Risale-i Nur · Deutsch

Wegweiser für die Jugend

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Aus dem Risale-i Nur Gesamtwerk

Wegweiser für die Jugend

Kommentare zum Qur'an

von

Bediüzzaman Said Nursi

Said Nursi (1877-1960)

...erhielt vom Scheichu-l'Islam den Ehrentitel Bediüzzaman (sprich: Bedius-Saman), welcher besagt, dass er zu seiner Zeit seinesgleichen nicht hatte.

...Zeigte schon als Knabe erstaunliches, wissenschaftliches Interesse und lernte viele Bücher auswendig. Versuchte dem Niedergang der Türkei durch Besinnung auf die Werte des Islam entgegen zu wirken.

...Schrieb 130 Abhandlungen über den Qur'an, welche in viele Sprachen übersetzt wurde.

...Lehrte entsprechend dem islamischen Glauben, dass die Schöpfung selbst stets aufs Beste über ihren Schöpfer unterrichtet und somit sogar moderne Wissenschaften Kunde geben von Gott.

Titel der Originalausgabe:

Gençlik Rehberi

Übersetzt von:

Davut Korkmaz

Piccoloministraße 607

51067 Köln

http://www.lichtstr.de

Mitarbeiter:

R. Wagner, U. Grünberg

(c) Alle Rechte vorbehalten Urheberrechtlich geschützt

Regeln für die Schreibweise und Aussprache für die in diesem Buch verwendeten Fremdwörter:

Dhentspricht der engl. Aussprache in "there"

Ghentspricht dem deutschen "r"

Khentspricht dem "ch" in "Acht"

Shdeutsches "sch"

Thentspricht der engl. Aussprache in "thing"

Djentspricht der Aussprache des "dsch"

Tjentspricht der Aussprache des "tsch"

Qhauchloses "k"

Rwird grundsätzlich gerollt

Swird scharf ausgesprochen wie "ß"

Hwird grundsätzlich ausgesprochen

Vwird "w" ausgesprochen

Ywie in deutsch "Ja"

Zwie deutsches "s" am Silbenanfang

Doppelkonsonanten werden separat ausgesprochen. Die Verse im Qur'an (Einzahl: Ayah, Mehrzahl: Ayat) wurden nur in arabischer Schrift mit nachfolgender deutscher Übersetzung angeführt.

Buchbesprechung

Liebe Leserinnen und Leser,

Wahrlich, wir sind alle Geschöpfe Gottes und von dieser Hinsicht aus betrachtet einander Geschwister. Wir sind Menschen, die Verstand besitzen und denken können. Es ist nicht abzustreiten, dass die Menschen inneren Frieden und Glückseligkeit für ewig wollen. Die Risale-i Nur, tut die das Wissen, der Verstand und die Erfahrungen gelten, zeigt der ganzen Menschheit den wahren Weg, den Weg der wahren Erkenntnis, des Verstandes und des Herzens. Das erzeugt das wahre Wissen, der Verstand und die Erfahrung. Die Wissensmänner, die die Risale-i Nur studiert haben, bestätigen das auch. Nach meinen fünfzigjährigen Erfahrungen und Beobachtungen behaupte ich auch, dass derjenigen, die den "Wegweiser für die Jugend" studieren und ihn sich zu Herzen nehmen, im wahren Sinne ihr Glück finden. Für jeden Denker und Idealisten, der die Jugend in diesem Lande von den schlechten Gewohnheiten der Zeit, von ihren Suchten und von ihren geistigen Bedrängnissen retten will, empfehle ich diesen "Wegweiser für die Jugend". Ich behaupte aufgrund meiner Erfahrungen, dass dieses Werk einen großen Dienst für das Glück der Bevölkerung und für die Ruhe und Ordnung in diesem Lande versehen wird. Geben Sie bitte dieses Buch der Jugend zu lesen und empfehlen Sie es ihr!

Alle Mitbrüder, die bei der Übersetzung und Veröffentlichung mitgearbeitet haben, wollen mit diesem Buch für die Menschheit dienen und arbeiteten nur um einen Gottesdienst zu versehen. Sie erwarten dafür nichts. Wer etwas tut, tut es mit Sicherheit für sich. Es ist auch niemanden möglich, Gott zu täuschen.

Dieses Werk dient als Sprachrohr für die Wahrheiten, an die wir glauben. Jesus, mit dem Friede sei, verkündete die Wahrheit in diesem Geist, und wurde aber von den Regierenden seiner Zeit zum Tode verurteilt. Wir wollen in unserer Zeit entsprechend den Wahrheiten, die die wahren Propheten,

wie Abraham, Moses, David, Josef, Jesus und Mohammed, mit denen Friede sei, verkündeten, leben. Mit unserem Verstand, Gefühl, Gemüt und Herz und in unserem Alltagsleben wollen wir ihnen folgen. Wenn Sie dieses Werk, das zu dem Risale-i Nur Gesamtwerk gehört, und die Risale-i Nur selbst lesen, dann werden Sie sich sowohl mit dem Leben, als auch mit dem Tod zufrieden stellen und niemanden mehr als Gott lieben.

Gott sei mit Ihnen!

Ein persönlicher Schüler von Bediüzzaman Said Nursi

Abdullah Yegin

Vorwort

Dieser "Wegweiser für die Jugendlichen", wie er mit neu eingeführten lateinischen Buchstaben gedruckt wird, wurde auch mit arabischen Buchstaben in Isparta vervielfältigt. Da die Regierung und die Ordnungsbehörde dies nicht störte und er Überall begeistert gelesen wird und sich verbreitet, zeigt, dass dieser "Wegweiser" für das Volk besonders für die Jugendlichen von sehr großem Nutzen ist. Nur der Polizeipräsident von Ankara legte den Finger auf den Satz in der achten Zeile der zweiundfünfzigsten Seite "...es ist notwendig, Überall soweit möglich kleinere Schulen des Lichtes (Dershane-i Nuriye)eröffnen ", ohne den Satz in der fünften Zeile "Auf Grund dessen, dass die Eröffnung privater Schulen für religiöse Unterweisungen zugelassen wurde, ..." gelesen zu haben. Er musste also dann den tatsächlichen Sinn begriffen haben, da er nicht mehr dessen Verbreitung zu hindern versuchte.

Die "Anmerkung Über 'Hu!'"ist zwar tiefschürfend und kann nicht jeder beim erstmaligen Lesen begreifen. Aber so wie diese Anmerkung den Grundstein der Naturalisten und der Leute des Unglaubens zerschlägt, so versetzte sie auch starrsinnige Philosophen in Erstaunen, und brachte viele von ihnen zum Glauben. Zudem wird durch die geistige Reise in die Welt der Bedeutungen, die mit dem Schlüssel dieser Anmerkung geöffnet wurde, eine Vorführung des Jenseits in augenscheinlicher Gewissheit erkennbar. Da sie aber sehr feinsinnig ist, wurde sie nicht veröffentlicht.

Said Nursi

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

وَ بِهِ نَسْتَعِينُ

اَلْحَمْدُ لِلَّهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ وَ الصَّلاَةُ وَ السَّلاَمُ عَلَى سَيِّدِنَا مُحَمَّدٍ وَ عَلَى اَلِهِ وَ صَحْبِهِ اَجْمَعِينَ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen." "Und mit Seiner Hilfe." "Lob, Preis und Dank sei Allah, dem Herrn (Rabb) der Welten, und Segen und Frieden über unseren Herrn (Seyyidina) Mohammed und über seiner Familie und über allen seinen Gefährten."}

Oh Bruder! Du möchtest von mir einige Ratschläge. Weil du aber ein Soldat bist, so höre denn acht kleine Geschichten aus dem militärischen Bereich, die ich meiner Seele (nefs)erzählen werde und entnimm ihnen einige Wahrheiten! Denn meine Seele ist es, die dieser guten Ratschläge vor allen anderen bedarf. Ich hatte schon einmal aus acht Ayat meinen Nutzen gezogen und auch etwas längere Worte zugesprochen. Nun möchte ich sie noch einmal in kurzen, allgemeinverständlichen Worten wiederholen. Wer es wünscht, möge mir dabei zuhören.

Erstes Wort

"Bismillah",

{"Im Namen Allahs (Bismillah), des Erbarmers, des Barmherzigen " (A.d.Ü.)}

das ist der Anbeginn alles Guten. Im Anbeginn steht auch für uns dieses Wort und so beginnen wir mit ihm. Wisse, oh du meine Seele! So wie dieses gesegnete Wort ein Zeichen des Islam ist, so ist es unausgesprochen

auch ein immerwährendes Gebet der gesamten Schöpfung.

"Bismillah!"Willst du verstehen, was für eine unerschöpfliche Kraft und welch ein nicht enden wollender Segen in diesem Wort enthalten ist, so komm und höre dieses Gleichnis. Es ist dies das folgende:

Wenn ein Beduine eine Reise durch die Sahara unternehmen will, so tut er gut daran, sich unter den Schutz eines Stammesfürsten zu begeben, und die Fahrt in dessen Namen zu beginnen, damit er vor den Nachstellungen der Räuber bewahrt seine Angelegenheiten regeln kann. Unternimmt er die Reise dagegen auf eigene Faust, so werden all seine Angelegenheiten angesichts unzähliger Feinde völlig durcheinander geraten.

Nun zogen einmal zwei Männer zu einer Reise in die Sahara hinaus. Der eine von ihnen war ein bescheidener Mann, der andere aber stolz... Der Bescheidene erbat den Schutz eines Fürsten und reiste unter dessen Namen, der Stolze aber nicht... Der Erste bewegte sich überall in Sicherheit. Begegnete ihm ein Wegelagerer, so sagte er nur: "Ich reise unter dem Namen des Fürsten von So-und-So." So lässt ihn der Räuber weiterziehen und geht. Trat er in ein Zelt ein, ward er unter diesem Namen in Ehren aufgenommen. Der andere aber in seinem Stolz geriet auf der ganzen Reise in solche Schwierigkeiten, wie man sie kaum beschreiben kann. Er lebte in beständiger Angst und Not, und musste um alles und jedes betteln. Dazu erfuhr er noch eine schlechte, ja unwürdige Behandlung.

Wohlan denn, du meine hochmütige Seele! Dieser Reisende bist du. Was aber diese Welt betrifft, so gleicht sie einer Wüste. Deine Schwäche und Armseligkeit sind grenzenlos. Deine Feinde sind zahllos und deine Bedürfnisse unendlich. Weil das aber so ist, unterstelle dich dem Namen dieses Königs von Ewigkeit zu Ewigkeit,

welcher Besitzer und Herrscher dieser Wüste ist, damit du davor bewahrt bleibst, in aller Welt betteln zu müssen und vor jedem Ereignis zu zittern...

In der Tat ist dieses Wort "Bismillah"ein so gesegneter Schatz, dass es für dich eine Beziehung zur unendlichen Macht und Barmherzigkeit herstellt und deine grenzenlose Schwäche und Armseligkeit am Hofe des Allmächtigen und Allbarmherzigen zu einem hochachtbaren Fürsprecher werden lässt. Wer nach diesem Wort handelt, gleicht einem Mann, der sich als Soldat rekrutieren lässt. Er handelt im Namen des Staates. Er braucht niemanden zu fürchten. "Im Namen des Gesetzes, im Namen der Regierung", spricht er. Er erledigt jede Arbeit und überwindet jede Schwierigkeit.

Wir haben am Anfang gesagt: Die ganze Schöpfung spricht ohne Worte ein "Bismillah". Wie geschieht das?

Stellen wir uns also einmal vor: Da kommt ein Mann ganz allein daher. Er führt die ganze Bevölkerung einer Stadt gewaltsam an einen Ort, wo er sie zur Arbeit zwingt. Da weißt du mit Sicherheit: dieser Mann handelt nicht in eigenem Namen und nicht aufgrund seiner eigenen Macht. Er ist vielmehr ein Soldat. Er handelt im Namen der Regierung. Er stützt sich auf die Macht und das Ansehen eines Königs.

Genauso handeln alle Dinge im Namen Gottes des Gerechten, sodass Samenkerne und Körner, winzig klein wie Staubkörner, riesige Bäume auf ihrem Haupt tragen, Lasten gleich Berge emporheben. Das heißt also: Jeder Baum spricht "Bismillah",er füllt seine Hände aus der Schatzkammer des Allbarmherzigen mit Früchten, streckt sie uns entgegen, bietet sie uns an. Jeder Garten spricht "Bismillah",er wird zu einem Kessel in der Küche der Macht, worin die verschiedensten Arten köstlicher Speisen gleichzeitig zubereitet werden. All die Tiere (die Gott zum Segen der Menschheit geschaffen hat) wie Kuh und Kamel, Ziege und Schaf, sprechen "Bismillah".

Aus der Fülle des Erbarmens entsteht ein Brunnen von Milch. Sie bieten uns im Namen des Versorgers die feinste und reinste Nahrung gleich dem Wasser des Lebens an. All die Pflanzen, Bäume und Kräuter sprechen mit ihren seidenweichen Wurzeln und Adern "Bismillah".Sie durchdringen harte Steine und feste Erde. Sie sprechen "Im Namen Allahs, im Namen des Barmherzigen" und es unterwerfen sich ihnen alle Dinge.

In der Tat breiten sich ihre Äste in der Luft aus und tragen Früchte und ihre Wurzeln breiten sich mit der gleichen Leichtigkeit in der Erde aus, durchdringen den harten Stein und bringen unter der Erde ihren Ertrag hervor. Zudem bleiben ihre empfindlichen grünen Blätter auch noch in sengender Hitze monatelang frisch. Das alles ist den Materialisten wie ein Schlag ins Gesicht und bringt sie zum Verstummen, steckt ihnen den Finger zur Strafe in ihre verblendeten Augen und spricht zu ihnen: Auch die Härte und die Hitze, der du eine so große Macht zuschreibst, handeln unter (göttlichem) Auftrag, sodass diese seidenweichen Adern gleich dem Stab Mosis dem Befehl:

فَقُلْنَااضْرِبْْبِعَصَاكَالْحَجَرَ

{"Und wir haben gesagt: Schlage den Felsen mit deinem Stab!" (Sure 2, 60)}

gehorchen und die Felsen spalten. Und diese zarten Blätter, dünn wie Zigarettenpapier, gleichen jedes den Gliedern Abrahams, mit dem Friede sei, als der Befehl Gottes gegen die glühende, sengende Hitze erging

يَانَارُكُونِىبَرْدًاوَسَلاَمًا

{"Oh Feuer, sei kühl und friedlich!" (Sure 21, 69)}

Da nun einmal jedes Ding dem Sinne nach " Bismillah"sagt und uns im Namen Allahs die Gnadengaben Gottes entgegenbringt und anbietet, müssen auch wir "Bismillah"sagen.

Im Namen Allahs müssen wir geben. Im Namen Allahs müssen wir entgegennehmen. Wenn dies aber so ist, dürfen wir von gottvergessenen Menschen, die nicht im Namen Allahs geben, auch nichts annehmen.

Frage:Wir bezahlen den Menschen, die uns ihre Waren anbieten, einen Preis. Doch welchen Preis verlangt Allah von uns, der doch der wahre Eigentümer der Ware ist?

Antwort:Es sind dies in der Tat drei Dinge, die der wahre Geber aller guten Gaben im Austausch für alle die kostbaren Gnadengaben und Güter als Preis von uns fordert.

Erstens: Dhikr (Gottesgedenken),

Zweitens: Shukr (Danksagung),

Drittens: Fikr (Nachsinnen).

Am Anfang steht das Gottesgedenken (dhikr)im "Bismillah".Am Ende steht die Danksagung (shukr)im "Elhamdulillah".Zwischen den beiden stehen Nachdenken und Begreifen, dass diese kostbaren Gnadengaben, die wunderbare Kunstwerke sind, Geschenke des Erbarmens, und Wunderwerke der Macht des Einen (Ahad)und Einzigartigen (Samed){Er, der nichts und niemanden braucht und dessen alle und jedes bedarf. (A.d.Ü.)} sind, bedeutet Nachsinnen (fikr).

Jedoch einem Habenichts die Füße zu küssen, wenn er dir ein kostbares Geschenk eines Königs überbringt und dabei den Eigentümer des Geschenkes nicht zur Kenntnis zu nehmen, was für eine Dummheit wäre das! Genauso wäre es, die äußerlich sichtbaren Spender zu loben und zu lieben, den wahren Geber aber zu vergessen, noch tausendmal törichter als dies.

Oh du meine Seele! Wenn du nicht so töricht sein willst, dann gib im Namen Allahs, nimm im Namen Allahs. Im Namen Allahs fange an. Im Namen Allahs führe zu Ende. Und somit ist Frieden (Selam).

{Gruß und Wunsch beim Abschied. (A.d.Ü.)}

Zweites Kapitel des Dreizehnten Wortes

بِسْمِ اللّهِ الرّحْمنِ الرّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Dialog mit einigen jungen Leuten, die in einer Zeit vielfältiger Verlockungen dennoch ihren Verstand noch nicht verloren haben.

Von Seiten einiger junger Leute wurde unter dem Zwang zu gesellschaftlichen Lustbarkeiten und Grillen mit den Worten: "Auf welche Weise können wir unser Leben für das Jenseits retten?" um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten. Auch ich habe zu ihnen im Namen der Gemeinschaft um die Risale-i Nur gesagt:

Es gibt das Grab. Das kann niemand leugnen. Dorthin wird jeder gehen, ob er will oder nicht. Und um dorthin zu gelangen gibt es drei Reisemöglichkeiten. Außer diesen drei Wegen gibt es keine andere Möglichkeit.

Erster Weg:

ür die Leute des Glaubens ist das Grab ein Tor zu einer anderen Welt, die noch schöner ist als diese Welt.

Zweiter Weg:

Denjenigen, die zwar bestätigen, dass es ein Jenseits gibt, jedoch in Ausschweifungen leben und auf Irrwegen gehen, ist es ein Tor zu ewigem Kerker und einer Einzelhaft, in der sie von allen ihren Freunden getrennt und auf sich allein gestellt sind. Dieser Sichtweise entsprechend sehen sie auch einer solchen Behandlung entgegen, weil sie sich nicht ihrer Überzeugung und ihrem Glauben entsprechend verhalten haben.

Dritter Weg:

Für die Leute des Unglaubens und Irrweges, die an das Jenseits nicht glauben, ist es ein Tor zu Verlust und Verlorenheit auf ewig, es ist ein Galgen, an dem sowohl sie selbst als

auch all ihre Geliebten aufgehängt werden.

Da sie es nur in dieser Weise kennen, werden sie es als Antwort genauso erleben, wie sie es angenommen und geglaubt haben.

Diese beiden letzten Möglichkeiten sind offensichtlich und bedürfen keines Beweises. Man kann sie mit bloßem Auge erkennen. Da nun einmal der Augenblick des Todes nicht bekannt ist, kann der Tod zu jeder Zeit kommen, um dir den Kopf abzuschlagen; und dabei macht er zwischen jung und alt keinen Unterschied. Mit Sicherheit ist für einen hilflosen Menschen, der einem so großen und fürchterlichen Problem gegenüber steht und es immer vor Augen hat, hier einen Ausweg zu suchen, um sich vor dieser immerwährenden Verlorenheit, dieser zutiefst unendlichen Einzelhaft zu retten und das Grabestor für sich in ein Tor umzuwandeln, das sich zu einer beständigen Welt, zu einer ewigen Glückseligkeit und Welt des Lichtes öffnet, ein Umwandlungsprozess, der für diesen Menschen ein Problem von weltweiten Ausmaßen ist.

So haben sich denn diese drei Möglichkeiten als eine unanfechtbare Tatsache herausgestellt. 124 tausend Seher, deren Prophetentum sich durch Zeichen und Wunder als wahr herausgestellt hat, haben berichtet, dass es aufgrund dieser obenerwähnten drei Tatsachen drei Wege gibt. 124 Millionen Heilige haben aufgrund ihrer geistigen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Schauungen die Berichte der Propheten über diese selbe Tatsache anerkannt und bestätigt. Zahllose Forscher beweisen dieselben Berichte dieser Propheten und Heiligen, verständlich, mit sicheren Beweisen und mit wissenschaftlicher Sicherheit.

{Eine von ihnen ist die Risale-i Nur, die das für alle offen legt.}

Alle berichteten gemeinsam, in Übereinstimmung, mit einer 99/100-igen Sicherheit:

"Sich vor ewiger Kerkerhaft und Verlorenheit zu retten und diese Reisemöglichkeit in einen Weg zur ewigen Glückseligkeit umzuwandeln, ist nur im Glauben und im Gehorsam möglich..."

Wer nicht einen gefahrvollen Weg einschlagen will, wird auch dann das Wort eines einzigen Beobachters berücksichtigen, wenn dort die Wahrscheinlichkeit, zu Grunde zu gehen, nur ein Prozent beträgt. Ein Mann, der die Worte eines solchen Beobachters nicht ernst nimmt und trotzdem auf diesem Wege weiter geht, verliert dabei durch die innere Unruhe, die aus der Angst vor dem Verderben entsteht, selbst noch seinen Appetit am Essen. In gleicher Weise berichten hunderttausende als zuverlässig bestätigte Seher, dass Verirrungen und Ausschweifungen mit hundertprozentiger Bestimmtheit zur ausschlaggebenden Ursache dafür werden, das Grab vor Augen als einen Galgen und eine ewige Einzelhaft zu betrachten, Glaube, Gottesdienst und Anbetung aber mit hundertprozentiger Bestimmtheit diesen Galgen aus den Augen schafft, die Einzelhaft aufhebt, das Grab in ein Tor zu einer ewigen Schatzkammer, einem Schloss der Glückseligkeit umwandelt, und sie brachten dafür Beispiele und Hinweise. Vor diesem einzigartigen, erstaunlichen, gewaltigen und Schrecken erregenden Problem steht nun der hilflose Mensch und besonders ein Muslim. Dort wo aber Glaube, Anbetung und Gottesdienst fehlen, könnte da ein Mensch, auch würde ihm aller Reichtum und Genuss aller Welt gegeben, die ihm ständig vor Augen stehende Qual und Pein in der Erwartung, dass die Reihe an ihn kommt, abberufen zu werden, fortwischen? Das frage ich euch.

So wühlen denn Alter, Krankheit, Unglücks- und Todesfälle von allen Seiten diesen fürchterlichen Schmerz immer wieder auf und rufen ihn wach. Auch wenn die Leute des Irrweges und der Ausschweifungen das Leben hunderttausendfach genießen und sich vergnügen, lebt und brennt dennoch mit Sicherheit eine Hölle unsichtbar in ihren Herzen. Jedoch der Rausch ihrer so tiefen Gottvergessenheit lässt sie das vorübergehend nicht empfinden.

Für Menschen jedoch, die sich im Glauben und Tun auf Gott hin ausrichten, ist das Grab, das sie vor Augen sehen,

ein Tor zu einer immerwährenden Schatzkammer, einer nie endenden Glückseligkeit. Auch wurde durch den Glauben für sie aus der Lotterie jener Zukunft in der Ewigkeit ein Los gezogen, das Milliarden in Gold und Diamanten gewinnen lässt. Noch während sie ständig darauf warten, gerufen zu werden: "komm, empfange dein Los", wächst in ihnen ein tiefwurzelnder, wahrhaftiger Genuss und in ihrem Herzen die Freude. Es ist diese Freude, die, sobald sie Gestalt annimmt und der Kern zu einem Baum heranwächst, der für diese Leute zu ihrem persönlichen Paradies wird. Geben sie jedoch diesen Genuss und diese überwältigende Freude auf und wählen, durch ihre Jugend verführt, statt dessen einen unerlaubten, vergänglichen, nur aus einer augenblicklichen Laune und der Ausschweifung geborenen Genuss, der einem vergifteten Honig gleicht, gemischt mit zahllosen Schmerzen, so sinken sie noch hundertfach tiefer unter das Tier herab.

Doch können sie auch nicht den fremdländischen Atheisten gleich werden. Denn verleugnen sie auch unseren Propheten, werden sie doch andere Propheten anerkennen. Wissen sie nichts von den Propheten, werden sie doch Gott anerkennen. Wissen sie nichts von Gott, werden sich doch einige gute Charakterzüge bei ihnen finden, die zur Quelle der Vollendung werden.

Jedoch ein Muslim kennt sowohl die Propheten, als auch seinen Herrn und überdies alle Vollendung durch Mohammed, den Araber, mit dem Friede und Segen sei. Wer aber seine Erziehung vergisst und seine Hürde verlässt, kennt überhaupt keinen Propheten mehr und kann deshalb auch Gott nicht kennen. Auch kann er gar keine Grundsätze zu eigen haben, um sich seine Menschlichkeit und Würde in der Seele zu bewahren. Denn wer die Lehren des Letzten und Größten der Propheten, dessen Glaube, Unterweisung und Ruf, der sich an die ganze Menschheit richtet, und durch seine Wunder, seinen Glauben, seine Unterweisung über allen anderen steht,

der die ganze Menschheit in allen Wahrheiten als ein Meister unterwiesen hat und das über vierzehn Jahrhunderte klar bewiesen hat, auf den die ganze Menschheit stolz ist, wer die Grundsätze dieser Erziehung durch eine solche Persönlichkeit und die Wurzeln seines Glaubens vergisst, kann mit Sicherheit und auf gar keine Weise zum Licht, zur Vollendung gelangen. Er ist verurteilt und sein Sturz ist unaufhaltsam.

Wohlan denn, ihr Hilflosen, die ihr dem Genuss des irdischen Lebens verfallen seid und euch in eurer Sorge um die Zukunft darum bemüht, eure Zukunft und euer Leben zu sichern! Wenn ihr irdische Vergnügungen, Genuss, Freude, Glück und Bequemlichkeit wollt, sollt ihr euch mit dem Genuss im erlaubten Rahmen begnügen. Er ist für diesen Genuss ausreichend. Sicherlich habt ihr aus den vorhergegangenen Erklärungen entnommen, dass im Genuss außerhalb dieses Rahmens und im Bereich des Unerlaubten tausend Schmerzen liegen. Könnte man, so wie man heute das Vergangene, d.h. Ereignisse von Gestern durch eine Filmaufnahme in die Gegenwart versetzen kann, auch die Ereignisse der Zukunft, zum Beispiel die Lebensumstände in fünfzig Jahren durch eine Filmaufnahme zeigen, dann würden die Leute der Ausschweifung über das, worüber sie heute lachen, hunderttausendfach fluchen, es hassen und darüber weinen. Wer in dieser Welt und im Jenseits immer und ewige Freude möchte, soll sich die mohammedanische Erziehung, wie sie sich im Rahmen des Glaubens findet, zum Wegweiser nehmen.

Einmal saß ich an einem nationalen Feiertag am Fenster des Gefängnisses in Eskischehir.

Als die erwachsenen Mädchen des gegenüberliegenden Gymnasiums in dem Hof der Schule ausgelassen tanzten, sah ich sie in ihrem irdischen Paradies wie in einem Zustand der Hölle. Aber auf einmal erschienen mir ihre Situationen in fünfzig Jahren. Ihr Lachen verwandelte sich in schmerzvolles Weinen. Daraus entwickelte sich diese folgende Wahrheit. Ich sah nämlich ihre Situation in fünfzig Jahren in einer geistigen und imaginären Vorführung: Fünfzig von diesen ausgelassenen sechzig Mädchen sind schon im Grab und leiden, sie sind zu Erde geworden. Zehn von ihnen sind in ihrem siebzigsten Lebensjahr unansehnlich geworden und lenken von allen einen widerwilligen Blick auf sich. Und ich habe ihretwegen geweint.

Das wahre Gesicht der Verlockungen in der Endzeit zeigte sich mir. Die fürchterlichste und verführerichste unter diesen Verlockungen entsteht aus dem ungenierten Gesicht der Frauen. Es beraubt die Entscheidungsfreiheit und lässt wie ein Nachtfalter in das Feuer der Ausschweifung werfen. Es veranlasst, dass man einer Minute irdischen Lebens Jahre des ewigen Lebens bevorzugt.

Als ich einmal draußen auf die Straße schaute, verspürte ich ein wirkungsvolles Beispiel dieser Verlockungen. Ich habe den Jugendlichen gegenüber Mitleid empfunden. Ich sagte: "Diese Hilflosen können sich vor dem Feuer dieser wie ein Magnet anziehenden Verlockungen nicht retten" und machte mir Sorgen. Plötzlich verkörperte sich vor mir eine geistige Persönlichkeit, die diese Verlockungen anheizt und vorexeziert und die sich damit beschäftigt, vom Glauben abfallen zu lassen. Und ich sagte auch zu ihm und zu den Gottesleugnern, die ihm nacheifern:

Oh du Unglücklicher, der du deinen Glauben aufgibst und dich von dem ausschweifenden Irrtum sogar mit

Freuden bestechen lässt, um sich mit den Jungfrauen der Hölle zu vergnügen und der du dich um des Geschmackes der Vergnügungen der körperlichen Begierden willen für die Glaubenslosigkeit und den Atheismus entscheidest und der du das Leben anbetest und dich vor dem Tod schrecklich fürchtest und der du nicht an das Grab erinnert werden willst und beginnst vom Glauben abzufallen! ... Wisse mit Sicherheit, dass hinsichtlich der Glaubenslosigkeit diese deine riesige Welt vor dieser Stunde und nach dieser Minute, dieser dein ganzer Kosmos, deine Vergangenheit und deine Zukunft, deine vergangene Gattung und Art, die künftigen Geschöpfe und Generationen, vergangene Welten und Völker, die kommenden Menschen und Gruppen völlig abwesend und tot sind. Alle diese wandelnden und fließenden Universen, mit denen du durch Menschlichkeit und Verstand in Verbindung stehst, lassen ständig wegen deines Irrtums auf deinen Kopf so viele fürchterliche Plagen wie die ganze Welt und heftige Schmerzen der zahllosen Sterbefälle herunterprasseln. Wenn du dir dessen bewusst bist, dann brennen sie dein Herz... Wenn du einen Geist hast, verbrennen sie ihn... Wenn dein Verstand nicht erloschen ist, ersticken sie ihn in Gram und Sorge... Wenn deine Ausschweifung und ekelhafter Genuß im Rausch von einem Stündchen diesen grenzenlosen Sorgen, Trauern und Schmerzen widerstehen kann, dann bleibe in dieser Ausschweifung... Anderenfalls nimm Vernunft an!... Um dich von dieser geistigen Hölle zu retten und in ein geistiges Paradies, das der Glaube noch in dieser Welt beschafft, einzutreten und die Glückseligkeit im Leben zu erleben, höre die Unterweisungen des Qur'an... Tausche den bruchteiligen, vergänglichen Geschmack von einer Minute mit den allgemeinen, bleibenden, immerwährenden Freuden

{Ja, der Glaube kann auch in dieser Welt die paradiesischen Freuden geistig geben. Betrachte unter Hunderten genußvollen Lichtern diesen einen Nutzen. Du siehst zum Beispiel jemanden, den du sehr liebst, in einer Gefahr sterben. In diesem Augenblick kommt ein Arzt wie Lokman der Weise und Chidr (= der Grüne, der im Augenblick höchster Bedrängnis zur Hilfe kommt. - A.d. Ü.) Auf einmal wird er wieder lebendig. Welch eine große Freude wirst du empfinden. Genauso gibt dir auch der Glaube so viele Freude und Fröhlichkeit wie die Zahl der Verstorbenen, die du liebst und mit denen du dich verbunden fühlst. Denn in dem Friedhof der Vergangenheit werden Millionen Menschen, die von dir geliebt werden, aus der Vernichtung und dem Tod durch das Licht des Glaubens auf einmal vor dir wieder lebendig. Sie sagen: "Wir sind nicht gestorben und werden euch nicht sterben." und sie erlangen das Leben wieder. Statt der zahllosen Schmerzen, die aus den zahllosen Trennungen entstehen, kommen noch in dieser Welt grenzenlose Freuden und Fröhlichkeiten aus der Zusammenkunft und Wiederbelebung hinsichtlich des Glaubens, welches zeigt: Der Glaube ist ein solcher Kern, der für die Leute des Glaubens das Paradies mit all seinen Genüssen und Schönheiten als Frucht gibt... und Er wird es geben.}

aus dem Glauben um...

Des Weiteren sollst du nicht sagen: "Ich will mein Leben so verbringen, wie es ein Tier verbringt." Denn für ein Tier sind Vergangenheit und Zukunft verborgen. Gott, der gnädige allweise Herr, hat sie von zahllosen Schmerzen errettet, indem Er sie dieses Verborgene nicht wissen lässt. Sogar ein Huhn, das zum Schlachten hingelegt wird, empfindet überhaupt kein Leid und Trauer. Nur wenn das Messer schneidet, will es empfinden, aber dieses Gefühl verschwindet und es rettet sich auch vor diesem Schmerz. Das heißt, eine überaus große und vollkommene Gnade, Barmherzigkeit und Liebe Gottes des Gerechten liegt darin, das Verborgene nicht wissen zu lassen. Besonders ist es noch vollständiger für die Arten der kleinen Tiere. Also kannst du in dem ausschweiferischen Genuss den Tieren nicht gleichen. Tausende Grade fällst du runter. Denn die Dinge, die für ein Tier verborgen bleiben, sieht dein Verstand und bekommt Leid von ihnen. Du bist von der vollständigen Ruhe, die in dem Verdecktsein des Verborgenen liegt, völlig ausgeschlossen.

Des Weiteren beschränken sich Bruderschaft, Verehrung, Einsatzbereitschaft und dergleichen schöne Eigenschaften, auf die du stolz bist, in einem ganz dünnen Zeitabschnitt, in einem ein Finger breiten Platz inmitten einer riesig großen Sahara. Sie gehören nur einer gegenwärtigen Stunde in grenzenloser Zeit, werden künstlich, vorübergehend, falsch, unecht und überaus klein. Deine Menschlichkeit und Vollkommenheit verkleinern sich dementsprechend und werden unbedeutend. Aber Bruderschaft, Verehrung, Liebe und Einsatzbereitschaft der Leute des Glaubens umfassen die aufgrund des Glaubens existente Vergangenheit und Zukunft. Ihre Menschlichkeit und Vollkommenheit werden dementsprechend höher. Des Weiteren gleichst du in deinem Erfolg in dieser Welt einem verrückt gewordenen Juwelier, der die Glasscherben mit dem Preis von Diamanten kauft. Da du auch für eine winzig kleine, ganz kurze Zeit und Lebensspanne den Preis eines langen, immerwährenden und breiten Lebens gibst, kannst du mit Sicherheit in diesem begrenzten Rahmen siegen. Da du für eine Minute Überlegenheit so eine starke Gier, Liebe, Rachsucht und dergleichen Gefühle zeigst, wie sie für ein Jahr ausreichen würden, kannst du die Leute des Glaubens vorübergehend überragen.

Des Weiteren, da deine Vernunft, dein Geist, dein Herz und deine Empfindungen ihre hohen Aufgaben unterlassen und in den gemeinen Sachen der niederträchtigen Begierde und der ekelhaften Gelüste teilnehmen und beitragen, kannst du dich in dieser Welt den Leuten des Glaubens gegenüber stärker erweisen. Und scheinbar wirst du noch sympathischer erscheinen. Denn deine Vernunft, dein Herz und dein Geist sind im äußersten Grade verfallen, entartet und gesunken. Sie haben sich in ekelhafte Gelüste und Begierden verwandelt und abgerieben. Mit Sicherheit wirst du in dieser Hinsicht eine vorübergehende Überlegenheit haben, was dich die Hölle und die unterdrückten Leute des Glaubens das Paradies gewinnen lässt.

Eine Anmerkung von unserem Meister, die in den "Wegweiser für die Jugendlichen" hinzugefügt werden soll.

Aus Mersin haben wir ein handgeschriebenes Exemplar des "Wegweisers" erhalten. Es ist gut, die dreiundzwanzigste und vierundzwanzigste Anfangsseiten, in denen sich ein Artikel mit dem Titel "Eine wichtige Fragestellung " befindet, herauszunehmen. Denn eine von den wichtigsten Grundprinzipien der Schule "Nur"(= Licht) ist selbstlose Liebe. Darum zeigen die Frauen mehr als die Männer inniges, aufrichtiges und ernsthaftes Interesse für die Risale-i Nur Werke. Mit der Schärfe in diesen beiden Seiten sollen sich die gesegneten Schwestern - Helden der selbstlosen Liebe - nicht angesprochen und beleidigt fühlen. Denn diese Fragestellung wurde geschrieben, um ein Teil der muslimischen Mädchen zu warnen, die sich bemühen, offen und freizügig gekleideten, halbnackten oströmischen und armenischen Mädchen in den Städten wie in Istanbul nachzuahmen.

Dagegen haben die Heuchler und Freimaurer in Istanbul, die sich gegen den Wegweiser stellen, in dieser letzten Zeit auch manche Zeitungen, die gegen uns sind, diesen Punkt falsch interpretiert. Und sie machten diesen Punkt zu einem Grund ihrer Verleumdung, um das Interesse einiger Frauen an dem Risale-i Nur Gesamtwerk zu schwächen. Vorläufig sollen diese beiden Seiten heraus genommen werden. Ersetzt wird ihre Stelle durch den "Wegweiser für die Frauen", welcher mit "Gespräch mit Frauen" betitelt ist.

{Wie die geheimen Komitees, die sich der islamischen Erziehung entgegensetzen, aktiv arbeiten, um die Jungen zu verderben, so arbeiten auch jetzt einige atheistische und geheime Komitees, um die hilflosen Frauen auf die schiefe Bahn zu bringen.

Denjenigen, die den "Wegweiser für die Jugendlichen" erhalten haben, soll man eine Kopie von der oben erwähten Überreichen, damit sie nicht von den Verleumdungen dieser Verderbungskomitees verführt werden können.

Die Frauen sollen anstelle dieser beiden herausgenommenen Seiten den Wegweiser für alte und junge Damen, die als ein "Gespräch mit den Frauen" betitelt ist, lesen. Und an die Stelle dieser herausgenommenen beiden Seiten soll die oben erwähnte Anmerkung unseres Meisters treten.}

Said Nursi

Eine wichtige Fragestellung, die mir plötzlich angemahnt wurde.

Von den Überlieferungen verschiedener Hadithe wird verständlich, wer in den Verführungen der Endzeit die fürchterlichste Rolle spielt; es sind dies die Frauen und ihre Verführungen. In der Geschichte von alten Zeiten wird von einer militärischen Gruppe aus kämpferischen Frauen Überliefert, die Amazonen genannt werden und sagenhafte Kriege führten. Genauso ist in dieser Zeit in dem Kampf des atheistischen Irrglaubens gegen den Islam die fürchterlichste unter den Divisionen, die mit dem Plan der eigenwilligen Seele unter das Kommando des Teufels gegeben wurden, die halbnackten Damen, die mit ihren unbedeckten Beinen wie mit fürchterlichen Messern die Leute des Glaubens angreifen. Sie bemühen sich den Weg der Heirat zuzuschließen und den Weg zum Freudenhaus zu verbreitern. Die Begierde vieler nehmen sie auf einmal gefangen und verletzen ihre Herzen und Seelen mit großen Sünden. Vielleicht töten sie ein Teil von diesen Herzen. Als richtige Strafe dafür, sie einige Jahre den Gelüsten der Fremden zu zeigen, werden diese Beine wie Messer zu Brennholz der Hölle, wo zuallererst diese Beine verbrannt werden. Da sie in dieser Welt die Zuverlässigkeit und Treue verloren haben, können sie einen passenden Mann nicht mehr finden, wonach sie sich auf Grund ihrer natürlichen Veranlagungen sehr sehnen und dessen sie ihrem Wesen entsprechend sehr bedürfen. Auch wenn sie einen finden, laden sie sich eine Plage

auf. Als Folge dieses Zustandes - so versteht man von den Überlieferungen der Hadithe - werden sie sogar in manchen Orten in dieser Endzeit wegen des Desinteresses und der Nichteinhaltung der Heirat so bedeutungslos, ohne Gönner und wertlos, wie bei einem Mann, der Über vierzig Frauen Aufsicht führt.

Die Wahrheit ist nun einmal so, und jede Schöne liebt ihre Schönheit, will sie schützen so weit wie sie kann und will sie nicht verlieren. Und Schönheit ist nun einmal ein Geschenk Gottes. Wenn man für das Geschenk dankt, wird es geistig vermehrt. Dankt man nicht dafür, verwandelt es sich und wird hässlich. Wenn eine Schöne klug ist,wird sie sicherlich mit all ihrer Kraft zu vermeiden suchen, durch ihre Gutheit und Schönheit Sünden auf sich zu laden, die anderen zu verleiten, dieses Geschenk hässlich und giftig zu machen und durch Undankbarkeit zu einem Mittel zur Strafe zu verwandeln. Um diese vergängliche, fünf, zehn Jahre dauernde Schönheit zu verewigen, wird sie für dieses Geschenk danken, indem sie es in dem von Gott erlaubten Rahmen gebraucht. Anderenfalls wird sie in ihrem Alter lange Zeit dem Widerwillen ausgesetzt sein und verzweifelt weinen.

Wenn die Schönheit einer Frau im Rahmen der islamischen Erziehung, mit dem Schmuck der quranischen Lehre verschönert wird, steht es mit Sicherheit laut eines Hadith fest, dass diese ihre vergängliche Schönheit ihr geistig ewig bleiben wird, und sie im Paradies ihre Schönheit zurückbekommt, noch hübscher und glänzender als die der paradiesischen Jungfrauen. Wenn eine Schöne Über ein Fünkchen Vernunft verfügt, wird sie diese schöne, glänzende und ewig bleibende Folge nicht entkommen lassen.

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ وَاِنْ مِنْ شَىْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللهِ وَبَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَآئِمًا

Liebe treue Brüder!

Wir schicken einen Artikel mit dem Titel "Eine Ermahnung an die Jugendlichen, die sich in einem gefährlichen Zustand befinden". Diese Ermahnung soll noch stärker beweisen, wie wertvoll es ist, hinsichtlich des Jungseins rechtschaffen, ehrlich zu werden und dem Beispiel des Propheten zu folgen, wie die jungen Schüler der Risale-i Nur es tun. Die wahre und freudige Jugend ist aber die Jugend der Glücklichen dieser Art und sie soll zeigen, wer tatsächlich Jungtürken sind.

اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى

{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}

Euer Bruder

Said Nursi

Unterweisung

Eine Ermahnung, Erinnerung für einige allein gelassene Jugendliche

Eines Tages kamen einige Jugendliche zu mir. Sie wollten eine wirksame Ermahnung von mir empfangen, um sich vor den Gefahren zu schützen, die ihnen aus ihren jugendlichen Interessen und ihrer Lebensweise erwachsen. So habe auch ich ihnen das gesagt, was ich früher denjenigen gesagt habe, die um Hilfe aus der Risale-i Nur gebeten hatten:

Eure Jugendzeit wird mit Sicherheit vorübergehen. Wenn ihr nicht innerhalb des von Gott erlaubten Rahmens bleibt, wird diese Jugendzeit verloren gehen und euch nicht nur im Jenseits und im Grab, sondern auch schon in dieser Welt Unglück und Schmerzen bereiten, mehr als Genüsse. Wenn ihr aber dieses Geschenk eurer Jugendzeit der islamischen Erziehung entsprechend als eine Danksagung in Ehren, Redlichkeit und Gehorsam verbringt, wird diese Jugend euch innerlich ewig erhalten bleiben und euch dazu verhelfen, eine unsterbliche, ewige Jugend zu gewinnen.

Was das Leben betrifft, so bringt es, gäbe es den Glauben nicht, oder hätte dieser Glaube durch den Ungehorsam keine Wirkung, in Folge äußerlicher, sehr kurzer Genüsse und Vergnügungen, tausendfach mehr Leiden, Kummer und Sorgen. Denn da der Mensch Verstand und Denkvermögen hat, ist er von seinem Wesen her, im Gegensatz zum Tier, sowohl mit der gegenwärtigen als auch mit der vergangenen und der zukünftigen Zeit verbunden. Dabei kann er aus diesen Zeiten sowohl Schmerz als auch Freude schöpfen.

Was aber ein Tier betrifft, so werden seine vergangenen Schmerzen und seine Ängste vor der Zukunft seine gegenwärtige Freude nicht zerstören, weil es darüber nicht nachdenken kann.

Was aber den Menschen betrifft, welcher der Gottvergessenheit und dem Irrtum verfallen ist, so verbittern und zerstören die Trauer über das Vergangene und die Sorge vor der Zukunft sein augenblickliches bisschen Freude völlig. Was insbesondere die unerlaubten Freuden betrifft, so gleichen sie ganz und gar dem vergifteten Honig. Das heißt also, dass der Mensch vom Standpunkt des Lebensgenusses aus hundertfach tiefer sinkt als ein Tier. Vielmehr gehört dem, der einem Irrweg folgt und gottvergessen lebt, sein Leben, ja seine ganze Existenz, ja sogar seine ganze Welt nur einen Tag lang. Alle vergangenen Jahreszeiten und Lebensalter und alles, was da war, ist von seinem irrigen Standpunkt aus betrachtet, nicht mehr vorhanden, gestorben. Sein verstandesgemäßes Denken malt ihm alles in Dunkelheit und Finsternis. Was aber die Zukunft betrifft, so ist sie für ihn aus seinem Mangel an Überzeugung wiederum nicht existent. Die durch diese Nichtexistenz verursachten beständigen Trennungen verfinstern ihm, infolge seiner Fähigkeit darüber nachzudenken, beständig das Leben.

Wenn aber der Glaube das Leben zum Leben erweckt, dann wird sowohl die vergangene als auch die künftige Zeit im Lichte des Glaubens erleuchtet und erhält ihre Gestalt. Gleich der gegenwärtigen Zeit verleiht dann das Leben dem Herzen und der Seele des Menschen, vom Standpunkt des Glaubens aus betrachtet, erhabene, geistige Genüsse und Lichter, unter denen es sich gestaltet. Diese Wahrheit ist in einer Abhandlung für die Alten, der Siebenten Hoffnung, erklärt worden. Dort kann man darüber nachlesen.

Siehe, so ist also nun das Leben. Verlangt es euch nach den Freuden und Genüssen des Lebens, so macht euer Leben lebendig durch ein Leben aus dem Glauben, schmückt es mit euren Pflichten gegenüber Gott und bewahrt es euch dadurch, dass ihr euch der Sünden enthaltet.

Was aber die ungeheuerliche Wahrheit vom Tode betrifft, die jeden Tag und überall und zu jeder Zeit die Dahinscheidenden erweisen, so möchte ich sie euch anhand eines Beispiels erläutern, wie ich das schon anderen jungen Leuten gegenüber getan habe:

Da ist zum Beispiel hier vor euren Augen ein Galgen aufgerichtet. Gleich daneben steht eine Los-Agentur, aber eine solche für die Vergabe der besonders hohen Gewinne. Nun werden also wir zehn, die wir hier sind, in jedem Fall, ob wir es wollen oder nicht, einen anderen Weg gibt es nicht, dorthin vorgeladen. Wir werden aufgerufen. Und während wir noch darauf warten und weil die Zeit unserer Abberufung unbestimmt ist, vielmehr jeden Augenblick jemand: "Komm, nimm dein Verdammungslos und steige zum Galgen hinauf!" oder: "Komm, nimm dein Los, mit dem du Millionen Goldstücke gewonnen hast!" rufen kann, kommen plötzlich zwei Menschen zur Tür herein. Einer von ihnen ist eine verführerisch schöne, halbnackte Frau, die in ihrer Hand eine Schale mit Helva hält, die äußerlich zwar köstlich erscheint, in Wirklichkeit aber giftig ist und die sie als Speise anbietet. Der andere aber, ein ernster Mann, der nicht betrügt und sich nicht betrügen lässt, tritt hinter der Frau ein und sagt:

"Ich habe euch ein Losungswort, eine Anweisung mitgebracht. Wenn ihr dieses aussprecht und die Helva nicht esst, werdet ihr euch vor dem Galgen retten. Mit diesem Losungswort werdet ihr jenen einzigartigen, hohen Gewinn empfangen. Dort vor dem Galgen seht ihr ja bereits mit eigenen Augen, wie die Honigesser dahingehen und sich noch im Gehen von der vergifteten Helva in fürchterlichen Leibschmerzen krümmen, während ihr zwar nicht seht, wie diejenigen, welche das Große Los

gezogen haben und die ihr offensichtlich auch zum Galgen hinaufsteigen seht, gar nicht aufgehängt werden, sondern von dort aus mit Leichtigkeit einen Schritt zur Los-Agentur hinüber tun und dort eintreten. Dafür gibt es Millionen Zeugen, die davon Nachricht geben. So schaut denn zum Fenster hinaus. Die obersten Beamten und die höchsten Persönlichkeiten, die sich damit beschäftigen, verkünden mit lauter Stimme und berichten: Diejenigen, welche zum Galgen hinaufsteigen, sind mit augenscheinlicher Sicherheit genauso, wie ihr sie seht. Diejenigen aber, die das Große Los gezogen haben, das sind die Besitzer des Losungswortes. Das sollt ihr ganz ohne allen Zwiespalt und Zweifel mit der absoluten Sicherheit des Tages wissen."

So fällt denn der Mensch, äußerlich betrachtet, in das Unglück des Todes, der einer Hinrichtung am Galgen, und in das des Grabes, welches einem Tor in die ewige Finsternis gleicht, weil er durch die Ausschweifungen und die unerlaubten Vergnügungen in seiner Jugend, die dem vergifteten Honig in unserem Beispiel gleichen, den Glauben verloren hat, der die Eintrittskarte und der Ausweis für die Schatzkammer der Ewigkeit und eine endlose Glückseligkeit ist, und so kann denn der Henker-Tod, vor dem jung und alt gleich sind, weil die Todesstunde unbekannt ist, jederzeit kommen, um seinen Kopf abzuschlagen. Wenn der Mensch diese von Gott verbotenen Leidenschaften, die dem vergifteten Honig gleichen, aufgibt, zu seinem Glauben steht und seine Pflichten gegenüber Gott, die das Losungswort des Qur'an sind, auf sich nimmt, wird er das Los für die Schatzkammer zur ewigen Glückseligkeit aus der wunderbaren Lotterie der Zukunft, die dem Menschen bestimmt ist, gewinnen. Darüber berichten die 124 tausend Gesandten Gottes, mit denen der Friede sei, und so viele Heilige und Kenner der Wahrheit, dass man sie gar nicht mehr zählen kann, übereinstimmend... und sie zeigen die Anzeichen dafür auf.

Kurzum:

Die Jugendzeit wird vergehen. Wenn sie in Ausschweifung vergangen ist, wird sie sowohl in dieser Welt, als auch im Jenseits Tausende von Übeln und Schmerzen zur Folge haben. Wollt ihr begreifen, wie solche jungen Leute meistens durch Krankheiten, die aus Missbrauch und Kraftvergeudung entstanden sind, die Krankenhäuser, durch Maßlosigkeit und Übergriffe, die Gefängnisse und Armenhäuser, durch Depressionen und seelischen Kummer die Kneipen überschwemmen, so fragt in den Krankenhäusern und in den Gefängnissen und auf den Friedhöfen nach.

Sicherlich werden die meisten Krankenhäuser euch in ihrer eigenen Sprache, in ihrem Seufzen und Wehklagen von den Krankheiten berichten, die in der Verführung der Jugend durch Verschwendung und Missbrauch entstanden sind.

Auch aus den Gefängnissen werdet ihr von der Trauer so vieler unglücklicher junger Leute hören, welche in ihrem jugendlichen Überschwang für ihr ungesetzliches Verhalten Schläge bekommen haben.

Zudem werdet ihr wissen, dass in jenem Zwischenreich, in der Welt des Grabes, dessen Tore ständig vor den Eintretenden geöffnet und hinter ihnen wieder geschlossen werden, die meisten Qualen eine Folge des Missbrauchs in der Jugendzeit sind, wofür auch alle die Kenner der Grabeswelt Zeugnis ablegen und was auch alle Kenner der Wahrheit bestätigen und bezeugen.

Außerdem sollt ihr die Alten und Kranken fragen, die den größten Teil der Menschheit bilden. Weitaus die meisten von ihnen werden sicherlich in Trauer und Sehnsucht sagen: "Weh uns, wir haben unsere Jugendzeit umsonst verlebt, verloren und dafür bezahlen müssen. Hütet euch davor, dass ihr es nicht auch so macht, wie wir." Denn wer in seiner Jugendzeit fünf oder zehn Jahre mit unerlaubten Vergnügungen verbracht hat und deswegen in dieser Welt viele Jahre in Kummer und Sorge leben muss,

im Zwischenreich Strafe und Schaden erleidet und im Jenseits die Qualen der Hölle und des Feuers zu verkosten bekommt, der verdient, trotzdem (obwohl) er sich in einem bedauernswerten Zustande befindet, nach dem Geheimnis:

اَلرَّاضِىبِالضَّرَرِلاَيُنْظَرُلَهُ

{"Wer mit dem Schaden einverstanden ist, den soll man nicht bedauern."}

gar kein Mitleid. Denn wer seinen Schaden absichtlich herbeiführt, dessen braucht man sich nicht zu erbarmen und er verdient es auch gar nicht. Gott der Gerechte möge uns und euch vor den Verführungen und Verlockungen dieser Zeit retten und bewahren. Amen.

Antwort auf eine Frage, die durch die Schüler der Risale-i Nur gestellt wurde.

"In den schrecklichen Zeiten dieses Weltkrieges, der die Zukunft der islamischen Welt ernsthaft betrifft, seit zwei Jahren, jetzt aber zehn Jahre geworden, haben Sie weder uns noch Emin, der jeden Tag in Ihren Diensten steht, auch nicht ein einziges Mal darüber gefragt und diesem keine Bedeutung beigemessen. Herrscht etwa eine andere, noch größere Tatsache als dieses große Ereignis, vor der es bedeutungslos wird? Oder ist es schädlich, sich damit zu beschäftigen?" So haben wir unseren Meister gefragt. Und er gab folgendeAntwort:

Ja, es herrscht eine noch größere Tatsache, ein noch gewaltigeres Ereignis als dieser Weltkrieg und dieser Weltkrieg fällt im Vergleich dazu in Bedeutungslosigkeit. Denn, während in diesem Weltkrieg zwei Regierungen gegenseitig auf die Macht Über die ganze Erde Anspruch erheben, wird ein Versöhnungsprozess der zwei großen Religionen vor dem Friedensgericht eröffnet. Und während die fürchterliche Strömung der Glaubenslosigkeit mit ihrem gewaltigen Kampf gegen die himmlischen Religionen beginnt, beginnt ein Prozess vor dem großen Gericht zwischen der sozialistischen Klasse und der Bourgeoisie unter dem Menschengeschlecht. Aber es kam eine dermaßen gewaltigere Wahrheit an den Tag und ein dermaßen wichtigerer Prozess als diese Prozesse war schon im Gange, dass dessen Auswirkungen auf den einzelnen Menschen viel größer ist als dieser Weltkrieg. Also ist dieser Prozess der folgende:

In dieser Zeit läuft ein Prozess für jeden Gläubigen, ja, sogar für alle Menschen, einen bleibenden Acker so groß wie die Erdkugel und ein ewiges Besitztum, von einem Ende zum anderen ausgestattet mit Gärten und Schlössern zu erhalten und dieses Besitztum zu gewinnen oder zu verlieren. Das heißt, dass Über jeden einzelnen Menschen ein dermaßen großer Prozess läuft, dass er - hätte

er soviel Vermögen und Kraft wie England und Deutschland, und wäre er auch dabei klug - alles ausgeben würde, nur um diesen Prozess zu gewinnen. Mit Sicherheit ist derjenige, der auf andere Dinge Wert legt, bevor er diesen Prozess gewonnen hat, ein Wahnsinniger. Ja, dieser Prozess ist sogar dermaßen in Gefahr geraten, dass nach der Bezeugung eines geistig entdeckenden Heiligen, an einem Ort nur ein einziger Mann unter vierzig Männern gewonnen hat, die von der Hand des Todesengels ihren Entlassungsbescheid bekommen hatten. Neununddreißig davon hatten ihn verloren.

Gäbe es einen Anwalt, der diesen wichtigen, gewaltigen Prozess gewinnen lässt und der seit zwanzig Jahren mit Erfahrungen für acht von zehn diesen Prozess gewinnt, muss mit Sicherheit jeder Mensch mit Verstand im Kopf einen Dienst, der dieser Anwalt in seinem Auftrag führt, um diesen Prozess zu gewinnen, Über alle Ereignisse wichtiger halten.

Einer von diesen Anwälten, sogar der Vorderste ist die Risale-i Nur, die aus dem Qur'an - der in seiner Bedeutung und in seiner Verkündigung ein Wunder ist - herausgefiltert, entstanden und hervorgekommen ist. Dafür sind die Tausenden, die durch sie diesen Prozess gewonnen haben, Zeugen.

Es hat sich mit aller Klarheit herausgestellt, dass jeder Mensch, der auf diese Erde mit seinem Auftrag gekommen ist, hier ein Gast und vergänglich ist, und dass er seinem Wesen nach, nach einem bleibenden Leben orientiert ist. Da die Burgen, die Stützpunkte für jeden Menschen zur Errettung seines ewigen Lebens in dieser Zeit erschüttert sind, muss er diese seine Welt und alle seine Geliebten darin, mit denen er sich verbunden fühlt, für ewig verlassen; und gleichzeitig läuft Über ihn ein Prozess, ein ewiges Besitztum - tausende Grad vollkommener als diese Welt - zu gewinnen oder zu verlieren. Wenn man die Urkunde des Glaubens nicht hat, und die religiöse Überzeugung - die der Bescheid zum Freispruch und

ein Beleg ist - nicht richtig in die Hände bekommt, verliert man diesen Prozess. Womit kann man etwa diese Lücke die aus diesem Verlust entsteht, ausfüllen?

