rahiem)erfüllte Hilfe macht uns auf wahrhaft glänzende Weise, in der Manifestation von Wissen (ilim)und Erbarmen (rahmet)den Helfer, der unsere Gebete erhört (Mudjieb-i Mughies)und freigiebigen Erbarmer (Rahiem-i Kerim)bekannt, was der Sinn aller Segnungen (salavat),des Dienstes und der Anbetung (ubudiyet)ist, den die ganze beseelte (dhiruh)Welt (alem)ausschließlich Ihm darbringt, wenn Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, in seiner Großen Himmelfahrt (Mi'radj-i Ekber)und seine Gemeinde (ummah)während ihrer kleinen Himmelfahrt (Mi'radj-i asghar),die das Gebet (namaz)ist, اَلصَّلَوَاتُ اَلطَّيِّبَاتُ لِلّٰهِ {"Die Bitten, Gebete und alles Gute gehören Gott."}, sagt.
Das Vierte Wort heißt:
اَلطَّيِّبَاتُ لِلّٰهِ
{"Alles Gute gebührt Gott."}
Da in mir viele Wahrheiten (haqiqat)aus der Risale-i Nur während unserer Rezitationen (tesbihat)nach dem Gebet (namaz)in Erinnerung gerufen wurden, wurde ich nahezu ohne meinen Willen (ihtiyar)dazu getrieben, mit kurzen Hinweisen die Wahrheit (haqiqat)sowohl der Worte der Suratu-l'Fatiha, als auch die des kniend gesprochenen Gebetes (teshehhud)zu erläutern.
So verweist denn das während der Himmelfahrt (Mi'radj)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, gesprochene heilige Wort (kelime-i qudsiye)
اَلطَّيِّبَاتُ {"Gutes"} auf die schönen Geschenke (tayibe)und guten Werke (haseneler),die auf die Schönheiten dieser Welt (alem)ausgerichtet sind, auf den Dienst und die Anbetung (ubudiyet)der Kenner der Lehre und des Glaubens (ehl-i marifet ve iman),der Menschen, Dschinnen, Engel und Geister (ruhani),die über ein sehr umfangreiches Bewusstsein (shu'ur)verfügen und die unendliche Vollkommenheit (djemal)und all die Schönheiten des Einen und Ewigen in Seiner vollkommenen Schönheit (Djemil-i Mutlaq)und die immerwährenden (sermedi)Schönheiten Seiner Namen (isim),die den Kosmos (kainat)schmücken, vollkommen kennen und mit ihnen die Welt (kainat)schmücken und auf die sie mit Liebe (ashk)und Begeisterung (shauk),mit universellem Dienst und Anbetung (ubudiyet)antworten.
Dieses Wort bezieht sich auf die unendlich vielen guten Worte, die sie ihrem Schöpfer (Khaliq)durch die Wohlgerüche, ihren strahlenden Glauben und die umfassende Kenntnis, die sie von Ihm haben, als Lob und Preis und als all diese unendlich vielen (ideellen) Geschenke (tayibat)entgegenbringen, die während dieser inneren Himmelfahrt (Mi'radj)von der gesamten Gemeinde (ummah)sinngemäß (sirr)in Worte gefasst, unermüdlich jeden Tag kniend gesprochen (teshehhud)und immer wieder als ein heiliges Wort zum Geschenk (qudsi kelime-i tayibeyi)dargebracht werden.
Die Welt ist in der Tat der Spiegel einer unendlichen, ewigen Schönheit und Vollkommenheit (djemal)und besteht aus deren Manifestationen. Alle Schönheit und Vollkommenheit des Kosmos stammen von dieser ewigen Schönheit ab und wird schön durch ihre Verbindung (intisab)mit ihr und erhöht durch sie ihren Wert. Ohne sie wäre (die Welt) nur wie eine Ruine oder eine Trümmerstätte.
Was aber diese Verbundenheit (intisab)betrifft, so wird sie durch die Erkenntnis und die Bestätigung (marifet ve tasdiq)der Menschen, der Engel und der Geister (ruhani)verständlich, welche die Herolde und Verkündiger des Königreichs Gottes (saltanat-i uluhiye)sind.
So wie also nun Menschen und Engel durch ihren Glauben, ihren Dienst und ihre Anbetung (iman ve ubudiyet)den einzig Angebeteten in Seiner Majestät (Mabud-u Dhul-Djelal)bekannt machen, so gibt auch der Allweise in Seiner Majestät (Hakiem-i Dhul-Djelal)sich in gleicher Weise Selbst einem jeden dieser Boten, die Er mit einer überaus umfangreichen Begabung, mit solch wunderbaren Anlagen und einem subtilen Wissen (ilm)ausgestattet und zu einem Mikrokosmos gemacht hat, der dem Makrokosmos verbunden ist, zu erkennen. So stellt Er sich z.B., indem Er zahlreiche wundersame Maschinen von der größe einer Walnuss im Kopf eines Menschen erschafft, welche die Funktion des Erinnerungsvermögens, die Funktion des Vorstellungsvermögens oder die Funktion des Denkvermögens ausüben und die Funktion des Gedächtnisses zu einer großen Bibliothek werden lässt, in der Seine ewige Wissenschaft erscheint, mit sonnengleicher Klarheit Selbst dar.
{(*): Meine so sehr schwere Krankheit erlaubt es mir nicht mehr. Dies hier gilt nur mehr als eine Quelle und Hilfe für Husrevs Übersetzungsaufgabe.}
Wir wollen hier nun in einer Art Übersetzung ganz kurz auf die Bedeutung des oben erwähnten arabischen Textes verweisen, der auf allgemein gültige Zeugnisse, auf zahllose Belege zu einem solchen breit gefächerten Zeugnis und auf fünfzehn Beweise hinweist, die ein umfassendes Wissen (ilm-i muhit)
darstellen.
Der erste der fünfzehn Beweise ist
فَالْاِنْتِظَامَاتُ الْمَوْزُونَةُ
{"die ausgewogene Ordnung"}
Die wohl proportionierte Ausgewogenheit und die ausgewogene Ordnung (mizanli intidham),die wir in allem Geschaffenen (makhluqat)beobachten können, bezeugen ein umfassendes Wissen (ilm).Und das heißt in der Tat, dass, angefangen vom Universum, das einem vollendeten Schloss gleicht, über das Sonnensystem, über die Luft, deren Atome gleich einem Tonträger (sahife)bei der Verbreitung von Worten, Tönen und Geräuschen eine Staunen erregende Ordnung zeigen, über das Antlitz der Erde, das in jedem Frühling 300.000 ganz verschiedene Arten (von Pflanzen und Blüten) in vollkommener Ordnung hervor bringt, bis hin zu den Organen und Organsystemen, den Zellen und Atomen aller lebenden Wesen sich (die gesamte Schöpfung) als Ausdruck eines tiefen, umfassenden und unfehlbaren Wissens (ilm),einer wohl proportionierten Ausgewogenheit und einer ausgewogenen Ordnung darstellt, was ganz offensichtlich und auf absolut sichere Weise Beweis und Zeugnis für ein allumfassendes Wissen ist.
Der zweite Beweis ist
وَ الْاِتِّزَانَاتُ الْمَنْظُومَةُ
{"ein ausgewogenes Regelmaß"}.
Das heißt: In allen diesen Kunstwerken im Universum, in jedem einzelnen für sich genommen und in ihnen allen gemeinsam betrachtet, von den Sternen bis hin zu den roten und weißen Blutkörperchen, finden wir überall ein ganz besonders ausgewogenes Regelmaß und eine wohl proportionierte Ausgewogenheit (mizan),die ganz offensichtlich ein umfassendes Wissen (ilm)beweisen und mit absoluter Sicherheit bezeugen. So sehen wir in der Tat, dass z.B. die Glieder und die Organe einer Fliege oder auch eines Menschen, ja sogar die Zellen des Körpers und die roten und weißen Blutkörperchen sich in einem so sensiblen und fein abgestimmten Maß und Gleichgewicht (mizan)befinden und dermaßen gut aufeinander
abgestimmt und zueinander passend angeordnet sind und mit den einzelnen Organen des Körpers so gut harmonieren, dass sie niemals sein Immunsystem stören, aus welchem Grunde es auf gar keine Weise irgendeine Möglichkeit gibt, dass irgendjemand sie auf diese Weise geformt und angeordnet haben könnte, der nicht über ein unbegrenztes Wissen verfügt.
In ähnlicher Weise herrscht in allen lebenden Wesen (dhi-hayat)und in allen Arten und Formen der Schöpfung (makhluqat)von den Atomen bis hin zu den Planeten im Sonnensystem eine so vollkommene Ausgewogenheit und bis hin zu den Atomen ein so unerschütterliches und ausgeglichenes Ebenmaß, dass es mit absoluter Sicherheit ein umfassendes Wissen beweist und ein glänzendes Zeugnis (shehadet)dafür ablegt. Das aber heißt, dass alle Beweise für ein solches Wissen (ilm)zugleich auch der Beweis für die Existenz (maudjudiyet)eines Allwissenden (Dhat-i Aliem)sind. Und da es nun einmal unmöglich ist, dass es eine Eigenschaft (sifat)ohne den Träger dieser Eigenschaft (mausuf)geben könnte, so bilden alle Beweise zusammengenommen, den machtvollen und absolut sicheren Großen Beweis (huddjet-i kubra)für die Notwendigkeit der Existenz (vudjub-u vudjud)des Allwissenden von Ewigkeit (Aliem-i Edheli).
Der dritte Beweis ist
وَ الْحِكَمُ الْقَصْدِيَّةُ الْعَآمَّةُ
{"die allgemeine, absichtsvolle Weisheit"}.
Das heißt: Innerhalb der schöpferischen Tätigkeit (khallaqiyet)im gesamten Universum, hat diese ganze Schöpfung bei aller Aktivität (faaliyet)und in allem Wechsel, wo Leben (ihya)entsteht, Aufgaben (tauzifat)vergeben und Entlassungen ausgesprochen werden, in all ihren Formen und Gestalten insgesamt und in jeder einzelnen Art für sich eine den Zufall ausschließende, absichtsvolle (qasdi),an ein Wissen gebundene Weisheit (hikmet),einen Nutzen (faide)und
eine Aufgabe (vazifah).Und wir ersehen daraus, dass keiner, der nicht ein so umfassendes Wissen (ilm)besitzt, in Bezug auf die Schöpfung (idjad)in irgendeiner Weise einen Anspruch auf eine Beteiligung (sahib)an ihr erheben könnte. So dient z.B. die Zunge, {und darüber hinaus in der Hauptsache die Nase!} die unter den hundert Gliedern des Menschen, der doch nur einer unter unendlich vielen Lebewesen (dhi-hayat)ist, nur ein einzelnes Glied und eigentlich nur ein Stückchen Fleisch ist, neben hunderterlei Weisheiten (hikmet),Zweckbestimmungen, Sinngebungen und Nutzanwendungen, insbesondere zwei großen Aufgaben (vazifah).....Ihre Aufgabe hinsichtlich (ihrer Wahrnehmung)des Geschmacks (zevk)der Speisen ist es, den Körper, also den Magen über die verschiedenen Geschmacksrichtungen (tatlari)in Kenntnis zu setzen, die Küche der Göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)sorgfältig zu inspizieren. Hinsichtlich unserer Worte ist es ihre Aufgabe, für das Herz (qalb),den Geist (ruh)und das Gehirn ein perfekter Dolmetscher und Telephonist zu sein. So beweist und bezeugt sie mit Sicherheit ein allumfassendes Wissen (ilm)auf eine überaus glänzende Weise und mit absoluter Gewissheit. Wenn also nun eine einzige Zunge mit so viel Weisheit und durch die Frucht (ihrer Tätigkeit) ein solches Zeugnis liefert, so beweisen und bezeugen unendlich viele Zungen, unendlich viele Lebewesen (dhi-hayat)und zahllose (Göttliche) Kunstwerke mit der Klarheit der Sonne und der absoluten Gewissheit des Tages ein unermessliches Wissen (ilm)und verkündigen, dass es nichts außerhalb der Grenzen des Wissens (ilm),der Weisheit (hikmet)und des Ratschlusses Gottes (meshi'et)gibt, der um das Verborgene weiß (Allam-ul Ghuyub).
Vierter Beweis:
وَ الْعِنَايَاتُ الْمَخْصُوصَةُ الشَّامِلَةُ
{"Die für alle und jeden geltende besondere Güte"}
Das heißt: Die alle mit Leben (dhi-hayat)und Bewusstsein (dhi-shu'ur)begabten Wesen in der Welt (alem)jeder Art und jedes einzelne von ihnen auf besondere und für jedes von ihnen geeignete Weise insgesamt umfassende Güte (inayet)und Liebe (shefqat)und der Schutz (himayet),der ihnen zuteil wird, beweist ganz offensichtlich das umfangreiche Wissen und legt Zeugnis (shehadet)für die notwendige Existenz (vudjub-u vudjuduna)des Allwissenden und Allgütigen (aliem-i inayet),der alle (Wesen) Seine Güte erfahren lässt und alle ihre Bedürfnisse kennt.
Anmerkung:
Was die Worte der Erläuterung zu der Zusammenfassung dieses arabischen Textes betrifft, der die Quintessenz (hulasat-ul hulasasi)der Risale-i Nur ist, so sind sie ein Hinweis auf die Wahrheit (haqiqat),welche die Risale-i Nur, als ein Resümee des Qur'an den Funken der Ayat des Qur'an entnommen hat, besonders aber auf die Beweise und Zeugnisse für die Göttliche Allwissenheit (ilm),Seinen Willen (irade)und Seine Macht (qudret),welche hier noch eingehend erklärt werden. Das aber heißt, dass hier zu vielen Ayat je ein Hinweis und jeweils eine Anmerkung erklärt wird. Es handelt sich also keineswegs um einen Kommentar, eine Erläuterung oder eine bloße Übersetzung der einzelnen arabischen Ausdrücke.
Wir kehren zu unserem eigentlichen Thema zurück. Und so sehen wir in der Tat mit eigenen Augen, dass es einen Allwissenden und Allbarmherzigen (Aliem-i Rahiem)gibt, der uns und alle beseelten Wesen (dhiruh)kennt, und
weil Er sie kennt, sie auch in Liebe (shefqat)beschützt, der all ihre Bedürfnisse und ihren Schmerz kennt, und weil Er sie kennt, ihnen auch in Seiner Güte (inayet)zu Hilfe eilt. Hier dazu eines von vielen Beispielen: Die besonderen und die allgemeinen dem Menschen erwiesenen Gunsterweise (inayet),wie Seine Versorgung (rizq),Heilmittel und die für ihn notwendigen Vitalstoffe, zeigen ganz offensichtlich so viele Male, wie Er ihm Seine Versorgung (rizq),Heilmittel und Vitalstoffe (zukommen lässt), Sein allumfassendes Wissen (ilm)und legen Zeugnis für den Barmherzigen Allerbarmer (Rahman-i Rahiem)ab. Die Ernährung des Menschen, besonders aber der Hilflosen und der Kinder, vor allem der Organe, ja selbst der Zellen des Körpers, die aus der Küche des Magens ihre Versorgung (rizq)erheischen und daraus ihre jeweils für sie geeignete Nahrung (rizq)erhalten und auch die Berge, die einer Apotheke gleichen und in sich alle für einen Menschen notwendigen Vitalstoffe speichern, sind in der Tat ein Werk, das nur mit Hilfe eines sehr umfangreichen Wissens (ilm)funktionieren kann. Ein bloßer Zufall, eine blinde Kraft, eine Natur, die (unserem Flehen) taub ist, Ursachen ohne Leben und Bewusstsein, primitive überwältigende Elemente, können sich auf gar keine Weise derart klug (aliemane),umsichtig (basirane),weise (hakiemane),barmherzig (merhametkarane)und gütig (inayetperverane)um ihre Versorgung und Verwaltung (= idare),ihren Schutz (himayet)und ihre Führung (tedbir)bekümmern. Diese äußeren Ursachen werden lediglich im Rahmen eines Befehls (emr),einer Erlaubnis (izin),des Wissens (ilm)und der Weisheit (hikmet)des Allwissenden (Aliem-i Mutlaq)als ein Vorhang vor der Göttlichen Macht und Würde (izzet-i qudret-i Ilahiye)eingesetzt und verwendet.
Fünfter und Sechster Beweis:
وَ الْاَقْضِيَّةُ الْمُنْتَظَمَةُ وَ الْاَقْدَارُ الْمُثْمِرَةُ
{"die wohl durchdachten Beschlüsse und die an ihren Ergebnissen orientierten Bestimmungen"}
Das heißt: Form und Gestalt aller Dinge, der Bäume und Sträucher, der Tiere, Pflanzen und Menschen wurden entsprechend den Prinzipien vergangener und künftiger Ereignisse (qadha ve qader),welche die beiden Arten urewigen göttlichen Wissens sind, kunstreich geschneidert und jeder einzelne genau passend zu seiner Statur zusammengenäht, vollkommen gekleidet und ihm eine makellose in Weisheit (hikmet)geordnete Form gegeben. Dies alles zusammengenommen und jedes einzelne für sich beweist ein unendliches Wissen (ilm)und sie alle zeugen entsprechend ihrer Zahl für einen allwissenden Künstler (Sani-i Aliem).
Betrachten wir z.B. einmal unter zahllosen Beispielen auch nur einen einzigen Baum, oder einen einzelnen Menschen, so sehen wir in der Tat, dass der Schnittmusterbogen zu diesem Baum mit seinen vielen Früchten und zu diesem Menschen mit seinen vielen verschiedenen äußeren Gliedmaßen und inneren Organen, von einem unsichtbaren Zirkel und dem Stift eines subtilen Wissens (ilm)in der Weise gezeichnet wurde, dass ihn kein Maler fehlerfrei kopieren könnte, und allen seinen Organen eine so perfekte Form gegeben, dass sie alle die Früchte und die Ergebnisse hervorbringen und ihre naturgemäßen Aufgaben (vazife-i fitrat)erfüllen können. Da dies aber nur mit einem unendlichen Wissen geschehen kann, bezeugt all dies nach der Anzahl der Tiere und Pflanzen die notwendige Existenz (vudjub-u vudjud)und das grenzenlose Wissen (ilm)eines künstlerischen Gestalters (Mussauvir),der über alle Dinge zu bestimmen vermag (Aliem-i Muqaddir),um die Beziehungen aller Dinge mit allen anderen Dingen weiß, sie aufmerksam betrachtet und Sein Werk, allen Beispielen und Arten dieses Baumes und dieses Menschen von innen und außen genau nach Maß und Form mit Zirkel und Stift, dem urewigen Wissen (ilm)um die vergangenen und die zukünftigen Ereignisse (qadha ve qader)entsprechend in Weisheit (hakiem)zu tun versteht.
Siebenter und achter Beweis:
وَ الْاٰجَالُ الْمُعَيَّنَةُ وَ الْاَرْزَاقُ الْمُقَنَّنَةُ
{"die durchschnittliche Lebenserwartung (edjel) und die ausgewogene Ernährung (erzaq)"}.
Das heißt: Um einer bedeutenden Weisheit (hikmet)willen ist unsere als unbestimmt vorgestellte Lebensspanne (edjel)und unsere Nahrungsmenge (rizq),oberflächlich betrachtet, hinter einem Vorhang verborgen. Alle vergangenen wie künftigen Ereignisse (qadha ve qader)sind von Ewigkeit auf der Seite Göttlichen Vorauswissens (qader-i edhelinin defter)und Planens in unserem Leben (muqadderat-i hayatiye)als unsere im Voraus bestimmte Lebensspanne (dhi-Hayatin edjeli muqadder)festgelegt. Sie kann weder verkürzt noch verlängert werden. Auch dafür, dass es für jedes Lebewesen (dhiruh)eine bestimmte, auf der Tafel (lauh)aller vergangenen wie künftigen Ereignisse (qadha ve qader)eingetragene Menge zu unserem Unterhalt (rizq)gibt, können zahllose Beweise angeführt werden. Wenn also z.B. ein Baum stirbt und an seiner Statt seinen Samen zurück lässt, der gleichsam den Geist (ruh)dieses (Baumes) in sich enthält, um seine Aufgabe (vazifah)weiterhin wahrzunehmen, so geschieht dies nach den weisen (hikmet)Gesetzen (kanun)eines Allwissenden Lagerverwalters (Aliem-i Hafidh).Und wenn der Unterhalt (rizq)aller Kinder und Jungtiere, der für sie aus Brüsten und Eutern kommt, nämlich die Milch, zwischen dem Mist und dem Blut hervortritt, ohne dabei besudelt zu werden, vielmehr rein und sauber in ihre Münder und Mäuler fließt, so weist dies jeden bloßen Zufall zurück und zeigt mit absoluter Sicherheit, dass es nach den liebevollen (shefqat)Grundsätzen eines Allweisen und Allbarmherzigen Versorgers (Rezzaq-i Aliem-i Rahiem)geschieht. Man möge nun diese beiden kleinen Beispiele auf alle mit Leben und Geist beseelten Wesen (dhi-Hayat ve dhiruh)vergleichend anwenden.
Das aber heißt, dass sowohl unsere Lebensspanne (edjel)wahrhaftig im voraus geplant (muqadder)und geschaut ist, und dass zugleich auch unsere Versorgung (rizq),für jeden einzelnen zugemessen, im Buch der Vorausplanungen (muqadderat defter)eingetragen steht. Doch aus Gründen einer besonders bedeutsamen Weisheit (hikmet)erscheinen sowohl die (noch verbliebene) Lebensspanne (edjel)als auch der (noch vorhandene) Vorrat (riziq)wie hinter einem Vorhang verborgen, als unbekannt, unbestimmt und scheinbar nur an den Zufall gebunden. Denn würde unsere letzte Stunde genau so feststehen wie der Untergang der Sonne, würde man das halbe Leben in völliger Sorglosigkeit (ghaflet-i mutlaq)verbringen und (diese Zeit) wäre für das Jenseits (akhirah)verloren, weil wir uns gar nicht darum kümmern würden. Nach dieser Hälfte aber würde man es in einer solch schrecklichen Furcht verbringen, als ginge man mit jedem Tage wieder einen Schritt auf den Galgen zu, so als würde man innerlich (sirr)die Todesqualen noch um das Hunderfache vermehren, weshalb alle noch auf uns zukommenden Leiden und selbst der Tag der Auferstehung (kiyamet),der das Ende (edjel)der Welt (dunya)bedeutet, barmherzigerweise (merhameten)hinter dem Vorhang einer unsichtbaren Welt (ghayb)verborgen gehalten werden.
Was aber unsere Versorgung (rizq)betrifft, so ist sie nach dem Leben (hayat)der größte Schatz an Gottes Gnadengaben (ni'met)und die reichste Quelle für Lobpreis und Dank (shukur ve hamd)und die ergiebigste Mine für Gottesdienst (ubudiyet),Bitten (ridja)und Gebet (dua),wird aber offensichtlich so dargestellt, als sei sie, äußerlich betrachtet, vom Zufall abhängig. Denn für den, der an der Schwelle des Gnädigen Versorgers (Rezzaq-i Keriem)Zuflucht zu suchen, um Hilfe zu flehen und durch die Fürsprache (shefa'at)seiner Lobpreisungen und Dankgebete (shukur ve hamd)für seinen Unterhalt (rizq)nachkommt, ist die Tür nicht verschlossen. Wäre dies alles bereits geregelt, würde sich die Natur (seiner Versorgung)
ganz und gar umwandeln. Und die Tore frohen, dankerfüllten Bittens (ridja),Betens (dua),ja sogar demütigen Dienens und der Anbetung (ubudiyet)blieben geschlossen.
Neunter und zehnter Beweis:
وَ الْاِتْقَانَاتُ الْمُفَنَّنَةُ وَ الْاِهْتِمَامَاتُ الْمُزَيَّنَةُ
{"die geschulte Geschicklichkeit und der sorgfältig ausgewählte Schmuck"}
Das heißt: In jedem Kunstwerk, in dem sich, besonders zur Frühlingszeit, im Antlitz der Erde eine ewige (sermedi)und vollkommene (djemal)Schönheit verkörpert, also in dieser ganzen so wunderbaren Schöpfung (makhluq),z.B. in den Blumen und Früchten, den Käfern und Insekten und ganz besonders in der Erschaffung (khilqat),Gestaltung (suret)und Ausrüstung goldglänzender Käfer zeigt sich eine so staunenswerte (mu'djize)Geschicklichkeit und Sorgfalt, eine so einzigartige Kunstfertigkeit, Beständigkeit, Vollkommenheit und zugleich das bewunderungswürdige (mu'djize)Talent eines Künstlers, und beweist mit einer so absoluten Sicherheit in all Seinen ganz verschiedenen Arten und Formen winzig kleiner Maschinen ein solch umfassendes Wissen (ilm)und - ich möchte hier, bitte, nicht falsch verstanden werden! - eine derart fähige und kenntnisreiche Beherrschung allen Wissens (meleke-i ilmiye),dass sie auf diese Weise bezeugen, dass ein zielloser Zufall und orientierungslose Ursachen ohne Bewusstsein sich unmöglich beteiligen könnten. Desgleichen soll mit dem Ausdruck وَ الْاِهْتِمَامَاتُ الْمُزَيَّنَةُ {der sorgfältig ausgewählte Schmuck",} gezeigt werden, dass solche schönen Kunstwerke, in einem solchen Grade anmutig verziert, so anziehend und lieblich geschmückt sind, dass es in Seiner Kunst eine
solche Schönheit (djemal-i san'at)geben muss, die eine Arbeit von so grenzenloser Allwissenheit darstellt und Er für ein jedes Ding die schönste Form kennt und dabei die Schönheit Seiner Vollkommenheit (djemal-i kemal)und Vollkommenheit Seiner Schönheit (kemal-i djemal)in Seiner Kunstfertigkeit ausgestellt wird. Denn Er erschafft (idjad)und gestaltet (tasvir)auch noch die kleinste Blume und den winzigsten Käfer mit so viel Sorgfalt und Geschicklichkeit, mit einer solchen Kunstfertigkeit und Aufmerksamkeit. Eine mit so viel Zuwendung zustande gebrachte Ausschmückung und Schönheit beweist ganz offensichtlich ein grenzenloses und all umfassendes Wissen (ilm)und bezeugt so nach der Anzahl all dieser Schönheiten die Notwendigkeit der Existenz (vudjub-u vudjud)eines Allwissenden Herrn und Meisters all dieser Schönheit (Sani'-i Aliem-i dhul'Djemal).