Hätten meine Mitbrüder und ich, ein jeder von uns, hundertfach mehr Vernunft und Verstand, angesichts dieser Wahrheit könnte es lediglich für den Dienst an diesem gewaltigen, heiligen Auftrag ausreichen. Anderen Dingen Aufmerksamkeit zu schenken, wäre dann für uns Überflüssig und sinnlos. Es geschah aber nur so weit, dass wir ungewollt nur soviel Aufmerksamkeit schenkten, wie wir uns, in den Zeiten, da Unverständige uns unnötig und ohne Grund angriffen, gezwungen sahen und da ein Teil der "Nur"-Schüler sich in anderen Aufgaben befand.

{Das ist ein Hinweis auf die Verteidigungsreden vor dem Gericht.}

Des Weiteren ist es schädlich, sich in die anderen Prozesse außerhalb dieses wahrhaftigen und sehr großen Prozesses und in die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Gedanken und Herz und mit Interesse zu einzumischen. Denn ein Mann, der den solchen weiten, politischen und aufregenden Kreisen aufmerksam folgt und sich damit beschäftigt, bleibt in den wichtigen Diensten, mit denen er in einem kleinen Kreis beauftragt ist, zurück oder seine Begeisterung bricht ab. Außerdem lässt sich derjenige, der auf jene breiten, reizenden Kreise der Politik und der kriegerischen Auseinandersetzungen aufmerksam ist, manchmal verführen. Er kann seinen Auftrag nicht erfüllen, und verliert die Sicherheit im Herzen und seine gute Meinung und Geradheit in seinen Gedanken und Wahrhaftigkeit in seinem Dienst. Auch wenn er sie nicht verlieren sollte, kann er dennoch damit beschuldigt werden. Als ich bezüglich dieses Punktes vor dem Gericht angegriffen wurde, hatte ich sogar gesagt: "Die Wahrheit des Glaubens und des Qur'an, die wie die Sonne ist, unterwirft sich nicht der Anziehung der vorübergehenden Lichter auf der Erde und wird für sie zu keinem

Werkzeug. Derjenige, der diese Wahrheit wirklich erkennt, kann sie nicht zu einem Werkzeug für die Ereignisse auf der Erdkugel, selbst nicht für den ganzen Kosmos machen." Mit den Worten habe ich sie zum Schweigen gebracht.

Hier ist die Antwort unseres Meisters zu Ende. Wir bestätigen sie auch mit all unserer Kraft.

Schüler der Risale-i Nur

Anmerkung zum zweiten Kapitel des "Dreizehnten Wortes" als einer der Vergleiche aus der Risale-i Nur

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ

{"Im Namen Gottes, des Hochgelobten."}

Der wahre Trost aus der Risale-i Nur ist für die Gefangenen unbedingt notwendig. Insbesondere brauchen diejenigen, die der Schlag des Schicksals wegen ihres jugendlichen Leichtsinnes getroffen hat, und die nun den Lenz ihres Lebens im Gefängnis verbringen, die "Lichter" so sehr wie das Brot.

Das junge Blut hört in der Tat mehr auf seine Gefühle als auf den Verstand. Doch Wünsche und Gefühle sind blind. Sie sehen die Folgen nicht. Ihre Vorliebe gilt dem Dirhem (3g) voll Lust im Hier und Jetzt, nicht dem Batman (8kg) voll Lust im Dort und Danach. Sie töten voll Lust in einer Minute der Rache und erleiden sodann achtzigtausend Stunden Gefangenschaft. Und im Rausch einer Stunde zerstören Ausschweifungen dort, wo es um die Ehre geht, mit Tausenden von Tagen im Gefängnis, mit Kummer und Sorgen und der Angst vor den Feinden das Glück eines Lebens.

Angesichts alles dessen haben unerfahrene junge Leute so vielgestaltige Abgründe vor sich, welche alle Süßigkeit des Lebens in Bitterkeit und Bedauern verwandeln und besonders im Norden gibt es ein großes Land, das über die Jugend und ihre Leidenschaften bestimmt und mit seinen Stürmen unser Zeitalter erschüttert. Denn es sieht die sittenreinen Töchter und ehrenhaften Frauen der Menschen für junge Leute, die blind in ihren Gefühlen die Folgen nicht sehen, als erlaubt an. Ja dadurch, dass es den Männern und Frauen erlaubt, nackt zusammen ins

Bad zu gehen, fördert es sogar noch diese Unzucht. Zudem betrachtet es das Gut der Reichen für Gauner und arme Leute als erlaubt, sodass alle Menschen vor einer derartigen Katastrophe erzittern.

Also ist es in unserem Jahrhundert für die islamische Jugend allgemein und besonders für die türkische dringend notwendig, dass sie dieser Gefahr, die ihr von beiden Seiten droht, mutig und standhaft mit dem scharfen Schwert der Risale-i Nur, nämlich mit der Risale "Früchte " und "Wegweiser für die Jugend" entgegentritt. Anderenfalls wird diese Jugend in ihrer Unerfahrenheit ihre Zukunft sowohl in dieser Welt und das Glück ihres Lebens, als auch die jenseitige Glückseligkeit und das ewige Leben in Schmerzen und Qualen verwandeln und zu Grunde richten, sich durch Missbrauch und Ausschweifung ins Krankenhaus und durch Gesetzlosigkeit ins Gefängnis bringen. In ihrem Alter wird sie dann mit Seufzen und Wehklagen viel zu bedauern haben. Wenn sie sich jedoch durch die qur'anische Bildung und die lichtvolle Botschaft zu bewahren weiß, wird sie zu einer so starken und mutigen Jugend heranreifen, zu vollkommenen Menschen und glücklichen Muslimen werden, welche Königen gleichen über die Tiere und alles, was da lebt.

Wenn ein junger Mann nur eine einzige von vierundzwanzig Stunden seines Lebens täglich im Gefängnis für das fünfmalige Gebet aufwendet, und wenn er, da das Gefängnis ihn sehr häufig daran hindert, zu sündigen, auch den Fehler bereut, der ihn in dieses Unglück gestürzt hat, und sich von den übrigen Sünden zurückhält, die ihm Schaden und Leiden bringen, wird er daraus einen großen Nutzen sowohl für sein Leben, als auch für seine Zukunft, als auch für sein Land, als auch für sein Volk, als auch für seine Familie ziehen und sich in diesen zehn, fünfzehn vergänglichen Jahren seines jungen Lebens eine ewige strahlende Jugendzeit verdienen, so wie uns das vor allem der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, und alle die Heiligen Bücher und Offenbarungsschriften zuverlässig berichten und verkündigen.

Dankt er für seine Jugendzeit, dieses schöne Gnadengeschenk, in Geradlinigkeit und im Gehorsam, wird er durch sie in der Tat wachsen und reifen, sie wird ihm für die Dauer und zur Freude sein. Anderenfalls wird sie ihm sowohl Unglück bringen, als auch in Schmerzen, Leiden und Alpträumen, die sie ihm verursacht, vergehen. Sie wird ihm zu einer Ursache, zu einem Haderlumpen werden, der sowohl seinen Verwandten, als auch seinem Volk und Land Schaden bringt.

Einem Gefangenen, der zu Unrecht eingesperrt wurde, vorausgesetzt, er verrichtet seine Gebete, wird jede Stunde zu einem Tag der Anbetung und das Gefängnis gilt ihm als Einkehrhaus, den Höhlen gleich, in die sich in alter Zeit die Einsiedler, denen gleich auch er zu den Frommen gezählt werden darf, zum Gebet zurückzogen.

Jemandem, der arm, alt und krank ist und sich an den Glaubenswahrheiten begeistert und dabei seine Gebete verrichtet und bereut, wird jede Stunde einer zwanzigstündigen Anbetung gleich und das Gefängnis gilt ihm als ein Erholungsheim, und seinen Freunden, die ihn mit Güte umgeben, als ein Haus, in dem man sich begegnet, ein Haus, in dem man Bildung erwirbt und ein Haus, in dem man Erfahrungen austauscht. Während seines Aufenthaltes im Gefängnis vermag er die Freiheit, frei von aller Verunsicherung und den Verlockungen der Sünde draußen, weit mehr zu genießen. Im Gefängnis vervollständigt sich seine Bildung. Zum Zeitpunkt seiner Entlassung wird er dann nicht mehr als ein Mörder, als ein Rächer hinausgehen, sondern als ein Mann, der bereut hat, der erfahren, gebildet und ein nützliches Mitglied der menschlichen Gesellschaft geworden ist.

Im Gefängnis in Denizli haben einige dort zuständige Persönlichkeiten, nachdem sie gesehen hatten, wie Menschen, welche aus den "Lichtern" die Unterweisung in gutem Benehmen auf wunderbare Weise in kurzer Zeit in

sich aufgenommen haben, gesagt: "Anstatt sie fünfzehn Jahre zur Züchtigung ins Gefängnis zu werfen, hätte man sie besser fünfzehn Wochen lang in der Risale-i Nur unterweisen sollen. Das hätte sie viel mehr gebessert."

Der Tod stirbt nun einmal nicht und die Todesstunde ist unbekannt. Sie kann jederzeit kommen. Das Grab wird nun einmal nicht verschlossen. Schar um Schar steigt hinab und entschwindet. Der Tod ist nun einmal für die Leute des Glaubens die Umwandlung einer Verurteilung, für ewig verloren zu sein, in den Bescheid ihrer Entlassung, wie dies nach der Lehre des Qur'an aufgezeigt wird, während er für die Leute des Irrweges und der Ausschweifung in deren Augen nichts als einen Verlust und Verlorenheit auf ewig bedeutet, eine ewige Trennung von Allem, was da war und lebte und ihnen teuer war. Es besteht bestimmt und ganz bestimmt kein Zweifel daran, dass der Glücklichste derjenige ist, der dankt in Geduld und die Zeit seiner Inhaftierung dazu nutzt, Unterricht in den "Lichtern" zu nehmen und sich im vorgegebenen Rahmen der Rechtmäßigkeit darum bemüht, dem Glauben und dem Qur'an zu dienen.

Oh Mensch, der du dem Vergnügen und dem Genuss verhaftet bist! Mir ist in meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr durch tausende von Erfahrungen, Zeugnisse und Erlebnisse mit augenscheinlicher Sicherheit klar geworden: Wahren Genuss, Freude ohne Schmerz, Lust ohne Leid und das Glück im Leben findet man nur, wenn man es im Glauben und im Lichte der Glaubenswahrheiten betrachtet; wenn nicht, hat ein irdischer Genuss viele Schmerzen zur Folge. Es ist, als ob man für eine Traube, die man isst, zehn Ohrfeigen erhielte, was einem den Genuss im Leben vergällt.

Oh ihr Armen, die ihr ins Unglück des Kerkers gestürzt worden seid! Da euch nun einmal die Welt weint und euch das Leben bitter geworden ist, müsst ihr euch nun darum bemühen, dass euch nicht auch noch das Jenseits weint, sondern euch ein ewiges Leben lächelt, es euch süß werde,

und ihr so aus eurem Kerker einen Nutzen zieht. So wie angesichts des Feindes eine Stunde Wache unter schwierigen Umständen manchmal einem Jahr Anbetung gleich gewertet wird, genauso wird für euch unter diesen schwierigen Bedingungen jede Stunde, die ihr euch um das Gebet bemüht, vielen Stunden gleich und eure Mühen wenden sich in Erbarmen.

* * *

باِسْمِهِ سُبْحَانَهُ اَلسَّلاَ مُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُاللّهِ وَبَرَكَا تُه

{"Im Namen des Hochgelobten! Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen mögen mit euch sein!"}

Meine lieben, treuen Brüder,

Den in das Elend des Kerkers Gestürzten und denen, die ihnen von Außen kommend in Güte und Treue Nahrung und Hilfe bringen, möchte ich "Drei Punkte" zu ihrem besonderen Trost erklären.

Erster Punkt:

Die im Kerker verbrachten Tage des Lebens können für den, der jeden Tag verdienstvoll zu gestalten vermag, je zu zehn Tagen Anbetung werden, und wer die vergänglichen Stunden umzuwandeln versteht, dem werden sie in ihren Früchten zu bleibenden Stunden für die Seele und er kann sich in diesen fünf oder zehn Jahren Strafe vor Millionen Jahren einer ewigen Kerkerhaft retten. So besteht denn die Bedingung dafür, diesen so großen und so wertvollen Gewinn zu erwerben darin, dass man das Gebet verrichtet, die Sünden bereut, welche die Ursache dieser Gefängnisstrafe waren, und in Geduld Dank sagt. Das Gefängnis ist ja schon ein Hindernis gegenüber so vielen Sünden und lässt eine Gelegenheit dazu nicht entstehen.

Zweiter Punkt:

Das Ende einer Freude ist ein Schmerz, so wie das Ende eines Schmerzes Freude ist.

Jeder, der sich vergangener, froher und freudiger Tage erinnert, verspürt im Seufzen seiner Seele einen Schmerz über den Verlust und sagt: "Oh, weh!". Wenn er sich seiner vergangenen unglücklichen, leidvollen Tage erinnert, verspürt er über ihrem Entschwinden eine Freude in seiner Seele, sodass er sagt: "Elhamdulillah, dieses Unglück hat einen Verdienst mit sich gebracht und ist vorübergegangen. " Freudig atmet er auf. Das heißt also, dass eine Stunde vorübergehender Schmerzen in der Seele eine geistige Freude hinterlässt und eine frohe Stunde im Gegenteil einen Schmerz zurücklässt.

Da dies nun einmal eine Tatsache ist und da nun einmal die Stunden eines vergangenen Unglücks zusammen mit ihren Schmerzen entschwunden und in Nichts zerronnen sind und die Tage künftigen Unheils ein Nichts und nicht vorhanden sind und es im Nichts keinen Schmerz gibt und ein Schmerz aus dem Nichtsein nicht kommen kann, so wäre es doch sicherlich ein Irrsinn, wenn zum Beispiel jemand, aus der Möglichkeit heraus in einigen Tagen Hunger und Durst zu leiden, heute schon in dieser Vorstellung fort und fort Brot äße und Wasser tränke, was doch sicherlich ein Irrsinn wäre, in gleicher Weise, wollte er jetzt schon an die Stunden vergangener und kommender Schmerzen, die nicht mehr oder noch nicht da sind, denken und sich ungeduldig zeigen, die Fehler seiner Seele außer Acht lassen, stattdessen aber "Ach und Weh!" seufzen, und Gott deswegen anklagen.

Verausgabt man nicht die Kraft seiner Geduld nach rechts und links, das heißt für Vergangenes und Zukünftiges, bewahrt sie stattdessen für die gegenwärtige Stunde und den heutigen Tag, so genügt das. Das Unbehagen geht von zehn auf eins zurück. Wenn ich mich auch keineswegs darüber beklagen will, so hat mir doch in dieser dritten Schule des ägyptischen Joseph, nach einigen Tagen im Unglück meiner körperlichen und geistigen Bedrängnis und Krankheit, besonders der Verzweiflung darüber, dass man mir den Dienst an der Risale-i Nur

unmöglich gemacht hat, und der zermürbenden Unruhe in meinem Herzen und in meiner Seele die Gnade Gottes diese obige Wahrheit aufgezeigt. Auch ich bin in der Plage meiner Krankheit und meiner Gefangenschaft zufrieden, denn: "Für den, der so wie ich, hilflos an der Schwelle zum Grabe eine Stunde in Gottvergessenheit vorübergehen lassen könnte, ist es ein großer Gewinn, daraus zehn Stunden der Anbetung zu machen." habe ich gesagt und dafür gedankt.

Dritter Punkt:

Den Gefangenen in Liebe zu helfen und zu dienen, ihnen den notwendigen Lebensunterhalt zukommen zu lassen, die Wunden und Schmerzen ihrer Seele mit dem Balsam der Tröstung zu lindern, ist mit wenig Mühe eine verdienstvolle Handlung und ihnen die Speisen zu reichen, die ihnen von außen gebracht werden, wird diesen Wächtern und denen, die innerhalb wie außerhalb mit den Wächtern zusammenarbeiten, einem Almosen gleich, in das Buch ihrer guten Werke eingetragen. Ist insbesondere der Unglückliche noch dazu alt oder krank oder arm oder ein Fremdling, so vermehrt sich noch beträchtlich der Lohn solcher wohltätigen, einem Almosen gleichenden Handlungen.

So ist die Bedingung für ein so hohes Verdienst die Verrichtung der vorgeschriebenen Gebete, damit dieser Dienst um Gottes Willen sein solle. Zudem ist es noch eine Bedingung, in Treue, mit Liebe und Freude, ohne einen Dank zu erwarten, zu einer solchen Hilfeleistung zu eilen.

* * *

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا

{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede Allahs, Sein Erbarmen und Sein Segen mögen mit ihnen sein, immer und ewig."}

Oh meine Mitgefangenen und Brüder im Glauben!

Um euch sowohl vor den Qualen in dieser Welt als auch vor den Qualen in jener zu erretten, ist mir in meinem Herzen eine Ermahnung zuteil geworden, euch die folgende Wahrheit zu erklären:

Beispiel: Es habe jemand eines anderen Bruder oder Verwandten getötet. Diese eine Minute der Befriedigung seiner Rachegelüste durch einen Mord zieht sowohl Millionen von Minuten in Herzensqualen als auch eine Gefängnisstrafe nach sich. Zudem sind die Verwandten des Ermordeten durch Rachegedanken und Vorstellungen, die ständig um ihre Feinde kreisen, um den Reiz des Daseins gebracht und haben ihre Freude am Leben verloren. So leiden sie einerseits unter Furcht und andererseits quälen sie sich noch in ihrem Zorn. Dagegen gibt es nur ein Mittel und das heißt: Dem Befehl des Qur'an entsprechend und so wie es Gerechtigkeit und Wahrhaftigkeit, das Wohl und menschlich wie islamisch richtiges Verhalten empfiehlt und erfordert, Frieden zu schließen und sich zu versöhnen.

Wahrhaftigkeit und Wohlverhalten bedeuten in der Tat den Frieden. Denn es gibt nur eine Todesstunde und die verschiebt sich nicht. Jener Ermordete hätte in jedem Falle nicht länger als bis zum Eintritt seiner Todesstunde verweilen können. Was aber den Mörder betrifft, so ist er zu einem Werkzeug göttlicher Vorausschau geworden. Wo es keine Versöhnung gibt, leiden beide Seiten ständig unter der Geißel der Blutrache und der Furcht vor ihr.

Darum befiehlt der islamische Glaube: "Mehr als drei Tage soll ein Gläubiger einem anderen Gläubigen nicht zürnen."

Besonders aber dann, wenn dieser Mord nicht die Folge einer Feindschaft oder hasserfüllter Rachegedanken war, wenn jemand als ein Werkzeug der Zwietracht dazu aufgehetzt hatte, ist es dringend notwendig, sich rasch wieder zu versöhnen, sonst wird aus dem Unglück eines Einzelnen eine allgemeine Tragödie und setzt sich so fort. Schließt man aber miteinander Frieden und bereut der Mörder seine Tat und betet immer wieder für sein Opfer, dann werden beide Seiten ein hohes Verdienst erwerben und einander wie Brüder werden.

So gewinnt man im Glauben gleich mehrere Brüder anstelle des einen dahingeschiedenen. Dort wo man sich der göttlichen Vorausschau anvertraut, sich in das Geschehene und in den Willen Gottes ergibt, seinem Feinde verzeiht, dort wird man, da alle nun einmal die Lektionen aus der Risale-i Nur gehört haben, sicherlich auch jeglichen Groll untereinander aufgeben, was ja das Wohlverhalten des Einzelnen und die Befriedung aller, als auch die Brüderlichkeit nach der Lehre der "Lichter" erfordert.

Ebenso wie alle Gefangenen im Gefängnis von Denizli, die einander Feinde waren, durch die Unterweisungen der "Lichter" einander Brüder geworden sind und dies auch zu einem Grund für unseren Freispruch geworden ist und dies alle (ja sogar die Gottlosen und die Schurken) dazu gebracht hat, angesichts der Gefangenen "Mashaallah, Barekallah"zu sagen und alle Gefangenen wieder aufatmen durften,

{Die miteinander verfeindeten Gefangenen hatten es bis dahin aus Angst und Misstrauen gegeneinander verhindert, miteinander in den Hof zu gehen. Der hier verwendete türkische Ausdruck bedeutet sowohl "aufatmen" als auch "Luft schöpfen, Pause machen". (A.d.Ü.)}

habe auch ich gesehen: Wegen eines einzigen Menschen mussten hundert Menschen leiden und konnten nicht miteinander zur Pause gehen.

Sie wurden unter Druck gesetzt. Ein Gläubiger, der ein Mann ist und ein Gewissen hat, wird nicht wegen kleiner, persönlicher Misshelligkeiten oder Vorteile hundert andere leiden lassen. Hat er einen Fehler begangen, soll er schnell um Vergebung bitten.

* * *

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ وَاِنْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ

{"Im Namen des Hochgelobten; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist."}

Meine lieben neu gewonnenen Brüder und seitherigen Mitgefangenen;

Ich bin zu der festen Überzeugung gelangt, dass ein wichtiger Grund für unsere Einlieferung hier gemäß der Gnade Gottes gerade ihr seid. Es geschieht dies nämlich, um euch durch die Tröstungen der "Lichter" und die Glaubenswahrheiten in der Bedrängnis durch das Unglück eurer Gefangenschaft und der Nutzlosigkeit eures Lebens, das euch aus den vielen schädlichen Einflüssen in dieser Welt mit ihrem Kummer und den vergeblichen Sorgen erwächst, seiner Sinnlosigkeit und Verlorenheit und vor einem solchen Weinen im Jenseits, wie es dem Weinen hier im Diesseits gleicht, zu retten und euch so eine vollkommene Tröstung zu bringen. Unter den gegebenen Umständen solltet sicherlich auch ihr, wie die Gefangenen in Denizli und die Nur-Schüler, miteinander Brüder werden. Ihr seht ja: Um zu verhindern, dass ein Messer hereingebracht wird, mit dem ihr euch gegenseitig bedrohen könntet, werden alle Dinge, die von außen herein gebracht werden, das Essen, das Brot und die Suppe, untersucht. Die Wächter, die euch in Treue dienen, geben sich große Mühe. So solltet auch ihr, wenn ihr miteinander zur Pause geht, nicht wie Wölfe und wilde Tiere über einander herfallen.

So sollt ihr denn nun heute, ihr, in deren Adern das Blut derer rollt, die als tapfere Männer geboren wurden, als die neuen Kameraden, mit einer großen, inneren Standhaftigkeit zu euren Oberen sagen: "Gäbe man in unsere Hände nicht nur ein Messer, nein, selbst ein Gewehr oder einen Revolver und gäbe man uns selbst den Befehl dazu, wir würden unseren armen Kameraden, die wie wir im Unglück sitzen, kein Haar krümmen. Auch hätten wir früher hunderterlei Arten von Hass und Feindschaft gegeneinander getragen, so sind wir doch nun entschlossen, unser Recht ihnen gegenüber zu löschen und uns darum zu bemühen, sie nicht zu kränken, wie es uns der Qur'an, der Glaube, die islamische Brüderlichkeit und unser Wohlverhalten befiehlt und lehrt." So wandelt denn nun dieses Gefängnis zu einer segensreichen Schule um.

Eine wichtige Anmerkung, die mir in der Nacht "Qadr" offenbar wurde.

Anhang zum Zweiten Kapitel des "Dreizehnten Wortes"

In der Nacht "Qadr" ist mir eine Wahrheit lang und breit ins Herz gedrungen, die ich hier ganz kurz ausdeuten möchte. Es ist dies wie folgt:

Auf Grund der furchtbaren Ungerechtigkeiten und auf Grund der Unterdrückung der Menschheit in diesem letzten Weltkrieg und seiner gnadenlosen Zerstörungen und der vielen hundert Unschuldigen, die wegen eines einzigen feindlichen Soldaten zu Grunde gerichtet wurden, und der schrecklichen Verzweiflung der Besiegten und der schrecklichen Panik der Sieger, weil sie ihren Herrschaftsbereich nicht verteidigen können, und auf Grund ihrer schrecklichen Gewissensqualen, weil sie den großen Schaden nicht wieder gutmachen können, und auf Grund der allgemeinen Einsicht in die totale und absolute Nichtigkeit und Vergänglichkeit des irdischen Lebens und in die Trug- und Traumbilder der Zivilisation, und der allgemein verbreiteten schrecklichen Verwüstungen in den großartigen Anlagen und im Kern humanistischer Gesinnung auf dem Grund menschlichen Wesens, und auf Grund der Vertreibung von Gottvergessenheit, Irrglaube und tauber, unfruchtbarer Naturphilosophie mit dem diamantenen Schwerte des Qur'an, und der Erkenntnis des so hässlichen und so erbärmlichen wahren Gesichts der allgemein über die Erde verbreiteten Politik, deren trügerischer Schleier aus Gottvergessenheit und Irrtum alles überdeckt und erstickt, besteht sicher und gewiss kein Zweifel daran, dass die Menschheit auf ihrer Suche nach ihrem in Wahrheit geliebten Menschenwesen das ewige Leben mit ganzer Kraft suchen wird, weil das irdische Leben,

das ihre weltliche Geliebte ist, so abstoßend und vergänglich ist, so wie wir es im Norden, im Westen und in Amerika bereits in Spuren erkennen können. Sie wird den Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, suchen. Seit 1360 Jahren werden alle seine Verordnungen und Lehren von seinen 350 Millionen Schülern in jedem Jahrhundert und Millionen Kennern der Wahrheit mit ihren Unterschriften bestätigt. Er wohnt in den Herzen von Millionen seiner Rezitatoren und unterrichtet mit ihren Zungen in jeder Minute die Menschen. Unvergleichbar mit einem anderen Buch verkündet er der Menschheit die frohe Botschaft vom ewigen Leben und der ewigen Glückseligkeit und heilt die Wunden der ganzen Menschheit. Dieser Qur'an ist es, der mit tausenden Versen mächtig und kraftvoll immer wieder, ja sogar zehntausendmal ausdrücklich oder hinweisend einlädt und berichtet und mit unerschütterlich sicheren Beweisen, mit zahllosen, unbezweifelbaren Zeugnissen die frohe Gewissheit vom ewigen Leben ausruft und die Lehre von der ewigen Glückseligkeit bringt. Nachdem die Menschheit seine Wahrheit verstanden hat, wird sie sicherlich, wie die berühmten Schriftsteller, die sich darum bemühen, dass der Qur'an in Schweden, Norwegen, Finnland und England angenommen werden möge, und die bedeutende Gruppe in Amerika, die nach dem wahren Glauben forscht, ja es werden sogar große Länder und ganze Staatenbünde, ihn mit ganzem Herzen und ganzer Seele annehmen, sofern die Menschheit nicht ganz und gar den Verstand verloren hat, oder der Untergang der materiellen oder geistigen Welt über sie hereingebrochen ist. Denn vom Standpunkt der Wahrheit aus betrachtet, hat der Qur'an mit Sicherheit nicht seinesgleichen und nichts kann den Platz dieses so großen Wunders einnehmen.

Die Risale-i Nur hat in der Hand des großen Wunders (d.h. des Qur'an) nicht nur als ein diamantenes Schwert gute Dienst erwiesen und ihre verstockten Feinde zur Aufgabe gezwungen, sondern vermag zudem auch das Herz,

den Geist und auch die Gefühle vollständig zu erleuchten, ihnen Heilmittel zu bereiten und auf diese Weise die Schätze des Qur'an bekannt zu machen. Die Risale-i Nur kennt außer ihm kein Quellen- oder Nachschlagewerk, widerspiegelt vielmehr seine Bedeutung vollkommen, hat alle Gegenpropaganda überstanden und die so starrsinnigen Atheisten vollständig besiegt. Sie hat die so feste und starke Burg der Naturphilosophen mit ihrer "Natur Risale" in Stücke geschlagen und die sich bis in weite Fernen ausdehnende Finsternis einer völlig undurchdringlichen, erstickenden Gottvergessenheit vertrieben, die sich so weit ausdehnenden Schleier der Naturwissenschaften mit der sechsten Problemstellung der "Frucht Risale" und mit dem Ersten, Zweiten, Dritten und Achten Zeugnis in dem Band "Stab Mosis" auf eine wirklich glänzende Weise zerrissen und das Licht der Einheit Gottes aufscheinen lassen.

Siebente Hoffnung

(aus dem Sechsundzwanzigsten Blitz)

In einer Zeit, am Anbeginn meines Altseins, als sich das Lachen des Alten Said in das Weinen des Neuen Said umgewandelt hatte, stellten sich die Weltleute (Politiker) in Ankara mich noch als den Früheren Said vor und luden mich dorthin ein. Ich ging. Es war bald Herbstende, da ich einmal die höchste Stelle der mehr als ich altgewordenen, zerfallenen, abgetragenen Festung von Ankara bestieg. Diese Festung erschien mir als Ereignisse der Geschichte, die sich in Stein verwandelt hatten. Der Herbst, Altsein des Jahres, mein Altsein, das Altsein der Festung, das Altsein der Menschheit, das Altsein des ruhmreichen osmanischen Reiches und das Ableben der Herrschaft des Kalifats und das Altsein der Welt ließen mich in einem überaus traurigen, niedergeschlagenen und schmerzvollen Zustand von dieser hohen Festung in die Bäche der vergangenen Zeit und auf die Berge der zukünftigen Zeit schauen, und ich schaute. In Ankara verspürte ich inmitten der vier-, fünffachen Finsternisse des Altseins, die ineinander eng umschlungen mich umfassten, einen dunkelsten geistigen Zustand,

{Damals war dieser geistige Zustand in Form eines Bittgebetes in persischer Sprache in der Abhandlung "Liebe (Hubab)" in Ankara erschienen.}

weshalb ich nach einem Licht, einer Tröstung, einer Hoffnung suchte. Nach rechts, in die vergangene Zeit schaute ich und suchte nach einer Tröstung. Die Vergangenheit erschien mir als ein riesiges Grabmal meines Vaters, meiner Großväter und meiner Gattung, und vermittelte mir ein Gefühl der Verlassenheit statt einer Tröstung. Die Zukunft, auf meiner linken Seite, betrachtete ich, um nach einer Abhilfe zu suchen. Ich sah sie als ein großes und finsteres Grab für mich, für meine

Altersgenossen und für die künftigen Generationen. Statt einer Vertrautheit überkam mich Entsetzen. Von rechts und links schaute ich entsetzt auf den gegenwärtigen Tag, in dem ich mich befand. Diesen meinen gottvergessenen und geschichtsbewussten Augen erschien dieser gegenwärtige Tag als ein Sarg, der einen halbtoten und auf der Schlachtbank leidenden Körper, quasi meinen Leichnam trug. Als ich dann auch in dieser Hinsicht verzweifelt war, hob ich meinen Kopf und betrachtete die Krone meines Lebensbaumes. Ich sah, dass dieser Baum nur eine einzige Frucht hatte, diese Frucht war mein Leichnam. Er hing oben am Baum und schaute mich an. Auch von diesem Anblick war ich entsetzt und senkte meinen Kopf. Ich betrachtete den unteren Teil, die Wurzel des Lebensbaumes. Ich sah, dass die Erde dort unten wie eine Mischung aus der Erde, zu der meine Knochen geworden waren, und der Erde, aus der sie ursprünglich erschaffen worden waren, quasi mit Füßen getreten wurden. Das war also auch kein Heilmittel, sondern fügte zu meinem Schmerz nur noch einen weiteren Schmerz hinzu. Blieb einzig noch der Blick nach hinten. Ich sah: Die Welt, die keine feste Grundlage hat und vergänglich ist, rollt in den Bächen der Nichtigkeiten und in dem Dunkel des Nichts immer weiter. Wo ich doch für meinen Schmerz nach einer lindernden Salbe suchte, wurde ihm noch Gift hinzugefügt. Da ich auf dieser Seite auch nichts Gutes sah, schaute ich nach dem, was vor mir lag und richtete meine Blicke dahin. Ich sah: Das Tor des Grabes stand offen, mitten auf meinem Weg. Mit geöffnetem Maul erwartete es mich. Hinter ihm verlief eine Straße, die in Richtung Ewigkeit führte, und die Scharen, die auf dieser Straße gingen, traten schon von weitem in mein Blickfeld.

Gegen diese Schrecken, die aus sechs verschiedenen Richtungen kamen, hatte ich nichts anderes außer dem Bruchteil einer persönlichen Entscheidungsfreiheit, die mir als einen Stützpunkt und Waffe zur Verteidigung dienen sollte. Diese persönliche Entscheidungsfreiheit, welche

gegen zahllose Feinde und unzählbare, schädliche Dinge die einzige Waffe des Menschen ist, ist mangelhaft, unzureichend, schwach und kann nichts zu Stande bringen. Sie kann einzig nur der Akzeptanz dienen. Weder vermag sie in die Vergangenheit zurückzugehen, sodass sie die Trauer, die mir aus ihr entstand, beenden könnte, noch in die Zukunft vorauszugehen, sodass sie die Ängste, die aus ihr erwuchsen, hindern könnte. Ich sah, dass sie meinen Hoffnungen und Schmerzen bezüglich dem, was vergangen ist und was noch kommen wird, nichts nutzte. Als ich noch in der Furcht, Verlassenheit, Finsternis und Verzweiflung, die aus diesen sechs Richtungen kamen, zappelte, eilten mir die Glaubenslichter, die am Himmel des Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, leuchteten, zur Hilfe. Sie erleuchteten diese sechs Seiten so sehr und füllten sie so mit Licht, dass, auch wenn sich jene Schrecken und Finsternisse hundertfach verstärkt hätten, dieses Licht dennoch gegen sie überreichlich wäre. Es verwandelte alle diese Schrecken einen nach dem anderen in Trost und diese Einöden eine nach der anderen in Vertrautheiten. Es ist dies wie folgt: Der Glaube zerreißt diese fürchterliche Gestalt eines großen Grabmales der vergangenen Zeit und zeigt mir mit augenscheinlicher, sogar wahrhaftiger Gewissheit, dass sie eine vertraute, erleuchtete Versammlung und ein Zusammentreffen der Freunde ist.

Und der Glaube zeigt mit wissenschaftlicher Gewissheit die Zukunft, die durch gottvergessene Betrachtung in der Gestalt eines großen Grabmals erscheint, in der Gestalt einer liebenswerten Versammlung bei dem Gastmahl des Erbarmers in den Palästen der Glückseligkeit.

Und der Glaube zerbricht die Gestalt der gegenwärtigen Zeit, die in gottvergessener Betrachtung wie ein Sarg aussieht, und auch die Gestalt dieses gegenwärtigen Tages und lässt diesen Tag sichtbar vor Augen die Gestalt eines Geschäftes annehmen, eines Handelsabkommens für das Jenseits, eines prächtigen Gästehauses des Erbarmers.

Und der Glaube zeigt mit wissenschaftlicher Gewissheit, dass die einzige Frucht, die der Baum des Lebens trägt, nicht eine Leiche ist, wie es ja in gottvergessener Betrachtungsweise erscheint, sondern dass mein Geist, der das ewige Leben in sich trägt und ein Anwärter für die ewige Glückseligkeit ist, sein zerfallendes Nest verlässt, um zu den Sternen zu reisen.

Und der Glaube zeigt mir in dem Geheimnis des Glaubens, dass die Erde, zu der meine Knochen geworden sind und die Erde, aus der sie erschaffen wurden, keine bedeutungslosen, vermoderten Gebeine sind, die man mit Füßen tritt, sondern dass diese Erde das Tor der Barmherzigkeit und ein Vorhang vor dem Saal des Paradieses ist.

Und der Glaube zeigt mir im Geheimnis des Qur'an den Zustand der Welt, die hinter mir lag und in Gottvergessenheit betrachtet in Nichtigkeit, in der Finsternis des Nichtseins dahinrollte. Was diese Welt, die scheinbar in Finsternissen dahinrollt, betrifft, so zeigt der Glaube mir, dass sie ein Teil der Briefe dessen ist, der nichts und niemandes bedarf, dessen aber alles und jedes bedarf, und dass sie die Seiten der Ornamente des Gepriesenen ist, die ihren Auftrag erfüllten, ihren Sinn zum Ausdruck brachten und ihre Früchte an ihrer Stelle im Dasein ließen.

Und der Glaube zeigte mir, im Lichte des Qur'an, das Grab, das vor mir mit aufgerissenen Augen auf mich lauerte, und die Straße, die hinter dem Grab in die Ewigkeit führt, dass dieses Grab kein Eingang zu einem Schacht ist, sondern das Tor in die Welt des Lichtes, und dass dieser Weg nicht in die Nichtigkeit und in das Land des Nichts führt, sondern ins Dasein, in das Land des Lichts und in die ewige Glückseligkeit. Da der Glaube mir dies vollkommen überzeugend zeigte, wurde das Grab zu einem Heilmittel und einer Salbe für meine Wunden.

Und der Glaube verleiht dem Menschen anstelle einer bruchstückhaften, persönlichen Entscheidungsfreiheit, die kaum mehr ist als ein wenig Akzeptanz, eine Urkunde, die sich in der Hand dieser persönlichen Entscheidungsfreiheit gegen zahllose Feinde und Finsternisse auf eine nicht endende Macht stützt und mit einer grenzenlosen Barmherzigkeit verbindet. Vielmehr wird der Glaube zu einer Urkunde in der Hand dieser persönlichen Entscheidungsfreiheit. Diese persönliche Entscheidungsfreiheit ist Waffe des Menschen, zwar selbst noch unzulänglich, schwach und mangelhaft. Aber wie ein Soldat, der, wenn er seine persönliche sehr geringe Kraft im Namen des Staates verwendet, tausendfach mehr Arbeiten, als in seiner Kraft liegen, vollbringen kann, genauso kann durch das Geheimnis des Glaubens auch diese bruchstückhafte, persönliche Entscheidungsfreiheit ein Paradies von einer fünfhundertjährigen Breite gewinnen, wenn sie im Namen Gottes des Gerechten auf Seinen Wegen eingesetzt wird.

Und der Glaube nimmt die Zügel dieser persönlichen Entscheidungsfreiheit, die in die vergangene und die zukünftige Zeit nicht eindringen kann, aus den Händen des Leibes und übergibt sie dem Herzen und dem Geist. Da aber der Lebensbereich des Geistes und des Herzens nicht nur auf die gegenwärtige Zeit beschränkt ist wie der des Körpers und sowohl sehr viele Jahre der Vergangenheit als auch sehr viele Jahre der Zukunft zu seinem Lebensbereich gehören, bleibt diese persönliche Entscheidungsfreiheit nicht mehr nur persönlich und bruchstückhaft sondern gewinnt ihre Ganzheit. Wie sie in die tiefsten Bäche der vergangenen Zeit durch die Kraft des Glaubens eindringen und die Finsternis aller Traurigkeit beseitigen kann, so kann sie durch das Licht des Glaubens die fernsten Berge der Zukunft besteigen, und die Ängste vernichten.

Nun, ihr Geschwister, Damen und Herren in hohem Alter, die ihr wie ich die Mühsal des Alters durchmachen müsst!

Elhamdulillah, aller Dank sei Allah, dass wir nun einmal Leute des Glaubens sind und da im Glauben so viele lichtvolle, angenehme, liebliche, süße versteckte Schätze vorhanden sind, und da unser Alter uns an diese Schätze noch näher heranführt, sollten wir uns doch in jedem Fall nicht über das Alter, wenn es denn aus dem Glauben gelebt wird, beklagen, sondern vielmehr dafür tausende Male danken.

Achte Hoffnung

Zu einer Zeit, da sich mein Haupt mit weißen Haaren, dem Merkmal meines Alters zu bedecken begann, sah ich den Tumult des Weltkrieges, welcher den tiefen Schlaf meines Jungseins (in dem ich mich bis dahin noch immer befunden hatte) noch mehr vertiefte, erfuhr ich die Ungewissheit meiner Gefangenschaft, stieg auf zu Amt und Würden, Ehre und Ansehen. Als ich dann in Istanbul ankam, wurde ich, angefangen von dem Kalifen, über den Scheich-ul'Islam, den Obersten Kommandanten bis hinab zu den Schülern in den Medressen mit weit größerer Hochachtung willkommen geheißen, als mir eigentlich zustand. Der Rausch der Jugendzeit und die geistige Haltung, die aus diesem Zustand erwuchs, vertiefte jenen Schlaf dermaßen, dass ich die Welt als quasi beständig und mich selbst in einem seltsamen Zustand erfuhr, gleich einem, der, als sei er selbst unsterblich, der Welt verhaftet ist.

In jener Zeit ging ich im heiligen Monat Ramadan in die gesegnete Moschee Bayezid in Istanbul, um den Rezitatoren zu lauschen, die den Qur'an aufrichtigen Herzens vortrugen. Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, verkündet mit seinem hohen Anspruch vom Himmel herab durch den Mund der Rezitatoren den Erlass

كُلُّ نَفْسٍ ذَائِقَةُ الْمَوْتِ

{"Eine jede Seele wird einmal den Tod kosten!" (Sure 3, 185)}

mit großer Macht, ein Ruf, welcher die Vergänglichkeit des Menschen und die Sterblichkeit alles Lebendigen verkündet. Dieser Ruf drang in mein Ohr ein, nistete in meinem Herzen, schlug jene so mächtigen Schichten des Schlafes, des Rausches und der Gottvergessenheit in Stücke. Ich ging aus der Moschee. In der Trunkenheit jenes langen und tiefen Schlafes, der so lange über meinem

Haupte gelegen hatte, erlebte ich mich noch Tage lang wie ein Schiff, das gleich einem Unwetter, Feuer und Rauch über meinem Kopf, die Orientierung verloren hat. Jedes Mal, wenn ich mich im Spiegel betrachtete, sagten mir meine weißen Haare: "Gib Acht!" In der Ermahnung meiner weißen Haare wurde mir meine Lage klar und ich sah:

Die Jugendzeit, der ich so sehr vertraut hatte und in deren Freuden ich vernarrt gewesen war, sagte mir Lebewohl. Und das irdische Leben, dessen Liebe ich so sehr verhaftet gewesen war, begann zu verlöschen. Und die Welt, der ich so sehr verhaftet gewesen, in die ich geradezu verliebt gewesen war, sagte mir: "Viel Glück auf deinem Weg!", und gemahnte mich daran, dass ich aus diesem Gasthaus ausziehen werde. Sie selbst aber sagte zu mir: "Gott befohlen!" und bereitete sich auf ihren Abschied vor. Wenn der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, den Vers

كُلُّ نَفْسٍ ذَائِقَةُ الْمَوْتِ

{"Eine jede Seele wird einmal den Tod kosten!" (Sure 3, 185)}

in seinem gesamten Sinngehalt verkündet, so sagt er damit: "Die Menschheit ist in ihrer Ganzheit eine Seele. Um wieder aufzuerstehen, wird sie sterben. Und auch die Erde ist eine Seele. Um ihre ewige Gestalt annehmen zu können, wird auch sie sterben. So ist auch der gesamte Kosmos eine Seele. Um seine jenseitige Gestalt annehmen zu können, wird sie auch sterben." Meinem Herzen öffnete sich diese Bedeutung durch den Hinweis dieses Qur'anverses.

In dieser Verfassung betrachtete ich meine Lage: Die Jugend, die die Quelle der Freude ist, vergeht. An ihre Stelle tritt das Alter, das der Ursprung der Trauer ist. Und dieses so glanzvolle, strahlende Leben vergeht. Der uns so finster und schrecklich erscheinende Tod bereitet sich vor, an seine Stelle zu treten. Ich sah, dass die Welt,

die wir in ihrer Beständigkeit für so lieblich halten, und die die Geliebte der Gottvergessenen ist, in großer Geschwindigkeit ihrem Untergang entgegen strebt.

Um mich selbst zu täuschen und meinen Kopf erneut in die Gottvergessenheit zu versenken, hielt ich nach dem Genuss gesellschaftlicher Anerkennung Ausschau, die ich in Istanbul weitaus mehr erfahren hatte, als ich verdiente, was mir jedoch nichts nutzte. Alle Hochachtung, alles Entgegenkommen und aller Trost können nur bis an das nahegelegene Tor des Grabes reichen und verlöschen dort. Und unter dem geschmückten Schleier des Ruhmes und der Würde, die ein Traumziel der Ruhmsüchtigen ist, sah ich eine bedrückende Heuchelei, eine kalte Selbstgefälligkeit und einen nur vorübergehenden Rausch. Und so verstand ich, dass diese Dinge, die mich bis jetzt getäuscht hatten, mir keinerlei Trost geben können und es in ihnen überhaupt kein Licht gibt. Um erneut vollständig zu erwachen, begann ich wieder den Qur'an-Rezitationen in der Bayezid Moschee zuzuhören, um an der himmlischen Lektion des Qur'an teilzunehmen. Sodann vernahm ich und entnahm dieser himmlischen Lektion frohe Botschaften mit heiligen Erlassen wie

وَبَشِّرِ الَّذِينَ اٰمَنُوا

{"Verkünde frohe Botschaft denjenigen, die glauben, usw."}

Durch den Segen, den ich aus dem Qur'an erhielt, suchte ich nicht mehr von außerhalb Trost, sondern gerade innerhalb jener Dinge, die mir Furcht, Verlassenheit und Verzweiflung einflößten, nun den Trost, die Hoffnung und das Licht. Dank sei Gott dem Gerechten hunderttausendmal: Innerhalb des Schmerzes selbst fand ich das Heil, innerhalb der Finsternis selbst fand ich das Licht und innerhalb der Furcht selbst fand ich den Trost. Als allererstes betrachtete ich das Gesicht des Todes, das alle in Schrecken versetzt und das als das Allerschrecklichste dargestellt wird. Ich sah im Lichte des Qur'an:

Der Schleier des Todes ist zwar finster, schwarz und hässlich; für einen Gläubigen aber ist sein wirkliches Antlitz schön und von guter Ausstrahlung. Und in vielen Abhandlungen stellte sich diese Tatsache mit unwiderlegbar sicheren Beweisen heraus. Wie wir schon in vielen Abhandlungen wie in dem "Achten Wort" und in dem "Zwanzigsten Brief" erläuterten, ist der Tod keine Hinrichtung, keine Trennung, sondern der Anfang des ewigen Lebens, sein Anbeginn und der Feierabend von der Mühsal des Lebensauftrages, eine Entlassung und ein Ortswechsel. Er ist ein Wiederzusammentreffen mit den Scharen der Freunde, die in das Zwischenreich ausgewandert sind. Durch dergleichen Wahrheiten wie diese, erkannte ich das wahre, schöne Gesicht des Todes. Nicht fürchtend, sondern in einer Hinsicht sehnsüchtig betrachtete ich das Antlitz des Todes. Ich verstand nun ein Geheimnis, das den Ordensleuten entsprechend in dieser Verbundenheit mit dem Tod liegt.

Dann betrachtete ich mir die Jugendzeit, die in ihrem Vergehen mich wie jeden zum Weinen bringt, über die jeder entzückt ist, deren Liebhaber ein jeder ist, und die mit Sünden und in Gottvergessenheit vergeht und vergangen ist. In ihrem derartig schönen, geschmückten Kleid erkannte ich ein überaus hässliches, trunkenes, berauschtes Gesicht. Hätte ich ihren Sinn nicht schon vorher erkannt, so hätte sie mich für hundert Jahre zum Weinen gebracht - falls ich so lange auf Erden verweilt hätte - nachdem sie mich für einige Jahre berauscht und zum Lachen gebracht hatte. Wie auch einer derer, denen es so ergangen war unter Tränen gesagt hat:

لَيْتَ الشَّبَابَ يَعُودُ يَوْمًا فَاُخْبِرَهُ بِمَا فَعَلَ اْلمَشِيبُ

Das heißt: "Ach könnte meine Jugendzeit eines Tages zurückkehren, würde ich mich bei ihr beklagen, welch traurige Zustände dieses Altsein über mich brachte."

Tatsächlich weinen die Alten - wie der obige - die den Sinn der Jugendzeit nicht kannten, indem sie sie bedauern und sich nach ihr sehnen, wenn sie an sie zurückdenken. In Wirklichkeit ist die Jugend ein ganz besonders solventes Handelsgut, ein guter und schöner Anlass zu segensreichen Taten, wenn sie von den Gläubigen, den Leuten des Herzens, d.h. Leuten, die sich ständig der Gegenwart Gottes bewusst sind und die ihre Sinne beisammen und das Herz am rechten Fleck haben, für Gottesdienst, für segensreiche Taten und für einen Handel ausgegeben wird, der für das Jenseitige nutzt. Und diese Jugend ist für diejenigen, die sie nicht missbrauchen, sondern die ihre religiöse Pflicht kennen, ein Geschenk Gottes, das wertvoll ist und froh stimmt. Wenn die rechte Leitung, Sittsamkeit und Gottesfurcht nicht die Jugendzeit begleitet, ist sie sehr gefährlich. Durch ihre übermütigen Handlungen schwächt die Jugend ihr Ewiges Glück und das jenseitige Leben. Sie verdirbt vielleicht auch ihr weltliches Leben vollkommen. Ja, sie wird sogar an Stelle der ein-, zweijährigen Freude in der Jugendzeit viele Jahre im Alter Kummer und Sorge haben. Die meisten Menschen kommen in ihrer Jugendzeit zu Schaden. Daher müssen wir Alten, Allah danken, dass wir nicht mehr den schädlichen und gefährlichen Einflüssen der Jugendzeit ausgesetzt sind. Wie alle Dinge werden auch mit Sicherheit die Freuden der Jugend vergehen. Wurde aber diese Zeit für Gottesanbetung und segensreiche Taten ausgegeben, bleiben an ihrer Stelle ihre Früchte bestehen und bewirken, eine Jugend im ewigen Leben zu gewinnen.

Dann betrachtete ich die Welt, in die die meisten Menschen verliebt und vernarrt sind. Im Lichte des Qur'an sah ich: Es gibt drei universelle Welten, die ineinander verflochten sind.

Der Aspekt der ersten betrifft die Namen Gottes, für die sie als Spiegel dient!

Der Aspekt der zweiten betrifft das Jenseits, für das sie ein Acker ist!

Der Aspekt der dritten betrifft die Weltleute! Für Leute, die gottvergessen leben, ist sie ein Spielplatz.

Zudem hat jeder in dieser Welt seine eigene riesengroße Welt. So, als ob nach der Anzahl der Menschen Welten ineinander verflochten sind. Aber für jeden ist sein eigenes Leben die tragende Säule seiner persönlichen Welt. Wenn aber sein Körper zusammenbricht, bricht auch seine eigene Welt über seinem Kopf zusammen und bricht auch sein Weltuntergang an. Da die gottvergessen lebenden Leute diesen Zustand ihrer eigenen Welt (in sich), die so leicht zusammenzubrechen droht, nicht kennen, halten sie sie für so beständig wie die Welt (um sich und) im Allgemeinen und beten sie an.

"So wie die Welten der anderen habe auch ich eine Welt für mich, die leicht zerbricht und verdirbt. Was hat diese meine persönliche Welt in dieser so kurzen Lebensspanne für einen Nutzen?", fragte ich mich. Im Lichte des Qur'an erkannte ich: Sowohl für mich, als auch für jeden anderen gleicht diese Welt einem zeitweiligen Messe- und Handelszentrum, einem Gasthaus, das sich jeden Tag füllt und wieder leert, einem Basar, der zum Anund Verkauf aller, die da auf der Straße kommen und gehen, errichtet ist, ein Buch, in dem der urewige Designer in Seiner Weisheit immer wieder aufs Neue schreibt und wieder löscht. Jeder Frühling ist ein Brief von Ihm, geschrieben mit goldenen Lettern; und jeder Sommer ist Seine gereimte Kasside. Die Welt ist eine Vielzahl von Spiegeln, die die Erscheinungen der Namen des majestätischen Schöpfers immer neu zeigen. Sie gleicht einer Baumschule für das Jenseits, einem Setzbeet der Barmherzigkeit Gottes, einem Webstuhl, der vorübergehend aufgestellt wurde, um die Szenen, die in der ewigen Welt gezeigt werden sollen, auf ihm zu gestalten. In diesem Sinn erkannte ich die Welt und dankte hunderttausendmal dem majestätischen Schöpfer, der diese Welt in dieser Form und Gestalt erschafft. Und ich erkannte, dass diejenigen, denen die Liebe zur Welt, die doch der

Menschheit als deren schöner innerer Aspekt geschenkt wurde, der das Jenseits und die Namen Gottes betrachtet, missbrauchen und sie (die Liebe) als deren vergänglichen, hässlichen und verderblichen Aspekt ausgeben, einen Aspekt der Gottvergessenheit, der den Sinn der heiligen Hadith

حُبُّ الدُّنْيَا رَأْسُ كُلِّ خَطِيئَةٍ

{"Die Liebe zur Welt ist der Anfang aller Fehler."}

erkennen lässt.

Dies also, meine Damen und Herren im vorgerückten Alter, habe ich im Lichte des Weisen Qur'an und durch mein eigenes Alter als Wahrheit erkannt, nachdem mir der Glaube die Augen geöffnet hatte. Und in vielen Abhandlungen bewies ich sie mit unwiderlegbaren Zeugnissen. Ich fand dadurch eine wahrhaftige Tröstung, eine starke Hoffnung und ein hell strahlendes Licht. Ich fand Zufriedenheit in meinem Alter und war froh, dass meine Jugend vorüber war. So sollt auch ihr nicht weinen, sondern danken. Da dies nun einmal der Glaube ist und so die Wahrheit, mögen die Leute der Gottvergessenheit weinen, mögen die Leute des Irrweges weinen...

Die sechste Problemstellung aus der "Frucht-Risale"

Den Erklärungen in den meisten Abschnitten der Risale-i Nur und dem Beweis durch zahllose unwiderlegbare Zeugnisse entsprechend wird hier nur ein Hinweis auf ein einziges Zeugnis unter Tausenden allgemeingültigen für den Glauben an Allah angeführt.

Ein Teil der Schüler des Gymnasiums in Kastamonu besuchte mich. Sie sagten: "Unterrichte uns bitte über unseren Schöpfer. Unsere Lehrer in der Schule sprechen von Allah überhaupt nicht."

Ich sagte ihnen: Jede Wissenschaft, die euch in der Schule gelehrt wird, spricht ständig auf ihre eigene Art von Allah und unterrichtet über den Schöpfer. Wendet also eure Aufmerksamkeit dieser und nicht den Lehrern zu.

Zum Beispiel: Eine vollkommen eingerichtete Apotheke, ausgestattet mit zahllosen Tuben und Gläsern, in denen sich lebensspendende Seren und Arzneimittel - zusammengestellt mit Hilfe einer hochempfindlichen Waage - befinden, weist ohne Zweifel auf einen hochgelehrten Chemiker, Arzt und Apotheker hin. Ebenso weisen auch die Seren und Arzneimittel in den Tuben und Gläsern, mit denen wir die 400 tausend verschiedenen Pflanzen- und Tierarten vergleichen können, die sich in der Apotheke unserer Erde finden, selbst noch blinde Augen darauf hin, in welchem Maße vollkommener und größer als diese Apotheke in unserer Straße die große Apotheke der Welt sein muss, und der Apotheker und Arzt in all Seiner Majestät in ihr, wenn ihr sie mit den Maßstäben der medizinischen Wissenschaft betrachtet, die ihr studiert.

Ein weiteres Beispiel: Eine wundervolle Fabrik, die tausende verschiedener Stoffe aus einfachem Material webt, unterrichtet uns zweifelsfrei über ihren Fabrikanten und

hochgelehrten Maschinenbauer. Ebenso teilt uns auch diese rollende Produktionsanlage des Herrn, die wir unsere Erde nennen, mit ihren hunderttausenden von Lieferungsausgängen und hunderttausenden vollständiger Fabriken an jedem einzelnen von ihnen, mit und unterrichtet uns darüber, in welchem Grade der Erbauer und Besitzer dieser Erdkugel, mit den Maßstäben der Maschinenbaukunde, die ihr studiert, größer und vollkommener ist, als diese Fabrik von Menschenhand.

Ein weiteres Beispiel: Ein vollständig eingerichtetes Depot, ein Lebensmittellager, ein Laden, in dem tausend und noch eine verschiedener Güter von allen Seiten herangeholt geordnet und bereitgestellt liegen, lässt uns zweifelsfrei erkennen, wer es verwaltet und sein Herr und Besitzer ist. Ebenso lässt uns dieses Depot, dieser Laden des Herrn mit seinen tausend und noch einem verschiedenen Geräten, Gütern und Konservenpaketen, erkennen, in welchem Maße dieses Raumschiff des Hochgelobten, das ein Lebensmittellager des Allerbarmers ist und das wir unsere Erde nennen, die in einem Jahr ihre regelmäßige Reise in einem Kreis von 24 tausend Jahren Fußweg beschreibt, dabei noch hunderttausend Arten trägt, die der verschiedensten Speisen bedürfen, und das auf seiner Fahrt durch die Jahreszeiten reist, wobei der Frühling einem großen Waggon - gefüllt mit tausenden verschiedenster Speisen für die notleidenden Lebewesen - gleicht, die ihre Nahrung im Winter aufgezehrt haben, verglichen mit den Maßstäben der Wirtschaftswissenschaften, die ihr studiert habt und noch studieren werdet, größer und vollkommener ist als diese Anlagen und unterrichtet uns dementsprechend mit vollkommener Sicherheit über den Herrn, der dieses Depot lenkt, leitet und verwaltet, das unsere Erdkugel ist, und weckt unsere Begeisterung für Ihn.