Der elfte Beweis, der fünf weitere, allgemeine Beweise in sich umfasst.
وَ غَايَةُ كَمَالِ الْاِنْتِظَامِ الْاِتِّزَانِ الْاِمْتِيَازِ الْمُطْلَقَاتِ فِى السُّهُولَةِ الْمُطْلَقَةِ وَ خَلْقُ الْاَشْيَآءِ فِى الْكَثْرَةِ الْمُطْلَقَةِ مَعَ الْاِتْقَانِ الْمُطْلَقِ وَ فِى السُّرْعَةِ الْمُطْلَقَةِ مَعَ الْاِتِّزَانِ الْمُطْلَقِ وَ فِى الْوُسْعَةِ الْمُطْلَقَةِ مَعَ كَمَالِ حُسْنِ الصَّنْعَةِ وَ فِى الْبُعْدَةِ الْمُطْلَقَةِ مَعَ الْاِتِّفَاقِ الْمُطْلَقِ وَ فِى الْخِلْطَةِ الْمُطْلَقَةِ مَعَ الْاِمْتِيَازِ الْمُطْلَقِ
{"Das Ziel vollkommener Ordnung und Ausgewogenheit, die perfekte Unterscheidung und vollkommene Leichtigkeit, die Erschaffung aller Dinge in grenzenloser Vielfalt, mit unumschränkter Festigkeit, mit absoluter Geschwindigkeit und Ausgewogenheit in einer unbegrenzten Weite, mit der Schönheit einer vollkommenen Kunstfertigkeit, über unendliche Entfernungen in perfekter gegenseitiger Abstimmung und mit einer Unterscheidungsfähigkeit, die nichts übersieht."}
Dieser Beweis ist eine andere, jedoch bessere Darstellung des oben, am Ende des arabischen Textes, angeführten Beweises. Doch aufgrund meiner schweren
Krankheit erklärt er die fünf, sechs umfangreichen Beweise, die er in sich umfasst, nur in Form von sehr kurzen Hinweisen.
Erstens:
Über die ganze Erde hin sehen wir: Diese wundersamen lebenden Maschinen, die aus einem perfekten Wissen (ilm),mit Geschicklichkeit und großer Leichtigkeit hervorgegangen sind, manche von ihnen ganz plötzlich und andere in einer Minute, einwandfrei, wohlproportioniert, unterschieden von anderen ihrer Art, beweisen ein unendliches Wissen (ilm)und bezeugen, dass die Vollkommenheit dieses Wissens der Leichtigkeit proportional ist, die aus der kenntnisreichen Geschicklichkeit herrührt, die in diesem Kunstwerk (zum Ausdruck kommt).
Zweitens:
Die vollkommene Erschaffung nach den Maßstäben einer unbeirrbaren Kunstfertigkeit, in großer Anzahl und Vielfältigkeit verweisen auf ein unendliches Wissen (ilm)innerhalb einer grenzenlosen Macht (qudret)und legen unendlich viele Male Zeugnis (shehadet)für einen Allwissenden und absolut Allmächtigen (Aliem ve Qadir-i Mutlaq)ab.
Drittens:
Im höchsten Grade ausgewogene und abgemessene Schöpfungen verweisen, zumal sie doch mit absoluter Geschwindigkeit und also sehr schnell verfertigt wurden, auf ein grenzenloses Wissen (ilm)und bezeugen (shehadet)entsprechend ihrer Anzahl den Allwissenden und Allmächtigen (Aliem-i Mutlaq ve Qadir-i Mutlaq).
Viertens:
Die Darstellung zahlloser lebender Wesen (dhi-hayat)über die ganze, große weite Erde hin, mit der größten Schnelligkeit, mit einer solchen Kunstfertigkeit, sie auszuschmücken und mit schönster, vollkommener Kunstfertigkeit anzufertigen, verweist auf ein allumfassendes Wissen (ilm),das sich niemals irrt, alles zugleich überblickt und für das kein Ding ein Hindernis für ein anderes Ding ist und bezeugt (shehadet),dass sie, ein jedes für sich und sie alle miteinander, die Kunstwerke
dessen sind, der alle Dinge kennt (Aliem)und allmächtig (Qadir-i Mutlaq)ist.
Fünftens:
Das Zustandekommen (einer Verbindung) sehr weit voneinander entfernter Einzelteile einer Gattung, eines aus dem Osten und eines aus dem Westen, eines aus dem Norden und eines aus dem Süden, zu gleicher Zeit, auf die gleiche Weise, zwar einander ähnlich und doch in ihren besonderen Kennzeichen voneinander verschieden, ist nur durch die Allmacht (Qadir-i Mutlaq)eines Allwissenden (Aliem-i Mutlaq)möglich, der das All mit unbegrenzter Macht lenkt und alles, was er geschaffen hat (maudjudat)in jeder Situation und in seinem grenzenlosen Wissen (ilm)mit einschließt, beweist ein alles umfassendes Wissen (ilm)und bezeugt (shehadet)den allwissenden Kenner alles Verborgenen (Allam-ul Ghuyub).
Sechstens:
Die Erschaffung einer großen Menge lebender (dhi-hayat)Maschinen unter so verwirrenden Umständen (Ihtilat-i mutlaq),ohne sich jemals zu irren, oder sie miteinander zu verwechseln, einander ähnlich und zugleich an einem dunklen Ort miteinander vermischt, Stück für Stück entsprechend ihren Merkmalen wieder voneinander zu scheiden und zu trennen, wenn z.B. die Samen unter der Erde, so sehr sie auch miteinander vermischt sind, auf wundersame Weise erschaffen werden, ohne auch nur ein einziges unter all den Lebewesen (dhi-hayat)zu vernachlässigen, so weisen sie sonnenklar auf ein ewiges Wissen (ilm)hin und bezeugen (shehadet)klar wie der Tag ihre Erschaffung (khallaqiyet)durch den Allmächtigen und Allweisen (Qadir-i Mutlaq ve Aliem-i Mutlaq)und Seine Herrschaft (Rububiyet).Weitere ausführliche Erläuterungen überlassen wir nun der Risale-i Nur und brechen hier dieses so lange erklärte Thema kurz ab.
Wir wollen nun das Kapitel über den Göttlichen Willen (irade)beginnen. (Der arabische Text aus) der "Quintessenz (Hulasatu-l'hulasa)
{das Erste Kapitel und zugleich eine Zusammenfassung des "Großen Zeichens (Ayatu-l'Kubra)"}lautet:
اَللّٰهُ اَكْبَرُ مِنْ كُلِّ شَىْءٍ قُدْرَةً وَ عِلْمًا اِذْ هُوَ الْمُرِيدُ لِكُلِّ شَىْءٍ مَا شَآءَ اللّٰهُ كَانَ وَ مَالَمْ يَشَأْ لَمْ يَكُنْ اِذْ تَنْظِيمُ اِيجَادِ الْمَصْنُوعَاتِ ذَاتًا وَ صِفَاتٍ وَ مَاهِيَّةً وَ هُوِيَّةً مِنْ بَيْنِ الْاِمْكَانَاتِ الْغَيْرِ الْمَحْدُودَةٍ وَ الطُّرُقِ الْعَقِيمَةِ وَ الْاِحْتِمَالاَتِ الْمُشَوَّشَةِ وَ الْاَمْثاَلِ الْمُتَشَابِهَةِ وَ مِنْ بَيْنِ سُيُولِ الْعَنَاصِرِ الْمُتَشَاكِسَةِ بِهَذَا النِّظَامِ الْاَدَقِّ الْاَرَقِّ وَ تَوْزِينُهَا بِهَذَا الْمِيزَانِ الْحَسَّاسِ الْجَسَّاسِ وَ تَمْيِيزُهَا بِهَذِهِ الْاَمْثاَلِ الْمُتَشَابِهَةِ وَ التَّعَيُّناَتِ الْمُزَيَّنَةِ الْمُنْتَظَمَةِ وَ خَلْقُ الْمَخْلُوقَاتِ الْمُنْتَظَمَاتِ الْحَيَوِيَّةِ مِنَ الْبَسِيطِ الْجَامِدِ الْمَيِّتِ كَالْاِنْسَانِ بِجِهَازَاتِهِ مِنَ النُّطْفَةِ وَ الطَّيْرِ بِجَوَارِحِهِ مِنَ الْبَيْضَةِ وَا لشَّجَرَةِ بِاَعْضَآئِهَا مِنَ النُّوَاةِ وَ الْحَبَّةِ تَدُلُّ عَلٰٓى اَنَّ كُلَ شَىْءٍ بِاِرَادَتِهِ تَعَاليَ وَ اِخْتِيَارِهِ وَ قَصْدِهِ وَ مَشِيئَتِهِ سُبْحَانَهُ كَمَا اَنَّ تَوَافُقَ الْاَشْيَآءِ فِى اَسَاسَاتِ الْاَعْضَآءِالنَّوْعِيَّةِ وَا لْجِنْسِيَّةِ يَدُلُّ عَلٰٓى اَنَّ صَانِعَ تِلْكَ الْاَفْرَادِ وَاحِدٌ اَحَدٌ كَذَلِكَ اَنَّ تَمَايُزَهَا بِالتَّعَيُّنَاتِ الْمُنْتَظَمَةِ وَا لتَّشَخُّصَاتِ الْمُتَمَايِزَةِ يَدُلُّ عَلٰٓى اَنَّ ذَلِكَ الصَّانِعَ الْوَاحِدَ الْاَحَدَ فَاعِلٌ مُخْتَارٌ يَفْعَلُ مَا يَشَآءُ وَيَحْكُمُ مَا يُرِيدُ
Dieser Text ist nur einer der Beweise für den Göttlichen Willen (irade),jedoch ein allgemein gültiger und umfassender Beweis, der sehr viele umfangreiche Zeugnisse enthält. In einer kurzen Übertragung der Bedeutung (dieses Textes) wollen wir nun einen Beweis erläutern, der den Willen (irade)Gottes, Seine Entscheidung (ihtiyar)und Seinen Ratschluss (meshi'et)mit absoluter Sicherheit darstellt.
Zudem sind alle oben angeführten Beweise für Gottes Allwissenheit (ilm-i Ilahi)zugleich auch die Beweise für Seinen Willen (irade).Denn in jedem Kunstwerk sind die Erscheinungen und die Spuren des Göttlichen Wissens (ilm)und Wollens (irade)zu erkennen.
Der Sinn des arabischen Textes ist ungefähr folgender:
Alles geschieht nämlich durch Seine Entscheidung (ihtiyar)und Seinen Ratschluss (meshi'et).Was Er will geschieht und was Er nicht will, das kann auch nicht geschehen. Was immer Er will, das tut Er. Will Er es nicht, so geschieht es auch nicht. Der Beweis dafür ist folgender: Wir sehen, dass jedes Kunstwerk mit seinen eigenen Merkmalen, besonderen Eigenschaften und speziellen Kennzeichen, in seiner außergewöhnlichen, von anderen unterschiedenen Form, aus unendlich vielen Möglichkeiten und auf unterschiedliche Art und Weise hervorgehen kann. Unter all diesen verwirrenden Möglichkeiten und zahllosen Sackgassen, inmitten der Elemente, die sich sintflutartig ergießen, dabei sowohl alles durcheinander wirbeln, als auch sich miteinander vermischen und gegenseitig bekämpfen und so einen Anlass zu Fehlern und Verwechslungen bieten, inmitten von Kunstwerken, die sich bei all ihrer Vielfalt doch einander ähnlich sehen, entgegen all dieser chaotischen Verhältnisse doch noch, und zwar jedes einzelne, in eine vollkommene, einwandfreie Ordnung zu bringen, sind alle Gliedmaßen und Organe mit einem äußerst empfindlichen und überaus sensiblen Maß ausgemessen, abgewogen und eingearbeitet; so ist sein Gesicht schön verziert, sein Antlitz von vollendeter Schönheit. Ihm wurde eine eigene Persönlichkeit gegeben. Er wurde aus einzelnen, voneinander äußerst verschiedenen Organen, aus einer einfachen, leblosen, toten Materie ins Leben gerufen und künstlerisch gestaltet. So ist also z.B. ein Mensch mit seinen hunderterlei verschiedenen Organen aus einem Tropfen einer Flüssigkeit erschaffen, ein Vogel mit seinen so vielen verschiedenen Gliedern und Organen in einem
schlichten Ei zusammengefügt und ihm wurde dort eine wundervolle Form gegeben, und ein Baum mit all seinen Ästen und Zweigen und all den übrigen Organen und Bestandteilen {Blättern, Blüten und Früchten (A.d.Ü.)} wird aus einem kleinen Saatkorn herausgezogen, das sich aus so einfachen, toten (Atomen) wie Kohlenstoff, Stickstoff, Wasserstoff und Sauerstoff zusammensetzt, und in eine wohlgestaltete und fruchtbringende Form gekleidet. Das alles beweist stets wieder ganz offensichtlich, mit absoluter Sicherheit, ohne allen Zweifel und im Grade einer unerlässlichen, ja zwangsläufigen Notwendigkeit, dass alle diesen Kunstwerken mit all ihren Atomen, ihren Zellen, ihrer ganzen Gestalt und ihrem Wesen nach durch den Willen (irade),den Ratschluss (meshi'et),die Entscheidung (ihtiyar)und Absicht (qasd)des Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq),ihre ganz eigene, vollkommene Prägung (vaziyet)gegeben wurde. Und ein jedes Ding unter die Verfügung eines allumfassenden Willens (irade)gestellt ist. Und der durch ein einzelnes Geschöpf (masnu)auf solch unbezweifelbare Weise geführte Beweis des Göttlichen Willens (irade-i Ilahiye)zeigt, dass alle diese Kunstwerke (masnuat),mit absoluter, unendlicher und grenzenloser, sonnenklarer und tagheller Sicherheit ihrer Anzahl entsprechend Zeugnis ablegen für den ein jedes Ding umfassenden Göttlichen Willen (irade-i Ilahiye)und die Notwendigkeit der Existenz (vudjub-u vudjud)dessen, der die Macht (Qadir)hat und über (einen solchen Willen) verfügt (Muried).
Des Weiteren sind alle oben erwähnten Beweise für die Göttliche Allwissenheit (ilm-i Ilahi)gleichermaßen auch die Beweise für Seinen Willen (irade).Denn beide wirken mit Seiner Allmacht (qudret)zusammen. Eines kann nicht ohne das andere sein. Gerade so wie die einzelnen (Exemplare) einer Art oder Gattung in der Übereinstimmung (tevafuqlar)ihrer Organe nach Art und Gattung beweisen, dass ihr Schöpfer ein und derselbe und in ihnen allen gegenwärtig (Sani'leri birdir, vahiddir, ehaddir)ist,
so beweisen sie zugleich auch in der Weisheit (hikmet)der Art der Unterschiedlichkeit und Verschiedenheit ihres Aussehens mit Sicherheit, dass ihr Schöpfer in Seiner Einheit und Allgegenwart so nach Seinem Willen (Sani-i Vahid-i Ehad bir fail-i muhtar)handelt. So erschafft Er ein jedes Ding nach Seinem Willen (irade),Seiner Entscheidung (ihtiyar),Seinem Ratschluss (meshi'et)und Seiner Absicht (qasd).
So wäre denn hiermit diese kurze Wiedergabe der Bedeutung des oben angeführten arabischen Textes beendet, der den einen und allgemein gültigen Beweis für den Willen (irade)darlegt. Ich hatte dabei eigentlich die Absicht gehabt, noch sehr viel mehr bedeutende Punkte (zu diesem Thema) "Wille (irade)"ebenso wie über die Fragestellung zu Seiner Allwissenheit (ilim)anzuführen. Doch weil diese giftige Krankheit in meinem Kopf eine derartige Erschöpfung bewirkt hat, habe ich dies auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.
Hier nun der arabische Text über die Macht (qudret):
اَللّٰهُ اَكْبَرُ مِنْ كُلِّ شَىْءٍ قُدْرَةً وَ عِلْمًا اِذْ هُوَ الْقَدِيرُ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ بِقُدْرَةٍ مُطْلَقَةٍ مُحِيطَةٍ ضَرُورِيَّةٍ نَاشِئَةٍ لاَزِمَةٍ ذَاتِيَّةٍ لِلذَّاتِ الْاَقْدَسِيَّةِ فَمُحَالٌ تَدَاخُلُ ضِدِّهَا فَلاَ مَرَاتِبَ فِيهَا فَتَتَسَاوٰى بِالنِّسْبَةِ اِلَيْهَا الذَّرَّاتُ وَالنُّجُومُ وَالْجُزْءُ وَ الْكُلُّ وَالْجُزْئِىُّ وَ الْكُلِّىُّ وَ النُّوَاةُ وَ الشَّجَرُ وَ الْعَالَمُ وَ الْاِنْسَانُ بِسِرِّ مُشَاهَدَةِ غَايَةِ كَمَالِ الْاِنْتِظَامِ الْاِتِّزَانِ الْاِمْتِيَازِ الْاِتْقَانِ الْمُطْلَقَاتِ مَعَ السُّهُولَةِ فِى الْكَثْرَةِ وَ السُّرْعَةِ وَ الْخِلْطَةِ الْمُطْلَقَةِ وَ بِسِرِّ النُّورَانِيَّةِ وَ الشَّفَّافِيَّةِ وَ الْمُقَابَلَةِ وَ الْمُوَازَنَةِ وَ الْاِنْتِظَامِ وَ الْاِمْتِثَالِ وَ بِسِرِّ اِمْدَادِ الْوَاحِدِيَّةِ وَ يُسْرِ الْوَحْدَةِ وَ تَجَلِّيِ الْاَحَدِيَّةِ وَ بِسِرِّ الْوُجُوبِ وَ التَّجَرُّدِ وَ مُبَايَنَةِ الْمَاهِيَّةِ وَ بِسِرِّ
عَدَمِ التَّقَيُّدِ وَ عَدَمِ التَّحَيُّزِ وَ عَدَمِ التَّجَزِّي وَ بِسِرِّ اِنْقِلاَبِ الْعَوَآئِقِ وَا لْمَوَانِعِ اِلٰى حُكْمِ الْوَسَآئِلَ الْمُسَهِّلاَتِ وَ بِسِرِّ اَنَّ الذَّرَّةَ وَ الْجُزْءَ وَ الْجُزْئِىَّ وَ النُّوَاةَ وَ الْاِنْسَانَ لَيْسَتْ بِأَقَلِّ صَنْعَةً وَ جَزَالَةً مِنَ النَّجْمِ وَ الْكُلِّ وَ الْكُلِّىِّ وَ الشَّجَرِ وَ الْعَالَمِ فَخَالِقُهَا هُوَ خَالِقُ هَذِهِ بِالْحَدْسِ الشُّهُودِىِّ وَ بِسِرِّ اَنَّ الْمُحاَطَ وَ الْجُزْئِيَّاتِ كَالْاَمْثِلَةِ الْمَكْتُوبَةِ الْمُصَغَّرَةِ اَوْ كَالنُّقَطِ الْمَحْلُوبَةِ الْمُعَصَّرَةِ فَلاَبُدَّ اَنْ يَكُونَ الْمُحِيطُ وَالْكُلِّيَّاتُ فِى قَبْضَةِ خَالِقِ الْمُحَاطِ وَ الْجُزْئِيَّاتِ لِيُدْرِجَ مِثَالَهَا فِيهَا بِمَوَازِينِ عِلْمِهِ اَوْ يُعَصِّرَهَا مِنْهَا بِدَسَاتِيرِ حِكْمَتِهِ وَ بِسِرِّ كَمَا اَنَّ قُرْاٰنِ الْعِزَّةِ الْمَكْتُوبَ عَلَى الذَّرَّةِ الْمُسَمَّاةِ بِالْجَوْهَرِ الْفَرْدِ بِذَرَّاتِ الْاَثِيرِ لَيْسَ بِاَقَلِّ جَزَالَةً وَ خَارِقِيَّةَ صَنْعَةٍ مِنْ قُرْاٰنِ الْعَظَمَةِ الْمَكْتُوبِ عَلٰى صَحِيفَةِ السَّمَآءِ بِمِدَادِ النُّجُومِ وَالشُّمُوسِ كَذَلِكَ اِنَّ وَرْدَ الزَّهْرَةِ لَيْسَتْ بِأَقَلَّ جَزَالَةً وَ صَنْعَةً مِنْ دُرِّيِّ نَجْمِ الزُّهْرَةِ وَ لاَ النَّمْلَةُ مِنَ الْفِيلَةِ وَ لاَ الْمِكْرُوبُ مِنَ الْكَرْكَدَنِ وَ لاَ النَّحْلَةُ مِنَ النَّخْلَةِ بِالنِّسْبَةِ اِليَ قُدْرَةِ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ فَكَمَا اَنَّ غَايَةَ كَمَالِ السُّرْعَةِ وَ السُّهُولَةِ فِى اِيجَادِ الْاَشْيَآءِ اَوْقَعَتْ اَهْلَ الضَّلاَلَةِ فِى اِلْتِبَاسِ التَّشْكِيلِ بِالتَّشَكُّلِ الْمُسْتَلْزِمِ لِمُحَالاَتٍ غَيْرِ مَحْدُودَةٍ تَمُجُّهَا الْاَوْهَامُ كَذَلِكَ اَثْبَتَتْ لِاَهْلِ الْهِدَايَةِ تَسَاوِىَ النُّجُومِ مَعَ الذَّرَّاتِ بِالنِّسْبَةِ اِلٰى قُدْرَةِ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ جَلَّ جَلاَلُهُ ولآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ اللّٰهُ اَكْبَرُ
{"Gott ist größer (ekber) als alle Dinge, weil er durch Seine Macht (qudret) und Sein Wissen (ilm) über ihnen steht. Denn weil Er in Seiner Allmacht (qudret mutlaq) über alle Dinge verfügen (Qadir) kann, wie es in notwendiger und der Wahrhaftigkeit entsprechender Weise für die Heiligkeit (aqdesssiyah) Seines Wesens (dhat) erforderlich ist, wäre es unmöglich, dass dessen Gegenteil sich hier einmischen könnte, weil es vor Ihm keine Abstufungen (meratib) gibt. Denn gleich sind vor Ihm die Atome wie die Sterne, das Individuelle wie das Universelle, die Teilchen wie das Ganze, das Samenkorn wie der Baum, das Weltall (alem) wie der Mensch (in ihr), und zwar im Geheimnis einer augenfälligen, vollkommenen Ordnung und Ausgewogenheit, einer Differenziertheit und Genauigkeit, verbunden mit der Selbstverständlichkeit (suhulah) eines unbegrenzten Überflusses, einer Geschwindigkeit bei aller Vermengtheit; im Geheimnis ihrer Lichtausstrahlung (nuraniyah), ihrer durchscheinenden Klarheit und Spiegelhaftigkeit, ihrer Ausgewogenheit, ihrer Geordnetheit und Gehorsamkeit; im Geheimnis einer Hilfeleistung, die aus der Einheit des Allgegenwärtigen (vahidiyet) und einer Selbstverständlichkeit, die aus der Einheit Seiner Schöpfung (vahdet) erwächst und die Erscheinung Seiner Einheit (ahadiyet) widerspiegelt; im Geheimnis der Notwendigkeit (vudjub) Seiner Existenz, Seiner Unabhängigkeit (von der Materie) und völligen Andersartigkeit (mubayinah) Seines Wesens; im Geheimnis Seiner Freiheit (von allen Fesseln irgendeiner Begrenztheit), Seiner Freiheit (von jeglicher Beschränkung), Seiner Unzertrennlichkeit (in Seinen Heiligen Namen); im Geheimnis der Umwandlung aller Hindernisse und Barrieren zu Werkzeugen (und hilfreichen Geräten) der Wegbereitung (musahhilat); in jener tiefen Weisheit (sirr), dass alles Individuelle, ein jeder Teil, jeder Same, jeder Mensch keineswegs geringer ist als alle Kunst und Beredsamkeit der Sterne, und dass der Schöpfer des Ganzen und Universellen, aller Bäume und der ganzen Welt (alem) zugleich auch der Schöpfer (Khaliq) all dieser Seiner oben angeführten Zeugen ist; auch im Geheimnis, dass alles, was uns umgibt (muhat) in all seinen Teilen (djus'iyat), gleich den winzigen Musterexemplaren, die darin eingetragen oder aus ihnen herausgemolken worden sind, unvermeidlich in der Hand ihres Schöpfers ruhen, weil sie und alles, was ihnen gleicht, durch die Ausgeglichenheit Seines Wissens in dem vorher aufgezählten mit eingeschlossen, bzw. entsprechend den Grundsätzen Seiner Weisheit (hikmet) aus ihm herausgemolken worden ist; auch im Geheimnis, dass der Qur'an, wenn er in all seiner Würde (izzet) mit Teilchen des Äthers in einem Staubkörnchen oder winzigen Partikelchen eingeschrieben steht, keineswegs weniger beredt oder minder kunstvoll ist, als ein gewaltiger Qur'an, der mit der Tinte der Sterne und Sonnen auf den Seiten (saifah) der Himmel aufgeschrieben steht. In ähnlicher Weise ist eine blühende Rose durch ihre Beziehung zur Allmacht des Schöpfers des Universums (qudreti Khaliqi-l'kainat) in ihrer Beredsamkeit und künstlerischen (Schönheit) keineswegs geringer als der Planet Venus, noch steht die Ameise unter dem Elefanten, oder die Mikrobe unter dem Nashorn, noch ist die Biene geringer als die Dattelpalme. Darüber hinaus aber verführt die überaus große Leichtigkeit und Geschwindigkeit, in der die Dinge erschaffen wurden, die Leute des Irrweges (ehlu-d'dalalah), die Erschaffung (durch den Schöpfer) mit einer (rein zufälligen Entstehung) zu verwechseln, was zahllose Unmöglichkeiten notwendig macht und daher nur eine (bloße) Einbildung ist, während dies den Leuten der Rechtleitung (ehlu-l'hidyah) beweist, dass die Atome durch ihre Beziehung zur Allmacht des Schöpfers des Universums (qudreti Haliqi-l'kainat) den Sternen gleich sind. Erhaben, oh Er, in Seiner Erhabenheit! Es gibt keine Gottheit außer Ihm, Er, der Gott ist und groß!"}
Bevor ich aber nun eine Art kurz gefasster Übersetzung des Inhaltes dieser zunächst arabisch niedergeschriebenen Gedanken über diesen so gewaltig großen Fragenkomplex der göttlichen Allmacht (qudret)darbiete, möchte ich zunächst eine Wahrheit (haqiqat)offen legen, die mir ins Herz gegeben wurde. Es handelt sich dabei um Folgendes:
Die Existenz der Göttlichen Allmacht (qudret)steht mit einer noch größeren Sicherheit fest als die Existenz des Weltalls (kainat).Es ist in der Tat der gesamte Kosmos, sowohl in all seinen einzelnen Teilchen als auch insgesamt, die Materialisation eines Wortes (kelimat)der Göttlichen Allmacht (qudret).Sie demonstrieren Seine Existenz mit geradezu augenscheinlicher Sicherheit ('aynel yaqin).Sie bezeugen in ihrer Anzahl die Göttliche Allmacht (qadir-i mutlaq)jenes Einen, der durch sie gekennzeichnet (mausuf)ist. So besteht denn keine weitere Notwendigkeit, diese Macht mit noch weiteren Zeugnissen zu beweisen. Weil sie aber eine der bedeutendsten Grundlagen des Glaubens ist, der mächtigste Grundstein (des Glaubens) an die Auferstehung und Wiederversammlung und das wichtigste Mittel zum Verständnis vieler Glaubensfragen und qur'anischen Wahrheiten, welche die folgende Ayah mit Nachdruck verkündet
مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَبَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Euer aller Erschaffung und Wiederversammlung ist nur wie die einer einzelnen Seele." (Sure 31, 28)}
jedoch kein Mensch mit seinem bloßen Verstand einen Zugang zu ihnen zu finden vermag, sodass einige staunend, ja ohnmächtig vor ihr stehen bleiben, ja manche sie direkt leugnen, ist es notwendig, diese mit ihr verbundene, Ehrfurcht gebietende Wahrheit (haqiqat),auch zu beweisen.