Ein Heer, in dem sich 400 tausend Völker zusammenfinden, deren jedes nach seiner eigenen Verpflegung

verlangt, seine eigenen Waffen benötigt, seine eigene Kleidung trägt, deren jedes nach eigener Anordnung übt und nach einem anderen Zeitraum entlassen wird, dieses Heer und sein Lager mit seinem Kommandanten, der einzig und allein allen diesen verschiedenen Völkern ihre ganz unterschiedliche Verpflegung und völlig verschiedenen Waffen, ihre Kleidung und Ausrüstung gibt, ohne dabei etwas zu vergessen oder zu verwechseln, weist offensichtlich und ohne allen Zweifel auf eben diesen wunderbaren Kommandanten hin und weckt unsere Begeisterung für ihn. Ebenso lässt auch das Heerlager, das sich in jedem Frühling über das Antlitz der Erde erhebt und aufs Neue seine Waffen aufnimmt, ein neues Heer des Hochgelobten aus 400 tausend Tier- und Pflanzenvölkern, die ganz verschiedene Bekleidung, Verpflegung und Ausrüstung erhalten und denen ein einziger allmächtiger Oberbefehlshaber in vollendeter Ordnung ihre Stellungs- und Entlassungsbefehle erteilt, ohne irgendetwas zu vergessen oder zu verwechseln, für jeden, der seinen Verstand beisammen hat, erkennen, in welchem Maße dieses Heerlager der Erde im Frühling, verglichen mit den Maßstäben der Militärwissenschaft, die ihr studieren wollt, größer und vollkommener ist als das obenerwähnte menschliche Heer und Heerlager, und unterrichtet uns dementsprechend, Ihn mit Lobpreis und Bewunderung als unseren Herrn und Herrscher, der die Welt lenkt und befehligt in Heiligkeit anzunehmen, erweckt in uns Dank und Verehrung und ruft unsere Begeisterung für Ihn wach.

In einer wunderbaren Stadt mit Millionen von kreisenden elektrischen Lampen, die überall hin gelangen, lassen diese Lampen, die immer mit Brennstoff versorgt sind, und ihre Fabrikation offensichtlich und ganz ohne Zweifel ihren wunderwirkenden Meister und über alles fähigen Elektriker, der die Fabrik erbaut und die kreisenden Lampen erschaffen hat und sie mit Brennstoff versorgt, der auch die elektrischen Anlagen überwacht, voll

Bewunderung erkennen, segnen und sich für ihn begeistern. Ebenso stoßen auch die Sternenlampen an der Schlossdecke der Welt in dieser kosmischen Stadt, obwohl doch einige von ihnen - nach Aussage der Astronomen - tausendmal größer sind als unsere Erdkugel und sich siebzigmal schneller bewegen als eine Kanonenkugel, nicht miteinander zusammen, erlöschen nicht und sind stets mit Brennstoff versorgt. Auch unsere Sonne, die, wie ihr gehört habt, nach Aussage der Astronomen millionenmal größer als unsere Erde ist und viele Millionen Jahre alt und eine Lampe und ein Ofen in diesem Gasthaus des Allbarmherzigen und für die täglich so viele Meere an Heizöl notwendig wären, wie die Ozeane der Erde, oder ganze Gebirge von Kohle oder Holzstöße, so groß wie tausend Erden, um sie nicht ausgehen zu lassen, und die erhabenen Sterne, die wie sie ohne Öl, ohne Holz und ohne Kohle brennen und nicht auslöschen und rasch miteinander dahineilen, ohne aneinander zu stoßen, weisen mit ihren Lichtfingern auf die allumfassende Gewalt und Herrschaft Gottes hin und zeigen uns, um wie vieles größer und in welchem Maße vollkommener als in diesem unserem Beispiel, die Lampen und Leuchten dieses Weltenschlosses in unserer wundersamen kosmischen Stadt sind. Wenn ihr die Elektrotechnik dementsprechend studiert oder noch studieren werdet, wird sie uns in gleichem Maße über den König unterrichten, der dieses gewaltige Ausstellungsgelände des Kosmos' eingerichtet hat und es verwaltet und dessen die leuchtenden Sterne Zeugen sind und deren Beleuchtungsmeister Er ist, und in Lobpreis und Verherrlichung unsere Begeisterung und Verehrung für Ihn wecken.

Gäbe es, um ein weiteres Beispiel anzuführen, ein Buch, in dessen einzelne Zeilen sehr klein ein ganzes Buch hineingeschrieben sei und in dessen einzelne Worte mit feinem Stift eine Sure des Qur'an hineingeschrieben sei, ein sehr bedeutungsvolles Buch, in dem sich alle Themen gegenseitig stützen und ergänzen, so zeigte dieser wunderbare Band die außerordentlichen Fähigkeiten

und Begabungen seines Schreibers und Verfassers und ließe uns ohne Zweifel, klar wie der Tag, die Vollkommenheit seines Schreibers, seines Autors, erfahren und seine Kunstfertigkeit erkennen. Es würde uns dazu veranlassen, "Mashaallah, Barekallah!" zu sagen und unsere Verehrung zum Ausdruck zu bringen. Ebenso lässt auch dieses große Buch der Schöpfung, in dem eine einzige Seite die Oberfläche unserer Erde ist und auf ihr ein einzelner Bogen der Frühling mit seinen 400 tausend Tier- und Pflanzenarten, die 400 tausend Büchern gleichen, und in dem, wie wir mit eigenen Augen sehen, ein Wort gleich einem Baum wie eine Kasside oder ein Kern gleich einem Punkt fehlerlos, makellos, ohne sich zu irren oder etwas zu verwechseln, vollkommen und wohlgeordnet eines im anderen das vollständige Verzeichnis eines Buches niedergeschrieben wurde, von einer Feder bewerkstelligt, dieser Sammelband des Alls erkennen, dass diese Verkörperung des Großen Qur'an der Welt, in dem sich so unendlich viele Bedeutungen und mit jedem Wort so viele Weisheiten finden, so viel größer, vollkommener und bedeutender ist, als unser Buch in dem obenerwähnten Beispiel und wie im gleichen Grade, betrachtet mit dem großen Maßstab und dem scharfen Blick der Physik, die ihr lernt, und durch die Lese- und Rechtschreibkunde, die ihr in der Schule praktisch übt, der Designer dieses kosmischen Buches und sein Schreiber so grenzenlos vollkommen ist. Es macht Ihn durch das Wort "Allahu Ekber" bekannt, heiligt und erhebt Ihn mit "Subhanallah ", lobpreist Ihn mit "Elhamdulillah" und weckt unsere Begeisterung für Ihn.

So ermöglicht also einem Menschen jede von Hunderten von Wissenschaften sowie die obenerwähnten Wissensbereiche mit ihren geeichten Maßstäben, ihrem eigenen Spiegel und mit ihrer weitsichtigen Optik eine Betrachtungsweise, durch die er den glorreichen Schöpfer dieses Kosmos' in Seinen Namen erkennen, Ihn durch Seine Attribute und in Seiner Vollkommenheit schauen kann.

So ist es denn, um diesen obenerwähnten Beweis zu führen, der ein wunderbares und glänzendes Zeugnis der Einheit ist, dass der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, so häufig die folgenden Verse wiederholt:

رَبُّ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ خَلَقَ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضَ

{"Herr der Himmel und der Erde." "Er schuf die Himmel und die Erde."}

Mit solchen Versen unterrichtet uns der Qur'an über unseren Schöpfer, habe ich den jungen Schülern gesagt. Sie haben auch alles so angenommen und zur Bestätigung gesagt: "Unendlicher Dank sei unserem Herrn dafür, dass wir eine so reine und wahrheitsgetreue Lektion erhalten haben. Möge Allah mit dir zufrieden sein!" Da habe auch ich zu ihnen gesagt:

"Der Mensch, der unter tausend verschiedenen Schmerzen leiden und tausend unterschiedliche Arten von Freuden genießen kann, ist als ein lebendiger Organismus, der über seine große Schwäche hinaus auch noch zahllose innere und äußere Feinde und über seine grenzenlose Armseligkeit hinaus auch noch von unendlich vielen äußeren und inneren Faktoren abhängig ist, ein armseliges Geschöpf, auf das unablässig die Schläge des Untergangs und der Trennung herabprasseln. Wenn er sich aber nun plötzlich dem König in Seiner Majestät voll Glaube und Anbetung verbindet und nun gegen alle seine Feinde einen Stützpunkt und in all seinen Bedürfnissen einen Quellgrund der Hilfe findet, so könnt ihr euch vorstellen, wie er, gleich jedem, der sich durch die Zugehörigkeit zu seinem Herrn geehrt fühlt und auf seinen Stand stolz ist, wenn er sich nur einem solchen allmächtigen und allbarmherzigen König gläubig verbindet, anbetend in Seinen Dienst tritt und sein ewiges Verbannungsurteil in eine Entlassungsurkunde umwandelt, in einer großen Zufriedenheit und Dankbarkeit und mit einer tiefen Ehrerbietung stolz sein kann."

Was ich damals den jungen Schülern gesagt habe, das sage ich noch einmal genauso meinen vom Unglück betroffenen Mitgefangenen: Wer Ihn kennt und Ihm gehorcht, der ist ein Glückseliger, säße er auch in einem Gefängnis. Wer Ihn vergisst, und säße er auch in einem Schloss, der ist ein Unglückseliger. Ja, es sagte einmal ein solcher Glückseliger, der zu Unrecht verurteilt worden war, bei seiner Hinrichtung zu den unglückseligen Gewaltmenschen: "Ich werde nicht hingerichtet, vielmehr gehe ich mit einer Entlassungsurkunde in die ewige Seligkeit ein. Ich sehe euch aber zu ewiger Verbannung verurteilt und das ist für mich eine vollständige Genugtuung."

لآَ إِلٰهَ إِلاَّ اللهُ

{"Es gibt keinen Gott außer Allah!"}

sagte er und gab freudig seine Seele hin.

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Erster Teil eines Briefes zum "Zehnten Wort"

- ein wichtiger Anhang.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ فَسُبْحَانَ اللهِ حِينَ تُمْسُونَ وَحِينَ تُصْبِحُونَ وَلَهُ الْحَمْدُ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ وَعَشِيًّا وَحِينَ تُظْهِرُونَ يُخْرِجُ الْحَىَّ مِنَ الْمَيِّتِ وَيُخْرِجُ الْمَيِّتَ مِنَ الْحَىِّ وَيُحْيِى اْلأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا وَكَذٰلِكَ تُخْرَجُونَ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَكُمْ مِنْ تُرَابٍ ثُمَّ اِذَآ أَنْتُمْ بَشَرٌ تَنْتَشِرُونَ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ أَنْ خَلَقَ لَكُمْ مِنْ أَنْفُسِكُمْ أَزْوَاجًا لِتَسْكُنُوٓا إِلَيْهَا وَجَعَلَ بَيْنَكُمْ مَوَدَّةً وَرَحْمَةً إِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَتَفَكَّرُونَ وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ أَلْسِنَتِكُمْ وَأَلْوَانِكُمْ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِلْعَالِمِينَ وَمِنْ اٰيَاتِهِ مَنَامُكُمْ بِالَّيْلِ وَالنَّهَارِ وَابْتِغَآؤُكُمْ مِنْ فَضْلِهِ اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَسْمَعُونَ وَمِنْ اٰيَاتِهِ يُرِيكُمُ الْبَرْقَ خَوْفًا وَطَمَعًا وَيُنَزِّلُ مِنَ السَّمَآءِ مَآءً فَيُحْيِى بِهِ اْلأَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَا اِنَّ فِى ذٰلِكَ َلاٰيَاتٍ لِقَوْمٍ يَعْقِلُونَ وَمِنْ اٰيَاتِهِٓ اَنْ تَقُومَ السَّمَآءُ وَاْلأَرْضُ بِأَمْرِهِ ثُمَّ اِذَا دَعَاكُمْ دَعْوَةً مِنَ اْلأَرْضِ اِذَآ أَنْتُمْ تَخْرُجُونَ وَلَهُ مَنْ فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ كُلٌّ لَهُ قَانِتُونَ وَهُوَ الَّذِى يَبْدَؤُا الْخَلْقَ ثُمَّ يُعِيدُهُ وَهُوَ أَهْوَنُ عَلَيْهِ وَلَهُ الْمَثَلُ اْلأَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلأَرْضِ وَهُوَ الْعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Lob, Preis und Dank sei Allah, wenn es für Euch Abendzeit und Morgenzeit geworden ist und Lob Ihm in den Himmeln und auf Erden zur Mittagsstunde und wenn der Tag sich neigt. Er bringt das Lebendige aus dem Toten hervor und lässt das Tote entstehen aus dem Lebendigen. Er schenkt der Erde wieder das Leben nach ihrem Tode und so werdet auch Ihr wieder hervorgerufen werden. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch aus dem Staube erschaffen hat. Siehe da wurdet Ihr zu Menschen, die sich ausbreiteten! Und zu Seinen Zeichen (ayat) gehört es, dass Er für Euch Gefährten erschaffen hat aus Euch selbst, dass Ihr ihnen beiwohnet. Und Er hat Liebe und Erbarmen unter Euch gesetzt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die nachdenken. Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung der Himmel und der Erde und die Verschiedenartigkeit Eurer Zungen (= Sprachen) und (Haut)farben. Wahrlich darin finden sich ja Zeichen für die Wissenden. Und zu Seinen Zeichen gehört Euer Schlaf in der Nacht und am Tage und Euer Trachten nach Seiner Huld (fadl). Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für solche, die hören. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Er Euch den Blitz zeigt zur Furcht und zur Hoffnung und Wasser herabsendet vom Himmel und damit die Erde vom Tode erweckt. Wahrlich, darin finden sich ja Zeichen für Leute von Verstand. Und zu Seinen Zeichen gehört es, dass Himmel und Erde fest stehen auf Sein Geheiß. Wenn Er Euch dann wieder aus der Erde hervorruft, so ersteht Ihr neu. Sein ist, was in den Himmeln und auf Erden ist und alles gehorcht Ihm. Er ist es, der die Schöpfung hervorbringt und sie sodann wieder erneuert, was für Ihn ein Leichtes ist. Und bei Ihm ist das höchste Gleichnis in den Himmeln und auf der Erde und Er ist der Mächtige, der Weise." (Sure 30, 17-27)}

In dem nun folgenden "Neunten Strahl" (Shu'a)wird ein besonders wichtiger Punkt dieser großen himmlischen Qur'anverse erklärt, die einen Pol des Glaubens darstellen und eines von den gewaltigen Zeugnissen für die Wiederversammlung erläutern. Es war ein feinsinniges Gnadengeschenk des Herrn, als der Alte Said vor dreißig Jahren sein Werk mit dem Titel "Urteile" (Muhakemat)als Einführung zu seinem Kommentar beendete. Damals schrieb er:

Zweite Abhandlung. Hier werden zwei Verse über die Wiederversammlung aus dem Qur'an kommentiert und erklärt.

نَخُو بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Hier wurde er aber unterbrochen und konnte nicht mehr weiterschreiben. Lobpreis und Dank sei meinem Barmherzigen

Schöpfer so viele Male wie es Beweise und Zeichen der Wiederversammlung gibt, dafür dass Er dreißig Jahre später in Seiner Güte (ihsan)den Erfolg gewährt hat. Tatsächlich verlieh Er vor zehn Jahren durch diese eine von den beiden Verse:

فَانْظُرْ اِلٰٓى اٰثَارِ رَحْمَتِ اللهِ كَيْفَ يُحْيِى اْلاَرْضَ بَعْدَ مَوْتِهَآ اِنَّ ذٰلِكَ لَمُحْيِى الْمَوْتٰى وَهُوَ عَلٰى كُلِّ شَىْءٍ قَدِيرٌ

{"Sieh die Male der Barmherzigkeit Allahs wie Er die Erde nach ihrem Tode wieder lebendig macht. Für wahr Er ist es, der die Toten wieder belebt und Er hat Macht über alle Dinge." (Sure 30, 50)}

das "Zehnte" als dem einen und das "Neunundzwanzigste Wort", als einen weiteren glänzenden und sehr starken Beweis und Kommentar zu diesem göttlichen Erlass. Sie haben die Leugner zum Schweigen gebracht. Er hat in dieser Abhandlung (Risale)den Kommentar zu den oben erwähnten großen Versen, die gleich zwei uneinnehmbaren Festungen des Glaubens an die Wiederversammlung sind, neun, zehn Jahre später zum Geschenk (ikram)gemacht. So besteht also der folgende Neunte Strahl aus "neun erhabenen Stufen", auf die mit den oben erwähnten berühmten Versen hingewiesen wurde und einer bedeutsamen Einführung dazu.

Einführung

Zwei Punkte, mit denen die lebenswichtigen Folgen und sehr viel geistiger Nutzen des Glaubens an die Wiederversammlung zu einem einzigen Ergebnis zusammengefasst, und in denen aufgezeigt wird, in welchem Grade dieser Glaube für das menschliche Leben und besonders für das Gemeinschaftsleben erforderlich, ja, sogar zwingend notwendig ist, und in denen der Glaube an die Wiederversammlung mit einem einzigen universellen bündigen

Zeugnis unter vielen Zeugnissen dargestellt, und gleichzeitig zum Ausdruck gebracht wird, in welchem Grade der Glaube an die Wiederversammlung offensichtlich und ganz ohne allen Zweifel ist.

Erster Punkt:

Für das Dogma von der Auferstehung, welches das Grundprinzip des sozialen wie des individuellen Lebens ist und die Grundlage zur Glückseligkeit und zur Vervollkommnung des Menschen, wollen wir hier unter hunderten von Beweisen lediglich vier Beispiele anführen:

Erster Beweis:

Kinder, welche etwa die Hälfte der Menschheit ausmachen, können nur im Gedanken an das Paradies den Tod und die Trennung ertragen, die ihnen Furcht und Schrecken einjagt, sodass sie weinen. Nur so können sie in ihrer Empfindsamkeit und vergleichsweise Schwäche die geistige Kraft für ihr Dasein aufbringen und bei ihrer so wenig widerstandsfähigen Gemütsverfassung, wo sie doch so leicht zum Weinen neigen, mit der Hoffnung auf das Paradies in Freude leben. Zum Beispiel sagt ein Kind im Gedanken an das Paradies: "Mein kleiner Bruder oder Freund ist gestorben. Nun ist er ein Vogel im Paradies geworden. Dort hat er es nun gut. Er fliegt im Paradies umher und lebt jetzt noch schöner als wir." Wäre das nicht so, fielen diesen hilflosen, schwachen und ängstlichen Kindern die Toten ins Auge, Große und auch Kleine in ihrem Alter, die immer und überall rings um sie gestorben sind, vernichteten ganz und gar die Kraft ihres Widerstandes und die Stärke ihrer Seele, brächten nicht nur ihre Augen, nein, Herz, Sinn und Verstand, ihr ganzes Gemüt zum Weinen, zerstörten es gar, und die Kinder würden so verstörten, unglückseligen Tieren gleich.

Zweiter Beweis:

Die Alten aber, welche die andere Hälfte der Menschheit ausmachen, können sich nur mit dem Jenseits über die Nähe ihres Grabes hinwegtrösten. Nur so können sie sich in Anbetracht ihres eigenen Lebens im Besonderen, mit dem sie eng verbunden sind,

und das doch so bald erlöschen wird, und das in Anbetracht dieses schönen Lebens allgemein, zu dem sich so bald die Türe schließen wird, noch weiter aufrecht erhalten. In ihrem Geist und Gemüt, das dem der Kinder ähnelt, können sie dem Schmerz und der Hoffnungslosigkeit, die aus dem Tod und Verfall erwächst, nur die Hoffnung auf ein bleibendes Leben entgegensetzen. Sonst würden alle diese sorgenvollen Väter und Mütter, würdig der Liebe (shefqat)und Verehrung, und bedürftig der Ruhe für ihre Seelen und des Friedens für ihre Herzen, ein solches Weh des Geistes und eine derartige Verwirrung des Herzens erleiden, dass ihnen die Welt wie ein finsterer Kerker und das Leben einer peinvollen Strafe gleich wäre.

Dritter Beweis:

Die jungen Leute, welche die Ausgangsbasis des menschlichen Gesellschaftslebens bilden, diese Jugendlichen in ihrer doch so heißblütigen Art, im Überschwang ihrer Gefühle und Leidenschaften, können sich nicht anders vor Ausschreitungen, Gewalttätigkeiten und Zerstörung zurückhalten und einen angenehmen Ablauf des gesellschaftlichen Lebens sicherstellen als nur in dem Gedanken an die Hölle. Anderenfalls, wenn die Furcht vor der Hölle nicht wäre, würden diese jungen Menschen in ihrem Rausch nach dem Motto: "Das Recht ist auf Seiten des Stärkeren" den Hilflosen, Schwachen und Armen je nach Lust und Laune das Leben zur Hölle machen, und die hohe Menschlichkeit in eine ganz gemeine Bestialität umwandeln.

Vierter Beweis:

Im irdischen Leben des Menschengeschlechtes ist der universale Mittelpunkt, der Lebensnerv, ein Paradies irdischer Glückseligkeit, ein Zufluchtsort und eine Burg das Familienleben, das Zuhause ist für jedermann seine kleine Welt. Was aber in dieses Zuhause und sein Familienleben Leben und Glück hineinbringt, ist nur in inniger, ernster und treuer Verehrung, in aufrechtem, liebevollem und opferbereitem Mitleid möglich, und diese wahrhaftige Verehrung, das herzliche Erbarmen kann nur

in dem Gedanken und auf dem Glaubensgrundsatz einer ewigen Freundschaft und einer ewigen Partnerschaft und einem immerwährenden Beieinandersein möglich sein in der Idee, sich für eine grenzenlose Zeit und ein unbegrenztes Leben in väterlicher, kindlicher, brüderlicher und freundschaftlicher Verbundenheit zusammenzufinden. So sagt ein Mensch zum Beispiel: "Diese meine Frau wird in einer ewigen Welt, einem ewigen Leben meine immerwährende Gefährtin sein. Es macht nichts, wenn sie jetzt alt und hässlich geworden ist. Denn ihr ist eine ewige Schönheit zu Eigen, die wiederkehren wird. Und ich bin dazu bereit, für eine solch immerwährende Kameradschaft jedes Opfer zu bringen und ihr Barmherzigkeit zu erweisen." So kann er seiner altgewordenen Frau mit der gleichen Liebe (muhabbet),Zärtlichkeit (shefqat)und Barmherzigkeit begegnen, wie einer Paradiesesjungfrau (huri).Anderenfalls würde eine Kameradschaft, die nach einem kurzen, ein-, zweistündigen, äußerlichen Beisammensein durch einen Abschied und eine Trennung auf ewig wieder gelöst wird, sicherlich nur eine Art von sehr oberflächlicher und nur vorübergehender emotionaler Bindung ohne jede Wurzel sein, worin Erbarmen nur ein Wort und Ehrerbietung nur gekünstelt bleibt. So wie im Tierreich würden arteigene Interessen und andere dominierende Eigenschaften über Ehrerbietung und Barmherzigkeit siegen, und dieses irdische Paradies in eine Hölle verwandeln.

So betrifft also eine unter hundert Folgen des Glaubens an die Wiederversammlung das gesellschaftliche Leben der Menschen. Und diese eine einzige Folge hat aber hunderte von Möglichkeiten, sie zu betrachten und anzuwenden. Vergleicht man diese vier oben erwähnten Beweise mit den anderen (noch möglichen), dann wird es verständlich, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird, und dies mit der Gewissheit der Existenz der Menschheit und ihrer gemeinsamen Bedürfnisse. Ja, die Existenz eines Bedürfnisses

im menschlichen Magen ist sogar ein offensichtlicher Beweis und ein klares Zeugnis für die Existenz der Nahrung. Ja, sie teilt diese Tatsache sogar noch viel deutlicher mit. Das aber beweist: Nimmt man der Menschheit die Schlussfolgerung, die sich aus der Tatsache der Wiederversammlung ergibt, weg, dann fällt dieses so wichtige, erhabene und lebendige Wesen der Menschheit, seine Seele, auf die Stufe eines Kadavers herab, der als Abfall nur noch den Mikroben dient und ungenießbar (murdar,unrein) ist. Diejenigen, welche sich so intensiv mit der Regierung, den Sitten und den gesellschaftlichen Beziehungen unter den Menschen beschäftigen, die Politiker, Moralisten und Soziologen sollen einmal die Ohren spitzen! Sollen sie doch endlich einmal sagen, wie sie diese Leere ausfüllen, und womit sie diese tiefe Wunde heilen wollen?

Zweiter Punkt:

Für die Tatsache der Wiederversammlung gibt es zahlreiche Beweise. Wir wollen hier nun einen dieser Beweise in sehr kurzer Form darlegen. Er wurde aus Zeugnissen zusammengestellt, die auf noch anderen Fundamenten des Glaubens beruhen. Es ist dies der folgende: Alle Wunder, die das Gesandtentum Mohammeds, mit dem Friede und Segen sei, beweisen, und all die Beweise seines Prophetentums und seiner Wahrhaftigkeit beweisen und bezeugen zusammen, dass sich die Wiederversammlung tatsächlich bewahrheiten wird. Denn alles, was diese Persönlichkeit lehrte, konzentriert sich zunächst auf die Lehre von der Einheit (Vahdaniyet),danach aber auf die Wiederversammlung. In der Tat bezeugen alle seine Wunder und Beweise, die sämtliche Propheten zu ihrer Bestätigung gewirkt haben, und durch die sie als Propheten bestätigt worden sind, eben diese eine Wahrheit. In gleicher Weise führt

وَبِرُسُلِهِ

{"und an Seine Propheten."}

das Bekenntnis des Glaubens an die Propheten (von Adam bis Mohammed, mit dem Friede und Segen sei), welches

وَكُتُبِهِ

{"und an Seine Schriften."}

das Bekenntnis des Glaubens an die heiligen Schriften in seiner Klarheit noch steigert, zum Bekenntnis des Glaubens an eben diese eine Wahrheit. Dies ist wie folgt:

Vor allem führen sämtliche Wunder, Beweise und Tatsachen, welche die Wahrheit des Qur'an (als Gottes Wort), der ja offensichtlich selbst ein Wunder ist, belegen, insgesamt zu dem Bekenntnis des Glaubens, dass die Wiederversammlung sich als ein tatsächliches Ereignis bewahrheiten wird. Denn fast ein Drittel des Qur'an handelt von der Wiederversammlung, und die meisten kurzen Suren beginnen mit sehr starken Versen über die Wiederversammlung. Er berichtet in tausenden von Versen ausdrücklich oder inbegriffen von eben dieser einen Wahrheit, beweist sie, weist auf sie hin. Zum Beispiel:

اِذَا الشَّمْسُ كُوِّرَتْ يَآ أَيُّهَا النَّاسُ اتَّقُوا رَبَّكُمْ اِنَّ زَلْزَلَةَ السَّاعَةِ شَىْءٌ عَظِيمٌ اِذَا زُلْزِلَتِ اْلاَرْضُ زِلْزَالَهَا اِذَا السَّمَآءُ انْفَطَرَتْ اِذَا السَّمَآءُ انْشَقَّتْ عَمَّ يَتَسَآءَلُونَ هَلْ أَتٰيكَ حَدِيثُ الْغَاشِيَةِ

{"Wenn die Sonne zusammengefaltet wird,..." (Sure 81, 1) "Oh Ihr Menschen, fürchtet Euren Herrn. Siehe, das Beben der 'Stunde' ist ein gewaltig Ding." (Sure 22, 1) "Wenn die Erde gewaltig erbebt,..." (Sure 99, 1) "Wenn der Himmel sich spaltet,..." (Sure 82, 1) "Wenn der Himmel zerreißt,..." (Sure 84, 1) "Wonach fragen sie einander,..." (Sure 78, 1) "Ist die Kunde von dem gewaltigen Ereignis zu dir gedrungen? " (Sure 88, 1)}

In dieser oder ähnlicher Weise zeigt der Qur'an am Anfang von dreißig, vierzig Suren mit völliger Gewissheit, dass die Tatsache der Wiederversammlung die bedeutendste Tatsache und die notwendigste (vadjib)in der

Schöpfung ist. Und auch noch andere Verse erklären diese Tatsache mit den verschiedensten Beweisen überzeugend. Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass der Glaube an die Wiederversammlung, der doch aus dem Zeugnis und der Lehre des Buches, das doch mit einem einzigen Zeichen eines einzigen Verses im Bereich der verschiedenen naturwissenschaftlichen und philosophischen islamischen Wissenschaften vor unseren Augen wissenschaftliche Tatsachen sonnenklar als Frucht hervorbringt, nicht wahr sein sollte? Wäre das nicht hundertmal unmöglich und irrig, als wollte man die Existenz der Sonne bestreiten und das Weltall als nichtvorhanden erklären? Ja, wäre es denn überhaupt möglich, dass sich tausende von Aussagen, Versprechungen und Warnungen eines so ehrenwerten und vertrauenswürdigen Königs als Unwahrheit und Lüge herausstellen sollten, obwohl sich doch zuweilen ein Heer auf einen einzigen Wink seines Königs in Marsch setzt, um zu kämpfen? Ja, wäre es denn für einen Menschen, der in seiner Ignoranz diese Wahrheit nicht annehmen will, obwohl doch dieser ruhmreiche, unsichtbare König, für den ein bloßer Wink genügt, um eine solche Tatsache zu beweisen, der seit dreizehn Jahrhunderten ununterbrochen über zahllose Geister, Intelligenzen, Herzen und Seelen Seines Reiches in Recht und Gerechtigkeit herrscht, sie unterweist und lenkt und leitet, die Tatsache der Wiederversammlung mit tausenden von Erklärungen erläutert und bewiesen hat, nicht notwendig, ihn mit der Hölle zu bestrafen, und wäre das nicht für ihn die wahre Gerechtigkeit?

In dieser oder ähnlicher Weise bestätigen, auch alle die himmlischen Bücher und heiligen Schriften, deren jedes in seinem Zeitalter und in seiner Kulturepoche maßgeblich war, jene Wahrheit von der Wiederversammlung, die der Qur'an, welcher für alle Zukunft und für eine jegliche Kulturepoche maßgeblich ist, ausführlich, mit Erläuterungen und Wiederholungen erklärt. Sie alle nehmen diese Wahrheit ihrem Zeitalter und ihrer Kulturepoche entsprechend

als unumstößlich an, erklären sie kurz und bündig, behaupten und beweisen sie nachdrücklich, wenn auch die Bilder dabei manchmal etwas undeutlich bleiben. Sie alle unterstreichen und bestätigen diese Lehre des Qur'an wie mit tausenden von Unterschriften.

Hier noch das Ende eines Bittgebet (Risale-i Munadja'at),in dem dieses Thema behandelt wird:

Es wird darin ein Grundpfeiler des "Glaubens an den Jüngsten Tag" im Zusammenhang mit noch anderen Grundpfeilern des Glaubens, besonders dem, welcher das Bekenntnis des Glaubens (shahada)an die Propheten und die heiligen Bücher betrifft, in Form eines Bittgebetes (munadja'at)als ein kurz und bündig zusammengefasster Beleg für die Wiederversammlung angeführt, der sehr stark ist und jeglichen Zweifel auszuräumen vermag. Es ist dies ein Bittgebet, in dem es folgendermaßen heißt:

Oh mein barmherziger Herr! Unterrichtet durch Deinen höchst ehrenwerten Gesandten und gelehrt durch den weisen Qur'an, habe ich verstanden: Vor allem der Qur'an und Dein hochehrwürdiger Gesandter, aber auch alle heiligen Bücher und Propheten bezeugen und beweisen übereinstimmend und weisen darauf hin, dass die Manifestationen Deiner glorreichen und anmutigen (Djelal ve Djemal)Namen, deren Abbilder wir hier in dieser Welt allüberall betrachten können, sich noch glanzvoller in der Ewigkeit der Ewigkeiten fortsetzen werden und dass Deine Gnadengaben, deren Manifestationen und Abbildungen in Deiner Barmherzigkeit dieser Welt zum Zeugnis gegeben werden, noch majestätischer an der Stätte der Glückseligkeit für immer und ewig erscheinen werden, und dass diejenigen, die sie in diesem kurzen irdischen Leben voll Freude und Sehnsucht genossen haben, und die ihnen bis in die Ewigkeit hinüber Begleiter waren, ihnen auch dort noch Begleiter sein werden, wo es keine Trennung gibt.

Zudem verkünden auch, allen voran der hochehrwürdige

Gesandte und Dein Weiser Qur'an, so dann alle die Propheten erleuchteten Geistes, die Heiligen (auliya),welche die Pole (qutub)aller lichtvollen Herzen, die Getreuen (Siddiq),welche die Quelle allen lichten und scharfen Denkens sind, gestützt auf Deine tausenden von Verheißungen und Warnungen, die sich in allen himmlischen Büchern und heiligen Schriften so oft wiederholen, und auch im Vertrauen auf Deine heiligen Namen und Eigenschaften: Allmacht, Barmherzigkeit, Gnade (Inayet),Weisheit, Majestät (Djelal)und Schönheit (Djemal),welche nach einem Jenseits verlangen, im Vertrauen auf die Würde Deiner Majestät und das Königreich Deiner Herrschaft, auch bauend auf ihre zahllosen (spirituellen) Entdeckungen und Erfahrungen (mushahade),welche sie uns übermitteln gleich Abbildern aus dem Jenseits und Tropfsteinen, (welche, von einer himmlischen Nährlösung gespeist, von dem Boden der diesseitigen Welt empor und von ihrer Decke herabwachsen) und im Vertrauen auf ihre Überzeugungen und ihren Glauben, welcher die Sicherheit der Wissenschaft und persönlicher Wahrnehmung (ilme-l'yaqin ve ayne-l'yaqin)besitzt, (verkünden sie mit einer solchen Sicherheit) den Menschen die ewige Seligkeit. Die verkünden und erklären, dass für die Leute des Irrweges (dalalet)die Hölle und für die Leute der Rechtleitung (hidayet)das Paradies da ist. Daran glauben sie fest und bezeugen es...

Oh allmächtiger König! (Ey Qadir-i Hakim!)Oh barmherziger Erbarmer! (Ey Rahman-i Rahim!)Oh Freigiebiger und Getreuer in Deinen Versprechungen! (Ey Sadiqul'Va'di-l'Kerim!)Oh gewaltiger und majestätischer Herr der Ehren, dem keiner zu wiederstehen vermag!... (Ey Izzet ve A'zamet ve Djelal sahibi Qahhar-i Dhu-l'Djelal).Gepriesen bist Du hunderttausendmal, grenzenlos rein und so hoch erhaben darüber, dass Du so viele Deiner treuen Freunde zu Lügnern stempeln solltest!... und dass sich so viele Deiner Versprechungen, Attribute und Taten als verlogen herausstellen sollten!... und dass Du die absoluten

Erfordernisse des Königreiches Deiner Herrschaft verleugnen und ihnen nicht entsprechen solltest!... und dass Du die zahllosen Bitten und Gebete Deiner zahllosen Diener und Anbeter, die Du angenommen hast und liebst und die Deine Liebe dadurch erstreben, dass sie an Dich glauben (tasdik)und Dir gehorchen, zurückweisen und nicht erhören solltest!... und dass Du die, welche auf Irrwegen (ehl-i dalalet)gehen, und die Ungläubigen, welche Deine gewaltige Größe angreifen, indem sie Dich in Deinem Versprechen der Auferstehung in ihrem Unglauben und ihrer Auflehnung zum Lügner stempeln wollen, welche Dich in der Ehre Deiner Majestät und in der Würde Deiner Göttlichkeit und in der Barmherzigkeit Deiner Herrschaft beleidigen wollen, in ihrer Verleugnung der Wiederversammlung bestätigen solltest! Über aller grenzenlosen Ungerechtigkeit und über aller grenzenlosen Abscheulichkeit sei über alles geheiligt Deine grenzenlose Gerechtigkeit, Deine grenzenlose Schönheit (Djemal)und Deine unbegrenzte Barmherzigkeit! Wir glauben mit aller Macht, dass die Zeugnisse der Propheten, der Gelehrten (asfiya)und der Heiligen (auliya),die die hunderttausend getreuen Botschafter und grenzenlos aufrechten Ausrufer Deines Königreiches bilden und die jenseitigen Schatzkammern Deiner Barmherzigkeit, die Tresore Deiner Gnadengaben (ihsan)in der ewigen (baqi)Welt und die Manifestationen Deiner wunderbaren schönen Namen, die sich im Hause der Glückseligkeit vollständig offenbaren, werden mit wahrhaftiger Sicherheit, mit augenscheinlicher Sicherheit, mit wissenschaftlicher Sicherheit (haqqa-l'yaqin, ayne-l'yaqin, ilme-l'yaqin)bestätigen, richtig und wahrhaftig sind. Ihre Beschreibungen sind zutreffend und stimmen miteinander überein. Was sie verkündigen ist zutreffend, entspricht den Tatsachen.

Sie glauben, dass der größte Strahl Deines Namens, auf den alle Tatsachen hinauslaufen, der ihre Sonne und ihr Beschützer ist, "der Wahre" (Haqq)heißt, und dass er die gewaltige Tatsache der Auferstehung ist, und unterrichten

dieser Wahrheit entsprechend in Deinem Auftrag Deine Diener und Anbeter. Sie belehren darüber, was die Wahrheit selbst ist. Oh Herr! Um der Wahrheit dieses ihres Unterrichtes und der Ehrenhaftigkeit ihrer Belehrungen willen, schenke den Schülern der Risale-i Nur einen vollkommenen Glauben und ein gutes Ende! Gewähre uns, ihrer Fürsprache teilhaftig zu werden! Amen... So wie aber nun einerseits alle Hinweise und Belege, welche die Wahrhaftigkeit des Qur'an, ja, sogar aller heiligen Schriften, beweisen, andererseits auch alle die Wundertaten und Zeugnisse des Prophetentums des Geliebten Gottes (Habibullah),ja, sogar aller Gesandten bestätigen, so beweisen sie alle auch die große Lehre vom Jenseits als einer Realität. In ähnlicher Weise bestätigen auch die meisten Hinweise und Belege, indem sie das Sein und die Einheit des Notwendig-Seienden bestätigen, gleichzeitig auch die Eröffnung des Hauses der Glückseligkeit, das die hauptsächliche Quelle und der Angelpunkt göttlicher Herrschaft, Seiner Erhabenheit und die Existenz einer beständigen Welt ist. Wie noch in den folgenden Abschnitten zu erläutern und zu beweisen sein wird, verlangen sowohl das Sein des Notwendig-Seienden als auch alle seine Eigenschaften, die meisten Seiner Namen und auch Seine Attribute wie Herrschaft (Rububiyet),Erhabenheit (Uluhiyet),Barmherzigkeit (Rahmet),Gnade (Inayet),Weisheit (Hikmet)und Gerechtigkeit (Adalet)mit der ihr eigenen Notwendigkeit nach einem Jenseits, fordern mit zwingender Notwendigkeit nach einer beständigen Welt, rufen mit Dringlichkeit nach einer Auferstehung und Wiederversammlung, dort zu belohnen und zu bestrafen.

Da es nun einmal einen Gott gibt von Ewigkeit zu Ewigkeit, wird es mit Sicherheit auch ein Jenseits geben, das der unvergängliche Sitz Seines Königreiches in Erhabenheit ist. Und da es nun einmal in diesem Universum und über allen Lebendigen eine vollkommene Herrschaft in außerordentlicher Majestät, Weisheit und Liebe gibt und

sichtbar ist, wird sich mit Sicherheit auch ein Haus Ewiger Glückseligkeit finden, das die Majestät Seiner Herrschaft vor einem Umsturz, Seine Weisheit vor der Sinnlosigkeit und Seine Liebe (shefqat)vor der Grausamkeit bewahrt, und in das man eintreten wird.

Nun aber weisen zahllose sinnenfällig sichtbare Gnadengaben (nimet)und Geschenke (ihsan),für jeden, dessen Verstand noch nicht erloschen und dessen Herz noch nicht erstorben ist, Huld- (lutuf)und Gnadenerweise (kerem),Bezeigungen der Gunst (inayet)und Barmherzigkeit (rahmet)darauf hin, dass es wie hinter einem unsichtbaren Schleier in der Überfülle Seiner Erbarmungen einen verborgenen Herrn geben muss. Und es gibt und wird mit Sicherheit auch ein immerwährendes Leben in einer beständigen Welt geben, wo die Gnade vor dem

Spott, die Güte vor dem Hohn, die Huld vor der Feindschaft, die Barmherzigkeit vor der Qual, die Gunst und die Güte vor dem Verrat bewahrt bleiben, wo die Güte zur Güte und die Gnade zur Gnade wird.

Überdies ist in jedem Frühling eine Feder des Allmächtigen damit beschäftigt, vor unseren Augen diese knappe Seite, welche unsere Erde darstellt, mit hunderttausend Büchern zu beschreiben und eines in das andere fehlerfrei hineinzukomponieren. Und der Besitzer dieser Feder hat hunderttausendmal geschworen und versprochen: "Ich werde an einem noch größeren Ort ein schönes unsterbliches Buch schreiben. Es wird dies noch leichter sein, als auf diesem begrenzten Platz das Buch des Frühlings, das so verwickelt und ineinander verschrieben ist. Das werde ich euch zu lesen geben." sagt Er und erwähnt dieses Buch in allen Seinen Erlassen. Sicher und gewiss ist das Original dieses Buches schon geschrieben, und auch die Anmerkungen dazu werden noch am Tage der Auferstehung und Wiederversammlung niedergeschrieben werden. Und auch das Berichtsheft mit den Taten und Werken aller wird sich darin aufgezeichnet finden. Nun aber ist die Erde in Anbetracht der Vielzahl alles

Geschaffenen und als Wohnstätte, Ursprung, Fabrik, Messegelände und Versammlungsort hunderttausender äußerst verschiedener, ständig wechselnder belebter und beseelter Arten des Lebens das Herz, Zentrum, Mittelpunkt, Frucht und Ursache der Schöpfung des Alls, und hat als solche eine sehr große Bedeutung; sie ist trotz ihrer Kleinheit den unendlich weiten Himmelsräumen gleichgestellt. Deshalb ist in den himmlischen Erlassen immer vom

اِيمَانٌ بِالْيَوْمِ اْلاَخِرِ

{"Herrn der Himmel und der Erde"}

die Rede. Nun aber kommt dem Geschlecht der Kinder Adams eine große Bedeutung zu. Sie herrschen allüberall auf der Erde, verfügen über die Mehrzahl alles Geschaffenen, ordnen sich die Mehrzahl aller Geschöpfe unter und sammeln sie um sich, ordnen die Mehrzahl alles Geschaffenen nach eigenen Neigungen, Vorstellungen, Plänen, Bedürfnissen, Grundsätzen auf das schönste, stellen sie aus, schmücken und verzieren sie, und sammeln sie entsprechend einer Liste ihrer kostbarsten Arten an einzelnen Orten, sodass sie sich nicht nur die Blicke der Menschen und Dschinnen, nein, sogar die aufmerksamen Blicke und das Wohlwollen aller Bewohner der Himmel und des ganzen Universums auf sich ziehen, den bewundernden Blick des Herrn des Alls auf sich lenken, was ihnen einen großen Wert und eine hohe Bedeutung verleiht. Sie zeigen mit ihren Künsten und Wissenschaften, dass sie die Weisheit in der Schöpfung des Alls, deren großen Sinn, ihre wertvolle Frucht und den Kalifen der Erde darstellen. Sie stellen ja die wunderbaren Kunstwerke des Meisters der Welt auf dem Antlitz der Erde so wunderschön aus und ordnen sie an. Trotz ihrer Auflehnung und ihres Unglaubens wurden sie auf der Erde belassen und ihre Strafe wurde ausgesetzt. Um dieses Dienstes willen wurde ihnen eine Frist gewährt und eine Möglichkeit gegeben, erfolgreich zu sein.

Es liegt aber nun einmal in dem, was die Natur der Kinder Adams ausmacht, dass sie in Anbetracht ihrer Beschaffenheit und Veranlagung außerordentlich schwach und hinfällig sind, weshalb ihnen ein ebenso mächtiger, weiser und liebevoller Herrscher in all ihrer Schwäche und Armseligkeit, ihrer grenzenlosen Bedürftigkeit und Not, dieses gewaltige Erdenrund zu einer Lagerstätte für jede Art Erz, entsprechend den Erfordernissen des Menschengeschlechtes, ein Lagerhaus für jede Art Nahrung, einen Laden verschiedenster Güter, wie sie dem Menschengeschlecht wohlgefallen, bereitgestellt hat, und der sich auf diese Weise um das Menschengeschlecht kümmert, es ernährt und dessen Wünsche befriedigt.

Es gibt nun einmal einen Herrn, der dieser Tatsache entspricht, der den Menschen sowohl liebt als auch von den Menschen geliebt werden möchte, der sowohl ewig besteht, als auch über ewig bestehende Welten verfügt, der sowohl jedes Werk in Gerechtigkeit verrichtet, als auch jedes Ding in Weisheit schafft. Nun haben aber das Königreich des Urewigen Herrschers in Seiner Majestät, und die Unsterblichkeit Seiner Herrschaft in diesem kurzen irdischen Leben, in dieser allzu kurzen Spanne menschlichen Daseins, auf dieser zeitlich und räumlich so begrenzten Welt keinen Platz. Und all das, was sich unter den Menschen und ihrer Welt entgegen der Ordnung, Gerechtigkeit, Ausgewogenheit und vollkommenen Schönheit ereignet, diese so große Unterdrückung und Auflehnung, die dem widerspricht, der Verrat, die Verleugnung, der Unglaube gegenüber dem Freund und Wohltäter des Menschen, der ihn so liebevoll versorgt, bleibt im Diesseits unbestraft. Die grausamen Unterdrükker verbringen ihr Leben in Bequemlichkeit, während die Unterdrückten und Armen geschunden werden. Das Wesen vollkommener Gerechtigkeit aber, dessen Spuren wir im ganzen Weltall beobachten können, kann nicht dulden, noch erlauben, dass diese grausamen Unterdrücker und

die hoffnungslos Unterdrückten einander im Tode gleichgestellt sein und nicht wiederauferstehen sollten. Dies stünde ganz und gar im Widerspruch dazu.

Gleich wie aber nun der Herr des Alls die Erde im All und das Menschengeschlecht von der Erde auserwählt hat, ihm einen so hohen Rang und ihm eine solche Bedeutung verliehen hat, so hat Er auch die Propheten, die Heiligen und Gelehrten, die mit den Zielen Seiner Herrschaft übereinstimmen, jene wahren Menschen, die in Glaube und Hingabe Sein Wohlgefallen erstreben, unter den Menschen auserwählt, sie sich zu Freunden und Ansprechpartnern gemacht, sie mit Wundertaten und Erfolgen ausgezeichnet und ihre Feinde mit außernatürlichen Katastrophen geschlagen.

Unter Seinen kostbaren und geliebten Freunden hat Er Mohammed, mit dem Friede und Segen sei, ihnen als Leuchte des Glaubens erwählt, mit dessen Licht Er seit vielen Jahrhunderten eine bedeutende Hälfte des Erdenrundes und ein bedeutendes Fünftel der Menschheit erleuchtet... es scheint, als sei das Universum seinetwillen erschaffen worden, weil dessen Ziele sämtlich in ihm, in seinem Glauben und im Qur'an ihren Ausdruck finden. Er, der doch würdig und geeignet gewesen wäre, als Lohn Seiner grenzenlosen, so außerordentlich wertvollen Verdienste, die zu erwerben eine Million Jahre erforderlich gewesen wären, erhielt dafür nur jene kurze Lebensspanne von dreiundsechzig Jahren, erfüllt von Mühen und Kämpfen. Ja, wäre es denn in irgendeiner Hinsicht möglich, wahrscheinlich oder vorstellbar, dass diese Persönlichkeit nicht mit all seinen ihm gleichrangigen Freunden und Gefährten wieder auferweckt werden sollte? Ja, sollte er nicht hier und heute im Geiste vital und lebendig sein? Ja, sollten sie auf ewig verurteilt und vernichtet sein? Nein, keineswegs - Gott bewahre! - und tausendmal nein!...

Tatsächlich verlangt das ganze All, erfordern die Realitäten dieser Welt seine Auferstehung. Nun aber haben

im "Ayetu-l Kubra"(Das Große Zeichen) genannten "Siebenten Strahl" dreiunddreißig überwältigend einstimmige Beweise, ein jeder einzelne so stark wie ein Berg, ergeben, dass dieses ganze Universum aus einer einzigen Hand hervorgegangen, und das Eigentum eines einzigen Herrschers ist. Sie zeigen, dass die Einheit Gottes und Seine Allgegenwart (Vahdet ve Ahadiyet)die Quelle Seiner göttlichen Vollkommenheit ist.

Unter dieser zweifachen Einheit wurde das ganze Weltall gleich gehorsamen Soldaten und dienstfertigen Beamten diesem einen Herrn unterstellt. Unter der Betrachtung des Kommens eines solchen Jenseits bleibt Seine Vollkommenheit vor dem Sturz, Seine absolute Gerechtigkeit vor grenzenlos gnadenlosem Spott, Seine universale Weisheit vor Torheit und Ausschweifung, Seine alles umfassende Barmherzigkeit vor lasterhaften Spielen und grausamen Vergnügungen, die Würde Seiner Allmacht vor würdeloser Schwäche bewahrt, rein erhalten und geheiligt. Sicherlich und gewiss wird der Jüngste Tag, wie wir aus hundert Anmerkungen über den Glauben an Allah (Iman-i billah)und aus den sechs vorangegangenen "madem(überdies, nun, aber, zudem)"-Abschnitten den Schluss ziehen müssen, in jedem Falle hereinbrechen. Die Wiederauferstehung und Wiederversammlung wird stattfinden. Es wird ein Haus der Bestrafung und der Belohnung eröffnet werden... sodass die obenerwähnte Bedeutung der Erde, ihre zentrale Lage und die Bedeutung der Menschheit und ihr Wert sich bewahrheiten. Dann wird sich die obenerwähnte Gerechtigkeit, Weisheit, Barmherzigkeit und Herrschaft des weisen Schöpfers und Herrn, des Lenkers und Leiters der Erde und ihrer Menschheit fest verankern und die obenerwähnten wahrhaftigen Freunde und alle, die sich nach Ihm sehnen, vor der ewigen Vernichtung bewahrt bleiben und er der größte und kostbarste unter diesen Freunden, der mit seinem heiligen Dienst das ganze Weltall glücklich und dankbar gemacht hat, seine Belohnung erhalten. So wird die Vollkommenheit

des ewigen Königs vor Fehlern und Mängeln, Seine Macht vor Ohnmacht, Seine Weisheit vor Sinnlosigkeit und Seine Gerechtigkeit vor Ungerechtigkeit bewahrt, rein und geheiligt sein.

Kurzum:

Das es nun einmal Allah gibt, gibt es mit Sicherheit auch ein Jenseits...

So wie aber nun die obenerwähnten drei Grundpfeiler des Glaubens (erkan-i imaniye: Allah, die Propheten und die heiligen Schriften) mit all den Zeugnissen, die ihnen zum Beweis dienen, zugleich auch Zeugnis und Beweis sind für die Wiederversammlung, so erfordern zugleich auch die anderen beiden Grundpfeiler des Glaubens in einer nachdrücklichen Weise diese Wiederversammlung und bezeugen und beweisen eine bleibende Welt:

وَبِمَلٰٓئِكَتِهِ وَبِالْقَدَرِ خَيْرِهِ وَشَرِّهِ مِنَ اللهِ تَعَالٰى

{"Der Glaube an die Engel und die Macht (qader) des Guten und des Bösen von Allah dem Erhabenen."}

Es ist dies wie folgt: Alle Beweise, die zahllosen Zeugnisse und Dialoge, welche die Existenz der Engel, ihren Dienst vor Gott und die Anbetung, mit der sie beauftragt sind, bezeugen, bestätigen indirekt auch die Existenz der Welt der reinen Geister, die unsichtbare Welt, die beständige Welt, die Welt des Jenseits, jenes Haus der Glückseligkeit, das dereinst Dschinnen und Menschen beleben werden, das Dasein von Himmel und Hölle. Denn die Engel dürfen diese Welten mit göttlicher Erlaubnis schauen und besuchen, und alle die Engel vor Gottes Thron (melaike-i muqarrebin),die wie der Erzengel Gabriel vertrauten Umgang mit den Menschen pflegten, berichten übereinstimmend über die Existenz der obenerwähnten Welten, und dass sie selbst darinnen verweilen. So wie wir von der Existenz des amerikanischen Kontinents auch dann wissen, wenn wir nicht selbst dort gewesen sind, und zwar aufgrund der Nachrichten derer, die von dort herübergekommen sind, so müssen wir auch aufgrund

der Kunde der Engel an die Existenz einer beständigen Welt, eines "Hauses des Jenseits", an Himmel und Hölle mit absoluter Sicherheit glauben, denn sie hat die hundertfache Kraft einstimmiger Überlieferung (tevatur).Und deshalb glauben wir daran.

Des Weiteren weisen auch alle die Zeugnisse, welche im "Sechsundzwanzigsten Wort", "Risale-i Qader"(Abhandlung über das göttliche Vorherwissen) genannt, den Glaubensgrundsatz des Glaubens an Kader bestätigen, indirekt auch auf die Wiederversammlung, die Offenlegung der persönlichen Auszeichnung (suhuf)und das Abwägen der Taten auf der Großen Waage hin. Denn die Konsequenz (qader)aller Dinge ist vor unseren Augen auf den Tafeln der Ordnung und Ausgewogenheit aufgezeichnet, der Lebenslauf alles Lebendigen ist aufgespeichert in seinem Erinnerungsvermögen, in den Samenkörnern und anderen, einer Tafel vergleichbaren Dingen, die Taten aller geistbegabten Wesen, insbesondere aber der Menschen sind eingetragen und festgehalten auf den Wohlverwahrten Tafeln (elvah-i mahfudha).Mit Sicherheit kann eine so umfangreiche Konsequenz (qader),eine Weisheit von solcher Folgerichtigkeit, eine so sorgfältige Aufzeichnung, diese schriftliche Aufbewahrung nur dem Zweck einer öffentlichen Verhandlung vor einem obersten Gerichtshof dienen, um eine ewige Belohnung oder Bestrafung auszusprechen. Anderenfalls bliebe diese umfangreiche und bis in die kleinsten Feinheiten hineinreichende Aufzeichnung und Aufbewahrung ganz und gar ohne Sinn und Wert. Sie würde der Weisheit und Wahrhaftigkeit widersprechen. Ja, mehr noch, würde eine Wiederversammlung nicht stattfinden, würde auch der ganze Sinn eines solchen universalen Buches, geschrieben mit der Feder folgerichtiger Bestimmtheit (qader),nichtig werden. Das aber kommt unmöglich in Betracht, wäre unvorstellbar, einer Leugnung des Universums vergleichbar, nicht mehr als ein Fieberwahn...

Zusammenfassung:

Die fünf Glaubensgrundsätze mit all ihren Beweisen zeigen uns die Belege für Tatsache und Ereignis der Auferstehung und Wiederversammlung, für Dasein und Eröffnung einer jenseitigen Wohnstatt und fordern uns dazu auf, dafür Zeugnis abzulegen. Da es nun aber für die Tatsache der Wiederversammlung solche ihrer Wichtigkeit völlig entsprechende, unerschütterliche und starke Stützen und Zeugnisse gibt, befasst sich ungefähr ein Drittel des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, mit der Wiederversammlung und dem Jenseits, macht sie zum Grundstein und baut alles auf diesem fundamentalen Prinzip jeglicher Wahrheit auf...

(damit schließt diese Einführung)

Anmerkung über "Hu!"

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ نْ مِنْ شَيْءٍ اِلاَّ يُسَبِّحُ بِحَمْدِهِ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَ رَحْمَةُ اللَّهِ وَ بَرَكَاتُهُ اَبَدًا دَائِمًا

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei; und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist; Der Friede (Selam) Allahs sei über euch und Sein Erbarmen und Sein Segen für immer und ewig."}

Meine sehr lieben und treuen Brüder,

Meine Brüder, ich habe bei den Worten

لآَاِلَ هَاِلاَّهُوَ

{"Es gibt keinen Gott außer Ihm."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ

{"Sprich: Er ist Gott."}

in dem

هُوَ

{"Er"}

ein verborgenes Zeichen der Einheit Gottes erblickt, als ich in meiner Vorstellung eine Reise durch die Welt der Gedanken unternahm und dabei die Luft von ihrer rein materiellen Seite her betrachtete. So habe ich bemerkt, dass der Weg des Glaubens in unendlichem Grade einfach und im Grade der Notwendigkeit leicht beschreitbar ist und dass sich auf dem Weg der Abgötterei und des Irrglaubens in unendlichem Grade Schwierigkeiten und Tausende von Unmöglichkeiten finden. Diese Erklärung in ihrer ganzen Länge und Breite will ich hier in einer kurzen Anmerkung zusammenfassen.

Es kann in der Tat eine Handvoll Erde der Reihe nach Hunderten von Blumen als Beet dienen. Wollte man dies der Natur, den Ursachen zuschreiben, so müsste man entweder annehmen, dass in diesem Beet hunderte unsichtbarer Maschinen oder Fabriken, vielleicht ebenso viele wie Blumen, in entsprechend kleinem Maßstab vorhanden seien, oder aber, es müsste jedes kleine Stäubchen dieser Erde alle diese ganz verschiedenen Blumen mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften und lebenden Organen herstellen können, als ob es über ein unbegrenztes göttliches Wissen und eine grenzenlose Macht verfügte.