Was also diese Basis, diesen Grundstein, diese Verkündigung, diese Wahrheit betrifft, so ist sie der Sinn (die Bedeutung) der obigen Ayah. Das aber heißt: "Oh ihr Dschinnen und Menschen! Euch alle zu erschaffen und ins Dasein zu rufen, eure Auferstehung, d.h. euch erneut wieder ins Leben zu rufen, ist meiner Allmacht (qudret)genau so ein Leichtes wie die Erschaffung einer einzigen Seele (nefs)."Einen Frühling erschafft Er genau so leicht wie eine einzige Blume. Ob individuell oder universal, klein oder groß, wenig oder viel: in Seiner Macht ist das alles kein Unterschied. Er lässt die Planeten ebenso leicht sich drehen (und um die Sonne) kreisen, wie (die Elektronen) um den Atomkern.
So erklärt denn der oben in Arabisch dargelegte Gedankengang (fikra)diese Ehrfurcht gebietende Fragestellung in nur "Neun Schritten" mit absolut zuverlässigen, starken Beweisen. Ihre Bedeutung (meal)ist kurz zusammengefasst folgende: Auf die Grundlage dieser Schritte verweist (der nachstehende Text):
اِذْ هُوَ الْقَدِيرُ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ بِقُدْرَةٍ مُطْلَقَةٍ مُحِيطَةٍ ضَرُورِيَّةٍ نَاشِئَةٍ لاَزِمَةٍ ذَاتِيَّةٍ لِلذَّاتِ الْاَقْدَسِيَّةِ فَمُحَالٌ تَدَاخُلُ ضِدِّهَا فَلاَ مَرَاتِبَ فِيهَا فَتَتَسَاوٰى بِالنِّسْبَةِ اِلَيْهَا الذَّرَّاتُ وَ النُّجُومُ وَ الْجُزْءُ وَ الْكُلُّ وَ الْجُزْئِىُّ وَ الْكُلِّىُّ وَ النُّوَاةُ وَ الشَّجَرُ وَ الْعَالَمُ وَ الْاِنْسَانُ
{"Denn weil Er in Seiner Allmacht (qudret mutlaq) über alle Dinge verfügen (Qadir) kann, wie es in notwendiger und der Wahrhaftigkeit entsprechender Weise für die Heiligkeit (aqdesssiyah) Seines Wesens (dhat) erforderlich ist, wäre es unmöglich, dass dessen Gegenteil sich hier einmischen könnte, weil es vor Ihm keine Abstufungen (meratib) gibt. Denn gleich sind vor Ihm die Atome wie die Sterne, das Individuelle wie das Universelle, die Teilchen wie das Ganze, das Samenkorn wie der Baum, das Weltall (alem) wie der Mensch (in ihr), ..."}
Das aber heißt: Es gibt eine Macht (qudret),die über alle Dinge herrscht (Qadir),die alle Dinge umfasst und wesensgemäß notwendig ist für den, der da notwendigerweise sein muss (Dhat-i Vadjib-ul Vudjud).Der Philosophie logischen Denkens (fenn-i mantik)entsprechend ist sie eine Notwendigkeit, die sich zwingend aus dem Wesen Gottes ergibt (dharuriyet-i nashie).Sie ist notwendigerweise (vadjib)untrennbar mit Ihm verbunden und kann nicht von ihm getrennt werden. Da aber nun Gott in Seiner Allheiligkeit (Dhat-i Aqdes)etwas so Notwendiges, eine solche Allmacht (qudret)besitzt, kann diese sicherlich in gar keiner Weise mit einer Art von Ohnmacht als ihrem Gegenteil verbunden sein. Sie kann den Allmächtigen (Dhat-i Qadir)nicht berühren. Da es aber nun einmal in (den verschiedenen) Dingen Abstufungen gibt, so geschieht dies dadurch, dass deren Gegenteil in sie eingeht. So entstehen z.B. die (verschiedenen) Wärmegrade und Abstufungen (von Hitze) durch das Hinzutreten von Kälte; und bei der Schönheit geschieht dies durch das Hinzutreten der Hässlichkeit. Doch die einer essenziellen Macht (qudret)entgegengesetzte Ohnmacht kann sich in gar keiner Weise mit ihr verbinden. In Gottes Allmacht (qudret-i mutlaq)kann es mit Sicherheit keine Abstufungen geben. Weil es aber in ihr keine Abstufungen gibt, sind hinsichtlich dieser Macht Sterne und Atome gleich und es gibt mit Sicherheit zwischen den Teilen und dem Ganzen, einem einzelnen Individuum und (all den verschiedenen) Arten keinerlei Unterschiede. Und einem einzelnen (Korn oder) Kern oder einem (ganzen) Baum, dem (gesamten) Kosmos, einem (einzelnen) Menschen oder einer (einzelnen) Seele (nefs)das Leben zu schenken oder (am Tage der) Wiederversammlung die mit Geist begabten Wesen wieder zu beleben ist für eine solche
Macht das Gleiche und ist ihr ein Leichtes. Ob Groß oder klein, wenig oder viel: da gibt es keinen Unterschied. Ein zuverlässiges Zeugnis dieser Wahrheit, wie wir sie in der Erschaffung dieser Dinge beobachten können, sind die vollkommene Kunstfertigkeit, die Ordnung und Ausgewogenheit, die Verschiedenheit und Mannigfaltigkeit und die vollkommene Leichtigkeit und Einfachheit trotz einer ebenso vollendeten Schnelligkeit.
Der erste Schritt:
وَ بِسِرِّ مُشَاهَدَةِ غَايَةِ كَمَالِ الْاِنْتِظَامِ الْاِتِّزَانِ الْاِمْتِيَازِ الْاِتِّقَانِ الْمُطْلَقَاتِ مَعَ السُّهُولَةِ فِى الْكَثْرَةِ وَ السُّرْعَةِ وَالْخِلْطَةِ الْمُطْلَقَةِ
{"... und zwar im Geheimnis einer augenfälligen, vollkommenen Ordnung und Ausgewogenheit, einer Differenziertheit und Genauigkeit, verbunden mit der Selbstverständlichkeit (suhulah) eines unbegrenzten Überflusses, einer Geschwindigkeit bei aller Vermengtheit; ..."}
bringt diese oben angeführte Wahrheit (haqiqat)sinngemäß zum Ausdruck.
Der zweite Schritt:
وَ بِسِرِّ النُّورَانِيَّةِ وَ الشَّفَّافِيَّةِ وَ الْمُقَابَلَةِ وَ الْمُوَازَنَةِ وَ الْاِنْتِظَامِ وَ الْاِمْتِثَالِ
{"... im Geheimnis ihrer Lichtausstrahlung (nuraniyah), ihrer durchscheinenden Klarheit und Spiegelhaftigkeit, ihrer Ausgewogenheit, ihrer Geordnetheit und Gehorsamkeit ..."}
Für eine ausführliche Erklärung dessen verweisen wir auf unsere Ausführungen im Anhang zum "Zehnten Wort", das "Neunundzwanzigste Wort" und den "Zwanzigsten Brief" und wollen uns hier (stattdessen) mit einer kurzen Zusammenfassung begnügen: Da es für die Strahlen der Sonne und deren Reflexion hinsichtlich ihrer Lichtausstrahlung (nuraniyet)kraft Göttlicher Allmacht (qudret-i Rabbaniye)genau so leicht ist, den (gesamten) Meeresspiegel und jedes kleinste Tröpfchen zu erreichen wie sich in einem Stückchen Glas zu spiegeln, ist beides für sie gleich. In gleicher Weise ist es für die strahlende Allmacht (qudret)dessen, der das Licht der Lichter (Dhat-i Nur-ul Envar)
genau so leicht, die Himmel zu erschaffen und die Sterne (ihre Bahnen über uns) ziehen zu lassen, wie eine Fliege (eine Mücke), ein Atom (ein Stäubchen) zu erschaffen und sie in Bewegung zu versetzen. Es fällt Ihm nicht schwer.
So wie sich in Göttlicher Allmacht (qudret-i Ilhaiye)auch noch im kleinsten Spiegel dank seiner glasklaren Oberfläche ein Abbild der Sonne wiederfindet, so wird auf göttlichen Befehl (emr-i Ilahi)mit der gleichen Leichtigkeit allen glänzenden Dingen, Tropfen wie durchschimmernden Glasstückchen, ja dem gesamten Meeresspiegel diese Reflexion und ein solches Licht gegeben. So sind auch (alle Dinge aus der Sicht) der Engel Kunstwerke (masnuatin melekutiye)und in ihrem Wesen durchscheinend und strahlend. Wo Gottes Allmacht (qudret-i mutlaqa)in Erscheinung tritt, da bewirkt sie, wenn auch nur eine einzigen Seele (nefs)ins Dasein tritt, dies mit genau der gleichen Art von Leichtigkeit wie Er die ganze Tierwelt insgesamt erschafft: ob wenige oder viele, groß oder klein: da ist kein Unterschied.
Würde man also in die beiden Schalen einer Waage, die dermaßen groß wäre, dass man Berge in sie hineinlegen könnte, und doch so hoch empfindlich, dass man zwei Walnüsse mit ihr wiegen könnte, so würde auch hier ein Staubkörnchen, dass man einer der beiden Nüsse hinzufügte, den Waagebalken auf der einen Seite bis zum Gipfel eines Berges emporheben und auf der anderen bis auf den Grund eines Tales hinuntersinken lassen. Würde man aber an Stelle der beiden Nüsse zwei gleich große Berge abwiegen und auf einen der beiden eine Nuss legen, so würde auch hier in gleicher Weise und mit derselben Leichtigkeit der eine Berg zum Himmel emporgehoben, der andere aber ins Tal hinuntersinken. In der Terminologie wissenschaftlicher Fachausdrücke (ilm-i Kelam)ist dies die Möglichkeit einer Gleichheit beider Seiten (Imkan, musavi-ut tarafeyn),d.h., wo etwas geradezu notwendig und keineswegs unmöglich, vielmehr möglich und wahrscheinlich ist und sich nichts finden lässt,
was Ursache wäre, dass etwas sein müsste oder nicht sein könnte, so besteht hier eine Gleichheit und findet sich kein Unterschied. Hinsichtlich dieser Möglichkeit (Kontingenz) und Gleichheit sind hier wenig oder viel, groß oder klein einander gleich. So bewegt sich denn alles, was erschaffen wurde (makhluqat)im Bereich der Möglichkeiten (Kontingenz); und da im Grade dieser Möglichkeiten (Kontingenz) Sein oder Nichtsein (vudjud ve adem)einander gleich sind, ist es für die unendliche, urewige Macht (hadsiz qudret-i ezeli)dessen, der da notwendigerweise sein muss (Vadjib-ul Vudjud)ein Leichtes, eine einzige Möglichkeit (Kontingenz) zu realisieren (vudjud)oder alle Möglichkeiten (Kontingenz) zu realisieren (vudjud),je nachdem Er das Gleichgewicht zwischen Sein oder Nichtsein nach der einen oder nach der anderen Richtung verschiebt und so ein jedes Ding in der ihm gemäßen Weise bekleidet. Hat es aber seine Aufgabe (vazife)erfüllt, nimmt Er ihm das Kleid seiner äußerlichen Existenz (vudjud)wieder ab und schickt es scheinbar (ins Reich) des Nichtseins, bzw. sinngemäß in das Reich Seines Ewigen Gedenkens (ilm)hinüber. Das heißt also, wenn man die Dinge dem Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq)zuschreibt, wird es ebenso leicht, vom Frühling angefangen bis hin zu einer einzelnen Blume, die gesamte Menschheit am Tage der Wiederversammlung ins Leben zu rufen wie eine einzelne Seele. Führt man sie aber auf Ursachen zurück, so wird (die Erschaffung) von einer Blume angefangen bis hin zum Frühling und von einer Fliege angefangen bis hin zum gesamten Tierreich problematisch.
Ebenso ist es der tiefen Weisheit göttlicher Ordnung entsprechend genau so einfach und leicht, mit einem Fingerdruck ein riesengroßes Schiff oder ein Flugzeug in Bewegung zu setzen, wie man mit einer einfachen Bewegung seines Daumens ein Uhrwerk aufzieht und somit in Bewegung setzt. Da nun nach den Gesetzen eines urewigen Wissens (ilm-i ezeli),den Anordnungen einer
immerwährenden Weisheit (hikmet)und im allumfassenden Sichtbarwerden des Willens ihres Herrn (irade-i Rabbaniye)und aufgrund besonderer Prinzipien allen Dingen, individuellen wie universellen, den großen wie den kleinen, ob wenigen oder vielen eine geistige Gussform ein besonderes Maß und klare Grenzen gegeben worden sind, befinden sie sich (alle) völlig innerhalb der Ordnung Seines Wissens (intizam-i ilmi)und den Gesetzen Seines göttlichen Willens (irade kanunu).Und sicherlich ist es für die Göttliche Allmacht (Qadir-i Mutlaq)genau so einfach und leicht, das (ganze) Sonnensystem in Bewegung zu halten, das Schifflein unserer Erde Jahr um Jahr auf seiner Bahn zu halten, wie das Blut im Körper kreisen zu lassen und mit und in ihm die roten und die weißen Blutkörperchen ordnungsgemäß und seiner göttlichen Weisheit entsprechend. Und in den Atomen (der einzelnen Zellen kreisen die Elektronen um ihren Kern). Er erschafft den Menschen aus einem Tropfen Flüssigkeit nach dem Vorbild des Universums mit all seinen wunderbaren Organen mühelos in einem einzigen Augenblick. Das aber heißt: wenn man die Erschaffung (idjad)des Weltalls einer unendlichen, urewigen Macht (ezeli ve hadsiz qudret)zuschreibt, so geschieht dies ebenso leicht, wie einen einzigen Menschen ins Dasein (idjad)zu rufen und ist ganz einfach. Wenn man sie aber ihr nicht zuschreibt, so wird die Erschaffung eines einzigen Menschen mit all seinen wunderbaren Organen und Sinnen genau so kompliziert wie der Kosmos selbst.
Desgleichen kann ein Kommandant der tiefen inneren Weisheit (sirr)von Gehorsam, Folgsamkeit und Befehlserfüllung entsprechend einen Soldaten mit einem Marschbefehl angreifen lassen und in gleicher Weise leicht mit einem Befehl ein ganzes, großes, wohldiszipliniertes Heer in die Schlacht führen. Und in gleicher Weise sind auch die Geschöpfe vollkommen dem Gesetz des Göttlichen Willens (Irade-i Ilahi)gehorsam und in ihrem ganzen Sein den Anweisungen gemäß einem inneren Eifer und Bestreben ihrer Natur (fitr)folgend gleich Soldaten
den Befehlen ihres Herrn unterstellt und innerhalb der Grenzen der Prinzipien ihres vorgegebenen Angriffsplans, bestimmt durch Weisheit und ein urewiges Wissen tausendmal gehorsamer als die Soldaten eines ganzen Heeres und in der Erwartung ihrer Befehle vollständig ihrem Herrn ergeben. Es ist daher ebenso leicht, mit dem Befehl des Herrn (emr-i Rabbani):"Auf! Tritt aus dem Nichtsein hinüber ins Dasein und schultere deine Aufgabe!" insbesondere jedes einzelne Lebewesen auf die von Seinem Wissen (ilm)bestimmte Weise und in der von Seinem Willen (irade)bestimmten Art zu bekleiden, es bei der Hand zu nehmen und ins Leben zu führen, wie das Heer der Lebewesen im Frühling mit gleicher Kraft und Macht (quvvet ve qudret)zu erschaffen und ihm seine Aufgabe zu geben. Das aber heißt: führt man ein jedes Ding auf diese Göttliche Macht (qudret)zurück, so wird die Erschaffung dieses ganzen Heeres von Atomen und Batallions von Gestirnen ebenso einfach und leicht wie die eines einzelnen Atoms oder eines Sterns. Führt man es aber auf die Ursachen zurück, so wird die Erschaffung auch nur einer einzigen Zelle in einem Auge oder im Gehirn, eines Lebewesens, verbunden mit der Fähigkeit ihre einzigartigen Aufgaben zu erfüllen genauso mühsam und schwierig wie die einer ganzen Armee von Tieren.
Dritter Schritt:
وَ بِسِرِّ اِمْدَادِ الْوَاحِدِيَّةِ وَ يُسْرِ الْوَحْدَةِ وَ تَجَلِّى الْاَحَدِيَّةِ
{"... im Geheimnis einer Hilfeleistung, die aus der Einheit des Allgegenwärtigen (vahidiyet) und einer Selbstverständlichkeit (im Sinne einer Einfachheit), die aus der Einheit Seiner Schöpfung (vahdet) erwächst und die Erscheinung Seiner Einheit (ahadiyet) widerspiegelt; ..."}
Betrachten wir einmal (dieses Geheimnis) mit Hilfe einiger kurzer Hinweise, so soll damit gesagt sein: Wenn sich dank dieser Einheit (vahidiyet)in seiner Herrschaft (hakimiyet)alle Untertanen eines Königs (padishah)oder entsprechenden Oberkommandierenden einzig seinen
Anordnungen (emr)entsprechend verhalten, so ist es für diesen bedeutenden Herrscher (hakim-i adham)ebenso leicht, ein Riesenreich (memleket)und ein großes Volk zu regieren wie die Verwaltung eines einzelnen Dorfes. Denn durch die Einheit (vahidiyet)in seiner Herrschaft werden die einzelnen Personen in einem Volk zu Mittlern einer solchen Leichtigkeit wie einzelne Soldaten und seine Befehle (emr)und Gesetze (kanun)werden mit Leichtigkeit durchgeführt. (Überlässt man aber die Dinge mehreren) verschiedenen Herrschern (hakim)und (es herrscht dort) ein völliges Tohuwabohu, so wird die Verwaltung eines Dorfes oder nur eines einzelnen Hauses (hane)so schwierig wie die eines ganzen Reiches (memleket).Und weil darüber hinaus ein solches gehorsames Volk nur einem einzigen Kommandeur verbunden ist, kann (in gleicher Weise) schon ein einzelner seiner Soldaten, gestützt auf die Macht (quvvet)seines Kommandanten, seiner Waffenlager und seines Heeres in dieser Kraft (quvvet)selbst einen König gefangen nehmen und so Taten verrichten, die seine eigene Macht (quvvet)um ein Tausendfaches übersteigen. Seine Verbindung mit dem König (padishah)verleiht ihm eine unendliche Kraft und Macht (quvvet ve iktidar),durch die er große Taten verrichten kann. Wird diese Beziehung jedoch abgebrochen, so geht seine große Macht (quvvet)verloren, so kann er nur mehr die Werke verrichten, zu denen ihn die schwachen Kräfte (quvvet)seiner Hände und die wenigen Waffen und Vorräte auf seinem Rücken befähigen. Andernfalls kann er dank seiner Verbindung mit dieser Kraft (quvvet)alle die Dinge tun, die von dem oben erwähnten Soldaten erwartet werden. In seinen Händen befände sich alle Macht (quvvet)seines Heeres und auf seinem Rücken alle Waffen und Vorräte seines Königs (padishah).
In gleicher Weise erschafft der König von Ewigkeit zu Ewigkeit (Sultan-i Ezel ve Ebed),der Allmächtige Schöpfer (Sani'-i Qadir)dank der Einheit Seines Königreichs (vahidiyet-i saltanat)
und als absoluter Herrscher (hakimiyet-i mutlaq)das All so leicht wie eine Stadt und eine (neue Welt im) Frühling so einfach wie einen Garten. Er schenkt am Tage der Wiederversammlung allen Toten ein neues Leben (ebenso einfach und leicht) wie Er für die Bäume im Garten neue Blätter, Blüten und Früchte erschafft. Und Er erschafft mit der Leichtigkeit, mit der man eine Fliege entsprechend einer Schablone kopiert, (in gleicher Weise und ebenso leicht) einen riesengroßen Adler. Und genauso leicht gestaltet Er den Menschen als ein verkleinertes Modell des Kosmos. Führt man die Dinge stattdessen auf die Ursachen zurück, so wird (die Erschaffung) einer Mikrobe ebenso schwierig wie die eines Nashorns und die einer Frucht gleich der eines mächtigen Baumes. Und sicherlich müsste man jeder einzelnen Zelle im Körper eines Lebewesens, die doch so wunderbare Aufgaben erfüllt, ein allsehendes Auge und einen allwissenden Verstand (ilm)verleihen, sodass sie diese so feinen wie vollkommenen Aufgaben (vazife)ihres Lebens erfüllen könnte.
Zudem erreichen (die Dinge in ihrer) Einfachheit und Leichtigkeit und Simplizität einen solchen Grad, dass sie geradezu notwendig werden. Denn so wie die Ausrüstung eines ganzen Heeres, wenn sie in einer einzigen Hand liegt und von einer einzigen Fabrik hergestellt wird, ebenso leicht wird, wie die Ausrüstung eines einzelnen Soldaten, während, wenn hier gleich mehrere ihre Hand mit im Spiel haben und die verschiedenen Teile einer Ausrüstung in jeweils wieder einer anderen Fabrik hergestellt werden, die Ausrüstung auch nur eines einzigen Soldaten infolge dieser Vielzahl tausendfach so schwierig wird. Wenn sich also die verschiedensten Befehlshaber und andere Offiziere damit beschäftigten, so würde ihre Ausrüstung ebenso kompliziert wie die von tausendmal soviel Soldaten. Legt man darüber hinaus die Ausrüstung von tausend Soldaten und das Kommando über sie (in die Hände) eines einzelnen Offiziers, so wird dies in
gewisser Hinsicht ebenso leicht wie die eines einzelnen Soldaten. Legt man sie stattdessen (in die Hände) von zehn Offizieren, oder überlässt man sie den Soldaten selbst, so entstünde daraus eine große Verwirrung und alles würde sehr schwierig.
In gleicher Weise werden alle Dinge, schreibt man sie dem Einen und Allgegenwärtigen (Vahid-i Ehad)zu, so einfach wie ein einzelnes Ding. Schreibt man sie aber den Ursachen zu, so wird ein einziges Lebewesen so schwierig wie die ganze Erde (zemin),ja vielleicht sogar unmöglich. Das aber heißt, dass (im Falle einer) Einheit (vahdet)alle Dinge den Grad von Leichtigkeit und Notwendigkeit, ja geradezu Zwangsläufigkeit erreichen. Mischen sich jedoch mehrere Hände ein, so werden sie schwierig und erreichen schließlich den Grad einer Unmöglichkeit.
In den Briefen (Mektubat)der Risale-i Nur (heißt es einmal): Überlässt man den Wechsel von Tag und Nacht, die Bewegung der Sterne und der Wechsel der Jahreszeiten, Frühling, Sommer, Herbst und Winter einem einzelnen Offizier oder Kommandanten (amir),so wird dieser großmächtige Kommandant dem ganzen Erdball gleich einem einzelnen Soldaten befehlen: "Steh auf! Drehe dich! Geh!" Das aber wird ihm ganz leicht zum Anlass, vor Freude und Begeisterung über den empfangenen Befehl (emr)gleich einem Mevlevi-Derwisch in Ekstase, im alltäglichen wie im jährlichen Wechsel diese beiden Bewegungen auszuführen. Und so zeigen auch die tatsächliche wie die scheinbare Bewegung der Gestirne wie sie sich in dieser Einheit (vahdet)ganz einfach und leicht (vollzieht). Überlässt man jedoch das alles nicht etwa (dem Befehl) eines einzelnen Kommandanten, sondern den Ursachen und den Sternen und sagte dann der Erde: "Steh still und bewege dich nicht weiter!", so müssten in diesem Falle Tausende von Sternen und (fernen) Sonnen, tausendmal größer als unsere Erde, in jeder Nacht eine Reise von vielen Millionen Jahren unternehmen und in jedem Jahr (eine Entfernung) von Milliarden Jahren
zurücklegen, damit der Wechsel der Jahreszeiten (und ihrer Sternbilder), von Tag und Nacht, (das Kreisen der Gestirne) u. dgl. zustande kommen könnten. Das aber wäre so schwer, so schwierig, dass es letzlich den Grad einer Unmöglichkeit (muhaliyet)erreicht.
Der in diesem "Dritten Schritt" erscheinende Satz وَ تَجَلِّى الْاَحَدِيَّةِ {"... und die Erscheinung Seiner Einheit (ahadiyet) widerspiegelt; ..."} weist auf eine ganz große, besonders feinsinnige und tiefschürfende Wahrheit (haqiqat)hin. Um dies noch näher zu erläutern und zu beweisen, verweisen wir hier auf die Risale-i Nur und wollen nun anhand eines ganz kurzen Beispiels einen einzigen Punkt aufzeigen.
So wie die Sonne mit ihren Strahlen in der Tat die ganze Erde erleuchtet und damit ein Beispiel für die Göttliche Allgegenwart (vahidiyet)ist, so hat sie auch die Fähigkeit, ihr Abbild in jedem glänzenden Ding wiederzufinden und ihr siebenfarbiges Licht wie in einem Spiegel zu reflektieren und damit ein Beispiel für die Göttliche Einheit (ahadiyet)zu geben. Besäße die Sonne Verstand (ilm),Macht (qudret)und Wille (ihtiyar)und hätten alle Glasstückchen und alle Tröpfchen und Bläschen, in denen man die Sonne erblicken kann, dem Gesetz (kanun)des Willens Gottes (irade-i Ilahiye)entsprechend die Fähigkeit dazu, so könnte sich in jedem von ihnen und neben einem jeden von ihnen die Nachbildung einer vollständigen Sonne mit all ihren Eigenschaften befinden und desgleichen an allen anderen Orten. Es gäbe dann keinen Mangel in ihrer Verfügungsgewalt. Auf den Befehl (emr),das Wort (hukum),durch die Wirkung (tesir)und in der Macht ihres Herrn (qudret-i Rabbaniye)wäre sie die Ursache wahrhaft großartiger Erscheinungen und würde so eine Leichtigkeit und Einfachheit ihrer Allgegenwart (ahadiyet)demonstrieren.
In gleicher Weise blickt der Schöpfer in Seiner Majestät (Sani'-i Dhul-Djelal),auf alle Dinge, die Er zufolge Seiner Allgegenwart (vahidiyet)mit Seinem Wissen (ilm),Wollen (irade)und Können (qudret)umfasst; und so wie Er in ihnen zugegen ist und sie zugleich betrachtet, so erscheint Er aufgrund Seiner Göttlichen Einheit (ahadiyet)mit Seinen Heiligen Namen (isim)und Eigenschaften (sifat)in allen Dingen, besonders aber allen lebenden Wesen, sodass Er mit Leichtigkeit in einem einzigen Augenblick (als habe Er dazu eine Schablone) eine Fliege und (mit einer anderen) Schablone einen Adler und (mit wieder einer anderen) Schablone dem Weltall entsprechend den Menschen zu erschaffen (idjad)vermag. Und so hat Er denn alle Lebewesen auf eine so wunderbare Weise erschaffen, dass, wollte man alle Ursachen zusammen bringen, sie dennoch keine Nachtigall und keine Fliege versammeln könnten. Und der, welcher die Nachtigall zu erschaffen, der alle Vögel zu erschaffen vermag und der einen Menschen kreiert hat, kann einzig und allein die Person (dhat)sein, die auch das Weltall ins Dasein gerufen hat.
Vierter und fünfter Schritt
وَ بِسِرِّ الْوُجُوبِ وَ التَّجَرُّدِ وَ مُبَايَنَةِ الْمَاهِيَّةِ وَ بِسِرِّ عَدَمِ التَّقَيُّدِ وَ عَدَمِ التَّحَيُّزِ وَ عَدَمِ التَّجَزِّى
{"... im Geheimnis der Notwendigkeit (vudjub) Seiner Existenz, Seiner Unabhängigkeit (von der Materie) und völligen Andersartigkeit (mubayinah) Seines Wesens; im Geheimnis Seiner Freiheit (von allen Fesseln irgendeiner Begrenztheit), Seiner Freiheit (von jeglicher Beschränkung), Seiner Unzertrennlichkeit (in Seinen Heiligen Namen); ..."}
Da es aber nun sehr schwierig ist, die in diesen beiden (folgenden) Schritten (zum Ausdruck gebrachten) Wahrheiten allgemein verständlich zu erklären, soll deren Sinn hier anhand von nur ein, zwei Punkten kurz und bündig erläutert werden. Es sind nämlich im Verhältnis zu dem Herrn (sahib),dessen Sein (vudjud)sich auf der Stufe
jener Notwendigkeit (vudjub)befindet, welche die mächtigste und unerschütterlichste Stufe des Daseins (vudjud)ist, (eines Seins von einem solchen) Grad, der sich von Ewigkeit zu Ewigkeit (ezeli ve ebedi)erstreckt, (im Verhältnis) zur Macht (qudret)jenes Allgewaltigen (Qadir-i Mutlaq),der unabhängig von aller Materie und von ihr unberührt ist und bekleidet von jenem Wesen Seiner Heiligkeit (mahiyet-i muqaddese),das sich (von der Natur) aller anderen vollkommen unterscheidet, die Sterne gleich den Atomen und die Wiederversammlung wie ein Frühling und bei dieser Wiederversammlung die Wiederbelebung aller Menschen gleichermaßen leicht wie die Auferstehung einer einzelnen Seele (nefs).Denn auf den Ebenen der bloßen Existenz vermag schon ein Fingernagel von der kraftvollen Art auf der schwächeren Ebene einen ganzen Berg gleichsam in der Hand zu halten und umzudrehen. {Im Gegensatz zu den lediglich möglichen (mumkin) aber nicht unbedingt notwendigen (vadjib) Daseinsformen.} So kann z.B. ein Spiegel oder die Kraft der Erinnerung auf der machtvollen Ebene äußerlicher Existenz hundert Berge und tausend Bücher auf der schwächeren, abstrakten Ebene der Bilder (Gleichnisse), Bedeutungen (und Sinngebungen) in sich aufnehmen und über sie verfügen. So wie aber die Ebene der Abbilder in gewissem Grade unter der Ebene der äußerlich sichtbaren Existenz liegt, so liegt jedoch auch diese Ebene der Möglichkeiten mit ihren erst später hervorgetretenen Daseinsformen noch tausend Grade unterhalb jener (zeitlich wie räumlich) unbegrenzten, urewigen Formen eines unabdingbaren (vadjib)Daseins, {D.h. völlig zu beherrschen und zu verwalten (A.d.Ü.)} ist also schwächer als dieses, sodass (Gott) in Seiner Heiligkeit (muqaddes)mit nur einem Fünkchen, das aus (der Welt ewigen) Seins ins (zeitliche) Dasein tritt, eine ganze Welt der Möglichkeiten in Gang setzen (und in Bewegung halten) kann.
Leider zwingen mich drei wichtige Gründe, wie meine augenblickliche Krankheit infolge einer Vergiftung, dazu, die (an und für sich sehr) lange (Abhandlung) über diese Wahrheiten mit allen Einzelheiten auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. So überlassen wir denn hier alles weitere) der Risale-i Nur.
Sechster Schritt
وَبِ سِرِّ اِنْقِلاَبِ الْعَوَآئِقِ وَ الْمَوَانِعِ اِلٰى حُكْمِ الْوَسَآئِلِ الْمُسَهِّلاَتِ
{"... im Geheimnis der Umwandlung aller Hindernisse und Barrieren zu Werkzeugen (und hilfreichen Geräten) der Wegbereitung (musahhilat);..."}
Das aber heißt: Durch ein Gesetz der Manifestation Göttlichen Willens (irade-i Ilahiyenin),das in der wissenschaftlichen Terminologie "der Knoten des Lebens (uqde-i hayatiye)"genannt wird, durch das Göttliche Gesetz (kanun),welches der Befehl des Seins (emr-i tekvinie,das Naturgesetz - A.d.Ü.) ist und durch einen Befehl und den Göttlichen Willen (emir ve irade),der sich an einen riesigen Baum wendet, bildet nun (die Bastschicht unter der Rinde) dieser harten (hölzernen) Äste, die doch über gar kein Bewusstsein verfügen, mit deren Zweigen kein Hindernis, keine Sperre oder Blokade gegenüber den notwendigen Nährstoffen und Nahrungsmitteln, die durch sie hindurch zu den Früchten, Blättern und Blumen strömen, sondern dienen vielmehr dazu, die Zufuhr zu erleichtern und zu beschleunigen. Da nun alle Hindernisse in der Erschaffung des Universums (kainat)und allen Daseins (makhluqat)auf diese Weise aufhören, vor der Erscheinung Göttlichen Willens (irade),wenn der Befehl ihres Herrn (emr-i Rabbani)sich ihnen zuwendet, Hindernisse zu sein, sondern zu Werkzeugen einer Einfachheit werden, so wird es vor der Macht des Immerwährenden (qudret-i sermedi)so leicht, diesen einen Baum zu erschaffen, wie das Universum (kainat)mit allen Arten des Daseins auf dieser Erde (zemin)zu erschaffen. Denn kein Ding fällt Ihm schwer. Wollte man aber alle diese Schöpfungsakte
nicht dieser Macht (qudret)zuschreiben, so würden der Aufbau und die Unterhaltung (insha ve idare)dieses einen Baumes ebenso schwierig wie die aller Bäume, ja selbst die Erschaffung und Verwaltung (idjad ve idare)der Erde (zemin).Denn dann würden alle Dinge zu Hindernissen und Barrieren werden. Wollte man in diesem Falle alle nur möglichen Ursachen sammeln und zu einander bringen: sie könnten den Früchten, Blättern, Ästen und Zweigen nicht die notwendigen Nährstoffe und Nahrungsmittel in der ordnungsgemäßen (intizam)Weise zuführen, kraft (jenes Gesetzes), das "der Knoten des Lebens (uqde-i hayatiye)"genannt wird und (dem Codex) der Befehle (emr)und des Göttlichen Willens (irade)entspringt. Es sei denn, man gäbe jedem Teil dieses Baumes, ja sogar jeder einzelnen seiner Zellen ein Auge, das den ganzen Baum und alle seine Teile, ja sogar jede einzelne Zelle zu sehen vermöchte, ein Wissen (ilim),das alles umfasst, eine wunderbare Macht (qudret)und (die Fähigkeit) zu einer außergewöhnlichen gegenseitigen Hilfeleistung (muavenet).
So steige denn nun diese fünf Stufen hinauf und schau dich um! Was für ein Grad von Schwierigkeiten, ja geradezu Unmöglichkeiten findet sich im Unglauben (kufr)und in der Beigesellung (shirk),und wie weit ist das doch davon entfernt, vernünftig und logisch zu sein, und schließt (die Wahrheit) völlig aus! Und siehe und wisse, welch eine Leichtigkeit im Glauben (iman)und auf dem Weg des Qur'an liegt, eine Einfachheit im Grade einer Notwendigkeit, wie verständlich und akzeptabel, wie absolut und im gleichen Grade einer Notwendigkeit zuverlässig diese Wahrheit und Gerechtigkeit (haqq ve haqiqat)ist und was für eine Ruhe von ihr ausgeht! (So sage denn):
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نِعْمَةِ الْاِيمَانِ
{"Dank sei Gott für die Gnadengabe des Glaubens!"}
(Mein Unwohlsein und die schwierigen Umstände sind der Grund dafür, dass der noch verbliebene Teil dieses so bedeutsamen Schritts auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden musste.)
Siebenter Schritt:
وَ بِسِرِّ اَنَّ الذَّرَّةَ وَ الْجُزْءَ وَ الْجُزْئِىَّ وَ النُّوَاةَ وَ الْاِنْسَانَ لَيْسَتْ بِأَقَلَّ صَنْعَةً وَ جَزَالَةً مِنَ النَّجْمِ وََ الْكُلِّ وَ الْكُلِّيِّ وَ الشَّجَرِ وَ الْعَالَمِ
{"... in jener tiefen Weisheit (sirr), dass alles Individuelle, ein jeder Teil, jeder Same, jeder Mensch keineswegs geringer ist als alle Kunst und Beredsamkeit der Sterne, und dass der Schöpfer des Ganzen und Universellen, aller Bäume und der ganzen Welt (alem) ..."}
Anmerkung:
Die Grundlage der Wahrheit, ihre Quelle und ihre Sonne, (wie sie in diesen) neun Schritten (dargelegt wird, findet sich) in den Ayat der Sure "Ikhlas".
قُلْ هُوَ اللّٰهُ اَحَدٌ ٭ اَللّٰهُ الصَّمَدٌ
{"Sprich! Gott ist der Eine. Gott ist der Einzigartige." (Sure 112, 1-2)}
Sie sind kurze Hinweise auf die Funken, die aus dem Geheimnis dieser Seiner Einheit (sirr-i ahadiyet)und im Aufscheinen Seiner Einzigartigkeit (samediyet)entstehen. Wir wollen nun hier in ein, zwei Punkten ganz kurz und bündig die Bedeutung dieses siebenten (Schrittes) betrachten, und verweisen, was die weiteren Einzelheiten betrifft, auf die Risale-i Nur.
Es ist nämlich eine Zelle im Auge oder im Gehirn, wie sie ihre wunderbaren Aufgaben erfüllt, nicht geringer als ein Stern, noch ein Teil geringer als das Ganze. So ist z.B. das Gehirn oder das Auge nicht geringer als der Mensch als ein Ganzes, ein einzelnes Individuum hinsichtlich seiner Schönheit und Kunstfertigkeit und im Wunder seiner Schöpfung (khilqat)nicht geringer als eine ganze (alle Individuen) umfassende Spezies, ein Mensch mit seiner ganz besonderen Ausstattung und seinen Fähigkeiten nicht geringer als all die vielen Tierarten. Auch betrachtet man sich die Liste, das Programm, worin die Gedächtnisleistung
eines Samenkorns besteht, in seiner technischen Vollkommenheit und der Speicherung seiner Daten, so ist (doch das Samenkorn nicht geringer) als ein riesiger Baum. Auch ist die Vollkommenheit der Erschaffung (kemal-i khilqat)des Menschen hinsichtlich seiner so umfangreichen, vollkommenen Ausstattung, (die ihn befähigt), Tausende staunenswerter Aufgaben zu erfüllen, als verkleinertes Abbild des Kosmos (kainat)keineswegs geringer als die Erschaffung des ganzen Weltalls (kainat).Das aber heißt, dass der, welcher ein Atom zu erschaffen (idjad)vermag, nicht zu schwach sein kann, einen Stern zu erschaffen (idjad).Und der, welcher ein Organ, wie z.B. die Zunge erschaffen kann, der kann sicherlich leicht auch einen ganzen Menschen erschaffen. Und der, welcher einen einzelnen Menschen so vollkommen erschaffen kann, der kann auf jeden Fall auch mit vollendeter Leichtigkeit alle Tiere erschaffen und erschafft sie tatsächlich auch vor unseren Augen. Und der, welcher das Wesen eines Samenkorns, seine Liste, sein Inhaltsverzeichnis, sein Notizbuch mit den Aufträgen entsprechend den göttlichen Weisungen (emr)als einen Knoten des Lebens (uqde-i hayatiye)erschafft, wird sicherlich zugleich auch der Schöpfer (Khaliq)aller Bäume sein. Und der, welcher den Menschen erschaffen hat, als eine Art geistigen Samen der Welt (alem)und eine Frucht, die alles in sich enthält, als einen Spiegel, in dem alle Namen Gottes (esma-i Ilahi)sichtbar werden, jene Persönlichkeit, die ihn zur Bezugsperson für das Weltall (kainat)erschaffen und ihn zum Kalifen dieser Erde (zemin)erhoben hat, verfügt ganz sicher und bestimmt auch über die Macht (qudret),die ganze riesige Welt genau so leicht zu erschaffen wie einen Menschen zu kreieren und sie zu ordnen. Da dies aber so ist, muss, wer immer der Schöpfer (Khaliq),Künstler (Sani)und Herr (Rabb)aller Atome, Bausteine und Bestandteile, der Samenkörner und jedes einzelnen Menschen sein mag, sicher und gewiss auch der Schöpfer (Khaliq),Künstler (Sani)und Herr (Rabb)aller Sterne,
einer ganzen Spezies, aller Individuen und ihrer Gemeinschaften, der Bäume und des gesamten Weltalls (kainat)sein. Etwas anderes wäre unmöglich und unvorstellbar.
Achter Schritt:
وَ بِسِرِّ اَنَّ الْمُحَاطَ وَ الْجُزْئِيَّاتِ كَالْاَمْثِلَةِ الْمَكْتُوبَةِ الْمُصَغَّرَةِ اَوْ كَالنُّقَطِ الْمَحْلُوبَةِ الْمُعَصَّرَةِ فَلاَبُدَّ اَنْ يَكُونَ الْمُحِيطُ وَ الْكُلِّيَّاتُ فِى قَبْضَةِ خَالِقِ الْمُحَاطِ وَ الْجُزْئِيَّاتِ لِيُدْرِجَ مِثَالَهَا فِيهَا بِمَوَازِينِ عِلْمِهِ اَوْ يُعَصِّرَهَا مِنْهَا بِدَسَاتِيرِ حِكْمَتِهِ
{"... auch im Geheimnis, dass alles, was uns umgibt (muhat) in all seinen Teilen (djus'iyat), gleich den winzigen Musterexemplaren, die darin eingetragen oder aus ihnen herausgemolken worden sind, unvermeidlich in der Hand ihres Schöpfers ruhen, weil sie und alles, was ihnen gleicht, durch die Ausgeglichenheit Seines Wissens in dem vorher aufgezählten mit eingeschlossen, bzw. entsprechend den Grundsätzen Seiner Weisheit (hikmet) aus ihm herausgemolken worden ist; ..."}
Das aber heißt, dass zwischen den Teilen (die ein Ganzes in sich) tragen, sowie innerhalb eines Ganzen dessen Bestandteilen und Einzelexemplaren, Samenkörnern und Kernen und dem Großen Ganzen, das Alles umfasst, eine Wechselbeziehung besteht, wobei diese winzig kleinen Abbildungen (des Ganzen) auf kleinstem Raum gleichsam eine überaus feine Inschrift als verkleinertes Abbild sowohl des einzelnen Individuums als auch des Großen Ganzen in sich tragen. Weil dies aber so ist, muss das Ganze, welches (alles) umfasst, in der Hand des Schöpfers (Khaliq)aller seiner Teile liegen und gänzlich zu Seiner Verfügung stehen, sodass Er nach (kluger) Abwägung (mizan)Seines Verstandes mit ganz feinen Stiften jenes große, alles umfassende Buch (der Schöpfung gleich einem Baum) auf Hunderte winzig kleiner Abschnitte (seiner Samenkörner) gleich (den Seiten) eines Notizbuches übertragen kann. Diese Wechselbeziehung zwischen den Teilen (eines Ganzen), die (von diesem Ganzen) umsorgt werden und ihren Unterteilen samt deren
Umgebung kommt in dem Vergleich (mit einer Kuh zum Ausdruck), wobei sich dann die Milch (aus Bestandteilen der gesamten Umgebung, die von der Kuh aufgenommen, zusammengesetzt und schließlich) aus ihrer Umgebung wieder herausgemolken werden kann... oder aber (in einer Art Sinnbild), in dem jemand die Umgebung melkt, worauf dann aus ihr (die oben gleich Punkten angeführten Teile und Unterteile, wie Kerne und Körner gleichsam) heraustropfen. So gleicht z.B. der Kern einer Melone einem solchen Tropfen, der aus seiner Umgebung (und allen anderen Umständen, die zu seiner Entstehung beigetragen haben) herausgemolken wurde, oder einem Punkt, in den ein ganzes Buch hineingeschrieben wurde, da er ein Inhaltsverzeichnis, eine Liste, ein ganzes Programm in sich enthält. Weil dies aber so ist, muss sich das ihn umgebende Ganze und das ganze Universum notwendigerweise und mit Sicherheit in der Hand jenes Künstlers (Sani')befinden, der alle Teile, alle Tropfen alle Punkte und jedes einzelne Individuum gemacht hat, damit Er entsprechend den höchst sensiblen Prinzipien Seiner Weisheit (hikmet)diese einzelnen Individuen, Tropfen und Punkte aus ihnen herausmelken kann. Das aber heißt, dass derjenige, welcher einen einzigen Samen, oder ein einzelnes Individuum erschaffen hat, wiederum mit Sicherheit derjenige sein muss, der auch alle übrigen Arten, das Große Ganze, den gesamten Kosmos und alles, was sie umgibt, und alle übrigen Universen, die noch weit größer sind erschaffen hat. Es kann gar kein anderer sein. Weil dies aber so ist, kann der, welcher eine einzelne Seele zu erschaffen vermag kein anderer sein, als der, welcher auch die gesamte Menschheit erschuf. Und der, welcher einen einzigen Toten neu belebt, vermag am Tage der Wiederversammlung auch die Toten aller Dschinnen und aller Menschen neu zu beleben und wird sie wieder ins Leben zurückrufen. So siehe denn nun, wie sehr die Aussage, die Botschaft der Ayah
مَا خَلْقُكُمْ وَلاَ بَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Eure Erschaffung wie eure Auferstehung sind nicht anders als die einer einzigen Seele." (Sure 31, 28)}
mit absoluter Sicherheit und in glänzender Weise wirklich und wahrhaftig (haq ve ayn-i haqiqat)ist.