Genauso müsste dann auch jedes Luftteilchen und ein jeder Windstoß, den der Wille und Befehl Gottes aussendet, ein Atemzug Luft, wie man ihn benötigt, um

هُوَ

{"Er"}

zu sagen, oder so viel Luft wie unter unserem Nagel Platz hat, so viele Telefongespräche wie es in der Welt gibt, Telegrafengeräte, Radioapparate, so unendlich viele verschiedene Kommunikationszentren und Ämter, so viele Hör- und Sprechmuscheln enthalten, sodass es alle diese unendlich vielen verschiedenen Arbeiten gleichzeitig und in einem Augenblick bewerkstelligen kann, oder aber, es müsste ein Luftteilchen, in dem das Wort

هُوَ

{"Er"}

schwingt oder jedes Atom eines Teilchens in der Atmosphäre so viele unsichtbare Persönlichkeiten und ihre Fähigkeiten in sich enthalten, wie es Telefongespräche und all die vielen anderen telegrafischen Nachrichten und Rundfunksendungen in der Welt gibt, alle ihre Sprachen kennen und gleichzeitig auch die übrigen Atome unterrichten und sich über sie verbreiten können, denn diese

Funktion kann man tatsächlich zum Teil wahrnehmen und diese Fähigkeit findet sich in allen Luftteilchen. Hier wird ganz klar sichtbar, dass sich auf dem Weg der Leute des Unglaubens, der Naturalisten und Materialisten nicht nur eine Unmöglichkeit, vielmehr so viele Unmöglichkeiten, Unvorstellbarkeiten und Schwierigkeiten befinden, wie es Atome in der Luft gibt.

Führt man aber all dies auf den Göttlichen Meister in Seiner Majestät zurück, dann wird die Luft mit all ihren Atomen zu einem Seiner gehorsamen Soldaten. Sie kann das mit Erlaubnis und durch die Macht ihres Schöpfers, durch ihre Verbundenheit mit Ihm und auf Ihn gestützt, im Aufscheinen der Kraft ihres Meisters, in einem einzigen Augenblick, blitzschnell, so leicht, wie man

هُوَ

{"Er"}

sagt und dadurch die Luft in Bewegung setzt. Das heißt, das, was die Feder der Macht unermüdlich, wunderbar und wohlgeordnet aufzeichnet, wird zu einer Seite, wobei die Atome die Spitze dieser Feder bilden und die Funktion dieser Atome darin besteht, die Punkte aus der Feder der Göttlichen Vorausschau zu formen. Das alles geschieht mit der gleichen Leichtigkeit, mit der sich ein einzelnes Atom bewegt.

Während ich also die Worte sprach:

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Allah."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ

{"Sprich: Er ist Allah."}

untersuchte ich auf meiner Reise durch die Welt der Gedanken das Reich der Lüfte und studierte es als ein Element

und erkannte diese umfassende Wahrheit mit augenscheinlicher Sicherheit in all ihren Einzelheiten und Zusammenhängen. So wie in dem Aussprechen des Wortes

هُوَ

{"Er"}

und in der Luft, die man dazu benötigt, ein so glänzendes Zeugnis und ein Blitzstrahl der göttlichen Allgegenwart mit inbegriffen ist, so ist auch in seiner Bedeutung und in dem Hinweis, den es enthält, eine überaus lichtvolle Erscheinung der göttlichen Einheit in jedem Ding und ein sehr starker Beweis für die göttliche Einheit hinter allen Dingen enthalten und ein präziser Hinweis darauf, auf welche Person sich das Pronomen

هُوَ

{"Er"}

in seinem offensichtlichen und verborgenen Sinne bezieht, woraus ich mit wissenschaftlicher Sicherheit erkannt habe, warum sowohl der Qur'an, ein Wunder der Verkündigung, als auch die Mystiker in ihrer Meditation über die Einheit dieses heilige Wort so oft wiederholen. Dafür ein Beispiel: Es ist ja doch so, dass man einen Punkt auf einem weißen Blatt mit zwei, drei anderen Punkten, die man daneben setzt, verwechselt und dass ein Mann, der viele verschiedene Aufgaben gleichzeitig erledigt, dabei durcheinander kommt, und dass ein kleines Lebewesen, dem viele Lasten aufgebürdet werden, darunter erdrückt wird, und dass eine Zunge und ein Ohr, die verschiedene Worte gleichzeitig aussprechen und aufnehmen, die Ordnung zerstören und Verwirrung anrichten. Dennoch habe ich, während ich mit dem Schlüssel und Kompass

هُوَ

{"Er"}

durch das Reich der Gedanken reiste, mit augenscheinlicher Sicherheit gesehen, dass in jedes Luftteilchen, ja sogar in jedes einzelne Atom tausende verschiedener Punkte, Buchstaben, Worte gesetzt sind, oder gesetzt werden könnten, und dass sie dennoch nicht durcheinander geraten und die Ordnung nicht zerstören und dennoch sehr viele ganz verschiedene Aufgaben erledigen, dass sie dennoch, ohne eine Verwirrung anzurichten, und obwohl jedes Teilchen und jedes Atom mit vielen sehr schweren Lasten beladen wird und dennoch sich nicht schwach zeigt, sie vielmehr ohne zurückzubleiben in vollkommener Ordnung trägt, ja obwohl tausende ganz verschiedener Worte, von unterschiedlichem Charakter und verschiedener Bedeutung in vollkommener Ordnung zwischen Ohr und Zunge ein- und ausgehen, etwas in diese kleinen Ohren hineintragen, ohne es zu verwechseln und zu verderben, von diesen winzigen Zungen ausgehen, und dass jedes Atom und Teilchen, während es seine bemerkenswerten Aufgaben wahrnimmt, in vollkommener Freiheit durch seinen ekstatischen Zustand, durch das Zeugnis und mit den Worten der obenerwähnten Wahrheit

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ اَحَدٌ

{"Sprich: Er ist Allah, ein Einziger."}

sagt, sich hin und her bewegt und dass inmitten der Schallwellen, bei Sturm und Regen, Donner, Blitz und Ungewitter ihre Ordnung nicht gestört wird, sie ihre Aufgaben nicht verwechseln und mit keiner ihrer Tätigkeiten eine andere behindern... Dies habe ich mit augenscheinlicher Sicherheit beobachtet.

Das heißt also, es müsste jedes Atom und jedes Molekül

über eine grenzenlose Weisheit, unendliches Wissen und Können, und über ein unermessliches Vermögen, Macht und solche Eigenschaften verfügen, wie sie ein absoluter Herr über alle Atome haben müsste, sodass es diese Aktivitäten durchführen könnte. Das sind aber so viele Unmöglichkeiten und Irrigkeiten, wie es Atome gibt. Auf diesen Gedanken kann auch kein Teufel kommen. Also wird die Luft im Grade einer lebendigen, augenscheinlichen und wissenschaftlichen Gewissheit zu einer Seite für die Feder der göttlichen Macht und Vorausschau, die der Herr in Seiner Majestät mit grenzenlosem Wissen und mit unendlicher Weisheit beschreibt, zu Seiten, die Er ständig umblättert, und die einer "Wohlbewahrten Tafel" in einer veränderlichen Welt, einer Schreibtafel für Seine ewig neuen Taten gleichen und zu einer Tafel, die Er beschreibt und löscht und wieder neu beschreibt, Ihm zum Zeugnis.

So wie uns also die Luft schon als das Transportelement der Stimme in ihrer obenerwähnten Einzigartigkeit die obenerwähnte Manifestation der Einheit und Gegenwart Gottes aufzeigt und damit die zahllosen Unmöglichkeiten des Irrglaubens sichtbar macht, so versieht die Luft diese subtile Aufgabe, während zu gleicher Zeit unter anderen wichtigen Dingen die Wellen der Elektrizität und des Lichtes und die Kräfte der Anziehung und Abstoßung durch sie hindurch gehen, und während zu gleicher Zeit und in vollkommener Ordnung zu allen Pflanzen und Tieren der für ihre Atmung, Fortpflanzung und andere lebensnotwendige Dinge erforderliche Bedarf gelangt. Dies hat mich mit augenscheinlicher Sicherheit zu der Überzeugung gebracht, dass sie mit absoluter Sicherheit beweisen, ein Thron für den Willen und Befehl Gottes zu sein und es ist ganz unwahrscheinlich, ja sogar völlig unmöglich, dass diese blinden vom Wind des Zufalls umhergetriebenen Kräfte, eine taube Natur, wirre und ziellose Ursachen, tote, starre, unvernünftige Materie sich in die Aufgaben der Luft einmischen, eine Seite in ihrem Buch beschreiben könnten.

Ich habe erfahren, dass jedes Atom und jedes Molekül durch seine Funktion ein

لآَاِلَهَ اِلاَّهُوَ

{"Es gibt keine Gottheit außer Ihm."}

und

قُلْ هُوَاللَّهُ اَحَدٌ

{"Sprich: Er ist Allah, ein Einziger."}

sagt. Gleich wie mir dieses "Hu!" zu einem Schlüssel wurde, um alle diese wunderbaren Funktionen des materiellen Aspektes der Luft zu erkennen, so wurde mir auch die Luft selbst gleich diesem "Hu!" zu einem Schlüssel für die Welt der Bilder und zur Welt der Bedeutungen.

Tausende Selam allen!

Siebzehntes Wort

Zweites Kapitel

{Die Sätze in diesem zweiten Kapitel sehen wie die Teile eines Gedichtes aus, aber sie sind kein Gedicht. Sie sind nicht absichtlich in gereimter Form geschrieben. Vielmehr nahmen sie wegen der vollkommenen Ordnung der Wahrheiten diese gereimte Gestalt an.}

Lass du Ärmster deine Klagen! Vertraue auf Gott vor dem Unglück!

Klage ist eine Plage, verstärkt noch die Plage, schließt einen Irrtum mit ein.

Wenn du Ihn findest, der die Plage gab, wisse: Die Plage ist Glück und Geschenk in der Plage Lass die Klagen, werde dankbar, siehe, wie sich alle Arten Rosen den Nachtigallen gleich aus ihrer guten Stimmung ständig freuen.

Wenn du Ihn nicht findest, wisse: Die ganze Welt ist eine Qual, ist Vernichtung in der Plage.

Warum klagst du über eine kleine Plage, wo doch der ganzen Hölle Qual dich bedroht?! Komm, vertraue auf Allah!

Im Vertauen auf Gott lache der Plage ins Gesicht, sodass sie dich auch anlacht!

Je mehr die Plage dich anlacht, desto kleiner wird sie und dann wandelt sie sich um.

Oh du Ichbezogener, wisse: Das Glück in diesem Leben liegt in dem Verzicht auf diese Welt.

Wenn du mit Gott verbunden lebst, so genügt es dir. Auch wenn du auf sie verzichtest, stehen alle Dinge auf deiner Seite.

Wenn du dich nur selber siehst, ist das ein Untergang. Was du auch machst, alle Dinge stehen gegen dich.

In beiden Fällen ist also doch der Verzicht auf sie in diesem Leben notwendig.

Verzicht heißt, alles als Eigentum Gottes zu betrachten, mit Seiner Erlaubnis und in Seinem Namen.

Wünschst du dir einen Handel, liegt er in dem Tausch dieses vergänglichen Lebens mit dem beständigen.

Kümmerst du dich nur um deine Wünsche, so sind sie hohl und grundlos.

Wünschst du, was jenseits des Horizonts, so liegt das Siegel der Vergänglichkeit darauf.

Also lohnt es sich nicht, zu kaufen; es sind nur faule Dinge auf diesem Markt.

Also geh vorbei, die guten Dinge liegen dahinter!

Eine Frucht vom Maulbeerbaum.

In der Krone jenes segensreichen Maulbeerbaumes sprach der frühere Said nach Art des neuen Saids.

Der, den ich anspreche ist nicht Ziya Pascha; es sind die Verehrer Europas.

Der Sprechende bin nicht ich selbst; es ist mein Herz im Namen der Schüler des Qur'an.

Die sich anschließenden Worte sind wahre Erkenntnisse; hüte dich vor Verwirrung! Nimm dich in Acht, deine Grenzen nicht zu überschreiten!

Wende dich nicht fremdartigen Ansichten zu; es sind Irrtümer; leihe ihnen nicht dein Ohr; sie führen dich nur in die Reue.

Siehe, dass der Aufgeklärteste und Bannerträger der Gescheiten in seiner Verwirrung ständig sagt: "Oh weh! Über wen soll ich bei wem mich beklagen, denn auch ich bin verwirrt."

Der Qur'an heißt mich reden und ich rede, zögere auf keinen Fall.

Über das, was von Ihm (dem Schöpfer) kommt, beklage ich mich nur bei Ihm; dabei bin ich nicht verwirrt so wie du. Um mein Recht klage ich laut zu dem Gerechten; doch überschreite ich es nicht so wie du.

Von der Erde aus verfechte ich meinen Anspruch bis an die Himmel; ich fliehe nicht so wie du.

Denn im Qur'an reicht der Anspruch immer vom Licht zum Licht, darauf verzichte ich nicht so wie du.

Im Qur'an liegt die wahre Weisheit. Ich beweise es. Eine Philosophie, die ihr entgegengesetzt ist, schätze ich auch nicht für fünf Pfennige.

Im Qur'an, der das Wahre vom Falschen unterscheidet, liegt die diamantene Weisheit. Ich nehme sie in mein

Herz und verkaufe sie nicht so wie du.

Von dem Geschaffenen her geht meine Fahrt zu dem Gerechten, segele ich nicht in die Irre so wie du.

Über dornigem Weg fliege ich dahin, trete nicht auf ihn so wie du.

Von der Erde her vor dem Throne Gottes erweise ich meinen Dank, versäume ihn nicht so wie du.

Den Tod und die Todesstunde betrachte ich als Freund. Ich fürchte ihn nicht so wie du.

In das Grab steige ich lächelnd hinab, schrecke nicht vor ihm zurück so wie du.

Als einen Drachenrachen oder ein Bett in der Einöde oder als einen Schlund der Nichtigkeit sehe ich es nicht so wie du.

Es führt mich zu meinen Freunden; nicht bin ich verärgert über das Grab. Ich bin nicht wütend deswegen so wie du.

Es ist das Tor der Barmherzigkeit, das Tor zum Licht, das Tor zur Wahrheit. Nicht fühle ich mich bedrängt dadurch, weiche nicht zurück davor.

Ich klopfe an, sage: "Bismillah"(im Namen Gottes), blicke nicht zurück und erschrecke nicht.

{Ich laufe nicht vor ihm davon; sage nicht "Oh Weh" vor ihm.}

"Elhamdulillah" (Dank sei Gott) sage ich, werde mich niederlegen und Ruhe finden. Nicht mühe ich mich ab; nicht bleibe ich in der Einöde.

"Allahu Ekber"(Gott ist groß) sage ich und werde wieder auferstehen, wenn ich den Ruf zur Wiederversammlung höre.

{Ich werde den Aufruf des Erzengels Israfil hören, wenn der Jüngste Tag herauf dämmert, "Allahu Ekber" (Gott ist groß) sagen und auferstehen. Ich halte mich dem großen Gebet nicht fern und scheue nicht vor der Großen Versammlung.}

Ich scheue mich nicht vor der Großen Versammlung und halte mich nicht fern der Gewaltigen Moschee.

Durch die Gnade Gottes, durch das Licht des Qur'an und durch den Segen des Glaubens werde ich niemals traurig sein.

Ich werde laufen, ohne anzuhalten. Bis zum Schatten des Thrones des Erbarmers werde ich mich emporschwingen. Inshaallah(So Gott will) werde ich nicht verwirrt sein so wie du.

Brief über Bismarck

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei."}

Meine lieben getreuen Mitbrüder!

Erstens:

Herzlichen Glückwunsch an alle Nurdjus für ihre segenreichen Festtage und für die Festtage der "Nur"-Schüler, die sich in der großen Pilgerfahrt (Haddju-l akbar)befinden, und der Sympathisanten für "Nur"(Licht = Risale-i Nur), die auch in der Pilgerfahrt sind. Auch einen Glückwunsch für den Anfang des Festtages der islamischen Welt, an dem die großen Länder der islamischen Welt, wie Indien und Arabien, die seit langer Zeit in Gefangenschaft lebten und ihre Selbstständigkeit verloren hatten, wieder zu islamischen Staaten werden. Ein islamischer Staat in Indien mit hundert Millionen Einwohnern, ein anderer islamischer Staat in Java mit fünfzig Millionen Einwohnern, und vier, fünf Regierungen in den arabischen Ländern, die sich als vereinigte Republiken in der arabischen Einheit zusammenfanden, welcher die islamische Einheit innewohnt. Das alles gibt uns für diese Festtage frohe Botschaften.

Zweitens:

Wie Re'fet Bey und Mustafa Oruddj mir geschrieben haben: An der Frontseite des gewaltigen Kriegsministeriums - von dem aus lange Zeit das islamische Heer verwaltet wurde und das später in das Haus der Wissenschaften umgewandelt wurde - standen diese beiden bedeutungsvollen Qur'anverse mit qur'anischen Schriftzeichen.

إِنَّا فَتَحْنَا لَكَ فَتْحًا مُّبِينًا يَنصُرَكَ اللَّهُ نَصْرًا عَزِيزًا

{"Wir haben dir einen offenkundigen Sieg beschieden." (Sure 48, 1)

"Gott möchte dir damit mächtige Hilfe leisten." (Sure 48, 3)}

Später wurden sie mit Marmorsteinen Überdeckt und diese Lichter verdeckt. Jetzt wurden sie wieder freigelegt, was ein Zeichen für die Wiederzulassung der qur'anischen

Schriftzeichen ist und ein günstiger Umstand für das von der Risale-i Nur verfolgte Ziel, und ein Hinweis dafür ist, dass diese Universität in der Zukunft eine "Nur"-Medresse(Schule der Risale-i Nur) werden wird. Genauso schrieben mir die Ahmeds von den Nurdjus in Denizli ein Zitat aus einem Werk von Bismarck, der ein berühmter Gelehrter, gemessen an der Vernunft der größte im 19. Jahrhundert und der fortgeschrittenste mit seinen sozialen Maßnahmen war. Dieser hohe Bismarck sagt in seinem Werk:

"Ich habe den Qur'an von jedem Gesichtspunkt her erforscht. Ich sah in jedem seiner Worte große Weisheiten. Etwas Gleiches zu dem und Überhaupt ein Werk, um die Menschheit zu leiten, gibt es nicht und kann nicht mehr kommen." Und er spricht direkt an den Propheten:

"Ich bedauere es sehr, oh Muhammed, dass ich nicht mit Dir in gleicher Zeit leben konnte! Die Menschheit hat ein besonders mächtiges Genie wie Dich einmal erlebt und wird es nie wieder erleben können. Darum beuge ich mich in Deiner würdevollen Gegenwart in vollkommener Ehrfurcht. "

Bismarck

So hat er darunter seine Unterschrift gesetzt.

{Das Zitat (von Bismarck) in dem Brief von den Ahmeds, an das ich eine Anmerkung gemacht habe, kann in dieser Form mit diesem meinem Brief in dem "Wegweiser für die Jugend" eingereiht werden.}

In diesem seinem Zitat setzte er die Bücher, die vor dem Qur'an offenbart waren, aber (später) verfälscht und (deshalb) ungültig wurden, sehr herab. Diese Sätze sollen nicht mit einbezogen werden. Ich habe sie auch angezeichnet.

Dieser Herr war einer der klügsten und größten Philosophen des 19. Jahrhunderts und einer der wichtigsten Persönlichkeiten der Politik und der menschlichen Gesellschaftskunde. Des Weiteren erhielt die islamische Welt

in gewissem Grade ihre Unabhängigkeit und die nichtmuslimischen Regierungen beginnen nach den Wahrheiten des Qur'an zu suchen, und im Westen und dem Nordwesten entstanden große Strömungen für den Qur'an. Des Weiteren sagte Mister Carlayl, einer der größten und berühmtesten Philosophen in Amerika, auch das gleiche wie Bismarck: "Die anderen Bücher können in keinerlei Hinsicht den Qur'an erreichen. Er ist das wahre Wort. Wir müssen auf ihn hören." So urteilte er fest.

{Der arabisch verfasste Qur'ankommentar "Zeichen auf das Wunder" aus der Risale-i Nur wies vor dreißig Jahren auf dieses wertvolle, wahrheitsliebende Urteil von ihm hin.}

Die Werke der Risale-i Nur verbreiteten und entwickelten sich in alle Richtungen. All das sind gute Vorzeichen dafür, dass unter den Nichtmuslimen viele wie Bismarck und Mister Carlayl hervortreten werden und es gibt auch Anzeichen dafür. Als ein Festtagsgeschenk Überreichen wir dies den Nurdjus und senden den Artikel von Bismarck mit. Grüße an alle.

اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى

{"Der Bleibende ist der, der bleibt und besteht."}

Euer Mitbruder

Said Nursi

* * *

(Die Erklärung von Bismarck, die in den Briefen von den Ahmeds angeführt wird.)

Unser hochgeschätzter Meister!

Hier wollen wir die Worte von Fürst Bismarck, einer von den berühmten deutschen Fürsten, die er Über verschiedene Religionen, besonders die er Über den Islam gemacht hat, Ihnen, unserem Meister vorlegen. Wie weit der Islam im Westen voranschreiten wird, lassen diese Worte erkennen.

Durch meine eingehenden Betrachtungen Über die Gesellschaft und besonders aus verschiedenen Zeitungsspalten dieses 19. Jahrhunderts las ich die folgende Aussage des verstorbenen Fürst Bismarck Über die aufgehobenen Religionen heraus:

"Alle Bücher, die in verschiedenen Epochen vom Himmel offenbart wurden um die Menschheit zu verwalten, und worüber behauptet wird, dass sie von göttlicher Seite stammen, habe ich erforscht. Weil sie verfälscht wurden, konnte ich in keinem die Weisheit finden, die ich suchte. Diese Gesetze sind von ihrem Wesen her weit entfernt, das Glück der Menschheit zu sichern. Aber der Qur'an der Mohammedaner ist davon ausgenommen. Ich habe den Qur'an in jeder Hinsicht von allen Gesichtspunkten her erforscht. Ich sah in jedem seiner Worte eine große Weisheit. Auch wenn es behauptet wird, dass dieses Buch die eigene Abfassung des Mohammeds wäre; die Behauptung, ein solches Wunder sei aus einem äußerst vollkommenen Gehirn entstanden, bedeutet aber, dass man vor allen Tatsachen die Augen zuschließt und ein Werkzeug zur Gehässigkeit und böswilliger Gesinnung wird. Dies ist aber mit dem Wissen und der Weisheit unvereinbar. Ich behaupte folgendes: Mohammed ist von einer besonderen Bedeutung. Es ist fern von der Wahrscheinlichkeit, dass der Schöpfer eine solche Existenz zum zweiten Mal in den möglichen Bereich bringt.

Ich bedauere es sehr, oh Mohammed, dass ich nicht mit Dir in gleicher Zeit leben konnte! Dieses Buch, dessen Lehrer und Verkünder Du bist, ist nicht Deins. Es ist von Gott. Es abzustreiten, dass dieses Buch von Gott ist, ist so lächerlich, wie wenn man zu behaupten versuchen würde, dass die positiven Wissenschaften absurd seien. Die Menschheit hat ein besonders mächtiges Genie wie Dich, einmal erlebt und wird es nie wieder erleben können. Ich beuge mich in Deiner würdevollen Gegenwart in vollkommener Ehrfurcht."

Bismarck

(Aus dem Band "Briefe")

Fünftes Problem:

Die Welt ist nun einmal vergänglich. Außerdem ist das Leben nun einmal kurz. Außerdem gibt es nun einmal viele wichtige Aufgaben. Außerdem muss man sich nun einmal das Ewige Leben hier verdienen. Außerdem ist nun einmal diese Welt nicht ohne Besitzer. Außerdem hat nun einmal diese unsere irdische Herberge einen Lenker und Leiter von großer Weisheit und Freigiebigkeit. Außerdem bleibt nun einmal das Gute und das Schlechte nicht ohne seinen Lohn. Außerdem gibt es nun einmal entsprechend dem Geheimnis von

لاَ يُكَلِّفُ اللهُ نَفْسًا اِلاَّ وُسْعَهَا

{"Gott verlangt von keiner Seele (nefs) mehr, als sie zu tragen vermag." (Sure 2, 286)}

keine unerträglichen Belastungen. Außerdem ist nun einmal ein gefahrloser Weg immer einem gefährlichen Weg vorzuziehen. Außerdem reichen nun einmal Freundesbande und Standesverpflichtungen nur bis zum Rand des Grabes.

Der Glücklichste aber ist sicherlich derjenige, der das Jenseits nicht um des Diesseits willen vergisst, der das Jenseits nicht dem Diesseits zum Opfer bringt, der das Ewige Leben nicht um des irdischen Lebens willen zerstört, der sein Leben nicht mit nutzlosen Dingen vertändelt, der sich selbst nur als einen Gast betrachtet und der sich den Weisungen seines Gastherrn entsprechend verhält. Er wird heil und sicher das Tor seines Grabes öffnen und in die Ewige Glückseligkeit eingehen.

Ihre siebente Frage:

خَيْرُ شَبَابِكُمْ مَنْ تَشَبَّهَ بِكُهُولِكُمْ وَشَرُّ كُهُولِكُمْ مَنْ تَشَبَّهَ بِشَبَابِكُمْ

{"Die besten unter euren Jünglingen sind die, welche den Greisen unter euch ähnlich und die schlimmsten unter euren Greisen diejenigen, welche euren Jünglingen ähnlich sind."}

Ist das ein Hadith und was ist damit gemeint?

Antwort:

Ich habe gehört, dass es ein Hadith ist. Was damit gemeint ist, ist Folgendes: "Der beste der Jugendlichen ist derjenige, der sich wie ein Alter an den Tod erinnert und für sein Jenseits arbeitet, der sich nicht von der jugendlichen Lust und Laune gefangennehmen und in der Gottvergessenheit ersticken lässt. Und der schlechteste der Alten unter euch ist derjenige, der in Gottvergessenheit, Lust und Laune den Jugendlichen nachahmen will, und sich wie ein Kind den Wünschen seiner Begierde unterwirft."

Die richtige Form des zweiten Abschnitts, den Du an Deiner Merktafel sahst, ist die Folgende: Ich hing es als eine Merktafel der Weisheit über das Kopfende (meines Bettes). An jedem Morgen und an jedem Abend gucke ich danach und nehme meinen Unterricht:

"Wünschst Du Dir einen Freund, so genügt Dir Allah." Tatsächlich sind alle Dinge Freunde, wenn Er Freund ist.

"Wünschst Du Dir einen Helfer und Gefährten, so genügt Dir der Qur'an." Tatsächlich begegnet man darin den Gottesgesandten und den Engeln seiner Vorstellung entsprechend, betrachtet ihre Erlebnisse und macht sich mit ihnen vertraut.

"Wünschst Du dir Reichtum, so genügt dazu eine bescheidene Haltung." Tatsächlich ist derjenige, der genügsam lebt, sparsam. Wer sparsam ist, findet Segen.

"Suchst Du nach einem Feind, so genügt Dir Deine Begierde (nefis)."Tatsächlich wird der, welcher sich selbst gefällt, vom Unglück heimgesucht und vom Unheil geplagt. Derjenige, der nicht selbstgefällig ist, findet seine Freude und empfängt Gottes Barmherzigkeit.

"Suchst Du einen Ratgeber, so genügt Dir der Tod." Tatsächlich löst sich derjenige, der über den Tod nachdenkt, von der Weltliebe und arbeitet ernsthaft für das Jenseits.

(Aus dem Band "Blitze")

Fünftes Heilmittel:

Oh du Kranker, der du der Nörgelei verfallen bist! Ich bin aus Erfahrung zu der Überzeugung gelangt, dass in unserer Zeit Krankheit für einige eine Wohltat Gottes und ein Geschenk Seiner Barmherzigkeit ist. Obwohl ich dessen nicht würdig bin, kommen seit acht, neun Jahren einige junge Leute in ihrer Krankheit zu mir, damit ich für sie bete. Ich habe bemerkt, dass diejenigen jungen Kranken, die ich gesehen habe, im Gegensatz zu anderen jungen Leuten begonnen haben, an das "Danach " (Jenseits) zu denken. Sie kennen die Trunkenheit der Jugend nicht. Sie retten sich in gewissem Grade davor, sich achtlos tierischer Lust auszusetzen. Ich habe gesehen, dass ihre Krankheiten im Rahmen ihrer Fähigkeit, sie zu ertragen, eine Wohltat Gottes waren, und habe sie darauf aufmerksam gemacht. Ich sagte ihnen immer: "Mein Bruder, ich habe nichts gegen deine Krankheit, und bedauere dich nicht wegen deiner Krankheit, sodass ich für dich beten müsste. Bemühe dich um Geduld in deiner Krankheit bis zu deiner völligen Erweckung! Und wenn die Krankheit ihre Aufgabe erfüllt hat, wird dir der barmherzige Schöpfer um Seinetwillen Genesung schenken." So sagte ich weiter: "Ein Teil deiner Altersgenossen sind infolge des Unglücks ihrer Gesundheit der Gottvergessenheit verfallen, versäumen das Gebet, denken nicht an das Grab, vergessen Allah... In diesem irdischen Leben erschüttern, ruinieren, ja, zerstören sie vielleicht sogar in einer Stunde oberflächlicher Lust ein unendliches, ewiges Leben. Durch die Brille deiner Krankheit siehst du dein Grab, deine künftige Wohnstatt, in die du in jedem Falle hinabsteigen wirst, und noch dahinter die jenseitigen Wohnstätten, und verhältst dich dementsprechend. Das besagt also, dass für dich die Krankheit Gesundheit ist, doch bei einem Teil deiner Altersgenossen ist Gesundheit eine Krankheit..."

(Aus dem Band "Blitze")

Schlimmster Feind

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Allbarmherzigen."}

Dies betrifft einen Punkt der Ayah

اِنَّ النَّفْسَ َلاَمَّارَةٌ بِالسُّوٓءِ

{"Fürwahr, die eigenwillige Seele ist zum Schlechten geneigt." (Sure 12, 53)}

Das heißt: Die Seele (nefs)führt immer zu den schlechten Dingen hin.

{Dieser Abschnitt ist für jeden nützlich. er denn entsprechend dem Grad (den er dabei erreicht) von der Ayah}

Sowie die Hadith

اَعْدٰى عَدُوِّكَ نَفْسُكَ الَّتِى بَيْنَ جَنْبَيْكَ

{"Der schlimmste Feind ist deine Seele, die zwischen deinen Schultern ist."}

Die ehrenwerte Bedeutung davon ist: "Dein schlimmster Feind ist deine Seele." Ein Punkt zu dieser Hadith: Unter der Voraussetzung, dass jemand eine eigenwillige Seele besitzt und diese noch nicht geläutert hat, wird ein solcher Mensch Gefallen finden an seiner eigenen Seele und sie lieben und keinen anderen lieben. Selbst wenn er einen anderen nach außen hin liebt, so tut er dies doch nicht aufrichtig, sondern liebt nur um des Nutzens und um des Vergnügens willen. Er versucht stets, bei anderen Gefallen zu finden und von ihnen geliebt zu werden. Er schreibt auch nicht seine Fehler sich selbst zu, sondern verteidigt sich selbst und hält sich selbst in Ehren wie ein Advokat. Er lobt sich selbst, übertreibt, ja lügt sogar dabei, indem er sich selbst als frei von Fehlern darstellt, so als wolle er sich selbst für heilig erklären und so empfängt

er denn entsprechend dem Grad (den er dabei erreicht) von der Ayah

مَنِ اتَّخَذَ اِلٰـهَهُ هَوٰيهُ

{"...der sich seine Launen zu seinem Gott genommen hat." (Sure 25, 43)}

ein Ohrfeige.

Sein Eigenlob und seine Bemühungen, sich selbst beliebt zu machen, haben den umgekehrten Erfolg. Denn er (erreicht damit nur, dass man ihn als) lästig empfindet und ihm die kalte Schulter zeigt. Er verliert zudem die Aufrichtigkeit in seinen Handlungen, die auf das Jenseits hin ausgerichtet sind, und vermischt sie mit seiner Heuchelei. Er wird von seinen Gefühlen, den Launen seiner Seele (nefs)überwältigt, die den Konsequenzen gegenüber blind ist, an die Folgen nicht denkt und von ihren augenblicklichen Vergnügungen besessen ist. Nachdem eine Fetwa seines Gefühls ihn in die Irre geschickt hat, sitzt er nun wegen eines Vergnügens von einer Stunde ein ganzes Jahr im Gefängnis. Er bezahlt mit einer Strafe von zehn Jahren für den Stolz oder die Rachsucht einer einzigen Minute. So leicht wie ein törichtes Kind, das sein "Djuz Amme"(= das letzte Buch im Qur'an), worin es gerade lernt, für ein paar Bonbons verkauft, um seinen Gefühlen zu schmeicheln, seine Sinne zu befriedigen, seinen Launen nachzugeben, (so verschleudert es) seine guten Werke, die den Wert von Diamanten haben, und macht sie zu einem Mittel (zur Erlangung) egoistischer Vergnügungen, (die doch nur den Wert) unbedeutender Glasstückchen haben und verliert so den ganzen Gewinn seiner Arbeit.

اَللّٰهُمَّ احْفَظْنَا مِنْ شَرِّ النَّفْسِ وَالشَّيْطَانِ وَمِنْ شَرِّ الْجِنِّ وَاْلاِنْسَانِ

{"Oh Gott, bewahre uns vor dem Übel der Seele und des Teufels, vor dem Übel der Dschinnen und der Menschen."}

(Aus dem Band "Mesnevi Nuriye")

Schlaf - Wachsamkeit

Wisse, oh du Lieber! Ich gehöre zum Bereich der Bedeutung des Gedichtes:

وَعَيْنِى قَدْ نَامَتْ بِلَيْلِ شَبِيبَتِى وَلَمْ تَنْتَبِهْ اِلاَّ بِصُبْحِ مَشِيبِ

{"In meiner Jugendzeit, die der Nacht gleicht, waren meine Augen im Schlaf geschlossen. Ich bin erst am Morgen des Altseins erwacht."}

Denn in meiner Jugend glaubte ich, dass ich auf den Gipfel der Wachsamkeit gestiegen wäre. Jetzt verstehe ich, dass jene Wachsamkeit keine Wachsamkeit war. Sie bestand nur daraus, dass ich mich in dem tiefsten Loch des Schlafes befand. Demgemäß soll die Aufklärung und Wachsamkeit, von denen die Neuzivilisierten stolz große Töne reden, von der Sorte der Wachsamkeit meiner Jugend sein.

Ihr Gleichnis ist wie das Gleichnis eines "Schlafenden", der in seinem Traum vom Traum aufgewacht ist und seinen Traum den Leuten erzählt. In Wirklichkeit weist sein Erwachen im Traum darauf hin, dass es von einer dünnen Decke des Schlafes zu einer tiefen und dicken Decke Übergegangen ist. Ein solcher Schlafender ist wie tot. Wie kann so einer die Menschen, die halb im Schlaf sind, aufwecken. Oh ihr, die ihr euch während eures Schlafes für wach haltet! Ihr sollt euch in den Fragen des Glaubens durch Nachsicht oder Anpassung nicht den Neuzivilisierten annähern. Denn der Bach zwischen uns und ihnen ist sehr tief. Ihr könnt ihn nicht füllen, um eine Verbindung herzustellen. Entweder schließt ihr euch ihnen auch an, oder ihr fallt in den Irrtum und ertrinkt.

(Aus dem Band "Mesnevi Nuriye")

Mensch und seine Weit

Drittes Zeichen:

Oh du Mensch, ein äußerst merkwürdiger Zustand, den der allweise Schöpfer in dein Wesen hineingelegt hat, ist folgender: Manchmal kannst du auf der Welt für dich keinen Platz finden. Während du wie ein Mann, dem in einem Kerker der Hals eingeengt wird, of sagst und nach einem weiteren Platz auf der Erde suchst, trittst du in eine Angelegenheit von einem Stäubchen, in eine Erinnerung oder in eine Minute ein und setzt dich darin. Dein Herz und deine Gedanken, die in der riesigen Welt für sich keinen Platz finden, setzen sich in jenem Stäubchen nieder. Mit heftigsten Empfindungen bewegst du dich in jenem Minütchen und in jener kleinen Erinnerung.

Außerdem hat Er deinem Wesen derartige geistige Anlagen und Feinheiten eingegeben, dass manche von ihnen nicht satt werden, auch wenn sie die ganze Welt verschlucken. Manche Feinheiten haben in sich keinen Platz für ein Stäubchen. Während der Kopf ein Gewicht so schwer wie ein Batman

{Batman, türkisches Gewichtmaß, ca. 7,7 Kg}

tragen kann, kann das Auge aber ein einziges Haar nicht vertragen.

Genauso können jene Feinheiten ein Gewicht wie dies eines Haares, d.h. einen kleinen Zustand, der aus Gottvergessenheit und aus Irrtum erwächst, nicht vertragen.

Manchmal verloschen sie dabei sogar und sterben. Da es nun einmal so ist, nimm dich davor in Acht, sei vorsichtig wo du hintrittst, fürchte dich vor dem Untergehen!. Mit einem Funkeln, einem Teilchen, einem Wort, einem Kügelchen, einem Funkeln, einem Teilchen, einem Kuss gehe nicht unter! Lass nicht alle deine Feinheiten, die die ganze Welt verschlucken können, darinnen untergehen. Denn es gibt sehr kleine Dinge, die in einer Hinsicht viele große verschlingen. In einem kleinen Glasstückchen zum Beispiel

geht der Himmel mit seinen Sternen hinein und versinkt darinnen. In dein Gedächtnisvermögen, das so viel Platz einnimmt wie ein Senfkorn, passt der größte Teil der Seite deiner Taten und die meisten der Seiten deines Lebens hinein. Genauso gibt es sehr kleine Dinge, die auf diese Art riesige Dinge in einer Hinsicht verschlingen und einnehmen.

(Aus der "Briefsammlung aus Kastamonu")

Vergesslichkeit

Ein junger Qur'anrezitator unter den Schülern der Risale-i Nur sagte, wie sehr viele Männer auch sagen: "Meine Vergesslichkeit nimmt wie eine Krankheit zu. Was soll ich dagegen tun?"

Ich sagte ihm: Soweit wie es möglich ist, betrachte nicht die fremden Frauen (namahrem).Denn es gibt eine Überlieferung von dem Gesandten Gottes dafür. Wie der Imam Shafi (Gott möge mit ihm zufrieden sein) sagte: "Der Blick zu dem Verbotenen erzeugt Vergesslichkeit." In der Tat werden fleischliche Gelüste bei den Leuten des Islam wachgerufen, wenn das Betrachten des Verbotenen zunimmt. Durch Missbrauch seines Körpers begeht man eine Kraftverschwendung. Es wird gezwungen, ein paar mal in der Woche rituelle Vollwaschung vorzunehmen. So wird medizinisch eine Schwächung für sein Gedächtnisvermögen verursacht. In der Tat beginnt, wegen der offenen und freizügigen Bekleidung der Frauen in diesem Zeitalter, besonders in diesen Ländern mit heißem Klima, aus dem Missbrauch der Potenz wegen dieser schlechten Blicken eine allgemeine Krankheit der Vergesslichkeit zu erwachsen. Jeder beklagt sich mehr oder weniger darüber. So wird durch die Vermehrung dieser allgemeinen Krankheit die Bedeutung aus der fürchterlichen Nachricht aus einem heiligen Hadith an ihrem letzten Ende ersichtlich. Darin heißt es: "In der Endzeit wird der Qur'an aus den Brüsten der Rezitatoren entrissen und entzogen, er wird vergessen werden". Das heißt, dass diese Krankheit entsetzliche Ausmaße annehmen und vor dem Auswendiglernen des Qur'an eine Mauer gezogen wird, was die Bedeutung dieser Hadith bestätigt.

(Dieser Brief ist von großer Bedeutung)

Taqua

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei"}

Meine lieben und treuen Brüder,

Ich habe in diesen Tagen über die Prinzipien der Rechtschaffenheit (taqua)und der Guten Werke (amel-i salih)nachgedacht, welche unter dem Blickwinkel des Weisen Qur'an betrachtet, als Grundsätze nach dem Glauben (iman)den obersten Platz einnehmen. Taqua ist die Enthaltung vom Verbotenen und der Sünde. Gute Werke tun, heißt sich im Rahmen des Gebotenen bewegen und Verdienste gewinnen. Alle Zeit das Böse zurückzuweisen und dabei dem Kommen des Guten den Vorzug geben in dieser Zeit der Verheerungen, der Zügellosigkeit und attraktiver Lustbarkeiten, dieses Grundprinzip der Zurückweisung jeglicher Verderbnis und aller schweren Sünde bedeutet eine große Überlegenheit zu gewinnen.

Taqua ist in dieser Zeit der Verheerungen und des Schreckens negativer Strömungen geradezu ein Grundprinzip gegen diese Verheerungen. Wer seine Pflicht (fardh)tut und die schweren Sünden lässt, wird gerettet werden. In schwerer Sünde ein gutes Werk mit aufrichtigem Herzen (ikhlas)zu Erfolg zu führen, gelingt nur höchst selten.

Doch werden diese wenigen guten Werke unter diesen schwierigen Umständen vielen gleichgestellt.

Dabei ist Taqua in sich selbst schon wie ein gutes Werk. Denn etwas Verbotenes zu unterlassen ist eine Pflicht (vadjib); seine Pflicht zu erfüllen aber ist eine verdienstvolle Handlung (sevab),die einer Vielzahl von nur gewohnheitsmäßigen (sunna)entspricht. In solchen Zeiten, bei einem Angriff eines nach tausenden zählenden Geschwaders von Sünden,

gleicht eine einzige Unterlassung, kommen wenige Taten der Aufgabe von hundert Sünden gleich und entsprechen der Erfüllung von hundert Pflichten. In diesem wichtigen Punkt bewirkt die gute Absicht (niyet),der im Namen der Taqua gefasste Vorsatz, eine Sünde zu meiden, dass aus einem Gebet um Abwendung eine wichtige gute Tat erwächst.

Für die Schüler der Risale-i Nur besteht die bedeutendste Aufgabe in unserer Zeit darin, allen Verheerungen und Sünden entgegen die Taqua als Grundsatz aufrecht zu erhalten. Denn bei der jetzigen Art des gesellschaftlichen Lebens treffen auf den Menschen hunderte von Sünden in jeder Minute. Gewiss ist die Taqua, verbunden mit dem Vorsatz, sich abzuwenden (niyet-i i'tinab)hunderten getaner guter Werke gleich. Bekanntlich kann ein Schloss, dass von einem einzigen Mann an einem einzigen Tag zerstört wurde, auch von zwanzig Mann nicht in zwanzig Tagen wieder aufgebaut werden. Wenn aber gegen das Zerstörungswerk eines einzigen Mannes zwanzig Mann notwendig sind, dagegen anzukämpfen, dann ist es umso wunderbarer, wenn sich heute die Risale-i Nur als einzige tausenden von Zerstörern entgegenstellt und wiederherstellt und dabei einen solchen Widerstand leistet und eine derartige Wirkung hervorbringt. Könnten sich nun diese beiden entgegen gesetzten Kräfte das Gleichgewicht halten, so wäre die Wiederherstellung und Erneuerung als ein Erfolg und ein Sieg zu betrachten, der einem Wunder gleich kommt.

Kurz gesagt ist das Gemeinschaftsleben in seinen Grundfesten, der Ehrenhaftigkeit und der Barmherzigkeit, wonach es sich ausrichtet, schwer erschüttert worden. In manchen Bereichen ist das besonders schmerzlich. Und für die armen alten Väter und Mütter bringt das entsetzliche Folgen mit sich. Gott dem Gerechten sei Dank dafür, dass die Risale-i Nur überall dort, wohin sie gelangt, dieser fürchterlichen Zerstörung Widerstand entgegen setzt und die Dinge wieder in Ordnung bringt.

So wie die Völker von Gog und Magog mit der Zerstörung des Dammes von Dhu-l'Qarneyn Verderben über die ganze Welt bringen wollten, so haben auch die gesetzlose Anarchie und eine finstere Gottlosigkeit damit begonnen, fürchterlicher noch als Gog und Magog begonnen, die Mauern der Moral zu untergraben und die Brunnen des Lebens zu vergiften, indem sie das Gesetz (Sheriat-i Muhammediye ASM),welches der Schutzwall des Qur'an ist, zu erschüttern suchen. Der geistige Kampf, den die Schüler der Risale-i Nur unter diesen Ereignissen führen, wird inshaa'llah wie zu Zeiten der Sahabis(= der Schüler des Propheten) als ein geringes Werk zur Quelle sehr hohen Lohnes und eines guten Werkes werden.

Meine lieben Brüder,

So ist uns denn in einer solchen Zeit, gegen diese furchtbaren Geschehnisse, neben der Kraft unserer Aufrichtigkeit (ikhlas)als stärkste Kraft die Teilnahme an den himmlischen Werken (ishtirak-i 'amal-i uhreviye)zum Leitmotiv gegeben. Denn so wie die Feder das Gute jedes Einzelnen auch in das Buch der guten Taten der anderen mit einträgt, so erhält auch die Rede jedes Einzelnen durch den Schutz und Schirm der Taqua noch Kraft und Hilfe. Und besonders für diesen euren armen Bruder, welcher die Zielscheibe solch heftiger Angriffe ist, sind in diesen drei gesegneten Monaten und an den geheiligten Tagen solch treue und tapfere Mitbrüder gegeben, die ihm mit liebevoller Sorge zu Hilfe eilen. Und ich bitte euch mit ganzer Seele (ruh)um diese geistige Hilfe. Auch ich mache die Schüler der Risale-i Nur, ihren Glauben und ihre Treue vorausgesetzt, zu Teilhabern an all meinen Gebeten und geistigen Verdiensten. Unter dem Leitmotiv ihrer Teilnahme an allen himmlischen Werken und dem Schild ihrer Schülerschaft an der Risale-i Nur entsprechend mache ich sie dazu vierundzwanzig Stunden täglich und manchmal noch hundert Mal mehr.

Said Nursi

(Aus der "Briefsammlung aus Kastamonu")

Würde des Wissens

Für die, die meinen Lebenslauf kennen, ist Folgendes bekannt. Vor 55 Jahren, als ich etwa 20 Jahre alt war, wohnte ich zwei Jahre in dem Haus des verstorbenen Gouverneurs Ömer Pascha in Bitlis, weil er das Wissen hochschätzte und auf mein Bleiben beharrte. Er hatte sechs Töchter. Drei davon waren noch klein und die anderen drei waren groß. Ich konnte diese drei großen nicht voneinander unterscheiden und kennen, obwohl wir gemeinsam zwei Jahre in demselben Haus wohnten. Ich betrachtete sie nicht in diesem Maße, dass ich sie vom Aussehen erkennen konnte. Ein gelehrter Gast von mir, der mich besuchte, konnte sie sogar in zwei Tagen voneinander unterscheiden und von ihrem Äußeren her erkennen. Jeder war über meine Haltung erstaunt und fragte mich: "Warum beachtest du sie nicht einmal?" Ich sagte immer: "Der Wille, die Würde des Wissens zu bewahren, lässt mich sie nicht beachten."

Zudem, vor vierzig Jahren, als an dem besonderen Festtag, in Kagithane in Istanbul tausende offen und freizügig bekleidete römische, armenische und Istanbuler Mädchen und Frauen an beiden Ufern des Goldenen Hornes, von der Brücke bis zur Kagithane standen, stiegen wir, der verstorbene Abgeordnete Molla Seyyid Taha und der Abgeordnete Hadji Iljas und ich zusammen in ein Boot. Wir fuhren an den Frauen vorüber. Ich nahm sie überhaupt nicht wahr. Molla Taha und Hadji Ilyas gestanden nach einer Stunde Reise, dass sie mich in Wirklichkeit prüfen wollten und mich abwechselnd beobachteten. Sie sagten: "Wir waren erstaunt über diese deine Haltung. Du beachtetest sie überhaupt nicht."

Ich sagte: "Da die Folgen der unnötigen, vorübergehenden, sündhaften Genüsse Leiden und Bedauern sind, will ich sie nicht".

Ein Auszug aus dem "Zweiunddreißigsten Wort".

Zweites Kapitel - Zweiter Punkt

Der Anwalt der Leute des Irrwegs findet keinen Stoff mehr, an den er seine Beweise anknüpfen und nichts mehr, worauf er das Gebäude seines Irrglaubens aufbauen könnte und weil er nun nichts weiter mehr vorbringen kann, sagt er:

"Das irdische Glück, die Vergnügungen des Lebens, der Fortschritt in der Zivilisation und der weitere Aufbau in der Industrialisierung erwächst nach meiner Meinung daraus, dass man nicht an das Jenseits denkt, Gott nicht kennt, die Welt und seine Freiheit liebt und nur auf sich selbst vertraut. Die meisten Menschen habe ich mit Hilfe des Satans auf diesen Weg geführt und das mache ich auch weiter so."

Nun die Antwort darauf: Wir aber sagen im Namen des Qur'an: Oh du armseliger Mensch! Komm zur Besinnung! Höre nicht auf den Anwalt der Leute des Irrwegs! Hörst du auf ihn, wirst du dadurch einen solch großen Schaden davontragen, dass Herz, Geist und Verstand schon bei der bloßen Vorstellung erzittern. Es liegen nun zwei Wege vor dir:

Der Erste:

der Elends-Treck, den der Anwalt der Leute des Irrwegs dir zeigt.

Der Andere:

die glückliche Straße, die der weise Qur'an beschreibt.

Du hast ja nun die beiden Wege durch sehr viele Gegenüberstellungen in vielen Abhandlungen (Söz)und besonders durch die "Kleinen Worte" (Küçük Sözler)gesehen und verstanden. Siehe und verstehe nun in diesem Zusammenhang abermals eine weitere Gegenüberstellung unter tausend! Es ist dies wie folgt: Der Weg der Kompromisse (shirk),Verirrungen (dalalet),Laster und Sünden stürzt den Menschen in einen bodenlosen Abgrund. In grenzenlosem Elend legt er ihm eine unendlich

schwere Last auf seine schwachen und kraftlosen Schultern. Denn der Mensch, der Gott den Gerechten nicht kennt und nicht auf Ihn vertraut, dieser Mensch gleicht dann in seinem Jammer und Elend einem kurzlebigen (fani)Tier, das so äußerst hilflos und schwach ist, so unendlich hilfsbedürftig, armselig und zahllosen Übeln ausgesetzt, muss sich ständig trennen von allen Menschen, die ihm lieb und von allen Dingen, die ihm teuer geworden sind, lässt am Ende im Schmerz der Trennung auch noch die letzten Freunde zurück und steigt einsam in die Dunkelheit des Grabes hinab.

Eine Spanne lang kämpft er nutzlos mit einem äußerst schwachen Willen, mit seinem nur geringen Vermögen, seiner geringen Lebenskraft in seiner so beschränkten Lebenszeit, mit seinem trüben Verstand, voller Erwartung gegen ein unendliches Elend. Fruchtlos plagt er sich und wie im Leerlauf, um seine zahllosen Wünsche zu erfüllen und seine Ziele zu erreichen.

Obwohl er noch nicht einmal in der Lage ist, alle die Aufgaben der Versorgung und Ernährung seines eigenen Körpers auf sich zu nehmen, belastet er sich Leib und Seele noch zusätzlich mit der Last der ganzen großen Welt. Und noch bevor er zur Hölle fährt, zieht er schon die Strafe der Hölle auf sich.

In der Tat flüchten die Leute des Irrwegs, weil sie dieses leidvolle Elend und die fürchterliche Strafe der Seele nicht verspüren wollen, durch die Trunkenheit ihrer Gottvergessenheit in eine Art Betäubung ihrer Gefühle und verspüren sie vorübergehend nicht mehr. Doch verspüren wird er sie wieder, wenn er plötzlich verspürt, dass seine Zeit gekommen und er in die Nähe des Grabes gerückt ist. Denn wer nicht des getreuen Gottes getreuer Diener ist, der muss glauben, er sei Meister seiner selbst. Doch mit seiner geringen Willenskraft und seinem winzigen Leistungsvermögen vermag er in den Wechselfällen der Weltgeschichte noch nicht einmal den Stoffwechsel seines eigenen Körpers selbst zu meistern. Von den Krankheitserregern

angefangen bis hin zu einem Erdbeben sieht er tausende feindlicher Truppen bereit zu einem Angriff auf sein Leben. In Qualen, Ängsten und Befürchtungen geht er dem Tor des Grabes entgegen, das ihm allzeit schrecklich vor Augen steht.

Solcher Art ist der Zustand, in dem er sich in Anbetracht seines eigenen Menschseins befindet, verbunden mit der Menschheit und der Weltgeschichte, ohne sich dabei einen Allweisen, Allwissenden, Allmächtigen, Barmherzigen und Großmütigen Herrn vorstellen zu können, der dies alles in Seinen Händen hält, schreibt vielmehr alles dem Zufall und den Naturgesetzen zu, sodass ihn ständig all das, was in der Weltgeschichte passiert und der Menschheit zustößt, in Unruhe versetzt. So leidet er zuzüglich zu seinem eigenen Elend auch noch an dem Elend der Menschheit. Erdbeben, Taifune, Pest, Hunger, Dürre, Vergänglichkeit und Zufall malen ihm das finstere Bild aller Not und Pein und allen Unglücks dieser Welt und quälen ihn.

Überdies verdient ein Mensch in diesem Zustand noch nicht einmal Mitleid (merhamet)und Erbarmen (shefqat),weil er sich ja selbst in diesen fürchterlichen Zustand gebracht hat.

Im "Achten Wort" wurde der Zustand zweier Brüder miteinander verglichen, die in eine Zisterne gesprungen waren: So wie ein Mann in einem schönen Garten, bei einem prächtigen Gastmahl unter guten Freunden sich nicht mit den sauberen, geschmackvollen, ehrbaren, willkommenen und erlaubten Freuden und Genüssen begnügt, wenn er stattdessen, um eines unerlaubten, zweifelhaften Genusses willen etwas von einem widerwärtigen, unlauteren Getränk (= Wein) zu sich nähme und sich nun in seinem Rauschzustande einbildete, es wäre mitten im Winter und er befände sich an einem schmutzigen Platz, ja inmitten von Drachen und begänne nun zitternd Zeter und Mordio zu schreien. So wie dieser kein Mitleid verdiente, wenn er seine achtbaren und ehrenwerten Freunde als eine Drachenbrut betrachtet und sie solcherart beleidigt, so wenig

verdient ein solcher Mensch Mitleid, sondern Schläge, wenn er bei dem Gastmahl die wohlschmeckenden Speisen wegwirft, wenn ihm das saubere Tafelgeschirr wie Unrat und schmierige Steine vorkommt und er sie zu zerbrechen beginnt und wenn ihm überdies in der Festversammlung die Heiligen Bücher und die bedeutsamen Schriften wie unbedeutende und einfältige Verschönerungen erscheinen und er sie zerreißt und auf den Boden wirft usw...

Aus dem Missbrauch seiner Freiheit erwächst ihm der Unglaube, der ihm die Sinne benebelt, und in dem Wahnsinn seines Irrweges erscheint ihm die Welt, die doch eine Herberge des allweisen Meisters ist, als sei sie ein Spielball der Natur, als spiele der Zufall mit ihr. Er stellt sich vor, dass alle die Kunstwerke, die doch eine Erscheinung der Namen Gottes sind, wie sie ständig erneuert werden und - wenn ihre Zeit abgelaufen und ihre Aufgabe erfüllt ist - in die unsichtbare Welt hinüberwechseln, verurteilt und vernichtet werden. Der Lobpreis (tesbihat)der ganzen Schöpfung kommt ihm so vor, als sei er das Wehgeschrei des Verfalls und der ewigen Trennung. Diese Schöpfung, die doch ein Brief des Ewigen (mektubat-i Samedaniye)ist, alle diese Seiten vom Dasein erscheinen ihm wie eine inhaltslose Kritzelei. Das Tor des Grabes, das sich zur Welt der Barmherzigkeit öffnet, stellt er sich als den finsteren Schlund der Nicht-Existenz vor. Ist seine Frist gekommen und er eingeladen, seinen wahren Freunden (habib)wieder zu begegnen, so glaubt er, nun sei er an der Reihe, sich von allen seinen Freunden zu trennen. So bringt er sich selbst in fürchterliches Leid und Elend. Zudem will er alles, was da ist, die Namen Gottes des Gerechten und Seine Briefe nicht anerkennen, verachtet, ja beleidigt er sie. Deshalb verdient er weder Mitleid (merhamet)noch Erbarmen (shefqat),vielmehr ist nun harte Bestrafung sein Sold. Mitleid hat er jedoch auf gar keinen Fall verdient.

So ist das also, oh ihr unglückseligen Leute des Irrwegs und der Maßlosigkeit! Welche eurer Vollkommenheiten,

welche eurer Philosophien, welche Perfektion, welche Zivilisation, welchen eurer Fortschritte könnt ihr diesem schrecklichen Verfall, dieser quälenden Hoffnungslosigkeit entgegensetzen? Wo könnt ihr jenen wahren Trost finden, dessen die Seele (ruh)des Menschen mit so heftigem Verlangen so notwendig bedarf?