Neunter Schritt:
وَ بِسِرِّ كَمَا اَنَّ قُرْاٰنَ الْعِزَّةَ الْمَكْتُوبَ عَلَى الذَّرَّةِ الْمُسَمَّاةِ بِالْجَوْهَرِ الْفَرْدِ بِذَرَّاتِ الْاَثِيرِ لَيْسَ بِاَقَلَّ جَزَالَةً وَ خَارِقِيَّةَ صَنْعَةٍ مِنْ قُرْاٰنِ الْعَظَمَةِ الْمَكْتُوبِ عَلٰى صَحِيفَةِ السَّمَآءِ بِمِدَادِ النُّجُومِ وَ الشُّمُوسِ كَذَلِكَ اِنَّ وَرْدَ الزَّهْرَةِ لَيْسَتْ بِأَقَلَّ جَزَالَةً وَ صَنْعَةً مِنْ دُرِّىِّ نَجْمِ الزُّهْرَةِ وَ لاَ النَّمْلَةُ مِنَ الْفِيلَةِ وَ لاَ الْمِكْرُوبُ مِنَ الْكَرْكَدَنِ وَ لاَ النَّحْلَةُ مِنَ النَّخْلَةِ بِالنِّسْبَةِ اِلٰى قُدْرَةِ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ فَكَمَا اَنَّ غَايَةَ كَمَالِ السُّرْعَةِ وَ السُّهُولَةِ فِى اِيجَادِ الْاَشْيَاءِ اَوْقَعَتْ اَهْلَ الضَّلاَلَةِ فِى اِلْتِبَاسِ التَّشْكِيلِ بِالتَّشَكُّلِ الْمُسْتَلْزِمِ لِمُحَالاَتٍ غَيْرِ مَحْدُودَةٍ تَمُجُّهَا الْاَوْهَامُ كَذَلِكَ اَثْبَتَتْ لِاَهْلِ الْهِدَايَةِ تَسَاوِيَ النُّجُومِ مَعَ الذَّرَّاتِ بِالنِّسْبَةِ اِلٰى قُدْرَةِ خَالِقِ الْكَآئِنَاتِ جَلَّ جَلاَلُهُ ولآَ إِلٰهَ إِلاَّ هُوَ اللّٰهُ اَكْبَرُ
{"... auch im Geheimnis, dass der Qur'an, wenn er in all seiner Würde (izzet) mit Teilchen des Äthers in einem Staubkörnchen oder winzigen Partikelchen eingeschrieben steht, keineswegs weniger beredt oder minder kunstvoll ist, als ein gewaltiger Qur'an, der mit der Tinte der Sterne und Sonnen auf den Seiten (saifah) der Himmel aufgeschrieben steht. In ähnlicher Weise ist eine blühende Rose durch ihre Beziehung zur Allmacht des Schöpfers des Universums (qudreti Khaliqi-l'kainat) in ihrer Beredsamkeit und künstlerischen (Schönheit) keineswegs geringer als der Planet Venus, noch steht die Ameise unter dem Elefanten, oder die Mikrobe unter dem Nashorn, noch ist die Biene geringer als die Dattelpalme. Darüber hinaus aber verführt die überaus große Leichtigkeit und Geschwindigkeit, in der die Dinge erschaffen wurden, die Leute des Irrweges (ehlu-d'dalalah), die Erschaffung (durch den Schöpfer) mit einer (rein zufälligen Entstehung) zu verwechseln, was zahllose Unmöglichkeiten notwendig macht und daher nur eine (bloße) Einbildung ist, während dies den Leuten der Rechtleitung (ehlu-l'hidyah) beweist, dass die Atome durch ihre Beziehung zur Allmacht des Schöpfers des Universums (qudreti Khaliqi-l'kainat) den Sternen gleich sind. Erhaben, oh Er, in Seiner Erhabenheit! Es gibt keine Gottheit außer Ihm, Er, der Gott ist und groß!"}
Ich hätte die Bedeutung dieses letzten Schrittes gerne ausführlich erklärt. Doch bin ich in meiner derzeitigen schweren Notlage, hervorgerufen durch willkürliche Unterdrückung und allerlei Schikanen, durch meine Schwäche und schwere Krankheit infolge einer Vergiftung so sehr daran gehindert, dass ich leider dazu gezwungen bin, mich mit einem ganz kurzen Hinweis auf dessen Bedeutung zu begnügen.
Das heißt: Würde man den Glorreichen Qur'an (Qur'an-i Adhimush'shan),den unmöglichen Fall einmal angenommen, auf ein Atom schreiben, jenes Elementarteilchen, das die Theologen (ilm-i Kelam)und Philosophen als Materie (djauher-i ferd)bezeichnen, die sich als einzigartig bezeichnen lässt, die sich nicht weiter aufspalten (kabil-i inkisam)lässt (ohne ihren einzigartigen Charakter als ein Stückchen Materie zu verlieren), und zwar mit jenen Teilchen aus einem ätherischen Stoff, die noch weit subtiler sind (als gewöhnliche Materie), und schriebe man zugleich mit Sternen und mit Sonnen einen ganz großen Qur'an (Qur'an-i Kebir)auf die Seiten der Himmel, und würde man sodann die beiden miteinander vergleichen, so würde der auf ein winzig kleines Stückchen Materie (djauher-i ferd zerresi)geschriebene Qur'an, den man nur noch unter dem Mikroskop (erkennen kann und betrachtet man ihn hinsichtlich) seiner Einzigartigkeit und wunderbaren künstlerischen Gestaltung, so wäre er mit Sicherheit keineswegs geringer als der Gewaltige Große
Qur'an (Qur'an-i Adhim ve Kebir),der das Antlitz der Himmel vergoldet. Ja er wäre ihm in gewisser Hinsicht vielleicht sogar noch überlegen.
In gleicher Weise ist eine Blume (zuhre),bedenkt man, in welch einzigartiger und geradezu vollkommener Weise sie der Schöpfer des Alls (Khaliq-i Kainat)in seiner Macht (qudret)gestaltet hat, auch nicht geringer als unsere Venus (zuhre),eine Ameise nicht weniger als ein Elefant. Ja, selbst noch eine Mikrobe ist hinsichtlich ihrer Erschaffung (khilqat)noch wunderbarer als ein Nashorn und eine Biene angesichts ihrer staunenswerten natürlichen (fitrat)Fähigkeiten (Honig und Wachs zu bereiten) gar einer Dattelpalme überlegen. Das aber heißt: der, welcher eine Biene zu erschaffen vermag, kann auch alle Tiere erschaffen. Wer eine Seele (nefs)ins Leben zu rufen vermag, kann auch am Tage der Wiederversammlung alle Menschen wieder auferwecken und sie am Platz der Auferstehung wieder versammeln. Und sie werden wieder auferstehen! Nichts ist für ihn schwierig: vor unseren Augen erschafft Er ganz schnell und leicht in jedem Frühling Hunderttausende Beispiele dieser Wiederauferstehung.
Der Sinn des letzten Satzes in dem obigen arabischen Text ist ganz kurz zusammengefasst folgender: Da die Leute der Irreleitung die unerschütterlichen Wahrheiten (haqiqat)der obigen Schritte nicht kennen, und da alle Geschöpfe auf einmal, sehr schnell und ganz leicht ins Dasein (vudjud)treten, stellen sie sich vor, dass deren Formgebung und ihre Erschaffung durch die grenzenlose Macht (qudret)eines Künstlers (Sani)sich von allein gestaltet und aus sich selbst heraus entstanden (vudjud)wäre und haben sich auf diese Weise selbst die Türe zu allerlei unmöglichen, ja selbst undenkbaren Arten von Aberglauben geöffnet, die keinerlei Verstand, ja noch nicht einmal unserer Einbildungskraft zugänglich sind. In diesem Fall aber müsste man z.B. jeder einzelnen Zelle (dherre)eines Lebewesens eine grenzenlose Macht (qudret),
ein unendliches Wissen (ilim),ein allsehendes Auge und die Fähigkeit (iktidar)zuschreiben, jedes beliebige Kunstwerk anfertigen zu können. Wer also nicht eine einzige Gottheit (ilah)anerkennen will, müsste statt dessen seinem Glauben (mesheb)entsprechend, der Anzahl der Zellen (dherre)entsprechend ebenso viele Götter (ilah)anerkennen und verdiente mit Recht (mustehaq),dafür zu den Niedrigsten der Niedrigen in der Hölle hinunterzugehen.
Was aber die Leute der Rechtleitung betrifft, so verleihen ihnen die in den obigen Schritten angeführten machtvollen Wahrheiten (haqiqat)und unwiderlegbaren Beweise in ihrem unverfälschten Gemüt (qalb)und in ihrem geradlinigen Denken (mustaqiem aqil)eine absolut sichere Überzeugung, einen starken Glauben (iman)und ein Bekenntnis (tasdiq),das auf augenscheinlicher Sicherheit (ayne-l'yaqin)beruht, sodass sie ohne irgendwelche Zweifel oder böse Ahnungen im Frieden ihres Herzens (itminan-i qalb)glauben (itikad),dass vor der Allmacht Gottes (qudret-i Ilahiye)zwischen den Sternen und den Atomen, dem kleinsten und dem Größten kein Unterschied besteht, wie auch alle diese einzigartigen Dinge vor unseren Augen geschehen. Und jedes einzigartige Kunstwerk bestätigt die Aussage der Ayah
مَا خَلْقُكُمْ وَ لاَبَعْثُكُمْ اِلاَّ كَنَفْسٍ وَاحِدَةٍ
{"Eure Erschaffung wie eure Auferstehung sind nicht anders als die einer einzigen Seele." (Sure 31, 28)}
und bezeugt, dass dieses ihr Urteil (hukum)auf Recht und lauterer Wahrheit (haqq ve haqiqat)beruht. (Und jedes von ihnen) sagt ohne Worte (lisan-i hal):"Gott ist groß (Allahu Ekber)!"So sagen denn auch wir ihrer Anzahl entsprechend so viele Male: "Gott ist groß (Allahu Ekber)!"Und bestätigen die Aussage dieser Ayah mit der ganzen Kraft (quvvet)unserer Überzeugung und bezeugen (shehadet)aufgrund zahlloser Beweise,
dass dieses Urteil (hukum)auf lauterem Recht und reiner Wahrheit (haqq ve haqiqat)beruht.
سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ ٭ اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ ٭ وَ الْحَمْدُ لِلّٰهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ
{"Gepriesen seiest Du! Kein Wissen haben wir, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32) "Oh Gott schenke Friede und Segen dem, den Du als Deine Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast!" Denn aller Dank gebührt Gott dem Herrn der Welten.}
* * *
Ein Lobgesang (als Antwort) auf die Frage: Was ist die Risale-i Nur? Worum handelt es sich, in Anbetracht der Tatsachen (haqiqat), bei der Risale-i Nur und welches ist der Beitrag ihres Vermittlers?
Die höchsten Diener des Glaubens (din),deren Ankunft zu Beginn eines jeden Jahrhunderts in einem Hadith verkündet werden, sind nicht dessen Subjekt (mubtedi'){d.h. der Mittelpunkt eines Satzes, um den sich alles dreht} sondern dessen gelebter Ausdruck (muttebi').Das heißt, sie produzieren nicht von sich aus irgendetwas Neues und erfinden keine neuen Grundsätze (ahkam).Sie stärken und befestigen vielmehr die Religion (din),indem sie ihren Grundsätzen und Grundpfeilern der Religion und der Tradition des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, folgen, das Wahre und Wesentliche des Glaubens (din)aufzeigen, alles andere, was sich mit (der Religion) vermischt hatte, für Null und nichtig erklären, alle Angriffe gegen den Glauben (din)abwehren und zurückweisen, dem Auftrag ihres Herrn erneut wieder Geltung verschaffen und die Ehre und Erhabenheit der Göttlichen Gebote (durch ihr Leben) aufzeigen und verkündigen. Ohne die essenziellen Grundlagen (tavr-i esasi)zu zerstören oder den ursprünglichen Geist (ruh-u asli)zu verletzten, erfüllen sie ihren Auftrag (ifa-i vazife)allein durch neue Methoden der Überzeugung, so wie sie dem Verständnis der jeweiligen Zeit entsprechen, durch eine zeitgemäße Art und Weise, die Menschen anzusprechen, sowie durch neue, detaillierteren Erklärungen.
Diese Beamten ihres Herrn (memurin-i Rabbaniye)bestätigen (alle diese ihre) Aufgaben mit ihrer Tat und in ihren Werken. Sie erfüllen so (ihre Aufgabe), die Festigkeit ihres Glaubens (iman)und ihre Aufrichtigkeit (ikhlas)in sich selbst zu reflektieren. So bringen sie die Stufe ihres Glaubens (iman)
durch ihre Taten zur Darstellung. Dadurch zeigen sie in der Tat, dass sie der mohammedanischen Sitte (ahlaq)voll und ganz entsprechen und in Wahrheit (haqq)mit der inneren Haltung Ahmeds und den Eigenschaften des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, bekleidet worden sind. Kurzum: In Anbetracht ihrer Taten und ihrer guten Gesittung (ahlaq),hinsichtlich der Befolgung der Sunnah des Propheten, mit dem Friede und Segen sei, und im Festhalten an ihr, stellen sie ein schönes und vollkommenes Modell für die Gemeinde Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, dar und sind für sie ein Beispiel, dem man folgen sollte. Die Werke, die sie verfassen, und in denen sie das Buch Gottes (Kitabullah)kommentieren, ihre Erläuterung (izah)zu den Grundsätzen (ahkam)des Glaubens (din)und die Art und Weise, wie sie diese dem Verständnis (fehim)ihrer Zeit und dem Grad ihrer Bildung (ilim)entsprechend darzustellen wissen, sind nicht in ihnen selbst und als Resultat ihres erhabenen Denkvermögens entstanden, auch nicht die Frucht ihrer eigenen Intelligenz und Bildung (zeka ve irfan).Sie sind vielmehr eine innere Eingebung (ilham)und die Stimme ihres Herzens, unmittelbar gespeist aus der Quelle der Offenbarung (vahy)des Herrn der Reinen Botschaft (risalah).
Djeldjelutiye,{ein poetisches Werk von Imam Ali. (A.d.Ü.)}
Mesnevi-i Sherif,{das Hauptwerk von Djelaluddin Rumi. (A.d.Ü.)}
Futuh-ul Ghayb{Das Hauptwerk von Abdu-l'Qadiru-l'Geylani. (A.d.Ü.)}
und andere Werke dieser Art sind stets auf die gleiche Weise entstanden. Für all diese heiligen (qudsi)Werke waren solche, wenn auch hochangesehenen Persönlichkeiten, nur deren Verkünder. Diese heiligmäßigen (muqaddes)Persönlichkeiten haben einen Anteil an der Auswahl (der Themen) und der Art der Erklärung dieser erlesenen Werke, d.h., diese heiligmäßigen (qudsi)Persönlichkeiten gelten gewissermaßen als eine Art Überbringer, als Spiegel, bzw. Reflektoren ihres Sinngehaltes.
Was nun die Risale-i Nur und ihren Interpreten betrifft, so findet sich in diesem viel gepriesenen Werk ein solch hoher Segen (feyz-i ulvie)und eine in so hohem Maße wirksame Vollkommenheit, wie sie bis heute noch niemals in einem vergleichbaren Werk gefunden werden konnte. Und da man nun feststellen muss, dass sie in einer Weise, wie man sie nie zuvor in ähnlichen Abhandlungen bezeugen konnte, eine Wirksamkeit entfaltet, wie sie in der Nachfolge des Ehrwürdigen Qur'an liegt, der die Fackel Gottes (mesh'ale-i Ilahiye),die Sonne der Rechtleitung und der Mond der Glückseligkeit ist; dass ihr Wesen das reine Licht des Qur'an (nur-u mahz-i Qur'an)ist und die Wirksamkeit der Segnungen aller Lichter Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, in größerem Maße in sich trägt als die Werke aller Freunde Gottes (auliya-ullah);dass die innere Anteilnahme an ihr, die Verbundenheit mit ihr, die heilige Leitung durch den Herrn der Reinen Botschaft (risalah)noch stärker (zu spüren) ist als in allen Werken der Freunde Gottes (auliya-ullah);dass im übrigen die Geistigkeit jenes Mannes, der sich (durch den Qur'an) angesprochen fühlt und sein Interpret ist, in der Art, wie sehr er sich durch ihn angesprochen fühlt und ihn zu schätzen weiß, unvergleichlich hoch und ohne Beispiel ist, das ist eine offensichtliche Tatsache (haqiqat),so klar wie die Sonne.
Jene Persönlichkeit wurde in der Tat noch in ihrer Kindheit, weil sie ja niemals irgendwelchen Unterricht genossen hatte, um sich vor diesen äußeren Umständen zu erretten, in einer Zeitspanne von nur drei Monaten zum Erben (Varith){Die Gelehrten sind die Erben der Propheten (Hadith)} aller wissenschaftlichen Werke der Antike wie der Neuzeit, der Hermeneutik, der Geisteswissenschaften, der Naturwissenschaften, der Theologie und der Philosophie, eine Erfahrung, wie sie in ihrer Erhabenheit bis dahin noch nie jemandem zuteil geworden war. Von einer derart wunderbaren Gelehrsamkeit hatte man
noch nie zuvor vernommen. Es besteht gar kein Zweifel, dass er, als der Überbringer des Lichtes (Terdjuman-i Nur),wie oben beschrieben, ganz und gar einen schlichten Anstand (iffet-i mudjessem)verkörpert, einen staunenswerten Mut (shedjaat-i harika)und zugleich eine vollkommene Bedürfnislosigkeit (istighna-yi mutlaq)zeigt, sowie in seinem ganzen Wesen von Natur (fitrat)aus ein Wunder verbunden mit einer staunenswerten Charakterfestigkeit (metanet-i akhlaqiye)darstellt (tedjessum)und auf diese Weise ein Gnadengeschenk (inayet)und eine vollkommene Gabe Gottes.
Diese wunderbare Persönlichkeit forderte - selbst fast noch ein Kind und doch bereits ein respektabler Gelehrter - die ganze damalige gelehrte Welt zu einem Disput heraus, ließ alle Väter der Wissenschaften still werden und brachte sie zum Schweigen, indem er alle ihre Fragen, ganz gleich welche auch immer sie ihm stellen mochten, vollständig, zutreffend und ohne jemals zu zögern oder zu zweifeln, beantwortete, wodurch er sich bereits mit vierzehn Jahren den Titel eines Magisters (Ustadh)erwarb und weshalb nun für immer der Segen seines Wissens (feyz-i ilim)und das Licht seiner Weisheit (nur-u hikmet)von ihm ausstrahlt. Durch die Feinsinnigkeit seiner Erläuterungen, die Eloquenz seiner Darlegungen, die Sicherheit und Bestimmtheit bei all seinen kritischen Erwägungen, seinen ebenso scharfsinnigen wie tiefschürfenden Betrachtungen,Kurzum:durch das Licht seiner Weisheit versetzte er sämtliche gebildeten Leute (erbab-i irfani)in Erstaunen, womit er sich schließlich mit vollem Recht jenen illustren Titel einer "Koryphäe der Wissenschaft" erwarb, wie er in damaliger Zeit einmalig und einzigartig ("Bediüzzaman")war. Mit seinen überragenden Fähigkeiten und seiner vorzüglichen Gelehrsamkeit verbreitete er die Religion Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, bewies sie und zeigte sich dabei (als ein Mann, der stets) das Menschenmögliche tat, wofür das Ehrenwerte Haupt (Siegel) der Propheten (Seyid-ul Enbiya Hazretleri),mit dem Friede und Segen sei,
einer solchen Persönlichkeit mit Sicherheit seine allerhöchste Zuwendung gewährte und ihm seinen erhabenen Schutz und seine Hilfe zuteil werden ließ. So war er denn ohne Zweifel eine edelmütige Persönlichkeit, die stets dem Auftrag und der Anweisung (emir ve ferman)des Propheten Gottes (Nebiy-i Aqdes),mit dem Friede und Segen sei, folgte, der seinen Weisungen entsprechend handelte und so zum Erben (Varith)seiner Wahrheit wurde und diese (in seiner Persönlichkeit) reflektierte.
Da er also nun die Lichter Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, die Erkenntnisse Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, und Gottes Fackel in ihrer ganzen Fülle (fuyuzat-i shem'-i Ilahi),in ihrem höchsten Glanz erstrahlen ließ, wodurch die numerischen Hinweise in Qur'an und Hadith in ihm zur Erfüllung gelangten, womit die majestätischen Verse (ayat-i djelil),die durch den Mund des Propheten (hitabat-i Nebevi),mit dem Friede und Segen sei, verkündet worden sind, in ihrer numerischen Ausdeutung auf ihn zutreffen, besteht anhand dieser Hinweise kein Zweifel, dass diese Persönlichkeit aufgrund ihres Dienstes am Glauben ein klarer Spiegel des Prophetentums (risalet)ist, die höchste, oberste, leuchtend strahlende Frucht am Baume des Prophetentums (risalet),das abschließende Wort, das aus dem Munde des Propheten (lisan-i risalet)in Hinsicht auf seine Erbschaft (irsiyet)die Wahrheit (haqiqat)verkündigt, der letzte, der glückselig im Dienste des Glaubens (hizmet-i imani)die Fackel Gottes (shem'-i Ilahi)trägt.
Im Namen der Schüler der Risale-i Nur, die in der dritten Schule Josephs, als erste dem Unterricht in dem "Glänzenden Beweis (Elhuddjetu-z'Zehra)" und in dem "Aufscheinen des Morgensterns (Zuhretu-n'Nur)" gefolgt sind.
Ahmed Feyzi, Ahmed Nazif, Salahaddin, Zübeyr, Ceylan, Sungur, Tabancali.
Obwohl mir (meine Schüler) einen hundertfach höheren Anteil zugeschrieben haben, als mir eigentlich zusteht, habe ich es doch nicht gewagt, die Gefühle der Unterzeichner zu verletzen. So habe ich denn diesen Lobgesang der Schüler der Risale-i Nur im Namen ihrer geistigen Körperschaft stillschweigend akzeptiert.
Said Nursi
* * *
Ein Brief
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَآئِمًا
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei." "Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44) "Friede mit euch und Gottes Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig."}
Unser vielgeliebter, über alles liebenswerter, gesegneter, gütiger Herr (Efendim),unser hochverehrter (Hazret)und verehrenswürdiger Lehrer (Ustadh)!
Oh Ihr, unser ehrwürdiger Lehrer (muhterem Ustadh),der Ihr Euren eigenen Willen (irade)vollständig aufgegeben und dafür all Eure Angelegenheiten (umur)dem Willen des Herrn (irade-i Rabbani)überlassen habt, der Ihr in allem offensichtlichem Unglück und hinter allen Schikanen dennoch das Erbarmen und die Weisheit (merhamet ve hikmet)und das göttliche Vorauswissen (qader-i Ilahi)zu erkennen vermögt und in vollkommenem Vertrauen und mit Hingabe (kemal-i tevekkul ve teslimiyet)an den Herrn (Rabb)geduldig (sabir)erwartet, welchen Ausgang Sein Erscheinen bringen wird! Nun, da an manchen Orten die Säulen, auf die sich die Leute des Glaubens (ehl-i iman)bisher immer gestützt hatten (nokta-i istinad),zu bröckeln beginnen, und Menschen, die Gott leugnen, zum Teil dem Zeitgeist entsprechend, stolz und in aller Öffentlichkeit mit ihren Publikationen gegen die Grundfesten des Glaubens agitierend umherstolzieren, sich den Weisungen des Qur'an widersetzen, an geistige Kräfte nicht mehr glauben, hingegen das Recht, zu erschaffen und zu gestalten, einer blinden und tauben Natur ohne jedes Bewusstsein zusprechen (und all dies) als Kennzeichen der Aufklärung und der Bildung verstanden wissen wollen, habt Ihr, unser höchst ehrbarer Meister (faziletmeab efendimiz)die Risale-i Nur für alle diejenigen geschrieben, die mit zitternden Herzen unter diesem so schrecklichen Zeitalter leiden, als Heilmittel jenes spirituelle Wunder des Qur'an angeboten,
um den Herzen der Ärmsten, die ihres Glaubens (iman)als Wasser des Lebens dringend bedürfen, als Gegengift zu dienen und ihnen die frohe Botschaft Ewiger Glückseligkeit zu verkünden. Auf der breiten Straße der Wahrheit (haqiqat djadde-i kubra),welche seinen Ruf (dava)mit sehr sicheren Beweisen und Zeugnissen belegt, (habt Ihr als) unser lieber, verehrter (qudsi)Wegweiser, entsprechend der tiefen inneren Wahrheit (sirr),اَسَّبَبُ كَالْفَاعِلِ {"Wer die Ursache ist, gleicht dem, der danach handelt."} durch die Risale-i Nur den Glauben Hunderttausender Nur-Schüler gerettet, wofür nun der Gegenwert ihrer guten Werke auch im Buche eurer Taten gutgeschrieben wird!
Genauso wie im Gefängnis zu Denizli gewährte uns Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)in Seiner Güte (ihsan)die "Frucht-Abhandlung" als ein Heilung spendendes Mittel, das alle Qual der Gefangenschaft in Nichts zerrinnen lässt, so wie der so süße Duft einer Rose die Schmerzen ihrer Dornen vergessen lässt, wodurch ja dann auch alle unsere vorübergehenden (fani)Qualen verschwunden sind. In gleicher Weise geruhte der Ehrenwerte Allbarmherzige und Herr aller Schönheit (Rahiem-i Dhul'Djemal Hazretleri)zu Afyon, wobei ein Tag auch nur der körperlichen Leiden im Gefängnis zu Denizli einem ganzen Monat der Qualen in diesem Gefängnis hier entspricht, in Seiner Güte (Kerim)uns durch Eure Hand, geliebter Meister (Ustadh)zu ermöglichen, als ein Heilmittel und ein Gegengift angeboten, uns zur Einheit Gottes (tauhid)zu bekennen, Ihm unseren Dank (tahmid)zu erweisen, zu Ihm allein unsere Zuflucht (istiane)zu nehmen und das Prophetentum (risalet)Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, zu bestätigen.
Wir, Eure mit so vielen Fehlern behafteten Schüler, die wir mit dem Segen (feyz)der Risale-i Nur das Lesen und
Schreiben erlernt haben, betrachten diese drei kurzen Abhandlungen (risalah)sowohl als einen absolut sicheren Beweis für den Wahrheitsgehalt (haqqaniyet)der Risale-i Nur als auch in gewisser Weise für deren kurz und bündige Zusammenfassung, und zwar in der Weise, wie sich in den Samenkörnern eines Tannenzapfens das Inhaltsverzeichnis, bzw. das Programm eines ganzen großen Baumes verbirgt.