Und weiter: was für eine Natur, welche der Ursachen, welches eurer Surrogate (shirk),welche von euren Entdeckungen und Erfindungen, welches Volk der Welt (millet),welche von den hohlen und nichtigen Gottheiten, die ihr anbetet, auf die ihr vertraut, auf die ihr alle eure Hoffnungen gesetzt habt und denen ihr alle die Werke Gottes und Gnadengaben des Herrn zuschreibt, vermag euch vor der Finsternis des Todes zu erretten, die euer ewiges Verdammungsurteil ist, wie ihr selbst sagt und euch über die Grenze des Grabes, des Zwischenreiches (berzah)hinüberzuhelfen, euch zum Ort der Wiederversammlung zu führen und euch über die Brücke "Sirat" hinüberzutragen, damit ihr die ewige Seligkeit erlangen könnt? Aber weil ihr das Tor des Grabes nicht verschlossen habt, werdet auch ihr mit Sicherheit Gefährten dieses Weges sein. Doch ein solcher Weggefährte sollte sich auf jemanden verlassen, der alle diese riesigen Gebiete und seine weiten Grenzen unter seiner Macht und Herrschaft hält.

Und noch etwas, ihr unglückseligen Leute des Irrweges und der Gottvergessenheit! Geheimnis des Grundsatzes: "Es ist die Folge einer unerlaubten Liebe (muhabbet),dass sie eine erbarmungslose Strafe nach sich zieht." Dass auch ihr, die ihr die Fähigkeit zu Liebe (muhabbet)und Erkenntnis, die euch natürlicherweise mit dem Wesen und mit den Eigenschaften und Namen Gottes des Gerechten verbinden sollten und die Anlage, die euch gegeben wurde, Gott zu danken, Ihn anzubeten und Ihm zu dienen, nun in ungesetzlicher Weise zu eigensüchtigen und weltlichen Zwecken missbraucht, nun auch gerechterweise

eure Strafe auf euch zieht. Denn ihr habt die Liebe, die Gott dem Gerechten gebührt, eurer eigenen Seele gegeben.

Und ihr habt die zahllosen Übel eurer Seele (nefs),die eure Geliebte (mahbub)ist, auf euch gezogen. Denn die wahre Seelenruhe (rahat)gebt ihr dieser eurer Geliebten nicht. Denn ihr vertraut sie nicht voll Zuversicht dem Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq)an, welcher der wahre Geliebte ist. Einen ewigen Schmerz zieht ihr euch zu.

Und ferner habt ihr die Liebe, die den Namen Gottes des Gerechten und Seinen Eigenschaften gebührt, an die Welt verloren und die Werke Seiner Kunst aufgeteilt und den verschiedensten Ursachen zugeschrieben. So habt ihr ein Übel auf euch gezogen. Denn ein Teil dieser zahllosen "Geliebten" kehrt euch den Rücken zu und verlässt euch ohne ein "Lebewohl" zu sagen. Ein Teil von ihnen kennt euch überhaupt nicht mehr. Und auch wenn sie euch noch kennen, so lieben sie euch doch nicht mehr. Und liebten sie euch noch, so nutzte es euch nichts. Ständig leidet ihr unter Qualen durch zahllose Trennungen und Verluste ohne eine Hoffnung auf ein Wiedersehen.

Das also ist von dem, was die Leute des Irrweges das Glück ihres Lebens, die Vervollkommnung der Menschheit, die Schönheit der Zivilisation und den Genuss der Freiheit nennen, die Innenseite und das wahre Wesen. Ausschweifung und Trunkenheit ist wie ein Vorhang, der Empfindungen zeitweilig gar nicht erst aufkommen lässt. So sage denn: "Ich spucke auf die Klugheit dieser Leute!"

Was aber die leuchtende Straße des Qur'an betrifft, so heilt sie durch den wahren Glauben alle die Wunden, die sich die Leute des Irrweges zugezogen haben. Alle die Finsternis, die früher über dem Wege lag, wird vertrieben. Alle die Tore des Irrglaubens und des Verderbens werden verschlossen. Und zwar geschieht dies folgendermaßen:

Der Glaube heilt alle Schwäche und Hilflosigkeit, Armseligkeit und Bedürftigkeit des Menschen mit dem Vertrauen auf den Barmherzigen-Allmächtigen. Er lädt dem Menschen nicht die Last seines Lebens und seines Daseins auf,

sondern übergibt (teslim)sie der Macht und Barmherzigkeit (Gottes). So steigt der Mensch gleichsam in sein Leben ein, fühlt sich wie von seiner Seele getragen und auf diese Weise kommt er zur Ruhe. Der Glaube lehrt den Menschen, nicht "ein sprechendes Tier" zu sein, sondern ein wahrer Mensch und willkommener Gast des Barmherzigen. Er zeigt, dass die Welt ein Gasthaus des Barmherzigen ist und alles, was darinnen ist, Wiederspiegelungen der göttlichen Namen sind und alle die Kunstwerke, die sich darin befinden, Briefe des Einzigartigen, die sich beständig erneuern, heilt aufs Beste die Wunden, die dem Menschen von der Vergänglichkeit (fena)der Welt, dem Zerfall aller Dinge und seiner Liebe für all das Vergängliche geschlagen wurde und rettet ihn aus der Finsternis all seiner bloßen Mutmaßungen.

Überdies zeigt er den Tod und seine Stunde als den ersten Schritt ins Zwischenreich und die Ewigkeit (beqa)und zur Begegnung mit den Freunden, die ihm dorthin vorausgegangen sind. So heilt er die Wunden des Todes, den die Leute des Irrweges (in ihrer Sicht) als eine ewige Trennung von allen ihren Freunden betrachten. Und er beweist, dass eine solche Trennung in der Tat die wahre Begegnung ist.

Und weiter noch beweist er, dass das Grab ein Tor ist, das sich zur Welt des Erbarmens, zum Haus der Glückseligkeit, zu den Gärten des Paradieses und zum Lichtreich (nuristan)des Barmherzigen öffnet, nimmt so dem Menschen seine furchtbare Angst und zeigt damit, dass seine so überaus mit Leid und Gram überfrachtete Reise ins Zwischenreich in Wirklichkeit eine überaus angenehme, erfreuliche und einladende Reise ist. Mit dem Grabe verschließt er das Maul eines Drachen und öffnet das Tor zu einem lieblichen Garten. Denn er zeigt, dass das Grab gar nicht das Maul eines Drachen ist, sondern das Tor, das sich zu den Gärten des Erbarmens öffnet.

Ferner noch sagt er dem Gläubigen: "Da dein Wille so begrenzt und deine Kraft nur so gering ist,

überlass dich doch ganz der alles vermögenden Entscheidungskraft (irade)deines Meisters (malik)!Da all das, was du vermagst und selbst entscheiden kannst, nur so wenig ist, vertraue doch auf die Kraft des Allmächtigen (Qadir-i Mutlaq)!Ist dein Leben auch nur kurz, so denke doch an das ewige Leben. Hast du auch nur eine kurze Spanne zu leben, so gibt es doch danach ein Leben, das nie vergeht; darum sorge dich nicht! Wenn deine Gedanken unklar sind, tritt in das sonnenklare Licht des Qur'an! Siehe, wie im Lichte des Glaubens jede einzelne Ayah des Qur'an an Stelle deiner mottengleichen Gedanken, jede einzelne einem Stern gleich dir ihr Licht sendet.

Ist dann dein Hoffen grenzenlos und sind deine Schmerzen zahllose, so sind grenzenlos doch deine Belohnungen und eine unendliche Barmherzigkeit wartet auf dich. Ist überdies deine Sehnsucht auch grenzenlos und sind deine Ideale unendlich fern, so denke nicht weiter darüber nach und gräme dich nicht. Sie haben in dieser Welt nicht ihren Raum. Sie finden anderswo ihren Platz. Und der, welcher dir ihre Erfüllung gewährt, ist auch ein anderer."

Und weiter sagt dir dein glaube: "Oh Mensch! Du bist nicht dein eigener Herr (malik).Du bist der Diener eines gewaltigen Herrn (Qadir)von unendlicher Macht, gehörst dem Barmherzigen in seiner Majestät voll grenzenlosen Erbarmens. Weil dies aber so ist, darum lade dir nicht selbst die Last deines Lebens auf deine eigenen Schultern, denn Er ist es, der dir das Leben gibt. Er ist es, der alles lenkt und leitet.

Und ferner ist diese Welt nicht ohne Besitzer (sahib),sodass du dir deinen Kopf über die Last der Welt zerbrechen müsstest. Denke nicht über ihre Krisen nach und gräme dich nicht, denn ihr Besitzer (sahib)ist der Allwissende und Allweise. Auch du bist nur ein Gast. Deine Mitbeteiligung ist unnötig. Mische dich also nicht ein!

Überdies ist, was geschaffen wurde wie Mensch und Tier, nicht sich selbst überlassen, sind vielmehr mit Aufgaben betraut,

dienen im Angesichte des Allweisen und Allbarmherzigen. Denkst du über ihre Schmerzen und Leiden nach, lass deine Seele (ruh)nicht in den Schmerz mit hineinziehen! Versuche nicht in deiner Liebe weiter vorne zu sein als die Barmherzigkeit ihres barmherzigen Schöpfers. Überdies liegen die Zügel, die alle Dinge lenken, die dir feindlich gesinnt sind, angefangen von einzelnen Krankheitskeimen bis hin zu weltweit verbreiteten Seuchen, Taifunen, Hungersnöten, Beben in den Händen dieses Allbarmherzigen und Allweisen. Er ist der Allweise: Unsinniges tut Er nicht. Er ist der Allbarmherzige: Seine Barmherzigkeit ist eine vielfältige. In jeder Arbeit, die Er tut, liegt irgendeine Art von Gnadenerweis."

Und weiter sagt der Glaube: "Diese Welt ist zwar eine vergängliche (fani),doch sie ist zugleich der Acker für die Bedarfsgüter einer ewigen Welt. Zwar ist sie flüchtig und nur vorübergehend, doch bringt sie bleibende Früchte hervor. Sie zeigt uns, wie in ihr die unvergänglich bleibenden Namen eines beständig bleibenden Herrn Gestalt gewinnen. Und ihrer Freuden sind zwar nur wenige und es gibt viel Leiden in ihr, doch die Gnadengaben des barmherzigen Erbarmers sind unvergängliche, echte Freuden. Was aber die Leiden betrifft, so bringen sie in Anbetracht des Lohnes Freuden für die Seele hervor.

Im Übrigen genügt der Rahmen des Erlaubten für alle die Genüsse und Freuden und all das Wohlbehagen von Geist (ruh),Herz (qalb)und Seele (nefs).Überschreite nicht den Rahmen des Erlaubten! Denn außerhalb dieses Rahmens zieht ein einziges Vergnügen manchmal tausend Leiden nach sich. Es ist außerdem auch noch der Grund für den Verlust der Gnadengaben des Erbarmers, welche die wahren und immerwährenden Freuden sind.

Des Weiteren lässt der Irrweg, wie wir oben erklärt haben, den Menschen bis zum Niedrigsten der Niedrigen in einen solchen Abfall hinabstürzen, dass keine Zivilisation

und keine Philosophie noch einen Ausweg daraus zu finden vermag. Doch wenn auch kein menschlicher Fortschritt und keine Vervollkommnung der Wissenschaft den Menschen aus diesem Pfuhl der Finsternis wieder herauszuziehen vermag, so vermag doch der weise Qur'an den Menschen durch Glauben und gute Werke von seinem Abfall zum Niedrigsten der Niedrigen herauf zu höchsten Höhen ('alayi illiyin)emporzuziehen. Und er beweist mit absoluter Sicherheit, dass er ihn emporzuziehen vermag. Und er füllt diesen tiefen Pfuhl mit den Stufen einer geistigen Entwicklung und dem Rüstzeug geistiger Vollendung.

Zudem vereinfacht und erleichtert er des Menschen lange Reise nach der Ewigkeit, die so voller Unruhen und Gefahren ist, ganz besonders. Er zeigt uns auch die Fahrzeuge, die eine Strecke von tausend, ja sogar fünfzigtausend Jahren in einem einzigen Tag überwinden können.

Überdies lehrt er, den Herrn in Seiner Majestät zu kennen, welcher König ist von Ewigkeit zu Ewigkeit und macht so den Menschen zu dessen Beamten, der Ihn anbetet und der Gast ist mit einem Auftrag von Ihm. So stellt (der Glaube) sicher, dass (der Mensch) sich sowohl im Gasthause, das diese Welt ist, als auch in den Wohnstätten des Zwischenreiches (nach dem Tode) und des Jenseits (nach der Auferstehung) in völliger Ruhe und Sicherheit bewegt.

So wie ein unbestechlicher Beamte im gesamten Reich seines Königs umherreisen kann und sich über die Grenzen all seiner Städte hinweg, z.B. per Flugzeug, frei bewegen darf, ebenso fährt ein Mensch, der sich im Glauben mit seinem ewigen König verbunden weiß und Ihm durch die Erfüllung Seiner Gebote (amel-i salih)Gehorsam erweist, durch die Wohnstätten dieser Herbergs-Welt, durch die Gebiete des Zwischenreiches und der Auferstehungswelt u. dgl. alle die weiten Welten jenseits des Grabes blitzschnell hindurch, fliegt über alle ihre Grenzen, als säße er auf Buraq(dem sagenhaften Reittier des Propheten), hinüber in die ewige Seligkeit. Und für diese

Tatsache finden sich (im Qur'an) die unumstößlichen Beweise. Und er zeigt sie den Heiligen (Asfiya)und Gottesfreunden (Auliya).Zudem sagt auch die Wahrheit des Qur'an: "Oh du, der du glaubst, schenke nicht deine unendliche Liebesfähigkeit deiner hässlichen, fehlerhaften und von Gier erfüllten Seele (nefs-i emmare),die dir übel will und schaden wird. Nimm sie dir nicht zur Geliebten (mahbub)und mache dir ihre Launen nicht zum Gegenstand deiner Anbetung (ma'bud)!Schenke vielmehr diese deine so unendlich große Liebesfähigkeit demjenigen Herrn, der dieser unendlichen Liebe würdig ist, der dir unendliche Gnaden erweisen und dich in der Zukunft unendlich glücklich machen kann, der darüber hinaus auch alle Menschen, denen du verbunden bist, durch Seine Gnadengaben glücklich macht, sodass du an ihrem Glück mit teilnehmen kannst, einem Herrn, der unendlich vollkommen und in unendlichem Grade heilig, erhaben, rein, frei von allen Fehlern und jeglichem Makel und von unvergänglicher Schönheit ist; alle Seine Namen sind von einer unendlich hohen Schönheit und in jedem Namen findet sich eine sehr große Fülle lichtvoller Schönheit und Vollkommenheit (Djemal).Das Paradies zeigt die Schönheit in Seinem Erbarmen und das Erbarmen in Seiner Schönheit mit all ihren wundervollen Gnadengaben. Alle Schönheit und Vollkommenheit (Djemal)in der ganzen Schöpfung, schön, lieblich und liebenswert, ist ein Zeichen Seiner Schönheit und Vollkommenheit, Hinweis und Markstein einer Persönlichkeit, die Geliebter ist und der Angebetete zugleich."

Und sage noch weiter: "Oh Mensch! Verschwende doch nicht an Geschöpfe und Dinge ohne Dauer deine Liebesfähigkeit, die doch Seinen Namen und Eigenschaften gebührt, und nicht an das, was auch nur geschaffen wurde und dir keinen Nutzen zu bringen vermag (für die Ewigkeit). Denn Werke und Geschöpfe sind vergänglich. Doch die in diesen Kunstwerken und schön verzierten Schmuckstücken aufscheinenden Schönen Namen sind ewig und bleiben beständig.

In jedem Namen und in jeder Eigenschaft finden sich tausende von Abstufungen der Schönheit und Güte und tausende von Ebenen der Vollkommenheit und der Liebe. Betrachte doch nur einmal den Namen "ar-Rahman": das Paradies ist eine seiner Manifestationen und die ewige Seligkeit ein Blitzstrahl von ihm, alles, was es an Versorgungsgütern und Gnadengaben in dieser Welt gibt, nur ein Tropfen davon."

So betrachte denn nun aufmerksam die Gegenüberstellung der nachstehenden beiden Verse, welche einerseits auf das Wesen der Leute des Irrweges und derer des Glaubens hinsichtlich des Lebens und ihrer Aufgabe hinweist:

لَقَدْ خَلَقْناَ اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ثُمَّ رَدَدْنَاهُ اَسْفَلَ سَافِلِينَ اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ

{"Wir haben den Menschen mit einem überaus hohen Wert erschaffen. Danach erniedrigten Wir ihn wieder zum Niedrigsten aller Niedrigen, ausgenommen diejenigen, welche glauben und die Werke ihrer Frömmigkeit verrichten." (Sure 95, 4-6)}

und andererseits auf das Ende (eines solchen Lebens) hinweisen und sein Ergebnis:

فَمَا بَكَتْ عَلَيْهِمُ السَّمَآءُ وَاْلاَرْضُ

{"Und es weint nicht über sie der Himmel und die Erde." (Sure 44, 29)}

In welch erhabener und wunderbarer Weise wird hier in seiner Gegenüberstellung zum Ausdruck gebracht, was wir erklärt haben.

Was den ersten Vers betrifft, so haben wir diese Wahrheit, welche dieser Vers so wunderbar und treffend zum Ausdruck bringt, bereits ausführlich im "Elften Wort" dargelegt und wollen es hier darauf beruhen lassen.

Was den zweiten Vers betrifft, so wollen wir hier nur mit einem kleinen Hinweis zeigen, welch hohe und erhabene Wahrheit darin zum Ausdruck kommt. Es ist dies wie folgt:

Dieser Vers sagt in direktem Schluss (mefhum-u muvafiq)folgendes aus: "Wenn Leute des Irrweges sterben, weinen Himmel und Erde ihnen nicht nach."

Im Umkehrschluss (mefhum-u muhalif)wird damit ausgesagt: "Wenn Leute des Glaubens aus der Welt scheiden, weinen über ihnen Himmel und Erde" Das heißt: Wenn Leute des Irrweges, da sie ja nun einmal die Aufgaben der Himmel und der Erde leugnen, um deren Bedeutung nicht wissen, ihren Wert gering schätzen, ihren Meister nicht kennen, ihnen gegenüber mit Hass und Feindschaft reagieren, werden Himmel und Erde sicherlich nicht über ihnen weinen, sie vielmehr verwünschen und sich darüber freuen, wenn sie vor die Hunde gehen. Doch im Umkehrschluss heißt dies auch:

"Himmel und Erde weinen, wenn die Leute des Glaubens sterben." Denn was die Leute des Glaubens betrifft, so wissen sie um die Aufgaben der Himmel und der Erde und bestätigen diese Tatsache, diese Wahrheit, verstehen im Glauben den Sinn, den diese zum Ausdruck bringen und sagen: "Wie wunderbar sind sie erschaffen und wie wunderbar versehen sie ihren Dienst!" Sie (= die Gläubigen) messen ihnen den Wert und die Würde bei, die ihnen entspricht und erweisen ihnen die Ehre. Um Gott des Gerechten willen lieben die Gläubigen Himmel und Erde und die Namen, die sie widerspiegeln. Und um dieses Geheimnisses willen ist es, als weinten die Himmel und die Erde und trauerten, wenn die Leute des Glaubens dahinwelken und verscheiden.

Eine wichtige Frage:

Sie sagen: "Liebe (muhabbet)ist nicht vom Willen abhängig. Außerdem liebe ich aus dem natürlichen Bedürfnis heraus wohlschmeckende Speisen und Früchte. Ich liebe meinen Vater, meine Mutter und meine Kinder. Ich liebe meine Partnerin, ich liebe meine Freunde und Kollegen. Ich liebe die Gottesgesandten und die Gottesfreunde. Ich liebe mein Leben und meine Jugend. Ich liebe den Frühling, die schönen Dinge und die Welt. Wie könnte ich sie auch nicht lieben? Wie kann ich alle diese

verschiedenen Arten der Liebe auf das Wesen und die Eigenschaften und die Namen Gottes des Gerechten anwenden? Was bedeutet das?"

Antwort:

Höre "vier Anmerkungen".

Erste Anmerkung:

Liebe ist zwar nicht vom Willen abhängig, aber durch den Willen kann sich das Gesicht der Liebe von einem Geliebten (mahbub)ab und einem anderen Geliebten zuwenden. Zum Beispiel: Wenn sich die Hässlichkeit eines Geliebten zeigt, oder aber es sich zeigt, dass er nur ein Schleier oder Spiegel vor einem anderen Geliebten ist, der eigentlich diese Liebe verdient hätte, kann sich das Gesicht der Liebe von dem metaphorischen Geliebten ab und dem wahren Geliebten zuwenden.

Zweite Anmerkung: Wir sagen ja nicht, dass du die Dinge, die du aufgezählt hast, nicht lieben sollst. Sondern wir sagen: "Du sollst sie im Namen Gottes des Gerechten und um Seiner Liebe willen lieben."

Zum Beispiel: Wohlschmeckende Speisen und schöne Früchte als ein Geschenk Gottes des Gerechten und Gabe des barmherzigen Erbarmers (Rahman-i Rahim)zu lieben, bedeutet die Namen "Der Erbarmer" und "Der Geber (Mun'im)"zu lieben. Und es bedeutet gleichzeitig eine Danksagung. Nur sollte es sich so zeigen, dass diese Liebe nicht um der Begierde (nefs)willen ist, sondern im Namen des Erbarmers, sodass man (sein Geld) im von Gott erlaubten Rahmen verdient, genügsam ist und (sein Brot) mit Verstand (fikr)und mit Dankbarkeit verzehrt.

Des Weiteren ist die Hochachtung (hurmet)vor dem Vater und die Liebe (muhabbet)zur Mutter um der Weisheit (hikmet)und des Erbarmens (rahmet)willen, welche sie mit selbstloser Liebe (shefqat)erfüllt und dich durch ihre barmherzigen (merhamet)Hände versorgt haben, Teil der Liebe (muhabbet)zu Gott dem Gerechten. Das Merkmal dafür, dass diese Liebe, Hochachtung und Zärtlichkeit um Allahs willen, ist folgendes: nämlich dass du - wenn sie alt werden und dir überhaupt nicht mehr von Nutzen sein

können und dir nur noch Mühsal und Sorgen bereiten - ihnen noch mehr Liebe, Barmherzigkeit und Zärtlichkeit entgegenbringst.

Der Vers:

اِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ اَحَدُهُمَآ اَوْ كِلاَهُمَا فَلاَ تَقُلْ لَهُمَآ اُفٍّ

{"Sollte einer von beiden, oder beide, zusammen unter deiner Obhut alt werden, dann sollst du nicht 'Pfui!' zu ihnen sagen." (Sure 17, 23)}

der die Kinder in fünffach abgestuft einlädt, (die Eltern) zu lieben und zu achten, zeigt, wie wichtig es in qur'anischer Hinsicht ist, auf die Rechte der Eltern zu achten, und wie hässlich es ist, sie zu missachten. Da nun ein Vater nur für sein Kind und für keinen anderen wünscht, dass es ihm besser ergehen soll, als ihm selbst, darf ein Kind seinem Vater gegenüber keine Rechte beanspruchen. Zwischen den Eltern und ihrem Kind gibt es daher von Natur aus keinen Anlass zu einem Streit. Denn Streit kommt entweder aus Neid oder aus Eifersucht, was es aber bei einem Vater seinem Sohn gegenüber nicht gibt. Oder ein Streit erwächst aus ungerechtem Handeln und das Kind hat kein Recht, sodass es seinem Vater gegenüber ein Recht beanspruchen könnte. Auch wenn es seinen Vater für ungerecht hält, darf es sich ihm gegenüber nicht empören. Das also heißt, dass derjenige, der sich seinem Vater gegenüber empört und ihn kränkt, ein Scheusal in Menschengestalt ist. Und die Kinder als Geschenke des barmherzigen, freigiebigen Herrn zu betrachten und so mit vollkommener Zärtlichkeit und Barmherzigkeit zu lieben und zu schützen, geschieht wiederum kraft göttlichen Rechts. Das Merkmal, welches zeigt, dass es hierbei um eine Liebe (muhabbet)um Gottes des Gerechten willen geht, ist, dass man bei ihrem Tod in Geduld danken und nicht in Verzweiflung wehklagen soll. "Es war Sein liebliches Geschöpf, das mein Schöpfer unter meine Aufsicht gegeben hatte. Es war Sein Besitztum. Jetzt erforderte seine Weisheit, es von mir wegzunehmen und an einen besseren Ort zu bringen.

Selbst wenn ich äußerlich gesehen auch einen scheinbaren Anteil an diesem Besitztum gehabt hätte, gehören doch tausend wahre Anteile Seinem Schöpfer. So soll man "Das Urteil liegt bei Gott." sagen und sich Ihm unterwerfen.

Und was die Freunde und Kollegen betrifft: wenn sie durch den Glauben und ihre guten Taten die Freunde Gottes des Gerechten sind, so ist die Liebe zu ihnen, nach dem Geheimnis "um Allahs willen zu lieben", auch ein Teil der Liebe zu Gott den Gerechten.

Des Weiteren sollst du deine Lebenspartnerin als ein zutiefst liebenswertes Geschenk der Barmherzigkeit Gottes lieben und ihr freundschaftliche Zuneigung erweisen. Du sollst aber deine Liebe nicht von ihrer äußerlichen Schönheit, die so schnell vergeht, abhängig machen. Vielmehr ist die überaus reizvolle, sanfte Schönheit einer Frau, ihr guter Charakter ein Ausdruck ihrer weiblichen Anmut und Zärtlichkeit. Und ihre wertvollste und süßeste Schönheit ist ihre hohe, ernsthaft innige, lichtvolle, selbstlose Liebe. Die Schönheit dieser selbstlosen Liebe und ihr guter Charakter setzen sich bis ans Ende ihres Lebens fort und wachsen stetig. Das Recht auf Hochachtung dieses schwachen, anmutigen Geschöpfes wird durch eine derartige Liebe bewahrt. Anderenfalls verliert diese Arme durch den Verfall ihrer äußerlichen Schönheit dieses Recht, in einer Zeit, wo sie es dringend braucht.

Des Weiteren ist die Liebe zu den Gottesgesandten und Gottesfreunden, da sie geschätzte Diener Gottes des Gerechten sind, um Seinetwillen und in Seinem Namen. Sie gehört von diesem Standpunkt aus betrachtet Ihm.

Des Weiteren ist es in gewisser Hinsicht wiederum eine Form der Liebe, das Leben als das wertvollste und das Gut, das uns ein bleibendes Leben gewinnen lässt, ein Kapital, ein Juwel, das Gott dir und allen Menschen gegeben hat, als eine Schatzkammer zu betrachten, die die Anlagen zu einer immerwährenden Vollkommenheit beinhaltet, es zu lieben,

es zu schützen und es in den Dienst Gottes des Gerechten zu stellen, eine Liebe, wie sie dem Angebeteten (Ma'bud)gebührt.

Des Weiteren ist es eine Form der Liebe, in Dankbarkeit und im erlaubten Rahmen, die Anmut und Schönheit der Jugend als ein schönes, feinsinniges und anmutiges Geschenk Gottes des Gerechten zu betrachten, sie zu preisen, zu lieben und von ihr einen guten Gebrauch zu machen.

Des Weiteren den Frühling nachsinnend zu betrachten und zu lieben, als eine Seite der feinen und schönen Ornamente der lichtvollen Namen Gottes des Gerechten und als eine überaus schön geschmückte, glanzvolle Ausstellung der einzigartigen Kunstwerke des allweisen Meisters, heißt, die Namen Gottes des Gerechten zu lieben.

Des Weiteren ist die Liebe zur Welt, als dem Acker für das Jenseits, als einem Spiegel für die Namen Gottes, als Briefen Gottes des Gerechten und als seinem vorübergehendem Gasthaus, ein Ausdruck der Liebe zu Gott dem Gerechten, unter der Bedingung, dass die eigenwillige Seele sich nicht dazwischen mischt.

Zusammenfassung:

Liebe die Welt und die Geschöpfe in ihr in der Art einer Präposition. Liebe sie nicht in der Art eines Objekts. Sage: "Wie schön sind sie geschaffen worden!" Und sage nicht: "Wie schön sie sind!" Erlaube keiner Art und Form der Liebe, das Innere deines Herzens zu betreten. Denn: Das Innere deines Herzens ist der Spiegel des Einzigartigen (Samed)und gehört Ihm allein. Sage

اَللّٰهُمَّ ارْزُقْنَا حُبَّكَ وَحُبَّ مَا يُقَرِّبُنَآ اِلَيْكَ

{"Oh Gott gewähre uns Deine Liebe und die Liebe zu den Dingen, die uns in Deine Nähe ziehen!"}

So gewähren denn all diese Arten der Liebe, so wie sie hier aufgezählt und beschrieben wurden, sowohl eine leidlose Freude,

als auch in gewisser Hinsicht eine Vereinigung ohne Ende. Zudem steigern sie noch die Liebe zu Gott. Zudem bleiben sie auch im erlaubten Rahmen. Zudem sind sie eine Form der Dankbarkeit, die ein reines Vergnügen ist. Zudem sind sie auch eine Form der Anschauung (fikr),die reine Liebe ist.

Zum Beispiel:

Angenommen, ein großer König böte dir einen Apfel zum Geschenk an,

{Einmal kamen zwei Stammesfürsten in die Gegenwart eines Königs und befanden sich genau in der oben beschriebenen Situation.}

so fänden sich bei diesem Apfel zweierlei Arten von Liebe und in ihm zweierlei Arten von Genuss. Erstens: Der Apfel wird geschätzt, weil er ein Apfel ist. In ihm findet sich ein Genuss, der dem Apfel zu Eigen ist und der so weit reicht, wie der Apfel selbst. Diese Liebe gilt nicht dem König. Der Mann, der in der Audienz des Königs diesen Apfel zum Mund führt und isst, liebt nicht den König, sondern den Apfel und folgt seiner eigenen (nefs)Liebe. Es geschieht manchmal, dass dem König diese eigensüchtige Liebe nicht gefällt, er sie vielmehr verabscheut. Zudem ist der Genuss des Apfels nur begrenzt. Er ist zudem noch vergänglich. Nachdem man den Apfel gegessen hat, vergeht auch der Genuss. Ein Bedauern bleibt zurück. Was die zweite Art Liebe betrifft, so gilt sie als königlicher Hulderweis, der in dem Apfel Gestalt annimmt und mit diesem Apfel zum Ausdruck kommt. Der Mann, der diesen Apfel "als Ausdruck, ja als Verkörperung königlicher Huld" an seine Stirn führt, bringt damit seine Verehrung für den König zum Ausdruck. Des Weiteren liegt in dieser Frucht, die die Hülle des Komplimentes ist, ein solcher Genuss, dass er über den Genuss von tausend Äpfeln hinaus geht. Dieser Genuss gilt als gleich mit der Dankbarkeit. Diese Liebe ist eine Liebe voll Respekt gegenüber dem König.

Bringt man aber in gleicher Weise nur den Gaben und Früchten selbst seine Liebe entgegen und genießt in ihnen

gottvergessen nur ihren materiellen Genuss, so ist diese Liebe egoistisch (nefs).Diese Genüsse sind aber nur vorübergehend und (deshalb) mit Leid verbunden. Liebt man sie aber als Komplimente Seiner Erbarmung und als Früchte Seiner Güte und genießt sie in dieser Weise in vollkommenem Genuss und weiß dabei diese Güte und Huld zu schätzen, so liegt darin sowohl eine Dankbezeugung und ist zugleich auch ein Genuss ohne Leiden (im Nachhinein).

Dritte Anmerkung:

Die Liebe zu den Namen Gottes des Gerechten äußert sich auf verschiedenen Ebenen. Wie schon oben erklärt wurde, liebt man die Namen Gottes manchmal in der Form einer Liebe zu ihren Werken. Manchmal liebt man die Namen Gottes auch als Kennzeichen von Gottes Vollkommenheit. Manchmal verlangt der Mensch, der wegen seines vielschichtigen Wesens grenzenlose Bedürfnisse hat, nach Gottes Namen und sehnt sich nach ihnen. Er liebt sie aufgrund seiner Bedürftigkeit. Zum Beispiel: Während du in deiner Ohnmacht das Bedürfnis fühlst für alle deine Verwandten und die Armen, für die du ein Mitgefühl verspürst, und für alle Geschöpfe, die schwach und in Not sind, Hilfe zu erbitten, tritt einer hervor, der sich ihnen gegenüber so hilfreich erweist, wie du es dir nur wünschen kannst, wie sehr würdest du dich sicherlich über diesen Herrn mit seinem Titel "Der Geber " und über seinen Namen "Der Freigiebige" freuen und wie sehr würdest du ihn unter dieser Bezeichnung lieben. Genauso denke nur einmal an die Namen Gottes des Gerechten "Der Erbarmer" und "Der Barmherzige", wie sie alle deine gläubigen Väter und Vorfahren, Freunde und Verwandte, die du magst und die du liebst, in dieser Welt mit allen Arten Gaben, im Paradies mit allen Arten Genüssen und in der ewigen Glückseligkeit, in der du sie und sie dich sehen werden, glücklich machen. In dieser Hinsicht kannst du nun ermessen, wie würdig die Namen, "Der Erbarmer" und "Der Barmherzige" sind, geliebt zu werden und in welchem Grade die menschliche Seele

(ruh)dieser beiden Namen bedarf. Und du kannst verstehen, wie sehr

اَلْحَمْدُ ِللهِ عَلٰى رَحْمٰنِيَّتِهِ وَعَلٰى رَحِيمِيَّتِهِ

{"Aller Dank gebührt Allah für Sein Erbarmen und Seine Barmherzigkeit. "}

hier wirklich am Platz sind!

Wenn du also nun gut Acht gibst, so kannst du jetzt verstehen, wie sehr deine Seele (ruh)eines Herrn mit dem Namen "Der Allweise (Hakiem)"und dem Titel "Der Versorger (Murebbi)"bedarf, und wie sehr sie nach Ihm verlangt, der die Welt, an die du gebunden bist und wegen deren Elend du leidest, die ja gewissermaßen dein Haus ist, mit allen Geschöpfen in ihm als deren liebenswürdige Ausstattung und Verzierung, in vollkommener Weisheit ordnet, verwaltet und versorgt.

Wenn du also nun gut Acht gibst, kannst du jetzt auch verstehen, wie sehr deine Seele der Namen - "Der Erbe (Varith)","Der Erschaffer (Ba'ith)"und die Titel "Der Beständige (Baqi)","Der Freigiebige (Kerim)","Der Lebensschenkende (Muhyi)"und "Der Wohltäter (Muhsin)"- eines Herrn bedarf, der alle Menschen, mit denen du verbunden bist und unter deren Verlorenheit du leidest, in ihrem Tode vor der Finsternis des Nichtseins rettet und an einem noch schöneren Ort als dieser Erde wieder ansiedelt.

Da also der Mensch hinsichtlich seines Wesens von edlem Charakter ist und seine Natur (fitrat)vielschichtig, bedarf er seinem Wesen entsprechend Tausenden von Arten Bedürfnissen Tausendundeines Namens Gottes und vieler verschiedener Stufen eines jeden einzelnen Namens. Gesteigertes Verlangen ist Sehnsucht. Gesteigerte Sehnsucht ist Liebe (Muhabbet).Gesteigerte Liebe ist Leidenschaft (Ashk).Die Stufen der Liebe entwickeln sich der Vervollkommnung der Seele (ruh)gemäß, entsprechend den Stufen der Gottesnamen. Auch die Liebe zu allen Namen verwandelt sich in die Liebe zum Wesen Gottes, da diese Namen Titel und Erscheinungen des majestätischen Herrn sind.

Nun wollen wir unter Tausendundeinem Namen (Gottes) als Beispiel nur die Namen "der Gerechte" (Adl),"der Richter" (Hakem),"der Wahrhaftige und Gerechte" (Haqq)und "der Barmherzige" (Rahim)und davon nur eine Stufe unter Tausendundeiner Stufe erklären. Es ist dies folgendermaßen: Wenn du betrachten willst, wie die Namen "der Erbarmer", "der Barmherzige" und "der Wahrhaftige und Gerechte" innerhalb der Weisheit und Gerechtigkeit in ihrer überwältigenden Ausdehnung erscheinen, betrachte nun folgendes Gleichnis: Stellen wir uns einmal ein Heer vor, in dem vierhundert verschiedene Völker dienen. Jedem Volk gefällt ein besonderes Kleid, eine besondere Ernährung, jedes Volk will besondere Waffen, die es leicht verwenden kann und braucht besondere Medikamente, die seiner Gesundheit dienen können. Ohne diese vierhundert Völker alle voneinander zu trennen, ohne sie auf Zug oder Kompaniestärke aufzuteilen, obwohl sie sogar noch untereinander vermischt sind, gibt ein einziger König ohne Gleichen, persönlich ohne Helfer, aus seiner vollkommenen Liebe und Barmherzigkeit und aus seinem außerordentlichen Vermögen und seinem wunderbaren Wissen und seiner Kenntnis und aus seiner außerordentlichen Gerechtigkeit und Weisheit, allen ihre besonderen Kleider, die ihnen entsprechen, Ernährung, Medikamente und Waffen, ohne irgendwelche Verwechslung und ohne irgendein Versäumnis. Du verstehst, was für ein mächtiger, liebevoller, gerechter, freigiebiger König dieser Herr sein muss.

Denn, dienen in einem Bataillon Soldaten von zehn verschiedenen Völkern, wird es sehr schwer, sie alle gesondert zu kleiden und auszurüsten. Darum werden sie zwangsläufig, gleich zu welchem Volk sie gehören, doch auf gleiche Art ausgerüstet.

Willst du genauso die Erscheinungen der Namen Gottes des Gerechten, "der Wahrhaftige und Gerechte (Haqq)",

"der Erbarmer und der Barmherzige", in seiner Gerechtigkeit und Weisheit sehen, betrachte Sein großartiges Heer, das aus vierhunderttausend Völkern von Pflanzen und Tieren besteht und dessen Zelte im Frühling auf der Erdoberfläche errichtet werden. Alle haben, jedes für sich, ein besonderes Kleid, eine besondere Nahrung, eine besondere Waffe, eine besondere Lebensart, einen besonderen Auftrag, eine besondere Art der Entlassung aus dem Dienst. Sie haben kein Vermögen, um ihre Bedürfnisse zu sichern, und keine Sprache, um diese Wünsche zu äußern. Betrachte die Namen, "der Wahrhaftige und der Gerechte (Haqq),der Erbarmer (Rahman),der Versorger (Rezzaq),der Barmherzige (Rahim)und der Freigiebige (Kerim)und siehe ihre Ausgewogenheit und Wohlordnung im Umfang ihrer Weisheit und Gerechtigkeit, wie sie versorgen, lenken und leiten, ohne zu irren, ohne zu vergessen, und ohne etwas zu verwechseln. Könnte etwa ein anderer in einer Angelegenheit, die mit einer so in Erstaunen versetzenden umfassenden Ordnung und Wohlausgewogenheit verrichtet wird, seine Hand im Spiele haben? Wer, außer dem Einzigen, dem Allweisen, dem, der aller Dinge mächtig ist, könnte auch nur seine Hand nach dieser Kunstfertigkeit, dieser Umsicht, dieser Herrschaft, dieser Leitung ausstrecken? Welche Ursache könnte sich da noch einmischen?

Vierte Anmerkung:

Du sagst: Wenn die verschiedene Arten meiner Liebe, also die Liebe für Speisen, zu mir selbst (nefs),zu meiner Lebenspartnerin, zu meinen Eltern, zu meinen Kindern, zu meinen Freunden, zu den Freunden Gesandten Gottes, die Liebe für schöne Dinge, für den Frühling und für die Welt so sind, wie der Qur'an es befiehlt, welche Ergebnisse brächte denn das und wo läge denn da der Nutzen?

Antwort:

Um alle Ergebnisse zu erklären, müsste man ein dickes Buch schreiben. Für hier wollen wir aber nur kurz auf ein, zwei Ergebnisse hinweisen. Zunächst wollen wir die unmittelbaren Folgen (für das Leben) in dieser Welt

erklären und anschließend die Ergebnisse, die im Jenseits in Erscheinung treten, erwähnen. Es ist dies wie folgt: Wie schon oben erklärt, haben die Arten der Liebe, wie die der Gottvergessenen und der Weltleute, die Liebe auf eigene (nefs)Rechnung, in dieser Welt viel Unglück, Schmerz und Leid, doch wenig Freude, Genuss und (Seelen) ruhe gebracht. Zum Beispiel wird die selbstlose Liebe (shefqat)in ihrer Ohnmacht zu einem schmerzvollen Unglück. Liebe (muhabbet)wird in der Trennung zum leidvollen Feuer. Genüsse werden wegen ihrer Vergänglichkeit zu einem giftigen Trank. Was aber das Jenseits betrifft, so werden sie entweder - weil sie nicht für Gott den Gerechten waren - nutzlos oder - wenn sie von unerlaubten Dingen kamen - zur Strafe.

Frage:

Wie kann Liebe zu den Gesandten und Freunden Gottes ohne Gewinn bleiben ?

Antwort:

In der gleichen Weise, wie die Liebe der Leute der Dreieinigkeit zu Jesus, mit dem Friede und Segen sei, und der Rafesiten zu Hazret Ali, mit dem Gott zufrieden sein möge, ohne Gewinn bleibt.

Wenn Liebe für all diese Dinge der Lehre des Qur'an entspricht, um Gottes des Gerechten willen und im Namen der Liebe zu dem Erbarmer ist, dann bringt sie gute Ergebnisse sowohl im Diesseits, als auch im Jenseits hervor. Was aber die Liebe in dieser Welt für geschmackvolle Speisen und schöne Früchte betrifft, so ist sie ein Geschenk ohne Schmerz und ein Genuss, welcher der Dankbarkeit gleich kommt.

Seine eigene Seele (nefs)zu lieben, heißt, Mitleid mit ihr zu haben, sie zu erziehen und sie von ihren schädlichen Neigungen zurückzuhalten. Dann wird deine Seele dich nicht reiten, dich nicht zum Sklaven ihrer Begierden machen, vielmehr wirst du deiner Seele Zügel anlegen und sie nicht zu Lustbarkeiten verführen, sondern ihr Rechtleitung (huda)geben.

Deine Liebe (muhabbet)zu deiner Lebenspartnerin wird, da sie nun einmal in ihrer inneren Schönheit begründet ist, dir zu einer Quelle selbstloser Liebe (shefqat)und einem Geschenk des Erbarmers. Wenn du mit deiner Lebenspartnerin in inniger Liebe und Barmherzigkeit umgehst, wird auch sie dir aufrichtig Respekt erweisen und dir ihre Liebe entgegenbringen. Während ihr zusammen alt werdet, wird dieses Verhältnis in eurer Haltung noch wachsen, und du wirst dadurch dein Leben in Glück verbringen. Wenn eure Liebe dagegen auf äußerer Schönheit und Sinnlichkeit (nefs)beruht, wird diese Liebe und werden auch eure guten Beziehungen im Umgang miteinander rasch zu Grunde gehen und verderben.

Deine Liebe zu deinem Vater und deiner Mutter gilt, da sie um Gottes des Gerechten willen besteht, als Gottesdienst und zugleich wird sich mit zunehmenden Alter deine Hochachtung und Liebe zu ihnen noch vermehren. Mit der edelsten Gesinnung und aufrichtigem Eifer wünschst du, dass sie lange leben und betest für ihr Bleiben: damit "ich vor ihrem Angesicht stets mehr Segen erlangen möge. " sagst du dann und küsst in aufrichtiger Hochachtung ihre Hände, woraus dir in deiner Seele (ruh)ein hohes Wohlbefinden erwächst. Wärest du hingegen dir selbst (nefs)und der Welt verfallen, und ihre Existenz würde dir in deinen gemeinen und abscheulichen Empfindungen lästig werden, wenn sie alt geworden sind und jenen Zustand erreicht haben, in dem sie dir zur Last geworden sind, und du wünschtest dann diesen ehrwürdigen Menschen, die ja die Ursache für dein Leben waren, den Tod, so ist dies ein ödes und schmerzvolles Leiden für deine Seele (ruh).

Was aber die Liebe zu deinen Kindern betrifft, so ist diese Liebe für diese liebenswerten und freundlichen Geschöpfe, die Gott der Gerechte deiner Aufsicht und Erziehung als Pfand anvertraut hat, eine glückliche Liebe und ein Geschenk. Weder durch ein Unglück, das sie trifft, leidest du sehr, noch über ihren Tod wirst du verzweifelt wehklagen.

Wie oben erwähnt wirst du - weil ihr Schöpfer sowohl allweise als auch allbarmherzig ist - sagen: "Für sie ist dieser Tod eine Glückseligkeit." Was dich selbst betrifft, so denkst du auch an die Barmherzigkeit dessen, der sie dir gegeben hat, und rettest dich so vor dem Schmerz der Trennung.

Was aber deine Liebe zu deinen Freunden betrifft: Da sie nun einmal um Allahs willen ist, wird eure Unterhaltung und eure Bruderschaft nicht durch die Trennung oder gar den Tod behindert. Deshalb wirst du von dieser geistigen Liebe und seelischen (ruh)Beziehung Nutzen ziehen. Die Freude über euer Zusammensein wird beständig sein. Ist sie nicht um Allahs willen, dann folgt der Freude bei einer eintägigen Zusammenkunft ein Trennungsschmerz von hundert Tagen.

{Eine Sekunde Zusammenkunft ist - wenn sie um Gottes willen ist - gleich einem Jahres. Wenn sie für die Welt ist, gleicht ein Jahr nur einer Sekunde.}

Was aber deine Liebe zu den Gesandten und Freunden Gottes betrifft: Da du die Zwischenwelt (berzah)im Grabe, die den Gottvergessenen wie eine finstere Einöde erscheint, durch die Anwesenheit dieser Erleuchteten als lichterfüllte Wohnstätte erkennst, wird es dir nicht Furcht und Schrecken einflößen, in diese Welt hinüber zu gehen, sondern erweckt im Gegenteil den Wunsch, ja ein Gefühl der Sehnsucht nach ihr und verdirbt dir auch nicht die Freude am irdischen Leben. Wenn aber andererseits die Liebe von der Art ist, wie die Liebe der Leute der modernen Kultur die berühmten Menschen lieben, so fügt sie deinem leidvollen Leben noch einen zusätzlichen Schmerz hinzu, wenn du an all die vollendeten Menschen denkst, die untergehen und verlöschen und in jenem großen Grabe vermodern, dass man die Vergangenheit nennt. Das heißt, man denkt: "In dieses Grab, in dem selbst die vollendeten vermodern, werde auch ich einmal hinabsteigen", betrachtet den Friedhof mit kummervollen Blicken und

seufzt sein "Ach!" und "Weh!" Wer sie jedoch mit den Augen der ersteren betrachtet, der denkt an ihren Aufenthalt in der Zwischenwelt, die der Wartesaal zur Zukunft ist, wo sie ihren Körper ausgezogen und der Vergangenheit überlassen haben, in vollendeter Ruhe, und den Friedhof als einen anheimelnden Ort.

Was aber deine Liebe für schöne Dinge betrifft, so ist sie, da (diese Dinge) nun einmal nach dem Willen ihres Meisters gestaltet wurden, von der Art zu sagen: "Wie schön sind sie gemacht worden.", gleicht diese Liebe einem süßen Nachsinnen und öffnet zugleich dem Auge deiner alles Gute und Schöne verehrenden Empfindungen einen Weg zu noch höheren, noch heiligeren und tausendfach schöneren Schätzen der Stufen göttlicher Schönheit und lenkt es auf sie. Denn sie schließt von diesen schönen Werken auf die Schönheit der Taten Gottes. Von diesen wird dem Herzen ein Weg geöffnet zu der Schönheit der Namen Gottes, von diesen zu der Schönheit der Eigenschaften Gottes, von diesen zu der beispiellosen Schönheit des majestätischen Herrn. So ist denn diese Liebe, wenn sie solcher Art ist, sowohl ein Genuss, als auch Dienst und Anbetung und zugleich auch Kontemplation.

Was aber deine Liebe zu deiner Jugend betrifft, so liebst du sie als ein schönes Geschenk (der Gnade, ni'met)Gottes des Gerechten und gibst sie für Dienst und Anbetung aus, erstickst sie nicht und schlägst sie nicht in Ausschweifungen tot. Unter diesem Aspekt ist der Dienst, die Anbetung, eine bleibende Frucht deiner vergänglichen Jugendzeit. Je älter du wirst, um so mehr wirst du die guten Taten deiner Jugendzeit als ihre beständigen Früchte ernten und dich vor den Schäden und Übertreibungen deiner Jugendzeit bewahren. Außerdem kannst du schon jetzt daran denken, wie es dir einmal in deinem Alter möglich sein wird, Gott noch mehr zu dienen und Ihn anzubeten und dich der göttlichen Barmherzigkeit stets würdiger zu erweisen. Nicht so die Leute der Gottvergessenheit, wenn sie ihre Jugendzeit beweinen und die Genüsse einer fünf bis zehn Jahre

währenden Jugendzeit danach fünfzig Jahre lang bedauern und klagen: "Weh mir, dass meine Jugendzeit vorüber ist!" So wie einer von diesen einmal gesagt hat:

لَيْتَ الشَّبَابَ يَعُودُ يَوْمًا فَاُخْبِرَهُ بِمَا فَعَلَ الْمَشِيبُ

Das heißt: "Ach kehrte doch meine Jugendzeit noch einmal zu mir zurück, dann würde ich ihr berichten, welch ein Leid mein Alter über mich gebracht hat!" Was aber die Liebe für eine Ausstellung von Schmuckstücken, wie den Frühling, betrifft, so erwächst sie aus dem Betrachten der Kunstwerke Gottes. Vergeht der Frühling, verblasst doch nicht der Genuss in seiner Betrachtung. Denn der Frühling ist wie ein vergoldeter Brief, über dessen Botschaft du zu jeder Zeit nachdenken magst. Dein Phantasievermögen und die Zeit, die beide wie eine Film abspulen und in dir die Freude an seiner Betrachtung fortsetzen, erneuern in dir dadurch Botschaft und Schönheit des Frühlings. So wird deine Liebe nicht voll Kummer und Sorgen und nur eine vorübergehende, sondern voll Freude und Genuss sein.

Was aber deine Liebe zur Welt betrifft, so werden dir durch sie die ungeheuren Naturgewalten im Namen Gottes des Gerechten zu liebenswerten Freunden. Da du sie als Acker für das Jenseits liebst, wirst du aus allem ein Kapital, eine Frucht gewinnen, aus der du im Jenseits deinen Nutzen ziehen kannst. Weder können Katastrophen dich in Schrecken (in dieser Welt) versetzen, noch werden ihr Untergang und ihre Vergänglichkeit dich betrüben. In vollkommener Gelassenheit verbringst du die Zeit deines Aufenthaltes in diesem Gasthaus. Anderenfalls, wenn du sie wie die Leute der Gottvergessenheit liebst, so haben wir dir hunderte Male gesagt, dass du in deiner vergeblichen Liebe, verurteilt zu ruheloser, zerstörerischer, erstickender Vergänglichkeit, dahingehen wirst.

So haben wir dir denn von all den erfreulichen Dingen, mit denen du in Liebe verbunden bist (mahbub),

jeweils nur den hundertsten Teil gezeigt, insoweit sie in der Art geliebt werden wie der Qur'an uns das lehrt. Wir haben auch auf einen unter hundert Schäden hingewiesen, (die sich einstellen) wenn sie nicht dem Wege folgend (geliebt werden), den der Qur'an uns aufzeigt.

Wenn du also nun hören und verstehen möchtest, was die Ergebnisse dieser verschiedenen Arten von Liebe sind, auf welche die klaren Verse des weisen Qur'an hinweisen, an diesem ewigen Ort, der Welt des Jenseits, so wollen wir dir hier also nun kurz und bündig die Ergebnisse und ein Hundertstel ihres Gewinnes, welchen legale Arten der Liebe im Jenseits hervorbringen, mit einer "Einleitung" und "Neun Hinweisen" aufzeigen.

Einleitung

Gott der Gerechte hat in der Majestät seiner Göttlichkeit, der Schönheit Seines Erbarmens, der Größe Seiner Herrschaft, Seiner freigiebigen Barmherzigkeit, Seiner gewaltige Macht, Seiner feinsinnigen Weisheit, den Körper dieses winzig kleinen Menschen mit so viel Gefühlen und Empfindungen, mit so vielen Fähigkeiten und Begabungen und mit verschiedenen Sinnen und Organen, mit verschiedenen subtilen, geistigen Anlagen ausgestattet und ausgeschmückt, dass Er durch sie den Menschen mit all seinen vielen, so verschiedenen Anlagen, den grenzenlos vielen Arten Seiner Gaben, Abstufungen Seiner Wohltaten und Ebenen Seines barmherzigen Wirkens verspüren, kennen lernen, verkosten und erkennen lässt. Des Weiteren will Er den Menschen dazu bewegen, dass er die grenzenlos vielen Erscheinungsformen Tausendundeines Namens über seine Fähigkeiten kennen lernt, erwägt und liebt. Und so wie jedes von diesen überaus vielen Sinnen und Organsystemen des Menschen seine eigene Art hat, Gott zu dienen und Ihn anzubeten, so hat jedes auch seine eigenen Freuden und Schmerzen, Aufgaben (vazife)und Belohnungen.

Zum Beispiel betrachtet das Auge die Schönheit in Form

und Gestalt und die Arten der wunderschönen Werke der Macht in der Welt, die es hier wahrnimmt. Seine Aufgabe besteht darin, seine Lehren zu ziehen aus dem, was es wahrnimmt und sich seinem Meister gegenüber dafür dankbar zu erweisen. Die Freuden und Leiden, die nur das Auge dabei empfindet, sind bekannt. So ist es nicht nötig, sich ferner darüber auszubreiten.

Ein anderes Beispiel: Das Ohr nimmt alle die verschiedenen Geräusche, die Töne und Melodien in der Welt unserer Hörempfindungen durch das subtile Erbarmen Gottes des Gerechten wahr. Es hat seine eigene Art von Dienst und Anbetung, seine eigenen Freuden und Genüsse und seine eigene Art der Entlohnung.

Ein anderes Beispiel: Der Geruchssinn nimmt die Feinheiten des Erbarmens Gottes in der Welt der Gerüche war. Er hat seine eigene Aufgabe zu danken und empfindet darin seinen besonderen Genuss. Und mit Sicherheit erhält er auch seinen Lohn.

Ein anderes Beispiel: Der Geschmackssinn der Zunge versieht seinen Dienst mit einer überaus differenzierten inneren Dankbarkeit, wenn er den Wohlgeschmack all der verschiedenen Speisen wahrnimmt. Und so haben denn alle Organe des Menschen, seine großen und bedeutenden Feinheiten wie Herz und Seele, Sinn und Verstand auf diese Weise ihre ganz verschiedenen Aufgaben, ihre Freude und ihren Schmerz.

So wird also nun Gott der Gerechte, der Allweise (Haqq ve Hakiem)in all Seiner Vollkommenheit mit Sicherheit jedem Organ des Menschen, das Er in Seinen Dienst gestellt hat, auch seinen ihm gebührenden Lohn geben. Diese verschiedenen Arten der Liebe, die wie oben erklärt in dieser Welt unmittelbare Ergebnisse haben, kann jeder bewusst empfinden und sie können auch durch seine innere Wahrnehmung bewiesen werden. Was aber die Ergebnisse im Jenseits betrifft, so wird in der zwölften Wahrheit des "Zehnten Wortes" und ganz klar in den sechs Grundsätzen

des "Neunundzwanzigsten Wortes" in aller Kürze eindeutig bewiesen, dass es diese dort wirklich und wahrhaftig gibt. Sie werden aber ausführlich und unwiderlegbar bewiesen durch den weisen Qur'an, der

اَصْدَقُ الْكَلاَمِ وَاَبْلَغُ النِّظَامِ كَلاَمُ اللهِ الْمَلِكِ الْعَزِيزِ الْعَلاَّمِ

{"Das wahrhaftigste aller Worte, klar und eindeutig in seiner Rede, das Wort Gottes, des Königs, des Allmächtigen, des Allwissenden."}

durch seine ausdrücklichen Erklärungen, Anspielungen, allegorischen Darstellungen und Hinweise, ist. Es ist also hier nicht mehr notwendig, noch weitere ausführliche Zeugnisse anzuführen. Doch wurden in jedem Fall in dem arabisch verfassten Zweiten Kapitel des "Achtundzwanzigsten Wortes", über das Paradies und im "Neunundzwanzigsten Wort" noch weitere Beweise dafür erbracht.

Erster Hinweis:

Das Ergebnis einer legalen Liebe und der Dankbarkeit für wohlschmeckende Speisen und köstliche Früchte sind nach den klaren Darlegungen des Qur'an dieselben wohlschmeckenden Speisen und guten Früchte im Jenseits, von einer Art wie sie des Paradieses würdig ist, und eine Liebe, die das Verlangen nach solchen Speisen und Früchten anregt. Sogar das Wort "Elhamdulillah"(Aller Dank gebührt Gott), das du über eine Frucht aussprichst, die du in dieser Welt isst, wird sich als eine Frucht des Paradieses verkörpern und dir dort überreicht werden. Hier isst du also Früchte, drüben "Elhamdulillah"!Da du in der Gabe und in der Speise die Güte (ni'met)Gottes und die Gastfreundschaft des Erbarmers siehst, wird dir jene wohlschmeckende innerliche Dankbarkeit im Paradies in Form einer überaus köstlichen Speise gereicht werden, was aufgrund einer klaren Darlegung eines Hadith, Hinweise des Qur'an und das Erfordernis der Weisheit und Barmherzigkeit feststeht.

Zweiter Hinweis:

In dieser Welt bringt Liebe zu sich selbst (nefs)in ihrer erlaubten Form, das heißt, eine Liebe (muhabbet),

die nicht auf den eigenen guten Eigenschaften aufbaut, sondern darauf, seine Fehler zu erkennen, eine Liebe (shefqat),die darauf aufbaut, sich zu vervollkommnen, sich in die Zucht zu nehmen und gute Werke zu vollbringen, als Folge im Paradies alles, was diese Seele (nefs)sich nur wünschen (mahbub)mag und so wie es ihr entspricht. Hat die Seele (nefs)erst einmal in dieser Welt all ihr Sehnen und Verlangen auf den Wegen Gottes des Gerechten gestillt und so ihre Fähigkeiten und ihre Sinne in schönster Weise in Seinen Dienst gestellt, wird ihr der absolut Freigiebige (Kerim)als Frucht ihrer legalen Liebe in dieser Welt, ihres Dienstes und ihrer Anbetung Jungfrauen im Paradies als ihrem beständigen Aufenthalt geben. Er wird sie in siebzig verschiedene Kleider hüllen, als Beispiele für siebzig verschiedenen Arten des Schmukkes und der Feinheiten des Paradieses. Er wird ihre Körper mit siebzig verschiedenen Arten der Schönheit verzieren, die allen Sinnen der Seele (nefs)schmeicheln und sie zufrieden stellen. Jede von ihnen wird wie die Seele (ruh)eines kleinen Paradieses sein. Dies wird mit sehr vielen Versen ausdrücklich erklärt und bewiesen.

Außerdem führt die Liebe für die Jugendzeit, das heißt für die Kraft der Jugend und sie in dieser Welt für Dienst und Anbetung auszugeben, zu einer ewigen Jugend am Ort Ewiger Glückseligkeit.

Dritter Hinweis: Wenn man seiner Lebenspartnerin im legalen Rahmen, das heißt aufgrund ihrer anmutigen, selbstlosen Liebe (shefqat),ihres angeborenen guten Charakters, ihrer inneren Schönheit aufrichtige Liebe (muhabbet)entgegen bringt und seine Partnerin vor Verstokktheit und anderen Sünden bewahrt, so bewirkt dies, so wie Gott es versprochen hat, im Jenseits folgendes: Der absolut Barmherzige (Rahim)wird ihm diese seine Lebenspartnerin mit einer noch lieblicheren Gestalt, ausgestattet mit einem noch prächtigeren Schmuck und einer noch reizvolleren Figur, als die paradiesischen Jungfrauen selbst, als seine Lebensgefährtin am Ort der Ewigen

Glückseligkeit geben. Er wird sie ihm zu einer vertrauten, anmutigen und ewigen Gefährtin machen, mit der er sich gemeinsam vergnüglich über vergangene Ereignisse in der Welt unterhält, und vergangene Erlebnisse einander in Erinnerung bringt. Er wird sie ihm zurückgeben, um ihm Geliebte (muhib)und Liebende (mahbub)zugleich zu sein. Und mit Sicherheit wird Er auch tun, was Er versprochen hat.

Vierter Hinweis:

Was das Ergebnis der erlaubten Liebe der Eltern zu ihren Kindern betrifft, so schenkt Gott der Erbarmer, der Barmherzige, wie der Qur'an ausdrücklich mitteilt, einer solch glücklichen Familie, auch wenn die Stellung (maqam)der einzelnen Familienmitglieder im Jenseits unterschiedlich sein möge, reinen Genuss im Umgang (sohbet)miteinander in einer dem Paradies würdigen guten Beziehung, an einem bleibenden Ort zu ewigem Beisammensein. Kinder, die vor ihrem 15. Lebensjahr, d.h. vor ihrer Pubertät, gestorben sind, werden als Kinder des Paradieses, was im Qur'an mit

وِلْدَانٌ مُخَلَّدُونَ

{"ewige Knaben" (Sure 76, 19)}

ausgedrückt wird, in einer dem Paradies würdigen überaus reich verzierten, lieblichen Erscheinung im Paradies wieder in die Arme ihrer Väter und ihrer Mütter zurükkkehren. So stellt Er ihre Eltern (auch weiterhin) in ihren Gefühlen der Liebe zu ihren Kindern zufrieden und Er schenkt ihnen diese Freude, dieses Wohlempfinden für ewig. Denn Kinder, die noch nicht das Alter erreicht haben, in dem sie Verantwortung übernehmen können, werden beständig liebenswerte, hübsche Kinder bleiben. Alle Dinge, die in dieser Welt ein Genuss sind, finden sich im Paradies in ihrer schönsten Form. Dabei dachte man aber, weil das Paradies nicht ein Ort für Zeugung ist, könne es im Paradies die tiefe Süße der Liebe zu den Kindern, d.h. die Freude, Kinder zu lieben und zu liebkosen, nicht geben.

Doch findet sich diese Freude auch dort in dieser Weise, und sogar in ihrer schönsten und lieblichsten Form. Hier ist also eine frohe Kunde für diejenigen, deren Kinder noch vor den Reifejahren verstorben sind.

Fünfter Hinweis:

Liebt man in dieser Welt aufrichtige Freunde, nach dem Grundsatz "Liebe um Allahs willen", so hat das folgendes Ergebnis, wie aufgrund der ausdrücklichen Erklärung des Qur'an feststeht: Sie werden, wie im Qur'an mit dem Wort

عَلٰى سُرُرٍ مُتَقَابِلِينَ

{"Auf Sesseln einander gegenüber." (Sure 15, 47)}

zum Ausdruck kommt, auf Sesseln im Paradies einander gegenüber sitzen und miteinander angenehme, anregende, gute Gespräche führen, alte Erinnerungen miteinander austauschen und sich über ihre Erlebnisse in dieser Welt unterhalten. In dieser Art reinen Liebe und Gemeinschaft (sohbet)werden sie mit ihren Freunden zusammenkommen und ewig beieinander bleiben.

Sechster Hinweis:

Das Ergebnis der Liebe zu den Gesandten und Freunde Gottes, so wie sie den Beschreibungen des Qur'an entspricht, ist Folgendes: In der Zwischenwelt (berzah)und am Tage der Auferstehung wird sie durch die Fürsprache dieser Gesandten und Freunde Gottes (allen) zugute kommen, und (sie werden) von dem so erhabenen Rang (maqam)und Segen aus, der ihnen gebührt, durch diese Liebe (ihren) Rückhalt und Stütze empfangen. In der Tat kann ein einfacher Mann den höchsten Rang (maqam)erreichen, indem er, nach dem Geheimnis

اَلْمَرْءُ مَعَ مَنْ اَحَبَّ

{"Der Mensch wird mit denen zusammen sein, die er liebt."}

einer von ihm geliebten Persönlichkeit hohen Ranges (maqam)nachfolgt.

Siebenter Hinweis:

(Den Inbegriff) aller schönen Dinge, den Frühling im erlaubten (Rahmen)zu lieben, das heißt unter dem Blickwinkel des: "Wie schön wurden diese (Dinge) gemacht!" die Schönheit der Werke hinter diesen Arbeiten und ihre gute Ausführung und die Erscheinung der schönen Namen Gottes, die hinter der guten Ausführung dieser Arbeiten liegen und die Erscheinung der Eigenschaften Gottes, die hinter diesen schönen Namen liegen, und so weiter, zu lieben, führt an dem beständigen Aufenthaltsort zu folgendem Ergebnis: Man wird die Erscheinungen der Gottesnamen und Seine Schönheit und die Eigenschaften innerhalb dieser Gottesnamen, im Paradies in tausendfach besserer Qualität betrachten können, als die Kunstwerke, die man hier als schön ansieht. Sogar Imam Rabbani (mit dem Gott zufrieden sein möge) sagte: "Die erlesenen Dinge des Paradieses sind die Abbilder der Erscheinungen der Gottesnamen!" Denke einmal darüber nach!

Achter Hinweis:

Im Jenseits wird sich das Ergebnis einer zutiefst nachdenklichen Liebe zu den beiden schönen Gesichtern dieser Welt, nämlich Acker für das Jenseits und Spiegel der Gottesnamen zu sein, folgendermaßen zeigen: Wir werden ein Paradies erhalten, so groß wie die Welt, jedoch nicht vergänglich wie diese vergängliche Welt, sondern immerwährend. Des Weiteren werden uns die Gottesnamen, die in dieser Welt nur als schwache Schatten dargestellt wurden, in den Spiegeln dieses Paradieses als überaus prächtig vorgeführt werden.

Des Weiteren führt eine Liebe zu dieser Welt unter dem Gesichtspunkt eines Ackers für das Jenseits zu folgendem Ergebnis: die Welt ist ein Pflanzbeet, das heißt: wir werden ein Paradies erhalten, für das (die Welt) nur ein kleines Pflanzbeet ist, das heißt, in dem also gewissermaßen nur Setzlinge heranwachsen. Während also die Organe der Wahrnehmung und die Fähigkeiten des Menschen in dieser Welt kleinen Setzlingen gleichen, werden sie sich im Paradies zu ihrer vollkommensten Gestalt entwickeln,

und seine Naturanlagen, die in dieser Welt den Samenkörnern gleichen, werden ihm in Form einer Frucht zurückgegeben, die jegliche Art von Genuss und Vollkommenheit in sich enthält. Das steht nach der klaren Darlegung der Ahadith und entsprechend den Hinweisen des Qur'an fest, sowie dies auch die Barmherzigkeit und Weisheit erfordern.

Auch hat er nun einmal nicht die verwerfliche Liebe zur Welt, die das Haupt (und Anbeginn) aller Fehler ist, sondern ihre beiden Gesichter (Ausrichtungen), die nach den Gottesnamen und dem Jenseits schauen, um der Gottesnamen und des Jenseits willen geliebt und diese (beiden) Ausrichtungen mit seinen Gedanken des Dienstes und der Anbetung gepflegt, als ob er mit seiner ganzen Welt einen Dienst abgehalten und angebetet hätte. Mit Sicherheit ist es ein Erfordernis der Barmherzigkeit und Weisheit, dass er die ganze Welt zum Lohn erhält.

Des Weiteren verlangt die Tatsache, dass er nun einmal in der Liebe zum Jenseits dessen Acker und in der Liebe zu Gott dem Gerechten, den Spiegel Seiner Namen geliebt hat, mit Sicherheit nach einem Geliebten (mahbub)so groß wie die Welt. Und auch das ist ein Paradies so groß wie die ganze Welt (dunya).

Frage:

Was ist der Nutzen eines so großen und leeren Paradieses?

Antwort:

Wenn es zum Beispiel möglich wäre, alle Gegenden der Welt und die meisten Sterne mit der Schnelligkeit deiner Gedanken zu bereisen, könntest du doch sagen: "Die ganze Welt (alem)ist mein." Wenn auch Engel, Menschen und Tiere (deine Welt mit dir) teilen, kann dies deinen Anspruch nicht zunichte machen. So könntest du auch sagen, selbst wenn dieses Paradies bewohnt ist, "Dieses Paradies ist mein." Das Geheimnis einer Hadith von "einem Paradies, das zu durchwandern man fünfhundert Jahre braucht, wie es manchen von den Bewohnern des Paradieses gegeben wird", wurde im "Achtundzwanzigsten Wort" erklärt.

Neunter Hinweis:

Der Glaube und die Liebe zu Gott führen in Übereinstimmung mit den Leuten der geistigen Entdeckungen und der Forscher zu einem Leben im Paradies, in dem eine Stunde nicht Tausend Jahren glücklichen Lebens auf Erden gleichkommt. Und die Betrachtung und Anschauung des majestätischen Herrn, des Besitzers der heiligen und reinen Schönheit und Vollkommenheit von auch nur einer Stunde kommt tausend Jahren eines solchen Lebens im Paradiese nicht gleich.

{Nach der klaren Darlegung der Hadith, "Dieses bloße Zuschauen im Paradies liegt dermaßen Über den Genüssen im Paradies, dass es diese Genüsse vergessen lässt. Nach dem Zuschauen vermehrt sich das Gute und die Schönheit der Leute des Zuschauens dermaßen, dass ihre Angehörigen in ihren Schlössern, wenn sie zurückkehren, sie nur durch große Aufmerksamkeit und schwer wieder erkennen können." So wird im Hadith erwähnt. Ein sehnsüchtiges Verlangen, eine Persönlichkeit zu sehen, die mit einer Vollkommenheit berühmt ist wie Hasret Süleyman (Salamon), mit dem Friede sei und eine Sehnsucht, die danach verlangt, eine Persönlichkeit zu sehen, die mit Schönheit ausgezeichnet ist wie Hasret Yusuf (Ägyptischer Josef) mit dem Friede sei, empfindet jeder mit seinem Gewissen. Das Paradies, das tausendmal erhabener über allen Schönheiten und Vollkommenheiten der Welt ist, ist mit all seinen Schönheiten und Vollkommenheiten nur ein Schatten der Schönheit und Vollkommenheit des Herrn. Wie wünschenswert und aufregend es nun wohl ist, diesen Herrn zu sehen und wie begehrenswert und ersehnt es ist, Ihn anzuschauen, kannst du - wenn du dazu imstande - bist vergleichen.}

Das steht durch einen sicheren Hadith und die klare Aussage des Qur'an fest. Ein jeder verspürt ganz klar dieses sehnsüchtige Verlangen, eine Persönlichkeit zu sehen, die wegen ihrer Vollkommenheit so berühmt ist wie Hazret Suleyman(Salamon), mit dem Friede, sei und eine Sehnsucht, die danach verlangt, eine Persönlichkeit zu sehen, die mit einer solchen Schönheit ausgezeichnet ist wie Hasret Yusuf(Josef von Ägypten) mit dem Friede sei.

Das Paradies, das über aller Schönheit und Vollkommenheit der Welt tausendmal erhabener, ist mit all seiner Schönheit und Vollkommenheit nur ein Schatten der Schönheit und Vollkommenheit des Herrn. Und so magst du denn, so weit es dir möglich ist, vergleichen, wie so sehr wünschens- und erstrebenswert es wohl sein mag, diesen Herrn zu sehen, wie sehr zu begehren und zu ersehnen es ist, Ihn anzuschauen.

اَللّٰهُمَّ ارْزُقْنَا فِى الدُّنْيَا حُبَّكَ وَحُبَّ مَا يُقَرِّبُنَآ اِلَيْكَ وَاْلاِسْتِقَامَةَ كَمَآ اَمَرْتَ وَفِى اْلاٰخِرَةِ رَحْمَتَكَ وَرُؤْيَتَكَ

{"Oh Gott, gewähre uns in dieser Welt Liebe zu Dir und Liebe zu dem, was uns näher zu Dir zieht, die Rechtleitung, die Du uns befohlen hast, und in der künftigen Welt Dein Erbarmen und Deine Anschauung."}

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise." (Sure 2, 32)}

اَللّٰهُمَّ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَصَحْبِهِٓ اَجْمَعِينَ اٰمِينَ

{"Oh Gott, gib Deinen Segen und Frieden dem, den Du gesandt hast als ein Erbarmen für alle Welt, Seiner Familie und allen seinen Gefährten."}

Zweites Kapitel

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen."}

Von tausenden tiefen Geheimnissen von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"(Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen) werden hier sechs Geheimnisse behandelt.

Hinweis: Im Namen Gottes! (Bei der Betrachtung dieser Anrufung) ausgehend vom Blickpunkt der Erbarmung (Gottes) erschien meinem unzulänglichen Verstand von weitem her ein glänzendes Licht.

Ich wollte es für mich selbst mit einigen Stichworten einfangen. Ich wollte dieses Licht mit zwanzig, dreißig Geheimnissen umschreiben, einkreisen, einfangen. Aber bedauerlicherweise konnte ich meinen Wunsch diesmal nicht ganz zum Erfolg führen. Es sind von zwanzig, dreißig (Geheimnissen) nur fünf, sechs geblieben.

Wenn ich dabei sage "Oh Mensch", meine ich damit mich selbst (nefs).Und weil sich dieser Unterricht besonders an meine Seele wendet, verweise ich auf die Zustimmung meiner scharfsinnigen Mitbrüder im Zweiten Kapitel des "Vierzehnten Blitzes" mit der Absicht, dass vielleicht diejenigen, die geistig mit mir verbunden sind und deren Seelen mehr erwacht sind als meine, daraus ihren Nutzen ziehen werden. Dieser Unterricht richtet sich mehr auf das Herz als auf den Verstand, und richtet sich mehr auf die innere Wahrnehmung als auf Beweise.

بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ قَالَتْ يَآ اَيُّهَا الْمَلَؤُا اِنِّىٓ اُلْقِىَ اِلَىَّ كِتَابٌ كَرِيمٌ اِنَّهُ مِنْ سُلَيْمٰنَ وَاِنَّهُ بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Sie sagte: Oh ihr Edlen! Mir ist ein ehrenwertes Schreiben überbracht worden. Es ist dies von Salomon und lautet: 'Im Namen Gottes, des Erbarmers, des Barmherzigen.' " (Sure 27, 29-30)}

In diesem Kapitel werden einige Geheimnisse angeführt.

Erstes Geheimnis:

Ich erblickte die folgende Erscheinung von "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim": Das Gesicht des Kosmos, das Gesicht der Erde und das Gesicht eines Menschen trägt (jeweils) drei Siegel des Herrn. Eines befindet sich im anderen und weist die Nachbildungen der anderen auf.

Das Erste

ist das große Siegel der Gottheit, auf dem die gegenseitige Hilfeleistung, das solidarische Zusammengehen, das Aufeinanderzugehen und die wechselseitigen Beziehungen im ganzen Kosmos sichtbar werden, worauf "Bismillah"hinweist.

Das Zweite

ist das große Siegel der Erbarmung, das durch die Ähnlichkeit, das richtige Verhältnis, die Wohlordnung, die Folgerichtigkeit, die Gnade und Barmherzigkeit in der Umsicht, der Versorgung, der Lenkung und Leitung der Pflanzen und Tiere auf dem Gesicht der Erde sichtbar ist, worauf "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"hinweist.

Das Dritte

ist das hohe Siegel der Barmherzigkeit, auf dem die Feinheiten der Güte, die einzelnen Augenblicke selbstloser Liebe und die Funken des Erbarmens Gottes im Gesicht des umfassenden Wesens des Menschen sichtbar werden, worauf "Al-Rahim"in dem "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"hinweist. Das heißt also "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"ist eine heilige Bezeichnung für die drei Siegel der Einheit (Ahadiyet),die auf dem Blatt der Welt eine lichtvolle Zeile bildet. Und es ist ein starkes Seil und ein glänzendes Band. Dieses (Seil) heißt: "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"

und berührt von oben herabkommend mit seinen Enden den Menschen, der die Frucht des Kosmos und eine kleine Nachbildung der Welt ist. Es verbindet die Erde mit dem Thron Gottes. Es wird zu einem Weg, seinen Thron menschlicher (Vollkommenheit) zu besteigen.

Zweites Geheimnis:

Der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, führt uns die Erscheinungen der Einheit Gottes im Einzelnen (Ahadiyet)beständig vor Augen, wenn es sich um die Erkenntnis der Einheit Gottes in der Vielfalt und im großen Umfang (Vahidiyet)handelt, damit der Verstand inmitten der Erscheinungen der Einheit in der unendlichen Vielfalt der Schöpfung in ihrem ganzen Umfang (Vahidiyet)nicht ertrinkt. Das heißt, z.B. die Sonne umfasst unendlich viele Dinge mit ihrem Licht. Um das Wesen der Sonne in der Gesamtheit ihres Lichtes erfassen zu können, ist eine überaus weitreichende Vorstellungskraft und ein umfassender Blick notwendig. Um nicht die Sonne selbst in Vergessenheit geraten zu lassen, zeigt sich deshalb auch die Sonne durch ihre Widerspieglung in jedem glänzenden Ding. Und jedes glänzende Ding reflektiert seinen Fähigkeiten entsprechend sowohl die Sonne selbst als auch ihre Eigenschaften wie ihr Licht und ihre Wärme. Und so wie jedes glänzende Ding, seinen Fähigkeiten entsprechend, die Sonne mit all ihren Eigenschaften zeigt, wird auch jede der Eigenschaften der Sonne wie Licht und Wärme und die sieben Farben ihres Lichtes von allen Dingen reflektiert, denen sie begegnen. Genauso auch:

وَ ِللهِ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى

{"Bei Gott sind die erhabensten Gleichnisse." (Sure 16, 60)}

Doch sollte man dieses Gleichnis nicht falsch verstehen. So wie die Einheit (Ahadiyet)und Einzigartigkeit (Samadiyet)Gottes sich in allen Dingen, besonders in Lebewesen und ganz besonders im Wesen des Menschen als ihrem Spiegel mit allen Seinen Namen manifestiert,

umfassen auch auf Grund dieser Einheit und Allgegenwart all Seine Namen alles Sein gemeinsam, da sie (untrennbar) mit allem Sein verbunden sind. Der Qur'an führt immer das Siegel der Einheit Gottes in allem Sein innerhalb Seiner Allgegenwart vor Augen, sodass der Verstand inmitten der Einheit Gottes in Seiner Allgegenwart nicht erstickt und den allheiligen Herrn nicht vergisst. Was die drei wichtigsten Merkmale dieses Siegels zeigen, ist "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim".

Drittes Geheimnis:

Das, was diesen unendlichen Kosmos belebt, ist, wie wir augenscheinlich bezeugen können, Barmherzigkeit. Und das, was die Finsternis allen Seins erleuchtet, ist eindeutig wieder die Barmherzigkeit. Und das, was diese Geschöpfe versorgt, die mit unendlich vielen Sorgen und Nöten zu kämpfen haben, ist wieder eindeutig die Barmherzigkeit. Was das ganze Universum, einem Baum gleich, der sich ganz und gar seiner Frucht widmet, zu dem Menschen hinwendet, ihn überall versorgen lässt und ihm alle Dinge zu Hilfe schickt, ist eindeutig die Barmherzigkeit. Und das, was diesen grenzenlosen Weltraum und den leeren und wüsten Kosmos füllt, erleuchtet und aufleben lässt, ist, wie wir augenscheinlich bezeugen können, die Barmherzigkeit. Und das, was diesen vergänglichen Menschen zum Anwärter für die Ewigkeit macht und dem Herrn aller Ewigkeit zu seinem Ansprechpartner und Freund macht, ist eindeutig die Barmherzigkeit.

Oh Mensch! Da die Barmherzigkeit nun einmal eine so starke, reizvolle, liebenswerte, hilfreiche, geliebte Wahrheit ist, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim",hefte dich an diese Wahrheit und errette dich vor absoluter Einsamkeit und vor den Plagen zahlloser Bedürfnisse! Und rücke näher an den Thron des Königs aller Ewigkeit heran und werde durch die Gnade und das Licht dieser Barmherzigkeit diesem König zum Ansprechpartner und Freund! Dass die Arten des Kosmos sich um den Menschen in Weisheit versammeln und zu allen seinen Bedürfnissen in

vollkommener Wohlordnung und Güte eilen, dafür kann es nur zwei Erklärungen geben. Entweder kennt jede Art im Kosmos den Menschen aus sich selbst, gehorcht ihm und eilt ihm zu Hilfe. Dies aber ist hundertfach von vernünftigem Denken entfernt und hat viele Unmöglichkeiten zu Folge. Ein so hilfloses Wesen wie der Mensch müsste über die Macht eines mächtigen, absoluten Königs verfügen. Oder es erfolgt diese Unterstützung durch das Wissen des absoluten Mächtigen, hinter diesem Schleier des Kosmos. Also ist es nicht so, dass die Arten des Kosmos den Menschen kennen, sondern es gibt klare Zeichen für das Kennen und Wissen eines Herrn, der von dem Menschen weiß, ihn kennt und sich seiner erbarmt.

Oh Mensch! Komm zur Besinnung! Ist es überhaupt möglich, dass der majestätische Herr, der alle Arten der Schöpfung zu dir hinwendend ihre helfenden Hände strekken und gegenüber deinen Bedürfnissen "Bitte schön!" sagen lässt, von dir nichts wissen, dich nicht kennen und nicht sehen sollte!? Da Er dich nun einmal kennt und durch Seine Barmherzigkeit bekannt gibt, dass Er dich kennt, sollst auch du Ihn kennen und in deiner Hochachtung bekannt geben, dass du Ihn kennst. Und wisse mit Sicherheit, einem absolut Schwachen, absolut Ohnmächtigen, absolut Armseligen, einem vergänglichen, kleinen Geschöpf wie dir, den riesigen Kosmos in den Dienst zu stellen und ihm zu Hilfe zu schicken, ist mit Sicherheit eine Wahrheit der Barmherzigkeit, die Weisheit, Güte, Wissen und Macht beinhaltet. Gewiss verlangt eine solche Barmherzigkeit von dir nach einem umfassenden und aufrichtigen Dank und einem ernsthaften und unvermischten Respekt. Also, sage "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim",welches das Sprachrohr und die Bezeichnung dieses aufrichtigen Dankes und dieses unvermischten Respekts ist! Mache es dir zu einem "Fahrzeug" um diese Barmherzigkeit zu erlangen und zu deinem Fürsprecher an der Schwelle der Barmherzigkeit!

In der Tat sind die Existenz und die Verwirklichung der

Barmherzigkeit offensichtlich wie die Sonne. Denn so wie ein zentrales Ornament ja durch die Ordnung der Stellungen, der aus allen Richtungen kommenden Einschläge und der Fäden entsteht; genauso weben lichtvolle Einstiche, die sich von der Erscheinung von tausendundeinem Namen Gottes am großen Kreis dieses Kosmos erstrecken, im Gesicht des Kosmos an einer solchen Prägung der Barmherzigkeit, ein Siegel des Erbarmens und ein Ornament des Mitleids und sticken einen solchen Stempel der Güte, dass sie sich dem Verstand noch glänzender als die Sonne zeigen. Der Barmherzige in Seiner Schönheit, der die Sonne, den Mond, die Elemente, die Erze, die Pflanzen und die Tiere mit den Strahlen von tausendundeinem Seiner Namen, Fäden gleich, beim Sticken eines gewaltig großen Ornamentes, wohlgeordnet, macht sie dem Leben dienstbar und äußert durch die überaus liebliche und opferbereite Liebe aller Mütter Seine Liebe. Er stellt die Lebewesen, Pflanzen und Tiere dem menschlichen Leben in den Dienst. Er macht daraus einen überaus schönen und anmutigen, gewaltigen Schmuck Seiner Herrschaft, zeigt die Bedeutung des Menschen und Seine Gnade in glänzendster Form.

In der Tat macht dieser Barmherzige in Seiner Schönheit, Seiner eigenen absoluten Erhabenheit gegenüber, Seine Barmherzigkeit zu einem angenommenen Fürsprecher für das Lebewesen und den Menschen, welche unbegrenzt bedürftig sind.

Oh Mensch, wenn du ein Mensch bist, sage "Bismillahir-Rahmani r-Rahim"und finde diesen Fürsprecher! In der Tat, was auf der Erde vierhunderttausend verschiedene Arten Pflanzen und Tiere, ohne überhaupt eine zu vergessen, zu verwechseln, in der rechten Zeit in vollkommenster Ordnung, mit Weisheit und Güte versorgt, lenkt und leitet und auf das Gesicht der Erdkugel das Siegel Seiner Einheit im Einzelnen (Ahadiyet)prägt, ist eindeutig, wie wir sogar selber augenscheinlich bezeugen können, die Barmherzigkeit. Wie das Vorhandensein der Barmherzigkeit

so sicher ist wie die Existenz allen Seins auf dem Gesicht dieser Erdkugel, so gibt es auch ebenso viele Beweise für diese Wahrheit, wie die Anzahl (der zahllosen Formen allen) Seins selbst. Ja, so wie sich auf dem Antlitz der Erde ein solches Siegel der Barmherzigkeit und eine Prägung der Einheit Gottes im Einzelnen (Ahadiyet)findet, trägt auch der Mensch auf dem Gesicht seines inneren Wesens ein solches Siegel der Barmherzigkeit, das nicht geringer als das Siegel der Barmherzigkeit auf dem Gesicht der Erdkugel und als das große Siegel der Erbarmung auf dem Gesicht des Kosmos ist. Es ist umfassend etwa in der Bedeutung eines Brennpunktes der Erscheinungen von tausendundeinem Namen Gottes.

Oh Mensch, ja ist es denn überhaupt möglich, dass der Herr, der dir ein solches Gesicht gegeben, und auf diesem Gesicht ein solches Siegel der Barmherzigkeit und einen solchen Stempel der Einheit im Einzelnen geprägt hat, dich dir selbst überlässt, dir keine Bedeutung beimisst!? Sollte Er nicht auf deine Handlungen aufmerksam sein!? Sollte Er die ganze Schöpfung, die dir zugewandt ist, für sinnlos erklären!? Sollte Er den Baum der Schöpfung zu einem wertlosen Baum machen, dessen Früchte faul und verdorben sind!? Sollte Er außerdem Seine Barmherzigkeit, über die in keinerlei Hinsicht ein Zweifel besteht, die überhaupt keinen Mangel hat und die wie die Sonne sichtbar ist, und Seine Weisheit, die wie das Licht erkennbar ist, leugnen lassen!? - Ganz und gar nicht!

Oh Mensch! Wisse, es gibt eine Leiter, um zu dem Thron dieser Barmherzigkeit zu gelangen! Diese Leiter ist "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim"(Im Namen des Erbarmers, des Barmherzigen). Willst du verstehen, wie wertvoll diese Leiter ist, dann betrachte den Anfang aller 114 Suren des Qur'an, dessen Worte ein Wunder sind, die einleitenden Worte aller segensreichen Bücher und den Anbeginn aller guten Taten. Der absolute Beweis für die Größe des Wertes dieses Satzes (Besmele)ist, dass sehr große Qur'anexegeten (mudjtahid)wie Imam Schafi (Gott möge mit

ihm zufrieden sein) sagten: Obwohl dieser Satz "Besmele"ein einziger Vers ist, erscheint er im Qur'an 114-mal als von Gott herabgesandt.

Viertes Geheimnis:

Was die Erscheinung der Gegenwart Gottes (Vahidiyet)innerhalb grenzenloser Vielfalt betrifft, so reicht es doch nicht für jeden aus, sie zu erkennen, während er die Anrede von

اِيَّاكَ نَعْبُدُ

{"Zu Dir allein beten wir!"}

ausspricht. Die Gedanken verlieren sich. Um hinter der Allgegenwart (vahdet)in der Gesamtheit, den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, betrachten und

اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein flehen wir um Hilfe!"}

aussprechen zu können, muss man ein Herz so weit wie die Erde haben. Aus diesem Geheimnis stellt sich das Siegel der Einheit Gottes in jedem Einzelnen ganz klar heraus. Genauso zeigt es sich im Stempel Seiner Barmherzigkeit, damit dieses Siegel Seiner Einheit in jeder einzelnen Gattung erkennbar wird und die (Menschen) dem Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, einen Vorrang (Vor aller Schöpfung) einräumen. Dadurch soll jeder auf jeder Stufe

اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein flehen wir um Hilfe!"}

aussprechen und ohne Mühe unmittelbar den allheiligen Herrn ansprechen und sich Ihm zuwenden können. Um diesem großartigen Geheimnis Ausdruck zu verleihen, spricht der Weise Qur'an, wenn er die großen und

weiten Räume des Kosmos, zum Beispiel die Erschaffung des Himmels und der Erde behandelt, auf einmal von einem kleineren Kreis, einem winzigen Teil, um in einer offenkundigen Form den Stempel Seiner Einheit in den Einzelnen zu zeigen.

So wird zum Beispiel während der Erörterung der Himmel und der Erde das Thema von der Erschaffung des Menschen, von der Stimme des Menschen und von den feinsinnigen Gaben und von der Weisheit (bei der Gestaltung) seines Gesichtes besprochen, sodass der Gedanke nicht abschweift, ihm das Herz nicht schwer wird und die Seele ganz unmittelbar den findet, den sie in Wahrheit anbetet. Zum Beispiel: Der Vers

وَمِنْ اٰيَاتِهِ خَلْقُ السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَاخْتِلاَفُ اَلْسِنَتِكُمْ وَاَلْوَانِكُمْ

{"Und zu Seinen Zeichen gehört die Erschaffung von Himmel und Erde und die Verschiedenheit eurer Sprachen und Farben." (Sure 30, 22)}

zeigt die oben erwähnte Wahrheit in wunderbarer Form. In der Tat ist die Einheit Gottes durch zahllose Geschöpfe und in grenzenloser Vielfalt geprägt. Ihre Siegel sind gleich konzentrischen Kreisen und erscheinen vom äußersten großen bis zum innersten kleinen in verschiedenen Arten und Stufen. Was diese Einheit betrifft, so ist sie, in welchem Umfang sie auch erscheinen mag, eine Einheit in der Vielfalt. Sie kann aber keine direkte Ansprache herbeiführen. Deswegen muss sich hinter der Einheit in der Vielfalt das Siegel der Einheit auch im Einzelnen finden, sodass sich die Vielfalt nicht dem Gedächtnis aufdringt, sondern für das Herz der Weg unmittelbar zum allheiligen Herrn offen wird. Des Weiteren, um die Blicke auf das Siegel der Einheit (im Einzelnen) zu lenken und die Herzen zu ihr hinzuziehen, setzt Er auf dieses Siegel der Einheit (im Einzelnen) das Siegel Seiner Barmherzigkeit und den Stempel Seiner Gnade, welche überaus reizvolle Ornamente, überaus glänzendes Licht, ein überaus lieblicher Reiz, eine überaus liebliche Schönheit, eine überaus

starke Wahrheit sind. In der Tat ist es die Kraft dieser Barmherzigkeit, die die Blicke der Bewusstseinstragenden zu sich lenkt, sie zu sich hinzieht und zu dem Siegel der Einheit (in Einzelnen) führt. Sie veranlasst, über den Herrn, der in Seinem Wesen ein Einziger ist, nachzudenken, und führt sie so zu der wahren Anrede in

اِيَّاكَ نَعْبُدُ وَاِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Zu Dir allein nehmen wir unsere Zuflucht und zu Dir allein flehen wir um Hilfe!"}

"Bismillahi r-Rahmani r-Rahim" ist gewissermaßen das Konzentrat der Sure "Die Eröffnung" (Fatiha)und eine kurze Zusammenfassung des Qur'an. Deswegen ist die "Besmele"das Kennzeichen und der Ausdruck für dieses oben erwähnte große Geheimnis geworden. Wer sich dieses Kennzeichen zu Eigen macht, vermag über die Gefilde der göttlichen Barmherzigkeit zu reisen. Mit diesem Ausdruck auf der Zunge erfährt er die Geheimnisse der göttlichen Barmherzigkeit und erblickt die Lichter Seiner Gnade und selbstlosen Liebe.

Fünftes Geheimnis:

Eine heilige Hadith besagt:

اِنَّ اللهَ خَلَقَ اْلاِنْسَانَ عَلٰى صُورَةِ الرَّحْمٰنِ

{"Wahrlich, Gott hat den Menschen nach der Art des Erbarmers erschaffen. " (au kemaqal: oder so ähnlich)}

Diese Hadith legte ein Teil der Ordensleute auf eine den Glaubensgrundsätzen nicht entsprechende, sehr merkwürdige Weise aus. Ein Teil der Ekstatiker unter ihnen betrachtete sogar die wahre innere Natur des Menschen als eine Art Ebenbild des Erbarmers: Da ein Teil dieser Ekstatiker meistens in einem geistigen Rauschzustand verkehrt, viele dieser Gottesnarren sich in Meditation versenken und leicht in Verwirrung geraten, mag man sie vielleicht wegen ihrer der Wahrheit widersprechenden Auffassungen für entschuldigt halten. Doch dürfen diejenigen,

die ihre Sinne beieinander haben, Auffassungen, die den Glaubensgrundsätzen widersprechen, nicht annehmen. Nehmen sie sie an, begehen sie einen Fehler. So wie Gott, der allheilige Herr, in der Tat den ganzen Kosmos wie ein Schloss, ein Haus, in bester Ordnung regiert, die Sterne, Atomen gleich, in Weisheit und mit Leichtigkeit kreisen und reisen lässt, und die Atome wie ordentliche Beamte in Dienst nimmt, keinen Partner und weder Seinesgleichen noch einen Gegenspieler oder Nebenbuhler kennt, kann es auch für Ihn nach dem Geheimnis von

لَيْسَ كَمِثْلِهِ شَىْءٌ وَهُوَ السَّمِيعُ الْبَصِيرُ

{"Nichts ist Ihm ebenbürtig und Er ist der Allhörende, der Allsehende!" (Sure 42, 11)}

kein Ebenbild, kein Gleiches, kein Abbild und kein Ebenbild geben. Aber in dem Geheimnis und Gleichnis von

وَلَهُ الْمَثَلُ اْلاَعْلٰى فِى السَّمٰوَاتِ وَاْلاَرْضِ وَهُوَ اْلعَزِيزُ الْحَكِيمُ

{"Ihm gebührt das höchste Gleichnis in den Himmeln und auf Erden, und Er ist der unbesiegte Sieger, der Allweise." (Sure 30, 27)}

kann man Seine Taten, Eigenschaften und Namen betrachten. Das heißt, hinsichtlich der Taten Gottes gibt es Gleichnisse und Beispiele, die mit einer Metapher zum Ausdruck gebracht werden. Eine von vielen Zwecken dieser oben erwähnten ehrenwerten Hadith ist in der Tat folgender: Der Mensch ist in einer Form erschaffen, die den Namen Gottes "Erbarmer" vollständig erkennen lässt. Wie oben erklärt, wird im Antlitz des Kosmos der Gottesname "Erbarmer" erkennbar, der aus den Strahlen von tausendundeinem Namen in Erscheinung tritt. Im Antlitz der Erde wird der Name Gottes "Erbarmer" sichtbar, wie er in zahllosen Erscheinungen der absoluten Herrschaft Gottes ersichtlich ist. Die Überlieferung besagt, dass das Bild des Menschen, wenn auch in einem verkleinerten Maßstab, genauso wie das Gesicht der Erde und des Kosmos die vollständige Erscheinung des Namens "Erbarmer" zeigt. Des Weiteren ist auch das Folgende ein Hinweis darauf,

dass die Objekte der Erscheinung so sicher, klar und eindeutig auf die Existenz dessen, der da notwendigerweise sein muss, hinweisen, wie Lebewesen und Menschen, welche als Zeugen und Spiegel für den allerbarmenden und barmherzigen Herrn dienen. So wie, wenn man über einen klaren Spiegel, der das Spiegelbild und die Widerspiegelung der Sonne umfasst, hinweisend auf seine Klarheit und die Deutlichkeit seiner Wiedergabe sagt: "Dieser Spiegel ist die Sonne", so wurde (in diesem Sinne) auch hinweisend auf die Deutlichkeit seiner Bezeugung und auf seine vollkommene Beziehung gesagt, und kann man sagen: "Im Menschen ist die Art des Erbarmers erkennbar". Als eine Bezeichnung für diese Deutlichkeit der Bezeugung und für die Vollkommenheit dieser Beziehung sagte die gemäßigte Gruppe der Leute der Schule "Die Einheit im Sein" (Vahdetu-l'Vudjud)auf Grund dieses Geheimnisses: "La Maudjuda illa Hu!"(Es gibt keine Existenz außer Ihm).

اَللّٰهُمَّ يَا رَحْمٰنُ يَا رَحِيمُ بِحَقِّ بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ اِرْحَمْنَا كَمَا يَلِيقُ بِرَحِيمِيَّتِكَ وَفَهِّمْنَا اَسْرَارَ بِسْمِ

{"Oh Allah, oh Erbarmer, oh Barmherziger. Um des 'Bismillahi r-Rahmanir-Rahim' willen, erbarme Dich unser wie es Deiner Barmherzigkeit entspricht und lass uns die Geheimnisse von 'Bismillahi r-Rahmani r-Rahim' verstehen wie es Deinem Erbarmen entspricht."}

Sechstes Geheimnis:Oh du hilfloser Mensch, der du dich in grenzenloser Schwäche und unendlicher Armseligkeit abmühst! Was für ein wertvolles "Fahrzeug" und was für ein geschätzter Fürsprecher die Barmherzigkeit ist, solltest du daraus verstehen, dass diese Barmherzigkeit zu einem solchen majestätischen König führt, in dessen Heer die Atome mit den Sternen gemeinsam ihren Dienst in vollkommener Ordnung und im Gehorsam verrichten. Und dieser majestätische Herr, König aller Ewigkeit, ist Seinem Wesen nach von einer Erhabenheit, die absolut nichts und niemandes bedarf.

Er ist der, dessen Reichtum unbegrenzt ist, der des Kosmos und allen Seins in keiner Hinsicht bedarf. Der ganze Kosmos steht unter Seinem Befehl, Seiner Regierung, Seiner Macht und Seiner Herrlichkeit, und ist in seinem unendlichen Gehorsam demütig vor Seiner Majestät. Nun also, bringt dich oh Mensch, die Barmherzigkeit in die Audienz dessen, der unbegrenzt reich ist und nichts und niemandes bedarf, des immerwährenden Königs und macht dich Ihm zum Freund! Sie macht dich Ihm zu Seinem Gesprächspartner und du bekommst die Stellung eines geliebten Dieners. Du kannst ja z.B. die Sonne nicht erreichen, bist von ihr weit entfernt, kannst dich ihr keineswegs nähern. Doch das Sonnenlicht gibt dir eine Reflexion, eine Erscheinung der Sonne durch deinen Spiegel in deine Hand. Genauso sind wir von dem allheiligen Herrn, der Sonne aller Ewigkeiten zwar unendlich weit entfernt, und können uns Ihm nicht nähern; aber das Licht Seiner Barmherzigkeit bringt Ihn uns nahe.

Wohlan, oh Mensch! Wer diese Barmherzigkeit findet, findet einen ewigen, unerschöpflichen Schatz!

Der Weg, diesen Schatz zu finden ist: Der Art und Weise (sunna)des Ehrenwerten Gesandten, mit dem Friede und Segen sei, der das glänzendste Beispiel und der Vertreter der Barmherzigkeit, der das prägnanteste Sprachrohr und der öffentliche Ausrufer dieser Barmherzigkeit ist, und der im Qur'an mit der Bezeichnung als "Die Barmherzigkeit für die Welten" (Rahmeten li-l'alemin)genannt wird, zu folgen. Das Fahrzeug zu dieser leibhaft gewordenen Barmherzigkeit, die "Rahmeten li-l'alemin" ist, sind die Segenswünsche für ihn (salavat).In der Tat ist die Bedeutung, die in den Segenswünschen liegt, die Barmherzigkeit. Die Segenswünsche, die Gebete für den Segen für diese lebendige, verkörperte Barmherzigkeit, sind ein Fahrzeug zu der Zusammenkunft mit dieser "Barmherzigkeit für die Welten". Da dies aber so ist, mache dir den Segenswunsch zum Anlass, zu dieser "Rahmeten li-l'alemin"

zu gelangen und nimm dir seine Persönlichkeit als ein Fahrzeug zu der Barmherzigkeit des Erbarmers!

Dass die ganze Gemeinde über "die Barmherzigkeit für die Welten", mit dem Friede und Segen sei, unendlich viele Segenswünsche im Sinne der Barmherzigkeit spricht, beweist in glänzender Weise, was für ein wertvolles Geschenk Gottes die Barmherzigkeit ist, und wie umfangreich ihr Wirkungskreis ist.

Zusammenfassung:

So wie der wertvollste Brillant aus der Schatzkammer der Barmherzigkeit der Gottesgesandte Hasret Ahmed, mit dem Friede und Segen sei, ist, so ist er auch der Hüter an ihrem Tor. Der allerbeste Schlüssel zu ihr aber heißt: "Bismillahi r-Rahmani r-Rahim".Der einfachste Schlüssel zu ihr, sind zugleich auch unsere Segenswünsche für ihn (salavat).

اَللّٰهُمَّ بِحَقِّ اَسْرَارِ بِسْمِ اللهِ الرَّحْمٰنِ الرَّحِيمِ صَلِّ وَسَلِّمْ عَلٰى مَنْ اَرْسَلْتَهُ رَحْمَةً لِلْعَالَمِينَ كَمَا يَلِيقُ بِرَحْمَتِكَ وَبِحُرْمَتِهِ وَعَلٰٓى اٰلِهِ وَ اَصْحَابِهِ اَجْمَعِينَ وَارْحَمْنَا رَحْمَةً تُغْنِينَا بِهَا عَنْ رَحْمَةِ مَنْ سِوَاكَ مِنْ خَلْقِكَ اٰمِينَ

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

{"Oh Allah. Um des Geheimnisses von 'Bismillahi r-Rahmani r-Rahim' willen sei Friede und Segen auf dem, den du als Barmherzigkeit für die Welten gesandt hast, wie es Deiner Barmherzigkeit und seiner Würde entspricht, und seiner Familie und allen seinen Gefährten. Und sei uns barmherzig, damit wir außer von Dir, von keinem Deiner Geschöpfe Barmherzigkeit zu erwarten brauchen. Amen." "Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32)}

Dreiundzwanzigstes Wort

Diese Abhandlung besteht aus zwei Kapiteln.

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ لَقَدْ خَلَقْناَ اْلاِنْسَانَ فِىٓ اَحْسَنِ تَقْوِيمٍ ثُمَّ رَدَدْنَاهُ اَسْفَلَ سَافِلِينَ اِلاَّ الَّذِينَ اٰمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ

{"Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen. Wahrhaftig, Wir haben den Menschen erschaffen und ihm den höchsten Wert verliehen; dann erniedrigten Wir ihn zum Geringsten aller Geringen, ausgenommen diejenigen, die glauben und gute Werke tun." (Sure 95, 4-6)}

Erstes Kapitel

In den folgenden fünf Punkten werden wir nur fünf Werte des Glaubens unter tausenden erklären.

Erster Punkt:

Durch das Licht des Glaubens steigt der Mensch zur höchsten Höhe auf und erreicht einen Wert, der ihn für das Paradies qualifiziert. In der Dunkelheit des Unglaubens steigt er hinab zum Niedrigsten der Niedrigen und nimmt eine Form an, die ihn für die Hölle geeignet macht. Denn Glaube ist eine Beziehung, die den Menschen mit seinem erhabenen Meister verbindet. Der Wert des Menschen entsteht aus der göttlichen Kunst und den Ornamenten der Gottesnamen, die an ihm im Lichte des Glaubens beobachtet werden. Unglaube trennt diese Verbindung, sodass die Kunst des Herrn nicht mehr sichtbar ist und der Wert des Menschen reduziert wird auf den Preis seiner bloßen physischen Existenz, wobei diese physische Existenz des Menschen fast keinen Wert hat, denn sie besteht nur aus einem zeitlichen, vergänglichen und

sterblichen tierischen Leben. Wir werden dies durch einen Vergleich erklären.

Auch bei den von Menschenhand geschaffenen Kunstwerken unterscheidet sich der Materialwert vom Kunstwert. Zuweilen können beide wie gleich erscheinen, zuweilen kann der Materialwert höher als der Kunstwert sein. Zuweilen geschieht es auch, dass man bei einem Materialwert von fünf Pfennig, zum Beispiel für Eisen, ein Kunstwerk im Werte von fünf Pfund entdeckt. Ja, zuweilen können Antiquitäten Millionen wert sein während ihr Materialwert kaum fünf Pfennig beträgt. Bringt man solch ein antikes Kunstwerk zu einer Antiquitätenmesse, kann es für eine Million verkauft werden, wenn man es als Werk eines alten Meisters ausstellt, wenn man dabei diesen begnadeten Künstler erwähnt, der es geschaffen hat. Andererseits, bringt man es zum Schrotthändler, so kann es zum Preis von fünf Pfennig als Eisen gekauft werden.

In gleicher Weise ist der Mensch ein einzigartiges Kunstwerk Gottes des Gerechten und das eleganteste, gnadenvolle Wunder Seiner Macht, da er den Menschen wie eine Welt im kleinen erschuf und ihn zur Verkörperung der Erscheinungen und Ornamente all Seiner Namen machte.

Wenn das Licht des Glaubens in ihn einströmt, können all diese bedeutsamen Ornamente in ihm entziffert werden. Ein Gläubiger entziffert sie im Bewusstsein seines Verstandes. Und in dieser seiner Beziehung lässt er sie entziffern. Das heißt, die göttliche Kunst, die im Menschenwesen enthalten ist, manifestiert sich selbst durch solche Aussagen wie: "Ich bin das Werk des Erhabenen Meisters, Sein Geschöpf und die Verkörperung Seines Mitleides und Seiner Freigiebigkeit." Glaube besteht also in der Beziehung zum Meister, offenbart die gesamten Kunstwerke im Menschen. Insoweit die göttliche Kunst im Menschen sichtbar wird, bestimmt sie des Menschen Wert. Er entspricht dem Spiegelbild der Einzigartigkeit Gottes. So erhebt sich der Mensch aus seiner Bedeutungslosigkeit

auf diese Weise über alle Geschöpfe zum Gesprächspartner Gottes und Gast des Herrn, würdig des Paradieses.

Wenn der Unglaube, der im Abbruch dieser Beziehung besteht, in den Menschen eingeht, sinken alle diese bedeutsamen Ornamente der Gottesnamen ins Dunkel, können nicht mehr entziffert werden. Denn wenn der Meister in Vergessenheit gerät, können auch die spirituellen Aspekte in ihrer Beziehung zum Meister nicht mehr verstanden werden. Es ist, als würde alles auf den Kopf gestellt. Viele bedeutsame und erhabene Künste und Ornamente des Geistes verbergen sich auf diese Weise. Ein Teil dessen, was übrig bleibt und mit den Augen wahrgenommen werden kann, wird geringfügigen Ursachen zugeschrieben, der Natur oder dem Zufall, verfällt schließlich. Obwohl jedes einzelne für sich ein funkelnder Diamant ist, erscheint es wie trübes Glas. Ihr Wert wird nur noch in der animalischen Substanz gesehen. Aber Ziel und Ergebnis dieser Substanz ist, wie gesagt, ein Leben von sehr kurzer Dauer zu führen, unerheblich, als das schwächste, hilfsbedürftigste und unglücklichste aller Tiere, und am Ende zu verfallen und zu verwesen. So ruiniert Unglaube das Wesen des Menschen und verwandelt einen Diamanten in Kohle.

Zweiter Punkt:

Der Glaube ist in gewisser Weise ein Licht. Er erleuchtet den Menschen, lässt alle die oben aufgeführten Ewigen Briefe lesbar werden. Genauso erleuchtet er auch das Universum. Vergangene und zukünftige Zeiten werden aus der Dunkelheit errettet. Dies Geheimnis erklären wir durch ein Gleichnis, das ich in einer geistigen Schau in Bezug auf ein Geheimnis der Ehrwürdigen Ayah

اَللهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنوُا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}

gesehen habe. Es war dies wie folgt:

In einer Schau, die ich erlebte, sah ich: Zwei hohe Berge standen sich gegenüber... zwischen ihnen war Furcht erregend eine Brücke gespannt. Unter der Brücke eine tief eingeschnittene Klamm... ich befand mich auf dieser Brükke. Und die Welt lag in dichter Finsternis - Dunkel ringsumher. Ich schaute nach rechts. In unendlicher Finsternis erblickte ich ein großen Grabmal, d.h. es tauchte aus meiner Phantasie auf. Ich schaute nach links. Es war, als erblickte ich riesige Stürme inmitten fürchterlicher Wellen von Finsternis, Unruhen und heraufziehende Katastrophen. Ich schaute von der Brücke hinunter. Ich meinte, einen sehr tiefen Abgrund zu erblicken. Gegen diese schreckliche Finsternis hatte ich nur eine schwache Taschenlampe. Ich schaltete sie ein, schaute mich in ihrem Zwielicht um. Eine ganz fürchterliche Situation tauchte vor mir auf. Ja, sogar vor mir auf dem Brückenkopf und darum herum wurden schreckliche Drachen, Löwen und Wölfe sichtbar. "Hätte ich doch diese Taschenlampe nicht bei mir gehabt! Ich hätte diese Schrecken nicht gesehen!" sagte ich mir. Wann immer ich auch meine Lampe irgendwohin richtete, überliefen mich von dort diese Schrecken. "Oh Gott", sagte ich, "diese Lampe ist das Unglück über meinem Haupte! " Ich war auf sie böse. Ich schleuderte die Taschenlampe zu Boden, zerbrach sie. Als hätte ich mit ihrer Zerstörung den Schalter zur großen elektrischen Lampe der Beleuchtung der Welt bedient, wurde plötzlich die Finsternis vernichtet. Und alles wurde von dem Lichte dieses Scheinwerfers erfüllt. Die Wirklichkeit aller Dinge wurde mir gezeigt. Ich sah:

Die Brücke, welche ich erblickt hatte, war eine Straße durch eine Ebene in einer wohlgepflegten Gegend. Und ich bemerkte:

Das große Grabmal, das ich zu meiner Rechten gesehen hatte, war von Anfang an ein Versammlungsplatz für Anbetung, Gottesdienst, Gespräch und Gottesgedenken unter der Führung erleuchteter Menschen in einem schönen,

grünen Garten gewesen. Und das, was ich zu meiner Linken für Bergesgipfel und Abgründe, erfüllt von Stürmen und Unruhen, gehalten hatte, erwies sich mir in meiner inneren Schau als ein gewaltiges Festmahl, ein schöner Park, ein erhabener Aufenthaltsort zur Erquickung der Seelen hinter schönen, lieblichen, reizvollen Bergen. Und ich sah, dass jene Geschöpfe, die ich für fürchterliche Wölfe und Drachen gehalten hatte, friedliche Haustiere waren wie Kamele, Rinder, Schafe und Ziegen.

اَلَْحَمْدُلِلَّهِ عَلَي نُورِالْاِيمَانِ

{"Aller Lobpreis und Dank sei Allah für das Licht des Glaubens."}

sagte ich, zitierte die Ayah:

للهُ وَلِىُّ الَّذِينَ اٰمَنُوا يُخْرِجُهُمْ مِنَ الظُّلُمَاتِ اِلَى النُّورِ

{"Allah ist der Freund der Gläubigen und führt sie aus der Finsternis in das Licht." (Sure 2, 257)}

Und so erwachte ich aus dem Gesicht, das ich erschaut hatte. So sind also diese beiden Berge Anfang und Ende des Lebens... d.h. die irdische Welt und die Schattenwelt. Was die Brücke betrifft, so ist sie der Weg des Lebens. Ihre rechte Seite aber Vergangenheit, ihre Linke die Zukunft. Die Taschenlampe ist das menschliche Ego, das in seiner Selbstgefälligkeit dem eigenen Wissen vertraut und nicht auf die Offenbarung des Himmels hört. Was mir wie Wölfe erschien, sind die staunenswerten Gebilde und Ereignisse in der Schöpfung. Der Mensch also, der auf sein Ego vertraut, in finstere Gottvergessenheit gestürzt und dem Dunkel seiner Irreleitung verfallen, gleicht meinem ersten Zustand in dieser Schau, sieht die Vergangenheit in seiner, einer Taschenlampe entsprechenden mangelhaften und irrigen Kenntnis in Form eines riesigen Grabmals und dem Dunkel des Nichtseins. Die Zukunft erscheint ihm als Einöde, von fürchterlichen Stürmen durchtobt, abhängig vom Zufall. Jedes einzelne Ereignis und Geschöpf,

welches doch ein gehorsamer Diener Gottes, des Weisen und des Barmherzigen ist, erweist sich ihm als Wolf, der ihm schaden will. Er erfährt sich als Gegenstand der Ayah:

وَالَّذِينَ كَفَرُوٓا اَوْلِيَآئُهُمُ الطَّاغُوتُ يُخْرِجُونَهُمْ مِنَ النُّورِ اِلَى الظُّلُمَاتِ

{"Die Ungläubigen sind die Freunde derer, die sich widersetzen und ihn aus dem Licht in die Finsternis führen." (Sure 2, 257)}

Erreicht ihn die Führung Allahs, tritt der Glaube in sein Herz ein, wird das pharaonische Ego

{Die Herrschaft des Pharao über das Volk Israel und sein Widerstand gegen die Befehle Gottes. (A.d.Ü.)}

zerbrochen; hört er und gehorcht dem Buche Allahs, so gleicht er meinem zweiten Zustand in dieser Schau. So erhält die ganze Welt plötzlich die Farben des Tages, wird vom Lichte Gottes erfüllt. Die Welt vermag die Ayah

اللَّهُ نُورُ السَّمَاوَاتِ وَالْأَرْضِ

{"Allah ist das Licht der Himmel und der Erde." (Sure 24, 35)}

zu entziffern. Dann ist die Vergangenheit kein riesiges Grabmal mehr für ihn, vielmehr sieht er mit den Augen des Herzens, wie die Gemeinschaft der reinen Seelen, nachdem sie unter der Führung eines Propheten oder Gottesfreundes eines jeden Jahrhunderts ihre Geschöpfespflicht erfüllt und ihre Aufgaben im Leben beendet haben, mit den Worten "Allahu Ekber"(Allah ist unvergleichlich groß) sich zu den erhabenen Stufen aufschwingen und auf die Seite der Zukunft hinüberwechseln. Zur linken Seite hinüberblickend, bemerkt er von weitem im Lichte des Glaubens in den Weingärten des Paradieses das Gastmahl der Barmherzigkeit, das in den Schlössern der Glückseligkeit bereitet ist, hinter manchen bergesgleichen Umwälzungen

der Schattenwelt und des Jenseits.