Wenn wir auch zu schwach sind, ihre Segnungen (fezail)recht zu begreifen, so hat deren Lesung uns doch dazu verholfen, für unseren Geist (ruh)eine große innere Ruhe (inshirah)zu finden; unsere körperlichen Qualen haben sich in unseren Herzen (qalb)in Freude verwandelt und wir haben im Garten des Glaubens unendlich viele Früchte geerntet. Die erste dieser drei kleinen Abhandlungen (risalah)zerstört anhand ihrer elf Beweise für die göttliche Einheit (tauhid)den Unglauben (kufr),den Irrglauben (dalalet)und den Naturalismus (tabiat)und seine Finsternis weicht. Die zweite erklärt die Suratul'Fatiha, welche als Quelle, Fundament und Lehrmeister (Ustadh)alle Gegenüberstellungen, wie sie sich in der Risale-i Nur finden, in sich enthält und bietet uns dafür eine wunderschöne Auslegung (tefthir)an. Die dritte schließlich erläutert durch eine geradezu vollkommene Übersetzung jenen Abschnitt über das Prophetentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, auf eine glänzende, tief innere Befriedigung verleihende Weise, so wie sie Euch, unser geliebter Meister (Ustadh)in der Schule Josephs zu Afyon in Euer gesegnetes Herz (qalbi mubarek)gelegt worden ist.
Und wenn wir auch in gar keiner Weise irgendeiner Sache würdig sind, so werden wir uns doch mit ganzer Kraft (quvvet)darum bemühen, diese Eure Werke, ihrem Inhalt entsprechend, so wie wir sie empfangen haben, auch zu verbreiten. Wir bieten Gott dem Gerechten (Djenab-i Haqq)unseren grenzenlosen Dank an und sagen in unseren Gebeten (dua):"Oh barmherzigster Allerbarmer,
mögest Du mit unserem Lehrer und Meister (Ustadh)immer und ewig zufrieden sein!"
اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى
{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}
Im Namen der Schüler der Risale-i Nur
Zübeyr, Ceylan, Sungur, Ibrahim
* * *
Einführung in die Übersetzung der arabischen Lektion, genannt "Die Predigt zu Damaskus (Hutbetu-sh'Shamiye)"
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ ٭ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّٰهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَآئِمًا
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei." "Und es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44) "Friede mit euch und Gottes Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig."}
Meine lieben getreuen Brüder!
Vor vierzig Jahren spürte der Alte Said in der Großen Omayaden-Moschee zu Damaskus, während er auf die dringende Bitte der Gelehrten (ulema)von Damaskus vor einer riesigen Zuhörerschaft von nahezu zehntausend Menschen, unter ihnen hundert Professoren (ehl-i ilim)auf arabisch die nun folgende Predigt (hutbah)hielt, eine Vorahnung kommender Ereignisse und gab diese gute Nachricht, vollkommen von ihr überzeugt, weiter und dachte dabei, dass alle (seine Zuhörer) diese Ereignisse in ganz kurzer Zeit erleben würden. Stattdessen hatten zwei Weltkriege und fünfundzwanzig Jahre einer absoluten Despotie zur Folge, dass sich die Erfüllung dieser Vorahnung um vierzig Jahre verschob. Nun aber ist die Zeit gekommen, dass sich die Zeichen in der Islamischen Welt zu mehren beginnen und sichtbar werden. Das heißt, dass die damals so bedeutende Lektion trotz der inzwischen vergangenen Zeit keineswegs eine veraltete Predigt (hutbah)ist, es vielmehr angemessen erscheint, dass ihr nun die Übersetzung dieser höchst bedeutenden und instruktiven Lektion veröffentlichen möget, und zwar nicht als eine veraltete und längst überholte Predigt, sondern als eine, der neuen (Zeit entsprechende), sachdienliche Lektion über soziale wie islamische Fragen, die sich heute - 1371 (1951) und nicht mehr 1327 (1908) direkt an eine Versammlung von 370.000.000 Gläubigen in dieser Moschee der islamischen Welt und nicht mehr in der Omayaden-Moschee richtet.
In diesem Zusammenhang will ich hier eine besonders bemerkenswerte Antwort zitieren, welche auf eine äußerst wichtige Frage gegeben wurde. Denn in dieser Lektion spricht der Alte Said vor vierzig Jahren vorausschauend so als ahne er bereits diese wunderbaren Lektionen in der Risale-i Nur und welche Wirkung sie auslösen werden. Deswegen wollen wir hier die folgenden Fragen und Antworten niederschreiben:
Von vielen Seiten wurde sowohl an mich als auch an einige Schüler der Risale-i Nur die folgende Frage gerichtet und sie fragen mich noch heute:
"Wieso kommt es eigentlich, dass (die Ideen) der Risale-i Nur nicht von so vielen Gegnern, verbohrten Philosophen und Leuten des Irrwegs widerlegt und überwunden werden können? Und das, obwohl sie doch versucht haben, die Verbreitung von Millionen wertvoller Bücher über die Wahrheiten des Glaubens und des Islam bis zu einem gewissen Grade zu unterbinden, und obwohl sie doch so viele, Junge wie Alte, die ihrem ausschweifenden Lebenswandel und den weltlichen Vergnügungen ergeben sind, der Glaubenswahrheiten zu berauben und obwohl sie sich doch so darum bemüht haben, durch ihre wütenden Angriffe, ihre unmenschlichsten Schikanen und die schlimmste verlogene Gegenpropaganda die durchschlagende Wirkung der Risale-i Nur zu stoppen, die Leute abschrecken und sie dazu zu veranlassen, sich von diesen Lehren abzuwenden, sie aufzugeben und vor ihnen zu fliehen, hat sich dennoch die Risale-i Nur in einem nie zuvor gekannten Ausmaß verbreitet, wie dies
noch bei keinem anderen Werk gesehen wurde, ja wurden sogar die meisten der 600.000 Abschriften der Risala von Hand angefertigt und mit höchster Begeisterung im In- und Ausland gelesen. Worin aber liegt nun ihre Weisheit und was ist der Grund dafür, (dass so viele Menschen) sich dazu anspornen ließen, sie so voller Begeisterung heimlich zu verbreiten? Auf all die vielen Fragen dieser Art ist die Antwort folgende:
Die Risale-i Nur, deren Geheimnis sich darin findet, ein wahrhaftiger Kommentar (tefthir)jenes Wunders zu sein, das der Weise Qur'an (Qur'an-i Hakiem'in sirr-i i'djazi)ist, zeigt uns, dass der Irrweg (dalalet)schon in dieser Welt (dunya)eine Art Hölle (djehennem)ist, so wie (die Risale-i Nur) auch beweist, dass die Seele schon in dieser Welt im Glauben eine Art Paradies (djennet)finden kann. Sie zeigt uns, wie all die seelischen Qualen, die unter Sünden, Bosheiten und verbotenen Vergnügungen im Herzen nagen und beweist zugleich, wie ein edler Charakter, der alle guten Werke in Wahrhaftigkeit und Gottes Gesetzen entsprechend tut, in seinem Herzen überirdische Freuden empfängt, die nur noch dem Jubel (der Engel) im Paradies vergleichbar sind. Auf diese Weise rettet (die Risale-i Nur) diejenigen, welche dem Laster verfallen und so in die Irre gegangen sind, doch ihren Verstand noch nicht verloren haben. Denn in unserer Zeit gibt es zwei fürchterliche Zustände (hal):
Der einzige Ausweg, sie aus dieser Gefahr zu erretten ist der, sie auf die Strafen und höllischen Schmerzen hinzuweisen, die sie (dafür noch in dieser Welt (dunya)zu erwarten haben); ein Weg (meslek),welchem auch die Risale-i Nur folgt.
Erstens:
Da die Sinne des Menschen - weil sie die Folgen nicht erkennen können - ein Dirhem (3 g) augenblicklichen Genusses einem Batman (etwa 8 kg) zukünftiger Freuden vorziehen und so die Oberhand über Vernunft und Verstand gewinnen, und auf diese Weise Vernunft und Verstand besiegt, bleibt als einziger Ausweg,
die Maßlosen von ihrer Maßlosigkeit zu befreien, sie wieder Herr ihrer Sinne werden zu lassen, ihnen den Schmerz, der dem Genuss folgt, vor Augen zu führen und so ihre Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen. Daher weist die Ayah
يَسْتَحِبُّونَ الْحَيٰوةَ الدُّنْيَا
{"Sie bevorzugen das irdische Leben." (Sure 14, 3)}
daraufhin, dass in unserer Zeit (die Menschen, obwohl sie doch eigentlich) Gläubige (ehl-i iman)sind und die Freuden der jenseitigen Welt (akhirah)kennen, diesen diamantenen Gnadengaben (ni'met)dennoch die zerbrechlichen Glasstückchen dieser Welt (dunya)vorziehen und aufgrund dieses Geheimnisses (sirr),den Leuten des Irrwegs (ehl-i dalalet)in ihrer Weltliebe (hubb-u dunya)folgen. Der alleinige Ausweg, sie vor dieser Gefahr zu retten, besteht einzig darin, ihnen schon in dieser Welt die Höllenstrafen und Schmerzen aufzuzeigen, genau jene Methode also, welche die Risale-i Nur zur Anwendung bringt.
Andernfalls gäbe es in unserer heutigen Zeit der Verstocktheit, die aus völligem Unglauben (kufr-u mutlaq),einem wissenschaftlich fundierten Irrweg und einer Sucht erwächst, welche die Folge einer Maßlosigkeit ist, (und die den Menschen) auf jenen Irrweg führt, den die Naturphilosophen (lehren) und das Ergebnis ihrer Ausschweifungen darstellt, wollte man sie dadurch wieder auf den rechten Weg führen, dass man ihnen Gott den Gerechten (Djenab-i Haqq)vor Augen stellt und ihnen danach die Existenz der Hölle und ihrer Strafen bewiese, um sie so durch Strafe von Bosheit und Laster abzubringen, einen unter zehn, ja vielleicht nur einen unter zwanzig, der daraus seine Lehre ziehen und sich von seiner Schlechtigkeit und Bosheit abwenden würde. (Jeder andere) würde nach einer solchen Vorlesung (ders)sagen: "Gott der Gerechte wird mir schon verzeihen und sich meiner
erbarmen (Djenab-i Haqq Ghafuru-r'Rahiem).Und außerdem ist die Hölle ja noch ziemlich weit weg." Er würde weiter seinem ausschweifenden Lebenswandel folgen. Seine Sinne würden ihm erneut Herz (qalb)und Verstand (ruh)betören.
So flößen denn die meisten Darstellungen (in der Risale-i Nur) anhand der schmerzhaften und abscheulichen Folgen, die der Unglaube und (ein Lebenswandel) auf Irrwegen noch in dieser Welt (dunya)mit sich bringen, selbst noch den verbohrtesten und selbstsüchtigsten Menschen einen solchen Abscheu gegenüber ihren Unheil bringenden, unerlaubten (haram)Genüssen und Vergnügungen ein, dass alle, die noch Herr ihrer Sinne sind, so zu einer inneren Einkehr (taubah)geführt werden.
Von diesen Gleichnissen schrecken die kurzgefassten Gleichnisse im Sechsten, Siebten und Achten Wort, sowie die ausführlich (dargestellte) Gegenüberstellung im Dritten Kapitel des Zweiunddreißigsten Wortes selbst noch den maßlosesten Menschen und den, der sich am weitesten verirrt hat, so sehr ab, dass er seinen Ausschweifungen und Irrwegen gegenüber Abscheu empfindet und daraus seine Lehre (zieht und) annimmt. Zum Beispiel:
So will ich nun als ein Beispiel einen kurzen Hinweis auf meine Lage geben, in der ich mich anhand einer Ayah (Sure 24, 40) während einer imaginären Reise (seyahat-i hayaliye)befand, während der ich, einer tatsächlichen Reise gleich, Bilder erschaut habe, wie sie dem Licht-Vers (Sure 24, 35) gleichen. Wer aber den ausführlichen (Text nachlesen) möchte, kann am Ende des Bandes "Das unsichtbare Siegel" (Sikke-i Ghaybiye)auf den Seiten 246-248 nachschlagen!
Kurzum:
Als ich auf dieser imaginären Reise (seyahat-i hayaliye)das Reich der Tiere erblickte, die ihrer Versorgung bedürfen, betrachtete ich sie mit den Augen der Naturphilosophen.
Da zeigte sich mir die grenzenlose Not der ganzen Tierwelt und ihrem großen Hunger und zugleich mit dem großen Hunger auch die Schwäche und Hilflosigkeit (da'f u adjz)dieser Welt der Lebewesen als besonders bedauernswert und leidvoll. Ich betrachtete sie mit den Augen derer, die in die Irre gehen und gottvergessen (Ehl-i dalalet ve ghaflet)leben und schrie auf vor Schmerz.
Doch schließlich schaute ich in der Weisheit des Qur'an und des Glaubens (hikmet-i Qur'aniye ve iman)wie durch ein Fernrohr und sah: der Name des Erbarmers (er-Rahman)ging über dem Sternzeichen des Versorgers (er-Rezzaq)auf, dem strahlenden (Glanz) der aufgehenden Sonne gleich und vergoldete diese armselige Welt hungernder Lebewesen mit dem Licht Seiner Barmherzigkeit (rahmet).
Danach sah ich innerhalb der Welt der Tiere noch eine andere düstere Welt, in der ihre schwach, hilflos und bedürftig (da'f u adjz ve ihtiyadj)darin zappelnden Jungen, mit ihrem Schmerz jeden zu Bedauern und Mitgefühl bewegen. Da ich sie mit den Augen derer, die auf Irrwegen gehen, betrachtete, schrie ich: "Oh weh!" Doch da reichte mir der Glaube (iman)eine Brille und ich sah:
Der Name des "Barmherzigen" (Rahiem)ging über dem Sternbild der Liebe (shefqat)auf. Da verwandelte sich alle Bitternis dieser Welt auf eine so schöne und liebliche Weise in eine freundliche Welt, wurde von Licht überstrahlt, ja verwandelte all meine Zähren der Klage, der Bitterkeit und der Trauer in Freudentränen voll Begeisterung und Dankbarkeit.
Nun zeigte sich mir wie auf einer Leinwand die Welt der Menschen. Ich betrachtete sie durch das Fernglas derer, die auf Irrwegen gehen: Diese Welt war so finster und schrecklich, dass ich aus tiefstem Herzen aufschrie. "Oh weh!" rief ich, denn die Wünsche und Hoffnungen der Menschen sind auf die Ewigkeit hin ausgerichtet, ihre Vorstellungen und Gedanken umfassen das ganze Weltall,
ihre Strebungen und natürlichen Antriebe ersehnen so sehr das ewig Bleibende und die Ewige Glückseligkeit des Paradieses. Seine natürlichen Fähigkeiten (fitri istidadlar)kennen keine Grenze und können sich frei entfalten. Doch trotz aller auf ungezählte Ziele gerichteten Bedürfnisse, aller Schwäche und Hilflosigkeit (da'f u adjz)sind sie zahllosen Unglücksfällen und Leiden ausgesetzt, von Feinden verfolgt ist ihr Leben außerordentlich kurz. Sie leben ein verwirrendes und hektisches Leben, jeden Tag, ja jede Stunde von der Furcht vor dem Tode begleitet. Sie leiden in ihrem Herzen und mit allen Sinnen ständig unter den Übeln des Abschieds und der Vergänglichkeit, verbunden mit einem Höchstmaß an Leid und Angst. Denn das Leben der Gottvergessenen läuft auf Grab und Friedhof hinaus, was ihnen wie die Pforte zu ewiger Finsternis erscheint. Ich habe gesehen, wie sie einer nach dem anderen, ja scharenweise in diese finstere Grube hinabgeworfen wurden.
Doch siehe, in diesem Augenblick, da ich diese Welt der Menschen in dieser Finsternis geschaut hatte, Herz, Sinn, Verstand und alle meine menschlichen Sinne, ja jede Faser meines Körpers aufschreien wollte und zu weinen beginnen, da zerbrach plötzlich ein Licht, das aus dem Qur'an kam, und eine Kraft diese Brille meines Irrtums; mein Verstand bekam eine neue Brille und damit sah ich:
Der Name Gottes, des Wahrhaftigen und Gerechten (Djenab-i Haqq'in Adil)ging über dem Sternbild der Weisheit (Hakiem),der Name des Erbarmers (Rahman)über dem Sternbild der Freigiebigkeit (Keriem),der Name des Barmherzigen (Rahiem)über dem Sternbild der Verzeihung (Ghafur),der Name des Verlebendigers (Ba'ith)über dem Sternbild des Nachlassverwalters (Varith),der Name des Lebensspenders (Muhyi)über dem Sternbild des Wohltäters (Muhsin),der Name des Herrn (Rabb)über dem Sternbild des Eigentümers (Malik)auf; und jeder einzelne Name erstrahlte gleich wie die Sonne, wobei hier jedes Sternbild die Bedeutung des Namens angibt. Die Finsternis der Menschenwelt insgesamt, wie sie so viele Welten
in sich enthält, wurde plötzlich beleuchtet und belebte sich. Die höllischen Erscheinungsbilder lösten sich auf, die lichtvollen Fenster zur jenseitigen Welt taten sich auf und die turbulente Welt des Menschen wurde von Licht übergossen. Da sprach ich: "Lob, Preis und Dank sei Allah (Elhamdulillah, Esh-shukrulillah)so viele Male wie es Stäubchen im Weltall gibt!" Und mit augenscheinlicher Sicherheit (ayne l-yaqien)sah ich:
Es gibt im Glauben für die Seele eine Art von Paradies und auf Irrwegen eine Art von Hölle für die Seele schon in dieser Welt. So habe ich es mit Sicherheit erkannt.
Danach zeigte sich mir die Welt hier auf diesem Globus. Auf meiner imaginären Reise trat mir die düstere Welt der wissenschaftlichen Prinzipien und einer Philosophie, die sich dem Glauben widersetzt, als eine furchtbare Welt vor mein geistiges Auge. Mit einer Bewegung, siebzig Mal schneller als eine Kanonenkugel, durcheilt eine armselige Menschheit den unendlichen leeren Raum mit einer Ausdehnung von 25.000 Jahren in einem einzigen Jahr mit dieser unserer uralten und hochbetagten Erde wie auf einem schrecklichen Schiff, das ständig auseinander zu fallen droht, zu jeder Zeit von Unruhen geschüttelt und von inneren Beben erschüttert wird; ein Zustand furchterregender Verlassenheit in dieser Finsternis. Der Kopf drehte sich mir und vor meinen Augen wurde es schwarz. Ich warf die Brille dieser Philosophen zur Erde und zerbrach sie. Plötzlich schaute ich mit einem Auge, das von der Weisheit des Qur'an erleuchtet wurde, und sah:
Die Namen des Schöpfers Himmels und der Erden (Khaliq-i Ardh ve Semevat),Allmächtiger (Qadir),Allweiser (Alim),Herr (Rabb),Gott (Allah),Herr der Himmel und der Erden (rabb-us'Semevati ve-l'Ardh),Dienstherr über Sonne und Mond (Musahhir-us'Shemsi ve-l'Qamer)gingen der Sonne gleich auf über dem Sternbild des Erbarmers (rahmet),des Gewaltigen (azamet),dem Zeichen Seiner göttlichen Herrschaft (rububiyet).Sie erleuchteten diese schreckliche, dunkle und einsame Welt so, dass die Erde mir vor dem Auge meines Glaubens wie ein Schiff erschien,
das in schönster Ordnung und bestem Zustand, mit allen notwendigen Erfordernissen und Bequemlichkeiten für eine sichere Reise ausgestattet ist, beladen mit Proviant für jeden Einzelnen, vorbereitet für einen Ausflug, für Handel und Erholung, kam sie mir vor wie ein Schiff, ein Flugzeug oder Eisenbahnzug, der alle Seelen (dhiruh)im Lande des Herrn um die Sonne herumfährt und die Erzeugnisse des Sommers, des Frühlings und des Herbstes herbeischafft, allen denen, die ihre Versorgung erheischen.
اَلْحَمْدُ لِلّٰهِ عَلٰى نِعْمَةِ الْاِيمَانِ
{"Lobpreis und Dank sei Allah für die Gnadengabe des Glaubens,}
so viele Male, wie es Atome auf der Erde gibt!" sagte ich da.
So wurde in gleicher Weise auch in der Risale-i Nur mit sehr vielen Gleichnissen bewiesen, dass die Leute der Maßlosigkeit und des Irrweges noch in dieser Welt in einer Art von Hölle für die Seelen ihre Strafe erhalten. Und auch die Leute des Glaubens und der Rechtschaffenheit vermögen, wenn der Glaube aufstrahlt und sich manifestiert, schon in dieser Welt in einer Art von Paradies für die Seelen jene innerlichen, paradiesischen Freuden zu verkosten, die durch den Islam und seine Menschlichkeit erst bekömmlich werden. Und wirklich vermögen sie, je nach dem Grade ihres Glaubens, ihren Nutzen daraus zu ziehen.
Doch in dieser turbulenten Zeit gibt es Strömungen, die eine Art von Betäubung mit sich bringen, alle Empfindungen auslöschen und die Blicke des Menschen in die Weiten schweifen lassen, wo sie sich verlieren und in der Ferne ertrinken. Auch die Leute der Rechtleitung werden von diesen Strömungen überspült, sodass sie die wahren Freuden gar nicht mehr so recht wahrnehmen können.
Der zweite fürchterliche Zustand (hal)in heutiger Zeit:
In alter Zeit waren Irrlehren, die aus einem alles ablehnenden Unglauben und aus den Wissenschaften entsprangen und eine Unbelehrbarkeit, die aus einem sich allem widersetzenden Unglauben erwuchs, verglichen mit heutiger Zeit noch sehr selten anzutreffen. Darum genügte der Unterricht der alten islamischen Gottesgelehrten (muhaqqiq)
und ihre Beweisführung in damaliger Zeit völlig. Glaubenszweifel (kufr-u meshkuk)konnten noch rasch ausgeräumt werden. Da der Glaube an Allah noch allgemein selbstverständlich war, wandten sich die meisten, denen man Allah wieder in Erinnerung gerufen und sie an die Strafen der Hölle gemahnt hatte, von ihren Lastern und von ihrem Irrglauben wieder ab.
Jetzt aber gilt: Fand man in alter Zeit in einem Lande einen einzigen völlig Ungläubigen, so trifft man heute in einer einzigen Stadt schon hundert von ihnen. Im Vergleich zu früher haben sich jetzt diejenigen, die von den Natur- und Geisteswissenschaften in den Irrglauben geführt und sich nun verstockt und unbelehrbar gegen die Glaubenswahrheiten gewandt haben, hundertmal vermehrt.
Da diese Unbelehrbaren und Verstockten in ihrem pharaonengleichen Stolz und in ihrem fürchterlichen Irrglauben den Glaubenswahrheiten widerstreben, ist es sicherlich notwendig, gegen sie eine heilige Wahrheit zum Einsatz zu bringen, die die Grundsätze dieser Leute wie mit der Energie einer Atombombe in Stücke zerschlägt, sodass ihre Angriffe zurückgewiesen werden und ein Teil dieser Menschen dem Glauben zurückgewonnen werden könnte. Gott dem Gerechten sei unendlich Dank, dass Er durch die Risale-i Nur gleich einem unsichtbaren Wunder und Blitzstrahl des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, mit so vielen Gleichnissen wie mit einem vollkommenen Elixier gegen die Wunden unserer Zeit zu heilen und wie mit dem diamantenen Schwerte des Qur'an die Unbelehrbarkeit auch der gefährlichsten unter den Verstocktesten zu zerschlagen vermag. Sie weist mit so vielen Zeugnissen und Beweisen wie es Atome im Weltall gibt, auf die Gegenwart (vahdaniyet)Gottes und die Glaubenswahrheiten hin, dass sie trotz heftigster Angriffe seit fünfundzwanzig Jahren nicht besiegt werden konnte, sondern gesiegt hat und ihren Siegeszug immernoch fortsetzt.
In der Tat beweist die Risale-i Nur dies durch ihre Vergleiche zwischen Glaube und Unglaube und die Gegenüberstellung von Rechtleitung und Irrweg.
Zum Beispiel: Wenn man die Beweise und Schlaglichter aus den beiden Kapiteln (maqam)des Zweiundzwanzigsten Wortes, dem ersten Kapitel (maukif= Haltepunkt) des Zweiunddreißigsten Wortes, dem Kapitel (pendjere= Fenster) des Dreiunddreißigsten Briefes und den "Elf Beweisen" aus dem "Stab Mosis" den übrigen Vergleichen gegenüberstellt und dabei aufmerksam verfährt, dann versteht man: Was in heutiger Zeit den völligen Unglauben, die Uneinsichtigkeit und Verstocktheit der Irrlehrer zu zerbrechen und zu zerschlagen vermag, das ist die Wahrheit des Qur'an, die in der Risale-i Nur Gestalt annimmt.
Wie sich nun aber in dem "Tilsimlar Medjmuasi"die entscheidenden tiefen Wahrheiten (tilsim)des Glaubens und die Geheimnisse der Weltenschöpfung zu einzelnen Abschnitten gesammelt und erklärt finden, so werden auch diejenigen Abschnitte aus dem "Nur",die zeigen, wie die Leute des Irrwegs schon in dieser Welt ihre Höllenstrafe und die Leute der Rechtleitung schon in dieser Welt die Freuden des Paradieses finden und dass der Glaube ein unsichtbares Samenkorn des Paradieses und der Unglaube die Wurzel des Zakkum-Baumes der Hölle ist, kurz zusammengefasst und insha-a'llahin Buchform herausgebracht werden.
Said Nursi
* * *
Über Zeichen aus dem Verborgenen (isharet-i ghaybiye)
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ ٭ وَ اِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei." "Und es gibt kein Ding, da nicht lobend Ihn preist." (Sure 17, 44)}
Meine lieben, getreuen, unbeirrbaren, ausdauernden, opferwilligen Brüder!
Ihr wisst ja, dass die Sachverständigen (ehl-i vukufu)in Ankara (all die vielen) Wunder (keramet)und Zeichen aus dem Verborgenen (isharet-i ghaybiye)rund um die Risale-i Nur nicht leugnen konnten. Sie vermuteten lediglich fälschlicherweise, dass ich selbst daran meinen Anteil gehabt hätte und sagten daher: "Man sollte über diese Dinge nicht in einem Buch schreiben und derartige Wunder nicht auch noch publizieren." Ich habe damals in meiner Verteidigungsrede auf diese milde Kritik folgendermaßen entgegnet:
Sie sind keineswegs mein (Werk); auch würde ich auf diese Wunder (keramet)niemals einen Anspruch erheben. Sie sind vielmehr ein Destilat und Funken der Wunder (mu'djize)des Qur'an, welche durch die Risale-i Nur als deren wahrheitsgemäße Auslegung (tefthir)in ihrem Sinngehalt Gestalt annehmen. Sie sind eine Art Gnadengeschenk (ikramat-i Ilahiye),um die geistigen Kräfte (quvve-i maneviye)ihrer Schüler zu stärken. Was diese Gnadengaben (ikram)betrifft, so ist deren Bekanntgabe unser Dank (shukur)und also erlaubt (djaiz)und akzeptabel (makbul).Und aus einem ganz besonderen Grunde will ich nun hier meine Antwort noch ein wenig erläutern. Denn man hat mich auch gefragt, warum ich denn (diese Dinge) veröffentliche, warum ich denn auf diesem Punkt so sehr beharre und warum ich denn in den letzten Monaten auf dieses Thema derart nachdrücklich eingegangen bin. Denn die meisten Briefe beschäftigen sich doch gerade mit diesen Wundern?
Hier nun meine Antwort:
Obwohl doch in unserer Zeit die (Risale-i Nur)in ihrem Dienst am Glauben (iman)
angesichts Tausender zerstörerischer (Kräfte) hundert Tausender (Leute) bedarf, die (die Dinge) wieder instand setzen, und auch ich selbst wenigstens einige Hundert Schreiber und noch andere Hilfskräfte nötig hätte, und obwohl es doch eigentlich notwendig wäre, dass das Volk und die Leute von der Regierung, statt uns aus dem Wege zu gehen und jede Berührung mit uns zu vermeiden, uns vielmehr bestätigen, uns helfen und uns Mut machen und Kontakt mit uns aufnehmen würden und die Gläubigen (ehl-i iman)doch eigentlich in ihrem Dienst am Glauben (iman)das Ewige Leben (hayat-i baqiye)in Betracht ziehen müssten (vadjib),anstatt sich mit diesem vergänglichen Leben (hayat-i faniye)zu beschäftigen und ihm dessen angenehme Seiten vorzuziehen, möchte ich mich selbst zum Beispiel nehmen und sage daher:
Da meine Gegner mich in allen Dingen zu behindern suchen, Kontakte unterbinden und meine Helfer von mir fern halten und die innere Kraft meiner Freunde mit aller Macht brechen wollen, damit (ihr Interesse) an mir und an der (Risale-i Nur)erkalten solle, und weil man einem alten Mann wie mir, der zudem krank, schwach und hilflos in der Fremde lebt, wo niemand sich um ihn kümmert, Aufgaben, die sonst tausend Mann zu verrichten hätten, aufgebürdet hat, und weil (ein solches Leben) unter dem Druck einer einsamen (Verbannung) ihn geradezu körperlich krank macht, weshalb er sich nun gezwungen sieht, jeglichem Umgang und Kontakt mit den Menschen aus dem Weg zu gehen, und weil er zudem auf diese Weise die Leute dermaßen wirkungsvoll zurückschrecken und ihre innerlichen Kräfte zerbrechen ließ, aus diesem Grunde und ganz außerhalb meines eigenen Willens begann ich nun allen Hindernissen entgegen, um den Schülern der Risale-i Nur einen inneren Halt zu geben und sie so zu stützen und zu stärken, ihnen die Gnadengaben Gottes (ikramat-i Ilahiye)zu erklären und so die inneren Kräfte rund um die Risale-i Nur zu mobilisieren, ihnen zu zeigen, dass die Risale-i Nur ganz von sich aus
und alleine (ohne dazu die Hilfe von anderen zu benötigen) in der Lage ist, ebenso stark zu sein wie ein ganzes Heer und wurde so dazu veranlasst, darüber und dergleichen andere Dinge mehr zu schreiben. Mich (den Leuten) anzubieten, mich selbst zu rühmen, zu loben und zu preisen hieße andernfalls - um Gottes willen! - das Geheimnis der Aufrichtigkeit (ikhlas sirrini),das eine wichtige Grundlage der Risale-i Nur ist, zu zerstören. Möge Gott es so wollen (Insha-allah),dass die Risale-i Nur sich aus sich selbst heraus verbreiten und sich selbst verteidigen wird, und so wie sie ihren wahren Wert gezeigt hat, so wird sie dann gleichsam auch uns verteidigen und uns zu einem Anlass werden, uns unsere Fehlleistungen zu verzeihen.
Mit tausend Segenswünschen und Gebeten (selam ve dua)an jeden meiner Brüder und Schwestern und besonders die Gruppe jener gesegneten, unschuldigen, deren Gebete erhört werden und aus der Gemeinschaft der ehrwürdigen Alten, wünschen wir allen in diesem Monat (Ramazan-i Sherif)Glück und Segen und bitten euch um euer Gebet.
Euer kranker Bruder
Said Nursi
* * *
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Dieser euer unbedeutender Bruder {im Gegensatz zur Bedeutung der Risale-i Nur zu lesen!} erklärt sowohl jener Persönlichkeit, die einmal ein Freund gewesen war, dann aber Einspruch erhoben hatte, als auch dem geneigten Leser und auch euch (Schülern): Aus dem Schatz der wunderbaren Verkündigung (Mu'djiz-ul Beyan)des Qur'an schöpft der Neue Said derart logische und wahrhaftige Beweise für die Glaubenswahrheiten (haqaiq-i imaniye),dass nicht nur die islamischen Gelehrten, sondern auch noch die verbohrtesten europäisch (geschulten) Philosophen sich genötigt sehen, sie anzuerkennen; was sie denn auch tun. Was nun die Zeichen und Hinweise in der wunderbaren Verkündigung (Mu'djiz-ul Beyan)des Qur'an auf der Ebene (verschlüsselter) Anspielungen betrifft, welche die Aufmerksamkeit auf die Risale-i Nur hinlenken, die eines der Wunder des Geistes (mu'djize-i maneviye)in unserer Zeit ist, so handelt es sich hierbei um Zeichen jener wunderbaren Verkündigung (Mu'djiz-ul Beyan)des Qur'an, vergleichbar den Voraussagen von Hazret-i Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, und Ghaus-i Azam, mit dem Gott zufrieden sein möge, über den Wert und die Bedeutung der Risale-i Nur. Und diese verborgene Sprache (lisan-i ghayb)ist sogar eine der Notwendigkeiten einer solchen geradezu wunderbaren Beredsamkeit (des Qur'an).
So wurde mir in der Tat während einer schrecklichen Zeit im Gefängnis zu Eskishehir, wo wir doch so notwendig eines geistlichen (qudsi)Trostes bedurft hätten, eine innerliche Ermahnung zuteil: "Du zitierst die Gottesfreunde (auliya)der alten Zeit als Zeugen für deren Anerkennung der Risale-i Nur.
Doch in Übereinstimmung mit der Ayah
وَ لاَ رَطْبٍ وَ لاَ يَابِسٍ اِلاَّ فِى كِتَابٍ مُبِينٍ
{"Nichts Feuchtes und nichts Trockenes, das nicht in einer deutlichen Schrift (verzeichnet) wäre." (Sure 6, 59)}
und ihrer tiefen Weisheit (sirr)ist es gerade der Qur'an, dem in dieser Angelegenheit in erster Linie das Wort gehört. Hält etwa der Qur'an die Risale-i Nur für akzeptabel? In welcher Weise betrachtet er sie?"
So sah ich mich denn dieser merkwürdigen Frage gegenüber gestellt. Also ersuchte auch ich den Qur'an um Hilfe. Und noch zur gleichen Stunde gewann ich plötzlich den Eindruck, dass einzig die Risale-i Nur eines der Bausteine auf der Ebene hinweisender Bedeutungen von dreiunddreißig Ayat ist, von der Art jener Ebenen, welche sich aus den Einzelheiten ihrer ausdrücklichen Bedeutungen zusammen setzt (und die Gesamtheit ihrer hinweisenden Bedeutungen mit einschließt) und dass es machtvolle Wechselbeziehungen zwischen dem gibt, was sie mit einbeziehen und welches die Mittel ihrer Unterscheidung sind. Einen Teil davon erkannte ich bis zu einem gewissem Grade in allen Einzelheiten und einen anderen Teil lediglich summarisch. So blieb denn vor meinem geistigen Auge kein Zweifel und kein Argwohn (vesvese)mehr, keine (Möglichkeit zu irgendeinem) Irrtum und keinerlei Skepsis. So schrieb denn auch ich diesbezüglich meine feste Überzeugung nieder, in der Absicht, mit Hilfe der Risale-i Nur den Glauben der Gläubigen zu stärken und vertraute dieses Traktat einigen meiner engsten Freunde an, mit der Bedingung, es unter Verschluss (mahrem)zu halten. Und in dieser Abhandlung (risalah)sagen wir auch nicht, dass dies die eindeutige Bedeutung dieser Ayah sei, damit die Hodjas nicht etwa sagen könnten: فِيهِ نَظَرٌ {"In ihm ist der Blick." (d.h. man sollte einmal genauer hinsehen - A.d.Ü.)}
Und wir sagen auch nicht, es sei dies die ganz allgemeine Bedeutung. Vielmehr sagen wir, dass unterhalb der eindeutigen Bedeutung noch viele andere Schichten liegen. Eine dieser Schichten enthält die Andeutungen und die hinweisende Bedeutung. Auch diese nur hinweisende Bedeutung ist ganz allgemeiner Art und umfasst in jedem Jahrhundert ihre ganz bestimmten Einzelheiten. Und auch in diesem Jahrhundert ist die (Risale-i Nur)auf der Ebene allgemeiner spiritueller Hinweise nur ein einzelnes Element. Deutungsversuche, wie sie die Gelehrten seit alten Zeiten unter Zuhilfenahme der Djifr-und Ebdjed-Rechnung unternommen, vielmehr als Beweis dafür verwendet haben, um ein solches einzelnes (Element, wie z.B. die Risale-i Nur) absichtlich in den Blickpunkt rücken zu können, um so zu zeigen, dass dieses Element eine wichtige Aufgabe zu erfüllen hat, mindern nicht (den Wert) der Ayat des Qur'an und (schmälern nicht) deren Eindeutigkeit, sondern dienen vielmehr dazu, aufzuzeigen, wie wunderbar (i'djaz)sie sind und welche Eloquenz (in ihnen verborgen liegt). Man kann derartige Hinweise aus dem Verborgenen (isharat-i ghaybiye)nicht bestreiten. Wer diese unzählbar und grenzenlos vielen Ausdeutungsmöglichkeiten (der Exegeten) solch zahlloser Hinweise im Qur'an nicht leugnen kann, wie sie von Leuten der Wahrheit (ehl-i haqiqat)unternommen werden, sollte sie nicht verleugnen und wird das auch nicht tun.
Wollte jedoch eine gewisse, kritische Persönlichkeit, die es, dermaßen erstaunt und verwundert, für unmöglich hält, dass unter den Händen eines so unbedeutenden Menschen wie ich es bin, ein solch bedeutendes Werk entstehen konnte, einmal darüber nachdenken, welch ein Beweis für die Größe und Allmacht Gottes (azamet ve qudret-i Ilahiye)es ist, wenn aus einem Samenkorn, von einem Weizenkorn angefangen bis zu einem Tannenkern (Pflanzen von Gräsern bis hin zu) Bäumen groß wie Berge erschaffen werden, so müsste er eigentlich sagen, dass die Erscheinung eines solchen Werkes zur Zeit
eines solch dringenden Bedürfnisses (unter den Händen) eines so völlig schwachen und völlig armseligen, wie ich es bin, mit Sicherheit ein Wunder (delil)der unendlichen Barmherzigkeit Gottes (vus'at-i rahmet-i Ilahiye)sein muss. So versichere ich denn euch und allen, die noch widerstreben, bei der Ehre und angesichts der Würde der (Risale-i Nur):
Diese Hinweise, diese zeichenhaften Andeutungen und Anspielungen der Freunde Gottes (auliya)haben mich stets dazu geführt, Lobpreis und Dank (shukur ve hamd)darzubringen und um Vergebung (istighfar)meiner Fehler zu bitten. Ich kann euch anhand (jener Spuren), die zwanzig Jahre meines Lebens gleich Tropfsteinen vor euren Augen zurückgelassen haben, beweisen, dass meine eigenwillige Seele (nefs-i emmare)zu keiner Zeit und noch nicht einmal eine Minute lang jene Selbstsucht und diesen Egoismus (enaniyet ve benlik)entwickelt hat, der die Quelle von Stolz und Hochmut (fakhr u gurur)ist. Nichts desto weniger ist der Mensch keineswegs frei von Fehlern. Und wenn ich mir dessen auch nicht bewusst bin, so habe ich doch viele Fehler. Ja vielleicht habe ich sogar einiges mit meinen eigenen Gedanken vermischt und könnten diese Abhandlungen (risalah)deshalb einige Fehler enthalten. Man sollte aber einen solchen Mann (wie mich) nicht deshalb dermaßen kritisieren, während (der mich hier kritisiert dabei) völlig übersieht, wie die Leute des Irrtums mit Hilfe einer von Menschen gemachten Übersetzung, durch welche sie ihre falschen und verfälschenden Auslegungen verschleiern, die heiligen Buchstaben (hurufat-i qudsiye)des Qur'an durch ihre unzureichenden modernen (lateinischen) Buchstaben ersetzen und so die Ayat in ihrer eindeutigen (Klarheit) trüben, um einen solchen armseligen, (zu Unrecht) unterdrückten Menschen, der, um seine Mitbrüder im Glauben (iman)zu stärken, eine Anmerkung zu einem Wunder (i'djaz)erklärt, in seinem Dienst am Glauben (iman)zu entmutigen, den sicherlich nicht einmal Leute, welche die Wahrheit kennen (ehl-i haqiqat),ja auch solche nicht, die auch nur über ein klein wenig Einsicht verfügen, deswegen kritisieren würden.
Darüber hinaus möchte ich auch noch das folgende hinzufügen: Obwohl doch in dieser unserer Zeit die ansonsten so mächtigen, der Wahrheit (haqiqat)verpflichteten Millionen opferwilliger Gemeinschaften, Gesellschaften und Orden (tariqat= Sufis) durch einen entsetzlichen Angriff der Irregeleiteten nach außen hin eine Niederlage einstecken mussten, kann ein nur halb gebildeter Mann wie ich, einsam und allein und unter ständiger Beobachtung durch die Polizeistation ihm gegenüber, der unter verschiedenen, schrecklichen Arten von Propaganda (leben muss), die jeden (Menschen) vor ihm zurückschrecken lassen, gar nicht Anspruch auf die Risale-i Nur erheben, die doch allen anderen Bewegungen voraus ist und ihnen in weit stärkerem Maße stand gehalten hat; sie kann gar nicht ein Werk sein, das aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten entstand und auf das er stolz (iftikhar)sein dürfte. Sie wurde ihm vielmehr unmittelbar als Geschenk (ihsan)der Göttlichen Barmherzigkeit (rahmet-i Ilahiye)des Allweisen Qur'an (Qur'an-i Hakiem)in unserer Zeit als eine Art innerliches Wunder (mu'djize-i manevi)anvertraut. Dieser Mann hat lediglich mit Tausenden seiner Gefährten seine Hände nach diesem Geschenk des Qur'an ausgestreckt. Und er war es, dem, wie auch immer, die Aufgabe zufiel, ihr erster Interpret zu sein. Ein Beweis dafür, dass die Risale-i Nur nicht das Werk seiner Intelligenz (fikr),seiner Bildung (ilm)oder seines besonderen Scharfsinns (zeka)sein kann, (ist der Umstand), dass einzelne ihrer Teile Abhandlungen (risalah)sind, die in sechs Stunden, andere, die in zwei Stunden, wieder andere in einer Stunde und solche, die sogar in nur zehn Minuten niedergeschrieben worden sind. Und ich versichere sogar an Eides statt, dass selbst alle gemeinsamen Anstrengungen der Gedächtnisleistungen (hafidha)des Alten Said, mit dem Gott zufrieden sein möge {(*): Eine kleine Anmerkung hierzu: Einige Schreiber haben hinter dem Namen dieses armseligen Said den Satz hinzu gefügt: "Möge Gott mit ihm zufrieden sein (radiallahu anhu)!", was als ein Gebet (dua) gemeint war. Als ich das jedoch löschen wollte, erinnerte ich mich wieder, dass es sich ja dabei um eine Bitte um Gottes Wohlgefallen handele und habe mich deshalb nicht weiter eingemischt und diesen Zusatz deswegen auch nicht gelöscht.} und meiner
eigenen Gedanken (fikr)nicht imstande gewesen wären, eine Arbeit von nur zehn Minuten selbst in zehn Stunden zu bewerkstelligen.
Auch könnte ich eine Risalah, die mir in nur einer Stunde (zur Niederschrift eingegeben wurde), trotz aller Begabung und Überlegung nicht zustande bringen. Auch das "Dreißigste Wort", eine Risalah, die mir an einem einzigen Tag in nur sechs Stunden (zur Niederschrift eingegeben wurde), könnte weder ich noch könnten selbst die scharfsinnigsten Religionsphilosophen diese auch nicht in sechs Tagen erforschen. Und so weiter...
Das aber heißt, dass ich, obwohl wir ja doch eigentlich Bankrotteure sind, wir dennoch Herold und Diener im Laden eines ganz besonders reichen Juwelenbesitzers sind. Möge daher Gott der Gerechte (Djenab-i Haqq)in Seiner Gnade und Großmut (fadl-u kerem)uns und allen Schülern der Risale-i Nur durch Reinheit und Beharrlichkeit in seinem Dienst stets gewähren, erfolgreich zu sein. Amin in Verehrung des Herrn der Gesandten (Amin bilhurmeti Seyyid-il Murselien).
Said Nursi
Neunundzwanzigster Blitz
Zweites Kapitel
بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ
{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}
Dieses Zweite Kapitel handelt von "Elhamdulillah".
Diese kurze Abhandlung (risalah),"Das Zweite Kapitel" genannt, das die Menschen den Ruf: "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"auszusprechen lehrt, enthält nur neun von zahllos vielen Nutzanwendungen und Lichtern (Nur)des Glaubens (iman).
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen."}
Erster Punkt:
Hierbei soll zunächst einmal an zwei Dinge erinnert werden:
1- Die (westliche) Philosophie ist eine düstere Brille, die alle Dinge hässlich und Furcht erregend aussehen lässt. Was aber den Glauben (iman)betrifft, so ist er dagegen eine Brille mit kristallklaren, durchsichtigen, lichtstarken Gläsern, die alle Dinge in schönstem, vertrauten (Lichte) zeigt.
2- Der Mensch ist von Natur (khilqat)aus (ein Wesen), das mit allem Sein (makhluqat)verbunden ist und dabei notwendiger Weise, einem Würfel vergleichbar, allen Dingen nach sechs Seiten hin, also nach rechts und nach links, nach vorne und nach hinten, nach oben und nach unten, und zwar in Worten und Gedanken begegnet und
(in ständigem) Geben und Nehmen gut nachbarlich mit ihnen verkehrt.
Je nachdem, ob der Mensch nun die eine oder die andere Brille auf hat, kann er die (verschiedenen Aspekte) des Seins (makhluqat),die Geschöpfe und diversen Umstände entsprechend den oben erwähnten (sechs) Seiten betrachten.
Die rechte Seite:
Mit dieser rechten Seite ist die Vergangenheit gemeint. Betrachtet man die rechte Seite durch die Brille der (westlichen) Philosophie, erscheint das Land der Vergangenheit so, als sei der Weltuntergang über es hereingebrochen, das Unterste zu Oberst gekehrt worden und alles erinnert an einen großen, finsteren, Furcht erregenden Friedhof. Da bleibt dann kein Zweifel mehr, dass der Mensch durch diese Sichtweise in ein ganz großes Entsetzen, Furcht und Verzweiflung gestürzt wird.
Betrachtet man aber diese Seite durch die Brille des Glaubens und erkennt, dass in diesem Land in der Tat das Unterste zu Oberst gekehrt wurde, jedoch das Leben erhalten geblieben ist. So wird denn verständlich, dass alle Fährleute, die Mannschaften und die Einwohner (von hier in eine andere), in eine schönere, lichtvollere Welt hinüber (gerettet) worden sind. Und man könnte sich nun vorstellen, dass die Gräber (in denen die Toten ruhen) und der ausgeschachtete Raum (dem man die zur Bestattung benötigte Erde entnommen hatte, in Wirklichkeit) Tunnel wären, die gewissermaßen unterirdisch in eine lichtvolle Welt hinüberführen. Das aber heißt, dass die Freude und aller Frohsinn, die innere Zufriedenheit und Zuversicht (inshirah),welche der Glaube (iman)dem Menschen schenkt, eine Gnade von Gott (ni'met)ist, die ihn Tausende Male "Dank sei Gott (Elhamdulillah)"sagen lässt.
Die linke Seite:
Damit ist jene Seite gemeint, die der Zukunft zugewandt ist. Betrachtet man sie durch die Brille
der (westlichen) Philosophie, so erscheint sie uns in der Gestalt eines finsteren, Grauen erregenden, großen Grabes, worin wir verwesen und zerfallen werden, Schlangen und Skorpionen zum Fraß.
Betrachtet man sie dagegen durch die Brille des Glaubens (iman),so zeigt sie sich uns gleichsam in der Gestalt eines gedeckten Tisches (maide),einer Tafel Seiner Barmherzigkeit (sofra-i Rahman),auf der Gott der Gerechte, der allbarmherzige Schöpfer in Seinem Erbarmen (Djenab-i Haqq'in Khaliq-i Rahman-i Rahiem)die verschiedensten, wohlriechenden köstlichen Speisen und erlesenen Getränke bereit gestellt hat. Das lässt ihn Tausende Male stets wieder "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!",ausrufen.
Die obere Seite:
Das ist die den Himmeln (semavat)zugewandte Seite. Wenn diese jemand mit Hilfe der (westlichen) Philosophie betrachtet, so überfällt ihn dabei vor dieser unendlichen Leere, den Milliarden von Sternen und Sternenwelten, Rennpferden gleich oder Soldaten, die ins Manöver ziehen und dabei mit Höchstgeschwindigkeit die verschiedensten Bewegungen ausführen, ein furchtbarer Schrecken, Furcht und Angst.
Betrachtet sie jedoch ein gläubiger Mensch, so sieht er, wie diese fremdartigen, merkwürdigen Manöver unter Aufsicht und auf Befehl eines Kommandanten abgehalten werden. Er erblickt diese himmlischen Welten in ihrem Schmuck und die Sterne in der Gestalt Licht spendender Leuchter und er empfindet gegenüber den dahin galoppierenden Pferden nicht Furcht und Schrecken, sondern Vertrautheit und Liebe (muhabbet).Wenn sie so die himmlischen Welten erleuchten (tasvir),so ist es sicherlich ein Weniges, für die Gnade des Glaubens (iman nimetin)Tausende Male "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"zu sagen.
Die untere Seite:
Das ist die Seite, welche die Erde zu unseren Füßen darstellt. Betrachtet man sie mit den Augen der (westlichen) Philosophie, so sieht man eine Erde, die wie ein Tier, herrenlos, ziellos und ungezügelt um die Sonne herum galoppiert, oder als ein Boot, das
bereits leck geschlagen, ohne seinen Kapitän (führerlos und steuerlos dahintreibt) und verfällt (bei diesem Anblick) in Furcht und gerät in Panik. Betrachtet man sie jedoch im Glauben (iman),so wird die Erde für ihn zu einem Schiff des Allbarmherzigen (Rahman),das unter Gottes Kommando mit allen notwendigen Speisen und Getränken und mit Kleidung versehen wurde; und er sieht, wie auf ihr die Menschheit wie auf einem Dampfer eine Vergnügungsreise um die Sonne unternimmt. So beginnt er denn für dieses große Gnadengeschenk (ni'met)ein ganz großes "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"anzustimmen, das aus seinem Glauben (iman)erwächst.