{Die Welt zwischen Tod und Auferstehung und die Welt nach dem Jüngsten Gericht. (A.d.Ü.)}

Und er erkennt, dass Ereignisse wie Stürme, Beben und Seuchen jede für sich ein gehorsamer Diener sind. Er sieht, dass Frühlingsstürme und Regengüsse äußerlich zwar rauh und hart sein mögen, in Wirklichkeit aber eine Quelle mildester Weisheit sind. Und sogar den Tod sieht er als Beginn des ewigen Lebens, und das Grab als Tor zur Ewigen Seligkeit. Man mag sich die übrigen Aspekte selbst ausdeuten. Bringe die Wirklichkeit in Übereinstimmung mit dem Gleichnis!

Dritter Punkt:

Der Glaube ist sowohl Licht als auch Kraft. Ja, derjenige, der den wahren Glauben in Händen hält, vermag der ganzen Welt Widerstand zu leisten und sich je nach der Stärke seines Glaubens vom Druck aller Geschehnisse zu befreien. "Ich vertraue auf Allah.", sagt er und durchkreuzt mit dem Schiffe des Lebens in vollkommener Sicherheit die haushohen Wogen der Geschehnisse. Er vertraut all seine Last der mächtigen Hand der grenzenlosen Allmacht (Gottes), durchquert ruhig diese Welt, rastet im Zwischenreich. Danach vermag er sich in das Paradies aufzuschwingen, um in die Ewige Glükkseligkeit einzugehen. Andererseits, wenn er die Last dieser Welt nicht Gott anvertraut, behindert sie nicht nur seinen Aufschwung, sondern zieht ihn zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Das will besagen: Glaube (iman)führt zu Einheit (tauhid),Tauhid zu Hingabe (teslim),Teslim zu Vertrauen, Vertrauen zu Glückseligkeit in den beiden Welten (Diesseits und Jenseits) Das darf man jedoch nicht falsch verstehen! Vertrauen bedeutet nicht, die Ursachen vollständig außer Acht zu lassen. Es heißt vielmehr, die Ursachen hinter dem Schleier der Hand des Allmächtigen (Gottes) zu erkennen und anzuerkennen. Von den Ursachen auszugehen heißt, dies als eine Art tätigen Gebetes anzusehen, die Ergebnisse aber nur von Gott dem Gerechten zu erwarten, die Folgen als von Ihm kommend zu erkennen und Ihm dankbar zu sein. Als Beispiel für einen, der sich Gott anvertraut und einen, der dies nicht tut, steht folgendes Gleichnis:

Es waren einmal zwei Männer. Sie hatten sich Rücken und Kopf mit schweren Lasten beladen, eine Fahrkarte gelöst und ein großes Schiff bestiegen. Der eine stellt seine Last auf dem Schiff ab, sobald er es betreten hat und setzt sich darauf, um sie zu bewachen. Der andere, weil er sowohl

dumm als auch stolz ist, stellt seine Last nicht ab. Jemand sagt zu ihm: "Überlass deine schwere Last dem Schiff und mache es dir bequem!" Er antwortet: "Nein, das tue ich nicht. Vielleicht kommt sie zu Schaden. Ich bin stark. Ich werde meinen Besitz auf meinem Rücken und auf meinem Kopf bewahren." Noch einmal sagt jemand zu ihm: "Du bist auf diesem Schiff des Sultans in Sicherheit. Es ist stärker als du und trägt dich und uns. Es bewahrt noch besser, vielleicht wirst du, wenn dir schwindlig wird, mitsamt deiner Last ins Meer stürzen. Außerdem wird deine Stärke allmählich nachlassen. Dieser gebeugte Rükken, dieser Kopf ohne Verstand wird diese allmählich schwerer werdende Last nicht mehr tragen. Zudem wird der Kapitän, wenn er dich in diesem Zustand sieht, sagen, du seiest verrückt und dich vom Schiff weisen. Oder er wird sagen, du seist ein Verräter, der unser Schiff beleidigt und uns auslacht, und Befehl geben, dich einzusperren. Überdies hast du dich zum Narren gemacht. Du hast dich selbst zum Gespött gemacht mit deiner Eitelkeit, die dem Aufmerksamen diene Schwachheit offenbart, mit deinem Stolz, der deine Jämmerlichkeit zur Schau stellt, und mit deinem gekünstelten Verhalten, das deine Heuchelei und Nichtswürdigkeit entschleiert. Jeder lacht über dich." Nachdem ihm dies gesagt worden war, kam der arme Kerl zur Besinnung. Er stellte seine Last ab, setzte sich darauf und sagte: "Oh, möge Gott Wohlgefallen an dir haben! Ich bin vor Mühsal, Gefangenschaft und Gespött bewahrt worden. "

Nun, oh Mensch, der du kein Vertrauen zu Gott hast! Komme auch du wie dieser Mann zur Besinnung! Vertraue auf Gott! Nur so wirst du vor der Bedrängnis in der Gefangenschaft des Diesseits bewahrt bleiben, davor, vor aller Welt ein Bettler zu sein, vor jedem Ereignis zu zittern, vor eitlem Ruhm und Spott, vor Qual im Jenseits.

Vierter Punkt:

Glaube macht den Menschen zum Menschen. Sogar den Menschen zum Sultan(König). Wenn das so ist, dann ist des Menschen ursprüngliche Aufgabe

der Glaube und das Gebet. Unglaube macht den Menschen zu einem völlig kraftlosen wilden Tier.

Unter tausenden Beweisen in dieser Streitfrage gibt alleine der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, einen klaren Beweis und ein sicheres Zeugnis dafür. Ja, der Unterschied, wie Menschen und Tiere zur Welt kommen, zeigt, dass Menschlichkeit durch Glaube Menschlichkeit ist. Denn in dem Augenblick, in dem ein Tier zur Welt kommt, ist es seinen Anlagen entsprechend vollkommen, so, als habe man es aus einer anderen Welt bereits vervollkommnet gesendet. In zwei Stunden oder zwei Tagen oder zwei Monaten lernt es alle seine Lebensbedingungen, seine Beziehungen zur Umwelt und die Gesetze des Lebens kennen und seine Anlagen zu gebrauchen. Wenn der Mensch die Fähigkeit, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen und einen Beruf auszuüben, in zwanzig Jahren erwirbt, erlangt sie ein Tier wie der Spatz oder die Bienen in zwanzig Tagen; es wird ihm gleichsam eingegeben.

Das heißt, die Hauptaufgabe eines Tieres besteht nicht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen und durch den Erwerb von Kenntnissen zu entwickeln und in seiner offensichtlichen Schwäche um Hilfe zu bitten oder zu beten. Seine Aufgabe besteht vielmehr darin, seinen Anlagen entsprechend zu handeln, tätig zu sein, in aktivem Dienst und in der Anbetung. Was den Menschen betrifft, so muss er, wenn er zur Welt kommt, alles lernen, und unkundig der Gesetze des Lebens vermag er seine Lebensumstände noch nicht einmal in zwanzig Jahren zur Gänze zu lernen und zu begreifen. Vielmehr muss er bis zum Ende seines Lebens lernen und vermag ferner - in einer so bescheidenen und schwachen Gestalt zur Welt gesandt - erst im Alter von ein, zwei Jahren sich auf die eigenen Füße zu stellen. Erst mit fünfzehn Jahren unterscheidet er Schaden und Nutzen. Und erst mit Hilfe der Gesellschaft erlangt er Vorteile und vermeidet Nachteile.

Das heißt, die natürliche Aufgabe des Menschen besteht darin, sich durch Lernen zu vervollkommnen, durch Gebet zu dienen und anzubeten. Nämlich: "Durch wessen Barmherzigkeit werde ich mit solcher Weisheit geleitet? Durch wessen Großmut werde ich mit solcher Güte erzogen? Wessen Wohlwollen ist es, durch das ich mit solch einem Feingefühl ernährt und versorgt werde?" Dies gilt es zu wissen, und der, welcher unter tausenden seiner Bedürfnisse nicht eines zu befriedigen vermag, sollte in der Sprache seiner Schwäche und Armut zu dem Herrn und Richter über seine Bedürfnisse zu flehen, zu Ihm bitten und beten, das heißt sich mit den Flügeln seiner Schwäche und Armut zu den höchsten Stufen des Dienens und der Anbetung emporschwingen.

Der Mensch ist in die Welt gekommen, um sich mit den Mitteln der Wissenschaft und des Gebetes zu vervollkommnen, entsprechend seinem Wesen und seinen Anlagen hängt alles von der Wissenschaft ab. Einer jeden wahren Wissenschaft Basis, Quelle, Licht und Geist ist die Erkenntnis Allahs und das Fundament dieser Basis ist der Glaube an Allah.

Da der Mensch in seiner grenzenlosen Schwäche grenzenlosen Plagen ausgesetzt und den Angriffen zahlloser Feinde ausgeliefert und bei seiner grenzenlosen Armut gleichzeitig in grenzenloser Not befangen ist und grenzenlose Wünsche zu befriedigen sucht, ist seine natürliche Hauptaufgabe nach dem Glauben das Gebet. Das Gebet ist aber die Grundlage von Dienst und Anbetung. Ein Kind, das einen Wunsch auf dem Herzen hat, den es nicht zu befriedigen vermag, sagt dies entweder oder weint, d.h. es äußert sich in der Sprache seiner Schwäche durch das Gebet seiner Handlungen oder in Worten. So verhilft es seinem Wunsch zum Erfolg. In gleicher Weise ist der Mensch unter allen Geschöpfen der Welt wie ein liebes, nettes und höfliches Kind. Entweder muss er vor dem Throne des Erbarmers, des Barmherzigen, in seiner Armseligkeit und Schwäche weinen, oder beten in seiner Armut und Not, damit ihm sein Wunsch erfüllt werde und er

sich für die Erfüllung dankbar erweise. Anderenfalls ist er wie ein dummes und unartiges Kind, das sich vor einer Fliege fürchtet und sagt: "Ich unterwerfe diese nicht zu unterwerfenden seltsamen Dinge, die tausendfach stärker sind, meiner Macht, mache sie mir nach meinen Vorstellungen und mit meiner Geschicklichkeit dienstbar." So verkehrt er in seiner Undankbarkeit die Grundnatur des Menschen ins Gegenteil und zieht sich selbst eine fürchterliche Strafe zu.

Fünfter Punkt:

Der Glaube erfordert das Gebet als unanfechtbares Fahrzeug, und die menschliche Natur verlangt es mit Macht. Auch erlässt Gott der Gerechte entsprechend der Frage die Verfügung: "Wenn ihr nicht betet, welchen Wert habt ihr dann noch?" und befiehlt:

قُلْ مَا يَعْبَؤُا بِكُمْ رَبِّى لَوْلاَ دُعَآؤُكُمْ

{"Sprich: Mein Herr würde sich nicht um dich kümmern, wäre es nicht um deines Gebetes willen." (Sure 25, 77)}

اُدْعُونِىٓ اَسْتَجِبْ لَكُم

{"Rufe mich an! Ich werde dir antworten." (Sure 40, 60)}

Wenn du sagst:

"Wir beten oft, aber unsere Gebete werden nicht angenommen. Die Ayah gilt jedoch allgemein und besagt, dass es für jedes Gebet eine Antwort gibt."

So lautet die Antwort:

Auf das Gebet zu antworten ist das eine, es anzunehmen das andere. Es gibt für jedes Gebet eine Antwort. Aber es anzunehmen und genau das Verlangte zu geben hängt von der Weisheit Gottes des Gerechten ab. Zum Beispiel: Ein krankes Kind ruft: "Herr Doktor, schauen Sie mal her!" Der Arzt: "Ja, bitte, was möchtest du?" Das Kind: "Geben Sie mir diese Medizin!" Der Arzt wird ihm entweder geben, was es verlangt hat, oder er wird ihm in diesem Falle etwas Besseres geben, oder er wird es ihm, wenn es zur Verschlimmerung der Krankheit führen würde, nicht geben. Darum beantwortet Gott der Gerechte, der vollkommene Allweise, der Allschauende,

immer Gegenwärtige, das Gebet Seiner Diener und Anbeter. Er verwandelt die Schrecken der Einöde und Menschenleere durch Seine stete Bereitschaft zu antworten in Vertrautheit. Aber Er gibt dem Menschen nicht, was dessen Lust und Laune gebietet, sondern so, wie es die Weisheit des Herrn erfordert: entweder, was er verlangt hat, oder etwas Besseres oder nichts.

Weiter ist das Gebet Dienst und Anbetung. Dienst und Anbetung aber trägt seine Frucht im Jenseits. Weltliche Gründe bestimmen die Zeit für eine Art des Gebetes und der Anbetung. Diese Gründe sind nicht dessen Ziel. Zum Beispiel: Das freie und das rituelle Gebet um den Regen ist eine Anbetung. Die Zeit der Dürre ist die Zeit dieser Anbetung. Andererseits sind Gebet und Anbetung nicht dazu da, den Regen herabzuziehen. Bestünde ihre Absicht allein darin, wäre das Gebet nicht rein und aufrichtig und verdiente es nicht, angenommen zu werden. So ist die Zeit des Sonnenunterganges die Zeit für das Abendgebet. So ist die Zeit der Sonnen- und Mondfinsternis bestimmt für zwei rituelle Gebete, "kusuf" und "husuf" genannt. Weil nämlich die Verfinsterungen des Tages- und Nachtgestirns auf eine Art die Größe Gottes sichtbar zu machen dienen, lädt Gott der Gerechte Seinen Diener zu dieser Zeit zu einer Art Anbetung ein. Andererseits dient das Gebet (namaz)nicht dazu, die Verfinsterung von Sonne und Mond aufzuheben, deren Beginn und Ende durch astronomische Berechnungen ermittelt werden kann. Das gleiche gilt auch während einer Dürreperiode für das Gebet um Regen.

Während eines Unglückszustandes oder drohender Gefahr ist die Zeit für einige besondere Gebete, weil der Mensch zu dieser Zeit seine Schwäche begreift und in Gebet und Fürbitte zum Throne des Grenzenlos-Allmächtigen Zuflucht nimmt. Wenn trotz aller Gebete ein Unglückszustand nicht enden will, darf man nicht sagen: "Das Gebet wurde nicht erhört." Vielmehr muss man sagen: "Die Zeit zu beten ist noch nicht vorüber." Wenn Gott der Gerechte in Seiner Gnade und Freigiebigkeit einen

Unglückszustand beendet, Licht über Licht... dann ist die Zeit für das Gebet zum Ende gekommen, vorübergegangen. So ist das Gebet ein Geheimnis des Dienstes und der Anbetung.

Dienst und Anbetung dient aber allein dazu, "das Antlitz Allahs" zu schauen. Man muss vor Ihm allein seine Schwäche offen legen, zu Ihm allein seine Zuflucht nehmen. An Seiner Herrschaft soll der Mensch keinen Anteil zu nehmen versuchen. Ihm soll er die Vorsorge überlassen. Seiner Weisheit soll er vertrauen. An Seiner Barmherzigkeit darf er nicht zweifeln. Ja, es steht in der Tat durch die Klarlegung der "klaren Zeichen" fest: Von allen Wesen preist Ihn jedes in seiner Art, betet zu Ihm jedes auf seine Weise, hat jedes seine Form, sich vor Ihm niederzuwerfen; so ist alles, was von der ganzen Welt zum Throne Gottes aufsteigt, ein Gebet. Dies geschieht entweder als Ausdruck der Entwicklungsfähigkeit - wie die Gebete aller Pflanzen und Tiere, die - jede für sich - aus der grenzenlosen Fülle (Gottes) eine Gestalt erheischen, um als ein Ausdruck der Namen (Gottes) geoffenbart zu werden - oder in der Sprache der naturgegebenen Bedürfnisse [Die Gebete aller Lebewesen in ihren zwingenden Bedürfnissen, die zu befriedigen nicht in ihrer Macht steht, die - jedes für sich - in der Sprache ihrer naturgegebenen Bedürfnisse von der grenzenlosen Freigiebigkeit (Gottes) zur Erhaltung ihres Lebens etwas zu ihrer Versorgung erheischen] oder als Ausdruck einer Notlage. (Jedes beseelte Wesen betet in einer Notlage inständig und nimmt zu seinem unsichtbaren Schutzherrn Zuflucht... vielmehr wendet es sein Antlitz dem Herrn der Barmherzigkeit zu.) Diese drei Arten des Gebetes werden immer angenommen, wenn kein Hindernis dazwischen liegt.

Die vierte Art ist die bekannteste: unser Gebet. Es gibt zwei Arten. Die erste durch Tat und Verhalten, die zweite mit Herz und Mund. Zum Beispiel: Wenn man von den Ursachen ausgeht, ist es ein Gebet der Tat. Es genügt nicht, wenn bestimmte Umstände zusammentreffen, um das Ergebnis hervorzubringen; es handelt sich vielmehr darum,

jene Haltung einzunehmen, mit der Gott der Gerechte zufrieden ist, wenn man in der Sprache des Verhaltens ein Ergebnis wünscht. Zu pflügen bedeutet also, an die Pforte der Schatzkammer der Barmherzigkeit zu klopfen. Diese Art, durch die Tat zu beten, erreicht meistens ihre Annahme, weil sie sich an Name und Attribut des Grenzenlos- Freigiebigen (Gottes) richtet. Die zweite Art zu beten ist mit Herz und Mund; darum zu bitten, etwas zu erlangen, was die Hände nicht erreichen können. Davon ist der bedeutendste Gesichtspunkt, das schönste Ziel und die süßeste Frucht diese: "Ein Mensch, der betet, begreift, dass es jemanden gibt, der zu erlauschen vermag, was sein Herz bewegt, dessen Hand alles erreichen kann, der jeden seiner Wünsche zu erfüllen weiß... der Mitleid mit der Schwäche hat, ihm in seiner Armseligkeit zu Hilfe kommt."

Nun also, oh du schwacher Mensch! Du armseliges Geschöpf! Lass nicht deinen Händen entgleiten, was - wie das Gebet - der Schlüssel ist zur Schatzkammer der Barmherzigkeit und ein Angelpunkt grenzenloser Kraft. Ergreife ihn, steige auf zur höchsten Höhe der Menschlichkeit; wie ein König nimm die Gebete der ganzen Welt auf in dein eigenes Gebet. Sage wie ein universeller Diener, wie ein Generalvertreter:

اِيَّاكَ نَسْتَعِينُ

{"Dich allein bitten wir um Hilfe." (Sure 1, 4)}

Sei ein schönes Beispiel für die ganze Welt!

Zweites Kapitel

Hier werden fünf Anmerkungen behandelt über das Glück und Unglück des Menschen.

Als Allah den Menschen erschuf, verlieh Er ihm den höchsten Rang und Wert und gab ihm eine recht umfangreiche Veranlagung mit. Darum ist er in eine Stätte der Prüfung geworfen, wo er vom Geringsten aller Geringen zum Höchsten aller Hohen, von der Erde bis zum Himmel, von dem Atom bis zur Sonne der Reihe nach die Ränge und Stufen empor zu klimmen oder hinunterzustürzen vermag. Wie ein Wunder der Allmacht, als endgültiges Ergebnis der Schöpfung und ein Meisterwerk in diese Welt gesandt, öffnen sich vor ihm die beiden Wege, die zu grenzenloser Erniedrigung oder Erhöhung führen. Wir wollen nun das Geheimnis dieses erstaunlichen Fortschritts und Rückschritt des Menschen in "fünf Anmerkungen" erklären.

Erste Anmerkung:

Der Mensch ist auf die meisten Arten der Schöpfung angewiesen und steht in einer Beziehung zu ihnen. Seine Bedürfnisse erstrecken sich bis an aller Welt Enden, und seine Sehnsüchte reichen bis in die Ewigkeit. So wie er sich eine Blume wünscht, so wünscht er sich auch einen weltweiten Frühling. Und so wie er nach einem Garten verlangt, so verlangt er auch nach dem Paradies. So wie er sich danach sehnt, einem Freund zu begegnen, so sehnt er sich auch danach, der Schönheit und Größe (Gottes) zu begegnen. So wie der, welcher seine Geliebte in einer anderen Wohnung besuchen will, die Türe dieser Wohnung öffnen muss, so muss er, um seine Freunde zu besuchen, von denen neunundneunzig Prozent ins Zwischenreich übergesiedelt sind, um sich vor ewiger Trennung zu retten, seine Zuflucht nehmen zum Throne der unendlichen Allmacht (Gottes), welche die Pforte zur ungeheuren Welt schließt und das Tor zum Jenseits, das ein wundervoller Versammlungsort ist, öffnet, welche diese Welt aufheben und statt ihrer das Jenseits

begründen und erbauen wird. Wer nun einem Menschen in solcher Lage der in Wahrheit Angebetete sein kann - und das kann nur der Eine Allmächtige und Allgewaltige (Gott), der Eine, die Barmherzigkeit und Schönheit (Gottes), der Eine, die vollkommene Weisheit (Gottes) sein - der hält die Zügel aller Dinge in Seinen Händen, besitzt alle Schätze und den Blick für alle Dinge, ist an jedem Ort anwesend und von keinem Ort abhängig, von Fehlern und Schwächen frei und heilig, erhaben über allen Mangel. Denn nur der vermag die grenzenlosen Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen, der grenzenlose Macht und umfassendes Wissen besitzt. So ist also nur Er allein der Anbetung würdig.

Nun denn, oh Mensch! Wenn du nur Ihn allein anbetest und Ihm allein dienst, wirst du einen Rang über allen Geschöpfen erwerben. Wenn du von dem Dienst und der Verehrung Abstand nimmst, wirst du ein verachtenswerter Sklave von schwachen Geschöpfen sein. Wenn du auf dich selbst und deine Fähigkeiten stolz bist, es aufgibst, auf Gott zu vertrauen und zu beten, dich in Stolz und Anmaßung verirrst, sinkst du auf eine Stufe unterhalb der Bienen und Ameisen in ihrer Nützlichkeit und Genialität, bist du schwächer als Spinnen und Fliegen. Hinsichtlich deiner bösen und unheilvollen Taten wirst du schwerer wiegen als ein Berg und schlimmer sein als eine Seuche.

Ja, oh Mensch! In dir sind zwei Grundzüge: der eine Grundzug ist Genialität, wahres Sein, Wohltätigkeit, Lebensbejahung, Handlungsfähigkeit. Der andere Grundzug ist Unheil, Verneinung, Übel, Lebensverneinung, Passivität. Hinsichtlich des ersten Grundzuges stehst du noch unter Biene und Sperling, bist du schwächer als Spinne und Fliege. Hinsichtlich des zweiten Grundzuges übertriffst du den Berg, die Erde, die Himmel. Du trägst eine Last, vor der sie den Mut verlieren, ihre Schwäche zeigen. Du wirkst in einem weiteren und größeren Bereich als sie. Denn wenn du tust, was gut und genial ist, kannst du nur innerhalb deiner Schwingungsweite und soweit deine

Hand reicht, deine Kraft es vermag, genial und gut sein. Wenn du aber Übel und Unheil anrichtest, werden das Übel und das Unheil sich wie eine Seuche ausbreiten.

Zum Beispiel: Unglaube ist ein Übel, ein Unheil, eine Verneinung. Aber diese eine einzige Schuld beinhaltet eine Beleidigung der ganzen Schöpfung, eine Geringschätzung aller Gottesnamen, eine Entwürdigung der ganzen Menschheit. Denn alles Geschaffene hat einen hohen Rang und eine wichtige Aufgabe. Denn es ist ein Brief des Herrn, ein Spiegel des Hochgelobten, beauftragt von Gott. Was aber den Unglauben betrifft, so bewirkt er, dass all dies seinen Rang der Spiegelgleichheit, des Auftrags und der Bedeutsamkeit verliert und dann die Stufenleiter der Sinnlosigkeit, zu einem Spielzeug des Zufalls und mit dem Unheil des Untergangs und der Trennung auf die Stufe der vergänglichen Dinge herabsinkt, die rasch zugrunde gehen und zerfallen, der Bedeutungslosigkeit, der Wertlosigkeit, der Nichtigkeit. Desgleichen schätzt er die Gottesnamen gering, deren Ornamente, Anmut und Schönheit in der gesamten Schöpfung und im Spiegelbild des Geschaffenen erscheinen, indem er sie leugnet. Und er wirft den Menschen, der den Rang eines Kalifen der Erde bekleidet - eine Kasside (Lobgesang) der Weisheit in Versen, welche die Erscheinung aller Gottesnamen wundervoll aufzeigt, ein Wunder der ozeangleichen Macht (Gottes), einem Samenkorn gleich, das die Anlage zu einem immerwährenden Baum in sich trägt - und der, weil er so große Verantwortung für das ihm anvertraute Gut übernimmt, über Himmel, Erde und Berge erhöht wird und dadurch einen Vorzug vor den Engeln erwirbt, auf eine Stufe herab, noch niedriger, schwächer, kraftloser und armseliger als ein niederes, vergängliches und verlorenes Tier. Und er lässt ihn auf die Stufe einer gewöhnlichen Tafel herabsinken, bedeckt mit Bedeutungslosem, Hingekritzeltem, Leicht-Vergänglichem.

Zusammenfassung:

Die eigenwillige Seele kann in ihrer übelwollenden, unheilvollen Art zahllose Verbrechen begehen,

aber ihre Fähigkeit, genial und gut zu sein, ist sehr schwach und unbedeutend. Ja, sie vermag ein Haus an einem Tag zu zerstören, aber nicht in hundert Tagen zu bauen. Wenn sie jedoch ihren Egoismus aufgibt, von Gott die Führung zum Guten und zum wahren Sein erbittet, sich von Übel, Unheil und Selbstüberhebung abwendet, um Vergebung bittet, ein vollkommener Diener und Verehrer (Gottes) wird, dann erlangt sie das Geheimnis:

يُبَدِّلُ اللهُ سَيِّاٰتِهِمْ حَسَنَاتٍ

{"Allah wird seine Schuld in Gutes verwandeln." (Sure 25, 70)}

Ihre grenzenlose Fähigkeit zum Schlechten wandelt sich in eine grenzenlose Fähigkeit zum Guten. Sie nimmt den Wert eines "Ahsen-i Taqvim"(Schönsten in der Schöpfung) an und steigt zur höchsten Höhe auf.

Nun denn, oh du unbedachter Mensch! Betrachte die Fülle und die Freigiebigkeit Gottes des Gerechten! Obwohl es billig und gerecht wäre, für eine einzige Schuld tausend zu schreiben und für eine gute Tat eine oder gar nichts zu schreiben, schreibt Er für eine Schuld nur eine, für eine gute Tat dagegen zehn, manchmal siebzig, manchmal siebenhundert, manchmal siebentausend. Ziehe also aus dieser Anmerkung den Schluss, dass in die furchtbare Hölle zu kommen billig und gerecht, der Lohn deiner Taten ist, ins Paradies einzugehen aber lautere Freigiebigkeit.

Zweite Anmerkung:

Der Mensch hat zwei Gesichter. Das eine betrifft sein Ego und ist dem weltlichen Leben zugewandt. Das andere betrifft den Dienst und die Anbetung und blickt auf das Ewige Leben. Hinsichtlich des ersten Gesichtes ist er ein so hilfloses Geschöpf, dass sein Grundkapital nur ein bedeutungslos schwacher Wille - ein Wille, dünn wie ein Haar - ein geringes Vermögen Macht, eine schnell verlöschende Flamme Vitalität, eine schnell vergehende Spanne Leben und ein rasch verfallendes Stückchen Dasein ist. Zugleich befindet er sich in diesem Zustand als ein empfindliches und schwaches Exemplar

unter ungezählten anderen Exemplaren innerhalb der unendlich großen Familie, die über alle Schichten der ganzen Welt verstreut ist.

Hinsichtlich des zweiten Gesichtes und besonders, was seine Schwäche und Armseligkeit betrifft, die auf Dienst und Anbetung ausgerichtet ist, verfügt er über eine besonders große Schwingungsweite. Und er besitzt eine besonders große Bedeutung. Denn: Der weise Schöpfer hat den Menschen in der Geistigkeit seines So-Seins mit einer unendlich großen Schwäche und einer grenzenlos weiten Armseligkeit ausgestattet. So sei er wie ein universeller Spiegel des Barmherzigen in Seiner grenzenlosen Macht und des Herrn allen Reichtums und aller Freigiebigkeit in Seinem grenzenlosen Reichtum, ein universeller Spiegel, der die zahllosen Erscheinungen des Allmächtigen sammelt. Ja, der Mensch ähnelt einem Samenkorn. Gleich ihm sind dem Samenkorn von der Macht (Gottes) bedeutende geistige Anlagen und von der Bestimmung (Gottes) ein fein abgestimmtes und kostbares Programm mitgegeben worden. So soll es unter der Erde arbeiten, aus dieser engen Welt emporwachsen, in die weite, luftige Welt hineinwachsen und von seinem Schöpfer in seiner Fähigkeit unausgesprochen erbitten, ein Baum zu werden, jene Vollkommenheit zu erreichen, die ihm gebührt. Wenn dieses Korn aufgrund seiner schlechten Anlage die ihm gegebenen innerlichen Funktionen dazu missbraucht, einige unter der Erde liegende Giftstoffe an sich zu ziehen, wird es nach kurzer Zeit an diesem engen Orte fruchtlos vergehen und verderben. Wenn dieses Korn seinen innerlichen Funktionen, gemäß dem Befehl (Gottes)

فَالِقُ الْحَبِّ وَالنَّوَىٰ

{"Er lässt das Weizenkorn und den Dattelkern keimen." (Sure 6, 95)}

entspricht und sie richtig anwendet, wird es aus dieser engen Welt emporwachsen, ein großer, fruchtbarer Baum werden, und sein kleines Stückchen Wahrheit, sein geistiges

Antlitz, wird die Gestalt einer großen und ganzen Wahrheit annehmen.

In gleicher Weise sind nun auch den menschlichen Wesen von der Macht (Gottes) wichtige Funktionen und von der Bestimmung (Gottes) ein kostbares Programm anvertraut worden. Wenn der Mensch auf dieser engen irdischen Welt, gleichsam wie unter der Erde des diesseitigen Lebens, seine geistigen Anlagen nach seinen egoistischen Launen missbraucht, wird er - gleich wie das verdorbene Korn - nach einem kurzen Leben für einen bedeutungslosen Genuss an einem engen Ort unter mühevollen Umständen vergehen und verderben. Nachdem er moralische Schuld auf seine unglückliche Seele geladen hat, wird er von der diesseitigen Welt Abschied nehmend heimkehren.

Wenn er dieses Korn der Begabung mit dem Wasser des Islam und dem Lichte des Glaubens in der Erde des Dienstes und der Anbetung aufzieht, seine geistigen Anlagen im Gehorsam gegenüber dem Auftrag des Qur'an auf die wahren Ziele ausrichtet, wird er ein Korn sein, das die Anlagen zu einem ewigen Baum und einer immerwährenden Wirklichkeit in sich trägt sowie dazu, unendliche Gnade und Vollkommenheit im Paradies zu erlangen und ein hervorragendes Werkzeug und eine gesegnete und erleuchtete Frucht am Baume der Welt zu werden.

Ja, der Fortschritt besteht in Wirklichkeit darin, das Gesicht der dem Menschen verliehenen Sinne wie Herz, meditative Wahrnehmung, Geist, Verstand, ja sogar Traumvorstellung und andere dem Ewigen Leben zuzuwenden, damit jeder von ihnen mit der ihm eigenen Aufgabe des Dienstes und der Anbetung betraut werde. Andererseits, was diejenigen, die sich im Irrtum befinden, als ihren Fortschritt ansehen, nämlich: sich in alle Verästelungen des irdischen Lebens zu verstricken, jede Art von Vergnügungen, bis hin zu den größten Ausschweifungen, zu genießen und dabei alle feineren Empfindungen, Herz und Verstand als Gehilfen ihrer selbstsüchtigen Seele in den

Dienst zu nehmen, ist nicht Fortschritt, sondern Rükkschritt. Diese Wahrheit habe ich in einer geistigen Schau unter folgendem Gleichnis beobachtet:

Ich kam in eine Großstadt. Ich sah, dass es in dieser Stadt große Schlösser gab. Ich betrachtete die Tore mancher Schlösser. Ein Fest wie eine glanzvolle Theatervorstellung lenkte die Aufmerksamkeit auf sich. Es war eine große Vergnügung und alle amüsierte sich. Ich wurde darauf aufmerksam, dass der Schlossherr ans Tor gekommen war, mit einem Hund spielte und sich an dessen Spiel beteiligte. Die Damen plauderten charmant mit einfachen jungen Leuten. Die Töchter des Hauses aber leiteten die Spiele der Kinder. Und der Pförtner tat wie ein Schauspieler, der sie alle kommandierte. Da sah ich, dass das Innere dieses riesigen Schlosses gähnend leer war. Alle bedeutsamen Aufgaben waren vernachlässigt worden. Die Moral der Leute war so verfallen, dass sich vor der Pforte dieses Bild ergab. Dann ging ich weiter, traf ein anderes großes Schloss. Ich sah, dass sich vor dem Tor ein treuer Hund ausgestreckt hatte. Es gab dort einen ernsten, rauhen, verschlossenen Pförtner. Die Lage war ruhig. Ich wurde neugierig. Warum ist dies so? Jenes so? Ich trat ein. Ich sah, dass es innen sehr festlich war.

Die Bewohner des Schlosses in den verschiedenen Stockwerken waren mit verschiedenen bedeutsamen Aufgaben beschäftigt. Die Männer im ersten Geschoss verwalteten das Schloss und trafen ihre Anordnungen. Ein Stockwerk höher wurden die Knaben und Mädchen unterrichtet. Darüber beschäftigten sich die Frauen mit allen schönen Künsten und Handfertigkeiten. Ganz oben sah ich, wie des Schlosses Herr mit dem König Verkehr pflegte und sich mit persönlichen wie erhabenen Aufgaben beschäftigte, um die Ruhe des Volkes zu sichern und seine eigene Entwicklung und Vervollkommnung zu fördern. Weil sie mich nicht sehen konnten, verbot mir niemand die Besichtigung. Dann ging ich hinaus und sah mich um. Überall in der Stadt gab es diese zwei Arten von Schlössern.

Als ich danach fragte, sagte man mir: "Die Schlösser, deren Tore festlich und deren Inneres leer ist, gehören den Vorstehern der Ungläubigen und denen, die sich im Irrtum befinden. Die anderen den aufrichtigen Großen unter den Muslimen." Dann fand ich in einer Ecke noch ein Schloss. Ich erblickte darüber den Namen "Said". Ich wurde neugierig. Als ich es genauer in Augenschein nahm, schien es mir, als erblickte ich meine Gestalt darauf. Ich war so überrascht, dass ich aufschrie, meine Sinne wiederfand und erwachte. Ich werde nun diese geistige Schau ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein!

Was also diese Stadt betrifft, so bedeutet sie das gesellschaftliche Zusammenleben der Menschen und den Ort ihrer Zivilisation. Jedes einzelne dieser Schlösser ist ein Mensch. Die Schlossbewohner aber sind die Sinne des Menschen wie Auge, Ohr, Herz meditative Wahrnehmung, Geist und Verstand und Erscheinungen wie Lust, Laune, Liebe und Zorn. In jedem Menschen hat jede Empfindung eine andere Aufgabe, zu dienen und anzubeten. Jede hat ihre eigene Lust und ihren Schmerz. Lust, Liebe, Laune und Zorn sind wie der Pförtner und sein Hund. So heißt denn diese hohen Empfindungen der Lust und Laune unterwerfen und ihre eigentlichen Aufgaben in Vergessenheit geraten lassen sicherlich Rückschritt und nicht Fortschritt. Die anderen Aspekte kann man sich selber ausdeuten.

Dritte Anmerkung:

Hinsichtlich seiner Handlungen, Taten und körperlichen Leistungen ist der Mensch nicht mehr als ein schwaches Tier und ein hilfloses Geschöpf. Hinsichtlich dessen, was er besitzt und worüber er verfügen kann, ist sein Rahmen so eng gesteckt, dass er ihn mit einer Hand zu umspannen vermag. Und sogar bei den Haustieren, die sich der Mensch gezähmt hat und von denen ein jedes seinen Anteil an der Schwäche, Hilflosigkeit und Faulheit des Menschen erhalten hat, bemerken wir im Vergleich mit den ihnen entsprechenden wild lebenden Tieren einen gewaltigen Unterschied (z.B. Ziegen und Ochsen, die als Haustiere oder in freier Wildbahn leben).

Aber der Mensch ist als ein ehrenwerter Pilger in der Herberge dieser Welt in einer solchen Lage, dass er bitten, fragen und annehmen muss, ohne selbst etwas dazu beitragen zu können. So wurde er ein Gast des Freigiebigen (Gottes), der ihm Seine Schatzkammer unendlichen Erbarmens geöffnet hat. Und Er hat ihm zahllose einzigartige Geschöpfe als seine Diener zur Verfügung gestellt. Und Er hat diesem Gast zu seiner Erholung, zu seinem Vergnügen und zu seinem Nutzen einen so großen Lebensraum geschaffen und bereitgestellt, einen Kreis, der sich vom Zentrum bis zur Peripherie erstreckt, so weit das Auge reicht, ja darüber hinaus so weit und breit, wie er es sich nur zu erträumen vermag.

Wenn also der Mensch auf sein Ego vertraut, nur im weltlichen Leben sein Ideal sieht, sich nur um seinen Unterhalt sorgt und nur für einige vergängliche Vergnügungen arbeitet, wird er in einem sehr engen Lebenskreis untergehen. Alle ihm verliehenen Anlagen, Sinne und Fähigkeiten werden ihn vor der Versammlung (am Tage des Gerichtes) anklagen und als Zeugen gegen ihn auftreten. Sie werden seine (Prozess)gegner sein. Wenn er sich aber als ein Gast weiß, als Gast des freigiebigen Herrn, im erlaubten Rahmen das Kapital seines Lebens ausgibt, arbeitet er innerhalb eines so weiten Rahmens gut für ein langes ewiges Leben. Dort kann er aufatmen und sich ausruhen. Und sodann bis zu den höchsten Höhen aufsteigen.

Und auch alle ihm verliehenen Anlagen und Fähigkeiten werden mit ihm zufrieden im Jenseits seine Zeugen sein. Ja alle dem Menschen verliehenen außerordentlichen Anlagen sind ihm nicht für dieses wertlose diesseitige Leben, sondern für ein sehr wertvolles bleibendes Leben verliehen worden. Denn wenn wir den Menschen mit dem Tier vergleichen, sehen wir, dass der Mensch hinsichtlich seiner Anlagen und Fähigkeiten sehr reich ist. Hundertfach reicher als das Tier. Genießt er das diesseitige animalische Leben, fällt er hundertfach tiefer; denn jeder Genuss,

den er durchlebt, trägt die Spur tausender Schmerzen. Der Schmerz gegenüber der Vergangenheit, die Angst vor der Zukunft und auch der Schmerz nach jedem Genuss, nimmt ihm den Reiz, hinterlässt eine Spur in seinem Genuss. Nicht so das Tier! Es genießt ohne Schmerz, noch beängstigt es die Angst vor der Zukunft. Es lebt und schläft in Ruhe, dankt seinem Schöpfer.

Das heißt also, dass der Mensch, der als ein Musterbeispiel der Schöpfung erschaffen wurde, noch hundertfach unter ein Tier wie den Sperling herabsinkt, obwohl er doch von seiner Substanz her dem Tier hundertfach überlegen wäre, wenn er sich in seinem Denken auf das rein Irdische beschränkt. Ich hatte diesen Tatbestand bereits weiter oben in einem Gleichnis erklärt. Ich möchte in diesem Zusammenhang dieses Gleichnis noch einmal anführen. Es war dies wie folgt:

Ein Herr gibt seinem Diener zehn Goldstücke und befielt ihm: "Lassen Sie sich einen Anzug aus einem Stoff von guter Qualität schneidern!" Einem zweiten gibt er tausend Goldstücke, steckt ihm einen Zettel in die Tasche, auf dem verschiedene Dinge aufgeschrieben stehen und schickt ihn zum Basar. Der erste Diener kauft für zehn Goldstücke einen vollendeten Anzug aus bestem Stoff. Der zweite Diener in seiner Verrücktheit schaut dem ersten Diener hinterdrein, gibt einem Kaufmann die tausend Goldstück und verlangt, ohne den Zettel zu lesen, der in seiner Tasche steckt, einen Anzug. Aber der gewissenlose Kaufmann gibt ihm einen Anzug aus einem alten, schäbigen Stoff. Der unglückselige Diener tritt vor seinen Herrn hin. Er wird zornig zur Rede gestellt und streng bestraft.

Wer also ein bisschen Verstand besitzt, begreift, dass dem zweiten Diener die tausend Goldstücke nicht gegeben wurden, um damit einen Anzug zu kaufen, sondern um damit ein bedeutendes Geschäft abzuschließen.

Desgleichen gilt: Der Mensch verfügt über geistige Anlagen und menschliche Sinne, deren jeder im Vergleich mit

einem Tier hundertfach weiter ausgebildet ist. Wozu gebraucht der Mensch seine Anlagen und Fähigkeiten, wie z.B. das Auge, welches alle Schattierungen der Schönheit zu unterscheiden vermag, oder die Geschmacksempfindungen seiner Zunge, welche alle die verschiedenen Geschmacksrichtungen einer Mahlzeit gesondert wahrzunehmen vermag, oder den Verstand, welcher in alle Feinheiten der Wahrheit eindringt, oder das Herz, welches sich nach jeder Art Vollkommenheit sehnt? Wozu gebraucht das Tier seine weit weniger, vielleicht nur ein, zwei Stufen entwickelten Fähigkeiten? Der Unterschied besteht nur darin, dass das Tier eine Fähigkeit für seinen eigenen Gebrauch besonders entwickelt hat. Doch diese Entwicklun ist für es eine spezifische.

Der Reichtum des Menschen an Fähigkeiten erhellt aus folgendem Geheimnis:

Die Sinne und Empfindungen des Menschen wurden durch seinen Verstand und seine Vorstellungskraft weit entwickelt und ihr Bereich ausgedehnt. In seiner Notlage entstanden ihm zahlreiche verschiedene Empfindungen. Und seine Empfindsamkeit hat sich in verschiedenster Hinsicht entfaltet. Die Zusammengesetztheit seiner Natur hat dazu beigetragen, seine Wünsche auf sehr viele Ziele zu richten. Und weil er sehr viele natürliche Aufgaben vorfand, haben sich seine Anlagen und Fähigkeiten gewaltig ausgebildet. Und weil er seiner Natur nach zu jeder Art Anbetung geschaffen war, wurde ihm jene Fähigkeit verliehen, welche den Samen zu jeglicher Vollkommenheit in sich enthält. Doch wurde ihm ein so großes Kapital und ein solcher Reichtum an Fähigkeiten sicherlich nicht dazu verliehen, um lediglich dieses bedeutungslose, vergängliche irdische Leben kennen zu lernen. Vielmehr besteht die Grundaufgabe des Menschen darin, seine auf zahllose verschiedene Ziele gerichteten Verpflichtungen wahrzunehmen, seine Schwäche, Armseligkeit und Fehlerhaftigkeit in Dienst und Anbetung zum Ausdruck zu bringen, in seiner Weitsichtigkeit den Lobpreis allen Seins zu betrachten

und zu bezeugen, in allen Gaben die Hilfe der Barmherzigkeit (Gottes) zu erkennen, dafür zu danken, die Wunder der Allmacht des Herrn in Seinen Werken zu schauen und aus diesem Anblick die Lehre zu ziehen und darüber nachzudenken.

Oh du unbedachter Mensch, der du die Welt anbetest, das irdische Leben liebst und das Geheimnis um deinen Rang und Wert in Seiner Schöpfung vernachlässigst! "Der alte Said" hat die Wirklichkeit dieses Lebens in einer geistigen Schau gesehen. Höre das Gleichnis der Schau, das ihn in einen "neuen Said" verwandelt hat:

Ich schaute: Ich bin ein Reisender. Ich gehe einen langen Weg, d.h. ich bin ihn gesandt. Seine Exzellenz hatte mir von den für mich bestimmten sechzig Goldstücken von Zeit zu Zeit eine kleine Summe Geldes zur Verfügung gestellt. Während ich noch davon lebte, gelangte ich zu einer Herberge. Es war eine Vergnügungsstätte, in der ich während einer Nacht zehn Goldstücke zum einen für Spiel und Spaß verschwendete, zum anderen, um mir damit einen Namen zu machen. Am Morgen hatte ich kein Geld mehr in meiner Hand. Ein Geschäft hatte ich nicht abgeschlossen. Ich hatte nichts erworben, was ich am Ziel meiner Reise hätte verwenden können. Von dem Geld, für das ich mir Schmerzen, Sünden und Vergnügungen erworben hatte, blieben mir nur Wunden, blaue Flecken und Kummer übrig. Plötzlich, während ich mich noch in diesem traurigen Zustand befand, tauchte ein Mann vor mir auf. Er sagte zu mir: "Du hast dein ganzes Vermögen verloren. Schläge hättest du verdient. Bankrott wirst du ans Ziel gelangen! Du gehst mit leeren Händen. Aber wenn du Verstand hast, steht dir die Tür zur Verzeihung offen. Bewahre dir von den fünfzehn Goldstücken, die du noch bekommst, jedes Mal nach Erhalt die Hälfte als Rücklage auf. Kaufe dir davon einige Dinge, die du benötigen wirst, wenn du am Ziel bist." Ich sah, dass meine Seele nicht damit einverstanden war. "Ein Drittel", sagte er. Auch dem leistete meine Seele nicht Folge. Danach sagte er: "Ein Viertel!"

Ich sah, dass meine Seele ihre liebgewordene Gewohnheit nicht aufgeben wollte. Da wandte sich der Mann ärgerlich ab und ging.

Plötzlich änderte sich die Szene. Ich erblickte mich in einem Zug, der mit Fallgeschwindigkeit durch einen Tunnel raste. Ich befand mich in Panikstimmung. Es gab keinen Ausweg. Man konnte nirgendwohin fliehen. Das Seltsame aber war, dass sich zu beiden Seiten des Zuges zauberhaft schöne Blumen und wohlschmeckende Früchte zeigten. Ich sah sie an wie ein unerfahrener Rekrut und strekkte meine Hand nach ihnen aus. Ich versuchte, die Blumen zu pflücken, griff nach den Früchten. Aber die Blumen und Früchte waren mit Disteln und Dornen bedeckt und stachen mir die Hände blutig, wenn ich sie berühren wollte. Der Zug entriss sie mir im Vorbeifahren, und sie zerschnitten mir die Hände. Es kam mir sehr teuer zu stehen. Plötzlich sagte ein Bahnarbeiter zu mir: "Gib mir fünf Kurush! Du kriegst so viele Blumen und Früchte, wie du willst. Du wirst dir mit deinen zerschnittenen Händen statt für fünf Kurush für hundert Kurush Schaden antun. Außerdem bekommst du noch eine Strafe. Du darfst sie nicht ohne Erlaubnis pflücken." In meiner Bedrängnis streckte ich den Kopf hinaus und blickte nach vorne, um zu sehen, wann der Tunnel zu Ende sei. Aber an Stelle der Tunnelausfahrt erblickte ich viele Löcher. Leute wurden aus dem langen Zug in diese Löcher hineingeworfen. Ich sah ein Loch vor mir. Zu seinen beiden Seiten waren ein Paar Grabtafeln aufgestellt. Ich schaute neugierig hin. Ich sah, dass darauf mit großen Buchstaben der Name "SAID" geschrieben stand. "Ach", seufzte ich traurig und betroffen. Plötzlich hörte ich die Stimme des Herrn, der mir vor der Tür jener Herberge einen Rat erteilt hatte, sagen: "Bist du nun zu Verstand gekommen?"

"Ja", sagte ich, "Aber ich habe keine Kraft mehr. Es gibt keinen Ausweg."

"Bitte um Verzeihung", sagte er, "und vertraue (dich Gott an)!"

"Das habe ich bereits getan."

Ich erwachte... Da war "der alte Said" verschwunden. Ich fand mich als "neuer Said" wieder.

Ich werde von dieser geistigen Schau ein, zwei Teile ausdeuten. Möge es Allah wohlgefällig sein. Die übrigen Aspekte mag man selber deuten.

Was die Reise betrifft, so ist sie eine Reise, die aus der Welt der Seele, dem Schoß der Mutter, durch Jugend und Alter, Grab und Zwischenreich, Auferstehung und Brück in die Ewigkeit führt. Was aber die sechzig Goldstücke betrifft, so bedeuten sie die sechzig Jahre Lebenszeit. Als ich dieses Gesicht schaute, war ich schätzungsweise fünfundvierzig Jahre alt. Ein Zeugnis darüber habe ich nicht. Aber die verbliebenen fünfzehn Jahre für die Ewigkeit zu wirken, dazu hat mir ein aufrichtiger Schüler des weisen Qur'an Anleitung gegeben. Die Herberge ist für mich wohl Istanbul. Der Zug aber ist die Zeit. Jedes einzelne Jahr ist ein Wagen. Der Tunnel ist das irdische Leben. Die dornigen Blumen und Früchte sind die verbotenen Genüsse. Die verbotenen Vergnügungen bereiten bei der Vorstellung ihres Endes Schmerzen, während man sich ihnen hingibt, und lassen das Herz bluten, zerreißen es, wenn man Abschied nehmen muss. Zudem folgt ihnen die Strafe. Der Bahnarbeiter hatte gesagt: "Gib fünf Kurush. Dafür gebe ich dir soviel wie du willst." Die Bedeutung dessen ist: Was man durch legale Arbeit im erlaubten Rahmen an Genuss und Vergnügen erhält, genügt für das Wohlbefinden. Es ist nicht notwendig, etwas Unerlaubtes zu tun. Die übrigen Teile kann man sich selber ausdeuten.

Vierte Anmerkung:

Der Mensch gleicht in dieser ganzen Welt einem zarten und zierlichen Kindlein. Dabei besitzt er in seiner Schwäche eine große Kraft und in seiner Hilflosigkeit eine große Macht. Denn es ist die Kraft in seiner Schwäche und die Macht in seiner Hilflosigkeit, die ihm alles Sein dienstbar macht. Wenn der Mensch seine Schwäche begreift, mit seinen Worten, Taten und durch

sein Verhalten betet und im Bewusstsein seiner Hilflosigkeit um Hilfe bittet, erweist er zur rechten Zeit seine Dankbarkeit für diesen Dienst und erlangt zu gleicher Zeit die Erfüllung seiner Wünsche; seine Ziele werden ihm erreichbar; und das alles in einer Weise, wie er es aus eigener Kraft nicht zu einem Hundertstel vermocht hätte. Aber manchmal schreibt er fälschlicherweise die Erfüllung eines Wunsches nach einem Gebet der Tat seiner eigenen Kraft zu. So lässt zum Beispiel die Stärke in der Schwäche eines Kükens eine Henne einen Löwen angreifen, und ein gerade zur Welt gekommenes Löwenjunges macht diesen reißenden, hungrigen Löwen sich selbst dienstbar und lässt ihn hungern, um selbst satt zu werden. Ist diese Stärke in der Schwäche nicht bemerkenswert und das Aufscheinen der Barmherzigkeit (Gottes) nicht einer Betrachtung wert?...

In gleicher Weise, wie ein verwöhntes Kind seinen Wünschen mit Weinen oder Betteln oder einem traurigen Gesicht zum Erfolg verhilft und sich so die Starken unterwirft, so vermöchte es mit tausendfacher Stärke jedoch nicht einen unter tausend Wünschen zu erfüllen. Weil also seine Schwäche und Hilflosigkeit zu Liebe und Fürsorge bewegt, so kann es sich mit seinem kleinen Finger selbst große und starke Leute dienstbar machen. Wollte aber nun ein solches Kind diese Liebe verleugnen und die Fürsorge zurückweisen und in törichtem Stolze sagen: "Ich unterwerfe diese Leute meiner Macht!", so würde es sicherlich eine Ohrfeige bekommen.

In gleicher Weise zieht sich auch der Mensch, der die Barmherzigkeit seines Schöpfers verleugnet und dessen Weisheit verwirft und wie Qarun(Er revoltierte gegen Moses. - A.d.Ü.) undankbar gegenüber der Gabe (Gottes) sagt:

اِنَّمَآ اُوتِيتُهُ عَلٰى عِلْمٍ

{"Ich habe das durch mein eigenes Wissen und meine eigene Macht erhalten." (Sure 28, 78)}

sicherlich selbst auch eine solche "Ohrfeige" zu. Wie wir also gesehen haben, wurden ihm solche Werte wie menschliche Königsherrschaft, persönliches Wachstum und kulturelle Vollkommenheit nicht als sein Verdienst, nicht infolge eines Sieges, nicht durch Kampf gegeben, sondern das alles wurde ihm aufgrund seiner Schwäche unterworfen; ihm wurde aufgrund seiner Hilflosigkeit geholfen; es wurde ihm aufgrund seiner Armut als Wohltat erwiesen, aufgrund seiner Unwissenheit eingegeben, aufgrund seiner Bedürftigkeit als Gastgeschenk verehrt. Und der Grund seiner Königsherrschaft ist nicht Macht und wissenschaftliches Können, es ist vielmehr die Güte und das Erbarmen des Herrn, die Barmherzigkeit und Weisheit Gottes, die ihm alle Dinge dienstbar gemacht hat. Ja, was den Menschen, den solches Ungeziefer wie ein Skorpion ohne Augen oder eine Schlange ohne Beine zu besiegen vermag, sich in die Seide einer kleinen Raupe kleiden und den Honig eines giftigen Insektes essen lässt, ist nicht seine Macht, es ist vielmehr die Unterwerfung des Herrn als Folge menschlicher Schwäche und ein Gastgeschenk der Barmherzigkeit (Gottes).

Oh Mensch! Da dies nun einmal die Wahrheit ist, gib deinen Stolz und deine Selbstgefälligkeit auf! Bringe vor dem Throne Gottes deine Schwäche und Hilflosigkeit um Hilfe bittend, deine Armseligkeit und Bedürftigkeit flehend und betend zum Ausdruck und erweise dich als Anbeter und Diener! Sage:

حَسْبُنَا اللَّهُ وَنِعْمَ الْوَكِيلُ

{"Allah ist unser Genügen und unser bester Anwalt." (Sure 3, 173)}

und schwinge dich empor!

Sage aber nicht: "Ich bin nichts. Welchen Wert hätte ich denn, dass der Allweise mir diese ganze Welt dienstbar machen wollte und von mir für all dies einen Dank erwartete?"

Tatsächlich giltst du ja nichts, wenn man deine Gestalt und deine Seele betrachtet. Aber hinsichtlich deines Auftrages und deines Ranges bist du ein Besucher in dieser ganzen großartigen Welt und ihr aufmerksamer Beobachter, ein sprachgewandter und beredter Sprecher dieses geheimnisvollen Daseins, ein verständnisvoller Leser im Buche der Welt, ein staunender Betrachter der lobpreisenden Schöpfung und ein achtungsgebietender Werkmeister der anbetenden Werke (Gottes).

Ja, oh Mensch! Du bist im Hinblick auf das Leben der Pflanzen und deines Körpers und in Anbetracht deiner tierischen Seele ein winzig kleiner Bruchteil, ein armseliges Geschöpf, wie ein schwaches Tier, das inmitten der Wellen des ganzen fürchterlichen Daseinsstromes hin und her geworfen wird. Wenn du dich aber, erleuchtet vom Lichte des Glaubens, das die Strahlen der Liebe Gottes in sich enthält, durch islamisches Verhalten vervollkommnest, wirst du als Mensch, Diener und Anbeter wie ein König sein, als ein Teilchen wie ein Ganzes, trotz deiner Kleinheit eine Welt, trotz deiner Geringfügigkeit von hohem Rang, ein Stellvertreter in einem großen und weiten Bereich sein, der sagen kann: "Der Barmherzige, mein Herr hat mir die Welt zur Heimstatt bereitet. In diesem Heim machte Er Sonne und Mond zur Leuchte, den Frühling zu einem Rosenstrauß, den Sommer zu einem Gastgeschenk bei Tisch und die Tiere zu Dienern. Und Er gab mir die Pflanzen als Schmuck und Versorgung in meinem Haus."

Nachsatz:

Wenn du auf dein Ego horchst und auf den Teufel, sinkst du zum Niedrigsten der Niedrigen herab. Wenn du auf die Wahrheit und den Qur'an horchst, steigst du zum Höchsten der Hohen auf und wirst der ganzen Welt ein Musterbeispiel sein.

Fünfte Anmerkung:

Der Mensch wurde in diese Welt gesandt als ein Gast und ein Beauftragter, und ihm wurden sehr wichtige Fähigkeiten mitgegeben. Und diesen Fähigkeiten entsprechend wurden ihm auch sehr wichtige Aufgaben anvertraut. Damit aber der Mensch sein Ziel erreiche

und seine Aufgabe erfülle, wurden ihm nachhaltige Anregungen erteilt und furchtbare Drohungen ausgesprochen. Wir werden hier die Grundsätze über die Aufgaben des Menschen, seinen Dienst und seine Anbetung, die wir an anderer Stelle bereits erklärt haben, noch einmal zusammenfassen, um das Geheimnis des Menschen um seinen höchsten Rang und Wert verstehen zu können.

So hat der Mensch - nachdem er in diese Welt gekommen ist - in zweifacher Hinsicht Dienst und Anbetung zu verrichten. In erster Hinsicht ist es Dienst und Anbetung in der "dritten Person", ein Nachsinnen. In der zweiten ist es Dienst und Anbetung in der Gegenwart, der "zweiten Person", eine Hingebung.

Erste Hinsicht,die Königsherrschaft (Gottes) über das Universum zu sehen, im Gehorsam zu bekräftigen und zu Seiner Vollkommenheit und Schönheit bewundernd aufzublicken. Danach zeigen sich die Menschen, um einander zu belehren, die einzigartigen Kunstwerke, bestehend aus den Ornamenten der heiligen Namen Gottes, machen sie bekannt, rufen sie aus.

Danach wägen sie die Juwelen der Gottesnamen, von denen jeder einzelne eine verborgene Schatzkammer des Geistes ist, mit der Waage der Einsicht und schätzen lobpreisend ihren Wert mit dem Herzen als Schatzmeister der Werte.

Danach lesen sie die Seiten von Himmel und Erde aus dem Buch des Seins, Briefe (der Schöpfung), geschrieben mit der Feder der Macht (Gottes), und sinnen bewundernd darüber nach.

Und während sie die Verzierungen und Feinheiten an den Kunstwerken des Seins bewundern und preisen, sehnen sie sich danach, ihren Schöpfer kennen zu lernen, der alle Schönheit besitzt, und verlangen danach, in die Gegenwart ihres vollkommenen Meisters einzugehen und Seine Liebe und Freundlichkeit zu erlangen.

Zweite Hinsicht:Hier geht es um die Gegenwart (Gottes) und das Gespräch (des Menschen mit Gott). Der Weg führt vom Werkstück zum Meister. Man sieht: Ein erhabener Meister möchte sich selbst durch Seine wunderbaren Kunstwerke mitteilen und zu erkennen geben. Glaube und Erkenntnis kommen ihm als Antwort entgegen.

Danach sieht man: Ein barmherziger Herr möchte ob der schönen Früchte Seiner Barmherzigkeit selbst geliebt werden. Wenn man seine Liebe auf Ihn allein beschränkt und seine Anbetung Ihm allein zueignet, um Ihm allein zu dienen, wird man auch selbst von Ihm geliebt.

Danach sieht man: Er, der freigiebig die Geschenke Seiner Gnade erteilt, umhegt den Menschen mit geschmakkvollen Geschenken für Leib und Seele. Dieser bringt Ihm in seinen Taten, seiner Handlung, seinen Worten, ja wenn es ihm möglich wäre mit allen seinen Empfindungen und Fähigkeiten Lob, Preis und Dank entgegen.

Danach sieht man: Er, der Gewaltige in Seiner vollkommenen Schönheit zeigt Seine Größe, Vollkommenheit, Erhabenheit und Schönheit im Spiegel des Daseins, in ihm die Blicke des aufmerksamen Betrachters einfangend. Dieser begegnet Ihm demütig bewundernd mit den Worten: "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!) "Subhanallah!"(Allah sei gepriesen!) und wirft sich in liebender Anbetung nieder.

Danach sieht er: Er, der Vollkommen-Reiche zeigt in vollendeter Freigiebigkeit die Schatzkammern Seines unendlichen Vermögens. Der Mensch entgegnet Ihm rühmend und verehrend, erbittet und erfragt von Ihm in völliger Armseligkeit.

Danach sieht er: Der erhabene Schöpfer hat die Erde einer Ausstellung gleich erschaffen. Dort hat Er die ganzen antiken Kunstwerke ausgestellt. Der Mensch entgegnet Ihm voll Staunen und Hochachtung: "Mashaallah!"(so hat es Allah gewollt!), "Barekallah!"(Allah hat gesegnet!); "Allahu Ekber!"(Allah ist unvergleichlich groß!), und Seine

vollkommene Güte preisend kommt er Ihm antwortend entgegen.

Danach sieht er: Der Eine

{Vahid-i Ahad: Eins über allen Geschöpfen, eins in jedem einzelnen Geschöpf. (A.d.Ü.)}

prägt im Schlosse des Universums mit Seinem unnachahmlichen Münzsiegel, Seinem nur Ihm eigenen Siegel der Propheten, Seinem nur Ihm zubestimmten königlichen Siegel, kraft königlichen Privilegs allem Sein den Stempel Seiner Einheit (Vahdet)auf. Und Er malt und stickt die Wunderzeichen Seiner Einheit (Tauhid)und richtet an den Enden des Weltenhimmels die Fahne Seiner Einheit (Vahdaniyet)auf und verkündet Seine Herrschaft. Der Mensch begegnet Ihm mit einer Affirmation, im Glauben, in der Einheit (Tauhid),in der Einsicht, mit dem Zeugnis, seinem Dienst und seiner Anbetung und kommt Ihm so antwortend entgegen.

So also wird er durch diese verschiedenen Arten der Anbetung und des Nachsinnens zum wahren Menschen, und er zeigt, dass er "Musterbeispiel der Schöpfung" geworden ist. Ausgestattet mit der Kraft und dem Segen des Glaubens wird dem Menschen eine Seele anvertraut als ein Gut, und er wird so ein treuer Kalif der Erde.

Oh du unbesonnener Mensch, der du mit dem höchsten Grad und Wert der Schöpfung erschaffen wurdest und in deiner Böswilligkeit auf die Seite der Niedrigsten der Niedrigen hinübergehst! Höre mich! Auch ich habe so wie du in der Trunkenheit meiner Jugend und in meiner Gottvergessenheit die Welt für schön und angenehm gehalten. In dem Augenblick, da ich an der Schwelle des Alters aus der Trunkenheit meiner Jugend erwachte, erkannte ich, wie hässlich jenes Antlitz der Erde war, das dem Jenseits abgewandt ist und das ich für schön gehalten hatte, und wie schön ihr wahres Antlitz ist, welches in das Jenseits hinüberschaut.

Betrachte nun die beiden Tafeln der Wahrheit, die ich im

zweiten Kapitel des "Siebzehnten Wortes" beschrieben habe, und siehe selbst:

Erste Tafel:beschreibt die Wirklichkeit der Welt der Gottvergessenen, so als ginge ich selbst auf Irrwegen und so wie ich sie durch den Schleier der Gottvergessenheit gesehen habe, jedoch ohne betrunken zu sein.

Zweite Tafel:zeigt die wahre Welt derer, die recht geleitet und sich der göttlichen Gegenwart bewusst sind. Ich habe sie so gelassen, wie ich sie damals beschrieben habe. Sie sehen wie ein Gedicht aus, sind aber kein Gedicht...

سُبْحَانَكَ لاَعِلْمَ لَنَآ اِلاَّ مَاعَلَّمْتَنَآ اِنَّكَ اَنْتَ الْعَلِيمُ الْحَكِيمُ

رَبِّ اشْرَحْ لِى صَدْرِى وَيَسِّرْ لِىٓ اَمْرِى وَاحْلُلْ عُقْدَةً مِنْ لِسَانِى يَفْقَهُوا قَوْلِى اَللّٰهُمَّ صَلِّ عَلَى الذَّاتِ الْمُحَمَّدِيَّةِ اللَّطِيفَةِ اْلاَحَدِيَّةِ شَمْسِ سَمَآءِ اْلاَسْرَارِ وَمَظْهَرِ اْلاَنْوَارِ وَمَرْكَزِ مَدَارِ الْجَلاَلِ وَقُطْبِ فَلَكِ الْجَمَالِ اَللّٰهُمَّ بِسِرِّهِ لَدَيْكَ وَبِسَيْرِهِٓ اِلَيْكَ اٰمِنْ خَوْفِى وَاَقِلْ عُثْرَتِى وَاذْهِبْ حُزْنِى وَحِرْصِى وَكُنْ لِى وَخُذْنِى اِلَيْكَ مِنِّى وَارْزُقْنِى الْفَنَآءَ عَنِّى وَلاََتَجْعَلْنِى مَفْتوُناً بِنَفْسِى مَحْجُوباً بِحِسِّى وَاكْشِفْ لِى عَنْ كُلِّ سِرِّ مَكْتُومٍ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ يَاحَىُّ يَاقَيُّومُ وَارْحَمْنِى وَارْحَمْ رُفَقَـآئِى وَارْحَمْ اَهْلَ اْلاِيمَانِ وَالْقُرْاٰنِ اٰمِينَ يَآ اَرْحَمَ الرَّاحِمِينَ وَيَآ اَكْرَمَ اْلاَكْرَمِينَ

وَاٰخِرُ دَعْوٰيهُمْ اَنِ الْحَمْدُ ِللهِ رَبِّ الْعَالَمِينَ

{"Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn du bist der Allwissende, der Allweise!" (Sure 2, 32) "Herr! Mache mir die Brust weit und meine Angelegenheiten leicht! Löse das Band meiner Zunge, damit sie meine Worte verstehen! Oh Allah! Gib Deinen Frieden und gieße aus Deinen Segen über Mohammed, der Sonne im Himmel der Geheimnisse, der Verkörperung der Lichter, dem Brennpunkt der Erhabenheit, dem Polarstern am Firmament der Schönheit. Oh Allah, bei Deinem Geheimnis, bei Deiner Gegenwart, bei seiner Himmelfahrt: gib mir Sicherheit in meiner Furcht, entwurzele mich, wenn ich zögere, vertreibe meine Sorge und meine Gier! Sei mit mir! Nimm mich von mir weg hin zu Dir! Gewähre mir, mich von mir selber zu lösen und lass nicht zu, dass ich in mich selbst vernarrt werde, beschämt werde durch meine Sinne! Entschleiere mir jedes verborgene Geheimnis! Oh Lebendiger! Oh Beständiger! (Ya Hayy! Ya Qayyum!) Erbarme Dich meiner! Erbarme Dich meiner Freunde! Erbarme Dich Deiner Gläubigen und derer, denen Du den Qur'an herabgesandt hast! Amen - Oh Erbarmer der Barmherzigen! Oh Großzügigster der Großzügigen! Und der Schluss unseres Gebetes sei: 'Aller Lobpreis und Dank gebührt Allah, dem Herrn der Welten!'"}

Ein Vortrag, der an der Universität Ankara gehalten wurde.

Dieser Vortag, der durch die Unterweisung der Risale-i Nur und durch den Segen meines lieben und wertvollen Meisters Bediüzzaman vorbereitet werden konnte, ist eine angenehme und geschmackvolle Unterhaltung Über die Risale-i Nur. Es ist kein Versuch, dem Wert und der Bedeutung der Risale-i Nur Ausdruck zu verleihen, wozu ich auch keinen Mut habe. Denn ich stehe mit dem Studium der Risale-i Nur ganz am Anfang und bin dabei noch sehr schwach. Um den Wert eines Meisterwerkes erklären zu können, welches unter Völkern berühmt wurde, dazu reicht mein Bildungsstand nicht aus. Diese große Ehre gehört den gebildeten und verständigen Lesern und denen, die es würdigen.

Bevor ich Risale-i Nur fand, hatte ich keine einzige Schrift Über den Wert des heiligen Qur'an in unserer Presse und in unseren Büchern gelesen. Später wurde es mir klar, dass die Großen der fremden Völker seit Über einem halben Jahrhundert den heiligen Qur'an mehr als die bei uns ausgebildeten Schriftsteller, zu schätzen wissen und dass im Weißen Haus in Amerika der Weise Qur'an, der die Sonne der ganzen Welt und des Kosmos ist, auf grünen Seidenbrokaten auf der höchsten Stelle, wie es ihm würdig ist, steht.

Erfinder, Philosophen, Psychologen, Soziologen und Pädagogen lesen die Werke, die geschrieben wurden, die den heiligen Qur'an als Grundlage haben. Diese Persönlichkeiten verfassen durch die Informationen aus diesem heiligen Buch ihre Werke und werden dadurch weltberühmt. Sie erweisen dadurch ihrem Volk und der Menschheit einen Dienst. In Schweden, Norwegen und Finnland kam eine Gruppe aus großen Wissenschaftlern zustande, die jahrelang nach einem geeigneten Buch suchten, welches helfen sollte, die Jugendlichen zu retten.

Schließlich kamen sie zu dem Ergebnis: Die einzige Lösung, der Jugend die höchsten moralischen Werte vermitteln und sie für die Welt als rechtschaffene Wissenschaftler mit klaren Meinungen ausbilden zu können, ist den heiligen Qur'an zu lehren.

Es gibt viele bei den nichtislamischen Völkern, die den Islam und den Qur'an zu würdigen wissen. Man könnte noch viele Beispiele fortsetzen. Wenn diejenigen, die keine Muslime sind, das Buch des Islams schätzen und hoch achten und daraus ihren Nutzen ziehen, kann etwa die aufgeweckte muslimische, türkische Jugend noch länger warten? Keinesfalls kann sie warten und schlafen.

Gott der Gerechte, der unser Ruhm und aller Anbetung würdig ist, brachte einen Schatz des Wissens und der Wahrheit, der den höchsten und heiligsten Bedürfnissen unserer Jugend vollständig entgegenkommt, auch im zwanzigsten Jahrhundert zustande. Dieser unerschöpfliche Reichtum des Wissens ist die Risale-i Nur, die ein wahrhaftiger und glänzender Kommentar zum heiligen Qur'an ist. Diese Werke kommen aus dem weisen Qur'an heraus und wurden seinen Grundsätzen entsprechend verfasst. Der Verfasser dieser Werke ist Bediüzzaman. Alle wahrhaftigen Wissenschaftler haben Übereinstimmend bestätigt, dass dieser großartige Verfasser der Risale-i Nur eine Persönlichkeit ist, die verdiente, Bediüzzaman (in seiner Zeit Einzigartiger) genannt zu werden. Sie bestätigten mit Würdigung und Bewunderung, dass die Risale-i Nur Werke Qur'ankommentare sind, welche das Volk und die Jugend von den Abgründen der Irr- und Abwegen retten kann. Trotzdem kann man sagen, dass die meisten noch heute den Verfasser eines derartig großartigen Meisterwerkes nicht richtig kennen.

Freunde, seit 15-20 Jahren sind Kommunisten und religionsfeindliche Strömungen unter uns in großer Anzahl tätig. Sie haben solche geniale Persönlichkeiten durch allerlei Arten von Verleumdungen herabgewürdigt, geschweige denn, dass sie diese bekannt gemacht hätten.

Um das zu erreichen, haben sie alle Möglichkeiten auszunutzen versucht. Sie haben ihre ganze Kraft eingesetzt, um unsere wahrhaftigen und mutigen Wissenschaftler dem Volk in ein schlechtes Licht zu rücken. Erst durch die Entwicklung der Demokratie in diesen Jahren in unserem Land haben wir gemerkt, dass dieser schreckliche Zustand so ist. In Wirklichkeit haben wir uns getäuscht und wir wurden auch getäuscht. Erst nachdem wir diese Wahrheiten richtig erkannt hatten, konnten wir alles Erfundene, was uns bis jetzt Über unsere Religionsmänner suggeriert wurde und ihre völlig falsche Propaganda aus unseren Köpfen herausbringen. Unsere negativen Eindrücke haben wir ausgelöscht und unseren heiligen Qur'an ergriffen, von dem die wahrhaftigen Aufgeklärten ihren Nutzen ziehen. Wir haben angefangen, uns mit den Wahrheiten des Qur'an und des Glaubens aus der Risale-i Nur aufzuklären, welche in diesem Jahrhundert ein hoher Kommentar zum weisen Qur'an ist.

So wie die heutige Jugend die Werke und den wahren Wert unserer genialen Großen, jeder eine Sonne des Islams wie Abdulqadir Geylani, Imam Gazali und Mevlana Djelaleddin Rumi nicht kennen kann, so hat sie auch den beispiellosen Qur'ankommentator wie Bediüzzaman Said Nursi nicht richtig erkennen können. Tatsächlich wurde das von manchen böswilligen Absichten der heimlichen und offenkundigen Glaubensfeinden verhindert. Diejenigen aber, die durch persönliche Bemühung erfahren, dass ein solcher großer Kommentator und ein Genie im Islam auch in dieser Zeit vorhanden ist, begreifen schnell den Wert Bediüzzamans für die Geschichte und für die Welt und ziehen begeistert große Nutzen aus seinen Werken.

Jawohl Freunde! Wir können aus sicherer und vollkommener Überzeugung sagen: Das Werk, das die Menschen in dieser Zeit zum Glück bringt und welches ihr Verstand und Herz Überzeugt, ist nur die Risale-i Nur. Dieses Urteil ist das absolute Urteil der wahrhaftig Aufgeklärten, die die "Nur"-Werke gelesen haben. Des Weiteren bestätigt die

wissenschaftliche Kraft und die Originalität in der Risale-i Nur ganz klar die Trefflichkeit dieser Überzeugung.

Freunde! Wie diejenigen, die sich an dem heiligen Qur'an festhalten, in dieser und in jener Welt glücklich werden, so werden auch diejenigen, die Risale-i Nur, welche ein glänzender Kommentar zu ihm ist, lesen und danach leben, zu wahrer Glückseligkeit gelangen. Der Glaube der jungen Leute, die diese Werke Über den Glauben lesen, wird sich verstärken, ihre Zukunft wird glänzen und sie werden Wissen und Bildung besitzen. Sie werden sich auszeichnen als Jugendliche, die sowohl für das Land als auch für das Volk und für ihre Mütter und Väter nützlich sind und eine hohe Moral besitzen. Sie werden das Glück erfahren, ein aufrichtiger Diener Allahs zu werden und die wahrhaftige Gemeinde des Propheten zu bilden.

Was unsere Freunde betrifft, die sich Über die Risale-i Nur informieren wollen, so sind in dieser Sache keine Erklärungen anderswoher nötig. Ihr sollt diese segenreichen Werke lesen und durch eure eigene Mühe und euren persönlichen Eifer versuchen, sie zu verstehen und zu kennen. In diese Schatzkammer des Wissens und der Erkenntnis tretet selber ein. Nur dann könnt Ihr die Erkenntnis, die Ihr haben wollt, ganz und gar erhalten.

Solange Ihr Risale-i Nur lest, wird Euch das qur'anische Licht erfüllen, werden diese Wahrheiten aus dem Qur'an euer Verstand und euer Herz erleuchten und euren Glauben entwickeln und verstärken. Solange Ihr "Nur"-Werke lest, wird ein göttlicher Segen eure Seelen und eure geistige Welt umfassen. Im Leben werden sich für Euch die Tore des Wohls einer großen Ruhe und Glückseligkeit öffnen. Ihr werdet von diesen Werken erfahren, dass diese Welt ein Acker für das Jenseits ist und dass Ihr in diese vergängliche Welt gekommen seid, um ein ewiges Leben zu erwerben. Ihr werdet verspüren, dass die Welt hinsichtlich dieses Glaubens ist noch Genussvoller als ein paradiesisches Leben. Ihr werdet die Welt mit einer dermaßen unendlichen und geistigen Begeisterung lieben,

aber nicht um dieses vergänglichen Lebens willen, sondern um ein ewiges Leben und eine bleibende Glückseligkeit zu gewinnen.

Darüber hinaus werdet Ihr noch einen Grad mehr verspüren, dass die Verrichtung des Pflichtgebetes und die Gottesanbetung eine große heilige Freude ist. Ihr werdet beginnen, eine dermaßen tiefe und göttliche Freude zu empfinden, wenn Ihr im Gebet vor Allah, in der Gegenwart unseres barmherzigen Herrn steht. Und Ihr werdet herausfinden, dass die Tage, die Ihr ohne Gebet verbracht habt, mit Leid und Unruhe erfüllt und eure fröhlichste und glücklichste Zeit im Dienst und Gehorsam Allah gegenüber waren.

Freunde! Risale-i Nur ist ein Werk, das nicht durch den eigenen Willen des Verfassers, sondern als eine Gabe Gottes mit Inspiration geschrieben ist, um die Muslime im zwanzigsten Jahrhundert und alle Menschen von dichten Finsternissen der Denkweise und von fürchterlichen Irrwegen zu retten. Wenn Ihr ein solches Werk, das auf den Menschen eine große Wirkung hat, langsam und Überlegend, die Bedeutungen auch der osmanischen Wörter lernend, aufmerksam und ständig studiert, könnt Ihr auch wie viele "Nur"-Schüler, die Tag und Nacht damit beschäftigt sind, zu einer großen Gelassenheit und Glückseligkeit erlangen. Außerdem könnt Ihr in einen sehr fleißigen und aktiven Zustand kommen. Ihr werdet durch die von Gott verursachten Freude sehr erregt sein, um diese segensreichen Werke tagelang lesen zu können. Um sich mit derartigen Werken, deren Wert alle Maßvorstellungen Übersteigt, beschäftigen zu können, werdet Ihr auch keine fünf Minute Zeit leer verbringen. Außerdem werdet Ihr eure Zeit mit einem großen Wert wertvoll machen, indem Ihr immer die "Nur"-Werke in der Tasche oder im Koffer mitnehmt und stets lest. Von der Liebe "Nur"-Werke zu lesen, von der Begeisterung "Nur"-Werke zu lesen und von der Bedürftigkeit "Nur"-Werke zu lesen, werdet Ihr erfüllt sein.

Ja Freunde! Risale-i Nur ist so ein attraktives Werk, mit dem für den Qur'an und den Glauben zu dienen eine heilige und großartige Tat ist. Je besser Ihr das versteht, werdet Ihr solch einen heiligen Dienst und solch eine hohe Glückseligkeit jetzt nicht verlassen wollen, auch wenn Ihr in dieser Welt sogar ins Paradies eingeladen würdet. Ihr werdet verspüren, dass die Welt hinsichtlich des Glaubens und mit dem Ziel, in der Sache der Glaubenserrettung zu dienen, zu einem geistigen Paradies wird.

Diejenigen, die für Risale-i Nur arbeiten, haben so eine Bereitschaft zum Verzicht und zum Opfer um des Dienstes für den Glauben und für den Islam willen gewonnen, dass die gewöhnlichen und alltäglichen Ziele, die als persönliche Vorteile genannt werden, bei ihnen keinen Platz finden und sich nicht anhaften können. Denn bei den "Nur"-Schülern ist die allererste Absicht und das allergrößte Ziel: Das Wohlwollen Gottes zu erlangen. Allah sei unendlicher Dank; die Zahl unserer erwachten, wertvollen und opferwilligen Freunde, die erfahren haben, dass die Beschäftigung mit der Risale-i Nur ein Dienst für unser heiliges Buch dem ruhmreichen Qur'an ist, Übersteigt Millionen. Diese Tatsache, die für diejenigen, die ihre fünf Sinnen beieinander haben, ganz klar erkennbar ist, kann Überhaupt niemand abstreiten.

Es gibt sogar welche, die bei den Tätigkeiten der Risale-i Nur, welche eine Arbeit um Allahs willen ist, mit einer eifrigen Bemühung und Begeisterung für Gott und mit einer herzlichen und geistigen Liebe auch ihren Schlaf in der Nacht opfern.

Sehet! Es gibt derartig wahrhaftige Schüler, die der Risale-i Nur dienen: Wenn man zu einem von ihnen sagen würde: "Schreibe an Stelle von Risale-i Nur andere Werke ab, dann geben wir dir das Vermögen des amerikanischen Milliardärs Ford!" Noch ohne den Stift von den Zeilen der Risale-i Nur zu heben, wird dieser glückliche Schüler so antworten: "Wenn ihr mir die Welt mit all ihrem Prunk und Reichtum geben würdet, würde ich sie nicht annehmen. Denn, Gott der Gerechte wird uns durch das

Studium der Risale-i Nur und den Dienst an ihr einem unerschöpflichen, bleibenden Schatz geben. Wird dieses irdische Vermögen von euch mich etwa glücklich machen? Das ist zweifelhaft. Aber es besteht kein Zweifel noch Verdacht darauf, dass wir durch das ewige bleibende Vermögen, das der Herr uns schenken wird, zu einem wahrhaftigen Glück finden werden."

Wertvolle Mitbrüder!

Die Jugendlichen, die sich ein bisschen verspätet haben, den hohen Wert der Risale-i Nur zu verstehen, oder von ihr zu hören und sie kennen zu lernen, sagen aus dem Herzen sich beschwerend folgendes: "Diese meine wertvolle Jugend, die sich zu spät besann, will ich mit vergänglichen Dingen nicht verlieren. Ich will sie nur, aber nur für den Dienst am Qur'an und am Glauben, für die Dienste auf dem Weg der Befolgung der Befehle meines lieben Allahs und meines lieben Propheten widmen. Nur dadurch kann ich in dieser meiner vergänglichen Jugend eine ewige bleibende Jugend gewinnen.

Wenn man sieht, dass wir, die Schüler der Risale-i Nur, mit ihr dermaßen angebunden sind, soll man nicht denken, dass unsere Verbindung von der Welt abgeschnitten wäre. Im Gegenteil stellt sich dieser Aspekt durch unsere Verhaltenslinie deutlich folgend heraus: Wenn wir unverheiratet sind, machen wir unsere Arbeiten; wenn wir Studenten sind, machen wir unsere Aufgaben; wenn wir Beamte sind, versehen wir unsere Dienste; wenn wir Kaufmann sind, machen wir unser Geschäft. Egal wie viel weltliche Arbeit wir haben, wie oft wir Aufgaben und Prüfungen haben, wir finden dennoch Zeit für Risale-i Nur und für ihren Dienst. Wir haben dafür Zeit und wir können auch uns dafür Zeit nehmen. Denn wie man jeden Tag Brot, Wasser und Luft braucht, brauchen wir genauso viel mehr als dieses jeden Tag unsere geistige Nahrungen von den Wahrheiten des Qur'an und des Glaubens.

Ja, unsere Beschäftigung mit der Risale-i Nur steigert

zigfach den Erfolg bei unserer Arbeit und in unserem Studium und gibt uns Kraft und Lust. Sie erweckt in uns den Gedanken, die weltlichen Arbeiten als eine religiöse Pflicht anzusehen. Sie lässt uns den Wert der Zeit begreifen. Sie ermahnt wirksam unser Herz und Verstand, dass die Kalenderblätter nicht zurückkehren werden, und verleiht uns somit Antrieb und Begeisterung, um unsere Zeit, welche unser Lebenskapital ist, wertvoll zu verbringen. Sie rettet uns davor, unser Zeit während der Arbeitsstunden, hier oder dort nutzlos oder mit Dingen, die wir für notwendig halten, aber für uns bedeutungslos sind, Tod zu schlagen. Sie ruft sogar auch in den Pausen Lust zur Arbeit an den Glaubenswahrheiten hervor und lässt die Freude, die die Barmherzigkeit Gottes in jede Aktivität legt, erleben. Sie lässt uns somit auf dem Weg gehen, der in einer vergänglichen Lebensspanne ein ewig bleibendes Leben gewinnen lässt.

Meine wertvollen Mitbrüder! Es ist nicht möglich, den hohen Wert der Risale-i Nur vollständig zu erklären. Ihr Wert umfasst dermaßen den Geist derjenigen, die sie oft und mit aufrichtigem Herzen lesen, und macht ihn sich gehorsam und hingebungsvoll, dass, auch wenn sich einem von solchen Opferbereiten gegenüber, der in den Stufen des geforschten und selbst erlebten Glaubens fortgeschritten ist, alle Glaubensfeinden sammelten und versuchten ihn von Risale-i Nur abzuhalten, sie dennoch keinen Erfolg dabei haben können, und sie konnten es auch nicht.

Als größtes Geschenk halte ich persönlich, dem Meister ein Diener zu sein, der mit der Abfassung der Risale-i Nur beauftragt und bedienstet ist. Ich sehe es als eine Ehre an, seinem Diener zu dienen. Es kann solche geben, die diese herzliche und innerliche Verbindung für zuviel halten, eigentlich soll man es aber nicht für zuviel halten.

Zum Beispiel: Wir lesen ein wertvolles Werk. Für sein Verfasser erwächst in unserem Innern mehr oder minder ein Gefühl der Hochachtung. Uns begeistern die Werke von Molier, Huggo und Goethe. Wie sollte etwa der Grad

der Verbundenheit zu der Persönlichkeit eines Genialen im Islam sein, der den weisen Qur'an kommentiert, der der Wegweiser des islamischen Glaubens ist? Werden die Werke eines dieser Berühmten auf Papier geschrieben, dann sollten die "Nur"-Werke, die der Qur'ankommentar von Bediüzzaman Said Nursi sind, auf goldenen Seiten gestickt werden. Arbeitet man stundenlang, um das Werk eines gerecht denkenden Philosophen, der sich nicht dem Glauben entgegenstellt, zu studieren, dann sollte man den Schlaf vergessen, um die Werke Bediüzzamans, die das Glück in beiden Welten (Diesseits und Jenseits) unterrichten, zu studieren. Bezahlen wir für ein weltliches Buch fünf Mark, dann werden wir für einen Qur'ankommentar wie Risale-i Nur, die den Menschen in dieser und in jener Welt glücklich macht und eine höchste Stelle und Ehre erreicht, hundert Mark geben und wir geben auch. Freunde! Wenn es notwendig wird, um seiner Veröffentlichung willen unser Vermögen zu opfern, dann ist es für uns Jugendlichen, die wir die Enkelkinder der Bannerträger des Islams sind, notwendig, sogar zwangsläufig.

Also, kommt o Mitbrüder! Stehen wir im Unterricht der "Nur"-Werke Knie an Knie, in ihrem Dienst Hand in Hand und im Glaubenskampf Schulter an Schulter. Arbeiten wir an den "Nur"-Abhandlungen gemeinsam, von deren Lichtern Licht zu empfangen, von deren Glaubensunterrichten Unterricht zu bekommen, dessen wir stark bedürftig sind, treffen wir uns und sprechen miteinander. Laufen wir auf dem Weg Gottes und auf dem Weg des Glaubens. Hissen wir die Fahne des Kämpfers gegen die Atheisten und opfern unser süßes Leben auf dem Feld des Glaubenskampfes und in den Bezirken des Glaubensdienstes. Wertvolle Mitbrüder!

In der Risale-i Nur gibt es sehr hohe Vorzüge und Eigenschaften. Diese auserwählten und besonderen Eigenschaften sind in keinem Werk, das bis jetzt verfasst wurde, zu sehen. Unter den wahren Gelehrten, die ihr Leben mit Studium verbracht haben, bringen diejenigen,

die Risale-i Nur gelesen haben, diese Tatsache zum Ausdruck. Und diese hohen Persönlichkeiten, die den wahren Wert zu schätzen wissen, kommen zu der Überzeugung, dass die Menschen in dieser Zeit bedürftig sind, Risale-i Nur zu lesen, wie umfangreich ihre Kenntnis auch sein mag. Die tugendhaften Gelehrten und Intellektuellen, die fürchten, von den Krankheiten, wie Selbstgefälligkeit und Wissensneid befallen zu werden, halten sich gleich an Risale-i Nur fest. Obwohl manche von ihnen sechzig, siebzig Jahre alt sind, bemühen sie sich, die Ehre und die Gabe zu erlangen, Schüler der "Nur"-Abhandlungen zu werden.

Unser Meister Bediüzzaman Said Nursi sagt: Die Risale-i Nur gibt wie die anderen Bücher nicht nur Wissen. Sie gibt auch geistigen Unterricht. Es ist die Wirkung dieses geistigen Unterrichtes, dass die Seele und das Herz, das Gewissen und die Feinheiten derer, die die Risale-i Nur lesen, von diesem Segen spendenden Unterricht ihren Anteil und ihre Nahrungen bekommen. Ist das etwa nicht der Einfluss dieses geistigen Unterrichts, dass die geistige Welten derer, die "Nur"-Abhandlungen lesen, mit göttlichem Licht gereinigt wird. Und durch eine göttliche Anziehung und durch eine göttliche Wirkung werden sie für die Glaubenswahrheiten dienstbereit, in sie verliebt, zu ihnen hingezogen und steigen somit auf dem Weg Gottes und des Gottesgesandten empor. Die Liebhaber der Kenntnis aus dem Glauben lesen die Risale-i Nur. Die Interessenten der religiösen Kenntnisse lesen die Risale-i Nur. Die Sucher nach der Wahrheit lesen die Risale-i Nur. Veranlagte Glaubensverfechter, die vom Kampfgeist erfüllt sind, lesen die Risale-i Nur. Diejenigen, die den Gipfel der Tapferkeit und des Heldenmutes zu erreichen wünschen, lesen die Risale-i Nur. Im positiven Sinne nationalgesinnte lesen die Risale-i Nur. Die Leute der Wissenschaft und der Kunst lesen die Risale-i Nur. Diejenigen, die sich für die positive Wissenschaft begeistern, lesen die Risale-i Nur. Die Fachleute der Literatur lesen die Risale-i Nur. Das heißt, Menschen von allen Schichten empfinden in ihren

Geistern ein großes Bedürfnis nach der Risale-i Nur und ziehen aus ihr ihren Nutzen.

Freunde! Bei denjenigen, die Risale-i Nur lesen, steigert sich die Begabung zu Überzeugung und ihr Verstand und ihre Denkweise wird aktiv und stark. Sie besitzen den Vorzug, irgendein Thema ihrem Niveau entsprechend logisch auszudrücken. Denn diese Schüler empfangen durch die einzigartigen Unterrichten eines von Anfang bis zum Ende vernunftgemäßen, logischen und Überzeugungskräftigen Meisterwerkes Licht und Segen.

Die Quelle und Grundlage der wahren Zivilisation und der hohen Gesellschaftskunde und der Gesetze der Menschheit ist der Qur'an. Der Qur'an ist ein allgemeiner Sprecher, der die gesamte Menschheit anredet. Ihr werdet sehen, dass in der Risale-i Nur, die der wahrhaftige, klare und glänzende Kommentar zum weisen Qur'an ist, viele von euren Bedürfnissen, die den Glauben und den Islam, die Vernunft und die Gedanken, das Herz und den Geist betreffen, nach eurer Vorstellung befriedigt werden. Ihr werdet in einer großen Begeisterung und Dankbarkeit feststellen, wie einige Fragen, die in euren Köpfen entstanden sind, von ihr vollständig Überzeugend beantwortet werden. Ihr werdet davon Überzeugt sein, dass die Risale-i Nur eine Sammlung göttlicher Wahrheiten ist, die eure Seele anspricht. So werdet Ihr beginnen, in einem unendlichen inneren Frieden ein glückliches Leben zu verbringen, und Ihr werdet Euch von der Freude und Liebe nicht retten können, diese "Nur"-Werke öfters, ja sogar ein Leben lang zu lesen.

Meine erwachten Freunde, die dem Vortrag Über Risale-i Nur mit einer großen Interesse folgen!

Auch wenn man den ehrwürdigen Qur'an rezitiert oder hört, ohne ihn zu verstehen, bringt er in der Seele eine geistige und tief schürfende Wirkung zustande. Denn dieses Wort ist das Wort Allahs.

Es ist die Heiligkeit der Bedeutung, die in diesem Wort Gottes und im Islam liegt, dass die Türken durch den Islam Weltoberer wurden und Kontinente und Länder eroberten. Seit tausend Jahren dienen sie dem Islam als sein Bannerträger. Auch wenn ihr genauso manche Themen in der Risale-i Nur, die in diesem Jahrhundert ein hoher Kommentar zum Qur'an ist, anfangs nicht vollständig verstehen könnt, dringt aber ihre geistige Wirkung und ihr geistiger Segen in euren Geist und euer Herz, hüllt eure geistige Welt ein und Ihr bleibt Überhaupt nicht ohne Nutzen.

Des Weiteren besteht der Mensch nicht nur aus dem Verstand. Er besitzt auch geistige Feinheiten und Anlagen, wie Herz, Seele, meditative Wahrnehmung und Gewissen. Auch wenn euer Verstand jede Glaubensfrage beim ersten Lesen nicht vollständig begreifen kann, so bekommen doch Herz und Seele davon ihren Anteil. Es ist aus dieser geistigen Wirkung der Risale-i Nur, dass, während sie in den Zeiten der ersten Abfassungen acht, zehn Schüler hatte, heute Millionen von ihnen zu Stande gekommen sind. Als die stärkste Glaubensströmung unter den geistigen Strömungen der Welt Überzog sie Vorderasien, machte ihr Dasein und ihre Kraft bis in die Länder Europas, Amerikas und Asiens erkennbar, versetzte die Glaubensfeinde in Furcht und brachte ihnen eine Niederlage bei, Übertrug dem Glauben und dem Islam Leben und Bewegung, brachte die neue Generation in Bewegung, entwickelte die tapferen und kämpferischen Naturen und brachte sie auf den Feldern des islamischen Glaubenskampfes in dem Grade zum Laufen, dass sie alles, was sie haben, für den Glauben opferten. Und es setzt sich so fort. Sie wird von der ganzen Welt und von der islamischen Welt besonders außergewöhnlich hochgeschätzt und begeistert angenommen. Deswegen sollt Ihr jeden Tag davon ein Stück lesen. Solange Ihr diese meisterhafte Sammlung lest, die sich immer wieder mit Freude und Begeisterung lesen lässt, wird sich eure Fähigkeit zum Verstehen steigern.

Der einzige Weg zum Verstehen: Man soll mit den "Nur"-Werken allein sein und versuchen, sie aufmerksam und immer wieder mit Liebe zu lesen. Meine sehr verehrten Freunde! Der Stil der Risale-i Nur ist ein beispielloser und anziehender Stil, der mit keinem anderen Stil vergleichbar ist. Bediüzzaman Said Nursi ist neben seiner Berufung als Qur'ankommentator ein größter Literat und ein gewaltiger Rhetoriker unseres Jahrhunderts. Er ist aber nicht von den Literaten, die auf Prunk und Pracht des Wortes Wert legen. Er ist im Gegenteil ein Verfasser, der am meisten Bedeutung und Wert auf den Sinn legt. Um des Wortes willen opfert er nicht den Sinn, also er schneidet nicht von dem Körper um des Kleides willen. Er verfügt bei seinen Erklärungen Über einen ihm eigenen, Überaus wirkungsvollen und äußerst attraktiven Stil.

Deswegen sind die Wahrheiten des Qur'an und des Glaubens in den "Nur"-Abhandlungen in einer Überaus klaren, vollkommenen, anziehenden und wirkungsvollen Weise erklärt und bewiesen.

Die Risale-i Nur ist eine Schatzkammer umfassender Wahrheiten und prägnanter Ausdrücke. Sie ist ein Meisterwerk, das die Bedeutung von einer Seite in einem Satz, die von zehn Seiten in einer Seite, die von einem Buch in einer Abhandlung zum Ausdruck bringt. Aus diesem Grund sind ihre Lektionen sehr wirkungsvoll und Überaus einflussreich. Es ist für die Fachkundigen bekannt, dass längere ausführliche Erklärungen bei der Behandlung der Glaubensthemen die Wirkung und das Verstehen erschweren können. Man erhält meistens kein nutzbares Ergebnis, wobei doch die Lesungen dieser Abhandlungen in der Gemeinschaft Überzeugend und befriedigend sein sollten. Aufgrund dieser Tatsache werden die Unterweisungen und Unterrichte noch wirkungsvoller, ergiebiger und leichter verständlich, wenn sie kurz und bündig erklärt werden, besonders wenn es sich um Glaubenswahrheiten handelt. Aus diesem Grund wurde in der Risale-i Nur auf

Einzelheiten und Details nicht eingegangen. Sie folgt als Grundsatz bewusst der Methode, die Gedanken mit Details nicht zu zerstreuen. Meine Freunde, die nach dem Wissen Über den Glauben verlangen! Bediüzzaman Said Nursi bringt uns eine sehr große frohe Botschaft am Schluss der Abhandlung Über die Wahrhaftigkeit. Wir, die Schüler der Risale-i Nur sind der Überzeugung, dass bei keinem anderen Verfasser bis in unseres Jahrhundert dem Menschen eine dermaßen außerordentliche Erleichterung angeboten wird.

Er sagt: "Derjenige, der diese Abhandlungen ein Jahr lang liest und dabei versteht und annimmt, kann ein wahrhaftiger Qur'angelehrter dieser Zeit werden." Ja, die wissenschaftliche Forschung geht in größter Geschwindigkeit weiter. Die Weiterschreitung im geistigen Bereich ist auch gleichermaßen. Wir leben in einer Zeit, in der im materiellen Bereich eine Entfernung von einer Stunde auf eine Sekunde herabgesetzt wurde. Und im geistigen Bereich läuft alles noch schneller noch umfassender. Die Kenntnis von der Wahrheit, die in früheren Zeiten in einem halben Jahrhundert erzielt wurde, kann jetzt in einer kurzen Zeit gewonnen werden. Sogar entstehen auch in noch kürzerer Zeit dieselbe Frucht und dasselbe Ergebnis. Wie kann ein Mensch, besonders ein Muslim, der bei Besinnung ist und von einer Erkenntnis aus dem Islam und von einem Resultat aus dem Glauben hört, die so sicher und leicht zu erzielen ist, und mit denen Gott der Gerechte in Seiner Barmherzigkeit und Freigiebigkeit den Muslimen und den Menschen dieses Zeitalters begnadet hat, wie kann dieser Mensch, besonders dieser Muslim sich zögern, für die "Nur"-Abhandlungen mit einer großen Ergebenheit und Liebe zu arbeiten, um dieses reiche Vermögen zu besitzen?

Meine eifrigen Freunde! Ich bin sicher, dass ihr mit eurem ganzen Eifer und mit eurem ganzen Dasein dafür arbeiten werdet, dieses dermaßen wertvolle, dieses dermaßen bedeutsame Gesamtwerk so schnell wie möglich

durchzulesen, und jeden Tag von ihm geistige Nahrung hinsichtlich des Glaubens und des Islams zu bekommen. Ich wünsche, dass ihr es auch so tut. Denn die Jugend geht vorbei... Das Leben vergeht... Die Zeiten kehren nicht zurück.

Ja, wir erwarten weder eine Hilfe von unseren Lehrern noch eine Ermutigung von unseren Vätern und Müttern. Und wir brauchen das auch nicht zu erwarten. Wir müssen uns nur durch die Gnade Gottes selbst ausbilden und dabei standhaft bleiben. Inshaallah, so Gott will, werden wir mit Ausdauer und Treue arbeiten und unbedingt aufsteigen, bis wir zu den höchsten Punkt der Stufen im Glauben und im Islam gelangen. Wir werden unser Herz mit dem Licht des Qur'an und unseren Kopf mit der Erkenntnis aus dem Glauben erleuchten und unser Herz und Verstand arbeiten lassen. Wir werden auf dem Weg, um ein reiner und aufrichtiger Diener und Streiter Gottes zu sein und der wahrhaftigen, opferwilligen, mutigen Gemeinde des Gottesgesandten anzugehören, mit den "Nur"-Abhandlungen marschieren und vorwärts gehen.

Handelt es sich darum, aus Risale-i Nur die Schrift, die man nie veraltern kann, zu lernen. So ist unser Verdienst sehr groß, wenn wir die "Nur"-Abhandlungen, die in qur'anischen Schriftzeichen geschrieben sind, mit der Hand vervielfältigen. Wir lernen die Schrift, die nie veraltern kann, in einer kurzen Zeit. Außerdem erhalten wir während des Abschreibens Kenntnisse. Dadurch die Vervielfältigung der Risale-i Nur Werke für den Glauben und den Qur'an gedient wird, bekommen wir außerdem sehr große geistige Gewinne. Und das Wissen, das man durch Schreiben lernt, bleibt noch gründlicher in dem Gedächtnis. Deshalb konnten bis jetzt tausende Jugendliche die Schrift des Qur'an lernen und sie lernen immer noch, wenn sie die Risale-i Nur abschreiben.

Meine wertvollen Mitbrüder! Ich will Euch noch einige von den vielen Vorzügen und Besonderheiten der Risale-i Nur Übermitteln. Außerordentliche Stärke der Kenntnis,

die in der Risale-i Nur ist, verwandelt den traditionellen Glauben in den bewussten Glauben um und bringt einen Menschen dazu, ein unerschütterlicher und starker Muslim, ein reiner Gläubiger zu werden, der nach seinem Wissen lebt. Sie erregt in uns ein Ekel gegen widerlichen und schmutzigen Genüsse und veranlasst uns darauf zu verzichten. Sie führt uns zu den Verhaltensweisen, die uns höchste und reinste, ewige und unsterbliche Freude und Genüsse vermitteln. Sie lässt den Menschen das Leben lieben. Sie errettet ihn vor dem Pessimismus und ersetzt ihn durch einen Optimismus durch Glauben. Sie macht die Faulen und Trägen regsam. Eine geistige Bewegung herrscht in der innerlichen Welt des Menschen. Sie erweckt die Neigung, nicht ein Mensch vom Mittelstand, sondern ein Mensch mit fortgeschrittenster Vorstellung und höchststehensten Empfindungen zu werden. Sie beseitigt schlechte Eigenschaften wie Selbstgefälligkeit, Überheblichkeit. Sie macht den Menschen mit hohen Eigenschaften wie Bescheidenheit und Würde wertvoll. Sie versöhnt die rivalisierenden Seiten. Sie lehrt das Schlechte nicht mit Schlechtem, sondern mit Gutem zu vergelten. Sie bewahrt die sauberen und wohlerzogenen Jugendlichen wie Euch vor dem Unglück, durch die schlechten Gewohnheiten einer schlechten Umgebung in Unmoral zu verfallen.

Aus diesem Grund kann ein wahrhaftiger "Nur"-Schüler, der die Risale-i Nur in Ergebenheit und fortwährend liest, sich von sittlich verfallenen Menschen fernhalten und sich bewahren, ohne seine Gesittung zu verlieren, auch wenn er unter ihnen bleiben muss.

Er beginnt mit seiner Begierde zu kämpfen, um seine Gesittung und Gesinnung zu erhöhen. Es gelingt ihm durch die Kenntnis und die Glaubensstärke, die er aus der Risale-i Nur entnimmt, dabei erfolgreich zu sein. Er verliert sich nicht in der verdorbenen Gesellschaft. Vielmehr verbreitet er die Risale-i Nur und gewinnt so ein Ideal, die Gesellschaft, die sich infolge der Abschwächung der

Glaubensgrundsätze verschlechtert hat, zu Überzeugen und zu verbessern. Als ein Reformer, der mit hohen gesellschaftlichen Grundsätzen ausgestattet ist, erzielt er in seinem Ideal und in seinen Prinzipien Fortschritte. Seine Berufung durchzusetzen und einzusetzen, beginnt er geradezu von einem Sieg zum anderen Sieg zu laufen.

Ja Freunde! Es gibt heute eine Wahrheitsquelle, die den grundlegendsten und wirksamsten Faktor und Anordnungen beinhaltet, um unsere gesellschaftlichen Sorgen und Wunden zu meistern und zu heilen. Und das ist die Risale-i Nur. Darum stürzen die wahrhaftigen Aufgeklärten und aufgeweckten Schüler und Studenten, die diese Wahrheiten begreifen konnten, in größeren Scharen auf die Risale-i Nur.

Unsere Gedanken werden ständig in einer Entwicklun sein. Die Risale-i Nur bringt uns bei, dass diese vorübergehende Welt ein Geschäftshaus für den Erwerb der ewigen Glückseligkeit ist. Um die Kenntnisse aus dem Glauben, welcher die Quelle, der Grund, das Licht und der Geist aller wahren Wissenschaften sind, zu studieren und zu erwerben und in unserem heiligen Ruf erfolgreich und in unserem heiligen Kampf siegreich zu sein, werden wir uns mit wenig nicht begnügen. Um ständig emporzusteigen, ständig fortzuschreiten und ständig Fortschritte zu erzielen, wollen wir an der Risale-i Nur arbeiten und andere auch für diese Arbeit gewinnen.

1947, Namens der "Nur"-Schüler aus Konya

Zübeyir Gündüzalp

بِاسْمِهِ سُبْحَانَهُ اَلسَّلاَمُ عَلَيْكُمْ وَرَحْمَةُ اللهِ وَبَرَكَاتُهُ

{"Im Namen dessen, der gepriesen sei. "Friede mit euch und Gottes Erbarmen und Sein Segen"}

Der heilige Qur'an, der die geistige Sonne ist, die nie untergeht, am Himmel dieses Kosmos, verbreitet seine Lichter, um die bei der Erschaffung geschriebenen Verse des großen Buches der Schöpfung lesbar zu machen und ihr Wesen zu zeigen. Indem er den Verstand des Menschen erleuchtet, zeigt er ihm den rechten Weg. Jeder Mensch kann also den Sinn seiner Erschaffung, die Wünsche seiner natürlichen Veranlagungen und das Ziel seines Lebensweges durch das Licht dieser Sonne der rechten Leitung (des Qur'an) sehen und erkennen. Diejenigen, die die Erscheinung dieses Lichtes der Rechtleitung empfangen, erwerben eine Nähe, indem sie entsprechend der Fähigkeit ihres Herzens Ihm (Allah- Gott) als einen Spiegel dienen. Das Wesen der Dinge und der tiefere Sinn des Lebens treten durch dieses Licht in Erscheinung und werden nur durch dieses Licht offenbar, verständlich und bekannt. Der heilige Qur'an, der die Lichter der geistigen Rechtleitung der urewigen Sonne repräsentiert, lässt die Wahrheit und Wirklichkeit mit dem Auge des Verstandes und des Herzens erkennen. Diejenigen, die von seinem Licht entfernt bleiben, verharren in der Finsternis. Denn alles wird nur durch das Licht offenbar, verständlich und erkennbar. Die lichtvolle Erscheinung des ehrwürdigen Qur'an, der die geistige und immerwährende Sonne dieser Wahrheit ist, empfängt die geistige Körperschaft der Risale-i Nur, die in diesem unseren Jahrhundert mit dem Titel "das Licht" genannt wird. Es sind die Lichter, welche wie eine Projektion auf die Glaubenswahrheiten richten für diejenigen mit der Fledermausnatur, die die Finsternis nicht verlassen wollen, die durch den Schlaf in Gottvergessenheit ihren Tag zur Nacht machen, die nach Ausschweifungen süchtig sind, deren Verstand in ihre Augen gerutscht ist, deren Augen

durch ihren Aufenthalt in der Finsternis nicht sehen können, und diejenigen, die von ihrem Weg abgeirrt sind, und welche den rechten Weg denjenigen zeigen, die nicht völlig blind sind. Die Lichter der Risale-i Nur schlagen die Keule des "Lichtes" auf die Leute des Unglaubens und auf die Häupter der Ungläubigen und sagen: Ihr sollt entweder euren Verstand beiseite lassen und so zu einem Tier werden oder kommt zur Besinnung und werdet so zu einem Menschen! Da das Wissen ein Licht ist, wollen wir kurz auf einige Beweise hinweisen, die zeigen, dass die Risale-i Nur mit dem Wissen vollkommen vertraut ist:

Erstens:

Wir sollen uns daran erinnern, dass die Risale-i Nur nicht die anderen Bücher, sondern nur den ehrwürdigen Qur'an als ihren Meister anerkennt und ihm dient. Wie geschätzt die Risale-i Nur in dieser Hinsicht ist, darüber brauchen wir kein Wort zu verlieren. Wir sagen nur, um in den Augen der Gelehrten den Wert der Risale-i Nur deutlich herauszustellen: Die Risale-i Nur erklärt und beweist in Überaus leichter Form auch die ungeklärtesten Fragen, die bis jetzt Überhaupt keiner von den Gelehrten vollständig erklären und beweisen konnte, in einer Weise, dass alle, angefangen von der einfachen Volksschicht bis zu der höchsten gebildeten Schicht ihrer Fähigkeit entsprechend verstehen, all ihre Zweifel beseitigen und sich vollständig Überzeugen können. Diese Eigenschaft ist nahezu in keinem Werk irgendeines Gelehrten zu sehen.

Zweitens:

Alle "Nur"-Werke zeigen in jeder Hinsicht, dass sie Kommentare zu einem Teil der Verse des ehrwürdigen Qur'an und seine geistigen Strahlen sind.

Drittens:

Sie geben den tiefliegendsten Bedürfnissen der Menschen mit sicheren Beweisen und Zeugnissen wissenschaftliche Antwort. Zum Beispiel: Sie beweisen die Existenz Gottes, des jenseitigen Lebens und die weiteren Glaubensgrundpfeiler, indem sie als Übersetzer der Tat und dem Wort eines Stäubchens Ausdruck verleihen. Während unter den berühmtesten islamischen Philosophen wie Ibn Sina (Avicenna), Farabi, Ibn Rusht (Averroes) in diesen Fagen die ganze Schöpfung als ein Beweis anführen,

beweist die Risale-i Nur dieselbe Wahrheit durch die Sprache eines Stäubchens oder eines Samenkornes. Wäre es heute möglich ihnen die wissenschaftliche Macht der Risale-i Nur zu zeigen, würden sie sich gleich ihr unterstellen und ihr Schüler werden.

Viertens:

Die Risale-i Nur vermittelt die Kenntnisse, die ein Mensch auch nach jahrelanger Mühe nicht erreichen kann, zusammengefasst in kurzer Zeit.

Fünftens:

Die Risale-i Nur ist ein Mittel, das Wohlwollen Gottes, das das eigentliche Ziel eines Studiums ist, zu erwerben und macht die Kenntnis auf keiner Weise zu einem Werkzeug für weltlichen Nutzen und repräsentiert somit im wahrsten Sinne die erhabenste Aufgabe, der Menschheit zu dienen.

Sechstens:

Die Risale-i Nur ist die Frucht eines starken und heiligen Nachdenkens Über den Glauben. Sie dient somit als Sprachrohr und Übersetzt das, was wir von der ganzen Schöpfung hören und sehen. Gleichzeitig bringt sie die Erkenntnisse aus dem Glauben zu den Stufen, die durch wissenschaftliche Kenntnisse belegt ('ilme-l'yakin),die augenscheinlich bezeugt ('ayna-l'yakin)und die selbst erlebt und gelebt (haqqa-l'yakin)sind.

Siebentens:

Die Risale-i Nur umfasst von den Grundlagen her alle Wissenschaften. Sie ist etwa wie ein verziertes Tuch, welches mit den Fasern des Wissens gewebt ist. Die Risale-i Nur ist eine Sammlung von Leitsprüchen, die kein Wissenschaftler bis heute geäußert hat und die herausstellen, dass sie mit jeder Wissenschaft vertraut ist. Als Beispiel wollen wir hier nur einige davon zitieren und empfehlen denjenigen, die sich von der ganzen Sammlung eine Vorstellung machen wollen, dass sie in dem Ozean der Risale-i Nur nachlesen.

1.Wer die Augen einer Mücke erschaffen kann, der muss auch die Sonne erschaffen haben.

2.Wer den Magen einer Wanze konstruiert hat, der muss auch das Sonnensystem konstruiert haben.

3.Um einen Atom erschaffen zu können, ist dieselbe unendliche Macht, die auch den ganzen Kosmos erschaffen kann, notwendig. Denn jeder Buchstabe in diesem großen Buch des Kosmos, besonders jeder lebendige Buchstabe hat ein Gesicht, das nach allen Sätzen schaut, und ein Auge, das sie betrachtet.

4.Die Natur ist ein spiegelbildlicher Abdruck, aber sie ist nicht der Drucker. Sie ist eine Dekoration, aber nicht der Dekorateur. Sie ist ein reagierendes Objekt und kein agierendes Subjekt. Sie ist eine Lineatur, aber nicht das Lineal. Sie ist eine Ordnung, aber nicht der, der die Ordnung errichtet. Sie ist ein Gesetz, aber nicht der Gesetzgeber. Sie ist eine Gesetzessammlung, die von dem Willen kommt, hat aber Überhaupt keine Realität in der sichtbaren Welt.

5.So wie die festen, beständigen und natürlichen Gesetze kommt auch der Geist von der Welt des Befehls, von der Eigenschaft des Willens. Die Macht bekleidet ihn mit Empfindungen und macht eine feine Flüssigkeit zu einer Perlmutschale um diesen Edelstein.

Und dergleichen gibt es tausende Leitsprüche.

اَلْبَاقِى هُوَ الْبَاقِى

{"Der Beständige ist der, der bleibt und besteht."}

Dr. Mustafa Hilmi Ramazanoglu

Buchgebet

بِسْمِ اللَّهِ الرَّحْمَنِ الرَّحِيمِ

يَا اَللّٰهُ ٭ يَا رَحْمٰنُ ٭ يَا رَحِيمُ ٭ يَا فَرْدُ ٭ يَا حَىُّ ٭ يَا قَيُّومُ ٭ يَا حَكَمُ ٭ يَا عَدْلُ ٭ يَا قُدُّوسُ

{"Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Allerbarmers." "Oh Gott! Oh Barmherziger! Oh Allerbarmer! Oh Einzigartiger! Oh Lebendiger! Oh Unwandelbarer! Oh Gerechter! Oh Heiliger!"}

Um Deines Gewaltigen Namens willen und um der Ehre des Qur'an, der in seiner Verkündigung ein Wunder ist, und um der Würde Deines ehrenwerten Gesandten willen, mit dem Friede und Segen sei, geleite diejenigen, welche dieses Buch gedruckt haben, ihre gesegneten Helfer und die Schüler der Risale-i Nur zur Ewigen Glückseligkeit in den Gärten des Paradieses. Amin. Verleihe ihnen immerwährenden Erfolg im Dienste am Glauben und am Qur'an. Amin. Und schreibe ihnen für jeden Buchstaben dieses Buches tausendmal Gutes in das Buch ihrer Guten Taten. Amin. Und gewähre ihnen Ausdauer, Stetigkeit und Aufrichtigkeit in der Verbreitung der "Licht"-Abhandlungen. Amin.

Oh Barmherziger Allerbarmer!... Schenke allen Schülern der Risale-i Nur Glück und Zufriedenheit in Beiden Welten. Amin. Beschütze sie vor der Bosheit des Teufels in Dschinnen- und Menschengestalt. Amin. Und verzeihe diesem schwachen und hilflosen Said seine Fehler. Amin...

Im Namen aller Nur-Schüler

Said Nursi

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