Die Vorderseite:
Wenn ein in (westlicher) Philosophie geschulter Mensch diese Seite betrachtet, so sieht er, das alle Geschöpfe Gottes, seien sie nun Menschen oder seien sie Tiere, mit großer Geschwindigkeit, in Scharen nach dieser Seite dahinscheiden und untergehen. Das heißt, sie gehen ins Nichts und hören auf zu sein. (Der Mensch), der weiß, dass auch er ein Wanderer auf diesem Wege ist, verliert über diesem unglückseligen Zustand beinahe noch den Verstand.
Für den Gläubigen jedoch, der mit den Augen des Glaubens (iman)schaut, sind die Menschen, die in diese Richtung gehen, keine Reisenden in die Welt des Nichts, sondern gleichen den Nomaden, die mit ihrer Herde von Weide zu Weide auf der Wanderschaft sind und ziehen von dieser vorübergehenden Bleibe zu einer beständigen (baqi)Lagerstätte und von den Almen ihres Dienstes und ihrer Arbeit zu ihrem Lohnbüro, aus dem Reich der Fron und der Mühen in das Reich ihres Lohnes (rahmet);das heißt, sie ziehen nicht hinüber in eine Welt des Nichts, sondern wandern glücklich und zufrieden in diese Richtung.
Alle Nöte, denen sie auf ihrem Wege begegnen, wie der Tod und das Grab, sind in Anbetracht des Zieles (dem sie entgegenziehen, eine Quelle Ewiger) Glückseligkeit. Denn der Weg, der sie zu diesen lichtvollen (nurani)Welten leitet,
führt sie durch das Grab hindurch und das größte Glück steht als Ziel und Ergebnis (am Ende) bitterer Katastrophen. So erlangte z.B. Joseph (Hazret-i Yusuf)nur dadurch schließlich das Glück, Großwesir von Ägypten zu werden, dass ihn seine Brüder zunächst in eine Zisterne warfen, wonach dann später Zuleyha ihn verleumdete und so dafür sorgte, dass er ins Gefängnis geworfen wurde. In ähnlicher Weise wird einem Kind das aus dem Schoß seiner Mutter in diese Welt kommt, nur unter dem Druck und den Strapazen am Ende schließlich das Glück in dieser Welt zuteil, die es, wie allgemein bekannt, gleichsam durch einen Tunnel hindurch und hinaus pressen.
Die Rückseite:
Wer die Zurückgebliebenen (nach dieser Seite hin) mit den Augen der (westlichen) Philosophie betrachtet, kann auf dieFrage:"Mein Gott (Yahu),woher kommen sie denn alle und wohin gehen sie denn nur und warum eigentlich sind sie in das Land (memleket)dieser Welt gekommen?", keine Antwort finden; und so verharrt er natürlich verwundert und ratlos in (einem Zustand beständiger) Qual.
Wer sie jedoch im Lichte und durch die Brille des Glaubens (nur-u iman)betrachtet, der versteht, dass die Menschen hier nur Beobachter sind, die der Urewige König (Sultan-i Ezelie)gesandt hat, um die einzigartigen, Staunen erregenden, Wunderwerke der Allmacht (qudret)Gottes, die gleichsam wie in einem kosmischen Museum ausgestellt sind, zu besichtigen. Und so verstehen sie denn, dass sie, nachdem sie, entsprechend den Kenntnissen, die sie sich über Wert und Größe dieser Wunderwerke erworben hatten und über den Grad, in welchem sie auf die Größe des Urewigen Königs (Sultan-i Ezelie azametine)verweisen, ihr Zeugnis und Zertifikat erhalten haben, wieder in das Reich des Urewigen Königs (Sultan-i Ezelie)zurück kehren werden. Und dieses Geschenk (ni'met)des Glaubens (iman),dass sie die Gnade (ni'met)des Verstehens erlangen lässt, (bewegt sie dazu), "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"auszurufen.
Anmerkung:
Da nun aber der Dank (hamd),den wir darbringen, wenn wir für die Gnade des Glaubens (iman nimetine),der die oben erwähnten Schleier der Finsternis lichtet, "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"sagen, gleichfalls wieder eine Gnade Gottes ist, für die wir danken sollten. Und der Dank für diesen zweiten Dank ist ein dritter und für diesen ein vierter Dank! وَهَلُّمَ جَرًّا {"Und so weiter!"}
Das aber heißt: Geboren aus einem ersten (ursprünglichen) Dank (hamd-i vahid)entsteht eine aus unendlich vielen Danksagungen bestehende endlose Kette von Danksagungen (silsile-i hamdiye).
Zweiter Punkt:
Auch für die Gnade Gottes (iman nimetine),welche diese sechs Aspekte erleuchtet (tenvir),muss man "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"sagen. Denn gerade dadurch, dass der Glaube die Dunkelheit der sechs Aspekte vertreibt, mag er als die große Gnade betrachtet werden, die das Übel abwendet und in gleicher Weise, wie er natürlich diese sechs Aspekte erleuchtet, könnte er auch als die zweite Gnade betrachtet werden, welche alles Gute zu sich heranzieht.
So wie also der Mensch von Natur (fitri)aus ein zivilisiertes Wesen ist, so ist er auch mit allem Sein (makhluqat)in den sechs Aspekten verbunden und hat er durch die Gnade des Glaubens die Möglichkeit, aus diesen sechs Aspekten seinen Nutzen zu ziehen.
Dementsprechend findet der Mensch, nach der tiefen Weisheit (sirr)der ehrenwerten Ayah
فَأَيْنَمَا تُوَلُّوا فَثَمَّ وَ جْهُ اللّٰهِ
{"Wohin auch immer du dich wenden magst, dort findest du das Antlitz Gottes." (Sure 2, 115)}
in jedem beliebigen Aspekt Erleuchtung (tenauvir),gleich welchen dieser sechs Aspekte er auch wählen mag. Ja, für den gläubigen Menschen erstrecken sich die Spanne
seines Lebens und seine Vorstellungen (manevi),die er davon hat sogar vom Anbeginn der Welt (dunya)bis an ihr Ende. Und die Ideen (manevi)des Menschen über diese Spanne seines Lebens empfangen ihre Hilfe und ihre Unterstützung aus einem Licht über seinem Leben (hayat)von dessen Urbeginn bis in Ewigkeit. Auf diese Weise verwandeln sich die knapp bemessene Zeit und der eng begrenzte Raum des Menschen im Glauben, der diese sechs Aspekte erleuchtet, in eine weit ausgedehnte und erholsame Welt (alem).Diese große, weite Welt wird gleichsam des Menschen Haus und ebenso die vergangene und die zukünftige Zeit für Herz (qalb)und Verstand (ruh)des Menschen ein zeitloser Zustand (zamani hal).Der Abstand zwischen beiden ist aufgehoben.
Dritter Punkt:
Da Glaube (iman)nun einmal der Punkte bedarf, auf die er sich stützen und an die er sich halten kann, ist es auch notwendig, "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"zu sagen.
Das Menschengeschlecht ist aufgrund seiner Schwachheit (adjz)und der Vielzahl seiner Feinde in der Tat auf einen Stützpunkt (nokta-i istinad)angewiesen, an den es sich halten kann und einen Fluchtpunkt, von dem aus es seine Feinde vertreiben kann. Desgleichen braucht es aufgrund der Vielzahl seiner Nöte (kethret-i hadjat)und der extremen Armut (shiddet-i fakr)einen Hilfspunkt (nokta-i istimdad),von dem aus es eine Hilfe erwarten kann, durch deren Unterstützung es seine Bedürfnisse decken kann.
Oh Mensch! Dein einziger und alleiniger Stützpunkt (nokta-i istinad)ist der Glaube an Gott. Und was den Ruhepunkt (nokta-i istimdad)deiner Seele (ruh)und für dein Gewissen (vidjdan)betrifft, so ist dies allein der Glaube an das Jenseits (akhirah).Herz (qalb)und Verstand (ruh),insofern sie nichts von diesen beiden Punkten wissen, stürzen deshalb in Furcht und Verzweiflung, ständig durch ihr Gewissen gequält. Der Mensch jedoch, der Hilfe von seinem ersten Punkt und eine Stütze von seinem zweiten Punkt empfängt, verspürt in seinem Herzen (qalb)und in seiner Seele (ruh)sehr viel Freude, Wohlgeschmack und Vertrautheit, sodass er sich
sowohl getröstet fühlt, als auch in seiner Seele (vidjdan)zufrieden (mutma'in)gestellt ist.
Vierter Punkt:
Das Licht des Glaubens lässt die Schmerzen, die aufkommen, wenn die erlaubten Genüsse dem Untergang entgegen gehen, (die Schmerzen jedoch) wieder entschwinden, wenn sich (im Glauben) zeigt, dass es noch andere, ähnliche (Genüsse) gibt, die kommen werden. Wenn also diese Gnadengaben (nimetler)fortbestehen und nicht entschwinden werden, so schenkt dies (dem gläubigen Menschen) seine innere Sicherheit, indem es ihm zeigt, was die Quelle dieser Gnadengaben ist.
So heilt es denn die Trennung und den Schmerz über das Dahinscheiden, indem es die Freude über gleichwertige Begegnungen aufscheinen lässt. Denn so wie der Gedanke an die Vergänglichkeit einer einzigen Freude sehr viele Schmerzen hervorruft, so verweist der Glaube (iman)auf vergleichbare Freuden und hebt dadurch die Schmerzen wieder auf. So liegen in jedem Geschehnis weitere Freuden durch die Erneuerung der Freuden. Wo es nur mehr eine einzige Frucht, aber keinen Baum mehr gibt, da beschränkt sich in der Tat die Freude (des Menschen) auf diese letzte Frucht und endet, sobald er sie gegessen hat; und dieses Ende ihres Bestehens ist der Grund seines Kummers. Wo (der Mensch) jedoch weiß, dass es diesen Baum, von dem die Frucht (stammt, noch gibt), da schmerzt (der Verzehr und damit) das Ende der Frucht nicht, denn es wird wieder neue (Früchte von diesem Baum) geben.
Zu gleicher Zeit ist schon dieses Heranreifen (neuer Früchte) in sich selbst ein Genuss! Denn was die Seele (ruh)des Menschen am meisten bedrückt, sind die Schmerzen, die aus einer Trennung erwachsen. Im Gegensatz dazu stillt das Licht des Glaubens diese Schmerzen durch die Hoffnung auf das Heranreifen neuer (Früchte) und auf die Wiederholung in einer ähnlichen Begegnung.
Fünfter Punkt:
Diejenigen Dinge innerhalb der Schöpfung (maudjudat),von denen der Mensch annimmt, dass sie ihm feindlich und fremd seien und die er sich als leblos und verloren wie Waisenkinder oder tot vorstellt, zeigen sich ihm im Lichte des Glaubens wie Freunde und Brüder und erscheinen ihm statt dessen voller Leben, in der Gestalt (von Wesen), die Gott loben, preisen und Ihm danken (tesbih).Denn die Menschen in der Gottvergessenheit (ghaflah)betrachten die Dinge (maudjudat)dieser Welt (alem)als feindlich und gefährlich und fürchten sich vor ihnen. Er betrachtet die Dinge so als wären sie ihm fremd. Denn mit den Augen der Irregeleiteten (dalalet)betrachtet gibt es zwischen den Dingen der Vergangenheit und denen der Zukunft keine Bande (rabita)der Freundschaft und keine Bindungen unter Brüdern. Es gibt nur in der Gegenwart unter ihnen ein paar kurze, flüchtige Berührungen. Demzufolge gleicht die "Brüderlichkeit", welche die Leute des Irrweges (ehl-i dalalet)einander erweisen, (in ihrer Art und Weise, die Dinge zu sehen) einer Minute in (einer Zeitspanne) von Tausenden von Jahren.
Ebenso erscheinen, mit den Augen des Glaubens betrachtet, auch alle Himmelskörper wie lebende, miteinander vertraute Wesen. Und jeder dieser Körper zeigt sich (wie ein Himmelswesen), das seinen Schöpfer (Khaliq)ohne Worte (lisan-i hal)lobt und preist und Ihm dankt (tesbihat).In dieser Hinsicht sind alle Himmelskörper wie eine Art Lebewesen einander seelenverwandt (ruh).Betrachtet man sie auf diese Weise mit den Augen des Glaubens, so findet sich in diesen Himmelskörpern nicht Furcht noch Schrecken. Es gibt nur Vertrautheit und Liebe (muhabbet).
Die Irregeleiteten (dalalet)aber stellen sich nach ihrer Sichtweise die Menschen als völlig machtlos (adjiz)vor, nicht imstande, ihre Bedürfnisse zu befriedigen, ohne einen Herrn und Beschützer, wie Waisenkinder, die ob ihrer Schwäche (adjz)traurig und kummervoll weinen. Was aber die
Sichtweise des Glaubens betrifft, so sind die lebenden Wesen (makhluqat)keineswegs nur weinende Waisenkinder, sondern Beamte, betraut mit einer (verantwortungsvollen) Aufgabe und beauftragt (muvazzaf),Gottes zu gedenken (dhakir)und Ihm in Lobpreis (tesbihhan)und Dankgebet (ibad)zu dienen.
Sechster Punkt:
Das Licht des Glaubens schildert (tasvir)uns die Welten im Diesseits (dunya)und im Jenseits (ahiret)als zwei Tafeln (sofra),mit den verschiedensten Gastgeschenken (nimetler)gedeckt, von denen sich der Gläubige (mu'min)durch die Hand seines Glaubens (iman),mit Hilfe seiner (fünf) äußeren und (fünf) inneren Sinnesorgane (z.B. Herz und Verstand) und seiner subtilen Fähigkeiten (letaif),wie Seele und Geist also von diesen Tischen bedienen kann. Was aber die Sichtweise der Irregeleiteten (dalalet)betrifft, so schrumpft das Umfeld, von dem die Lebewesen ihren Nutzen ziehen können und beschränkt sich auf die rein materiellen Genüsse. {Also das, was man mit den äußeren Sinnesorganen wahrnehmen kann} Betrachtet man jedoch (die Dinge) mit den Augen des Glaubens (iman),so erweitert sich sein Umfeld und umfasst schließlich die Himmel und die Erde (semavat ve arzi).Für einen Gläubigen (mu'min)gleicht die Sonne in der Tat einer Druckluftlampe, die unter dem Dach seines Hauses hängt, und der Mond einem Öllämpchen für die Nacht. In dieser Weise werden Sonne und Mond für ihn zu Gnadengaben (ni'met).Insofern wird für einen gläubigen Menschen das Umfeld, aus dem er seinen Nutzen ziehen kann, (als ein Geschenk der Gnade Gottes selbst noch) größer und weiter als die Himmel.
Der Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder (Qur'an-i Mu'djiz-ul Beyan)ist, verweist in der sprachlichen Schönheit (belaghat)der Ayat
وَ سَخَّرَ لَكُمُ الشَّمْسَ وَ الْقَمَرَ ٭ وَ سَخَّرَ لَكُمْ مَا فِى الْبَرِّ وَ الْبَحْرِ
{"...und Er hat die Sonne und den Mond in euren Dienst gestellt." (Sure 14, 33) "...und Er hat in euren Dienst gestellt, was auf dem Lande und im Meer ist." (Sure 22, 65)}
auf diese wundervollen Gnadengaben (in'am),die dem Menschen im Glauben (iman)gegeben werden.
Siebenter Punkt:
Im Lichte des Glaubens (Nur-u iman)lässt sich erkennen: Das Sein Gottes ist eine solch große Gnade (ni'met)über allen anderen Gnadengaben (nimetler),dass sie eine Quelle, die unendlich viele Gnadengaben und einen Brunnen, der ungezählte, verschiedene Sorten von Geschenken und zahllose andere Arten kleiner Aufmerksamkeiten in sich enthält. Es ist daher geradezu eine Verpflichtung, für diese Gnade des Glaubens so viele Male Lob und Preis (hamd u sena)darzubringen, wie es Atome in der Welt (alem)gibt. Auf einen Teil von ihnen wird in den verschiedenen Kapiteln der Risale-i Nur hingewiesen. Außerdem heben einzelne Abschnitte der Risale-i Nur, die den Glauben an Gott behandeln, den Schleier über diesen Gnadengaben (ni'met)und weisen auf sie hin. Eine dieser Gnadengaben (ni'met),für die wir uns mit all der Dankbarkeit (hamd),die der Ausruf الْحَمْدُ لِلّٰهِ {"Dank sei Gott!"} in sich enthält, dankbar erweisen sollten, ist die Gnade der göttlichen Barmherzigkeit (rahmaniyet),auf die das لِ "l" (lam-i istighraq){dieses لِ "li" in لِلّٰهِ "lillah" weist auf اللّٰهْ Allah hin.} hinweist.
Tatsächlich enthält die göttliche Barmherzigkeit (rahmaniyet)zahllos viele Gnaden (ni'met),entsprechend der Zahl der Lebewesen, die in den Genuss der göttlichen Barmherzigkeit (rahmet)gelangen. Denn ganz besonders der Mensch ist mit allen lebenden Wesen verbunden.
Auf diese Weise ist der Mensch froh mit der Freude der Tiere und traurig über ihren Schmerz. Weil dies aber so ist, ist eine jede Gnade (ni'met),die irgendeinem einzelnen Menschen zuteil wird, zugleich auch eine Gnade für alle seine Freunde. Und weiter ist da die göttliche Barmherzigkeit (rahimiyet),welche, entsprechend der Anzahl der Kinder, die mit der Liebe (shefqat)ihrer Mütter begnadet sind, ebenso viele Gnadengaben in sich enthält und daher mit Recht allen Dank und jedes Lob verdient.
Tatsächlich wird ein Mensch mit Herz (vidjdan),der ein mutterloses Kind, das weint, bedauert und bemitleidet, sich bestimmt über die Liebe (shefqat)der Mütter zu ihren Kindern freuen, davon beeindruckt und zufrieden sein. So sind denn derartige Freuden eine Gnade (ni'met)Gottes und erfordern ihren Lobpreis und Dank (hamd ve shukur).
Und weiter ist eines (von den Gnadengaben, auf die das لِ "li"hinweist), die Göttliche Weisheit (hakimiyet),die gleichfalls so viel Lob und Dank (hamd ve shukur)erheischt, wie es in allen Gattungen einzelne Exemplare gibt, mit denen der ganze Kosmos in Weisheit (hikmet)ausgestattet ist. Denn genau so wie die Seele (nefs)des Menschen mit der Erscheinung des Göttlichen Erbarmens (rahmaniyet)und sein Herz (qalb)mit der Sichtbarwerdung der Göttlichen Barmherzigkeit (rahimiyet)begnadet ist, so genießt auch der Verstand (aqil)des Menschen alle Subtilitäten der Göttlichen Weisheit (hakimiyet)und erfreut sich an ihr. So erfordert denn in dieser Hinsicht all das Lobpreis und Dank (hamd ve sena),indem (der Mensch) von ganzem Herzen dafür "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!"sagt.
Und weiter ist es die Gnade (ni'met)der Bewahrung (hafidhiyet)aller guten Werke für die wir unseren Dank schulden, so oft wie uns unter den schönen Namen Gottes (esma-i husna)der Name "Erbe (varith)"erscheint, entsprechend der Anzahl der Sprösslinge, die nach dem Vergehen der Frucht (der sie) gleich ihren Vorvätern entstammen, entsprechend der Anzahl aller Wesen in der jenseitigen Welt (alem-i ahiret)und entsprechend der
Anzahl der guten Werke eines Menschen, die für seine Belohnung im Jenseits aufbewahrt werden, mit einem so großen "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!",das unsere Stimme den ganzen Himmel erfüllt, Dank sagen zu können. Denn ein Geschenk, das sich fortsetzt, ist noch kostbarer als ein Geschenk in sich selbst. Eine Freude, die beständig ist, ist noch erfreulicher als die Freude in sich selbst. Ständig im Paradies zu sein, steht noch über dem Paradies selbst, usw...
Deswegen sind die Gnadengaben (ni'met),die Gott der Gerechte in Seiner Eigenschaft als der Bewahrer (Djenab-i Haqq'in hafidhiyeti)in sich umfasst, zahlreicher als alle Gnadengaben, die es im ganzen Universum gibt, und ihnen allen überlegen. Deshalb erfordern sie auch ein "Dank sei Gott (Elhamdulillah)!",das die ganze Welt (dunya)erfüllt.
Du kannst nun die übrig gebliebenen schönen Namen Gottes (esma-i husna)mit den vier bereits erwähnten vergleichen. Und da sich in jedem Namen unendlich viele Gnadengaben (ni'met)finden, muss man dafür auch unendlichen Lobpreis und Dank (hamd, shukur)darbringen.
Und weiter ist auch Hasret Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, und der uns die Gnade des Glaubens (ni'met-i iman)vermittelt, welche der Schlüssel zur Schatzkammer aller Gnadengaben (ni'met)ist, ein solches Gnadengeschenk (ni'met),dass das ganze Menschengeschlecht in Ewigkeit (ilel'ebed)verpflichtet ist, dieser Persönlichkeit Lob und Dank (medh u sena)entgegenzubringen.
Und weiter verdienen die Gnadengaben der Islamiyet und des Qur'an, die Quelle und Inhaltsverzeichnis aller Arten Gnadengaben, der materiellen wie der spirituellen (manevi)sind, mit Recht unseren grenzenlosen Dank (hamdler).
Achter Punkt:
Dank sei nun Ihm, dem Gott gesagt, den, entsprechend der Verkündigung des ruhm- und preisenswürdigen Qur'an (Qur'an-i Adhimush'shan),welcher der Kommentar zu dem Großen Buch (Kitab-i Kebir)ist,
in dem das Weltall seinen Ausdruck gefunden hat, und in dem ein jedes Kapitel, jeder Abschnitt, jede Seite, jede Zeile, jedes Wort und jeder Buchstabe den Allheiligen Herrn (Dhat-i Aqdes)offenbaren, dessen Eigenschaften Schönheit und Vollkommenheit (Djemal ve Kemal)ist; Ihm sei Lobpreis und Dank (hamd u sena)gesagt!
Dies geschieht folgendermaßen: In jenem Großen Buch (kitab-i kebir)lobt und preist ein jedes Ornament, sei es nun klein oder groß (jedes in seiner Art) die majestätischen (Djelal)Eigenschaften seines Designers (nakkash)des Einen und Einzigartigen (Vahid ve Samad)und macht sie vor allen offenbar.
Und weiter preist alles und ein jedes, was in diesem Buch geschrieben steht, Ihn, der die Eigenschaften Seiner ganzen Schönheit (djemal)offenbart, Ihn, den Barmherzigen, den Allerbarmer (Rahman ve Rahiem).
Und weiter loben all die Inschriften, Punkte und Ornamente, indem sie die Erscheinungen und Manifestationen der schönen Namen (esma-i husna)dieses Buches widerspiegeln und reflektieren, den Allheiligen Herrn (Dhat-i Aqdes),sie heiligen und sie ehren Ihn.
Und weiter lobt und preist eine jede Ode, eine jede Kasside in diesem Buch ihren Dichter, den Allmächtigen, den Allwissenden (Qadir, Aliem).
Neunter Punkt: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
{(*): Ich habe nicht den Schlüssel, um diese Chiffren enträtseln zu können. Darüber hinaus kann ein Mensch in der Fastenzeit weder diese Chiffren entziffern noch deren Bedeutung enträtseln. Entschuldigt also bitte, wenn ich nur dieses Wenige (aus dem Arabischen) übersetzen konnte, und auch das nur mit der moralischen Unterstützung seines Autors, den Segen der Nacht der Bestimmung (leyle-i qadr) und Dank der Nachbarschaft zu Maulana (Djelalu-d'Din Rumi).
Der Übersetzer
Abdulmedjid Nursi}
اَلْحَمْدُ مِنَ اللّٰهِ بِاللّٰهِ عَلَى اللّٰهِ لِلّٰهِ
Said Nursi
* * *
اَدَّاعِى
"Bittgebet"
{(*): Diese Zeile darf als Unterschrift am Ende seines Lebens gelten.}
Zerstört (und geschändet) selbst noch das Grab (meiner Ideale), in dem aufgehäuft liegen Neunundsiebzig
{(*): Gemeint sind zum einen die neunundsiebzig Jahre seines Lebens, die bereits hinter ihm liegen und die Said im entschwinden seiner Ideale als tot und begraben betrachtet. Zum zweiten sieht Said seinen Tod im Jahre 1379 (hidjri) voraus.}
Leiber des toten Said mit all seinen Sünden und Leiden.
Ein achtzigster zu Stein geworden an seinem Grab. Und alle weinen sie über den Niedergang der Islamischen Welt.
{(*): Hier sieht Said den zukünftigen Zustand der islamischen Welt voraus.}
Mit meinem Grabstein weinen viele Tote an meinem Grab. Und ich bin unterwegs auf meinem letzten Gang zum morgigen Tag im jenseitigen Land.
Doch habe ich die Gewissheit, dass der Himmel über der Zukunft und Asien zu Füßen die Erde
Werden gemeinsam ihre Zuflucht nehmen (teslim)in die weißen Hände
{Eine Anspielung auf das Wunder (keramet), das Moses vor dem Pharao gewirkt hat, um von ihm die Erlaubnis zu erwirken, sein Volk aus der Knechtschaft Ägyptens herauszuführen in das Land, indem Milch und Honig fließt. (A.d.Ü.)}
des Islam
Denn es ist die Wohlfahrt und Sicherheit im Glauben,
die Frieden und Geborgenheit (emni eman)verleiht allen Geschöpfen.
* * *
Buchgebet
بِسْمِ اللّٰهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ
يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ
{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}
Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.
Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...